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Mythos: Mentale Stärke kann man nicht erlernen, sie ist angeboren

Viele glauben, so Chat GPT, dass mentale Stärke eine natürliche Eigenschaft ist, die nicht trainiert werden kann. Da wir bei Die Sportpsychologen (Netzwerk beitreten) mit solchen Mythen aufräumen wollen, halten hier einige unserer ExpertInnen entgegen:

Zum Thema: Mythen der Sportpsychologie

Janosch Daul, Die Sportpsychologen
Janosch Daul, Die Sportpsychologen

Antwort von: Janosch Daul (zum Profil)

Es gibt ja unzählige Definitionen vom Konstrukt der mentalen Stärke. Einer Definition zufolge ist mentale Stärke die Fähigkeit, sich “ungeachtet der vorherrschenden Bedingungen an seiner oberen Leistungsgrenze zu bewegen.” Mal angenommen, diese Fähigkeit wäre eine natürliche Eigenschaft, dann würde dies ja bedeuten, dass man sie entweder hat oder eben nicht. Das ist natürlich völliger Blödsinn. Mentale Stärke bzw. Faktoren, die darauf einzahlen, z.B. die Fähigkeit, mit Druck und unvorhersehbaren Situationen umzugehen, lassen sich genauso trainieren wie technische, taktische und konditionelle Aspekte. Aber: Man muss sie eben trainieren. Das erfordert Arbeit und Einsatz. 

Klaus-Dieter Lübke Naberhaus
Danijela Bradfisch, Die Sportpsychologen
Danijela Bradfisch, Die Sportpsychologen

Antwort von: Klaus-Dieter Lübke Naberhaus (zum Profil) und Danijela Bradfisch (zum Profil)

Mentale Stärke, vielleicht auch ein ähnlicher Begriff wie die Resilienz, sind komplexe Konstrukte und Konzepte. Natürlich spielt die biologische Seite hier eine Rolle, wie bei allen anderen Faktoren, die wir mitbekommen, auch. Die Sensibilität, Verletzlichkeit oder Robustheit ist auch genetisch vorgeprägt. Doch ein durchaus wesentlicher Anteil ist das soziale Umfeld, unsere Bildung und das, was wir an Selbstwirksamkeit erlernen und erleben, das, was wir an Ressourcen im Laufe unseres Lebens sammeln, um den Herausforderungen zu begegnen und unsere Probleme zu lösen. Unsere Fähigkeiten, sich den veränderten Bedingungen der Umwelt anzupassen sind zum Teil “biological preparedness”, jedoch zum anderen Teil erlernt und heraus gebildet.

Yvonne Dathe, Die Sportpsychologen
Yvonne Dathe, Die Sportpsychologen

Antwort von: Yvonne Dathe (zum Profil)

Es herrscht viel Unklarheit darüber, was mentale Stärke bedeutet, und selbst in der Wissenschaft gibt es verschiedene Definitionen. Wenn wir „mentale Stärke“ als die Fähigkeit verstehen, in entscheidenden Momenten das eigene Potenzial abzurufen, dann ist dies eine Fähigkeit, die trainiert werden kann. Mentale Stärke umfasst verschiedene Aspekte, wie das Distanzieren von nicht hilfreichen Gedanken, das Aufrechterhalten des Fokus auf die Handlung sowie das Ruhig- und Gelassen-Bleiben unter Stress uvm. Diese Dinge können selbstverständlich trainiert und verbessert werden.

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Janosch Daul: Tipps für Spieler, die ihren Trainer verstehen wollen

Missverständnisse sind im Sport nicht selten. Aber oft passieren sie unbeabsichtigt. Die Sportpsychologie kann Spieler unterstützen, aufmerksamer zu agieren, um alle vom Trainer kommunizierten Inhalte aufzunehmen, zu verstehen und letztlich umzusetzen. Wie die Unterstützung aussehen kann, habe ich diesem Text veranschaulicht.  

Zum Thema: Kommunikationstipps für Spieler

Aufmerksamkeitslenkung

Ein Trainer kann nur Rahmenbedingungen schaffen (siehe: Tipps für Trainer, die verstanden werden wollen, Link unter dem Beitrag), dass es dem Spieler leichter fällt, mit Aufmerksamkeit bei der Sache zu sein. Gerade dann, wenn der Trainer diese Rahmenbedingungen stimmig gesetzt hat, kann ein Trainer von seinen Spielern erwarten, dass diese tatsächlich aufmerksam dabei sind, sprich ihren gedanklichen Fokus auf das ausrichten, was jetzt gerade wichtig ist. Damit den Spielern dies gelingt, ist es hilfreich, z.B. mit Einbezug eines Sportpsychologen, Tools zur zielgerichteten Aufmerksamkeitslenkung zu entwickeln und sich als Team mit dem Thema Achtsamkeit zu beschäftigen. 

Umgang mit Unklarheiten

Es ist Spieleraufgabe, aktiv ins Nachfragen zu kommen, wenn er einen besprochenen Inhalt (kognitiv) nicht verstanden hat. Der Trainer kann durch sein Verhalten dazu beitragen, dass der Spieler sich traut, zielgerichtet nachzufragen, indem er eine offene Austauschkultur fördert und wertschätzend auf Rückfragen reagiert. 

Individuelle Vorbereitung/Professionalität

Letztlich ist es Spieleraufgabe, sich – gerade zum Spieltag hin – in eine bestmögliche körperliche und mentale Verfassung zu bringen. Nur wenn die eigenen Energieakkus, körperlich wie mental, geladen sind, lässt sich die bestmögliche Leistung bringen. Sind die mentalen und/oder körperlichen Beanspruchungswerte zu hoch, wird es dem Spieler schwer fallen, „richtige“ Entscheidungen zu treffen und (vielleicht auch noch recht neue) taktische Verhaltensweisen abzurufen. Gerade dann, wenn wir sehr beansprucht sind und/oder unter Stress stehen, greifen wir oft auf „alte“ bzw. „routinenhafte“ Muster zurück, die wir automatisiert haben. Für „gute“ taktische Entscheidungen brauchen wir also maximale kognitive Kapazität. 

Für einen Spieler muss also das Thema Wettkampfvorbereitung eine hohe Priorität haben – ausgiebiges Zocken im Bus auf dem Weg zum Spielort beispielweise wirkt beanspruchend. Die Entscheidungsqualität wird sich somit, besonders in Richtung Spielende, verschlechtern. Auch individuelle Themen und Konflikte muss der Spieler im Vorfeld so bearbeitet haben, dass sie im Spiel nicht ins Bewusstsein drängen und somit Einfluss auf das taktische Entscheidungsverhalten und die Spielleistung haben. Ein Trainer kann die Spieler in diesem Zusammenhang folgendermaßen unterstützen:

  • Adäquate Belastungssteuerung: idealerweise mit einer Diagnostik oder zumindest in Form eines zielgerichteten Austauschs mit den Spielern (Erfassung Erholungs- und Beanspruchungsbilanz)
  • intensives Arbeiten an der individuellen Wettkampfvorbereitung, im Zusammenspiel mit einem Sportpsychologen 
  • Integration eines Sportpsychologen ins Team, mit dessen Unterstützung Spieler proaktiv Themen bearbeiten können

Feedback

Ich freue mich auf euer Feedback. Und gern arbeiten meine Kollegen und Kolleginnen im Netzwerk (zur Übersicht) und natürlich ich (zum Profil von Janosch Daul) mit dir an deiner Aufmerksamkeit. Nimm dazu einfach Kontakt auf.

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Prof. Dr. Oliver Stoll: “Die Fronten in der Sportpsychologie brechen wieder auf”

Forschung und Anwendung sind nicht nur in der Sportpsychologie zwei verschiedene Welten. Die beiden Arbeitsbereiche zusammenzuführen, war das große Ziel von Prof. Dr. Oliver Stoll. Erreicht hat er es nicht, sagt der Leipziger im Interview. Mehr noch: Zudem sieht der Ex-asp-Präsident alte Fronten zwischen den „Psychologie“ und der „Sportwissenschaft“ wieder aufbrechen. 

Zum Thema: Interview mit Prof. Dr. Oliver Stoll 

Der in Hessen geborene Stoll machte seine ersten Schritte in der Sportpsychologie als Forscher und entwickelte sich in seiner Karriere mehr und mehr zum Praktiker und Ausbilder. An der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg baute er den Master-Studiengang “Angewandte Sportpsychologie” (Link) auf, der zukünftig 20 Plätze bietet. Im Interview erinnert sich Stoll an seine Anfänge in der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie in Deutschland (asp) und blickt selbstkritisch auf die vergangenen vier Jahre als Präsident des Verbandes:

Bei der asp-Tagung 2025 in Bochum übergab Stoll nach vier Jahren sein Präsidentenamt an Prof. Dr. Jana Strahler. Insgesamt war er über 16 Jahre in verschiedenen Ämtern an der Spitze der asp tätig. Vom aktuellen Präsidium ist er überzeugt und traut dem Team um Prof. Dr. Jana Strahler auch zu, eine wiederaufflammende Diskussion zwischen denen, die von Seiten der Psychologie zur Sportpsychologie stießen, und jenen, die ihr Zuhause in der Sportwissenschaft haben, zu einem guten Ende zu führen:

Stoll, der 2014 auch das Netzwerk Die Sportpsychologen mitbegründete, arbeitet als Sportpsychologe mit verschiedenen Athleten und Athletinnen sowie mit Verbänden. Im Fokus stehen junge Olympia-Hoffnungen und die Nationalmannschaften von Floorball Deutschland. Aber Stoll hat noch mehr vor:

Die nächste asp-Tagung findet 2026 in Heidelberg statt. 2029 wird Stoll in Halle/Saale noch einmal Gastgeber der Veranstaltung.  

Netzwerk beitreten

Mit dem Netzwerk Die Sportpsychologen sorgen wir für eine größere und verbesserte Sichtbarkeit der Sportpsychologie im deutschsprachigen Raum. Gleichzeitig geht es darum, dass Sportpsychologen, Sportpsychologinnen, sportpsychologische ExpertInnen und gut qualifizierte MentaltrainerInnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz von ihrer Zielgruppe schnell und einfach gefunden werden. Willst du dabei sein?

Link: https://www.die-sportpsychologen.de/netzwerk-beitreten/

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Janosch Daul: Tipps für Trainer, die verstanden werden wollen

Welcher Trainer kennt das nicht? Ein Spiel, in dem taktische Inhalte einfach nicht wie gewünscht umgesetzt werden. Dabei können zahlreiche Faktoren eine Rolle spielen – die meisten lassen sich sehr gut kontrollieren. Im Beitrag will ich aufzeigen, was Trainer wissen sollten, um von ihren Spielern besser verstanden zu werden. 

Zum Thema: Kommunikationstipps für Trainer

Trainer-Spieler-Beziehung, Kommunikation und Lernprozesse

Als Trainer und Führungskraft gilt es, zu jedem einzelnen Spieler in jeder Saisonphase eine Beziehung zu gestalten, die auf gegenseitigem Respekt und Wertschätzung basiert. Hier muss ein Trainer seinen individuellen Zugang zu jedem einzelnen Spieler finden und auch keine Mühe scheuen, gerade auch in herausfordernden Phasen auf den Spieler zuzugehen. Sobald ein Trainer innerlich – mit Blick auf die Beziehung mit einem Spieler – Störgefühle oder ein negatives Bauchgefühl empfindet, gilt es, akribisch Wege zu finden, um mögliche Themen zwischen Trainer und Spieler aufzulösen und Beziehung (auch immer wieder neu) zu gestalten. Fakt ist: Botschaften und Inhalte können aus Sendersicht noch so klar vermittelt worden sein – bei einer gestörten Beziehungsebene fordert es den Spieler heraus, Inhalte 

a) kognitiv bewusst aufzunehmen und 

b) auch bewusst umsetzen zu wollen. 

Kommunikation ist grundsätzlich keine Einbahnstraße. Wer anderen etwas vermitteln muss, wundert sich mitunter, wie wenig von dem, was man zuvor so gut und ausführlich erläutert hat, auf Rückfrage wiederholt und in die Praxis umgesetzt werden kann. Die Gründe hierfür sind vielschichtig: Wir unterschätzen z.B. oft die nonverbale Kommunikation, die selektive Wahrnehmung oder die Aufmerksamkeitskapazitäten der Spieler. Worauf gilt es also zu achten?

Körpersprache

Wir Menschen denken oft, Gestik und Mimik seien wie ein Beiwerk, und das Wichtigste sei das, was wir sagen. Es gibt aber viele Experimente, die aufzeigen: Wenn man etwas sagt und dabei ängstlich oder unsicher rüberkommt, nimmt man dem Redner seinen Inhalt nicht ab. Nicht nur das, was man sagt, sondern vor allem WIE man es sagt, ist also entscheidend. Trainer sollten also bewusst auf ihre Körpersprache achten. Körperhaltung, Gestik und Mimik müssen zu den Aussagen passen. 

Zeitpunkt der Informationsvermittlung

Es gibt Zeitpunkte am Tag, an denen sich Menschen, und somit auch Spieler, besser bzw. schlechter erreichen lassen, denn wir sind nicht zu jeder Uhrzeit gleich leistungsfähig. Die Forschung zeigt: Die Leistungsfähigkeit schwankt im Tagesverlauf um ein Vierteil, 25% der Infos gehen also schon dadurch verloren, dass zu einem ungünstigen Zeitpunkt kommuniziert wird. Nun lassen sich Taktikbesprechungen im Nachwuchs nicht immer z.B. um 11 Uhr ansetzen, einem Zeitpunkt, an dem wir zumeist leistungsfähig sind. Wenn zu später Stunde Inhalte vermittelt werden, gilt es umso mehr – bevor ein Trainer loslegt – die Spieler zu beobachten: Wie nehme ich sie wahr? Was brauchen sie gerade? Wenn Trägheit und Müdigkeit wahrnehmbar ist, macht es Sinn, die Spieler zunächst bewusst dabei zu unterstützen, in eine Aktivierung zu kommen – z.B. durch eine einmütige Life Kinetik-Übung. 

Schaffen sozialer Situationen

Es müssen Situationen geschaffen werden, in denen das angeeignete Wissen, z.B aus Videoanalysen, direkt umgesetzt werden kann. Anders formuliert: Das sogenannte „Natural Learning Environment“ gewinnt immer mehr an Stellenwert, also „natürliche Schutzräume“, in denen Menschen das Wissen für sich ausprobieren können. Lernen funktioniert nicht, wenn man Wissen irgendwann anwenden soll, nachdem man die Infos bekommen hat, sondern muss – gerade in Bezug auf motorische und kognitive Lernprozesse – auf vielfältige Art und Weise angewendet werden. In Taktikbesprechungen kann z.B. eine Mini-Gruppenarbeit in Form einer Kleingruppendiskussion eingebaut werden: „Beschreibt euch gegenseitig so konkret wie möglich eine Teamsituation, an die ihr euch erinnern könnt, in der wir in einem Spiel die Position in unserer Kette gehalten haben… (…).“ Oder der Trainer ermutigt seine Spieler, noch einmal bewusst eine Situation aus der Vergangenheit zu visualisieren, in der das umzusetzende Verhalten an den Tag gelegt wurde. Ideal ist es, wenn im anschließenden Training gleich das geübt wird, was besprochen wurde und somit direkt „motorisches Lernen“ – mit Wiedererkennungswert – stattfinden kann. Es reicht also nicht, jemandem etwas ausschließlich auf kognitiver Ebene klarzumachen, der Trainer muss sich stattdessen überlegen, wie er die Spieler dabei unterstützen kann, dass sie die Info auch motorisch umsetzen können. 

Selbststudium 

Unter klassischer Bildung wird folgendes verstanden: Menschen kommen in einen Raum, im zweiten Schritt wird das Wissen (vom Lehrer, Trainer etc.) vermittelt und dann gehen wir davon aus (3. Schritt), dass die Empfänger es verstanden haben und umsetzen können. Viel erfolgversprechender ist es, wenn der Lehrer, Trainer o.Ä. seine Schützlinge dazu bringt, sich schon im Vorfeld inhaltlich zu aktivieren, sich also vorher schon mit der dann zu besprechenden Thematik auseinanderzusetzen. Innovative Lehre versucht, „umzudrehen“. Die Wissensvermittlung beginnt schon VOR der Präsenzphase. Konkret kann dies im Fußball so aussehen, dass z.B. vor der Matchplanbesprechung schon eine bewusste Reflexionsaufgabe, bezogen auf einen taktischen Inhalt, der dann besprochen wird, kommuniziert wird. 

Aktiver Spielereinbezug

Lernen funktioniert nicht in einer passiven Rolle. Kognition hat immer auch etwas mit Affektion zu tun. Soll heißen: Über die Emotion kommt die Motivation, sich überhaupt mit Infos auseinanderzusetzen. In einer Besprechung müssen die Spieler also in eine aktive Rolle versetzt werden, z.B. durch das Stellen konkreter Fragen. Sie müssen sich als aktives Mitglied der Besprechung verstehen!

Bewusstes Absichern

Selbst bei den einfachsten Zusammenhängen gilt es, Spieler immer wieder zu fragen, was denn bei ihnen angekommen ist. Denn ob wir wollen oder nicht – manchmal „schalten“ wir einfach „ab“. Es gilt also z.B. im Plenum nachzufragen, was angekommen ist oder man lässt einen Spieler einen besprochenen Inhalt nochmals an der Taktiktafel für alle aufzeigen. 

Aufmerksamkeitskapazität beachten

Je länger eine Besprechung dauert und je „müder“ Spieler sind, umso mehr muss darauf geachtet werden, dass neue Reizpunkte in die Besprechung integriert werden, um Aufmerksamkeit (wieder) zu binden. Ab etwa zwölf Minuten fällt es uns Menschen schwerer, sich willentlich zu fokussieren. Es gilt immer wieder zu überlegen: Was braucht der Spieler, um in eine optimale Aufmerksamkeitsphase reinzukommen? So kann der Trainer bewusst eine kurze Geschichte einbauen, um den Informationsduktus zu brechen. Auch durch ganz viele einfach umsetzbare Tools (Pausen einlegen, mit der Stimme spielen, Veränderung der Position im Raum, Spieler namentlich ansprechen, Wechsel in der Lautstärke usw.) kann ein Trainer die Spieler unterstützen, Aufmerksamkeit (wieder neu) zu binden. 

Verschiedene Lerntypen beachten

Es gibt verschiedene Lerntypen: auditiv, visuell, haptisch, kommunikativ und einen „Kombinationstypen“. Auditiv bleiben circa 20 Prozent des Gesagten hängen, visuell schon etwa 30 Prozent des Gesehenen, z.B über bewegte Bilder bei einer Videoanalyse, kommunikativ – also durch zielgerichteten Austausch – circa 50 Prozent. Schon dies zeigt auf, wie wichtig es ist, dass wir nicht nur ein „Informationspaket“ in die Menge geben und denken: „Das war´s!“. Die Spieler müssen die Inhalte verarbeiten. Konkret: Sie müssen das Paket aufmachen, schauen, was drin ist und die Inhalte zusammensetzen. Wenn die ersten drei Wege kombiniert werden, werden schon etwa 70 Prozent der Infos erinnert, wenn neben dem Sehen, dem Hören und Diskutieren noch das Selbertun hinzukommt, dann sogar circa 90 Prozent. Es ist also extrem wichtig, die Spieler auf verschiedenen Kanälen anzusprechen!

Nachhaltige (taktische) Lernprozesse ermöglichen

Mal angenommen, ein Trainer arbeitet über eine Saison mit einem Team zusammen, sollte dieser sicherstellen, nachhaltige (taktische) Lernprozesse zu ermöglichen. So kann ein Trainer z.B. ein „Workbook“ und/oder Onlineordner einführen, in dem relevante – besprochene – Inhalte händisch bzw. digital abgelegt werden. Gleichzeitig sollte eine Lernkultur erarbeitet werden, die eine entsprechende regelmäßige Beschäftigung mit den Inhalten vorsieht. Auch die Einführung eines „Besprechungstagebuchs“, in dem die Spieler sich bei Besprechungen Notizen machen können, ergibt Sinn. Durch das Mitschreiben werden Infos besser erinnert und gleichzeitig erhält der Spieler eine aktivere Rolle im Rahmen der Besprechung – er ist schlichtweg kein passiver Konsument mehr. Außerdem verleiht diese Maßnahme der Besprechung eine zusätzliche Bedeutung. 

Relevanz und Identifikation schaffen

Diese Tipps helfen dabei, die gewünschten Informationen an die Spieler zu vermitteln. Dennoch fehlt (vielen) Spielern ein Bewusstsein für die Wichtigkeit z.B. von Taktikbesprechungen. Es gilt also, für den Zusammenhang zwischen dem taktischen Input und der individuellen Leistungsentwicklung sowie der Spielperformance immer wieder zu sensibilisieren. Der Spieler muss immer wieder neu das Gefühl in sich tragen: „Das, was wir hier besprechen, hat eine brutale Relevanz für mich!“

Letztlich sind es die Spieler auf dem Feld, die Entscheidungen treffen und eine Spielidee umsetzen (müssen). Von dieser Idee müssen sie schlichtweg überzeugt sein – sonst entsteht ein innerer Widerstand, der dann oft dazu führt, dass sie eben nicht das machen, was besprochen wurde. Deshalb sollten die Spieler bei der Entwicklung einer Spielidee und auch eines Matchplans für das Spiel XY immer aktiv miteinbezogen werden – je älter sie sind, umso intensiver. Schließlich werden sie mit den zunehmendem Fußball-Lernerfahrungen immer mehr zu Experten, die selbst am besten wissen, was sie spielen können und wie sie ihre Stärken effektiv in die Anwendung bringen.

Widerstände auflösen 

Idealerweise gehen alle Spieler und Trainer nach einer Matchplanbesprechung mit einem Gefühl von „Yes, das ist ein geiler Plan, mit diesem kann ich mich voll identifizieren!“ aus dem Besprechungsraum. Wenn Spieler individuelle Widerstände empfinden, sollte der Trainer versuchen, diese aufzulösen und Handlungssicherheit zu vermitteln  – durch zielgerichtete Kommunikation. Zudem stehen individuelle Verhaltensweisen, die der Trainer von Spieler XY einfordert, oft in einem inneren Konflikt mit den inneren Überzeugungen, Glaubenssätzen und Charaktereigenschaften des Spielers. Einen mutigen, vielleicht auch extrovertierten Innenverteidiger wird es wohl immer herausfordern, „nicht mutig“ zu agieren/zu verteidigen. Sich anders zu verhalten, löst in dem Spieler – ganz natürlich – einen inneren Konflikt aus. 

Diese Individualität gilt es schon bei Kaderzusammenstellungen, aber auch bei der Entwicklung von Spielideen und Matchplänen zu beachten. Zugleich sollte ein Trainer dann – z.B. im Zusammenspiel mit einem Sportpsychologen – mit dem Spieler daran arbeiten, auch alternative taktische Verhaltensmuster in sein Handlungsspektrum zu übernehmen, und zwar so, dass es sich – ganz natürlich – „gut“ und „stimmig“ anfühlt. 

Verhalten verstehen

Grundsätzlich ist es in vielen Situationen sehr sinnvoll, zielgerichtet mit den eigenen Spielern in einen Austausch zu treten. Je älter die Spieler, umso mehr. Dieser Austausch ermöglicht es u.a., die Spieler – und deren Verhaltensweisen – besser zu verstehen. Der Trainer könnte den Spieler z.B in einer Videobesprechung (oder noch besser: im Face-to-face-Gespräch) fragen: „In Situation XY habe ich wahrgenommen, dass du dich entgegen unserem Plan verhalten hast. Du hast dich für ein anderes taktisches Verhalten entschieden. Mich interessiert: Was hat dich daran gehindert? Und mit Blick auf die Zukunft: Was hätte es von dir selbst, aber auch von mir als Trainer gebraucht, um in die Umsetzung zu kommen?“ 

Letztlich wissen die Spieler am besten, was sie daran gehindert hat, sich entsprechend zu verhalten. Außenstehende, auch Trainer (!), können ja immer nur Hypothesen aufstellen. Entsprechend den Antworten des Spielers kann dieser künftig noch zielgerichteter unterstützt werden.

Feedback und Austausch 

In einem zweiten Teil, der in der kommenden Woche veröffentlicht wird, werde ich die Spielerseite in den Fokus nehmen. Bis dahin freue ich mich auf Feedback und Austausch. 

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Niklas Wangnet: Die Körpersprache wird von Schiedsrichtern oft unterschätzt

Unter den deutschen Floorball-Schiedsrichtern ist Niklas Wangnet aus Berlin einer der Shooting-Stars der vergangenen Jahre. Seine Superkraft ist die Körpersprache. Selbst international gibt es nur wenige Referees, die ihre Entscheidung derartig eindrücklich mit Gestik, Mimik und Ausstrahlung untermauern. Mathias Liebing, Redaktionsleiter von Die Sportpsychologen, konnte Niklas Wangnet zum Thema Körpersprache für Schiedsrichter befragen. 

Niklas Wangnet, du bist als Schiedsrichter für deine positive Ausstrahlung bekannt. Ist dir dies in die Wiege gelegt oder hast du in den vergangenen Jahren daran gearbeitet?

Das war ein langer Weg bis heute und ich denke, dass es auch noch viele Kleinigkeiten gibt, an denen ich weiterarbeiten muss. Ich habe 2013 als Schiedsrichter angefangen und noch sehr lange danach sah das alles unbeholfen und nervös aus und hat sich ehrlicherweise auch so angefühlt. Ich habe daraufhin viel Zeit verbracht mit dem Feedback von Schiedsrichtercoaches, dem Selbststudium von Videos von eigenen Spielen und Videos von internationalen Topschiedsrichtern und auch mit Büchern über die Psychologie des Schiedsrichten. Und natürlich stand ich auch mal vor dem eigenen Spiegel zu Hause, um zu sehen, ob ich mir als Spieler selbst gegenüberstehen wollen würde. 

Inwiefern ist die Kommunikation für dich als Schiedsrichter mit den SpielerInnen auf dem Feld wichtig? Gibt es für dich Grundsätze? Und inwiefern denkst du bei deinem Auftreten auch die Zuschauer mit?

Als Schiedsrichter bist du viel mehr als nur die Person mit Regelwerk und Pfeife. Natürlich muss das Regelwissen stimmen, aber viel wichtiger ist, wie gut du die getroffene Entscheidung für alle Spieler:innen und Zuschauer:innen verkaufen kannst. Dazu gibt es viele Tools, wie Körpersprache, Mimik, Gestik und Worte, die bei den Spieler:innen und Fans die Reaktionen verändern können. Die Entscheidungen müssen klar und verständlich kommuniziert werden, sonst gibt es unnötigen Frust, der sich negativ auf den folgenden Spielverlauf auswirkt. Dass manche Entscheidungen jedoch noch so gut kommuniziert sein können und trotzdem Frust auslösen, ist auch klar. 

Niklas Wangnet, Foto: Floorball Deutschland, Final4 2025 Zwickau

Die eigentliche Arbeit beginnt daher schon weit vor dem Pfiff. Wir versuchen proaktiv auf die Spieler:innen und Coaches einzuwirken, damit bestimmte Fouls gar nicht erst passieren. Indem wir beispielsweise unmittelbar vor einem sich anbahnenden Zweikampf die Spieler:innen laut warnen, merken sie, dass wir präsent sind und schrecken hoffentlich vor einem Foul zurück. Falls nicht, macht es uns das dann wiederum leichter, die Entscheidung über das Foul zu verkaufen. 

Als Grundsatz für die Kommunikation steht natürlich immer der Respekt an erster Stelle. Nur wenn wir die Spieler:innen respektieren, werden sie auch uns respektieren. Das fordern wir andersrum allerdings auch ein, Respekt ist keine Einbahnstraße. Hier blicke ich sehr zum Rugbysport auf, wo die Kommunikation von Schiedsrichter:innen und Spieler:innen in besonderem Maße von gegenseitigem Respekt geprägt ist. 

Empfiehlst du als Schiedsrichter eigentlich auch Spielern und Spielerinnen, an ihrem Auftreten zu arbeiten? Warum lohnt es sich vielleicht sogar, mit Hilfe der Sportpsychologie  in Bezug auf Körpersprache, Mimik und Gestik zu investieren?

Auf jeden Fall! Die Wirkung von Körpersprache auf den Gegner, aber insbesondere auch auf sich selbst und sein eigenes Team und die Fans ist meiner Meinung nach in weiten Teilen noch völlig unterschätzt. Ich sehe bei uns Schiedsrichtern, welche vermeintlich kleinen Veränderungen, wie bspw. die Position der Handfläche beim Anzeigen eines Fouls, bedeutende Veränderungen in den Reaktionen haben kann. Das lässt sich sicherlich auch auf Spieler:innen übertragen, zum Beispiel vor dem Spiel, bei einem Rückstand oder einem eigenen Tor gibt es sicherlich viele Kleinigkeiten, die verändert werden können, um eine ganz andere Wirkung zu erzielen.

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Johanna Constantini: Smartphone – Routinen für mehr offline Zeit während Training und Wettkampf

Es ist so, wie es Manfred Spitzer einst bezeichnete. Das Smartphone stellt das „Schweizer Taschenmesser der Informationsgesellschaft“ dar (Spitzer, 2017). Auch im Sport kann beinahe alles damit abgerufen, nachgeschlagen, bewertet und gemessen werden. Doch bei vielen Vorzügen, die die digitalen Allzeitbegleiter heute bieten, verringern sie erwiesenermaßen unsere Konzentrationsfähigkeit und führen dazu, dass Tätigkeiten meist mehrfach unterbrochen werden. Digitaler Stress stellt sich ein und ist geprägt von dem gefühlten Zwang, schnell auf Nachrichten zu antworten und ständigen Unterbrechungen ausgesetzt zu sein. Letzteres Gefühl des Multitaskings ist nicht förderlich, vor allem dann nicht, wenn im Sport Höchstleistungen erbracht werden sollen. Ich habe drei Tipps für den sportlichen Alltag formuliert.

Zum Thema: Umgang mit dem Smartphone im Sport

Aktives Nutzen statt passives Reagieren

Durch Benachrichtigungen werden wir schnell verleitet, auf das Smartphone zu reagieren. Und das alle paar Minuten, sobald Nachrichten aus Chats, Social Media Kanälen oder von diversen Online Banking Konten die Bildschirme erleuchten. Während Training und Wettkampf – auch, wenn das Smartphone wegen diverser unverzichtbarer Funktionen gerade mitgeführt werden muss – sollten so viele Benachrichtigungen wie möglich stumm geschaltet werden. Nur so kann aktiv agiert und gezielt genutzt werden. Und zwar dann, wenn man es selbst entscheidet und nicht dazu verleitet wird.  

Aus den Augen, aus dem Sinn…

…sollte das Smartphone bestenfalls während Training und Wettkampf sein. Daher gilt, wann immer möglich das Smartphone in der Trainingstasche oder gar dem Spind in der Kabine verschwinden zu lassen. Wichtige Kontaktpersonen können im Fall vorher über Trainings- und Wettkampfzeiten informiert werden, um dringende Erreichbarkeiten vorab zu klären. Bei Kindern und Jugendlichen sorgen Eltern oft dafür, dass Smartphones aus Gründen der Erreichbarkeit ständig mitgeführt werden. Eine Alternative wäre, in Notfällen über Trainerinnen und Trainer den Kontakt zu suchen. Nur so können Sportler und Sportlerinnen sich vollends auf Training und Wettkampf konzentrieren

Konkurrenz neu denken

Auch über Social Media Kanäle kann Konkurrenzdenken und damit der Vergleich mit anderen und ihren Leistungen entstehen. Besonders in Wettkampfphasen gilt daher, die eigenen Kanäle nach motivierenden und irritierenden Inhalten zu durchforsten, um letzteren zu entfolgen. Wenn Social Media Kanäle während Wettkampfphasen genutzt werden, empfiehlt es sich, den Fokus auf motivierende, anspornende Inhalte zu legen. 

Tipp: Verletzungsbedingte Pausen stellen vulnerable Phasen dar, in denen ebenfalls besonders auf Inhalte geachtet werden sollte, die Sportlerinnen und Sportler demotivieren und in einen haltlosen Vergleich treiben.

Fazit

Die Handhabe von Smartphone und Social Media Nutzung muss während Trainings- und Wettkampfphasen mitgedacht werden. Digitale Strategien für eine aktive, selbstbestimmte Nutzung sind wichtig, um analoge Höchstleistung bringen zu können. 

Meine Kollegen und Kolleginnen im Netzwerk (zur Übersicht) helfen gern dabei, mit euch auch in diesem Bereich zu arbeiten. Ich freue mich auf eure Kontaktaufnahme (zur Profilseite).

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Björn Korfmacher: Die Last des Leaders

Bei einer Eishockey-WM sind die Teams längst nicht mit ihren besten Spielern gespickt. Die gleichzeitig stattfindenden NHL-Playoffs sind Grund dafür, dass die Besten der Besten der Eishockeyweltbühne meist fernbleiben. Doch manchmal, wenn etwa das NHL-Team frühzeitig aus dem Wettbewerb um den prestigeträchtigen Stanley Cup ausgeschieden ist, gibt sich der ein oder andere Superstar die Ehre und schnürt die Schlittschuhe für sein Heimatland. Bei dieser WM ist es für Deutschland unter anderem Tim Stützle, Stürmerstar der Ottawa Senators. Gehalt: 8,35 Millionen Dollar pro Jahr. Und der steht nicht erst vor dem letzten Gruppenspiel der WM gegen Gastgeber Dänemark unter Druck.

Zum Thema: Wenn große Erwartungen Topspieler kleinhalten

Ein Spieler vom Format eines Tim Stützle sorgt nicht nur für allgemeine Begeisterung unter deutschen WM-Fans. Er macht auch Hoffnung auf einen Medaillenplatz. Neben spektakulären, zum Zunge schnalzenden Einzelaktionen erwartet man von ihm vor allem aber eines: Tore. Doch die blieben bis jetzt aus. Nicht ein einziger Treffer ist ihm bis zum Gruppenspiel-Showdown gegen Gastgeber Dänemark gelungen. Seine Enttäuschung ist ihm in jedem Interview deutlich anzusehen. Er scheint zu spüren, dass er die Erwartungen nicht erfüllt. Es sind aber nicht nur die Erwartungen der Fans, Trainer und Mitspieler, die auf einem Superstar lasten – es sind auch die eigenen Erwartungen an sich selbst. Tolle Moves, fehlerfreie Aktionen, schöne und wichtige Tore – das alles gehört in den meisten Fällen zum Selbstverständnis eines Eishockey-Superstars. Erst recht bei einer Weltmeisterschaft, wo die Gegner in der Regel deutlich schwächer sind als zuhause in der NHL. Auf der einen Seite will man die Fans nicht enttäuschen – auf der anderen Seite möchte man auch um seiner selbst willen dem Superstar gerecht werden (Stichwort Ego). Dieses Konstrukt bildet ein Doppelpack an Last, was dem befreiten Aufspielen einen schweren Dämpfer versetzen kann.        

Schauen wir nur zu den anderen NHL-Stars, die ihre Nationalmannschaften verstärken, zum Beispiel der Tscheche David Pastrnak, der Kanadier Sidney Crosby oder der US-Amerikaner Tage Thompson. Bei denen läuft’s. Die scoren. Aber: Die stehen auch nicht so unter Druck. Denn auch ohne sie würde man von diesen Teams nichts Geringeres als eine Medaille erwarten. 

Wie intervenieren?

Im Idealfall bereitet man als Sportpsychologe oder Sport-Mentaltrainer einen Superstar wie Tim Stützle schon im Vorfeld mental auf so eine WM vor (wenn die Zeit da wäre), indem man mit ihm über seine persönlichen Erwartungen und Ziele spricht und diese gegebenenfalls auf ein gesundes und realistisches Maß runterschraubt, um die Last von den Schultern zu nehmen. Denn in jedem Spiel, in jedem Shift Außergewöhnliches zu vollbringen, in jeder Situation alles richtig zu machen und Tore am Fließband zu schießen, ist unrealistisch. Das erwarten weder Fans noch Trainer und darf nicht der Anspruch sein. 

Was ich Tim Stützle jetzt in der aktuellen Situation sagen würde? Die Wahrheit. Dass sein individuelles Können bis jetzt in jedem Spiel mehrmals aufgeblitzt ist und bestaunt und beklatscht wurde. Dass er mehrmals um Haaresbreite einen Treffer erzielt hat, der – wäre der Puck mit etwas mehr Glück reingegangen – Potenzial für das Tor der Woche gehabt hätte. Und dass er zwar (noch) nicht gescored, aber begeistert hat. Auch als Trainer würde ich hier nicht taktisch belehren, sondern emotional bestärken. Und genau das könnt ihr auch als Trainer oder Mitspieler tun, wenn es gerade in einer speziellen Saisonphase bei eurem Superstar im Team gerade nicht läuft. Niemand soll schließlich von der Last des Leaders erdrückt werden. 

Mehr zum Thema:

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Mariel Geppert: Beim Bouldern liebe ich es, ständig mit dem Szenario des Scheiterns umzugehen

Basketball, Rennradfahren, Floorball oder eben Klettern und Bouldern. Mariel Geppert (zum Profil) ist leidenschaftlich im Sport und in der Sportpsychologie unterwegs. Mathias Liebing, Redaktionsleiter von Die Sportpsychologen, hat mit ihr über ihre Leidenschaftsthemen gesprochen: 

Mariel, du arbeitest insbesondere im Basketball. Warum ist diese Sportart so perfekt geeignet, um sportpsychologisch zu arbeiten?

Basketball ist eine hochdynamische, komplexe Sportart, die auf mehreren Ebenen enorme Anforderungen stellt – physisch wie mental. Genau das macht sie besonders spannend für die sportpsychologische Arbeit. Zum einen vereint Basketball verschiedene Systeme miteinander: die individuelle Leistung, die Teamdynamik sowie die Zusammenarbeit mit dem Funktionsteam. Jede dieser Ebenen beeinflusst sich gegenseitig und schafft eine Vielzahl an Ansatzpunkten für psychologische Unterstützung.

Hinzu kommt die enorme Geschwindigkeit des Spiels: Entscheidungen müssen oft innerhalb von Sekunden getroffen werden – sowohl im eigenen Interesse als auch im Sinne des Teams. Diese permanente Anforderung, präsent und handlungsbereit zu bleiben, erfordert ein hohes Maß an mentaler Flexibilität, Konzentration und Commitment – und das ohne nennenswerte Pausen, über die gesamte Spieldauer hinweg.

Basketball ist zudem ein multifaktorielles Geschehen: Neben dem Spiel an sich wirken äußere Einflüsse wie die Atmosphäre in der Halle, das Verhalten von Zuschauer*innen und die Entscheidungen von Schiedsrichter*innen mit hinein. Spieler*innen müssen lernen, sich trotz dieser Faktoren auf ihre Aufgaben zu fokussieren, mit Frustration umzugehen und auch in schwierigen Phasen Durchhaltevermögen zu zeigen – selbst dann, wenn sie die Umstände nicht direkt beeinflussen können.

All diese Facetten machen Basketball zu einem idealen Feld, um mentale Stärke gezielt aufzubauen und weiterzuentwickeln.

Welchen anderen Sportarten gehört dein sportpsychologisches Herz und welche Sportart hast du oder machst du selbst?

Neben Basketball schlägt mein Herz besonders für den Bergsport – vor allem fürs Klettern und Bouldern. Ich liebe es, draußen unterwegs zu sein, Neues zu lernen, mich auf meine eigenen Fähigkeiten zu verlassen und sowohl körperlich als auch mental gefordert zu werden. Beim Klettern geht es nicht nur um Kraft oder Technik, sondern auch darum, ruhig zu bleiben, Ängste zu überwinden und vor allem mit dem ständigen „Scheitern“ umzugehen. Besonders herausfordernd ist es, wenn ich an meinem Leistungslimit klettere und manchmal Tage brauche, um eine Route zu bewältigen oder die passende Beta (den richtigen Weg) für mich zu finden. Diese Prozesse sind mental anspruchsvoll – umso schöner ist das Gefühl, wenn ich es schließlich geschafft habe. Genau diese Erfahrungen prägen auch meine sportpsychologische Arbeit.

Außerdem bin ich leidenschaftliche Rennradfahrerin. Hier reizt mich besonders das Durchhaltevermögen: weiterzufahren, wenn die Beine schwer werden und der Kopf erste Zweifel anmeldet. Auch das ist mentale Stärke – ein zentraler Faktor, der im Sport wie im Leben oft den entscheidenden Unterschied macht.

Richtig begeistert hat mich in letzter Zeit auch Floorball. Die Geschwindigkeit und das intensive Teamspiel bieten unglaublich spannende Ansätze für die sportpsychologische Arbeit – und ich lerne selbst immer noch viel dazu, was ich als große Bereicherung empfinde.

Was war das schönste Kompliment, was du bislang für deine sportpsychologische Arbeit bekommen hast?

Die Antwort bekam ich von einem Coach in der gemeinsamen Zusammenarbeit:

“Mit deiner Unterstützung schaffe ich es, die Knoten in meinem Kopf zu lösen und Gedanken neu zu sortieren. Dadurch finde ich wieder den Zugang zu dem, was meine Arbeit als Coach wirklich ausmacht: die echte Freude und die Leidenschaft, Menschen zu begleiten. Deine Unterstützung bringt nicht nur Klarheit, sondern gibt der Arbeit wieder Herz und Tiefe.”

Neben Mariel Geppert (zum Profil) gehört seit Kurzem auch Karolina Krause (zum Profil) zum Netzwerk Die Sportpsychologen. Wenn du auch bei uns mitmachen willst, kannst du dich hier informieren: https://www.die-sportpsychologen.de/netzwerk-beitreten/

Das Interview mit Karolina gibt es hier: https://www.die-sportpsychologen.de/2025/05/karolina-krause-der-sport-hat-das-verhaeltnis-zu-meinem-vater-erschuettert/

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Norbert Lewinski: Sportpsychologie im Strongman-Sport – Stärke beginnt im Kopf

Die Strongman-Wettkämpfe, also Kraftsportdisziplinen, bei denen extreme physische Aufgaben bewältigt werden müssen, erlebten ihren Höhepunkt in Mitteleuropa und Skandinavien gegen Ende der 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre. Länder wie Polen, Finnland, Island, Norwegen, Litauen und die Ukraine wurden zu Brutstätten von Kraftgiganten – Namen wie Mariusz Pudzianowski oder Jón Páll Sigmarsson sind bis heute legendär. Trotz der offensichtlichen physischen Anforderungen ist es ein Trugschluss, anzunehmen, dass es im Strongman-Sport nur auf rohe Muskelkraft ankommt. Psychologische Faktoren sind essenziell – sie beeinflussen Leistung, Belastbarkeit, Regeneration und langfristigen Erfolg entscheidend. Was macht den Strongman-Sport so speziell?

Zum Thema: Sportpsychologie im Kraftsport

Die Bandbreite der Disziplinen im Strongman-Sport stellt sowohl den Körper als auch den Geist auf die Probe. Beim Atlas Stones (Hebung und Platzierung schwerer Steinkugeln) ist nicht nur rohe Kraft gefragt, sondern auch Timing, Fokus und präzise Bewegungskoordination. In der Disziplin Vehicle Pull, bei der LKWs oder sogar Flugzeuge gezogen werden, geht es um extreme Willenskraft, mentale Schmerzkontrolle und eine klare Zielorientierung unter maximalem Druck. Beim Farmer’s Walk sind psychische Belastbarkeit, rhythmische Stabilität und Ausdauer von zentraler Bedeutung. Selbst der klassische Deadlift (Kreuzheben) wird schnell zur mentalen Grenzerfahrung – hier entscheidet der Kopf über Erfolg oder Versagen.

Die psychologischen Herausforderungen beginnen jedoch lange vor dem Wettkampf. Strongman-Athleten trainieren meist über Jahre hinweg unter enormer physischer und mentaler Belastung. Chronische Erschöpfung, Motivationslöcher, Startangst und hoher Druck zur Performance sind Alltag. Viele Athleten kämpfen mit Selbstzweifeln, Verletzungsängsten oder der Angst vor Versagen in der Öffentlichkeit – besonders unter Wettkampfbedingungen mit Publikum, Kamera und Rivalität. An dieser Stelle setzt die Sportpsychologie gezielt an. Mentale Techniken wie Visualisierungstraining, mentale Szenariodurchläufe, gezielte Zielsetzung und Techniken zur Selbstregulation (Atemtechniken, Achtsamkeit, progressive Muskelentspannung) helfen dabei, den Druck zu steuern. Auch der innere Dialog – also die mentale Kommunikation mit sich selbst – wird bewusst geschult, um Fokus, Zuversicht und Handlungsenergie zu fördern. Die Fähigkeit, mentale Resilienz zu entwickeln und sich von Rückschlägen schnell zu erholen, ist ein zentrales Trainingsziel.

Eine oft verborgene Ebene

Entscheidend für den langfristigen Erfolg ist zudem die Fähigkeit zur Selbstbeobachtung, zur präzisen Reflexion der eigenen mentalen und physischen Prozesse sowie zur psychologischen Auswertung der eigenen Leistung. Ein erfolgreicher Strongman muss nicht nur seine Technik und Trainingsdaten kennen, sondern auch tiefes Verständnis über seine inneren Reaktionen und Muster entwickeln. Wie reagieren der Körper und Geist auf spezifische Belastungen? Wann treten mentale Blockaden auf? Welche inneren Dialoge führen zur Leistungseinbuße, welche stärken die Motivation? Die Fähigkeit zur differenzierten Selbstwahrnehmung erlaubt es dem Athleten, frühzeitig dysfunktionale Denk- und Verhaltensmuster zu erkennen – etwa übertriebene Selbstkritik, unproduktive Perfektionsansprüche oder destruktive Vergleiche mit anderen Athleten. Im Rahmen einer strukturierten psychologischen Begleitung kann diese Reflexion systematisch vertieft werden.

Gleichzeitig bedeutet das bewusste Arbeiten mit individuellen Stressmustern, dass Athleten lernen, ihre Reaktionen unter Druck aktiv zu steuern. Sie entwickeln Strategien, um in entscheidenden Momenten nicht in Panik, Verkrampfung oder lähmende Selbstzweifel zu verfallen. Hierzu zählen nicht nur klassische Methoden wie Achtsamkeit oder Atemtechniken, sondern auch maßgeschneiderte mentale Routinen, die im Training und Wettkampf abrufbar sind. Die psychologische Betreuung unterstützt dabei nicht nur in akuten Belastungsphasen – sie hilft, persönliche Stärken gezielt auszubauen, vorhandene Ressourcen sichtbar zu machen und sie dauerhaft zu verankern. Gleichzeitig ermöglicht sie die Bearbeitung tieferliegender Blockaden, etwa emotionaler Konflikte, unbewusster Leistungsängste oder innerer Saboteure. Dies schafft die Grundlage für eine nachhaltige, stabile Entwicklung, in der mentale und körperliche Fortschritte Hand in Hand gehen. Langfristiger Erfolg im Strongman-Sport entsteht also nicht allein durch immer härteres Training, sondern durch bewusste, reflektierte Arbeit an der eigenen psychischen Struktur – denn wahre Stärke beginnt im Kopf.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen: Der moderne Strongman ist nicht nur ein Kraftprotz – er ist ein leistungsfähiger Allround-Athlet mit einem hochtrainierten mentalen System. Ohne gezieltes psychologisches Training bleiben physische Potenziale oft ungenutzt. Wer auf höchstem Niveau bestehen will, braucht nicht nur starke Muskeln, sondern vor allem einen klaren, stabilen und fokussierten Geist. Die Zukunft des Strongman-Sports liegt auch in der konsequenten Integration sportpsychologischer Expertise. 

Wir von Die Sportpsychologen (zur Übersicht) und gern auch ich persönlich (zur Profilseite von Norbert Lewinski) helfen dir gern, an dem zusätzlichen Leistungspotential zu arbeiten. 

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Danijela Bradfisch: Warum sich ein Mentaltraining-Trainingslager lohnt

Ein viertägiges Trainingslager mit dem Schwerpunkt Mentaltraining. Diese Traumvorstellung konnte ich kürzlich bei einem Basketball Camp für Mädchen in Baden-Württemberg umsetzen. Warum es sich gerade für dein Team lohnt, “so viel Zeit” für den Kopf zu investieren, beschreibe ich im Beitrag.

Zum Thema: Mentaltraining im Basketball    

Als Einstiegselemente für die vier Tage Mentaltraining-Trainingslager habe ich die Themen und Techniken ACT und Embodiment gewählt. Hinter dem Kürzel ACT verbergen sich folgende Bedeutungen:

A – Accept / akzeptiere und sei präsent

C – Choose / wähle Deine nächste Richtung (emotional und gedanklich)

T – Take Action / engagiertes Handeln

Die drei Buchstaben sind im Basketball allgegenwärtig, da das Spiel in hohem Maße Handlungsschnelligkeit voraussetzt und nur wenig Zeit bleibt, auf dem Feld zu reflektieren oder gar zu regenerieren. Umso wichtiger ist es, stetig präsent zu sein, auf sich ändernde Situationen  reagieren zu können und für Tipps und Hilfestellungen von Seiten der Trainer:in offen zu sein.

Stärken und Schwächen

Ziel des Camps war es, an den individuellen Schwächen zu arbeiten und diese, wenn möglich, in Stärken zu verwandeln. Diese Stärken sollten dann weiter ausgebaut werden. Alles wurde vorab schriftlich festgehalten, so dass es jederzeit für alle Spielerinnen und Trainer sichtbar abrufbar war.

Grundlegend ist es unheimlich wichtig, Ziele sichtbar zu machen. Dies hilft auf dem Weg, die gesetzten Ziele zu erreichen. Hierbei sind nicht zuletzt die Trainer in der Pflicht, Unterstützung zu geben, auf Aspekte zur Selbstoptimierung hinzuweisen und bewusst zu machen, warum es so bedeutsam ist, die Selbstdisziplin hoch zu halten. 

Druck und Stress kreieren

Korrekturen, aktives Nachfragen und Zuhören standen im Fokus. Wir haben die Sportlerinnen gezielt mit Druck- und Stresssituationen konfrontiert. Das individuelle (Stör-)Empfinden und -Erleben wurden in den Vordergrund gestellt, um die Gedanken, Selbstgespräche und die Selbsteinschätzung (Selbstbild) bewusst zu machen. Das Ziel: Lösungen selbst kreieren und diese aktiv umzusetzen.

Arbeit für den Kopf

Dieses ganzheitliche Basketball-Training fordert vor allem den Kopf heraus. Es ist anders anstrengend als intensives physisches Training. Für die Trainer und Trainerinnen ist dies speziell, weil sie damit meist ihre eigene Komfortzone verlassen. In diesem Zusammenhang kommen Gedanken, Gefühle und Emotionen zum Vorschein, die speziell sein können. Hier entstehen zusätzliche Anforderungen, um die einzelnen Aktionen bestmöglich zu unterstützen.

Fazit

Mentaltraining im Basketball ist einer der entscheidenden Faktoren für die individuelle Leistungsoptimierung und es kann unabhängig von Alter- oder Leistungsklasse angewendet werden. Es geht darum, die mentale Stärke zu fördern, um in Drucksituationen fokussierter, selbstverantwortlicher und leistungsfähiger zu sein, Rückschläge schnell abhaken zu können und auf positive Art und Weise bei sich zu sein. 

Sich außerhalb der Komfortzone zu bewegen, sich gegenseitig zu fordern und sich als Team gegenseitig zu fördern, sind die Kernpunkte. Wenn ihr daran arbeiten wollt, gebt Bescheid. Wir von Die Sportpsychologen (zur Übersicht) können das und ich (zum Profil von Danijela Bradfisch) freue mich schon auf das nächste Mentaltraining-Trainingslager.

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