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Thorsten Loch: Wie es dir als Coach gelingt, dass dir das Team vertraut

Psychologische Sicherheit zeigt sich oft in kleinen, alltäglichen Momenten: Eine Trainerin beobachtet, wie ein Spieler nach einem Fehlpass den Blick senkt, kaum noch kommuniziert und sich zurückzieht. Für sie ist das ein Alarmsignal – nicht für mangelnde Technik, sondern für ein Klima, in dem Fehler offenbar als gefährlich gelten. Ihr wird klar: Es geht nicht nur um Trainingsinhalte oder taktische Vorgaben. Es geht darum, ein Umfeld zu gestalten, in dem sich Spieler:innen sicher fühlen, sich zu zeigen – mit Stärken, aber auch mit Zweifeln und Fehlern. Und genau hier beginnt die Verantwortung der Trainer:innen.

In diesem Beitrag erfährst du, wie Trainer:innen gezielt ein vertrauensvolles und offenes Teamklima gestalten können – mit praxisnahen Ideen, fundierten Konzepten und Beispielen aus dem Leistungssport.

Zum Thema: Psychologische Sicherheit 

Wenn du den jüngsten Text von Prof. Dr. René Paasch zum Thema psychologische Sicherheit gelesen hast, erinnerst du sofort an diese Szene: Der Streit zwischen zwei deutschen Spielern bei der Basketball-WM 2023. Der öffentlich ausgetragene Konflikt zwischen Dennis Schröder und Daniel Theis vor der Endrunde wurde aber nicht zum Problem, sondern zum Katalysator für Entwicklung. 

Doch wie genau entsteht ein Umfeld, in dem ein solcher Umgang mit Spannungen überhaupt möglich ist?

1. Führungsverhalten als Basis

Psychologische Sicherheit beginnt an der Spitze. Studien (z.B. Edmondson, 2004; Fransen et al., 2020) zeigen: Teams orientieren sich stark am Verhalten ihrer Führungspersonen. Wer als Trainer:in Offenheit vorlebt, schafft Raum für Vertrauen.

  • Fehlerfreundlichkeit zeigen: Wer selbst auch mal zugibt, eine taktische Entscheidung hinterfragen zu müssen, signalisiert: „Hier darf man lernen.“
  • Unsicherheiten zulassen: Auch als Coach nicht alles wissen zu müssen, kann Teamprozesse stärken.
  • Aktives Zuhören: Spieler:innen ausreden lassen, paraphrasieren, ehrliches Interesse zeigen.

Vertrauen beginnt dort, wo Kontrolle endet.

2. Strukturelle Sicherheit schaffen

Nicht nur das „Wie“ im Verhalten, sondern auch das „Was“ im System ist entscheidend. Psychologische Sicherheit entsteht dort, wo Strukturen Klarheit und Orientierung bieten:

  • Rollen und Erwartungen transparent machen: Spieler:innen wissen, woran sie sind.
  • Regelmäßige Reflexionsformate etablieren: z. B. kurzes Teamfeedback nach jeder Einheit.
  • Verantwortung teilen: Kleine Aufgaben an Spieler delegieren, um Beteiligung zu fördern.

Solche Elemente stärken nicht nur das Vertrauen, sondern auch das Selbstwirksamkeitserleben – eine wichtige Ressource im Leistungssport.

3. Kommunikation gestalten

Ein sicherer Raum ist auch ein sprachlich gestalteter Raum. Wer psychologische Sicherheit fördern will, sollte gezielt eine lernorientierte Kommunikationskultur etablieren:

  • Offene Fragen stellen: statt „Warum hast du das gemacht?“ lieber „Was war deine Idee dabei?“
  • Perspektiven einholen: „Wie habt ihr die Szene erlebt?“
  • Beiträge bestärken: „Danke für deinen Impuls.“ – auch (und gerade) bei kritischen Einwänden.

Sprache wirkt – und wer Anerkennung sprachlich sichtbar macht, senkt implizite soziale Risiken.

4. Teamprozesse bewusst fördern

Ein Team ist mehr als die Summe seiner Mitglieder. Psychologische Sicherheit entwickelt sich in der Beziehung zwischen diesen Mitgliedern – und die kann gezielt gestaltet werden:

  • Peer-Coaching ermöglichen: Spieler:innen reflektieren in Zweierteams Trainingsinhalte.
  • Gemeinsame Ziele formulieren: „Was wollen wir in dieser Saison erreichen?“
  • Verantwortung rotieren lassen: z.B. wechselnde Kapitänsrollen im Training.

So entsteht eine geteilte Verantwortungskultur, in der jede Stimme zählt.

Praxisbeispiele aus dem Spitzensport

Dass psychologische Sicherheit kein theoretisches Konstrukt bleibt, sondern in ganz unterschiedlichen Sportarten gelebt wird, zeigen viele erfolgreiche Teams und Trainer:innen:

  • Jürgen Klopp (Fußball): Der langjährige Trainer des FC Liverpool, der seine Tätigkeit zum Ende der Saison 2023/24 beendet hat, war bekannt für seine empathische Kommunikation und die Förderung eines starken Zusammenhalts. In zahlreichen Interviews und Dokumentationen (z. B. „The End of the Storm“, 2021) wurde deutlich, dass Spieler wie Trent Alexander-Arnold oder Mohamed Salah ein Umfeld erlebten, in dem Fehler nicht gefürchtet, sondern als Teil des gemeinsamen Lernprozesses verstanden wurden. Klopp betonte immer wieder: „Meine Spieler sollen wissen: Ich stehe hinter ihnen.“

Diese Beispiele zeigen: Ob Teamsport oder Einzelsport, ob international erfahrene Profis oder Nachwuchsathlet:innen – psychologische Sicherheit ist trainierbar und wirksam, wenn sie durch bewusste Trainer:innenhaltung und klare Strukturen geformt wird.

Fazit: Vertrauen ist trainierbar

Psychologische Sicherheit ist kein Luxus, sondern Voraussetzung für nachhaltige Entwicklung im Leistungssport. Wer als Trainer:in bereit ist, gezielt Strukturen, Kommunikation und Führung zu gestalten, kann ein Klima schaffen, in dem Spieler:innen mutiger, ehrlicher und letztlich erfolgreicher agieren.

Ausblick

Im nächsten Beitrag werfen wir einen Blick auf typische Barrieren, die psychologische Sicherheit im Sport behindern: Hierarchien, Leistungsdruck, Unsicherheiten – und wie man ihnen sportpsychologischer Sicht begegnen kann.

Dieser Beitrag ist im Netzwerk in Zusammenarbeit entstanden:

Mehr zum Thema:

https://www.die-sportpsychologen.de/2025/07/prof-dr-rene-paasch-mit-vertrauen-fuehren-wie-trainerinnen-psychologische-sicherheit-im-leistungssport-aktiv-gestalten-koennen

Literaturverzeichnis (APA-Stil)

Edmondson, A. C. (2004). Learning from mistakes is easier said than done: Group and organizational influences on the detection and correction of human error. Journal of Applied Behavioral Science, 40(1), 66–90. Learning from Mistakes is Easier Said Than Done. Journal of Applied Behavioral Science, 40(1), 66–90.

Fransen, K., Vanbeselaere, N., De Cuyper, B., Vande Broek, G., & Boen, F. (2020). How leaders shape team effectiveness: The role of empowering team climates. Journal of Sport and Exercise Psychology, 42(3), 144–156. How leaders shape team effectiveness: The role of empowering team climates. Journal of Sport and Exercise Psychology, 42(3), 144–156.

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Mythos: Positive Gedanken führen immer zu positiven Ergebnissen

Bei Die Sportpsychologen versuchen wir, bestmöglich über die Arbeitsweise der angewandten Sportpsychologie zu berichten. Es geht darum, zu zeigen, was, wie und warum wir etwas machen. Hier geht es auch darum, aufzuzeigen, was wir nicht machen oder was uns, nicht erst durch künstliche Intelligenz, fälschlicherweise zugeschrieben wird. Wir widmen uns Mythen. Wie dem Glauben, dass allein positives Denken automatisch zu besseren Leistungen führt. Warum liegt Chat GPT mit dieser Annahme einfach nicht richtig?

Zum Thema: Mythen der Sportpsychologie

Klaus-Dieter Lübke Naberhaus

Antwort von: Klaus-Dieter Lübke Naberhaus (zum Profil)

Ich halte nicht viel von den Konstrukten der “Positiven Psychologie”. Was soll das eigentlich sein? Der Mensch ist ein holistisches, ganzheitliches, extrem komplexes Wesen, das wir bei weitem nicht durchdrungen haben. Und ja, es gibt Hinweise, dass so etwas wie “positives Denken” Kräfte freisetzt. Doch das tut auch Aggression und Wut. Sind diese auch positiv?

Lassen wir uns auf das Wesentliche schauen. Wenn ich eine optimale Leistung erbringen will, dann müssen viele Bausteine wie Zahnräder ineinander greifen. Und einer davon ist sicherlich auch der Glaube an mich selbst, der Glaube daran, die Herausforderung bewältigen zu können und eine optimale Vorbereitung. Zudem die Fähigkeit und Möglichkeit, in einen Flow gelangen zu können. Doch dies alles kann durch ein körperliches Defizit zu diesem Zeitpunkt zunichte gemacht werden. “Positives Denken” kann hilfreich sein, um einen gelungenen Wettkampf abzuliefern, sie ist jedoch nur ein Baustein.

Für komplexe Probleme gibt es nie einfache Lösungen, für das komplexe Wesen Mensch nie einfache Erklärungen. 

Yvonne Dathe, Die Sportpsychologen
Yvonne Dathe, Die Sportpsychologen

Antwort von: Yvonne Dathe (zum Profil)

Inzwischen gibt es Studien, die zeigen, dass wenn ich mir zwanghaft positive Gedanken versuche einzureden, im Innersten davon aber nicht überzeugt bin, die positiven Selbstgespräche sogar negative Auswirkungen haben können. Am Ende sind Menschen frustriert, da sie “selbst zum positiven Denken zu blöd” sind. Aus meiner Sicht ist es hilfreicher, Gedanken als das zu betrachten, was sie sind: Einfach nur Gedanken!

Unser Verstand “produziert” hilfreiche und weniger hilfreiche Gedanken, beruhend auf unseren Erfahrungen. Wichtig ist, sich von seinen Gedanken lösen zu können und sich wieder auf die aktuelle Aufgabe zu fokussieren, als zu versuchen, Gedanken zu kontrollieren oder in positive Gedanken zu verwandeln. Die Energie sollte lieber in die Handlung investiert werden.

Mehr zum Thema:

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Klaus-Dieter Lübke Naberhaus: Der Mensch Alexander Zverev – oder die Schattenseite des Leistungssportes

Ich musste ein paar Tage verstreichen lassen, bevor ich zu Alexander Zverev etwas schreiben konnte. Spannenderweise habe ich mir einige seiner Spiele im Vorfeld von Wimbledon im Turnier in Halle angeschaut. Schon hier beschlich mich das Gefühl, dass trotz der Erfolge (Erreichen des Halbfinales) und auch guten Leistungen gerade in den Spielen gegen die beiden Italiener im Achtel- und Viertelfinale, Alexander Zverev sich gequält hat. Dies war an seiner Mimik und Gestik abzulesen, der Körper signalisierte nach außen, dass ihm dieses „Spiel“ nicht spielerisch von der Hand ging, obwohl er teilweise hervorragendes Tennis spielte. Doch in manchen Situationen fehlte anscheinend die letzte Konzentration, manchmal auch die Lockerheit. Es sah so aus, als „kämpfte“ Alexander Zverev Tennis, ohne einen Anflug von Lächeln bei gelungenen Bällen oder Freude über seinen Sieg. Was mir jedoch noch auffiel, da ich schon lange keine ganzen Matches mehr geschaut hatte, war, dass auch das Niveau der beiden in der Weltrangliste hinter ihm liegenden Italiener sehr hoch war und ihre Motivation Zverev schlagen zu wollen, extrem ausgeprägt schien. Damit müssen die Favoriten ständig leben, sie sind die Gejagten.

Ich weiß, hierin liegt viel Interpretation von Bildern, Mimik und Gestik, die auch von meiner Seite auch falsch sein können. Doch ich war nicht überrascht, als ich vom Erstrundenaus von Alexander Zverev in Wimbledon hörte. Es hatte sich in Halle aus meiner Sicht angekündigt. Überrascht haben mich dann doch die offenen Worte Alexander Zverevs. In Kreisen von Die Sportpsychologen sprachen wir oft darüber, dass Alexander Zverev ein Entwicklungsfeld im Bereich des mentalen Trainings haben könnte. Dass es jedoch so tiefgreifend in sein ganzes Leben hineinspielt, wurde erst jetzt offensichtlich.

Zum Thema: Viel Unterstützung, gute „Ratschläge“ und Hilfe

An Zuspruch und mangelnden Unterstützungsangeboten mangelt es Zverev nicht. Alcaraz, Djokovic und Bencic zeigten Verständnis oder boten Unterstützung an. Doch kann Zverev diese annehmen? Dabei sind das soziale Netzwerk und die Einbindung in Beziehungen die größte Prophylaxe und hilfreiche „Heilmittel.“

Und von Emma Raducanu stammt wohl der Satz: “Tennis sei einfach ein mental sehr anspruchsvoller Sport.“ – Dies gilt nicht nur für Tennis, doch für diesen durchaus im Besonderen.

Was zeigt uns das? Das der Mensch, wie ich immer wieder betone, ganzheitlich zu sehen ist. Mir wird immer wieder unverständlich bleiben, wie viele Menschen doch glauben, sie können ihre Muskeln austrainieren, ihre Technik verbessern und einen taktischen Plan erstellen, um die Schwächen des Gegners zu nutzen und dabei denken, dass der Rest schon von alleine geht. Das Training mentaler Fähigkeiten ist ebenso notwendig und leistungsbestimmend. Wie sage Yogi Berra, der legendäre Baseball Pitcher so schön: „Baseball ist zu 90 Prozent Kopfsache. Die andere Hälfte ist körperlich.“ Und Tennis unterscheidet sich da eher wenig von den Anteilen.

Mangelnde Regeneration 

Wenn wir unseren „Körper“ belasten, dann kommt der Parameter Pause, mindestens wenn wir Athletik trainieren, als Belastungsnormativ ins Spiel. Und wir alle wissen, dass je nach Trainingsmethode sehr umfangreiche Pausen notwendig sind, um die volle Leistungsfähigkeit wiederherzustellen. Doch ob wir mental wieder auf Höchstniveau sind, wo findet das Berücksichtigung? In Halle waren es tägliche Spiele, kaum Zeit zu verarbeiten, was rein technisch-taktisch zu analysieren ist. Wenn ich hier keine Skills und Tools habe, um auch mental zu regenerieren, dann sinkt meine Leistungsfähigkeit, auch wenn es nur ein paar Prozent sind. Wobei nochmals betont sei, dass Körper und Geist eine Einheit bilden, wohl kaum besser zu sehen, als wenn der Schlaf gestört ist. Der Schlaf ist und bleibt das beste Regenerationsmittel, doch dazu muss ich auch diesen ausreichend und tief genug finden. Dazu können bestimmte Tools und Skills dienen, um genau in diesen zu kommen. Doch gleichzeitig darf ich auch verarbeiten, kognitiv und emotional. Und wieder Motivation aufbauen.

Wir reden von Fähigkeiten, die ich ebenso trainieren kann, wie Vorhand Cross oder Long Line, wie Beinarbeit oder Schlagkraft.

Von psychopathologischen Phänomen und Burn-Out

Schaue ich mir die Entwicklung von Alexander Zverev aus der Ferne an und das tue ich schon seit einigen Jahren, lassen sich immer wieder Phänomene feststellen, die sich auch in einem psychopathologischen Befund wiederfinden. Doch all dies sind Phänome, die jeder Mensch zeigen kann, auch ohne gleich eine psychische Störung zu haben. Akute Belastungsreaktionen nach einem traumatisierenden Ereignis sind völlig normal, genauso depressive Stimmungslagen nach einschneidenden persönlichen Erlebnissen. Alleine aus diesem Grund verbietet sich eine Ferndiagnose und Pathologisierung, jedoch lassen einige Aussagen von Alexander Zverev schon aufhorchen. Wenn auch ein naher Verwandter wie sein Bruder Misha nichts vom Innenleben mitbekommen hat, dann scheint Alexander Zverev ein hohes Maß an Verstellfähigkeit nach außen zu haben. Als neutraler Beobachter von außen fallen einem die Phänomene oftmals eher auf, und diese lassen sich schon seit einigen Jahren beobachten. 

Das professionelle Tennis ist fordernd, zieht Energie und diese braucht Zeit, Mittel und Wege, um wieder aufgefüllt zu werden. Stimmungsschwankungen, psychomotorische Antriebslosigkeit, Schlafstörungen und Freudlosigkeit sowie ein Mangel an Motivation verbunden mit Konzentrationsstörungen und sozialem Rückzug sind nur einige Phänomene, die aufgetaucht sind und sich nun scheinbar kumuliert haben.

Eine psychologische Begleitung wünschten wir als Sportpsychologen schon lange für Menschen mit solchen Herausforderungen. Es macht mich immer wieder traurig, dass es erst in einer dysfunktionalen Störung enden muss, bevor Unterstützung angenommen werden kann. 

Mein Wunsch für Alexander Zverev

Ich wünsche Alexander Zverev, dass er solche professionelle Hilfe findet, und möchte ihm Nahe legen, sich Zeit zu nehmen. Wenn ich höre, dass er bald wieder spielen möchte, beunruhigt mich dieses Vorhaben. Zeit und Abstand sind hilfreiche Faktoren, um sich über Ziele, Motivationen klar zu werden und um Freude wieder empfinden zu können und ausreichend Lebensenergie zu finden. Auf diesem Weg viel Kraft.

Mehr zum Thema:

Quellen:

https://www.eurosport.de/tennis/wimbledon/2025/alexander-zverev-gestaendnis-mentale-probleme-carlos-alcaraz-und-belinda-bencic-mit-zuspruch_sto23198479/story.shtml

https://www.waz.de/sport/article409407521/erschuetternde-zverev-worte-nach-wimbledon-aus-fuehle-mich-allein.html

https://www.zdfheute.de/sport/tennis-mentale-probleme-zverev-djokovic-depressionen-rublev-100.html

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Sommer, Sonne, Sportpsychologie

In den meisten Sportarten bietet der Sommer eine gern gesehene kleine Verschnaufpause. Aber: die kommende Saison oder die nächste Herausforderung ist meist nicht weit weg. Gleiches gilt für die sportpsychologische Eventplanung. Schon bald steht einiges bevor. Entsprechend haben wir einige Veranstaltungen ausgewählt, die wir euch in den kommenden Wochen ans Herz legen.

Zum Thema: Veranstaltungstipps

Mental Power Day

Organisiert von unserem Profilinhaber Norbert Lewinski (zum Profil) lockt der Mental Power Day im September nach Mecklenburg-Vorpommern. Im Netzwerk nutzen wir den Freitag vor dem Hauptevent zu einer Fortbildung zum Thema Neuro- und Biofeedback (du willst ins Netzwerk eintreten – hier mehr Infos).

Datum: Samstag, 20. September 2025
Uhrzeit: 10:00 – 15:00 Uhr
Ort: Sportgymnasium Neubrandenburg, Schwedenstraße 22, 17033 Neubrandenburg

Tickets: kostenlos (vorherige Anmeldung per Mail wird vorausgesetzt: info@sc-neubrandenburg.de

Mehr Infos: https://www.sc-neubrandenburg.de/veranstaltung/mental-power-day/

Tag der Sportpsychologie, Düsseldorf

Organisiert von Jürgen Walter lockt der Tag der Sportpsychologie wieder nach Düsseldorf. Mit dabei sind als Referierende zwei Experten aus unserem Netzwerk: Janosch Daul (zum Profil) und Björn Korfmacher (zum Profil)

Datum: Samstag, 27. September 2025
Uhrzeit: 09:15 – 16:00 Uhr
Ort: Deutsches Tischtennis-Zentrum, Borussia-Düsseldorf-Str. 1 · 40629 Düsseldorf

Tickets: € 129,00 (Frühbucher bis 31.07.2025: € 109,00)

Mehr Infos: https://www.verband-sportpsychologie.de

Tag der Sportpsychologie, Innsbruck

Wenn es so etwas wie einen Markenstreit um die Bezeichnung „Tag der Sportpsychologie“ gebe, hätte Dr. Dr. Chris Willis mit seinem Team wohl die Nase vorn. Denn Innsbruck ist eine echte Institution für die Sportpsychologie.

Datum: Freitag, 19. September 2025
Uhrzeit: 09:00 – 15:00 Uhr
Ort: TIROLER BILDUNGSINSTITUT GRILLHOF, Grillhofweg 100 A-6080 Igls-Vill

Tickets:  bis 21.08.2025: 150 Euro (…umfasst Eintritt, Tagungshandout und Mittagessen), ab 22.08.2025: 180 Euro (…umfasst Eintritt, Tagungshandout und Mittagessen)

Mehr Infos: https://www.praxistage.com

Mehr zum Thema:

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Prof. Dr. René Paasch: Mit Vertrauen führen – Wie Trainer:innen psychologische Sicherheit im Leistungssport aktiv gestalten können

Psychologische Sicherheit ist im Leistungssport keine Nebensache – sie ist eine unsichtbare Ressource, die über den Unterschied zwischen Teamdynamik und Teambruch entscheiden kann. Gerade im Basketball, wo Entscheidungen in Sekundenbruchteilen fallen, ist ein vertrauensvolles Klima oft der entscheidende Unterschied zwischen Mut und Zögern, zwischen Kollektivleistung und Einzelspielerei.

Ein bekanntes Beispiel lieferte die deutsche Basketballnationalmannschaft. Während der WM 2023 kam es zu einem offenen Konflikt zwischen Dennis Schröder und Daniel Theis – ein Streit, der medial Wellen schlug. Doch statt zu eskalieren, wurde die Auseinandersetzung zum Katalysator: Die Mannschaft nutzte die Spannungen, um sich auszurichten, auszusprechen und neu zu justieren. Das Ergebnis? Weltmeister. Solche Prozesse gelingen nur, wenn das Team ein Klima kennt, in dem Kritik nicht bedroht, sondern verbindet – in dem Fehler nicht bestraft, sondern reflektiert werden dürfen.

Zum Thema: Wie lässt sich so ein Klima konkret fördern?

1. Führung als psychologisches Modell: Vertrauen beginnt an der Spitze

Teams spiegeln ihre Führung, auch im Sport. Studien zeigen: Psychologische Sicherheit hängt maßgeblich vom Verhalten der Coaches ab (Fransen et al., 2020). Entscheidend ist dabei nicht nur, was gesagt wird, sondern wie.

Beispiel: Gordon Herbert, ehemaliger Headcoach des deutschen Basketballteams, war in kritischen Spielsituationen mehrfach zu beobachten, wie er Fehler nicht mit Körpersprache sanktionierte, sondern mit ruhiger Ansprache begleitete. Diese Haltung stärkt das Vertrauen der Spieler:innen, auch in Druckmomenten mutige Entscheidungen zu treffen.

Praxisimpulse für Trainer:innen:

  • Fehlerfreundlichkeit zeigen: Wenn du selbst einmal in der Taktik daneben gelegen hast, sprich es an. Ein, „Ich hätte früher rotieren lassen müssen“, kann Wunder wirken.
  • Aktives Zuhören leben: In der Halbzeit nicht nur reden, sondern auch fragen: „Was seht ihr gerade?“
  • Sicherheit durch Präsenz: In hitzigen Phasen mit ruhiger Körpersprache vermitteln: „Ich hab euch – auch jetzt.“

2. Strukturelle Verankerung: Sicherheit braucht Klarheit

Vertrauen ist nicht nur eine Beziehungssache, es ist auch eine Frage der Rahmenbedingungen. Klare Strukturen schaffen Orientierung und damit Sicherheit.

Beispiel: Bei den Golden State Warriors rotieren nicht nur Spielerpositionen, sondern auch bestimmte Verantwortungsträger im Training, sei es bei Warm-up-Leitung, Videoanalyse oder Gruppenfeedback. Diese Rituale stärken nicht nur Selbstwirksamkeit, sondern auch das Gefühl: Ich werde gebraucht.

Praxisimpulse:

  • Rollen explizit machen: Wer ist für was zuständig? Wer kommuniziert auf dem Feld, wer in der Kabine?
  • Feedbackformate etablieren: z. B. „60 Sekunden Reflexion“ nach jeder Einheit mit Karten oder in Kleingruppen.
  • Verantwortung teilen: Heute organisiert der Co-Captain das Abschlussspiel. Morgen jemand aus der zweiten Fünf.

3. Kommunikation kultivieren: Sprache formt das Klima

In einem NBA-Spiel sind in 24 Sekunden unzählige Abstimmungen notwendig. Wer in dieser Zeit Angst hat, einen Fehler „falsch“ zu kommunizieren, schweigt. Und Schweigen erzeugt Unsicherheit.

Beispiel: Chris Paul, langjähriger NBA-Point Guard, ist bekannt für seine Art, auch jüngere oder neue Mitspieler mit wertschätzender Kommunikation zu führen. Er fragt nach, paraphrasiert („You saw the screen coming from left?“), gibt sofort positives Feedback – selbst wenn der Spielzug scheiterte, aber mutig war.

Praxisimpulse:

  • Konstruktive Sprache üben: „Danke für deinen Impuls, auch wenn es nicht aufgegangen ist.“
  • Perspektiven einholen: „Wie hast du den Switch erlebt?“ – fördert Dialog statt Bewertung.
  • Schweiger:innen einbinden: „Was ist dir aufgefallen?“, statt immer nur dieselben Wortführer zu hören.

4. Teamprozesse gestalten: Beziehung als Trainingsinhalt

Ein Basketballteam ist ein soziales Hochleistungsnetzwerk. Psychologische Sicherheit entsteht dort, wo Beziehungen gepflegt werden – nicht nur Spielzüge.

Beispiel: Im Programm „Nationalmannschaft NextGen“ werden Peer-Coachings zwischen jüngeren und erfahreneren Spielern eingesetzt. Ein 19-jähriger diskutiert Videoanalyse mit einem gestandenen Bundesliga-Profi – auf Augenhöhe. Das stärkt Selbstbewusstsein und Dialogfähigkeit beider.

Praxisimpulse:

  • Trainingsreflexion im Duo: „Was war dein wichtigster Lerneffekt heute?“
  • Zielentwicklung gemeinsam: „Was ist unser Teamziel fürs nächste Spiel – über den Score hinaus?“
  • Verantwortung rotieren: Heute spricht ein Spieler den Impuls vor dem Spiel. Morgen übernimmt jemand anders das Warm-up-Ritual.

5. Best Practice: Gelebte Sicherheit als Erfolgsfaktor

Beispiel NBA: Steve Kerr, Coach der Golden State Warriors, sprach in einem Interview offen über seine Fehlerkultur: „Wenn ich falsch gecoacht habe, sag ich es meinem Team, sonst erwarten sie auch nicht, dass sie ehrlich sind.“ Diese Haltung hat eine der erfolgreichsten Teamdynamiken der letzten Dekade mitgeprägt.

Beispiel DBB-Team: Nach dem WM-Titel betonten mehrere Spieler, wie sehr sie sich untereinander auf emotionale Unterstützung verlassen konnten, selbst bei schwächeren Phasen. Johannes Voigtmann sagte: „Wir durften Schwächen zeigen, ohne sie verstecken zu müssen.“ Genau das ist psychologische Sicherheit.

Fazit: Psychologische Sicherheit ist keine nette Idee, sie ist ein Leistungstreiber

Trainer:innen, die konsequent auf Transparenz, Beziehung und Fehlerfreundlichkeit setzen, schaffen mehr als nur ein gutes Klima. Sie ermöglichen mutige Entscheidungen, ehrliches Feedback, echten Teamgeist. Und genau das ist es, was in engen Spielen den Unterschied macht – im Basketball wie im Leben.

Ausblick: Im nächsten Beitrag werfen wir einen Blick auf Barrieren für psychologische Sicherheit im Sport: Leistungsdruck, starre Hierarchien, Angstkultur und wie sie mit sportpsychologischen Strategien gezielt durchbrochen werden können.

Dieser Beitrag ist im Netzwerk in Zusammenarbeit entstanden:

Mehr zum Thema:

Literaturverzeichnis 

  • Edmondson, A. C. (2004). Learning from mistakes is easier said than done: Group and organizational influences on the detection and correction of human error. Journal of Applied Behavioral Science, 40(1), 66–90. https://doi.org/10.1177/0021886304263849

Fransen, K., Vanbeselaere, N., De Cuyper, B., Vande Broek, G., & Boen, F. (2020). How leaders shape team effectiveness: The role of empowering team climates. Journal of Sport and Exercise Psychology, 42(3), 144–156.

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FIFA-Klub-WM: Wie gefährlich sind die Folgen dauernder Höchstleistung?

Wie im Supermarkt: Das Beste ist gerade noch gut genug. So strukturiert sich auch der Profi-Fußball. Gehörte es vor Jahren noch zum Nationalspieler-Alltag, in der WM- oder EM-Qualifikation regelmäßig gegen Fußballzwerge antreten zu dürfen, ist dies mit der Nations League weitgehend vorbei. Hier treffen die Nationalteams fast ausschließlich auf Gegner auf Augenhöhe. Den Zuschauern wird eben gern das Beste geboten. Ein ähnliches Prinzip gilt auch bei der Klub-WM. Dort gehören zwar auch einige Exoten zum Teilnehmerfeld, aber um den Titel spielen wieder die großen Namen. Wie gefährlich ist dieser Trend der dauerhaften Höchstbelastung, wollte Mathias Liebing, Redaktionsleiter von Die Sportpsychologen wissen. 

Zum Thema: Die Gefahr von dauerhafter Hochbelastung    

Frage: Welche Gefahren lauern, wenn über lange Zeiträume immer wieder Höchstleistungen abgeliefert werden müssen, da die Gegner erstklassig sind. Welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden, um über Monate immer wieder die körperliche und mentale Leistungsgrenze zu erreichen? Wie wichtig sind Spiele gegen objektiv schlechtere Mannschaften im Saisonalltag?  

Norbert Lewinski, Die Sportpsychologen
Norbert Lewinski, Die Sportpsychologen

Norbert Lewinski (zum Profil): 

Wenn über lange Zeiträume konstant Höchstleistungen gefordert werden – wie in der Nations League oder bei einer aufgeblähten Klub-WM – entstehen ernsthafte Risiken auf psychodynamischer, psychophysiologischer und lernpsychologischer Ebene. Psychodynamisch betrachtet führt der ständige Druck, gegen ebenbürtige Gegner zu bestehen, zu einem inneren Spannungsfeld: zwischen dem Bedürfnis nach Kontrolle und dem Risiko des Scheiterns. Ohne „leichtere Spiele“ fehlt die Möglichkeit, Selbstwirksamkeit und Sicherheit aufzubauen – das Ich wird geschwächt, Ängste und Überforderungsgefühle können steigen. Psychophysiologisch führt Dauerbelastung auf Top-Niveau zu chronischem Stress: erhöhter Cortisolspiegel, gestörte Regenerationsprozesse, Schlafprobleme. Ohne gezielte Belastungssteuerung drohen Erschöpfung, Verletzungen und psychische Krisen. 

Auch aus Sicht des lebenslangen Lernens sind „einfachere“ Spiele wichtig: Sie bieten Raum zur Anwendung neuer Techniken, zur Integration taktischer Veränderungen oder zur bewussten Selbstbeobachtung. Lernen gelingt nicht nur unter maximalem Druck, sondern besonders in Phasen relativer Entspannung. Um dauerhaft an der Leistungsgrenze zu agieren, braucht es mehr als nur körperliche Fitness. Entscheidend sind stabile Ich-Strukturen, gute Selbstregulation, aktive Regeneration sowie strategisch eingeplante Entlastung – auch durch Spiele mit niedrigerem Druckniveau. Nur so bleibt Entwicklung, Gesundheit und Motivation auf Dauer möglich.

Anke Precht, Die Sportpsychologen
Anke Precht, Die Sportpsychologen

Anke Precht (zum Profil):

Inzwischen ist es in den meisten internationalen Sportarten so, dass an der Leistungsspitze eine hohe Dichte herrscht. Hängt man leistungstechnisch mal ein Vierteljahr durch, ist man weg. Das gilt nicht nur für den Profi-Fußball. Es ist Teil dessen, womit Profi-Fußballer leben müssen, und es ist das, was sie auch möchten. Die Konkurrenz ist stark, man selbst kann es ebenfalls sein. Natürlich kommt diese mentale Stärke nicht von selbst, das mentale Training und die Sportpsychologie müssen bei diesen hohen Erwartungen ein beständiger Bestandteil des Trainings sein. Dabei geht es nicht nur darum, in Spitzen Druck herauszunehmen oder Blockaden zu lösen, sondern eben neben Strategien für Regeneration in kurzer Zeit auch die Persönlichkeiten der Sportler beständig in Richtung Professionalität zu entwickeln. 

Robin Conen, Die Sportpsychologen
Robin Conen, Die Sportpsychologen

Robin Conen (zum Profil):

In Hochleistungssportarten wie Fußball führen die Anforderungen an Spitzensportler sowohl zu einer konstanten körperlichen als auch mentalen Belastung, was erhebliche Risiken nach sich ziehen kann, wenn diese nicht sorgfältig gesteuert werden. Die Sportpsychologie spielt eine entscheidende Rolle bei der Vorbereitung von Sportlern auf diese Herausforderungen. Denn die Risiken sind enorm. 

Risiken einer anhaltenden Höchstleistung:

(1) Psychische Herausforderungen: Eines der Hauptrisiken einer konstant hohen Leistungsfähigkeit ist die mögliche Beeinträchtigung des psychischen Wohlbefindens des Fußballers. Sportler stellen oft den Erfolg in den Vordergrund, manchmal auf Kosten ihres Wohlbefindens, da konstante Höchstleistungen mental sehr anstrengend sein können. Dies kann mit der Zeit zu Burnout, Stress und Leistungsabfall führen. Stressmanagement ist unerlässlich, um mit dem Druck des ständigen Wettbewerbs umzugehen. Kontinuierliche Wettkämpfe auf hohem Niveau können zu psychischen Problemen und Erkrankungen führen. Die Anforderungen und der Stress, die mit dem ständigen Leistungsdruck einhergehen können und bei unzureichenden Bewältigungsstrategien auf Basis des Diathese-Stress-Modells zum Risikofaktor zur Entwicklung psychischen Erkrankungen, wie Angstzuständen, Essstörungen und Depressionen führen kann, die sich wiederum negativ auf die Leistung auswirken können. Die Einbindung von Psychologischen Psychotherapeuten (insbesondere mit sportpsychologischer Zusatzausbildung) sind für die Erhaltung und Verbesserung der psychischen Gesundheit von Sportlern unerlässlich, da diese für eine nachhaltige Leistung von entscheidender Bedeutung ist und sowohl präventiv zum Schutz der Gesundheit eingreifen, aber auch therapeutische Prozesse begleiten können.

(2) Körperliche Ermüdung und Verletzungen: Fußballer sind aufgrund von Übertraining einem Verletzungsrisiko ausgesetzt, das durch unzureichende Erholungsphasen noch verstärkt werden kann. Auch das Verständnis der psychologischen Aspekte von Verletzungen und Schmerzen (wie Rückenschmerzen) sowie der psychosozialen Risikofaktoren (einschließlich erheblicher Stressbelastung und der Tendenz, Schmerzen zu ignorieren, um Leistung zu erbringen) ist im Sportumfeld von entscheidender Bedeutung. Eine richtige Periodisierung des Trainings, die Ruhe- und Erholungsphasen als wesentliche Komponenten berücksichtigt, kann diese Risiken mindern, indem sie die Belastung über eine Saison hinweg ausgleicht.

Voraussetzungen für das Erreichen von Leistungsgrenzen

(1) Strategien für nachhaltige Spitzenleistungen: Um über längere Zeiträume hinweg ein hohes Leistungsniveau aufrechterhalten zu können, sollten bestimmte Voraussetzungen geschaffen werden. Zu den Strategien gehören ein solides mentales Training, wie Zielsetzung, Visualisierung und Techniken zum Umgang mit Ängsten und zur Steigerung der Motivation. Diese Ansätze helfen Fußballern, konstant ihre Bestleistung zu erbringen, indem sie ihre Konzentration verbessern, ihr Selbstvertrauen aufrechterhalten und Stress effektiv bewältigen. Die mentale Energie von Fußballern spielt eine entscheidende Rolle für die Leistung und das Wohlbefinden und wirkt als Puffer, indem sie die Beziehung zwischen beiden vermittelt. Darüber hinaus variiert die mentale Stärke, die für Höchstleistungen entscheidend ist, zwischen den Fußballern. Diese mentale Stärke kann aber durch spezifisches sportpsychologisches Training entwickelt werden. 

(2) Bedeutung von Spielen gegen schwächere Gegner: Spiele gegen objektiv schwächere Teams spielen in einer Saison eine wichtige Rolle. Sie können psychologische Entlastung bieten und eine Gelegenheit sein, taktische Strategien zu testen, während gleichzeitig der psychologische Druck in Spielen mit hohem Einsatz reduziert wird. In diesen Spielen können die Spieler ihre Fähigkeiten verfeinern und Selbstvertrauen aufbauen, was zur allgemeinen Moral der Mannschaft beiträgt. Darüber hinaus bieten sie Trainern die Möglichkeit, den Kader zu rotieren, um Überlastungsverletzungen zu vermeiden und wichtigen Spielern eine mentale Erholung zu ermöglichen. 

Cristina Baldasarre (zum Profil):

Rein psychologisch gesehen, machen dauernde Höchstleistungsziele überhaupt keinen Sinn. Der Mensch braucht Zyklen von Belastung/Arbeit und Erholung/Freizeit, um im Gleichgewicht zu bleiben – und langfristig konstant hohe Leistung erbringen zu können.
FussballerInnen sind auch nur Menschen, also gilt dieses Prinzip der Homöostase auch für sie. Wer sich das schönreden möchte und komplexe Spielsysteme und Anreize drumrum baut, mag kurzfristig erfolgreich sein. Langfristig aber schadet das zweifelsohne jedem Menschen und ich würde stark davon abraten (Übertraining, Burnout, Depressionen, Ängste aller Art, Selbstzweifel, Süchte und Substanzenmissbrauch sind mögliche Folgen, um nur die gängigen und bekannten zu nennen). Leider sind die finanziellen Anreize so gesetzt, dass viele nicht widerstehen können und die eigenen Grenzen/Bedürfnisse/Befinden nicht kennen oder ihnen zu wenig Beachtung schenken. Grundsätzlich sollte stets (!) die Gesundheit und die Ethik im Sport erste Priorität haben. 

Mehr zum Thema:


Titelfoto: AI generiert mit Hilfe von Magic Studio bei Canva

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Dr. Hanspeter Gubelmann: Wenn es Alexander Zverev nicht genügt, «sein Herz in die Hand nehmen»

Bauchlandung, Debakel, Blamage: Für Alexander Zverevs Erstrunden-Aus in Wimbledon bedienen sich Sportredaktoren vieler Medien zuoberst im Phrasenkatalog desaströser Beschreibungen einer sportlichen Niederlage. Dabei geht beinahe unter, wie offen und ehrlich der Tennisspieler sein Ausscheiden deutet. Wer verstehen will, wie es um das Innenleben des Sportlers bestellt ist, braucht ihm bloss zuzuhören. Da spricht ein junger, erfolgreicher Mann, dem seine Lebensfreude offensichtlich abhanden gekommen ist. 

Zum Thema: Mentale Stärke und physische Gesundheit

Um es sportlich einzuordnen: Erstrunden-Niederlagen von Top-Spieler:innen im Londoner Rasentennis-Mekka gehören aktuell zur Normalität – wie die legendären Erdbeer-Sahne-Törtchen – sie versüssen beide auf ihre Art den Sportgenuss für uns Zuschauer:innen. Neben Zverev schieden drei weitere Top-10 Spieler in ihren Erstrundenpartien aus. Im Frauenturnier erwischte es mit Coco Gauf (Nr.2) Jessica Pegula (Nr.3) und Olympiasiegerin Zheng Qinwen (Nr.6) ebenfalls sehr arrivierte Spielerinnen. Allesamt bittere Erfahrungen für die Betroffenen: überraschend, unrühmlich, ärgerlich und vielleicht auch verunsichernd. Eine Ursachenzuschreibung scheint oft einfach und logisch. «Prime»-Expertin Andrea Petkovic ortet das Übel in Zverevs Niederlage in fehlender Entschlossenheit und Angriffslust, er spiele durchwegs ängstlich und passiv. «Da muss er einfach sein Herz in die Hand nehmen. Das ist aber genau das, wo es heute hakt.»

Ein individueller, wesentlich subtilerer Umgang mit derartigen Niederlagen zählt zu den Kernanliegen sportpsychologischer Unterstützung. Ausgangspunkt dazu bieten Überlegungen zum «winning mindset» (vgl. Dweck, 2012) der Spitzensportler:innen. Dieses speist sich u.a. aus einem positiven, lernförderlichen Verarbeiten sportlicher Rückschläge. Der ehemalige Skirennfahrer Marco Büchel (LIE) umschrieb es mir einmal so: «Siege und Erfolge geniesst du, aus Niederlagen lernst und reifst du. Beide Erfahrungen sind gleichermassen wichtig für deine sportliche Karriere». 

Mentale Stärke allein reicht nicht!

Ein positiver Umgang mit Niederlagen zielt erstrangig auf eine Erhöhung der mentalen Stärke ab. Die Direktive lautet: beim nächsten Mal – dann wenn’s wieder zählt – werde ich bereit sein und meine spielerische Leistungsfähigkeit erfolgreich(er) abrufen. Einen ersten Aufschluss zum «Wie weiter?» liefern die betroffenen Spieler:innen sehr oft in ihren Statements gegenüber den Medien, z.B. im Rahmen von Pressekonferenzen. Im Fall von Alexander Zverev präsentiert sich diese Ausgangslage aber gänzlich anders. Seine Statements klingen düster, gequält und zuweilen ratlos. Seine berührend-offene Beschreibung seiner Gemütslage (vgl. sporty.com) lassen sich in folgenden Kernaussagen bündeln.

  • Ich fühle mich einsam in meinem Leben (ausserhalb des Tennisplatzes);
  • Ich quäle mich mental und schaffe es nicht aus diesem Loch herauszukommen;
  • Ich finde keine Freude in meinem Alltag;
  • Ich habe mich noch nie so (hilflos) gefühlt in meinem Leben;
  • Ich habe mich in meinem Leben noch nie so leer gefühlt – die Lebensfreude fehlt, selbst wenn ich Matches wie in Halle oder Stuttgart gewinne;
  • Vielleicht brauche ich zum ersten Mal in meinem Leben Therapie.

Überforderung, Demotivation und Hilflosigkeit

Allein der Wortlaut dieser Aussagen schmerzt und macht betroffen. Ausdruck, Tonalität und Körpersprache im Video (siehe sporty.com) lassen erahnen, wie schwer sich Zverev mit seiner Situation tut, wie sehr er um Halt und Erklärungen ringt. Bemerkenswert ist, wie er von Bild online zitiert wird: „Es ist das Gefühl, als würde man ins Bett gehen und ist einfach nicht motiviert für den nächsten Tag. Man hat keine Lust, aufzustehen und zur Arbeit zu gehen. Dieses Gefühl kennt jeder, egal, welchen Job man hat. Als Sportler beeinflusst es die Leistung stark. Genau das habe ich gerade.“

Ich kenne Alexander Zverev nicht persönlich. Es steht mir in keiner Art und Weise zu, ihm Ratschläge zu erteilen. Es kann und darf nicht Inhalt dieses Blogs sein, hier eine psychologische Ferndiagnose zu stellen. Stattdessen soll versucht werden, ein tiefgreifenderes Verständnis hinsichtlich der Komplexität der Thematik zu vermitteln – dann nämlich, wenn Athleten:innen Gefahr laufen, den Halt unter den Füssen zu verlieren. Im Fachjargon sprechen wir von «Floundering» – ein Zustand der Überforderung, Demotivation und Hilflosigkeit.

Flourishing – nur mit mentaler Gesundheit erreichbar!

Aus dem Zusammenspiel von mentaler Stärke (Toughness) und psychischer Gesundheit (vgl. Abb. 1) lassen sich unterschiedliche psychophysische Zustände, Erlebens- und Verhaltensweisen beschreiben. Ebenso lässt sich daraus die Notwendigkeit und eine allenfalls angezeigte Dringlichkeit einer (sport-)psychologischen Intervention ableiten. Das Modell erklärt beispielsweise, dass sportliche Spitzenleistungen auch trotz psychischer Erkrankungen durchaus möglich sind, die dabei errungenen Siege möglicherweise unter Aufbringung aller psychischer Ressourcen erkämpft wurden – wie das Beispiel des U.S.-amerikanischen Schwimmers Michael Phelps zeigt, der in seiner langen und erfolgreichen Karriere immer wieder unter seiner diagnostizierten Depression litt. Unter einer ganz anderen Symptomatik leidet dagegen der „Trainingsweltmeister“, dem es tatsächlich an mentaler Stärke in der Wettkampfsituation mangelt und in seiner Leistungsentwicklung stagniert (Languishing), von psychischen Erkrankungen aber weitgehend verschont bleibt. Wiederum völlig anders präsentiert sich die Lebenslage eines psychisch erkrankten, mental angeschlagenen Athleten (Floundering), der dringend auf psychotherapeutische Unterstützung angewiesen ist.

Längerfristige, «gesunde» sportliche Leistungsfähigkeit im Spitzensport setzt demgegenüber die Konvergenz von mentaler Stärke und psychischer Gesundheit voraus. Hinsichtlich der grundsätzlichen Bedeutung der psychischen Gesundheit orientiere ich mich an Küttel & Larsen (2019). Sie bezeichnen in ihrem Übersichtsartikel «mental health» „… as a resource for a successful and sustainable sports career. We advocate that future studies include the whole spectrum of the mental health continuum (i.e. from languishing to flourishing; Keyes, 2002) with an increased focus on the role of the (sport) environment and the athlete-environment fit.“ 

Wie weiter? Sportpsychologische/ -therapeutische Angebote

In mehr als 35 Jahren Berufserfahrung als Sportpsychologe im Spitzensport bin ich einigen Athlet:innen begegnet, die von ähnlichen Erfahrungen berichteten, wie wir sie jetzt von Alexander Zverev hören. In folgenden Themenfeldern können die professionell ausgebildeten Kolleg:innen unseres Netzwerkes die-sportpsychologen.de (zur Übersicht) wertvolle Unterstützung anbieten:

  • Stabilisierung, Verständnis und Unterstützung: Wo und wie erhält der/die Athlet:in kurzfristig positiven Rückhalt in der akuten Krise?
  • Vertrauen und zwischenmenschlicher Rückhalt: Wer und wo sind die Bezugspersonen, die den/die Sportler völlig unabhängig von seinen/ihren sportlichen Erfolgen wertschätzen?
  • Einordnung, Klärung und Ausrichtung: Wann ist ein «teachable moment», z.B. hinsichtlich einer Psychotherapie-Abklärung, sozialpsychologischen Anamnese u.a.m.
  • Distanzierung und Zuwendung: Wer gibt dem/der Sportler:in Support (im Sportsystem)? Wo sind die Konfliktfelder?
  • Anleitung zum Selbstschutz: z.B. Distanzierung von «Ratgebern»
  • Umgang mit Medien: Wo sind die inhaltlichen «red flags»?
  • Ressourcenmanagement: Ist ein Rückzug (z.B. Saisonunterbruch, Urlaub etc.) angezeigt?
  • Eigene Werte und Prioritäten im Leben: Was ist dem/der Sportler:in besonders wichtig?

Epilog

Nachdenklich stimmt mich Zverevs Aussage zum familiären Kontext. Angesprochen auf seine Tochter Mayla, sagte er im Interview: „Meine Tochter macht mich generell glücklich, das ist die Person, die mich am glücklichsten macht in meinem Leben. Aber sie ist vier. Normalerweise muss es andersrum sein, ich muss ihr Energie geben, ich muss sie glücklich machen und nicht andersrum. Das kann es nicht sein.“ Vielleicht gibt es tatsächlich Wichtigeres im Leben als eine Erstrunden-Niederlage in Wimbledon.

Mehr zum Thema:

Quellen:

Dweck, C. S. (2012). Mindset: How you can fulfill your potential. Constable & Robinson Limited.

Keyes, C.L.M. (2002). The mental health continuum: From languishing to flourishing in life. Journal of Health and Social Behavior, vol.43/2,pp.207-222.

Küttel, A. & Larsen, C.H. (2019). Factors affecting elite athletes’ health: a systematic review. In: Strauss, Halberschmidt et al. (Eds). Abstract Book of the 15. FEPSAC Kongress, 15.-19. Juli 2019 in Münster, p.184.

https://sporty.com/news/video/quite-alone-in-life-zverev-opens-up-on-personal-struggles-after-wimbledon-exit/1pkz3964napkn1cmiyrjh1wnc4

https://www.blick.ch/sport/tennis/zverev-gesteht-mentale-probleme-ich-fuehle-mich-im-moment-ziemlich-allein-im-leben-id21012796.html

https://www.focus.de/sport/tennis/als-zverev-sein-wimbledon-match-wegwirft-sagt-tv-expertin-bezeichnende-saetze_d9d0f00c-f14b-4c34-895c-7b9a850a8db0.html

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FIFA-Klub-WM: Was immer mehr Spiele mit Volition und Motivation machen

Immer neue und aufgeblähte Wettbewerbe. Die Klub-WM war über viele Jahre ein nur wenige Tage in Anspruch nehmender Wettbewerb. Für europäische Clubs war er zudem nur dann wichtig, wenn er gewonnen wurde. Mit 32-Teams über vier Wochen ist der Wettbewerb nun ein Hochglanzprodukt geworden. Die Klub-WM ist Teil einer Entwicklung, einer ungezügelten Ausweitung und Ergänzung von Wettbewerben. Zuvor wurde die Champions League mit einer erweiterten Gruppenphase ausgeweitet und die Nations League sowie die Conference League erfunden. Die Anzahl der Spiele für die Topstars wächst kontinuierlich. Was macht das mit Themen wie Volition und Motivation, wollte Mathias Liebing, Gründer und Redaktionsleiter von Die Sportpsychologen wissen… 

Zum Thema: Volition und Motivation

Wie wirken sich immer neue und veränderte Wettbewerbe auf die Volition und Motivation aus? Was ist das eigentlich, Motivation und Volition – und was sollten Trainer und Spieler darüber wissen? Wie lässt sich sportpsychologisch auf die neue Situation mit dem Mehr an Wettbewerben in Bezug auf Motivation und Volition reagieren?

Norbert Lewinski, Die Sportpsychologen
Norbert Lewinski, Die Sportpsychologen

Norbert Lewinski (zum Profil):

Die ständige Ausweitung von Wettbewerben – wie die neue Klub-WM oder die verlängerte Champions-League – verändert die psychische Belastung von Profi-Fußballern massiv. Aus sportpsychologischer Sicht betrifft das besonders zwei zentrale Prozesse: Motivation (das „Warum“ des Handelns) und Volition (das „Wie“ – die Willenskraft zur Umsetzung von Zielen trotz Widerständen). Motivation ist dynamisch und eng mit inneren Bedürfnissen, Zielen und Sinnfragen verbunden. Wird der Sport durch zu viele, immer gleichwertig inszenierte Turniere entwertet, droht ein Verlust an intrinsischer Motivation – also der Freude, dem inneren Antrieb, dem Sinn. Spiele wirken austauschbar, die emotionale Bedeutung schwindet. Volition leidet, wenn die mentale Kraft zur Zielverfolgung durch Überforderung nachlässt. Spieler funktionieren zwar, aber innerlich entsteht Distanz, Erschöpfung, oft auch Resignation. Aus psychodynamischer Perspektive zeigen sich hier innere Konflikte: zwischen Pflichtgefühl, Erfolgsdruck und dem Wunsch nach Autonomie oder Sinn. Um dem entgegenzuwirken, braucht es gezielte Strategien: individuelle Zielklärung, bewusste Spielrotation zur mentalen Entlastung, sowie Reflexionsräume im Team – etwa mit sportpsychologischer Begleitung. 

Motivation und Volition sind nicht fix, sondern entwickelbar – durch ständiges, selbstreflexives Lernen. Wer den inneren Sinn wiederfindet, bleibt auch in einem überladenen Spielplan handlungsfähig – und psychisch gesund.

Anke Precht, Die Sportpsychologen
Anke Precht, Die Sportpsychologen

Anke Precht (zum Profil):

Ergänzend zu den Ausführungen von Norbert gibt es ein weiteres Momentum, das auch positiv ist: Mehr Wettbewerbe bedeuten, dass Sportler mehr von dem tun können, wofür sie jahrelang hart gearbeitet haben – Sie messen sich mit anderen und zeigen, was sie können. Gibt es nur ganz wenige Wettbewerbe, konzentriert sich die gesamte Motivation auf diese, und häufig entsteht dadurch ein extrem hoher Druck. Dieser wirkt sich ungünstig auf die mentale Situation gerade jener Sportler aus, die sich noch nicht gut selbst regulieren können: Ein wenig wie vor einer Prüfung, für die es nur eine einzige Chance gibt. 

In 2024 habe ich im MTB erlebt, dass die für die Fahrer extrem anstrengende Olympia-Qualifikation mit vielen harten Entscheidungen für manche leichter mental zu stemmen war, weil sie wussten: Da kommt noch eine WM, und es gibt noch ein Weltcup-Ranking, wo ich mich beweisen kann. Druck verteilt sich, das erleichtert auch manches.  

Robin Conen, Die Sportpsychologen
Robin Conen, Die Sportpsychologen

Robin Conen (zum Profil):

Die zunehmende Anzahl und die Formatänderungen von Wettkämpfen im Sport können die Motivation und den Willen von Sportlern erheblich beeinflussen, und Sportpsychologen spielen eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung dieser Auswirkungen. Motivation bezieht sich auf die inneren und äußeren Kräfte, die einen Sportler dazu antreiben, sportliche Aktivitäten zu beginnen und fortzusetzen, während Willenskraft die Entschlossenheit und Ausdauer ist, die erforderlich sind, um ein Ziel trotz Schwierigkeiten zu erreichen. Sportpsychologen können Sportlern helfen, ihre Motivation und Willenskraft aufrechtzuerhalten, indem sie verschiedene Strategien und Maßnahmen einsetzen. Psychologisches Training, das Zielsetzung, Selbstgespräche, mentale Bilder und Entspannungstechniken umfasst, verbessert nachweislich die Leistung, indem es psychologische Faktoren wie Selbstvertrauen stärkt und Ängste abbaut. Regelmäßige sportpsychologische Interventionen können die mentale Stärke und die Bewältigungsfähigkeiten von Sportlern verbessern und ihnen helfen, mit Druck umzugehen und unter wechselnden Wettbewerbsbedingungen konstante Leistungen zu erbringen. Darüber hinaus ist das Verständnis von Motivationstheorien, wie z.B. der Selbstbestimmungstheorie, von entscheidender Bedeutung. Diese Theorie betont die Bedeutung von Autonomie, Kompetenz und Verbundenheit für die Förderung der intrinsischen Motivation von Sportlern. Positive Emotionen, wie z.B. Selbstvertrauen und verminderte Angst, stehen in Zusammenhang mit einer besseren Erholung von Sportverletzungen und können für die Anpassung an neue Wettkampfformate von entscheidender Bedeutung sein. Für Trainer und Spieler ist das Verständnis dieser psychologischen Konzepte von entscheidender Bedeutung. Trainer sollten ein Umfeld schaffen, das das psychische Wohlbefinden fördert, indem sie eine offene Kommunikation hervorheben, die Autonomie unterstützen und das Selbstvertrauen durch positive Verstärkung stärken. Die Spieler sollten auch darin geschult werden, psychologische Strategien anzuwenden, um Stress und Druck während Wettkämpfen effektiv zu bewältigen. 

Zusammenfassend kann der Sportpsychologe ein Ansprechpartner sein, um bei der Anpassung an ein höheres Wettkampfvolumen sportpsychologische Interventionen zur Stärkung der mentalen Belastbarkeit und Bewältigungsfähigkeiten anzubieten und um die Leistung unter neuen Wettbewerbsbedingungen zu steigern.

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Prof. Dr. Oliver Stoll: Wie Fußball, Handball, Basketball, Volleyball oder Eishockey vom Floorball lernen können

Nicht selten werde ich gefragt, weshalb ich mich als Sportpsychologe in der Randsportart Floorball engagiere? In der Frage schwimmt immer mit, dass sich in dieser in Deutschland ja noch kleinen Sportart kaum Geld verdienen lasse. Ich antworte dann gern, dass ich es mag, im Sinne der Sportpsychologie auch in das Kostüm von Robin Hood zu schlüpfen. Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit: Denn meist wird im Floorball auch auf Basis der Gebührenordnung abgerechnet – also genauso mäßig wie in klassischen olympischen Sportarten auch. Viel wichtiger ist für mich die tiefe Offenheit im Floorball der Sportpsychologie gegenüber und die Chance, in dieser Sportart Strukturen für die mentale Arbeit zu schaffen, die wir auch für andere Sportarten adaptieren können. Im Text gebe ich einen Überblick über ganz konkrete Maßnahmen als Floorball-Sportpsychologe, die auch im Fußball, Handball, Basketball, Volleyball oder Eishockey anwendbar sind, wenn die jeweiligen Entscheidenden nur wollen.

Zum Thema: Sportpsychologie in Spielsportarten 

Als Sportpsychologe begleite ich die Floorball-Nationalmannschaften. Zuletzt war ich knapp zwei Wochen bei der WM-Endrunde im Dezember in Schweden im Einsatz. Rund um die Turniere fällt mein Arbeitspensum etwas intensiver aus, dazwischen ist es weniger, als es mir lieb ist, da ich so nur eingeschränkt Grundlagen schaffen kann. Aber so ist das eben mit kleinen und von staatlicher Förderung abhängigen Verbänden. Seit einigen Monaten bekomme ich aber regelmäßig Anfragen aus dem Floorball, nicht zuletzt aus dem Nachwuchs.

Beim SC DHfK Leipzig war ich kürzlich mehrfach vor Ort. Erst habe ich beim U13 Team mitgeholfen, die Kids auf die vom Verein ausgerichtete Deutsche Meisterschaft in eigener Halle vorzubereiten. Die Themen waren Ziele, Umgang mit Druck und Körpersprache. Spannend war für mich, die Inhalte unserer Arbeit auf die Sprache und den Erfahrungshorizont von 11- bis 12-Jährigen anzupassen. Aber mein Eindruck und das Feedback der Spieler war überaus positiv:

Konkretes Wissen für eine deutsche Meisterschaft

Schon intensiver verlief die Zusammenarbeit mit dem U15 Team des DHfK Leipzig. Auch diese Mannschaft hat sich für die Endrunde einer deutschen Meisterschaft in ihrer Altersklasse qualifiziert. Hier ging es um Grundlagen der mentalen Arbeit im Sport und ganz konkrete Ableitungen, die sie für das DM-Turnier Anfang Juli in Bremen nutzen können. Den Fokus habe ich auf Visualisierungen gelegt. 

Um das Eis zu brechen und die Relevanz deutlich zu machen, habe ich mit einem Video meines Kollegen Dr. Hanspeter Gubelmann gearbeitet. Gemeinsam mit Cristina Baldasarre hat er die Schweizer Floorball-Nationalmannschaft zur WM 2018 in Prag begleitet. Für die Kids war es super, anhand ihrer eigenen Sportart und des ehemaligen Superstars Matthias Hofbauer zu zeigen, wie gut Visualisierungen funktionieren können. (Link zum Beitrag siehe unten) Mein Credo war dabei: “Schaut mal, das machen Nationalspieler, das Gleiche macht ihr. Visualisierungen sind vollkommen normal, sie sind einfach eine sehr zielführende Trainingsmethode.”

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Weitere Informationen

Techniken umsetzbar machen

Klar ist auch, dass mentales Training dann wirkt, wenn es wiederholt wird. Wie es bei physischem Training normal ist und auch so im Sport verstanden wird. Diesbezüglich haben wir mit der Sportpsychologie noch Nachholbedarf. Aber ich bin sehr gespannt, was ich vom Team und deren Trainern nach der deutschen Meisterschaft höre. Ich bin überzeugt, dass einige auf ausgewählte Techniken zurückgreifen werden. Zumal der junge Trainerstab meine Arbeit auch super unterstützt hat.

Noch während des Trainings wurde in der WhatsApp-Gruppe des Teams ein Video der Veranstaltungsstätte des DM-Turniers in Bremen geteilt. Ein TV-Beitrag von Radio Bremen, in dem die Halle gut zu sehen ist. Mit Hilfe dieses Films können sich die Jungs und Mädchen schon auf dem Weg nach Bremen mit der Örtlichkeit auseinandersetzen. Sich vertraut machen. Wenn darüber hinaus einige, wie geübt, ihre Penalty-Strategien im Kopf 50 bis 60 Mal wiederholen, werden sie gut vorbereitet sein. Besser als diesbezüglich manche Profi-Sportler.

Auftrag im Mutterland des Floorballs

Im Floorball ist meiner Erfahrung nach in der jüngeren Vergangenheit eine große Offenheit gegenüber der Sportpsychologie entstanden. Erst vergangene Woche habe ich die Einladung von einem weiteren Top-Verein bekommen, wo ich einen Workshop im Nachwuchs umsetzen soll. Der frühere Bundestrainer Martin Brückner hat mich unterdessen schon zum zweiten Mal zu seinem Club eingeladen, wo ich mehrtägig in der Vorbereitung mit im Boot bin. Dieser Auftrag führt mich nach Schweden, wo Brückner, mit dem ich im Nationalteam sehr gut zusammengearbeitet habe, inzwischen unter professionellen Bedingungen arbeitet. Im Mutterland des Floorballs.

Eine Erkenntnis meiner Arbeit ist es, die Arbeit zwischen dem Top-Level im Erwachsenenalter und dem Nachwuchs zu verzahnen. In die eine, wie in die andere Richtung. In anderen Sportarten, insbesondere im Fußball, erlebe ich eine klare Zweiteilung. Wenn im Floorball so weiter gearbeitet wird wie zuletzt, wird sich die Sportart als Muster für andere Spielsportarten bei der Implementierung der Sportpsychologie beweisen. Es wäre mir persönlich eine große Freude. 

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Anke Precht: Zuschauer-Party am Streckenrand – Flowkiller oder Flowverstärker?

Der Mountainbike-Weltcup im Val di Sole in den Dolomiten ist der lauteste seiner Art. Kettensägen, Rasseln, Kuhglocken, laute Musik, viele hoch emotionale Fans. Am lautesten ist es immer an der längsten und härtesten Steigung. Sportpsychologisch begleite ich einige Mountainbike-Athleten. Eine meiner Fahrerinnen erzählte mir vor zwei Jahren, wie sehr sie sich auf das Rennen freue, weil der Lärm sie beflügele und maximal pushe. Eine andere sagt genau das Gegenteil: An derselben Stelle sei es so laut, dass es sie komplett aus dem Tunnel hole. Die Steigung danach müsse sie sich regelrecht hinauf quälen. Und sie brauche bis zur nächsten Abfahrt, bis sie wieder im Fluss sei.

Zum Thema: Umgang mit Emotionen, Ovationen und Lautstärke von Fans

Die gleiche Situation, zwei völlig verschiedene Wirkungen. Wie kann die Sportpsychologie dabei helfen, die Geräuschkulisse bei einem Rennen optimal als Leistungsverstärker zu nutzen?

Methodisch gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine besteht darin, die Strecke vor dem Rennen zu imaginieren. Am besten geht das für die Fahrer, die die Strecke bereits kennen. Sie haben in der Regel eine klare Idee davon, wie es an den relevanten Stellen aussieht und klingt. Ein Audio oder Video der Zuschauerkulisse kann dabei helfen.

Aus der Außenperspektive

In der Imagination schaut sich der Fahrer aus der Außenperspektive beim Fahren zu – optimal, hoch fokussiert, maximal im Tunnel. Er sieht sich beim Aufbrausen der Geräuschkulisse beschleunigen, den Blick nach vorne, den Berg im guten Rhythmus hinauffahren, getragen von den Geräuschen.

Sobald das gut klappt, spielt man die reale Geräuschkulisse dazu.

Eindrücke vom Mountainbike-Weltcup im Val di Sole, Quelle: Anke Precht

Aus der Innenperspektive

Ist das leicht vorstellbar, wechselt der Fahrer in die innere Perspektive, stellt sich die gleiche Situation so vor, als würde er wirklich fahren. Wichtig ist, die Vorstellung des Kraftschubes, des Rückenwindes oder des verstärkten Tunnels mit dem Krach zu verbinden und genau das einzuüben, damit es beim Fahren auf der Strecke vertraut und wie gewünscht verknüpft ist.

Ein paar Sonderregeln beziehungsweise Zusatzschritte gibt es für Athleten zu beachten, die unter ADS oder ADHS leiden. Die Experten von Die Sportpsychologen (zur Übersicht) sind Ansprechpartner für diese und weitere Fragen. Ich stehe euch natürlich auch gern zur Verfügung (zum Profil von Anke Precht).

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