Klaus-Dieter Lübke Naberhaus: Wenn Druck zu Stress wird

Das olympische Eishockeyturnier ist für das deutsche Team vorzeitig zu Ende gegangen. Die Ursachenanalyse begann direkt nach dem Pre-Viertelfinalaus gegen die Slowaken, die ähnlich wie die US-amerikanischen Boys aggressiv und mutig spielten. Da tröstet es auch wenig, dass eben diese Slowaken dann im Viertelfinale dieser beiden erfrischend aufspielenden Teams, letztendlich zwar mit etwas Glück, doch immer an sich glaubend das weiterhin starke US-Team bezwangen. Was aus deutscher Sicht vor allem bleibt, ist das Gefühl einer derben Enttäuschung. Was lief schief?

Zum Thema: Von Erwartungen, Teamgeist und Führungsspielern

Das deutsche Team wirkte im gesamten Turnierverlauf gehemmt, ungewöhnlich passiv und reaktiv. Ein eigener Rhythmus, eine eigene Kreativität, die notwendig ist, um dem Gegner sein Spiel aufzudrängen, ihn unter Druck zu setzen, diese Elemente waren selten zu erkennen.

Aus sportpsychologischer Sicht ergab das ZDF-Interview mit Moritz Müller, dem deutschen Kapitän von den Kölner Haien, das direkt nach dem Spiel geführt wurde, wieder viele Aufhänger, um wesentliche Punkte des Mannschaftssports zu betrachten. Der Reihe nach.

Von hohen Erwartungen und tiefen Enttäuschungen

Im therapeutischen Setting wird die Frage nach hohen Erwartungshaltungen an sich selbst und von extern und den damit oft verbundenen Perfektionismus damit beantwortet, keine Erwartungen zu haben, es auf sich zukommen zu lassen. Doch wie realistisch ist das? Auf jeden Fall würde es vor Enttäuschungen schützen.

Doch zurück zum deutschen Team, dessen Enttäuschung natürlich groß war, denn die eigenen Erwartungshaltungen waren ebenso hoch, was sich an einer mannschaftsinternen  WhatsApp Gruppe mit dem Titel „MissionGold“ zusätzlich festmachen lässt. So wurde es mindestens durch die Medien kolportiert.

Wenn Druck zu Stress wird 

Und die externen Erwartungen waren nach Olympia Silber 2018 und der Halbfinalteilnahme bei den Weltmeisterschaft 2021 auch entsprechend hoch. Deutschland war in der Weltspitze des Eishockeys angekommen. Das macht natürlich Druck. Und Druck kann zu Stress führen. Und mit diesem Druck, diesem Stress umzugehen, das bedarf ebenso einer Vorbereitung wie Technik und Taktik eines angemessenen Trainings bedürfen. Und wie ernst die deutsche Mannschaft in der Weltspitze inzwischen genommen wird, das zeigte das Auftreten des kanadischen Teams.

An diesem Druck ist das deutsche Team am Ende gescheitert, wie Moritz Müller es im Interview treffend formulierte, sein Team habe sich auf dieser Eisfläche nie wohl gefühlt, was er unter anderem mit der ungewohnten Abmessung zu erklären versuchte. Sicherlich ein Faktor, auf dem jedoch auch eine Vorbereitung möglich ist. Wie diese ausgesehen hat, das wissen wir nicht. Und Moritz Müller gab weitere Einblicke in die Seele der deutschen Mannschaft, formulierte weiter, dass dieser Druck, dieses sich nicht wohlfühlen dazu führte, „nicht frisch im Kopf zu sein“. Und wir alle wissen, dass eine tief verwurzelte Antwort unseres Nervensystems auf Stress eine „Schockstarre“ ist. So erklärt sich Hemmung, Passivität, fehlende Kreativität.

Von „smarten“ Zielsetzungen

Was lernen wir daraus? Natürlich ist es wichtig, sich Ziele zu setzen. Doch in jedem Seminar lernen Studierende, Führungskräfte und viele andere, dass diese „SMART“ sein sollen. Spezifisch war das Ziel, messbar ganz sicher auch und attraktiv ist olympisches Gold sicherlich. Und auch terminiert war dieses Ziel, denn der Zeitpunkt des olympischen Finales steht seit langem fest.

Bleibt also unser “R” aus dem „SMART“. Wie realistisch war die Zielsetzung unter Berücksichtigung aller Faktoren? Vielleicht ist hieran die Zielsetzung gescheitert, dass die Goldmedaille zu hoch angesetzt war, zu viel Druck erzeugt hat. Vielleicht hätte es gereicht, das Ziel als „Mission Medaille“ fest zu setzen, um die notwendige Spannung zu erzeugen und gleichzeitig den Druck nicht zu hoch zu schrauben. Vielleicht fehlte eine entsprechende Vorbereitung auf diese spezielle Eisfläche. All diese Punkte werden Inhalt einer Analyse sein und manchmal sind es Kleinigkeiten, die am Ende die Leistung und damit das Ergebnis beeinflussen. Somit konstatieren wir, es gibt so viele Einflussfaktoren, die die sportliche Leistung bestimmen, die nicht plan- und kontrollierbar sind und doch können wir gute Rahmenbedingungen schaffen.

Und lassen wir Moritz Müller noch einmal zu Wort kommen. Dies alles darf in der Analyse nicht dazu führen, alles bisher erreichte in Frage zu stellen, stellte er fest. Und genauso ist es, das bisher erreichte sollte nicht in Frage stehen. Doch alle Faktoren gilt es anzuschauen, die einen Einfluss auf diese „enttäuschende“ Leistung hatten, reflexiv und hochgradig selbstkritisch. Das wird weh tun, doch ist das Scheitern der Treiber für neue Lernerfahrungen, um es demnächst gelingender zu machen. Vielleicht ist die mentale Vorbereitung zu optimieren.

Von fehlenden Führungs- und Ausnahmespielern

Betrachten möchte ich noch einen weiteren Aspekt, der im Live-Kommentar zum deutschen Spiel gegen die Slowakei der Eishockey-Experte und ehemalige deutsche Nationalspieler Rick Goldmann als mögliche Ursache in die Diskussion warf. Es brauche, um den ganzen großen Wurf zu erzielen, ein bis zwei Ausnahmespieler, Führungsspieler, die den Unterschied ausmachen.

Und wenn die Analyse ehrlich und selbstkritisch ausfällt, dann fehlten diese Spieler der deutschen Mannschaft in diesem Turnier oder die dafür vorgesehenen Spieler konnten diese Rolle nicht ausfüllen. Auch dieser Aspekt läßt sich durch Interventionen und Maßnahmen vorbereiten, trainieren.

Teams voranbringen 

Gerne begleiten meine Kollegen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Klaus-Dieter Lübke Naberhaus) Sie und ihr Team in der Formulierung und Verfolgung einer „smarten“ Zielsetzung und und die Formung eines Teams, dass mit Druck umzugehen lernt oder bei der Aufbereitung der mentalen Ursachen eines „enttäuschenden“ Scheiterns.

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Klaus-Dieter Lübke Naberhaus
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