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Dr. Hanspeter Gubelmann: «enhanced Games» – Das absurde, unmoralische und vielleicht tödliche Spiel mit dem Doping

Spitzensport treibt zuweilen skurrile Blüten. Im Falle der jüngst propagierten «enhanced Games» sollen Sportler:innen mit unbeschränktem Zugang zu Dopingmitteln zu Weltrekorden gepusht werden. Wissenschaftlich unterstützt und vermeintlich «gesund und sicher» treten im Mai 2026 eine Handvoll Athlet:innen in Las Vegas zum Showdown an. Geködert mit einer Millionengage und im Windschatten einer Heerschar medizinischer Spezialisten und fragwürdiger Geldgeber sowie umstrittener World Leader soll die olympische Show neu inszeniert werden. Mit der geplanten Disruption des Sportsystems und dem visionären «Deal» muss sich auch die Sportpsychologie befassen: argumentativ und mit einer klaren Haltung!

Zum Thema: Umgang mit den enhanced Games 

Um sich einen Einblick in die Welt der «enhanced games» und ihre Denke zu verschaffen lohnt ein Blick auf ihre Homepage www.enhanced.com. Mit hypem Slogan «get enhanced» gehen die Macher auf Kund:innenfang und glorifizieren ihren Business Claim «we’re reinventing sports with science» mit dem Ziel «to push the boundaries of human performance». Übersetzt und mit (Rück-)Blick in die 1980er Jahre der Leichtathletik heisst das konkret: Wir suchen einen zweiten Ben Johnson, der sich bereit erklärt, sich auf bestmögliche Art und mit der Unterstützung von Medizinern, Pharmakologen, Neurowissenschaftlern, Performance Spezialisten, Endokrinologen, Immunologen u.a.m. derart zu «laden», dass Usain Bolts 100m-Weltrekord von 09.59sec im Mai 2026 fallen wird. Und tatsächlich – mit dem US-Sprinter Fred Kerley hat sich ein valabler Anwärter unter die enhanced-Flagge gestellt und gilt nun als einer von bisher zehn Athleten-Botschaftern, «who embody the spirit of enhanced: Pushing Limits, Breaking Records».Leichtathletik-Expert:innen dürften Kerley gute Chancen einräumen, da der talentierte Amerikaner 2022 mit seiner Zeit von 09.76sec noch etwas schneller lief als der anabol-steroid gepushte Kanadier an den Spielen 1988 in Seoul. Johnsons 9.79sec dürften folgerichtig als aktueller Rekord im «enhanced Sprint» über 100m angesehen werden. 

Frankenstein’s Lab, reloaded – aber wer betreut die «enhanced» Athlet:innen in Training und Wettkampf?

Fakt bleibt: Ben Johnson dürfte 1988 mit einer geringen Anzahl involvierter Personen einen maximalen Erfolg an Leistungsentwicklung erreicht haben. Unterstützt wurde er von Charlie Fancis, einem der damals renomiertesten aber auch umstrittensten Experten im Sprintbereich, der im grössten Dopingskandal der Leichtathletik-Geschichte unmittelbar beteiligt war. Relevant für Las Vegas-Starter:innen dürfte hingegen sein, wer sie in trainings- und wettkampftechnischer Sicht unterstützen wird. Oder anders gefragt: Welche Coaches, Trainer:innen, Physiotherapeut:innen, Sportpsycholog:innen, Vereine, Verbände, Sponsoren usw. werden sich bereit erklären, sich der Idee der «enhanced Games» zu verpflichten und damit gegen olympische Statuten, ethischen Richtlinien oder Berufsordnungen zu verstossen? Nach geltender Rechtslage werden Betreuer:innen, die gegen Dopingstatuten verstossen, juristisch belangt und entsprechend sanktioniert. Dazu kommen sportethische und moralische Aspekte, deren gesellschaftliche Wahrnehmung und Einordnung über Erfolg oder Misserfolg zukünftiger »enhanced Games» mitenscheiden dürften. Welche Anerkennung und welchen öffentlichen Zuspruch könnte einem Sprinter zufallen, der an den von Trump, der saudischen Königsfamilie und ausgewählten Unternehmen gesponserten Spielen Usain Bolts Weltrekord bricht?

Sprint-Weltrekorde und eine Vision, die auf Disruption basiert

Welche Ziele verfolgen die enhanced Games und ihr Gründer Aron d’Souza? Tagesanzeiger-Redaktor Simon Graf resümiert in seinem Interview mit dem Unternehmer: «Der 40-Jährige bricht mit allen Regeln des Sports. Er setzt auf gedopte Athleten, technische Aufrüstung – und eine radikale Vision vom Menschen der Zukunft.» D’Souza bezeichnet den aktuellen Sport und das IOC als heuchlerisch, antiwissenschaftlich, technologie- und fortschrittsfeindlich. Sie dagegen setzen auf Disruption, wollen Spiele für optimierte Athlet:innen, mit anderen Regeln und Rekorden. «Wir wollen Bedingungen schaffen, unter denen wir Weltrekorde brechen, mehr Medikamente verkaufen, mehr Forschung und Entwicklung betreiben, bessere Medikamente entwickeln – und wieder neue Rekorde brechen. Das ist ein positiver Rückkopplungseffekt, der zu optimierten Sportereignissen, mehr Medikamentenverkäufen und mehr Forschung führt». 

Die Betreuungsformel in ihrem entsprechend optimierten Sportsystem klingt in den Worten D’Souzas geradezu verführerisch einfach: «Alle Athleten, die bei den enhanced Games antreten, sind wie Premier-League-Spieler. Wir zahlen ihre Gesundheitsversorgung, wir übernehmen ihre Reisen, wir kümmern uns um alles. Sie gehören zum Team und bekommen ein vollständiges Betreuungsangebot. Da besteht also kein Risiko.»

(Selbst-)Kritische Haltung auch seitens der Sportpsychologie gefordert

So skurril es klingen mag: von den Machern von «enhanced Games» können und müssen wir lernen. Das zitierte Interview im Tagesanzeiger spricht eine Vielzahl von Herausforderungen im aktuellen Spitzensport an, die bei mir – ehrlich gesagt – auch mulmige Gefühle auslösen. Ein zentraler Kritikpunkt betrifft die Dopingproblematik, die wesentlich schwerwiegender ausfällt, als uns die verantwortliche Kommission WADA Glauben schenken will. Im Zentrum des Diskurses steht eine breit angelegte Studie (Ulrich et al. 2018), die bei 2167 anonym befragten Eliteathleten auf eine mögliche Prävalenz eines Dopingmissbrauchs von bis zu 44% kommt. Die kritische Analyse der renommierten Autoren wirft tonnenschwer Wasser auf die Mühlen d’Souzas’ & Kollegen: «Doping scheint unter Spitzensportlern bemerkenswert weit verbreitet zu sein und bleibt trotz der derzeitigen biologischen Tests weitgehend unkontrolliert. Die hier vorgestellte Erhebungsmethode wird es zukünftigen Forschern ermöglichen, kontinuierliche Referenzschätzungen zur Prävalenz von Doping zu erstellen.» Leider wurde es im Anschluss daran versäumt, diesen Forschungsansatz weiterzuführen, was durchaus kritikwürdig ist.

Je stärker ich mich mit dem Thema befasse, umso klarer die Einsicht: Die Sportpsychologie und ihre Vertreter:innen werden nicht umhin können, sich verständlich, kompetent und sichtbar in die Auseinandersetzung einzubringen. Meine konkreten Anliegen gehen in folgende drei Richtungen:

Unsere Position: Die Sportpsychologie und ihre Berufsverbände sind aufgerufen, ihre Haltung zum Thema «enhanced Games» zu entwickeln und diese auch aktiv und in der (Sport-)Öffentlichkeit zu vertreten. Dazu gehört ein Argumentarium/Position Statement, welches z.B. im Hinblick auf die geplanten Spiele im Mai 2026 in Las Vegas publiziert wird.

Meine eigene Haltung: Ich fühle mich persönlich verpflichtet, meine eigene Haltung als praktizierender Sportpsychologe hinsichtlich der Thematik zu klären. Für mich im Zentrum steht hier der moralisch-ethische Anspruch an meine Dienstleistung als Sportpsychologe – oder konkret: Soll und darf ich alles unterstützen, was ich inhaltlich/praktisch in der Zusammenarbeit mit Athlet:innen (z.B. im Jugendalter) auch tun/anwenden könnte?

Notwendige Konsequenzen: Eine eigene Haltung impliziert situativ-angemessenes Handeln, sobald ich mit dem Thema konfrontiert werde. Konkret werde ich mich Ende Oktober im Rahmen der ETH-Podiumsdiskussion «Leistung um jeden Preis? Doping und Supplemente im Hobby- und Spitzensport» in die kritische Diskussion einbringen. 

Mehr zum Thema:

Quellen:

www.enhanced.com

https://www.tagesanzeiger.ch/wettkampf-enhanced-games-aron-dsouza-setzt-auf-doping-232580414555

https://www.srf.ch/sport/mehr-sport/allgemein/enhanced-games-in-las-vegas-aus-der-gefaehrlichen-schnapsidee-wird-realitaet

https://www.theguardian.com/sport/2025/sep/18/enhanced-games-targets-british-stars-us-sprinter-fred-kerley

Ulrich, R., Pope, H.G., Cléret, L. et al. Doping in Two Elite Athletics Competitions Assessed by Randomized-Response Surveys. Sports Med 48, 211–219 (2018). https://doi.org/10.1007/s40279-017-0765-4

https://www.alumni.ethz.ch/en/welcome/mitgliederorganisationen/systemorientierte-naturwissenschaften/humanmedizin-alumni/events.html?targid=2558

X-Post Kerley


https://x.com/enhanced_games/status/1968358325525037500?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1968358325525037500%7Ctwgr%5E7b046a0b9ba3a94a2cc693cc4cdd9588d46ae2b8%7Ctwcon%5Es1_&ref_url=https%3A%2F%2Fsports.yahoo.com%2Folympics%2Fbreaking-news%2Farticle%2Fsuspended-us-sprinter-fred-kerley-becomes-first-american-male-track-and-field-athlete-to-join-enhanced-games-210912076.html

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Muscle & Mind – Sicher begleitet zum Comeback (21. Februar 2026 in Köln)

Das Zusammenspiel aus körperlicher Rehabilitation und mentaler Stärke. Darin liegt die Erfolgsformel, um mit nachhaltigem Erfolg aus einer Verletzung in den Sport zurückzukehren. Genau darum geht es am Samstag, den 21. Februar 2026, in der PhysioSport PACE Köln. Der Kartenverkauf ist nun gestartet – alle Infos zu den Inhalten, den Personen und den Tickets gibt es hier im Text.

Zum Thema: Muscle & Mind – Sicher begleitet zum Comeback, Sa. 21. Februar 2026 in der PhysioSport PACE Köln

PhysioSport Köln und Die Sportpsychologen vereinen für dieses einmalige Event ihr Praxiswissen für eine Rehabilitation, die rundum stark macht – körperlich und mental. Gemeinsam wollen wir das Wissen aus der Sportpsychologie für die Prävention, in der akuten Verletzungssituation, in der Rehabilitation und im “return to sport and competition”-Prozess für alle Beteiligten anwendbar machen. 

Prof. Dr. Andreas Schlumberger
Kathrin Seufert, Die Sportpsychologen
Kathrin Seufert, Die Sportpsychologen
Klaus-Dieter Lübke Naberhaus, Die Sportpsychologen
Prof. Dr. Oliver Stoll, Die Sportpsychologen
Philippe Müller, Die Sportpsychologen

Von Seiten Die Sportpsychologen gehen Kathrin Seufert (zum Profil), Prof. Dr. Oliver Stoll (zum Profil), Philippe Müller (zum Profil) und Klaus-Dieter Lübke Naberhaus (zum Profil) in der PhysioSport PACE an den Start. Hinzu kommen Experten wie Ben Mansour, Tim Insberg und Yannik Adams von PhysioSport Köln, Trainer und Sportlerinnen. Als Keynote-Speaker und Teilnehmer ist mit Prof. Dr. Andreas Schlumberger der frühere Reha-, Athletik- und Präventionstrainer u.a. von Borussia Dortmund und FC Bayern München mit dabei. Dazu freuen wir uns, mit PD. Dr. med. Christophe Lambert (mehr Infos) einen erfahrenen Facharzt für Orthopädie/Unfallchirurgie, Sportmedizin und Unfallmedizin, der bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris das Team Deutschland begleitete, für unser Format gewonnen zu haben. Nicht zuletzt ist mit Michael Bröckelmann, der Teamleiter Medizin & Physiotherapie FC-Akademie & Frauenfußball des 1.FC Köln mit dabei. Obendrauf freuen wir uns auf Bernd Berkhahn, den Schwimm-Bundestrainer, und die Olympionikin Miriam Butkereit.

Unser Anspruch ist es, das gemeinsame Wissen auf Augenhöhe zu transportieren. Es geht darum, auf entscheidende Fragen praxisrelevante Antworten zu liefern. Und es kommen Themen auf die Agenda, die dort bislang zu häufig noch fehlen.

Ort und Zeit:

  • PhysioSport PACE, Schanzenstraße 33, 51063 Köln (Link)
  • Samstag, 21. Februar 2026, 9 bis 18 Uhr

Keynotes:

  • Kathrin Seufert: „Das wankende Haus: Verletzungen und Traumata als Erschütterung der Identität“
  • Prof. Dr. Andreas Schlumberger: „Was tun, wenn einzelne Steine aus der Mauer rausbrechen?“
  • PD. Dr. med. Christophe Lambert: „Wie wichtig ist die mentale Fitness für RTC (Return to competition)?“

Workshops:

  • Klaus-Dieter Lübke Naberhaus: Was verbirgt sich im Keller? Traumata im Sport
  • Kathrin Seufert: Visualisierungen – Trotz Baustelle, gedanklich schön und effizient wohnen (mehr Infos)
  • Ben Mansour/Tim Insberg /Yannik Adams (Sportwissenschaft): Return to competition (RTC) und seine Hürden
  • Klaus-Dieter Lübke Naberhaus und Philippe Müller: Fundamente stärken, Mauern sanieren, das Dach neu decken: Reha ganzheitlich gedacht
  • Michael Bröckelmann: Grenzen der Heilungsbegleitung
  • Prof Dr. Oliver Stoll: In der Küche, im Wohnzimmer, im Flur – Welches Maß an Nähe und Distanz ist dir wichtig, um über Verletzungen zu sprechen
  • Philippe Müller: Verletzungsprävention – Starke Mauern bauen: Verletzungen vorbeugen (mehr Infos)
  • Kathrin Seufert und Prof Dr. Oliver Stoll: Trotz Baustelle, gedanklich schön und effizient wohnen

Podiumsdiskussion:

  • Miriam Butkereit (Silbermedaille Olympia 2024 in Judo)
  • Bernd Berkhahn (Bundestrainer Schwimmen)

Kosten:

  • 129 EUR (early bird-Ticket, bis Mittwoch, 31. Dezember 2025)
  • 149 EUR (ab 1. Januar 2026)

Fortbildungspunkte:

  • Ärztekammer Nordrhein: 8 Punkte
  • Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie in Deutschland (asp): 4 Punkte
  • PhysiotherapeutInnen: 8 Punkte (vgl. Ärztekammer Nordrhein)
  • Lizenverlängerung für DOSB-AthletiktrainerInnen

Anmeldung:

Sie sind Arzt*in, Teammanager*in, Physiotherapeut*in, Trainer*in, Funktionär*in, Sportpsychologe*in, Spielerberater*in, Stakeholder, Vertreter*in Berufsgenossenschaft oder natürlich Sportler*in, dann sichern Sie sich hier die Teilnahme:

Mit dem Absenden dieses Formulars erklären Sie sich damit einverstanden, E-Mail-Nachrichten von uns zu erhalten und verstehen, dass Ihre Kontaktinformationen bei uns gespeichert werden. Zudem gelten folgende AGB-Regelungen mit dem Kauf des Tickets als akzeptiert: 1. Das erworbene Ticket ist nicht auf andere Person übertragbar 2. Ein erworbenes Ticket kann bis zum 18. Februar 2026 storniert werden. 50% des gezahlten Preises werden durch den Veranstalter erstattet. 3. Eine Stornierung nach dem 18. Februar 2026 ist ausgeschlossen. 4. Das Ticketkontingent für die Veranstaltung ist begrenzt. Es besteht kein Anspruch auf den Kauf von Tickets, sobald das Kontingent ausgeschöpft ist. 5. Veranstalter und Ausrichter behalten sich vor, dass Event bei zu geringen Ticketverkäufen abzusagen. Bereits gezahlte Ticketkosten werden zu 100% erstattet.

Mehr zum Thema:

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Wolfgang Seidl: Snus – Der unterschätzte Gegner im Fußball

Wer in diesen Tagen Kabinen von Fußballteams betritt, findet fast überall die gleiche Szenerie vor: In einer Ecke wird Musik gehört, daneben wird gescherzt, und irgendwo liegt ganz selbstverständlich eine kleine runde Dose. Snus. Was vor wenigen Jahren noch ein Nischenthema war, hat sich leise, aber deutlich zum Trend entwickelt. Durch alle Ligen. Besonders junge Spieler greifen immer häufiger zu den Nikotinbeuteln.

Zum Thema: Warum Nikotinbeutel die mentale Stärke vieler Spieler untergraben und wie man sich davon befreien kann

In meiner Arbeit mit Fußballern aus unterschiedlichen Leistungsstufen höre ich immer wieder, wie verbreitet Snus mittlerweile ist. Während es in Hobbyteams oft kein großes Thema ist, berichten Spieler aus Profivereinen von einer Konsumrate über 50 Prozent innerhalb der Mannschaft. Das zeigt deutlich: Snus ist längst kein Randphänomen mehr, sondern Teil des Alltags vieler Spieler, quer durch die Leistungsniveaus.

Als Mentalcoach beobachte ich diese Entwicklung mit wachsender Sorge. Denn Snus ist nicht nur ein gesundheitliches Risiko, sondern vor allem ein mentaler Stolperstein, der die Selbstwirksamkeit vieler Sportler untergräbt, ohne dass sie es merken.


Warum Fußballer überhaupt zu Snus greifen

Die Motive für den Griff zum Snus sind auf den ersten Blick nachvollziehbar. Vor wichtigen Spielen ist Nervosität ganz normal. Viele Spieler suchen dann nach einem Mittel, das kurzfristig beruhigt, fokussiert oder einfach Sicherheit gibt. Nikotin kann diese Effekte liefern: Es stimuliert das sympathische Nervensystem, steigert kurzfristig die Wachheit und wirkt gleichzeitig beruhigend. Für manche fühlt es sich an wie der perfekte mentale „Reset-Knopf“.

Hinzu kommt die soziale Komponente. In einigen Teams gehört Snus mittlerweile einfach dazu. Wer nicht mitmacht, hat schnell das Gefühl, außen vor zu sein. Gerade junge Spieler passen sich an, ohne die Konsequenzen zu hinterfragen. Nicht selten wird Snus sogar zu einem festen Bestandteil des persönlichen Vorbereitungsrituals, quasi als Startsignal für den „Wettkampfmodus“.


Der mentale Preis: Abhängigkeit statt Selbstvertrauen

Der gefährlichste Effekt spielt sich nicht nur im Körper, sondern im Kopf ab. Wer vor jedem Spiel einen Snus einlegt, konditioniert sich darauf, dass Leistung und Fokus nur mit dieser Substanz möglich sind. Viele Spieler berichten, dass sie ohne Snus „nicht richtig im Spiel“ sind.

Das ist kein Zufall. Es entsteht eine klassische Verknüpfung zwischen äußerem Reiz (Nikotin) und innerem Zustand (Fokus). Diese mentale Abhängigkeit schwächt langfristig das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, sich selbst in einen leistungsfähigen Zustand zu versetzen. Ein zentrales Element mentaler Stärke.


Körperliche Nebenwirkungen – oft unterschätzt

Snus gilt fälschlicherweise als „gesunde“ Alternative zur Zigarette. Tatsächlich enthält er aber Nikotin in teils sehr hoher Dosierung. Studien zeigen, dass Nikotin:

  • Blutdruck und Puls deutlich erhöht,
  • die Gefäße verengt und die Sauerstoffversorgung belastet,
  • bei regelmäßigem Konsum zu Schlafstörungen, Magenproblemen sowie Zahnfleisch- und Mundschäden führen kann.

Hinzu kommt, der Aktivierungseffekt ist nur kurzfristig. Nach etwa 20 bis 30 Minuten sinkt der Spiegel rapide, oft genau dann, wenn Konzentration und emotionale Stabilität auf dem Platz am wichtigsten wären. Reizbarkeit, Unruhe und Leistungstiefs sind die Folge. Um gegenzusteuern, wird häufig unbewusst die Dosis erhöht, der Einstieg in einen Kreislauf.


Mentale Alternativen, die wirklich tragen

Snus liefert kurzfristig einen Effekt, mentale Strategien hingegen stärken langfristig die Selbststeuerung. Hier einige bewährte Alternativen, die ich auch in meiner Arbeit mit Spielern regelmäßig einsetze:

1. Atemtechniken gegen Nervosität
Bewusste, tiefe Atmung (z.B. vier Sekunden ein, sechs Sekunden aus) aktiviert den Parasympathikus und senkt den inneren Druck innerhalb weniger Minuten. Eine einfache, aber sehr effektive Methode, um vor Spielen Ruhe und Fokus herzustellen.

2. Mentale Routinen
Eine kurze innere Anweisung („Jetzt bin ich da“), eine aufrechte und selbstbewusste Körperhaltung oder Visualisierungen können den mentalen Startschuss setzen, ganz ohne Abhängigkeit. Solche individuellen Rituale schaffen Verlässlichkeit aus dem eigenen Inneren heraus.

3. Körperliche Aktivierung
Kaltes Wasser ins Gesicht, ein kurzer Sprint oder aktivierende Atemübungen bringen Energie, ganz natürlich. Gerade für Spieler, die vor Anpfiff einen „Kick“ suchen, kann das eine wertvolle Alternative sein.

4. „Ohne“-Training
Wer bewusst einige Einheiten oder Spiele ohne Snus bestreitet, macht oft eine überraschende Erfahrung: Die Leistung leidet nicht. Im Gegenteil, das Selbstvertrauen wächst, weil man wieder spürt, dass Fokus und Präsenz aus der eigenen mentalen Stärke kommen.


Fazit

Snus ist kein harmloser Trend, sondern ein leiser Gegner, der Körper und Geist gleichermaßen beeinflusst. Im Fußball, wo mentale Stabilität, Fokus und Selbstvertrauen oft über Sieg oder Niederlage entscheiden, ist Unabhängigkeit von solchen Hilfsmitteln ein zentraler Faktor.

Mentale Stärke entsteht nicht durch Substanzen. Sie wächst durch bewusste Routinen, innere Klarheit und das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, sich selbst in den optimalen Zustand zu bringen. Wer das erkennt und lebt, braucht keine Nikotinbeutel und spielt nicht nur freier, sondern auch selbstbestimmter.

Tipp

Wir von Die Sportpsychologen helfen Dir bei diesem Thema gern. Nimm gern Kontakt zu Wolfgang (zum Profil) oder einem Kollegen oder einer Kollegin von ihm in deiner Nähe auf (zur Übersicht).

Mehr zum Thema:

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Christian Bader: Warum „Ich will gewinnen!“ oft zur Niederlage führt

„Ich will unbedingt gewinnen!“ versus „Ich führe jeden Schlag mit perfekter Technik aus!“ – Welche Intention führt zu besserer Leistung? Die Antwort überrascht: Oft ist es die zweite. Warum? Weil Intention weit mehr ist als Wunschdenken. Sie ist der bewusste Dirigent unserer mentalen Prozesse – ein neurobiologisch messbares Phänomen, das unser Handeln orchestriert.

Zum Thema: Sportpsychologie – mehr als eine grosse Werkzeugkiste

Die drei Gesichter der Intention – oder: Wie unser „Wollen“ wirklich funktioniert:

1. Ergebnis-Intention: „Ich will das Tor treffen“ 

Fokus liegt auf dem Endergebnis. Problem: Erzeugt oft Druck und Verkrampfung, weil wir Dinge kontrollieren wollen, die ausserhalb unserer direkten Macht liegen.

2. Prozess-Intention: „Ich führe die Bewegung sauber aus“ 

Fokus liegt auf der Technik und Ausführung. Vorteil: Direkt kontrollierbar, reduziert Nervosität. Wie ein Uhrmacher, der sich auf jeden einzelnen Handgriff konzentriert, nicht auf die fertige Uhr.

3. Präsenz-Intention: „Ich bin voll da“ 

Fokus liegt auf der Aufmerksamkeit im Moment. Wirkung: Fördert Flow-Zustände und natürliche Reaktionen. Wie ein Jazz-Musiker, der völlig im Hier und Jetzt aufgeht.

Warum systemisches Denken die Sportpsychologie revolutioniert

Aus systemtheoretischer Sicht ist das faszinierend: Intention ist ein selbstorganisierender Prozess. Nicht wir steuern bewusst jeden Aspekt unserer Leistung, sondern wir schaffen Bedingungen, unter denen sich Spitzenleistung entwickeln kann.

Das klassische Mentaltraining denkt linear: „Richtiger Gedanke → richtige Leistung“. Die Systemtheorie weiss: Das System bestimmt, wie es auf unsere Intentionen reagiert. Wie ein Garten – wir können säen und giessen, aber das Wachstum passiert von selbst.

Das Ende der Illusion der Kontrolle

Hier wird’s spannend: Athleten, die sich auf Prozess- und Präsenz-Intentionen konzentrieren, erzielen oft bessere Ergebnisse als jene, die nur an das Gewinnen denken. Warum? Sie sind direkt kontrollierbar.

Eine Basketballspielerin kann ihre Wurftechnik kontrollieren, nicht aber ob der Ball ins Netz geht. Diese Kontrollierbarkeit reduziert Angst und ermöglicht paradoxerweise bessere Ergebnisse. Wie ein Bergsteiger, der nicht den Gipfel anstarrt, sondern jeden einzelnen Schritt bewusst setzt.

Praktische Integration ohne Zeitverlust

1. Intentions-Check vor jeder Übung (30 Sekunden) 

Frage: „Worauf konzentrierst du dich bei dieser Bewegung?“ Umformulieren:

  • „Ich will treffen“ → „Ich führe meinen Arm gerade durch“
  • „Ich will schnell sein“ → „Ich setze jeden Schritt kraftvoll auf“

2. Die 3-2-1 Regel (in bestehende Übungen integriert)

  • 3 Sekunden: Intention klar formulieren
  • 2 Sekunden: Einatmen und fokussieren
  • 1 Sekunde: Ausführung starten

Beispiel beim Freistoss:

  • 3: „Ich treffe den Ball mit der Innenseite in die rechte Ecke“
  • 2: Tief einatmen, Ball anschauen
  • 1: Anlauf beginnen

3. Schnelle Integration während der Aufwärmung

  • Vor jedem Lauf: „Ich laufe mit aufrechtem Oberkörper“
  • Vor Sprints: „Ich ziehe die Knie aktiv hoch“
  • Statt nur „nochmal“ → „nochmal mit Fokus auf…“

4. Partner-Intention (in Paarübungen) 

Ein Spieler sagt: „Ich will…“ (seine Intention) Der Partner bestätigt: „Du konzentrierst dich auf…“ (wiederholt die Intention) Effekt: Macht Intentionen bewusster, sozialer Druck hilft bei der Umsetzung.

Der systemische Durchbruch

Aus systemtheoretischer Sicht: Organisationen und Teams können nichts vermittelt bekommen – sie können es nur selbst entdecken. Die Kunst liegt darin, Bedingungen zu schaffen, unter denen Ihre Athleten ihre eigenen optimalen Intentionsmuster entwickeln.

Der Paradigmenwechsel

Statt „Du musst gewinnen wollen“ → „Du bist der bewusste Regisseur deiner Handlungen“ Statt „Fokus auf das Ergebnis“ → „Fokus auf das, was du direkt beeinflussen kannst“

Die systemische Kernfrage für Ihr Team: „Was von dem, was wir uns vornehmen, liegt wirklich in unserer Macht?“

Die Realität für gestresste Trainer

Gute Nachricht: Diese Techniken brauchen keine extra Trainingszeit. Sie verwandeln bestehende Übungen in Intentionslabore. Das Ergebnis: präzisere Bewegungen, weniger Nervosität und konstantere Leistung – auch unter Druck.

Intention ist wie ein innerer Trainer, der immer da ist. Mit wenig Aufwand können Sie Ihren Athleten beibringen, diesen inneren Trainer gezielt zu nutzen.

Lust auf mehr

Meine Kollegen und Kolleginnen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Christian Bader) sind gern bereit, mit Ihnen, Ihrem Verein, Ihrem Verband oder Ihrem Unternehmen zu arbeiten. Nehmen Sie Kontakt auf. 

Mehr zum Thema:

Literatur:

  • Burton, D. et al. (2001). Goal setting in sport. In R. N. Singer et al. (Eds.), Handbook of sport psychology (pp. 497-528). John Wiley & Sons.
  • Gollwitzer, P. M. (1999). Implementation intentions: Strong effects of simple plans. American Psychologist, 54, 493-503.
  • Locke, E. A. & Latham, G. P. (2002). Building a theory of goal setting and task motivation. American Psychologist, 57, 705-717.
  • Zimmerman, B. J. (2008). Investigating self-regulation and motivation. American Educational Research Journal, 45, 166-183.

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Anke Precht: Pinkeln auf Befehl – die besten Tipps und Hacks

Wenn die Mitarbeiter der WADA morgens um fünf vor der Tür stehen, oder Athleten nach dem Wettkampf zum Dopingtest gebeten werden, entstehen leicht unangenehme Situationen. Man möchte die Sache so schnell wie möglich hinter sich bringen. Gleichzeitig ist nach einem Rennen oder einem Wettkampf die Blase meistens komplett leer. Ähnliches kann auch morgens der Fall sein, wenn man gerade vorher auf der Toilette war und ja in der Nacht nichts getrunken hat. Dazu kommt, dass das Pinkeln unter strengster Beobachtung bei vielen zu einer Hemmung führt. Plötzlich geht nichts mehr.

Zum Thema: Legale Tipps und Tricks zum Wasserlassen bei Dopingproben

Woran liegt das, wenn nichts kommt? Viele kennen den Effekt vom Einschlafen oder von der Sexualität: Will man unbedingt, klappt es nicht mehr. Nun ist es ja bei einer Dopingkontrolle noch schlimmer: Man soll nicht nur wollen, sondern man muss. Vorher kommt man aus dem Zelt oder den Sanitärräumen der WADA nicht raus.

Neu bewerten

Im ersten Schritt kann die mentale Vorbereitung auf die Kontrollen in Angriff genommen werden. Wesentlich ist es dabei, dass in der realen Situation keine Fokussierung mehr auf das Müssen stattfindet. Ein Ansatz kann sein, der Kontrolle eine neue Bedeutung zu geben. Zum Beispiel:

–  Statt „Mist, auch das noch!“ zu: Die WADA gibt mir die Sicherheit, dass andere nicht tricksen. Ich kann beweisen, dass ich alles richtig gemacht habe und tue das gern.

– Eine innere Strichliste anlegen: Wenn im Schnitt fünf Kontrollen pro Jahr stattfinden, im Kopf fröhlich einen Haken machen. Nach dem Motto: Tschakka, wieder eine Kontrolle erledigt

Fokus lenken

Eine zweite Möglichkeit liegt darin, den Fokus von der zu erledigenden Aufgabe weg zu lenken.

– Mit der Kontrolleurin ein Thema suchen, dass beide wirklich interessiert und darüber dann gemeinsam ausgiebig sprechen. Das klappt auch, wenn die kontrollierende Person einem nicht sympathisch ist. Meine Erfahrung ist: Man teilt mit fast jedem Menschen irgendeine noch so kleine Leidenschaft. Sobald die gefunden ist, ist viel Druck raus, die Wartezeit kommt einem nicht mehr so lang und quälend vor, und wie durch ein Wunder verkürzt sie sich dann meistens. 

– Etwas tun, das lustig ist: zum Beispiel Videos des Lieblings-Comedians anschauen. Das lenkt einerseits ab, andererseits wird auch der Körper lockerer und das pinkeln geht leichter. Vor allem, wenn man richtig heftig lachen muss!

Ansteckungseffekt

Eine dritte Möglichkeit liegt darin, durch Wasser, die Blase anzuregen – sozusagen mit einer Art Ansteckungseffekt:

– Wasser plätschern lassen, ganz egal, was der Wasserhahn im Bad ist, oder ein plätscherndes Bächlein auf Spotify. Letzteres hat den Vorteil, dass es keine Ressourcen verschwendet, selbst wenn man es 20 Minuten laufen lässt.

– Wechselfußbäder. Wir kennen alle den Effekt, wenn wir in einen sehr kalten Pool steigen. Da reagiert sofort die Blase, selbst wenn man gerade auf der Toilette war.

Vorstellungskraft

Viertens lässt sich auch die Kraft der Imagination nutzen. In vielen Sportarten gehen Sportler und Sportlerinnen beim Training gemeinsam Pinkeln. Entweder in der Spielpause in den Gemeinschafts-Toiletten, wo man zwar nicht immer alles sehen, aber zumindest alles hören kann und das völlig natürlich findet. Oder beim Outdoor-Training zusammen hinter einem Gebüsch mit Blick über eine wunderschöne Landschaft. Hat man solche Erfahrungen gemacht, kann man sie sich während der Dopingkontrolle vorstellen, und der Körper reagiert dann auf die Vorstellung mehr als auf die reale Situation. Also Situationen suchen und erinnern, in denen man herzhaft pinkeln konnte und genau an diese Situationen denken. Inklusive des Gefühls, das man hatte, der Temperatur, dem Blick, der Gerüche, die in dieser Umgebung vorhanden waren. Auch so kann sich der Schließmuskel entkrampfen. 

Gerade Sportler, die schon Erfahrung gemacht haben mit Imagination in verschiedenen Situationen, können davon sehr profitieren.

Trainieren

Fünftens kann man das kontrollierte Abgeben von Urin auch als Training betrachten. Schließlich ist man Sportler. Also 110 ml abgeben, ruhig dann einmal tun, wenn man gerade nicht dringend muss. Und dann, wenn man dringend muss, mit dem Stopp nach 110 ml. Und dann mal, wenn man eigentlich gar nicht muss. 110 ml sind ja nicht die Welt. Danach, ganz wichtig, um im Körper einen Verstärker zu setzen: Sich selbst loben und feiern. Großartig gemacht! Stellt euch zusätzlich einen Regler oder ein Ventil vor, das man auf- und zumachen kann.

Feedback

Was davon am besten funktioniert? Das ist ganz unterschiedlich. Einfach ausprobieren. Meine Erfahrung: Es ist für jeden etwas dabei, zumindest als Anregung, die man dann ganz persönlich ausschmücken kann. Was du dabei gewinnst? Weniger Stress bei der Dopingkontrolle und eine ganz klare Zeitersparnis.

Mehr zum Thema:

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Stefanie Gramlich: “Bewusstsein schärfen, Sportpsychologie erleben”

Neuzugang aus Süddeutschland. Wir von Die Sportpsychologen begrüßen mit Stefanie Gramlich eine neue Kollegin in unseren Reihen. Im Interview stellen wir Stefanie vor, die mit zwei Sportarten große Leidenschaft verbindet und zudem ein besonderes Band knüpfen will. 

Mehr Infos zu Stefanie Gramlich: zur Profilseite

Stefanie, was liebst du an deiner Sportart, dem Pferdesport?

Ich versuche mal, meine Gedanken in Stichpunkten zu fassen, um die Frage zu beantworten. Was liebe ich also am Pferdesport?

– Die tiefe Verbindung und Verbundenheit mit dem Pferd auf allen Ebenen des Seins (die mentale Verbindung auf der Bewusstseinsebene während des Reitens, die seelische Verbundenheit, die physische Verbindung auf dem Pferderücken zu sitzen, die sinnliche Nähe, Liebe, Wärme und Geborgenheit der Pferde)

– die feinfühlige Kommunikation mit den Pferden sowohl durch Körpersprache und Präsenz als auch durch das Erfahren der energetischen Komponente in der Partnerschaft mit dem Pferd, die emotionale Intelligenz der Pferde, das Herdenverhalten der Pferde

– die Lehre, die uns die Pferde geben (Führungsqualitäten, soziale Kompetenzen, die Lehre der Natur)

– die Freude und Leidenschaft mit einem so starken kraftvollen Lebewesen gemeinsam eine sportliche Leistung aufzubauen ist das größte Geschenk, das uns die Pferde machen (zwei unterschiedliche physische Körper erzeugen zusammen ein Leistungspotential) 

– der natürliche Rhythmus der Pferde basierend auf den Zyklen der Natur (Erdmagnetfeld, Sonneneinflüsse, Mondzyklus, Wetterfühligkeit) 

– die Intelligenz der Pferde (Spiegelbild unserer unterbewussten Prozesse): Pferde zeigen uns auf natürlichem Wege unsere Schwächen in der Persönlichkeit, aber auch unsere Stärken, Pferde verzeihen Fehler, aber lassen sie niemals unerkannt: Pferde fördern unser inneres Wachstum und unsere Persönlichkeitsentwicklung

– die Vielseitigkeit des Sports, die Verbundenheit und den Genuss in der Natur, die Eleganz des Dressursports,

– das Leistungspotential qualitativ hochwertiger Sportpferde

– die Sinnlichkeit, die Schönheit, Erhabenheit des Dressurreitens, die kreative Entfaltungskraft, die Verbindung von Sport und Musik (Dressur: Grand Prix)

– die Verbindung des Reiters zu seinem Pferd erfolgt immer gegenseitig: Körperlich, emotional, mental und sinnlich. Im idealen Zustand korrespondieren hier zwei Lebewesen und zwei Seelen aus verschiedenen Welten auf einem Terrain, das nur ihnen beiden gehört.

– die Lehre der alten Reitmeister, die bereits damals schon um die tiefe Verbindung des Pferdes mit seinem Reiter auf der reinen Bewusstseinsebene wussten

– das feine Dressurreiten, bei dem für den Zuschauer die Hilfengebung des Reiters zum Pferd unsichtbar bleibt – die Verschmelzung mit dem Pferd

– die Lehre des Dressurreitens übertragen auf das Leben: Durchhaltevermögen, Charakterstärke, Fairness, Mut, Liebe zum Leben, nie aufzugeben, tägliches routiniertes Training

– Partnerschaft mit dem Pferd im Training und beim Turnier, TEAMWORK, Flow-Erleben beim Reiten,….. und noch so vieles mehr

Auf welche Art von Unterstützung freust du dich: Mit welchen Themen können sich Sportler, Trainer oder Eltern bei dir melden?

Ich werde alle Fragen beantworten, sofern ich mit meinem Wissen und meiner Erfahrung aufklären, helfen und unterstützen kann. Egal ob Freizeitsportler oder Leistungssportler, alle sind herzlich willkommen. Ich schätze Personen, die ein gewisses Bewusstheitslevel erreicht haben, Freude daran haben, an sich selbst zu arbeiten und sowohl sich selbst als auch ihr Körpersystem besser verstehen lernen wollen. Leute, die Fokus und Orientierung im Leben haben; Wertschätzung und Wohlwollen gegenüber anderen und sich selbst in sich tragen, Urvertrauen ins Leben haben, Liebe und Mitgefühl in sich tragen. 

Mir ist wichtig, dass Sportler ihren Körper und ihr seelisches Wesen fühlen. Wissen, was ihr Sinn im Leben ist, wofür sie brennen, welche Ziele sie erreichen wollen und warum? Wenn ich Menschen Fragen stelle, bleibe ich nie an der Oberfläche, sondern gehe stets in die Tiefe, da im Unterbewusstsein meist verborgene Schätze liegen, die das Potential eines Menschen zur Entfaltung bringen können. Auch Fragen zur Gesundheit, langfristigen Leistungsaufbau und Erhalt, Freude und Genuss am Sport und an Bewegung, konsequentes Training, Disziplin, Selbstverständnis für den eigenen Körper und Zusammenhänge von Körper und Geist beantworte ich gerne und versuche, Lösungen zu entwickeln. 

Fragen zur Gedankenkontrolle und Emotionsregulation beantworte ich gerne, genauso wie Fragestellungen zu einem gesunden Körperbewusstsein und emotionaler Intelligenz oder auch zur Herz-Hirn-Kohärenz, … Kommt gern auf mich zu.

Dein zweites Leidenschaftsthema ist der Radsport. Was liebst du konkret am Rennrad? 

Das Gefühl von Freiheit, den Kopf komplett abschalten zu können (genau wie beim Reiten im Flow-Erleben zu sein), weite Strecken als Ausdauersport zurücklegen zu können und zu beobachten, was das mental und körperlich im eigenen Körpersystem bewirkt. Ich mag die Faszination, den eigenen Körper bis in die kleinste Energieebene zu spüren, zu erfahren und zu erleben. Für mich ist es eine Freude, in der Natur zu sein – denn draußen bin ich am liebsten. Kurz gesagt: Die Leichtigkeit des Rennrads gibt mir ein echtes Glücksgefühl.

Dich verbindet zum Radsport eine besondere Geschichte. Wie lange hast du nach deinem Verkehrsunfall gebraucht, um wieder Rennrad fahren zu können? Wie lang war der Weg, wieder auch auf der Straße zu fahren und den Unfall mental zu verarbeiten?

Neun Jahre! Die ersten vier Jahre konnte ich nur Rollentraining zu Hause machen, weil mein Körper noch zu schwach war und meine Schmerzschübe mich oft völlig lahm legten. Auch meine beiden Operationen am Kiefer änderten einiges an meinem Körpersystem, ich musste mein gesamtes Trainingskonzept ändern, meinen Körper neu fühlen lernen und neu herausfinden, über welche Grenze ich gehen kann und wie ich Geist und Körper in Einklang bringe. Ich bin noch wetterfühliger geworden, passe mein Training an mein körperliches Befinden an und versuche mich zu fordern. Aber immer so, dass ich mir die Freude und den Genuss am Fahren erhalte, denn je mehr Lust ich habe, desto besser fahre ich auch.

Welchen Wert hat die Osteopathie für dich und warum ist es deine Vision, beide Fachdisziplinen Sportpsychologie und Osteopathie miteinander zu verbinden?

Der Osteopathie habe ich so vieles zu verdanken: Dass ich heute nach meinem Unfall wieder Radfahren und Reiten kann, gelernt habe, mit meinen Schmerzschüben umzugehen und meinen Körper neu zu fühlen sowie meine Feinfühligkeit für mich und andere zu nutzen.  Mein Körperbewusstsein hat sich verbessert und ich verstehe auch die energetischen Zusammenhänge von Körper, Geist und Seele noch klarer. 

Die Osteopathie ist ein natürliches Heilverfahren, das den ganzen Körper miteinbezieht und auch die Bewusstseinsebene öffnet. Osteopathie vereint Physiologie und Psychologie Hand in Hand, Osteopathie ist wertvoll für jeden Sportler.

Zudem ergänzt die Osteopathie die Sportpsychologie, weil sie den gesamten Körper berücksichtigt und für mich lassen sich mentale Prozesse nur in Zusammenhang mit körperlichen Prozessen bearbeiten, verbessern und entschlüsseln. Es hilft aus meiner Erfahrung nichts, nur die mentale Komponente zu bearbeiten, wenn die emotionalen Prozesse oder körperliche Herausforderungen nicht mitbedacht oder ins Training integriert werden. Körper, Geist und Seele sind eine Einheit, sowohl im Training als auch im Wettkampf und im Leben. Körperliches und mentales Training sowie Emotionsregulation und Gedankenkontrolle gehören also zusammen: Bewusstsein schärfen, Sportpsychologie erleben.

Tipp:

Mein Buch: Osteopathie und Sportpsychologie – die Weisheit der emotionalen Körperintelligenz (Link zum Buch) – gibt Aufschluss darüber, warum Osteopathie und Sportpsychologie einen Mehrwert für Sportler und Patienten in sich tragen und beide Fachdisziplinen enorm von ihrem Wissen gegenseitig profitieren können.

Profilseite

zur Profilseite von Stefanie Gramlich: https://www.die-sportpsychologen.de/stefanie-gramlich/

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Julia Cetin: Wenn die Tage kürzer werden – Warum junge Athlet:innen im Herbst oft in ein Leistungsloch fallen

Du kennst es vielleicht: Kaum sind die Sommerferien vorbei, läuft es nicht mehr rund. Die Jugendlichen wirken müde, gereizt und unkonzentriert. Plötzlich schleichen sich Trainingsausfälle ein. Die Leistungen sinken – körperlich wie mental. Für viele Eltern und Trainer ist das schwer zu greifen. Schließlich ist doch „wieder Alltag“, das Training läuft regelmäßig, und die Wettkämpfe stehen vor der Tür. Und doch: Für viele junge Athlet:innen beginnt jetzt – im Herbst – eine der anspruchsvollsten Phasen des Jahres.

Zum Thema: Impulse für die Arbeit mit jugendlichen Sportler:innen im Herbst

Ich bin Julia Cetin, Sportpsychologin mit dem Schwerpunkt auf mentale Stärke bei jungen Athleten. Ich begleite Jugendliche durch genau diese Phasen – und auch mich selbst fordern sie jedes Jahr aufs Neue heraus. Dunkle Tage, frühes Aufstehen, Kälte. Das drückt aufs Gemüt – und auf die Leistung.

In diesem Artikel möchte ich dir zeigen, warum der Herbst eine mentale Stolperfalle sein kann, was hinter dem plötzlichen Leistungsabfall steckt – und was du tun kannst, um die Jugendlichen in deinem Umfeld besser zu verstehen und zu stärken.

Zwischen Schulstress und Lichtmangel: Die unsichtbaren Gegner

Während der Sommerferien blühen viele Jugendliche auf: Kein Schulstress, längere Tage, mehr Sonnenlicht, mehr Zeit für sich. Sobald das neue Schuljahr startet, ändert sich das schlagartig. Die Tage werden kürzer, die Anforderungen steigen – besonders für Jugendliche, die in der Prüfungsvorbereitung stecken oder in neue Klassen, Schulen oder Internate wechseln.

Typische Stressoren im Herbst:
– Wiederaufnahme des Schulalltags: Frühes Aufstehen, Hausaufgaben, Klassenarbeiten.
– Dunkle Jahreszeit: Weniger Tageslicht, trübes Wetter – das schlägt auf die Stimmung.
– Kälteeinbruch: Training im Dunkeln, kalte Sportplätze oder Hallen.
– Sozialer Druck: Neue Klassengemeinschaften, schulische Unsicherheiten, Versagensängste.

All diese Faktoren wirken sich auf Konzentration, Motivation, Regeneration und Schlaf aus. Die mentale Belastung steigt – oft unbemerkt. Und weil mentale Energie eine begrenzte Ressource ist, hat sie direkten Einfluss auf die sportliche Leistung.

Mentale Ermüdung: Wenn das System überlastet

Ein Begriff, der in der Sportpsychologie zunehmend diskutiert wird, ist mentale Ermüdung. Sie beschreibt einen Zustand, in dem das Gehirn durch anhaltende kognitive Anforderungen erschöpft ist – also durch Konzentration, Planung, Druck, emotionale Anspannung oder innere Konflikte. Klingt harmlos, ist aber gerade für Jugendliche mit hohem Trainingspensum plus schulischen Anforderungen ein echtes Risiko.

Was passiert im Gehirn?

Mentale Ermüdung ist kein „Wille-Problem“, sondern eine neurobiologisch messbare Reaktion: Studien zeigen, dass unter anhaltender mentaler Belastung der präfrontale Kortex – zuständig für Fokus, Planung und Emotionsregulation – weniger aktiv wird. Gleichzeitig steigt die Aktivität in Hirnregionen, die mit Stressverarbeitung und Erschöpfung verknüpft sind. Die Folge: Jugendliche sind weniger entscheidungsfreudig, emotional instabiler und körperlich schneller „leer“.

Besonders kritisch: Mentale Ermüdung beeinflusst die sportliche Leistung unabhängig von der körperlichen Fitness. Ein junger Athlet kann also topfit sein – und trotzdem einbrechen, weil sein mentales System überlastet ist. Diese Diskrepanz wird häufig missverstanden und führt zu Frust auf beiden Seiten.

Typische Anzeichen:
– Konzentrationsprobleme im Training
– Erhöhte Reizbarkeit oder emotionale Rückzüge
– Unerklärliche Leistungseinbrüche trotz guten physischen Zustands
– Unlust aufs Training, obwohl der Sport eigentlich Freude macht
– Schlafprobleme, Gedankenkreisen, Grübeleien

Hier braucht es nicht mehr Druck, sondern mehr Verständnis – und einen Blick auf das große Ganze.

Resilienz stärken: Was jetzt wirklich hilft

Resilienz – also die psychische Widerstandskraft – ist nicht angeboren, sondern trainierbar. Gerade im Herbst kannst du gezielt kleine Routinen einbauen, die Jugendliche mental stabilisieren und ihnen helfen, besser durch diese Phase zu kommen.

Ich orientiere mich dabei gerne an den sogenannten „7 Säulen der Resilienz“, die sich auch im sportpsychologischen Kontext bewährt haben: Optimismus, Akzeptanz, Lösungsorientierung, Selbstwirksamkeit, Verantwortung, Netzwerkorientierung und Zukunftsplanung.

Ein paar konkrete Impulse:

1. Licht tanken – bewusst!
Der Einfluss von Tageslicht auf Stimmung und Schlaf ist riesig. Achte darauf, dass die Jugendlichen jeden Tag Tageslicht bekommen, idealerweise morgens. Auch Tageslichtlampen können hier sinnvoll unterstützen – ich nutze sie selbst, um besser in den Tag zu kommen.

2. Schlaf zur Priorität machen
Schlafmangel ist ein unterschätzter Leistungsräuber. Feste Einschlafrituale, digitale Pausen am Abend, genug Schlafzeit trotz Schule und Training – das sind kleine Stellschrauben mit großer Wirkung.

3. Trainingsdosis feinjustieren
Mehr Training ist nicht immer besser. Gerade im Herbst kann es sinnvoll sein, die Intensität punktuell zu reduzieren, mentale Einheiten einzubauen oder bewusst Ruhephasen zu schaffen.

4. Raum für Reflexion schaffen
Ein kurzes Wochenjournal kann helfen, Gedanken zu sortieren: Was lief gut? Was war herausfordernd? Was brauche ich nächste Woche? Diese Art von Selbstführung stärkt die Selbstwirksamkeit und entlastet das Gehirn.

5. Gespräche anbieten – ohne Druck
Jugendliche brauchen in dieser Phase offene, wertschätzende Gespräche. Nicht über Leistungen, sondern über ihr Befinden. Sei da, wenn sie dich brauchen – nicht nur als Coach, sondern als Mensch.

Der Herbst ist kein Rückschritt – sondern ein Entwicklungsmoment

Der Leistungsabfall im Herbst ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein völlig natürlicher Prozess – wenn man ihn versteht. Diejenigen, die jetzt Verständnis zeigen, Raum für Anpassung lassen und bewusst gegensteuern, investieren in die mentale Gesundheit und langfristige Leistungsfähigkeit ihrer Athlet:innen.

Vielleicht kannst du den nächsten vermeintlichen Durchhänger also anders betrachten: Nicht als Problem, sondern als Einladung zum Umdenken.

Zum Schluss – mein persönlicher Gedanke

Auch mich fordert diese Jahreszeit immer wieder heraus. Das frühe Aufstehen im Dunkeln, das Training bei Kälte, die Müdigkeit am Nachmittag. Aber ich habe gelernt, diese Phasen ernst zu nehmen – und mit kleinen, machbaren Ritualen gegenzusteuern. Eine Tageslichtlampe, bewusst eingesetzte Pausen, ein Spaziergang in der Sonne, wann immer es geht. Vielleicht ist das keine Wundermedizin – aber es ist ein Anfang.

Gönn auch du den Jugendlichen in deinem Umfeld diesen Anfang. Sie brauchen ihn mehr, als man auf den ersten Blick sieht.

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Mythos: Mentale Techniken sind nur bei großen Wettkämpfen wichtig

Mythen zur Sportpsychologie gibt es einige. Nicht wenige stehen uns in unserer Arbeit dabei sogar im Weg. In dieser Serie haben wir mit vielen Mythen aufräumen können. Aber ein Irrglaube ist da noch: Viele glauben, sagt Chat GPT, dass mentale Techniken nur vor wichtigen Wettkämpfen von Bedeutung sind. 

Zum Thema: Mythen der Sportpsychologie

Yvonne Dathe, Die Sportpsychologen
Yvonne Dathe, Die Sportpsychologen

Antwort von: Yvonne Dathe (zum Profil)

Bei großen Wettkämpfen ist der Druck natürlich größer als bei kleineren Wettbewerben oder im Training. Aber In Frage stellt dieser Umstand die Sportpsychologie noch lange nicht. Denn durch mentales Training kann:

  • die Technik verbessert werden, 
  • die Motivation langfristig aufrecht erhalten werden, durch hilfreiche Zielsetzungen, 
  • die Konzentrationsfähigkeit verbessert werden
  • das Lösen von wenig hilfreichen Gedanken trainiert werden
  • das Selbstvertrauen gesteigert werden
  • der Umgang mit Ängsten trainiert werden
  • die Regeneration optimiert werden
  • der Umgang mit Stress verbessert werden
  • die Akzeptanz und der Umgang mit Rückschlägen verbessert werden
  • der Lernprozess positiv beeinflusst werden
  • uvm.

Diese Auswahl zeigt, dass mentale Techniken im Nachwuchsbereich genauso hilfreich sein können, wie im Training oder in der Vorbereitung. Oder eben bei ganz großen Wettbewerben. 

Klaus-Dieter Lübke Naberhaus, Die Sportpsychologen

Antwort von: Klaus-Dieter Lübke Naberhaus (zum Profil)

Yogi Berra, ein berühmter Baseball-Pitcher, soll einmal gesagt haben:

„Baseball is 90 percent mental.The other half is physical.“ 

Nathalie Klingebiel, Die Sportpsychologen
Nathalie Klingebiel, Die Sportpsychologen
Danijela Bradfisch, Die Sportpsychologen
Danijela Bradfisch, Die Sportpsychologen

Antwort von: Nathalie Klingebiel (zum Profil) und Danijela Bradfisch (zum Profil):

Mentale Techniken sind grundsätzlich immer hilfreich und wichtig. In großen Wettkämpfen werden sie vielleicht etwas akuter gebraucht. Aber im Training, während der Vorbereitung und auch im Alltag werden sie geübt, angewandt, trainiert, optimiert und gefestigt – eben, damit sie in einem Wettkampf, wenn es drauf ankommt, optimal abgerufen werden können. Außerdem entwickeln sich Routinen und automatische Abläufe, indem mentale Techniken bereits im Training regelmäßig angewendet werden. Und wie viele Sportler wissen, sind Routinen das A und O im Leistungssport und generell in Wettkampfsituationen.

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Björn Korfmacher: Kann KI auch Coaching?

KI-Tools wie Chat GPT werden in allen Lebensbereichen immer häufiger zu Rate gezogen – selbst bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen stehen digitale Helfer Rede und Antwort und sollen teilweise therapeutische Versorgungslücken füllen. Warum also nicht auch in der sportpsychologischen Betreuung? 

Zum Thema: Können KI-Lösungen Athleten mental unterstützen?

Es ist längst kein Geheimnis mehr – künstliche Intelligenz ist zum Beispiel in der Diagnostik schon jetzt präziser als mancher Arzt, und auch in Sachen Therapieauswahl liegt sie meistens richtig. Da drängt sich die Frage auf, ob KI nicht auch im Bereich der sportpsychologischen Betreuung wertvolle Dienste leisten kann? Für viele Sportpsychologen und Coaches mag diese Frage unangenehm sein – zielt sie doch darauf ab, möglicherweise ersetzt zu werden – aber sie ist berechtigt wie naheliegend. 

Befragt man Chat GPT nach einem gängigen sportpsychologischen Anliegen (z.B. Wettkampfschwäche oder Verletzungsangst), erhält man prompt ein paar sehr konkrete Lösungsvorschläge, damit umzugehen. Die Antworten sind zugegebenermaßen erstmal gut und richtig. Genauso gute Antworten erhält man auch auf Fragen zu praktischen Fertigkeitstrainings (wie kann ich meinen Tennisaufschlag verbessern? Wie kann ich meinen Schuss trainieren, damit er härter oder präziser wird?). Auch hier gibt dir KI nützliche Tipps an die Hand. Aber ersetzt das den praktischen Tennis-, Fußball- oder Eishockeytrainer? Noch lange nicht!

Künstliche Intelligenz in der Sportpsychologie: Nur schlau sein reicht nicht

Keiner weiß genau, was in 50 Jahren ist. Aber wir können durchaus davon ausgehen, dass die bis dahin voll ausgereifte künstliche Intelligenz einen noch viel größeren Teil unserer Lebenswelt ausmacht, als sie es jetzt schon tut. Vielleicht werden wir in ferner Zukunft ausschließlich von Roboter-Ärzten behandelt, von Roboter-Handwerkern besucht, von Roboterhänden massiert, von Roboter-Fußballtrainern ausgebildet oder von Tennismaschinen trainiert. Vielleicht treten die Maschinen auch gegeneinander an und der menschliche Sportler ist nur noch ein Relikt aus der Vergangenheit. Aber so weit ist es noch lange nicht. Noch menschelt es auf unserem Planeten. Und genau das ist der Punkt. 

KI-Programme sind vollgestopft mit Wissen – teilweise noch mit gefährlichem Halbwissen, aber oft schon richtig fundiert. Und dieses Wissen wird auf Anfrage in Sekundenschnelle ausgespuckt – ideal für jeden, der nach schnellen und vor allem einfachen Antworten sucht. 

Sportpsychologische Betreuung vs. künstliche Intelligenz

Sportpsychologische Betreuung bzw. Sport-Mentaltraining ist aber nicht auf Schnellschusslösungen ausgerichtet. Selbst akute Krisenintervention ist nicht mal eben so gemacht. Die Wörter „Betreuung“ oder „Coaching“ implizieren ja bereits eine Regelmäßigkeit, die es auch unbedingt braucht. Die Erfolge in der sportpsychologischen Betreuung passieren schrittweise über die Zeit. Entwicklungen müssen beobachtet und Maßnahmen immer wieder vertieft oder angepasst werden. In diesem Sinne sollte Sportmentaltraining immer individuell sein, zugeschnitten auf die Bedürfnisse, Anforderungen, Veranlagungen und vieles mehr. Mentaltrainer und Sportpsychologen nehmen Schwingungen wahr, lesen die Körpersprache, sind einfühlsam oder auch mal hart – je nachdem, was der Athlet braucht. 

KI dagegen wartet demgegenüber mit Pauschallösungen auf – Tipps und Tricks, die zwar oft richtig sind, aber tendenziell allgemein und unspezifisch. 

Fazit

Wenn es um gezielte Intervention geht, die das Übel an der Wurzel packt und beim Sportler nachhaltig verfängt, hat die Künstliche Intelligenz sicherlich (noch) nicht die Qualität wie die enge Betreuung von einem Sportpsychologen oder qualifizierten Sportmentaltrainer. 

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Prof. Dr. René Paasch: Psychologisches Kapital – Positive Psychologie als Schlüssel zum Erfolg im Sport

Sportler*innen und Trainer*innen sind ständig auf der Suche nach Wegen, um ihre Leistung zu optimieren und ihre Ziele zu erreichen. Ein oft übersehener Aspekt, der einen erheblichen Einfluss auf die sportliche Leistung haben kann, ist das psychologische Kapital (PsyCap). Dieses Konzept aus der Positiven Psychologie umfasst Hoffnung, Selbstvertrauen, Resilienz und Optimismus – Faktoren, die nicht nur das allgemeine Wohlbefinden verbessern, sondern auch die Leistungsfähigkeit im Sportbereich steigern können (Luthans, Youssef & Avolio, 2007).

Zum Thema: Psychologisches Kapital (PsyCap) und seine Bedeutung im Sport

Psychologisches Kapital, oft als PsyCap bezeichnet, ist definiert als ein positiver psychologischer Entwicklungsstand, der aus vier Kernkomponenten besteht: Hoffnung, Selbstvertrauen, Resilienz und Optimismus (Avey, Luthans & Youssef, 2010). Diese Komponenten sind veränderbar und können durch gezielte Interventionen gestärkt werden.

Die vier Dimensionen des PsyCap im Sport

  • Hoffnung: Eine Annäherungsorientierung, die Sportler*innen dazu motiviert, ihre Ziele durch konkrete Planungen und Strategien zu erreichen.
  • Selbstvertrauen: Der Glaube an die eigenen Fähigkeiten, um Herausforderungen erfolgreich zu meistern und sportliche Höchstleistungen zu erbringen.
  • Resilienz: Die Fähigkeit, sich von Rückschlägen zu erholen, mental stark zu bleiben und trotz Widrigkeiten weiterzumachen.
  • Optimismus: Eine positive Erwartungshaltung, die es Sportler*innen ermöglicht, selbst in schwierigen Situationen eine günstige Zukunft zu antizipieren (Demerouti et al., 2011).

Faktoren, die in einem sportpsychologischen Workshop zu mehr PsyCap führen

Ein sportpsychologischer Workshop kann gezielt dazu beitragen, das psychologische Kapital (PsyCap) von Sportler*innen zu steigern, indem er auf die vier Kernkomponenten eingeht: Hoffnung, Optimismus, Selbstvertrauen und Widerstandsfähigkeit. Die folgende Erklärung verdeutlicht, welche Mechanismen in einem solchen Workshop verwendet werden, um diese Komponenten zu stärken:

  • Hoffnung

Hoffnung im Sportkontext bedeutet, dass Athleten*innen eine Annäherungsorientierung anstatt einer Vermeidungsorientierung einnehmen. Sie werden ermutigt, durch die Festlegung von klaren und erreichbaren Zielen pragmatisch vorzugehen. Dies kann durch gezielte Zielsetzung und Planungsübungen im Workshop gefördert werden.

  • Optimismus

Optimismus wird durch Selbstgespräche gefördert, bei denen negative und selbstschädigende Gedanken umformuliert werden. Athleten*innen lernen, ihre innere Stimme positiv zu gestalten, was ihnen hilft, auch in schwierigen Situationen eine optimistische Einstellung zu bewahren. Diese Technik kann durch Übungen im Workshop vermittelt werden, bei denen die Teilnehmer*innen ihre Gedanken schriftlich festhalten und umformulieren.

  • Selbstvertrauen

Selbstvertrauen im Sport wird durch mehrere Faktoren gestärkt:

Aktive Bewältigung: Athleten*innen beteiligen sich aktiv an der Zielsetzungsübung und steigern ihre Wirksamkeit, indem sie erfolgreiche Szenarien visualisieren.

Vorbilder oder stellvertretendes Lernen: Die Teilnehmer*innen tauschen sich über ihre Ziele aus und machen Vorschläge. Das Lernen von den Erfolgen anderer stärkt das eigene Vertrauen.

Soziale Überzeugung und positives Feedback**: Der sportpsychologische Experte bzw. die Expertin und die anderen Teilnehmer*innen bieten positive Verstärkung für die Zielerreichung. Dies fördert ein unterstützendes Umfeld, das das Selbstvertrauen stärkt.

  • Widerstandsfähigkeit

Widerstandsfähigkeit im Sport wird durch kognitive, emotionale und Verhaltensprozesse gestärkt, die die Wahrnehmung der Athleten*innen hinsichtlich ihres Einflusses auf äußere Bedingungen verändern können.

Visualisierung und Vorwegnahme möglicher Rückschläge**: Dies ermöglicht es den Athleten*innen, ihre Fähigkeit zu verbessern, diese Umstände mental neu zu gestalten.

Strategien zur Stressbewältigung: Athleten*innen lernen Techniken, um mit Stress umzugehen und sich auf ihre Stärken zu konzentrieren, was ihre Resilienz fördert.

Durch die Anwendung dieser Mechanismen in einem sportpsychologischen Workshop können Athleten*innen ihr psychologisches Kapital erheblich steigern, was zu einer besseren sportlichen Leistung und einem höheren Wohlbefinden führt.

Broaden-and-Build-Theorie im Kontext von PsyCap

Die Broaden-and-Build-Theorie von Barbara Fredrickson beschreibt, wie positive Emotionen die Aufmerksamkeit und das Denken erweitern („broaden“) und so den Aufbau dauerhafter persönlicher Ressourcen („build“) fördern (Fredrickson & Cohn, 2008). Diese Theorie bietet ein wertvolles Rahmenwerk, um zu verstehen, wie positive Emotionen und psychologisches Kapital (PsyCap) miteinander interagieren können, auch wenn die Theorie die direkte Übertragung von PsyCap nicht explizit erwähnt.

Im Sportumfeld können positive Emotionen wie Freude, Zufriedenheit und Stolz nicht nur das unmittelbare Wohlbefinden von Athleten*innen verbessern, sondern auch langfristig vorteilhafte Eigenschaften und Fähigkeiten fördern. Wenn ein*e Athlet*in positive Emotionen erlebt, sei es nach einem erfolgreichen Wettkampf oder einem intensiven Training, erweitert dies seine/ihre kognitive Flexibilität und Offenheit für neue Erfahrungen und Lernmöglichkeiten.

Positive Emotionen erweitern die Aufmerksamkeit und das Denken, was Athleten*innen hilft, ihre Umgebung und ihre eigenen Fähigkeiten aus einer breiteren Perspektive zu betrachten. Dies führt zu einer höheren Kreativität bei der Problemlösung und einer besseren Fähigkeit, neue Strategien und Techniken zu erlernen. Im Training und Wettkampf bedeutet dies, dass Athleten*innen offener für Feedback sind und eher bereit sind, innovative Ansätze auszuprobieren.

Aufbau dauerhafter persönlicher Ressourcen („Build“)

Durch das Erleben positiver Emotionen können Athleten*innen dauerhafte persönliche Ressourcen aufbauen. Diese Ressourcen umfassen nicht nur physische Fähigkeiten, sondern auch psychologische Stärken wie Resilienz, Selbstvertrauen und soziale Bindungen zu Teamkolleg*innen und Trainer*innen. Im Kontext des PsyCap bedeutet dies, dass Athleten*innen durch wiederholte positive Erfahrungen ihre Hoffnung, ihren Optimismus, ihr Selbstvertrauen und ihre Widerstandsfähigkeit stärken können. 

Die Broaden-and-Build-Theorie verdeutlicht, wie entscheidend positive Emotionen im Sport sind, nicht nur für das unmittelbare Wohlbefinden, sondern auch für die langfristige Entwicklung psychologischer Stärken. Durch die Förderung positiver Emotionen können Sportler*innen ihr psychologisches Kapital stärken und somit ihre Leistung und ihr Wohlbefinden auf nachhaltige Weise verbessern.

Praktische Anwendung: Journaling zur Steigerung des PsyCap

Journaling ist ein effektives Werkzeug, um das PsyCap zu stärken. Sportler*innen können durch regelmäßiges Schreiben ihre Gedanken und Gefühle reflektieren, Ziele festlegen und Erfolge feiern. Beispiele für Journaling-Übungen:

  • Hoffnung: Notiere dir täglich drei Schritte, die dich deinem sportlichen Ziel näherbringen.
  • Selbstvertrauen: Schreibe über eine Herausforderung, die du erfolgreich gemeistert hast, und welche Fähigkeiten dir dabei geholfen haben.
  • Resilienz: Dokumentiere einen Rückschlag und wie du diesen überwunden hast.
  • Optimismus**: Formuliere positive Selbstgespräche und Affirmationen für den Tag.

Fazit

Das Psychologische Kapital bietet eine wertvolle Ressource für Sportler*innen, um ihre mentale Stärke und Leistungsfähigkeit zu erhöhen. Durch gezielte Trainingsmethoden und regelmäßiges Journaling können Sportler*innen ihre Hoffnung, Selbstvertrauen, Resilienz und Optimismus stärken, was sich positiv auf ihre sportlichen Leistungen auswirkt.

Take-Home Message

Das psychologische Kapital ist ein unterschätzter, aber entscheidender Faktor im Sport. Durch die Entwicklung von Hoffnung, Selbstvertrauen, Resilienz und Optimismus können Sportler*innen nicht nur ihre Leistung steigern, sondern auch ihr Wohlbefinden und ihre mentale Gesundheit verbessern.

Mehr zum Thema:

Literatur

– Luthans, F., Youssef, C. M., & Avolio, B. J. (2007). Psychological Capital: Developing the Human Competitive Edge. Oxford University Press.

– Avey, J. B., Luthans, F., & Youssef, C. M. (2010). The Additive Value of Positive Psychological Capital in Predicting Work Attitudes and Behaviors. Journal of Management.

– Demerouti, E., et al. (2011). Job Characteristics and Psychological Capital: The Role of Work Engagement. Journal of Occupational Health Psychology.

– Fredrickson, B. L., & Cohn, M. A. (2008). Positive Emotions. In M. Lewis, J. M. Haviland-Jones, & L. F. Barrett (Eds.), Handbook of Emotions (3rd ed.). The Guilford Press.

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