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FIFA-Klub-WM: Wie gefährlich sind die Folgen dauernder Höchstleistung?

Wie im Supermarkt: Das Beste ist gerade noch gut genug. So strukturiert sich auch der Profi-Fußball. Gehörte es vor Jahren noch zum Nationalspieler-Alltag, in der WM- oder EM-Qualifikation regelmäßig gegen Fußballzwerge antreten zu dürfen, ist dies mit der Nations League weitgehend vorbei. Hier treffen die Nationalteams fast ausschließlich auf Gegner auf Augenhöhe. Den Zuschauern wird eben gern das Beste geboten. Ein ähnliches Prinzip gilt auch bei der Klub-WM. Dort gehören zwar auch einige Exoten zum Teilnehmerfeld, aber um den Titel spielen wieder die großen Namen. Wie gefährlich ist dieser Trend der dauerhaften Höchstbelastung, wollte Mathias Liebing, Redaktionsleiter von Die Sportpsychologen wissen. 

Zum Thema: Die Gefahr von dauerhafter Hochbelastung    

Frage: Welche Gefahren lauern, wenn über lange Zeiträume immer wieder Höchstleistungen abgeliefert werden müssen, da die Gegner erstklassig sind. Welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden, um über Monate immer wieder die körperliche und mentale Leistungsgrenze zu erreichen? Wie wichtig sind Spiele gegen objektiv schlechtere Mannschaften im Saisonalltag?  

Norbert Lewinski, Die Sportpsychologen
Norbert Lewinski, Die Sportpsychologen

Norbert Lewinski (zum Profil): 

Wenn über lange Zeiträume konstant Höchstleistungen gefordert werden – wie in der Nations League oder bei einer aufgeblähten Klub-WM – entstehen ernsthafte Risiken auf psychodynamischer, psychophysiologischer und lernpsychologischer Ebene. Psychodynamisch betrachtet führt der ständige Druck, gegen ebenbürtige Gegner zu bestehen, zu einem inneren Spannungsfeld: zwischen dem Bedürfnis nach Kontrolle und dem Risiko des Scheiterns. Ohne „leichtere Spiele“ fehlt die Möglichkeit, Selbstwirksamkeit und Sicherheit aufzubauen – das Ich wird geschwächt, Ängste und Überforderungsgefühle können steigen. Psychophysiologisch führt Dauerbelastung auf Top-Niveau zu chronischem Stress: erhöhter Cortisolspiegel, gestörte Regenerationsprozesse, Schlafprobleme. Ohne gezielte Belastungssteuerung drohen Erschöpfung, Verletzungen und psychische Krisen. 

Auch aus Sicht des lebenslangen Lernens sind „einfachere“ Spiele wichtig: Sie bieten Raum zur Anwendung neuer Techniken, zur Integration taktischer Veränderungen oder zur bewussten Selbstbeobachtung. Lernen gelingt nicht nur unter maximalem Druck, sondern besonders in Phasen relativer Entspannung. Um dauerhaft an der Leistungsgrenze zu agieren, braucht es mehr als nur körperliche Fitness. Entscheidend sind stabile Ich-Strukturen, gute Selbstregulation, aktive Regeneration sowie strategisch eingeplante Entlastung – auch durch Spiele mit niedrigerem Druckniveau. Nur so bleibt Entwicklung, Gesundheit und Motivation auf Dauer möglich.

Anke Precht, Die Sportpsychologen
Anke Precht, Die Sportpsychologen

Anke Precht (zum Profil):

Inzwischen ist es in den meisten internationalen Sportarten so, dass an der Leistungsspitze eine hohe Dichte herrscht. Hängt man leistungstechnisch mal ein Vierteljahr durch, ist man weg. Das gilt nicht nur für den Profi-Fußball. Es ist Teil dessen, womit Profi-Fußballer leben müssen, und es ist das, was sie auch möchten. Die Konkurrenz ist stark, man selbst kann es ebenfalls sein. Natürlich kommt diese mentale Stärke nicht von selbst, das mentale Training und die Sportpsychologie müssen bei diesen hohen Erwartungen ein beständiger Bestandteil des Trainings sein. Dabei geht es nicht nur darum, in Spitzen Druck herauszunehmen oder Blockaden zu lösen, sondern eben neben Strategien für Regeneration in kurzer Zeit auch die Persönlichkeiten der Sportler beständig in Richtung Professionalität zu entwickeln. 

Robin Conen, Die Sportpsychologen
Robin Conen, Die Sportpsychologen

Robin Conen (zum Profil):

In Hochleistungssportarten wie Fußball führen die Anforderungen an Spitzensportler sowohl zu einer konstanten körperlichen als auch mentalen Belastung, was erhebliche Risiken nach sich ziehen kann, wenn diese nicht sorgfältig gesteuert werden. Die Sportpsychologie spielt eine entscheidende Rolle bei der Vorbereitung von Sportlern auf diese Herausforderungen. Denn die Risiken sind enorm. 

Risiken einer anhaltenden Höchstleistung:

(1) Psychische Herausforderungen: Eines der Hauptrisiken einer konstant hohen Leistungsfähigkeit ist die mögliche Beeinträchtigung des psychischen Wohlbefindens des Fußballers. Sportler stellen oft den Erfolg in den Vordergrund, manchmal auf Kosten ihres Wohlbefindens, da konstante Höchstleistungen mental sehr anstrengend sein können. Dies kann mit der Zeit zu Burnout, Stress und Leistungsabfall führen. Stressmanagement ist unerlässlich, um mit dem Druck des ständigen Wettbewerbs umzugehen. Kontinuierliche Wettkämpfe auf hohem Niveau können zu psychischen Problemen und Erkrankungen führen. Die Anforderungen und der Stress, die mit dem ständigen Leistungsdruck einhergehen können und bei unzureichenden Bewältigungsstrategien auf Basis des Diathese-Stress-Modells zum Risikofaktor zur Entwicklung psychischen Erkrankungen, wie Angstzuständen, Essstörungen und Depressionen führen kann, die sich wiederum negativ auf die Leistung auswirken können. Die Einbindung von Psychologischen Psychotherapeuten (insbesondere mit sportpsychologischer Zusatzausbildung) sind für die Erhaltung und Verbesserung der psychischen Gesundheit von Sportlern unerlässlich, da diese für eine nachhaltige Leistung von entscheidender Bedeutung ist und sowohl präventiv zum Schutz der Gesundheit eingreifen, aber auch therapeutische Prozesse begleiten können.

(2) Körperliche Ermüdung und Verletzungen: Fußballer sind aufgrund von Übertraining einem Verletzungsrisiko ausgesetzt, das durch unzureichende Erholungsphasen noch verstärkt werden kann. Auch das Verständnis der psychologischen Aspekte von Verletzungen und Schmerzen (wie Rückenschmerzen) sowie der psychosozialen Risikofaktoren (einschließlich erheblicher Stressbelastung und der Tendenz, Schmerzen zu ignorieren, um Leistung zu erbringen) ist im Sportumfeld von entscheidender Bedeutung. Eine richtige Periodisierung des Trainings, die Ruhe- und Erholungsphasen als wesentliche Komponenten berücksichtigt, kann diese Risiken mindern, indem sie die Belastung über eine Saison hinweg ausgleicht.

Voraussetzungen für das Erreichen von Leistungsgrenzen

(1) Strategien für nachhaltige Spitzenleistungen: Um über längere Zeiträume hinweg ein hohes Leistungsniveau aufrechterhalten zu können, sollten bestimmte Voraussetzungen geschaffen werden. Zu den Strategien gehören ein solides mentales Training, wie Zielsetzung, Visualisierung und Techniken zum Umgang mit Ängsten und zur Steigerung der Motivation. Diese Ansätze helfen Fußballern, konstant ihre Bestleistung zu erbringen, indem sie ihre Konzentration verbessern, ihr Selbstvertrauen aufrechterhalten und Stress effektiv bewältigen. Die mentale Energie von Fußballern spielt eine entscheidende Rolle für die Leistung und das Wohlbefinden und wirkt als Puffer, indem sie die Beziehung zwischen beiden vermittelt. Darüber hinaus variiert die mentale Stärke, die für Höchstleistungen entscheidend ist, zwischen den Fußballern. Diese mentale Stärke kann aber durch spezifisches sportpsychologisches Training entwickelt werden. 

(2) Bedeutung von Spielen gegen schwächere Gegner: Spiele gegen objektiv schwächere Teams spielen in einer Saison eine wichtige Rolle. Sie können psychologische Entlastung bieten und eine Gelegenheit sein, taktische Strategien zu testen, während gleichzeitig der psychologische Druck in Spielen mit hohem Einsatz reduziert wird. In diesen Spielen können die Spieler ihre Fähigkeiten verfeinern und Selbstvertrauen aufbauen, was zur allgemeinen Moral der Mannschaft beiträgt. Darüber hinaus bieten sie Trainern die Möglichkeit, den Kader zu rotieren, um Überlastungsverletzungen zu vermeiden und wichtigen Spielern eine mentale Erholung zu ermöglichen. 

Cristina Baldasarre (zum Profil):

Rein psychologisch gesehen, machen dauernde Höchstleistungsziele überhaupt keinen Sinn. Der Mensch braucht Zyklen von Belastung/Arbeit und Erholung/Freizeit, um im Gleichgewicht zu bleiben – und langfristig konstant hohe Leistung erbringen zu können.
FussballerInnen sind auch nur Menschen, also gilt dieses Prinzip der Homöostase auch für sie. Wer sich das schönreden möchte und komplexe Spielsysteme und Anreize drumrum baut, mag kurzfristig erfolgreich sein. Langfristig aber schadet das zweifelsohne jedem Menschen und ich würde stark davon abraten (Übertraining, Burnout, Depressionen, Ängste aller Art, Selbstzweifel, Süchte und Substanzenmissbrauch sind mögliche Folgen, um nur die gängigen und bekannten zu nennen). Leider sind die finanziellen Anreize so gesetzt, dass viele nicht widerstehen können und die eigenen Grenzen/Bedürfnisse/Befinden nicht kennen oder ihnen zu wenig Beachtung schenken. Grundsätzlich sollte stets (!) die Gesundheit und die Ethik im Sport erste Priorität haben. 

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Dr. Hanspeter Gubelmann: Wenn es Alexander Zverev nicht genügt, «sein Herz in die Hand nehmen»

Bauchlandung, Debakel, Blamage: Für Alexander Zverevs Erstrunden-Aus in Wimbledon bedienen sich Sportredaktoren vieler Medien zuoberst im Phrasenkatalog desaströser Beschreibungen einer sportlichen Niederlage. Dabei geht beinahe unter, wie offen und ehrlich der Tennisspieler sein Ausscheiden deutet. Wer verstehen will, wie es um das Innenleben des Sportlers bestellt ist, braucht ihm bloss zuzuhören. Da spricht ein junger, erfolgreicher Mann, dem seine Lebensfreude offensichtlich abhanden gekommen ist. 

Zum Thema: Mentale Stärke und physische Gesundheit

Um es sportlich einzuordnen: Erstrunden-Niederlagen von Top-Spieler:innen im Londoner Rasentennis-Mekka gehören aktuell zur Normalität – wie die legendären Erdbeer-Sahne-Törtchen – sie versüssen beide auf ihre Art den Sportgenuss für uns Zuschauer:innen. Neben Zverev schieden drei weitere Top-10 Spieler in ihren Erstrundenpartien aus. Im Frauenturnier erwischte es mit Coco Gauf (Nr.2) Jessica Pegula (Nr.3) und Olympiasiegerin Zheng Qinwen (Nr.6) ebenfalls sehr arrivierte Spielerinnen. Allesamt bittere Erfahrungen für die Betroffenen: überraschend, unrühmlich, ärgerlich und vielleicht auch verunsichernd. Eine Ursachenzuschreibung scheint oft einfach und logisch. «Prime»-Expertin Andrea Petkovic ortet das Übel in Zverevs Niederlage in fehlender Entschlossenheit und Angriffslust, er spiele durchwegs ängstlich und passiv. «Da muss er einfach sein Herz in die Hand nehmen. Das ist aber genau das, wo es heute hakt.»

Ein individueller, wesentlich subtilerer Umgang mit derartigen Niederlagen zählt zu den Kernanliegen sportpsychologischer Unterstützung. Ausgangspunkt dazu bieten Überlegungen zum «winning mindset» (vgl. Dweck, 2012) der Spitzensportler:innen. Dieses speist sich u.a. aus einem positiven, lernförderlichen Verarbeiten sportlicher Rückschläge. Der ehemalige Skirennfahrer Marco Büchel (LIE) umschrieb es mir einmal so: «Siege und Erfolge geniesst du, aus Niederlagen lernst und reifst du. Beide Erfahrungen sind gleichermassen wichtig für deine sportliche Karriere». 

Mentale Stärke allein reicht nicht!

Ein positiver Umgang mit Niederlagen zielt erstrangig auf eine Erhöhung der mentalen Stärke ab. Die Direktive lautet: beim nächsten Mal – dann wenn’s wieder zählt – werde ich bereit sein und meine spielerische Leistungsfähigkeit erfolgreich(er) abrufen. Einen ersten Aufschluss zum «Wie weiter?» liefern die betroffenen Spieler:innen sehr oft in ihren Statements gegenüber den Medien, z.B. im Rahmen von Pressekonferenzen. Im Fall von Alexander Zverev präsentiert sich diese Ausgangslage aber gänzlich anders. Seine Statements klingen düster, gequält und zuweilen ratlos. Seine berührend-offene Beschreibung seiner Gemütslage (vgl. sporty.com) lassen sich in folgenden Kernaussagen bündeln.

  • Ich fühle mich einsam in meinem Leben (ausserhalb des Tennisplatzes);
  • Ich quäle mich mental und schaffe es nicht aus diesem Loch herauszukommen;
  • Ich finde keine Freude in meinem Alltag;
  • Ich habe mich noch nie so (hilflos) gefühlt in meinem Leben;
  • Ich habe mich in meinem Leben noch nie so leer gefühlt – die Lebensfreude fehlt, selbst wenn ich Matches wie in Halle oder Stuttgart gewinne;
  • Vielleicht brauche ich zum ersten Mal in meinem Leben Therapie.

Überforderung, Demotivation und Hilflosigkeit

Allein der Wortlaut dieser Aussagen schmerzt und macht betroffen. Ausdruck, Tonalität und Körpersprache im Video (siehe sporty.com) lassen erahnen, wie schwer sich Zverev mit seiner Situation tut, wie sehr er um Halt und Erklärungen ringt. Bemerkenswert ist, wie er von Bild online zitiert wird: „Es ist das Gefühl, als würde man ins Bett gehen und ist einfach nicht motiviert für den nächsten Tag. Man hat keine Lust, aufzustehen und zur Arbeit zu gehen. Dieses Gefühl kennt jeder, egal, welchen Job man hat. Als Sportler beeinflusst es die Leistung stark. Genau das habe ich gerade.“

Ich kenne Alexander Zverev nicht persönlich. Es steht mir in keiner Art und Weise zu, ihm Ratschläge zu erteilen. Es kann und darf nicht Inhalt dieses Blogs sein, hier eine psychologische Ferndiagnose zu stellen. Stattdessen soll versucht werden, ein tiefgreifenderes Verständnis hinsichtlich der Komplexität der Thematik zu vermitteln – dann nämlich, wenn Athleten:innen Gefahr laufen, den Halt unter den Füssen zu verlieren. Im Fachjargon sprechen wir von «Floundering» – ein Zustand der Überforderung, Demotivation und Hilflosigkeit.

Flourishing – nur mit mentaler Gesundheit erreichbar!

Aus dem Zusammenspiel von mentaler Stärke (Toughness) und psychischer Gesundheit (vgl. Abb. 1) lassen sich unterschiedliche psychophysische Zustände, Erlebens- und Verhaltensweisen beschreiben. Ebenso lässt sich daraus die Notwendigkeit und eine allenfalls angezeigte Dringlichkeit einer (sport-)psychologischen Intervention ableiten. Das Modell erklärt beispielsweise, dass sportliche Spitzenleistungen auch trotz psychischer Erkrankungen durchaus möglich sind, die dabei errungenen Siege möglicherweise unter Aufbringung aller psychischer Ressourcen erkämpft wurden – wie das Beispiel des U.S.-amerikanischen Schwimmers Michael Phelps zeigt, der in seiner langen und erfolgreichen Karriere immer wieder unter seiner diagnostizierten Depression litt. Unter einer ganz anderen Symptomatik leidet dagegen der „Trainingsweltmeister“, dem es tatsächlich an mentaler Stärke in der Wettkampfsituation mangelt und in seiner Leistungsentwicklung stagniert (Languishing), von psychischen Erkrankungen aber weitgehend verschont bleibt. Wiederum völlig anders präsentiert sich die Lebenslage eines psychisch erkrankten, mental angeschlagenen Athleten (Floundering), der dringend auf psychotherapeutische Unterstützung angewiesen ist.

Längerfristige, «gesunde» sportliche Leistungsfähigkeit im Spitzensport setzt demgegenüber die Konvergenz von mentaler Stärke und psychischer Gesundheit voraus. Hinsichtlich der grundsätzlichen Bedeutung der psychischen Gesundheit orientiere ich mich an Küttel & Larsen (2019). Sie bezeichnen in ihrem Übersichtsartikel «mental health» „… as a resource for a successful and sustainable sports career. We advocate that future studies include the whole spectrum of the mental health continuum (i.e. from languishing to flourishing; Keyes, 2002) with an increased focus on the role of the (sport) environment and the athlete-environment fit.“ 

Wie weiter? Sportpsychologische/ -therapeutische Angebote

In mehr als 35 Jahren Berufserfahrung als Sportpsychologe im Spitzensport bin ich einigen Athlet:innen begegnet, die von ähnlichen Erfahrungen berichteten, wie wir sie jetzt von Alexander Zverev hören. In folgenden Themenfeldern können die professionell ausgebildeten Kolleg:innen unseres Netzwerkes die-sportpsychologen.de (zur Übersicht) wertvolle Unterstützung anbieten:

  • Stabilisierung, Verständnis und Unterstützung: Wo und wie erhält der/die Athlet:in kurzfristig positiven Rückhalt in der akuten Krise?
  • Vertrauen und zwischenmenschlicher Rückhalt: Wer und wo sind die Bezugspersonen, die den/die Sportler völlig unabhängig von seinen/ihren sportlichen Erfolgen wertschätzen?
  • Einordnung, Klärung und Ausrichtung: Wann ist ein «teachable moment», z.B. hinsichtlich einer Psychotherapie-Abklärung, sozialpsychologischen Anamnese u.a.m.
  • Distanzierung und Zuwendung: Wer gibt dem/der Sportler:in Support (im Sportsystem)? Wo sind die Konfliktfelder?
  • Anleitung zum Selbstschutz: z.B. Distanzierung von «Ratgebern»
  • Umgang mit Medien: Wo sind die inhaltlichen «red flags»?
  • Ressourcenmanagement: Ist ein Rückzug (z.B. Saisonunterbruch, Urlaub etc.) angezeigt?
  • Eigene Werte und Prioritäten im Leben: Was ist dem/der Sportler:in besonders wichtig?

Epilog

Nachdenklich stimmt mich Zverevs Aussage zum familiären Kontext. Angesprochen auf seine Tochter Mayla, sagte er im Interview: „Meine Tochter macht mich generell glücklich, das ist die Person, die mich am glücklichsten macht in meinem Leben. Aber sie ist vier. Normalerweise muss es andersrum sein, ich muss ihr Energie geben, ich muss sie glücklich machen und nicht andersrum. Das kann es nicht sein.“ Vielleicht gibt es tatsächlich Wichtigeres im Leben als eine Erstrunden-Niederlage in Wimbledon.

Mehr zum Thema:

Quellen:

Dweck, C. S. (2012). Mindset: How you can fulfill your potential. Constable & Robinson Limited.

Keyes, C.L.M. (2002). The mental health continuum: From languishing to flourishing in life. Journal of Health and Social Behavior, vol.43/2,pp.207-222.

Küttel, A. & Larsen, C.H. (2019). Factors affecting elite athletes’ health: a systematic review. In: Strauss, Halberschmidt et al. (Eds). Abstract Book of the 15. FEPSAC Kongress, 15.-19. Juli 2019 in Münster, p.184.

https://sporty.com/news/video/quite-alone-in-life-zverev-opens-up-on-personal-struggles-after-wimbledon-exit/1pkz3964napkn1cmiyrjh1wnc4

https://www.blick.ch/sport/tennis/zverev-gesteht-mentale-probleme-ich-fuehle-mich-im-moment-ziemlich-allein-im-leben-id21012796.html

https://www.focus.de/sport/tennis/als-zverev-sein-wimbledon-match-wegwirft-sagt-tv-expertin-bezeichnende-saetze_d9d0f00c-f14b-4c34-895c-7b9a850a8db0.html

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FIFA-Klub-WM: Was immer mehr Spiele mit Volition und Motivation machen

Immer neue und aufgeblähte Wettbewerbe. Die Klub-WM war über viele Jahre ein nur wenige Tage in Anspruch nehmender Wettbewerb. Für europäische Clubs war er zudem nur dann wichtig, wenn er gewonnen wurde. Mit 32-Teams über vier Wochen ist der Wettbewerb nun ein Hochglanzprodukt geworden. Die Klub-WM ist Teil einer Entwicklung, einer ungezügelten Ausweitung und Ergänzung von Wettbewerben. Zuvor wurde die Champions League mit einer erweiterten Gruppenphase ausgeweitet und die Nations League sowie die Conference League erfunden. Die Anzahl der Spiele für die Topstars wächst kontinuierlich. Was macht das mit Themen wie Volition und Motivation, wollte Mathias Liebing, Gründer und Redaktionsleiter von Die Sportpsychologen wissen… 

Zum Thema: Volition und Motivation

Wie wirken sich immer neue und veränderte Wettbewerbe auf die Volition und Motivation aus? Was ist das eigentlich, Motivation und Volition – und was sollten Trainer und Spieler darüber wissen? Wie lässt sich sportpsychologisch auf die neue Situation mit dem Mehr an Wettbewerben in Bezug auf Motivation und Volition reagieren?

Norbert Lewinski, Die Sportpsychologen
Norbert Lewinski, Die Sportpsychologen

Norbert Lewinski (zum Profil):

Die ständige Ausweitung von Wettbewerben – wie die neue Klub-WM oder die verlängerte Champions-League – verändert die psychische Belastung von Profi-Fußballern massiv. Aus sportpsychologischer Sicht betrifft das besonders zwei zentrale Prozesse: Motivation (das „Warum“ des Handelns) und Volition (das „Wie“ – die Willenskraft zur Umsetzung von Zielen trotz Widerständen). Motivation ist dynamisch und eng mit inneren Bedürfnissen, Zielen und Sinnfragen verbunden. Wird der Sport durch zu viele, immer gleichwertig inszenierte Turniere entwertet, droht ein Verlust an intrinsischer Motivation – also der Freude, dem inneren Antrieb, dem Sinn. Spiele wirken austauschbar, die emotionale Bedeutung schwindet. Volition leidet, wenn die mentale Kraft zur Zielverfolgung durch Überforderung nachlässt. Spieler funktionieren zwar, aber innerlich entsteht Distanz, Erschöpfung, oft auch Resignation. Aus psychodynamischer Perspektive zeigen sich hier innere Konflikte: zwischen Pflichtgefühl, Erfolgsdruck und dem Wunsch nach Autonomie oder Sinn. Um dem entgegenzuwirken, braucht es gezielte Strategien: individuelle Zielklärung, bewusste Spielrotation zur mentalen Entlastung, sowie Reflexionsräume im Team – etwa mit sportpsychologischer Begleitung. 

Motivation und Volition sind nicht fix, sondern entwickelbar – durch ständiges, selbstreflexives Lernen. Wer den inneren Sinn wiederfindet, bleibt auch in einem überladenen Spielplan handlungsfähig – und psychisch gesund.

Anke Precht, Die Sportpsychologen
Anke Precht, Die Sportpsychologen

Anke Precht (zum Profil):

Ergänzend zu den Ausführungen von Norbert gibt es ein weiteres Momentum, das auch positiv ist: Mehr Wettbewerbe bedeuten, dass Sportler mehr von dem tun können, wofür sie jahrelang hart gearbeitet haben – Sie messen sich mit anderen und zeigen, was sie können. Gibt es nur ganz wenige Wettbewerbe, konzentriert sich die gesamte Motivation auf diese, und häufig entsteht dadurch ein extrem hoher Druck. Dieser wirkt sich ungünstig auf die mentale Situation gerade jener Sportler aus, die sich noch nicht gut selbst regulieren können: Ein wenig wie vor einer Prüfung, für die es nur eine einzige Chance gibt. 

In 2024 habe ich im MTB erlebt, dass die für die Fahrer extrem anstrengende Olympia-Qualifikation mit vielen harten Entscheidungen für manche leichter mental zu stemmen war, weil sie wussten: Da kommt noch eine WM, und es gibt noch ein Weltcup-Ranking, wo ich mich beweisen kann. Druck verteilt sich, das erleichtert auch manches.  

Robin Conen, Die Sportpsychologen
Robin Conen, Die Sportpsychologen

Robin Conen (zum Profil):

Die zunehmende Anzahl und die Formatänderungen von Wettkämpfen im Sport können die Motivation und den Willen von Sportlern erheblich beeinflussen, und Sportpsychologen spielen eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung dieser Auswirkungen. Motivation bezieht sich auf die inneren und äußeren Kräfte, die einen Sportler dazu antreiben, sportliche Aktivitäten zu beginnen und fortzusetzen, während Willenskraft die Entschlossenheit und Ausdauer ist, die erforderlich sind, um ein Ziel trotz Schwierigkeiten zu erreichen. Sportpsychologen können Sportlern helfen, ihre Motivation und Willenskraft aufrechtzuerhalten, indem sie verschiedene Strategien und Maßnahmen einsetzen. Psychologisches Training, das Zielsetzung, Selbstgespräche, mentale Bilder und Entspannungstechniken umfasst, verbessert nachweislich die Leistung, indem es psychologische Faktoren wie Selbstvertrauen stärkt und Ängste abbaut. Regelmäßige sportpsychologische Interventionen können die mentale Stärke und die Bewältigungsfähigkeiten von Sportlern verbessern und ihnen helfen, mit Druck umzugehen und unter wechselnden Wettbewerbsbedingungen konstante Leistungen zu erbringen. Darüber hinaus ist das Verständnis von Motivationstheorien, wie z.B. der Selbstbestimmungstheorie, von entscheidender Bedeutung. Diese Theorie betont die Bedeutung von Autonomie, Kompetenz und Verbundenheit für die Förderung der intrinsischen Motivation von Sportlern. Positive Emotionen, wie z.B. Selbstvertrauen und verminderte Angst, stehen in Zusammenhang mit einer besseren Erholung von Sportverletzungen und können für die Anpassung an neue Wettkampfformate von entscheidender Bedeutung sein. Für Trainer und Spieler ist das Verständnis dieser psychologischen Konzepte von entscheidender Bedeutung. Trainer sollten ein Umfeld schaffen, das das psychische Wohlbefinden fördert, indem sie eine offene Kommunikation hervorheben, die Autonomie unterstützen und das Selbstvertrauen durch positive Verstärkung stärken. Die Spieler sollten auch darin geschult werden, psychologische Strategien anzuwenden, um Stress und Druck während Wettkämpfen effektiv zu bewältigen. 

Zusammenfassend kann der Sportpsychologe ein Ansprechpartner sein, um bei der Anpassung an ein höheres Wettkampfvolumen sportpsychologische Interventionen zur Stärkung der mentalen Belastbarkeit und Bewältigungsfähigkeiten anzubieten und um die Leistung unter neuen Wettbewerbsbedingungen zu steigern.

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Prof. Dr. Oliver Stoll: Wie Fußball, Handball, Basketball, Volleyball oder Eishockey vom Floorball lernen können

Nicht selten werde ich gefragt, weshalb ich mich als Sportpsychologe in der Randsportart Floorball engagiere? In der Frage schwimmt immer mit, dass sich in dieser in Deutschland ja noch kleinen Sportart kaum Geld verdienen lasse. Ich antworte dann gern, dass ich es mag, im Sinne der Sportpsychologie auch in das Kostüm von Robin Hood zu schlüpfen. Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit: Denn meist wird im Floorball auch auf Basis der Gebührenordnung abgerechnet – also genauso mäßig wie in klassischen olympischen Sportarten auch. Viel wichtiger ist für mich die tiefe Offenheit im Floorball der Sportpsychologie gegenüber und die Chance, in dieser Sportart Strukturen für die mentale Arbeit zu schaffen, die wir auch für andere Sportarten adaptieren können. Im Text gebe ich einen Überblick über ganz konkrete Maßnahmen als Floorball-Sportpsychologe, die auch im Fußball, Handball, Basketball, Volleyball oder Eishockey anwendbar sind, wenn die jeweiligen Entscheidenden nur wollen.

Zum Thema: Sportpsychologie in Spielsportarten 

Als Sportpsychologe begleite ich die Floorball-Nationalmannschaften. Zuletzt war ich knapp zwei Wochen bei der WM-Endrunde im Dezember in Schweden im Einsatz. Rund um die Turniere fällt mein Arbeitspensum etwas intensiver aus, dazwischen ist es weniger, als es mir lieb ist, da ich so nur eingeschränkt Grundlagen schaffen kann. Aber so ist das eben mit kleinen und von staatlicher Förderung abhängigen Verbänden. Seit einigen Monaten bekomme ich aber regelmäßig Anfragen aus dem Floorball, nicht zuletzt aus dem Nachwuchs.

Beim SC DHfK Leipzig war ich kürzlich mehrfach vor Ort. Erst habe ich beim U13 Team mitgeholfen, die Kids auf die vom Verein ausgerichtete Deutsche Meisterschaft in eigener Halle vorzubereiten. Die Themen waren Ziele, Umgang mit Druck und Körpersprache. Spannend war für mich, die Inhalte unserer Arbeit auf die Sprache und den Erfahrungshorizont von 11- bis 12-Jährigen anzupassen. Aber mein Eindruck und das Feedback der Spieler war überaus positiv:

Konkretes Wissen für eine deutsche Meisterschaft

Schon intensiver verlief die Zusammenarbeit mit dem U15 Team des DHfK Leipzig. Auch diese Mannschaft hat sich für die Endrunde einer deutschen Meisterschaft in ihrer Altersklasse qualifiziert. Hier ging es um Grundlagen der mentalen Arbeit im Sport und ganz konkrete Ableitungen, die sie für das DM-Turnier Anfang Juli in Bremen nutzen können. Den Fokus habe ich auf Visualisierungen gelegt. 

Um das Eis zu brechen und die Relevanz deutlich zu machen, habe ich mit einem Video meines Kollegen Dr. Hanspeter Gubelmann gearbeitet. Gemeinsam mit Cristina Baldasarre hat er die Schweizer Floorball-Nationalmannschaft zur WM 2018 in Prag begleitet. Für die Kids war es super, anhand ihrer eigenen Sportart und des ehemaligen Superstars Matthias Hofbauer zu zeigen, wie gut Visualisierungen funktionieren können. (Link zum Beitrag siehe unten) Mein Credo war dabei: “Schaut mal, das machen Nationalspieler, das Gleiche macht ihr. Visualisierungen sind vollkommen normal, sie sind einfach eine sehr zielführende Trainingsmethode.”

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Weitere Informationen

Techniken umsetzbar machen

Klar ist auch, dass mentales Training dann wirkt, wenn es wiederholt wird. Wie es bei physischem Training normal ist und auch so im Sport verstanden wird. Diesbezüglich haben wir mit der Sportpsychologie noch Nachholbedarf. Aber ich bin sehr gespannt, was ich vom Team und deren Trainern nach der deutschen Meisterschaft höre. Ich bin überzeugt, dass einige auf ausgewählte Techniken zurückgreifen werden. Zumal der junge Trainerstab meine Arbeit auch super unterstützt hat.

Noch während des Trainings wurde in der WhatsApp-Gruppe des Teams ein Video der Veranstaltungsstätte des DM-Turniers in Bremen geteilt. Ein TV-Beitrag von Radio Bremen, in dem die Halle gut zu sehen ist. Mit Hilfe dieses Films können sich die Jungs und Mädchen schon auf dem Weg nach Bremen mit der Örtlichkeit auseinandersetzen. Sich vertraut machen. Wenn darüber hinaus einige, wie geübt, ihre Penalty-Strategien im Kopf 50 bis 60 Mal wiederholen, werden sie gut vorbereitet sein. Besser als diesbezüglich manche Profi-Sportler.

Auftrag im Mutterland des Floorballs

Im Floorball ist meiner Erfahrung nach in der jüngeren Vergangenheit eine große Offenheit gegenüber der Sportpsychologie entstanden. Erst vergangene Woche habe ich die Einladung von einem weiteren Top-Verein bekommen, wo ich einen Workshop im Nachwuchs umsetzen soll. Der frühere Bundestrainer Martin Brückner hat mich unterdessen schon zum zweiten Mal zu seinem Club eingeladen, wo ich mehrtägig in der Vorbereitung mit im Boot bin. Dieser Auftrag führt mich nach Schweden, wo Brückner, mit dem ich im Nationalteam sehr gut zusammengearbeitet habe, inzwischen unter professionellen Bedingungen arbeitet. Im Mutterland des Floorballs.

Eine Erkenntnis meiner Arbeit ist es, die Arbeit zwischen dem Top-Level im Erwachsenenalter und dem Nachwuchs zu verzahnen. In die eine, wie in die andere Richtung. In anderen Sportarten, insbesondere im Fußball, erlebe ich eine klare Zweiteilung. Wenn im Floorball so weiter gearbeitet wird wie zuletzt, wird sich die Sportart als Muster für andere Spielsportarten bei der Implementierung der Sportpsychologie beweisen. Es wäre mir persönlich eine große Freude. 

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Anke Precht: Zuschauer-Party am Streckenrand – Flowkiller oder Flowverstärker?

Der Mountainbike-Weltcup im Val di Sole in den Dolomiten ist der lauteste seiner Art. Kettensägen, Rasseln, Kuhglocken, laute Musik, viele hoch emotionale Fans. Am lautesten ist es immer an der längsten und härtesten Steigung. Sportpsychologisch begleite ich einige Mountainbike-Athleten. Eine meiner Fahrerinnen erzählte mir vor zwei Jahren, wie sehr sie sich auf das Rennen freue, weil der Lärm sie beflügele und maximal pushe. Eine andere sagt genau das Gegenteil: An derselben Stelle sei es so laut, dass es sie komplett aus dem Tunnel hole. Die Steigung danach müsse sie sich regelrecht hinauf quälen. Und sie brauche bis zur nächsten Abfahrt, bis sie wieder im Fluss sei.

Zum Thema: Umgang mit Emotionen, Ovationen und Lautstärke von Fans

Die gleiche Situation, zwei völlig verschiedene Wirkungen. Wie kann die Sportpsychologie dabei helfen, die Geräuschkulisse bei einem Rennen optimal als Leistungsverstärker zu nutzen?

Methodisch gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine besteht darin, die Strecke vor dem Rennen zu imaginieren. Am besten geht das für die Fahrer, die die Strecke bereits kennen. Sie haben in der Regel eine klare Idee davon, wie es an den relevanten Stellen aussieht und klingt. Ein Audio oder Video der Zuschauerkulisse kann dabei helfen.

Aus der Außenperspektive

In der Imagination schaut sich der Fahrer aus der Außenperspektive beim Fahren zu – optimal, hoch fokussiert, maximal im Tunnel. Er sieht sich beim Aufbrausen der Geräuschkulisse beschleunigen, den Blick nach vorne, den Berg im guten Rhythmus hinauffahren, getragen von den Geräuschen.

Sobald das gut klappt, spielt man die reale Geräuschkulisse dazu.

Eindrücke vom Mountainbike-Weltcup im Val di Sole, Quelle: Anke Precht

Aus der Innenperspektive

Ist das leicht vorstellbar, wechselt der Fahrer in die innere Perspektive, stellt sich die gleiche Situation so vor, als würde er wirklich fahren. Wichtig ist, die Vorstellung des Kraftschubes, des Rückenwindes oder des verstärkten Tunnels mit dem Krach zu verbinden und genau das einzuüben, damit es beim Fahren auf der Strecke vertraut und wie gewünscht verknüpft ist.

Ein paar Sonderregeln beziehungsweise Zusatzschritte gibt es für Athleten zu beachten, die unter ADS oder ADHS leiden. Die Experten von Die Sportpsychologen (zur Übersicht) sind Ansprechpartner für diese und weitere Fragen. Ich stehe euch natürlich auch gern zur Verfügung (zum Profil von Anke Precht).

Mehr zum Thema:

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Norbert Lewinskis Mental Power Day in Neubrandenburg – neuer Fixpunkt im Sportpsychologie-Kalender?

Große Pläne im Nordosten Deutschlands und dies mit Relevanz für Sportpsychologen und Sportpsychologinnen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum? So lässt sich die Offensive deuten, die Norbert Lewinski von Die Sportpsychologen in Neubrandenburg startet. Auf halbem Weg zwischen Hamburg und Berlin will der Sportpsychologe seine Disziplin besser vernetzen. Vor Ort hat er Unterstützung unter anderem von einer Olympiasiegerin und den sportlichen Institutionen. Sein Anspruch ist, dass seine Veranstaltung aber auch interessant für ein Fachpublikum aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wird. Warum ihn dabei gerade die Events von Chris Willis, der asp und Jürgen Walter inspiriert haben und weshalb seine Veranstaltung zu einem neuen Fixpunkt für die Sportpsychologie werden wird, verrät Norbert Lewinski im Interview mit Mathias Liebing, Redaktionsleiter von Die Sportpsychologen. 

Zum Thema: Mental Power Day in Neubrandenburg

Norbert, welches Ziel verfolgst du mit dem Mental Power Day und an wen richtet sich das Event?

Neubrandenburg findet in der bundesweiten Wahrnehmung kaum statt. Es ist aber eine Stadt mit großer sportlicher Tradition – eine Tradition, die ein hervorragendes Fundament für die Zukunft schafft. Wir wissen, dass gesellschaftliche und politische Veränderungen vieles im Funktionieren von Städten und Gemeinschaften beeinflussen. Auch die öffentliche Wahrnehmung entwickelt sich stetig weiter. Mit unserem Event wollen wir unseren Beitrag leisten, diesen Wandel aktiv mitzugestalten.

Die Sportpsychologie ist eine faszinierende Disziplin, die in vielen Bereichen wertvolle Impulse geben kann. Ich sehe es als meine Aufgabe, sie genau dort zu verankern, wo sie bisher noch wenig präsent war. Das ist keine einfache, aber eine sehr bedeutungsvolle Mission.

Der Mental Power Day ist ein erster Meilenstein auf diesem Weg. Es ist mir gelungen, eine Gruppe engagierter und inspirierender Menschen um diese Idee zu versammeln. Gemeinsam teilen wir die Überzeugung, dass es uns gelingen wird, mentales Training langfristig und nachhaltig in dieser Gemeinschaft zu verankern – als selbstverständlichen Teil sportlicher, schulischer und gesellschaftlicher Entwicklung. 

Wie ist die Idee dazu entstanden? Und wer hat dich in der Umsetzung unterstützt?

Wie viele Dinge auf dieser Welt ist auch diese Idee durch Beobachtung entstanden. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es einen stärkeren Impuls braucht, um unsere Ziele zu erreichen – nämlich die Sportpsychologie in der Region bekannter zu machen. 

Veranstaltungen wie die Sportpsychologietage von Chris Willis in Innsbruck oder die Jahrestagungen der ASP sowie der Tag der Sportpsychologie, organisiert von Jürgen Walter, waren dabei wichtige Vorbilder. Auch wenn diese Formate eher an Fachpublikum gerichtet sind, war mein Ziel, mit dem Mental Power Day ein Event zu schaffen, das Sportpsychologie einem breiteren Publikum näherbringt.

Von Anfang an konnte ich auf Unterstützung zählen – es gab einige Menschen, die die Idee sofort großartig fanden. Dazu gehören unter anderem unsere Olympiasiegerin Astrid Kumbernuss und der Geschäftsführer des SC Neubrandenburg, Peter Weitschies. Auch Kolleginnen und Kollegen aus dem Fachbereich wie Prof. Dr. Oliver Stoll oder Jürgen Walter haben von Beginn an ihre Bereitschaft signalisiert, die Veranstaltung zu unterstützen.

Was erwartet Teilnehmende konkret?

Die Teilnehmenden können sich auf Beiträge von erfahrenen Sportpsychologen freuen, die praxisnahe Werkzeuge und Methoden vorstellen. Außerdem werden Athleten der Spitzenklasse – darunter Olympiasieger und Weltmeister – dabei sein, die über ihre persönlichen Erfahrungen mit mentaler Stärke berichten. Moderiert wird die Veranstaltung von Mathias Liebing von Die Sportpsychologen, was für eine professionelle und zugleich lebendige Atmosphäre sorgt.

Mental Power Day

Datum: 20. September 2025
Uhrzeit: 10:00 – 15:00 Uhr
Ort: Sportgymnasium Neubrandenburg, Schwedenstraße 22, 17033 Neubrandenburg

Tickets: kostenlos (vorherige Anmeldung per Mail wird vorausgesetzt: info@sc-neubrandenburg.de

Mehr Infos: https://www.sc-neubrandenburg.de/veranstaltung/mental-power-day/

Warum würdest du SportlerInnen und TrainerInnen aus der Region raten, daran teilzunehmen?

Ich würde Sportlern und Trainern aus der Region die Teilnahme empfehlen, weil sie hier die einmalige Gelegenheit haben, kompaktes und praxisnahes Wissen aus der Sportpsychologie direkt von Experten zu bekommen – und das ohne lange Anreise. Sie können von den Erfahrungen international erfolgreicher Athleten lernen und Impulse mitnehmen, die sie sofort im Trainings- oder Wettkampfalltag anwenden können. Außerdem bietet die Veranstaltung die Chance zum Austausch und zur Vernetzung innerhalb der regionalen Sportszene.

Inwiefern können sich SportpsychologInnen, sportpsychologische Experten und Expertinnen mit einbringen oder von dem Format profitieren? 

Wir starten mit einem neuen Format, das wir nachhaltig weiterentwickeln möchten. Alle, die teilnehmen, mit uns ins Gespräch kommen und Interesse zeigen, haben die Chance, gemeinsam mit uns die weitere Geschichte dieses Projekts mitzugestalten.

Dank unserer Sponsoren ist die Teilnahme kostenlos – man muss sich nur vorher per E-Mail unter info@sc-neubrandenburg.de anmelden.

Der Mental Power Day ist also nicht nur eine Gelegenheit, Zeit mit spannenden Persönlichkeiten aus dem Sport und der Psychologie zu verbringen, sondern auch ein echter Mehrwert für alle Fachleute: Ich plane ein kostenloses Fortbildungsangebot für Sportpsychologen und alle Interessierten direkt im Rahmen der Veranstaltung.

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Prof. Dr. René Paasch: Sportpsychologie muss selbstverständlicher werden

Nach einer Auszeit sind Thorsten Loch und Prof. Dr. René Paasch zurück bei Die Sportpsychologen. Beide waren die ersten deutschen Neuzugänge im Netzwerk, nachdem die Plattform 2014 anfangs für Studierende des Master-Studiengangs Angewandte Sportpsychologie der Martin-Luther-Universität gestartet und nach einer Testphase geöffnet wurde. Mathias Liebing, Redaktionsleiter von Die Sportpsychologen, fragt bei Prof. Dr. René Paasch nach den Gründen und den Ambitionen für das Comeback.

René, was hat dich dazu bewogen, ins Netzwerk Die Sportpsychologen zurückzukehren?

Nach einer intensiven beruflichen Phase in Forschung, Lehre und Beratung war es mir wichtig, wieder stärker an einem Ort präsent zu sein, der Austausch, Haltung und fachliche Tiefe verbindet. Die Sportpsychologen sind mehr als ein Netzwerk, sie sind ein Resonanzraum für das, was Sportpsychologie im besten Sinne sein kann: nah an der Praxis, klar in der Position und offen für neue Perspektiven. Nach all der vergangenen Zeit fühlt es sich nicht wie eine Rückkehr an, sondern wie ein Weitergehen – in einem vertrauten, aber gewachsenen Rahmen.

Vor welchen Aufgaben steht die Sportpsychologie aus deiner Sicht und wie willst du mithilfe des Netzwerks daran arbeiten? Wie wirst du dich einbringen? 

Die Sportpsychologie befindet sich an einem Punkt der Weiterentwicklung. Nicht, weil sie bislang etwas versäumt hätte, sondern weil die Zeit gekommen ist, ihre Rolle neu zu denken. Sie sollte nicht erst dann sichtbar werden, wenn es eng wird, wenn stabilisiert, begleitet oder gelindert werden muss. Sie kann mehr. Und sie darf mehr. Ihr Platz ist dort, wo der sportliche Alltag gelebt wird: in der Trainingsgestaltung, in der Saisonplanung, in der gemeinsamen Verantwortung für Gesundheit, Entwicklung und Leistung. Nicht als Ersatz für Führung, sondern als Resonanzraum für das, was Menschen im Sport bewegt. Als Impulsgeberin für mentale Stärke, als Begleiterin von Persönlichkeitsprozessen, als Stimme für jene Fragen, die oft untergehen: Was brauchen wir, damit wir im Spiel aufblühen und darüber hinaus? Was lässt uns durchhalten, wenn es schwer wird? Wer im Sport Verantwortung trägt, ob als Trainerin, Athlet, Funktionärin oder Elternteil,  spürt, wie eng Leistung, Belastung und persönliche Entwicklung miteinander verflochten sind. Umso wertvoller ist eine psychologische Perspektive, die nicht belehrt, sondern versteht. Die nicht etikettiert, sondern fragt. Die nicht bewertet, sondern begleitet mit Respekt, mit Erfahrung und mit Blick für das Ganze.

Ich weiß, dass psychologische Arbeit oft dann besonders wirksam ist, wenn sie leise geschieht. Wenn sie unterstützt, ohne sich in den Vordergrund zu stellen. Diese Form der Zurückhaltung hat ihren berechtigten Platz und sie hat sich vielfach bewährt. Gleichzeitig glaube ich, dass psychologische Perspektiven auch dort gefragt sind, wo Strukturen wachsen, Haltung entwickelt werden soll und nachhaltige Prozesse mitgestaltet werden können. Nicht laut, nicht aufdringlich, sondern mit Tiefe, Klarheit und einem Gespür für das richtige Maß. Besonders nahe stehen mir dabei die Positive Psychologie und das Life Coaching, Zugänge, die den Blick auf das richten, was Menschen stärkt: auf Ressourcen, auf Entwicklungspotenziale, auf gelingende Beziehungen. Nicht als Gegensatz zur Disziplin, sondern als sinnvolle Ergänzung zur Leistungsorientierung. Menschlich, wach und zugewandt. Es geht nicht nur darum, leistungsfähig zu bleiben, sondern auch darum, innerlich zu wachsen, hin zu einem gesunden, verantwortlichen und erfüllten Leben im und mit dem Sport. Im Netzwerk möchte ich Impulse setzen, Verbindungen stärken und dazu beitragen, dass psychologisches Denken im Sport seinen Platz behält, nicht als akademischer Zusatz, sondern als selbstverständlicher Teil eines ganzheitlichen Verständnisses von Leistung, Entwicklung und Leben. Nicht, weil es Pflicht ist. Sondern weil es möglich ist.

Weshalb ratet ihr erfahrenen Kollegen und Kolleginnen, das Netzwerk zu nutzen? Und was sind die Gründe, die ihr Neulingen im Berufsfeld nennen würdet?

Das Netzwerk lebt davon, dass Erfahrung, Neugier, Reflexion und Austausch zusammenkommen. Für erfahrene Kolleginnen und Kollegen kann es ein Ort sein, an dem man Impulse geben und empfangen kann, ohne sich erklären zu müssen. Ein Resonanzraum, in dem man nicht allein denkt, sondern gemeinsam weiterkommt. Und manchmal auch einfach eine Erinnerung daran, warum wir diesen Beruf gewählt haben, weil es um Menschen geht, nicht nur um Methoden. Für Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger ist das Netzwerk eine echte Möglichkeit. Nicht als Bühne für schnellen Erfolg, sondern als Raum, um Haltung zu entwickeln, Orientierung zu finden und sich inspirieren zu lassen. Gerade weil die Sportpsychologie ein vielschichtiges Feld ist, braucht es Orte, an denen man nicht alles schon wissen muss, aber fragen darf. Und Menschen, die zeigen: Man kann in diesem Beruf wachsen, ohne sich zu verbiegen.

Was treibt dich heute nach all den Jahren im Feld noch immer an?

Vielleicht ist es genau dieser leise, aber bleibende Wunsch, mit dem eigenen Denken und Tun etwas zu bewegen, nicht laut, nicht spektakulär, aber spürbar. Mich treibt die Überzeugung, dass psychologische Arbeit im Sport mehr ist als Intervention. Sie ist Beziehungsgestaltung, Haltungsarbeit, Resonanzstiftung. Und sie wirkt dort, wo Menschen in Bewegung sind. Was mich antreibt, ist nicht nur das Neue, sondern das, was sich im Kern nicht verändert: die Frage nach dem Menschen im System. Seine Stärke, seine Zweifel, sein Aufbruch. Wir erleben, dass unser Feld wächst und gleichzeitig bleibt die Essenz dieselbe: zuhören, verstehen, begleiten, manchmal auch irritieren. Vielleicht ist es genau das: die Verbindung von Erfahrung und Neugier, von Gewordenem und Werdendem. Und der Wunsch, Räume mitzugestalten, in denen psychologische Qualität nicht nur gefragt ist, sondern auch willkommen ist.

Zu den beiden Profilen:

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Dr. Julia Boie: Gelassenheit statt Druck im Reitsport

Beneidenswert! Eine Reiterin, die völlig entspannt im Turnier auftritt. Kein Stress ist zu spüren. Sie reitet mit ihrem gelösten Pferd souverän ins Viereck und tut das, was sie täglich im heimischen Stall trainiert. Egal wer zusieht oder ob heute bewertet wird. Die Konzentration ganz auf der Aufgabe. Wie macht sie das?

Zum Thema: Umgang mit Druck, Anspannung und Kritik 

Viele Reitsportler*innen würden sich gern ein Scheibchen abschneiden und ebenso ruhig und gelassen ihr Können demonstrieren. Viel zu oft aber macht Aufregung und Stress uns einen Strich durch die Rechnung. Die Angst vor der Bewertung, vor einem Versagen, davor, sich zu blamieren, lässt uns das Turnier als Bedrohung erscheinen und der Körper reagiert entsprechend. Der Herzschlag und die Atmung beschleunigen sich, die Muskelspannung erhöht sich, der Blutdruck steigt. Der Mund wird trocken, da der Speichelfluss wie auch die Magen- und Darmtätigkeit gehemmt werden. Hände und Füße werden kalt, da die Blutgefäße der Haut verengt werden.

Für eine echte Gefahr, bei der wir kämpfen oder fliehen müssen, ist diese evolutionäre Anpassung des Körpers ideal. Der Körper bereitet sich auf Bewegung bzw. Muskelarbeit vor, dafür wird Energie und Sauerstoff bereitgestellt. Die vermehrte Durchblutung von Herz, Muskeln und Gehirn macht uns leistungsfähiger. Die erhöhte Gerinnungsfähigkeit des Blutes und die Verengung der Blutgefäße der Haut schützen uns bei Verletzungen.

Für unser Ziel, möglichst gut zu reiten, ist diese Alarmreaktion aber nicht förderlich. Wir brauchen Ruhe, Entspannung und Konzentration für uns und unser Pferd. Unsere Körperspannung muss der eines guten Trainings entsprechen, damit die Koordination unserer Bewegungsausführung ideal klappt.

Stress durch Erwartungen und Leistungsdruck

Stress kann durch hohe eigene und/oder fremde Erwartungen und Leistungsdruck entstehen. Die Anspannung und Nervosität führt zu Verkrampfung der Muskeln, was wiederum die Feinkoordination beeinträchtigt, so dass die Bewegung bzw. die Hilfengebung nicht mehr so präzise abgerufen werden kann, wie im entspannten Zustand. Die Besonderheit beim Reiten ist bekannt – unsere Angst (aber auch unser Ärger etc.) wirkt sich auf unser Pferd aus. Das Pferd ist verunsichert, kommt aus dem Tritt und macht Fehler, die sich wiederum auf uns auswirken. Wir beeinflussen uns gegenseitig immer weiter negativ, so dass sich unsere Performance immer weiter verschlechtert. Auch unsere Gedanken haben einen starken Einfluss darauf, dass Stress entsteht und unsere Leistung gemindert wird. Das kann allein dadurch hervorgerufen werden, dass man beim Turnier besonders gut reiten möchte. Dieser Gedanke kann bewirken, dass man beim Reiten über Hilfen und Technik nachdenkt. Die linke Gehirnhälfte, die sehr gut darin ist, zu analysieren, ist damit aktiviert. 

Automatisierte Bewegungen und ein reibungsloser Bewegungsablauf, die wir im Turnier benötigen, sind aber in der rechten Gehirnhälfte abgespeichert und werden durch Gedanken an Einzelheiten bzw. Techniken gestört. Schließlich kann Stress die Konzentration stören und von der Aufgabe ablenken, was sich in negativen bzw. Angstgedanken äußern kann: „Was denken wohl die anderen?“, „Wenn ich hier gut/schlecht abschneide, dann…“, „Im letzten Jahr ist mein Pferd beim Sprung hinter dem Baum dort weggerutscht – hoffentlich passiert das nicht wieder!“

Wenn Sportler*innen nicht gelernt haben, mit Druck und Stress gut umzugehen, können die negativen Gedanken, die erhöhte körperliche Anspannung und die gestörte Konzentration das Reiten stark beeinträchtigen. Die Fehler häufen sich, die Leistung geht zurück. Es resultiert Ärger auf sich und Ärger auf das Pferd. Die Negativspirale ist in Gang gesetzt. Daraus kann langfristig Verunsicherung entstehen. Das Selbstvertrauen und die Selbstwirksamkeit sinken.

Stress durch Kritik

Auch negative Kritik kann das Selbstvertrauen der Sportler*innen untergraben. Rückmeldung und Fehlerkorrektur sind natürlich in jedem Sport für die Weiterentwicklung wichtig. Wird Kritik jedoch, wie so oft, negativ formuliert („Reite nicht wieder so rückwärts vor dem Hindernis!“), verschlechtert sie das Reiten ungewollt oft noch zusätzlich, denn es entsteht ein Bild im Kopf, welches handlungsleitend ist. Hilfreich sind daher eher positive Aussagen, worauf jetzt geachtet werden soll. „Nimm den Schwung aus der Kurve mit!“ oder „Reite voran!“

Stressor kann auch negatives Gerede durch andere Personen sein. Die Reaktion darauf ist nicht bei allen Menschen gleich. Es kommt darauf an, wie die Person generell mit Druck oder Kritik umgeht. Oft genug denkt man auch nur, dass jemand sich negativ über das eigene Reiten äußert. Es muss nicht unbedingt Realität sein. Je unsicherer Sportler*innen sind, desto mehr achten sie darauf, wie andere Personen auf sie reagieren und interpretieren die Körpersprache und das Verhalten anderer. Eine mögliche Reaktion auf Lästereien bzw. vermutete Lästereien ist, sich schlecht zu fühlen, an sich zu zweifeln. Resultat wird wahrscheinlich sein, dass sich das Reiten verschlechtert. Eine andere naheliegende Reaktion ist Ärger. Auch der lenkt aber vom eigenen Tun ab und die Spannung erhöht sich. Das Reiten wird sich wahrscheinlich ebenfalls verschlechtern. Am zielführendsten ist keine Reaktion. Lästern hat nur mit der anderen Person zu tun, nicht mit mir. Konzentration auf mich und mein Pferd und unsere Aufgabe lässt das Leistungslevel gleich hoch bleiben.

Tipps und Tricks

Für Reitsportler*innen ist es elementar, Entspannung willentlich herbeiführen zu können. Dafür ist strukturiertes Training nötig, damit die Entspannung gerade auch in Situationen hervorgerufen werden kann, in denen es darauf ankommt. Um zu verhindern, dass Kritik, schlechte Ritte o.Ä. langfristig verunsichern, sollte das Selbstvertrauen gestärkt werden. Denn Leistungssportler*innen jeder Sportart brauchen große mentale Stärke, um aus Fehlern zu lernen und im Konkurrenzkampf zu bestehen. 

Außerdem benötigen Reitsportler*innen die Fähigkeit, den Fokus zu behalten. Um die Dressuraufgabe oder den Springparcours oder die Voltigier-Choreographie fehlerfrei absolvieren zu können, sollte trainiert werden, sich nicht von äußeren Gegebenheiten oder von eigenen Gedanken ablenken zu lassen, sondern im Hier und Jetzt zu sein und sich auf das eigene Tun zu konzentrieren. Schließlich spielt die Einstellung eine große Rolle: Statt Angst kann die Freude auf eine Herausforderung im Vordergrund stehen. Statt Furcht vor der Bewertung oder den Blicken anderer kann die Dankbarkeit, gesund mit seinem Pferd dem geliebten Sport nachgehen zu können, im Vordergrund stehen.

Hinweis und Feedback

Wie im körperlichen Training, ist auch im mentalen Training das strukturierte Lernen und das ausdauernde Üben unter fachkundiger Anleitung der Weg zum Erfolg. Meine Kollegen von Die Sportpsychologen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Dr. Julia Boie) sind gerne für Sie da, falls Sie Beratung wünschen.

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FIFA-Klub-WM: Mentale Ausbeutung im Profi-Fußball

Belastung, Hochbelastung und Überlastung gehören im Profi-Sport dazu. Keine Frage, auch im Breitensport lieben wir es, unsere Grenzen weiter zu verschieben. Im Profi-Fußball hat die seit Jahren ungebremst fortschreitende Entwicklung spätestens mit der FIFA Klub-WM eine neue Dimension erreicht. 32 Club-Teams spielen im Sommer 2025 in den USA ein Turnier, welches wir vom Umfang und Dauer nur von den Weltmeisterschaften der Nationalteams kennen. Reizvoll, irgendwie schon. Rücksichtslos, absolut. Aber ungehört von Warnungen von hoch angesehenen Trainerpersönlichkeiten wie Jürgen Klopp, Thomas Tuchel, Xabi Alonso, Pep Guardiola oder Vincent Kompany wird weiterhin an der Belastungsschraube in Bezug auf Spielanzahl, Gegnerqualität, Reisestrapazen und Erholungszeit gedreht. In dieser Serie beschäftigen wir uns mit ausgewählten Aspekten aus sportpsychologischer Perspektive.

Zum Thema: Mentale Erholung

In vielen Sportart gibt es Hochbelastungsphasen. Schauen wir nur zum Eishockey: In der Playoff-Phase treten die Teams aller zwei, drei Tage gegeneinander an. Zuhause, auswärts, immer mit Druck, alles, was geht, raushauen. Aber: Die Sommerpause dauert im Eishockey gut und gern drei, vier Monate. Zum Fußball: Durch die Klub-WM, die direkt auf das Nations League Final4 und die entscheidenden Wochen in der Champions League, Pokal und Liga folgt, reduziert sich die Anzahl an zusammenhängenden freien Tagen für die Nationalspieler der beteiligten Clubs auf ein absolutes Mindestmaß. Ist die Klub-WM Mitte Juli beendet, beginnt im Prinzip die Vorbereitung auf die nächste Saison.

Frage: Was macht mentale Erholung mit Profi-Sportlern? Wann setzt sie ein, was ist dabei zu beachten? Und was passiert, wenn die Erholung auf Dauer fehlt? Was wären Lösungsansätze – Prof. Dr. René Paasch hat mal gefordert, Urlaubstage für Profis in der Saison einzuführen?

Yvonne Dathe, Die Sportpsychologen
Yvonne Dathe, Die Sportpsychologen

Antwort von: Yvonne Dathe (zum Profil)

Mentale Erholung ist wichtig zur Wiederherstellung der physischen und psychischen Ressourcen. So wird Stress abgebaut und die mentale Leistungsfähigkeit wiederhergestellt. Die Konzentration verbessert sich. Erholte Sportler sind fokussierter und womöglich auch motivierter. Nicht zu vergessen ist, dass die Zeit mit der Familie und Freunden die soziale Umwelt stärkt. Die emotionale Unterstützung von Freunden und Familie ist für viele Sportler eine wichtige Ressource, damit sie diese nutzen können, müssen Sportler auch mit ihnen Zeit verbringen können.

Die mentale Erholung kann bereits kurzfristig einsetzen und die Stimmung und kognitive Leistungsfähigkeit verbessern. Nach etwa 1-2 Wochen reduziert sich das Stressniveau und die Schlafqualität verbessert sich. Regelmäßige Erholungsphasen über die Saison hinweg können kumulative Belastungen verhindern und die Leistungsentwicklung langfristig fördern.

 
Wie viel Erholungszeit jemand benötigt, ist sehr individuell. Reine körperliche Pausen reichen oft nicht. Wichtig sind auch soziale Kontakte mit Freunden und der Familie sowie Entspannungsübungen oder sogenannte “Gegenwelten”, also Tätigkeiten, die nichts mit dem Sport zu tun haben, aber dennoch Freude machen.

Entscheidend ist, eine Balance zwischen Belastung und Erholung zu finden. Zu viel Pause kann zu Leistungsverlust führen, zu wenig Pause erhöht das Verletzungs- und Erschöpfungsrisiko. Wichtig sind definierte Pausenzeiten zur mentalen Regeneration. Der Trainingsplan sollte an die individuellen Erholungsbedürfnisse angepasst werden.

Janosch Daul, Die Sportpsychologen
Janosch Daul, Die Sportpsychologen

Antwort von: Janosch Daul (zum Profil)

Das Nutzen eines Diagnostikinstruments kann zunächst dabei helfen, sich einen Überblick über dein eigenen Belastungs-Erholungszustand zu verschaffen.

Ganz entscheidend ist es für den Sportler, mentale Erholungsquellen zu identifizieren, diese gezielt in eine Wochenstruktur einzubauen und letztlich aufzusuchen. Was erholend wirkt, ist bei jedem Sportler höchst individuell. Sinnvoll ist das Aufsuchen von Gegenwelten, also Lebenswelten, die dadurch gekennzeichnet sind, dass sie in Kontrast stehen zum Leisten, die Freude am Tun im Mittelpunkt steht, man Herr über sein eigenes Handeln ist und keinerlei Verpflichtungen bestehen. 

Norbert Lewinski, Die Sportpsychologen
Norbert Lewinski, Die Sportpsychologen

Antwort von: Norbert Lewinski (zum Profil)

Mentale Erholung spielt eine zentrale Rolle im Leben von Profi-Sportlerinnen und Sportlern – insbesondere aus psychodynamischer und psychophysiologischer Perspektive. Sie beeinflusst nicht nur die kurzfristige Leistungsfähigkeit, sondern auch die langfristige körperliche und psychische Gesundheit. In einer Sportwelt, die durch immer dichtere Wettkampfkalender geprägt ist – wie etwa durch die geplante Aufstockung der Fußball-Weltmeisterschaft – gewinnt dieses Thema zunehmend an Bedeutung. Aus psychodynamischer Sicht steht der Mensch im Spannungsfeld zwischen inneren Bedürfnissen, unbewussten Konflikten und äußeren Erwartungen. Profi-Sportlerinnen und Sportler sind permanenten Leistungsanforderungen, öffentlicher Bewertung und einem hohen Erfolgsdruck ausgesetzt. Mentale Erholung – etwa durch Urlaub, Familienzeit oder bewusst sportfreie Phasen – ermöglicht es, aus dem Hochleistungsmodus auszusteigen, emotionale Belastungen zu verarbeiten und psychische Spannungen abzubauen. Sie dient damit der Stärkung des Selbstwertgefühls, der inneren Stabilität und einer gesunden Beziehung zum eigenen Körper und zur eigenen Identität. Ohne diese Rückzugsräume droht eine Überidentifikation mit der Sportrolle, was langfristig zu Erschöpfungszuständen, innerer Leere oder sogar depressiven Symptomen führen kann.

Anke Precht, Die Sportpsychologen
Anke Precht, Die Sportpsychologen

Antwort von: Anke Precht (zum Profil)

Klar, Erholung und Regeneration ist extrem wichtig. Aber: Erholung ausschließlich mit Zeit in Relation zu setzen, wäre zu kurz gegriffen. Es gibt Sportler, die sich auch in mehreren Tagen nicht gut erholen, und andere, denen drei Stunden Fahrt von einem Wettkampfort zum nächsten ausreichen, um sich zu resetten. Teil der sportpsychologischen Arbeit kann also auch genau das sein: Zu schauen, wie sich knappe Zeitlücken optimal nutzen lassen, um nicht nur die körperlichen, sondern eben auch die mentalen Akkus wieder aufzuladen. 

Dabei geht es um folgende Fragen:

  • Welche Aktivitäten (oder passive Beschäftigungen) gleichen die sportlichen Herausforderungen optimal aus? Wie wirkt mentale Regeneration möglichst effektiv?
  • Wie kann Zeitverzerrung als aktiv genutztes Phänomen der Erholung zugutekommen? Heißt: Objektiv kurze Zeit subjektiv viel länger empfinden, mit erhöhtem Erholungseffekt?
  • Wie können Sportler möglichst schnell und effektiv abschalten, um mit kurzen Übergangszeiten schnell in die Erholung zu wechseln?

Genau das gilt es dann zu erarbeiten. Denn so schön es wäre: Hochleistungssport ist kein “normaler” Job, und wer nach 40 Stunden auf Feierabend besteht, wird im internationalen Vergleich abgehängt. 

Auch aus psychophysiologischer Perspektive ist Erholung essenziell. Der Hochleistungssport aktiviert dauerhaft Stressachsen im Körper – etwa durch erhöhte Cortisolwerte, Schlafstörungen und vegetative Dysbalancen. Mentale Regeneration setzt dann ein, wenn Sportlerinnen und Sportler in der Lage sind, Abstand zum Trainings- und Wettkampfbetrieb zu gewinnen, sei es durch sportfreie Zeit am Ende der Saison, gezielte Pausen nach Belastungsspitzen oder auch durch mikrozyklische Ruhephasen im Alltag. 

Wichtige Faktoren dabei sind die Qualität der Erholung – also nicht nur „Nichtstun“, sondern aktive Regeneration durch Natur, soziale Nähe, ausreichenden Schlaf und gezielte Entspannungstechniken – sowie die bewusste mentale Abgrenzung vom Leistungsgeschehen. Bleibt diese Regeneration jedoch dauerhaft aus, drohen gravierende Konsequenzen: körperlich etwa durch chronische Verletzungen oder Übertraining, psychisch durch Burnout, emotionale Instabilität und zunehmende Entfremdung vom eigenen Tun. Die Kombination aus körperlicher Erschöpfung und psychischer Überforderung kann letztlich auch zu einem vollständigen Verlust des inneren Antriebs und zu Identitätskrisen führen – insbesondere dann, wenn der Sport die einzige Säule der Selbstdefinition darstellt.

Um dem entgegenzuwirken, sind strukturelle Veränderungen erforderlich. So hat Prof. Dr. René Paasch angeregt, verbindliche Urlaubstage für Profi-Sportlerinnen und Sportler während der Saison einzuführen – ein Schritt in Richtung nachhaltiger Gesundheitsfürsorge. Darüber hinaus sollten flexiblere Turnierkalender, verpflichtende psychologische Betreuung und Räume für mentale Hygiene etabliert werden. Ebenso wichtig ist es, Sportlervertretungen stärker in Entscheidungsprozesse einzubinden, um eine Balance zwischen sportlicher Leistung und menschlichem Wohlbefinden zu gewährleisten. Mentale Erholung ist kein Luxus, sondern eine physiologische, psychologische und ethische Notwendigkeit. Sie schützt vor Überlastung, stärkt die Persönlichkeitsentwicklung und ermöglicht eine gesunde, langfristige Karriere im Leistungssport.

Das klappt mit Sicherheit im Amateurbereich, wenn es verbindliche Absprachen durch eine ganze Liga gibt. Im  Profibereich halte ich das spätestens im internationalen Vergleich für unrealistisch. Bis weltweite Absprachen getroffen sind (und erst recht, bis solche dann auch eingehalten werden!), würden Jahre oder Jahrzehnte vergehen. Solange das also noch nicht der Fall ist, braucht es auch in der Erholung Optimierungsstrategien.

Robin Conen, Die Sportpsychologen
Robin Conen, Die Sportpsychologen

Antwort von: Robin Conen (zum Profil)

Sportpsychologen spielen eine wichtige Rolle bei der Unterstützung von Profi-Sportlern während Hochbelastungsphasen, indem sie Strategien zur mentalen Erholung und Regeneration entwickeln. Die mentale Erholung umfasst verschiedene Aspekte wie Urlaub, Regenerationsphasen, Familienzeit und sportfreie Zeiten, die wesentlich zur Erhaltung der psychischen Gesundheit der Athleten beitragen. Eine Erholungsphase ist entscheidend, um mentale Erschöpfung zu verringern, die Trainings- und Wettkampfleistungen negativ beeinflussen kann. Die Einführung von Urlaubstagen während der Saison, wie von Prof. Dr. René Paasch vorgeschlagen, könnte eine praktikable Lösung sein, um den Stresslevel von Athleten zu senken und Burnout vorzubeugen. Wenn allerdings eine angemessene Erholung fehlt, können sich psychische Probleme wie Angstzustände und Depressionen verschlimmern, was langfristig die Leistung beeinträchtigt und potenziell zu Verletzungsrisiken durch Überbeanspruchung führen kann. Sportpsychologen entwickeln Programme und Interventionen, die mentale und körperliche Erholung miteinander verbinden, um den Sportlern zu helfen, effektiv zu regenerieren. Diese Programme können Interventionen wie Zielsetzung, Achtsamkeit und kognitive Umstrukturierung umfassen, um die mentale Belastbarkeit zu stärken. Auch das Verständnis der psychologischen Aspekte von Verletzungen und Schmerzen (z.B. Rückenschmerzen) sowie die psychosozialen Risikofaktoren (u.a.enorme Stressbelastung, Ignorierung des Schmerzes um Leistung zu erbringen) im Sportumfeld entscheidend sein. Neben sportpsychologischen Interventionsansätzen sollte auch ein multidisziplinärer Ansatz in Betracht gezogen werden, der sowohl sportpsychologische als auch medizinische und ernährungswissenschaftliche Strategien integriert, um die langfristige mentale und körperliche Gesundheit von Athleten zu sichern. Während ihrer Karriere profitieren Sportler von einer Unterstützung, die nicht nur auf ihre körperliche, sondern auch auf ihre mentale Erholung und Gesundheit etwa durch gezielten Einsatz der Sportpsychologie, ausgerichtet ist und der Sportpsychologie der erste Ansprechpartner sein kann.

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Titelfoto: AI generiert mit Hilfe von Magic Studio bei Canva

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Björn Korfmacher: Pausieren oder powern?

Wir alle wissen um die Wichtigkeit der Regeneration. Der Körper braucht Erholungsphasen, um im Gleichgewicht zu bleiben – das Verhältnis von Anspannung und Entspannung muss stimmen. Wo zu viel, zu hart, zu oft trainiert wird, steigen Verletzungs- und Infektanfälligkeit an (das Immunsystem ist geschwächt) – und auf der anderen Seite fällt die Leistungsfähigkeit ab – der Körper ist ausgepowert. Aber was ist eigentlich mit Sport-Mentaltraining? Sind auch hier Pausen sinnvoll?  

Zum Thema: Sportpsychologische Betreuung auf Eis legen

Viele meiner Klienten sind Eishockeyspieler. Die Hauptsaison, einschließlich Playoffs, ist von Anfang September bis Ende April – heißt: rund vier Monate kein Eishockey. Zumindest kein richtiges. Eishockey spezifisches Athletiktraining zur Saisonvorbereitung findet natürlich statt (wie hieß noch gleich der Spruch? Eishockeyspieler werden im Sommer gemacht!). Aber was ist jetzt mit dem Mentaltraining – gehört das in der Saisonpause auch dazu? 

Ich finde, das lässt sich pauschal schwer beantworten. Grundsätzlich beobachte ich aber Folgendes: Zwischen den Saisons kommen meine Klienten seltener – vielleicht alle fünf, sechs Wochen mal. Diese Sitzungen ähneln dann häufig lockeren Plauderstündchen, sie sind sportpsychologisch allgemeiner und die Anliegen erscheinen mir nicht so spezifisch. Denn konkrete Themen kommen meiner Erfahrung nach vorwiegend während der Saison auf den Tisch: Nervosität vor oder während des Spiels; Fehlermanagement; Konkurrenzkampf; Leistungsdruck – diese Themen haben nach Saisonende oft Pause. Und das ist auch gut so. Denn was wie oben beschrieben für den Körper gilt, gilt auch für den Kopf. 

Kopfarbeit: Präventiv oder akut? 

Ein valider Ansatz ist aber zweifelsohne auch, die Spieler schon während der Saisonpause auf das vorzubereiten, was nächste Saison mental auf sie zukommt, damit sie mit der nötigen Wettkampfstabilität und klaren Zielen in die neue Spielzeit starten können. Was ist jetzt richtig – Sport-Mentaltraining als Saisonvorbereitung oder warten, bis es akut wird? 

In meiner Praxis in Düsseldorf handhabe ich das so: Neukunden, also Athleten, die sportpsychologisch noch unberührt sind, sind mit saisonvorbereitenden Maßnahmen sicherlich gut beraten. Sportler hingegen, mit denen ich schon länger regelmäßig zusammenarbeite, sollen sich ruhig mal eine Pause gönnen. Nicht zuletzt auch, um dem Gehirn die Möglichkeit zu geben, das Gelernte zu konsolidieren. Denn der Mensch verarbeitet und festigt neues Wissen, Eindrücke und Erfahrungen nämlich am besten im Schlaf – und in Pausen.  

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