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Stefanie Gramlich: Wenn Bewegungseinschränkungen beim Pferd das Ergebnis beeinflussen

Im Pferdesport kommt es wesentlich auf ein Miteinander zwischen Mensch und Tier an. Worin liegt aber der Schlüssel für gegenseitiges Vertrauen, gutes Teamwork, eine zielführende Körpersprache und einen würdevollen Umgang mit dem Lebewesen Pferd? Aus meiner Sicht geht es um eine fest umrissene geistige Einstellung und innere Haltung des Reiters gegenüber seinem Pferd, gepaart mit dem nötigen Einfühlungsvermögen für den Pferdekörper.  

Zum Thema: Vertrauen und gute Kommunikation zum Pferd

In der Fachliteratur wird betont, wie wichtig ein Einfühlungsvermögen für das Tier im Pferdesport ist: 

  • „Das geistige Gleichgewicht und die richtige Einstellung zum Pferde ist vor allem bei der Dressurausbildung notwendig. Kommt dem Reiter als Ergänzung des Verständnisses noch die Gabe des richtigen Diagnostizierens und Einfühlens in den Pferdekörper zu Gute, eine Gabe, die angeboren sein muss und durch Lernen und Erfahrung allein nicht erworben werden kann, wird er auch die schwierigste Aufgabe, die es im Sattel zu lösen gibt, die Dressur diffiziler oder vom Menschen verdorbener Pferde, meistern können.“ (Seunig, 1943; in Documenta Hippologica: von der Koppel bis zur Kapriole; Enzyklopädie des Reitens; 4. Nachdruckauflage, 2013).
  • „Um sich reiterlich im geistigen Gleichgewicht zu befinden, muss man auf Grund seines durch Erfahrung erzogenes, erarbeitetes und durch Studium der anatomischen Mechanik , sich seiner selbst bewussten gewordenes Gefühls, ein sicheres Verständnis dafür besitzen, was, wie viel und wie etwas in einem gegebenen Zeitabschnittes des Trainings vom Pferd verlangt werden kann und darf. Ferner muss der Reiter ein sicheres Verständnis dafür besitzen, wo die von der Natur einem Pferde gesteckten körperlichen Grenzen liegen, da es sich auch unter dem besten Reiter nur zu dem ihm möglichen Grade der natürlichen Veranlagungen entfalten und zur Vollendung gelangen kann.“ (Seunig, 1943)

Anforderungen an den Reiter

Neben einer guten Aufmerksamkeit, Achtsamkeit und Konzentration des Reiters gehören beim Reiten zu den Basiselementen die physische und psychische Losgelassenheit von Reiter und Pferd, um ein starkes Fundament gegenseitigen Vertrauens und eines erstklassigen Teamworks zueinander aufzubauen. Der Reiter trägt eine enorme Verantwortung für den Pferdekörper, die Pferdepsyche sowie gegenüber seiner eigenen mentalen Stärke, Gesundheit und körperlichen Fähigkeiten. 

Der Reiter muss sowohl seinen eigenen Körper, dessen Beweglichkeit, Kraft, Ausdauer, technische Geschicklichkeit und ein schnelles Reaktionsvermögen beherrschen als auch sein emotionales und psychisches Gleichgewicht kontrollieren können (Stichwort hier sind das sportpsychologische Training der Emotions- und Gedankenkontrolle).

Wahrnehmung als Schlüssel

Der Reiter ist aus der Würde gegenüber seinem Pferd dazu verpflichtet, seine Wahrnehmung darin zu schulen und zu verfeinern, was sein Pferd braucht, um dessen Bedürfnisse als Pferd, dessen Charakter, Individualität, Wohlbefinden und als Sportpartner zu erfüllen. Es gilt hierbei das Einfühlungsvermögen des Reiters in den Pferdekörper, der sensiblen Pferdepsyche, dem individuellen Bewegungsspektrum des Pferdes, dessen natürlichen Veranlagungen und Leistungspotentials zu trainieren und zu erkennen.

Ein professioneller Reiter muss stets abwägen und täglich neu entscheiden, wie viel und was er im täglichen Training, in den unterschiedlichen Jahreszeiten (Fellwechsel und körperliche Umstellung des Pferdes auf die Wintermonate) und zur Wettkampfvorbereitung er von seinem Pferd verlangen und fordern darf. Wie bei Leistungssportlern auch sollte das Training fürs Pferd stets abwechslungsreich und von Freude sowie eigene Motivation/Bewegungsfreude des Pferdes erfüllt sein (Hallentraining Dressur, Reitplatz Dressur, Geländetraining, lockeres Stangen- oder Springtraining, Bodenarbeit, tensegrales Training sind hierbei abwechslungsreiche Methoden), um sowohl die körperlichen Fähigkeiten des Pferdes als auch dessen psychische Stärke zu trainieren (Resilienz, Unerschrockenheit, innere Gelassenheit, körperliches „ausgelastet sein“ des Pferdes, Zufriedenheit, soziale Eingebundenheit in die Pferdeherde). Die Schnelligkeit des Leistungszuwachses bestimmt dabei das Alter des Pferdes und dessen körperlicher sowie psychischer Gesundheitszustand.

Konkretes Fallbeispiel:

13-jähriger Hannoveraner Wallach, mehrfach S-Dressur gewonnen und platziert, springt von einem auf den anderen Tag die Serienwechsel (fliegende Galoppwechsel) nicht mehr sauber aus der Hinterhand durch. Im Verhalten zeigt er sich zunehmend unruhig, wirkt hektisch, unzufrieden, starke Verspannung an der Muskulatur im Rückenbereich erkennbar, leichtes Schmerzempfinden beim Abtasten des Pferdeosteopathen in der Reaktion des Pferdes.

Ich empfehle, folgende Fragen zu formulieren:

  • Hat mein Pferd ein körperliches, physiologisches Problem? Kann er gerade auf Grund eines körperlichen Schmerzes meiner Hilfengebung nicht folgen?
  • Will mein Pferd meiner Anordnung nicht folgen, weil es meine Führungsqualitäten in Frage stellt (Rangordnung, Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen, Austesten der Grenzen des Reiters, emotionale Stabilität)? 
  • Versteht mein Pferd meine Hilfengebung gerade nicht? Weiß mein Pferd nicht, was ich gerade von ihm in der Lektion und Ausführung will? 
  • Habe ich meine Hilfengebung korrekt und präzise gegeben (Schenkel-, Gewichts- und Zügelhilfen korrekt eingesetzt)?
  • Bin ich mental mit meinem Pferd verbunden oder ist dessen Aufmerksamkeit auf die äußere Umgebung gerichtet (z.B. andere Pferde auf der Koppel, Menschen auf der Tribüne, Hunde im Trainingsbereich)?

Bezogen auf das vorherige Beispiel war das Ergebnis, dass ein körperliches/ physiologisches Problem des Pferdes zu Grunde lag, welches jedoch durch den Pferdeosteopathen gut und schnell innerhalb weniger Monate behandelt werden konnte.

Das Ergebnis und Diagnose des Pferdeosteopathen lautete: Blockade im Iliosakralgelenk (dem Kreuzdarmbeingelenk) des Wallachs führt zu Schmerzen in diesem Bereich und hindert den Wallach daran die Galoppwechsel sauber aus der Hinterhand durchzuspringen.

Fazit

Das Kreuzbein, auch das „heilige Bein“ genannt, steht sinnbildlich für „das nach Vorne gehen“. Die Traglast findet hier ihren Ursprung („die Last wird getragen“). Das Kreuzbein steht auch für das Urvertrauen zum Leben. Wer dazu mehr wissen will, kann gern Kontakt zu mir aufnehmen.

Das Beispiel soll aufzeigen, wie wichtig es im Reitsport ist, sensibel auch das körperliche Wohlbefinden des Pferdes einzugehen. Gern helfe ich interessierten Reitsportlern und Reitsportlerinnen auf diesem Weg. Ich freue mich auf die Kontaktaufnahme (zum Profil von Stefanie Gramlich) und verweise auch gern auf meine Kollege und Kolleginnen im Netzwerk, die auch im Themenbereich Reitsport arbeiten (zur Übersicht).

Mehr zum Thema:

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Anmeldung: Muscle & Mind – Sicher begleitet zum Comeback (21. Februar 2026 in Köln)

Ort und Zeit:

  • PhysioSport PACE, Schanzenstraße 33, 51063 Köln (Link)
  • Samstag, 21. Februar 2026, 9 bis 18 Uhr

Kosten:

  • 149 EUR

Anmeldung:

Sie sind Arzt*in, Teammanager*in, Physiotherapeut*in, Trainer*in, Funktionär*in, Sportpsychologe*in, Spielerberater*in, Stakeholder, Vertreter*in Berufsgenossenschaft oder natürlich Sportler*in, dann sichern Sie sich hier die Teilnahme:

Mit dem Absenden dieses Formulars erklären Sie sich damit einverstanden, E-Mail-Nachrichten von uns zu erhalten und verstehen, dass Ihre Kontaktinformationen bei uns gespeichert werden. Zudem gelten folgende AGB-Regelungen mit dem Kauf des Tickets als akzeptiert: 1. Das erworbene Ticket ist nicht auf andere Person übertragbar 2. Ein erworbenes Ticket kann bis zum 18. Februar 2026 storniert werden. 50% des gezahlten Preises werden durch den Veranstalter erstattet. 3. Eine Stornierung nach dem 18. Februar 2026 ist ausgeschlossen. 4. Das Ticketkontingent für die Veranstaltung ist begrenzt. Es besteht kein Anspruch auf den Kauf von Tickets, sobald das Kontingent ausgeschöpft ist. 5. Veranstalter und Ausrichter behalten sich vor, dass Event bei zu geringen Ticketverkäufen abzusagen. Bereits gezahlte Ticketkosten werden zu 100% erstattet.

Mehr Infos:

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Ideales Weihnachtsgeschenk: Muscle & Mind

Na, noch auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk? Etwas Besonderem? Etwas Einzigartigem? Dann hätten wir da was: Ein Ticket für unser Event Muscle & Mind am 21. Februar 2026 in der Pace Köln. Das Beste: Bis zum 31.12.2025 gibt es das Ticket noch zum Frühbucherpreis.

Zum Thema: Muscle & Mind – Sicher begleitet zum Comeback, Sa. 21. Februar 2026 in der PhysioSport PACE Köln

Unsere Veranstaltung richtet sich sowohl an SportlerInnen, TrainerInnen, PhysiotherapeutInnen, SportmedizinerInnen als auch an SportpsychologInnen. Aber genauso an TeammanagerInnen und Funktionäre, SteakholderInnen von Berufsgenossenschaften, SpielerberaterInnen oder JournalistInnen. Eben an alle jene, die mit dem Thema Verletzungen im Sport Berührungspunkte haben.

Wichtig: Bis zum Mittwoch, 31. Dezember, ist das Ticket zum Frühbucherpreis von 129 EUR statt 149 EUR zu haben. Damit wird das Ticket zu einem perfekten Präsent für das Weihnachtsfest.

Alle Informationen zum Event und zur Anmeldung gibt es hier:

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Renate Wigger: Sport oder Job – Wenn zwei Herzen in deiner Brust schlagen…

Mit Leidenschaft Profi-Sportler sein oder sich mit voller Hingabe in den Beruf stürzen? Renate Wigger berichtet über ihre Arbeit mit dem Schweizer Wintersportler Janik Riebli. Der Langläufer hat für sich einen Weg gefunden: Er nutzt regelmäßige Timeouts vom Sport, um bei seiner zweiten Leidenschaft Kraft zu tanken.

Zum Thema: Sportpsychologische Karrierebegleitung im Leistungssport

Seit mehreren Jahren arbeite ich mit dem Langläufer Janik Riebli im mentalen Bereich zusammen. Auf den ersten Blick entspricht Janik nicht dem typischen Bild eines Profisportlers. Auf seinem Instagram Profil finden sich etwa neben den erwarteten Bildern von Trainings- und Wettkampfsituationen auch viele Fotos, die nichts mit dem Alltag eines Sportlers zu tun haben.

Janik ist nicht nur ambitionierter Sportler, sondern auch leidenschaftlicher Bauer. Er hat eine Lehre als Landwirt abgeschlossen und hilft so oft wie möglich im elterlichen Betrieb in Giswil und auf der Alp mit. Dabei ist das für ihn nicht nur Arbeit, er blüht dabei sichtlich auf und findet grosse Genugtuung darin, etwa die 30 Kühe zu melken.

In unserer Arbeit haben wir dabei einige Fragen gesammelt: 

  • Ist es möglich, diesen beiden Leidenschaften gerecht zu werden? Wann kann es eine willkommene Ressource sein, auf dem Bauernhof zu arbeiten und wann eine Vergeudung von Energie sowie eine zu grosse Ablenkung? 
  • Wie kann er diese beiden Bereiche ohne innere Konflikte leben?
  • Für Janik hat sich auch die Frage aufgedrängt: Ist er denn wirklich ein Profisportler? (Er hatte selbst das Gefühl, nicht seinem Ideal eines Profisportlers zu entsprechen.)

Persönlichkeit im Fokus 

Das Persönlichkeitsmodell von Schulz von Thun beschreibt verschiedene innere Anteile oder „Stimmen“ einer Person als Mitglieder eines Teams, die bei Entscheidungen und im Innenleben miteinander diskutieren, streiten und zusammenarbeiten. Basierend auf diesem Modell hat Janik seine inneren Anteile benannt und wir versuchten gemeinsam herauszufinden, welche sich gut miteinander vertragen und welche in Konflikt geraten, wenn er als «Spitzensportler» oder «Bauer» unterwegs ist. Zum Beispiel erkannte er, dass der fleissige Bauer nicht nachvollziehen kann, dass der Sportler zur Regeneration nach intensiven Trainingseinheiten «nur faul» rumliegt. Diese unproduktive Phase ist für den fleissigen Bauern nicht akzeptabel, für den Sportler aber essentiell.

Daraus konnte Janik zwei unterschiedliche Mindsets entwickeln und nun bewusst wechseln. Als mögliches Visualisierungsmodell haben wir den Ego State Bus genutzt. Die Anteile, die sein Mindset in der entsprechenden Situation prägen, konnte er im Bus vorne hinsetzen. Damit hat etwa der «Entschlossene» in Wettkampfsituationen das Steuer in der Hand und wird vom Ehrgeizigen und dem Kämpfer auf den ersten Sitzen beraten. Anteile wie der Produktive oder der Sensible sitzen ganz hinten im Bus, weil diese keinen Einfluss erhalten sollen.

“Bus Mindset Sport”

Wenn Janik nun seinen «Bus Mindset Sport» mit der Positionierung seiner inneren Anteile anschaut, erkennt er auch den Profisportler. Vielleicht entspricht dies nicht zu 100% seinem Ideal, aber es ist SEIN Profil des Profis. Und damit kann er arbeiten.

TV-Beitrag:

In der wunderbaren Sendung Sportpanorama des SRF wurde ein sechsminütiger TV-Beitrag zu Janik Riebli gezeigt. Zu sehen ist der Film ab Timecode 3:30:

https://www.srf.ch/play/tv/sportpanorama/video/langlaeufer-janik-riebli-erwog-karriere-ende?urn=urn:srf:video:8a16dd3e-2565-4a0b-9ebc-f1daf8c8061f

Mehr zum Thema:

Literaturhinweis: 

Schulz von Thun F. & Stegmann, W. (2004). Das innere Team in Aktion. 9. Auflage. Hamburg: Rowohlt.

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Anke Precht: Wie finde ich einen neuen Verein oder ein neues Team? 

Wie geht es eigentlich, ein neues Team oder einen neuen Verein zu finden, wenn ein Wechsel ansteht? Entweder, weil man sich entwickelt möchte, oder weil es im alten Team keinen Platz mehr gibt?

Zum Thema: Sportpsychologische Tipps für Vereinswechsel

Die Gründe für einen Vereinswechsel können vielfältig sein. Abhängig von der Sportart, dem Alter und dem Leistungslevel. Die überwiegende Zahl der Sportler und Sportlerinnen hat kein professionelles Management, das sich darum kümmert, den perfekten Platz zu finden. Denn ein Management muss sich über einen Teil dessen finanzieren, was der Sportler verdient. Und das ist im Amateur-Bereich oder in Randsportarten einfach fast nichts. 

Dazu kommt, dass es in diesen Bereichen kein systematisches Scouting gibt. Es kann sein, ein Volleyball-Verein in Deutschland sucht eine Spielerin für die Diagonale. Ein paar Kilometer weiter in Frankreich, Belgien oder Österreich gibt es eine, und beide erfahren nie voneinander. Man weiß, was in der eigenen Liga passiert, schaut vielleicht Spiele der Liga direkt ober- oder unterhalb an, hört etwas von jemandem, aber das Finden oder Gefunden-Werden hat oft mehr mit dem Zufall zu tun als mit einer perfekten und geplanten Passung. 

Plädoyer für das Kümmern

Dass die meisten Sportler nicht das Optimum dessen finden, was für sie möglich wäre, wenn sie nicht aktiv suchen, ist eine Tatsache. Deshalb das Plädoyer an alle, die im Amateurbereich kicken, werfen oder laufen oder die in einer Sportart unterwegs sind, in der es zwar hoch professionell zugeht, aber keine professionellen Agenten dabei helfen können, den perfekten neuen Job zu finden: Kümmert euch selbst. Kümmert euch frühzeitig. Kümmert euch systematisch. Kümmert euch mit Nachdruck. Und seid euch nicht zu schade dafür, bei einem Verein oder einen Team anzuklopfen und euch vorzustellen. Es ist Teil eines professionellen Mindset: Ein Sprinter wartet nicht auf die Erlaubnis, um als Erster durch’s Ziel zu kommen. Er tut täglich alles dafür, dass das möglich ist, im Training, mit seiner Ernährung, ordnet viel dem Sport unter. Die Suche nach dem passenden professionellen Support durch Team, Verein und Sponsoren ist Teil davon. Nur wenn diese Unterstützung da ist, kann sich der Sprinter auf seine eigentlichen sportlichen Aufgaben konzentrieren. Darum muss er sich diesen Support genauso entschlossen suchen, wie er jeden Tag sein Training angeht. 

Wie geht das nun mit der Suche?

1. Recherche: Wer könnte zu mir passen? Wer spielt da auf meiner Position? Wie ist der Verein da ausgestattet? Kann ich etwas in Erfahrung bringen darüber, wie da die Vertragslage ist? Wird vielleicht jemand diesen Verein verlassen? Wenn nicht, und es wäre der perfekte Verein, trotzdem nachfragen. Denn es passiert immer wieder, dass jemand seinen Vertrag frühzeitig auflöst oder aufgrund gesundheitlicher oder anderer Themen (zum Beispiel einer Schwangerschaft) frühzeitig zurücktritt. Zur Recherche gehört auch, in Erfahrung zu bringen, wie es praktisch im neuen Verein zugeht: Wer kennt jemanden, der jemanden kennt, der da spielt und Auskunft geben kann? Und wer ist Ansprechpartner? Im Mannschaftssport ist das in der Regel die Sportliche Leitung. Gibt es dir nicht, der Vorstand, manchmal auch ein Trainer oder eine Trainerin. 

2. Kontaktaufnahme: Die darf telefonisch oder per Message passieren. Dort geht es erst einmal darum, grundsätzliches Interesse zu signalisieren. Eventuell gepaart mit der Bitte, die Anfrage vertraulich zu behandeln. Und mit der Bitte um einen Termin zum Telefonieren, ein Online-Treffen oder am besten für ein Live-Treffen, wenn der Verein oder das Team in der Nähe sind. Lässt sich der Gesprächspartner darauf ein, ist schon einmal grundsätzliches Interesse da.

3. Die eigene Perspektive schildern: Wie ist dein Leistungsstand? Was sind deine Ziele? Warum glaubst du, der Verein oder das Team könnten passend für dich sein? Und ganz wichtig: Aufzeigen, wie du dem Team weiterhelfen möchtest. Stell auch selbst Fragen: Was sind die Ziele des Teams? Des Trainers oder sportlichen Leiters? Ihr könnt abgleichen, ob die Ziele zusammenpassen. Und frag natürlich auch, ob es denn sein könnte, dass sie jemand Neuen holen möchten. Was du unbedingt vermeiden solltest: Über den bisherigen Verein oder das Team schimpfen, auch wenn nach den Gründen für den Wechsel gefragt wirst. Über den aktuellen Arbeitgeber lästern oder klagen macht immer einen schlechten Eindruck, egal wie berechtigt es sein mag. Es ist in Ordnung, wenn du im Gespräch sagst, dass sich Ziele unterschieden haben, dass du nicht die Spielzeiten bekommen hast, die du dir gewünscht hast, oder dass du nicht gut mit dem Material zurechtgekommen bist. Bleib aber immer respektvoll und behalte den Fokus auf der Zukunft und dem, was man gemeinsam auf die Beine stellen kann.

4. Sprich im ersten Termin noch nicht über Geld, selbst wenn du gefragt wirst. Erst braucht es eine Einigung hinsichtlich der Perspektiven. Dann kann man einen guten Kompromiss finden. Das kannst du auch so sagen.

5. Wenn es dann ernst wird, bitte den Verein oder das Team um ein Angebot. Dann siehst du, was abgesehen vom Gehalt, wenn es denn eins gibt in deinem Sport, noch angeboten wird. Was wird dir für Material gestellt? Fahrten und Übernachtungen? In welcher Qualität? Nahrungsergänzung, ein Fahrzeug? Wie sind die Möglichkeiten, selbst weitere Sponsoren zu gewinnen und ihnen Platz auf dem Trikot zu gewähren? All das ist ebenfalls Geld wert und sollte berücksichtigt werden. Und am allerwichtigsten: Wie sind die Entwicklungsmöglichkeiten für dich im neuen Verein oder Team? Kannst du da viel lernen, bringt es dich weiter? Das ist der wichtigste Faktor, wenn du langfristig denkst. 

6. Nun geht es an’s Verhandeln. Wenn du weißt, der Verein kann nicht mehr bezahlen, kannst du vielleicht ein Auto zur Nutzung heraushandeln, wenn der Verein da einen Sponsor hat, oder andere Zusatzleistungen. Auch die Hilfe bei der Suche nach einer Wohnung oder ein zur Verfügung gestelltes Zimmer kann etwas sein das anzubringen sich lohnen kann. 

7. Lass nicht zu schnell locker. Es ist normal, dass eine professionelle Verhandlung durch mehrere Phasen geht. Der Vertreter des Vereins oder Teams hat die Aufgabe, möglichst gute Athleten für möglichst wenig Kosten zu gewinnen. Das ist nichts Persönliches, er macht seinen Job. Du möchtest einen möglichst guten Verein und möglichst viel für deine sportlichen Anstrengungen bekommen. Die Interessen sind also in manchen Bereichen entgegengesetzt. Darum lohnt es sich, immer wieder die Gemeinsamkeiten zu betonen („Ihr wollt aufsteigen, ich will es auch, und ich bin bereit, alles dafür zu geben!“) und dann die eigenen Vorstellungen zu verteidigen. Wichtig: Ein für den angestrebten Bereich hoher Gehaltswunsch muss begründet werden. Keine Begründung ist: „Ich bin es wert.“ Oder: „Letzte Saison hatte ich X, ich möchte mich schon ein bisschen verbessern.“ Gute Begründungen sind: „Ich habe mich die letzten zwei Jahre konstant verbessert und werde das weiterhin tun.“ Oder: „Ich habe in dieser Liga schon gespielt und kann deshalb eine Führungsrolle im Team übernehmen.“ Oder: „Ich habe einen persönlichen Athletik-Trainer / Sportpsychologen / Physio, außerdem lege ich viel Wert auf eine ausgewogene Ernährung, dafür brauche ich pro Jahr den Betrag X. Darüber hinaus muss ich von etwas leben. Darum brauche ich XX, damit ich weiterhin auf diesem hohen Niveau trainieren und abliefern kann.“ 

Sportpsychologen helfen bei kommunikativen Herausforderungen über diese Themen hinaus. Nehmt gern Kontakt auf, zu meinen Kollegen und Kolleginnen (zur Übersicht) in deiner Nähe oder zu mir (zum Profil von Anke Precht)

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Björn Korfmacher: Mentale Stärke – alles nur Softskills?

In Deutschland besteht noch immer eine gewisse Skepsis gegenüber der Sportpsychologie. Über die Gründe dafür wird bis heute gerne diskutiert. Da geht es um Trainer, die sich nicht ins Handwerk pfuschen lassen wollen; um Athleten, denen man keine psychischen Probleme unterstellen will; um die Zeit, die zwischen Athletik-, Taktik- und Technikeinheiten für Mentaltraining fehlt; oder um das rote Tuch der geistigen Umerziehung, die hierzulande historisch bedingt einen schweren Stand hat. Ein wichtiger Grund aber wird kaum genannt: Mentale Stärke ist für viele nicht klar definiert – und genauso unklar ist dann auch, was man mit Mentaltraining erreichen kann.   

Zum Thema: Mentale Stärke verstehen und trainieren

Was dabei rumkommt, wenn ein Fußballer an seiner Kondition arbeitet, ist klar: Ein Athlet, der 90 Minuten Vollgas geben kann. Ebenso gut kann man sich die Erfolge vorstellen, wenn ein Boxer an seiner Beweglichkeit arbeitet. Oder andersrum: Man stelle sich vor, ein Eishockey- oder Footballspieler würde kein Krafttraining machen und sich weigern, Muskeln aufzubauen. Den Zusammenhang zwischen Training und sportlichem Erfolg muss man hier nicht erklären. Wenn es aber um Mentaltraining geht, fehlt diese Klarheit oft. 

Tatsächlich fällt es vielen Sportlern schwer, das Spektrum der mentalen Stärke zu benennen und zu begreifen – häufig wird sie auf einen Aspekt reduziert: Kampfgeist. Das mag daran liegen, dass in den Medien die Mentalität fast ausschließlich in diesem Zusammenhang genannt wird. Wenn eine Mannschaft mental stärker war als die andere, dann hatte sie mehr Biss. Wenn ein Tennisspieler mental schwach war, dann heißt das, er hat zu früh aufgegeben. Mentale Stärke ist aber noch viel mehr – zum Beispiel Konzentrationsfähigkeit, Emotionskontrolle, Resilienz, Selbstvertrauen, Disziplin oder Entspannungsfähigkeit. Im Vergleich zu einer starken Rückhand, einem harten Schuss, einem schnellen Antritt oder einer phänomenalen Ballkontrolle sind das zweifellos Softskills. Aber:  Die können hart den Unterschied machen und später unter den ganzen Talenten die Spreu vom Weizen trennen.   

Mentale Stärke ist lernbar

Bei Softskills geht man oft davon aus, dass sie angeboren sind – so etwas eignet man sich nicht an. Man bekommt es in die Wiege gelegt oder auch nicht. Entweder, man ist der Coole oder der Nervöse. Extrovertiert oder schüchtern. Fokussiert oder zerstreut. Dynamisch oder lethargisch. Mutig oder feige. Typ Steh-auf oder Kopf-in-den-Sand. Der eine ist nah am Wasser gebaut, der andere zeigt keine Emotionen. Solche Dinge werden oft als angeborene, unabänderliche Charaktereigenschaften wahrgenommen. Doch Softskills wie die Eigenschaften der mentalen Stärke lassen sich sehr wohl trainieren. 

Mit gezielter Denk- und Bewusstseinsarbeit lassen sich neue neuronale Netzwerke bilden, die dann zu neuem Denken und neuem Verhalten führen. Dem zugrunde liegt die Neuroplastizität – die Formbarkeit des Gehirns. Und nichts anderes steuert unsere Emotionen und unsere Bewegungen als das Gehirn. Und was gilt es, im Wettkampf zu kontrollieren? Emotionen und Bewegungen! 

Fazit:

Mentale Stärke ist kein unsichtbares Beiwerk und auch keine zufällige Charaktergabe, sondern ein Trainingsfeld wie jedes andere. Was im Sport als „Softskill“ abgetan wird, ist in Wahrheit oft der Unterschied zwischen Talent und Erfolg. Mentale Stärke sind trainierbare Schlüsselfaktoren, die Siege ermöglichen, Karrieren verlängern und Persönlichkeiten formen. 

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Nathalie Klingebiel: Kreuzbandriss und Kopfzerbrechen – wie Verletzungen uns auch mental beeinflussen

Verletzungen im Sport gehören dazu und könnten unterschiedlicher nicht ausfallen. Das zeigt auch die aktuelle Verletztenliste in der 1. Bundesliga. Von kleineren Blessuren bis hin zu schwerwiegenden Verletzungen inklusive mehrfachen Operationen ist alles dabei. Alle Betroffenen verbindet der Wunsch, möglichst schnell wieder auf dem Platz zu stehen und ihrer Mannschaft zu helfen. Dass das nicht immer so einfach ist, auch davon können einige Spieler ein Lied singen. Benjamin Henrichs von RB Leipzig beispielsweise laboriert bereits seit elf Monaten an einem Achillessehnenriss. Daniel-Kofi Kyereh vom SC Freiburg fehlt seiner Mannschaft sogar schon seit zwei Jahren und neun Monaten aufgrund eines Kreuzbandrisses. Beide verfolgen einen auf sie individuell zugeschnittenen Reha-Plan und machen dabei auch Fortschritte. Trotzdem wurden sie immer wieder durch zahlreiche Rückschläge zurückgeworfen und mussten sich sogar jeweils einer zweiten Operation unterziehen. Ein Comeback in der Bundesliga? Für Henrichs und Kyereh eine Frage, die sie sich vermutlich tagtäglich stellen. Eine konkrete Antwort gibt es für sie darauf jedoch leider nicht. 

Zum Thema: Umgang mit Verletzungen

Henrichs und Kyereh. Natürlich sind das beides extreme Beispiele. Aber egal, ob man nun mehrere Monate bis Jahre oder „nur“ einige Tage bis Wochen ausfällt – Verletzungen gehen an keinem Sportler spurlos vorbei. 

  • „Was ist, wenn ich länger ausfalle als geplant?“ 
  • „Ich habe Angst, mich erneut zu verletzen“
  • „Was passiert, wenn ich nach der Verletzung nicht mehr so gut performen kann wie davor?“
  • „Ich habe mehr und mehr das Vertrauen in meinen Körper verloren“

All das sind typische Gedanken, die mit einer Verletzung einhergehen (können). Hier ist erst einmal wichtig zu erwähnen, dass das natürlich ganz normal ist. Problematisch wird es, wenn diese Gedanken immer mehr werden und sich zu einer Negativspirale entwickeln. Dann dreht sich das Leben auf einmal nur noch um die Verletzung, sowohl physisch als auch psychisch. Durch die zunehmende Beschäftigung mit der eigenen Situation kann irgendwann sogar der Alltag so stark beeinträchtigt werden, dass Betroffene sich selbst bei gewöhnlichen Tätigkeiten eingeschränkt sehen. Im schlimmsten Fall können Verletzungen sogar in Depressionen und Angststörungen münden. 

Achtsamkeit und Akzeptanz 

Was kann man nun also konkret dagegen tun? Was ist der beste Weg, eine Verletzung nicht zu groß werden zu lassen? Natürlich ist der Umgang mit Verletzungen genauso individuell wie Verletzungen selbst – nichtsdestotrotz gibt es einige Strategien und Ratschläge, die von jedem und jeder angewendet werden können. 

Am wichtigsten ist es, sich während der verletzungsbedingten Ausfallzeit in Achtsamkeit und Akzeptanz zu üben. Genauer gesagt heißt das, die Perspektive einzunehmen „Ich kann zwar nicht mehr ändern, dass ich mich verletzt habe. Ich kann aber beeinflussen, wie ich selbst damit umgehe“. Darüber hinaus können auch Achtsamkeitsübungen wie progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training dabei helfen, den eigenen Körper im Ganzen zu spüren und sich nicht nur auf die Verletzung zu fokussieren bzw. man kann dadurch die verletzte Stelle auch ganz bewusst als Teil des Körpers wahrnehmen und erkennen, dass dieser trotzdem noch wie vorher funktioniert.

Raum für positive Dinge

Wie bereits beschrieben, können Verletzungen alltagsbestimmend sein und somit auch das soziale Umfeld beeinflussen. Freunde und Familie fragen sich dann häufig, was sie tun können, um zu unterstützen. Hier heißt die Devise: Ablenkung! Gemeinsame Unternehmungen, die trotz der Verletzung möglich sind, helfen den Betroffenen auf andere Gedanken zu kommen und mal nicht ausschließlich die Verletzung im Kopf zu haben. Zudem kann es schon Wunder bewirken, einfach ein offenes Ohr zu bieten und die Verletzung ganz bewusst mal nicht zu thematisieren, sondern über ganz belanglose Dinge zu sprechen. So rückt die Verletzung in den Hintergrund und bietet Raum für alltägliche und positive Dinge. Dadurch merken die Betroffenen auch, dass ihre Verletzung nicht den ganzen Tag oder ihr ganzes Leben einnimmt. 

Ganz generell gesprochen können Sportler versuchen, insgesamt mental stabiler zu sein, um mit Rückschlägen (wie z.B. Verletzungen) besser umgehen zu können. In einem Wort zusammengefasst: „Resilienz“ ist das, worauf es ankommt. 

Genau deshalb ist es auch so wichtig, während der Reha nicht nur aus athletischer Sicht an einer Rückkehr zu feilen, sondern auch den mentalen Umgang mit der Verletzung zu begleiten – im besten Fall mit Hilfe sportpsychologischer Unterstützung. Meine KollegInnen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Nathalie Klingebiel) stehen gern parat.

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Christian Bader: Die Verliererkompetenz – Warum Veränderung immer Verlierer produziert

Ich bin für den Schweizer Unihockey Verband als Coach Developer tätig. In dieser Rolle begleite ich Trainerinnen und Trainer auf dem Weg zur Berufstrainerin bzw. zum Berufstrainer Leistungssport. Ein exemplarisches Beispiel, welches ich oft in Gesprächen höre, nachdem das Aufgebot für das Spiel kommuniziert wurde: «Ein Athlet redet nicht mehr mit mir. Dabei habe ich doch alles erklärt, ihn einbezogen, transparent kommuniziert.»

Zum Thema: Wie Trainer und Trainerinnen Entscheidungen besser ausführen können

Als Organisationsentwickler arbeite ich mit kleineren und grösseren Organisationen zusammen, die sich in einer Transformation befinden. Als Brückenbauer schaffe ich Verbindungen zwischen dem, was heute ist, und dem, was morgen sein könnte. Aus Beobachtungen und Gesprächen mit Menschen in Führungsrollen habe ich auch hier ein exemplarisches Beispiel: Kick-off-Meeting einer Reorganisation. Die neue Struktur wird vorgestellt. Alle nicken verstehend. Zwei Monate später läuft das Projekt zäh. Einzelne Führungskräfte sabotieren still. «Aber wir haben doch alle mitgenommen», wundert sich das Management.

Hier der blinde Fleck: Wir glauben, durch Partizipation Verlierer zu verhindern. Dabei produzieren wir nur Verlierer, die ihre Enttäuschung nicht zeigen dürfen.

Die unbequeme Wahrheit über Entscheidungen

Jede Entscheidung teilt:

  • Stammformation vs. Bank
  • Neue Rolle vs. alte Rolle
  • Projekt A bekommt Ressourcen vs. Projekt B nicht

Es gibt jene, die gestalten können und Verantwortung tragen. Und jene, die aushalten müssen und der Entscheidung ausgeliefert sind.

Die gefährliche Illusion: «Wenn ich alle einbeziehe, gibt es keine Verlierer mehr.» Das stimmt nicht. Es verschiebt nur das Problem. Aus «Ich bin gegen die Entscheidung» wird «Ich verstehe die Gründe, aber hadere trotzdem.» Der Schmerz bleibt. Nur darf dieser Schmerz jetzt nicht mehr gezeigt werden.

Was braucht es stattdessen?

Nicht bessere Begründungen. Sondern die Fähigkeit des Einzelnen, kompetent zu verlieren.

Das heisst nicht: Den Mund halten und schlucken. Es bedeutet aus meiner Sicht: Mit einer Entscheidung leben können, die gegen die eigene Überzeugung geht.

«I disagree, but I commit.»

Drei Ansätze für die Praxis

1. Für Trainerinnen und Trainer: Benennt die «Verlierer», bevor sie unsichtbar werden

Statt: «Ich habe mich für diese Aufstellung entschieden, weil…» (und dann 20 Minuten Begründung)

Sondern: «Diese Entscheidung bedeutet: Du, du und du seid heute draussen. Das tut weh. Ich sehe das. Und trotzdem bleibt die Entscheidung.»

Die Frage: Was kannst du trotzdem beitragen? (Nicht: Warum verstehst du nicht?)

2. Für Change Manager: Schafft Räume für den Frust

Statt: «Wir haben die neue Struktur erklärt. Alle haben zugestimmt. Thema erledigt.»

Sondern: «Diese Reorganisation bedeutet: Einige verlieren Einfluss, Sichtbarkeit, gewohnte Abläufe. Das ist Realität. Dadurch entsteht Unsicherheit, Angst und Frustration. Wir schaffen bewusst Raum, wo dieser Frust geäussert werden darf.»

Die Frage: Was brauchst du, um trotzdem weiterzumachen? (Nicht: Warum stellst du dich quer?)

3. Für beide: Trennt Sache und Person

Der Athlet auf der Bank ist nicht weniger wert als jener in der Stammformation.
Die Führungskraft in der neuen, kleineren Rolle ist nicht gescheitert.

Die Entscheidung ist nicht gegen dich. Sie ist für etwas anderes.

Diese Unterscheidung muss immer wieder aktiv gemacht werden. Denn unser Gehirn vermischt das gerne.

Die Paradoxie

Organisationen und Teams, die Verliererkompetenz fördern, haben weniger Widerstand. Warum? Weil sie das Verlierer-Sein nicht tabuisieren, sondern als normalen Bestandteil von Entscheidungsprozessen behandeln.

Nicht das Verlieren ist das Problem. Sondern die Unfähigkeit, damit umzugehen.

Die entscheidende Frage

Nicht: «Wie motiviere ich den enttäuschten Athleten / Mitarbeitenden?»

Sondern: «Wie befähige ich jeden, bewusst zu verlieren – damit das Ganze gewinnen kann?»

Denn am Ende gilt: Wer nicht fallen kann, wird nie fliegen lernen. Und wer nicht verlieren kann, wird nie Teil eines gewinnenden Systems sein.

Wie geht ihr mit den «Verlierern» eurer Entscheidungen um?

Mehr zum Thema:

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Prof. Dr. René Paasch: Ethikorientierte Führung im Sport – Wie man Exzellenz und Menschlichkeit vereint

Im modernen Sport stehen nicht nur sportliche Höchstleistungen und Siege im Fokus, sondern auch die Art und Weise, wie diese Erfolge erzielt werden. In einer zunehmend von Wettbewerb und Leistungsdruck geprägten Welt ist es von entscheidender Bedeutung, dass Führungspersonen im Sport nicht nur auf die Resultate achten, sondern auch ethische Prinzipien und Menschlichkeit in den Vordergrund stellen. Eine ethikorientierte Führung, die Exzellenz mit Menschlichkeit verbindet, kann nicht nur zu besseren Leistungen, sondern auch zu einer nachhaltigeren und respektvolleren Sportkultur führen. Wie können Trainer*innen, Manager*innen und Sportler*innen diese Werte in ihre tägliche Arbeit integrieren und damit den Sport positiv prägen? Diese Fragen wollen wir im Folgenden erörtern und anhand praktischer Beispiele veranschaulichen.

Zum Thema: Prinzipien, Praxis und Reflexion ethischer Führung im Sport

Um im Sport Exzellenz zu erreichen, ohne dabei die Menschlichkeit aus den Augen zu verlieren, müssen verschiedene Aspekte miteinander in Einklang gebracht werden. Dabei geht es um drei zentrale Säulen: Werte (Philosophie), Innovation und Erfolg (Ökonomie) sowie die Umsetzung dieser Werte (Psychologie). Die Philosophie liefert die ethischen Grundprinzipien, die den Rahmen für jegliches Handeln im Sport setzen. Diese Werte dienen als Kompass für Führungskräfte, Trainer*innen und Athleten*innen, um moralisch vertretbare Entscheidungen zu treffen. Prof. Dr. Dieter Frey betont in seinem Werk zur ethischen Führung, dass ethische Prinzipien nicht nur als theoretische Konzepte verstanden, sondern aktiv in die Praxis integriert werden müssen, um wirksam zu sein (Frey, 2018). Die Ökonomie hingegen stellt sicher, dass die angestrebten Erfolge und Innovationen nicht nur nachhaltig, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll umgesetzt werden. Schließlich verbindet die Psychologie diese beiden Bereiche, indem sie die Umsetzung der Werte in den Alltag ermöglicht und gleichzeitig den Menschen, sei es der Sportler bzw. die Sportlerin oder das Team, ins Zentrum rückt.

Dieses Zusammenspiel von Philosophie, Ökonomie und Psychologie bildet das Fundament für eine ethikorientierte Führung im Sport, die Exzellenz nicht nur in Ergebnissen, sondern auch im Umgang miteinander definiert. Indem diese Elemente harmonisch integriert werden, können Führungskräfte eine Kultur schaffen, die nicht nur Spitzenleistungen fördert, sondern auch das Wohlbefinden und die Entwicklung aller Beteiligten in den Vordergrund stellt.

Die Bedeutung einer ethikorientierten Führung im Sport

Eine ethikorientierte Führung hebt die Bedeutung einer Führungsphilosophie hervor, die Exzellenz mit Menschlichkeit verbindet. Im Zentrum dieser Philosophie steht die Überzeugung, dass sportlicher Erfolg nicht nur durch harte Arbeit und Disziplin erreicht wird, sondern auch durch die Förderung einer Kultur der Wertschätzung, Verantwortung und ethischen Integrität (Frey & Hüffmeier, 2020).

Führungskultur und Verantwortung

Eine zentrale Rolle in der ethikorientierten Führung spielt die „4V“-Strategie: Vorbild, Verantwortung, Verpflichtung und Vertrauen. Führungspersonen im Sport, wie Trainer*innen und Manager*innen, sollten durch ihr Verhalten ein Vorbild für Athleten und das gesamte Team sein. Sie tragen die Verantwortung nicht nur für den sportlichen Erfolg, sondern auch für das Wohlbefinden der Sportler und die Einhaltung ethischer Standards. Hans Jonas’ Konzept der Verantwortung unterstreicht, dass Führungskräfte die langfristigen Auswirkungen ihrer Entscheidungen auf alle Beteiligten berücksichtigen müssen (Jonas, 1979). Im Sport heißt das, sowohl den kurzfristigen Erfolg als auch die langfristige Entwicklung von Athleten*innen und Teams in Einklang zu bringen.

Rahmenbedingungen für Exzellenz und Menschenwürde

Exzellenz im Sport kann nur nachhaltig erreicht werden, wenn sie auf einer soliden Basis von Menschenwürde und Wertschätzung aufbaut. Karl Poppers Prinzip des kritischen Rationalismus erinnert uns daran, dass sportlicher Erfolg durch ständige Reflexion und Verbesserung erreicht wird. Dies erfordert ein Umfeld, in dem Fehler als Lernmöglichkeiten gesehen werden und die Kultur von Exzellenz durch konstruktive Kritik und kontinuierliche Verbesserung geprägt ist (Popper, 1973). Gleichzeitig betonen die Rahmenbedingungen für Menschenwürde die Notwendigkeit von Vertrauen, Fairness und Wertschätzung. Diese Elemente sind essentiell, um eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich Sportler*innen sicher und respektiert fühlen, was wiederum ihre Leistungsfähigkeit fördert.

Umsetzung durch Klarheit, Feedback und Bewältigungsstrategien

Die praktische Umsetzung einer ethikorientierten Führung erfordert klare Zielsetzungen und die Unterstützung durch Multiplikatoren, um das gesamte Team auf Erfolgskurs zu bringen. Offene Feedback- und Reflexionskulturen fördern nicht nur den Austausch von Ideen und die Verbesserung der Leistung, sondern stärken auch den Zusammenhalt und das Vertrauen im Team. Eine ethikorientierte Führung erfordert zudem effektive Bewältigungsstrategien im Umgang mit Herausforderungen. Statt sich durch Rückschläge entmutigen zu lassen, sollten Optimismus und Eigeninitiative gefördert werden, um eine Kultur des Wachstums und der Resilienz zu etablieren (Frey, 2018).

Die Rolle der Reflexion in der ethikorientierten Führung

Ein wesentlicher Bestandteil einer ethikorientierten Führung im Sport ist die kontinuierliche Reflexion, die zur Weisheit, Reife und Persönlichkeitsentwicklung der Führungskräfte und Athleten*innen beiträgt. Dabei sollten drei zentrale Ebenen der Reflexion in den Führungsprozessen integriert werden: Selbstreflexion, Teamreflexion und Reflexion durch Externe.

Selbstreflexion

Die Selbstreflexion ist der erste und wichtigste Schritt in diesem Prozess. Führungskräfte und Sportler*innen sollten regelmäßig hinterfragen, ob sie die richtigen Dinge tun und ob sie diese Dinge auf die richtige Weise tun. Die Reflexion über das, was gut lief und was nicht, ermöglicht es, persönliche Stärken und Schwächen zu erkennen und gezielt daran zu arbeiten. Paul Baltes, ein angesehener Psychologe, betont, dass diese Reflexion nicht nur auf die eigenen Erfolge, sondern auch auf die Fehler und Herausforderungen gerichtet sein sollte, um daraus zu lernen und sich kontinuierlich zu verbessern (Baltes, 1997).

Teamreflexion

Die Teamreflexion erweitert den Fokus von der individuellen auf die kollektive Ebene. Hierbei geht es darum, dass das Team gemeinsam analysiert, ob die gesetzten Ziele auf die richtige Weise verfolgt werden. Diese kollektive Reflexion fördert nicht nur den Teamgeist, sondern auch die gemeinsame Verantwortung für den Erfolg und das Wohlbefinden aller Mitglieder*innen. Michael West von der Universität Birmingham betont, wie wichtig es ist, dass Teams gemeinsam reflektieren, um eine Kultur der Offenheit und des Lernens zu schaffen, die für nachhaltigen Erfolg unerlässlich ist (West, 2012).

Reflexion durch Externe

Der dritte Schritt umfasst die Reflexion durch externe Perspektiven. Externe Coaches, Berater*innen oder Mentoren*innen können wertvolle Einsichten und Feedback bieten, die oft über die interne Sichtweise hinausgehen. Diese externe Reflexion ermöglicht es, blinde Flecken zu identifizieren und neue Ansätze zu entwickeln, die möglicherweise nicht in den eigenen Überlegungen berücksichtigt wurden (Frey & Hüffmeier, 2020).

Das Prinzipienmodell der Führung und Motivation

Ein zentraler Aspekt der ethikorientierten Führung im Sport ist das Prinzipienmodell der Führung und Motivation. Dieses Modell zielt darauf ab, mündige und intrinsisch motivierte Mitarbeiter*innen und Athleten*innen zu fördern, indem bestimmte Rahmenbedingungen geschaffen werden, die sowohl die persönliche als auch die berufliche Entwicklung unterstützen.

1. Sinn- und Visionsvermittlung: Eine klare und inspirierende Vision vermittelt den Sinn und Zweck der gemeinsamen Anstrengungen.

2. Passung und Eignung: Die Freude und das Interesse an der Aufgabe sowie die Passung innerhalb des Teams sind entscheidend für die Motivation.

3. Transparenz: Transparenz in der Kommunikation und bei der Informationsverteilung stärkt das Vertrauen innerhalb des Teams.

4. Autonomie und Partizipation: Das Prinzip der Autonomie und Partizipation fördert Selbstständigkeit und Verantwortungsbewusstsein (Frey, 2018).

5. Zielvereinbarung und Klarheit: Klare Ziele und Prioritäten helfen, den Fokus zu behalten und effizient auf den Erfolg hinzuarbeiten.

6. Konstruktives Feedback: Konstruktives Feedback fördert das Wachstum und die Entwicklung.

7. Wertschätzung und Fairness: Wertschätzung und Fairness schaffen ein respektvolles und anerkennendes Umfeld.

8. Soziale Einbindung: Soziale Einbindung stärkt den Zusammenhalt im Team.

9. Sicherheitsvermittlung: Ein Gefühl von Sicherheit ist entscheidend für das volle Potenzial der Athleten und Mitarbeiter.

10. Persönliches Wachstum und Vorbildfunktion: Führungskräfte sollten selbst ein Beispiel für kontinuierliches Lernen und Ethik geben.

Die Rolle der Fairness in der ethikorientierten Führung

Fairness ist ein grundlegendes Prinzip der ethikorientierten Führung im Sport. Sie erhöht die Identifikation und das Vertrauen innerhalb des Teams und fördert die intrinsische Motivation, das Engagement und die Bereitschaft zur Innovation (Frey & Hüffmeier, 2020).

1. Ergebnisfairness: Bezieht sich auf die gerechte Verteilung von Belohnungen, Ressourcen und Anerkennung.

2. Prozedurale Fairness: Bezieht sich auf die transparenten und nachvollziehbaren Entscheidungsprozesse.

3. Informationale Fairness: Bedeutet, dass Informationen rechtzeitig, ehrlich und vollständig weitergegeben werden.

4. Interaktionale Fairness: Bezieht sich auf den respektvollen und wertschätzenden Umgang innerhalb des Teams.

Fazit und Take-Home-Message

Eine ethikorientierte Führung im Sport, die Exzellenz und Menschlichkeit vereint, schafft ein nachhaltiges und respektvolles Umfeld, in dem Athleten bzw. Athletinnen und Teams nicht nur ihre sportlichen Ziele erreichen, sondern auch persönlich wachsen können. Durch die Integration von Philosophie, Ökonomie und Psychologie sowie die Anwendung von Prinzipien wie Fairness, Transparenz und Reflexion können Führungskräfte eine Kultur der Exzellenz und Menschlichkeit fördern, die weit über den sportlichen Erfolg hinausgeht. Die Take-Home-Message lautet daher: Erfolgreiche Führung im Sport bedeutet, Menschlichkeit und Exzellenz miteinander zu verbinden und dabei stets die ethischen Grundwerte im Blick zu behalten.

Journaling-Übung: Reflektieren Sie in Ihrem Sporttagebuch, wie Sie in Ihrer Rolle als Trainer*in, Manager*in oder Sportler*in ethische Prinzipien in Ihrem Alltag umsetzen können. Notieren Sie konkrete Situationen, in denen Sie Exzellenz und Menschlichkeit erfolgreich vereint haben, und überlegen Sie, wie Sie diese Prinzipien in Zukunft noch stärker integrieren können.

Mehr zum Thema:

Literaturverzeichnis

Baltes, P. B. (1997). On the incomplete architecture of human ontogeny: Selection, optimization, and compensation as foundation of developmental theory. American Psychologist, 52 (4), 366-380.

Frey, D. (2018). Ethische Führung: Theorie und Praxis eines integrativen Ansatzes. Springer.

Frey, D., & Hüffmeier, J. (2020). Führung und Verantwortung: Eine psychologische Perspektive. Hogrefe.

Jonas, H. (1979). Das Prinzip Verantwortung: Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation. Suhrkamp.

Popper, K. (1973). Objective Knowledge: An Evolutionary Approach. Clarendon Press.

West, M. A. (2012). Effective Teamwork: Practical Lessons from Organizational Research. BPS Blackwell.

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Anke Precht: Karriereende im Leistungssport – Herausforderungen und wie man ihnen begegnet

Leistungssport prägt ein ganzes Leben. Über viele Jahre, in der Regel von der Kindheit über die Jugend bis ins Erwachsenenleben. Das bedeutet, dass der Sport nicht nur eine Tätigkeit ist – das Sportler-Sein wird zum Teil der eigenen Identität. Das ist gut, weil es natürlich ermöglicht, den hohen Anforderungen und den harten Trainingswochen gerecht zu werden. Es kann aber zu Schwierigkeiten führen, wenn die sportliche Karriere zu Ende ist.

Zum Thema: Das Karriereende meistern

Schauen wir uns den Idealfall an: Ein Sportler erreicht in seiner Karriere alles, was er erreichen wollte, kommt in die Zeit, in der er altersbedingt den Zenit erreicht oder überschritten hat und entscheidet sich, seine sportliche Laufbahn zu beenden. So wie es im MTB dieses Jahr Nino Schurter aus der Schweiz gemacht hat, Olympiasieger und 10-facher Weltmeister im XCO.

Schurters vorletztes Rennen war die WM im eigenen Land, das letzte der Weltcup in Lenzerheide. Bei beiden Rennen wurde er gefeiert, es war ein würdiger und gut vorbereiteter Abschluss. Bestimmt hat sich Nino vorab Gedanken darüber gemacht, was er anschließend tun möchte, die ein oder andere Tür schon geöffnet, und der Übergang in das neue Leben geschieht sanft und mit Stolz.

Schwierige Vorzeichen

Andere Sportler müssen ebenfalls aus Altersgründen aufhören, haben ihre hohen Ziele aber nicht erreichen können. Für sie gilt es, nicht nur mit einer Tätigkeit abzuschließen, die sie ihr Leben lang begleitet hat, sondern gleichzeitig die Träume, die sie hatten und die nicht wahr geworden sind, loszulassen. Und es gibt jene Sportler, die sich aufgrund einer Verletzung aus dem Sport verabschieden müssen oder weil sie an einem bestimmten Punkt ihrer Karriere kein Team mehr gefunden haben oder aus finanziellen Gründen nicht die Trainingsleistung bringen konnten, die nötig gewesen wäre, um ganz oben mitzuspielen – und die dann die Entscheidung treffen, den Profibereich zu verlassen, mehr oder weniger freiwillig.

Was bedeutet das für einen Menschen? Und wie kann man mit einer Entscheidung umgehen, die man so nicht treffen wollte, zu einem Zeitpunkt, den man sich nicht ausgesucht hat? Was raten Sportpsychologen?

Tipps aus der Sportpsychologie

Aus meiner Sicht: Schon frühzeitig einen Plan B zu machen, ist nur in Sportarten sinnvoll, bei denen von Anfang an klar ist, dass man von ihnen nicht leben kann. Dann ein Studium zu beginnen oder eine Ausbildung nebenher zu machen, ist wichtig und hilft auch dem Sport, indem zumindest die finanziellen Grundbedürfnisse erfüllt sind. Wer in einer Sportart als Profi unterwegs ist, die ihn ernährt, sollte sich ganz auf Plan A fokussieren, um das kleine Quäntchen Extra-Engagement, Extra-Professionalität oder Extra-Einsatz bringen zu können, das am Ende darüber entscheidet, ob die ganz großen Ziele in Reichweite rücken oder nicht. Erst wenn klar ist: Es geht auf das Karriereende zu, macht es Sinn, darüber nachzudenken, was man anschließend tun möchte – und mit den nächsten Menschen darüber zu sprechen.

Wenn man unfreiwillig aus der Karriere aussteigt oder mit dem Wissen, das Gewünschte nicht erreicht zu haben, braucht es einen anderen Ansatz. Der führt über die Motivatoren, also das, was den Sportler früher angetrieben hat, das, was er am Sport geliebt hat, der Grund, warum er jede Woche, Jahr für Jahr, so hart gearbeitet und trainiert hat. Diese Motivatoren sind sehr unterschiedlich. So erlebe ich zum Beispiel im Fußball Menschen, die das Spiel lieben, den Fußball, und für diese Menschen ist klar: Sie werden auch weiterhin etwas tun, das mit Fußball zu tun hat. Einige haben vielleicht parallel schon Trainerscheine gemacht, möchten Trainer im Profibereich werden oder kümmern sich im Heimverein um die B-Jugend. Andere orientieren sich in Richtung Journalismus, wieder andere arbeiten im Umfeld, managen einen Verein, vertreiben Fußballschuhe oder entwickeln sie sogar.

Gewisse Voraussetzungen

Andere Spieler sind motiviert durch den Lebensstil, die Reisen und auch den Luxus, der mit der Karriere daherkommt. Sie möchten viel verdienen und sich schöne Dinge leisten können. Die brauchen einen anderen Weg nach der Karriere. Wer nicht langfristig von seinem Ersparten oder Angelegten leben kann, braucht einen neuen Job, in dem er ebenfalls viel verdienen kann. Ob das dann eine Führungsposition in einem Unternehmen wird oder ein Job als Anlageberater, ein Leben als Investor – ist erst einmal egal.

Wer den Fußball lieben gelernt hat, weil der Teamgeist in den Mannschaften so besonders war, wird sich genau in diese Richtung weiterentwickeln und nach einem Platz suchen, wo er in einem besonderen Team arbeiten kann, mit Menschen, die bereit sind, füreinander durch dick und dünn zu gehen.

Unterschiedliche Ziele

Wer den Erfolg im Sinne des Erreichens von Zielen liebt, wird in einer anderen Welt glücklich als jemand, der sich gern um andere im Team kümmert. Wer davon getragen wird, herauszuragen aus einem Team und bewundert zu werden, braucht ein neues Spielfeld, auf dem genau das möglich ist.

Geht es also auf das Ende der sportlichen Karriere zu, schauen wir genau: Was sind die Motivatoren und die Kernwerte des Spielers oder Athleten, der sich neu orientiert? Diese Werte und Motivatoren geben dann die Richtung an. Denn sie müssen erfüllt werden, damit das Leben nach der sportlichen Karriere erfüllend bleibt, der Sport eine schöne und wertvolle Erinnerung, aber keine, der man ewig hinterher trauert – einfach, weil es da etwas Neues, Anderes gibt, das genauso viel Freude, Stolz oder Gemeinschaft stiftet wie vorher der Sport.

Unterstützung

Wenn du darüber nachdenkst, deine Karriere zu beenden oder es musst und noch nicht genau weißt, wie und wohin, können Sportpsychologen gut beraten. Nimm gern Kontakt auf  – zu mir (zum Profil von Anke Precht) oder zu einem Kollegen oder einer Kollegin in der deine Nähe (zur Übersicht).

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