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Dr. René Paasch: Freie Bahn nur für mental Starke?

Ein aktueller WDR Sport Inside Beitrag “Jungprofis in der Bundesliga: Noch früher ins Rampenlicht” sorgt für Aufsehen. Im Film von Matthias Wolf wird die Regeländerung kritisch beleuchtet, nach der in der Fußball-Bundesliga zukünftig ohne jegliche Einschränkung bereits 16-Jährige Kicker zum Einsatz kommen dürfen. Diese Veränderung hat Borussia Dortmund angestossen. Ein Verein, der zunehmend auf junge internationale Talente setzt. Aber zu welchem Preis? Zu dieser Frage wurde unter anderem Dr. René Paasch von Die Sportpsychologen (zum Profil) befragt. Wir empfehlen an dieser Stelle den Beitrag, der unter anderem auf Sportschau.de oder über die Sportschau-App zur Verfügung steht:

Zum TV-Beitrag: https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/sport-inside/video-jungprofis-in-der-bundesliga-noch-frueher-ins-rampenlicht-100.html

Dr. René Paasch im Interview (Screenshot WDR Sport Inside, Verwendung bewilligt via Medikament-TV)

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Bildquelle: Screenshot WDR Sport Inside, Verwendung bewilligt via Medikament-TV

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Yvonne Dathe: Umgang mit Neid – Wege zu mehr Selbstakzeptanz und Dankbarkeit

Bei einem Wettbewerb lief es bei Evi nicht gut. Der Tag startete gut und sie wollte sich mit ihrem Gleitschirm in eine gute Ausgangslage für den anstehenden Wettbewerbsdurchgang bringen. Doch dann kamen Wolken auf und mit ihnen große Schattenflächen, welche die Thermik zum Erliegen gebracht haben. Plötzlich ging es darum, sich nur irgendwie in der Luft zu halten. Nach etwa einer Viertelstunde Kampf, musste sie doch vorzeitig landen. Mit ihr landeten noch weitere Piloten auf dem gleichen Feld. Doch einige konnten sich retten, bis die Sonne wieder zum Vorschein kam und konnten damit die Aufgabe weiterfliegen. Evi ärgerte sich über ihren Misserfolg und war neidisch auf die anderen, die es geschafft haben. Innerlich schrie sie förmlich über diese Ungerechtigkeit und ihre Unfähigkeit.

Zum Thema: Wie du lernen kannst, konstruktiver mit dem Gefühl Neid umzugehen

Neid ist ein Gefühl, das entsteht, wenn jemand das Glück, den Erfolg, die Fähigkeiten oder Besitztümer einer anderen Person begehrt oder beneidet. Es beinhaltet oft das Gefühl von Unzufriedenheit oder Missgunst aufgrund der vermeintlichen Überlegenheit oder Vorteile einer anderen Person. Neid kann negative Emotionen wie Unzufriedenheit, Eifersucht, Frustration oder Minderwertigkeitsgefühle hervorrufen. 

Es ist wichtig, Neid von Bewunderung zu unterscheiden, da Bewunderung positiver Natur ist und eine Anerkennung der Leistungen oder Qualitäten einer anderen Person darstellt, ohne negative Emotionen wie Neid zu beinhalten. 

Gründe für Neid

Es gibt verschiedene Gründe, warum Menschen neidisch sein können: 

  1. Vergleiche mit anderen: Menschen neigen dazu, sich mit anderen zu vergleichen. Neid kann entstehen, wenn sie das Gefühl haben, dass andere in bestimmten Bereichen erfolgreicher oder glücklicher sind.
  2. Selbstwertgefühl: Ein niedriges Selbstwertgefühl kann dazu führen, dass man sich in Gegenwart anderer minderwertig fühlt und deshalb neidisch wird.
  3. Unerfüllte Bedürfnisse: Wenn man bestimmte Bedürfnisse wie Anerkennung, Erfolg oder Liebe nicht erfüllt sieht, kann dies zu Neid führen, wenn andere diese Bedürfnisse scheinbar problemloser erreichen.
  4. Soziale Vergleiche: In einer Gesellschaft, die Wettbewerb und Erfolg betont, können soziale Vergleiche zu Neid führen, insbesondere wenn man das Gefühl hat, nicht mithalten zu können.
  5. Minderwertigkeitsgefühle: Das Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit oder Minderwertigkeit kann Neid gegenüber anderen auslösen, die als überlegen wahrgenommen werden.

Diese Gründe können individuell variieren und es ist wichtig, sie zu reflektieren, um einen konstruktiven Umgang mit Neid zu finden.

Konstruktiver Umgang mit Neid

  1. Akzeptanz: Der erste Schritt, um mit Neid konstruktiv umzugehen, ist zu akzeptieren, dass Neid vorhanden ist. Anstatt das Gefühl zu unterdrücken oder zu verurteilen, was eine vollkommen verständliche Reaktion ist, ist es besser, dieses Gefühl anzuerkennen. Es ist dann zwar noch nicht weg, aber es wird auch nicht stärker.
  2. Reflexion: Versuche anschließend herauszufinden, warum du neidisch bist. Ist es der Vergleich mit anderen? Ist es, dass du dich selbst nicht wertvoll fühlst? Ist es, weil du selbst gerne an der Stelle wärst – dir der Erfolg in diesem Bereich also sehr wichtig ist? Sei ehrlich zu dir und hinterfrage die wahren Gründe. So lernst du dich etwas besser kennen.
  3. Dankbarkeit: Konzentriere dich darauf, was du schon alles erreicht hast und sei dankbar für deine bisherigen Erfolge.
  4. Selbstbewusstsein stärken: Erkenne deine eigenen Stärken und Fähigkeiten. Was kannst du besonders gut?
  5. Konzentriere dich auf deine Entwicklung: Setz dir selbst Ziele und arbeite aktiv an der Erreichung deiner Ziele.
  6. Vermeide Vergleiche. Jeder von uns ist einzigartig und hat seine eigenen Stärken und Schwächen. Konzentriere dich auf deinen eigenen Weg.
  7. Positives Umfeld: Umgib dich mit Menschen, die dich unterstützen und ermutigen. 

Solltest du selbst nicht weiterkommen, suche dir professionelle Hilfe. Du kannst dich gerne an mich wenden (zum Profil von Yvonne Dathe) oder an einen anderen sportpsychologisch ausgebildeten Menschen. Wirf dazu gern einen Blick auf unsere Übersicht: https://coaching.die-sportpsychologen.de

Wie ist Evi mit ihrem Neid umgegangen?

Evi hat sich die Wege für einen konstruktiven Umgang mit Neid zu Herzen genommen. Es war nicht leicht, doch sie konnte akzeptieren, dass sie neidisch ist. Dadurch wurde ihr klar, wie wichtig ihr der Erfolg in diesem Sport ist. Sie konnte auch dankbar dafür sein, überhaupt diesen Sport ausüben zu dürfen und hat erkannt, dass sie in den letzten Jahren schon einiges gelernt hat. Doch in bestimmten Situationen braucht sie noch mehr Geduld und dies wird sie beim nächsten Mal versuchen umzusetzen. Ihr Ziel ist es, weiterhin dazu zu lernen und gelassen zu bleiben, wenn es mal nicht nach Plan läuft. Ihre Teamkollegen unterstützen sie und geben ihr wertvolle Tipps, wie es ihr gelingen kann, geduldiger zu sein. Vielleicht wird es ihr in Zukunft sogar gelingen, sich für die anderen, die hart arbeiten zu freuen – Aber so weit ist Evi noch nicht. 

Fazit: Indem du dich aktiv mit deinen Neidgefühlen auseinandersetzt und einen konstruktiven Weg findest, damit umzugehen, kannst du dich mehr wertschätzen, deine Dankbarkeit entwickeln und bist langfristig zufriedener mit dir und deiner Leistung. Schlussendlich wirst du dich wohler fühlen. Da lohnt es sich doch, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, oder?

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Prof. Dr. Oliver Stoll: Das Problem mit einem „Praktikum“ in der Sportpsychologie

Natürlich weiß ich, wie wichtig und wie attraktiv es für Studierende ist, einen Praktikumsplatz im Bereich „Sportpsychologie“ zu bekommen. Jede Woche bekomme ich mehrere Anfragen und ich schreibe immer wieder das Gleiche. Aus diesem Grund möchte ich mit diesem Beitrag erklären, warum das mit einem Praktikum in unserem Feld nicht ganz so einfach ist. 

Zum Thema: Praktika-Plätze in der Sportpsychologie 

Ich unterscheide in zwei Bereiche. Im ersten Absatz geht es um Praktikumsplätze in der sportpsychologischen Forschung, nachfolgend um Plätze in der praktischen Anwendung.

  1. Ein Praktikum in der sportpsychologischen Forschung

Ich schätze die Chance, in der Forschung einen Platz für ein Praktikum zu bekommen, bei mindestens 80% ein, wenn die grundlegenden Qualifikationen passen, d.h. wenn du  gerade in einem akademischen Studiengang in Psychologie oder Sportwissenschaft eingeschrieben bist. Professor*innen brauchen immer Unterstützung in der Forschung, weil die öffentlichen Mittel eben häufig sehr begrenzt sind. 

Interessent*innen empfehle ich, alle Lehrstühle anzuschreiben. Also eine „Blindbewerbung“ hinzuschicken und zu schauen, was passiert. Ich bin mir sicher, dass da einige positive Rückmeldungen kommen werden. Eine Übersicht über Lehrstühle in Sportpsychologie in Deutschland, Österreich und der Schweiz findest du auf der Seite der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie (www.asp-sportpsychologie.de).

  1. Ein Praktikum in der praktischen (angewandten) Sportpsychologie

Die Chancen, im angewandten Bereich einen Praktikumsplatz zu bekommen, sind deutlich geringer. Und das hängt von vielen Faktoren ab, die einerseits bei den Kolleginnen und Kollegen liegen, aber auch andererseits bei den potenziellen Praktikant*innen. 

Das Feld in der angewandten Sportpsychologie ist komplett anders strukturiert als das in der klinischen Psychologie oder im Bereich der Psychotherapie. Das Problem habe ich in meinem Tedx-Talk thematisiert: „Applied Sport Psychology – our work is different“:

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Gründe für die schwierige Bewerbungslage

Kommen wir also zu den Gründen, die es erschweren, ein Praktikum in der sportpsychologischen Praxis zu ergattern:

  1. Das Feld der sportpsychologischen Beratung und Betreuung ist bei weitem noch nicht so groß wie das der Psychotherapie, angefangen bei der gesellschaftlichen Wahrnehmung und der politischen Wertschätzung sowie im Bereich der gesellschaftlichen Bedeutung und damit natürlich auch nicht in der infrastrukturellen Verankerung in der Gesellschaft. Wenn ich hier gerade ehrlich bin: Die sportpsychologische Beratung und Betreuung in Deutschland ist (noch) ein Randgebiet in der professionellen Aufstellung des Berufsbildes in unserer Gesellschaft. Das heißt dann eben auch, dass es nicht viele institutionalisierte Stellen gibt, in denen man einen „Monday thru Friday – 9 to 5 Job“ machen kann (und hier eben dann auch so ggf. hospitieren könnte). Die wenigen institutionalisierten Stellen gibt es meines Wissens (Stand Februar 2024) an zwei Olympiastützpunkten in Deutschland (Berlin und Hannover) sowie an einigen Nachwuchsleistungszentren der im DFB organisierten Vereine. Hier sind vornehmlich die Clubs der 1. Bundesliga, die da am besten aufgestellt sind, aber mitunter lohnt sich da auch ein Blick in die NLZ`s der 2. Bundesliga oder vereinzelt in den Ligen darunter.  
  2. Eine weitere Möglichkeit wäre ja auch eine Bewerbung bei einem Sportpsychologen oder -psychologin, die in der Selbstständigkeit agieren. Und hier wird es jetzt deutlich schwieriger, denn wir  „Praktiker“ haben eigentlich nur selten eine „Praxis“, weil wie die eigentlich nicht ständig brauchen, denn ganz häufig arbeiten wir dort, wo die Athlet*innen trainieren oder ihre Wettkämpfe haben oder aber wir sind unterwegs zu Traineraus- und -fortbildungen oder zu Netzwerktreffen. Eine „Praxis“ brauchen wir eigentlich nur zum Erstgespräch und zur Psychoedukation, wenn die dann überhaupt nötig ist. Und nur dafür eine Praxis „anzumieten“ ist dann einfach eine Kostenfrage. Es gibt natürlich einige wenige Kolleginnen und Kollegen, die so etwas haben (ich im übrigen auch), aber das ist dann meist so gestrickt, dass man sich Kosten teilt oder wegfallen, weil man diese in der eigenen Immobilie hat oder auch noch andere Arbeitsbereiche bedient werden. Und hier wird jetzt schnell deutlich, weil das mit dem Praktikum so schwierig ist.
  3. In der Angewandten Sportpsychologie haben wir keinen „Monday through Friday – 9 to 5 Job“. Wir arbeiten kurzfristig, mitunter auf „Zuruf“, also sehr schnelllebig, und schon gar nicht – oder nur selten zwischen 9 und 17 Uhr mit Athlet*innen. Es braucht hier ein hohes Maß an Flexibilität und Mobilität, um auch wirklich sportpsychologisch wirksam werden zu können. Kolleginnen und Kolleginnen in der praktischen Arbeit müssen ihre gesamte Aufmerksamkeit auf dieses Selbstmanagement fokussieren, um ihren Job gut zu machen und das kann man nicht wirklich auch einem Praktikanten zumuten. Natürlich machen wir auch „Büroarbeit (Rechnungen schreiben und Zahlungseingänge kontrollieren,  Falldokumentation, Supervision und Intervision), aber auch das passiert terminlich immer nur dann, wenn es gerade passt. 
  4. Und schließlich haben wir es ja auch noch mit Berufsethik zu tun. Schweigepflicht ist das oberste Gebot. Gerade der Spitzensport steht in einer ganz besonderen medialen Betrachtung und die Psychologie im Spitzensport ist ein zunehmend attraktives Feld für Medienschaffende. In unserer Arbeit – unter anderem auch mit Spitzen-Athletinnen und Athleten – ist es wichtig, zunächst Vertrauen aufzubauen und eine gute Beziehung zu etablieren. Das wollen natürlich viele Kolleginnen und Kollegen nicht riskieren, indem sie einfach mal eben schnell einen Praktikanten zuschauen lassen, denn diese Sportpsychologen-Athleten-Beziehung ist eine sehr diskrete und diese setzt man nicht so ohne weiteres aufs Spiel. 

Dies sind aus meiner Sicht die Hauptgründe, warum es so schwierig ist, einen Praktikumsplatz in der Anwendung zu bekommen. Es ist aber nicht so, dass es unmöglich ist. Ich selbst akzeptiere immer wieder mal einen Praktikanten oder eine Praktikantin – aus genannten Gründen aber eher im Bereich Forschung als im Bereich Anwendung. 

Potenzielle Kandidatinnen müssen sich der o.g. Gründe sehr bewusst sein und ggf. etwas mehr Zeit einplanen, um ihr „Pflichtpraktikum“ zu absolvieren und sie sollten sich auch viel Zeit dafür nehmen, sich mit dem oder derjenigen intensiv auszutauschen, bevor Sie eine Chance erhalten, ein solches Praktikum bekommen zu können. 

Unterstützung von Die Sportpsychologen

Wir bei Die Sportpsychologen wissen nur zu gut, um den Bedarf, den es in Bezug auf Praktika gibt. Entsprechend bilden wir auf unserer neuen Unterseite zum Thema jeweils aktuelle Angebote ab. Link zur Seite: https://www.die-sportpsychologen.de/praktika/

Darüber hinaus haben wir ein Formular erstellt, in dem ihr eure Bereitschaft in Worte fassen könnt. Neben Informationen zu eurem Ausbildungsstand geht es um einige zentrale Fragen: Warum wollt ihr das Praktikum absolvieren, was qualifiziert euch? Welche Erfahrungen bringt ihr bereits mit? Was wollt ihr in der Sportpsychologie erreichen, was wollt ihr im Praktikum lernen? Jede Einsendung wird den Profilinhaber*innen von Die Sportpsychologen zur Verfügung gestellt. Bei Interesse und entsprechenden Kapazitäten melden wir uns. Wir bitten euch allerdings, von Nachfragen an einzelne Profilinhaber*innen und die Redaktionsleitung abzusehen! 

Sende uns deine Praktika-Bewerbung!

Füll bitte das Formular gewissenhaft aus. Wir informieren die ProfilinhaberInnen von Die Sportpsychologen regelmäßig über die eingehenden Bewerbungen. Falls du ein Kandidat oder eine Kandidatin für einen Praktikumsplatz bist, nehmen wir selbstständig Kontakt zu dir auf.

Wir bitten dich allerdings, von Nachfragen an einzelne Profilinhaber*innen und die Redaktionsleitung abzusehen! 

Du bist angehende Sportpsychologin oder Sportpsychologe bzw. sportpsychologischer Experte/Expertin? Vielleicht ist das Netzwerk Die Sportpsychologen für dich dann genau die richtige Plattform, um dich zu zeigen? Alle Infos dazu: https://www.die-sportpsychologen.de/netzwerk-beitreten/

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Frage und Antwort: Wie kann ich Ängste besiegen?

Im Kunstturnen geht die Angst um. Zumindest drängt sich uns von Die Sportpsychologen der Eindruck auf, dass vor allem jungen Kunstturnerinnen die Werkzeuge fehlen, um mit ihren Ängsten besser umzugehen. Immer wieder erreichen uns entsprechende Anfragen. Wie diese hier von einer Sportlerin, die in bestimmten Situationen immer wieder scheitert. 

Zum Thema: Mentale Blockade bei Rückwärts-Elementen

Die Situation: Hallo liebes Psychologen-Team, ich habe folgende(s) Problem(e): Ich turne nun seit sehr vielen Jahren und hatte schon immer Schwierigkeiten, mich an neue Elemente zu wagen und diese dann schlussendlich auch ohne Hilfestellung zu wagen. Letzteres fällt mir immer schwerer. Gerade bei Elementen, bei denen man nach hinten springen muss, kann ich mich einfach nicht überwinden. Radwende Rückwärtssalto am Boden kann ich eigentlich im Schlaf, doch ich traue mich das einfach nicht alleine, sondern nur, wenn mein Trainer mit beiden Füßen auf der Matte steht (selbst wenn es nur ein Fuß ist, verweigere ich die Übung). Irgendwie blockiert mein Körper komplett, was für mich und auch für meinen Trainer sehr frustrierend ist, denn er versteht meine Angst nicht und auch ich kann nicht einmal sagen, wovor genau ich Angst habe, denn selbst wenn ich schlecht abspringe, lande ich noch auf meinen Füßen. Ich vergleiche meine innere Situation gerne damit, dass ich ja auch nicht einfach von einem Hausdach springe und so in etwa fühle ich mich, wenn ich das Element alleine machen soll. Ich kann es einfach nicht, obwohl ich es unbedingt möchte. 

Am Stufenbarren habe ich das gleiche Problem mit dem Rückwärtssalto-Abgang. Das traue ich mir noch nicht einmal mehr mit Hilfestellung. Bogengang alleine auf dem hohen Balken auch nicht. Dabei habe ich alle drei Elemente vor nicht allzu langer Zeit schon ohne Probleme alleine gemacht – hundertfach. Doch plötzlich war in meinem Kopf wie ein Schalter umgelegt und es ging gar nichts mehr – das ist total frustrierend und macht mich wütend. Die Blockade fing so ungefähr an, nachdem ich bei einem Wettkampf blöd vom Balken gefallen bin und meine Bänder gedehnt hatte, sodass ich ein paar Wochen nicht turnen konnte. Danach habe ich es noch ein paar wenige Male alleine gemacht und dann war Schluss damit. Könnte es sein, dass das damit zusammenhängt, dass ich nichts mehr rückwärts mache, obwohl ich damals bei einer Radwende vom Balken gefallen bin? 

Vor rund zwei Jahren hatte ich auch einen schwereren Turn-Unfall bei einem Doppelsalto vorwärts. Vielleicht bin ich auch dadurch vorsichtiger geworden, wobei ich die Elemente danach alle wieder alleine gemacht habe. Ich bin inzwischen echt verzweifelt und weiß nicht mehr, was ich tun kann, um meine Angst loszuwerden und wieder Spaß an den Elementen zu haben. Ich liebe diese Sportart, aber jedes Mal mit seinen Ängsten konfrontiert zu werden und hilflos zu sein, lässt mich so langsam zweifeln, ob ich mir das noch antun kann. 

Was ich vielleicht auch noch sagen kann: Den Bogengang auf dem Balken und Salto rückwärts am Boden muss ich am Wettkampf immer turnen, da ich es für meine Übung brauche. So komisch es klingt, am Wettkampf kann ich die Elemente in meiner Wettkampfübung alleine machen, aber sowohl im Einturnen als auch im Training habe ich keine Chance gegen meinen Kopf… Einmal im Monat dürfen wir in eine eingebaute Kunstturnhalle mit Schaumstoffgrube. Auch in die Grube turne ich meinen Rückwärtssalto ohne Probleme (sogar gestreckt und mit Schraube). Was auch oft ein Thema ist: ich bin inzwischen über 1,80m groß (was fürs Turnen nicht optimal ist) und damit auch schwerer, was für Hilfestellung natürlich doof ist. Meinem Trainer gegenüber habe ich dennoch viel Vertrauen. Vielleicht habt ihr noch eine Idee, wie ihr mir weiterhelfen könnt? Ich bin wirklich sehr dankbar über jeden Tipp und bereit, alles auszuprobieren. Vielen Dank für die Hilfe 🙂

Yvonne Dathe, Die Sportpsychologen
Yvonne Dathe, Die Sportpsychologen

Antwort von: Yvonne Dathe (zur Profilseite)

Liebe Claire (Name von der Redaktion geändert), 

oje, das klingt nach einer verzwickten Situation. Es kann durchaus sein, dass deine vergangen Zwischenfälle dazu beigetragen haben, dass sich bei dir eine innere Angst aufgebaut hat. Meiner Erfahrung nach lässt sich Angst schlecht durch starken Willen sondern eher durch Vertrauen überwinden. Dein Körper, dein Unterbewusstes haben die Erfahrung gemacht, dass du dir beim Turnen weh tun kannst. Die Pause nach der letzten Verletzung hat noch das Übrige dazu beigetragen. Nun muss dein Unterbewusstes wieder die Sicherheit aufbauen, die es braucht, damit es dich bei den Rückwärtselementen unterstützen kann. 

Eine Möglichkeit wäre: du stellst dir immer wieder die Übungen vor, und zwar so, wie sie optimal ablaufen. Stell dir auch vor, wie du dabei in deinem optimalen Leistungsbereich bist. Du kannst dir dazu eine Skala vorstellen, von 0 – 200, wenn du in deinem optimalen Leistungsbereich bist, dann bist du auf der Skala bei 100. Stell dir danach die Übung vor, wie du sie in letzter Zeit gemacht hast. Vielleicht merkst du, dass dein Puls etwas erhöht ist oder du bemerkst andere Stressreaktionen. Jetzt bist du nicht im optimalen Leistungsbereich, jetzt bist du vielleicht bei 130. Um wieder auf 100 zu kommen, atme tief bis in den Bauch ein und sage dir “Fokus”, der Wert wandert langsam etwas nähe zu 100, beim Ausatmen (langsam) sage dir “Ruhe” und beobachte wie der Wert auf die 100 zugewandert ist. Wenn du bei 100 bist, dann stell dir nochmals vor, wie du nun die Übung optimal ausführst. Am Besten bist du dazu in einem entspannten Zustand. Mach das gerne mehrmals täglich und vor allem: übe das Regulieren deines optimalen Leistungsbereichs. 

Wenn du dann das nächste Mal in der Turnhalle bist, fokussiere dich vor der Übung indem du ein-, zweimal tief ein- und ausatmest. Spüre, wie der Atem durch deine Nasenlöcher einströmt bis tief in den Bauch hinein und deine Bauchdecke sich leicht hebt und senkt. Dann nimm eine aufrechte Körperhaltung ein, geh gedanklich nochmal den erfolgreichen Ablauf der Übung durch und dann tue es, mach die Übung!

Ich hoffe, dass dir dieser Tipp weiterhilft. 

Yvonne

Andreas Meyer, Die Sportpsychologen

Antwort von: Andreas Meyer (zur Profilseite)

Hallo Claire (Name von der Redaktion geändert),

solche Ängste findet man gar nicht so selten im Sport und man darf auch grundsätzlich sagen, dass es keine Schande ist, solche Ängste zu verspüren. Du musst also nicht darüber wütend sein. Eher geht’s ja darum, diese zu überwinden und hierfür kann es entscheidend sein, herauszufinden, wodurch sie entstanden sind. Du hast ja schon einige Ideen geäußert. Zum Beispiel deine Unfälle, die du hattest. Manchmal reicht aber auch schon ein Satz am Rande, wie z.B. dass du ja eigentlich zu groß wärst und vielleicht die Rotation nicht mehr so gut hinbekommen würdest oder ähnliches. So etwas kann sich auch unbewusst einprägen und eine Abwehrhaltung gegenüber solchen Bewegungen kann sich entwickeln.

Was wir häufig neben der Suche nach der Ursache machen, ist, sich der Angst schrittweise zu stellen. Durch eine schrittweise Desensibilisierung. Ich glaube auch, dass ein gut gezieltes Visualisierungstraining hierbei ein probates Mittel ist. Hierzu arbeitet man hauptsächlich mit deiner Vorstellung von der Bewegung. Hierbei muss die Vorstellung sehr lebendig sein, mit allem, was du siehst, spürst und fühlst während der Bewegung. Dies hilft dir dabei, dass du zumindest in deinen Gedanken diese Bewegung immer und immer wieder ausführen kannst und im Idealfall entwickelst du Freude an der Bewegung und die Ängste rücken nach und nach in den Hintergrund.

Ich hoffe ich konnte dir damit schon etwas weiterhelfen, du kannst dich aber auch gerne melden, wenn du denkst, dass dir eine solche Arbeit behilflich sein kann.

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“Insight Sportpsychologie” – Prof. Dr. Oliver Stoll erklärt, was das Floorball Final4 so besonders macht

Der Umgang des Verteidigers mit den in bestimmten Situationen gern einmal überkochenden Emotionen auf dem Feld. Die innere Stimme des Centers, die sich zuletzt vermehrt in den falschen Situationen zu Wort meldete. Oder die Suche des Trainers nach dem Aufbau der perfekten Motivationsansprache vor dem Finalspiel. Die Fragen, die top ausgebildete Sportpsychologen und Sportpsychologinnen den Teilnehmern des Pokalfinales von Floorball Deutschland beantworten, könnten unterschiedlicher nicht sein. 

Zum Thema: asp-Nachwuchstagung (Praxis) beim Floorball Deutschland Final4 in Berlin

Was da am Samstag, den 11. Mai, und am Sonntag, den 12. Mai 2024, in der Berliner Max-Schmeling-Halle bevorsteht, ist nicht weniger als eine Premiere. In jedem Fall hierzulande, vielleicht sogar im weltweiten Maßstab. Durch die Kooperation von Floorball Deutschland mit der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie in Deutschland (asp) und dem Netzwerk Die Sportpsychologen bekommen alle Teilnehmenden zwischen den Herren-Halbfinals und dem Pokalendspiel die Möglichkeit, sich erstklassigen sportpsychologischen Input zu holen.

Angebot an SportpsychologInnen

Wer kann an der asp-Nachwuchstagung (Praxis) teilnehmen?
– als Zugangsvoraussetzung gelten, dass der Master-Abschluss oder das asp-Curriculum nicht älter als fünf Jahre sein soll
– darüber hinaus können sich alle Sportpsychologie-Studierende an der Nachwuchstagung teilnehmen
Was kostet die Teilnahme?
– 120 EUR 
Wo kann ich mich anmelden:
– per Mail office@asp-sportpsychologie.org    
mehr Infos zum Ablauf und den Inhalten unter dem Text

Aber welche Fragen sind erlaubt? Gibt es Grenzen? Wer darf sich bei den Experten und Expertinnen melden? Antworten auf diese Fragen haben wir uns von Prof. Dr. Oliver Stoll geholt. Der asp-Präsident leitet die Nachwuchstagung und kennt sich auch im Floorball bestens aus – als früherer Präsident von Floorball Deutschland hat er den Sportverband in den Deutschen Olympischen Sportbund geführt. 

Prof. Dr. Oliver Stoll, Die Sportpsychologen

Prof. Dr. Oliver Stoll, mit welchen Fragen können Spieler der Finalteams auf die Sportpsychologen nach ihren Halbfinals zukommen? Bis zum Finale ist es ja nur ein halber Tag Zeit, da lässt sich seriös ja nicht die Welt verändern, oder?

Finalspiele sind etwas ganz Besonderes. Das ist kein normales Ligaspiel und schon gar nicht eine normale Trainingseinheit. Finalspiele zeichnen sich dadurch aus, dass sie diese Einmaligkeit haben und natürlich am Ende dieses Spiels immer eine einmalige Konsequenz folgt. Entweder habe ich das Finale gewonnen oder verloren. Und somit bewertet jeder Spieler genau diese Situation für sich und sein Team. Diese „subjektive“ Bewertung hat eben auch seine Konsequenz auf körperliche Reaktionen, die eben dann anders sind als im Training oder in einem normalen Ligaspiel. Das ist nicht immer hilfreich und sollte „reguliert werden können“. 

Die Spieler kennen das Phänomen aus ihrer bisherigen Karriere, wissen aber eben oft nicht, wie diese psycho-physische Überaktivierung reguliert werden kann. Genau mit dieser Frage rechne ich: Wie kann ich meine Nervosität und Aufgeregtheit schnell in den Griff bekommen? Und hier können wir Sportpsycholog*innen auch tatsächlich sehr schnell mit einfachen Techniken helfen. Das kann man „über Nacht“ lernen und im besten Fall am nächsten Tag umsetzen.  So etwas nennen wir „Kurz-Zeit-Intervention“. Man könnte es auch eine „Feuerwehr-Aktion“ nennen. Davon bin ich persönlich zwar prinzipiell kein super-großer Fan, aber ich weiß, dass das funktionieren kann. Also – warum nicht mal ausprobieren?       

Mit welcher Art von Fragen würdest du Trainer und Trainerinnen ermutigen, in der Mixed Zone zu den Sportpsychologen zu gehen?

Was natürlich nicht möglich ist, und was eigentlich aber eine wichtige Grundvoraussetzung ist, wenn man psychologisch wirksam werden möchte, ist der Aufbau einer stabilen und vertrauensvollen Beziehung zwischen Spieler/Trainer und Sportpsychologe. Dazu gehört jetzt in diesem Fall einfach Mut und das Gewähren eines Vertrauensvorschusses, der sich aber ggf. wirklich auszahlen kann. Also Trainer und Trainerinnen: Nehmt euer Herz in die Hand und gebt uns eine Chance!   

Wer kann beim Final4 darüber hinaus noch bei den Sportpsychologen zugreifen? (aus meiner Sicht Physios, Schiedsrichter, Eltern, Funktionäre und Medienleute – kannst du ja aufzählen und ein paar Beispiele skizzieren)

Für Schiedsrichter gilt das gleiche wie für Spieler. Finalspiele sind eben etwas ganz Besonderes. Beim Final4 sollen auch Journalist*innen die Möglichkeit bekommen, ihre Fragen zu stellen. Das kann spannend sein, weil somit ggf. ein wirklicher „Insight“ möglich wird, wenn es die „Tandems“ zwischen Spieler/Trainer und Sportpsychologen zulassen. Dann kann man nicht nur darüber schreiben, dass so etwas funktioniert, sondern eben auch wie. Für Eltern kann es vielleicht spannend sein, generell einmal Kontakt zu einem Sportpsychologen oder einer Sportpsychologin zu knüpfen. 

Wie läuft ein sportpsychologisches Coaching eigentlich ab? Was können sich all jene vorstellen, was sie erwartet, wenn sie den direkten Kontakt in der Mixed Zone suchen?

Wie schon angedeutet: das ist keine klassische Coaching-Situation, sondern eher etwas sehr Spezielles. Somit gibt es hierfür auch kein „System“ eines klassischen Erstgespräches, wie man z.B. im Studium lernt. Wichtig ist, dass man den Vertrauensvorschuss gewährt, schnell und authentisch kommuniziert und was eine „Sympathie“ betrifft, einfach auch mal seinem Bauchgefühl traut. Ist der Erstkontakt hergestellt, werden die „Tandems“ schnell auch Räume und Zeiten finden, in denen man in der Kürze der Zeit etwas lernen und ausprobieren kann. Wir von Die Sportpsychologen sowie der asp unterstützen hier gerne organisatorisch und auch im Sinne von Intervisionsmöglichkeiten. 

Wie verbreitet ist die Sportpsychologie eigentlich im Floorball? Hast du einen internationalen Überblick? (Mit wem hast du und Kollegen schon gearbeitet, wenn du das sagen darfst?)

Einen echten Überblick habe ich tatsächlich nicht. Ich weiß in Einzelfällen von solchem Zusammenarbeiten. So haben z.B. die Kolleg*innen Cristina Baldasarre und Dr. Hanspeter Gubelmann mit Swiss Unihockey zusammengearbeitet. Einige Schweizer Kollegen wie Kyle Varley sind für Vereinsteams aktiv. Im Netzwerk Die Sportpsychologen bekommen recht regelmäßig Anfragen aus dem Floorball. Auch ich habe schon mit der U19-Männer Nationalmannschaft sowie mit den Frauen von Floorball Deutschland, mit Nationalspielern und Vereinen punktuell zusammengearbeitet. In den skandinavischen Ländern ist Floorball weitaus attraktiver und auch weiter verbreitet, als bei uns. Ich bin mir sicher, dass es hier solche Kooperationen ebenfalls gibt.

Hinweis: Sobald die Halbfinal-Paarungen feststehen, werden die Teams von Floorball Deutschland gesondert informiert. Es besteht die Möglichkeit, dass interessierte Spieler, Spielerinnen sowie Trainerinnen und Schiedsrichterinnen bereits im Vorfeld sich einen Überblick über die Teilnehmenden der asp-Nachwuchstagung (Praxis) verschaffen können.

Ablaufplan der Nachwuchstagung (Praxis) im Rahmen der asp-Tagung 2024

Samstag, 11. Mai 2024

13.00 – 16.00 Uhr Einführung (mit Prof. Dr. Oliver Stoll und Mathias Liebing)

  • Sportpsychologische Schnellinterventionen im Spielsport
  • Floorball – Besonderheiten und Charakteristika der Sportart
  • Sportpsychologie vs. Floorball

16.00 – 18.00 Uhr 1. Halbfinale Herren (tba vs. tba)

  • gemeinsame Spielbeobachtung
  • nach Spielende Schnellinterventionen in der Mixed Zone
  • spontane Gruppen-Supervisionen/Intervisionen im VIP-Bereich

19.00 – 21.00 Uhr 2. Halbfinale Herren (tba vs. tba)

  • gemeinsame Spielbeobachtung
  • nach Spielende Schnellinterventionen in der Mixed Zone
  • spontane Gruppen-Supervisionen/Intervisionen im VIP-Bereich
Sonntag, 12. Mai 2024

voraussichtlich 11.30 – 13.00 Uhr Workshop Sportpsychologie im Floorball (mit Prof. Dr. Oliver Stoll)

voraussichtlich 16.00 – 18.00 Uhr Finale Herren (Sieger HF1 vs. Sieger HF 2)

  • gemeinsame Spielbeobachtung
  • nach Spielende Schnellinterventionen in der Mixed Zone
  • spontane Gruppen-Supervisionen/Intervisionen im VIP-Bereich
Donnerstag, 16. Mai 2024

voraussichtlich 20.00 – 21.30 Uhr Online-Meeting: Auswertung (mit Prof. Dr. Oliver Stoll)

Link: https://app.sessions.us/session/dd3b79d3-af4b-4ed2-8cf0-64bede76f3bb

Anmeldung

Die Kosten belaufen sich pro Teilnehmer auf 120 EUR, inkl. Eintritt zum Final4. Die Anzahl der Plätze ist begrenzt. Als Zugangsvoraussetzung gilt, dass entweder der erworbene Masterabschluss in der Sportpsychologie bzw das asp-Curriculum nicht länger als fünf Jahre zurückliegen darf.

Die Anmeldung für die Nachwuchstagung erfolgt bei Anja Kröger unter office@asp-sportpsychologie.org. Oder du nutzt das folgende Online-Formular:

Mit der Nutzung dieses Formulars erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten durch diese Website einverstanden.

Fotos: Final4 2023 (Quelle: Tillmann Dreesen, Instagram: @tillmannoderso)

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Dr. Hanspeter Gubelmann: Nur wer glücklich ist, kann erfolgreich sein

Kürzlich habe ich im Magazin des Tagesanzeigers ein spannendes Interview mit dem „Lebensglück“-Forscher Albert C. Brooks gelesen. Sein Postulat ist simpel: Wer in seinem Leben alles dem Erfolg opfert, einseitig und unausgeglichen lebt und seine Zeit in die falschen Dinge investiert, wird – spätestens im Alter – unglücklich scheitern. (Lebens-)Glück sei nicht die Folge von Erfolg, sondern die Voraussetzung. Wie sich Brooks Anleitung auf den Sport und unsere Arbeit in der Angewandten Sportpsychologie übertragen lässt, versuche ich nachfolgend an vier Beispielen zu erläutern.

Zum Thema: Lebensglück im sportlichen und sportpsychologischen Sinne

Vielleicht hat es auch mit meinem Alter und meiner heutigen Lebenssituation zu tun, dass Brooks’ These verfängt und mich zum Nachdenken anregt. Seine Botschaft ist klar: Wir können und sollen an unserem Lebensglück arbeiten und uns bewusster mit den Veränderungen in der eigenen Biographie auseinandersetzen. 

Der springende Punkt dabei ist, zu erkennen, dass uns in der Mitte des Lebens der „unaufhaltsame Verfall der eigenen Brillanz” einholt und uns zu einem Umdenken auffordert. Er spricht von der „fluiden Intelligenz“, die uns in der ersten Lebenshälfte auf unserer „Ich-Kurve“ zu besonderen Leistungen befähigt und einer „kristallinen Intelligenz“, die ab 40 Jahren das Potential entwickelt, uns sehr viel glücklicher zu machen. In der zweiten Lebenshälfte profitieren wir insbesondere von Wissen, Einschätzungen und Erfahrungen.

Die Kurve kriegen – auch für Sportler:innen 

Grundlage einer positiven Entwicklung im weiteren Lebensverlauf sei, sich von seinen alten Erfolgsrezepten der fluiden Intelligenz zu verabschieden. „Wir springen also von der überehrgeizigen Ich-Kurve zur eher zwischenmenschlich orientierten Wir-Kurve (…) Wir werden vom Erfolgsjunkie zum Lehrer.“ Insbesondere hinsichtlich des beruflichen Karriereendes sieht Brooks sehr bedeutsame Veränderungen, um auch diese „Kurve“ zu kriegen: „Jeder Karrieremensch verfügt über ein umfassendes Netzwerk an «Deal»-Freunden. (…) Früher hatte man echte Freunde, jetzt nur noch «Deal»-Freunde. Also sollte man in der Vergangenheit kramen und die alten Freunde von früher wieder kontaktieren.“

„Lebensglück“ – „Karrieremensch“ – „Erfolgsjunkie“ – „Wir-Kurve“ – „echte Freunde“: Wenn ich diese Schlagwort-Liste durchgehe, fällt es mir wie „Schuppen von den Augen“. Da spricht jemand von Lebenserfahrungen und wissenschaftlich gestützten Zusammenhängen, die uns auch im Kontext des Sports und mich in der Substanz meiner Arbeit als Sportpsychologe zentral tangieren. Ich möchte dies an vier Beispielen erläutern und interessante Handlungsmöglichkeiten aufzeigen:

1) Elterncoaching – „echte Freunde“ 

Als „Sportvater einer ambitionierten Tochter habe ich es hautnah erlebt, welche Auswirkungen eine Fokussierung auf den Sport auf das soziale Umfeld eines jungen Menschen hat. Dabei haben wir als Eltern versucht, eine „Handlungsanweisung für Sporteltern“ (vgl. Gubelmann, Baldasarre & Müller, 2021) ganz bewusst zu befolgen, nämlich: „Eltern fördern gesunde Beziehungen zu signifikanten Anderen“. Damit meine ich insbesondere auch zu Freund:innen ausserhalb des Sports!

2) Karriereübergang im Spitzensport – „Erfolgsjunkie“

Sportliche Erfolge, Rekorde, Spitzenleistungen und Medaillen wirken berauschend und sind wichtige „Treiber“ in der Karriere eines Spitzensportlers. Die „fluide Intelligenz“ manifestiert sich hier sehr oft in einem egozentrischen Streben nach Erfolg und im Erleben sportlicher Leistungsfähigkeit. Gerade im Übergang in eine nachsportliche Karriere würde ich der Athletin die Brooks’sche Frage stellen wollen: „Wie gedenkst du, die Kurve zu kriegen?“

3) Netzwerk „die-sportpsychologen.de“: „Wir-Kurve“

Bald feiert unser Netzwerk sein 10-jähriges Bestehen. Unsere Plattform hat sich in den Jahren prächtig entwickelt und verfügt über eine beeindruckende Reichweite im deutschsprachigen Raum. Brooks würde dazu sagen: Die „Deal“-Freunde leisten tolle Arbeit! Letztes Wochenende verbrachten sieben Netzwerk-Freund:innen ein launiges Workshop-Wochenende in Würzburg. Hauptthema auch dort: Wir!

4) Selbstreflexion – „Lebensglück“

Ich fühle mich im „indian summer“ meiner beruflichen Karriere. Ich würde meinem Leben als „Sportmensch“ gerne noch ein paar schöne Kapitel hinzufügen. Mit 50 Jahren stand ich ein letztes Mal mit einer Startnummer am Start und erkannte, dass die einst ziemlich „fluide“ Bewegungsintelligenz abhandengekommen war. Heute, rund zehn Jahre später, entdecke ich im Text von Albert C. Brooks spannende Parallelen zu meiner persönlichen Entwicklung. Diese Ideen dienen mir als Mittel zur Selbstreflexion. Vielleicht taugt die Wir-Kurve auch dir!?

Mehr zum Thema:

Quellen:

Gubelmann, H., Baldasarre C. & Müller, P. (2021): Wie Eltern in der Schweiz ihre Kinder erfolgreich auf dem Karriereweg nach Olympia begleiten: https://sems-journal.ch/10123

https://www.tagesanzeiger.ch/psychologie-und-glueck-mitte-40-kriegen-wir-die-2-chance-914852517994

(Für eine Kopie des Artikels bitte mich kontaktieren unter: hgubelmann@ethz.ch)

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Danijela Bradfisch: Wie du lernst, dein Gedankenkarussell zu stoppen

Während meiner Arbeit mit Athleten, Trainern und Eltern unterstütze ich sie auf ihrem Weg, mit „herausfordernden Situationen“ reguliert umzugehen. Aber wie sieht das genau aus? Dies will ich am Beispiel einer Trainerin zeigen, die allein bei der Ansetzung eines bestimmten Schiedsrichters schon emotional wird. Im Text skizziere ich, wie ihr das Fahrstuhlfahren geholfen hat. 

Zum Thema: Vom Gedankenkarussell zum Gedankenaufzug

Wir alle haben mit inneren Saboteuren zu tun. Diese Saboteure können viele Gesichter tragen und sich gegen die eigene Person richten oder auch gegen andere. Nur unter uns: Mir ist bewusst, dass ich teilweise unter Fremdsabotage stehe, aber auch sehr intensive Selbstsabotage betreibe (Precht, 2023). Mein Verständnis könnte also kaum größer sein. Als sportpsychologische Expertin, Mutter und Frau, sind meine (eigenen) Anforderungen hoch und (fast) gleichzeitig habe ich auf viele Herausforderungen einzuwirken. Wie ein Trainer oder ein Athlet auf dem Feld während eines Trainings oder Spiels.

Wenn also bekannte Auslöser vorhanden sind, z.B. ein Misserfolgserlebnis, ein sich anbahnender Konflikt oder sei es die Präsenz einer bestimmten Person, kann dies zu unerwünschten Verhaltensweisen führen. Quasi unbemerkt, bringt sich unser innerer Saboteur in solchen Situationen in Stellung. 

Mein Beispiel

Wie gerade beschrieben, ergeht es meinem Coachee. Einer Trainerin, die schon bei der reinen Ankündigung, dass ein bestimmter Schiedsrichter für die nächste Partie angesetzt ist, auf “180” beschleunigt. In unserer vertrauensvollen Zusammenarbeit habe ich versucht, ihr Gedankenkarussell gegen einen Gedankenaufzug auszutauschen. Dafür nutze ich methodisch den hypnosystemischen Ansatz, um das sogenannte Reframing ein- und anzuleiten. 

Reframing bedeutet, in bestimmten Situationen aus deinen üblichen Mustern auszubrechen, diese aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und ihnen dadurch eine andere, eine weniger negative oder sogar positive Bedeutung zu zuschreiben. Es geht also um die Umlenkung der Aufmerksamkeit (Fokus) auf die eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten. Ziel ist es, den Blick mehr nach innen zu richten, um das unbewusste Wissen der Trainerin kompetenzfördernd für ihre Ziele zu Tage zu fördern. 

Einblick in die Coaching Session

Im konkreten Fall habe ich der hypnosystemischen Coaching Session eine Ressourcen- und Stärkenanalyse vorausgeschickt. Am Rande: Das Wort Hypno hat wirklich nichts mit Hypnose-Shows zu tun. Um Ängste abzubauen und darzulegen, dass der Coachee immer die volle Kontrolle behält, zitiere ich hier aus dem Gespräch. Den Namen habe ich natürlich geändert:

Coach: Hallo Frau Gutbrodt, wie geht es Ihnen heute? Auf einer Skala von 1-10?

Klientin: Gut, Danke. So eine 7.

Coach: Schön 7. Was braucht es für eine 8?

Klientin: Schlaf und Ruhe (lächelt verlegen)

Coach: Haben Sie heute ein besonders Anliegen oder sollen wir beim letzten mal weitermachen? Mir scheint, dass wir auch dann auch schon beim Thema wären?

(schmunzeln)

Klientin: Ja, stimmt. Ich schaffe es immer noch nicht, mich in Ruhe für fünf Minuten hinzusetzen. Das regt mich auf, staut sich über den Tag und dann platzt es wieder heraus… (Kopf und Schultern hängen, Blickt schweift ab).

Coach: Gut, wie sind die heute so drauf? Möchten sie heute eher malen oder sich bewegen?

Klientin: (stille) Malen und bewegen.

… nachdem die Konfliktsituationen nochmals besprochen worden sind. Nun geht es daran, das Gedankenkarussell (Schiedsrichter, Fußball) in einen Aufzug umzuwandeln.

Coach: So, Frau Gutbrodt, bitte malen Sie doch einen Aufzug auf das Papier.

Klientin: (malt, ist unsicher)

Coach: Sehr gut, nun die Stockwerke… nehmen wir 4?

Klientin: (malt 4 Stockwerke, wirkt sichtlich entspannter)

Coach: Top. Nun bitte fügen Sie jedem Stockwerk Wörter und Farbe hinzu, mit denen Sie sich identifizieren können.

Klientin: 1 Lobby: Grün – Still

2 Lagerraum: Gelb – ok, gleich (Körperbewegungen)

3 Parkhaus: ROT – „Herr Gott, Margot“ (Körperbewegungen)

4 Keller: LILA – H2O

(betrachtet es nochmals von weiter weg)

Coach: Fühlt es sich für Sie so gut an? Passt das so?

Klientin: (stille) Ja.

Coach: Ok… nun möchte ich Sie dazu einladen, sich im Raum hinzustellen. Sie stehen stabil mit beiden Beinen auf dem Boden, fest verankert. Ja?

Klientin: Ja.

Coach: Ok. Bitte nehmen Sie 4-5 tiefe Atemzüge durch die Nase ein und durch den Mund aus. Wenn Sie möchten, schließen Sie die Augen danach.

Klientin: (atmet und schließt die Augen)

Coach: Sie stehen nun bei sich im Stadion. Heute ist ein normaler Spieltag. Sie sind ganz entspannt und gut vorbereitet mit Ihrem Team an der Spielstätte angekommen. 

Der Schiedsrichter ist schon da. Sie begrüßen sich freundlich.

Klientin: (atmet bewusster ein und aus)

Coach: Sie stellen sich an ihre Bank, fest verwurzelt mit dem Boden und spüren Ihre Zehen in den Boden versinken, ja?

Klientin: Ja.

Coach: Nehmen Sie Gerüche wahr?

Klientin: (benennt)

Coach: Nehmen Sie Geräusche wahr?

Klientin: (benennt)

Coach: Nehmen Sie sonst noch etwas wahr?

Klientin: (benennt Körperempfindungen)

Coach: Der Schiedsrichter kommt auf Sie zu. In welchem Stockwerk sind sie?

Klientin: 1.

Coach: Das Spiel wird ruppiger. Der Schiedsrichter hat falsch entschieden. In welchem Stockwerk sind Sie jetzt?

Klientin: 2 (Körperbewegung – Energie abschütteln)

… Durchspielen mehrere Szenarien unter der Anleitung des Coaches. Der Coach wiederholt immer wieder die Aussagen des Coachees, um die Situation authentisch erlebbar zu gestalten.

Coach: Das Spiel ist vorbei. Der Schiedsrichter pfeift ab. In welchem Stockwerk sind Sie jetzt?

Klientin: 2 (Körperbewegung – Energie abschütteln)

Coach: Sie stehen wieder an ihre Bank, fest verwurzelt mit dem Boden und spüren Ihre Zehen in den Boden versinken, ja?

Klientin: Ja.

Coach: Sie stehen nun bei sich im Innebraum. Der Spieltag ist vorbei. Sie sind ganz entspannt und glücklich.

Klientin: (atmet bewusster ein und aus)

Coach: Ok. Ich bitte Sie, nehmen Sie sich 4-5 tiefe Atemzüge durch die Nase ein und durch den Mund aus und wenn von 5 runtergezählt habe, öffnen Sie ihre Augen. Oder wie Sie möchten, gern schon vorher. 5… 4… 3… 

Klientin: (atmet und öffnet die Augen)

Coach: Hallo und willkommen. Wie geht es Ihnen?

Ziel der Übung war es, Frau Gutbrodt Ihre bereits vorhandenen Signalwörter mit Ihrem Körper bewusst in Einklang zu bringen. Es ging darum, Körpersignale zu erkennen, anzunehmen und positiv zu nutzen, wenn Stresssituationen (Konflikte) aufkommen. Frau Gutbrodt arbeitet bereits seit Jahren aktiv im Fußball als Trainerin und hatte eine persönliche Herausforderung mit „diesem einen“ Schiedsrichter. Nach mehrmaliger Anwendung des Aufzugs ist es Frau Gutbrodt gelungen, in der Lobby zu bleiben. Auch in ihren privaten und geschäftlichen Konflikten, ist es ihr möglich, nun höchstens noch bis ins Parkhaus zu fahren. 😊

Zusammenfassung

Für mich als Frau, Mutter und Unternehmerin, habe ich alles, was ich brauche, und bringe dieses auch mit, für eine Veränderung. Ob im Privaten, im Business oder Sport, Konflikte schaukeln sich entsprechend „hoch“, können aber durchbrochen werden, wenn man sich vorher z.B. Signalwörter oder Gegenstände in Gedanken verankert. Aber ohne einen Impuls von außen, fällt uns die Anwendung manchmal schwer. Vielen von uns gelingt es nur mühsam, sich auf sich zu konzentrieren, sich auf das eigene Wissen zu fokussieren und die Aufmerksamkeit auf die eigenen Ziele zu richten. Die Selbsterkenntnis und sich die Zeit aktiv hierfür zu nehmen, fällt den meisten schwer, mich eingeschlossen. Aber: Es steht einem zu, sein eigenes und das System außerhalb, ganzheitlicher zu gestalten. 

Wir haben es selbst in der Hand, mit unseren Emotionen und Handlungen besser umzugehen, wenn Stress aufkommt. Wenn ihr dazu Fragen habt oder aktiv werden wollt, nehmt gern Kontakt auf:

Stell Danijela Bradfisch deine Frage einfach hier:

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Mehr zum Thema:

Literatur

Bohart, A. C., & Tallman, K. (2010). Clients: The neglected common factor in psychotherapy. 

Precht, A. (2023). Selbst- und Fremdsabotage stoppenInnere Saboteure therapeutisch transformieren. Stuttgart: Klett-Cotta Verlag J.G. Cotta sche Buchhandlung Nachfolger GmbH.

Rohrhirsch, F. (2011). Führen durch Persönlichkeit: Springer.

Storch, M., Cantieni, B., Hüther, G., & Tschacher, W. (2006). Embodiment. Die Wechselwirkung von Körper und Psyche verstehen und nutzen. Bern: Huber

Tschacher, W., & Bannwart, B. (2021). Embodiment und Wirkfaktoren in Therapie, Beratung und Coaching. Organisationsberatung, Supervision, Coaching, 28(1), 73-84. 

Ulrich, B. (2014). Wettkampf und Wettbewerb. Semantiken des Erfolgs zwischen Sport und Ökonomie. Paper presented at the Erfolg.

Webers, T. (2015). Systemisches Coaching: Springer.

Willutzki, U., & Teismann, T. (2013). Ressourcenaktivierung in der Psychotherapie: Hogrefe Verlag GmbH & Company KG.

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Medientipps

Hier stellen wir euch Links und Hinweise zu ausgewählten aktuellen medialen Veröffentlichungen rund um das Thema Sportpsychologie zur Verfügung. Die Texte, Beiträge, Interviews, Bücher oder Podcasts stammen von unserer Experten und Expertinnen aus dem Netzwerk.

Johanna Constantini (zum Profil)

Johanna Constantini
Johanna Constantini, Die Sportpsychologen (Foto: Christian Ender)

ORF: Stöckl, Talkshow (Link), Johanna spricht u.a. zum Thema Demenz

https://tvthek.orf.at/profile/STOeCKL/5459541

Prof. Dr. Oliver Stoll (zum Profil)

Prof. Dr. Oliver Stoll, Die Sportpsychologen

ARD alpha: Leistungsdruck oder Kuschelpädagogik: Wie viel Wettbewerb brauchen Kinder beim Sport? (Link), ab Minute 19

https://www.ardmediathek.de/video/Y3JpZDovL2JyLmRlL3ZpZGVvLzQ4Njc4ODNkLWJjYzYtNDJiMi1iOTgxLTU3OWJlNmRmNzdjNQ

Markus Gretz (zum Profil)

Markus Gretz, Die Sportpsychologen

BIG: Interview mit Till Pape über sportpsychologisches Coaching (Link)

https://www.mg-sportpsychologie.de/interview

Kyle Varley (zum Profil)

Kyle Varley, Die Sportpsychologen
Kyle Varley, Die Sportpsychologen

Radio Top: Was ist Sportpsychologie (siehe Video unten)

Mehr zum Thema:

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Dr. Rita Regös: Wie du dein Selbstbewusstsein optimierst

Selbstbewusstsein ist ein zentrales Thema im Sport und im Beruf. Auch in vielen Alltagstätigkeiten entscheidet Selbstbewusstsein darüber, ob wir etwas tun oder es lieber doch nicht versuchen. Oder ob wir zögern, etwas hinausschieben und damit eventuell Chancen verpassen. Die Grenze des Selbstbewusstseins ist die Selbstüberschätzung. Man meint, nicht so sehr in der Eigenwahrnehmung, vielmehr in der Außenwirkung, also in der Fremdwahrnehmung etwas zu übersteuern. Die meisten Bedenken, zu selbstbewusst zu sein, ergeben sich durch die Befürchtung, sich selbst zu überschätzen. Innerlich ist eine Selbstüberschätzung eigentlich recht gut zu händeln: Ich habe mir doch etwas zu viel vorgenommen, mich übernommen, mich falsch eingeschätzt – ist relativ harmlos. Krönchen richten und das nächste Mal realistischer sein. Mehr Mühe macht uns das Außenbild. Aber Wissen hilft, um daran zu arbeiten.

Zum Thema: Vom Selbstbewusstsein bis zur Selbstüberschätzung

Viele Sportler fürchten sich vor der Fremdwahrnehmung: Erzählen, was man alles schafft und kann? Nein, das tut man nicht, denn im Falle eines Misserfolgs ist die Blamage richtig deftig. Irgendwo verständlich aber auch leider nicht sooo super: Weil die Beschäftigung mit sich selbst bloß keine Selbstüberschätzung sein soll, lässt man es nämlich lieber ganz oder findet tausend Dinge, die man halt doch oder noch nicht so gut kann. Das Endergebnis ist ein “fishing in negativity” und ein miserables Mindset ausgerechnet in dem Moment, wo einem jeder positiver Gedanke helfen könnte, in der Herausforderung. Das heißt, die Vermeidung einer bestimmten Außenwahrnehmung beeinflusst doch auch die Innenwahrnehmung.

Was ist also der Unterschied zwischen Selbstbewusstsein und Selbstüberschätzung? Anders gefragt können wir uns sicher sein, was wir können, ohne uns selbst zu überschätzen? Die Antwort ist ja, und ja, bitte unbedingt!

Die psychologische Viererkette

Zuerst kommt ein Gedanke, dieser beeinflusst unser Gefühl, was wiederum unsere Handlungen beeinflusst und letztlich das Ergebnis. Nennen wir es psychologische Viererkette: Vor der Herausforderung schießen einem Gedanken durch den Kopf über den Wettkampf und über sich selbst. Wie schätze ich die Herausforderung ein, wie schätze ich mich selbst ein. Das beeinflusst die Gefühle. Schätze ich die Herausforderung groß ein, mich selbst eher mäßig, entstehen negative Gefühle, wie zum Beispiel Ängstlichkeit oder Nervosität. Beide beeinflussen die Handlungen im Wettkampf und am Ende kann man nicht alles zeigen, was man drauf hat.

Da dieser Wirkmechanismus nicht hilfreich ist, neigt man zur Übertreibung. Man schätzt den Wettkampf zwar genauso herausfordernd ein, sich selbst aber großartig. Das hat zwar positive Auswirkungen auf das Handeln, führt aber selten zum Erfolg. Kann es gar nicht, denn dieser Gegenmaßnahme liegt der Irrglaube zugrunde, Selbstbewusstsein sei ein Gefühl, was man sich einreden kann – das ist es aber nicht. 

Drei Komponenten des Selbstbewusstseins

Selbstbewusstsein hat drei Komponenten: Erfahrung, Ableitung und Folgerung. 

Erfahrung ist ein Wissen über das, was einem schon gelungen ist. Die Ableitung ist so etwas wie eine Zusammenfassung von Erfolgen zu einer Fähigkeit – also das, was man kann. Der Sportler lernt im Laufe seiner Karriere zum Beispiel, dass ihm schlechte Wettkampfbedingungen nichts ausmachen, weil er unter schlechten Bedingungen oft gute Leistungen erbringen konnte. Nennen wir diese Fähigkeit, Widerstandskraft. Er denkt sich das nicht aus und redet sich das auch nicht ein, er hat diese Erfahrungen gemacht, er weiß es also. Da er weiß, dass er unter schlechten Bedingungen gute Leistungen bringen kann, kann er daraus ableiten, dass er erstens Widerstandsfähig ist, also diese Fähigkeit besitzt. Und zweitens, dass er diese Fähigkeit auch im nächsten Wettkampf einsetzen kann. Er schätzt sich also aufgrund von seinem Erfahrungswissen widerstandsfähig ein und folgert daraus, dass er in zukünftigen Wettkämpfen ebenso widerstandsfähig sein kann. Das ist Selbstbewusstsein – anders formuliert – das ist, sich selbst bewusst sein. 

Selbstüberschätzung

Selbstüberschätzung hingegen macht einen Sprung in dieser Kette: Aufgrund von Erfahrungen und daraus abgeleiteten Fähigkeiten antizipiert der Sportler den Erfolg. Weil er in der Vergangenheit widerstandsfähig war, hat er diese Fähigkeit und deswegen gewinnt er den Wettkampf – die Folge seiner Fähigkeit ist quasi der Sieg. 

Das ist aber eine falsche Schlussfolgerung und spätestens beim Misserfolg wird dieser Sportler wohl denken, diese Fähigkeit führt doch nicht zum Erfolg. In der Folge hinterfragt er die Fähigkeit, nicht aber die falsche Schlussfolgerung. 

Selbstbewusstsein als Wissen über die Ursachen des Erfolges 

Selbstbewusstsein ist kein Wissen über Erfolge, sondern ein Wissen über sich selbst, über die internen Ursachen der Erfolge.

Selbstbewusstsein ist auch kein Gefühl. Selbstbewusstsein ist ein Wissen, ein Erfahrungswissen, die daraus abgeleiteten Fähigkeiten (übrigens auch ein Wissen) – und die Folgerung, diese Fähigkeiten auch in der Zukunft zu haben. Dieses Wissen führt zu positiven Gefühlen, diese beeinflussen das Handeln und somit das Ergebnis – die psychologische Viererkette eben.

Selbstbewusstsein optimieren 

Möchte man das Selbstbewusstsein optimieren, muss man sich zunächst überlegen, was einem schon mal gelungen ist, egal was, egal ob ganz besonders wichtig oder nicht. Danach macht man sich Gedanken, auf welche Fähigkeit kann dieses Gelingen zurückgeführt werden oder welche Fähigkeit könnte hinter dem Gelingen stecken. Das ist der schwierige Part: Die meisten Sportler meinen, Fähigkeiten gehen verloren, manchmal auch über Nacht – das tun sie selbstverständlich nicht, Fähigkeiten sind stabil. Sportler sehen manchmal auch ihre Fähigkeit hinter ihren Erfolgen nicht. Das ist natürlich auch Nonsens, denn sie stehen im Wettkampf, sie und ihre Fähigkeiten sind die Ursachen des Erfolges, Glück ist wirklich sehr selten im Spiel.

Und letztlich muss man dieses Wissen wissen lernen. Auch das ist nicht an einem Tag getan, denn lernen ist üben, automatisieren, es erfordert Zeit und etwas Geduld. Aber es lohnt sich, denn man verlässt sich in den Momenten nicht auf Gefühle, in denen die Gefühle mit einem durchgehen, oder?

Nimm direkt Kontakt zu Dr. Rita Regös auf, um mit ihr auszuloten, wie ihr dein Selbstvertrauen optimieren könnt (Beschreib kurz deine Situation und wie du zu erreichen bist):

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Mehr zum Thema:

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Pro oder Contra NLZ – Wo sind Talente besser aufgehoben?

Kürzlich hat Fußball-Nationalspieler Robin Gosens bei LinkedIn (Link zum Post unten) eine spannende Frage aufgeworfen: Sind Nachwuchsleistungszentren Fluch oder Segen? Gosens ist fernab von NLZ-Strukturen zu dem Menschen und Fußball-Profi geworden, der er heute ist. Und er ist nicht der einzige, der sich abseits der fußballerischen Rundumversorgung zu einem Top-Spieler entwickeln konnte. Sollten wir als Die Sportpsychologen also jungen Talenten empfehlen, den Weg an den Nachwuchsleistungszentren vorbei zu suchen? Oder spricht doch zu viel für ein NLZ? 

Zum Thema: Nachwuchsleistungszentren – Fluch oder Segen?

Pro NLZ:

Janosch Daul, Die Sportpsychologen

Janosch Daul (zum Profil)

Fakt ist, dass jeder Karriereweg individuell höchst unterschiedlich verläuft. Ob der “klassische NLZ-Weg” DER Weg schlechthin ins Profigeschäft ist, ist von zahlreichen Bedingungsfaktoren abhängig, wie u.a. von den im NLZ vorherrschenden (Trainings-)Bedingungen, den dort angestellten Führungspersönlichkeiten, dem dort vorherrschenden Klima, der Persönlichkeitsstruktur und dem Reifegrad des Spielers, seinem sozialen System und dem Zusammenspiel zwischen Schule und Fußballverein. 

Grundsätzlich bin ich der Überzeugung, dass die Ausbildung in einem NLZ eine vielversprechende Möglichkeit darstellen kann, um als Fußballer Schritt für Schritt wachsen zu können (vielleicht sogar bis zum Profi) – unter der Grundvoraussetzung, dass das Zusammenspiel der im System Beteiligten (Mannschaftstrainer, Spezialtrainer, Nachwuchsleitung, Spieler, Eltern, Sportpsychologe etc.) auf höchstem Niveau abläuft und als wahres Unterstützungssystem für den Spieler fungiert. Es braucht ein wirkliches Talentumfeld, damit der Spieler seine Potenziale voll entfalten kann. Gelingt es einem NLZ, ein genau solches mit Leben zu füllen, den Spieler dabei spielerzentriert und bedürfnisorientiert in den Mittelpunkt des Denkens und Handelns zu rücken, so findet dieser ideale Grundvoraussetzungen für seine Weiterentwicklung vor. Was dieser daraus entstehen lässt, liegt dann primär in seiner Hand. Gleichzeitig bin ich völlig bei Robin Gosens – im Hinblick darauf, wie wichtig eine frühzeitige proaktive Auseinandersetzung mit einem Plan B ist. 

Idealerweise gilt es, alles für den Traum Profifußball zu geben, sich auch erlauben zu träumen, aber dennoch einen gesunden Realismus an den Tag zu legen, der dem Spieler hilft, alternative berufliche Möglichkeiten ins Auge zu fassen. Wir beim Halleschen FC führen über die Altersklassen hinweg regelmäßig Workshops zur Förderung der mentalen Stärke durch. Einer dieser Workshops lautet “Aus der Vergangenheit in die Gegenwart in die Zukunft”. Hierbei setzen sich die Jugendlichen bewusst u.a. mit folgenden Fragen auseinander: Welche Lebensereignisse haben mich geprägt? Welche Leidenschaften und Hobbys pflege ich neben dem Fußball? Wofür kann ich mich (noch) begeistern? Und auf dieser Grundlage: Was könnte ein Plan B sein? Und: Was konstituiert meine Identität? 

Ich wünsche mir, dass neben Sportpsychologen insbesondere die Elternteile in engem Austausch mit Ihrem Sohn stehen im Hinblick auf ihre Zukunftsplanung und dabei als Wegbegleiter vor allem wertvolle Reflexionsräume schaffen, aus denen (irgendwann) eine Klarheit erwachsen kann.

Contra NLZ:

Sebastian Ayernschmalz
Sebastian Ayernschmalz, Die Sportpsychologen

Sebastian Ayernschmalz (zum Profil

Mit dem NLZ werden vertraute Strukturen aufgebrochen. Neue Bezugspersonen rücken in den Vordergrund. Dabei müssen die sportlichen Betreuer:innen sich die Fragen stellen: Bin ich mir bewusst, welche Rolle ich jetzt im Leben des/der Sportler:in spiele? Bin ich mir bewusst, dass ich mehr als nur ein(e) Trainer:in bin? Dies bedeutet in der Organisation aber auch die Frage: Bringen meine Trainer:innen das nötige Handwerkszeug mit, um diese Lücken zu schließen?

Mit einer verpflichtenden Einstellung eines Sportpsychologen ab den Top-Ligen ist sicher eine Maßnahme getroffen worden, um Halt und Sicherheit zu geben. Allerdings ist dies leider auch eine Symptombehandlung. Wenn Psychologen und Therapeuten involviert werden müssen, um die mentale Gesundheit herzustellen, ist vor allem die Ursache zu suchen. Die sportpsychologische Betreuung der Sportler:innen ist grundsätzlich immer sinnvoll. Die Frage der Wirksamkeit bei einer Stelle für x-Mannschaften und lediglich von Kurzinterventionen ist aber mit in den Raum zu werfen. 

Nachwuchsleistungszentren sind dann eine gute Möglichkeit zur Förderung, wenn alle Beteiligten einen Blick über ihren Tellerrand hinaus werfen. Wenn sich Trainer:innen aber zu sehr auf den sportlichen Teil fokussieren und die Bindung und psychologische Sicherheit und Entwicklung anderen überlassen, dann ist das zumindest sehr kurzfristig gedacht und wird im schlimmsten Fall auf den Rücken der Athleten ausgetragen. Das “ewige Talent”, das es leider nicht geschafft hat, ist mit Sicherheit ein gängiges Wording. Wenn man dies aber auch kritisch betrachtet, muss man sich auch die Umwelten der Sportler:innen anschauen und hier ggf. Ursachensuche betreiben. 

Ein NLZ, das nur da ist, um Auflagen zu erfüllen, ist sicher völlig am Ziel vorbei und die ein oder andere Leitung sollte sich selbst hinterfragen und prüfen, welche Maßnahmen ergriffen werden, um die Sportler:innen auf das Leben (auch außerhalb des Platzes) vorzubereiten. Wenn am Ende des(zerplatzten) Traumes gebrochene Seelen in die Realität entlassen werden, haben nur wenige Menschen etwas gewonnen.

Kathrin Seufert, Die Sportpsychologen

Kathrin Seufert (zum Profil)

Ich kann mich auf beiden Seiten wiederfinden. Es gibt einige positive Aspekte des Systems Nachwuchsleistungszentrum, von denen Jansoch auch einige aufzählt. Für mich besteht aber eine große Schwierigkeit darin, dass die individuelle Entwicklung auf Grund des Leistungssystem nicht vollends beachtet wird. Es ist leistungsorientiert. Wer nicht gut genug ist, muss gehen. 

Dabei fehlt mir der Gedanke, du bist NOCH nicht gut genug oder strukturierte Optionen, damit der/die Jugendliche weiter seinem/ihrem Hobby nachgehen kann. Wir müssen froh sein, dass so viele junge Menschen diese Sportart lieben. Diese Liebe soll nicht getrübt werden, weil es für eine bestimmte Mannschaft derzeit nicht reichen soll. Es haben genug Fußballer bewiesen, auch ohne ein NLZ ganz oben anzukommen.

Daher glaube ich, es gibt kein klassisches Pro und Contra. Jeder Jugendliche muss selbst für sich schauen, ob das System, der Verein, das Umfeld, die Verantwortlichen und deren Philosophie zu einem passen und dies immer wieder neu reflektieren. Der Zusammenhalt, die professionelle Begleitung auf allen Ebenen kann natürlich auch den entscheidenden positiven Effekt haben.

Am Ende sind die NLZ-Kicker mehr als Fußballer, es sind Menschen, die auf ihrem Weg begleitet werden sollten und meistens auch begleitet werden wollen. Daher ganz klar die Antwort: Es gibt diese klare Antwort nicht. Im Vordergrund sollte vielmehr die individuelle Begleitung stehen, um den Weg eines Jugendlichen optimal zu gestalten. 

Kyle Varley, Die Sportpsychologen
Kyle Varley, Die Sportpsychologen

Kyle Varley (zum Profil)

Für die NLZ-Strukturen spricht, dass in den NLZ der Fußballer als Fußballer voll und ganz gefördert wird. Dies umfasst heutzutage nicht nur das Technische und Taktische der Sportart, sondern reicht in einem modernen NLZ von Sportpsychologie, bis hin zur Ernährungsberatung oder Einblicke in verschiedene Regenerationsmöglichkeiten wie Yoga und dergleichen. Der Sportler bekommt ein alles umfängliches Wissen mitgegeben, das ihm hilft, auf sportlicher Ebene sein Potenzial abzurufen. 

Jeder individuelle Fußballer kann für sich dann auch die Learnings mitnehmen, die ihm am meisten helfen. Gleichzeitig werden blinde Flecken durch professionelle Betreuung aufgedeckt, wodurch frühzeitig Verletzungen vermieden werden und Probleme mit dem Umgang mit Druck und Stress präventiv gelernt werden können. Dies egal aus welchem Hintergrund und welcher finanziellen Situation die Familie des Fußballers kommt.

Der Fußballer profitiert also vom NLZ. Gleichzeitig kann dadurch der Mensch leiden. Denn die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit ist in dem Alter, wo die Fußballer ins NLZ gehen, am absolut wichtigsten. Die Entwicklung wird am ehesten gewährleistet, wenn Jugendliche verschiedene Lebensbereiche kennenlernen und sich über verschiedene Rollen und Persönlichkeitsmerkmalen identifizieren können.

Wachsen die Fußballer aber ab Jugendalter in der Rolle als “Fußballer” auf und werden ausschließlich mit dem Thema Fußball konfrontiert, dann fehlt die Entwicklung der anderen Bereiche. Sich alleine durch einen Bereich zu identifizieren mag im Fußball nicht zwingend ein Nachteil sein, bei Verletzungen, Bänkeln oder Karriereende, aber erst recht. Weil nach wie vor ein Großteil der Jugendspieler den Sprung auf die professionelle Ebene nicht schaffen, werden sie also nicht darauf vorbereitet, mit dem umzugehen und haben Mühe, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden.

Link zum LinkedIn-Beitrag von Robin Gosens: Link

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“Fußball ist auch eine Kopf- und Einstellungssache”

Ole Pörschmann ist ein Leistungsträger der U17-Mannschaft des Halleschen FC. Im Nachwuchszentrum des Fußball-Drittligisten arbeitet Janosch Daul von Die Sportpsychologen seit eineinhalb Jahren intensiv mit ihm im mental-sozialen Bereich zusammen. Ole gehört zu denjenigen Spielern, die das Angebot, sich mit meiner Unterstützung gezielt mental weiterzuentwickeln, am meisten nutzen. In diesem Artikel möchten Janosch und Ole aufzeigen, wie eine zielführende sportpsychologische Zusammenarbeit in einem NLZ gestaltet werden kann. Zugleich sollen authentische Einblicke vermittelt werden, welche Herausforderungen sich für den sportpsychologischen Experten durch diese besonders engen Formen der Zusammenarbeit ergeben.

Ob es anderen sportpsychologischen Coaches teilweise ähnlich ergeht? Welche Fragen haben Spieler in Bezug auf eine solche Zusammenarbeit? Nehmt dazu gern direkt Kontakt zu Janosch Daul (zum Profil) auf – aber erst, nachdem ihr seinen Text gelesen habt:

Zum Thema: Einzelspieler-Coaching im Nachwuchsleistungsfußball

Den Ausgangspunkt für unsere Zusammenarbeit bildete ein Kennenlerngespräch im Sommer 2022, als Ole, der nach einem Intermezzo beim VfL Wolfsburg zur U14 des HFC zurückkehrte, gerade in die U16 gekommen war. In diesem Gespräch gab mir Ole, der täglich die circa 35 Kilometer lange Strecke zwischen seiner Heimatstadt Lutherstadt Eisleben und Halle meistert, sofort das Gefühl, an einem engen Austausch interessiert zu sein. Grundsätzlich nehme ich wertvolle Eigenschaften wie Ehrgeiz, Streben nach Weiterentwicklung, Wissbegierde, Zielklarheit und eine enorme Offenheit bei ihm wahr. Alles Punkte, die nicht zuletzt positiv auf unsere Zusammenarbeit einzahlen. Ole selbst nimmt bei sich vor allem Folgendes wahr und berichtet, warum er die Sportpsychologie so wichtig findet:

„Ehrlichkeit, Wille und der Mut, Mentales mit Janosch als sportpsychologischem Coach anzugehen, zeichnen mich besonders aus. Nicht jeder traut sich, den Weg, den ich gehe, zu gehen, weil er auch mit Aufwand einhergeht. Ich finde das Thema aber einfach sehr wichtig. Denn Fußball ist auch eine Kopf- und Einstellungssache. Nur weil man ein guter Fußballer ist, bedeutet das nicht, dass man das, was man kann, auch automatisch abrufen kann. Spiele werden auch im Kopf gewonnen. Wenn man mit dem Mindset ´Ich weiß nicht, ob wir das gewinnen´, in Spiele hinein geht, dann wird das nichts. Man muss immer denken, dass man der Beste ist und das lerne ich auch durch die sportpsychologische Zusammenarbeit. Was mir in dieser Zusammenarbeit besonders gefällt, ist, dass wir uns alles offen und ehrlich sagen können, sodass wir immer weiterkommen und auch gegenseitig viel voneinander lernen. Wir können uns vertrauen und ich bin mir sicher, dass das, was wir besprechen, auch immer unter uns bleibt.“

Dimensionen des Leaderships

Inhaltlich arbeiteten wir in der vergangenen Saison primär an Oles Kompetenzen als Führungsspieler. Grob umrissen ging es dabei um eine Weiterentwicklung in den folgenden vier Dimensionen des Leaderships: 

  • motivierendes Leadership (primär auf dem Spielfeld),
  • aufgabenorientiertes Leadership (primär auf dem Spielfeld),
  • soziales Leadership (primär außerhalb des Spielfeldes),
  • extern orientiertes Leadership (primär außerhalb des Spielfeldes)

Am Erarbeiteten konnten wir in der aktuellen Saison wunderbar anknüpfen.

Die aktuelle Saison 

Als festes Teammitglied der U17 habe ich in dieser Saison die Möglichkeit, Ole noch regelmäßiger und intensiver zu begleiten. In der Sommervorbereitung führten wir eine Auftragsklärung durch, um zu definieren, in welche Richtung die gemeinsame Reise gehen soll und um Einblicke darin zu erhalten, wie ich ihm aus seiner Sicht der bestmögliche Unterstützer sein kann. 

Aus dem Gespräch ergab sich, dass mich Ole primär in folgenden Rollen sieht:

  • der Spiegel, der ihm regelmäßig ein ehrliches Feedback unter mental-sozialen Gesichtspunkten gibt, bezogen auf Aspekte, die auf und neben dem Feld beobachtbar sind,
  • der Coach, der anregende Reflexionsfragen stellt, um Lernprozesse auszulösen und mit dem Ole an mentalen Kompetenzen arbeitet,
  • der Berater, der ihm punktuell Ratschläge mit auf seinen Weg gibt,
  • der Pädagoge, der mit ihm offen und ehrlich ins Gespräch kommt, wenn Verhaltensweisen im sozialen Bereich inadäquat sind – mal durch das Ausdrücken einer eigenen Meinung, primär allerdings durch das Stellen von Reflexionsfragen, die ihn selbst Einsichten und Lösungen entwickeln lassen,
  • der Trauerbegleiter, der ihn bei besonders herausfordernden Themen unterstützt,
  • der Kumpel, mit dem sich Ole über Alltagsthemen unterhalten kann und 
  • der Wettkampfvorbereiter, der ihm hilft, sich mental aufs Spiel vorzubereiten

Für Ole selbst ist zum einen die Rolle des Coaches besonders wichtig: „Durch die Reflexionsfragen komme ich selbst ins Nachdenken. Dies ist für mich am effektivsten. Durch diese Fragen setze ich mich intensiver mit dem Thema auseinander und kann mir darüber am besten klar werden, was ich verkehrt, aber auch gut gemacht habe. Dadurch weiß ich dann auch, was ich beim nächsten Mal besser machen kann. Wenn mir jemand einfach nur sagt, was ich falsch gemacht habe, dann komme ich darüber kaum ins Nachdenken und setze mich viel weniger kritisch mit mir selbst auseinander.“

Kommunikation als Schlüssel

Das Stellen nützlicher (Reflexions)fragen scheint Ole also in seiner persönlich-menschlichen Weiterentwicklung am dienlichsten zu sein. Dies steht im Gegensatz zum Ansatz so mancher Führungskräfte (z.B. Trainer), die dazu neigen, durch das Halten eines Monologs eine Verhaltensänderung beim Geführten (z.B. dem Spieler) erzeugen zu wollen. 

Zum anderen hat vor allem die Rolle des Spiegels, aus der heraus ich Ole nach Trainingseinheiten und Spielen regelmäßig meine Wahrnehmungen, teils per persönlichem Gespräch, in der Regel jedoch per Whats-App-Sprachnachricht, kommuniziere, eine hohe Wichtigkeit für Ole: „Dadurch, dass Janosch mich regelmäßig spiegelt, weiß ich, woran ich arbeiten kann und in welchen Bereichen ich noch zulegen muss. Dadurch kann ich mir fürs nächste Training bewusst Dinge vornehmen, die ich umsetzen will. Und wenn ich auf etwas bewusst achte, dann kann ich mich darin auch verbessern. Hilfreich ist für mich dabei, mir eine Notiz ins Handy zu schreiben, die ich mir vor dem Training nochmal anschaue oder mir das, was ich umsetzen will, auf einen Zettel schreibe, den ich mir vor dem Schlafen und dem Training nochmal angucke.“

Drei Schwerpunkte der Zusammenarbeit

Inzwischen haben sich drei Schwerpunkte in der Zusammenarbeit mit Ole herauskristallisiert – immer verbunden mit der zielgerichteten Einnahme einer adäquaten Rolle: 

  1. Arbeit an Führungsspielerkompetenzen 

Als Teil des Mannschaftsrats und dritter Kapitän hat Ole einen natürlichen Führungsanspruch an sich selbst. Meiner Wahrnehmung nach ist es dem Real Madrid- und VfL Wolfsburg-Fan in den vergangenen eineinhalb Jahren extrem gut gelungen, eine  hohe Leitungsstabilität im Hinblick auf Kompetenzen, die einen wahren Leader auf dem Feld ausmachen, zu entwickeln, z.B.:

  • die Mitspieler auf positive Art und Weise emotional zu coachen, 
  • die Emotionen auf dem Spielfeld in die richtige Richtung zu lenken, 
  • die Mitspieler zu motivieren, bis zum Äußersten zu gehen, 
  • selbst eine vorbildliche Einsatzbereitschaft an den Tag zu legen,
  • Trainingsabläufe durch das Übernehmen organisatorischer Verantwortung positiv zu unterstützen,
  • dem Team zu helfen, sich zu fokussieren und taktische Entscheidungen zu treffen und
  • klare, positiv formulierte Anweisungen zu geben.

Meiner Meinung nach ist Ole in diesen Bereichen als Führungsspieler bereits so gut aufgestellt, dass es an dieser Stelle „nur noch“ um den Erhalt dieser Leistungsstabilität und um ein Feintuning geht. Oles Selbsteinschätzung dazu: „Ich bin in diesen Bereichen gut aufgestellt. Es ist nicht selbstverständlich, im Spiel und Training so viel zu coachen. Ich habe aber manchmal auch Tage, an denen ich nicht so happy bin und dann nicht so viel coache. Wenn wir z.B. ein Spiel verlieren, bin ich auch nicht immer der Lauteste. Trotzdem habe ich mir hier sehr gute Voraussetzungen für meine weitere Entwicklung geschaffen. Besonders gut finde ich meine Lautstärke. Es macht was mit dem eigenen Team, wenn ich laut bin und es schüchtert zugleich die Gegenspieler ein. Zudem ist es einfach richtig geil, sich nach einem Tor oder gewonnenen Zweikampf abzufeiern, also den Emotionen freien Lauf zu lassen. Das pusht mich selbst, wodurch ich noch freier und besser spielen kann.“

Ole beschreibt zudem, wie es ihm gelungen ist, diese Kompetenzen zu entwickeln: „Im Training habe ich mich bewusst darin geübt, Lautstärke reinzubringen, was mit der Zeit immer besser gelang. Dann konnte ich dies auch im Spiel zeigen. Zudem hat mein Vorbild Sergio Ramos dazu beigetragen. Ich habe mir gerade zu Real-Zeiten viele Spiele von ihm angeschaut und ich sehe, wie er permanent coacht, seine Kette zusammenhält, auch pfeift, ja einfach ein lautstarker Leader ist, auf den man sich verlassen kann. Von ihm hab ich mir vieles abgeschaut.“

Ich nehme wahr, dass Ole insbesondere in seinem Sozialverhalten noch Wachstumspotenziale offenbart. Auf meine Frage, wie er seine Sozialkompetenz einschätzt, meinte er zuletzt: „Janosch, ich kann sehr sozialkompetent sein. Ich will es nur nicht immer.“ Aktuell unterstütze ich ihn dabei, sich selbst immer besser kennen- und verstehen zu lernen: Welche (guten) Gründe habe ich, dass ich nicht immer will? Was braucht es, um mehr ins Wollen zu kommen? Wieso reagiere ich in Situationen mit anderen Menschen so, wie ich reagiere? Was sind persönliche Triggerpunkte? Wie kann ich in Gruppenkontexten eine für mich stimmige Rolle finden? Was brauche ich, um Menschen in bestimmten Situationen weniger schnell zu beurteilen? Wie gebe ich gewaltfrei Feedback? Wie führe ich unangenehme Gespräche? Wie löse ich Konflikte auf? Wie gehe ich aktiv auf Mitspieler zu? Wie kann ich Rücksicht auf die Bedürfnisse anderer nehmen, wenn diese meinen eigenen im Wege stehen? Wie kann ich meinen Mitspielern ein guter Zuhörer sein? Wie kann ich Dankbarkeit und Wertschätzung auf eine für mich authentische Art und Weise ausdrücken?

Ole ist sich dessen selbst bewusst, dass er an seinem Sozialverhalten noch arbeiten muss: „Mein größtes Potenzial besteht darin, einen Menschen, wenn ich ihn nicht so mag oder (noch) nicht so gut kenne, nicht so schnell zu beurteilen. Das sollte ich mir abgewöhnen. Und zudem die Meinungen anderer akzeptieren, also erstmal über diese nachdenken, verarbeiten und dann darauf antworten, anstatt direkt loszuschießen. Zudem möchte ich lernen, nicht immer meine Meinung durchzudrücken und auch anzuerkennen, wenn eine andere Person Recht hatte.“

Ich habe selten einen Spieler und gleichzeitig einen so jungen Menschen (!!!) erlebt, der sich so ehrlich und knallhart spiegeln lassen möchte und sich so ehrlich mit sich selbst und auch (eigenen) unangenehmen Themen auseinandersetzt, um persönlich zu wachsen. Ich habe für mich durch die Zusammenarbeit mit Ole gelernt: Auf der Grundlage maximaler menschlicher Wertschätzung kannst du einem Menschen, den eine gewisse Offenheit auszeichnet, in einem passenden Moment fast alles sagen – und wirst dann in der Regel auch wirklich gehört. Oles Streben danach, sich auf diese Weise permanent mit sich selbst auseinandersetzen zu wollen, begeistert mich an ihm und führt mich zu der wenig mutigen Annahme, dass es ihm in den kommenden Jahren gelingen wird, an seinen ihn (noch) herausfordernden Themen zu wachsen. Um die Schritte zu gehen, die Ole gehen will – dafür bekommt er von mir alle Zeit dieser Welt. Alles zu seiner Zeit. 

  1. Arbeit an leistungsbezogenen mentalen Kompetenzen 

Wer als Spieler ganzheitlich wachsen will, der kommt nicht daran vorbei, sich neben taktischen, physischen und technischen Aspekten auch gezielt mit mentalen Aspekten des Fußballspiels auseinanderzusetzen. In Form von Gesprächen, kurzen Coachingprozessen und Feedbacks arbeiten wir konsequent an mentalen Kompetenzen wie z.B. den folgenden:

  • mit unangenehmen Emotionen in Folge herausfordernder Situationen umgehen zu können,
  • die eigene Aufmerksamkeit handlungsbezogen auf spielrelevante Reize auszurichten,
  • funktional und lautstark zu kommunizieren,
  • eine hundertprozentige Einsatzbereitschaft an den Tag zu legen und
  • über den Körper Zuversicht, Stärke und Selbstbewusstsein auszustrahlen

Oles Selbstwahrnehmung dazu: „Besonders gut finde ich meine Lautstärke. Das macht was mit dem Team, wenn es einen Leader hat, der lautstark pusht und coacht. Zudem habe ich eine hohe Einsatzbereitschaft. Ich finde es super wichtig, einen Zweikampf unbedingt gewinnen und einen Ball unbedingt anbringen zu wollen. Ich bin ein Typ, der nicht verlieren kann und immer gewinnen will. Dies zeigt sich in meiner Einsatzbereitschaft.“ 

  1. Unmittelbare Wettkampfvorbereitung 

Wie für so viele Spieler ist auch für Ole das Spiel am Wochenende der Wochenhöhepunkt. Das Motto lautet dann: Performen! Das abrufen, was ich kann und im Trainingsprozess entwickelt habe! Eine Frage, die sich ein Spieler entsprechend stellen darf, lautet: Was brauche ich, um meine maximale Leistungsfähigkeit am Wochenende möglichst stabil und konstant abrufen zu können? In dieser Saison haben Ole und ich für Pflichtspiele feste Routinen mit Raum für Flexibilität entwickelt, die ihm dabei helfen, seine Fähigkeiten auch tatsächlich auf den Platz zu bringen: 

  • Auf der Hinfahrt zum Spiel stelle ich Ole Reflexionsfragen, die ihn dabei unterstützen, seine für das Spiel relevanten Aufgaben sowie seine eigenen Zielstellungen und Erwartungshaltungen bewusst im Gedächtnis zu verankern. Vor manchen Spielen bringe ich ihn zudem je nach Bedürfnis nochmal mit seinen Stärken in Kontakt – z.B. durch Visualisierungsübungen.
  • Während der Platzbesichtigung am Spielort konkretisieren wir das im Bus Besprochene: Was braucht es nun konkret, um in die Umsetzung zu kommen? Zugleich beziehen wir die Platz- und Umgebungsbedingungen, die wir vor Ort vorfinden, in unsere Überlegungen mit ein. Bei Heimspielen verknüpfen wir diese beiden Teile der Wettkampfvorbereitung während der Platzbesichtigung miteinander. 
  • Ca. zwei Minuten vor Spielbeginn suche ich nochmal für einige kurze Augenblicke den Austausch mit Ole. Auf einer kleinen Karte visualisiert erinnere ich ihn an zwei für das Spiel relevante mentale Aspekte und gebe ihm abschließend einen kleinen Mutmacher mit auf den Weg. 
  • In der Halbzeitpause kommt Ole bedürfnisorientiert auf mich zu, um über sein Spiel in der ersten Halbzeit ins Gespräch zu kommen. 

In der aktuellen Vorbereitungsphase nutze ich die Testspiele, um Ole zu einer kompletten Selbstständigkeit zu ermutigen. Er ist der permanente Selbst-Entscheider über das, was er vor dem Spiel im Sinne einer bestmöglichen mentalen Wettkampfvorbereitung gerade benötigt. Wenn er mich braucht, bin ich für ihn da und wenn nicht, zeigt mir dies, dass es ihm immer besser gelingt, sich höchstselbst mental perfekt auf das Spiel vorzubereiten – dies schafft eine wertvolle Unabhängigkeit von anderen Personen. 

Meine größte Challenge in der Zusammenarbeit mit Spielern wie Ole

Als leidenschaftlich-verrückter Vollbut-Sportpsychologischer Coach neige ich dazu, mit Spielern (und Menschen außerhalb des Fußballs) sehr stark mitzuschwingen, mich ihnen auch emotional sehr verbunden zu fühlen. Dies bringt viele Vorteile mit sich, birgt aber auch gewisse Gefahren. Diese Leidenschaft für den Spieler und primär den Menschen dahinter lässt mich auf der einen Seite eine hohe Einsatzbereitschaft an den Tag legen und (fast) alles für den Spieler im Sinne seiner Weiterentwicklung tun, sofern dies mit meiner Rolle als sportpsychologischer Coach kompatibel erscheint, sei es beispielsweise das Vernetzen des Spielers mit Ernährungsspezialisten oder das aufwendige Herstellen individueller Motivationsvideos. Spieler spiegeln mir, dass es mir dadurch gut gelingt, sie im mental-sozialen Bereich kontinuierlich voranzubringen. Doch auf der anderen Seite kostet mich dieses Gefühl der emotionalen Verbundenheit und meine daraus resultierende sehr hohe Einsatzbereitschaft eine Menge Energie, die mir dann für andere Lebensbereiche teilweise fehlt. Dies ist wohl der Preis, den du ein Stück weit zahlen musst, wenn du merkst, dass sich der Beruf, den du ausüben darfst, einfach nicht wie ein Beruf, sondern vielmehr wie eine Leidenschaft anfühlt. Zudem braucht es gerade dann immer wieder ein höchst professionelles und achtsames Innehalten und Reflektieren der eigenen Rolle. Auf Spieler wie Ole bezogen: Durch eine so enge Zusammenarbeit entsteht eine wahre menschliche Beziehung und dadurch wiederum eine freundschaftliche Sympathie. Das ist menschlich. Ole meint mit Blick auf unsere Beziehung: „Manchmal vergesse ich, dass Janosch mein sportpsychologischer Coach ist. Dadurch rede ich sehr locker mit ihm und ohne dabei groß nachzudenken.“ 

Was ist meine Herausforderung? Diese besteht für mich, im Sinne der Wahrung eines professionellen Arbeitsverhältnisses darin, immer wieder klare Grenzen zu setzen – nach innen und außen. Im Sinne der Beziehungsgestaltung situationsbezogen mit Spielern wie Ole zum Beispiel Späße machen zu können und dabei dennoch in der eigenen Rolle professionell zu bleiben. Ich nehme wahr, dass Ole und ich auf einem guten Weg sind, an unseren jeweiligen Herausforderungen zu wachsen. Gerade durch unsere gemeinsame Zusammenarbeit, die sich für mich total stimmig und wertvoll anfühlt. 

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