Ein aktueller WDR Sport Inside Beitrag „Jungprofis in der Bundesliga: Noch früher ins Rampenlicht“ sorgt für Aufsehen. Im Film von Matthias Wolf wird die Regeländerung kritisch beleuchtet, nach der in der Fußball-Bundesliga zukünftig ohne jegliche Einschränkung bereits 16-Jährige Kicker zum Einsatz kommen dürfen. Diese Veränderung hat Borussia Dortmund angestossen. Ein Verein, der zunehmend auf junge internationale Talente setzt. Aber zu welchem Preis? Zu dieser Frage wurde unter anderem Dr. René Paasch von Die Sportpsychologen (zum Profil) befragt. Wir empfehlen an dieser Stelle den Beitrag, der unter anderem auf Sportschau.de oder über die Sportschau-App zur Verfügung steht:
Von einem Tag auf den anderen klappt die Bewegung nicht mehr. Der Spezialwurf geht häufiger daneben als ins Ziel. Die Kür kippt immer an der gleichen Stelle. Im Sport sind solche Blockaden nicht selten. Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. So dramatisch sie wirken, stellen sie meist nur eine vorübergehende Herausforderung dar, die durch gezielte Unterstützung lösbar ist. Nicht jedes auffällige Verhalten von Kindern und Jugendlichen ist also “pathologisch” zu deuten, sondern kann Ausdruck eines Entwicklungsprozesses sein, der Begleitung, Stärkung und Orientierung braucht.
Zum Thema: Coaching im Kinder- und Jugendalter
Als Mutter oder Vater oder auch Trainer denkst du jetzt vielleicht: “Naja, stimmt schon, aber es ist doch nur Freizeit- und Breitensport. So schlimm ist es dann doch nicht, dass es gleich die Sportpsychologie braucht.” Da halte ich dagegen. Denn egal ob im Nachwuchsleistungssport oder im Breitensport von Kindern und Jugendlichen: Der Sport ist ein Lernfeld fürs Leben. Kinder und Jugendliche erleben dort täglich echte und wertvolle Situationen: mit Druck umgehen, Rückschläge verkraften, im Team funktionieren, Verantwortung übernehmen, an sich selbst glauben und ihr eigenes Körpergefühl festigen – und sie lernen, damit umzugehen.
Viele dieser Herausforderungen sind ähnlich wie im schulischen oder familiären Alltag – nur greifbarer und direkter. Eine Niederlage, ein Fehler im Spiel, Lampenfieber vor einem Wettkampf – das sind Momente, in denen Entwicklung passiert. Und genau da lohnt es, mit Hilfe der Sportpsychologie anzusetzen. Training entwickelt vor allem den Körper. Coaching ergänzt genau dort, wo es entscheidend wird: im Kopf und im Zusammenspiel mit dem Körper.
Was Coaching bringt
Es hilft Kindern und Jugendlichen:
• ihre Emotionen und Reaktionen zu verstehen
• mit Druck und Unsicherheit umzugehen
• Selbstvertrauen aufzubauen
• Blockaden zu lösen
Das Ergebnis ist nicht nur mehr Leistung, sondern vor allem eine stabile Leistung. Und genau diese Stabilität ist die Grundlage für echte Leistungsentwicklung – im Breitensport wie im Nachwuchsleistungssport. So wirkt Coaching: nicht als Therapie, sondern als Unterstützung, um aus diesen Situationen zu lernen und stärker daraus hervorzugehen.
Trainer und Eltern haben dabei eine enorme Chance. Sie sind oft die ersten, die solche „Blockaden“ oder Unsicherheiten sehen – und können sie als Entwicklungsschritt begleiten, statt sie vorschnell zu bewerten. Mit der richtigen Unterstützung wird aus einem Problem eine Lernchance.
Fazit
Leistungsschwankungen im Jugendalter sind normal – sie entstehen durch die Dynamik von Körper und Kopf. Wer diese versteht und gezielt begleitet, schafft stabile Leistung und echte Entwicklung. Training macht den Körper besser. Coaching sorgt dafür, dass die Leistung auch abrufbar ist.
Wir von Die Sportpsychologen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Danijela Bradfisch) sind gern bereit, euch gezielt zu unterstützen und zu begleiten. Ich arbeite seit 20 Jahren mit Kindern und Jugendlichen. Für mich ist es eine Berufung, die über Umwege bis heute mein Leben gestaltet und dies auch in Zukunft tun wird. Weil es mir Spass macht, Entwicklungen anzugehen, fortzuführen und immer neue junge Menschen zu begleiten. Sie wachsen zu sehen – trotz oder gerade wegen ihrer individuellen Herausforderungen.
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Im Tennis entscheidet selten nur die objektive Spielstärke über Sieg oder Niederlage. Immer wieder sieht man Matches, in denen vermeintlich klar überlegene Spieler gegen schwächere Gegner verlieren. Die Analyse zeigt dabei oft: Es ist nicht der Gegner, der gewinnt, es ist der Favorit, der sich selbst schlägt. Dieses Phänomen ist selbst im Leistungssport kein Randthema, sondern ein wiederkehrendes Muster. Gerade im Tennis, wo es keine Teamdynamik gibt, keine taktischen Auswechslungen und keine externe Korrektur während des Spiels, ist der Athlet vollständig auf seine eigene mentale Stabilität angewiesen.
Zum Thema:Mentale Stärke im Tennis
Ein klassischer Auslöser ist die Erwartungshaltung. Ein Spieler geht in das Match mit der Überzeugung: „Das muss ich gewinnen.“ Diese scheinbar harmlose Haltung verändert die gesamte mentale Ausgangslage. Statt frei zu spielen, entsteht Druck. Jeder verlorene Punkt wird nicht mehr als Teil des Spiels akzeptiert, sondern als Abweichung vom „Plan“.
Beispiel: Ein Topgesetzter trifft auf einen Qualifikanten. Zu Beginn läuft alles normal, doch beim Stand von 4:4 schleichen sich erste leichte Fehler ein. Statt ruhig zu bleiben, denkt der Favorit: „Das darf nicht passieren.“ Die Folge: erhöhte Muskelspannung, vorsichtigeres Spiel, weniger Risiko. Der Gegner hingegen spürt die Unsicherheit und spielt befreiter.
Der Fokus verschiebt sich
Ein weiterer zentraler Mechanismus ist die falsche Aufmerksamkeitssteuerung. Spieler beginnen, sich mehr mit dem Ergebnis als mit dem Prozess zu beschäftigen.
Typische Gedanken:
„Ich darf jetzt keinen Breakball zulassen.“
„Wenn ich diesen Satz verliere, wird es eng.“
„Das Match darf ich nicht hergeben.“
Diese Gedanken führen weg von der eigentlichen Aufgabe, den nächsten Punkt klar und strukturiert zu spielen. Die Aufmerksamkeit springt in die Zukunft, und damit geht die Kontrolle über den aktuellen Moment verloren.
Ein konkretes Beispiel aus der Praxis: Ein Spieler führt klar mit 6:2, 3:1. Statt weiterhin mutig zu agieren, beginnt er, „zu verwalten“. Die Schläge werden kürzer, die Entscheidungsgeschwindigkeit sinkt. Der Gegner kommt zurück ins Spiel, nicht weil er plötzlich besser spielt, sondern weil der Favorit seinen eigenen Rhythmus verliert.
Emotionale Überreaktionen
Schwächere Gegner spielen oft unkonventioneller. Sie haben weniger zu verlieren, variieren mehr und treffen auch unorthodoxe Entscheidungen. Das kann beim Favoriten Frustration auslösen.
Beispiel: Ein Spieler ärgert sich über „glückliche Punkte“ des Gegners – Netzroller, Linienbälle, unsaubere Schläge, die dennoch im Feld landen. Statt diese als Teil des Spiels zu akzeptieren, bewertet er sie emotional. Die Konsequenz: Ärger, negative Körpersprache, sinkende Konzentration.
Diese emotionale Reaktion kostet Energie, und zwar genau die Energie, die für die eigene Leistung notwendig wäre.
Das Selbstbild gerät ins Wanken
Ein besonders kritischer Punkt ist die Identität des Spielers. Wenn jemand überzeugt ist: „Ich bin klar besser“, dann passt eine enge Spielsituation nicht zu diesem Selbstbild. Es entsteht ein innerer Konflikt.
Es kommen Gedanken hoch, wie:
„Warum passiert mir das?“
„Das ist peinlich.“
„Ich darf hier nicht verlieren.“
Dieser innere Druck verstärkt die Unsicherheit. Der Spieler kämpft nicht mehr nur gegen den Gegner, sondern gegen die Situation und gegen sich selbst.
Was erfolgreiche Spieler anders machen
Mental stabile Spieler unterscheiden sich nicht dadurch, dass sie solche Situationen nicht erleben, sondern dadurch, wie sie damit umgehen.
Akzeptanz statt Bewertung Sie nehmen den Spielverlauf an, ohne ihn sofort zu bewerten. Ein enger Spielstand gegen einen schwächeren Gegner ist für sie kein Problem, sondern eine neutrale Information.
Konsequenter Prozessfokus Sie richten ihre Aufmerksamkeit strikt auf den nächsten Punkt: Aufschlagplatzierung, Return-Position, erste Ballentscheidung. Das Ergebnis bleibt im Hintergrund.
Klare Routinen zwischen den Punkten Gerade in kritischen Phasen stabilisieren sie sich über feste Abläufe: kurzer Blick auf die Besaitung, bewusste Atmung, klares inneres Signal („nächster Punkt“). Diese Routinen wirken wie ein Reset.
Emotionale Kontrolle Sie erlauben sich Emotionen, aber sie lassen sich nicht von ihnen steuern. Ein Netzroller wird registriert, aber nicht dramatisiert.
Um diesen Herausforderungen im Tennis souverän begegnen zu können, braucht es ein stabiles mentales Fundament, und dieses muss ebenso systematisch trainiert werden wie Technik und Taktik.
Fazit
Wenn ein Tennisspieler gegen einen vermeintlich schwächeren Gegner verliert, liegt die Ursache selten in der Technik oder Taktik allein. Viel häufiger ist es ein mentales Zusammenspiel aus Erwartungsdruck, Fokusverlust und emotionaler Instabilität.
Die entscheidende Kompetenz ist daher nicht, solche Situationen zu vermeiden, sondern sie zu erkennen und gezielt zu steuern. Denn im Tennis gilt mehr denn je: Das größte Hindernis steht oft auf der eigenen Seite des Netzes.
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Konfrontiert mit der Diagnose ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) entschied sich unsere Tochter Catia für einen offensiven und öffentlichen Weg im Umgang mit ihrer Neurodivergenz. Ihr erstes Interview mit einer regionalen Schweizer Tageszeitung Anfang 2024 fand schnell nationale Beachtung. Seither haben die NZZ, FAZ, Stern.de, das ZDF und das Schweizer Fernsehen (SRF) ihre Story aufgegriffen. Besonders informative und kreative Ansätze im Umgang mit ADHS liefert dabei die ZDF-Doku „RE:TURN: ADHS als Gamechanger“ (Link siehe unten).
Mehr zum Thema: Umgang mit ADHS aus Elternperspektive
Sind junge Sportler:innen mit einer ADHS-Diagnose konfrontiert, ist das private und sportliche Umfeld sogleich mit involviert. Eltern, Trainer:innen und die Peers sind herausgefordert und müssen einen passenden Umgang mit den Betroffenen lernen. Auch die ZDF-Journalist:innen haben die Diskussion mit uns Eltern gesucht, verständlicherweise finden unsere Erläuterungen nur am Rande Erwähnung. Trotzdem -oder wie im (Nachwuchs-)Leistungssport häufig beschrieben – gilt auch hier: ohne Eltern geht es nicht.
ADHS-Facts: Bewegung und Sport wirken positiv auf die Neurodivergenz
Für ADHS sind drei Hauptsymptome charakteristisch: Hyperaktivität (übersteigerter Bewegungsdrang), Unaufmerksamkeit (gestörte Konzentrationsfähigkeit) und Impulsivität (unüberlegtes Handeln). Gemäss Bundesministerium für Gesundheit (D) zählt ADHS zu den häufigsten psychischen Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen. Metaanalysen berichten von einer ADHS-Prävalenz im Kindes- und Jugendalter von 5.3% bis 7.2%, wobei im Leistungssport von einer etwas höheren Verbreitung ausgegangen wird.
Berg & Claussen (2020) vermuten einen sportbezogenen Vorteil: «Der vielleicht naheliegendste Grund hierfür ist der inhärent erhöhte Bewegungsdrang bei Personen mit ADHS, der dazu führen kann, dass Betroffene vermehrt sportlich aktiv sind. Eine über längere Zeit ausgeübte sportliche Aktivität kann die ADHS-Kernsymptomatik von ADHS, ebenso wie den Schweregrad der Komorbiditäten, reduzieren.» Üblicherweise erfolgt eine multimodale Therapie bestehend aus Psychoedukation, Verhaltenstherapie und medikamentöser Behandlung, häufig ergänzt durch Elternschulung und Familientherapie.
Die persönliche Überforderung als Vater…
Meine Selbsterkenntnis mag lapidar klingen: Ich bin kein Experte im Umgang mit ADHS. Als angewandt tätiger Sportpsychologe bringe ich u.a. ein breiteres Wissen in klinischer Psychologie mit, trotzdem kam ich in der Rolle eines betroffenen Vaters auch an Grenzen meiner Beanspruchungsfähigkeit («Resilienz»), meines Verständnisses und meiner Geduld. Catias «Chaos im Kopf» manifestiert sich mitunter in emotionalen Ausbrüchen, Wutanfällen und selbstdestruktiven Verhaltensweisen, die mich an den Rand der Überforderung brachten. Ich merkte, dass auch wir Eltern dringend auf Unterstützung, Austausch und zwischenmenschlichen Halt angewiesen sind.
Andererseits komme ich nicht umhin, meinen Wissensstand zu schärfen, mich im Kontakt mit anderen betroffenen Eltern und Trainer:innen zu engagieren und meine Haltungen und Handlungen im Rahmen von Supervisions- und Interventionsangeboten zu reflektieren. Besonders hilfreich dazu waren Teilnahmen an psychoedukativen Ausbildungsseminaren sowie die Lektüre sportbezogener Fachliteratur – hier verweise ich gerne auf den Blog meiner Kollegin Cristina Baldasarre (siehe mehr zum Thema), die in ihrer psychotherapeutischen Praxis häufig in Kontakt mit Sportler:innen mit ADHS-Diagnose steht.
… und was mich Catias Medienarbeit lehrt
Catia feiert im kommenden August ihren 25. Geburtstag. Sie ist erwachsen und geht motiviert und selbstbewusst ihren Lebensweg. In unserer «Familienkonferenz» haben wir mit ihr diskutiert, ob und wie sie ihren Umgang mit der Neurodivergenz auch öffentlich thematisieren will. Sie hat sich schliesslich dafür entschieden, sich zu «outen» und in den Medien Stellung zu nehmen: authentisch, selbstkritisch und beispielhaft. Ihre Beweggründe sowie «dos und dont’s» im medialen Diskussionsrahmen beschreibt sie in einer Stellungnahme für die-sportpsychologen.de folgendermassen:
Meine grundsätzlichen Überzeugungen
Die öffentliche Diskussion, die Catia mit ihrer Präsenz auslöst, spüre ich auch, wenn ich in Vereinen und Verbänden Referate zum Thema «Elterncoaching» halte. Sehr häufig werde ich auf meine Erfahrungen mit ADHS angesprochen und um eine Stellungnahme aus Sicht des Vaters gebeten. An Catias Beispiel leite ich ab, welche grundsätzlichen Überzeugungen ich vertrete.
– Eltern von jungen Sportlerinnen mit ADHS sollten den Sport primär als wertvolles Instrument zur Stärkung des Selbstwertgefühls, des Selbstbewusstseins, der Konzentration (kognitive Fähigkeiten) und der sozialen Kompetenzen begreifen. Verstärktes Elterncoaching im Rahmen der ADHS-Thematik begrüsse ich sehr!
– Mein persönlicher («passender») Umgang mit unserer Tochter erforderte stets eine Mischung aus Geduld, Zuversicht, Zugewandtheit, kommunikativer Skills, Leidensfähigkeit, Präsenz – und auch das Aushalten von Distanz. Wenn ich von Catia weiss (und lese), dass sie sich bei uns jederzeit willkommen fühlt und sich unserer Unterstützung gewiss ist, fühle ich mich in meiner Rolle als Vater bestätigt.
– Ein positiver, mutiger und engagierter Umgang mit ADHS kann und darf nicht über die mitunter leidgeprägten und desaströsen Schattenseiten hinwegtäuschen, mit welchen heranwachende Menschen aufgrund ihrer Neurodivergenz konfrontiert sind. Ein effekthascherischer, simplifizierender und unsensibler Umgang mit dieser Thematik erweist insbesondere jungen Sportlerinnen einen Bärendienst. Wenn TV-Star Heidi Klum die Metapher ihrer «ADHS-Superpower» medienwirksam zelebriert, die sie tausend Dinge gleichzeitig erledigen lässt, bleibt vielen von ADHS betroffenen Jugendlichen und deren Familien nur ein ungläubiges Staunen – und Wut darüber, eben nicht über diese Superpower zu verfügen! Selbstverständnis und Haltung der Sportpsychologie im Umgang mit ADHS definiere ich – wie oben ausgeführt – ganz anders!
Und: Der Referent:innen-Pool von www.die-sportspychologen.de (zur Übersicht) bietet auch in diesem Themenbereich umfassende Expertise an und steht Interessent:innen bei Anliegen und Fragen gerne zur Verfügung.
«Wie aus Schwäche Stärke wird.»
Die Überschrift zum tiefgründigen ZDF-Beitrag könnte Catias Überzeugung entsprungen sein: Die Dokumentation erzählt inspirierende Geschichten junger Menschen, die in Krisen neue Wege einschlagen. Auch für junge Sportler:innen steckt die neurologische Besonderheit voller Kreativität, Energie und neuer Perspektiven. Hintergründe und Motive für ihr mediales Coming-out schildert uns Catia in der Doku gleich selbst 🡪 Video: RE:TURN: ADHS als Gamechanger
Anmerkung: Die Beiträge befinden sich hinter einer Paywall – auf Anfrage (h.gubelmann@die-sportpsychologen.ch) sind diese beim Autor erhältlich.
ZDF Doku: „RE:TURN: ADHS als Gamechanger“
Quelle: Screenshot ZDF
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Leithäuser, R. & Beneke, R. (2013). Sport bei ADHS – Plan für Desaster oder verschenkte Ressource? Dtsch Z Sportmed. 64: 287-292.doi:10.5960/dzsm.2013.096
Berg, X, & Claussen, M.C. (2020). Sportpsychiatrie und -psychotherapie. ADHS im Leistungssport. DNP – Der Neurologe & Psychiater; 21 (5): 37-42.
Am 15. April 2026 erscheint im Trias Verlag das neue Buch “Der Burnout-Notfallkoffer – Raus aus der Erschöpfung, rein in die Kraft” (Link zum Buch siehe unten) von Anke Precht. Im Interview hat uns unsere Profilinhaberin aus dem Südwesten Deutschlands verraten, warum das Buch auch eine wichtige Lektüre für Personen im Leistungssport sein kann, die sich gerade ausgelaugt oder ausgebrannt fühlen.
Zum Thema: Mentale Gesundheit
Anke, an wen richtet sich dein Buch “Der Burnout-Notfallkoffer” und an wen ausdrücklich nicht?
Das Buch richtet sich einerseits und hauptsächlich an Menschen, die von Burnout betroffen sind oder waren, und an Menschen, die sich chronisch erschöpft fühlen, aber irgendwie noch “funktionieren”. Außerdem an Therapeuten aus Medizin und Psychologie, die mit erschöpften Menschen arbeiten und selbst über den Tellerrand schauen möchten, um vielleicht umfassender behandeln zu können oder ihren Patienten praktische Tipps zu vermitteln.
Es ist ein Selbsthilfebuch. Das heißt auch, dass man selbst aktiv werden muss, und sei es in dem geringen Maß, das gerade aufgrund der vorhandenen Energie machbar ist. Wer sich nicht bewegen möchte und “behandelt” oder “geheilt” werden möchte, für den ist das Buch (noch) nicht geeignet. Es braucht also ein zumindest kleine Portion an Eigeninitiative und Entdeckergeist sowie Offenheit, denn es wird manches auszuprobieren gelten, bis man weiß, was einem am besten hilft. Es gibt nicht “den” Fahrplan, der für alle Betroffenen passt.
Was ist die Information in deinem Buch, welche die meisten Leser und Leserinnen überraschen dürfte?
Ich denke, am Überraschendsten wird für viele sein, dass Burnout und Erschöpfung in den seltensten Fällen von Überarbeitung herrührt. Es ist meist ein multifaktorielles Geschehen, in dem körperliche und psychologische Ursachen ineinandergreifen. Darum haben wir im Autorinnen-Team im Buch auch beide Bereiche gleichberechtigt Raum gegeben: Körperlichen Faktoren und psychologischen. Dazu kommt, dass viele Ansätze nicht klassisch sind. Es gibt Möglichkeiten, über den Körper zu heilen, selbst wenn zum Beispiel die behandelnden Ärzte gesagt haben, körperlich sei alles “in Ordnung”. Und psychologische Ansätze, die auf den ersten Blick völlig unlogisch daherkommen. Statt mehr Erholen mehr tun zum Beispiel – aber das Richtige, und im richtigen Maß.
Wie relevant ist der “Notfallkoffer” für den Sport und speziell den Leistungssport, so wie du ihn als Sportpsychologin kennst?
Wir erleben immer wieder Athleten, die ausbrennen. Das kann ganz unterschiedliche Ursachen haben, und auch da wird meistens empfohlen, eine Pause zu machen. Die kann lang werden, wenn man nicht gleichzeitig schaut, was es braucht, um schnell wieder auf die Beine zu kommen. Das halte ich gerade für den Leistungssport für sehr wichtig. Denn wenn eine Phase der Erschöpfung zu lange andauert, ist die sportliche Karriere möglicherweise dahin.
Gleichzeitig haben Leistungssportler in solchen Momenten den meisten anderen Menschen gegenüber einen großen Vorteil: Sie sind es gewohnt, aktiv zu handeln, sich zu kümmern, etwas, das wichtig ist, auch durchzuziehen. Selbst an Tagen, an denen sie sich eigentlich nicht danach fühlen. Sie werden also auf jeden Fall gut damit arbeiten können und davon profitieren. Ich empfehle Sportlern nicht erst zu warten, bis sie richtig platt sind – sondern schon dann, wenn sie merken, dass sie einen ungewohnten “Hänger” haben.
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Führung erklärt vier Prozent der Leistungsvarianz – warum investieren wir also so viel in Führung? Diese Frage ist berechtigt. Und sie hat eine Antwort, die für die sportpsychologische Praxis erhebliche Konsequenzen hat.
Dieser Beitrag richtet sich nicht nur an Sportpsychologinnen und Sportpsychologen, sondern auch an alle, die verstehen wollen, wie Führung im Sport wirklich wirkt und wo die grössten Hebel für die Praxis liegen. Drei Erkenntnisse stehen im Zentrum: Der organisationale Kontext als vergessene Variable, die überraschend kleine direkte Wirkung von Führung auf Leistung, und die Schlüsselrolle von Kapitäninnen und Kapitänen.
Zum Themen: Führung wirkt – aber anders, als wir denken
Clare, Hardy, Roberts, Tod und Benson haben 2025 im Journal of Sport & Exercise Psychology die bisher umfassendste Meta-Analyse zur Frage vorgelegt, ob Führung die sportliche Leistung tatsächlich beeinflusst. Eine Meta-Analyse fasst die Ergebnisse vieler Einzelstudien zusammen und berechnet daraus einen gemeinsamen Wert – das macht die Aussagen robuster als jede einzelne Studie. In diesem Fall: 50 Studien, 17’158 Athletinnen und Athleten, 38 Sportarten. Die Ergebnisse sind nüchtern, differenziert und erstaunlich praktisch.
Der zentrale Befund: Führung hat einen messbaren, aber nur einen eher kleineren direkten Einfluss auf die Leistung. Um zu verstehen, was «klein» hier bedeutet: Von allen Faktoren, die sportliche Leistung beeinflussen (Talent, Training, Taktik, Gegner, Tagesform, Teamchemie und vieles mehr), lassen sich rund vier Prozent auf Führung zurückführen. Das klingt nach wenig. Aber bevor man daraus schliesst, Führung sei unwichtig, lohnt sich ein genauerer Blick, denn die eigentliche Botschaft liegt tiefer.
Rollen und Systeme
Sportpsychologische Interventionen zielen meist auf Individuen oder Teams. Übersehen wird dabei der organisationale Kontext, in dem diese Interventionen wirken sollen. Ein Trainer, der nach einem Kommunikationstraining in einen Verein mit unklaren Entscheidungswegen, diffusen Rollen und informellen Machtnetzwerken zurückkehrt, wird kaum nachhaltige Wirkung erzielen, nicht wegen mangelnder Kompetenz, sondern weil die Struktur es nicht trägt.
Wenn in einem Team nicht klar ist, wer welche Aufgabe hat und was voneinander erwartet wird, leidet die Leistung und zwar messbar. Eine grosse Auswertung von 74 Studien mit über 11’000 Personen zeigt: Unklare Rollen schaden der Leistung genauso stark wie das Fehlen von funktionaler Führung (Tubre & Collins, 2000). Übersetzt in den Sport: Ob der Trainer brillant kommuniziert oder nicht, macht denselben Unterschied wie die Frage, ob jeder im Team weiss, was seine Rolle ist. Ergänzend zeigten Ketchen, Thomas und Snow (1993) auf Basis von 40 Studien: Wie eine Organisation aufgebaut ist – ihre Struktur, ihre Abläufe, ihre Verantwortlichkeiten – beeinflusst direkt, was sie leisten kann. Der beste Einzelspieler wird in einer chaotischen Vereinsstruktur unter seinen Möglichkeiten bleiben.
Warum die 4% eine grosse Nachricht sind
Dass Führung «nur» vier Prozent erklärt, hat drei Gründe und jeder davon verändert den Blick auf die Praxis.
Erstens: Der Wirkweg wird ignoriert. 90% der eingeschlossenen Studien haben nur geschaut, ob Führung und Leistung zusammenhängen, ohne zu fragen, worüber Führung wirkt. Doch Führung beeinflusst Leistung nicht direkt, sondern über Zwischenstufen: Sie stärkt den Teamzusammenhalt, das gemeinsame Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit, die Identifikation mit dem Team, die innere Motivation. Wenn man diese Zwischenstufen nicht mitmisst, sieht der Effekt kleiner aus, als er tatsächlich ist. López-Gajardo et al. (2023) haben dies in einer der wenigen Studien gezeigt, die Entwicklungen über die Zeit erfasste: Führungsqualität verbesserte das Teamwork-Verhalten, und erst dieses verbesserte die Teamleistung. Der direkte Weg von Führung zu Leistung war statistisch nicht bedeutsam, der indirekte über das Teamverhalten schon.
Zweitens: Wer fragt, beeinflusst die Antwort. In den meisten Studien wurden dieselben Personen gebeten, sowohl die Führungsqualität als auch die Teamleistung einzuschätzen. Das führt zu einer systematischen Verzerrung: Wer seine Führung positiv wahrnimmt, bewertet auch die Leistung positiver und umgekehrt. Der Zusammenhang erscheint dadurch stärker, als er ist. Wenn stattdessen objektive Leistungsdaten verwendet wurden wie Wettkampfergebnisse, Statistiken, war der Zusammenhang von Führung deutlich schwächer. Anders gesagt: Die Wahrnehmung der Beteiligten erzählt eine optimistischere Geschichte als es die Realität hergibt.
Drittens: Führung zeigt sich unter Druck. Eine weitere Meta-Analyse (Bonini et al., 2024) fand, dass Führung einen deutlich stärkeren Zusammenhang mit der Anpassungsfähigkeit von Teams zeigt als mit der reinen Leistung. Das legt nahe: Führung macht den grössten Unterschied nicht im Trainingsalltag, sondern in Momenten, die Flexibilität erfordern, Rückstände, taktische Umstellungen, unvorhergesehene Situationen. Dort trennt sich, ob ein Team geführt wird oder nicht.
Kapitäne schlagen Coaches
Der praxisrelevanteste Befund betrifft die Frage, wer führt. Clare et al. haben drei Führungsquellen verglichen: Coaches, formale Teamkapitäne und informelle Führungspersonen im Team. Das Ergebnis ist eindeutig: Kapitäninnen und Kapitäne haben einen fast doppelt so starken Einfluss auf die Teamleistung wie Coaches. Ihre Brückenfunktion erklärt den Unterschied: Sie stehen zwischen Trainer und Team, übersetzen Vorgaben in die Sprache der Mannschaft, tragen die Stimmung des Teams zurück und führen in Momenten, in denen der Trainer nicht direkt eingreifen kann – während des Spiels, in der Kabine, im Mannschaftsbus.
Die Befunde zeigen in eine klare Richtung: Sportpsychologie muss systemischer werden. Das bedeutet, den Blick von der Einzelperson auf das Führungssystem zu erweitern – Coach, Kapitänin, informelle Führerinnen und Teammitglieder als zusammenhängendes Ganzes. Es bedeutet, vor jeder Intervention die organisationalen Bedingungen zu analysieren: Sind die Rollen klar? Sind die Entscheidungswege transparent? Welche Funktion haben welche Artefakte? Unterstützt die Vereinsstruktur das, was wir verändern wollen? Und es bedeutet, nicht pauschale Führungstrainings zu verordnen, sondern kontextspezifische Fragen zu stellen: Welche Führungsperson wirkt über welchen Mechanismus auf welche Leistungsdimension und was steht ihr dabei im Weg? Wer das versteht, interveniert präziser und wirksamer.
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Das Final4, das Pokalfinalwochenende, ist das größte Event im Jahreskalender von Floorball Deutschland. In der Sparkassen Arena Zwickau spielen vier Herren- und vier Frauenteams um den ersten Titel der Saison 2025/2026. Darüber hinaus ist ein umfangreiches wie spannendes Rahmenprogramm geboten – die Sportpsychologie ist einer der Bestandteile. Das Beste: Interessierte können vor Ort Kontakt zu einigen Experten und Expertinnen von Die Sportpsychologen aufnehmen.
Zum Thema: Kontakt zu Die Sportpsychologenbeim Final4 in Zwickau
Im Fokus steht natürlich das Sportliche. Am Samstag, den 11. April, erwarten uns vier Halbfinal-Partien: Bei den Frauen treffen bereits um 10 Uhr Floorball BB United und der MFBC Leipzig aufeinander. Die Berlin-/Brandenburgerinnen werden von Mariel Geppert (zum Profil) als Sportpsychologin begleitet, während Prof. Dr. Oliver Stoll (zum Profil) zuletzt mit den favorisierten Frauen des MFBC gearbeitet hat. Am Rande der Bande kommt es also zu einem internen Die Sportpsychologen-Duell.
Prof. Dr. Oliver Stoll und Christian Bader am Infostand
Am Halbfinaltag, genauer in der ersten Drittelpause des ersten Halbfinals der Herren zwischen SSF Dragons Bonn und den Floor Fighters Chemnitz (ca. 16:30 Uhr) berichtet Prof. Dr. Oliver Stoll am Infostand von Floorball Deutschland (Eventbereich der Arena) von seiner bisherigen Zusammenarbeit mit der Herren-Nationalmannschaft, die er seit der Vorbereitung auf die WM 2024 in Schweden begleitet. Am Infostand sind direkte Fragen und Kontaktaufnahmen möglich – oder sogar erwünscht.
Am Sonntag, den 12. April, findet um 15 Uhr am Infostand von Floorball Deutschland nach dem Pokalfinale der Frauen ein Expertentalk mit dem beiden beteiligten Trainern der Teams statt. Im Gespräch geht es um sportpsychologische Beobachtungen, die Christian Bader (zum Profil) von Die Sportpsychologen mit den Coaches erörtert. Die Absicht ist es, praxisrelevante sportpsychologische Aspekte zu besprechen, um insbesondere Trainern und Trainerinnen sowie SpielerInnen einen besonderen Einblick zu geben.
Direkter Kontakt zu Die Sportpsychologen
Am gesamten Wochenende sind mehrere ExpertInnen von Die Sportpsychologen beim Final4 zu gegen. Dort sind sie, wenn sie nicht gerade aktiv sportpsychologisch arbeiten, ansprechbar. Dies gilt für Eltern wie für Trainer und Trainerinnen sowie für Verbands- und Vereinsfunktionäre. Ebenso für SchiedsrichterInnen, SpielerInnen und Medienleute. Nehmt gern Kontakt auf.
Das Wochenende für Die Sportpsychologen beginnt bereits am Freitagabend. Christian Bader von Die Sportpsychologen beobachtet die Spiele der sächsischen U15 Landesauswahl, die in der Sparkassen Arena zum Auftakt auf ein polnisches Teams und am Sonntagmorgen auf eine österreichische Mannschaft treffen. Christian Bader ist Vorstandsmitglied von Unihockey Nordostschweiz und begleitet die Sportart als Trainer, Funktionär und sportpsychologisch seit einigen Jahren.
Das Final4 in Zwickau ist der Auftakt für eine intensivierte Zusammenarbeit zwischen Floorball Deutschland und Die Sportpsychologen. In Zukunft werden insbesondere die Nationalteams, Trainer und Trainerinnen sowie Schiedsrichter mit praxisrelevantem Wissen aus der Sportpsychologie unterstützt. Ziel ist es, einen hoch innovativen Wissenstransfer im jungen Sportverband zu verankern und die Sportart mit ihren Talenten innerhalb und außerhalb der Bande zielgerichtet zu begleiten.
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Damit der Reiter sich mit dem Pferd verständigen kann, setzt dies zum einen voraus, dass das Pferd verstehen lernen muss, was der Reiter von ihm will, zum anderen jedoch auch, dass der Reiter wissen und erfühlen muss, welche Hilfen er im richtigen Moment einsetzen muss, um die gewünschte Reaktion und Leistung beim Pferd zu erzeugen. Der fortgeschrittene Reiter sollte bereits ein gewisses Maß an Selbstbeherrschung erworben haben und ein gewisses Selbstverständnis für seine eigene Körperwahrnehmung und ein gutes Körperbewusstsein erlangt haben, um zu wissen, wie sich die individuellen Bewegungen seines Pferdes bei korrekter Ausführung der Lektionen anfühlen müssen. Das richtige Reitgefühl kann erst entwickelt und ausgebaut werden, wenn der Reiter über viele Trainingsjahre hinweg bereits umfassendes Wissen, technische Fertigkeiten, emotionales Gespür und psychisches Selbstbewusstsein aus einer Vielzahl von Trainingserfahrungen mit dem Pferd erlernt, kognitiv verarbeitet und abgespeichert hat. Dann wurden diese Erfahrungen vom gesamten Körpersystem des Reiters verinnerlicht und ein Automatismus des Lernenden konnte sich somit einstellen (vgl. das Erlernen beim Autofahren).
Da ein gutes Selbstverständnis des Sportlers in Bezug seines eigenen Körperbewusstseins und Gefühls enorme Auswirkungen auf die gesamte sportliche Leistung mit dem Pferd hat, gilt es diesen Aspekt hervorzuheben und im Zusammenhang mit der non-verbalen Kommunikation zum Pferd zu erklären.
Zum Thema: Die non-verbale Kommunikation als Schlüssel zum sportlichen Erfolg
Die non-verbale Kommunikation und Körpersprache zwischen Reiter und Pferd, das gegenseitige Kennen- und verstehen lernen über die Jahre hinweg sowie ein starkes Fundament aus Vertrauen, Liebe und Partnerschaft sind der Schlüssel für langfristigen sportlichen Erfolg und Leistung. Dies bedeutet, dass der Reiter bereits über die individuellen Bedürfnisse seines Pferdes Wissen erlangt hat und der Reiter bereits seine eigene emotionale Intelligenz und Feinfühligkeit gekonnt beim Reiten einsetzen kann, um auf den Bewegungsablauf seines Pferdes mit Gefühl, Technik und Geschicklichkeit situationsbedingt gut einwirken zu können.
Erst durch gekonnte Körpersprache, Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen, ist es dem Reiter möglich, die Unterschiede und Auswirkungen seiner Hilfengebung auf das Pferd wahrzunehmen, zu verbessern und die feine Abstimmung in der Hilfengebung zum Pferd nur durch Körperkommunikation in sportliche Leistung umzusetzen. Das Pferd muss die Abstufungen der feinen Hilfen des Reiters und dessen Körperhaltung sowie Anspannung und Entspannung der Muskulatur verstehen und diese gehorsam umsetzen. Auch die Intelligenz des Sportpferdes, dessen geistiges Vermögen und Freude an der täglichen Trainingsarbeit mit seinem Reiter spielen eine entscheidende Rolle beim Leistungsfortschritt und dem Lernvermögen.
Verbindung, Vertrauen, Liebe – voneinander und miteinander lernen um gemeinsam zu wachsen
Um die Energie eines Pferdes gezielt zum Leistungsaufbau einzusetzen und in die richtigen Bewegungsbahnen lenken zu können, sind Grundlagen einer guten physischen und psychisch-emotionalen Kommunikation nötig. Unter Kommunikation wird primär ein Informationsaustausch zwischen Reiter und Pferd verstanden, wobei der Fokus auf der Herstellung von gemeinsamer Verständigung liegt. Die Stimmung des Reiters teilt sich dem Pferde beim ersten Anreiten im Training bereits auf wundersame Weise mit: Im Sitz, der muskulären Anspannung, der emotionalen Ausstrahlung des Reiters, in der Art des Treibens und in der Anlehnung des Zügels zum empfindlichen Maul. Pferde erfühlen und erkennen in Bruchteilen einer Sekunde, in welcher emotionalen Verfassung ihr Reiter ist und spiegeln dementsprechend dessen inneres Selbst.
Die Kommunikationsform basiert sowohl auf einer emotional-psychischen und mentalen Verbindung zum Pferd als auch auf einer körperlichen Zusammenarbeit, wobei der menschliche Körper als Kommunikationsträger fungiert. Diese Verbundenheit zum Pferd erhält einen ganz besonderen psychologischen Wert, da das Pferd die körperlichen Signale in Form von Sinneswahrnehmungen und Gefühlsempfindungen aufnimmt.
Die Bindung zwischen Reiter und Pferd fungiert als Lehrbasis sozialer und emotionaler Kompetenzen für den Menschen. Neben Kognition und Leistung spielen im Reitsport soziale und emotionale Bindung zum Pferd eine entscheidende Rolle für den langfristigen sportlichen Erfolg. Soziale und emotionale Bindung gelten als grundlegende Faktoren in der menschlichen Psyche und für die psychische Gesundheit.
Anforderungen an den Reiter für Körperbewusstsein und Körpergefühl
Welche Anforderungen stellen sich also an das Körperbewusstsein und an das Körpergefühl des Reiters?
– Auftreten: ein ruhiger, klarer und fokussierter Geist
– Der Sitz des Reiters: ein tiefer, geschmeidiger und einfühlsamer Sitz zum Pferderücken
– Bewegungsgefühl und rhythmisches Gefühl in den verschiedenen Gangarten
– Takt, Rhythmus- und Frequenzgefühl in Lektionen wie Piaffe und Passage
– Gefühl für Schwungentwicklung und Entfaltung in Galopp und Trabarbeit
– Losgelassenheit, konstante Anlehnung und leichte Verbindung zum Pferdemaul, die einfühlsame Zügelführung
– Kommunikation mit der Stimme zum Pferd, nonverbale Kommunikation durch Präsenz und Körpersprache
– emotionale Intelligenz des Reiters, Intuition Einflussnahme des Reiters durch seine Rückenmuskulatur zum Pferderücken und Gewichtsverteilung
Fazit
Die sportliche Leistung beruht nicht nur auf einer präzisen und guten Bewegungstechnik, sondern auf einer Gesamtheit von physischen, psychischen und emotionalen Fähigkeiten.
Meine Kollegen und Kolleginnen im Netzwerk (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Stefanie Gramlich) helfen gern, dich auf diesem Weg zu einer verbesserten nonverbalen Kommunikation zu begleiten. Dies betrifft sowohl Reiter und Reiterinnen im Freizeitsport als auch mit Ambitionen im Leistungssport.
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Kürzlich erreichte uns auf der Plattform Die Sportpsychologen die Frage, ob es in Ordnung sei, dass ein und derselbe Sportpsychologe oder ein und dieselbe Sportpsychologin gleichzeitig für zwei konkurrierende Teams arbeiten kann? Diese Frage hat uns Hans-Jürgen geschickt und Anke Precht hat sich dazu sehr ausgewogen geäußert (Link zum Text unten). Bei mir hat die Fragestellung echt gearbeitet, so dass ich mich entschlossen habe, meine Perspektive zu ergänzen.
Zum Thema: Identität durch Abgrenzung
Dabei ist es mir besonders wichtig zu betonen, dass ich die Positionen und Erfahrungen der Kolleginnen und Kollegen ausdrücklich respektiere, denn gerade die Sportpsychologie lebt – wie viele angewandte Disziplinen – von unterschiedlichen Perspektiven, theoretischen Zugängen und praktischen Erfahrungen. Mein Anliegen ist daher nicht, eine Gegenposition im Sinne einer persönlichen Kritik zu formulieren, sondern vielmehr, einige Gedanken aus meiner eigenen fachlichen Perspektive zu teilen. Dabei beziehe ich mich insbesondere auf die psychodynamische Perspektive, die den Fokus nicht nur auf bewusste kognitive Prozesse legt, sondern vor allem auch auf unbewusste Beziehungsdynamiken, Vertrauensprozesse sowie die Bedeutung von emotionaler Sicherheit innerhalb von Arbeitsbeziehungen.
Aus dieser Perspektive heraus möchte ich einige Überlegungen zur Frage der gleichzeitigen Betreuung von zwei direkt konkurrierenden Mannschaften durch einen Sportpsychologen teilen. Dieses Thema erscheint nämlich nicht nur als eine organisatorische oder formal-ethische Fragestellung, sondern auch als ein Thema, das grundlegende psychologische Mechanismen berührt, die häufig unabhängig von bewussten Absichten oder professionellen Standards wirksam sind.
Frage der Wirksamkeit
Im weiteren Verlauf möchte ich diese Fragestellung daher insbesondere aus der Perspektive der Beziehungspsychologie, der Vertrauensforschung sowie der Gruppendynamik betrachten – also aus Bereichen, die sowohl in der Forschung als auch in der Praxis als zentrale Faktoren für die Funktionsfähigkeit von Teams sowie für die Wirksamkeit sportpsychologischer Betreuung gelten.
Ein zentraler Aspekt der psychologischen Arbeit im Leistungssport betrifft nicht ausschließlich bewusst steuerbare kognitive Prozesse, sondern in hohem Maße auch unbewusste Dynamiken, emotionale Übertragungsprozesse sowie implizite Beziehungsmuster. Gerade in der sportpsychologischen Praxis spielen Vertrauen, das Erleben von Vertraulichkeit, emotionale Sicherheit sowie die wahrgenommene Loyalität der betreuenden Person eine entscheidende Rolle. Diese Faktoren entstehen jedoch nicht ausschließlich auf einer rationalen Ebene, sondern werden stark durch unbewusste Bewertungs- und Wahrnehmungsprozesse beeinflusst. Selbst wenn ein Sportpsychologe mit höchster Professionalität, Transparenz und ethischer Klarheit versuchen würde, zwei konkurrierende Teams gleichzeitig zu betreuen, lässt sich aus psychologischer Sicht kaum verhindern, dass allein das Wissen um diese Doppelrolle Reaktionen auf Seiten der Athleten auslöst. Dazu können – häufig auch unbewusst – Gefühle von Unsicherheit, subtiler Zweifel an der Vertraulichkeit, verstärkte Rivalitätsgefühle oder auch Loyalitätskonflikte gehören. Entscheidend ist dabei, dass solche Prozesse nicht zwingend bewusst reflektiert werden müssen, um dennoch Wirkung auf das Erleben von Sicherheit, Offenheit und Vertrauen zu entfalten.
Aus gruppenpsychologischer Sicht ist zudem gut belegt, dass Teams ihre Identität nicht nur über gemeinsame Ziele, sondern auch über die Abgrenzung zu konkurrierenden Gruppen definieren. In diesem Zusammenhang kann auch die symbolische Zugehörigkeit von Schlüsselpersonen – wozu auch Sportpsychologen zählen können – eine relevante Rolle für die wahrgenommene Integrität der eigenen Gruppe spielen. Wird eine solche Person als gleichzeitig beiden Seiten zugehörig wahrgenommen, kann dies zumindest potenziell zu wahrgenommenen Rollenkonflikten führen – unabhängig davon, ob diese objektiv bestehen oder nicht.
Ergänzend dazu zeigt auch die Organisationspsychologie, dass sogenannte conflicts of interest selbst bei hoher professioneller Integrität eine strukturelle Herausforderung darstellen können. Diese bedeuten nicht zwangsläufig tatsächliche Fehlentscheidungen, sondern beschreiben vielmehr Situationen, in denen sich Interessenlagen überschneiden und dadurch zumindest theoretisch Einfluss auf Wahrnehmungen, Entscheidungen oder Beziehungen nehmen könnten – oftmals subtil und ohne bewusste Absicht. Gerade weil sportpsychologische Arbeit in hohem Maße auf Vertrauen, Beziehungsgestaltung sowie auf implizitem Wissen über mentale Prozesse beruht, erscheint eine vollständige psychologische Trennung dieser Einflüsse in der praktischen Realität zumindest anspruchsvoll. Selbst bei klaren ethischen Leitlinien bleibt daher die Frage bestehen, wie solche Konstellationen von den Athleten subjektiv erlebt und interpretiert werden?
Interessenkonflikt
Ein weiterer interessanter Vergleich ergibt sich aus der ökonomischen und organisationspsychologischen Praxis. In vielen Branchen gehören sogenannte Wettbewerbsverbotsklauseln (Non-Compete Agreements) seit Langem zu etablierten Standards. Ihr Zweck besteht dabei nicht darin, mangelndes Vertrauen zu unterstellen, sondern vielmehr darin, strukturelle Interessenkonflikte präventiv zu vermeiden, sensibles Wissen zu schützen und klare Loyalitätsverhältnisse zu schaffen.
Die zugrunde liegende Logik ist dabei relativ einfach: Selbst bei hoher Professionalität und bestem Willen können sich durch Überschneidungen von Interessen Situationen ergeben, die potenzielle Risiken bergen. Organisationen versuchen daher oft nicht erst dann zu reagieren, wenn Probleme entstehen, sondern schaffen bereits im Vorfeld klare Rahmenbedingungen, um mögliche Graubereiche gar nicht erst entstehen zu lassen. Überträgt man diese Überlegung auf den Leistungssport, erscheint es zumindest nachvollziehbar, ähnliche präventive Prinzipien in Betracht zu ziehen. Sportpsychologen erhalten im Rahmen ihrer Tätigkeit zwangsläufig Einblicke in individuelle mentale Strategien, Stressverarbeitungsmuster, Motivationsstrukturen sowie auch in mögliche psychische Vulnerabilitäten von Athleten. Auch wenn der professionelle und ethische Umgang mit diesen Informationen selbstverständlich ist, bleibt bereits die Existenz dieses Wissens ein sensibler Faktor im direkten Wettbewerbskontext.
Zusammenfassung
Zusammenfassend lässt sich daher sagen, dass eine gleichzeitige Betreuung von zwei konkurrierenden Teams unter streng eingehaltenen professionellen Standards theoretisch möglich erscheint. Aus einer psychologischen, gruppendynamischen sowie präventiv-organisationalen Perspektive könnte jedoch argumentiert werden, dass klare strukturelle Trennungen in vielen Fällen die sicherere Lösung darstellen – nicht als Ausdruck von Misstrauen, sondern als Maßnahme zur Stabilisierung von Vertrauen, Klarheit von Rollen sowie zur Förderung der wahrgenommenen psychologischen Sicherheit der Athleten.
Diese Überlegungen stellen selbstverständlich nur eine mögliche fachliche Perspektive dar und sollen vor allem als Beitrag zu einer differenzierten und respektvollen Fachdiskussion verstanden werden. Gerade weil sich die Sportpsychologie in einem Spannungsfeld zwischen Praxis, Ethik und Beziehungsarbeit bewegt, erscheint ein offener, reflektierter Austausch über solche Themen nicht nur sinnvoll, sondern auch notwendig für die Weiterentwicklung unseres Berufsfeldes.
Danke an Hans-Jürgen für die Frage und danke an Anke, die mich inspiriert hat, über dieses Thema nachzudenken. Ich freue mich auf den internen Austausch im Netzwerk und Diskussionen mit euch, die ihr die Texte gelesen habt.
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Als Mentalcoach erlebe ich immer wieder, wie sehr im Fußball vom positiven Mindset gesprochen wird. Und ja, Zuversicht, Selbstvertrauen und klare Zielbilder sind essenziell. Aber: Mentale Stärke bedeutet nicht, Probleme auszublenden. Im Gegenteil, in diesem Beitrag zeige ich, warum es für Fußballer und Teams entscheidend ist, sich bewusst auf mögliche Worst-Case-Szenarien im Match vorzubereiten, um am Ende gelassener und stabiler zu agieren.
Zum Thema: Warum die Vorbereitung auf Worst-Case-Szenarien Fußballern hilft, im Spiel mental stabil und handlungsfähig zu bleiben.
Wer in ein Spiel geht mit dem Gedanken „Heute wird alles aufgehen“, stärkt sein Selbstvertrauen. Doch Fußball ist kein Wunschkonzert. Ein früher Gegentreffer, eine rote Karte, ein individueller Fehler, ein strittiger Elfmeter, all das kann innerhalb weniger Sekunden die emotionale Dynamik kippen lassen.
Das Problem ist nicht das Ereignis selbst. Das Problem ist die fehlende mentale Vorbereitung darauf.
Ich arbeite mit Spielern und Teams häufig mit einem Prinzip, das aus der Luftfahrt bekannt ist: Piloten trainieren im Simulator regelmäßig Extremsituationen, wie Triebwerksausfall, Turbulenzen, technische Defekte. Nicht, weil sie damit rechnen, dass es ständig passiert. Sondern weil sie wissen: Wenn es passiert, darf keine Panik entstehen. Die Reaktion muss automatisiert, klar und strukturiert sein.
Genau dieses Denken braucht es auch im Fußball.
Der mentale „Match-Simulator“
Im Coaching und in Workshops stelle ich den Spielern Fragen wie:
Was passiert mit dir, wenn ihr als Team in Minute 5 das 0:1 bekommt?
Wie reagierst du innerlich nach einem Eigenfehler?
Was passiert in deiner Körpersprache, wenn der Schiedsrichter gegen euch entscheidet?
Wie verändert sich eure Kommunikation, wenn ihr in Unterzahl seid?
Allein diese gedankliche Vorwegnahme verändert etwas. Das Gehirn unterscheidet nur bedingt zwischen realer und intensiv vorgestellter Erfahrung. Wenn ein Spieler sich wiederholt vorstellt, wie er nach einem Fehler sofort in seine nächste Aufgabe geht, ruhig atmet und aktiv kommuniziert, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass genau dieses Verhalten im Ernstfall abrufbar ist.
Ohne Vorbereitung hingegen übernimmt oft der Autopilot, und der ist häufig emotional gesteuert: Ärger, Frust, Schuldzuweisungen, Hektik.
Positive Grundhaltung + realistische Vorbereitung
Ein positives Mindset heißt nicht: „Alles wird perfekt laufen.“ Ein stabiles Mindset heißt: „Egal was passiert, wir sind vorbereitet.“
Das ist ein entscheidender Unterschied.
Teams, die Worst-Case-Szenarien durchdenken, entwickeln:
höhere emotionale Stabilität
klarere Kommunikation unter Druck
weniger Energieverlust durch Diskussionen
schnellere Rückkehr in den Fokus
Sie verschwenden weniger Energie mit Grübeln über Fehler und konzentrieren sich stattdessen darauf, schnell die beste Lösung zu finden.
Konkrete Umsetzung im Team
Eine einfache, aber wirkungsvolle Übung vor wichtigen Spielen:
Definiert drei mögliche Worst-Case-Szenarien (z.B. früher Rückstand, Platzverweis, verletzungsbedingter Wechsel).
Klärt im Vorfeld:
Wie bleiben wir in unserer Körpersprache stabil?
Wer übernimmt verbal Verantwortung?
Welcher Satz erinnert uns an unseren Plan?
Legt ein einfaches Signal oder Ritual fest, das euch im Spiel hilft, schnell Ruhe und Fokus zurückzugewinnen (z. B. ein kurzes Handzeichen, Codewort oder bewusste Atemtechnik).
Damit verschiebt ihr den Fokus von der Überraschung hin zur Handlungskompetenz.
Gelassenheit entsteht durch Vorbereitung
Spieler, die sich mental bereits auf schwierige Situationen vorbereitet haben, bleiben im Spiel ruhiger, treffen bessere Entscheidungen und handeln deutlich weniger impulsiv.
Das Ziel ist nicht, negative Szenarien herbeizudenken. Das Ziel ist, Unvorhersehbares vorhersehbar zu machen. Genau darin liegt die wahre mentale Stärke.
Ein Team, das nur für den Idealfall plant, ist optimistisch. Ein Team, das auch für den Worst Case gerüstet ist, ist resilient.
Und Resilienz entscheidet Spiele, vor allem dann, wenn sie nicht nach Plan verlaufen.
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Die Halle ist laut, das Spiel eng. Der Ball läuft gut durch die Reihen, am Ende findet er den Weg nach außen. Ein Spieler steht frei an der Dreierlinie – genau die Situation, die man sich wünscht. Er setzt zum Wurf an. Der Ball verlässt sauber die Hand, doch er fällt nicht hinein. Beim nächsten Angriff wiederholt sich die Szene. Wieder frei, wieder ein guter Rhythmus – und wieder kein Treffer. Als sich wenige Minuten später erneut eine offene Wurfchance ergibt, wirkt plötzlich alles anders. Der Blick ist kürzer, die Bewegung einen Moment zögerlicher. Statt zu werfen, wandert der Ball weiter. Von außen betrachtet hat sich kaum etwas verändert. Und doch ist die Situation eine andere geworden.
Wie kommt es, dass sich Druck im Sport manchmal wie eine Chance und manchmal wie eine Bedrohung anfühlt – und warum fällt es Spieler:innen gerade nach mehreren Fehlwürfen so schwer, bei sich zu bleiben, obwohl genau diese Situationen ein ganz normaler Teil des Spiels sind?
Zum Thema: Was im Kopf passiert, wenn Würfe nicht fallen
Wer sich die Zahlen anschaut, erkennt schnell, dass selbst auf höchstem Niveau nur etwa jeder dritte Drei-Punkte-Wurf sein Ziel findet. In der National Basketball Association (NBA) liegt die durchschnittliche Trefferquote seit Jahren bei rund 35%. Der größere Teil der Würfe geht also daneben – und dennoch erleben viele Spieler:innen genau diese Momente als kritisch. Auch aus sportwissenschaftlicher Perspektive ist das wenig überraschend: Analysen zur Spielökonomie im Basketball zeigen, dass Wurfquoten immer im Kontext von Risiko, Entscheidung und Spielsituation zu betrachten sind (vgl. Oliver, 2004). Fehlwürfe sind damit kein Ausreißer, sondern ein struktureller Bestandteil des leistungsorientierten Spiels.
Der entscheidende Punkt liegt dabei weniger im Wurf selbst als in der Bedeutung, die ihm im Nachgang zugeschrieben wird. Genau hier setzt die “Theory of Challenge and Threat States in Athletes” an.
“Theory of Challenge and Threat States in Athletes”
Die Theorie beschreibt, dass sich Athlet:innen in Drucksituationen nicht einheitlich erleben, sondern dass ihre innere Bewertung darüber entscheidet, in welchem Zustand sie sich befinden. Wird eine Situation als bewältigbar eingeschätzt, entsteht ein Zustand, der eher mit Aktivität, Klarheit und Handlungssicherheit verbunden ist. Der Spieler bleibt im Rhythmus, fordert den Ball weiterhin und trifft Entscheidungen, ohne sie übermäßig zu hinterfragen.
Verändert sich diese Bewertung jedoch – etwa durch aufeinanderfolgende Fehlwürfe –, kann sich dieselbe Situation zunehmend wie eine Bedrohung anfühlen. Der Fokus verschiebt sich dann unmerklich: weg von der Handlung, hin zu möglichen Konsequenzen. Gedanken wie „Was, wenn ich wieder verwerfe?“ treten in den Vordergrund, Entscheidungen werden vorsichtiger getroffen, Bewegungen weniger frei ausgeführt.
Interessant ist dabei, dass sich die äußeren Bedingungen kaum verändern. Der Spieler steht noch immer frei, die Wurfchance ist weiterhin gut. Und doch fühlt sich der Moment anders an, weil sich die innere Perspektive verschoben hat.
Transfer in den Alltag: Vom Verstehen zum Handeln
Gerade im Basketball zeigt sich immer wieder, dass Leistung nicht daran scheitert, dass Spieler:innen nicht wissen, was zu tun ist. Viel häufiger geht es darum, ob sie es in dem Moment auch umsetzen können.
Ein zentraler Schritt liegt darin, Fehlwürfe nicht als Abweichung, sondern als festen Bestandteil des Spiels zu begreifen. Wer akzeptiert, dass Misserfolge dazugehören, nimmt einzelnen Aktionen die Schwere, die sie oft ungewollt bekommen.
Fokus als Schlüssel
Darauf aufbauend kann es hilfreich sein, den Blick konsequent auf die aktuelle Situation zu richten. Jeder Wurf entsteht unter neuen Bedingungen und verlangt eine eigene Entscheidung. Wird diese Entscheidung an vorherige Ergebnisse geknüpft, verliert sie an Qualität. Bleibt der Fokus hingegen auf dem, was im Moment beeinflussbar ist – etwa die Wurfauswahl oder das Timing –, entsteht wieder Handlungssicherheit.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Wahrnehmung der eigenen Reaktion. Viele Veränderungen passieren zunächst sehr subtil: ein kurzer Moment des Zögerns, ein Pass statt eines Wurfs, ein veränderter Bewegungsrhythmus. Wer diese Signale bei sich erkennt, schafft die Voraussetzung, bewusst gegenzusteuern und wieder in einen aktiven Zustand zurückzufinden.
Fazit
Im Basketball liegt die Herausforderung nicht darin, jeden Wurf zu treffen. Sie liegt darin, trotz verfehlter Würfe im eigenen Spiel zu bleiben. Die äußeren Anforderungen ändern sich oft kaum. Entscheidend ist, wie sie innerlich eingeordnet werden. Wenn es gelingt, eine Situation weiterhin als lösbar und beeinflussbar zu erleben, bleiben Entscheidungen klar und Handlungen mutig. Genau darin zeigt sich letztlich Qualität im Umgang mit Druck – nicht im Vermeiden von Fehlern, sondern im Umgang mit ihnen.
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Blascovich, J. (2008). Challenge and threat. In A. J. Elliot (Ed.), Handbook of approach and avoidance motivation (pp. 431–445). Psychology Press.
Blascovich, J., & Mendes, W. B. (2000). Challenge and threat appraisals: The role of affective cues. In J. P. Forgas (Ed.), Feeling and thinking: The role of affect in social cognition (pp. 59–82). Cambridge University Press.
Jones, M., Meijen, C., McCarthy, P. J., & Sheffield, D. (2009). A theory of challenge and threat states in athletes. International Review of Sport and Exercise Psychology, 2(2), 161–180.
Oliver, D. (2004). Basketball on paper: Rules and tools for performance analysis. Potomac Books.National Basketball Association. (2024). NBA team stats: Three-point percentage. https://www.nba.com/stats/teams/traditional