Ein aktueller WDR Sport Inside Beitrag „Jungprofis in der Bundesliga: Noch früher ins Rampenlicht“ sorgt für Aufsehen. Im Film von Matthias Wolf wird die Regeländerung kritisch beleuchtet, nach der in der Fußball-Bundesliga zukünftig ohne jegliche Einschränkung bereits 16-Jährige Kicker zum Einsatz kommen dürfen. Diese Veränderung hat Borussia Dortmund angestossen. Ein Verein, der zunehmend auf junge internationale Talente setzt. Aber zu welchem Preis? Zu dieser Frage wurde unter anderem Dr. René Paasch von Die Sportpsychologen (zum Profil) befragt. Wir empfehlen an dieser Stelle den Beitrag, der unter anderem auf Sportschau.de oder über die Sportschau-App zur Verfügung steht:
Die NHL hat einen neuen Stanley Cup Champion. Die Carolina Hurricanes setzen sich souverän gegen die von vielen Experten favorisierten Vegas Nights durch. Nach 2006 gewinnen sie zum zweiten Mal die ikonische Sporttrophäe. Unmittelbar nach dem Gewinn des Stanley Cup hat Head Coach Rod Brind’Amour im Interview erwähnt, dass Eishockey der „ultimative Teamsport“ sei. Mit Blick auf den Saisonverlauf seiner Carolina Hurricanes, kann man da kaum widersprechen.
Zum Thema: Warum echte Teams oft mehr erreichen als mit Superstars gespickte Zweckgemeinschaften
Sieht man sich in der besten Eishockeyliga der Welt um, findet man viele große Namen: McDavid, MacKinnon, Matthews, Makar, Hughes, Kucherov, Draisaitl, um nur einige zu nennen. Häufig spielen gleich mehrere von denen im selben Team. Ein Erfolgsrezept?
Schauen wir nochmal auf den frisch gebackenen Stanley Cup Champion, die Carolina Hurricanes. Sie haben sich nicht nur auf ein, zwei Superstars verlassen:
Jede Reihe hat einen wichtigen Beitrag geleistet
Das System war größer als die Egos der Einzelnen
Nicht nur die Verteidiger haben defensiv gearbeitet – auch die Stürmer
Auch die Stars und Scorer haben mitunter die dreckige Arbeit gemacht
Aus der Perspektive der Sport- und Erfolgspsychologie ist das eine weitere Bestätigung bisheriger Annahmen. Superstars und Leistungsträger sind wichtig – aber große Meisterschaften gewinnt man nur mit kollektivem Einsatz, mit klarer Rollenverteilung und Vertrauen in jeden Einzelnen. Wir nennen das Kohäsion.
Kohäsion – Stabilität im Teamgefüge
Kohäsion beschreibt, wie sehr sich Spieler einem gemeinsamen Ziel verbunden fühlen und als Gruppe funktionieren – je höher die Kohäsion, desto größer die Bereitschaft, füreinander einzustehen.
Auch wenn es verführerisch ist, auf Superstars zu setzen, sind Trainer, die ein erfolgreiches Team formen wollen, gut beraten, neben sportlichen Qualitäten auch Charakter, soziale Kompetenzen und Rollenakzeptanz zu berücksichtigen. Entscheidend ist, dass sich alle Teammitglieder als wertvoller Teil der Mannschaft erleben – unabhängig von ihrem Status.
Fazit
Erfolg wird nicht allein von Superstars geschaffen. Oft sind es die Spieler ohne große Namen, die Verantwortung übernehmen, sich kompromisslos in den Dienst der Mannschaft stellen und die unsichtbare, harte Arbeit leisten. Sie sind es, die am Ende den Unterschied machen.
Hut ab vor Rod Brind’Amour und den Carolina Hurricanes – ein beeindruckendes Beispiel dafür, was echtes Teamwork bewirken kann.
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Könnt ihr euch noch an den Streit in der deutschen Basketball-Nationalmannschaft erinnern? Mitten während der Zwischenrunde der Weltmeisterschaft 2023. Eben das Turnier, welches die Mannschaft wenige Tage später gewinnen sollte. Der öffentlich ausgetragene Konflikt zwischen Dennis Schröder und Daniel Theis wurde nicht zum Problem, sondern zum Ausgangspunkt für Entwicklung. Genau darin liegt eine zentrale Erkenntnis. Psychologische Sicherheit zeigt sich nicht daran, dass es keine Spannungen gibt – sondern daran, wie mit ihnen umgegangen wird. Und genau hier wird es im Alltag vieler Teams spannend. Denn während solche Beispiele aus dem Spitzensport zeigen, was möglich ist, erleben viele Trainer:innen etwas anderes: Sie wollen Offenheit fördern – und stoßen trotzdem auf Zurückhaltung, Schweigen oder Anpassung. Warum ist das so?
Zum Thema: Die Leadership Trap – Wenn Anspruch und Verhalten auseinanderfallen
In diesem Beitrag geht es darum, warum psychologische Sicherheit im Coaching häufig nicht entsteht – obwohl Trainer:innen genau das wollen. Im Mittelpunkt steht ein zentrales Phänomen: die sogenannte Leadership Trap.
Viele Trainer:innen verfolgen ein klares Ziel. Sie wollen ein vertrauensvolles, offenes Klima schaffen, in dem sich Spieler:innen einbringen können.
Und gleichzeitig zeigen sich im Alltag oft andere Muster:
Fragen werden gestellt – aber direkt selbst beantwortet
Fehler werden erlaubt – aber subtil bewertet
Mitbestimmung wird angekündigt – aber Entscheidungen bleiben einseitig
Das Problem liegt nicht im fehlenden Wissen, sondern im Widerspruch zwischen Anspruch und Verhalten. Für Spieler:innen entsteht dadurch eine klare Orientierung: Nicht das Gesagte ist entscheidend – sondern das, was tatsächlich passiert.
Psychologische Einordnung: Kognitive Dissonanz
Dieses Spannungsfeld lässt sich gut mit der Theorie der kognitiven Dissonanz erklären (Festinger, 1957). Kognitive Dissonanz beschreibt den inneren Spannungszustand, der entsteht, wenn Überzeugungen und Verhalten nicht übereinstimmen. Menschen versuchen, diesen Zustand aufzulösen – oft nicht durch Verhaltensänderung, sondern durch Rechtfertigung.
Übertragen auf den Coaching-Alltag bedeutet das: Ein Trainer möchte Offenheit fördern („Fehler sind okay“), reagiert aber in entscheidenden Momenten kontrollierend oder kritisch. Dieser Widerspruch bleibt häufig unbewusst – wirkt aber stark nach außen.
Für Spieler:innen entsteht dadurch Unsicherheit: Was gilt wirklich? Die Folge: Sie orientieren sich nicht an der Aussage, sondern am erlebten Verhalten.
Warum die Leadership Trap so häufig auftritt
Die Leadership Trap ist kein individuelles Versagen, sondern ein strukturelles Phänomen.
Trainer:innen bewegen sich permanent in einem Spannungsfeld:
Kontrolle vs. Vertrauen
Leistung vs. Entwicklung
Klarheit vs. Offenheit
Gerade in leistungsorientierten Kontexten steigt der Druck, „funktionierende Lösungen“ zu liefern. In solchen Momenten greifen viele Coaches – oft unbewusst – auf kontrollierende Verhaltensweisen zurück. Genau das verhindert jedoch die Entwicklung von psychologischer Sicherheit. Forschung zeigt, dass Führungspersonen einen entscheidenden Einfluss auf das Teamklima haben und bereits kleine Verhaltensweisen darüber entscheiden, ob sich Teammitglieder beteiligen oder zurückziehen (Edmondson, 2004; Fransen et al., 2020).
Woran man die Leadership Trap erkennt
Die Leadership Trap zeigt sich selten offen – sondern in subtilen Mustern im Alltag:
Spieler:innen stellen kaum Fragen
Feedback bleibt oberflächlich oder ausweichend
Fehler führen zu Rückzug statt zu Austausch
Verantwortung wird eher abgegeben als übernommen
Diese Signale werden oft als Motivationsprobleme interpretiert. Tatsächlich sind sie häufig Ausdruck eines Umfelds, in dem soziale Risiken vermieden werden.
Fazit
Psychologische Sicherheit scheitert selten an fehlendem Wissen – sondern oft an unbewussten Widersprüchen im Führungsverhalten. Die Leadership Trap macht deutlich: Gute Absichten reichen nicht aus. Entscheidend ist, wie Verhalten im Alltag erlebt wird. Wer beginnt, diese Diskrepanzen wahrzunehmen und zu reflektieren, macht einen entscheidenden Schritt: vom Anspruch zur bewussten Gestaltung von Teamkultur.
Wer an solchen Themen arbeiten will, ist bei uns genau richtig: Schaut, wen ihr von uns in der Nähe habt (zur Übersicht) oder nehmt auch gern zu mir Kontakt auf (zum Profil von Thorsten Loch).
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Edmondson, A. C. (1999). Psychological safety and learning behavior in work teams. Administrative Science Quarterly, 44(2), 350–383.
Edmondson, A. C. (2004). Learning from mistakes is easier said than done: Group and organizational influences on the detection and correction of human error. Journal of Applied Behavioral Science, 40(1), 66–90.
Festinger, L. (1957). A theory of cognitive dissonance. Stanford University Press.
Fransen, K., Vanbeselaere, N., De Cuyper, B., Vande Broek, G., & Boen, F. (2020). How leaders shape team effectiveness: The role of empowering team climates. Journal of Sport and Exercise Psychology, 42(3), 144–156.
Frazier, M. L., Fainshmidt, S., Klinger, R. L., Pezeshkan, A., & Vracheva, V. (2017). Psychological safety: A meta-analytic review and extension. Personnel Psychology, 70(1), 113–165.
Newman, A., Donohue, R., & Eva, N. (2017). Psychological safety: A systematic review of the literature. Human Resource Management Review, 27(3), 521–535. https://doi.org/10.1016/j.hrmr.2016.11.003
Erfolg wird im Fußball meist an einzelnen Ergebnissen gemessen: Sieg oder Niederlage, Punkte, Tabellenplatz. Im Saisonverlauf zeigt sich jedoch häufig, dass Leistungen von Spiel zu Spiel schwanken. Wer über längere Zeit mit Teams arbeitet, erkennt schnell, dass diese Perspektive zu kurz greift. Entscheidend ist nicht nur, wie gut ein Team an einem Spieltag performt, sondern wie stabil es über Wochen und Monate hinweg agiert.
Zum Thema: Warum gute Trainer ihre Teams nicht besser machen, sondern stabilisieren
Die Untersuchung basiert auf einer längsschnittlichen Analyse von zehn Teams aus dem semi- und professionellen Fußball im DACH-Raum. Ergänzt wurde dies durch mehr als 1.500 tägliche Spielberichte über den Verlauf einer Saison hinweg. Die Analysen zeigen konsistente Zusammenhänge: Führungsverhalten steht weniger mit kurzfristigen Leistungssteigerungen in Verbindung, sondern vielmehr mit einer Reduktion von Leistungsschwankungen und einer stabileren Entwicklung von Teamleistungen. Zusammengefasst lässt sich festhalten:
„Gute Führung macht Teams nicht unbedingt besser, aber sie sorgt dafür, dass sie seltener schlecht spielen.“
Was stabilisiert die Leistung im Team?
Die Daten deuten darauf hin, dass Führung ihre Wirkung nicht direkt auf die Leistung entfaltet, sondern über zentrale psychologische Teamressourcen vermittelt wird. Zwei Aspekte stehen dabei im Vordergrund: psychologische Sicherheit und kollektive Selbstwirksamkeit.
Psychologische Sicherheit beschreibt ein Teamklima, in dem Fehler offen angesprochen werden können und Kommunikation auch unter Druck nicht abbricht. Forschung zeigt, dass solche Kontexte adaptives Lernen und koordiniertes Handeln begünstigen (Edmondson, 1999; Newman et al., 2017).
Kollektive Selbstwirksamkeit hingegen verweist auf das gemeinsame Vertrauen eines Teams in die eigene Fähigkeit, auch schwierige Situationen erfolgreich zu bewältigen. Diese Überzeugung wirkt insbesondere in kritischen Spielphasen stabilisierend und reduziert die Wahrscheinlichkeit von Leistungseinbrüchen (Bandura, 1997; Feltz et al., 2008).
Beide Ressourcen entwickeln sich nicht zufällig, sondern entstehen aus wiederkehrenden Mustern im Führungsverhalten.
Die zentralen Zusammenhänge lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Abb. 1 Konzeptuelles Modell der Zusammenhänge zwischen PERMA-orientiertem Führungsverhalten, psychologischen Teamressourcen und der Stabilität der Teamleistung im Wettkampfkontext (basierend auf eigener Feldstudie; kein Kausalmodell).
Führung ist Verhalten, nicht nur Haltung
Die Studie orientiert sich am PERMA-Modell der Positiven Psychologie. Entscheidend ist dabei jedoch weniger die abstrakte Theorie als deren konkrete Umsetzung im Trainings- und Wettkampfalltag. Führung zeigt sich nicht in einzelnen Momenten, sondern in konsistenten Verhaltensmustern: in der Art und Weise, wie Trainer auf Fehler reagieren, wie sie unter Druck kommunizieren, ob sie den Fokus auf kontrollierbare Aufgaben lenken und inwiefern sie Fortschritte sichtbar machen. Führung wird damit weniger zu einer Frage der Haltung als zu einer Frage der Verlässlichkeit.
Leistung unter Druck
Ein zentraler Kontextfaktor ist der Wettkampfdruck. Gerade in entscheidenden Spielsituationen wird sichtbar, ob Teams in der Lage sind, ihre psychologischen Ressourcen aufrechtzuerhalten. Teams mit stabilen Prozessen brechen unter Druck seltener ein, nicht, weil sie weniger gefordert sind, sondern weil sie besser mit der Situation umgehen können.
Wie Führung im Alltag wirksam wird
Vor diesem Hintergrund lassen sich konkrete Implikationen für die Praxis ableiten.
Ein zentraler Ansatzpunkt liegt im Umgang mit Fehlern. Ein konsistenter, nicht-bestrafender Reaktionsstil stärkt die psychologische Sicherheit und ermöglicht es Spielern, auch unter Druck handlungsfähig zu bleiben (Edmondson, 1999). Entscheidend ist dabei weniger die einzelne Intervention als die Wiederholbarkeit des Verhaltens.
Eng damit verbunden ist die gezielte Steuerung von Aufmerksamkeit. Unter Belastung tendieren Spieler dazu, den Fokus auf das Ergebnis zu richten, was die Entscheidungsqualität beeinträchtigen kann. Eine aufgabenorientierte Fokussierung hingegen stabilisiert sowohl kognitive als auch motorische Prozesse (Wulf, 2013; Wulf & Lewthwaite, 2016). In der Praxis bedeutet dies, den Blick konsequent auf die nächste konkrete Handlung zu lenken.
Darüber hinaus erweist sich der Aufbau kollektiver Selbstwirksamkeit als zentraler Hebel. Diese entsteht nicht durch Appelle, sondern durch gemeinsam bewältigte Situationen und deren bewusste Reflexion (Bandura, 1997). Trainer können diesen Prozess unterstützen, indem sie erfolgreiche Bewältigungserfahrungen im Team sichtbar machen und einordnen.
Schließlich spielt die Konsistenz im Führungsverhalten eine entscheidende Rolle. Inkonsistente Reaktionen erzeugen Unsicherheit, während verlässliche Kommunikationsmuster Orientierung bieten. Studien aus der Sportpsychologie zeigen, dass ein solches Führungsverhalten mit stabileren Teamprozessen einhergeht (Ntoumanis & Standage, 2012; Arthur et al., 2017).
Die zentralen Implikationen lassen sich abschließend auf einen einfachen Kern verdichten:
Kernaussage
Leistung im Fußball entsteht nicht nur durch individuelle Qualität oder taktische Maßnahmen. Sie ist immer auch das Ergebnis von Teamprozessen und diese werden maßgeblich durch Führung geprägt.
„Gute Trainer machen Teams nicht nur besser.Sie sorgen dafür, dass Leistung auch unter Druck stabil bleibt.“
Einordnung der Ergebnisse
Die oben dargestellte Abbildung fasst die identifizierten Zusammenhänge in Form eines konzeptuellen Modells zusammen. Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um ein Kausalmodell, sondern um die strukturierte Darstellung empirischer Zusammenhänge, die im Rahmen einer Feldstudie im realen Wettkampfkontext beobachtet wurden. Die zugrunde liegenden Ergebnisse basieren auf einer längsschnittlichen Untersuchung im semi- und professionellen Fußball im DACH-Raum. Analysiert wurden Daten von insgesamt zehn Teams aus ersten, zweiten und vierten Ligen über den Verlauf einer Saison hinweg, ergänzt durch mehr als 1.500 tägliche Spielerberichte, die eine differenzierte Betrachtung von Führungsverhalten, psychologischen Teamprozessen und deren Zusammenhang mit der Stabilität von Teamleistungen ermöglichen.
Die Sportpsychologen ist die größte Plattform für die Sportpsychologie im deutschsprachigen Raum. Lies in unseren über 1.500 Beiträgen oder nimm direkt Kontakt zu uns auf. Wir coachen, beraten, trainieren, bilden fort und helfen – denn über Erfolg im Sport wird nicht zuletzt im Kopf entschieden.
Bandura, A. (1997). Self-efficacy: The exercise of control. W. H. Freeman and Company. Edmondson, A. (1999). Psychological safety and learning behavior in work teams. Administrative Science Quarterly, 44(2), 350–383. https://doi.org/10.2307/2666999
Feltz, D. L., Short, S. E., & Sullivan, P. J. (2008). Self-efficacy in sport: Research and strategies for working with athletes, teams, and coaches. Human Kinetics.
Ntoumanis, N., & Standage, M. (2012). Motivation in sport: A self-determination perspective. In G. Tenenbaum, R. C. Eklund, & A. Kamata (Eds.), Measurement in sport and exercise psychology (pp. 115–126). Human Kinetics.
Arthur, C. A., Hardy, L., & Woodman, T. (2012). Realising the Olympic dream: Vision, support and challenge. Reflective Practice, 13(3), 399–406. https://doi.org/10.1080/14623943.2012.670112
Newman, A., Donohue, R., & Eva, N. (2017). Psychological safety: A systematic review of the literature. Human Resource Management Review, 27(3), 521–535. https://doi.org/10.1016/j.hrmr.2017.01.001
Wulf, G. (2013). Attentional focus and motor learning: A review of 15 years. International Review of Sport and Exercise Psychology, 6(1), 77–104. https://doi.org/10.1080/1750984X.2012.723728
Wulf, G., & Lewthwaite, R. (2016). Optimizing performance through intrinsic motivation and attention for learning: The OPTIMAL theory of motor learning. Psychonomic Bulletin & Review, 23(5), 1382–1414. https://doi.org/10.3758/s13423-015-0999-9
Trainings- und Matchtagebücher gehören zu den Werkzeugen, die ich meinen Athleten regelmäßig empfehle. Umso spannender war es, bei den French Open zu beobachten, wie Mirra Andreeva während der Pausen immer wieder ihr Notizbuch zur Hand nahm. Dahinter steckt weit mehr als nur das Festhalten von Gedanken, es ist eine wirksame Strategie für Fokus und Selbststeuerung unter Druck.
Zum Thema:Journaling im Tennis
Bei den diesjährigen French Open war immer wieder zu beobachten, wie Mirra Andreeva, die spätere Siegerin, während der Satzpausen in einem Notizbuch blätterte. Was auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, ist in Wahrheit ein hochinteressantes mentales Werkzeug.
Andreeva bereitet für jedes Match eigene Notizen vor. Auf mehreren Seiten sammelt sie Informationen über ihre Gegnerin, hält taktische Überlegungen fest und notiert Gedanken, die ihr helfen sollen, in schwierigen Situationen den Fokus zu behalten. Auf die Frage nach ihrem Notizbuch erklärte sie: „Wenn ich nervös bin oder mich einfach an etwas erinnern möchte, öffne ich das Notizbuch und sehe, was ich dort geschrieben habe.“
Warum ich Athleten zum Schreiben ermutige
Genau diese Methode empfehle ich auch vielen Athletinnen und Athleten, mit denen ich arbeite. Trainings- und Matchtagebücher sind weit mehr als eine Sammlung von Erinnerungen. Sie helfen dabei, Entwicklungen sichtbar zu machen, Erfahrungen festzuhalten und die eigene Aufmerksamkeit bewusst zu steuern.
Für die Nachbereitung von Trainings und Wettkämpfen arbeite ich gerne mit der sogenannten 3:1-Regel. Dabei werden nach einer Einheit mindestens drei positive Aspekte und ein Verbesserungspunkt notiert. Viele Sportler neigen dazu, ihre Aufmerksamkeit ausschließlich auf Fehler zu richten. Die 3:1-Regel schafft einen bewussten Gegenpol und fördert eine realistische sowie konstruktive Reflexion.
Das Notizbuch während des Matches
Noch spannender wird das Notizbuch jedoch während eines Wettkampfes. Gerade im Tennis bieten die Pausen zwischen den Seitenwechseln die Möglichkeit, kurz innezuhalten und sich wieder auf das Wesentliche auszurichten.
In einem solchen Notizbuch können beispielsweise folgende Punkte festgehalten werden:
meine Stärken unter Druck
körperliche Anzeichen von Anspannung
taktische Erinnerungen
Reset-Routinen
Atemtechniken
motivierende Zitate
wichtige Erkenntnisse aus vergangenen Matches
Wenn Druck den Fokus verändert
Warum kann das so wirksam sein? Eine mögliche Erklärung liefert die sogenannte Ablenkungshypothese. Der Sportpsychologe Robert Nideffer beschrieb bereits 1992, dass sich die Aufmerksamkeit von Athleten unter Druck häufig von aufgabenrelevanten auf aufgabenirrelevante Gedanken verschiebt. Statt sich auf die Umsetzung der Taktik oder den nächsten Ballwechsel zu konzentrieren, kreisen die Gedanken um mögliche Fehler, Konsequenzen oder die Bewertung durch andere.
Spätere Forschungen von Hardy und Kollegen sowie Mullen und Kollegen stützen diesen Ansatz. Angst und Druck können das Arbeitsgedächtnis belasten und die Konzentration auf die entscheidenden Informationen erschweren. Die Folge: Die Leistung sinkt nicht aufgrund mangelnder Fähigkeiten, sondern weil die Aufmerksamkeit in die falsche Richtung gelenkt wird.
Ein Anker für die Aufmerksamkeit
Genau hier kann ein Notizbuch helfen. Es fungiert als externer Anker für die Aufmerksamkeit. Der Blick auf einige wenige, bewusst ausgewählte Notizen erinnert den Athleten daran, worauf es jetzt ankommt. Anstatt sich in Sorgen oder negativen Gedanken zu verlieren, wird der Fokus zurück auf die Aufgabe gelenkt.
Besonders für junge Sportler kann dies ein wertvoller Baustein sein. Sie befinden sich häufig noch im Aufbau ihres mentalen Werkzeugkastens und sammeln erste Erfahrungen mit Drucksituationen auf hohem Niveau. Ein Notizbuch ersetzt dabei keine mentale Stärke, es hilft jedoch, vorhandene Stärken genau dann abrufbar zu machen, wenn sie am meisten gebraucht werden.
Mein Praxistipp
Wer mit einem Trainings- oder Matchtagebuch beginnen möchte, sollte es einfach halten. Nach dem Training oder Wettkampf reichen oft wenige Minuten. Notiere drei Dinge, die gut gelungen sind, und einen Bereich, den du verbessern möchtest. Ergänze die wichtigen Erkenntnisse, mentale Schlüsselwörter oder persönliche Erinnerungen für zukünftige Drucksituationen.
Vielleicht liegt die eigentliche Stärke von Mirra Andreevas Notizbuch deshalb nicht in den Informationen, die darin stehen. Sondern darin, dass es ihr in entscheidenden Momenten hilft, sich an das zu erinnern, was sie bereits weiß.
Kontakt
Wer mehr darüber wissen möchte, ist beim Netzwerk Die Sportpsychologen genau richtig: Sicher findet ihr einen meiner Kollegen oder eine Kollegin in eurer Nähe (zur Übersicht) – oder meldet euch gern bei mir (zum Profil von Wolfgang Seidl).
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„Im Padel kommt es stark auf die Technik an.“ Mit diesem Satz hat sich vermutlich jeder schon mal konfrontiert gesehen, der sich in irgendeiner Weise mit dieser Sportart beschäftigt hat. Und natürlich hat das auch seine Berechtigung. Worauf es aber mindestens genauso ankommt, um auf dem Court erfolgreich zu sein, sind die eigene Aufmerksamkeit sowie der Umgang mit Druck.
Gerade im Padel können diese Faktoren sogar über Sieg oder Niederlage entscheiden. Ein Match ist geprägt von kurzen Ballwechseln – eine Achterbahn der Emotionen ist meistens vorprogrammiert. Direkte Reaktionen sind sofort sichtbar und können mitunter den nächsten (technischen) Fehler begünstigen. Das führt schnell zu einem hohen Einfluss der eigenen Gedanken auf den nächsten Punkt oder die nächste Aktion.
Zum Thema:Unter Druck verlieren viele Spieler nicht ihre Technik — sondern ihre Aufmerksamkeitssteuerung.
Padel ist also ein sehr druckreicher und fehleranfälliger Sport. Dass Fehler passieren, lässt sich natürlich nicht vermeiden, geschweige denn kontrollieren. Was aber sehr wohl in der eigenen Kontrolle liegt, ist die bewusste Entscheidung, wie man mit Druck und Fehlern umgehen will. Besonders relevant ist dabei die Steuerung der eigenen Aufmerksamkeit, denn: In Druckmomenten richten Spieler ihre Aufmerksamkeit oft auf Dinge, die sie eben nicht kontrollieren können.
Aufmerksamkeitsfresser:
• Spielstand
• mögliche Niederlage
• Bewertung anderer
• Konsequenzen
• „Wir dürfen jetzt nicht verlieren“
• Gegner
• vergangene oder potenzielle Fehler
Drei Sekunden nach dem Fehler entscheiden oft über die nächsten drei Punkte.
Am Beispiel von Fehlern lässt sich sehr gut skizzieren, wie diese die Aufmerksamkeit und den Fokus negativ beeinflussen können.
Dieser richtet sich dann nämlich auf den vergangenen Punkt und mögliche Konsequenzen. Infolgedessen kommt es zu Selbstkritik und Angst vor dem nächsten Fehler. Dadurch entsteht meist simultan ein Gefühl von Kontrollverlust. In solchen Momenten geht es also darum, den Fokus wieder zurück auf das zu lenken, was man selbst kontrollieren kann und in der eigenen Hand hat. Das kann z.B. folgendes sein:
• nächste bewusste Entscheidung,
• Positionierung,
• Atmung,
• Routine,
• Kommunikation,
• Mut,
• Körpersprache
Der Kreis der Kontrolle
Als extrem starker Anker kann dabei der „Kreis der Kontrolle“ dienen. Dieser hilft dabei, gedanklich einzuordnen, was innerhalb des Kreises und somit der eigenen Kontrolle liegt und was im Gegensatz dazu außerhalb des Kreises und dementsprechend außerhalb der eigenen Kontrolle liegt. Er fungiert also quasi wie ein kurzer Check, worüber es sich „lohnt“ Gedanken zu machen und worauf man somit seine Aufmerksamkeit lenken sollte.
Das ist im Padel unglaublich relevant, weil enge Situationen oft nicht technisch, sondern attentional kippen.
So könnte deine Padel-Match-Routine aussehen:
1. Fehler passiert
2. Aufmerksamkeit kippt
3. Kontrollverlust entsteht mental
4. Reset-Routine = Rückkehr in den Kontrollkreis
Feedback
Probiert diese Routine gern aus und notiert eure Gedanken dazu. Nehmt damit Kontakt zu meinen Kollegen oder Kolleginnen in eurer Nähe (zur Übersicht) oder zu mir (Profil von Nathalie Klingebiel) auf.
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Jannik Sinner gilt als einer der Shootingstars des Welttennis, und gleichzeitig als jemand, der gelernt hat, auf seinen Körper und Kopf zu hören. Nach intensiven Turnierwochen entscheidet er immer wieder bewusst, wann und wo er wieder einsteigt. Auch Novak Djokovic zeigt, dass mentale und körperliche Erholung längst Teil seiner Erfolgsstrategie ist. Zwei Beispiele, die erkannt haben: Regeneration ist keine Pause – sie ist Teil des Trainings.Denn obwohl laut Herwig Straka, Turnierdirektor der Erste Bank Open in Wien, die reine körperliche Belastung auf der Tour nicht höher ist als früher, scheinen sich Verletzungen und mentale Krisen zu mehren. „Die Spieler nehmen heute an weniger Turnieren teil als früher. Thomas Muster etwa spielte in seiner Zeit 30 Turniere im Jahr“, sagt Straka. Warum klagen also einige Profis mehr oder minder öffentlich über Überlastung?
Zum Thema: Mentale Belastung im Tennis
Die Anforderungen haben sich verschoben. Nicht mehr allein der Schlägerarm entscheidet über Sieg oder Niederlage, sondern die mentale Belastbarkeit im Alltag eines globalen Markenbotschafters.
Topspieler stehen heute 24 Stunden im Fokus – auf Social Media, bei Sponsorenterminen, in der Öffentlichkeit. Jeder Post, jedes Interview, jede Geste wird bewertet. Hinzu kommen Reisen über Zeitzonen hinweg und ständige Anpassung an neue Bedingungen. Was früher eine körperliche Herausforderung war, ist heute oft eine mentale Daueranspannung. Herwig Straka bringt es auf den Punkt: „Wenn der Kopf nicht frei ist, leidet auch die körperliche Erholung.“
Mentale Erschöpfung – die unsichtbare Verletzung
Viele Verletzungen entstehen nicht nur durch Muskelüberlastung, sondern durch mentale Ermüdung. Wer ständig unter Druck steht, schläft schlechter, regeneriert langsamer und reagiert später. Der Körper folgt dem Geist, und wenn der Geist nicht abschaltet, verliert der Körper seine natürliche Balance.
Im Tennis, wo Reaktionszeit, Präzision und Emotion eine zentrale Rolle spielen, kann dieser mentale Verschleiß schnell in körperliche Probleme münden. Die Statistik zeigt: Immer mehr Spieler müssen Matches aufgeben oder Turniere absagen, nicht wegen fehlender Fitness, sondern wegen Erschöpfung.
Warum alte Vergleiche nicht greifen
Früher galt: mehr spielen, härter trainieren, weiterkämpfen. Doch dieser Vergleich hinkt. Ein Thomas Muster oder Pete Sampras lebten in einer analogen Welt, ohne Social Media, ohne ständige öffentliche Bewertung. Nach einem Match gab es Rückzugsmöglichkeiten. Heute ist der Tennissport Teil eines permanenten Medienzyklus, in dem Stille fast schon Luxus ist.
Der Unterschied: Früher war der Körper am Limit. Heute ist es oft der Kopf.
Bewusster Umgang mit Energie – das neue Erfolgsprinzip
Novak Djokovic lebt vor, dass mentale Erholung gleichbedeutend mit Training ist. Er integriert Meditation, Atemtechniken und Visualisierung in seinen Alltag und betont, dass mentale Klarheit entscheidend für seine Konstanz ist. Das hilft ihm, auch als 39-Jähriger noch Teil der Weltspitze zu sein.
Auch Jannik Sinner zeigt, dass bewusstes Planen ein Erfolgsfaktor ist: Er verzichtet gezielt auf Turniere, achtet auf Ruhephasen und gestaltet seinen Jahresplan so, dass er körperlich und mental im Gleichgewicht bleibt. Diese Haltung zeigt: Mentale Stärke bedeutet heute nicht nur Fokus und Disziplin, sondern auch die Fähigkeit, rechtzeitig Nein zu sagen.
Mentale Lösungen für mehr Erholung
Wer auf höchstem Niveau bestehen will, muss mentale Erholung aktiv gestalten. Einige bewährte Ansätze:
Achtsamkeit trainieren Bewusst innehalten – beim Frühstück, im Flugzeug, vor dem Match. Achtsamkeit stärkt Präsenz und Erholungsfähigkeit.
Digitale Grenzen setzen Social-Media-Pausen bewusst einplanen. Nicht jede Nachricht verdient Aufmerksamkeit. Mentale Energie ist kostbar.
Bewusstes Reisen Kleine Rituale helfen, den Übergang von Turnier zu Turnier zu meistern, Musik, Atemübungen, kurze Meditationen.
Mentale Regenerationsroutinen Abendliche Reflexion, Dankbarkeit oder Atempausen fördern emotionale Entspannung und Schlafqualität.
Selbstverantwortung stärken Mental Health ist kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck professioneller Selbstführung.
Fazit: Der freie Kopf als Erfolgsfaktor
Die körperliche Belastung im Tennis ist beherrschbar, die mentale Belastung ist zur großen Herausforderung geworden. Wer heute an der Spitze bestehen will, braucht mehr als Technik und Athletik. Es braucht Bewusstheit, Selbstführung und die Fähigkeit, loszulassen.
Nur wer den Kopf frei hat, kann auch den Körper wirklich erholen. Wer daran arbeiten will, ist Beim Netzwerk Die Sportpsychologen genau richtig: Sicher findet ihr einen meiner Kollegen oder eine Kollegin in eurer Nähe (zur Übersicht) – oder meldet euch gern bei mir (zum Profil von Wolfgang Seidl).
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Emotionen spielen im Sport eine zentrale Rolle, da sie Motivation, Konzentration, Entscheidungsfähigkeit und Leistung maßgeblich beeinflussen. Besonders im Nachwuchsleistungssport befinden sich Athletinnen und Athleten in einer Phase intensiver persönlicher und sportlicher Entwicklung. Sie müssen lernen, mit Erfolgen, Misserfolgen, Leistungsdruck und Erwartungen umzugehen. Sportpsychologische Betreuung verfolgt daher das Ziel, emotionale Kompetenzen zu fördern und junge Sportler dabei zu unterstützen, ihre Gefühle wahrzunehmen, zu verstehen und konstruktiv zu regulieren.
Zum Thema: Umgang mit Emotionen im Nachwuchssport
Die Emotionsblume stellt ein visuelles Modell dar, das verschiedene Emotionen und deren Intensitätsstufen in einer blütenförmigen Struktur zeigt. Im Zentrum befinden sich grundlegende emotionale Zustände wie Begeisterung, Bewunderung, Erschrecken oder Betrübtheit. In den äußeren Bereichen erscheinen intensivere oder differenziertere Gefühle wie Optimismus, Enttäuschung oder Hass. Durch diese Darstellung wird deutlich, dass Emotionen unterschiedliche Abstufungen und Übergänge besitzen und nicht isoliert auftreten.
Emotionen beeinflussen sportliche Leistungen erheblich. Positive Emotionen wie Freude, Begeisterung oder Vertrauen können Motivation, Selbstvertrauen und Konzentration fördern. Negative Emotionen wie Angst, Ärger oder Enttäuschung können hingegen leistungshemmend wirken, gleichzeitig aber auch Energie mobilisieren, wenn sie konstruktiv genutzt werden. Nach der kognitiven Emotionstheorie entstehen Emotionen durch die Bewertung einer Situation (Lazarus, 1991). Im sportlichen Kontext bedeutet dies, dass Athleten beispielsweise denselben Wettkampf entweder als Herausforderung oder als Bedrohung wahrnehmen können, was unterschiedliche emotionale Reaktionen hervorruft.
Förderung emotionaler Kompetenzen
Ein zentrales Ziel sportpsychologischer Betreuung ist die Entwicklung emotionaler Kompetenzen. Dazu gehört zunächst die Fähigkeit zur emotionalen Wahrnehmung, also das Erkennen eigener Gefühle in Trainings- und Wettkampfsituationen. Darauf aufbauend lernen Athleten, Emotionen differenziert zu benennen und ihre Intensität einzuschätzen. Schließlich entwickeln sie Strategien zur Emotionsregulation, beispielsweise durch Atemtechniken, Selbstgespräche, Visualisierung oder Routinen vor Wettkämpfen. Diese Fähigkeiten stehen in engem Zusammenhang mit dem Konzept der emotionalen Intelligenz (Salovey & Mayer, 1990; Goleman, 1995).
Die Emotionsblume kann in der sportpsychologischen Praxis auf verschiedene Weise eingesetzt werden. Nach Training oder Wettkampf können Athleten aus der Emotionsblume die Emotion auswählen, die ihre aktuelle Gefühlslage am besten beschreibt. Dies unterstützt die Reflexion eigener Erfahrungen. Vor Wettkämpfen kann die Emotionsblume genutzt werden, um die aktuelle emotionale Ausgangslage zu erkennen. Darüber hinaus kann sie als Gesprächsgrundlage zwischen Athleten, Trainern und Sportpsychologen dienen und die Kommunikation über Gefühle erleichtern.
Übung für die Praxis
Für die Begleitung von Kindern/Jugendlichen empfehle ich folgende Übung – mit Fokus auf Gefühlsausdruck, Zutrauen und inneren Raum. Nehmt gern Kontakt auf, wenn dazu Fragen entstehen.
1. Der Raum-Atem
So geht’s:
Eine Hand auf den Bauch, eine auf das Herz legen. Langsam durch die Nase einatmen. Beim Ausatmen vorstellen, dass im Bauch mehr Platz entsteht.
Begleitende Worte:
„Mit jedem Atemzug wird es in dir weiter. Deine Gefühle haben Platz.“
2. Das Gefühle schütteln
So geht’s:
Aufstehen und Arme, Beine, Schultern locker ausschütteln – erst langsam, dann schneller, dann wieder langsam. Zum Schluss kurz stillstehen.
Begleitende Worte:
„Alles darf sich bewegen. Nichts muss festgehalten werden.“
3. Der Gefühls-Check-in
So geht’s:
Ruhig sitzen oder liegen. Sanft fragen: „Wo spürst du gerade etwas in deinem Körper?“ „Ist es eher groß oder klein?“
Optional darf das Gefühl eine Farbe oder Form bekommen.
4. Der sichere Rückzug
So geht’s:
Das Kind rollt sich klein zusammen wie eine Schildkröte. Tief einatmen. Beim Ausatmen die Arme langsam öffnen.
Begleitende Worte:
„Du darfst dich schützen. Und du darfst dich wieder öffnen – in deinem Tempo.“
5. Die Herz-Verbindung(ACHTUNG – Erst VORHER um Erlaubnis des Kindes fragen und die Eltern über diese Übung aufklären !!)
So geht’s:
Wenn es sich gut anfühlt: eine Hand des Kindes und eine der Bezugsperson auf das Herz des Kindes legen. 3–5 Atemzüge gemeinsam atmen.
Begleitende Worte:
„Du bist nicht allein mit deinen Gefühlen. Ich bin da.“
Hinweis: Diese Übungen laden ein, nichts zu erzwingen. Gefühle dürfen kommen und gehen. Manchmal reicht es, gemeinsam zu atmen.
Pädagogische Bedeutung
Der Nachwuchssport verfolgt nicht nur leistungsorientierte Ziele, sondern auch pädagogische. Die bewusste Arbeit mit Emotionen unterstützt die Persönlichkeitsentwicklung junger Athleten. Sie lernen, mit Druck, Niederlagen und Erwartungen umzugehen, entwickeln Selbstvertrauen und stärken ihre sozialen Kompetenzen. In diesem Sinne trägt sportpsychologische Betreuung sowohl zur Leistungsentwicklung als auch zur ganzheitlichen Entwicklung von Nachwuchsathleten bei.
Fazit
Die Emotionsblume stellt ein anschauliches und praxisnahes Instrument dar, um emotionale Prozesse im Nachwuchsleistungssport sichtbar zu machen. Sie unterstützt Athleten dabei, ihre Gefühle besser wahrzunehmen, zu benennen und zu reflektieren. In Kombination mit sportpsychologischen Methoden kann sie einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung emotionaler Kompetenzen leisten und somit sowohl die sportliche Leistung als auch die persönliche Entwicklung junger Sportlerinnen und Sportler fördern.
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Wir bei Die Sportpsychologen werden häufig gefragt, ob denn jetzt eigentlich ein guter Zeitpunkt sei, mit der Sportpsychologie zu beginnen? Schauen wir uns das genauer an. Warum ist vielleicht gerade das Saisonende, also die Phase kurz nach den letzten Spieltagen oder Wettkämpfen, der perfekte Zeitpunkt?
Das Saisonende ist aus mehreren Gründen ein idealer Zeitpunkt, um mit sportpsychologischer Arbeit zu starten:
Reflexion und Analyse Nach Abschluss der Saison sind Sportler oft motiviert, ihre Leistung zu reflektieren. Sie können offen über Erfolge, Misserfolge und Herausforderungen sprechen, was eine ehrliche und tiefgehende Analyse ermöglicht.
Geringer Leistungsdruck Da keine unmittelbaren Wettkämpfe anstehen, besteht weniger Leistungsdruck. Das schafft eine entspanntere Atmosphäre, in der Sportler sich besser auf psychologische Themen konzentrieren können, ohne Angst vor Ablenkung oder zusätzlicher Belastung.
Zielsetzung für die nächste Saison Der Zeitraum eignet sich ideal, um klare und realistische Ziele für die kommende Saison zu formulieren. Sportpsychologische Methoden können dabei helfen, Motivation zu steigern und Strategien zur Zielerreichung zu entwickeln.
Bearbeitung von Belastungen und Stress Während der Saison sammeln sich oft mentale Belastungen an. Jetzt können diese Themen aufgearbeitet werden, bevor sie in der nächsten Saison zu Problemen führen.
Aufbau von mentalen Fähigkeiten In der Saisonpause ist Zeit, um mentale Techniken wie Konzentrationsübungen, Stressmanagement oder Visualisierung zu trainieren, die dann im kommenden Wettkampfzyklus angewendet werden können.
Integration in Trainingsplanung Sportpsychologische Arbeit kann gut mit dem Trainingsplan für die Vorbereitung auf die nächste Saison abgestimmt werden, da noch keine Wettkämpfe anstehen und Anpassungen leichter möglich sind.
Zusammengefasst: Das Saisonende ist ein günstiger Moment, weil Sportler Zeit zur Reflexion haben, weniger unter Druck stehen und sich mental auf die nächste Phase vorbereiten können. So wird die sportpsychologische Arbeit wirksamer und nachhaltiger.
Erfahrungen sind noch frisch – mentale Stärken und Probleme der Saison lassen sich direkt analysieren. Da keine Wettkämpfe mehr anstehen, haben alle Beteiligten mehr Zeit. Es entsteht Raum für Reflexion und gezielte mentale Entwicklung und wiederkehrende Muster (Leistungsschwankungen, Nervosität oder Umgang mit Drucksituationen, ggf. durch Videoanalysen) können sichtbar gemacht werden. Das bietet die Chance, neue mentale Routinen aufbauen zu können. Konzentration, Selbstvertrauen und Umgang mit Druck lassen sich stressfreier trainieren und mit Konsequenzen in Testspiele angewendet werden. Die Motivation zur Veränderung ist hoch, denn nach der Saison ist der Wunsch nach Weiterentwicklung oft besonders groß. Dies gilt auch für die Volition, den Willen der Handlungsabsicht. Es ist eine optimale Zeit für den Start mit der Sportpsychologie: Mentale und körperliche Stärke können frühzeitig aufgebaut und ausgebaut werden, statt erst in Krisen darauf reagieren zu müssen.
In dieser Phase sind Erfahrungen und Emotionen noch sehr präsent. Erfolg, Druck, Enttäuschung oder Konflikte können deutlich ehrlicher reflektiert werden als mitten im Wettkampfbetrieb. Viele Athletinnen und Athleten sind nach der Saison erstmals bereit, nicht nur über Leistung, sondern auch über Belastung, Motivation oder persönliche Entwicklung zu sprechen. Genau hier kann Sportpsychologie helfen, Erfahrungen sinnvoll einzuordnen und daraus nachhaltige Entwicklungsprozesse entstehen zu lassen.
Ich erinnere mich an einen Fußballspieler, der während der Saison nach außen immer stabil wirkte und jede Woche „funktionierte“. Erst wenige Tage nach dem letzten Spiel sagte er im Gespräch plötzlich: „Eigentlich habe ich seit Monaten nur noch Druck gespürt und kaum noch Freude am Fußball gehabt.“ Genau solche Momente entstehen häufig erst nach Saisonende. Der Wettkampfdruck fällt etwas ab und dadurch wird echte Reflexion überhaupt erst möglich.
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Streckentraining vor dem Cross Country Weltcup, dabei ein Sturz. Glück gehabt, könnte man sagen. Lieber im Training als im Rennen. Stimmt. Ist aber nicht nur im Mountainbike-Sport zu kurz gedacht. Gerade bei Stürzen auf der Rennstrecke unmittelbar vor einem Rennen bleibt für das Rennen Unsicherheit: Bin ich für diesen Streckenabschnitt wirklich gut vorbereitet? Könnte sich der Sturz im Rennen wiederholen?
Zum Thema: Umgang mit Stürzen am Beispiel von XCO im Mountainbike
Gerade, wenn nicht klar ist, was zu dem Sturz geführt hat, neigen Athleten dazu, im Rennen genau da vorsichtig zu fahren, wo sie im Training gestürzt sind. Vorsicht ist an sich nichts Schlechtes, aber für das nötige Tempo auf der Strecke für die Bestleistung schädlich. Und auch für die Konzentration. Denn wer vorsichtig fährt, im Bewusstsein eines möglichen Sturzes, muss aus dem Tunnel, also aus dem Flow. Das langsame Gedächtnis löst das schnelle ab, Information wird nun seriell verarbeitet und nicht mehr komplex und automatisiert, die endlos trainierten Reflexe greifen nicht mehr so gut. Dadurch kann sich das Verletzungsrisiko sogar erhöhen, anstatt abzunehmen.
Was tun nach einem Trainingssturz, wenn der Sportpsychologe nicht vor Ort ist?
Ich empfehle, gerade in Situationen, in denen weder ich noch ein Kollege oder eine Kollegin vor Ort ist, folgende Handlungsoptionen:
Spannung herausnehmen: An den Sturz denken, gleichzeitig tief und langsam atmen, mit der Betonung auf dem Ausatmen. Das beruhigt das Nervensystem und nimmt die Spannung aus dem kürzlich Erlebten.
Mentale Timeline-Arbeit: Noch einmal zurückschauen zum Training. Dann umdrehen und nach vorne schauen. Das Rennen vorstellen, das stattfinden wird, sich dabei auf der Strecke sehen, wie man sie fahren möchte. Darin sollten Informationen aus dem Training enthalten sein, zum Beispiel: Welche Linie werde ich fahren, damit ich sicher durch den Rock Garden komme?
An Ressourcen anknüpfen: Vielleicht ist der Athlet diese Strecke im Wettkampf ja schon einmal erfolgreich gefahren, zum Beispiel im Vorjahr? Dann daran erinnern, möglichst mit allen Sinnen. Auch das hilft dabei, die negative Erfahrung zu „überschreiben“ und an die bereits trainierten Fähigkeiten anzuknüpfen.
Wenn möglich: Strecke nochmal abfahren, vor allem den Abschnitt mehrmals, wo es zum Sturz gekommen ist, dieses Mal erfolgreich und sauber – das hilft dabei, die negative Erfahrung zu „überschreiben“ und gibt Sicherheit für das Rennen.
Wer persönliche Unterstützung benötigt, dem stehe ich (zum Profil von Anke Precht) oder die Experten und Expertinnen von Die Sportpsychologen (zur Übersicht) gern zur Verfügung.
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„Neuer“ oder „Koan Neuer“? Das war eine der Fragen, mit der sich Bundestrainer Julian Nagelsmann ganz offensichtlich in den vergangenen Wochen schwer tat. In jedem Fall lässt sich die Kommunikation- und Pressearbeit aus der Kommandozentrale des DFB-Nationalteams durchaus kritisieren. Entsprechend elektrisiert reagieren die deutschen Medien auf die Kaderzusammenstellung vor der Fußball-WM im Sommer 2026 in den USA, Kanada und Mexiko. Auch wir bei Die Sportpsychologen wurden mehrfach gebeten, mögliche Zusammenhänge zu erklären.
Zum Thema: Teambuilding
Klaus-Dieter Lübke Naberhaus nutzte ein Interview mit dem Radiosender WDR 5, um die Phasen des Teambuildings zu skizzieren. Die nominelle Kaderzusammenstellung ordnet er dabei eher dem Design zu und betont, dass die wesentliche Arbeit jetzt beginnt. Bis zum Start der Weltmeisterschaft Mitte Juni gehe es darum, aus den Einzelspielern eine funktionale Einheit zu Bilder. Mehr dazu im Radio-Interview:
Du bist selbst Trainer oder Trainerin einer Auswahlmannschaft oder eines Club-Teams und stehst ebenso vor der Herausforderung, aus Individuen eine optimale Gruppe zu formen? Wir von Die Sportpsychologen helfen dabei gern – im Hintergrund oder Seite an Seite. Nimm gern zu Klaus (zum Profil von Klaus-Dieter Lübke Naberhaus) oder unseren Experten und Expertinnen in deiner Nähe (zur Übersicht) Kontakt auf.
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