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Richtige Wege für Sportler mit depressiven Anzeichen

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Dr. René Paasch: Tatsachenentscheidungen von Schiedsrichtern im Fussball

Spieler, Trainer – und Schiedsrichter. Die Referees sind ebenso Athleten wie die beteiligten Kicker und zeigen nicht weniger beeindruckende Leistungen. Sie rennen auf dem Platz im Schnitt genauso viel wie die Spieler und sie sollen zudem blitzschnell und vor allem immer richtig entscheiden. Allerdings werden Schiedsrichter so gut wie nie gelobt, sondern im Gegenteil oft heftig attackiert und beschimpft (aktuelle Berichterstattung der letzten Monate). Viel zu häufig gehört es leider zur Profession eines Schiedsrichters, dass es nach einem ganz normalen „Foul“ im Mittelfeld zu ungeahnten Reaktionen auf und neben dem Platz kommt. Ein Beispiel: Für den Schiedsrichter ist es nicht eindeutig erkennbar, ob der gefoulte Spieler auf Höhe des Mittelkreises wirklich Kontakt mit dem Gegenspieler hatte oder sich nur hat fallen lassen. Kniffelig. Dennoch geht der Coach der einen Mannschaft hoch wie eine Rakete. Jeder Außenstehende fragt sich in solchen Situationen: „Müsste da nicht von der Trainerbank ein beruhigendes Wort kommen, denn schließlich geht es nur um einen Freistoß an der Mittellinie?“ Eine mehr oder weniger eindeutige Antwort zu dieser Problematik möchte ich in dem nun folgenden Beitrag zur Tatsachenentscheidung von Schiedsrichtern näher erläutern.  

Zum Thema: Wahrnehmungs- und Entscheidungsverhalten von Schiedsrichtern im Fussball  

Fast alle wettkampforientierten Sportarten leben von Entscheidungen der Schiedsrichter, wobei die erbrachten Leistungen in manchen Sportarten alleinig durch menschliche Urteile bestimmt werden. Diese mitprägende Rolle der Spielleitenden wurde in den vergangenen Jahren auch in der Forschung anerkannt, weshalb sich die wissenschaftliche Auseinandersetzung von Schiedsrichterentscheidungen zu einem wachsenden Feld in der Sportwissenschaft entwickelt hat (siehe bspw. MacMahon et al., 2014). Im Fußball treffen Schiedsrichter durchschnittlich 200 Entscheidungen pro Spiel. Obgleich sie in der Mehrheit richtige Entscheidungen treffen, sind bis zu 20% der pro Spiel getroffenen Entscheidungen wissenschaftlichen Studien zufolge falsch (Helsen et al., 2006). Schiedsrichter sind gleichzeitig sehr daran interessiert, die Qualität ihrer Entscheidungen zu verbessern, wenn man die oftmals spielentscheidenden Konsequenzen von Schiedsrichterentscheidungen bedenkt. Sehen wir uns die Situation der Schiedsrichter im Fussball näher an: 

Stehen bei Spielen in unteren Klassen keine neutralen Gespanne zur Verfügung, so sind die Assistenten von den beteiligten Vereinen zu stellen. Die Aufgaben dieser Assistenten sind stark eingeschränkt. Normalerweise zeigen sie dem Schiedsrichter nur an, ob der Ball die Seitenlinie überschritten hat. Hieraus folgt, dass der Schiedsrichter bezüglich der Frage „Aus“ oder „Nicht-Aus“ die Entscheidungen dieser Assistenten übernehmen soll. Es bleibt jedoch grundsätzlich seine Entscheidung, „welche Mannschaft das Spiel fortsetzt“ bzw. ob das Spiel mit Abstoß oder Eckstoß fortgesetzt wird. Das bedeutet für den Unparteiischen, dass gute, sinnvolle Laufwege und die passenden Positionen zum Spielgeschehen für sichere, korrekte Entscheidungen in solchen Situationen unerlässlich sind. Oft genug muss sich der Schiedsrichter von den Spielern, Funktionären oder Zuschauern Kritik anhören, dass er nicht einmal die Spielfortsetzung nach einem Ausball richtig erkennen kann. Besser hat es da der Schiedsrichter, der im sogenannten „Gespann“ unterwegs ist. Er kann sich in den höheren Spielklassen auf sein „Team/Technik“ verlassen. Gemäß einem einflussreichen Forschungsansatz von Kahnemann & Tversky, treffen Menschen sehr häufig Entscheidungen unter erschwerten Bedingungen. Ihnen stehen entweder nicht alle relevanten Informationen zur Verfügung oder es fehlt die Zeit, sie gebührend zu berücksichtigen. Allerdings lassen sich selbst unter suboptimalen Bedingungen oft noch recht gute Entscheidungen treffen, indem man schnelle und vereinfachende Strategien anwendet, so genannte Heuristiken. Sie bergen andererseits die Gefahr systematischer Urteilsverzerrungen, die als Bias (englisch für „Vorurteil, Schräglage“) bezeichnet werden. Die meisten Verzerrungen entstehen, wenn Menschen bei ihren Entscheidungen Informationen heranziehen, die eigentlich irrelevant sind. Oft sind sie sich dabei gar nicht bewusst, dass solche Nebensächlichkeiten ihr Verhalten beeinflussen. Auch viele Fehler von Schiedsrichtern fallen in diese Kategorie. Wovon hängt es ab, ob der Unparteiische nach einem Foul die gelbe Karte zückt oder nur auf Freistoß entscheidet? In erster Linie wohl davon, was das Regelwerk vorschreibt, also etwa von der Schwere des Fouls: je gravierender eine Attacke, desto höher die Wahrscheinlichkeit einer gelben Karte. Bei einem klaren Regelverstoß liegt das auf der Hand. Was aber, wenn das Vergehen nicht so eindeutig ist? In solchen Situationen spielt eine Reihe weiterer Faktoren hinein. Studien zufolge wird eine gelbe Karte zum Beispiel umso eher gezeigt, je lauter das Publikum sie fordert. Der so genannte Crowd-Noise-Effekt (2014) bezeichnet das Phänomen, dass Schiedsrichter ein- und denselben Vorfall unterschiedlich bewerten, je nachdem, welcher Lärmpegel im Stadion herrscht. 

Tatsachenentscheidung 

Vielleicht ist es mir möglich, etwas Aufklärungsarbeit darüber zu leisten, was letztendlich der Begriff der „Tatsachenentscheidung“ bedeutet. Laut Regelwerk gibt es bei einem Fußballspiel nur richtige Entscheidungen oder Regelverstöße durch den Schiedsrichter. Dabei liegt der Gedankenfehler oftmals in einem weitestgehend unbekannten Detail. Die Entscheidungsfindung eines Fußballschiedsrichters ist ein Prozess, bei dem der letztendlichen Entscheidung einige Dinge vorgelagert sind. Wie die „Fehlentscheidung”. Dazu sollten Sie wissen, dass eine Entscheidung eines Schiedsrichters immer nach folgendem Schema abläuft:

  • Wahrnehmung einer Situation
  • Beurteilung einer Situation und Feststellung einer Tatsache
  • Entscheidung und Regelanwendung
  • Regelumsetzung

1. Wahrnehmung einer Situation

Grundvoraussetzung für jede Schiedsrichterentscheidung ist, dass er eine Situation überhaupt wahrnimmt. Das ist nachvollziehbar, wird aber gern von Zuschauern und Beteiligten vergessen. Die Komplexität des Fußballspiels und das eingeschränkte Blickfeld des Schiedsrichters schließen es aus, dass dieser jede Situation auf dem Spielfeld wahrnehmen kann. Zusätzlich darf der Schiedsrichter auch keine Vermutungen über einen Vorgang anstellen, auch wenn diese noch so offensichtlich erscheinen. Damit liegt aber in diesem Fall keine Fehlentscheidung vor, sondern ein vom Regelwerk vorgegebenes Kriterium zur Entscheidungsfindung. 

2. Beurteilung einer Situation und Bewertung

Nachdem der Schiedsrichter eine Situation wahrgenommen hat, muss er sie beurteilen. Dabei darf er aber auch nur das beurteilen, was er selbst oder seine Assistenten wahrgenommen haben. Herausforderung dabei ist, dass eine Situation aus unterschiedlichen Perspektiven völlig anders aussehen kann. Die Wahrnehmung eines Menschen ist immer subjektiv. Damit kann aber auch niemals eine Entscheidung falsch sein, die auf der Grundlage dieser Wahrnehmung getroffen wird. Mit der Beurteilung der Wahrnehmung wird diese nach Regeldefinition zu einer Tatsache.  

3. Entscheidung und Regelanwendung

Auf der Basis dieser Tatsache trifft der Schiedsrichter nun eine Entscheidung. Umgangssprachlich wird an dieser Stelle oft von der Tatsachenentscheidung gesprochen, ohne sich dabei der wirklichen Hintergründe bewusst zu sein. Wenn nun die Ableitung aus den festgestellten Tatsachen korrekt ist und die Fussballregeln richtig angewendet werden, kommt der Schiedsrichter immer zu einer korrekten Entscheidung. Dem Regelgeber sind die Unzulänglichkeiten einer auf subjektiver Wahrnehmung beruhenden Tatsache durchaus bewusst, jedoch ist dies die einzig sinnvolle Konsequenz. 

4. Regelumsetzung

Nachdem die Tatsache festgestellt ist und eine Entscheidung getroffen wurde, sprechen wir von einer Tatsachenentscheidung. Dies bedeutet entweder Weiterspielen oder Spielunterbrechung inklusive der Festlegung einer Spielfortsetzung (z.B. Freistoß), eines Ortes für die Spielfortsetzung und ggf. einer persönlichen Disziplinarstrafe für einen oder mehrere Spieler. Doch was ist dann ein Regelverstoß? 

Der Regelverstoß durch den Schiedsrichter

Regelverstöße durch einen Schiedsrichter sind extrem selten und werden – gerade im Amateurfußball – oftmals auch nur von anderen Schiedsrichtern bemerkt. Ein Regelverstoß durch den Schiedsrichter liegt immer dann vor, wenn auf die festgestellte Tatsache eine falsche Regelableitung und/oder eine falsche Regelanwendung folgen. Damit wird bereits die Schwierigkeit des Nachweises eines Regelverstoßes deutlich. Beispiel: Foulspiel im Strafraum nicht gesehen: Kein Regelverstoß, weil dies nicht wahrgenommen wurde. Beispiele bei denen der Schiedsrichter einen Regelverstoß begeht:

  • Er lässt einen des Feldes verwiesenen Spieler wissentlich weiter am Spiel teilnehmen.
  • Obwohl der Ball an der Mittellinie ins Seitenaus geht, entscheidet er ohne einen anderen Grund auf Strafstoß anstatt auf Einwurf.

Beispiele für Regelverstöße, die der Schiedsrichter nicht zu verantworten hat:

  • Er lässt einen Spieler wissentlich am Spiel teilnehmen, obwohl dieser nicht spielberechtigt ist: Der Schiedsrichter darf keinen vom Spiel ausschließen. Für den Einsatz der Spieler sind ausschließlich die Mannschaften verantwortlich. Der Schiedsrichter vermerkt den Regelverstoß lediglich im Spielbericht.
  • Es wird ohne Tornetze gespielt: Ein Kuriosum. Das Regelwerk des IFAB hat tatsächlich noch nie Tornetze vorgeschrieben. Lediglich in den Durchführungsbestimmungen der Fußballverbände wird vorgeschrieben, für welche Spiele Tornetze zwingend erforderlich sind. 

Die Entscheidung eines Schiedsrichters ist erst dann endgültig, wenn das Spiel nach dieser Entscheidung fortgesetzt wurde. 

Dr. René Paasch

Sportarten: Fußball, Segeln, Schwimmen, Handball, Hockey, Eishockey, Tennis

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Fazit

Zunächst einmal muss man anerkennen, dass Schiedsrichter Großartiges leisten. Das ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, was ihnen die Leitung eines Fußballspiels körperlich und geistig abverlangt! Auch fallen die belegten Urteilsverzerrungen oft schwach aus.  Phänomene wie der Crowd-Noise-Effekt tragen zum Heimvorteil bei, sind aber vermutlich nicht allein dafür verantwortlich. Um ein Foulspiel zu pfeifen, bedarf es einer Vielzahl von Informationen, die noch dazu sehr schnell abgewogen werden müssen. Genau das sind zwei wichtige Charakteristika intuitiver Entscheidungen. Typisch für sie ist, dass man plötzlich zu einem Schluss kommt, ohne diesen näher begründen zu können. Derartige Eingebungen lassen sich durch Feedback über zuvor getroffene Entscheidungen, zum Beispiel dank des Videoassistenten oder einen direkten Kommunikationsweg zu den Assistenten an den Seitenlinien (wer dazu Fragen hat, kann mich gern kontaktieren), verbessern.

Mehr zum Thema:

Literatur

1. Helsen, W., Gillis, B. & Weston, M. (2006): Errors in judging “offside” in football: Test of the optical error versus the perceptual flash-lag hypothesis. Journal of sports sciences, 24, 512-528.

2. Lex, H., Kurtes, M., Pizzeria, A., Schack, T (2014): Zum Einfluss eines Spielerschreis auf Schiedsrichterentscheidungen im Fußball

3. MacMahon, C., Helsen, W. F., Starkes, J. L. &Weston, M. (2007). Decision-making skills and deliberate practice in elite association football referees. Journal of Sports Sciences, 25, 65-78. doi: 10.1080/02640410600718640

4. Spitz et al. (2018): The impact of video speed on the decision-making process of sports officials Cognitive Research: Principles and Implications.
DOI: 10.1186/s41235-018-0105-8

Tversky, A. & Kahneman, D. (1973): Availability: A heuristic for judging frequency and probability. Cognitive Psychology, 5, 207-232.

Tversky, A. & Kahneman, D. (1974): Judgment under uncertainty: Heuristics and biases. Science, 185, 1124-1131.

Schnyder, U. & Hossner, E.-J. (2016): Psychological issues in football officiating: An interview study with top-level referees. Current Issues in Sport Science, 1:004. doi: 10.15203/CISS_2016.004

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Johanna Constantini: Von Face-to-Face zu Facetime – Warum Zwischenmenschlichkeit im Sport besonders wichtig ist!

Erst vor kurzem war ich auf einer Veranstaltung eingeladen, die voll und ganz im Zeichen der digitalen Revolution stand. Neben einem Vortrag, den ich zu Digitalem Stress halten durfte, erfuhr ich auch wieder einiges über Trainingssimulationen von anderen Kollegen. Die gezeigten Erkenntnisse und Entwicklungsschritte in Bezug auf virtuelle Trainings ließen mich stutzig werden. Wenn es um Widerstandsfähigkeit und mentale Gesundheit geht, so geht es immer auch um analoge Bezugspersonen (Werner, 1977). Um zwischenmenschlichen Austausch und um Face-to-Face Kontakte. Mehr noch als um Face-time, wie sich die anwenderfreundliche IPhone Videotelefonie nennt – geht es um allgemeine Sicherheiten im Umgang mit digitalen Medien. Was in der Wirtschaft gilt, gilt nämlich auch im Sport: Verunsicherungen durch Technik verursachen das höchste Maß an digitalem Stress (Gimpel et. al., 2018). Auch im Sport sollten wir darüber Bescheid wissen. Schließlich geht es dabei einerseits um die mögliche Unzuverlässigkeit unserer (Tracking-)Geräte und andererseits um die nicht vorhersagbaren technologischen Entwicklungen. Warum sollten sie im Sport nicht auch zu Stress führen? Digitalen Stress verursachen? Wie kann ein heute noch analoger Coach dem entgegenwirken? 

Zum Thema: Wie sollten Trainer reagieren, um nicht der digitalen Entwicklung zum Opfer zu fallen?

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Johanna Constantinis Beitrag zum Hören.

Mit Zwischenmenschlichkeit. Mit Wertschätzung. Mit Empathie. Und damit mit all dem, weshalb wir uns als Gattung Mensch an die Spitze der Nahrungskette reihen dürfen. Der Homo Sapiens beschreibt den Weisen – der Homo Digitalis hat in Bezug auf die Menschlichkeit immer noch einiges an Nachholbedarf. 

Warum ist Zwischen-Menschlichkeit im Sport also so wichtig? Manfred Spitzer beschreibt diese kleinen zwischenmenschlichen Begegnungen als „Schmierstoff unserer Gesellschaft“ (Spitzer, 2018). Diesen sollten wir fördern und daher auch im Sport auf ein empathisches Miteinander setzen. Auch mal Lob den TeamkollegInnen gegenüber aussprechen, sich Feedback vom Trainer oder der Trainerin holen, Bezugspersonen in Ziele einbeziehen und auch während Wettkämpfen für Raum für Gespräche sorgen. Auch aus der Hirnforschung wissen wir, dass ein analoges Miteinander als einer der wichtigsten Faktoren für langfristige psychische und physische Gesundheit gilt (Spitzer, 2018).

Johanna Constantini, die-sportpsychologen.at

Johanna Constantini

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Inkompetenz reagiert – Kompetenz agiert

Im Umkehrschluss bedeutet ein höheres Selbstmanagement im Umgang mit digitalen Medien und neuen Technologien auch mehr Kompetenz und Wissen. Wissen ist auch Macht und nicht zu wissen, macht ohnmächtig! Welcher Verein, Verband oder Einzelathlet möchte im Umgang mit der digitalen Moderne schon gerne Passagier bleiben? 

Die Maschinen und Technologien sollten dem Menschen dienen und nicht umgekehrt. Sodass der Mensch von dem Reagieren (wieder) in ein selbstständiges Agieren kommt. Wo sonst, wenn nicht im Sport sollten Individuen das Steuer selbst in die Hand nehmen können? Dabei nicht ausschließlich durch virtuelle Begleiter gelenkt werden, wo wir uns ohnehin so gerne tracken (was auch Vorteile mit sich bringen kann).

Fazit: Selbstmanagement und eine Ausgewogenheit zwischen Analog und Digital lautet die Devise.

Mehr zum Thema:

Quellen: 

Gimpel,H., Lanzl,J., Manner-Romberg,T. & Nüske,N. 2018. Digitaler Stress in Deutschland. Eine Befragung von Erwerbstätigen zu Belastung und Beanspruchung durch Arbeit mit digitalen Technologien. Universität Augsburg. Hans Böckler Stiftung Forschungsförderung Nummer 101

Spitzer, M. 2018. Die Smartphone-Epidemie: Gefahren für Gesundheit, Bildung und Gesellschaft. Stuttgart: Klett-Cotta

Werner, E. 1977. The Children of Kauai. A longitudinal study from the prenatal period to age ten. University of Hawai’i Press, ISBN 0-8248-0475-9.

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Lisa König und Kathrin Seufert: Körpersprache 2.0 – Worauf ihr als Trainer achten solltet

Kathrin Seufert und Lisa König

Wer über Borussia Dortmund redet, kommt aktuell nicht an einer Diskussion über unterschiedliche Trainertypen vorbei. Beispielhaft dafür sind die lebende Legende des Vereins, Jürgen Klopp, derzeit in Liverpool erfolgreich und der momentane BVB-Coach Lucien Favre. So wie die Außenwirkung der beiden ist, könnten sie unterschiedlicher nicht sein: Kloppo, strotzend vor Emotionalität, Ausbrüchen und das Herz auf der Zunge liegend und demgegenüber Favre, der stille, in sich gekehrte, analytische Taktikfuchs. Eine perfekte Grundlage, über die Körpersprache für Trainer nachzudenken.

Zum Thema: Körpersprache für Trainer

Kürzlich haben wir uns mit der Wirkung von Körpersprache eines Sportlers auf sich selbst und auf seinen Gegenspieler auseinandergesetzt (Link). Doch inwiefern gilt das ganze eigentlich für die Trainer an der Seitenline, auf der Tribüne, am Beckenrand, an der Strecke…? Ist Dir als Trainer immer bewusst, wie Dein Verhalten eigentlich auf Deine Athleten wirkt? Oder hat es überhaupt einen Einfluss? Eins vorweg: Jeder Trainer ist anders und das ist auch gut so! Genau deshalb muss jeder für sich seinen Weg finden, seinen Körper und die Sprache, die er damit aussendet, bestmöglich einzusetzen.

Besonders bei jungen Athleten stellt der Trainer oder die Trainerin eine Art Elternfigur dar. Nicht selten wohnen Sportler weit von zu Hause weg, verbringen viel Zeit mit dem Trainerstab, bekommen viele Dinge von ihnen beigebracht und können sich in schwierigen Zeiten vertrauensvoll an sie wenden. Sie erwarten Lob und Anerkennung von ihren Trainern – genau wie von den Eltern. Das gibt Selbstvertrauen, motiviert und bestärkt sie in ihrem positiven Handeln. 

Der Einfluss auf Sportler

Wir wissen: Menschen senden nicht nur verbale, sondern auch nonverbale Signale aus – eben durch Mimik und Gestik. Was Trainer oft nicht mitbekommen: Ihre Schützlinge orientieren sich kontinuierlich an ihrem verbalen und nonverbalen Feedback, sowohl im Training als auch im Wettkampf oder Spiel. Die meisten Sportler fühlen sich bestärkt, wenn der Trainer klatscht, die Faust ballt, mit dem Kopf nickt… viele werden verunsichert, wenn der Trainer den Kopf hängen lässt oder schüttelt, sich wegdreht, die Augen verdreht. Letztendlich bleibt festzuhalten: Die Körpersprache des Trainers, ob positiv oder negativ, kann sich fördernd oder hemmend auf die Körpersprache und die Performance des Athleten auswirken.

Gibt es also ein Rezept, wie ich als Trainer auftreten sollte? Ganz ehrlich, wenn es eines gäbe, könnten wir nicht so wunderbar viele Trainertypen beobachten! Jeder Mensch ist unterschiedlich. Zum einen haben die Coaches eine Komfortzone, Temperament und Charakter, der sich in ihrer Führungsweise und ihrem Auftreten widerspiegelt. Zum anderen nimmt jeder Sportler seinen Gegenüber unterschiedlich wahr und reagiert anders auf ihn. Einige Athleten spiegeln beispielsweise die enttäuschte Körperhaltung des Trainers, andere hingegen fühlen sich davon beflügelt, es besser zu machen und strengen sich noch mehr an.

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Praxistipps zur Körpersprache von Trainern

Jede Mannschaft, jeder Sportler, jede Trainerin ist individuell. Um miteinander erfolgreich zu werden, ist es wichtig zu wissen, wie der Gegenüber tickt, wie viel aufmunterndes Klatschen er braucht und wie viel Augenverleihern er verträgt. Aber wie findet Ihr das heraus? Ganz einfach… darüber sprechen und ehrlich sein! 

Wer unseren ersten Blog zum Thema schon gelesen hat (Link), der kennt einen ersten guten Schritt zum Bewusstmachen der eigenen Außenwirkung: Videomaterial ansehen. Man kann so erkennen, dass die Sportler viel mehr von einem selbst wahrnehmen, als man annimmt. Dazu ein Beispiel: Der Basketballtrainer regt sich über einen Spieler auf, der aus seiner Sicht einen viel besseren Pass hätte spielen und damit den Spielzug erfolgreicher hätte gestalten können. Dies macht sich dadurch bemerkbar, dass er die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, in die Hocke geht und ein „Maaaaan ey“ ausruft. Doch was er in dem Moment nicht bemerkt ist, dass dieser Sportler schon angefangen hat, das Verhalten seines Trainers, was er im Augenwinkel wahrgenommen hat, zu interpretieren.

Sicherheit geben, Missverständnisse ausräumen

Sicherlich soll ein Sportler lernen, was er hätte besser machen können. Jedoch können ein solches Trainerverhalten und die damit verbundene Botschaft nicht detailliert und unverzerrt an seinen Empfänger gelangen. Nehmt Euch nach dem Spiel – oder besser in einer kurzen Pause – Zeit, bestimmte Verhaltensweisen mit eurem Sportler zu besprechen. Erklärt, warum Ihr in einer Situation eine konkrete Reaktion gezeigt habt. So könnt ihr dem Athleten wieder neue Sicherheit geben und Missverständnisse aus dem Weg räumen.

Also liebe Trainer, Sportpsychologie ist nicht nur etwas für Eure Schützlinge, sondern auch etwas für Euch… Traut Euch! Unsere Kollegen (zur Übersicht) und wir (zum Profil von Lisa König, zum Profil von Kathrin Seufert) stehen für eine Coach-the-Coach-Zusammenarbeit gern bereit. 

Lisa König

Sportarten: Ski Nordisch, Ausdauersportarten, Volleyball, American Football, Basketball, Golf etc.

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Kathrin Seufert

Sportarten: Fußball, Schwimmen, Eishockey, Basketball, Schießsport, E-Sports aber auch offen für alle anderen Sportarten

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k.seufert@die-sportpsychologen.de

Zum Profil: https://www.die-sportpsychologen.de/kathrin-seufert/

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Prof. Dr. Oliver Stoll: Applied Sport Psychology – Our work is different! (TEDxUniHalle)

Es gibt ja solche und solche Termine. Aber der Auftritt von Prof. Dr. Oliver Stoll von Die Sportpsychologen bei der TEDxUniHalle ist definitiv ein solcher. In seinem Beitrag spricht über seine Disziplin, Die Sportpsychologie.

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Prof. Dr. Oliver Stoll

Sportarten: Eishockey, Handball, Ultralang- und Langstreckenlauf, Triathlon, Biathlon, Wasserspringen, Boxen, Leichtathletik, Schwimmen, Floorball

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Dr. René Paasch: Emotionen von Trainern

Schiedsrichterentscheidungen, Gegentreffer, gehaltene Elfmeter, Foulspiel – Fussball ist ein emotionales Spiel. Nun gibt es seit Saisonbeginn 2019/2020 die Regelung, dass der Trainer verwarnt und des Feldes verwiesen werden kann. Dabei sollten Emotionen am Spielfeldrand erlaubt sein. Denn das Verhalten und das Auftreten der Trainer hat offenbar einen Einfluss auf die Leistung der Spieler und der Mannschaft. Welchen? Dieser spannenden Frage möchte ich in dem nun folgenden Beitrag näher auf den Grund gehen und praktische Impulse für Ihren Alltag als Trainer liefern.  

Zum Thema: Emotionen von Trainern beeinflussen Leistung und soziale Teamprozesse

Ein niederländisches Forschungsteam hat in zwei Feldtests im Fussball (Van Kleef, Cheshin, Koning, Wolf, 2019) untersucht, ob Emotionen von Trainern entsprechende emotionale Empfindungen bei ihren Spielern hervorrufen. Sie konnten folgendes nachweisen: Ob einem Trainer seine Begeisterung oder sein Ärger ins Gesicht geschrieben steht, beeinflusst nicht nur die Stimmung der Mannschaft, sondern auch wie die Spieler sich fühlen, wie sie denken und handeln. Sind Sie  glücklich, wütend oder traurig, erleben Sie Ihre Gefühle nicht alleine. Ihr Team nimmt an ihrem emotionalen Erleben teil. Emotionen sind wichtige Informationsträger im menschlichen Zusammenleben. Über den Ausdruck Ihrer Gefühle senden Sie kontinuierlich Signale an Ihre Spieler (Van Kleef, 2016). 

Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie und der Goethe-Universität haben hingegen untersucht, welche Rolle emotionale Faktoren bei sportlichen Trendverläufen spielen (Honggyu, Hagen, Darko, 2018). Sie konnten feststellen, dass ein optimaler emotionaler Zustand beim Trainer, die sportliche Leistung der ganzen Mannschaft verbessert, während gegenteiliges Befinden diese verschlechtert. Folglich ist die emotionale Kompetenz eines Trainers, die Fähigkeit in den verschiedenen Phasen einer Saison mit den eigenen Gefühlen und denen der Spieler umzugehen beziehungsweise diese zu steuern, eine sehr wichtige Kompetenz. 

Dr. René Paasch

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Situation im Amateur- und Jugendbereich

In der anschließenden Trainerbefragung aus dem Amateur- und Jugendbereich konnten die Forscher Honggyu, Hagen und Darko (2018) nachweisen, dass sich deren Gemütsbewegungen in einem Kreislauf abspielen. Auslöser wie Siegen und Niederlagen sowie Stagnation in der Entwicklung der Spieler folgen emotionale Erfahrungen wie zum Beispiel Freude, Zorn, Angst oder Hilflosigkeit, die sich auf körperlicher, geistiger oder Verhaltensebene bemerkbar machen (bspw. wie Gänsehaut, steigenden Blutdruck, Grübeln, Gesten oder Gesichtsausdrücke). Die befragten Trainer nannten als nächsten Schritt unterschiedlichste Strategien, wie sie mit ihren Gefühlen umgingen. Beispielsweise Gespräche mit den Spielern oder der Familie, Spaziergänge mit dem Hund oder sportliche Betätigungen. 

Trainer, die gut in der Lage waren, ihre Gefühlswelt zu regulieren, fühlten sich hinterher ausgeglichener und selbstbewusster. Dies habe sich auch positiv auf ihre Tätigkeit ausgewirkt, indem sie zum Beispiel im Umgang mit ihren Spielern offener und auf dem Platz konzentrierter waren. Trainer mit stabilen Emotionen bewerten Situationen eher optimistisch, während sich Trainer, die wenig Selbstvertrauen haben, auf die Schwierigkeiten konzentrieren. Das kreisförmige Modell (siehe Abb. 1) kann somit erklären, warum es für Fußballtrainer sehr schwierig aber dennoch nicht aussichtlos ist, aus dem Teufelskreis negativer Emotionen herauszukommen.  

Abb. 1.: The cyclic model of emotional processes of soccer coaches.

Was aber bedeutet das für die soziale Interaktion im Fussball, wo Glückseligkeit und Ärger dicht beieinander liegen? 

Gefühle sind das Ergebnis einer subjektiven Bewertung eines Ereignisses oder einer Situation. Die Wissenschaft spricht von der Funktionalität von Emotionen für soziale Beziehungen und nennt drei mögliche Ausprägungen, wie unsere Gefühlsäußerungen auf andere Menschen wirken: 

  • Bei einer anderen Person beobachtete Gefühle sind gewissermaßen „ansteckend“. Nehmen wir bei unserem Gegenüber einen bestimmten Gefühlsausdruck war, kann das in uns die gleiche Emotion auslösen (Elfenbein, 2014) 
  • Diese Gefühlsansteckung tritt auch in Gruppen auf und wirkt als affektive Information auf die Stimmungslage der anderen (Tamminen et al., 2016).
  • Nachgewiesen ist auch, dass wir aus einer beobachteten Emotion ableiten, wie die Person die gegebene Situation beurteilt und bewertet und daraus Rückschlüsse über unser Verhalten ziehen (van Kleef, 2009). 
  • Und schließlich beeinflussen Gefühle der anderen unser Handeln (Van Kleef, 2016) 

Wie sich die Emotionen eines Einzelnen auf das soziale Zusammenspiel innerhalb einer Mannschaft auswirken, ist dagegen noch wenig erforscht. Vermutet wird, dass insbesondere die Gefühlsregungen von Trainern nachhaltige Auswirkungen auf die Spieler haben und ihren Gemütszustand, ihr Denken und ihre Leistung beeinflussen (Tamminen et al., 2016). Erste empirische Belege deuten darauf hin, dass nicht nur die (non-)verbale Kommunikation eines Trainers das Selbstvertrauen und die Motivation von Sportlern beeinflusst (Buning Thompson, 2015). Auch die positive oder negative Intensität, mit der ein Trainer vor einem Wettkampf oder in den Pausen Stimmungen wie Ruhe, Zuversicht oder Dominanz schafft, überträgt sich auf die Haltung der Spieler (Gonzales, Metzler, Newton, 2011). Wenig bekannt hingegen ist die Interaktionen innerhalb einer Mannschaft, die durch die Gefühlsäußerungen von Trainern ausgelöst wird (Stebbings, Taylor, Spray, 2016). 

Anregungen für die Praxis

Hier einige Anregungen für eine verbesserte Emotionskontrolle in der Praxis: 

Es gibt mittlerweile eine sehr umfangreiche Literatur, die zeigt, dass positive Emotionen wie Freude, Stolz oder das Gefühl, voll Energie zu sein, mit vielen positiven Konsequenzen für das eigene und fremde Wohlbefinden und die Leistung in Teams einhergehen. Daher kann es als wichtige Fähigkeit angesehen werden, sich selbst in positive Emotionen zu versetzen, um seine Arbeit als Trainer besser erfüllen zu können.

Fazit

Sie sollten sich bewusst machen, welche Auswirkungen Emotionen, die sie zeigen, auf die Spieler und die Leistung der Mannschaft haben. Erfolgreiche Trainer können ihre Emotionen steuern und so regulieren, dass sie die Leistung ihrer Mannschaft verbessern und den einzelnen Spieler effektiv beeinflussen. Ich empfehle daher, in der Trainerausbildung und in Ihrem Verein ein stärkeres Gewicht auf die Entwicklung der emotionalen Kompetenz zukünftiger Trainer zu legen.

Mehr zum Thema:

Literatur

Buning MM, Thompson MA (2015): Coaching behaviours and athlete motivation: Female softball athlete’s perspectives. Sport Science Review, 24: 345-370

Elfenbein HA (2014): The many faces of emotional contagion: An affective process theory of affective linkage. Organizational Psychology Review, 4: 326-362

Gonzales SP, Metzler JN, Newton M. (2011): The influence of a simulated „pep talk“ on athlete inspiration, situational motivation, and emotion. International Journal of Sports Science & Coaching, 6: 445-459

Honggyu Lee, Hagen W, Darko, J. (2018): Analyzing the Components of Emotional Competence of Football Coaches: A Qualitative Study from the Coaches’ Perspective https://www.mdpi.com/2075-4663/6/4/123

Van Kleef G A, Cheshin A, Koning L. F., Wolf S. A. (2019): Emotional games: How coaches‘ emotional expressions shape players‘ emotions, inferences, and team performance. Psychology of Sport and Exercise, 41, 1-11. 

Van Kleef GA (2016): The interpersonal dynamics of emotion: Toward an integrative theory of emotions as social information, Cambridge. 

Van Kleef GA (2009): How emotions regulate social life. The emotions as social information (EASI) model. Current Directions in Psychological Science: 18, 184-188

Stebbings J, Taylor IM, Spray CM (2016): Interpersonal mechanisms explaining the transfer of well-and ill-beeing in coach-athlete dyads. Journal of Sport & Excercise Psychology 2016, 38: 292-304

Tamminen KA et al. (2016): Exploring emotions as social phenomena among Canadian varsity athletes. Psychology of Sport and Exercise, 27: 28-38

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Thorsten Loch: Sportpsychologie – Was ist das? (Video)

Thorsten Loch von Die Sportpsychologen erklärt, was Sportpsychologie bedeutet. In einer Minute und vier Sekunden räumt er mit den gängigen Vorurteilen auf und zeigt anschaulich, was sich Sportler, Trainer und Funktionäre unter „Sportpsychologie“ vorstellen können.

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Weitere Informationen

Thorsten Loch

Sportarten: Fußball, Badminton, Leichtathletik, Sportschießen, Karate, Skateboarding

Kontakt

+49 (0)177 716 676 7

t.loch@die-sportpsychologen.de

Zur Profilseite: https://www.die-sportpsychologen.de/thorsten-loch/

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Dr. Hanspeter Gubelmann: Schreiben auf Die Sportpsychologen – lohnt die Müh’?

Im Sommer 2014 startete Prof. Oliver Stoll in Deutschland mit seinem Projekt „Die Sportpsychologen“. Im November 2014 beauftragte der damalige SASP-Vorstand (Swiss Association of Sport Psychology) Philippe Müller mit der Lancierung eines vergleichbaren Projekts mit dem Ziel, das Arbeitsfeld der angewandten Sportpsychologie einem breiteren Publikum vorzustellen. Zudem sollte sich die Plattform zu einem wichtigen Kommunikationsorgan des Fachverbands entwickeln. Die Erwartungen waren hoch, die Möglichkeit eines Scheiterns durchaus vorhanden. Hat sich der Aufwand im Rückblick gelohnt? 

Zum Thema: Was das Experten-Netzwerk Die Sportpsychologen einem einzelnen Profilinhaber bringen kann?

Ich kann mich noch gut an die kontrovers geführten Diskussionen erinnern, die wir 2014 im Vorstand der Swiss Association of Sport Psychology (SASP) geführt haben, als es um die Projektierung einer „Schweizer Plattform“ ging. Nach mehr als 15 Jahren Vorstandsarbeit schien mir der Moment gekommen, im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit neue Wege einzuschlagen. Denn trotz PR-Konzept mit Newsletter, neuer Homepage, beachtlichen finanziellen Ressourcen und einigen punktuellen Informationskampagnen blieb die Medienarbeit im Verband stets eine der grössten Herausforderungen. Inspiriert durch die Initiative in Halle/Saale (Deutschland) entstand eine Projektidee mit klarer Zielstellung:

„Die Funktion von die-sportpsychologen.ch ist ein Brückenbau. Als fachliche, moderne und offene Plattform für die Disziplin Sportpsychologie stellt die Internetseite eine direkte Verbindung zwischen von der SASP ausgewählten Fachspezialisten und potentiellen Klienten, Auftraggebern sowie Multiplikatoren her. Unter Ausnutzung moderner Kommunikationsmittel, der engen Vernetzung der Zielgruppe sowie ergänzt durch eine effektive Medienarbeit erfolgt im Arbeitsfeld Sport eine qualitativ gesteigerte Auseinandersetzung mit der Thematik Sportpsychologie.“

Productive failure…

Der Start mit finanzieller Unterstützung seitens der SASP verlief hoffnungsvoll, die Rekrutierung potentieller Profilinhaber gestaltete sich als sehr schwieriges Unterfangen. Schon nach zwei Jahren zog sich der Verband als Mitträger zurück. Von allen Seiten vernahm ich zwar Lob und Zustimmung für Idee und Umsetzung – nur schreiben und dafür auch noch bezahlen wollte niemand. Es bewahrheitete sich (leider!) einmal mehr, was ich der angewandt arbeitenden Schweizer Sportpsychologen und Sportpsychologinnen schon lange ankreide: jeder schaut zuerst und vor allem für sich! 

Kurzum: Aus Sicht der SASP erlitt die Plattform ein Grounding. Geblieben sind fünf Enthusiasten, die fortan vor allem ihre persönlichen Interessen mit ihrem Engagement auf der Plattform in Verbindung brachten. Das expandierende, trinationale Netzwerk (D/AUT/CH) ist mittlerweile massiv gewachsen. Insgesamt 703 Texte sind auf der Plattform zu finden, die wohl allein 2019 gegen eine Million „Klicks“ generieren werden!

Ohne Müh, kein Lohn!

Auch wenn sich der ursprünglich intendierte (Verbands-)Nutzen nicht erfüllen liess – aus Sicht eines Profilinhabers bieten sich eine Vielzahl interessanter Optionen. Doch diese eröffnen sich meiner Meinung nach erst mit der aktiven Mitarbeit! Das heisst in erster Linie: Schreiben! Und sogleich: in der aktiven Mitwirkung im Netzwerk, in dem ich die Texte der  KollegInnen lese, sie über die sozialen Netzwerke weiterverbreite, den Kontakt zu anderen aktiv suche und an den regelmässig stattfindenden Treffen (Barcamps!, Netzwerkabende) teilnehme. 

Dr. Hanspeter Gubelmann

Sportarten: Ski nordisch, Ski alpin, Leichtathletik, Bob, Skeleton, Judo, Eiskunstlauf, Tennis, Short Track, Kanu, Eishockey, Mountainbike, Schwimmen, Triathlon, Rhythmische Sportgymnastik u.a.

Kontakt:

+41 (0)79 789 45 13

h.gubelmann@die-sportpsychologen.ch

Keine Frage, es bedeutet zunächst Aufwand, kostet zusätzlich Geld und Zeit sowie einige Müh’ im Umgang mit Mensch und Technik. Ein interessantes Detail am Rande: als ü50-Zeitgenosse wäre ich ohne die Plattform wohl nicht (mehr) in unmittelbaren Kontakt mit sozialen Medien gekommen. Die Auseinandersetzung mit diesen Notwendigkeiten zeitgemässer Kommunikationsmittel fordert mich ganz erheblich!

Die Sportpsychologen im täglichen Einsatz

In meinen vier Jahren als Profilinhaber habe ich 45 Beiträge verfasst. Meinem Ziel, durchschnittlich einen Text pro Monat zu veröffentlichen, komme ich damit ziemlich nahe. Das Texten liegt mir, einst habe ich im Nebenfach Publizistik studiert und meine Brötchen während meiner Studienzeit auch als freier Mitarbeiter regionaler Zeitungen verdient. Trotzdem budgetiere ich für einen Text einen zeitlich hohen Aufwand von mindestens acht bis zehn Stunden. Inhaltliche Recherche, Textrohling entwickeln, Überarbeitung und finale Redaktion – inhaltliche Qualität lässt sich nur mit ausreichend Zeit realisieren.

Mein durchschnittlicher Arbeitsaufwand im Zusammenhang mit der Plattform würde ich auf fünf Stunden pro Woche veranschlagen. Was aber ist mein „return on investment“? Dieser lässt sich in vier „Kategorien“ fassen:

  1. Persönliche Fortbildung: sich Einlassen auf ein Thema heisst, sich geleitet von wissenschaftlichen Kriterien zu informieren. Ich „zwinge“ mich also, mich aktiv nach „facts und figures“ zu erkundigen. Für jemanden wie mich, der sehr viel im sportpsychologischen Bereich unterrichtet, ein absolutes „must do“!
  2. Traffic: Meine Sichtbarkeit auf „die sportpsychologen“ generiert mir eine Vielzahl an Anfragen. Mittlerweile erlebe ich den „freedom of choice“, welche Projekte ich annehmen will. Was ich selber nicht kann oder nicht machen will, versuche ich weiter zu vermitteln!
  3. „Up-to-date“ sein: Austausch mit Gleichgesinnten: Ich schätze mich glücklich, mit Sportexperten wie Mathias Liebing, Oliver Stoll, Cristina Baldasarre und vielen weiteren Profilinhabern in regelmässigen Kontakt zu stehen. Ihre Meinungen, Wertungen und Berichte interessieren mich!
  4. Quo vadis – persönliche Weiterentwicklung: In meiner Tätigkeit stelle ich den AthletInnen gerne die Frage: wo möchtest du in fünf Jahren in deinem Leben stehen? Diese Idee übertrage ich gerne auch auf mein Mitwirken bei die-sportpsychologen. Aktuell bin ich mit Kollegen daran, einen regionalen Arbeitsverbund zu entwickeln, welcher die Plattform als primäres Kommunikationsmittel positionieren wird.

Sich engagieren, exponieren, weiter entwickeln…

Die Sportpsychologen haben in den vergangenen fünf Jahren eine enorme Entwicklung und Verbreitung erfahren. Diese quantitative Zunahme darf in Zukunft nicht auf Kosten der Qualität ausfallen. Mehr und weiter heisst auch hier nicht unbedingt „besser“. Qualitätssicherung und –ausbau sind unerlässlich, um das Standing der Plattform fortan zu stärken.

Entwicklungspotential sehe ich zudem in der Themenauswahl und -gewichtung, wo der Mainstream (z.B. Fussball) nicht die Vielfalt und Originalität anderer wichtiger Wortmeldungen einschränken darf. Aber auch kontroverse Sichtweisen und Stellungnahmen sollen ihren Platz finden dürfen.

Schliesslich bin ich überzeugt, dass sich die Müh’ (des Schreibens) tatsächlich lohnt! Die Weisheit – wer ernten will, muss zuerst säen – trifft auch hinsichtlich eines profitablen Mitwirkens auf dieser Plattform sehr gut zu!

Interesse am Experten-Netzwerk?

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Kathrin Seufert und Lisa König: „Kopf hoch, Brust raus!“ – Über die Körpersprache im Sport

Kathrin Seufert und Lisa König

Wer kennt ihn nicht: Cristiano Ronaldo, wie er breitbeinig, mit geschwollener Brust, fokussiertem Blick und einem tiefen Atemzug bereit steht, den Freistoß zu schießen? Schon viele Tormänner sind an ihm gescheitert. Aber nur wegen seiner präzisen Schusstechnik? Oder könnte auch seine kämpferische Körperhaltung mit seinen Freistoßtreffern etwas zu tun haben?

Zum Thema: Was ist eine positive Körpersprache und welchen Einfluss hat sie auf meinen Gegner?

Die Körpersprache ist ein entscheidender Faktor bei der Eindruckbildung und der Erfolgserwartung. In einer Studie zu Nonverbalem, also wortlosem, Verhalten im Fußball von Furley, Memmert & Matt (2011) konnte in zwei verschiedenen Experimenten gezeigt werden, dass eine positive Körpersprache einen bleibenden Eindruck beim Gegner hinterlässt. Sie bewiesen, dass ein Spieler mit dominanter Körperhaltung, d.h. gerader Kopfhaltung, aufrechter Körperhaltung, zurückgezogenen Schultern und sicherem Stand oder Gang als deutlich erfolgreicher von Torhütern und Mitspielern eingeschätzt wird. Demgegenüber stehen Spieler mit unterwürfiger Körperhaltung, also mit gesenkter Kopfhaltung, hängenden Schultern und schmalem Stand. Sie wirken unsicherer. 

Zwei Dinge sind in diesem Zusammenhang wichtig: Neben einer guten Selbstwirksamkeitsüberzeugung ist das Wissen über die eigene Außenwirkung der Schlüssel zum Erfolg. Was bedeutet das genau?

Selbstwirksamkeitsüberzeugung als Schlüssel

Unter Selbstwirksamkeitsüberzeugung versteht man den Glauben, an die eigenen Stärken und die wahrgenommene Kontrolle über den Ausgang seiner Handlung. Es wurde schon früher nachgewiesen, dass eine positive Selbstwirksamkeitsüberzeugung zu einem erfolgreicheren Handeln und einer besseren Außenwirkung führt. (Moritz D. E et al.)

Ein Beispiel hierzu: Eine Athletin hat monatelang für ihren ersten Halbmarathon trainiert. Das Training verlief hervorragend, keine Verletzungen, den inneren Schweinehund immer und immer wieder überwunden. Im Training haben die Zeiten, die absolvierten Strecken und die gesundheitliche Verfassung gezeigt, dass eine sehr gute Vorbereitung auf den Wettkampf gelegt wurde. Auf Grund dieser Ausgangssituation, hat die Läuferin höchstwahrscheinlich eine hohe Selbstwirksamkeitsüberzeugung. Sie ist selbstbewusst, da sie sehr gut trainiert hat, hat die wahrgenommene Kontrolle über ihre Verfassung und ihren Körper. Mit diesem Wissen und diesem Gefühl stehen die Chancen auf ein positives Abschneiden deutlich höher, als wenn die Läuferin vorher durch Verletzungen geplagt, mit wenig Training und vielen Unterbrechungen in der Vorbereitung an den Start gegangen wäre.

Kann mein Gegner meine Körpersprache lesen? 

Die Antwort ist: JA! Meine Körpersprache hat direkten Einfluss auf die Einschätzung seitens des Gegners, was meine vermeintliche Leistungsfähigkeit, meine Energie oder meine Motivation betrifft. Nach einem Gegentor beispielsweise mit breiter Brust aufzutreten, fällt den meisten Fußballern nicht leicht. Aber auch in anderen Sportarten zeigt sich überdurchschnittlich häufig, dass Misserfolge oder eine schlechte Performance zu einer negativen Körpersprache führen können. Einmal in diesen Teufelskreis hineingerutscht, kann diese negative Körpersprache wiederum zu erneuten Fehlern führen. 

Wichtig ist, alles schnellstmöglich „abzuschütteln“. Denn unsere Gegner wachsen und motivieren sich daran, wenn wir bedrückt auftreten, halbherzig in Zweikämpfe gehen und uns bei einem Rückstand energielos über den Platz schleppen. Das Starkmachen des Gegners ist daher oftmals eine unterbewusst  aber schnell ablaufende Problematik im Sport. Nicht nur die eigene Einschätzung (Selbstwirksamkeitsüberzeugung), sondern eben auch die Einschätzung die mein Gegenüber auf Grund meines äußeren Erscheinungsbildes trifft, kann zu spielentscheidenden Situationen führen.

Kann ich Körpersprache trainieren?

Dir bewusst zu machen, was Deine Körpersprache eigentlich für Auswirkungen haben kann, ist der erste Schritt zu einer möglichen Verbesserung. Wieso nicht einfach mal das Videomaterial vom letzten Spiel ansehen und bewusst darauf achten, wie Du eigentlich nach außen gewirkt hast? Natürlich darfst du Dich über Gegentore und Fehler ärgern, aber das Entscheidende ist, die Situation schnell abzuhaken und Dich auf die Gegenwart zu konzentrieren. Neuer Angriff, neue Chance es besser zu machen! Das gilt übrigens auch für Trainer!

Um zu erfahren, wie sich Deine Körpersprache auf Deinen eigenen Zustand und Deine Leistung auswirken kann, gibt es viele spannende Übungen, die auch ins Training eingebaut werden können. Beispielsweise kann es hilfreich sein, einmal bewusst träge und mit hängenden Schultern über das Spielfeld zu laufen, dann wieder „Kopf hoch, Brust raus!“ und mit viel Energie. Welche Körperhaltung fühlt sich besser an? Wann fühlst du Dich motivierter und stärker? Solche „Selbsterfahrungen“ im Training sind wichtig, um auf entscheidende Situation besser vorbereitet zu sein und reagieren zu können.

Nimm Kontakt auf

Unsere Kollegen (zur Übersicht) und wir (Kathrin Seufert und Lisa König) helfen Dir gern dabei, Deinen Körper besser kennenzulernen und kleine Übungen in Dein tägliches Training einzubauen, damit deine Körpersprache nicht nur Deinen Gegner, sondern auch Dich beeindruckt.

Hinweis: Der Beitrag ist in Zusammenarbeit mit Lisa König (zum Profil) entstanden.

Kathrin Seufert

Sportarten: Fußball, Schwimmen, Eishockey, Basketball, Schießsport, E-Sports aber auch offen für alle anderen Sportarten

Kontakt:

+49 (0)152 092 602 88

k.seufert@die-sportpsychologen.de

Zum Profil: https://www.die-sportpsychologen.de/kathrin-seufert/

Lisa König

Sportarten: Ski Nordisch, Ausdauersportarten, Volleyball, American Football, Basketball, Golf etc.

Kontakt:

+49 (0)151 563 652 30

l.koenig@die-sportpsychologen.de

Zum Profil: https://www.die-sportpsychologen.de/lisa-koenig/

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Weitere Informationen

Literatur:

Furley, P., Dicks, M., & Memmert, D. (2012). Nonverbal behavior in soccer: The influence of dominant and submissive body language on the impression formation and expectancy of success of soccer players. Journal of Sport and Exercise Psychology, 34(1), 61-82.

Moritz D. E., Feltz D. L., Fahrbach K. R., Mack D. E. (2000). The relation of self-efficacy measures to sport performance: A meta-analytic review. Research Quarterly for Exercise and Sport 71, 280-294.

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Die rote Couch – Das Sportpsychologie Barcamp, 28./29. September 2019 in Leipzig – Der Highlight Clip

Über 70 Teilnehmer haben unser Event „Die rote Couch – Das Sportpsychologie Barcamp“ zu einem echten Erfolg gemacht. Bemerkenswert war das große Interesse und die Offenheit der Nachwuchstrainer gegenüber dem Thema Sportpsychologie. Gemeinsam mit dem Sächsischen Fußballverband und dem Roten Stern Leipzig wird nun an einer Fortführung des Formats im Jahr 2020 gearbeitet.

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