Johanna Constantini: Digital Detox im Sport – Gedankenanstöße zur digitaler Enthaltsamkeit

Mehr Infos zu Johanna Constantini: https://www.die-sportpsychologen.de/johannaconstantini/

Als wahrliche „Hassliebe“ wird die Beziehung der User zu ihren Social Media Accounts weitläufig beschrieben. Von den Vorzügen ständiger Informationsvermittlung bis hin zu digitalem Stress aufgrund von ständiger Erreichbarkeit – die Folgen des Online-Konsums sind durchaus ambivalent. Mittlerweile treiben sich zudem nahezu vier Milliarden Menschen in den vermeintlich „sozialen“ Weiten des World Wide Web umher, und sekündlich werden es mehr (Statista, 2019). Dass sich unter den Nutzern von Facebook, Instagram, Snapchat und vielen mehr auch zahlreiche SportlerInnen befinden, steht außer Frage. Ob sportlich oder nicht, wen die Dynamiken sozialer Medien einmal in ihren Bann gezogen haben, den lassen sie so schnell nicht mehr los. Darauf sind die virtuellen Welten schließlich ausgelegt. Doch bei allen Abhängigkeiten und dem hohen Suchtpotential, dass die Inhalte unserer Smartphones heute bieten, macht sich dieser Tage eine entscheidende Bewegung breit: Unter dem Hashtag (wie ironisch) #digitaldetox bekannt lässt sie sich als Digitale Entgiftung übersetzen und beschreibt die Enthaltsamkeit von digitalen Medien. Folgt man der Rautetaste-Begriffskombination #digitaldetox nun und tippt sie beispielsweise in das Instagram-Suchfeld ein, so resultieren zahlreiche Motive unberührter Naturlandschaften, analoge Spielideen, und ungeschminkte Schönheiten. Das Credo zu den Bildern und der Bewegung lautet:

Alles offline und möglichst reduziert, lieber analog und glücklich, als digital gestresst.

Zum Thema: Umgang mit sozialen Medien in der modernen Sportpsychologie

Der Beitrag zum Hören

Ob das auch im Sport ein möglicher Weg sein kann? Eine Leitidee existiert zumindest, und die kommt nicht von ungefähr. Schließlich wird Burnout als Krankheit einer ganzen Generation beschrieben und lässt sich vielfach auf die Folgen digitaler Kommunikationsmöglichkeiten zurückführen. Und was schon länger bekannt ist: Burnout macht auch vor SportlerInnen nicht Halt!

Wie also umgehen mit den Folgen der digitalen Revolution? Was sind die Aufgaben der modernen Sportpsychologie, wenn es um Digital Detox geht?

Digital Detox Strategien für den Sport

Weil auch AthletInnen chatten, posten, fotografieren und liken, was das Zeug hält und dabei so manches mal für die eigene Leistung und deren Reflexion wenig Zeit bleibt, beschreibe ich ein paar Digital Detox Strategien speziell für den Sport

  • Digital Detox-Strategie Nummer eins lautet: Her mit dem analogen Trainingstagebuch! Warum? Weil handschriftliches Festhalten von Trainingsinhalten nachweislich besser im Gehirn verankert und dadurch auch leichter wieder abgerufen wird (Spitzer, 2015).
  • Die Reflexion der eigenen Leistungen – ob im Training oder im Wettkampf – sollte zudem in einem Smartphone-freien Umfeld erfolgen. Womit wir auch schon bei Digital Detox-Strategie Nummer zwei angelangt sind: Offline-Räume zu schaffen, macht vor allem im Sport Sinn, wenn erhöhte Konzentration gefragt ist. Aus Studien wissen wir mittlerweile, dass die eigene Produktivität mit der Verfügbarkeit des Smartphones abnimmt (vgl. Spitzer, 2015). Was also der Manager an Aufmerksamkeit durch sein digitales Endgerät am Schreibtisch einbüßt, mindert die Konzentrationsfähigkeit des Athleten, der sein Smartphone ständig mit zum Training nimmt. Die nicht abreißende Informationsflut lenkt ab, sich Offline-Räume zu schaffen macht mehr als Sinn. 
  • Um auch dann ein wenig offline Abhilfe schaffen zu können, wenn das Smartphone unbedingt dabei sein muss, (so zum Beispiel, um für die anstehende Trainingsbesprechung erreichbar zu sein) bietet sich Digital Detox-Strategie Nummer drei an: So hilft es die Smartphone-Zeit zu reduzieren, indem gewisse Benachrichtigungen einfach abgeschaltet werden. Oder muss Instagram wirklich bei jedem Like als Push-Nachricht auf dem Bildschirm aufpoppen? Ablenken von dem, was gerade trainiert werden sollte. Digitaler Stress wird vielfach durch das „Nicht-Abschalten-Können“ verursacht. Wer ständig an neue Informationen erinnert wird, dem fällt das Offline-Sein umso schwerer. 
  • Für eine weitere Digital-Detox-Strategie lässt sich die Gemeinschaft im Sport zu Nutze machen: Das Wir-Gefühl eines eingeschweißten Teams ist es, das ebenso gemeinsame Regeln ermöglicht. Wann bleiben die Smartphones gemeinschaftlich in der Kabine? Wie handhaben Mannschaften den Umgang mit Social Media Inhalten? Gibt es Verantwortliche? Wie wird kommuniziert und vor allem wann erfolgt die Kommunikation offline und analog? 

Mehr Interesse am Thema? Johanna Constantini hat bereits zahlreiche Texte verfasst – hier eine kleine Übersicht:


Quellen: 

Spitzer, M. 2015. Cyberkrank!: Wie das digitalisierte Leben unsere Gesundheit ruiniert. Droemer HC

www.statista.com

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