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Johannes Wunder: Flow in Sport und Business – kein zufälliger Zustand

Gerade im Ausdauersport sprechen wir immer wieder von Flow. Doch die Frage stellt sich, was ist Flow überhaupt? Und gibt es Flow nur im Sport oder auch im Business und Alltagsleben? Der freie Wissenschaftler und Coach Dr. Simon Sirch und ich haben uns vor einigen Wochen in Nürnberg getroffen, um genau diese Fragen zu beantworten. Dabei herausgekommen ist eine mehrteilige Videoserie, welche tiefe Einblicke in das Flow-Erleben gibt. Nachfolgend möchte ich auf einige Teilbereiche kurz eingehen. Die entsprechenden Videos und Mitschnitte sind natürlich auch verlinkt.

Zum Thema: Flow-Erleben in Sport und Business

Natürliche Bewusstseinszustände (Quelle: Dr. Simon Sirch)

Flow ist ein wissenschaftliches Phänomen welches messbar ist und sich im Bereich von 8-12 Herz der durchschnittlichen Gehirnfrequenz abspielt (Hornig, 2013). Das bedeutet, das für ein Flow-Erleben ein Aktivitätslevel notwendig ist, welches weder zu stark noch zu schwach ist. 

Abgesehen von der rein physischen Ebene, gibt es aber auch einige Merkmale, die sich mental wiederfinden lassen. Die drei Hauptkriterien zur Steigerung des Flow-Zustands sind:

  1. Voller Fokus im Hier und Jetzt
  2. Eine innige Verbindung mit der Tätigkeit
  3. Selbstwirksamkeit beim Tun

Sind alle drei Kriterien erfüllt, wird ein Flow-Erleben sehr wahrscheinlich. Klar ist auch: Bin ich in der Lage, die Kriterien willentlich zu beeinflussen, kann ich somit auch willentlich Flow-Momente herstellen. 

Der Weg zum „Hier und Jetzt“

Viele Athleten reden von Fokus und auch vom im „Hier und Jetzt“ sein. Doch immer wieder sind einige Sportler nicht in der Lage, diesen Zustand herzustellen. Ein Kernelement, welches direkte Auswirkungen auf dieses Kriterium hat, ist das Training der Achtsamkeit in Form von Übungen, wie zum Beispiel Meditation. Hier geht es vor allem darum, regelmäßig den Fokus herzustellen, zu bündeln und zu trainieren. Was in Ruhe praktiziert wird, kann Stück für Stück auch in den Alltag und schlussendlich in Wettkampfsituationen angewandt werden. Weitere interessante Beispiele haben wir in unserem Interview besprochen.

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Resonanz und Selbstwirksamkeit

Wie sieht es hingegen mit dem zweiten Kriterium für Flow aus? Bei Sportlern ist die eigentliche Tätigkeit natürlich das Sporttreiben als solches – so weit, so klar. Doch wie schafft man es, hierzu eine innige Verbindung herzustellen? Das Stichwort ist Resonanz. Der bekannte Soziologe Hartmut Rosa hat die Hintergründe von Resonanzbeziehungen hinreichend erforscht. Diese Verbindung zur Tätigkeit entsteht natürlich nicht immer von allein, auch hier können einige Tricks helfen. Ein sportliches Ziel und die Aufteilung in Teilziele macht es der Resonanz einfacher „vorbeizuschauen“. Aber nicht nur Ziele, sondern auch eine Vision generell – ob nun sportlich, privat oder persönlich. Wenn ich mir im Klaren bin, wo es hingehen soll, fällt die Motivation leichter und die Verbindung wird intensiver. Ähnliches natürlich auch im Mannschaftssport. Wenn jedes Teammitglied weiß, wofür es in der Halle oder auf dem Platz steht, wird das Flow-Erleben auch im Team wahrscheinlich.

Der dritte Punkt Selbstwirksamkeit kann hier wortwörtlich genommen werden. Es geht darum, mit seinem eigenen Tun wirksam zu sein. Sich selbst, wirksam zu erleben. Sportler müssen also in der Lage sein, ihr eigenes Tun zu beobachten, die resultierenden Wirkungen zu registrieren und entsprechend einzuordnen. Nicht umsonst, erleben viele Menschen in der Kunst unheimliche Selbstwirksamkeit: Das Ergebnis ist sofort sichtbar! Bei Sportlern ist das durch die einseitige Zielfokussierung nicht immer beobachtbar. Nehmen wir eine gewünschte Top-Platzierung bei einem Wettkampf als Ziel. Viele Athleten haben auf dem Weg dorthin nur das Endziel im Blick und sind nicht in der Lage, die Teilschritte so zu registrieren, dass auch hier Motivation und Energie gezogen wird. Neben der Tatsache, dass der unheimliche Zeitaufwand des Trainings bis zur Zielerreichung ungeachtet bleibt, wird es an einem Punkt kritisch: Was passiert, wenn das Ziel nicht erreicht wird, und währenddessen keine Selbstwirksamkeit erlebt wurde?

Parallelen zwischen Sport und Business

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Simon Sirch und ich sprechen auch über die Parallelen zum Business. Denn auch hier herrscht eine große Zielfokussierung vor. Themen wie Resonanz und Achtsamkeit finden bei vielen Unternehmern keinen Platz im Alltag, können aber unheimlich hilfreich sein.

Denn eines ist in Sport und Business definitiv gleich: Die Akteure sind so genannte High-Performer. Es geht häufig nur um die Leistung, und diese muss auf den Punkt erbracht werden können. Für eine gesunde und nachhaltige Zielerreichung, aber auch generell Arbeitswelt sind Themen wie Flow deshalb von großer Bedeutung.

Mehr zum Thema:

https://www.die-sportpsychologen.de/2018/12/19/jan-d-deneke-surfen-die-essenz-vom-hier-und-jetzt/

https://www.die-sportpsychologen.de/2018/04/09/mila-hanke-zielsetzung-vor-und-nach-grossen-erfolgen/

https://www.die-sportpsychologen.de/2017/09/01/thorsten-loch-leistungsabfall-unter-druck/

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Jürgen Walter: Umgang mit Restrisiko

In führenden Unternehmen der deutschen Wirtschaft gilt in Sachen Sicherheit oft folgender Grundsatz: „Keine Arbeit kann so eilig und so wichtig sein, dass man sie nicht auch sicher ausüben kann. Das heißt: Wir arbeiten sicher oder wir arbeiten nicht- im Zweifelsfall hat Sicherheit Vorrang“. Sollte dieser Grundsatz nicht auch im Sport gelten? Kann der sportliche Erfolg so wichtig sein, dass Athleten*innen dafür ihre Gesundheit eventuell sogar ihr Leben opfert? In jüngerer Vergangenheit trugen gleich mehrere Sportarten Trauer.

Zum Thema: Wie Sportler lernen können, das Restrisiko zu kalkulieren, um mit dem Ergebnis arbeiten

Zuletzt hat es Todesfälle im Radsport (Bjorg Lambrecht) und im Boxen gegeben (Maxim Dadaschew, Hugo Alfredo). Lambert stürzte auf der 3. Etappe der 76. Polen- Rundfahrt, eingeleitete Reanimationsversuche blieben erfolglos. Aufgrund widriger Wetterbedingungen kam es zu einigen Stürzen, der des 22- jährigen Radprofis endete tödlich. 

Der Profiboxer Maxim Dadaschew erlitt während des Kampfes in Oxon Hill/USA schwere Verletzungen, sodass nach der 11. Runde der Kampf abgebrochen wurde. Trotz einer Notoperation und künstlichem Koma erlag der 28-jährige Boxer den Verletzungen. Aber ist es das wirklich wert? 

Hilfe zur Gefährdungsbeurteilung

Auch für Sportler gilt: Jeder kann sein Risiko im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung einschätzen, unter Zuhilfenahme von zwei Kriterien: 

  • 1. Wie wahrscheinlich ist der Unfall/der Gesundheitsschaden? 
  • 2. Wie schwer könnte der Unfall/die Gesundheitsschädigung sein? 

Jeder Sportler sollte hier sein Risiko abwägen. 

Im Risiko-Homöostase-Modell nach G.J.S. Wilde hängt das Eingehen des Risikos vor allem von zwei Faktoren ab. Dazu zählen der Faktor wahrgenommenes Risiko, welches aus der Informationsaufnahme über die Sportart resultiert (kognitiv) und der motivationale Faktor des angestrebten und akzeptierten Risikos. Daraus resultiert eine Entscheidung, die beide Faktoren in Einklang bringen soll. Dabei wird angenommen, dass es eine relativ konstante Risikoakzeptanz gibt. So geht man davon aus, dass erhöhte Sicherheitsmaßnahmen die Zielgröße des Risikos nicht unbedingt ändern. Schließlich können Verhaltensanpassungen (z.B. mehr Leichtsinn) als Reaktion auf sicherheitstechnische Verbesserung das Risiko gleich halten.

Mehr Infos zu Jürgen Walter: https://www.die-sportpsychologen.de/juergen-walter/

Der Einfluss von Dritten

Außerdem kommt es nicht ausschließlich auf eigenes risikoreiches Verhalten an, auch fremde Personen können einen entscheidenden Einfluss haben. Zweimalige Bahn- Olympiasiegerin Kristina Vogel prallte beim Training in Cottbus mit einem niederländischen Nachwuchsfahrer zusammen. Trotz mehrerer Operationen waren die Verletzungen so stark, dass sie nun querschnittsgelähmt ist. 

Die Formel 1 ist zuletzt von schweren Zwischenfällen verschont worden. Die Strecken sind sicherheitstechnisch optimiert worden, aber auch die Fahrer scheinen in Sachen der Beurteilung von sicherheits- und risikobewusstem und relevanten Fahrverhalten dazugelernt zu haben.

Vom Wingsuit-Fliegen bis zum Reitsport

Trotzdem zählt der Motorsport zu den gefährlichsten Sportarten der Welt, genauer gesagt: auf Rang 3. Die Liste wird angeführt vom Wingsuit-Fliegen. Die mit Abstand gefährlichste Sportart wurde bis 2013 von weltweit ungefähr nur 1000 Extremsportlern ausgeübt. Davon kamen knapp 50 ums Leben. 

Ebenso zählen Big-Wave-Surfing, Drachenfliegen, Reitsport, Tauchen, Radrennen, Klettern und viele Wintersportarten wie Ski Alpin zu sehr gefährlichen Sportarten mit hohem Verletzungsrisiko und eben auch Sterberaten.

Unterstützung

Meine Kolleg*innen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Jürgen Walter) helfen gern, wenn es um die Einschätzung der Gefährdungsbeurteilung geht. Sollten in dem Zusammenhang Probleme entstehen können wir im Zusammenspiel zwischen Sportlern, Trainern und Eltern effektiv helfen.

Mehr zum Thema:

Literatur:

Wilde, G. J. S. (1988). Risk homeostasis theory and traffic accidents: Propositions, deductions and discussion of dissension in recent reactions. Ergonomics, 31, 441–468. 

https://wettbonus.net/top10-die-gefaehrlichsten-sportarten-und-sportevents-der-welt/

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Johanna Constantini: Vom Be-greifen und Ver-stehen – Gedanken zur Sinnhaftigkeit des analogen Coachings

Wenn wir den Begrifflichkeiten, die wir täglich „in den Mund nehmen“ etwas mehr nachhören, merken wir schnell, wie sehr unsere Sprache an das aktive Tun gekoppelt ist. Vor allem, wenn es um Prozesse des Lernens geht, wird klar, dass stets der gesamte Körper lernt. Wir be-greifen, er-fassen, ver-stehen die Dinge, die an uns heran-getragen werden. So auch im Sport. Der Trainer ver-sucht Inhalte zu ver-mitteln und die Athleten wollen am liebsten jedes Detail er-fassen. Wie das am besten gelingt? Analog und unter Einbeziehung aller Sinnesmodalitäten. Heute leben wir jedoch in einer Lernzeit, die sehr gern auf digitale Hilfsmittel zurückgreift. Mithilfe des Tablets ist es schließlich einfach, sich Trainingstipps durchzulesen und anhand von Tracking Geräten erkennen, wie schnell unsere beste Zeit bei moderater Herzfrequenz ist, ohne unseren Puls fühlen zu müssen. Warum darf trotz der digitalen Unterstützung der analoge Ausgleich nicht verloren gehen?

Zum Thema: Umgang mit sozialen Medien in der modernen Sportpsychologie

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Weitere Informationen
Der Beitrag zum Hören: https://soundcloud.com/user-763521494/vombegreifenundverstehengedankenzursinnhaftigkeitdesanalogencoachings

Grundsätzlich macht es einen Unterschied, ob Informationen über einen Bildschirm oder über eine analoge Buchseite dargestellt werden. Der Unterschied liegt im sogenannten „Skimmen“ von Texten, wozu wir durch digitale Bildschirme eher verleitet werden. „Skimmen“ bedeutet so viel wie „überfliegen“ und nicht genau lesen. Wer seinen Athleten im Zuge der Trainingslehre also neue Informationen darbieten möchte, der sollte dies ohne die Hilfe von Bildschirmen tun. Papier hat erwiesenermaßen eine höhere Anziehungskraft und wird länger gelesen, nicht nur überflogen. (Varian, 2010) 

Anhand von Studien mit Kindern wurde zudem festgestellt, dass sich Kinder weit weniger des Gelesenen merken, wenn sie ihre Erkenntnisse von Bildschirmmedien gezogen haben. (Chiong, Ree, Takeuchi & Erickson, 2012) Also, was sollten sich die jungen Athleten gleich noch unbedingt merken? 😉

Mehr Infos zu Johanna Constantini: https://www.die-sportpsychologen.de/johannaconstantini/

Gefühle entwickeln lassen

Bleiben wir gleich bei den Kindern – die gibt es nämlich auch im Sport. Und Kinder lernen ebenso am besten, wenn sie alle Sinne in neue Erfahrungen einbeziehen können. Was unangenehm riecht, rühren sie nicht an, was bitter schmeckt, wird gemieden und das Laufen wird nur von Fall zu Fall verbessert. Genau dieses Fallen ist es, das doch später auch im Sport darüber entscheidet, wie und ob Athleten mit Niederlagen umgehen können. Wer immer nur dargeboten bekommt, wie alles von vorne herein funktioniert, ohne zu ver-suchen, zu er-proben und ab-zu-schätzen, der wird kaum beim eigenen Gefühl angelangen. Auch im Erwachsenenalter kann das Gefühl zu Lasten digitaler Einfachheit allzu schnell verloren gehen. Dieses Gefühl ist es, dass die wichtigste Fähigkeit des jungen wie älteren Athleten darstellt. Gefühl für die Situationen, für die Menge an Energie, die eingesetzt werden muss und für die Einschätzung der Konkurrenz.

Bei allen effizienten Erleichterungen, die uns digitale Trainingspartner auch in Zukunft bieten werden, ist es das Gefühl, das wir am Ende nicht abgeben dürfen. Nicht im Sport und nicht im Leben.

Sportpsychologie analog und zum Anfassen? Dann komm zum Barcamp:

Mehr Interesse am Thema? Johanna Constantini hat bereits zahlreiche Texte verfasst – hier eine kleine Übersicht:

Quellen:

Chiong, C., Ree, J., Takeuchi, L., Erickson, I (2012) Print books vs. E-books. Comparing parent child co-reading on print, basic, and enhanced e-book platforms. Joan Ganz Cooney Center, New York (www.joanganzcooneyecentr.org)
Spitzer, M. (2015) Cyberkrank: Wie das digitalsierte Leben unsere Gesundheit ruiniert. München: Droemer Verlag
Varian, H. Newspaper economics. Online and offline 2010. http://googlepublicpolicy.blogspot.ca/2010/03/newspaper-economics-onlineand-offline.html

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Dr. René Paasch: Wahrnehmungsfähigkeiten im Fussball trainieren (Gedankenschnelligkeit im Fußball, Teil 3)

Fussballspiele zeichnen sich häufig durch komplexe Situationen aus, in denen in möglichst kurzer Zeit sportartspezifische Reaktionen hervorgerufen werden müssen. Die Wahrnehmung und Nutzung von Informationen ist daher wichtig für eine erfolgreiche Handlungsplanung und -durchführung, weshalb herausragende Fussballer sich gerade in dieser Fähigkeit von durchschnittlichen Spielern unterscheiden. 

Zum Thema: Spielsituationen schneller wahrnehmen und entscheiden 

Deine Fragen an Dr. René Paasch: https://www.die-sportpsychologen.de/rene-paasch/

Das Auge beeinflusst 90% der menschlichen Wahrnehmung. Umgekehrt macht das, was der Mensch sieht aber nur 10% dessen aus, was er wahrnimmt. Wahrnehmung beschreibt somit den  Prozess der Aufnahme, Selektion sowie Verarbeitung unterschiedlicher Reize und bildet die Grundlage menschlicher Erkenntnisse, Erfahrungen und Handlungen (Marr, 1982). Individuell gemachte Erfahrungen basieren auf Informationen, welche ein Spieler über seine Sinne aufnimmt, verarbeitet und in den Erkennungsstrukturen der unterschiedlichen Wahrnehmungssysteme speichert (Bruce, Green & Georgeson, 1996). Diese erfolgen über einen oder mehrere Sinne und helfen dabei, die Trainings- und Spielsituation zu erfassen und einzuordnen. Dabei spielt vor allem die visuelle Wahrnehmung eine sehr wichtige Rolle. 

Die visuelle Wahrnehmung beschreibt die Aufnahme und Weiterleitung verschiedener Reize mit Hilfe des Auges. Aus der physiologischen Perspektive geht es bei der visuellen Wahrnehmung um die Aufnahme von Photonen mit Hilfe von Photorezeptoren im Auge und die Umwandlung dieser Reize in elektrische Signale. Auf psychologischer Ebene stellt die visuelle Wahrnehmung  die Erfassung von Farbe, Form, Bewegung etc. dar. Diese Bereiche stellen für den Spieler eine der wichtigsten Art der Wahrnehmung auf dem Platz dar, da meist auf Grundlage der visuellen  Wahrnehmung verschiedene Situationen interpretiert und Entscheidungen getroffen werden. Es gibt zahlreiche Studien im Fußball, die durch Blickbewegungsregistrierung Erkenntnisse gewonnen haben (Schultz, Daniel, Höner, 2018). Dabei zeigt sich, dass Fußballprofis bereits auf die Absicht von Mit- und Gegenspielern schließen können,  bevor eine entsprechende Spielsituation ausgeführt wurde. 

Bewusste und unbewusste Wahrnehmungsprozesse im Fussball

Bewusste Wahrnehmungsprozesse auf Basis richtiger Informationen wurden bislang am  intensivsten untersucht. Die meisten Forschungsansätze bestimmen dabei die Wahrnehmungsstrategien von Sportspielern anhand von Blickbewegungsanalysen (Hüttermann, Noël, Memmert, 2018). Es zeigt sich, dass erfahrene Spieler gelernt haben, ihre Wahrnehmungsleistung durch gezielte Strategien zu verbessern (Williams et al., 2010). Spielsituation können nicht nur bewusst, sondern auch unbewusst wahrgenommen werden. In einer Reihe von Experimenten konnte dies im Rahmen einer Elfmetersituation demonstriert werden (Noël, van der Kamp,  Memmert, 2015). Hier einige Anregungen zur Verbesserung der individuellen Wahrnehmung:

  • Trainer- und Spielerinstruktionen  

Trainer können Spielern durch Hinweise helfen, die richtigen Informationsquellen  auszuwählen und zu fokussieren (Alvarez, Emory, 2006). Sie können durch ihre Ansprachen gewollt oder ungewollt die Aufmerksamkeit auf die Ausführung der Handlung wichtiger Aspekte lenken. Beispielsweise bewirkt der Satz: „Leg das Augenmerk bei Standards verstärkt auf deinen Gegenspieler“. Die Folge ist eine intensivere Fokussierung auf den Spieler und somit eine verbesserte Raum- und Mannverteidigung. Gleiches gilt auch für die Mitspieler. Diese und ähnliche Beispiele lassen sich immer wieder in der Praxis erkennen. 

  • Visuelle Wahrnehmung – Training mit der Augenklappe

Die Ausdehnung des Gesichtsfeldes, also die wahrgenommene Fläche bei fixierten Augen, unterliegt großen individuellen Unterschieden. Mit den richtigen Trainingsreizen kann das Gesichtsfeld vergrößert werden, sodass Einzelobjekte auf einer größeren Fläche scharf wahrgenommen werden können, was wiederum zu einer höheren Informationsaufnahme führt. Zunächst einmal sollten Ihre Schützlinge Ihr „dominantes Auge“ bestimmen.  

Schritt 1: Die Arme strecken und die Hände im rechten Winkel übereinander legen. Daumen und Zeigefinger bilden ein Dreieck. 

Schritt 2: Durch dieses Dreieck einen beliebigen Punkt fest fixieren und die Hände bis nahe vor die Augen führen.

Schritt 3: Blicken Sie zunächst mit beiden Augen und dann mit jeweils einem auf den fixierten Punkt. Beim Blick mit zwei Augen sollte sich dieser im Zentrum des Dreiecks befinden. Der fixierte Punkt wird auf einer Seite zum Teil verschwinden. Das Auge, bei dem dies passiert, gilt es zu trainieren. Das jeweils andere ist Ihr „dominantes Auge“, das entsprechend mit einer Augenklappe zu verdecken ist. Starten Sie mit einfachen Übungen, wie Bälle jonglieren, leichte Pässe in kurzer Distanz und erst dann für taktische und spielerische Situationen. Der Schwierigkeitsgrad der Übungen sollte an den Leistungsstand der Spieler angepasst werden.

Fazit 

Durch ein gezieltes Training der Wahrnehmungsfähigkeiten kann der Spieler einen enormen Wettbewerbsvorteil erzielen. Es ist so möglich den berühmten „Schritt schneller“ zu sein oder „schneller umzuschalten“. 

Komm zum Barcamp, um mit Dr. René Paasch und vielen anderen Gesichtern von Die Sportpsychologen an Details und dem großen Ganzen zu arbeiten:

Alle Teile der Serie:

Literatur 

Alvarez, J. A. & Emory, E. (2006). Executive function and the frontal lobes: A meta-analytic review. Neuropsychology Review, 16, 17-42. 

Bruce, V., Green, P. & Georgeson, M. (1996): Visual perception. Physiology, psychology and  ecology (3rd ed.). Hove: Psychology Press. 

Hüttermann, S., Noël, B. & Memmert, D. (2018): Eye tracking in high-performance sports: Evaluation of its application in expert athletes. International Journal of Computer  Science in Sport, 17, 182-203. 

Marr, D. (1982): Vision: A comptutational investigation into the human representation  and processing of visual information. San Francisco: Freeman. 

Noël, B., van der Kamp, J. & Memmert, D. (2015). Implicit goalkeeper influences on goal  side selection in representative penalty kicking tasks. PLoS ONE, 10, e01354423. 

Schultz, F., Daniel, J. & Höner, O. (2018): Antizipation von Fußballtorhütern. Konzeption  und Evaluation einer kognitiven Leistungsdiagnostik. Leistungssport, 48, 50-55. 

Williams, A. M., Ford, P., Eccles, D. W. & Ward, P. (2010). Perceptual-cognitive expertise  in sport and its acquisition: Implications for applied cognitive psychology. Applied Cognitive Psychology. 

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Christian Hoverath: Präventive Arbeit gegen sexualisierte Gewalt im Sport – Welche einfachen Tipps Trainer*innen kennen sollten

In der ARD lief im Juli 2019 – leider etwas versteckt im Sommerprogramm – die Doku „Das große Tabu – Sexueller Missbrauch im Sport“ (zum Film). Diese Öffentlichkeit für das schwierige Thema ist wichtig. Um die präventive Arbeit gegen sexualisierter Gewalt greifbarer zu machen und leichter umsetzbar werden zu lassen, möchte ich ein paar Ideen geben, was konkret im Training getan werden kann. Wenn Sie die ein oder andere Methode schon anwenden, dann fühlen Sie sich gestärkt und auf dem richtigen Weg! Probieren Sie alles einfach aus und geben Sie sich Zeit! Veränderungen passieren nicht von heute auf morgen.

Zum Thema: Tipps und Hinweise zur präventiven Arbeit gegen sexualisierter Gewalt im Sportverein

Ein sehr zentraler Aspekt ist die körperliche Selbstbestimmung.Kinder und Jugendliche sollen ihre Körper als liebenswert und wertvoll verstehen, um signalisieren zu können: „Mein Körper gehört mir!“. Aus diesem Grund sollten abwertende Bemerkungen über den Körper unterbunden werden und auch von Trainer*innen unterlassen werden. Viel wichtiger ist ein respektvoller Umgang miteinander. Unsere Schützlinge müssen von Beginn an lernen, dass Respekt und ein respektvoller Umgang miteinander normal ist. Sie müssen auch lernen, dass sie selbst über ihren Körper bestimmen können und entscheiden dürfen, wer sie wann anfasst. 

Erklären Sie deswegen Hilfestellungen genau und auch, wieso Sie wo anfassen. Fragen Sie um Erlaubnis. Das geht ganz kurz in einem Satz und hat dabei so viel mehr Inhalt!

Bei Fragen zum Thema – Nehmen Sie Kontakt auf: https://www.die-sportpsychologen.de/christian-hoverath/

Offen über Gefühle sprechen

Kinder und Jugendliche sollen ihre Gefühle wahrnehmen und mitteilen können. Um dies zu lernen, müssen auch Erwachsene über ihre Gefühle sprechen. Gerade in der Arbeit mit jüngeren Sportler*innen ist dies wichtig und sollte von den Betreuern, Übungsleitern, Trainern und Helfern nicht mit Hemmungen behaftet sein. In sehr jungen Jahren nehmen Kinder diese Gefühle im Körper wahr, haben aber noch kein Wort dafür. Um sich ausdrücken zu lernen, sind sie auf uns angewiesen. Denn nur wenn man Worte für etwas hat (und das lässt sich dann auch auf Berührungen und sexualisierte Gewalt übertragen), kann man dies auch ausdrücken. 

Mit Blick auf die Gefühlsstereotypen sollen Kinder ermutigt werden, auch „unpassende“ Gefühle zeigen zu dürfen. Mädchen dürfen wild sein, Jungs dürfen Angst haben. Die Wahrnehmung von Gefühlen darf in ein und derselben Situation unterschiedlich zwischen Personen sein.

„Nein“ sagen

Kinder müssen bestärkt werden, nein zu Dingen zu sagen, bei denen sie sich schlecht fühlen. Sie müssen wissen, dass Erwachsene nicht immer Recht haben. Ihr Nein! darf nicht übergangen werden, ihre Mitsprache ist äußerst wichtig. Denn jemand, der sich in seiner Meinung ernst genommen fühlt, kann einem anderem Menschen viel besser etwas untersagen. Und dieses Kind lernt nicht, dass sein Nein sowieso nicht zählt, weswegen es dann auch gar nicht erst Nein sagen muss. Unterstützen Sie die Kinder im Äußern ihrer Meinung und darin, dass genannte Grenzen auch eingehalten werden.

Noch ein Detail: Denken Sie in unserer digitalen Zeit daran, dass ein jeder selbst entscheiden darf, ob er fotografiert werden möchte. Machen Sie dies deutlich und kommunizieren Sie es wiederholt.

Die Bedeutung der Aufmerksamkeit 

Und zu guter Letzt: Seien Sie aufmerksam! Damit Kinder und Jugendliche sich anvertrauen können, benötigen Sie das Wissen, dass Erwachsen sich für ihre Sorgen interessieren. Zeigen Sie also bei sämtlichen Belangen aus dem Leben ihrer Sportler*innen Interesse und hören Sie zu, damit sich die Vertrauensbasis festigen kann. Dies verbessert die Chance, dass sich Kinder und Jugendliche im Ernstfall öffnen.

Mehr zum Thema:

https://www.die-sportpsychologen.de/2018/05/07/mario-schuster-das-tabu-thema-sexuelle-gewalt-im-sport/

https://www.die-sportpsychologen.de/2018/11/29/christian-hoverath-sexualisierte-gewalt-antworten-auf-haeufig-gestellte-fragen/

https://www.die-sportpsychologen.de/2019/01/21/dr-hanspeter-gubelmann-maennlichkeit-2-0-wie-gillette-allen-sportpsychologen-und-sportpsychloginnen-hausaufgaben-beschert/

Link zur ARD-Doku: https://www.sportschau.de/weitere/allgemein/sexueller-missbrauch-kindesmissbrauch-sport-doku-100.html

Sportpsychologie im Nachwuchssport – unser Thema für unsere nächste große Veranstaltung: 


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Thorsten Loch: Systemisches Denken für Trainer

Kürzlich hatte ich untersucht, welche psychischen Antriebsfaktoren Einfluss auf die Teamperformance nehmen (zum Beitrag). Eine mögliche Antwort lieferte der so genannte RINGELMANN–Effekt. Im Folgenden tauchen wir etwas tiefer und verschieben die pathogene Sichtweise hin zu einer ressourcenorientierten. Soll heißen: Dieses Wissen nützt nicht nur den vermeintlich „Schwächeren“. Nein, jene Einstellung kann jeder für sich beanspruchen und nutzen – ganz gleich ob im Sport oder in anderen Lebensbereichen. Denn es geht darum, Ressourcen zu aktivieren und Synergien zu schaffen. Und wie so oft, kommt dem Trainer/Führungskraft/etc. eine entscheidende Rolle zu.

Zum Thema: Synergie schaffen mit systemischen Denken

Mehr Infos zu Thorsten Loch: https://www.die-sportpsychologen.de/thorsten-loch/

Synergie stellt das Gegenteil zu „sozialer Faulheit“ dar (Baumann, 2002). Synergieeffekte bewirken, dass die Mannschaftsleistung größer ist als die Summe der Einzelleistungen. Mannschaften gelingt es also, über sich hinaus zu wachsen und Fantastisches zu leisten. Systemisches Denken vertritt die Ansicht, dass man als Trainer/Führungskraft niemanden von außen zum „Besseren“ verändern kann. In diesem Kontext nimmt der Begriff Sensibilität einen besondere Stellung ein. Sensibilität ist wichtig, jedoch wird dieser im Kontext Leistungssport häufig missverständlich verwendet. Wenn jemand als sensibel gilt, wird diesem direkt eine Schwäche angedichtet. Doch genau das Gegenteilige ist der Fall. 

Insbesondere Trainer müssen sensibel sein. Sensibel für Signale, die anzeigen, wo und wie Veränderungen möglich und notwendig sind. Mayer/Hermann (2018, S. 28) ziehen hier den Vergleich zu einem Schauspieler. Ein guter Schauspieler beherrscht nicht nur seine eigene Rolle perfekt, sondern achtet darauf, wie er sich mit seiner Interpretation in das Stück einfügt und so zu einer Gesamtwirkung beitragen kann, die die Erwartungen aller übersteigt.

Geschlossene und offene Systeme

Ludwig von Bertalanffy (1937) unterscheidet in der allgemeinen Systemlehre zwischen „geschlossenen“ (Maschinen) und „offenen“ (im Austausch mit ihrer Umwelt stehenden lebendigen) Systemen. Deren einzelne Elemente sind in ihren Funktionen, Zielen und ihrer Wechselwirkung dem Systemganzen untergeordnet. Das bedeutet, dass lebende Systeme eine ihrem Selbsterhalt dienende Eigendynamik (Metabolismus) entwickeln, die aktiv einen Zustand des Gleichgewichts (Homöostase) anstrebt. Aufgrund von unvermeidbaren Außeneinwirkungen geraten sie aber immer wieder in ein Ungleichgewicht (Heterostase). Um jenes Gleichgewicht wieder zu erlangen, muss Energie aufgebracht werden. Für diese innere Dynamik hat sich der Begriff der „dynamischen Stabilität“ durchgesetzt. 

https://www.die-sportpsychologen.de/2019/07/31/thorsten-loch-wenn-aus-weniger-mehr-wird-wie-schwache-teams-auch-gegen-top-gegner-bestehen-koennen-und-umgekehrt/

Konzept der Selbstorganisation 

Dieses systematische Verständnis des Lebendigen wurde von den Biologen Maturana und Varela (2009) im Konzept der Selbstorganisation weiterentwickelt. Selbstorganisation als Charakteristikum des Lebendigen impliziert insofern Autonomie, als sie nach systemeigenen Gesetzen und einer systemeigenen Logik verläuft (von Maturana/Varela als Struktur des Systems bezeichnet, vgl. 2009, S. 55). Diese jeweilige Struktur entwickelt sich aus zugrunde liegenden genetischen Dispositionen, Sie ist es, die den Unterschied zwischen den Lebewesen ausmacht. Dieser erkenntnistheoretischen Grundlage des Konzeptes der Selbstorganisation liegt die konstruktivistische Philosophie zugrunde (vgl. von Förster/Pörkens, 2019). Nach der konstruktivistischen Philosophie ist Erkenntnis keine Abbildung einer objektiven Wirklichkeit, sondern eine individuelle Konstruktion. Wirklichkeit ist hier nicht vom Beobachter zu trennen, Wirklichkeit wird konstruiert (vgl. Watzlawick, 2015). Das bedeutet für die Interaktion zwischen selbstorganisierendem System und Umwelt, dass Ablauf und Art nicht durch die Außenwirkung vorgegeben ist, sondern letztlich immer die systemeigene Struktur verantwortlich für die Ausgestaltung ist. 

Strukturelle Kopplung

Für ein System ist ein anderes System nur eine weitere Quelle der Interaktion mit seiner Umwelt, die im Sinne der eigenen Struktur betrachtet wird und zunächst nicht von Interaktion zu unterschieden ist, die ein Beobachter als von der Umwelt stammend einordnen würde. Wenn sich lebende Systeme so organisiert haben, dass ihre Interaktion einen rekursiven und sehr stabilen Charakter vorweisen, so spricht Maturana und Varela in diesem Zusammenhang von der so genannten strukturellen Kopplung (vgl. 2009, S. 85). Das bedeutet, dass die gegenseitigen Störungen zueinander passen und in gleicher Weise interpretiert und verarbeitet werden. Die strukturelle Kopplung lebender Systeme ermöglicht die Entstehung von Systemen höherer Ordnung (vgl. Maturana/Varela, 2009, S. 197). 

Das Nervensystem des Menschen kann man als ein eigenständiges selbstorganisiertes System auffassen, das aber als Bestandteil des Organismus arbeitet. Das biotische System, sprich: der Organismus, ist strukturell an das Nervensystem gekoppelt (System 2. Ordnung). Lebende Systeme zweiter Ordnung, dass heißt Systeme mit Nervensystem können mit anderen lebenden Systemen zweiter Ordnung durch strukturelle Kopplung übergeordnete Systeme dritter Ordnung bilden (ebd.). 

Systeme dritter Ordnung – soziale Systeme 

Lebende Systeme dritter Ordnung nennt man auch soziale Systeme. Die Bildung eines sozialen Systems beinhaltet die dauernde strukturelle Kopplung seiner Mitglieder. Und jeder einzelne Organismus ist nur so lange Teil einer sozialen Einheit, wie der Teil dieser strukturellen Kopplung ist- Übersetzt:  Aus Spielern und Trainern wird ein Team. Wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Teamperformance ist daher, dass der Trainer erkennt und erwartet, dass eine strukturelle Kopplung zwischen den Teammitgliedern (Mayer, 2012):

  • ein vorübergehendes, labiles Gleichgewicht darstellt und beständig an der Aufrechterhaltung dieses Gleichgewichts gearbeitet werden muss; 
  • dass jeder Spieler eine individuelle strukturelle Wandlung durchläuft und sich mehr oder weniger mühsam in eine bestehende Teamstruktur einfügt; 
  • dass auch ein Trainer eine individuelle strukturelle Wandlung durchläuft und er nicht davon ausgehen kann, dass seine Struktur für das Team maßgeblich ist; 
  • dass es Aufgabe des Teamentwicklungsprozesses ist, strukturelle Kopplung zu erreichen und der Trainer bei diesem Teamentwicklungsprozess eine maßgebliche Rolle spielt.

Wichtig für Trainer

Insofern geht es im Kern darum, dass der Trainer sowohl hinsichtlich unterschiedlicher struktureller Gegebenheiten in seinem Team als auch bezüglich ihrer strukturellen Eigenarten sensibilisiert ist. Der Coach sollte bemüht sein, strukturelle Kopplungen zwischen den Beteiligten zu erkennen und herzustellen. Dies ist als fortwährender Prozess zu verstehen. Der Trainer muss sich darüber im Klaren sein, dass der Aufbau einer konstruktiven Wirkumgebung für das System Team eine tagtägliche Aufgabe ist und es nicht mit dem obligatorischen Teambuilding-Event zu Beginn der Saison getan ist. Letztendlich unterliegt das System Team permanent dem Druck von Außen und Innen.

Kein Mediziner kann einen gebrochenen Knochen heilen, er kann lediglich Rahmenbedingungen schaffen (z.B. Gips anlegen), die die Selbstheilung ermöglichen.

Führung bedeutet also, steuernden Einfluss auf ein nicht steuerbares System auszuüben (Steinkellner, 2012). Das kann nur gelingen, wenn die Führungskraft sich um passende Rahmenbedingungen bemüht, so dass konstruktive Eigendynamik und Selbstorganisation stattfinden können. Um die adäquaten Rahmenbedingungen herstellen zu können, muss der Trainer wissen, welche Bedingungen das Team benötigt – welche Art und Weise der strukturellen Kopplung im Mannschaftsverbund leistungsförderlich ist. Die Art und Weise der strukturellen Kopplung von Systemen höherer Ordnung richtet sich zwangsläufig auch nach der Aufgabe des Teams. Im Falle des Spitzensports ist der sportliche Erfolg das wesentliche Kriterium, dem sich alles andere unterordnet. Der sportliche Erfolg des Teams steht in starkem Zusammenhang mit der Leistung des Teams. Voraussetzungen für die Leistungsfähigkeit sind unter anderem die entsprechenden konstitutionellen, konditionellen und technisch/taktischen Komponenten. Inwieweit diese die tatsächliche Leistung eines Teams prognostizieren, ist vielfach untersucht worden. Allerdings mit eher dürftigen Ergebnissen (insbesondere in Sportarten mit hoher Komplexität wie z.B. den Spielsportarten). Das (individuelle, aber auch kollektive) systeminterne Konstrukt, dass nach Burke/Jin (1996 aus Mayer, 2012) den höchsten Zusammenhang zur Leistung aufweist, ist die (individuelle und kollektive) Kompetenzerwartung nach Bandura (1977). 

Fazit: 

Systemisches Denken stellt hohe Ansprüche an den Führenden und fordert immens viel von ihm. Der Trainer selbst ist ein besonders relevanter Faktor im Transformationsprozess, er muss sich dabei intensiv mit den einzelnen Teammitgliedern beschäftigen und die Teamperformance gleichzeitig moderierend und adjustierend begleiten. Das System Mensch verändert sich autonom aufgrund relevant interpretierter Umweltreize. Die erste Entscheidung welches es trifft ist diejenige, ob die Einwirkung überhaupt wahrgenommen wird. Unsere Wahrnehmung ist aber hochgradig selektiv. Wir nehmen nur wahr, was wir wahrnehmen wollen oder können, was wir als relevant erachten. Und relevant wird ein Umweltreiz (z.B. Ansprache von dem Trainer) nur dann, wenn er von den Angesprochenen mit ihrer Lern- und Erfahrungswelt sinnvoll in Einklang gebracht werden kann. Es sind also stets individuell relevante Rahmenbedingungen gefragt, die konstruktives oder im negativen Fall auch destruktives Verhalten auslösen. 

Sportpsychologie im Nachwuchssport – unser Thema für unsere nächste große Veranstaltung:

https://www.die-sportpsychologen.de/2019/08/02/die-rote-couch-das-sportpsychologie-barcamp-jugendfussball-28-29-09-2019-in-leipzig/

Mehr zum Thema:

https://www.die-sportpsychologen.de/2018/06/15/mario-schuster-kooperationskompetenz-was-trainer-von-der-arbeit-der-sportpsychologinnen-wissen-sollten/

https://www.die-sportpsychologen.de/2015/06/19/dr-rene-paasch-fuehrung-und-teamentwicklung-im-fussball/

https://www.die-sportpsychologen.de/2019/07/29/uwe-knepel-trainer-sein/

Literatur: 

Baumann, S.: Mannschaftspsychologie. Methoden und Techniken. Meyer&Meyer Verlag, Aachen, 2008

Hermann, H.-D./Mayer, J.: Make them go! X. Essenz aus dem Coaching für Spitzensportler. Murmann, Hamburg, 2018

Maturana, H./Varela F.: Der Baum der Erkenntnis. Die biologischen Wurzeln menschlichen Erkennens. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main, 2009

Mayer, J.: Impulse aus der Sportpsychologie: Bewegung für die Zukunft der Führung? In: Grote, S. (Hrsg). Die Zukunft der Führung. Springer Verlag, Berlin, 2012

Steinkeller, P.: Systemische Interventionen in der Mitarbeiterführung. Carl-Auer Verlag, Heidelberg, 2012

Von Foerster, H./ Pörkens, B.: Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners: Gespräche für Skeptiker (Systemische Horizonte). Carl-Auer Verlag, Heidelberg, 2019

Watzlawick, P.: Man kann nicht nicht kommunizieren: Das Lesebuch. Hogrefe Verlag, Heidelberg, 2015

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Martin Wenzel: Ich erwarte kontroverse Diskussionen und interessante Sichtweisen statt monotonem Folienablesen in Frontalunterrichtsmanier

Am 28. und 29. September 2019 veranstalten Die Sportpsychologen mit dem Roten Stern Leipzig und Unterstützung des Sächsischen Fußballverbandes das Event „Die rote Couch – Das Sportpsychologie Barcamp“ (Link zur Veranstaltung). Wir haben mit Martin Wenzel, einem der Nachwuchstrainer des RSL über seine Erwartungen, die tatsächlichen psychologischen Herausforderungen eines Nachwuchscoaches und seinen besonderen Verein gesprochen.

Martin Wenzel, wann warst du zuletzt als Nachwuchstrainer „Küchenpsychologe“ oder „Hobbypsychologe“?

Immer dann, wenn mein Trainerkollege und ich es geschafft haben, unsere Teams gut auf ein Spiel einzustellen, ihnen Erwartungsdruck abnehmen und eine machbare Marschrichtung für die nächste Halbzeit aufzeigen konnten. Ihnen im Training Hürden in den Weg gestellt haben, die sie mit Einsatzwille überwinden konnten. Wenn wir mit ihnen Siege gefeiert und Niederlagen gemeinsam betrauert haben, dann waren da auch immer psychologische Aspekte mit von der Partie.

In welchen Bereichen haben Nachwuchstrainer in ihrem Alltag Berührungspunkte zu sportpsychologischen Themen?

Eigentlich permanent. Das Traineramt wird zu einem großen Teil durch die Arbeit mit Menschen ausgefüllt. Das sind im Nachwuchsbereich die Kinder und Jugendlichen, deren Eltern, TrainerInnen anderer Teams, Vereinsfunktionäre usw. In einer solchen zwischenmenschlichen Gemengelage sollte ein Trainer Geschick darin beweisen, das Erleben und Verhalten seiner Schützlinge so zu erkennen und zu steuern, dass sich deren individuelle Potentiale ausprägen und stabile und widerstandsfähige Persönlichkeiten entwickeln können. Die Anerkennung der Psyche als Hauptantriebsfeder hilft da ungemein. Leider hat die Psychologie innerhalb und außerhalb des Sports aber immer noch einen eher pathologischen Beigeschmack im Sinne von Krankheit, Störung oder einfach von Schwäche. Das halte ich für eine ungünstige Einstellung für die Arbeit mit Menschen. Wir sollten daran arbeiten, das zu korrigieren.

Welchen konkreten Input erwartest du dir vom Barcamp von Die Sportpsychologen (Zur Veranstaltung: Die rote Couch – Das Sportpsychologie Barcamp)?

Ich erwarte mir, dass viele Teilnehmer klüger aus dem Barcamp herausgehen als sie reingegangen sind. Ich erwarte mir kontroverse Diskussionen und interessante Sichtweisen statt monotonem Folienablesen in Frontalunterrichtsmanier. Ich erwarte mir, dass alte Hüte am Eingang eingetauscht werden gegen die Bereitschaft sich weiterzuentwickeln.

Warum lohnt sich die Teilnahme am Barcamp auch für Trainer und Trainerinnen aus anderen Sportarten?

Weil die Themen, die uns interessieren genau genommen nicht fußballspezifisch sind. Führung, Motivation, Mentalität, Kognition, Wettkampfangst, … alles Aspekte, die in Mannschaftssportarten wie Handball, Basketball oder Floorball genauso wichtig sind wie in Einzelsportarten. Der RSL ist ein Breitensportverein mit über 15 Sparten. Der Fußball war und ist das Flaggschiff in der Sternenflotte, aber viele andere Sportarten sind längst in den Verbandsligen vertreten und werden hoffentlich weiter aufholen.

Erklär mal bitte, gerade für die weiter gereisten Gäste des Barcamps, weshalb der Rote Stern Leipzig alles aber kein furchtbar normaler Sportverein ist!  

Ich weiß jetzt nicht genau, was ihr unter einem normalem Sportverein versteht? Gibt es so etwas? Was den RSL vielleicht von anderen Vereinen unterscheidet, ist dass der Stern seine gesellschaftliche Verantwortung neben dem Sport nicht als Last empfindet sondern gerne auch bei Gegenwind hochhält. Der Meinung, dass Politik im Sport nichts zu suchen hat, hält er entgegen, dass alles was öffentlich geschieht immer auch politisch ist. Wer daran zweifelt, dass der Stern bei vielen damit einen Nerv trifft, möge sich die Entwicklung der Mitgliederzahlen in der Vereinsgeschichte anschauen. Der Sport bringt zusammen, ein gemeinsames Verständnis aber vereint.

Zur Anmeldung und weitere Infos zu „Die rote Couch – Das Sportpsychologie Barcamp“:

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Was euch erwartet? Themenüberblick für „Die rote Couch – Das Sportpsychologie Barcamp“ in Leipzig (28./29.9.2019)

Motivation, Mentalität, Ängste und Druck, Kognition, psychologische Werkzeuge für Trainer, Körpersprache und Hypnose. Diese Schlagworte sind in der Vorbereitung von „Die rote Couch – Das Sportpsychologie Barcamp“ immer wieder gefallen. Und deshalb machen wir daraus am Wochenende 28./29. September 2019 auf dem Sportgelände Teichstraße in Leipzig auch eigene Sessions. Zudem behandeln wir sehr intensiv das Beziehungsgeflecht zwischen Trainer-Athlet-Eltern. Nicht zuletzt sind wir auf dem Rasen und zeigen, wie die Sportpsychologie auch bei Amateurvereinen auf dem Platz stattfinden kann (Praxis-Sessions mit Trainingsübungen am Samstag, Spiel-Hospitation am Sonntag).

Direkt zur Anmeldung

Kurz um: Unser Sportpsychologie-Event wirft seine Schatten voraus. Bereits knapp 60 Anmeldungen, darunter viele Trainer (Chemie Leipzig, Lok Leipzig, Roter Stern, Blau-Weiß Leipzig, SV Schleußig u.a.), sportpsychologische Experten (aus den NLZ`s vom Hertha BSC, Karlsruher SC, Arminia Bielefeld sowie Profilinhaber von Die Sportpsychologen) und Fachbesucher (Autoren, Eltern und Wissenschaftler) liegen Mitte September vor. Der Rahmen für eine sehr praxisorientierte Veranstaltung, die den Wissenstransfer zwischen der Sportpsychologie und dem sportlichen Alltag im Nachwuchssport möglich macht, ist also gesichert.

Themenüberblick

Immer wieder bekamen wir auch das Feedback, dass sich potentielle Teilnehmer nicht vorstellen konnten, was sie bei einem Barcamp erwartet. Entsprechend haben wir aus euren Vorschlägen, Ideen und Herausforderungen einen Veranstaltungsplan gezimmert. Offene Frage: Fehlt euch was?

Samstag, 28. September 2019

13.00 – 14.00
Eröffnung, Vorstellung und Auswahl der Sessions
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14.15 – 15.1514.15 – 15.15
Kognitionen im Fußball – Modewort oder Arbeitsauftrag?

Martin Wenzel, Roter Stern Leipzig
Hier könnte deine Session stattfinden. Siehe unten.
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15.30 – 16.3015.30 – 16.30
Motivation im Alltag eines Nachwuchstrainers

Thomas Müller, Trainer FSV Glesien; Philipp Freitag, sportlicher Nachwuchsleiter SV Schleußig
Hier könnte deine Session stattfinden. Siehe unten.
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16.45 – 17.45
Bälle erobern – Tore verhindern mit MENTALITÄT Praxis-Session mit Demo-Mannschaft auf dem Rasenplatz der Teichstraße

Alexander Schunke, Referent Sächsischer Fußballverband, Dr. René Paasch, Die Sportpsychologen, Dr. Fabio Richlan, Die Sportpsychologen, und weitere
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18.00 – 19.00
Bälle erobern – Tore verhindern mit MENTALITÄT Theorieteil

Alexander Schunke, Referent Sächsischer Fußballverband, Dr. René Paasch, Die Sportpsychologen, Dr. Fabio Richlan, Die Sportpsychologen, und weitere

Sonntag, 29. September 2019

10.00 – 13.00
Hospitation eines Nachwuchsspiels unter bestimmten sportpsychologischen Blickwinkeln

C-Jugend Roter Stern Leipzig II vs. SV Schleußig (Sportanlage Teichstraße)
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13.00 – 14.0013.00 – 14.00
Wenn der (NLZ)-Trainer sagt: Für dich hat es leider nicht gereicht!

Ole Fischer, Die Sportpsychologen
Hypnose im Sport – Zwischen Hexerei und Scharlatanerie?

Klaus-Dieter Lübke Naberhaus, Arzt und Systemischer Hypnotherapeut, Deutscher Handballbund, Die Sportpsychologen
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14.15 – 15.1514.15 – 15.15
Umgang mit Druck, Ängsten und psychischen Problemen im Nachwuchssport

Kathrin Seufert, Klaus-Dieter Lübke Naberhaus, beide Die Sportpsychologen, Anna Baron-Thiene, Sportwissenschaftlerin TU Chemnitz
Hier könnte deine Session stattfinden. Siehe unten.
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15.30 – 16.3015.30 – 16.30
Hier könnte deine Session stattfinden. Siehe unten.Eltern im Jugendfußball – Für alle eine Herausforderung!

Kathrin Seufert, Die Sportpsychologen Susanne Amar, Coach, Bloggerin
Mathias Freiesleben, SV Lipsia
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16.30 – 17.00
Abschluss

Weiterhin Themen vorschlagen

Bis zum Donnerstag, den 26. September 2019, 12 Uhr sammeln wir weitere Sessionvorschläge, um damit die letzten Lücken in unserem Veranstaltungsplan zu füllen. Da wir das Ziel verfolgen, genau die Inhalte zu liefern, an denen ihr interessiert seid, sind wir auf eure Mitarbeit angewiesen. Teilt uns also bitte über das eingebettete Formular euren Vorschlag mit – daraufhin stimmen wir dann am Samstag, den 28. September, zum Auftakt von Die rote Couch – Das Sportpsychologie Barcamp ab.

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Weitere Informationen

Miteinander und füreinander

Kein langweiligen Powerpoint-Präsentationen, keine Monologe, keine Besserwisser-Action. Stattdessen liefert unser Event „Die rote Couch – Das Sportpsychologie Barcamp“ echten Austausch mit tollen Experten aus Theorie und Praxis auf Augenhöhe. Ganz bewusst haben wir uns daher für die Veranstaltungsform des Barcamps entschieden, was unserer Erfahrung nach Wissen optimal zwischen Theorie und Praxis hin und her transferiert. Wie das aussehen kann, könnt ihr euch in dem folgenden Video anschauen, welches wir bei unserem Barcamp 2018 beim VfL Bochum produziert haben.

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Weitere Informationen
Rückblick auf unser Barcamp in Bochum

Zum Verständnis des Ablaufes: Die beiden Veranstaltungstage gliedern sich in Sessions. Also einstündige Blöcke, in denen jeweils ein Thema bearbeitet wird. Der Sessiongeber (oder auch Ideengeber) führt kurz in das Thema ein, benennt also sein Problem oder stellt seine Frage, und der Rest wird dann im Austausch miteinander vorangetrieben. Hier kommen also Sportler, Trainer, Eltern, Funktionäre, Berater, Scouts, Lehrer, Wissenschaftler, Sportpsychologen und Mentaltrainer miteinander ins Gespräch. Ihr könnt also eure Erfahrungen teilen, Anregungen liefern oder eine krachende Diskussion vom Zaun brechen. Dazu haben wir zwei zentrale Angebote vorbereitet: So zeigen wir am Samstag bei einer Praxis-Sessions, wie Sportpsychologie auf dem Platz funktioniert, und Sonntag beobachten wir aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln und unter Anleitung ein Nachwuchsspiel.

Zur Anmeldung für das Event:

  • 89 EUR für Vertreter von Profi-Vereinen, NLZ, Verbänden, Spielerberater, Scouts, Sportpsychologen und Mentaltrainer
  • 69 EUR für Vertreter von Amateurvereinen, Studenten, Eltern

Lizenzinhaber des sächsischen Fußballverbandes können sich für die Teilnahme an der Veranstaltung “Die rote Couch – Das Sportpsychologie Barcamp” 10 Fortbildungsstunden anrechnen lassen. 

Snacks, Obst und Getränke stellt der Gastgeber bereit, freut sich aber über freiwillige Spenden, die vom Roten Stern Leipzig für den Bau eines Kunstrasenplatzes auf dem Teichstraßen-Gelände genutzt werden (zum Kunstrasen-Projekt).

https://www.die-sportpsychologen.de/2019/07/30/anmeldung-die-rote-couch-das-sportpsychologie-barcamp-jugendfussball/

Mehr zum Thema:

https://www.die-sportpsychologen.de/2019/08/02/die-rote-couch-das-sportpsychologie-barcamp-jugendfussball-28-29-09-2019-in-leipzig/
https://www.die-sportpsychologen.de/2019/07/30/anmeldung-die-rote-couch-das-sportpsychologie-barcamp-jugendfussball

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Dr. René Paasch: Das Erlernen von vorhersehbaren Elfmetern (Gedankenschnelligkeit im Fußball, Teil 2)

Im Fussball spielt die Antizipation eine wichtige Rolle. Beispielsweise ist die Zeit für einen Torwart, um einen Elfmeter zu halten, so  gering, dass er die Richtung des Balls schon im Ballkontakt vorhersehen muss. Deshalb hat sich die Forschung in den Sportspielen differenziert mit den entsprechenden Hinweisreizen von Torwarten beschäftigt. (vgl. Loffing,  Cañal-Bruland & Hagemann, 2014). In diesem Blogbeitrag möchte ich diesem Thema näher auf den Grund gehen und Ihnen Hinweise für eine verbesserte Antizipationsfähigkeit von Torhütern geben. 

Mehr zur Person: https://www.die-sportpsychologen.de/rene-paasch/

Zum Thema: Das Erlernen von antizipatorischen Fähigkeiten von Torhütern 

Wechseln wir aber zu Beginn erst einmal die Seiten – oder korrekter: Die Positionen. Denn um Ihnen das Thema Antizipation gut greifbar zu machen, möchte ich Ihnen einen perfekten Konter zeigen. Die Torhüter spielen zwar nur eine untergeordnete Rolle. Das Beispiel zeigt aber die umfangreichen kognitiven Leistungsfaktoren Antizipation, Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Spielintelligenz, Kreativität sowie Gedächtnisprozesse, die für die erfolgreiche Lösung taktischer Situationen im Fußball verantwortlich sind (siehe Abb.1 ). Hierzu ein praktisches von der Fussball-Weltmeisterschaft 2018, Achtelfinale, Belgien vs. Japan  (siehe hier http://www.nov-muc.de/NOV_belgien_japan_3zu2_fifatv.mp4 oder in der Einbettung). Schauen Sie sich dieses Video mehrmals an und versuchen Sie, die Spielsituation nach den zentralen Leistungsfaktoren im Fussball zu beschreiben. Erst danach lesen sie bitte meine Anregungen dazu: 

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Weitere Informationen
Quelle: YouTube
Abb. 1: Die zentralen kognitiven Leistungsfaktoren, die allen Handlungen im Fußball  zugrunde liegen (Memmert, 2013). 

Nach einem abgewehrten Eckball nehmen Courtios und De Bruyne die freien Räume wahr, erahnen somit eine Chance zum Gegenangriff. De Bruyne sprintet mit dem Ball los. Im Rahmen seines breiten Suchfensters passt er spielintelligent im richtigen Moment zum Außenbahnspieler Meunier. Dieser Pass ist vom Tempo und der Genauigkeit so genau, dass ihn Meunier direkt wieder ins Zentrum spielen kann. Dabei hat Meunier in seinem gedankenschnellen Arbeitsspeicher (Präfrontaler Cortex) abgelegt, dass im Strafraum zwei Mitspieler mitgelaufen sind. Lukaku lässt ihn einfallsreich durch, damit ihn Chadli unbedrängt im Strafraum ins Tor schieben kann. Diese Spielsituation der einzelnen psychologischen Prozesse folgt dabei einem zeitlichen Ablauf, wobei im realen Kontext nicht notwendigerweise alle Phasen bewusst durchlaufen werden müssen.

Das Torhüterverhalten beim Elfmeterschießen verbessern

Im deutschsprachigen Raum gibt es mittlerweile interessante Studien zum Thema Antiziaption im Sportspiel Fussball (Höner, 2005). Dabei ist auffällig, dass die meisten Forscher die Sicht des Torhüters wählten. Schultz, Daniel & Höner (2018) fanden heraus, dass die antizipationsrelevanten Regionen beim Schützen der Kopf, der Oberkörper, der Hüftbereich, das Standbein sowie das Schussbein sind. Schulz  (2014) hingegen stellte fest, dass erfahrene Torhüter vermehrt auf das Standbein des Spielers schauen, um ihre Vorhersage zu optimieren. Welche Anweisungen sind nun die vielversprechendsten, um das Erlernen von vorhersehbaren Fähigkeiten von Torhütern zu verbessern. Hier einige Anregungen für Sie: 

  • Ein flexibles, zufälliges und mit wenig Anregungen behaftetes Training kann von Vorteil sein (Memmert , 2009). Schaffen Sie daher Spielräume für Individualitäten und eigenständiges agieren und vergrößern Sie somit das Suchfenster der Torhüter.   
  • Außerdem konnte nachgewiesen werden, dass eine sportartspezifische Antizipationsfähigkeit entwickelt werden kann, ohne dass eine direkte Verbindung zwischen Wahrnehmung und Motorik, im Sinne einer „sportartspezifischen Bewegungstechnik“, erforderlich ist (Williams, Ward, Smeeton & Allen, 2004). Dies ermöglicht ein Wahrnehmungstraining für verletzte und interessierte Keeper, die gern eigenständiges Training zu Hause durchführen möchten. 
  • Hagemann und Memmert (2006) zeigten darüber hinaus, dass  verbale Anweisungen und geeignete Aufgaben im Badminton innerhalb eines „echten“,  feldbasierten Trainingsprogramms die Antizipationsleistung ebenso verbesserten wie ein videobasiertes Laborprogramm. Dies wiederum wäre aus meiner Sicht ein interessanter Ansatz für das Torwarttraining im Fussball. 
  • Im Fussball kommen typische Trainings- und Wettkampfabläufe immer wieder vor, wie bspw. Flanken abfangen, Hechten, Aufschaufeln, Block stellen, Freistöße und Ecken. Diese Torwarttechniken können Sie durch mentales Training und den Einsatz von VR-Brillen verbessern. 

Hier finden Sie Anregungen dazu: 

Die oben genannten Stichpunkte und Blogbeiträge können verwendet werden, um Trainingsprogramme zu entwerfen, die zur Verbesserung der Antizipationsfähigkeiten von Torhütern führen. 

Fazit

Verschiedene Untersuchungen haben bestätigt, dass erfahrene Torhüter frühere und präzisere Vorhersagen durch die vorangegangene Bewegungsrichtung der Schützen beim Elfmeter treffen können. Nutzen Sie daher die oben genannten Anregungen zur Schulung von Antizipation. Sie dienen als geeignete Trainingsmöglichkeiten und werden in der Regel über Simulationen oder auf dem Trainingsplatz unterrichtet. 

Sie wollen Dr. René Paasch und viele andere Gesichter von Die Sportpsychologen persönlich kennenlernen? Dann kommen Sie Ende September nach Leipzig:

Mehr zum Thema:

Literatur 

Hagemann, N. & Memmert, D. (2006). Coaching anticipatory skill in badminton: Laboratory- versus field-based perceptual training? Journal of Human Movements Studies, 50, 381-398. 

Höner, O. (2005): Entscheidungshandeln im Sportspiel Fußball: eine Analyse im Lichte der  Rubikontheorie. Hofmann: Schorndorf. 

Loffing, F., Cañal-Bruland, R. & Hagemann, N. (2014): Antizipationstraining im Sport. In  K. Zentgraf & J. Munzert (Hrsg.). Kognitives Training im Sport (S. 137-161). Göttingen: Hogrefe Verlag. 

Memmert, D. (2013): Leistungsfaktoren im Sportspiel. In A. Güllich & M. Krüger (Hrsg.),  Sport – Das Lehrbuch für das Sportstudium (S. 561-562). Berlin: Springer Verlag. 

Memmert, D. (2009): Pay attention! A review of attentional expertise in sport. International Review of Sport & Exercise Psychology, 2, 119-138. 

Schultz, F. (2014): Antizipation von Fußballtorhütern – Untersuchung zur Konzeption  einer kognitiven Leistungsdiagnostik im Kontext der sportwissenschaftlichen Talentforschung. Hamburg: Dr. Kovac. 

Schultz, F., Daniel, J. & Höner, O. (2018): Antizipation von Fußballtorhütern. Konzeption  und Evaluation einer kognitiven Leistungsdiagnostik. Leistungssport, 48, 50-55. 

Williams, A. M., Ward, P., Smeeton, N. J. & Allen, D. (2004): Developing anticipation skills  in tennis using on-court instruction: Perception versus perception and action. Journal of Applied Sport Psychology, 16, 350-360. 

Florian Schult (2013): Antizipation von Fußballtorhütern. Untersuchung zur Konzeption einer kognitiven Leistungsdiagnostik im Kontext der sportwissenschaftlichen Talentforschung: https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/bitstream/handle/10900/48021/pdf/Dissertation_Florian_Schultz_finale_Version_09.07.13.pdf?sequence=1

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Christian Hoverath: Wut und Ärger im Ausdauersport

Welcher Ausdauersportler kennt diese Erlebnisse und die damit verbundenen Emotionen nicht? Beim Schwimmen der kurze aber schmerzhafte Schlag in die Rippen: „Pass doch besser auf!“ Auf dem Rad dann jemand, dem das Windschattenfahrverbot erklärt werden muss: „Das sind doch nur sechs Meter, was soll das!“ Und beim Laufen hängt er dann auch direkt hinter mir und schnauft wie eine alte Dampflok: „Wenn du nicht mehr kannst, dann geh halt lockerer, das nervt!“ In allen Ausdauersportarten gehören solche besonderen Situationen zum Alltag. Dennoch müssen Sportler damit richtig umgehen, um nicht an eigener Leistung einzubüßen. 

Zum Thema: Die Kunst, mit Wut und Ärger richtig umzugehen

Doch wie kann ich als Sportler nun mit diesem Ärger umgehen, ohne dass er mir zu viel Energie raubt? Denn auch wenn Ärger und Wut energetisierende Funktionen haben, behindern sie eine effiziente Aufgabenbewältigung. Kognitive Prozesse werden desorganisiert und Reaktionen erfolgen impulsiv. Handlungen erfolgen quasi bevor der Athlet nachdenkt. Wut bindet zudem Aufmerksamkeit, welche dann für entscheidende Aspekte der Wettkampfgestaltung fehlen kann. So mag sich unser Athlet, der im Schwimmen zwei Mal von einem Kontrahenten „geschlagen“ wurde, so stark auf diesen zu seiner Linken fokussieren, dass er verpasst, wie sich rechts eine Gruppe auf und davon macht.

Mehr Infos zu Christian Hoverath: https://www.die-sportpsychologen.de/christian-hoverath/

Ärger hat auch die Funktion, dass wir dem Bild von uns besser entsprechen. Jemand, der wütend ist, möchte vielmehr als aufgeregt und handelnd wahrgenommen werden als ängstlich oder apathisch. Für Sportler gilt dies umso mehr, denn erstgenannte Attribute werden mit Stärke und Macht in Verbindung gebracht. Somit wird er eher zu Handlungen neigen, die Kraft kosten und in seinen Augen dem Kontrahenten schaden könnten. Dass diese Energie später fehlen kann, ist dem Sportler zu diesem Zeitpunkt aufgrund der kognitiven Reaktion nicht wichtig bis herzlich egal. Dabei ist der bekannte Ausspruch „Besinne dich auf deine Stärken“ oder auch „Der Klügere gibt nach“ mehr als nur eine Binsenweisheit. Ist es doch viel wichtiger in einen unaufgeregten Zustand zu kommen und dementsprechend handeln zu können.

Vorher Antworten zurechtlegen

Was hat dies nun für Konsequenzen? Zum einen geht es um die Steuerung der Gedanken.  Ursache für den Ärger und die damit aufkochende Stimmung ist häufig nicht unbedingt der Schlag selbst, sondern der Gedanke, dass der Kontakt mit Absicht erfolgte. Hier kann sich der Athlet klar machen, dass dem mit großer Wahrscheinlichkeit nicht so war. Wie oft haben wir selbst im Gedränge nach dem Start schon einen anderen Schwimmer körperlich erwischt, ohne dass es Absicht war? Und haben nicht alle das Ziel, schnell nach vorn zu kommen und sich eine gute Position zu erschwimmen? Kann es im Startbereich nicht auch einfach passieren? Finden Sie am besten im Vorfeld ihre Antworten, die Sie dabei unterstützen, sich wieder auf ihren Rhythmus und ihr Ziel zu fokussieren. Denn, egal ob Sie ein unfaires Verhalten beim Schwimmen, Radfahren oder Laufen wahrnehmen: Sie können an sich etwas verändern, den Gegner jedoch nicht. Also warum Gedanken und Kraft an ihn verschwenden? 

Zudem möchte ich wieder einmal nahelegen, wie wichtig funktionierende Selbstgespräche in schwierigen Situationen sind. Auch die oben beschriebenen Gedankengänge sind Selbstgespräche. Leider sind es nur nicht die positiven, die Sie dabei unterstützen, sich auf den Wettkampf zu konzentrieren. Im Fokus steht stattdessen dann der Zweikampf. Überlegen Sie sich am besten im Vorfeld schon, was Sie in diesen Situationen von Ihrem Trainer oder engsten Trainingskollegen hören möchten? Worauf sollen Sie sich konzentrieren? Wie sollen Sie mit der Situation umgehen? Was ist für ihr Wettkampfziel hilfreich? 

#Selbstgespräche

Schau dir die Texte an, die verschiedene Profilinhaber von Die Sportpsychologen zum Thema Selbstgespräche geschrieben haben.

Link: https://www.die-sportpsychologen.de/?s=selbstgespräch

Die optimale Leistungsfähigkeit

Natürlich ist es für Momente, die einen aufbringen und über die Zone der optimalen Leistungsfähigkeit hinausschießen lassen, gut, funktionierende Entspannungsmethoden zu besitzen, um sich wieder herunter regulieren zu können. Diese helfen zudem, Abstand zu nehmen und sich nicht im Ärger zu verfangen. Nur mit einem klaren Kopf hat man seine eigentlichen Ziele und die dafür nötigen Handlungen wieder fest im Blick! 

Hierzu empfehle ich: https://www.die-sportpsychologen.de/2016/08/22/thorsten-loch-was-alle-von-usain-bolt-lernen-koennen/

Ein bisschen aufwändiger, dennoch sehr erfolgversprechend, ist es, nach Trainingseinheiten und Wettkämpfen Situationen zu notieren, in denen man sich geärgert hat und wütend wurde. Daraufhin überlegt man sich, wie man reagiert hat und wie hilfreich diese Reaktion war. Anschließend findet man noch alternative Handlungsstrategien, um sein Verhaltensrepertoire und damit seine Antwort beim nächsten Mal besser steuern zu können. So lässt sich auch die Wahrnehmung von Wut trainieren. In der Folge können vorher eingeübte Strategien und Selbstgespräche perfekt eingesetzt werden. Vor dem Spaßvogel im Ziel zu sein, ist doch im Endeffekt viel wichtiger.

Tipp

Achten Sie auf Ihre Emotionen! Für Schwimmer ist zum Beispiel bekannt, dass die Stimmung einen direkten Einfluss auf ihre Wettkampfergebnisse hat und negative Stimmung mit schlechten Ergebnissen zusammenhängt (Samelko et al., 2018). Seien Sie erfolgreich, nicht verärgert! Denn am Ende möchten Sie sich doch über Ihr Ergebnis freuen, nicht ärgern.

Mehr zum Thema:

Literatur:

Novacho, R. (1976). The function and regulation of the arousal of anger. American Journal of Psychiatry, 133(10), 1124-1128.

Samełko, A., Guszkowska, M., & Gala-Kwiatkowska, A. (2018). Affective States Influence Sport Performance in Swimming. Polish Journal of Sport and Tourism, 25(4), 21-26. 

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