Johanna Constantini: „In den Schlaf digitalisieren“ und Höchstleistungen erbringen? Sportpsychologie in der digitalen Moderne

So wichtig ist er und so wenig Beachtung erfährt er oftmals im Trubel des sportlichen Alltags: Der Schlaf! Im Zeitalter digitaler Medien, in dem das Smartphone als „Betthupferl“ (wie man in Österreich sagen würde) dient und die letzten Trainingstermine vereinbart werden, nachdem das Licht bereits abgeschaltet wurde, spielt der Schlaf auch im Sport eine immer wichtigere Rolle. Denn wie sollen Höchstleistungen erbracht werden können, wenn die Batterien nachts nur halb voll geladen werden? Schlaf dient als wichtige Energiequelle und hängt bei Vernachlässigung mit der Entwicklung von Lern- und Konzentrationsschwächen zusammen. Neben körperlichen Leistungseinbußen gehen auch schwerwiegendere psychische Erkrankungen oftmals mit einem Mangel an Schlaf einher.

Nur mal so: Durchschnittlich sollten erwachsene Menschen acht Stunden pro Nacht schlafen. Um ausgeruht aufzuwachen, braucht es jedoch mehr als sich einfach irgendwann abends ins Bett fallen zu lassen…

Zum Thema: Schlaf und digitale Medien

Johannas Beitrag zum Hören:

Untersuchungen mit dem Facebook Addiction Scale zeigten einen positiven Zusammenhang zwischen der abendlichen Nutzung von dem sozialen Netzwerk Facebook und Schlafstörungen (Spitzer, 2017). Dass die am Bildschirm verbrachte Zeit generell mit Einbußen in Hinblick auf Konzentration und Aufmerksamkeit zusammenhängt, weiß man bereits seit längerem aus aktuellen Forschungsergebnissen.

Im Sport sind nicht nur die Trainings- sondern vor allem die Regenerationsphasen von großer Bedeutung. Diese Regeneration beschränkt sich weder auf einen trainingsfreien Tag, noch hört sie nach Anbruch der Dunkelheit einfach auf. Ganz im Gegenteil: Unter Beachtung einer analogen Schlafhygiene kann die sportliche Regeneration durch erholsamen Schlaf sogar noch gesteigert werden. Schlaf sollte damit als Teil der sportlichen Regeneration verstanden werden.

Mehr Infos zu Johanna Constantini: https://www.die-sportpsychologen.de/johannaconstantini/

Analoge Schlafhygiene fördern

Aus sportpsychologischer Sicht ist es unter Beachtung der bisherigen Schlafforschung besonders wichtig, analoges Schlafverhalten zu fördern. SportlerInnen nach ihren Schlafritualen, möglichen digitalen Geräten im und am Nachttisch und nächtlichen Telefongesprächen zu fragen, macht bereits vor dem Aufkommen erster Leistungseinbußen Sinn. Diese sind nämlich vorprogrammiert, sofern sich AthletInnen über einen längeren Zeitraum „in den Schlaf digitalisieren“.

Wer beispielsweise abends noch mit den virtuellen Freunden via Facebook und Co. kommuniziert, der spielt seinem Körper eine gänzlich falsche Welt vor. Nachdem die vermeintlich zwischenmenschliche Kommunikation normalerweise im Tageslicht stattfindet, verschiebt sich bei AthletInnen, die ständig abends chatten, auch nach und nach der zirkadiane oder sogenannte Tag-Nacht-Rhythmus. Nicht genug damit, können dadurch vermehrt Tagesmüdigkeit und entsprechende Verstimmungen bei den Betroffenen auftreten.

Besser schlafen, besser leisten

Wem sein Sport und die dabei möglichen Erfolge wichtig sind, der sollte nicht nur auf regelmäßiges Training, gesunde und ausgewogene Ernährung, ein zielgerichtetes Management und vieles mehr achten. SportlerInnen mit klaren Zielen tun gut daran, auch und vor allem ihre Schlafhygiene im Blick zu behalten. Sportpsychologen der digitalen Moderne sollten ihre AthletInnen darin bestärken, analoge Schlafrituale fordern, um die Gesundheit und die sportlichen Erfolge ihrer Schützlinge auch langfristig zu fördern.

Mehr zum Thema:

Quellen:

Spitzer, M. 2017. Cyberkrank. Wie das digitalisierte Leben unsere Gesundheit ruiniert. Droemer Verlag. Taschenbuch

Einfach-gesund-schlafen.com

Print Friendly, PDF & Email

Aufrufe: 288