Johanna Constantini: Kommunikation über soziale Medien – welche Auswirkungen hat die Interaktion der Fans auf Athleten?

Was motiviert Fans dazu, über soziale Medien zu kommunizieren? Welche Komponenten müssen erfüllt sein, damit sich Sportbegeisterte über soziale Medien austauschen? Welche Rolle spielen Athleten und ihr “digitales Auftreten” dabei und was sind die Auswirkungen auf deren Leistungen?

Zum Thema: Die Motivation der Fans verstehen um über soziale Medien mit ihnen interagieren zu können(Aus der Reihe: Was moderne Sportpsychologen über soziale Medien wissen sollten – Teil 5)

Das gleichnamige Paper zu diesem Thema stammt von Constantino Stavros, Matthew D. Meng, Kate Westberg und Francis Farrelly und wurde 2014 unter dem Originaltitel “Understanding fan motivation for interacting on social media” im Sport Management Review 17 (2014) veröffentlicht.

Was bringt Fans also dazu, über Facebook Seiten und ähnliches mit “ihren” Athleten zu kommunizieren?

Motive, weshalb Fans kommunizieren

Rund 40.000 Facebook-Kommentare auf den Fan-Seiten der Teams von Amerikas Basketballliga NBA wurden dafür von den Autoren analysiert. Am Ende ließen sich vier Motive ableiten, weshalb Fans virtuell kommunizieren. Diese möchte ich aufgreifen, um gleichzeitig auf die dazugehörige Aufgabe in der sportpsychologischen Betreuung Bezug zu nehmen.

Als zentrale Motive, weshalb Fans über die Facebook Seiten ihrer Lieblingsmannschaft interagieren,konnten Leidenschaft, Hoffnung, Selbstvertrauen und Kameradschaft identifiziert werden.

Zuerst kommt die Leidenschaft

So wie ein Sportler die Leidenschaft zu seinem Sport verspürt, so durchlebt auch der Fan mit, wenn Siege und Niederlagen passieren. Zwar nur virtuell, dennoch aber für viele Athleten in Echtzeit spürbar. Moderne Kommunikationskanäle machen nämlich vor allem das gegenseitige Erleben von Freude & Enttäuschung möglich.

Zur Sportpsychologie: Nicht nur der Fan kann dem Athleten folgen, sondern auch der Athlet nimmt dank sozialer Medien an den unmittelbaren Gemütszuständen seiner Fans teil. Die wiederum meist von seiner eigenen Leistung abhängen. Grund genug, die Einflüsse sozialer Medien auf das Leben der Sportler im Auge zu behalten und auch den dadurch entstehenden Druck nicht zu unterschätzen.

Hoffnung auf eine gute Saison

Fan-Postings, die zur Kategorie Hoffnung gezählt werden können, wurden laut der vorliegenden Untersuchung meist vor dem Start der Saison von den Fans verfasst. Oft auch mit dem Motiv, die Kommunikation anderer Fans anzuregen.

Zur Sportpsychologie: Können sich Athleten noch vor dem Start in die Saison über ihre Fans motivieren? Gezielt und bewusst eingesetzt kann die Bestätigung und der Zuspruch über soziale Medien helfen, Sportler zu pushen.

Selbstvertrauen ist nicht nur für Sportler Thema

Vor allem um ihr eigenes Wissen zu demonstrieren, interagieren Fans nach der Kategorie Selbstvertrauen über soziale Medien (Cialdini & Richardson, 1980). Auch negative und abwertende Kommentare gegen die Athleten selbst lassen sich zu dieser Rubrik zählen. Ist es schließlich der Selbstwert, der über die Abwertung anderer gehoben wird. Unter dem Deckmantel der sozialen Medien fällt diese Kritik im übrigen nochmal leichter. (Qualman, E., 2010). Gegenüber den in der realen Welt “unantastbaren” Spitzensportlern ist sie virtuell gar erst möglich.

Zur Sportpsychologie: Ganz zum Leidwesen der Athleten, deren Verletzbarkeit über die “digitale Barriere” oftmals gar nicht eingeschränkt ist, haben Sportler häufig mit diversen Unmutsäußerungen zu tun. Angriffe von Fans auf ihre einstigen Vorbilder über soziale Medien passieren allzu oft und sollten auch in der sportpsychologischen Betreuung unbedingt Beachtung finden.

Kameradschaft für Fan und Sportler:

Kameradschaft kristallisierte sich als vierter Faktor heraus, der hilft die Interaktion von Fans in sozialen Medien zu verstehen. Dabei geht es um das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, das sich in diesem Kontext auch in der Fan-Fan-Kommunikation über soziale Medien zeigt.

Zur Sportpsychologie: Athleten sollten ihre (virtuellen) Fans als Netzwerk verstehen, dass sie auffängt und unterstützt. Auf welche realen Kameraden sich die Sportler wirklich verlassen können, sollte in der sportpsychologischen (Ressourcen-)Arbeit dennoch an erster Stelle stehen.

Mein Fazit:

Spannend, welche Motive Fans haben, um mit ihren sportlichen Vorbildern virtuell zu interagieren. Noch spannender, was diese unmittelbare Form der Kommunikation für die sportpsychologische Betreuung bedeutet. Denn, dass auch Athleten online gehen und mit jedem einzelnen Motiv ihrer Fans konfrontiert sind darf am Ende nicht übersehen, sondern muss in die sportpsychologische Arbeit eingebunden werden.

Mehr zum Thema:

https://www.die-sportpsychologen.de/2018/05/16/johanna-constantini-warum-die-bedeutung-der-intrinsischen-motivation-in-der-digitalen-welt-steigt/

http://www.die-sportpsychologen.de/2018/03/14/johanna-constantini-instant-messaging-als-stressfaktor/

http://www.die-sportpsychologen.de/2018/02/23/johanna-constantini-was-moderne-sportpsychologen-ueber-soziale-medien-wissen-sollten/

http://www.die-sportpsychologen.de/2018/02/08/johanna-constantini-chancen-und-risiken-sozialer-medien-fuer-die-moderne-sportpsychologie/

Quellen:

Constantino S., Meng, M., Westberg, K. & Farrelly, F. (2014) Understanding fan motivation for interacting on social media. Sport Management Review, 17, 455–469

Cialdini, R., & Richardson, K. (1980). Two indirect tactics of image management: Basking and blasting. Journal of Personality and Social Psychology, 39(3), 406–415.

Qualman, E. (2010). Socialnomics: How social media transforms the way we live and do business. Hoboken, NJ: John Wiley and Sons

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