Johanna Constantini: “Ich poste, also bin ich” – Skype und Social Media in der modernen Sportpsychologie

Johanna Constantini
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Digitale Betreuung – das klingt erst mal weit weg vom Menschen und vor allem unpersönlich. Jedenfalls nach Eigenschaften, wie sie in der Begleitung von AthletInnen nicht zu finden sein sollten. Doch bei aller Vorsicht, die im Umgang mit sozialen und digitalen Medien geboten ist, bieten die modernen Kommunikationskanäle auch viel Gutes. Zwei Vorteile möchte ich in meinem heutigen fünften Teil der Serie „Was moderne Sportpsychologen von sozialen Medien wissen sollten“ anführen. 

Zum Thema: Vom Nutzen sozialer Medien und der digitalen Betreuung von AthletInnen (Aus der Reihe: Was moderne Sportpsychologen über soziale Medien wissen sollten – Teil 5)

WettkampfsportlerInnen sind ständig unterwegs. Während der Saison reisen sie meist von einem Wettkampf zum nächsten. Viel Zeit bleibt dazwischen nicht. Das körperliche Training steht dabei in den meisten Sportarten nach wie vor an erster Stelle. Von der Möglichkeit, einen eigenen Sportpsychologen mit auf die Wettkämpfe zu nehmen können viele AthletInnen nur träumen. 

Der 2003 gegründete Instant-Messaging-Dienst Skype bietet daher Abhilfe. Richtig genutzt ermöglicht er Video-Konversationen mit AthletInnen über weite Strecken. Auch ich selbst habe nicht immer die Möglichkeit, meine SportlerInnen direkt begleiten zu können. Gerne vereinbare ich daher Skype Konversationen, um dennoch – sozusagen fast hautnah – von ihren Befindlichkeiten und Gedanken während ihrer Wettkampfzeit zu erfahren.

Wichtig dabei: Skype Gespräche sollten nur dann stattfinden, wenn auch die regelmäßige, persönliche Betreuung gewährleistet werden kann!

Follow me – wie wir unsere Beratung auch durch digitale Verhaltensbeobachtung optimieren können! 

Begleiten können wir unsere SportlerInnen ebenfalls digital. Und zwar nicht nur über die unter Punkt eins angesprochenen Kommunikationsmöglichkeiten wie Instant-Messaging-Dienste (Skype, Whatsapp, etc.), sondern indem wir ihnen einfach in ihre eigene Social Media Welt folgen. Einerseits, um sie durch Likes zu bestärken (das macht man heute nämlich so), andererseits um unsere Beratung zu optimieren. Die „digitale Verhaltensbeobachtung“ ist deshalb so wichtig, weil sich die AthletInnen zunehmend mit ihrem „sozial, medialen Ich“ identifizieren. 

Schon 1986 schrieben Henri Tajfel und John C. Turnier in ihrer „Theorie der sozialen Identität“ davon, dass Menschen ihr Selbstkonzept von der Mitgliedschaft in sozialen Gruppen und deren emotionaler Bedeutung abhängig machen. Diese sozialen Gruppen finden unsere SportlerInnen heute in den sozialen Medien wieder. Eben dort, wo sich Menschen zunehmend häufiger aufhalten, als in der realen Welt. (Wallsten, S. 2015)

Virtuelle Resonanz wird wichtiger

„Ich poste, also bin ich“, könnte man das Phänomen in Abwandlung an René Descartes Ausspruch „cogito ergo sum“ etwas ironisch formulieren. Die virtuelle Resonanz wird für unsere AthletInnen immens wichtig, spielt sich doch auch vieles in eben dieser digitalen Welt ab. Wie und was posten unsere AthletInnen? Wie stellen sie sich digital dar? Was beschäftigt sie in der virtuellen Wirklichkeit?  

Als Sportpsychologen haben wir heute zumindest die Möglichkeit, unseren SportlerInnen digital überall hin zu folgen, um ihr (online) Verhalten zu ergründen und sie – natürlich offline – in ihrem Selbstkonzept zu stärken! 

Literatur

  1. Tajfel, J. C. Turner: The social identity theory of intergroup behavior. In: S. Worchel, W. G. Austin (Hrsg.): Psychology of intergroup relations. Nelson-Hall, Chicago, IL 1986, S. 7–24.
  2. Wallsten: What Are We Not Doing When We Are Online?. Economic Analysis of the Digital Economy, Goldfarb, Greenstein, and Tucker. 2015

Mehr zum Thema:

Prof. Dr. Oliver Stoll: Athleten online beraten?
Carolina Werner: “Ich hätte öfter Kontakt suchen müssen”

Die komplette Serie:

Johanna Constantini: Kommunikation über soziale Medien – welche Auswirkungen hat die Interaktion der Fans auf Athleten?
Johanna Constantini: Warum die Bedeutung der intrinsischen Motivation in der digitalen Welt steigt
Johanna Constantini: Instant Messaging als Stressfaktor!
Johanna Constantini: Was moderne Sportpsychologen über soziale Medien wissen sollten
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