Johanna Constantini: Likes und die positive Psychologie

Nicht allzu lange ist es her, da hat sich die Psychologie noch ausschließlich mit dem Aufdecken und Diagnostizieren von Krankheiten aufgehalten. Sie war eine Wissenschaft mit „pathogenem Fokus“ sozusagen… Nicht zuletzt Martin P. Seligman, dem ehemaligen Präsidenten der American Psychological Association (APA), ist es zu verdanken, dass dieser Blick nach und nach auf das Positive und gesund machende im Menschen gerichtet wurde. Davon profitiert heute auch der Bereich der Sportpsychologie. Diese zählt nämlich zu den Disziplinen „positiver Psychologie“, die sich vermehrt auf Schutzfaktoren und Stärken von Menschen konzentrieren. Der „salutogenetische Fokus“ (nach Antonovsky, 1979) liegt damit auf gesunden Aspekten einer Person, um diese präventiv vor möglichen Erkrankungen schützen zu können. Präventive Arbeit dient auch in der Sportpsychologie dazu, die psychische und physische Gesundheit von AthletInnen vor allem während sportlicher Belastungen zu erhalten.

Der Beitrag von Johanna Constantini für die Ohren:

Zum Thema: Like or dislike? Positive Psychologie und digitale Medien!

Auch im Umgang mit den digitalen Medien sollte auf Prävention vor Überlastung, Suchtentwicklung und Einbrüchen im Selbstwert geachtet werden. Mit seinen Erkenntnissen ergründete Martin P. Seligman nicht nur die positive Psychologie, seine Ansätze lassen sind auch knapp vier Jahrzehnte auf den Umgang mit digitalen Medien beziehen:

In Hinblick auf positiv verstärkende – also gesund erhaltende Erfahrungen –  unterscheidet der Psychologe seit jeher zwischen Belohnungen und Vergnügungen. Belohnungen differenzieren sich dabei von Vergnügungen, in dem ihnen stets eine Handlung vorausgehen muss, um ein beglückendes Gefühl auslösen zu können. Belohnungen halten damit langfristig und dienen der Bestärkung des eigenen Selbstwerts. Zudem fördern sie die intrinsische Motivation. Wer im Sport hart trainiert, wird später für dieses Training mit den entsprechenden Glücksgefühlen belohnt. Ob durch Wertschätzung von Seiten des Trainers, oder durch den Ruhm, im Wettkampf triumphieren zu können. Unter Vergnügungen versteht Seligman wiederum das kurzweilig anhaltende Gefühl von Freude durch einen Impuls, dem keine eigene Handlung vorangeht.

Mehr Infos zu Johanna Constantini: https://www.die-sportpsychologen.de/johannaconstantini/

Belohnung und Vergnügung im Zeitalter der digitalen Moderne

Was das mit digitalen Medien zu tun hat? Nun, Vergnügungen, denen keine Handlungen vorausgehen, stehen im Zeitalter der digitalen Moderne ganz oben auf dem Tagesplan. Morgens erst Facebook checken, auf den ein oder anderen Instagram-Post reagieren und fast schon inflationär den zehnten „Like“ des noch jungen Tages in diversen Social Media Kanälen verteilen oder bekommen. Vergnügung über Vergnügung, ohne eigentlich etwas dafür getan zu haben. Die vielen aneinandergereihten digitalen Vergnügungen bewirken gar das Gegenteil: Sie erhöhen einerseits die Suchtkomponente, um in sozialen Medien zu verharren UND verhindern damit, dass Belohnungen durch aktive Handlungen erfahren werden können.

Glück fördern in der Praxis des Sports

Was bedeutet Seligmans Theorie in der Praxis des Sports? Als Sportpsychologen tun wir gut daran, unseren AthletInnen die Bedeutung von langfristigen positiven Gefühlen, die durch Belohnungserlebnisse erst möglich gemacht werden können, näherzubringen. Zudem sollten wir auch über kurzweilige Vergnügungen aufklären, wie sie durch soziale Medien erfahren werden können. Und genauso schnell wieder schwinden.

Langfristiges Glücksempfinden wird nachweislich durch Belohnungen gestärkt. Durch Handlungen, die uns den berühmten Flow verspüren lassen und durch die achtsame Auseinandersetzung mit genau jenen Handlungen. Meine Kollegen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Johanna Constantini) helfen gern, wenn ich hiermit Interesse wecken konnte.

Mehr zum Thema:

Quellen:

Antonovsky, A. (1979): Health, stress and coping: New perspectives on mental and physical well-being. San Francisco: Jossey Bass.

Seligman, M. 2005. Der Glücks-Faktor: Warum Optimisten länger leben.  Bastei Lübbe (Bastei Lübbe Taschenbuch)

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