Johanna Constantini: Soziale Medien im Sport – Chance oder Risiko?

Im Rahmen der 51. Tagung der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie in Halle durfte ich einen Vortrag zu „meinem“, nämlich dem Thema des Umgangs mit digitalen & sozialen Medien in der modernen Sportpsychologie halten. Die Leitfrage: Bieten uns soziale Medien allerhand Chancen oder stellen sie ein zu hohes Risiko in der Arbeit mit Athleten dar?

Johanna Constantinis Beitrag zum Hören

Zum Thema: Was moderne Sportpsychologen von sozialen Medien wissen sollten

Mehr Infos zu Johanna Constantini: https://www.die-sportpsychologen.de/johannaconstantini/

Eines sei vorweg genommen: So ganz schwarz oder weiß kann diese Frage wohl kaum beantwortet werden. Dies rührt unter anderem daher, dass wir als Anwender nach wie vor zu den Early Adopter der neuen Technologien gehören (Spitzer, 2017). Dieser Begriff beschreibt eine Generation, die mit technologischen Neuerungen aufwächst bzw. in deren Anwendung „hineinwächst“. Chancen und/oder Risiken können dabei (noch) nicht adäquat abgeschätzt werden. Dies liegt zum einen an der fehlenden Erfahrung und zum anderen an nur wenigen Untersuchungsergebnissen, die es bisher zum Langzeitgebrauch sozialer Medien gibt.

So manche Studie existiert jedoch bereits, um den eigenen Gebrauch und den der Athleten grob einordnen zu können. In meinem aktuellen Blog zum Thema möchte ich diese Untersuchungen, die auch Teil meines Vortrags waren, nochmals anhand drei wichtiger Themen verdeutlichen.

  • Vom Vergleich in sozialen Medien
  • Eine Frage der Generationen – wer postet, wie ich bin?
  • Impulse kontrollieren und Selbstwirksamkeit erhöhen

Vom Vergleich in sozialen Medien

Es ist beispielsweise belegt, dass User in sozialen Medien zur sogenannten Upward Social Comparison neigen. Diese äußert sich darin, dass sich die Nutzer der modernen Medien eher mit jenen vergleichen, die sich vermeintlich „besser“ darstellen, als sie sich selbst fühlen. Im Zuge dessen kommt es bei jenen, die sich vergleichen zu einem Phänomen, dass sich pluralistische Ignoranz nennt.(Chou & Edge, 2012)

Darunter versteht man, dass Menschen sich ihre eigenen Stärken im Prozess des Vergleichs wenig bis gar nicht verdeutlichen können. Über den fast unvermeidlichen Vergleich in sozialen Medien – sei es mit dem unmittelbaren Konkurrenten, der gegnerisches Mannschaft oder dem eigenen Teamkollegen – steigt demnach das Risiko für die Abwertung des eigenen Selbstwerts. Und was dies für den Sportler selbst bedeutet, sollten Sportpsychologen bestens wissen…

Eine Frage der Generationen – wer postet, wie ich bin?

Die Generationenfrage wird sehr gerne als Vorwand verwendet, um „die Jungen mit ihren Handys“ anzuklagen. Doch weiß man um die durchschnittliche Online-Präsenz Neugeborener – die liegt nämlich bei rund sechs Monaten – so wird schnell klar, wer hier wen postet. (Stamoulis, 2011) Es sind auch nicht mehr nur „diese Jungen“, die sich auf Facebook tummeln und ihre Nachrichten aus den Social Media Kanälen ziehen. Es sind immer ältere Generationen, denen die Nutzung sozialer Medien – und dies sei generell nie ausgeschlossen – zum Teil auch förderlich ist! Nämlich um dazuzugehören, sich mit den jüngeren Generationen austauschen zu können und mit der Zeit zu gehen.

Auch in Sportvereinen wird oftmals von verschiedenen Seiten gepostet und geteilt. Daher ist es vor allem innerhalb von Teams wichtig, die Regeln für die Online-Präsenz genau zu klären. Wann wird gepostet? Wer postet? Was darf berichtet werden? Wo bleiben die Handys auch gerne mal aus?

Auch in Bezug auf diesen Punkt ist es nicht das allgemeine Verbot, das zur Handynutzung vorherrschen sollte. Vielmehr sind es Strategien, die als Teil der modernen Sportpsychologie genauso erarbeitet werden müssen, wie alltägliche Wettkampfroutinen.

Impulse kontrollieren und Selbstwirksamkeit erhöhen

Für Sportler ist vor allem das Wissen um ihre eigenen Kompetenzen wichtig. Daher gilt es im Zeitalter der digitalen Moderne mehr als je zuvor, die vermeintlich unkontrollierten Impulse besser zu kontrollieren zu lernen. „Wann und wie greife ich zum Handy?“, „Wann dient es mir womöglich als „Schutzschild vor der Außenwelt?“ (Diefenbach & Ullrich, 2014) „Wann sollte ich lernen, es auch mal wegzulegen?“ „Wie gehe ich unmittelbar vor dem Wettkampfstart am besten damit um?“

Fragen über Fragen, die moderne Sportpsychologen im Sinne der Impulskontrolle – und an dieser Stelle sei gesagt, dass sich die Smartphone Sucht bis heute hauptsächlich als „Impulskontrollstörung“ (ICD – 10, 2019) klassifizieren lässt – lernen sollten zu stellen.

Mehr Interesse am Thema? Johanna Constantini hat bereits zahlreiche Texte verfasst – hier eine kleine Übersicht:

Quellen:

Chou, H.-T. G., & Edge, N. (2012). “They are happier and having better lives than I am”: The impact of using Facebook on perceptions of others’ lives. CyberPsy- chology, Behavior & Social Networking, 15, 117–121
ICD – 10, 2019

Spitzer, M. 2017. Cyberkrank. Wie das digitalisierte Leben unsere Gesundheit ruiniert. Droemer Taschenbuch. Deutschland

Stamoulis, K. (2011). The digital lives of babies. The Amplifier. Spring/Summer 2011, 4-5

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