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Romy Beer: Fünfmal ins Schwarze für 50 EUR

Wann ist Sportpsychologie eigentlich erfolgreich? Natürlich vor allem dann, wenn auf der einen Seite die Offenheit und die Überzeugung für die Disziplin da ist. Auf der anderen Seite, wenn die fachliche Qualität vorhanden ist und die SportpsychologInnen die „Sprache“ der AthletInnen sprechen und verstehen. Richtig Spaß macht es dann, wenn die Beziehung zwischen SportlerIn und SportpsychlogIn stimmt.

Zum Thema: Aufmerksamkeitsregulation im Leistungssport

„50 Euro, wenn du alle triffst!“ Prof. Dr. Oliver Stoll wird das Gesicht von Romy Beer nie vergessen. Der deutschen Biathletin sind quasi die Augen rausgefallen, als sie verstanden hat, dass ihr dieser Sportpsychologe, den sie eigentlich bezahlt, gerade Geld angeboten hat. Die Athletin und der Experte für die mentale Leistungsfähigkeit hatten zu diesem Zeitpunkt schon intensive Wochen hinter sich. Die Zusammenarbeit hatte sich mehr oder minder durch Zufall ergeben. Sie kam der IBU- und Weltcup-Athletin aber sehr recht, da sie am Schießstand immer wieder in Fehlermuster verfiel. Einfach zu viel nachdachte.

Stolls 50 Euro-Trick sollte Beer nur den Unterschied aufzeigen, der sich einstellt, wenn sie eine Situation als Bedrohung oder Herausforderung begreift. Nur so viel: Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Ob die Biathletin die 50 Euro am Ende aber bekommen hat, verraten beide in dem folgenden Interview. Ein Gespräch, welches neben der schönen Geschichte von damals vor allem eines deutlich macht: Wie wichtig die Beziehung zwischen SportpsychologInnen und ihren AthletInnen ist. Noch heute verbindet beide eine Art Freundschaft. Dies wird im Video deutlich und ging sogar so weit, dass wir einzelne Passagen herausgeschnitten haben, weil die besprochenen Details uns nicht zu interessieren haben. Der verbliebene Rest lohnt aber in jedem Fall, um sportpsychologisches Denken und Arbeiten besser zu verstehen:

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Weitere Informationen
Das Interview mit Romy Beer gehört zum kostenlosen Zusatzmaterial unseres Online-Coaching „Abliefern, wenn es darauf ankommt“

Der Zusammenhang zwischen Körper und Geist

Im Rahmen unseres Online-Coachingsprogramms „Abliefern, wenn es darauf ankommt“ haben wir nicht ohne Grund auf Romy Beer und ihre Paradedisziplin Biathlon zurückgegriffen. Denn wie kaum eine andere Wintersportart macht der Mix aus Langlauf und Sportschießen zwischen November und März einem Millionenpublikum im TV deutlich, dass Leistung sowohl auf körperlicher als auch mentaler Ebene generiert wird. Doch wie genau das funktioniert, wissen nicht nur zu wenige Fernsehzuschauer sonder auch Sportler. Und genau hier setzen wir mit unserem Programm ja an: Wir zeigen Sportlern und Trainern, an welchen Schrauben sie drehen können und wie dies dann im Trainings- und Wettkampfalltag funktioniert.

Sichert euch, um das gesamte Online-Coachingprogramm mit Erklärungen, Anwendungshinweisen und Praxistipps zu nutzen, hier euren Zugang: https://www.die-sportpsychologen.de/2021/02/abliefern/

Abliefern, wenn es darauf ankommt

Innovatives Online-Coachingprogramm für Sportler, Vereine und Verbände:

Mehr zum Thema:

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Sebastian Ayernschmalz: Schwere Entscheidungen an potenzielle Kaderathlet:innen verkünden

Wie können Trainer:innen das Gespräch gestalten? Was sind Do’s and Dont’s? Welche Punkte können einfließen, um als Botschafter eine gutes Bild zu hinterlassen und unterstützend wirken zu können?

Interessiert?

Sebastian Ayernschmalz
Sebastian Ayernschmalz

Zielgruppe

Trainer

Veranstaltungsart:

Vortrag oder Workshop

Anfrage versenden:

    Zur Profilseite:

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    Daniel Winnewisser: Eigene Gedanken kontrollieren

    Was für (typische) Gedanken habe ich? Welche Gedanken helfen mir? Welche blockieren mich? Worauf will ich meine Gedanken lenken? Wie gehe ich mit negativen Gedanken um?

    Interessiert?

    Daniel Winnewisser
    Daniel Winnewisser

    Zielgruppe

    Sportler, Trainer

    Veranstaltungsart:

    Vortrag oder Workshop

    Anfrage versenden:

      Zur Profilseite:

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      Christian Schwarz: Warum Kinder die Sportvereine verlassen und wie Trainer und Eltern darauf reagieren können

      Der sportliche Lockdown dauert gefühlt schon eine Ewigkeit und die Kinder und Jugendlichen sehnen sich im März 2021 nach der Wiedereröffnung der Sportstätten! Seit geraumer Zeit verlieren viele Sportvereine massiv an Mitgliedern. Egal ob im Amateursport oder im Jugendbereich. Doch was sind die möglichen Gründe für die Abwanderungen? Ist es tatsächlich immer die fehlende Lust – oder gibt es womöglich noch andere Gründe, weshalb Vereine über den Abgang von Vereinsmitgliedern berichten? Vielleicht verlieren Kinder nicht die Lust am Sport, sondern sie haben aufgrund der aktuellen Situation gar keine andere Wahl! 

      Zum Thema: Hintergründe und Lösungsansätze für die Vereinsflucht von Kindern und Jugendlichen während der Corona-Pandemie

      Betrachten wir einmal die möglichen Motive, die mit den zahlreichen Vereinsaustritten in Verbindung stehen:

      1. Fehlende finanzielle Mittel:

      Vereine leben unter anderem von Mitgliedsbeiträgen. Doch was passiert, wenn diese beispielsweise nicht mehr bezahlt werden können? Nicht nur im Vereinsleben, sondern auch im Arbeitsleben hat sich seit Beginn der Pandemie einiges verändert. Viele befinden sich in Kurzarbeit und haben dadurch weniger Einkommen, andere haben sogar ihren Job verloren. Der Lockdown hat für viele Familien das tägliche Leben in vielerlei Hinsicht komplett über den Haufen geworfen. 

      Was passiert also, wenn die Lust der Kinder vorhanden, aber die finanziellen Mittel seitens der Eltern nicht mehr gegeben sind? Erstmal abmelden – dann schauen wir, wie es weitergeht. Möglicherweise in diesen Zeiten die einzige Lösung!

      1. Fehlende Angebote:

      Speziell in kleineren Vereinen erlebt man immer wieder, dass die Strukturen und gewohnten Abläufe der wöchentlichen Treffen verloren gehen. Physisch ist das derzeit natürlich nicht umsetzbar, doch in den Zeiten der Digitalisierung gibt es dennoch viele Möglichkeiten, sich zu treffen, sich zu sehen, miteinander zu kommunizieren, ja sogar gemeinsam Spaß zu haben! Doch oft fehlen diese Angebote, Kinder hören über Wochen und Monate nichts von ihren Trainern und somit rückt das gemeinsame Vereinsdasein in den Hintergrund. 

      1. Fehlende Strukturen und fehlende Ziele:

      Strukturen und geregelte Abläufe geben Sicherheit. Durch die fehlenden „Trainingsangebote“ gibt es plötzlich diese Routinen, diese fixen Punkte des Treffens nicht mehr. Man fühlt sich allein, unsicher, ohne konkrete Perspektive und ohne Ziel. Gerade in diesen Zeiten der propagierten Angst und Unsicherheit ist es für Kinder enorm wichtig, eine gewisse Sicherheit zu verspüren. „Ich bin nicht allein, andere sind in der gleichen Situation und gemeinsam machen wir das Beste daraus“. Auch die fehlenden Ziele führen zu Motivationsverlust. Wann trainieren wir wieder gemeinsam, wann gibt es wieder Spiele, Vergleiche, Wettkämpfe? All diese Dinge treiben die Jugendlichen Woche für Woche an.

      Generell, aber speziell im Sport ist es für die Motivation extrem wichtig, Ziele zu haben. 

      1. Fehlende soziale Kontakte:

      Gemeinsam ist es einfach lustiger, man kann sich messen, vergleichen und Spaß miteinander haben. Die Eigenmotivation reicht oft nicht aus, den „eigenen Schweinehund“ zu überwinden und in Bewegung zu kommen. Noch dazu gibt es genug Alternativen, um sich die Zeit zu vertreiben. Spielkonsolen, Online-Zocken, Fernsehen auf Abruf – jederzeit – immer und überall möglich! Die Komfortzone wird sukzessive größer und die Zone für Bewegung und des Sports immer kleiner! Viele nutzen das Online-Spielen als derzeit einzige Form des sozialen Kontaktes mit Freunden.

      1. Fehlendes Eigeninteresse am Sport oder an der Sportart:

      Möglicherweise nutzt der eine oder die andere auch die Chance, sich vom Lieblingssport der Eltern zu verabschieden. Wenn nicht jetzt – wann dann! Es kommt immer wieder vor, dass Kinder bei einem Verein sind, weil es die Idee oder der große Wunsch der Mutter oder des Vaters war. Es anzusprechen und zu sagen: „Papa, ich mag nicht mehr“, fällt einigen schwer, denn man will seine Eltern ja nicht enttäuschen. Doch jetzt gibt es die Möglichkeit – vielleicht handelt es sich ja nur um eine Pause, vielleicht aber auch nicht.

      1. Interesse an anderen Sportarten:

      Wie die vergangenen Monate gezeigt haben, gibt es auch immer wieder Situationen, in denen Kinder und Jugendliche „FÜR SICH“ eine neue Sportart entdeckt haben. Tourengehen, Trail-Run, Laufen, Radfahren, Mountainbiken. Sportarten, für die im vorherigen normalen Trainingsbetrieb im Verein keine Zeit war.

      Blickpunkt Erwachsene

      Was können also Vereine, Trainer und Eltern dazu beitragen, um die Kinder zum Bleiben bzw. zum späteren Wiedereintritt zu motivieren? Denn eines ist für mich ganz klar, die Verantwortung über Lust oder Unlust an Bewegung und Sport der Kinder liegt in den Händen der Erwachsenen!

      Vereine und Trainer:

      Bleiben sie aktiv in der Kommunikation mit den Kindern und Jugendlichen. Nicht nur ab und zu, wenn es Neuigkeiten gibt, sondern regelmäßig und das wöchentlich. Mit fixen Trainingszeiten und fixen Themen. Machen sie digitale Trainingspläne für die Kinder, speziell in den Bereichen Athletik und mentaler Fitness kann man über digitale Plattformen hervorragend arbeiten. 

      Schaffen sie Strukturen und geben sie den Kindern die Sicherheit, dass sie wichtig sind, für sie als Trainer und als Verein. Vermitteln sie ein Gefühl von Zusammengehörigkeit und Teamspirit. 

      Setzen sie Ziele und fordern diese auch ein. Teamziele und individuelle Ziele – beides ist auch digital möglich. Nutzen sie digitale Devices wie Fitnessarmbänder und Smartwatches oder einfach nur Handy-Apps, um diverse Challenges, Quizze und Wettkämpfe innerhalb des Teams zu veranstalten. 

      Wie so manches im Leben ist die Umsetzung dieser Möglichkeiten sehr stark vom Eigenengagement der Trainer und des Vereins abhängig!

      Eltern:

      Sollte es ihnen derzeit aus finanziellen Gründen nicht möglich sein, dass ihre Kinder im Verein bleiben können, dann geben sie ihnen Perspektiven, dass es wieder anders werden kann. Kommunizieren sie Termine, wann man sich wieder darüber unterhält und planen sie erste kleine Schritte. Bieten sie Alternativen an, die leicht umsetzbar sind und keine bzw. geringe Kosten verursachen.

      Sie als Eltern sind natürlich immer, aber speziell in Zeiten der sozialen Isolation die wichtigsten Ansprechpersonen in ALLEN Belangen. Nicht nur im System Familie, sondern auch in den Bereichen Freunde, Schule und natürlich auch Sport. Gehen sie mit gutem Beispiel voran, auch wenn es – zugegebenermaßen – nicht immer einfach ist! Schaffen sie die Strukturen, fordern sie das Training und die Bewegung regelmäßig ein, nehmen sie einmal pro Woche die Rolle des Trainers oder der Trainerin, der Freundin oder des Freundes ein. Begleiten sie ihre Kinder und machen sie gemeinsam Bewegung. Beurteilen sie nicht die Ergebnisse, sondern die Versuche und die Bemühungen, geben sie den Kindern ein Gefühl von Wertschätzung und Anerkennung. Vereinbaren sie ebenfalls Ziele und fordern sie diese auch ein. Nicht nur sportliche Ziele, sondern auch Ziele für das Zusammenleben und den Haushalt, verteilen sie Verantwortungsbereiche für die Erreichung der Ziele und arbeiten sie mit der Mittel der Belohnung. In der Motivationspsychologie geht man davon aus, dass diese extrinsischen Motivatoren zwar nur kurzfristig wirken, aber für einen Start in dieser neuen Situation oder für eine Überbrückungsphase, sind Dinge wie Lob und Belohnung sehr hilfreich und durchaus sinnvoll.

      Erfolge sichtbar machen

      Führen sie gemeinsam mit ihren Kindern ein Sport- und Bewegungstagebuch und visualisieren sie Erfolge. Erfolge geben Selbstvertrauen und Sicherheit und das steigert wiederum die intrinsische Motivation, die es langfristig braucht, um dabei zu bleiben. Achten sie auf die Zeiten vor den Konsolen, TV-Geräten oder Handys, diese sollten sich im Idealfall – gegenüber vor dem Lockdown – nicht wesentlich erhöhen. Sollte das doch so sein, gilt es zu überlegen, weshalb diese Lücken im Tagesablauf entstanden sind und wie man diese wieder anderweitig füllen kann.

      Sollte sich ihr Kind dazu entscheiden, den Verein verlassen zu wollen, akzeptieren sie diese Entscheidung, aber sprechen sie darüber! Über die Gründe und die Gedanken, womöglich über Sorgen oder Ängste! Zeigen sie Verständnis und kommunizieren sie klar die nächsten Schritte. Was wird ab nun anstelle dieser Zeit gemacht. Akzeptieren sie auch, wenn ein Kind die Sportart wechseln möchte, auch wenn es nicht ihre „Lieblingssport“ ist. Sprechen sie über mögliche Umsetzungsschritte, aber auch über mögliche Grenzen. Wenn ein Kind plötzlich Reiten möchte, dann hängt natürlich ein bisschen mehr dran, als nur ein neuer Helm.

      Unterstützung leisten und nutzen

      Schaffen sie Rahmenbedingungen, dass ihre Kinder die Lust an Bewegung und Sport nicht verlieren bzw. wieder gewinnen! Seien sie kreativ in den Umsetzungsmöglichkeiten, denn auch in Zeiten des Lockdowns ist einiges möglich. 

      Wenn wir das schaffen, dann werden viele wieder in die Vereine zurückkehren – vielleicht nicht immer in den gleichen – aber in einen Verein!

      Sollten sie Hilfe oder Unterstützung bei Themen wie: Trainingsmöglichkeiten über digitale Medien, Schaffung von Strukturen und Zielen, Motivation und Widerstand oder einfach nur eine Reflexion des Alltagsgeschehens benötigen, dann können sie eine(n) meiner Kollegen(innen) (zur Übersicht) oder mich (zum Profil von Christian Schwarz) gern kontaktieren.

      Mehr zum Thema:

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      Kathrin Seufert: Emotionen auf dem Platz steuern

      „Ein bisschen verkopft“ und das „Leistungsoptimum nicht erreicht“. Zitate, die von RB Leipzig-Cheftrainer Julian Nagelsmann im Anschluss an das Champions League-Aus gegen den Liverpool FC über seine Mannschaft überliefert sind. Wir können selbstverständlich nicht wissen, aufgrund welcher konkreten Handlungen er diese Aussagen tätigte. Aber wie können uns diesem extrem spannenden Thema zuwenden: Warum sind Emotionen im Spiel so wichtig und was können sie tatsächlich bewirken?

      Zum Thema: Emotionen im Fußball

      Wie sind Emotionen eigentlich definiert? „Emotionen beschreiben ein komplexes Muster körperlicher und mentaler Veränderungen in Reaktion auf eine auslösende Situation, die als persönlich bedeutsam wahrgenommen wird. Diese Veränderungen beinhalten physiologische Erregung, Gefühle, kognitive Prozesse, Ausdruck und Verhalten,“ erklären Furley und Laborde. 

      Emotionen lösen also etwas aus. Was genau, schauen wir uns mit Blick auf zentrale Stichwörter an:

      Motivation und Aufmerksamkeit

      Aufgrund der Tatsache, dass uns Emotionen häufig als Antreiber für unser Handeln dienen, kann man ihnen diesen motivationalen Charakter zuschreiben. Die Vorfreude auf das Pokalfinale kann beispielsweise dazu führen, dass die Motivation eines Einzelnen in der Trainingswoche vor dem Spiel steigt. Beeinflusst vom Wunsch, in der Startelf stehen zu wollen.

      Neben diesem motivationalen Effekt helfen uns Emotionen bei der Informationsverarbeitung. Die Filterfunktion zwischen relevanten und irrelevanten Informationen wird von unseren Emotionen unterstützt. Eine Eigenschaft, die beispielsweise im Fußball aufgrund der vielen Eindrücke und sich schnell verändernden Spielsituationen hilfreich sein kann.

      Kognition

      Neben der Fähigkeit der Aufmerksamkeitssteuerung können auch kognitive Prozesse, wie das Lernen, das Entscheiden, das Urteilen und die kreative Leistung von den eigenen Emotionen beeinflusst werden. Dabei schaffen wir es beispielsweise, uns besser an Situationen zu erinnern, wenn die aktuelle Stimmung mit der emotionalen Lage in der vergangenen Situation übereinstimmt.

      Soziale Funktionen

      Und natürlich hat unser Interagieren unter anderem auch Einfluss auf unsere Emotionen und wird manchmal sogar davon gelenkt. Das sogenannte EASY-Modell von Kleef (2009) zeigt dies wunderbar auf. EASY-Modell? Die Abkürzung steht für „Emotions As Social Information“. Die Autoren lassen sich auf die Frage nach dem Hintergrund wie folgt zitieren: „Emotion is not just a feeling. Emotion is for influence.“ (van Kleef et al. 2011, S. 154)

      Inhaltlich beschreibt das Modell zwei Mechanismen, wie der Einfluss von Emotionen und emotionalen Ausdrücken auf Dritte wirken kann. Zum einen über sogenannte schlussfolgernde Prozesse. Dies bedeutet, dass über die Emotionen, die jemand zeigt, Dritte für sich Informationen ableiten, um die eigene Reaktion anzupassen und eine bessere Situationseinschätzung vorzunehmen. Dazu ein Beispiel aus der Praxis: Ein Spieler kommt zehn Minuten zu spät zu einem vereinbarten Treffpunkt. Vor allem der Kapitän ist darüber sehr verärgert. Da der Spieler dies wahrnimmt, schlussfolgert er daraus, dass eine Entschuldigung für sein Verhalten angebracht ist.

      Affektive Prozesse

      Zum anderen beinhaltet das EASY-Modell den Mechanismus der sogenannten affektiven Prozesse. Affektiv bedeutet hier, dass die beobachteten Emotionen direkten Einfluss auf meine eigenen nehmen und daraus eine Reaktion resultiert. Diesen Mechanismus machen sich viele Comedysendungen zu Nutzen und spielen die „Lacher“ im Hintergrund schon ein. Man nennt dies auch emotionale Ansteckung.

      Die folgende Grafik zeigt dieses Modell noch mal in einem Schaubild. So erkennen die Mitspieler nach einem verwandelten Elfmeter bei dem Schützen Stolz. Diese Beobachtung kann sie positiv beeinflussen. Beim Gegner kann dagegen eine andere Emotion entstehen, die z.B. in Richtung Neid geht und entweder eine „Ich-will-auch-Stolz“-Haltung kreiert oder Frustration hervorruft.

      Abbildung aus Furley, P., & Laborde, S. (2020). : Schematische Darstellung des EASY-Modells im Sport. 

      Zurück in die Praxis

      Doch genug mit der Theorie. Wie können wir diese Informationen im Sport nutzen? Wie eingangs schon erwähnt, geht es bei den Emotionen einzelner Athleten um das ganz persönliche Wohlbefinden und die subjektive Wahrnehmung sowie deren Handhabung. 

      In einigen Artikeln auf unserer Seite haben wir das Modell des IZOF – individual zones of optimal function – erklärt. Hierbei geht es um die Zone eines Athleten, in dem er/sie die beste Leistung abrufen kann. Dies steht im Zusammenhang mit den Emotionen wie beispielsweise dem Erregungs- bzw. Aktivierungsniveau. Zu viel Stress, Nervosität und Angst verhindern ebenso wie zu wenig Anspannung oder eine zu große Lockerheit und Müdigkeit eine gute Leistungserbringung. 

      Persönliche Einschätzung

      Für mich ist es in der Arbeit mit Sportlern extrem wichtig, dass ein Athlet es schafft, seine Emotionen zu benennen. Vielen jungen Sportlern fällt es aber schwer, zu verbalisieren, was gerade in ihnen vorgeht. Helfen können hierbei zum Beispiel Emotionsmonster-Karten. Die Bilder zeigen verschiedene Kreaturen, die gewisse Gesichtsausdrücke zeigen. Sie können dazu beitragen, Emotionen ein Gesicht zu geben und somit Gefühle auszudrücken. 

      Neben der Benennung steht beim Sporttreiben die Regulation der Emotionen im Fokus. Es geht vor allem darum, sein persönliches Optimum zu erreichen. Hierbei kann es sowohl um Umgang mit Stress und Nervosität gehen, als auch darum, die Freude und den Spaß an der eigenen Sportart wiederzubeleben. 

      Zurück zum Nagelsmann-Beispiel

      Kommen wir auf die Ausgangssituation mit Julian Nagelsmann zurück. Es steht also noch die Frage im Raum, wie jeder einzelne Akteur auf dem Platz seine Emotionen steuern kann? Theoretisch kann dies mehrere Ursachen haben, die sich von Außen nicht seriös einschätzen lassen: Unter Umständen hat die Regulation der Emotionen in Richtung der persönlichen besten Zone nicht funktioniert. Ebenso könnte eine Emotion eines Mitspielers dazu geführt haben, dass affektiv reagiert wurde – etwa in der Form, ebenfalls besorgt zu sein, aufgrund des Spielstandes und dem drohenden Ausscheiden aus der Königsklasse.

      Um dies abwenden zu können und sein eigenes Niveau zu halten bzw. zu finden, ist sportpsychologisches Training notwendig. In diesem Training können ganz persönliche Anker oder Verfahren erlernt werden, um in die eigene optimale Zone zu kommen bzw. dort zu bleiben. So könnte beispielsweise bei hoher Anspannung und Nervosität ein Bild erarbeitet werden, welches in der visuellen Vorstellung über den Kontakt mit dem Vereinslogo auf der Brust erzeugt wird und Ruhe suggeriert, die sich positiv auf den Stress auswirkt.

      Individueller Zugang

      Diese Methoden sind aber eben höchst individuell, müssen im Try-and-error-Prinzip erprobt und dann immer wieder kontrolliert werden, ob Sie noch ihre Funktion haben. Ein Trainingsprozess, wie auch das Schießen vom Elfmeterpunkt.

      Eine Arbeit, die sich meiner Meinung nach aber lohnt. Probiert es aus! Bei Fragen oder dem Wunsch, Eure persönliche Emotionszone zu finden und zu regulieren, sprecht meine Kollegen (zur Übersicht) oder mich (zum Profil von Kathrin Seufert) gern an. Wir freuen uns drauf!

      Mehr zum Thema:

      Literatur:

      Furley, P., & Laborde, S. (2020). Emotionen im Sport. In Sportpsychologie (pp. 235-265). Springer, Berlin, Heidelberg.

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      Meret Keiser und Nicola Büttiker: Wer trainiert die TrainerInnen?

      Die Publikation der Magglingen Protokolle haben ein dunkles Licht auf den Schweizer Leistungssport geworfen (Christof Gertsch, 2020). Sie haben gezeigt, wie AthletInnen psychisch misshandelt wurden, um sie zu einer besseren Leistung zu bewegen. Dabei übte das ganze System des Leistungssports, mit dem Verlangen nach immer mehr Erfolg, einen starken Druck auf die TrainerInnen aus. Wir haben uns nun gefragt, welche Methoden toxisch für die TrainerInnen-AthletInnen Beziehung wirken und wie diese umgangen werden könnten?

      Gastbeitrag zum Thema: TrainerInnen-AthletInnen Beziehung 

      Dazu reden wir einerseits mit einer jungen Frau, deren Name der Redaktion bekannt ist aber in diesem Text nicht veröffentlicht wird, die zehn Jahre Leistungssport in der Rhythmischen Sportgymnastik betrieben hat. Zwischen 2013 bis 2015 trainierte sie in Magglingen. Andererseits blicken wir auf unsere eigene vergangene Sportkarriere zurück, um zu sehen, inwiefern sich diese Methodik in den Breitensport eingefunden hat.  

      Das Erste, was beim Lesen der Magglingen Protokolle auffällt, ist das riesige Machtgefälle zwischen den TrainerInnen und den AthletInnen. Die AthletInnen sind auf die TrainerInnen angewiesen, um ihre Ziele zu erreichen. Diese induzierte Abhängigkeit führt am Beispiel der Magglingen Protokolle zum physischen und psychischen Missbrauch von TurnerInnen. Dass sich in Magglingen nicht nur ein Bild von manipulativer Gewalt zeigt, ergibt sich aus dem Gespräch mit der Sportlerin. Als sie Mitte 2013 im nationalen Leistungszentrum trainierte, musste sie das erste halbe Jahr ähnliche Erfahrungen durchleben, wie in den Magglingen Protokolle beschrieben wurde. «Wir Gymnastinnen haben uns kaum getraut, mit der Trainerin über Uneinigkeiten oder Probleme zu sprechen, weil wir zu viel Respekt hatten. Man hat einfach gespürt, dass die Trainerin und die Gymnastinnen nicht auf  derselben Höhe sind.» 

      TrainerInnen im Zentrum

      Die beschriebene Erfahrung von «Gaslighting» endete glücklicherweise, als anfangs 2014 eine neue Trainerin das Team übernahm. «Das Klima im Team wurde besser. Wir konnten mit ihr über  unsere Sorgen sprechen und sie half uns, wenn wir einen schlechten Tag hatten. Mit ihr waren wir wirklich ein Team und wir haben uns alle gegenseitig gestützt.» Die Erfahrungen der anonymen Sportlerin belegen auch, dass die Problematik nicht verallgemeinert werden kann, doch sie bewegen dazu, genau hinzuschauen, um mögliche Missstände aufzudecken. 

      Als Grundlage für die Machtbasis von TrainerInnen steht eine enge Beziehung zu SportlerInnen. Diese enge Beziehung bewirkt, dass die SportlerInnen keine missbräuchlichen Verhaltensweisen der TrainerInnen in Frage stellen, da sie diese*n bewundern und respektieren (Ashley E. Stirling, 2009). Diese Erkenntnisse skizzieren den Balanceakt, welchen TrainerInnen vollführen müssen. Sie sollen einem strengen Trainingsablauf folgen, damit die gesteckten Ziele erreicht werden können und gleichzeitig Empathie aufbringen, um die SportlerInnen wahrzunehmen und dadurch das Training anzupassen.

      Umfangreiche Verantwortung von TrainerInnen

      In der Pubertät ist diese enge Beziehung noch ausgeprägter. Jugendliche beginnen sich von ihren Eltern zu lösen und oft sind nun auch TrainerInnen Ansprechpartner bezüglich ihrer Gedanken, Probleme und Fragen. Die Verantwortung der TrainerInnen dieses Machtgefälle zum Nutzen der SportlerInnen wahrzunehmen, rückt noch mehr in den Vordergrund, da eine noch engere Beziehung zum*r TrainerIn gesucht werden kann. 

      Diese Grundlage für eine solche Machtbasis besteht nicht nur im Spitzensport, sondern zeigt seine Ausläufer in weiten Teilen der JuniorenInnen-Förderung. Der Weg zum Erfolg der SportlerInnen hängt oft auch von den TrainernInnen ab, denn diesen ist es beispielsweise überlassen, wie sie die Mannschaft für den Match aufstellen oder wie sie einem*er KunstturnerIn im Wettkampf zur Seite stehen. Dabei müssen die TrainerInnen im Umgang mit den AthletInnen diverse Aspekte berücksichtigen, die wir hier als Leitfragen in den Raum stellen:

      • Hat eine aggressive Kommunikation der TrainerIn gegenüber dem Adressaten einen negativen Einfluss auf die Leistung (siehe Jeffery W. Kassing, 1999)? 
      • Wenn Druck, Stress oder Angst nicht die körperliche Leistungsfähigkeit der AthletInnen beeinflussen, inwiefern hat dieses Erleben Auswirkungen auf deren mentaler Stärke? 
      • Führt ein beeinflusstes Entscheidungsverhalten zu einem reduzierten Erfolgserlebnis der SportlerInnen (siehe Louise Davis,  2018)?

      Leistung und Motivation

      Weiten wir die Thematik der TrainerInnen-AthletInnen-Beziehung weiter aus, gelangen wir zur Reflexion unserer eigenen Vergangenheit im Sport. Dabei beleuchten wir deren Einflüsse auf unsere Leistungen und Motivation, in Bezug auf unsere psychische und physische Fitness. Die meisten finden im Verlaufe ihrer Sportkarriere positive und negative Verhaltensweisen ihrer TrainerIn oder SportlehrerInnen vor. Durch deren Verhalten beeinflussen sie die intrinsische und extrinsische Motivation der AthletenInnen. Dabei wird die Motivation der AthletenInnen stark von der Wahrnehmung ihrer Autonomie, Kompetenzen und Verbundenheit gegenüber dem*r TrainerIn beeinflusst (Geneviève A.  Magneau, 2003). 

      Optimalerweise tritt ein*e TrainerIn als BeraterIn, Coach auf und zeigt Wege auf, die Leistung zu verbessern. Kontrolle, negative Bemerkungen und physische Überforderung  schwächen hingegen die intrinsische Motivation und lösen Selbstzweifel bis hin zu Depressionen bei den Betroffenen aus (Louise Davis, 2018).  

      Mögliche Lösungsansätze

      Ein negatives Beispiel dazu finden wir in unserer vergangenen Sportkarriere. Ein Volleyballtrainer meinte gegenüber einer zu beginnend pubertierenden Spielerin: «Du sollst drei Kilogramm abnehmen, dann kannst du einen Zentimeter höher springen». Solche Aussagen fördern starke Selbstzweifel, da von Kindern und Pubertierenden die Fürsorglichkeit von Eltern und TrainerInnen ähnlich hoch eingeschätzt wird (Alfred Richarzt, 2013). 

      Ein fürsorgliches, empathisches, stützendes Verhalten von TrainerInnen/Sportlehrpersonen stellt ein Ideal dar, welches noch ungenügend im Mikrokosmos des Schweizer Sports abgestützt ist. Wir sind bei der Suche nach möglichen Lösungsansätzen auf folgende Gedanken gestossen, welche Rahmenbedingung darstellen können:

      • Der Leistungsgedanke im Schweizer Vereinswesen sollte aufgeweicht werden, indem die JuniorenInnen-Förderung nicht schon im Kindesalter beginnen, sondern erst ab jenem Zeitpunkt, wo die Jugendlichen die Entscheidung, in den Leistungssport einzusteigen, selbst treffen können. Eine polysportive Grundlage soll dabei eine Entscheidung begünstigen. Dabei ist klar festzuhalten, dass solch eine Rahmenbedingung es nicht in allen Sportarten ermöglicht, SpitzensportlerInnen auf heutigem Niveau hervor zu bringen. 
      • Eine offene Kommunikation und Feedbackkultur sollten von den TrainerInnen von Beginn an bilateral gefördert werden.  
      • Die psychische Fitness der SportlerInnen sollte ebenfalls evaluiert werden, z.B. mittels eines Ampelsystems, welches den mentalen Zustand verifiziert.  
      • Der*Die TrainerIn sollte eine Beratungsfunktion und keine Richterfunktion innehaben, dementsprechend sollten keine Erwartungen formuliert, sondern nur unverbindliche Tipps und Inputs gegeben werden. Die Autonomie soll bei*m AthletenIn bleiben. 
      • Eine zweite Ansprechperson für ein Debriefing sollte zur Verfügung stehen, um Missstände zu erkennen. 
      • Sensibilisierung in Trainerbildung und Probezeit in der Trainerfunktion sind nötig, um die Trainerqualität zu garantieren. 

      Kurzfristiger Erfolg oder klarer Kurswechsel?

      Wir haben auch die frühere Leistungssportlerin gefragt, was passieren müsste, um einen humaneren Umgang im Schweizer Spitzensport zu erreichen. «… ich denke, wenn man eine Trainerin findet, die die sportliche, wie auch die zwischenmenschliche Ebene richtig kombiniert, bringt das sehr gute Voraussetzungen für einen humanen Umgang. Man soll das vertieft in den Trainerausbildungskursen lernen, üben und auch prüfen. Man soll den ausgewählten TrainerInnen Zeit lassen, ein Team aufzubauen und dann den Erfolg anzustreben.» 

      Die Sportlerin erwähnt hier einen wichtigen Punkt: «Diese Veränderung braucht Zeit». Vielleicht werden die AthletInnen kurzfristig etwas weniger erfolgreich sein, bis sich neue  Trainingsbedingungen etabliert haben. Aber ist es uns nicht wert, auf den kurzfristigen Erfolg zu verzichten und dadurch langfristig gesunde, selbst motivierte, erfolgreiche AthletInnen zu gewinnen? 

      Den Gastbeitrag haben Meret Keiser und Nicola Büttiker im Rahmen ihrer Ausbildung bei Dr. Hanspeter Gubelmann (zum Profil) an der ETH Zürich verfasst. 

      Mehr zum Thema:

      Der MDR berichtet seit einigen Monaten intensiv über Missbrauchsvorwürfe gegenüber einer Trainerin am Chemnitzer Olympiastützpunkt:

      https://www.mdr.de/sport/andere_sportarten/turnen-aufarbeitung-im-chemnitzer-turnskandal-stockt-gabriele-frehse-pauline-schaefer-100.html

      Literaturverzeichnis  

      • Alfred Richarzt Almut Krapf, Karen Hoffmann Die Qualität der Trainer-Kind-Beziehung aus der  Perspektive der Bindungsforschung. Bindungen und bindungstypische Prozesse bei Kindern im  Leistungssport [Journal] // Zeitschrift für Pädagogik 59. – 2013. – S. 826-836. 
      • Ashley E. Stirling Gretchen A. Kerr Abused athletes‘ perceptions of the coach-athlete relationship  [Journal] // Sport in Society. – 2009. – S. 227-239. 
      • Christof Gertsch Mikael Krogerus Die Magglingen-Protokolle [Journal]. – [s.l.] : TA, Das Magazin, 31.  10 2020. 
      • Geneviève A. Magneau Robert J. Vallerand The coach–athlete relationship: a motivational model  [Journal] // Jurnal of Sports Sciences. – 2003. – S. 883-904. 
      • Jeffery W. Kassing Dominic A. Infante Aggressive communication in the coach-athlete relationship  [Journal] // Communication Research Reports. – 1999. – S. 110-120. 
      • Louise Davis Ralph Appleby, Paul Davis, Mark Wetherell, Henrik Gustafsson The role of coach-athlete  relationship quality in team sport athletes’ psychophysiological exhaustion: implications for physical  and cognitive performance [Journal] // Journal of Sports Science. – 2018. – S. 1985-1992.

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      Dr. René Paasch: Warum wir genauer hinschauen sollten, wenn norwegische Fußballclubs die WM in Katar angreifen

      Starten wir mal, wo wir uns digital wie analog so bewegen: Wo wir auch hinsehen, sind wir von verführerischen Produktversprechen und digitalen Verführungen umzingelt: von Autos, Kleidung und sozialen Medien, die uns erfolgreicher wirken lassen und von künstlicher Intelligenz, die uns den Alltag erleichtert. Aber wenn all diese Dinge das Leben besser machen, warum fühlen sich dann so viele Menschen überfordert und unglücklich? In einer Gesellschaft, die nicht dem Wohle der Mehrheit dient, sind drastische soziale und wirtschaftliche Reformen nötig. Wir dürfen uns nicht länger vorschreiben lassen, was wir kaufen und verbessern müssen um zufrieden zu sein. Denn wirtschaftlicher Fortschritt garantiert weder Glück noch Wohlstand. Es ist Zeit für tiefgreifende Veränderungen. Und für alle diejenigen die sich jetzt fragen, was dies mit Sportpsychologie zu tun hat, möchte ich gerne folgendes anmerken: In der angewandten Sportpsychologie spielen das Erleben und das Verhalten im Kontext von Sport zwar eine wesentliche Rolle, doch wenn wir ganzheitlich und nachhaltig sein wollen, müssen wir eine systemische Sicht- und Herangehensweise immer berücksichtigen. Aus diesen Gründen möchte ich die Arbeit der Sportpsychologie ein wenig höher aufhängen, um die Verfügbarkeit und das Menschsein ins Verhältnis zu setzen. Und vielleicht fangen wir nicht einfach im Sport an, gesamtgesellschaftliche Veränderungen zu starten? 

      Zum Thema: Die unbegrenzte Verfügbarkeit und das Menschsein – es ist fünf vor zwölf für einen gesellschaftlichen Wandel!

      Die Menschen sollen nicht so viel nachdenken, was sie tun sollen, sie sollen vielmehr bedenken, was sie sind.

      Meister Eckhart, einflussreicher thüringischer Theologe und Philosoph des Spätmittelalters

      So sehr es uns die Wirtschaft glauben lassen möchte: Wir können uns das Glück nicht erkaufen. Im Gegenteil. Das westliche „Streben nach Glück“ führt immer häufiger zu höheren Krankenstände in Deutschland, Angstzuständen und Suchtverhalten (Destatis, 2020). Das Leistungsprinzip unserer Gesellschaft zwingt uns zum ständigen Konkurrenzdenken und wir entfernen uns voneinander, statt uns zu solidarisieren. Wir glauben uns ständig verbessern und wachsen zu müssen. Dabei erkennen wir nicht, dass wir in einem auf Wachstum basierenden System niemals irgendwo ankommen. Wir werden niemals genug besitzen, um erfüllt zu sein, denn die Wirtschaft lebt von unerfüllten Bedürfnissen (Hüther, 2018). Je mehr wir uns anstrengen und ausgeben, desto leerer werden wir uns fühlen. 

      Die Wachstumsideologie hat aber nicht nur individuelle, sondern auch gesamtgesellschaftliche Folgen. Eine davon ist, dass sich der Reichtum der Welt auf immer weniger Menschen konzentriert. In einer von Ellbogen geprägten Zeit, ist sich jeder selbst der Nächste. Unser heutiges systemische Tun belohnt Eigensinn und führt zur Abwertung von Bescheidenheit und Gemeinschaft. Diese Tendenz treibt die sozialen Schichten weiter auseinander. Auf lange Sicht führt sie zu Spannungen, die sich in Unruhen entladen können. Höher, schneller und weiter ist generell keine gesunde Triebkraft. Sie war einer der zentralen Auslöser zahlreicher internationaler militärischer Konflikte. Zahlreiche Menschen und Unternehmen versuchen, ihre Mitarbeiter auszunutzen und ihre Mitbewerber zu eliminieren. Keine schöne Entwicklung, die wir vielerorts auch im Sport spüren. Und beileibe nicht nur im Profi-Sport. Doch welche Alternativen gibt es? 

      Verfügbarkeit und Menschsein  

      Wir sollten die Welt in zwei Bereiche erfassen: Verfügbarkeit und Menschsein! Trotz aller weltlichen Probleme strotzen wir nach mehr. Wir haben das Gefühl, alles verfügbar zu machen, um dazuzugehören (Rosa, 2018). Erst wenn wir in den Menschsein-Modus wechseln, erkennen wir, dass wir ganz sind, egal wie viele Reichtümer wir anhäufen. Was genau meine ich mit diesen beiden Sichtweisen? Die unbegrenzte Verfügbarkeit ist ein lohnendes Objekt auf Kosten unseres Ökosystems und Menschlichkeit. Seine Logik dreht sich einzig um Anhäufung und macht selbst vor Menschen und Beziehungen nicht Halt. Das zeigt sich bereits in der Sprache, nehmen wir mein Beispiel: Ich „bin“ nicht der Familienvater und Sportpsychologe, sondern ich „habe“ Frau und Kinder und einen akademischen Grad. Oft gehen wir in dieser Sichtweise sogar so weit, emotionale Beziehungen für unser Erfolgsstreben zu missbrauchen. Diese Vorgaben richten sich nicht nach dem Wohl, sondern nach den Wunschvorstellungen anderer. Im menschlichen Modus schätzen wir wiederum unsere Beziehungen für ihre Authentizität. Das gibt uns die Freiheit, aufrichtig und großzügig auf andere zuzugehen, selbst auf Menschen, deren Ansichten wir nicht teilen. Wir wollen zeigen, wer wir sind und nicht, was wir alles besitzen. Das öffnet uns für den Wandel, denn das was wirklich zählt, ist das Glück, dass wir durch die Erfüllung unserer wahren Bedürfnisse erfahren. 

      Näheres zum Thema Glück: https://www.die-sportpsychologen.de/2021/01/dr-rene-paasch-warum-geld-nicht-gluecklich-macht/ 

      Diese essentielle Unterscheidung haben bereits viele große Denker erkannt. Buddha lehrte, dass wir unser Leid nur durch die Abkehr vom Besitzstreben überwinden können. Marx hingegen zufolge ist Luxus genauso gefährlich wie Armut. Der Mensch solle nicht danach streben viel zu besitzen, sondern menschlich zu sein. Die Vorteile von Menschlichkeit liegen also auf der Hand. 

      Näheres zum Thema Menschlichkeit: https://www.die-sportpsychologen.de/2019/02/dr-rene-paasch-ein-menschlicherer-fussball-wer-ist-dabei/

      Warum wird unser Alltag dann auf allen Ebenen von unbegrenzter Verfügbarkeit beherrscht? 

      Ich-bezogen

      Die Wachstumslogik unterliegt einem großen Irrtum: Die Erfüllung aller Träume. Stellen Sie sich einmal vor, wir würden ihr in allen Lebensbereichen folgen. Die Mächtigen würden sich nur noch um ihre eigenen Interessen kümmern, statt im Sinne der Gemeinschaft zu handeln. Und wir alle würden mitspielen, solange uns die sozialen Konflikte nicht direkt betreffen. 

      Aber Moment: So weit sind wir aus meiner Sicht von dem Szenario doch gar nicht mehr entfernt. Eine Gesellschaft, die den Eigensinn belohnt, hofiert selbstsüchtige Anführer. Immer wieder treffen Führungskräfte und Parteien Entscheidungen, die ihren eigenen Interessen stärker dienen als denen ihrer Angestellten und Wähler. Die Wahrheit ist, dass uns dieses Ich-bezogene schon gar nicht mehr schockiert. Wir gehen regelrecht davon aus, dass diese Menschen so handeln. Denken Sie nur an das Bild, welches viele Aktive und Beobachter von Sportverbänden wie der FIFA, der UEFA oder dem IOC haben.

      Normale Passivität

      Warum nehmen wir das so hin? Vielleicht weil wir Teil der Gesellschaft sind, die solche Führungspersonen hervorbringt? Und was sagt das über uns als mündige Menschen aus? Alles deutet darauf hin, dass wir im Verfügbarkeits-Modus unsere soziale Verantwortung ablegen. Wir richten den Blick nicht darauf, was wir für eine möglichst gerechte Gemeinschaft tun können, sondern konzentrieren uns nur noch auf uns selbst. Zwar beschweren wir uns hin und wieder über das gesamtgesellschaftliche Klima, aber am Ende wählen wir die Passivität. Wir entscheiden uns dagegen, die Entscheidungsträger aktiv zur Rechenschaft zu ziehen. Warum auch? 

      In der Logik der Verfügbarkeit springt dabei ja nichts direkt für uns heraus. Und so dreht sich das Hamsterrad weiter. Die Öffentlichkeit macht sich mitverantwortlich, wenn sie zulässt, dass die Entscheider die sozialen Gräben vertiefen. Auf Dauer spaltet das die Gesellschaft in zwei große Lager: Das der Mächtigen und Reichen und das der Macht- und Geldlosen. In Ausbeuter und Ausgebeutete. Den Ausgebeuteten bleibt irgendwann nur noch der Aufstand. Eine Gesellschaft mit unbegrenzter Verfügbarkeit braucht eine soziale Revolution, um ihre Existenz auf das Menschsein zu gründen. Die Vorteile eines solchen Wandels wären weitreichend. Denken wir nur an die internationalen Beziehungen und zwischenmenschlichen Möglichkeiten. Es gäbe keinen Grund mehr für geopolitische Konflikte und der Frieden wäre endlich möglich. Davon sind wir bis heute allerdings weit entfernt. Darüber hinaus verletzen wir nicht nur einander, sondern auch die Umwelt, um nur ein weiteres Beispiel zu nennen.

      Menschsein

      Wir müssen den Grund unserer gegenwärtigen Situation erkennen und uns für das Menschsein entscheiden. Wir müssen nicht restlos alles im Leben aufgeben aber wir sollten grundlegend überdenken, wonach wir streben. Ein wichtiger Schritt ist das Eingeständnis. Wir müssen uns bewusst werden, dass die unbegrenzte Verfügbarkeit vor allem Leid hervorbringt. Wie das gehen soll? Indem wir uns drei Dinge vor Augen führen. Erstens macht uns dieser Modus verletzlich. Alle Besitztümer der Welt können verloren gehen. Wenn wir unseren Selbstwert auf dem aufbauen, sind Verlustängste unvermeidlich. Dass heißt, dass wir niemals sicher sind. Unsere Existenz ist chronisch prekär. Des Weiteren spielt uns der Wettstreit um Macht, Profit und Bestätigung gegeneinander aus. Aber in diesem Spiel kann niemand gewinnen. Es wird immer jemanden geben, der mehr Talent, mehr Einfluss oder mehr Erfahrung hat. Der ständige Vergleich mit anderen verbaut uns den Blick für das Schöne und Wesentliche. Auch unser Streben nach Glück ist nicht nachhaltig. Im Verfügbarkeits-Modus jagen wir meist oberflächlichen Bedürfnissen nach. Wir hangeln uns von Kick zu Kick, weil sich Leere breit macht, sobald der Zauber des Neuen verflogen ist. Gütige Achtsamkeit ist also sehr wichtig auf dem Weg des Wandels. Näheres zum Thema Achtsamkeit: 

      https://www.die-sportpsychologen.de/2016/09/dr-rene-paasch-der-trend-zur-achtsamkeit/.

      Genau so die Erkenntnis, dass wir die Leere nur überwinden können, wenn wir uns für die Grundeinstellung Menschsein entscheiden. Das hilft uns in vielerlei Hinsicht. Sie gibt uns das Selbstvertrauen und ein gesundes Gefühl von Stärke. Niemand kann uns nehmen, was wir in uns tragen. Wir können somit wertschätzen, ohne sie beziffern oder besitzen zu müssen. Das lässt Raum für eine der tiefsten menschlichen Empfindungen: geteilte Lebensfreude. So können wir uns verwirklichen, indem wir unsere Liebe, Kreativität und Solidarität miteinander ausleben. Unser Gefühl des Glücks und der Fülle ist unabhängig von äußeren Umständen. Wir alle besitzen die Fähigkeit, zwischen der stetigen Verfügbarkeit und der Fülle des Menschlichen zu wählen. Natürlich beeinflusst die Kultur, in der wir leben, wie leicht oder schwer uns das fällt. Soll heißen: Wenn wir unsere Lebenseinstellung verändern wollen, müssen wir auch unsere Gesellschaft umkrempeln.

      Paradigmenwechsel  

      Wir brauchen ein neues Fundament für den Umbau unserer Gesellschaft.

      So sehr uns der Gedanke manchmal widerstrebt: Wir alle sind das Ergebnis unserer Umgebung. Wenn wir uns wirklich vom Konsumkultur befreien wollen, brauchen wir ein neues Wertesystem. Aber wie baut man eine ganze Gesellschaft um? Indem wir unsere Prioritäten neu sortieren. Wir müssen begreifen, dass wir alle im selben Boot sitzen. Wenn wir eine solidarische Ordnung schaffen wollen, brauchen wir ein gemeinsames Ziel, eine kollektive Überzeugung auf der wir unsere neue Gesellschaft aufbauen. Wir müssen anfangen, uns die richtigen Fragen zu stellen. Es sollte nicht darum gehen, was dem System nützt, sondern was uns als Gemeinschaft voranbringt. Dafür müssen wir ganz praktisch überdenken was wir unter „Produktivität“ verstehen. In einer auf dem Prinzip des Menschseins basierenden Gesellschaft bedeutet Produktivität nicht länger, dass äußerlicher wirtschaftlicher Erfolg über das innerliche Wohlbefinden der Menschen gestellt wird. Die Produktivität steht hier wieder im Dienst der Gemeinschaft. Sie wird zum Ausdruck unserer Motivation und Leidenschaft. Die Frage, warum wir etwas tun, ist wieder wichtiger als die Frage nach dem „Was“.

      Neues Konsumverhalten  

      Dieser Paradigmenwechsel revolutioniert unser Verhältnis zu anderen Menschen und zu Eigentum. Ohne das Primat der unbegrenzten Verfügbarkeit hören wir auf, einander zu objektivieren und zu entmenschlichen. Wir empfinden es nicht länger als zumutbar, sondern als erstrebenswert, uns zu unseren wahren Eigenschaften und Leidenschaften zu bekennen. Natürlich werden wir weiter bestimmte Dinge besitzen. Aber mit dieser neuen Einstellung ändern wir unser Konsumverhalten. Wir kaufen nur noch das, was wir wirklich für ein erfülltes Leben brauchen.

      All das verändert auch unseren Umgang mit Zeit. Wir wollen sie permanent einsparen, nutzen oder totschlagen. Im Menschsein-Modus lernen wir dagegen, verantwortungsbewusst mit ihr umzugehen. Wir respektieren und schätzen sie so sehr, dass wir Extreme wie ständige Leistungsfähigkeit oder Lethargie vermeiden. Wir neigen dazu, uns mit Unzufriedenheit und Leid abzufinden. Aber wenn wir uns kollektiv für das Menschsein entscheiden, können wir sowohl besser in Gemeinschaft leben, als auch individuelle Erfüllung finden. Das bringt uns zur entscheidenden Frage: Was hält uns davon ab, uns weiterzuentwickeln? 

      Fesselung Komfortzone 

      Wir schrecken vor den Unwägbarkeiten des Wandels zurück und riskieren unsere Zukunft, um bloß keine Abstriche in der Gegenwart zu machen (Brede, 2011). Natürlich kann einem Ungewissheit Angst machen. Außerhalb der Komfortzone wird jeder Schritt zur potenziellen Stolperfalle. Wir könnten stürzen und scheitern. Deshalb halten wir uns lieber an das, was wir bereits kennen: An die Behaglichkeit des Bewährten und Sicheren. Das ist menschlich, aber als Gesellschaft können wir uns das nicht länger leisten. Wir alle müssen für unsere Bedürfnisse einstehen. Wir müssen uns stark machen für den Übergang von einer Zuschauerdemokratie zu einer aktiven Demokratie, in der wir das Allgemeinwohl über Einzelinteressen stellen. Wir könnten unabhängige Gremien einrichten, die Produkte und politische Konzepte auf ihren tatsächlichen Nutzen untersuchen. So könnten sowohl die Entscheidungsträger als auch wir beurteilen, welche Güter und Gesetze wirklich dem Allgemeinwohl dienen. Die Regierung könnte diese Informationen nutzen, um uns über Bildungsprogramme zu befähigen, untaugliche Entwürfe zu erkennen und abzulehnen. 

      Näheres zum Thema Bildung: https://www.die-sportpsychologen.de/2021/01/dr-rene-paasch-ein-neues-bildungskonzept-im-deutschen-fussball/ 

      Machen wir uns nichts vor: Der Übergang zu einer solchen Gesellschaft wäre beschwerlich. Aber feststeht, dass wir schnellstmöglich aufhören müssen, die Gesundheit der Wirtschaft über die Gesundheit der Menschen zu stellen. Wir müssen uns von der Ideologie des unbegrenzten Konsums und Wachstums verabschieden. Wir brauchen eine Politik des moderaten Wachstums, die die Wirtschaft durch besonnene Maßnahmen vor künftigen Krisen schützt. Das mag nach gewaltigen Kosten klingen. Doch diese stehen in keinem Verhältnis zum Preis, den wir zahlen, wenn wir nichts verändern. Sie glauben nicht, dass sich die Menschheit ändern kann? Sehen Sie es einmal so: Die Menschen in einer Kultur verhalten sich so, wie sie glauben, sich verhalten zu müssen. Vielleicht kann der Sport diesbezüglich einen Schritt vorangehen?

      Fazit 

      Tendenzen dazu gibt es. In Disziplinen wie dem Eiskunstlauf, dem Turnen oder der Rhythmischen Sportgymnastik begehren nicht nur in der Schweiz oder in Deutschland Athletinnen auf. Eine Entwicklung, die einige Kollegen von uns sehr konstruktiv begleiten. 

      Mehr zum Thema: https://www.die-sportpsychologen.de/2020/12/dr-hanspeter-gubelmann-die-kinder-haben-keine-wahl/

      Insbesondere im professionellen Fußball ticken die Uhren noch anders. Die Hoffnung, dass die Corona-Pandemie einen Wandel begünstigt, sind mittlerweile kaum mehr greifbar. Es dominiert weiterhin der sogenannte Verfügbarkeits-Modus, der Verbände wie Vereine zu ewigem Wachstum verdonnert und davon lebt, dass alle Beteiligten niemals zufrieden sind. Diese Logik führt im System Profi-Fußball zum Raubbau an den menschlichen und natürlichen Ressourcen und gefährdet auf lange Sicht sogar dessen eigenes Überleben. Daher ist es an der Zeit, dass mehr und mehr Vereine, Institutionen und Akteure den Menschsein-Modus für sich entdecken. Utopie: Dann schaut euch diese aufmüpfigen norwegischen Vereine an, die initiativ einen Boykott der Fußball-WM in Katar ins Spiel bringen…

      Aufruf: Wer kennt weitere solche Beispiele, über die der Paradigmenwechsel mit Leben gefüllt werden soll? Ich freu mich auf jegliches Feedback: Zum Profil von Dr. René Paasch

      Mehr zum Thema:

      Literatur 

      Hüther, Gerald, Hauser, U. (2018). Würde: Was uns stark macht – als Einzelne und als Gesellschaft. Albrecht Knaus Verlag.

      Hartmut Rosa, H. (2018): Unverfügbarkeit. Ein fundiertes Plädoyer für eine Gesellschaft, die der Verfügbarkeit der Welt Grenzen setzt. Residenz; 2. Edition

      Brede, Andreas (2011): Raus aus Deiner Komfortzone: Das Übungsbuch für die Entwicklung Deiner Persönlichkeit, mvg Verlag

      Internet

      https://www.iwd.de/artikel/krankenstand-in-deutschland-498654/

      https://www.deutsches-klima-konsortium.de/de/g20-pressconference.html

      https://11freunde.de/artikel/katar-wm-norwegen-boykott/3414965

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      Janosch Daul: Kopfsache Torwartspiel – Performen unter Druck, Teil 2

      Ich erinnere kurz an Oliver Kahn beim WM-Finale 2002. Über dieses Bild hatte ich den Einstieg in die Auseinandersetzung mit den sportpsychologischen Aspekten des Torwartspiels gewählt. Und wer jetzt den Titanen nicht mit dem Rücken am Pfosten sitzen sieht, der kann sich gern hier die Highlights des WM-Finales noch einmal anschauen: (Link) Schon klar, die wenigsten von uns waren oder werden in der Situation kommen, in einem WM-Finale zwischen den Pfosten stehen zu dürfen. Dennoch kennt jeder die Herausforderung, die sich mit der besonderen Position verbindet. Widmen wir uns also den konkreten Strategien zu, die auf sportpsychologischer Ebene Keepern helfen.

      Dieser Text ist der Abschluss einer kleinen Reihe. Den ersten Teil findet ihr hier. Wer also vorn beginnen will, bitte: https://www.die-sportpsychologen.de/2021/02/janosch-daul-kopfsache-torwartspiel-performen-unter-druck-teil-1/

      Zum Thema: Wichtige Tipps zum adäquaten Umgang mit Druck 

      Neben dem Torwart selbst, der z.B. mithilfe sportpsychologischer Techniken einen adäquaten Umgang mit Druck trainieren und erlernen kann, gibt es zwei weitere zentrale Ansatzstellen, die bedient werden können: die Trainingsgestaltung und das System rund um den Torwart. Im Folgenden zeige ich einige mögliche Strategien auf, wenngleich das Thema Umgang mit Druck ein höchst individuelles ist.

      • WIN

      WIN steht für What´s Important Now. Der Torwart muss sich immer wieder dessen bewusst werden, was in genau dieser Anforderungssituation von Relevanz ist. Er darf seinem Radio Schwarzmaler bzw. seiner Zeitmaschine eben keinen Raum geben, um gedanklich eine Reise in die Vergangenheit oder Zukunft zu vollziehen. Vielmehr gilt es, seine Aufgaben im Hier und Jetzt, seine little Jobs so optimal wie möglich mit brutaler Konsequenz abzuarbeiten. In diesem Zusammenhang kann dem Torwart das sichtbare Aufmalen eines Ankersymbols, welches ihn an WIN erinnert, dabei helfen, sich gedanklich immer wieder in die Gegenwart zurückzubeamen. Doch wie kann ein Torwart bereits präventiv daran arbeiten, so sich so oft wie möglich, und insbesondere in den entscheidenden Situationen, im WIN-Zustand zu befinden? Neben Techniken aus dem Bereich der Achtsamkeit und Meditation kann insbesondere das gezielte Selbstgespräch hierbei unterstützen.

      • Das Selbstgespräch

      Das Ziel besteht hierbei darin, Gedanken zu entwickeln, die dem gewünschten Handlungsmuster oder dem gewünschten Denken entsprechen. Dadurch gelingt es dem Torhüter, auf das aufgabenrelevante Geschehen in der gegenwärtigen Anforderungssituation fokussiert zu bleiben. So kann beispielsweise der Torwarttrainer gemeinsam mit seinem Schützling konkrete und individuelle Selbstgespräche für bestimmte, häufig vorkommende Spielsituationen (z.B. die gegnerische Ecke) erarbeiten. Anschließend gilt es für den Torwart, sich die Selbstgespräche einzuprägen und automatisiert situationsbedingt, zunächst im Training, anschließend im Spiel, selbst anwenden zu können. In eine ähnliche Richtung zielt die folgende Methode ab.

      • Die Selbstbekräftigung

      Durch die gezielte Entwicklung positiver Denkmuster lernt der Torhüter, vor bzw. in bedeutsamen Situationen positiv mit sich selbst zu sprechen. Hierfür erarbeiten sie sich positive Selbstanweisungen und üben deren praktische Anwendung im Training und Wettkampf. 

      • Die Visualisierung

      Durch das wiederholte Abrufen bildhafter Vorstellungen von eigenen erfolgreichen Torwarthandlungen lernt der Torhüter, gelungene Aktionen abzuspeichern, um diese Vorstellungen bei zukünftigen Anforderungen vorab wieder abrufen zu können. In seinem Inneren lässt er einen Film ablaufen, beispielsweise, wie er einen scharf getretenen Freistoß mit beiden Fäusten im Sprung herausboxt. Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass die Vorstellungsinhalte einen hohen inhaltlichen Bezug zum Kontext der aktuellen, im Wettkampf zu bewältigenden Aufgabe haben sollten.

      Mehr dazu: https://www.die-sportpsychologen.de/2018/11/janosch-daul-mentale-einstimmung-auf-ein-fussballspiel/ 

      Ansatzstelle Trainingsgestaltung

      Grundsätzlich besteht ein Schlüssel im Trainingsprozess darin, immer wieder gezielt und bewusst Situationen ins Training einzubauen, die im Torwart ein besonderes Erleben von Druck provozieren. Dieser muss sich somit immer wieder mit eigenen Stressdosen auseinandersetzen, deren Intensität im Laufe des Trainingsprozesses idealerweise gesteigert wird. Durch diese Vorgehensweise wird der Torwart zwar nicht immun gegen Druck, sie unterstützt ihn aber dabei, adäquat mit diesem umzugehen, sodass er künftig auch in realen Drucksituationen besser funktionieren wird. Es gilt also z.B. Aufgabenstellungen an Konsequenzen zu koppeln, die im Misserfolgsfall eintreten. Diese müssen dabei so gewählt werden, dass sie in der Wahrnehmung des Spielers auch tatsächlich ein Stressfaktor darstellen. Insbesondere im Misserfolgsfall sollte anschließend unbedingt eine Analyse der Situation mit dem Torwart erfolgen. Auf eine konkrete Trainingsform möchte ich nun gezielt eingehen: das Simulationstraining.

      • Das Simulationstraining 

      Das Ziel des Simulationstrainings besteht hauptsächlich darin, unter möglichst realistisch nachgestellten Spielbedingungen das gewünschte Verhalten zu trainieren. So lassen sich kritische Spielsituationen, die durch das Empfinden von Druck und damit einhergehend mit Unsicherheit und Konzentrationsschwierigkeiten gekennzeichnet sein können, möglichst realistisch im Training wiedergeben. Durch die Wiedergabe einer Geräuschkulisse, die beispielsweise eine große Zuschaueranzahl und ggfs. sogar Beleidigungen durch Fans der gegnerischen Mannschaft beinhaltet, werden ungünstige Spielbedingungen simuliert, sodass das Gehirn ein Stück weit in Richtung Anforderungssituation konditioniert, also vorbereitet wird. Das Simulationstraining kann dabei in Abhängigkeit persönlicher Stressoren gestaltet werden: Sind es insbesondere die Zuschauer, die Stress im Torwart auslösen, macht das Trainieren unter einer solchen simulierten Geräuschkulisse besonders Sinn; ist beispielsweise die Körpergröße des Gegenspielers ein Stressthema, kann es hilfreich sein, den Torwart im Training insbesondere gegen große Gegenspieler antreten zu lassen. Unabhängig von dieser Form des Trainings besteht ein weiterer Schlüssel, um als Torwart funktional mit Druck umgehen zu können, darin, Erfolgserlebnisse zu generieren.

      • Das Ermöglichen von Erfolgserlebnissen

      Bewältigte Anforderungen, die als herausfordernd empfunden wurden und deren Bewältigung man sich selbst zuschreibt, führen zu einer gestärkten Kompetenzüberzeugung und damit einhergehend zum inneren Glauben, einer ähnlichen Herausforderung dank der eigenen Fähigkeiten auch in Zukunft gewachsen zu sein. Wenn es dem Torwart gelingt, eine stabile Kompetenzüberzeugung zu entwickeln, wird er gedanklich weniger mit möglichen Konsequenzen potenzieller Fehler beschäftigt sein, sondern sich deutlich eher auf die in der Gegenwart zu vollziehende Aufgabe fokussieren und somit auch unter Druck besser performen können. Für das Trainerteam gilt es folglich, genau solche, Erfolgserlebnisse ermöglichende Bedingungen durch die Durchführung passender Trainingsformen zu schaffen.

      Ansatzstelle System rund um den Torwart

      Zweifelsfrei hat das System rund um den Torwart, also die Mannschaft sowie die einzelnen Spieler und Trainer sowie der Freundeskreis und das Elternhaus einen enormen Einfluss auf das Denken, Fühlen und letztlich auch das Verhalten des Torwarts. Das Etablieren einer konstruktiven Fehlerkultur kann diesen zusätzlich maßgeblich dabei unterstützen, unter Druck zu performen. Spürt der Torwart, dass Fehler insbesondere seitens seiner Trainer als Lernchance und Weiterentwicklungsmöglichkeit sowie als zu akzeptierender Teil des Fehlerspiels Fußballs betrachtet und im Falle des Falls konstruktiv, lösungsorientiert und selbstwertstärkend ausgewertet werden, reduziert dies das Druckempfinden des Torwarts maßgeblich. Eine der zentralen Aufgaben des Trainers in Bezug auf sein Führungsverhalten besteht zudem darin, dem Spieler Sicherheit zu geben und einen Anker zu bieten. Für den Torwart gilt dies nicht zuletzt aufgrund der Besonderheit dieser Position ganz besonders. Spürt er, dass der Trainer wie eine 1, wie ein Fels hinter ihm steht und ihm in höchstem Maße vertraut, wird der Torwart auch in der Anforderungssituation Wettkampf immer besser performen können.

      Mehr dazu: https://www.die-sportpsychologen.de/2020/10/janosch-daul-teamfuehrung-eine-ganz-schoen-komplexe-angelegenheit/

      Kontakt aufnehmen

      Meine Kollegen (zur Übersicht) und ich (https://www.die-sportpsychologen.de/janosch-daul/) stehen Ihnen gern beratend zur Seite, unterstützen Sie gern bei der Entwicklung individueller Strategien, bei der Gestaltung einer Trainingseinheit unter dem Gesichtspunkt eines adäquaten Umgangs mit Druck oder beim Etablieren einer Fehlerkultur. Melden Sie sich auch, wenn Sie das Gefühl haben, dass der Druck Ihr Spiel oder das Ihres Torhüters negativ beeinflusst.

      Mehr zum Thema:

      Quellen:

      Abdullaeva, E. (2015). Psychologisches Anforderungsprofil des Torhüters im Fußball. Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, unveröffentlichte Masterarbeit.Schliermann, R. & Hülß, H. (2016). Mentaltraining im Fußball – Ein Handbuch für Trainer, Übungsleiter und Sportlehrer. Hamburg: Feldhaus.

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      Alexander Koke: Als Trainer musst du deine Emotionen kontrollieren und einsetzen können

      Handball ist ein emotionaler Sport. Auch für Trainer. Aber gerade an der Linie sei es essentiell, seine Emotionen zu kontrollieren, sagt DHB-Frauen-Co-Trainer Alexander Koke. Mehr noch: Als Coach muss man Emotionen auf Knopfdruck einsetzen können, um beim Team oder EinzelspielerInnen etwas zu bewegen.

      Zum Thema: Emotionsregulation im Leistungssport

      In unserem Online-Coachingprogramm „Abliefern, wenn es darauf ankommt“ (Link) nimmt das Thema Emotionsregulation eine gesamte Dimension aus. Dass heisst, wir haben Informationen, Hintergründe und Tipps im Umfang von circa 70 Minuten zusammengestellt, um Sportlern und Trainern den adäquaten Umgang mit Emotionen im Leistungssport praxisnah zu erklären. Als Interview-Partner, welches das kostenpflichtige Lehrmaterial (ab 199 EUR) ergänzt, haben wir Alexander Koke ausgesucht. Einen ehemaligen Handball-Bundesligaspieler, der mittlerweile als Trainer auf sich aufmerksam macht.

      Denn im Dezember 2020 stand Alexander Koke auf einmal in der Verantwortung. Coronabedingt fiel Bundestrainer Henk Groener für das erste Gruppenspiel der Frauen-Europameisterschaft aus. Koke musste als über Nacht in die Chefrolle schlüpfen. Auch emotional war das fordernd, zumal die Corona-Pandemie auch die Vorbereitung schon ganz schön durcheinander gewirbelt hatte. Im Interview schildert uns Koke diese spezielle Situation und verrät, was ihm in der Ersatzrolle am meisten gestresst hat.

      Emotionen im Handball

      Super offen geht Koke in dem frei zugänglichen Interview auf die Rolle von Emotionen im Handball ein. Er verrät, weshalb Dreiviertel der Handball-Nationalspielerinnen bereits sportpsychologisch arbeiten und wieso dieser Disziplin auch auf Vereinsebene die Zukunft gehört.

      Sichert euch, um das gesamte Online-Coachingprogramm mit Erklärungen, Anwendungshinweisen und Praxistipps zu nutzen, hier euren Zugang: https://www.die-sportpsychologen.de/2021/02/abliefern/

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      Abliefern, wenn es darauf ankommt

      Innovatives Online-Coachingprogramm für Sportler, Vereine und Verbände:

      Mehr zum Thema:

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      Hate Speech und Cybermobbing – Was Sportler, Trainer und Eltern wissen müssen

      Die wüsten Beschimpfungen, dumpfen Androhungen oder indiskutablen Suizidaufforderungen, die zahlreiche Fußballstars im Rahmen einer Kampagne öffentlich gemacht haben, gehen viral. Gut so, denn im Netz ist Hass und Mobbing nicht erst seit gestern allgegenwärtig – und dies gilt nicht nur für den Profi-Sport. Nutzen wir also die Steilvorlage und fragen bei unseren Experten von Die Sportpsychologen, welche Strategien es gibt, für den Einzelnen oder die Einzelne damit umzugehen.

      Interview mit Johanna Constantini und Dr. René Paasch

      Früher lautete ein Tipp, einfach ein paar Tage nicht in die Zeitung gucken. Das funktioniert im Internet aber kaum. Wie sollen Sportler also reagieren, wenn sie mit Hasskommentaren im Netz konfrontiert werden? 

      Antwort von: Johanna Constantini (zur Profilseite

      Obwohl sich im Gegensatz zur Zeit der reinen Printmedien viel geändert hat, hilft es auch heute noch, Kanäle schlichtweg abzuschalten. Ein erster Schritt kann sein, Benachrichtigungen auszustellen, Apps zu deinstallieren und nur zu gewissen, eingeschränkten Zeiten die eigenen Kanäle abzurufen. Zudem ist es wichtig, dass sich SportlerInnen, die von Mobbing und Hass im Netz betroffen sind, an TrainerInnen und andere Vertrauenspersonen wenden können! Solche im Verein oder der Mannschaft zu integrieren, stellt einen wichtigen Schritt zur Prävention solcher virtueller Attacken dar! Die Chancen aber auch die Herausforderungen jener Medien sollten zudem in jedem Sportverein zum Thema gemacht werden. Auch, wie soziale Medien grundsätzlich funktionieren. Angefangen von Algorithmen bis hin zu KI basierten Technologien. 

      Antwort von: Dr. René Paasch (zur Profilseite)

      Spieler können sich gegen Diffamierungen schützen. Ein Schlüssel ist die Art und Weise, wie Sportler Informationen wahrnehmen, interpretieren und bewerten. Dies beeinflusst ihre Gefühle und ihr Handeln. Die kognitive Umstrukturierung kann dabei Unterstützung bieten! Sie konzentriert sich auf gegenwärtige Probleme und bietet Lösungsansätze, wie beispielsweise die Rational-Emotive Therapie von Ellis. Im Mittelpunkt seines Ansatzes stehen Bewertungen und Bewertungsmuster, insbesondere die irrationalen Bewertungsmuster. 

      Näheres dazu: Siehe “Mehr zum Thema” unter dem Text. 

      Allen voran Instagram-Accounts bespielen Profi-Sportler häufig selbst. Welche Tipps habt ihr für die Athleten und Athletinnen, die Ihnen das Bewegen im Netz leichter machen könnten?

      Antwort von: Johanna Constantini (zur Profilseite 

      Die Pflege der eigenen Kanäle, auch die eines Instagram Accounts, sollte so in den Tagesablauf eingebaut werden, wie bestimmte Trainingszeiten auch. Das bedeutet: konkrete Zeiteinheiten zur Eigenvermarktung verwenden, um im sonstigen Tages- und Trainingsablauf nicht Gefahr zu laufen, alle zwei Minuten die eigenen Feeds zu checken. Das passiert ohne Struktur nämlich schnell und führt nachweislich zu Ablenkung, Abhängigkeit und infolgedessen auch zu schlechteren Leistungen in Training und Wettkampf.

      Was die inhaltliche Gestaltung angeht, so hängt diese stark von Sport, Zielgruppe und Persönlichkeit des jeweiligen Athleten ab. Dazu empfiehlt es sich ebenfalls, sich eine individuelle Strategie der geposteten Inhalte im Vorfeld zu überlegen, um diese auch mit TrainerInnen, Betreuerteam und etwaigen Sponsoren abstimmen zu können.

      Antwort von: Dr. René Paasch (zur Profilseite)

      Viele Sportler lernen fälschlicherweise schon sehr früh, negative Filter, zum Beispiel bei Konflikten oder schlechten Spielen, anzuwenden und dabei das Positive auszublenden. Ein großer Teil dieser gefilterten Wahrnehmungen vollzieht sich auf einer unbewussten Ebene in Form automatischer Gedanken. Sie können zu kognitiven Verzerrungen oder dysfunktionalen Überzeugungen führen. Hier setzt die kognitive Umstrukturierung ein. Sie zielt darauf ab, belastende Denkmuster aufzudecken und umzustrukturieren. Nur wenn sich der einzelne Sportler über seine Gedankenmuster und deren Auswirkungen bewusst ist, kann er gezielt entgegensteuern. Hier können nicht zuletzt Sportpsychologen helfen, denen Methoden wie unter anderem die Rational-Emotive Therapie nach Ellis vertraut sind, um speziell und zielgerichtet auf den Einzelfall zu reagieren. Wichtig ist, dass das Bewusstsein im Fußball wächst, dass auch diese ganz kleinen Schrauben gibt, an denen gedreht werden kann.

       

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      Weitere Informationen

      Welche speziellen Hinweise habt ihr für leistungsorientierte Nachwuchssportler, die in NLZ`s oder Sportinternaten leben?

      Antwort von: Dr. René Paasch (zur Profilseite)

      Cybermobbing ist keine Kleinigkeit, sondern eine ernstzunehmende Attacke, die beim Opfer oft seelische Verletzungen verursacht und strafbar ist. Es ist wichtig, dass Internatsleiter, Sportliche Leiter, Trainer und Eltern sich darüber informieren, aufmerksam sind und Verhaltensregeln mit ihrem Schützling besprechen. Sie müssen deutlich machen, welche Folgen Cybermobbing haben kann und sie darin bestärken, sich für andere einzusetzen. Wichtig ist, Regeln zu vereinbaren und respektvoll zu sein. Hinter jedem Nutzer stehen echte Menschen! Werden Spieler in der Mannschaft oder online gemobbt, können Mannschaftskollegen auch selbst Courage zeigen und sich gegen Hetze aussprechen. Allerdings sollten sie behutsam und überlegt vorgehen, um sich nicht selbst zu gefährden. Vereinsverantwortliche und Eltern sollten gemeinsam mit ihrem Heranwachsenden das Internet entdecken und über mögliche Belästigungen sprechen, schon bevor etwas passiert ist. Sie müssen wissen, dass sie mit ihren Anliegen ernst genommen werden und Hilfe erfahren. Hilfreich kann es auch sein, den Sportlichen Leiter anzusprechen, damit Cybermobbing im NLZ oder Internat zum Thema gemacht wird. Sich gegen Cybermobbing auszusprechen, ist selbstverständlich. Auch größere Aktionen wie ein Aktionstag „Nachwuchsfußball gegen Cybermobbing“ hilft und sensibilisiert für das Thema.

      Antwort von: Johanna Constantini (zur Profilseite

      Wer sich im Zuge einer gemeinsamen Tagesstruktur mit anderen SportlerInnen abstimmen muss, der sollte mit der Gruppe auch Social Media und Eigenvermarktungsstrategien kommunizieren können. Wann wird trainiert? Wie wird trainiert? Wann gelten offline Zeiten? Diese Fragen lassen sich stets individuell abstimmen. Wichtig ist, dass sie thematisiert werden. Zudem kann es einzelnen Sportlern helfen, sich zu der eigenen Postingstrategie abzustimmen. Vertrauensverhältnisse, die sich über diesen Austausch aufbauen, helfen in Teams vor allem dann, wenn es zu Hass im Netz kommt. 

       

      Mehr zum Thema:

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