Thomas Müller ist ein Athlet, durch und durch! Ein Vorzeigesportler, der alles hat, was einen erfolgreichen Fußballer ausmacht. Fußball war und ist sein Leben und er durchlief im Rahmen seiner Karriere alles, was der deutsche Fußball an Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten hatte. Schon als D-Junior genoss er die Ausbildung beim FC Bayern München, bei dem er nach wie vor spielt. Und er hat alles erreicht, was ein Fußballspieler erreichen kann: Deutscher Meister, Champions-League. Sieger, Nationalmannschaft, Weltmeister, „Comeback-Nationalspieler“. Aktuell ist er in Katar und gibt Interviews. Unter anderem eines, bei dem er dem geneigten Fußballfan erklärt, dass es auch in Deutschland Menschenrechtsverletzungen gibt. Vermutlich meint er damit, dass man in Katar mit einer humanistischen Grundhaltung und den damit verbundenen Gesetzen noch nicht so weit ist. Und er hofft auf die Arbeit der Sportspitzenverbände.
Moment? Was hat er gesagt? In Deutschland gibt es auch Menschenrechtsverletzungen? Dabei ist Deutschland ein Vorzeigeland in Sachen Demokratie, Humanismus und Akzeptanz von Diversität! Wie kommt er denn auf diese Idee? Sportpsychologisch betrachtet schauen wir da gerne auf die Entwicklung von Talenten im Leistungssport. Das Leistungssportsystem ist hierarchisch aufgebaut, leistungsorientiert und verlangt den jungen Menschen so einiges „Inhumanes“ ab. Wir Sportpsycholog*innen vertreten (in der Regel) ein humanistisches Menschenbild und wir wünschen uns den „autonomen und mündigen Athleten“, der sich selbstbestimmt und frei entwickeln kann. Wie sieht das in der Realität aus? Und da muss ich wieder an Thomas Müller denken und, dass es in Deutschland seiner Meinung nach auch Menschenrechtsverletzungen geben soll. Und, dass er auf den Transfer von Normen und Werte der Verbände hoffe, die dieser WM zugestimmt haben. Na dann hoffen wir mal gemeinsam mit Herrn Müller.
Als vor zwölf Jahren geldgetriebene Wahnsinnige die Fussball-WM nach Katar brachten, dürfte sich der damals 15-jährige Bochumer Leon Goretzka kaum Gedanken zur Sinnhaftigkeit eines derartigen Events im Wüstenstaat gemacht haben. Das wahrhaftig werdende orientalische Märchen vor Augen kommt der Fussballstar nicht umhin, diesen Sinn-entfremdeten Weltspielen sinnstifende Bedeutung zu verleihen. Ob es der Mittelfeldspieler des Katar-gesponserten FC Bayern will oder nicht: seine Stellungnahme gerät zum vielbeachteten (sport-)politischen Manifest.
Dass sich Sportler:innen in einem derart aufgeheizten Klima medial äussern, ist letztlich ihnen belassen. Sportpsychologisch relevant ist hingegen die individuelle, innere Haltung, mit der er nun die klimatisierten Fussballarenen betritt. Für Goreztka scheint sein sinnstiftender Weg zum Anpfiff über eine unmissverständliche Ansage zu führen. Es sei richtig, nach Katar zu fahren und dort „für unsere Werte einzutreten“. Sinnloses zu begründen, liegt ihm dabei fern, Sinnhaftigkeit aus dem eigenen Tun dagegen sehr nahe.
Neun von zehn Behindertensportler*innen hatten bislang noch keinen Kontakt zu einem Sportpsychologen oder einer Sportpsychologin. Marius Schröder von Die Sportpsychologen versucht dies zu ändern. Als Bundestrainer im Gehörlosen-Tennis weiß er, wo die speziellen Herausforderungen im Behindertensport liegen und auch, was die Wissenschaft noch deutlich besser machen kann.
Zum Thema: Akzeptanz der Sportpsychologie im Behindertensport
Marius, inwiefern unterscheidet sich deine sportpsychologische Arbeit mit gehörlosen Spitzensportler*innen von der mit anderen Athlet*innen aus dem Parasport oder nicht-behinderten Aktiven?
Der Unterschied liegt nicht unbedingt in der Betreuung, da sich die Schwerpunkte des Coachings auf dieselben Themen beziehen wie bei anderen Spitzensportlern. Problematisch wird es nur bei der Auswahl der sportpsychologischen Interventionen. Hierbei muss natürlich immer im Blick behalten werden, dass die betreuten Sportler*innen beispielsweise nicht hören können. So fällt beispielsweise das Vorstellungstraining als Werkzeug weg.
Du bist vorrangig im Bereich des Gehörlosensports aktiv. Was macht deine Arbeit in diesem Themenfeld so besonders?
Die Besonderheit besteht darin, dass natürlich der gehörlose Sportler*in mich nicht akustisch wahrnehmen kann, sondern unser Austausch nur über die visuelle Ebene zustande kommt. Dies hat Einfluss auf den Kontakt- und Vertrauensaufbau. Ich habe das Gefühl, dass ich mich noch mehr mit den Personen auseinandersetzen muss als im Vergleich zu hörenden Sportler*innen.
Die meisten sportpsychologischen Techniken und Methoden sind ja für nicht-behinderte Sportler*innen entwickelt worden. Kannst du diese dennoch anwenden oder passt du diese an?
Ich kann die Techniken schon anwenden, jedoch muss eine Vorauswahl getroffen werden, da nicht jede Technik für die jeweilige Behinderung anwendbar ist. Im Bereich der Sehbehinderung beispielsweise müssen die sportpsychologischen Interventionen so angepasst werden, dass man hauptsächlich auf auditive Methoden, wie das ideomotorische Training oder auch auf Methoden der Selbstgespräche zurückgreift.
Demgegenüber wird im Bereich der Geistigbehinderten (vorrangig hier sind die Special Olympics zu nennen) versucht, mit einer spielerischen Komponente die sportpsychologischen Ziele zu erreichen. Als Beispiel hierfür wäre der Einsatz des Kartenspiels „110% um die Ecke denken“, um so die Konzentration und das Denkvermögen zu steigern.
Bei gehörlosen Sportlern lege ich verstärkt Wert auf visuelles Training, beispielsweise durch „Sichtbarmachen von Situation“ (Bsp.: Antizipationstraining (Kognitives Training): hierbei wird den Spielern ein Kreuz auf den Rücken geklebt, damit die Oberkörperrotation sichtbarer wird, um so die taktische Vorgehensweise auszuführen oder durch Handsignale, wohin der Spieler*in den Ball spielen muss (Lichtsignale). Am Ende ist die Auswahl riesig und bedarf immer einer individuellen Prüfung oder auch Anpassung.
Wird das Potential der Sportpsychologie im Behindertensport schon ausgeschöpft?
Fakt ist, dass 86,5% der Behindertensportler*innen bisher noch nie Kontakt zu einem Sportpsychologen hatten. Das scheint verwunderlich, da auch für diese Gruppe Leistungsoptimierungen auf der Basis von sportwissenschaftlichen bzw. sportpsychologischen Untersuchungen notwendig sind. Wie für jede andere Sportlerin und jeden anderen Sportler auch. Klar muss man auf diese Sportler*in „anders“ zugehen, da hier eine Behinderung vorliegt, jedoch können wir hier trotzdem im Sinne einer Leistungsoptimierung einwirken.
Was kann die Sportpsychologie in Wissenschaft und Praxis ändern, um ihren Output diverser anwendbar zu gestalten?
Wir müssen versuchen, eine gewisse Aufklärungsarbeit in den jeweiligen Verbänden zu leisten. Als Positivbeispiel darf dafür gern der deutsche Gehörlosen-Sportverband gelten. Aber was meine ich mit einer verbesserten Aufklärungsarbeit? Dazu gehört zum einen, die Sportler*innen für den Bereich der Leistungsoptimierung und der Sportpsychologie zu sensibilisieren. Hierdurch kann eine gewisse Akzeptanz geschaffen werden, die dazu führen dürfte, dass sich die Sportler*innen für die Sportpsychologie öffnen. Zum anderen darf auf Seiten der Sportpsychologie festgehalten werden, dass ein größerer Forschungsaufwand betrieben werden muss, da sich anders gelagerte Fragen bei den sportpsychologischen Interventionen ergeben. Hier würde ich mir mehr Engagement und auch eingesetzte Mittel wünschen.
Immer wieder erlebe ich es, dass Athleten (insbesondere im Flugsport) Dinge sagen, wie „Das war doch nur Glück!“. Aber ist es so einfach? Und sind sich die Sportler und Sportlerinnen bewusst, dass sie sich selbst mit einer solchen Aussage keinen Gefallen tun. Aber zurück zur Leitfrage: Ist sportlicher Erfolg wirklich vom Glück abhängig?
Zum Thema: Unser Umgang mit Erfolg und Misserfolg
Beim Streckenfliegen ohne Motor hängt natürlich einiges von den Wetterbedingungen ab. Wenn die Sonne scheint, der Wind aus der passenden Richtung weht und der Temperaturgradient gute Thermik ermöglicht, sind lange Flugstrecken möglich. Ohne die passenden Wetterbedingungen wird es schwer.
Wenn ich mir nun die Ergebnislisten von Wettbewerben und auch von Online-Portalen, wie dem DHV-XC-Contest oder dem Xcontest ansehe, stehen irgendwie immer die gleichen Namen vorne. Somit liegt die Vermutung nahe, dass nicht das Glück oder Pech über den Erfolg entscheidet, sondern dass es andere Faktoren sind.
Ursachenzuschreibung
Die Art und Weise, wem wir die „Schuld“ geben, hat maßgeblich Einfluss auf unsere Motivation. Wobei „Schuld“ ein unpassendes Wort ist, besser finde ich das Wort „Verantwortung“. Mit einem hypothetischen Beispiel möchte ich dir das ganze erläutern. Stell dir vor, du hast zwei Freunde (nennen wir sie mal Paul und Peter), die beide bei einem der ersten Wettbewerbe einer Ligasaison im Mittelfeld gelandet sind. Ob die beiden nun motiviert sind, an ihren Fähigkeiten zu arbeiten oder nicht, hängt maßgeblich davon ab, wem sie die Verantwortung zuschreiben. In der Psychologie wird hier von Attributionen (=Beurteilungen der Ursachen für Ergebnisse) gesprochen.
Nehmen wir an, Paul ist der Meinung, er habe nicht genug Flugerfahrung mit seinem Fluggerät, um das bestmögliche zu erreichen. Außerdem könne er sich noch besser mit Meteorologie auseinandersetzen, um mögliche Thermikquellen schneller erkennen zu können. Mit dieser Erklärung ist Paul motiviert, für den nächsten Wettbewerb mehr zu fliegen, um sein Fluggerät noch besser zu beherrschen und er wird sich wahrscheinlich nochmals mit der Theorie auseinandersetzen. Solch ein Attributionsstil ist variabel und liegt innerhalb einer Person (siehe Abbildung).
Eine Frage der Kontrolle
Peter hingegen ist davon überzeugt, dass er Pech hatte. Der Führungspulk erwischte noch eine Thermik, die sich vor ihm auflöste, so konnte er den letzten Wendepunkt vor dem Ziel nicht mehr erreichen. Für sein Selbstvertrauen ist diese externe und variable Zuschreibung der Ereignisse förderlich. Er fühlt sich trotz einem mittelmäßigen Ergebnis gut, allerdings wird ihn diese Zuschreibung nicht dazu veranlassen, weiter an sich und seinen Fähigkeiten zu arbeiten (siehe Abbildung).
Eine entscheidende Frage bei den Ursachenzuschreibungen ist, „Was ist kontrollierbar?” Glück oder Pech (extern, variabel) ist wenig kontrollierbar, das Wetter ist nicht kontrollierbar (extern, variabel), die Aufgabe im Wettbewerb (sofern ich nicht im Tasksetting bin) ist nicht kontrollierbar (extern, stabil), es können auch interne, stabile Fähigkeiten, wie die Intelligenz nicht kontrolliert werden. Was aber kontrollierbar ist, sind interne, variable Dinge, wie die Anstrengung, das Wissen, meine körperliche Fitness usw.
Motivation
Welche Ursache für ein Handlungsergebnis gefunden wird, hat Einfluss auf die Motivation. Grundsätzlich kann zwischen der „Hoffnung auf Erfolg“ und der „Furcht vor Misserfolg“ unterschieden werden. Athleten, die erfolgsmotiviert sind, fühlen sich für ihren Erfolg verantwortlich, während Athleten, die Angst vor Misserfolg haben, sich für ihre Misserfolge verantwortlich fühlen. Paul ist in unserem Beispiel eher erfolgsmotiviert, er sieht als Ursache für sein Ergebnis mangelnde Anstrengung. Sein Selbstwert bleibt dadurch erhalten und es bleibt die Hoffnung, in Zukunft erfolgreich sein zu können.
Misserfolgsmotivierte Athleten tendieren zu einer selbstwertbelastenden Ursachenzuschreibung. Sie sagen Sätze wie „ich habe einfach kein Talent“ (intern und stabil) oder „ich bin zu blöd dafür, das werde ich nie lernen“ (intern und stabile = mangelnde Begabung). Mit solch einer Ursachenzuschreibung fühlen sie sich schlecht und sind wenig motiviert an ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten zu üben.
Lernen von Bernhard Langer
In diesem Zusammenhang fällt mir immer wieder eine Szene von Bernhard Langer, dem ehemaligen Goldprofi, ein. Es ist schon sehr lange her, doch während eines Golfturniers landete sein Ball auf einem Baum. Der Moderator meinte, der Ball sei verloren. Doch Langer kletterte auf den Baum und schlug den Ball wieder aufs Grün und beendete das Loch mit Par. Ein Reporter sagte zu ihm nach dem Spiel, „da hatten Sie aber Glück.“ Langer antwortete: „Ja, das ist mir auch schon aufgefallen, je mehr ich trainiere, desto mehr Glück habe ich.“
Übrigens hat auch die Ursachenzuschreibung Einfluss darauf, wie wir uns fühlen und welche Erwartungen wir entwickeln. Paul war der Meinung, dass sein Ergebnis variabel ist, somit erwartet er, dass, wenn er sich mehr anstrengt, sein Ergebnis zukünftig besser ausfallen wird. Hätte ein Athlet die Erwartung, das gezeigte Ergebnis entspräche seiner stabilen Leistung, entstünde eine Erwartung, dass auch in Zukunft ein ähnliches Ergebnis möglich ist. In den Dimensionen innerhalb oder außerhalb einer Person, spiegeln sich die Gefühle wider. Wenn wir ein erfolgreiches Ergebnis auf Glück (extern) zurückführen, fühlen wir uns zwar gut, sind aber weniger stolz und glücklich, als wenn das Ergebnis auf unsere eigene Anstrengung (intern) zurückzuführen wäre.
Abbildung: Ursachenzuschreibung, in Anlehnung von Cole et al., 2008
Fazit
Wem du die Ursache für deinen (Miss-)erfolg zuschreibst, hat Einfluss darauf, ob du motiviert bist und wie du dich fühlst. Wenn du dein Ergebnis auf Glück oder Pech zurückführst, tut das vielleicht deinem Selbstvertrauen gut, doch wirst du keine Motivation fürs Training haben. Gibst du den Organisatoren, dem Schiedsrichter oder der Aufgabenschwierigkeit oder sonst wem oder was außerhalb deiner Person die Verantwortung für dein Ergebnis, wirst du ebenfalls wenig Motivation für dein Training entwickeln. Genauso wenig, wie wenn du dir einredest, du seist zu blöd für diesen Sport. Wenn du aber die Ursache für deinen (Miss-)erfolg in deiner Anstrengung siehst, dann wirst du ziemlich sicher Motivation für weiteres Lernen und Üben entwickeln können. Wenn wir uns ansehen, wie viel Zeit und Energie erfolgreiche Athleten investieren, scheint Erfolg schon wesentlich von der eigenen Anstrengung abzuhängen.
Also, frage dich: Was ist dein persönlicher Beitrag für deinen (Miss-)Erfolg? Diese Frage kann hervorragend als Startpunkt für eine erfolgreiche Zusammenarbeit sein. Traut euch! Antwortet meinen Kolleginnen gern direkt (zur Übersicht), mir (zur Profilseite von Yvonne Dathe) oder über unsere Social Media Kanäle.
Abbildung: Ursachenzuschreibung, in Anlehnung von Cole et al., 2008
Über die Sportpsychologie existieren einige Mythen. Zum Beispiel, dass im amerikanischen Sport, jeder und jede, der oder die drei Schritte geradeaus machen kann, einen Sportpsychologen oder eine Sportpsychologin an seiner Seite weiß. Enosch Wolf, der in den USA College-Basketball spielte, kann definitiv mehr als drei Schritte geradeaus machen und kommt dabei sogar ziemlich hoch hinaus. Der 32-jährige Basketball-Profi, der seit dem Sommer beim Zweitligisten RASTA Vechta spielt, teilt mit uns seine unterschiedlichen und spannenden Erfahrung mit der Sportpsychologie.
Zum Thema: Sportpsychologie im Basketball
Enosch Wolf, um Interessierten – unabhängig von der Sportart – die Kraft der Sportpsychologie zu erklären, wird häufig der Basketballfreiwurf herangezogen. Kannst du erklären, wieso und hältst du es für zielführend, dieses „Bild“ zu verwenden?
Ich denke, dass Bild des Freiwurfs wird dazu genutzt, um die grundlegende mentale Komponente im Sport zu verdeutlichen. Wenn man unsicher an die Freiwurflinie geht und mit Angst wirft oder denkt, man wird vielleicht daneben werfen, wird man meistens nicht so erfolgreich treffen. Wenn man es allerdings mit Selbstvertrauen angeht und überzeugt davon ist, lässt sich einfacher der Fokus auf den Wurf halten und man wird erfolgreicher abschließen.
Allerdings denke ich, dass dieses Bild der Tragweite und Tiefe der Sportpsychologie bei weitem nicht würdig ist. Sicher ist es ein wichtiger Punkt, der ein verbreitetes Problem anspricht, die Angst vor dem Versagen, aber ich denke, dass es weitaus mehr und besonders individuelle Baustellen gibt, die man mit der Sportpsychologie angehen kann.
Auf deinem Weg zum Basketball-Profi in Deutschland hast du den „Umweg“ über die USA nehmen dürfen. Wie viel mentalen Input hast du speziell bei deinen College-Teams bekommen, war Sportpsychologie dort ein Thema?
Leider habe ich auch dort wenig förderlichen Input im Rahmen der Sportpsychologie bekommen. Also, aktive Arbeit mit Sportpsychologen gab es damals nicht. Des Weiteren herrschte besonders am College auch eher die Einstellung „Go hard or go home!“ – du darfst keine Schwäche zeigen und musst immer tough sein. Was im Leistungssport sicherlich zu Teilen seine Daseinsberechtigung hat, jedoch auch nicht um jeden Preis. 2-3 Mal gab es Vorträge von Alumni o.ä. wo es immer um Themen wie Durchhaltevermögen, harte Arbeit und solche Dinge ging. Allerdings gab es nie jemanden, der wirklich Tools und Wege gezeigt hat, wie man mit seinen Problemen und seiner psychischen Gesundheit umgehen kann.
Wie etabliert ist die Sportpsychologie im deutschen Basketball? Einige unserer Profilinhaber von Die Sportpsychologen arbeiten oder haben in deiner Sportart gearbeitet. Darüber hinaus scheint es aber nicht so, dass der Basketballsport in Sachen professioneller oder innovativer Einbindung der Sportpsychologie anderen Spielsportarten krass enteilt wäre?
Ich würde nicht sagen, dass man behaupten könne, die Sportpsychologie sei überhaupt etabliert. Wie du bereits sagst, mag es gewiss Einzelfälle geben, wo mit Sportpsychologen gearbeitet wird. Aber mir ist auf die Schnelle kein Verein bekannt, bei dem explizit mit einem Sportpsychologen gearbeitet wird.
Einzig in meiner Zeit bei den Hamburg Towers (jetzt Veolia Towers) haben wir mit Hinnerk Smolka, einem „Team-Coach“, gearbeitet. Ich habe diese Zusammenarbeit sehr begrüßt, einige meiner Kollegen nicht so sehr. Ich muss allerdings auch zugeben, dass mir die vielen positiven Effekte der Arbeit mit Hinnerk erst zwei, drei Jahre nach meiner Zeit in Hamburg aufgefallen sind, ganz nach dem Motto „man weiß erst, was gut ist, wenn man es nicht mehr hat“.
Bist du eigentlich ein Freund des individuellen sportpsychologischen Trainings, dass im Zweifel jeder Spieler oder Spielerin aus eigener Tasche zahlt, oder zählst du zu den Verfechtern, die sagen, der Verein solle mindestens einen Experten oder eine Expertin im Trainerstab platzieren?
Da würde ich mich nicht auf eine Seite stellen. Ich bin auf jeden Fall Fan der individuellen sportpsychologischen Betreuung. Oft ist das finanzielle Investment allerdings eine Hürde. Ich denke, da sind viele Spieler nicht bereit, Summe X im Monat für so eine Betreuung auszugeben. Ich denke, da wäre etwas mehr Initiative von den Vereinen super und wer wirklich an der Entwicklung seiner Spieler interessiert ist, sollte sich zumindest einmal mit der Thematik auseinandersetzen. Allerdings kann ich auch die Vereine verstehen, finanzielle Mittel sind knapp im Basketball, Spieler oft nur eine Spielzeit bei einem Verein. Wie viel hat ein Verein wirtschaftlich am Ende dann von so einem Investment? Zumal ich aus eigener Erfahrung auch sagen kann, dass die Effektivität sinkt, sobald man so etwas als Pflichtveranstaltung von Vereinsseite aus organisiert. Ein Spieler muss diese Betreuung wollen und sich offen dafür zeigen, um Erfolge zu erzielen.
Zusammenfassend würde ich aber jedem Spieler empfehlen, es zumindest einmal auszuprobieren und das Geld in die eigene mentale Gesundheit zu investieren. Wer ein paar hundert Euro für eine vibrierende Massage Pistole ausgibt, kann das Geld lieber in ein paar Stunden sportpsychologische Betreuung investieren. 😉
Konntest du auf deinem Weg von der Sportpsychologie profitieren oder hättest du gern intensiver auf Know-How zurückgegriffen? Und was wirst du mit den Skills, die du aus der Sportpsychologie mitgenommen hast, in deiner beruflichen Laufbahn anfangen?
Wie bereits erwähnt, habe ich von der Zusammenarbeit mit Hinnerk Smolka in Hamburg profitiert. Allerdings hätte ich mit Blick auf meine gesamte Karriere gerne mehr und intensiveren Zugang zu diesem Thema gehabt.
Als Folge einer schweren Gehirnerschütterung in der Vorbereitung der letzten Saison hatte ich mit depressiven Episoden zu kämpfen. Zuerst wurde ich auf dem Weg zurück auf den Court durch eine Sportpsychologin betreut, als die depressiven Episoden begannen, habe ich mit einer Verhaltenstherapie bei einem Psychologen begonnen. Es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Ich konnte in wenigen Therapie Monaten immense Fortschritte für mich und meine Gesundheit machen. Dies hätte ich gerne früher in meinem Leben gemacht.
Ein großer Punkt, den ich aus der sportpsychologischen Betreuung mitgenommen habe, ist es, mehr auf mich zu achten. Als Sportler beißt man sich immer, immer wieder durch Dinge durch. Sei es mal eine Krankheit, eine Verletzung oder mentale Probleme. Man hat immer das Gefühl, man muss einfach funktionieren. Dies kann sich über einen langen Zeitraum in sehr negativen Verhaltensmustern äußern und zu Teufelskreisen führen. Auch mal zu sagen „hey, ich kann gerade nicht“ oder „ich muss mal 1-2 Tage kürzer treten“ ist absolut nicht verwerflich. Es ist sogar notwendig, um konstant seine beste Leistung abzurufen.
Damit einhergehend ist die Pflege der eigenen mentalen Gesundheit. Sei es durch die Optimierung des Schlafs, das Meditieren oder andere Verhaltensweisen, die der Psyche gut tun. Das sind alles Dinge, die ich für mein Leben mitnehmen werde.
Es war eine aufregende und vorerst letzte Europapokalnacht in Köln Müngersdorf. Das Europa Conference League Spiel des 1. FC Köln gegen OGC Nizza war ein Endspiel. Ein Endspiel in der Gruppenphase, welches über das Weiterkommen in die Haupt- bzw. Zwischenrunde entscheidet. An diesem Spiel will ich die Besonderheiten eines solchen Spieltages erklären und deutlich machen, dass es gar nichts Besonderes sein muss.
Zum Thema: Der Umgang oder besser Zugang zu besonders wichtigen Spielen
„Die Ausgangslage“: Aufgrund des Abschneidens an den fünf vorherigen Spieltagen war eins schon vor Anpfiff klar. Der 1.FC Köln MUSS gewinnen, um im Wettbewerb überwintern zu dürfen. Je nach Konstellation konnte der „Effzeh“ als Gruppenerster direkt ins Achtelfinale einziehen oder als Gruppenzweiter in die Zwischenrunde gelangen, wo es gegen einen Absteiger aus der Europa League dann um einen der begehrten Plätze für das Achtelfinale gegangen wäre. Ein Unentschieden oder eine Niederlage hätte das Aus für den Fußballclub aus Köln bedeutet.
Dementsprechend könnte man meinen, dass die Anspannung bei allen Beteiligten sehr groß war. Es ging einfach um viel. Um die Möglichkeit, sich weiter auf europäischer Bühne zu präsentieren, weitere Gelder zu erhalten und eben auch persönliche und mannschaftliche Ziele zu erreichen.
Unsere Individualität
Was eine solche Konstellation mit einem machen kann, haben wir alle in irgendeiner Form schon erlebt… Natürlich wissen wir nicht, wie die Spieler von Trainer Steffen Baumgart und der Trainer persönlich sich vor diesem Spiel gefühlt haben oder wie ihre Gedanken waren. Zumal jeder Mensch mit einer solchen Ausgangslage anders umgeht. Schauen wir doch mal, was mögliche Herangehensweisen sein könnten, wenn wir die Ausgangslage etwas kategorisieren.
Der Neue: Im Team des 1.FC Köln herrschen aktuell einige Verletzungssorgen. Dies bedeutete aber auch, dass viele junge Spieler des Vereins bei dem Spiel gegen Nizza Berücksichtigung gefunden haben. Auf der Bank saß unter anderem Rijad Smajic. Der 18-jährige Verteidiger gehört eigentlich zur 2. Mannschaft der Kölner. Regionalliga oder Europa Conference League, Franz-Krämer-Stadion mit 1000 oder Rheinenergiestadion mit knapp 50.000 Menschen. Dazu die Frage, ob Einsatzminuten oder Bank? Mögliche Szenarien, die einem durch den Kopf gehen können, wenn man bei dieser Atmosphäre in ein Stadion kommt. Die möglichen Gegenspieler des Abends waren schließlich ja auch keine Unbekannten…Mit Dante ein 39-jähriger, der in der Bundesliga sich schon verdient gemacht hatte, der Waliser Aaron Ramsey oder auch Torwart Kasper Schmeichel, der mit Leicester City schon die Premier League gewonnen hatte. Was macht das mit einem so jungen Spieler, der Dante vielleicht noch als kleiner Junge am Fernseher verfolgt hat als dieser für Borussia Mönchengladbach oder die Bayern aufgelaufen ist? Gedanken über Gedanken, die nachvollziehbar in dem Kopf des jungen FC Profis hätten ablaufen können.
Routinier und Comebacker
Der Routinier: Natürlich gibt es auch diejenigen, die sich einfach darauf freuen, sich gegen andere internationale Teams zu messen. Mit Vorfreude darauf, es denen zu zeigen, die bekannten Namen mal zu ärgern oder als Spieler des frechen Domstadtclubs, den Gegnern gehörig auf die Nerven zu gehen und sie zu Fehlern zu zwingen. Immer im Wissen um die eigene Stärke.
Der Comebacker: Und dann so ein wichtiges Spiel. Die Verletzung ist gerade noch soweit abgeklungen, dass man es in den Kader geschafft hat und auf Einsatzminuten hofft. Gegebenenfalls waren das Gedanken des Jan Thielmanns. Kölns U21-Nationalspieler hatte die letzten acht Spiele verpasst und stand nun wieder im Kader der Rot-Weißen. Vier Wochen kein Pflichtspiel. „Komm ich wieder rein?“ „Traue ich mir schon wieder alles zu?“ „Ist das Ballgefühl das selbe wie vorher?“ „Kann ich mich dem Spielverlauf anpassen, wenn ich von der Bank komme?“ Auch das sind Gedanken, die Spieler schon mal hatten, die man kennt, die einen umtreiben können, wenn man in solchen oder ähnlichen Situationen steckt.
Der Spieler und der besondere Glanz
Spiele auf internationalem Niveau. Nicht vielen Kickern ist es vorbehalten, dort sein Können zeigen zu dürfen. Und genau der Fakt, dass es nicht viele Menschen sind, denen so etwas vergönnt ist und zudem der limitierende Faktor, dass das Abenteuer nach sechs Vorrundenspielen auch schon vorüber sein kann, geben Anlass zur Sichtweise, dass es etwas ganz Besonderes ist. Statt mit dem Bus nach Bochum, Bremen, Frankfurt und Co., geht es nun mit dem Flieger schon am Vortag nach Nizza, in die Slowakei oder nach Belgrad. Auch die Umstellung der Spielzeiten, der Spiele unter der Woche zwischen den wichtigen Bundesligapartien, das Flutlicht – all das verleiht diesen besonderen Charme.
Spürbar ist das Neue und das Besondere für alle. Allein die Umstellungen des gewohnten Ablaufes unter der Woche drücken dem Ganzen einen besonderen Stempel auf. Es ist eben noch nichts Routiniertes, Alltägliches und Bekanntes. Es ist neu, aufregend und spannend. Dies verdeutlicht noch einmal, wie unterschiedlich Ausgangslagen und Herangehensweisen an besondere Situationen und Spiele sein können.
Was ist also entscheidend?
Entscheidend ist, die Individualität genauso zu berücksichtigen und vor allem sich seiner eigenen Individualität bewusst zu sein. Wie geht es mir mit der Situation? Was sind eigentlich meine Sichtweisen und Gedanken? Gehe ich anders in ein solches Spiel als in ein Testspiel oder ein Bundesligaspiel? Was genau verändert sich denn für mich? Sind es die Zuschauer, ist es das unbekannte Stadion, das fremde Land und das Hotelbett, sind es die Gedanken, wer zusätzlich zum nationalen Spieltag meine Leistung sieht und über mich demnach urteilt? Viele Gedanken, die auf der Suche nach einer Bearbeitung wichtig sind. Denn nur wenn der Kern gefunden wird, kann dem etwas entgegengesetzt werden.
Ein Beispiel dazu…Ich persönlich glaube, wenn ich Spieler wäre, würde ich mir eine Menge Gedanken hinsichtlich der Zuschauer und der weltweiten TV-Ausstrahlung dieser internationalen Spiele machen. Ich würde vielleicht sogar besorgt sein, dass Fehler durch alle sozialen Netzwerke rasen und ich mich damit konfrontiert sehe. Mögliche Konsequenzen könnten sein, dass ich mich viel zu sehr auf das Außen und die Rahmenbedingungen konzentriere und damit Anteile meiner Aufmerksamkeit für meine Arbeit auf dem Platz verlieren. Lässt sich das Grafisch darstellen? Versuchen wir es im nächsten Schritt mit Hilfe von Bildern.
Die Aufmerkamkeit
Vergleichen wir nur einmal, was es optisch ausmacht, wie ein leeres und wie dann ein volles Stadion wirkt, ganz abgesehen von der akustischen Untermalung, für die die Zuschauer sorgen…
Leeres Stadion…
alle Blicke auf mich?
Bestenfalls schaffe ich es in dieser besonderen Atmosphäre, all meine Aufmerksamkeit bei mir und meiner Aufgabe zu behalten. Den Pass sauber annehmen, verarbeiten, weiterleiten. Volle Konzentration auf jede Handlung, mit Hinzunahme der Spielfeldübersicht, des Erkennens von Laufwegen meiner Mitspieler und Antizipationen, die mein Handeln dann entscheiden und ich zur Umsetzung komme. So weit so gut. Doch wann schaffen wir es wirklich, die volle Aufmerksamkeit bei uns zu behalten?
Störfaktoren
Mögliche Störfaktoren, die deiner Aufmerksamkeit Anteile rauben können:
Zuschauer
Medien
Umfeld
Konsequenzen
Und dies bringt uns dazu, dass wir nicht unsere volle Leistungsfähigkeit abrufen können. Gedankliche Sprünge in die Vergangenheit, („ah beim letzten Mal gegen Belgrad lief es auch schon nicht gut“) wie auch Sprünge in die Zukunft („Wenn ich den Ball jetzt nicht endlich im Tor unterbringe, dann wechselt mich der Trainer bestimmt aus“), nehmen uns zusätzlich Kapazität für das Zeigen unseres gesamten Potentials.
Fokus auf die Aufgabe
Es gibt einige sportpsychologische Trainings, die es ermöglichen, sich gedanklich mehr auf sich und die Aufgabe zu fokussieren. Wie das Wort schon sagt, bedarf es dort wirklich Trainings, die Aufgaben beinhalten, leichtere und schwere. Auch für Spieler, wie Jan Thielmann, die aus einer Unterbrechung zurückkommen, ist die eigene Betrachtung der Situation wichtig. Sein Selbstbewusstsein ist möglicherweise im Vergleich zum U21-Europameistertitel auf Grund der Pause nicht mehr so hoch ausgeprägt, weil die aktuellen Erinnerungen an die eigenen Fähigkeiten verblasst sind. Auch hierbei kann sportpsychologisches Training helfen, neben der körperlichen Reha auch mental sich vollends zu erholen und auch im Kopf wieder 100% fit zu sein. Die persönliche Passung und ständige Selbstreflektion sind dabei elementar.
Wichtig: Das gemeinsame Erarbeiten von seinem individuellen Vorgehen kann einen großen Teil dazu beitragen, sein volles Potential in Spiel- und Wettkampfsituationen abzurufen, wenn es darauf ankommt. Wer will schon mit weniger PS unterwegs sein, als einem eigentlich zur Verfügung stehen?!
Die Floorball-Weltmeisterschaft in Zürich und Winterthur wird alles in den Schatten stellen, was die Sportart Unihockey in der Schweiz bislang hervorgebracht hat. Dies soll für die Zuschauerzahlen, die mediale Öffentlichkeitswirksamkeit genauso gelten wie für das sportliche Ergebnis. An letzterem Punkt wird auch sportpsychologisch gearbeitet. In einer aktuellen TV-Produktion, an der Die Sportpsychologen Redaktionsleiter Mathias Liebing als Autor beteiligt war, erlaubt der Schweizer Nati-Goalie Pascal Meier einen Einblick in seine mentale WM-Vorbereitung.
Zum Thema: Sportpsychologische Vorbereitung auf ein Großereignis
In der aktuellen SRF-Dokumentation “Wir – Weltmeister? Die Unihockey Nati vor der Heim-WM” ist Pascal Meier vor einem Spiegel in der Schweizer Team-Kabine zu sehen. Bis in die Haarspitzen konzentriert. Voller Fokus. Eine unmittelbare Wettkampfvorbereitung für Sportler wie ihn wie aus dem Lehrbuch. Allerdings: Meier war an diesem Tag nur zweiter Torhüter – der Einsatz im Vorbereitungsspiel gegen Schweden war seinem Ersatzmann Patrick Eder vorbehalten. Dennoch hat sich Meier vorbereitet wie für jede andere Partie auch, ganz egal, ob es ein WM-Halbfinale mit ihm im Mittelpunkt oder eben ein WM-Vorbereitungsmatch auf der Ersatzbank ist.
“Pascal Meier ist ein Sportler, der sich sehr gewissenhaft vorbereitet. Dies schätze ich unheimlich an ihm”, sagt Cristina Baldasarre, die den Torhüter seit einigen Jahren begleitet. Insbesondere vor Großereignissen wie der Heim-WM, die vom 5. bis zum 13. November in Zürich und Winterthur stattfindet, erarbeiten die beiden Strategien für die sportliche Leistungsfähigkeit. Baldasarre: “Der Fokus liegt bei Pascal, wie bei allen anderen Sportlern und Sportlerinnen, die sich für die Sportpsychologie entscheiden, darauf, das Selbstvertrauen und die innere Stärke dann abrufen zu können, wenn sie wirklich gebraucht wird.”
Vorbereitung als Schlüssel für Top-Performance
Im Rahmen der Dreharbeiten für die einstündige TV-Dokumentation, welche die Nationalmannschaft hautnah im WM-Jahr begleitet, bekamen Torhüter Meier und Sportpsychologin Baldasarre die exklusive Möglichkeit, als allererste den WM-Schauplatz zu besuchen. Denn die Swiss Life Arena, in der fast alle Schweizer WM-Partien stattfinden werden, wurde bis zum Spätsommer noch erbaut. Entstanden ist die modernste Multi-Event-Arena Europas. In der Doku ist zu sehen, wie Meier im Frühsommer während der Bauarbeiten die Schweizer Teamkabine betritt und mit Bauhelm und Weste Zugang zum Innenraum bekommt. Eindrücke, die er gut für seine Vorbereitung nutzen kann, wie Meier sagt: “Ich befasse mich vorher mit allen Dingen, mit denen ich vor und im Spiel konfrontiert werden könnte, so dass mich Unwichtigkeiten während der Partie nicht ablenken können. Im Spiel will ich den vollen Fokus auf das Geschehen auf dem Feld haben, sozusagen richtig eintauchen.”
Das Ziel von Pascal Meier benennt er in der Dokumentation ganz klar: Er will Weltmeister werden. Nicht umsonst hat er in den vergangenen Jahren so intensiv wie kaum ein anderer Schweizer Floorball-Nationalspieler in sportpsychologische Skills investiert. Das SRF berichtet umfassend mit Live-Übertragungen von der WM, in Deutschland sind alle Turnier-Spiele auf dem Twitch-Kanal Spontent zu sehen. Die Doku gibt es hier mit deutschen Untertiteln: https://youtu.be/Y-m4fv07XX4
Aufklärung über sexuelle, psychische und physische Gewalt ist ein unangenehmes Thema im Sport – nicht nur im Sport – auch in der Familie, ebenso auf der gesellschaftlichen Ebene. Ein bisschen läuft die Diskussion ja so: Es ist wichtig, aber wir reden am besten nicht zu viel darüber. Wir sind selbstverständlich gegen jegliche Gewalt, aber zu viel Aufmerksamkeit könnte auch eine gewisse Überempfindlichkeit auslösen – eine komplizierte Geschichte. Eine besondere Rolle kommt dabei Trainern zu. Denn nur selten wird bei Präventionsmaßnahmen gegen sexuelle, psychische und physische Gewalt im Sport thematisiert, inwiefern Schutzkonzepte auch Trainer schützen können.
Zum Thema: Sexuelle, psychische und physische Gewalt im Sport mit Blick auf die Trainerrolle
In der Tat erschüttert jede Schlagzeile über bekannt gewordene Fälle die Sportwelt und trifft sie in der Regel unvorbereitet. Nicht unbedingt unvorbereitet, weil keine Schutzkonzepte erarbeitet sind, sondern weil es unerwartet ist, verborgenes und menschliches Leid zum Vorschein bringt: Scham, Ohnmacht, Misstrauen, Konflikte, unangenehme Themen und sehr private, sensible Bereiche werden plötzlich öffentlich und auch öffentlich diskutiert – Themen, mit denen die meisten Menschen generell ungern und sehr schwer umgehen können.
In der Aufklärungsarbeit hört man oft das Argument der Verunsicherung: Ich traue mich mittlerweile nicht mehr dies oder jenes tun, was bis jetzt selbstverständlich zum Trainingsprozess gehörte. Die Grenze zwischen alltäglicher Arbeit im Training und Grenzverletzung wird unscharf. Was darf ich und was könnte die Grenze des anderen verletzen? Das zeigen auch die meisten Fragen der Teilnehmer solcher Veranstaltungen: Sie fragen nach ganz konkreten Handlungen aus ihrem beruflichen Sportalltag. Zum Beispiel: Wir müssen mal die Hüftstellung korrigieren. Wie mache ich es so, dass keine Grenzen überschritten werden? Betrachtet man dieses Problem aus der Vogelperspektive, ist es eine Unsicherheit über die eigene Handlung. Unsicheres Handeln verunsichert selbstverständlich jeden, daher möchte auch jeder, genaue Antworten oder Lösungen für ganz konkrete Situationen, quasi eine sichere Handlungsanleitung. Doch so einfach ist das nicht, denn es ist unmöglich jegliche sportliche Interaktion zwischen Trainer und Athlet einzeln durchzugehen. Ganz genaue Antworten sind auch unmöglich, weil Grenzen individuell sind, demzufolge auch Grenzverletzungen verschieden. Trainer wissen, nicht jeder Athlet tickt gleich, der eine hat kein Problem mit Berührung bei der Hilfestellung, dem anderen ist es unangenehm. So ist der Trainer mit zahllosen Interaktionen und vielen individuellen Grenzen konfrontiert und ja, zunächst vielleicht auch überfordert. Das Ende der Geschichte ist ein überstandener Workshop, ein Häkchen auf der Agenda und ein, zwei Punkte, die vielleicht noch etwas länger im Gedächtnis bleiben. Schade! Der Kern eines jeden Schutzkonzeptes wird nämlich allen rasch deutlich. Wegen der unendlichen Anzahl an Optionen im Sportalltag aber genauso schnell, vielleicht auch ein wenig genervt, beiseite geschoben. Der Kern ist aber nicht einige Punkte auf den Präsentationsfolien. Der Kern ist die eigene Handlung, die Reflexion über das eigene Handeln in alltäglichen Trainingssituationen. Die Reflexion über die eigenen Handlungsgrenzen und infolgedessen ein klares eigenes Handlungskonzept.
Grenzen für das beste Schutzkonzept
Vielleicht wird in der Aufklärungsarbeit und bei Workshops zu wenig thematisiert, dass eigene, klar definierte Handlungen und Grenzen im sportlichen Alltag die Sportler schützen – aber – sie schützen auch den Trainer. Trainer, die klar definierte Handlungsgrenzen haben, handeln nicht unsicher. Sie sind in ihrem Tun fundiert und sicher. Sie können es begründen, folglich problemlos thematisieren, mit den Athleten und Kollegen offen kommunizieren. Das Thema ist auch nicht mehr peinlich, sondern selbstverständlich und das Schutzkonzept transparent, weil lebendig.
Das beste Schutzkonzept eines jeden Verbandes und Vereins ist daher der Sportler, der Trainer, der Betreuer oder der Funktionär mit eigenen, klar definierten Handlungen und ihre Grenzen.
Dieses Programm kann von Sportvereinen und -verbänden für deren SportlerInnen inhaltlich maßgeschneidert und als geschlossene Gruppe genutzt werden.
Dauer: 4-12 Monate, je nach Auswahl der Inhalte
In diesem Live Online-Coaching Kurs über mehrere Monate kombinieren wir 1:1 Einzelcoachings mit Workshops in einer Gruppe.
In den Gruppensessions wird Wissen und Mentaltechniken vermittelt, auch live trainiert und gecoacht. Es besteht die Möglichkeit, eigene Fragen und Anliegen einzubringen.
Format: Workshops, Ausbildung und Online-Coaching über mehrere Monate hinweg in geschlossenem Online Coaching Kurs
So wird Abliefern auch unter Druck leicht und intuitiv!
Neurowissenschaften und Sportpsychologie – Sporthypnose und PEP®- „Klopftechniken“ verstehen und anwenden!
Viele SportlerInnen und deren TrainerInnen kennen die Situation, im Wettkampf nicht die gewünschte und eigentlich aufgrund guter Trainingsleistungen mögliche Performance zu erreichen.
Dabei spielen in vielen Fällen Nervosität und Stress, Lampenfieber, Selbstzweifel, Versagensängste, Verletzungen oder Niederlagen eine Rolle.
Oft sind es auch fehlende Mentaltechniken, wie z.B. die richtige Fokussierung sowie ungünstige innere Dialoge und Selbstgespräche oder das Gefühl, noch nicht „perfekt“ zu sein, die unsere Leistung beeinflussen.
Diese Faktoren sind häufig gar nicht explizit bewusst sind oder sie sind zwar bewusst, aber nicht einfach willentlich steuerbar:
bspw. „gefühlter „Druck“, das Zusammenspiel und die Kommunikation mit dem Umfeld, ungünstige innere Muster in der eigenen Biografie, angegriffenes Selbstwertgefühl oder eben auch „alte“ Erlebnisse, wie Fehler, Unfälle und Verletzungen, von denen man meint, sie „abgehakt“ zuhaben.
Damit können wir auch unbewusste oder unwillkürliche Vorgänge und Muster rekonstruieren und optimieren.
Ein Beispiel dafür wäre die Frage: “Warum traue ich mich nicht, an mein Limit zu gehen und was bremst mich innerlich?”
Oder: “Ich mache immer wieder den gleichen Fehler – woran liegt das?”
Ergänzt wird der Kurs durch Materialien, wie Videos/ Audios/ Arbeitsblätter/ Vertiefungstipps etc. die auf einer eine Online-Plattform zur Verfügung gestellt werden.
Die TeilnehmerInnen erhalten (je nach vereinbartem Umfang):
Fragebogen per Online-Link zur Analyse der individuellen Ziele, Situation, Fragen, Herausforderungen und derzeitigen Performance-Strategie
Mental Performance Check „Professional“
Persönliche 1:1 Live Online Coachings 60-90 min. per Zoom inkl. weiterführender Tipps und Empfehlungen
Nach den Coachings ggf. maßgeschneiderte Audio/ Video-Datei zum Transfer, z.B. mit mentaler Simulation und Fokussierungstechnik zur Vorbereitung von Wettkämpfen (falls passend und angezeigt)
Live Online Treffen (1-2 Stunden) via Zoom über die Laufzeit zu bestimmten Themen und Bearbeitung von Fragen und Anliegen
Online-Plattform: Material für Online Gruppen Treffen und weitere Materialien und Tools wie Fragebögen mit Auswertungen, Videos, Audios, Arbeitsblätter, Vertiefungstipps etc.
Inhalte des Live Online-Coaching Programm sind bspw.:
Aktives Einbringen eigener Fragen und Anliegen, ggf. als Live-Coaching
Überblick über zentrale Mentale Erfolgs-Faktoren: Was braucht es für absolute Spitzenleistung? Was blockiert Spitzenleistung?
Sport- und Performance Psychologie: wie kann mir das weiterhelfen?
Fragebogen per Online-Link zur Analyse Ihrer/ Deiner Ziele, Situation, Fragen, Herausforderungen und derzeitigen Performance-Strategie
Die eigene mentale Performance wirkungsvoll mit dem Mental Performance Check analysieren und daraus Ziele und Maßnahmen ableiten
Die Bedeutung von Vision und Zielen, Ziele wirkungsvoll formulieren: Ergebnis- und Handlungsziele
Neurowissenschaftliche Erkenntnisse:
Mentale Performancevorbereitung, optimale Fokussierung und Simulation mittels (Selbst)/ SportHypnose:
In den Flow kommen durch optimale Synchronisierung von Bewusstem und Unbewussten
Neustart im Kopf! Wie wir nach Fehlern, Niederlagen, Verletzungen, Krisen wieder neu durchstarten! Warum die Überwindung von „negativen“ Erlebnisse oft so schwierig ist und warum kognitive Mentaltechniken allein nicht reichen
Schon als Kind habe ich mir gerne das Guinnessbuch der Rekorde angeschaut und war beeindruckt von dem, was Menschen leisten können. Ich habe mir dann immer wieder versucht vorzustellen, wie sich die Menschen wohl nach ihrem Rekord gefühlt haben. Ich konnte mir ganz gut ausmalen, wie es sein mag, die Bewunderung von anderen zu spüren, etwas Einmaliges geleistet zu haben. Damals hatte ich ja auch schon Erfahrungen dieser Art gesammelt. Ich war nämlich selbst schon sehr stolz auf meine Medaillen, die ich als Bambini-Fußballer bekommen habe und die ich meinen Geschwistern und Klassenkameraden präsentieren konnte. Vor allem aber war ich stolz darauf, vollen Einsatz für meine Mannschaft gegeben zu haben und trotz Schmerz weitergespielt zu haben.
Zum Thema: Motivation für rekordverdächtige Ziele
Später im Studium lernte ich diese Gedanken und Gefühle einzuordnen und durfte kürzlich Fragen dazu bei Deutschlandfunk Nova (Link zum Podcast DLF Nova Update vom 20.10.2022) beantworten. Hier sind meine Antworten auf die drei Leitfragen in Kurzform:
Ob Ironman, Gipfel besteigen ohne Sauerstoff oder Weltrekorde im Langstrecken-Schwimmen – was treibt Menschen da an?
In der Psychologie haben sich aus langen Listen von möglichen Antrieben drei Motive herauskristallisiert, die dem menschlichen Verhalten hauptsächlich zugrundeliegend sind und unter die man andere Beweggründe unterordnen kann: Macht, Anschluss und Leistung.
Bei Höchstleistungen wie neuen Rekorden können alle drei Motive bedient werden, da wir mit mehr Einfluss rechnen können, wenn wir einen Rekord vorweisen (Machtmotiv). Oder von anderen durch den Rekord mehr gemocht und wertgeschätzt werden (Anschluss). Aber vor allem, dass wir und andere Stolz auf eine vollbrachte Anstrengung und ein erreichtes Ziel sind (Leistung).
Warum nehmen manche von uns wahnsinnige Strapazen auf sich, um Rekorde aufzustellen?
Das hängt stark mit unserem körpereigenen Belohnungssystem zusammen. Nach der Belastung ist durch die Bewunderung Lob sicher und das ist als soziales Wesen die größte Währung für uns Menschen. Aber auch unser eigener Stolz, eine körperliche Grenze überschritten zu haben, lässt unseren Körper Hormone und Neurotransmitter ausschütten, die ähnlich wie Drogen wirken und uns in einen rauschähnlichen glücklichen Zustand versetzen können. Für diese Gefühle gehen viele Menschen vorher bis an die Schmerzgrenze.
Und erleben wir das eigentlich im Kleinen auch bei uns selbst, wenn wir z.B. nicht nur hobbymäßig joggen gehen, sondern uns direkt einen Halbmarathon zum Ziel setzen?
Im Prinzip ist der Grundmechanismus bei jedem vorhanden. Wir setzen uns Ziele, die uns an die Grenze dessen bringen, was wir leisten können und wenn wir das am Ende geschafft haben, weil wir genug dafür trainieren oder uns in der Situation über den Schmerz hinwegsetzen, dann werden wir durch Anerkennung und Stolz auch innerlich von unserem Körper belohnt. Allerdings sind die Ziele bei Extremsportlern so viel höher, weil sie sich langsam diesen Zielen angenähert haben und das für andere als unerreichbar wahrgenommene Ziel als realistisch einschätzen können.