Dr. René Paasch: Rundum fit in die neue Saison – Teil 2: Onboarding neuer Spieler

Ein gutes Miteinander und näheres Kennenlernen ist in der saisonalen Vorbereitung sehr wichtig. Es fördert die direkte Kommunikation im Team, steigert Kreativität und Bereitschaft  für Ungewöhnliches. Für die Entwicklung und Erhaltung einer guten zwischenmenschlichen Ebene in Mannschaften braucht es daher zwei Dinge – Zeit und Raum. Zeit, um auf sich selbst und die anderen Charaktere im Team einzustellen und um neue Ideen zu generieren. Und ein offener Raum für all jene Themen, die es sonst nicht in den sportlichen Alltag schaffen, weil sie zu groß, zu komplex oder konfliktbeladen sind. Ein professionell und aufmerksam moderierter Raum der Verschiedenheit im Team, kann jeden zu Wort kommen lassen. Wie Sie diese Ebenen einsetzen können, möchte ich in dem nun folgenden zweiten Teil der „Rundum fit in die neue Saison – Reihe“ näher beschreiben. 

Zum Thema: Neue Spieler schnellstmöglich in das Mannschaftsgefüge einbauen (Teil 2: Integration neuer Spieler)

Die Suche hat ein Ende, der Auswahlprozess für die neue Saison ist abgeschlossen und die Spieler für offene Positionen innerhalb der Mannschaft wurden gefunden. Nun gilt es, neue Spieler optimal ins Team zu integrieren, mit ihren Aufgaben und Rollenfunktion vertraut zu machen und an Ihren Verein zu binden. Dieser Prozess wird auch gerne „Onboarding“ genannt und  ist eine Abkürzung der Phrase „taking on board“, übersetzt „an Bord nehmen“. 

Der Onboarding-Prozess im Fussball besteht aus drei verschiedenen Phasen (modifiziert nach Lohaus, Habermann, 2016). Die erste Phase ist die Vorbereitung. Diese Phase sollte idealerweise unmittelbar nach der Vertragsunterzeichnung beginnen. Wichtiger Bestandteil dieser Phase ist eine ausreichende Information des neuen Spielers. Die zweite Phase „Eintrittsphase“ startet vor dem ersten Trainingstag. Eine Begrüßung, ein Rundgang und eine Vorstellungsrunde sorgen für einen angenehmen Einstieg. Im dritten und letzten Abschnitt des Onboarding-Prozesses ist der Spieler idealerweise bereits perfekt in die Mannschaft integriert. Die folgenden Anregungen sollen Ihnen beim Phasenverlauf helfen:  

Zeit für das persönliche Gespräch

Das vertraute Umfeld verlassen. Neue Spieler wissen noch nicht genau, welche Spielregeln und Gegebenheiten auf sie zukommen. Nehmen Sie sich als Trainer Zeit für die Begrüßung, um erste Unsicherheiten aus dem Weg zu räumen und sie im Team willkommen zu heißen. Vermitteln Sie Ihnen einen Überblick über den Verein und ihre neue Mannschaft. Geben Sie ihnen das Gefühl, gewollt zu sein: Das stärkt ihre positive Identifikation mit dem Verein. 

Zum Profil von Dr. René Paasch: https://www.die-sportpsychologen.de/rene-paasch/

Basisinformationen über den Verein

Sind die persönliche Daten eingerichtet (E-Mail-Adresse, Zutrittskarte u.v.m.), welche Zugangsdaten benötigen Spieler und welche Kontakte sind zur Bewältigung der ersten Schritte wichtig? Führen Sie neue Spieler durch den gesamten Verein, stellen Sie wichtige Personen vor und zeigen Sie Abläufe und Zusammenhänge auf. Vermitteln Sie gleich zu Beginn der Einführung die wesentlichen Informationen. Überfordern Sie jedoch neue Spieler nicht mit einer Informationsflut. Erarbeiten Sie einen individuellen Einführungsplan auf den sich der Spieler jederzeit beziehen kann. Planen Sie dafür ein bis zwei Wochen ein und wählen Sie geeignete Spieler für die Aufgaben aus (Kapitän, bekannte Spieler im Verein etc.). 

Stellen Sie dabei sicher, dass diese Spieler die nötige Zeit dafür bekommen. Durch eine planvolle Phase der Bekanntmachung werden neue Spieler in kurzer Zeit zu gut integrierten Teammitgliedern. Bei der Einführung neuer Kicker ist es enorm wichtig, dass verantwortliche Spieler und das Trainerteam ansprechbar sind. Besonders an den ersten Tagen treten ständig Fragen auf. Je schneller diese beantwortet sind, desto früher ist die Integration abgeschlossen. Bieten Sie zu jeder Zeit die Möglichkeit kurzer Gespräche an und planen Sie während dieser Zeit detaillierte Feedbackrunden ein. Auf diese Weise erhalten neue Spieler kurzfristig alle wichtigen Informationen. Auch das persönliche Empfinden lässt sich in diesen Gesprächen der aktuellen Situation entsprechend erfragen und anpassen. In Verbindung mit den oben genannten Phasen sollten weitere zwei Ebenen als Unterstützung gesehen werden.  

Soziale und werteorientierte Ebene

Die Integration neuer Spieler vollzieht sich nicht nur auf die verschiedenen Kennenlernphasen sondern bezieht sich auch auf die soziale und wertorientierte Ebene (modefiziert nach Brenner, 2018). Die soziale Ebene umfasst die Integration in das neue Sportumfeld. Damit der neue Spieler Kontakte im Team knüpfen kann, wird er mit allen Kollegen vertraut gemacht. Dabei sind vorhandene Spieler, die Abstimmung mit Mannschaftskollegen und die eigene Positionierung innerhalb der Teamstruktur wichtige Bestandteile. Die Integration ist erst dann erfolgreich, „wenn der Spieler als Teil der Mannschaft akzeptiert wird und ein Wir-Gefühl entwickelt hat“. 

Die werteorientierte Ebene beinhaltet die wertorientierte Integration. Hierbei muss sich der Spieler mit den Zielen, Werten sowie Führungsgrundsätzen des Trainerteams vertraut machen. Diese wertorientierte Integration soll nicht nur über Leitbilder, sondern vielmehr über gelebte Werte dem Spieler vermittelt werden, so dass er sich mit dem Verein identifizieren kann. 

Fazit

Die Integration neuer Spieler ist ein wichtiger Teil des Spielermanagements und sollte aus drei Phasen bestehen: Vorbereitungsphase, Eintrittsphase, Integrationsphase. Denn die geplanten Phasen bieten die Chance, den vereinseigenen Onboarding-Prozess des neuen Spielers zeitnah und nachhaltig zu gestalten. Aufgrund gesparter Zeit, schneller Anpassung und weniger Schwierigkeiten, sollte dieses Verfahren einen Standard am Saisonanfang darstellen. Um diese Phasen nachhaltig zu gestalten, sollte dieser Prozess mit sozialer und wertorientierter Herangehensweise unterstützt werden. Da die Integration eines neuen Spielers auf der fussballspezifischen Ebene in der Regel eher leicht fällt, sollte der Trainer darauf achten, dass die Integration auf der sozialen und wertorientierten Ebene ebenso in ausreichendem Maße berücksichtigt wird. Sportlich wird sich das lohnen!

Literatur 

  1. Lohaus, D. Habermann, W. (2016): Integrationsmanagement – Onboarding neuer Mitarbeiter. 2., unveränderte Auflage. Göttingen, Bristol, CT: Vandenhoeck & Ruprecht
  2. Brenner, D. (2018): Onboarding: Als Führungskraft neue Mitarbeiter erfolgreich einarbeiten und integrieren. Springer Gabler; Auflage: 2014
  3. Brenner, D. Brenner, F. (2001): Inplacement – neue Mitarbeiter erfolgreich einarbeiten und integrieren. Eine Arbeitshilfe für Führungskräfte. Köln: Dt. Wirtschaftsdienst.

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