Frage und Antwort: Mentale Blockaden

Erst passiert es einmal. Und so etwas kann ja mal vorkommen, oder? Dann ein zweites Mal. Und dann wird es irgendwie schon komisch, oder? Wenn es dann das nächste Mal auftritt, steht das Problem unverrückbar im Weg. Aber wie lässt es sich bei Seite räumen?

Zum Thema: Umgang mit Blockaden

Im Rahmen unserer neuen Rubrik: “Du fragst, wir antworten” hat uns nun eine Frage genau zu diesem Thema erreicht. Gefragt hat ein Nachwuchsturnerin, die zuletzt häufiger mit Angst- und Blockade-Situationen zu kämpfen hat. Anke Precht aus Offenburg (zum Profil), Markus Gretz aus Ulm (zum Profil) sowie die beiden Leipziger Klaus-Dieter Lübke Naberhaus (zum Profil) und Prof. Dr. Oliver Stoll (zum Profil) haben auf die folgende Anfrage geantwortet: 

“Wie kann man am besten gegen mentale Blocks vorgehen, bei Dingen die man eigentlich kann und sie schon geschafft hat, aber jedes mal aufs neue Angst bekommt?”

Anke Precht

Antwort Anke Precht (Link zum Profil):

Liebe Sportlerin, 

klasse, dass du dich diesem Thema stellst und es überwinden möchtest. Das lohnt sich wirklich!

Generell hilft alles gegen diese Angst, was auch gegen andere Ängste hilft. Atemtechniken können Spannung reduzieren helfen. Ganz einfach geht diese hier: Du atmest durch die gespitzten Lippen vollständig aus, bis wirklich nichts mehr aus der Lunge herauskommst. Dann atmest du zügig durch die Nase ein und hältst die Luft vier Sekunden lang an. Das wiederholst du dreimal. Diese Übung wirkt entspannend. Du kannst sie sogar in dein Ritual einbauen, bevor du deine Übung zeigst.

In der Sporthypnose nutzen wir außerdem eine Technik, die wir Visualisierung nennen. Du kannst sie auch ohne Hypnose anwenden, indem du dir vorstellst, wie du deine Übung richtig richtig gut absolvierst und hinterher glücklich und stolz bist. Der Trick dabei: Solange du den mentalen Block noch nicht ganz sicher los bist, lässt du den Film rückwärts laufen. Du fängst also am Ende der erfolgreichen Übung an, stellst dir vor, wie du dich von außen beobachtest, wie du sie sauber abschließt. Dann gehst du Szene für Szene rückwärts, stellst dir jedes Element genauso vor, wie du es turnen möchtest, bis zum Anfang. Dann lässt du den Film noch einmal vorwärts laufen, und dann noch einmal rückwärts, und schließt die Übung damit ab. Das solltest du täglich machen, außerhalb vom Training, am besten abends vor dem Schlafengehen, damit es nachts auf dein Unterbewusstsein wirken kann. Die Technik kann man erweitern, aber häufig hilft sie in Kombination mit der Atemtechnik schon richtig gut weiter.

Klaus-Dieter Lübke Naberhaus

Antwort Klaus-Dieter Lübke Naberhaus  (Link zum Profil):

Ergänzend zu Ankes Vorgehen läßt sich noch sagen, dass es durchaus zunächst sinnvoll sein kann, die Ursache der Blockade herauszufinden. Hier kann eine mentale Reise in die Vergangenheit hilfreich sein, die z.B. in leichter Trance erfolgen kann, um die Erinnerungen aus dem Unterbewußtsein wieder bewußt zu machen. Also die Frage beantworten zu können, wann war noch alles abrufbar und durchführbar und was ist passiert, dass die Blockade entstand? Dies können Themen sein, die mit dem Sport gar nichts zu tun haben, wie z.B. schulische Themen, oder aber auch leichte Verletzungen, Kommentare des Trainers und vieles mehr. 

Danach richtet sich dann auch das weitere Vorgehen. Es können sich dadurch “Glaubenssätze” gebildet haben, wie z.B. ich kann das nicht, ich habe Angst davor. Diese gilt es herauszufinden und dann im besten Falle aufzulösen und durch andere Glaubenssätze zu ersetzen.

Die von Anke angegeben Techniken sind unabhängig von der Ursache hilfreich.

Prof. Dr. Oliver Stoll

Antwort von Prof. Dr. Oliver Stoll (Link zum Profil):

Das Herausfinden, wo die Angst herkommt – wie von Klaus schon gesagt – ist zunächst wichtig. Hängt deine Angst vielleicht damit zusammen, dass du in jüngerer Vergangenheit sehr schlechte Erfahrungen gemacht hast – vielleicht bist du gestürzt? So eine Erfahrung brennt sich schnell im Gedächtnis fest. So etwas lässt sich aber ganz gut in den Griff bekommen, wenn man eine “Gegenkonditionierung” durchführt. Soll heißen: Dass man diesen “fest gebrannten” Zusammenhang aus der Übung und der Angst auflöst und mit einer positiven Erfahrung neu “verbindet”. Das dauert zwar etwas, ist aber sehr effektiv.

Antwort von Markus Gretz (Link zum Profil):

Im Trainingsalltag empfiehlt es sich die Übung, die wegen Angst blockiert ist, nicht gleich zu Beginn nach dem Aufwärmen zu versuchen. Zwar hat man da noch am meisten Kraft und auch die Konzentration ist meist am höchsten, jedoch ist das nötige Vertrauen und Gefühl für den eigenen Körper oft noch nicht ganz da. Vorher sollte man sich durch Übungen, die man sicher beherrscht, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten holen. Wenn man dann kurz vor der Übung einen erfolgreichen Ablauf visualisiert, wird das Selbstvertrauen nochmal gestärkt. Dabei ist es besonders sinnvoll, sich kurz vor der Übung einen optimalen Ablauf in Echtzeit vorzustellen und sich keine Gedanken über mögliche Fehler zu machen oder den Ablauf in Zeitlupe zu visualisieren. Dann ist man top vorbereitet für die Übung und kann sich mit genügend Sicherheitsmaßnahmen auch wieder den eigenen Herausforderungen stellen.

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    Mathias Liebing
    Mathias Liebinghttps://www.torial.com/mathias.liebing

    Redaktionsleiter bei Die Sportpsychologen und freier Journalist

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