Erst vor kurzem war ich auf einer Veranstaltung eingeladen, die voll und ganz im Zeichen der digitalen Revolution stand. Neben einem Vortrag, den ich zu Digitalem Stress halten durfte, erfuhr ich auch wieder einiges über Trainingssimulationen von anderen Kollegen. Die gezeigten Erkenntnisse und Entwicklungsschritte in Bezug auf virtuelle Trainings ließen mich stutzig werden. Wenn es um Widerstandsfähigkeit und mentale Gesundheit geht, so geht es immer auch um analoge Bezugspersonen (Werner, 1977). Um zwischenmenschlichen Austausch und um Face-to-Face Kontakte. Mehr noch als um Face-time, wie sich die anwenderfreundliche IPhone Videotelefonie nennt – geht es um allgemeine Sicherheiten im Umgang mit digitalen Medien. Was in der Wirtschaft gilt, gilt nämlich auch im Sport: Verunsicherungen durch Technik verursachen das höchste Maß an digitalem Stress (Gimpel et. al., 2018). Auch im Sport sollten wir darüber Bescheid wissen. Schließlich geht es dabei einerseits um die mögliche Unzuverlässigkeit unserer (Tracking-)Geräte und andererseits um die nicht vorhersagbaren technologischen Entwicklungen. Warum sollten sie im Sport nicht auch zu Stress führen? Digitalen Stress verursachen? Wie kann ein heute noch analoger Coach dem entgegenwirken?
Zum Thema: Wie sollten Trainer reagieren, um nicht der digitalen Entwicklung zum Opfer zu fallen?
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Mit Zwischenmenschlichkeit. Mit Wertschätzung. Mit Empathie. Und damit mit all dem, weshalb wir uns als Gattung Mensch an die Spitze der Nahrungskette reihen dürfen. Der Homo Sapiens beschreibt den Weisen – der Homo Digitalis hat in Bezug auf die Menschlichkeit immer noch einiges an Nachholbedarf.
Warum ist Zwischen-Menschlichkeit im Sport also so wichtig? Manfred Spitzer beschreibt diese kleinen zwischenmenschlichen Begegnungen als „Schmierstoff unserer Gesellschaft“ (Spitzer, 2018). Diesen sollten wir fördern und daher auch im Sport auf ein empathisches Miteinander setzen. Auch mal Lob den TeamkollegInnen gegenüber aussprechen, sich Feedback vom Trainer oder der Trainerin holen, Bezugspersonen in Ziele einbeziehen und auch während Wettkämpfen für Raum für Gespräche sorgen. Auch aus der Hirnforschung wissen wir, dass ein analoges Miteinander als einer der wichtigsten Faktoren für langfristige psychische und physische Gesundheit gilt (Spitzer, 2018).
Im Umkehrschluss bedeutet ein höheres Selbstmanagement im Umgang mit digitalen Medien und neuen Technologien auch mehr Kompetenz und Wissen. Wissen ist auch Macht und nicht zu wissen, macht ohnmächtig! Welcher Verein, Verband oder Einzelathlet möchte im Umgang mit der digitalen Moderne schon gerne Passagier bleiben?
Die Maschinen und Technologien sollten dem Menschen dienen und nicht umgekehrt. Sodass der Mensch von dem Reagieren (wieder) in ein selbstständiges Agieren kommt. Wo sonst, wenn nicht im Sport sollten Individuen das Steuer selbst in die Hand nehmen können? Dabei nicht ausschließlich durch virtuelle Begleiter gelenkt werden, wo wir uns ohnehin so gerne tracken (was auch Vorteile mit sich bringen kann).
Fazit: Selbstmanagement und eine Ausgewogenheit zwischen Analog und Digital lautet die Devise.
Gimpel,H., Lanzl,J., Manner-Romberg,T. & Nüske,N. 2018. Digitaler Stress in Deutschland. Eine Befragung von Erwerbstätigen zu Belastung und Beanspruchung durch Arbeit mit digitalen Technologien. Universität Augsburg. Hans Böckler Stiftung Forschungsförderung Nummer 101
Spitzer, M. 2018. Die Smartphone-Epidemie: Gefahren für Gesundheit, Bildung und Gesellschaft. Stuttgart: Klett-Cotta
Werner, E. 1977. The Children of Kauai. A longitudinal study from the prenatal period to age ten. University of Hawai’i Press, ISBN 0-8248-0475-9.
Wer über Borussia Dortmund redet, kommt aktuell nicht an einer Diskussion über unterschiedliche Trainertypen vorbei. Beispielhaft dafür sind die lebende Legende des Vereins, Jürgen Klopp, derzeit in Liverpool erfolgreich und der momentane BVB-Coach Lucien Favre. So wie die Außenwirkung der beiden ist, könnten sie unterschiedlicher nicht sein: Kloppo, strotzend vor Emotionalität, Ausbrüchen und das Herz auf der Zunge liegend und demgegenüber Favre, der stille, in sich gekehrte, analytische Taktikfuchs. Eine perfekte Grundlage, über die Körpersprache für Trainer nachzudenken.
Zum Thema: Körpersprache für Trainer
Kürzlich haben wir uns mit der Wirkung von Körpersprache eines Sportlers auf sich selbst und auf seinen Gegenspieler auseinandergesetzt (Link). Doch inwiefern gilt das ganze eigentlich für die Trainer an der Seitenline, auf der Tribüne, am Beckenrand, an der Strecke…? Ist Dir als Trainer immer bewusst, wie Dein Verhalten eigentlich auf Deine Athleten wirkt? Oder hat es überhaupt einen Einfluss? Eins vorweg: Jeder Trainer ist anders und das ist auch gut so! Genau deshalb muss jeder für sich seinen Weg finden, seinen Körper und die Sprache, die er damit aussendet, bestmöglich einzusetzen.
Besonders bei jungen Athleten stellt der Trainer oder die Trainerin eine Art Elternfigur dar. Nicht selten wohnen Sportler weit von zu Hause weg, verbringen viel Zeit mit dem Trainerstab, bekommen viele Dinge von ihnen beigebracht und können sich in schwierigen Zeiten vertrauensvoll an sie wenden. Sie erwarten Lob und Anerkennung von ihren Trainern – genau wie von den Eltern. Das gibt Selbstvertrauen, motiviert und bestärkt sie in ihrem positiven Handeln.
Der Einfluss auf Sportler
Wir wissen: Menschen senden nicht nur verbale, sondern auch nonverbale Signale aus – eben durch Mimik und Gestik. Was Trainer oft nicht mitbekommen: Ihre Schützlinge orientieren sich kontinuierlich an ihrem verbalen und nonverbalen Feedback, sowohl im Training als auch im Wettkampf oder Spiel. Die meisten Sportler fühlen sich bestärkt, wenn der Trainer klatscht, die Faust ballt, mit dem Kopf nickt… viele werden verunsichert, wenn der Trainer den Kopf hängen lässt oder schüttelt, sich wegdreht, die Augen verdreht. Letztendlich bleibt festzuhalten: Die Körpersprache des Trainers, ob positiv oder negativ, kann sich fördernd oder hemmend auf die Körpersprache und die Performance des Athleten auswirken.
Gibt es also ein Rezept, wie ich als Trainer auftreten sollte?Ganz ehrlich, wenn es eines gäbe, könnten wir nicht so wunderbar viele Trainertypen beobachten! Jeder Mensch ist unterschiedlich. Zum einen haben die Coaches eine Komfortzone, Temperament und Charakter, der sich in ihrer Führungsweise und ihrem Auftreten widerspiegelt. Zum anderen nimmt jeder Sportler seinen Gegenüber unterschiedlich wahr und reagiert anders auf ihn. Einige Athleten spiegeln beispielsweise die enttäuschte Körperhaltung des Trainers, andere hingegen fühlen sich davon beflügelt, es besser zu machen und strengen sich noch mehr an.
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Jede Mannschaft, jeder Sportler, jede Trainerin ist individuell. Um miteinander erfolgreich zu werden, ist es wichtig zu wissen, wie der Gegenüber tickt, wie viel aufmunterndes Klatschen er braucht und wie viel Augenverleihern er verträgt. Aber wie findet Ihr das heraus? Ganz einfach… darüber sprechen und ehrlich sein!
Wer unseren ersten Blog zum Thema schon gelesen hat (Link), der kennt einen ersten guten Schritt zum Bewusstmachen der eigenen Außenwirkung: Videomaterial ansehen. Man kann so erkennen, dass die Sportler viel mehr von einem selbst wahrnehmen, als man annimmt. Dazu ein Beispiel: Der Basketballtrainer regt sich über einen Spieler auf, der aus seiner Sicht einen viel besseren Pass hätte spielen und damit den Spielzug erfolgreicher hätte gestalten können. Dies macht sich dadurch bemerkbar, dass er die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, in die Hocke geht und ein „Maaaaan ey“ ausruft. Doch was er in dem Moment nicht bemerkt ist, dass dieser Sportler schon angefangen hat, das Verhalten seines Trainers, was er im Augenwinkel wahrgenommen hat, zu interpretieren.
Sicherheit geben, Missverständnisse ausräumen
Sicherlich soll ein Sportler lernen, was er hätte besser machen können. Jedoch können ein solches Trainerverhalten und die damit verbundene Botschaft nicht detailliert und unverzerrt an seinen Empfänger gelangen. Nehmt Euch nach dem Spiel – oder besser in einer kurzen Pause – Zeit, bestimmte Verhaltensweisen mit eurem Sportler zu besprechen. Erklärt, warum Ihr in einer Situation eine konkrete Reaktion gezeigt habt. So könnt ihr dem Athleten wieder neue Sicherheit geben und Missverständnisse aus dem Weg räumen.
Also liebe Trainer, Sportpsychologie ist nicht nur etwas für Eure Schützlinge, sondern auch etwas für Euch… Traut Euch! Unsere Kollegen (zur Übersicht) und wir (zum Profil von Lisa König, zum Profil von Kathrin Seufert) stehen für eine Coach-the-Coach-Zusammenarbeit gern bereit.
Lisa König
Sportarten: Ski Nordisch, Ausdauersportarten, Volleyball, American Football, Basketball, Golf etc.
Es gibt ja solche und solche Termine. Aber der Auftritt von Prof. Dr. Oliver Stoll von Die Sportpsychologen bei der TEDxUniHalle ist definitiv ein solcher. In seinem Beitrag spricht über seine Disziplin, Die Sportpsychologie.
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Schiedsrichterentscheidungen, Gegentreffer, gehaltene Elfmeter, Foulspiel – Fussball ist ein emotionales Spiel. Nun gibt es seit Saisonbeginn 2019/2020 die Regelung, dass der Trainer verwarnt und des Feldes verwiesen werden kann. Dabei sollten Emotionen am Spielfeldrand erlaubt sein. Denn das Verhalten und das Auftreten der Trainer hat offenbar einen Einfluss auf die Leistung der Spieler und der Mannschaft. Welchen? Dieser spannenden Frage möchte ich in dem nun folgenden Beitrag näher auf den Grund gehen und praktische Impulse für Ihren Alltag als Trainer liefern.
Zum Thema: Emotionen von Trainern beeinflussen Leistung und soziale Teamprozesse
Ein niederländisches Forschungsteam hat in zwei Feldtests im Fussball (Van Kleef, Cheshin, Koning, Wolf, 2019) untersucht, ob Emotionen von Trainern entsprechende emotionale Empfindungen bei ihren Spielern hervorrufen. Sie konnten folgendes nachweisen: Ob einem Trainer seine Begeisterung oder sein Ärger ins Gesicht geschrieben steht, beeinflusst nicht nur die Stimmung der Mannschaft, sondern auch wie die Spieler sich fühlen, wie sie denken und handeln. Sind Sie glücklich, wütend oder traurig, erleben Sie Ihre Gefühle nicht alleine. Ihr Team nimmt an ihrem emotionalen Erleben teil. Emotionen sind wichtige Informationsträger im menschlichen Zusammenleben. Über den Ausdruck Ihrer Gefühle senden Sie kontinuierlich Signale an Ihre Spieler (Van Kleef, 2016).
Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie und der Goethe-Universität haben hingegen untersucht, welche Rolle emotionale Faktoren bei sportlichen Trendverläufen spielen (Honggyu, Hagen, Darko, 2018). Sie konnten feststellen, dass ein optimaler emotionaler Zustand beim Trainer, die sportliche Leistung der ganzen Mannschaft verbessert, während gegenteiliges Befinden diese verschlechtert. Folglich ist die emotionale Kompetenz eines Trainers, die Fähigkeit in den verschiedenen Phasen einer Saison mit den eigenen Gefühlen und denen der Spieler umzugehen beziehungsweise diese zu steuern, eine sehr wichtige Kompetenz.
In der anschließenden Trainerbefragung aus dem Amateur- und Jugendbereich konnten die Forscher Honggyu, Hagen und Darko (2018) nachweisen, dass sich deren Gemütsbewegungen in einem Kreislauf abspielen. Auslöser wie Siegen und Niederlagen sowie Stagnation in der Entwicklung der Spieler folgen emotionale Erfahrungen wie zum Beispiel Freude, Zorn, Angst oder Hilflosigkeit, die sich auf körperlicher, geistiger oder Verhaltensebene bemerkbar machen (bspw. wie Gänsehaut, steigenden Blutdruck, Grübeln, Gesten oder Gesichtsausdrücke). Die befragten Trainer nannten als nächsten Schritt unterschiedlichste Strategien, wie sie mit ihren Gefühlen umgingen. Beispielsweise Gespräche mit den Spielern oder der Familie, Spaziergänge mit dem Hund oder sportliche Betätigungen.
Trainer, die gut in der Lage waren, ihre Gefühlswelt zu regulieren, fühlten sich hinterher ausgeglichener und selbstbewusster. Dies habe sich auch positiv auf ihre Tätigkeit ausgewirkt, indem sie zum Beispiel im Umgang mit ihren Spielern offener und auf dem Platz konzentrierter waren. Trainer mit stabilen Emotionen bewerten Situationen eher optimistisch, während sich Trainer, die wenig Selbstvertrauen haben, auf die Schwierigkeiten konzentrieren. Das kreisförmige Modell (siehe Abb. 1) kann somit erklären, warum es für Fußballtrainer sehr schwierig aber dennoch nicht aussichtlos ist, aus dem Teufelskreis negativer Emotionen herauszukommen.
Abb. 1.: The cyclic model of emotional processes of soccer coaches.
Was aber bedeutet das für die soziale Interaktion im Fussball, wo Glückseligkeit und Ärger dicht beieinander liegen?
Gefühle sind das Ergebnis einer subjektiven Bewertung eines Ereignisses oder einer Situation. Die Wissenschaft spricht von der Funktionalität von Emotionen für soziale Beziehungen und nennt drei mögliche Ausprägungen, wie unsere Gefühlsäußerungen auf andere Menschen wirken:
Bei einer anderen Person beobachtete Gefühle sind gewissermaßen „ansteckend“. Nehmen wir bei unserem Gegenüber einen bestimmten Gefühlsausdruck war, kann das in uns die gleiche Emotion auslösen (Elfenbein, 2014)
Diese Gefühlsansteckung tritt auch in Gruppen auf und wirkt als affektive Information auf die Stimmungslage der anderen (Tamminen et al., 2016).
Nachgewiesen ist auch, dass wir aus einer beobachteten Emotion ableiten, wie die Person die gegebene Situation beurteilt und bewertet und daraus Rückschlüsse über unser Verhalten ziehen (van Kleef, 2009).
Und schließlich beeinflussen Gefühle der anderen unser Handeln (Van Kleef, 2016)
Wie sich die Emotionen eines Einzelnen auf das soziale Zusammenspiel innerhalb einer Mannschaft auswirken, ist dagegen noch wenig erforscht. Vermutet wird, dass insbesondere die Gefühlsregungen von Trainern nachhaltige Auswirkungen auf die Spieler haben und ihren Gemütszustand, ihr Denken und ihre Leistung beeinflussen (Tamminen et al., 2016). Erste empirische Belege deuten darauf hin, dass nicht nur die (non-)verbale Kommunikation eines Trainers das Selbstvertrauen und die Motivation von Sportlern beeinflusst (Buning Thompson, 2015). Auch die positive oder negative Intensität, mit der ein Trainer vor einem Wettkampf oder in den Pausen Stimmungen wie Ruhe, Zuversicht oder Dominanz schafft, überträgt sich auf die Haltung der Spieler (Gonzales, Metzler, Newton, 2011). Wenig bekannt hingegen ist die Interaktionen innerhalb einer Mannschaft, die durch die Gefühlsäußerungen von Trainern ausgelöst wird (Stebbings, Taylor, Spray, 2016).
Anregungen für die Praxis
Hier einige Anregungen für eine verbesserte Emotionskontrolle in der Praxis:
Es gibt mittlerweile eine sehr umfangreiche Literatur, die zeigt, dass positive Emotionen wie Freude, Stolz oder das Gefühl, voll Energie zu sein, mit vielen positiven Konsequenzen für das eigene und fremde Wohlbefinden und die Leistung in Teams einhergehen. Daher kann es als wichtige Fähigkeit angesehen werden, sich selbst in positive Emotionen zu versetzen, um seine Arbeit als Trainer besser erfüllen zu können.
Fazit
Sie sollten sich bewusst machen, welche Auswirkungen Emotionen, die sie zeigen, auf die Spieler und die Leistung der Mannschaft haben. Erfolgreiche Trainer können ihre Emotionen steuern und so regulieren, dass sie die Leistung ihrer Mannschaft verbessern und den einzelnen Spieler effektiv beeinflussen. Ich empfehle daher, in der Trainerausbildung und in Ihrem Verein ein stärkeres Gewicht auf die Entwicklung der emotionalen Kompetenz zukünftiger Trainer zu legen.
Buning MM, Thompson MA (2015): Coaching behaviours and athlete motivation: Female softball athlete’s perspectives. Sport Science Review, 24: 345-370
Elfenbein HA (2014): The many faces of emotional contagion: An affective process theory of affective linkage. Organizational Psychology Review, 4: 326-362
Gonzales SP, Metzler JN, Newton M. (2011): The influence of a simulated „pep talk“ on athlete inspiration, situational motivation, and emotion. International Journal of Sports Science & Coaching, 6: 445-459
Honggyu Lee, Hagen W, Darko, J. (2018): Analyzing the Components of Emotional Competence of Football Coaches: A Qualitative Study from the Coaches’ Perspective https://www.mdpi.com/2075-4663/6/4/123
Van Kleef G A, Cheshin A, Koning L. F., Wolf S. A. (2019): Emotional games: How coaches‘ emotional expressions shape players‘ emotions, inferences, and team performance. Psychology of Sport and Exercise, 41, 1-11.
Van Kleef GA (2016): The interpersonal dynamics of emotion: Toward an integrative theory of emotions as social information, Cambridge.
Van Kleef GA (2009): How emotions regulate social life. The emotions as social information (EASI) model. Current Directions in Psychological Science: 18, 184-188
Stebbings J, Taylor IM, Spray CM (2016): Interpersonal mechanisms explaining the transfer of well-and ill-beeing in coach-athlete dyads. Journal of Sport & Excercise Psychology 2016, 38: 292-304
Tamminen KA et al. (2016): Exploring emotions as social phenomena among Canadian varsity athletes. Psychology of Sport and Exercise, 27: 28-38
Thorsten Loch von Die Sportpsychologen erklärt, was Sportpsychologie bedeutet. In einer Minute und vier Sekunden räumt er mit den gängigen Vorurteilen auf und zeigt anschaulich, was sich Sportler, Trainer und Funktionäre unter „Sportpsychologie“ vorstellen können.
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Im Sommer 2014 startete Prof. Oliver Stoll in Deutschland mit seinem Projekt „Die Sportpsychologen“. Im November 2014 beauftragte der damalige SASP-Vorstand (Swiss Association of Sport Psychology) Philippe Müller mit der Lancierung eines vergleichbaren Projekts mit dem Ziel, das Arbeitsfeld der angewandten Sportpsychologie einem breiteren Publikum vorzustellen. Zudem sollte sich die Plattform zu einem wichtigen Kommunikationsorgan des Fachverbands entwickeln. Die Erwartungen waren hoch, die Möglichkeit eines Scheiterns durchaus vorhanden. Hat sich der Aufwand im Rückblick gelohnt?
Zum Thema: Was das Experten-Netzwerk Die Sportpsychologen einem einzelnen Profilinhaber bringen kann?
Ich kann mich noch gut an die kontrovers geführten Diskussionen erinnern, die wir 2014 im Vorstand der Swiss Association of Sport Psychology (SASP) geführt haben, als es um die Projektierung einer „Schweizer Plattform“ ging. Nach mehr als 15 Jahren Vorstandsarbeit schien mir der Moment gekommen, im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit neue Wege einzuschlagen. Denn trotz PR-Konzept mit Newsletter, neuer Homepage, beachtlichen finanziellen Ressourcen und einigen punktuellen Informationskampagnen blieb die Medienarbeit im Verband stets eine der grössten Herausforderungen. Inspiriert durch die Initiative in Halle/Saale (Deutschland) entstand eine Projektidee mit klarer Zielstellung:
„Die Funktion von die-sportpsychologen.ch ist ein Brückenbau. Als fachliche, moderne und offene Plattform für die Disziplin Sportpsychologie stellt die Internetseite eine direkte Verbindung zwischen von der SASP ausgewählten Fachspezialisten und potentiellen Klienten, Auftraggebern sowie Multiplikatoren her. Unter Ausnutzung moderner Kommunikationsmittel, der engen Vernetzung der Zielgruppe sowie ergänzt durch eine effektive Medienarbeit erfolgt im Arbeitsfeld Sport eine qualitativ gesteigerte Auseinandersetzung mit der Thematik Sportpsychologie.“
Productive failure…
Der Start mit finanzieller Unterstützung seitens der SASP verlief hoffnungsvoll, die Rekrutierung potentieller Profilinhaber gestaltete sich als sehr schwieriges Unterfangen. Schon nach zwei Jahren zog sich der Verband als Mitträger zurück. Von allen Seiten vernahm ich zwar Lob und Zustimmung für Idee und Umsetzung – nur schreiben und dafür auch noch bezahlen wollte niemand. Es bewahrheitete sich (leider!) einmal mehr, was ich der angewandt arbeitenden Schweizer Sportpsychologen und Sportpsychologinnen schon lange ankreide: jeder schaut zuerst und vor allem für sich!
Kurzum: Aus Sicht der SASP erlitt die Plattform ein Grounding. Geblieben sind fünf Enthusiasten, die fortan vor allem ihre persönlichen Interessen mit ihrem Engagement auf der Plattform in Verbindung brachten. Das expandierende, trinationale Netzwerk (D/AUT/CH) ist mittlerweile massiv gewachsen. Insgesamt 703 Texte sind auf der Plattform zu finden, die wohl allein 2019 gegen eine Million „Klicks“ generieren werden!
Ohne Müh, kein Lohn!
Auch wenn sich der ursprünglich intendierte (Verbands-)Nutzen nicht erfüllen liess – aus Sicht eines Profilinhabers bieten sich eine Vielzahl interessanter Optionen. Doch diese eröffnen sich meiner Meinung nach erst mit der aktiven Mitarbeit! Das heisst in erster Linie: Schreiben! Und sogleich: in der aktiven Mitwirkung im Netzwerk, in dem ich die Texte der KollegInnen lese, sie über die sozialen Netzwerke weiterverbreite, den Kontakt zu anderen aktiv suche und an den regelmässig stattfindenden Treffen (Barcamps!, Netzwerkabende) teilnehme.
Keine Frage, es bedeutet zunächst Aufwand, kostet zusätzlich Geld und Zeit sowie einige Müh’ im Umgang mit Mensch und Technik. Ein interessantes Detail am Rande: als ü50-Zeitgenosse wäre ich ohne die Plattform wohl nicht (mehr) in unmittelbaren Kontakt mit sozialen Medien gekommen. Die Auseinandersetzung mit diesen Notwendigkeiten zeitgemässer Kommunikationsmittel fordert mich ganz erheblich!
Die Sportpsychologen im täglichen Einsatz
In meinen vier Jahren als Profilinhaber habe ich 45 Beiträge verfasst. Meinem Ziel, durchschnittlich einen Text pro Monat zu veröffentlichen, komme ich damit ziemlich nahe. Das Texten liegt mir, einst habe ich im Nebenfach Publizistik studiert und meine Brötchen während meiner Studienzeit auch als freier Mitarbeiter regionaler Zeitungen verdient. Trotzdem budgetiere ich für einen Text einen zeitlich hohen Aufwand von mindestens acht bis zehn Stunden. Inhaltliche Recherche, Textrohling entwickeln, Überarbeitung und finale Redaktion – inhaltliche Qualität lässt sich nur mit ausreichend Zeit realisieren.
Mein durchschnittlicher Arbeitsaufwand im Zusammenhang mit der Plattform würde ich auf fünf Stunden pro Woche veranschlagen. Was aber ist mein „return on investment“? Dieser lässt sich in vier „Kategorien“ fassen:
Persönliche Fortbildung: sich Einlassen auf ein Thema heisst, sich geleitet von wissenschaftlichen Kriterien zu informieren. Ich „zwinge“ mich also, mich aktiv nach „facts und figures“ zu erkundigen. Für jemanden wie mich, der sehr viel im sportpsychologischen Bereich unterrichtet, ein absolutes „must do“!
Traffic: Meine Sichtbarkeit auf „die sportpsychologen“ generiert mir eine Vielzahl an Anfragen. Mittlerweile erlebe ich den „freedom of choice“, welche Projekte ich annehmen will. Was ich selber nicht kann oder nicht machen will, versuche ich weiter zu vermitteln!
„Up-to-date“ sein: Austausch mit Gleichgesinnten: Ich schätze mich glücklich, mit Sportexperten wie Mathias Liebing, Oliver Stoll, Cristina Baldasarre und vielen weiteren Profilinhabern in regelmässigen Kontakt zu stehen. Ihre Meinungen, Wertungen und Berichte interessieren mich!
Quo vadis – persönliche Weiterentwicklung: In meiner Tätigkeit stelle ich den AthletInnen gerne die Frage: wo möchtest du in fünf Jahren in deinem Leben stehen? Diese Idee übertrage ich gerne auch auf mein Mitwirken bei die-sportpsychologen. Aktuell bin ich mit Kollegen daran, einen regionalen Arbeitsverbund zu entwickeln, welcher die Plattform als primäres Kommunikationsmittel positionieren wird.
Sich engagieren, exponieren, weiter entwickeln…
Die Sportpsychologen haben in den vergangenen fünf Jahren eine enorme Entwicklung und Verbreitung erfahren. Diese quantitative Zunahme darf in Zukunft nicht auf Kosten der Qualität ausfallen. Mehr und weiter heisst auch hier nicht unbedingt „besser“. Qualitätssicherung und –ausbau sind unerlässlich, um das Standing der Plattform fortan zu stärken.
Entwicklungspotential sehe ich zudem in der Themenauswahl und -gewichtung, wo der Mainstream (z.B. Fussball) nicht die Vielfalt und Originalität anderer wichtiger Wortmeldungen einschränken darf. Aber auch kontroverse Sichtweisen und Stellungnahmen sollen ihren Platz finden dürfen.
Schliesslich bin ich überzeugt, dass sich die Müh’ (des Schreibens) tatsächlich lohnt! Die Weisheit – wer ernten will, muss zuerst säen – trifft auch hinsichtlich eines profitablen Mitwirkens auf dieser Plattform sehr gut zu!
Wer kennt ihn nicht: Cristiano Ronaldo, wie er breitbeinig, mit geschwollener Brust, fokussiertem Blick und einem tiefen Atemzug bereit steht, den Freistoß zu schießen? Schon viele Tormänner sind an ihm gescheitert. Aber nur wegen seiner präzisen Schusstechnik? Oder könnte auch seine kämpferische Körperhaltung mit seinen Freistoßtreffern etwas zu tun haben?
Zum Thema: Was ist eine positive Körpersprache und welchen Einfluss hat sie auf meinen Gegner?
Die Körpersprache ist ein entscheidender Faktor bei der Eindruckbildung und der Erfolgserwartung. In einer Studie zu Nonverbalem, also wortlosem, Verhalten im Fußball von Furley, Memmert & Matt (2011) konnte in zwei verschiedenen Experimenten gezeigt werden, dass eine positive Körpersprache einen bleibenden Eindruck beim Gegner hinterlässt. Sie bewiesen, dass ein Spieler mit dominanter Körperhaltung, d.h. gerader Kopfhaltung, aufrechter Körperhaltung, zurückgezogenen Schultern und sicherem Stand oder Gang als deutlich erfolgreicher von Torhütern und Mitspielern eingeschätzt wird. Demgegenüber stehen Spieler mit unterwürfiger Körperhaltung, also mit gesenkter Kopfhaltung, hängenden Schultern und schmalem Stand. Sie wirken unsicherer.
Zwei Dinge sind in diesem Zusammenhang wichtig: Neben einer guten Selbstwirksamkeitsüberzeugung ist das Wissen über die eigene Außenwirkung der Schlüssel zum Erfolg. Was bedeutet das genau?
Selbstwirksamkeitsüberzeugung als Schlüssel
Unter Selbstwirksamkeitsüberzeugung versteht man den Glauben, an die eigenen Stärken und die wahrgenommene Kontrolle über den Ausgang seiner Handlung. Es wurde schon früher nachgewiesen, dass eine positive Selbstwirksamkeitsüberzeugung zu einem erfolgreicheren Handeln und einer besseren Außenwirkung führt. (Moritz D. E et al.)
Ein Beispiel hierzu: Eine Athletin hat monatelang für ihren ersten Halbmarathon trainiert. Das Training verlief hervorragend, keine Verletzungen, den inneren Schweinehund immer und immer wieder überwunden. Im Training haben die Zeiten, die absolvierten Strecken und die gesundheitliche Verfassung gezeigt, dass eine sehr gute Vorbereitung auf den Wettkampf gelegt wurde. Auf Grund dieser Ausgangssituation, hat die Läuferin höchstwahrscheinlich eine hohe Selbstwirksamkeitsüberzeugung. Sie ist selbstbewusst, da sie sehr gut trainiert hat, hat die wahrgenommene Kontrolle über ihre Verfassung und ihren Körper. Mit diesem Wissen und diesem Gefühl stehen die Chancen auf ein positives Abschneiden deutlich höher, als wenn die Läuferin vorher durch Verletzungen geplagt, mit wenig Training und vielen Unterbrechungen in der Vorbereitung an den Start gegangen wäre.
Kann mein Gegner meine Körpersprache lesen?
Die Antwort ist: JA! Meine Körpersprache hat direkten Einfluss auf die Einschätzung seitens des Gegners, was meine vermeintliche Leistungsfähigkeit, meine Energie oder meine Motivation betrifft. Nach einem Gegentor beispielsweise mit breiter Brust aufzutreten, fällt den meisten Fußballern nicht leicht. Aber auch in anderen Sportarten zeigt sich überdurchschnittlich häufig, dass Misserfolge oder eine schlechte Performance zu einer negativen Körpersprache führen können. Einmal in diesen Teufelskreis hineingerutscht, kann diese negative Körpersprache wiederum zu erneuten Fehlern führen.
Wichtig ist, alles schnellstmöglich „abzuschütteln“. Denn unsere Gegner wachsen und motivieren sich daran, wenn wir bedrückt auftreten, halbherzig in Zweikämpfe gehen und uns bei einem Rückstand energielos über den Platz schleppen. Das Starkmachen des Gegners ist daher oftmals eine unterbewusst aber schnell ablaufende Problematik im Sport. Nicht nur die eigene Einschätzung (Selbstwirksamkeitsüberzeugung), sondern eben auch die Einschätzung die mein Gegenüber auf Grund meines äußeren Erscheinungsbildes trifft, kann zu spielentscheidenden Situationen führen.
Kann ich Körpersprache trainieren?
Dir bewusst zu machen, was Deine Körpersprache eigentlich für Auswirkungen haben kann, ist der erste Schritt zu einer möglichen Verbesserung. Wieso nicht einfach mal das Videomaterial vom letzten Spiel ansehen und bewusst darauf achten, wie Du eigentlich nach außen gewirkt hast? Natürlich darfst du Dich über Gegentore und Fehler ärgern, aber das Entscheidende ist, die Situation schnell abzuhaken und Dich auf die Gegenwart zu konzentrieren. Neuer Angriff, neue Chance es besser zu machen! Das gilt übrigens auch für Trainer!
Um zu erfahren, wie sich Deine Körpersprache auf Deinen eigenen Zustand und Deine Leistung auswirken kann, gibt es viele spannende Übungen, die auch ins Training eingebaut werden können. Beispielsweise kann es hilfreich sein, einmal bewusst träge und mit hängenden Schultern über das Spielfeld zu laufen, dann wieder „Kopf hoch, Brust raus!“ und mit viel Energie. Welche Körperhaltung fühlt sich besser an? Wann fühlst du Dich motivierter und stärker? Solche „Selbsterfahrungen“ im Training sind wichtig, um auf entscheidende Situation besser vorbereitet zu sein und reagieren zu können.
Nimm Kontakt auf
Unsere Kollegen (zur Übersicht) und wir (Kathrin Seufert und Lisa König) helfen Dir gern dabei, Deinen Körper besser kennenzulernen und kleine Übungen in Dein tägliches Training einzubauen, damit deine Körpersprache nicht nur Deinen Gegner, sondern auch Dich beeindruckt.
Hinweis: Der Beitrag ist in Zusammenarbeit mit Lisa König (zum Profil) entstanden.
Kathrin Seufert
Sportarten: Fußball, Schwimmen, Eishockey, Basketball, Schießsport, E-Sports aber auch offen für alle anderen Sportarten
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Furley, P., Dicks, M., & Memmert, D. (2012). Nonverbal behavior in soccer: The influence of dominant and submissive body language on the impression formation and expectancy of success of soccer players. Journal of Sport and Exercise Psychology, 34(1), 61-82.
Moritz D. E., Feltz D. L., Fahrbach K. R., Mack D. E. (2000). The relation of self-efficacy measures to sport performance: A meta-analytic review. Research Quarterly for Exercise and Sport 71, 280-294.
Über 70 Teilnehmer haben unser Event „Die rote Couch – Das Sportpsychologie Barcamp“ zu einem echten Erfolg gemacht. Bemerkenswert war das große Interesse und die Offenheit der Nachwuchstrainer gegenüber dem Thema Sportpsychologie. Gemeinsam mit dem Sächsischen Fußballverband und dem Roten Stern Leipzig wird nun an einer Fortführung des Formats im Jahr 2020 gearbeitet.
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Im Jahr 1992 wurde mit dem Welttag der Psychischen Gesundheit erstmals auf psychische Erkrankungen aufmerksam gemacht. Seit vielen Jahren steht der World Mental Health Day jedes Jahr am 10. Oktober unter einem anderen Motto. Heuer widmet er sich weltweit dem Thema Suizidprävention.
Zum Thema: Unsere Aufgabe in der Suizidprävention
Immer wieder sorgen Suizide von Spitzenathleten für tiefe Betroffenheit. Dass sich Gefährdete auch in der eigenen Mannschaft, im eigenen Team oder dem örtlichen Verein befinden können, wird vielfach ausgeklammert.
Leider bilden psychische Erkrankungen nach wie vor ein großes Tabu-Thema im Sport. Während die Akzeptanz in der Allgemeinbevölkerung langsam steigt, wird das Thema in den Trainings- und Wettkampfhallen gerne gemieden. Nicht überall, versteht sich. Und umso besser, wer mit einem guten Beispiel vorangeht…
„Reiß dich einfach zusammen!“
Erkrankungen der Psyche werden gern auf die eigene Schwäche zurückgeführt. Sätze wie „reiß dich einfach zusammen“ oder „das wird schon wieder“ helfen jedoch nicht, da psychische Erkrankungen meist aus vielerlei Ursachen rühren. Viele Heilungsprozesse müssen neben psychologischer oder psychotherapeutischer Hilfe auch medikamentös unterstützt werden. Wer sich im Sport aber „schwach“ zeigt, läuft Gefahr, rasch ausgewechselt zu werden. Dass die kranke Psyche, genauso wie der erkrankte Körper einer professionellen Heilung Bedarf und dass diese möglichst schnell in die Wege geleitet werden sollte, darüber möchte niemand wirklich sprechen. Doch das Leben macht eben auch vor dem Sport nicht Halt. Beispiele gibt es viele:
Der Suizid des deutschen Fußballers Robert Enke, der sich im Jahr 2009 das Leben nahm, oder der seines bolivianischen Fussball-Kollegen Ramiro Castillo bilden nur zwei der vielen prominenten Beispiele. Die Gründe der Suizide? Eine langjährige Depression einerseits und der Verlust des eigenen Kindes andererseits. Wie soll hier noch jemand behaupten, dass das psychische Leid endet, sobald die Fußballschuhe geschnürt sind. Der Anschein trügt…
Sportpsychologische Intervention? Was können wir tun?
Als Sportpsychologen sind wir Vertrauenspersonen. Vertrauenspersonen, die Athleten dazu ermutigen können, über Ängste, Sorgen und Zweifel zu sprechen. Die über Hilfe informieren. Im besten Fall dank einer interdisziplinären Vernetzung dazu beitragen, dass Unterstützung bereit steht. Um betroffene Athleten aufzufangen, weiterzuvermitteln, professionell betreuen zu können.
Nutzen wir unsere Chancen, um dazu beizutragen, dass dem Thema der psychischen Erkrankungen im Sport weit mehr Beachtung geschenkt wird!
Kognitive Leistungsfaktoren im Fussball, wie die Antizipation, Wahrnehmung, Aufmerksamkeit oder Spielintelligenz, sind Erfahrungen, die im Arbeitsgedächtnis gespeichert werden. Der Begriff des Arbeitsgedächtnisses wird zumeist nicht sofort mit dem Fußballspiel assoziiert. Dennoch spielt es eine wichtige Rolle, zum Beispiel bei der Ausführung einer Technik oder beim Erinnern an eine vom Trainer ausgesprochene Anweisung.
Zum Thema: Das Arbeitsgedächtnis im Fussball trainieren (Teil 7)
Der Begriff Arbeitsgedächtnis wird verwendet, um die Fähigkeit zu beschreiben, zielgerichtete Informationen aufrechtzuerhalten und zu verarbeiten. Im Kern sind es komplexe Wahrnehmungen und stetige Arbeitsleistungen (Conway et al., 2007). Obwohl die individuelle Kapazität des Arbeitsgedächtnisses eines Athleten keinen Einfluss auf divergente Leistungen im Sportspiel zu haben scheint (Furley & Memmert, 2015), ist es dennoch ratsam, dass Trainer aufgrund der limitierten Kapazität des Arbeitsgedächtnisses (Cowan, 2005, Baddeley, 2007) bei taktischen Instruktionen nicht zu viele Informationen zur gleichen Zeit geben. Zudem muss beachtet werden, dass besonders beim (taktischen, kognitiven, motorischen) Neulernen das Arbeitsgedächtnis in einem größeren Maße beansprucht wird (Schmidt & Wrisberg, 2004). Von besonderer Bedeutung für die Kognitionen im Fußball sind daher die Kapazität und die generelle Funktionsweise des Arbeitsgedächtnisses (Furley & Memmert, 2010).
Für viele kognitive Aufgaben wird ein Gedächtnis benötigt (bspw. Wissen und Erfahrungen aus dem Langzeitgedächtnis, Koordinierungsaufgaben etc.) als auch die Bearbeitung all dieser Informationen. Nahezu alle kognitiven Leistungen erfordern die anforderungsabhängige Bereitstellung von Information. Das Arbeitsgedächtnis ist damit ein Schlüsselsystem für das Verständnis komplexer kognitiver Leistungen (Engle, 2002). Experten speichern im Gegensatz zu Novizen nämlich spezifische Ereignisse (z.B. Spieler- und Gegenspielerverhalten, taktische Ausrichtungen) nicht als einzelne Informationseinheit ab, sondern als taktisches Muster der Spielerkonstellationen. Zum einen erleichtert und verbessert dies im besonderen Maße die frühzeitige Antizipation von bedeutungsvollen Situationskonstellationen. Zum anderen wird die limitierte Kapazität des Arbeitsgedächtnisses von Experten nicht so schnell aufgebraucht wie bei Novizen (Williams, Hodges, North & Barton, 2006). Die generelle Funktionsweise des Arbeitsgedächtnisses, d.h. die Tatsache, dass im Arbeitsgedächtnis Informationen kurzfristig bearbeitet, manipuliert und strukturiert werden (Conway et al., 2007), hat wichtige Konsequenzen für das Entscheidungstraining im Sportspiel. Furley & Memmert (2013) stellten fest, dass die aktivierten Inhalte des Arbeitsgedächtnisses den Aufmerksamkeitsfokus eines Athleten dadurch lenken kann, indem die Aufmerksamkeit auf diejenigen Objekte ins visuellen Feld gerichtet werden, auf die sich die Inhalte des Arbeitsgedächtnis beziehen. Zudem wurde nachgewiesen, dass die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses Vorhersagen erlaubt, welche Athleten in der Lage sind, ihre Aufmerksamkeit gezielt zu kontrollieren, indem aufgabenirrelevante Reize ausgeblendet werden und somit Interferenzen vermieden werden (Furley & Memmert, 2012). Demzufolge bedeutet dies insbesondere für das methodische Prinzip Deliberate Memory als eines der 7D (Näheres dazu https://www.die-sportpsychologen.de/2019/09/dr-rene-paasch-sieben-uebungen-um-spielkreativitaet-im-fussball-zu-trainieren/), das im positiven Fall Instruktionen des Trainers den Aufmerksamkeitsfokus der Athleten lenken und somit taktisch-kreative Entscheidungen erleichtern können. Im negativen Fall greifen Athleten verstärkt auf irrelevante Informationen des Trainers zurück, die das Treffen von optimalen Entscheidungen durch eine ungünstige Aufmerksamkeitskontrolle in der spezifischen Situation verhindern (Furley, Memmert & Heller, 2010). Die nun folgenden Übungsbeispiele eignen sich hervorragend für das Training des Arbeitsgedächtnisses im Fussball:
Bälle im Spiel
Grafik erstellt von Dr. René Paasch, https://fussballtraining.com/ftg/
Organisation und Aufbau
Ein 15 x 20 m großes Spielfeld mit zwei Mini- und zwei Stangentoren. Es werden jeweils drei Bälle links und rechts des Feldes positioniert und einer direkt zum Start im Feld. Insgesamt werden zwei Teams mit jeweils drei Spielern gebildet. Freies Spiel auf jeweils ein Mini- und ein Stangentor. In das Minitor muss gepasst und durch das Stangentor gedribbelt werden. Ist ein Treffer erzielt, holt ein Spieler des erfolgreichen Teams schnell einen neuen Ball von außen ins Feld etc. Wer von den sieben Bällen mehr im Tor unterbringt, gewinnt.
Quadratspiel 3:3
Grafik erstellt von Dr. René Paasch, https://fussballtraining.com/ftg/
Organisation und Aufbau: Es wird ein 16 x 16 m großes Spielfeld mit vier gleich großen Quadraten (4 x 4 m) mit Hütchen markiert. Im Feld wird 3 (gelb) gegen 3 (rot) gespielt und außerhalb des Felds stehen vier weitere Spieler als Anspieler (jeweils ein Spieler pro Seite), die allerdings nur einem Team zugeordnet werden. Es wird die ganze Zeit auf Ballbesitz gespielt, wobei zu Beginn das gelbe Team die Möglichkeit hat, die vier äußeren Spieler mitzunutzen. Die wichtigste Regel lautet, dass sich die drei Spieler im großen Quadrat bei Ballbesitz in unterschiedlichen kleinen Quadraten befinden müssen. Pro kleines Quadrat darf sich in Ballbesitz somit nur ein Spieler aufhalten. Das bedeutet für die Spieler, dass sie ständig Muster erkennen müssen, um sich je nach ballbesitzendem Spieler korrekt freizulaufen, um anspielbar zu sein. Die Spieler werden nach zwei Minuten durchgewechselt, von außen nach innen und vom Dreier- in das Siebenerteam. Es können Punkte erzielt werden, wenn zB. das rote Team es schafft, den Ball von einem Außenspieler zum gegenüberliegenden Außenspieler zu passen.
Tipp: Menschen verfügen über einen weiteren Mechanismus, um die begrenzte Kapazität des Arbeitsgedächtnisses zu umgehen: So können Spieler mit zunehmender Erfahrung lernen, Spielsituationen frühzeitig in ihrer Entstehung zu erkennen. Hier kommt das kognitive Prinzip des „Chunkings“ zum Tragen, indem nicht jeder einzelne Spieler auf dem Feld als Informationseinheit abgespeichert bzw. abgerufen wird, sondern die Konstellation der Spieler als Ganzes. Dadurch wird die limitierte Kapazität des Arbeitsgedächtnisses nicht so schnell erschöpft. Beispielsweise sind bei Fußballanfängern die Bewegungsausführung verstärkt vom deklarativen Gedächtnis (semantisches Gedächtnis, episodisches Gedächtnis) abhängig. Der Anfänger muss daher seine Aufmerksamkeit auf die einzelnen Schritte der Bewegung richten. Mit zunehmendem Üben wird sie automatisiert. Daher können erfahrene Fussballer im Nachhinein häufig nicht beschreiben, warum oder wie sie etwas gemacht haben (Expertise-induzierte Amnesie, Beilock & Carr, 2001). Ein erfahrener Fußballspieler benötigt daher keine Schritt-für-Schritt-Anweisungen aus dem Arbeitsgedächtnis, um zu dribbeln, sondern kann die beschränkte Arbeitsgedächtniskapazität für eine situationsadäquate taktische Entscheidung verwenden. Für die Handlung auf dem Feld bedeutet dies, dass er seine Entscheidung schneller und besser treffen kann (Näheres dazu https://www.die-sportpsychologen.de/2017/07/dr-rene-paasch-von-wegen-ein-einfacher-pass-exekutivfunktionen-im-fussball/).
Fazit
Neben den kognitiven Leistungsfaktoren im Fussball können Trainer durch Instruktionen Einfluss auf Gedächtnisprozesse ihrer Spieler nehmen. Trainer sollten versuchen, Übungs- und Spielformen derart zu gestalten, dass die kognitiven Anpassungsprozesse optimal zum Tragen kommen und verbale Äußerungen das Lernen fördern und nicht stören. Es empfiehlt sich, bildhafte Formulierungen aus einem anderen, vertrauten Handlungszusammenhang auf die Ausführung eines Bewegungsablaufs zu übertragen. Derartige bildhafte Metaphern unterstützen implizite Lernprozesse und umgehen die Limitationen des Arbeitsgedächtnisses.
Baddeley, A. D. (2007): Working memory, thought, and action. Oxford: Oxford. University Press.
Conway, A. R. A., Jarrold, C., Kane, M. J., Miyake, A. & Towse, J. N. (2007): Variation in working memory. New York: Oxford University Press.
Conway, A. R., Kane, M. J., Bunting, M. F., Hambrick, D. Z., Wilhelm, O. & Engle, R. W. (2005): Working memory span tasks: A methodological review and user’s guide. Psychonomic Bulletin & Review, 12, 769-786.
Engle, R. W. (2002): Working memory capacity as executive attention. Current directions. Psychological Science, 11 (1), 19-23.
Furley, P. & Memmert, D. (2010): The role of working memory in sports. International Review of Sport and Exercise Psychology, 3, 171-194.
Furley, P., & Memmert, D. (2013): „Whom should I pass to?” The more options the more attentional guidance from working. PLOS ONE 8: e62278. doi: 10.1371/journal. pone.0062278
Furley, P., Memmert, D. & Heller, C. (2010): The dark side of visual awareness in sport – inattentional blindness in a real-world basketball task. Attention, Perception & Psychophysics, 72, 1327-1337.
Furley, P. & Memmert, D. (2012): Working memory capacity as controlled attention in tactical decision making. Journal of Sport and Exercise Psychology, 34, 322344.
Schmidt, R. A. & Wrisberg, C. A. (2004): Motor learning and performance. A problem-based learning approach (3rd ed.). Champaign: Human Kinetics.
Williams, A. M., Hodges, N. J., North, J. S. & Barton, G. (2006): Perceiving patterns of play in dynamic sport tasks: Identifying the essential information underlying skilled performance. Perception, 35, 317-332.
Beilock, S. L. & Carr, T. H. (2001): On the fragility of skilled performance: What governs choking under pressure? Joumal of Experimental Psychology: General, 130, 701-725.