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Frage und Antwort: Wenn bei Kindern nach einer Verletzung die Angst bleibt

Gerade Kinder sind Meister darin, auf sich und ihre körperlichen Ressourcen zu vertrauen. Aber dieses Vertrauen kann auch tief erschüttert werden. Zum Beispiel nach Verletzungen. Die Sportpsychologie kann helfen, wir zeigen entsprechende Wege auf.

Zum Thema: Die Rückkehr zum Sport nach Verletzungen im Kindesalter

Uns hat eine Frage einer Mutter erreicht, deren Kind sich in der Freizeit verletzt hat. Nach der überstandenen Verletzung fällt es dem Kind nun schwer, wieder mit der gleichen Freude und Leichtigkeit im Sport unterwegs zu sein. 

Die konkrete Frage lautet: Mein Sohn hat sich im Trampolin einen Bänderriss zugezogen. Zuvor war er mit Leib und Seele Stürmer in seiner Fußballmannschaft. Seit diesem Unfall traut er sich nicht mehr richtig an den Ball, aus Angst, jemand könnte ihn verletzen. Dadurch ist auch seine Freude nicht mehr dieselbe. Man merkt, dass ihm das zu schaffen macht, da er eigentlich wieder ungehemmt spielen möchte. Gibt es Hilfe und Tricks für Kinder aus dieser Spirale zu entkommen?

Janosch Daul

Antwort von: Janosch Daul (zum Profil)

Zunächst einmal darf diese Angst auch da sein – denn Ängste wollen gesehen und anerkannt werden, zumal sie eine wichtige Warn- und Schutzfunktion einnehmen. Es stellt sich nun die Frage, wie Sicherheit und Zutrauen in den eigenen Körper gestärkt und Freude am Fußballspielen wieder empfunden werden kann? 

Ein Vorgehen in der Praxis muss immer an die Persönlichkeit und die Bedürfnisse des Sportlers angepasst werden, weshalb ich “Ferntipps” grundsätzlich eher für schwierig erachte. Gegebenenfalls macht es gerade in diesem Altersbereich Sinn, den Sportler dabei zu unterstützen, sich auf eher spielerische Art und Weise mit konkreten Momenten des Erlebens von Freude zu beschäftigen, also mit emotional positiv besetzten Situationen, in denen der Sportler sein Fußballerdasein vollauf hat ausschöpfen können. Diese Momente können beispielsweise erzählt, niedergeschrieben oder aufgemalt werden – ein Fokuswechsel kann somit erzeugt werden. 

Zudem ist es von Bedeutung, um seinem Körper wieder vertrauen zu können, sich als wieder belastbar zu erleben. Hilfreich hierfür ist eine geschickte Trainingsplanung; nämlich – idealerweise unter Einbezug des Trainers – Trainingsformen durchzuführen, in denen der Spieler direkt am eigenen Körper erfahren oder spüren kann, dass er seine “alte” Leistungsfähigkeit schrittweise zurückerlangt. Der Grad der Herausforderung der einzelnen Übungen kann dabei schrittweise gesteigert werden. 

Prof. Dr. René Paasch

Antwort von Prof. Dr. René Paasch (zum Profil): 

Es ist bedauerlich, dass Ihr Sohn aufgrund dieser Verletzung Ängste entwickelt hat, die seine Leidenschaft für den Fußball beeinträchtigen. In diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen einige Schritte und Empfehlungen vorstellen, die Ihrem Sohn helfen können, aus dieser negativen Spirale auszubrechen.

Der erste Schritt besteht darin, professionelle Unterstützung in Form eines Sportpsychologen oder einer Sportpsychologin oder eines Kinderpsychologen zu suchen. Diese Experten können gezielt auf die psychologischen Herausforderungen von Sportlern, insbesondere von Kindern, eingehen und dabei helfen, die Ängste zu überwinden.

Es ist von großer Wichtigkeit, Ihrem Sohn eine umfassende Aufklärung über den Heilungsprozess und die Bedeutung der Rehabilitation zu geben. Er sollte verstehen, dass Verletzungen ein unvermeidlicher Teil des Sports sind und in der Regel erfolgreich behandelt werden können. Geduld und Zeit sind Schlüsselfaktoren in diesem Prozess. Es ist entscheidend, dass Ihr Sohn seine Verletzung nicht überstürzt und die Anweisungen der Ärzte und Therapeuten gewissenhaft befolgt.

Die schrittweise Rückkehr zum Sport ist ein weiterer wichtiger Aspekt. Beginnen Sie mit leichtem Training, ohne Wettkampfdruck, um sein Selbstvertrauen und seine Technik wieder aufzubauen. Fördern Sie eine positive Denkweise. Unterstützen Sie Ihren Sohn dabei, negative Gedanken zu erkennen und durch positive und konstruktive Gedanken zu ersetzen, da die mentale Einstellung eine entscheidende Rolle in der Genesung spielt.

Schaffen Sie eine unterstützende Umgebung in der Familie und im Sportverein, in der sich Ihr Sohn sicher und akzeptiert fühlt. Dies wird ihm helfen, Vertrauen in seine Fähigkeiten zurückzugewinnen. Ein Sportpsychologe oder eine Sportpsychologin kann spezielle Techniken wie Visualisierung, Entspannungstechniken und mentales Training vermitteln, um die Leistung und das Selbstvertrauen zu steigern.

Die soziale Unterstützung spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Unterstützen Sie ihn bei sozialen Aktivitäten mit seinem Team, auch wenn er nicht aktiv am Training teilnimmt. Die Bindung zu seinen Teamkollegen kann ihm helfen, sich wieder wohlzufühlen.

Gemeinsam mit Ihrem Sohn sollten Sie den Spaß am Sport wiederentdecken. Spielen Sie lockere Spiele oder Übungen, die die Freude und Leidenschaft für den Fußball zurückbringen, ohne den Druck des Wettbewerbs. Abschließend möchte ich betonen, dass die Genesung und die Überwindung von Ängsten Zeit und Unterstützung erfordern. Eine professionelle Hilfe kann hierbei eine entscheidende Rolle spielen, um Ihrem Kind auf dem Weg zur Genesung und Rückkehr zum Sport zu helfen.

Antwort von: Anke Precht (zum Profil)

Wie Sie Ihr Kind gut unterstützen und ihm Sicherheit geben, haben René und Janosch schon ausführlich beschrieben. Wenn Sie mit Ihrem Sohn professionelle Unterstützung suchen, ist es sinnvoll, den Psychologen auch nach methodischen Gesichtspunkten auszusuchen.

Klassische “Therapie” mit Kindern nutzt Spiel und Gespräch, ist bei verletzungsbedingten Ängsten meiner Erfahrung nach nicht optimal wirksam. Aber dies ist individuell und muss ausprobiert werden. Vielleicht finden Sie einen Kinderpsychologen (oder eine Psychologin), der mit Kinderhypnose oder einer körperorientierten Technik arbeitet. Sehr wirksam sind Audio-Fokus-Techniken (Axel Mecke in Heidelberg kann Auskunft geben, wer das in Deutschland schon praktiziert) und die bewährten Methoden EMDR und Somatic Experiencing. In der Regel kann das Problem dann in wenigen Terminen behoben werden, und die Freude am Sport kommt zurück.

Deine Frage?

Wir von Die Sportpsychologen sind für dich da. Und weil wir wissen, dass manchmal eine kleine Schwelle im Weg steht, Kontakt zu einem “Psychologen”, einer “Psychologin” oder einer/einem “MentaltrainerIn” zu suchen, machen wir einen Schritt auf dich zu. Wenn du also auch eine Frage an uns loswerden möchtest, dann nutz dafür das folgende Formular.

    Wichtig zu wissen: Manche Fragen und deren Antworten veröffentlichen wir nicht. Wir treten dann mit den jeweiligen FragestellerInnen persönlich in Kontakt. Dies behalten wir uns für Fälle vor, in denen die Anonymität nicht gewährleistet werden kann oder das angestoßene Thema besser im geschützten Raum besprochen wird. Zudem gilt: Unsere Antworten können nicht mehr als Anstösse liefern. Anstösse, von denen du als Leser oder Leserin ableiten kannst, wie wir von Die Sportpsychologen ticken und was wir so machen.

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    Cristina Baldasarre: Wie Roger Federer dem FC Basel helfen kann

    Die Abwärtsspirale des FCB, die das langjährige Aushängeschild des eidgenössischen Club-Fussballs bis auf den letzten Tabellenplatz manövrierte, beschäftigt zur Zeit die Schweizer Sportwelt. Nach der Trainerentlassung unter der Woche und dem ersten gewonnenen Liga-Spiel nach eineinhalb Monaten, hoffen viele Beteiligte auf die Wende zum Besseren. Aber ist es so einfach? Und was steckt eigentlich hinter Krisenphasen, die Mannschaften zum Teil über Monate oder ganze Serien nicht loslassen. Die Sportpsychologie kennt eigene Erklärungsansätze. 

    Zum Thema: Lösungswege für Mannschaften in Krisensituationen

    Bei genauer Analyse lassen sich stets Vorboten erkennen, die den Druck auf die Mannschaft in Misserfolgsphasen auf mannigfaltige Weise erhöhen können. Wirkliche Auslöser von kollektivem Teamversagen sind dann aber kritische Ereignisse. Diese sind, alleine betrachtet, gar nicht so dramatisch. Kumuliert aber steckt da viel negative Energie drin. Ereignisse wie zum Beispiel das Verlieren wichtiger Spieler, gehäufte Verletzungen, problematische Spielverläufe mit unglücklichen Fehlern oder auch schwierige Schiedsrichterentscheidungen. Dies kann vergleichbare Negativspiralen auslösen und zum Selbstläufer werden lassen, wenn man nicht aufpasst.

    Denn schnell verändern sich die Gedanken und Emotionen der Spieler und des Umfelds, zum Teil drastisch. Alle sind dann damit beschäftigt, grösseres Unglück zu vermeiden. Aber: Dies bedeutet unweigerlich eine vermehrte Auseinandersetzung mit negativen Gedanken und Ereignissen – die Motivation sinkt und die Leistungen entsprechend auch. 

    Die Folge: Verzweiflung, Hadern und Unzufriedenheit werden gross und grösser. 

    Trainerentlassung keine Alleinmassnahme

    Die am Dienstag erfolgte zweite Trainerentlassung war wohl absehbar, wird aber als Alleinmassnahme wenig Abhilfe bringen. Auch wenn im Fussball gern so gedacht wird – was ja auch Verführerisch sein kann, gerade nach dem 2:1-Sieg am vergangenen Sonntag gegen Yverdon-Sport FC.  

    Grundsätzlich sollte in einer solchen Phase der Fokus auf den Emotionen jedes einzelnen Spieler liegen. Primär ist das dann eine individuelle Arbeit. Es braucht eine aktive und fachkundige Auseinandersetzung mit den entstandenen negativen und blockierenden Gefühlen. Und auch der Fokus sollte auf alles gerichtet werden, was positiv und stärkend wirkt. Als Team müssten sie weiter mit voller Kraft aus dem herrschenden Trott befördert werden. Neues Erleben, Unerwartetes tun und viel Humor gehört dazu. Aber auch bekannte Vorbilder können unterstützen und erzählen, wie sie selbst aus Krisen herausgefunden haben. Ein Besuch von Roger Federer wäre also weiterhin nicht verkehrt.

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    Prof. Dr. René Paasch: Ich bin ein einfacher Ruhrgebietsjunge

    Am Vormittag ein längeres Interview für das ZDF Format “Bolzplatz”, am Abend ein TV-Auftritt bei Sky Prime Time (Link zum Beitrag im Interview). Der ganz normale Wahnsinn. Prof. Dr. René Paasch zählt im Netzwerk Die Sportpsychologen zu den beliebtesten Experten, was gezielte Presseanfragen angeht. Warum er diese Fragen mit Leidenschaft und im Interesse seiner Profession angeht und warum er dafür immer mal wieder Kritik einstecken muss, verrät er im Interview mit Mathias Liebing, Redaktionsleiter von Die Sportpsychologen. 

    Prof. Dr. René Paasch, im Kreise von Die Sportpsychologen bist du sicher so etwas wie der Interview-Weltmeister. Wie häufig wirst du von Redaktionen angefragt und warum nimmst du viele dieser Interview-Angebote an? In welcher Form hast du direkt vielleicht schon profitiert?

    Im Schnitt sind es zwei Presseanfragen pro Woche. Und meistens sage ich dann auch zu. Warum? Zuallererst liegt es mir besonders am Herzen, die Grundlagen und Erkenntnisse der Sportpsychologie einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Dieses Fachgebiet birgt ein erhebliches Potenzial, um Sportlern, Trainern und Managern zu helfen, ihr volles Leistungspotenzial auszuschöpfen und dabei ihre Gesundheit zu wahren. Durch meine Präsenz in den Medien trage ich dazu bei, dieses bedeutsame Wissen einem erweiterten Publikum nahezubringen und eine bewusste Anwendung in der Praxis zu fördern.

    Des Weiteren erhalte ich Anfragen von Leistungssportlern, Trainern und Managern, die mehr über unsere Disziplin erfahren möchten oder auf der Suche nach einer Zusammenarbeit sind. Diese unmittelbaren Interaktionen sind äußerst erfüllend, da sie mir die Möglichkeit bieten, direkt zur Steigerung sportlicher Leistungen oder zur Bewältigung persönlicher Herausforderungen beizutragen. Die intensive Zusammenarbeit erfüllt mich persönlich zutiefst und bereichert meine Arbeit.

    Abgesehen von den Medienauftritten bieten sich mir auch Möglichkeiten, als Referent vor Unternehmen und Verbänden aufzutreten. Dabei kann ich mein Fachwissen in einem interaktiven Umfeld vermitteln und wertvolle Gespräche mit anderen Fachleuten führen. Diese Aktivitäten tragen wesentlich zur Weiterentwicklung unseres Fachgebiets bei. Die gesteigerte Sichtbarkeit, die durch meine Interviews und Medienauftritte entsteht, hat außerdem dazu beigetragen, mein Profil in der Sportpsychologie-Gemeinschaft zu erhöhen. Dies ermöglicht mir, bedeutende Kontakte zu knüpfen und an wichtigen Projekten teilzunehmen. Auf diese Weise leiste ich einen aktiven Beitrag zur Förderung und Vernetzung in unserer Fachgemeinschaft.

    Nicht zuletzt profitiere ich auch indirekt von der gesteigerten Aufmerksamkeit für meine Forschungsarbeit und meine Institution. Dies äußert sich in Form von Forschungsförderung, zusätzlichen Ressourcen und neuen Kooperationsmöglichkeiten, die meine wissenschaftliche Arbeit und die Weiterentwicklung unseres Fachgebiets unterstützen.

    Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die zahlreichen Interview-Anfragen, denen ich nachkomme, eine breite Palette von Vorteilen bieten. Sie ermöglichen mir, Wissen zu verbreiten, unmittelbare Unterstützung im Leistungssport zu leisten, unsere Disziplin sichtbarer zu machen, wertvolle Netzwerke zu etablieren und indirekte Ressourcen zur Förderung von Forschung und Lehre zu generieren. Diese Aktivitäten sind wesentliche Bestandteile meiner Arbeit als Professor für Sportpsychologie und tragen maßgeblich zur kontinuierlichen Weiterentwicklung dieses faszinierenden Fachgebiets bei.

    Zur Verfügung gestellt von Sky (Foto: Screenshot)

    Link zum TV-Beitrag: Sky Prime time

    In den vergangenen Jahren gab es auch immer wieder Phasen, in denen du dich medial eher zurückgehalten hast. Weißt du, ob die mediale Präsenz dir in Systemen wie Profi-Vereinen oder Verbänden eher nutzt oder schadet?

    Diese Frage ist in der Tat von besonderer Bedeutung für mich, da sie einen Punkt berührt, der meine berufliche Entwicklung stark beeinflusst hat. Es gab Zeiten, in denen ich starke Selbstzweifel hegte, insbesondere im Hinblick auf meine Medienpräsenz und das Verfassen sportpsychologischer Texte. Mit zunehmender Aktivität in den Medien schien es, als würden sich einige meiner Kolleginnen und Kollegen von mir abwenden, und ich wurde bei bestimmten Tätigkeiten nicht mehr berücksichtigt. Zusätzlich waren hinterhältige Kritiken über meine Person ein wiederkehrendes Thema, und dies hat mich sehr bewegt.

    Doch nach zahlreichen wertvollen Gesprächen mit wertschätzenden Kolleginnen und Kollegen sowie Medienvertretern wurde mir klar, wie bedeutsam die Medienpräsenz für unsere Disziplin ist. In den letzten 20 Jahren hat sich leider wenig in unserem Fachgebiet, insbesondere in der Praxis, getan. Diese Erkenntnis führte dazu, dass wir erkennen mussten, dass wir uns nicht länger im Hintergrund halten dürfen und genauso wichtig sind wie andere Akteure im Leistungssport. Mir ist bewusst, dass dies mit Nachteilen einhergehen kann, aber wenn ich mir heute anschaue, wie viele Kolleginnen und Kollegen kostenlose Videos oder Medien nutzen, um Sichtbarkeit zu generieren, denke ich, dass es jetzt an der Zeit ist, stärker präsent zu sein.

    In Bezug auf die Frage nach meiner medialen Zurückhaltung in den letzten Jahren und ob die Medienpräsenz mir in Systemen wie Profi-Vereinen oder Verbänden eher nützt oder schadet, kann ich sagen, dass es ein Prozess war, bei dem ich lernen musste, einen angemessenen Weg zu finden. Anfangs war es schwierig, da einige Personen, Vereine und Verbände möglicherweise skeptisch auf diese Veränderung in meiner Präsenz reagierten. Doch im Laufe der Zeit und durch die Aufklärung über die Bedeutung der Sportpsychologie und die positive Wirkung, die sie auf den Leistungssport haben kann, wurden immer mehr Menschen aufgeschlossener.

    Heute bin ich fest davon überzeugt, dass meine Medienpräsenz insgesamt von Nutzen ist. Sie trägt dazu bei, die Bedeutung der Sportpsychologie hervorzuheben, unterstützt die Anwendung unserer Erkenntnisse im Leistungssport und fördert die Weiterentwicklung unserer Disziplin. Es ist wichtig, dass wir uns als Sportpsychologinnen und Sportpsychologen unserer Rolle bewusst sind und uns aktiv in die sportliche Gemeinschaft einbringen, um die Trainerinnen und Athletinnen bestmöglich zu unterstützen.

    Insgesamt sehe ich die Medienpräsenz als eine Möglichkeit, unsere Disziplin weiter voranzubringen und die Vorteile, die die Sportpsychologie bieten kann, einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Es geht nicht nur darum, persönliche Vorteile zu erlangen, sondern darum, einen Mehrwert für den Sport und die Menschen, die ihn ausüben, zu schaffen.

    Die Sportpsychologie als Profession hat sich in den vergangenen Jahrzehnten eher als medial zurückhaltend etabliert. Warum weichst du von diesem Weg ab und erntest du dafür intern, ob offen oder hinter folgender Hand, auch Kritik? 

    Ich schätze unsere Zusammenarbeit sehr und deine tiefgehenden Fragen. Deine Beobachtungen hinsichtlich meiner medialen Präsenz und des möglichen Unmuts einiger Kollegen oder Kolleginnen kann ich nachvollziehen. Für mich persönlich sehe ich dem Unmut entspannt entgegen. Jene, die sich die Zeit nehmen, um hinter meinem Rücken über mich zu sprechen, scheinen meiner Meinung nach vielleicht größere Herausforderungen in ihrem eigenen Bereich zu haben. Es ist bedauerlich, dass sie nicht die Offenheit und den Mut finden, mit mir auf Augenhöhe über diese Angelegenheit zu sprechen. Für mich ist Kommunikation auf Augenhöhe von entscheidender Bedeutung, um Missverständnisse zu vermeiden und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Es ist schade, dass einige diesen Weg nicht wählen.

    Ich bin außerordentlich dankbar für jede wertschätzende Begegnung und die Möglichkeit, wertvolle Inhalte unserer Disziplin voranzubringen. Gleichzeitig möchte ich betonen, dass ich ein einfacher Ruhrgebietsjunge bin, der durch Willenskraft und Ausdauer einiges auf den Weg gebracht hat. Genau so möchte ich wahrgenommen werden: nicht besser oder schlechter, sondern leidenschaftlich und engagiert in unserer faszinierenden Disziplin unterwegs.

    Was die defensive Medienstrategie in der Sportpsychologie betrifft, so sehe ich eine klare Veränderung. Unsere Berufsethik und die Wahrung der Schweigepflicht sind nach wie vor von höchster Bedeutung, aber das bedeutet nicht, dass wir nicht über allgemeine Themen sprechen und Möglichkeiten aufzeigen können. Die Sportpsychologie hat in den letzten Jahrzehnten vielleicht einen zurückhaltenderen Ansatz in Bezug auf die Medien verfolgt, aber dieser Ansatz hat sich im Zuge der digitalen Revolution und der wachsenden Nachfrage nach Fachwissen geändert.

    Ich glaube fest daran, dass wir als Sportpsychologinnen und Sportpsychologen eine Verantwortung haben, unser Fachwissen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen und die Vorteile unserer Disziplin zu vermitteln. Dies erfordert eine ausgewogene Herangehensweise, bei der Ethik und Vertraulichkeit respektiert werden, aber gleichzeitig die Chance ergriffen wird, die Sportpsychologie als wertvolle Ressource für Athleten, Trainer und die sportliche Gemeinschaft ins Rampenlicht zu rücken.

    Ja, es kann Kritik geben, aber diese Kritik sehe ich als Teil eines notwendigen Wandels, der unsere Disziplin stärker und sichtbarer macht. Letztendlich geht es darum, im Einklang mit unseren ethischen Prinzipien die Balance zwischen Vertraulichkeit und der Verbreitung von sportpsychologischem Wissen zu finden, um den Akteuren im Sport insgesamt zu dienen.

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    Thorsten Loch: Cybermobbing – Stärke und Selbstfürsorge für betroffene Gamerinnen

    Das Phänomen des Cybermobbings ist in der digitalen Welt leider weit verbreitet und betrifft insbesondere weibliche, nonbinäre und transgender Gamerinnen. Durch die Anonymität des Internets wird es Tätern leicht gemacht, negative Kommentare, Belästigungen und Hass auszudrücken. Die Auswirkungen auf die Betroffenen können verheerend sein und reichen von psychischen Belastungen bis hin zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität und Leistungsfähigkeit. In folgenden Zeilen werden wir uns mit den Auswirkungen von Cybermobbing befassen und zeigen, wie betroffene Gamerinnen das psychologische Modell der Resilienz nutzen können, um ihre Gesundheit zu bewahren und mit diesen Herausforderungen umzugehen.

    Zum Thema: Auswirkungen von Cybermobbing 

    Hate Speech und toxisches Verhalten können eine Vielzahl von negativen Auswirkungen haben. Betroffene können unter anderem mit Angstzuständen, Depressionen, einem geringen Selbstwertgefühl und sozialer Isolation konfrontiert werden. Darüber hinaus kann es “in game” zu einer Beeinträchtigung der Konzentration, Motivation und Leistungsfähigkeit führen. Die Auswirkungen können sich nicht nur auf das persönliche Wohlbefinden auswirken, sondern auch die Karrierechancen und den Erfolg im eSport beeinflussen. Eine herabgesetzte Überzeugung in die eigenen Fähigkeiten begünstigen eine schlechte Performance und somit den Beginn eines Kreislaufes: keine gute Performance, kombiniert mit Hate Speech, begünstigen eine weitere Herabsetzung des eigenen Ich`s. 

    Cybermobbing kann schwerwiegende Auswirkungen haben:

    Auswirkungen von Cybermobbing 

    1. Emotionale Belastung: Ständige negative Kommentare und Belästigungen können zu Angst, Depressionen, geringem Selbstwertgefühl und sozialer Isolation führen.

    2. Körperliche Symptome: Der Stress und die psychische Belastung durch Cybermobbing können zu körperlichen Symptomen wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Magen-Darm-Problemen führen.

    3. Beeinträchtigte Leistung: Cybermobbing kann die Konzentration und die Leistungsfähigkeit beeinflussen, was sich negativ auf schulische oder berufliche Erfolge auswirken kann.

    Stärkung der Resilienz

    Das Modell der Resilienz von Michael Rutter ist eines der bekanntesten Modelle, welches sich mit der Fähigkeit befasst, schwierige Lebenssituationen zu meistern. Es bezeichnet die Fähigkeit, schwierige Situationen zu überstehen, sich anzupassen und daraus gestärkt hervorzugehen. Rutter identifizierte mehrere Faktoren, die zur Entwicklung von Resilienz beitragen können. Dazu gehören:  

    1. Individuelle Merkmale: Persönliche Eigenschaften wie Selbstwertgefühl, Selbstkontrolle und soziale Kompetenzen können die Resilienz beeinflussen. Menschen, die über diese Merkmale verfügen, sind oft besser in der Lage, mit Hate Speech und toxischem Verhalten umzugehen.
    2. Unterstützung im sozialen Umfeld: Eine starke soziale Unterstützung, sei es von Familie, Freunden oder Trainern/Lehrer, kann eine wichtige Rolle bei der Förderung der Resilienz spielen. Das Vorhandensein von unterstützenden Beziehungen kann Betroffenen helfen, mit den Auswirkungen umzugehen.
    3. Externe Ressourcen: Zugang zu Ressourcen wie Bildung, Gesundheitsversorgung und anderen Unterstützungsdiensten kann die Resilienz stärken. Diese Ressourcen können helfen, ihre Situationen zu verbessern und Unterstützung zu erhalten.

    Selbstwertgefühl und Selbstkontrolle

    Selbstwertgefühl und Selbstkontrolle sind wichtige Faktoren, um mit den Anfeindungen umzugehen und Resilienz aufzubauen. Hier sind einige praktische Umsetzungsbeispiele, wie man diese individuellen Fähigkeiten stärken kann:

    Selbstwertgefühl:

    • Positive Selbstgespräche: Betroffene können lernen, sich selbst positive und ermutigende Botschaften zu geben, um ihr Selbstwertgefühl zu stärken. Das kann beispielsweise durch das Wiederholen von Affirmationen oder das Aufschreiben von persönlichen Stärken und Erfolgen geschehen.
    • Selbstakzeptanz: Es ist wichtig, sich selbst anzunehmen, wie man ist, mit all seinen Stärken und Schwächen. Betroffene können lernen, ihre eigenen Grenzen zu respektieren und sich nicht mit anderen zu vergleichen 

    siehe dazu auch:  

    Selbstkontrolle:

    • Emotionsregulation: Betroffene können lernen, ihre Emotionen besser zu erkennen und zu regulieren. Das kann durch Techniken wie tiefes Atmen, Meditation oder das Aufschreiben von Gedanken und Gefühlen geschehen. Indem sie ihre Emotionen besser kontrollieren, können sie rationaler auf Anfeindungen zu reagieren 
    • Impulskontrolle: Betroffene können lernen, impulsive Reaktionen zu vermeiden und stattdessen bewusste Entscheidungen zu treffen. Das kann durch das Abwägen von Vor- und Nachteilen, das Überlegen von Alternativen oder das Hinzuziehen von Unterstützungspersonen geschehen.

    Fazit

    Cybermobbing ist ein ernsthaftes Problem, das insbesondere weibliche, nonbinäre und transgender Gamerinnen betrifft. Die Auswirkungen können sowohl emotional als auch körperlich belastend sein. Dennoch gibt es Möglichkeiten, mit Cybermobbing umzugehen und gesund zu bleiben. Eine Möglichkeit wäre, dass die betroffenen Gamerinnen Stärke und Selbstfürsorge entwickeln und auf psychologische Modelle wie Resilienz zurückgreifen. Hierdurch sind sie dazu in der Lage, ihre Widerstandsfähigkeit zu stärken und die negativen Auswirkungen von Cybermobbing zu minimieren.

    Diese Gedanken dienen als Ausgangspunkt, um das Selbstwertgefühl und die Selbstkontrolle aufzubauen. Es ist wichtig zu beachten, dass das Modell der Resilienz ein komplexes Konzept ist und dass jeder Mensch individuell ist und verschiedene Strategien unterschiedlich gut funktionieren können. Es kann hilfreich sein, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen, die diese Fähigkeiten weiterentwickeln.

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    Literatur:

    Masten, A.S. (2001). Ordinarien magic: Resilience processes in Development. American Psychologist, 56(3), 227-238.

    Rutter, M. (2006). Implikation of resilience concepts for scientific unverständig. Annalen of the New York Academy of Sciences. 

    Suler, J. (2004). The online disinhibition effect. Cyberpsychology & behavior, 7(3), 321-326.

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    Prof. Dr. René Paasch: Unsichtbare Fesseln – Wie Neuroplastizität unsere Denkmuster verändert

    In einer Welt, die von Hektik, Leistungsdruck und unaufhörlicher Bewegung geprägt ist, kann es vorkommen, dass wir uns manchmal in einem Dilemma wiederfinden: Die Suche nach Erfolg im rasenden Spiel des Lebens und die Unzufriedenheit, die sich trotz einer scheinbar glanzvollen Karriere im Sport einstellt. Was verbindet diese scheinbar disparaten Situationen? Die Antwort liegt tief in der Psyche verborgen, in den feinen Fäden unseres Denkens, Erwartens und Handelns. Willkommen zu einem Blick hinter die Kulissen der sportpsychologischen Landschaft, wo die inneren Ressourcen und emotionalen Strukturen genauso wichtig sind wie physische Fähigkeiten. 

    Zum Thema: Die faszinierende Welt der menschlichen Gedanken und die beeindruckende Fähigkeit des Gehirns zur Veränderung! 

    Wir sind es gewohnt, uns auf äußere Ziele zu konzentrieren: den nächsten Sieg, das nächste Level der Karriere. Doch allzu oft übersehen wir die innere Welt, die das Fundament für unser Handeln bildet. Der gemeinsame Nenner in diesen verschiedenen Lebensbereichen? Falsche Erwartungen, tief verwurzelte Prägungen und ein Mangel an Mut für Veränderungen. Unsere Psyche ist ein erstaunlicher Mechanismus, der aufgrund vergangener Erfahrungen und Erziehungsmuster geformt wurde. Diese Muster können jedoch zu einem Käfig werden, der uns daran hindert, unser volles Potenzial auszuschöpfen und wirkliche Zufriedenheit zu finden. Es erfordert einen Akt des Mutes, sich diesen Mustern zu stellen und den Wunsch nach Veränderung zuzulassen. Aber Veränderung bedeutet nicht notwendigerweise, das gesamte Leben auf den Kopf zu stellen. Oft sind es die kleinen Verschiebungen in unserer Wahrnehmung, die den Unterschied machen. 

    In diesem Beitrag werden wir erkunden, wie unser Gehirn in diesen Prozessen eine entscheidende Rolle spielt. Von der Art und Weise, wie wir mit uns umgehen, bis hin zu den Mechanismen, die uns in alten Denkweisen gefangen halten, werden wir die Wechselwirkungen zwischen Geist und Verhalten erforschen. Neben der theoretischen Perspektive werde ich Ihnen jedoch auch praktische Werkzeuge an die Hand geben. Wohlwollende Anregungen und gezielte Übungen werden Ihnen helfen, Ihre Perspektive auf den Sport und Ihr Privatleben zu verändern. Denn wahre Zufriedenheit ist nicht nur das Ergebnis äußerer Erfolge, sondern auch das Produkt einer inneren Verschiebung – eine Veränderung hin zu einem mutigen, achtsamen und auf Veränderung ausgerichteten Geist.

    Gedanken unterdrücken?

    Beginnen wir mit einem Klassiker. Achtung: Denken Sie jetzt auf gar keinen Fall (…) an einen zuletzt gemachten Fehler auf dem Spielfeld! Und, hat’s funktioniert? Wahrscheinlich nicht. Gedanken zu unterdrücken ist nämlich schwer. Das hat der Psychologe Daniel Wegner schon in den 1980ern nachgewiesen. Er teilte seine Probandinnen und Probanden in zwei Gruppen ein. Die erste sollte möglichst viele Details an einen Eisbären denken, die zweite sollte den Gedanken tunlichst meiden. Wann immer jemand, egal in welcher Gruppe, einen Eisbären im Kopf hatte, sollte er oder sie eine Glocke läuten. Zwar dachte die Gruppe, die an die Eisbären denken sollte, in der ersten Runde tatsächlich öfter an das Tier, aber auch die Probanden der anderen Gruppe läuteten wiederholt die Glocke. In Runde zwei wurden die Aufgaben getauscht. Und was geschah? Die zweite Gruppe, die zuerst nicht an Eisbären denken sollte, läutete regelrecht Sturm. Sie wurde förmlich von dem Bild in ihrem Kopf erschlagen. Die erste Gruppe, die sich zuvor intensiv mit dem Eisbären auseinandergesetzt hatte, war nun gut darin, an andere Dinge zu denken. Was folgt daraus für uns und unsere Wege? 

    Zweierlei. Zum einen bringt es nichts, Dinge zu verdrängen, die in unserem Kopf umherschwirren. Das macht alles nur noch schlimmer. Wenn Sie sich also in irgendeiner Weise unglücklich fühlen oder mit sich selbst unzufrieden sind, können Sie eine Weile lang so tun, als ginge es Ihnen gut. Aber irgendwann nimmt Ihre Unzufriedenheit Überhand und macht Ihnen das Leben schwer. Versuchen Sie deshalb, immer zu erkennen, was in Ihnen vorgeht. Dazu kommen wir später noch genauer. Jetzt schauen wir uns erstmal den zweiten Punkt an, der aus dem Experiment folgt: Wir können unsere Gedanken offenbar bis zu einem gewissen Grad steuern. Nämlich dann, wenn wir uns aktiv mit ihnen auseinandersetzen. Und hier kommt die Neuroplastizität ins Spiel. Unser Gehirn ist erstaunlich anpassungsfähig. Ähnlich wie ein Muskel kann es sich verändern und anpassen, je nachdem, wie es benutzt wird. Das bedeutet, dass wir die Fähigkeit haben, unsere Denkmuster zu beeinflussen und zu modifizieren. Wenn wir uns bewusst mit unseren Gedanken beschäftigen, uns mit ihnen auseinandersetzen und alternative Sichtweisen entwickeln, formen wir aktiv neue neuronale Verbindungen. Diese Fähigkeit, die Neuroplastizität genannt wird, ist der Schlüssel, um unsere Denkweise und letztendlich unser Verhalten zu beeinflussen. In den kommenden Abschnitten werden wir tiefer in diese Konzepte eintauchen und entdecken, wie sie auf Ihre sportliche Karriere und unser allgemeines Wohlbefinden im Sport und im Leben anwendbar sind. Es mag zunächst komplex erscheinen, doch die Erkenntnisse aus der Psychologie und Hirnforschung können uns dabei helfen, die verborgenen Muster unserer Gedanken und Emotionen zu verstehen. Gemeinsam werden wir erkunden, wie wir durch bewusste Auseinandersetzung mit unseren Gedanken und der Nutzung der Neuroplastizität einen Weg finden können, unser Innenleben zu gestalten und eine tiefere innere Zufriedenheit zu erreichen.

    Wegweisende Pfade in Ihrem Kopf

    Die Trampelpfade in Ihrem Kopf sind wie tief eingegrabene Spuren, die unsere Gedanken automatisch in bestimmte Richtungen lenken. Diese Pfade entstehen früh in unserem Leben, geprägt von unseren Erfahrungen und Emotionen. Ein faszinierendes Beispiel dafür liefert die Studie über Londoner Taxifahrer aus dem Jahr 2011. Diese fanden sich in einer außergewöhnlichen Situation wieder: Sie mussten für ihre Zulassungsprüfung 25.000 Straßennamen und 20.000 Sehenswürdigkeiten auswendig lernen. Überraschenderweise zeigte sich, dass die Gehirne dieser Taxifahrer im Vergleich zu ihrer Zeit vor dem Berufseinstieg tatsächlich größer geworden waren. Dies widerlegte die damalige Vorstellung, dass das Gehirn nach dem Erwachsenwerden nicht mehr weiter wächst oder sich verändert. Das Gehirn kann also auch im späteren Leben neue neuronale Verbindungen bilden und seine Strukturen anpassen – eine Eigenschaft, die als Neuroplastizität bekannt ist. Ein Beispiel verdeutlicht die Macht dieser Trampelpfade: 

    Treffen wir auf Paul, einen jungen Mann mit geringem Selbstvertrauen im Jugendfußball. Frühere Erlebnisse mit einem Trainer, der stets Leistung über persönliche Bedürfnisse stellte und Fehler öffentlich machte, haben tiefe emotionale Spuren in seinem Denken hinterlassen. Besonders ein Fußballturnier, bei dem er wegen Fehlern vom Trainer abgestraft wurde, hat dazu geführt, dass Pauls Gedanken auf eine Autobahn gelenkt werden: ‚Motivierende und wertschätzende Trainer – das gibt es für mich einfach nicht. Ich werde immer diese Fehler machen und lieber mit dem Fußball aufhören.‘ Diese Denkmuster sind so stark verankert, dass sie seine sportliche Leistung beeinflussen. Dieses Phänomen wird durch den Confirmation Bias, den Bestätigungsfehler, verschärft. Menschen neigen dazu, ihre Wahrnehmung auf die Reize zu fokussieren, die ihre Überzeugungen bestätigen. In Pauls Fall führt seine Überzeugung, nicht genug zu sein, dazu, dass er tatsächlich vermehrt Fehler macht und seine Ängste bestätigt werden. Doch hier kommt die Neuroplastizität ins Spiel. Sie eröffnet die Möglichkeit, diese negativen Denkmuster zu durchbrechen. Die Veränderbarkeit des Gehirns bedeutet, dass wir nicht hilflos den automatischen Trampelpfaden ausgeliefert sind. Paul kann seine Gedankenstruktur aktiv beeinflussen, indem er bewusst alternative Gedankenmuster entwickelt und diese regelmäßig trainiert. So kann er neue neuronale Verbindungen schaffen, die ihn in eine positivere Richtung lenken. Die Transformation ist sicherlich keine leichte Aufgabe, aber sie ist durchaus machbar. Paul hat bewiesen, dass er seine Denkmuster verändern kann. Heute spielt er in der B-Junioren-Bundesliga West. Dies verdeutlicht, dass wir die Fähigkeit haben, unsere Gedanken zu lenken, unsere Denkmuster zu verändern und somit unseren Weg zu gestalten. Neuroplastizität ermutigt uns, die Kontrolle über unsere Gedanken zu übernehmen, alte Autobahnen zu verlassen und neue Wege zu erschließen, die zu einer erfolgreichen und erfüllten sportlichen und persönlichen Entwicklung führen.

    Die Trampelpfade in Ihrem Kopf verändern: Ein Blick in die verborgene Welt der Gedanken

    Ungefähr 40.000 – 60.000 Gedanken rasen täglich durch unser Bewusstsein, wie ein endloser Strom aus Wörtern, Bildern und Emotionen. Die meisten davon fliegen im Autopiloten über unsere mentalen Autobahnen – jene tief eingegrabenen Pfade, die unsere Gedanken in gewohnte Richtungen lenken. Doch hier liegt die Herausforderung: Unsere Energie reicht nicht aus, um jeden einzelnen Gedanken bewusst zu erfassen. Deshalb ist es von zentraler Bedeutung, sich auf die wichtigen Gedanken zu konzentrieren, wenn wir Veränderungen in uns selbst und unserer Einstellung erreichen wollen. Wie können wir also die Steuerung über diese Autobahnen übernehmen? 

    Der erste Schritt besteht darin, die zentralen Kreuzungen zu identifizieren, an denen unsere Gedanken immer wieder zusammenlaufen. Hier kommt eine faszinierende Übung ins Spiel, entwickelt von der Sprachwissenschaftlerin Dr. Simone Burel! Sprache beeinflusst unser Denken und unsere Wahrnehmung maßgeblich. Die Übung ist einfach: Nehmen Sie sich eine ruhige Minute, sprechen Sie frei über Ihre Verhaltensweisen auf dem Spielfeld, Ihre Ansichten zu Trainern und Ihre Gedanken über Fußball im Allgemeinen. Wichtig dabei ist, eine Tonaufnahme mit Ihrem Smartphone zu machen – quasi eine Sprachnachricht an sich selbst. Alternativ können Sie auch mit einem wertschätzenden Trainer oder einem vertrauenswürdigen Freund sprechen. Die Hauptsache ist, dass Sie Ihre Worte später wieder abspielen können. Und dann? Nun geht es darum, nach auffälligen Sprachmustern zu suchen. Besondere Aufmerksamkeit sollten Sie Sätzen schenken, die das Wort „müssen“ enthalten. Diese Sätze weisen oft auf hinderliche Denkmuster hin. Denn wer sagt, dass die Meinung anderer über Ihr Spiel oder Ihre Leistung absolut richtig ist? Viel entscheidender ist, was Sie sich selbst von Ihrem Spiel erhoffen und welchen Wert Sie darauflegen. 

    Hartnäckige Denkmuster

    Hier sind noch einige klassische Formulierungen, die auf hartnäckige Denkmuster hinweisen:

    • „Das wird sowieso nichts!“ (Hier meldet sich der geschätzte Paul zu Wort.)
    • „Trainer sind nur auf ihre eigene Karriere fokussiert!“
    • „Jugendtrainer interessieren sich nur für Tabellenstände und meine Erfüllung ihrer Vorstellungen.“
    • Die Nachwuchsleistungszentren zählen nur Leistung und Profit. Ich als Individuum spiele keine Rolle.“

    Natürlich können Sie nicht jeden negativen Glaubenssatz von jetzt auf gleich auslöschen. Aber der kognitive Umbau beginnt hier und jetzt. Wenn Sie bemerken, dass ein Gedanke auf der falschen Autobahn unterwegs ist, stoppen Sie ihn bewusst. Oder besser noch: Lassen Sie ihn davonfahren! Denn Sie beginnen damit, negative Überzeugungen durch positive Gedanken zu ersetzen. Sätze wie „Ich kann meinen Weg im leistungsorientierten Fußball finden“, „Ich verdiene Anerkennung“ oder „Ich kann auch ohne Bewertungen von außen glücklich sein und mich entwickeln“ werden zu Ihren Verbündeten. Sprechen Sie diese Sätze laut aus – dass aktiviert Ihre Gehirnzellen. Die faszinierende Eigenschaft der Neuroplastizität besteht darin, dass Sie durch positives Denken tatsächlich neue neuronale Verbindungen schaffen können. Und sobald diese neuen Autobahnen entstehen, wird es leichter sein, positiv zu denken. Ihre Gedanken werden automatisch die positiven Abzweigungen nehmen, ohne dass Sie jedes Mal bewusst eingreifen müssen. Der Prozess erfordert Zeit und Hingabe, aber er ist es wert. Mit der Macht der Neuroplastizität können Sie die Kontrolle über Ihre Gedanken übernehmen und die Richtung Ihrer Gedankenpfade bewusst lenken. Machen Sie sich auf den Weg, Ihre inneren Autobahnen zu verändern und neue Wege zu erschließen, die zu einer tieferen inneren Zufriedenheit, Erfolg im Sport und einem erfüllten Leben führen.

    Fazit

    Mit diesem nachhaltigen Coaching haben wir eine aufregende Reise in die Möglichkeiten der Sportpsychologie unternommen. Ich hoffe, dass Sie wertvolle Erkenntnisse mitnehmen konnten, die Ihre Perspektive auf den Sport und Ihr Leben insgesamt bereichern werden. Lassen Sie uns die wichtigsten Erkenntnisse noch einmal zusammenfassen: 

    Ihre Gedanken sind ein mächtiges Werkzeug. Sie gestalten nicht nur Ihre Wahrnehmung der Welt, sondern formen auch Ihre Selbstwahrnehmung und beeinflussen somit maßgeblich Ihr Wohlbefinden. Doch der entscheidende Punkt ist: Sie sind nicht hilflos den Launen Ihrer Gedanken ausgeliefert. Im Gegenteil. Sie haben die Fähigkeit, Ihre Gedanken bewusst zu lenken und Ihre Einstellung in die richtigen Bahnen zu bringen. Dieser Prozess erfordert Zeit, Übung und Engagement, aber die Ergebnisse sind mittelfristig eine entspanntere und positivere Haltung. Diese Veränderung wird nicht nur Ihnen selbst zugutekommen, sondern auch allen anderen Menschen, die sich mit Ihnen auf diesen Weg machen. Indem Sie Ihre Gedankenmuster aufmerksam beobachten, negative Denkmuster erkennen und bewusst durch positive Gedanken ersetzen, nutzen Sie die faszinierende Eigenschaft der Neuroplastizität. Sie gestalten neue neuronale Verbindungen, die schließlich zu einer natürlichen Verschiebung Ihrer Denkmuster führen. Ihre Gedanken werden zunehmend die positiven Abzweigungen nehmen, ohne dass Sie ständig eingreifen müssen. Die Schlüssel sind Selbstreflexion, Achtsames Verhalten und die bewusste Entscheidung, Ihre Denkmuster zu beeinflussen. Ihr inneres Selbstgespräch kann eine starke treibende Kraft sein, die Sie zu Spitzenleistungen im Sport und zu einer erfüllten Lebensweise führt. Behalten Sie im Hinterkopf, dass jede Veränderung ihre Zeit braucht, also seien Sie geduldig mit sich selbst. Während wir dieses Coaching abschließen, möchte ich Sie ermutigen, die Erkenntnisse und Übungen in Ihrem Alltag umzusetzen. Veränderungen beginnen mit kleinen Schritten, und jede bewusste Entscheidung, Ihre Denkmuster zu lenken, bringt Sie näher zu einer positiven und erfolgreichen Einstellung zum Sport und zu sich selbst. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg auf Ihrem Weg zu einer positiveren und erfüllten sportlichen Reise! Bei weiteren Fragen dürfen Sie sich sehr gerne an unser Netzwerk (zur Übersicht) wenden oder Sie schreiben mir (zum Profil von Prof. Dr. René Paasch) gleich hier eine persönliche Nachricht. 

    You agree to receive email communication from us by submitting this form and understand that your contact information will be stored with us.

    In jedem Fall freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahme. 

    Take Home Message

    In einer hektischen Welt, geprägt von Leistungsdruck und Bewegung, verbindet die Suche nach Erfolg im Sport und im Leben eine unsichtbare Fessel: unsere Denkmuster. Diese tief verwurzelten Pfade lenken unser Denken und Handeln. Doch wir können sie lenken. Neuroplastizität ermöglicht, diese Bahnen zu ändern. Identifizieren Sie Denkmuster, nutzen Sie Sprachübungen, bauen Sie positive Gedanken. Die Reise erfordert Zeit und Mut, aber schafft eine entspanntere Haltung, nicht nur für Sie, sondern für alle, die Sie begleiten. Nutzen Sie Ihre Gedanken als Werkzeug zur Gestaltung eines erfüllten Lebens und sportlichen Erfolgs.

    Weiterführende Anregungen für Sie! 

    Bessere und gerechte Entscheidungen im Fußball treffen: 

    Dr. René Paasch: Falsche Entscheidungen in Fußball-Nachwuchsleistungszentren vermeiden | Die Sportpsychologen (die-sportpsychologen.de)

    Im Hier und Jetz: 

    Prof. Dr. René Paasch: Leben! – Im Hier und Jetzt  | Die Sportpsychologen (die-sportpsychologen.de)

    In Krisen positive denken lernen

    Dr. René Paasch: In Krisen positiv denken lernen | Die Sportpsychologen (die-sportpsychologen.de)

    Mehr zum Thema:

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    Björn Korfmacher: Geht sportpsychologische Betreuung auch online?

    Mit dieser Frage werde ich nicht oft, aber immer mal wieder konfrontiert. Wenn Athletinnen und Athleten, die betreut werden wollen, in einer ganz anderen Ecke Deutschlands wohnen, mitunter mehrere hundert Kilometer entfernt, drängt sich die Frage nach einer zeitlich und organisatorisch komfortablen Remote-Lösung natürlich auf. Die Antwort darauf ist einfach: Klar, geht das. Videokonferenz-Software wie Teams oder Zoom machen das mühelos möglich. Technisch alles kein Problem … 

    Zum Thema: Über die Effektivität von sportpsychologischen Online-Sitzungen

    Seit der Corona-Pandemie (Homeoffice, Reisebeschränkungen etc.) sind Remote-Lösungen populärer denn je. Viele Unternehmen und Dienstleister haben dahingehend entsprechende Modelle und Services entwickelt. Darunter auch viele Psychologen und Sportpsychologen. Aus Sicht eines Sportpsychologen oder Sport-Mentaltrainers ist das mitunter ein nachvollziehbarer Ansatz, da praktisch und lukrativ. Zuhause schnell mal den Computer anzuwerfen, kann durchaus bequemer und zeitsparender sein, als seine Klienten in der Praxis zu empfangen oder sich beim Sportler zu treffen. Wenn das Honorar dann auch noch dasselbe bleibt, macht man als Sport-Mentaltrainer einen guten Deal. Vor dem Hintergrund, dass der Klient sogar selbst den Wunsch nach Online-Terminen geäußert hat, fühlt sich das erstmal nach einer Win-Win-Situation an. Aber profitiert die Sportlerin oder der Sportler wirklich davon? Ich persönlich denke, nein. Online bleibt was auf der Strecke.

    Meiner Ansicht nach ist es für die erfolgreiche sportpsychologische Betreuung elementar, emotional Zugang zu den Athleten zu finden. Man muss die Schwingungen wahrnehmen und richtig deuten können. Mit anderen Worten, wissen, was für ein Mensch (nicht nur der Sportler) vor einem sitzt. Und dann bringt man als Sport-Mentaltrainer bzw. Sportpsychologe natürlich noch seine eigene Persönlichkeit mit ein. All das erachte ich zumindest für meine Arbeit als sehr wichtig. Meine Erfahrungen haben mir gezeigt, dass dieses Zwischenmenschliche in Online-Sitzungen verloren geht und ich so als Mental-Coach meine PS nicht hundertprozentig auf die Straße bringen kann. Im Umkehrschluss bleiben dann wahrscheinlich auch auf Seiten der Athleten die gewünschten Resultate aus. Nicht gut für die Sportler, nicht gut für mich. Statt win-win, lose-lose. 

    Online ausgeschlossen?

    Nicht ganz. Bei Sportlerinnen und Sportlern, mit denen ich schon lange zusammenarbeite und die ich inzwischen gut genug kenne, kann es zur Not auch mal eine Online-Session tun. Das Gleiche gilt auch für Telefonate oder Chats. Neukunden jedoch, die auf Grund der weiten Entfernung von Anfang an eine regelmäßige Online-Betreuung wünschen, mache ich klar, dass dieser Ansatz in meinen Augen nicht zielführend ist. Mit anderen Worten: ich sage nein. Und das ist gut gemeint. 

    Wofür haben wir denn schließlich Kollegen, die landesweit verteilt sind! Schaut einfach mal hier, wir sind um die 50 in Österreich, der Schweiz und Deutschland. (zur Übersicht, zur Profilseite von Björn Korfmacher)

    Mehr zum Thema:

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    Kathrin Seufert: Zu spät für Sportpsychologie?

    Immer wieder kommt es vor, dass Sportler und Sportlerinnen oder auch Manager und Funktionäre meine Kollegen und mich sehr spät mit ihrem Anliegen kontaktieren. Gerade im Fußball ist es dann teilweise schon März oder April und das Saisonende greifbar. Es sind noch x Spiele und müssen unbedingt noch y Punkte her. Eine Gemengelage, in der die Chancen auf eine erfolgreiche Umsetzung von sportpsychologischen Methoden von Tag zu Tag sinken. In jedem Fall wird erschwert, hier noch Veränderungen in dieser angespannten Lage zu erzielen.

    Zum Thema: Der Zauber der kontinuierlichen sportpsychologischen Arbeit

    Viel besser ist es, kontinuierlich an den mentalen Fähigkeiten und Fertigkeiten zu arbeiten. So wie es im Sport bei nahezu allen anderen Trainingsinhalten mit Blick auf Physis, Koordination oder Taktik ganz normal ist. Das einfache Geheimnis: Ist erst einmal die Grundlage gelegt, fällt es allen Beteiligten viel leichter in die Tiefe zu gehen, an speziellen Techniken für individuelle Problemlagen zu arbeiten und die konkreten Herausforderungen zu lösen.

    Aus meiner persönlichen Erfahrung als frühere Schwimmerin weiß ich nur zu gut, dass es in den entscheidenden Saisonwochen ohnehin gern vorkommt, dass sich besondere und unvorhergesehene Situationen ergeben. Diese dann tiefgreifend zu bearbeiten ist dann kaum möglich. Hier kann dann häufig nur geschaut werden, was in der aktuellen Situation hilft. Ist das „Köfferchen“ mit mentalem Rüstzeug hier schon gut gefüllt, kann dann eine Adaption erfolgen und die kritische Phase besser bearbeitet werden, damit der Fokus wieder voll und ganz beim Saisonabschluss ist.

    Kontakt

    Nehmt gern Kontakt zu meinen Kollegen und Kolleginnen (Übersicht) oder zu mir (zum Profil von Kathrin Seufert) auf, wenn ihr euren Koffer mit zahlreichen Werkzeugen füllen wollt.

    An welchen Werkzeugen willst du arbeiten? Wo drückt der Schuh?

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    Danijela Bradfisch: STEAM – Jeder hat Dampf im Kessel

    Leistungssportler streben danach, ihre persönlichen Bestleistungen zu übertreffen und ihre sportlichen Ziele zu erreichen. Emotionen spielen dabei eine wichtige Rolle, da sie Motivation, Konzentration und Leistung beeinflussen können. Emotionen wie Freude, Begeisterung und Stolz können dazu beitragen, dass Sportlerinnen und Sportler ihr Bestes geben und ihre Leistung steigern. Auf der anderen Seite können negative Emotionen wie Ärger, Frustration oder Angst die Leistung beeinträchtigen und zu Fehlern führen. Diesen Dampf auf dem Kessel kennen wir alle. Aber kannst du mit diesem Dampf, also u.a. deinen Emotionen, im Training und Wettkampf richtig umgehen? 

    Zum Thema: STEAM – Selbstgespräche, (Inneres) Team, Emotionen, Achtsamkeit und das Miteinander 

    Als frühere Basketballspielerin kenne ich es sehr gut, Dampf auf dem Kessel zu haben. Um Sportlern und Trainern zu helfen, will ich mich in den nächsten Monaten insbesondere dem Umgang mit Emotionen widmen. Da das Kind aber noch einen Namen brauchte, habe ich aus den Anfangsbuchstaben ein Wort zusammengesetzt, was es für mich auf den Punkt bringt. Nämlich Dampf (STEAM) auf dem Kessel…

    S – Selbstgespräche

    T – Team (inneres Team gemeint)

    E – Emotionen

    A – Achtsamkeit

    M – Miteinander (Kommunikation)

    Klar, es gibt natürlich auch einige Sportarten, bei denen STEAM (im Sinne der Emotionen) möglicherweise weniger im Moment ausgelebt werden sollten. Denken wir nur beispielhaft an Sportarten wie Schach oder Bogenschießen. Hier geht es mehr um Konzentration (Achtsamkeit) und strategisches Denken (Selbstgespräche) als um emotionale Reaktionen. Insgesamt ist es jedoch ratsam, Emotionen im Leistungssport zu erkennen, zu akzeptieren und zu nutzen, um die bestmögliche Leistung zu erzielen. STEAM (z.B. Emotionen) kann dazu beitragen, dass Sportlerinnen und Sportler sich mit ihrem Sport identifizieren, sich mit ihren Teamkollegen verbinden und ein Gefühl der Erfüllung und Zufriedenheit aus ihrer Leistung ziehen.

    Emotionen bewusst regulieren

    Um die maximale Leistung im Wettkampf aufzubringen, ist es wichtig, den STEAM entsprechend „unter Kontrolle“ zu halten. Aber kann man das überhaupt kontrollieren oder ist es zielführender, besser die Situationen zu regulieren, in den man sich als Athlet oder Trainer befindet? 

    Sicher ist, dass jeder den Umgang mit Emotionen trainieren kann und sollte. Die Gespräche miteinander im (inneren) Team, ermöglichen es uns, unsere Bedürfnisse und Wünsche immer wieder abzurufen und auszudrücken. Sie dienen als wichtige Signale für unser Wohlbefinden und helfen uns, auf unsere eigenen Bedürfnisse und die Bedürfnisse anderer zu achten. Emotionen ermöglichen es uns, Beziehungen aufzubauen, zu pflegen, Entscheidungen zu treffen und dienen als wichtige Informationsquelle, die uns dabei unterstützt, die Vor- und Nachteile verschiedener Optionen abzuwägen und die für uns beste Entscheidung zu treffen.

    Beispiele aus der Praxis

    Ich gebe hier zwei Beispiele aus meiner aktuellen beruflichen Praxis, die direkt mit meinem STEAM-Thema zu tun haben. Und ich lade euch ein, mir eure Fragen und Anregungen zum Thema Emotionen zu schicken. Nutzt dazu gern das folgende Kontaktformular:

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    Die Sportlerin

    Seit einigen Wochen arbeite ich mit einer Fußballspielerin zusammen, die nach einer langen Verletzung ihr Comeback plant. Ihr „Dampfkochtopf“, um im Bild zu bleiben, brodelt schon ordentlich. Ihre Motivation und ihre Geduld hinsichtlich des allgemeinen Genesungsprozesses sind gut, jedoch aufgrund von verschiedenen Störfaktoren unbeständig. Sie brennt sehr für den Fussball und will unbedingt wieder auf den Platz, was den persönlichen Druck erhöht, ihrem Körper wieder vertrauen zu können. Sie hat mich aufgesucht, um sich über Möglichkeiten auszutauschen, um „Herdknöpfe“ (neue Lösungsmöglichkeiten/Strategien) zu finden und anzuwenden, damit sie ihren persönlichen STEAM regulierbarer, zielgeführter und selbständiger umsetzt kann. Aktuell befindet sich die Fussballspielerin auf der Zielgeraden ihrer Comeback-Phase. Sie steht seit ca. vier Wochen wieder glücklich und sicher mit Fußballschuhen auf dem Rasen und freut sich auf den offiziellen Ärztecheck, weil sie weiss, dass sie ihr finales Ziel immer näher rückt. Komme was wolle.

    Die Trainer:innen

    Kürzlich habe ich einen Workshop im Badminton-Trainer durchführen dürfen. Wenig überraschend: Jeder Trainer hat sein Thema mit Emotionen. Und alle haben folgerichtig auch mit ihrem eigenem STEAM zu tun. Als Feedback habe ich bekommen, dass viele Trainer neue, überraschende und eingehende Ideen für sich aus den Impulsvorträgen zu den Themen Selbstgespräche, Emotionsregulation, Achtsamkeit (Batterie usw.) und Miteinander kommunizieren mitgenommen haben. Mein Auftrag ist nun, das Kursangebot zu wiederholen, um dann noch detaillierter in Themen z.B. Umgang mit Druck und Wettkampfvorbereitung einzusteigen. 

    Fazit

    STEAM ist ein Teil des (Leistungs-)Sportler- und Trainerlebens. Auf dem Weg zu sportlicher Leistung hilft er, unsere psychische Gesundheit zu verbessern, unsere Beziehungen zu stärken und unsere persönliche Entwicklung zu fördern. Und da ist es manchmal gut zu wissen, wie es gelingt, dass der Druck aus dem Kessel entweichen kann.

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    Dr. Hanspeter Gubelmann: „Wir fördern Leistungssport – aber nicht um jeden Preis!“

    Die Meldungen zu Missbrauch, Gewalt, Angstkultur und sexuellen Übergriffen im Schweizer Sport reissen nicht ab. Der jüngst in den Medien publik gemachte Fall im Männer-Kunstturnen belegt nur eines von offensichtlich vielen Schicksalen, welche sich gehäuft in kompositorischen Sportarten zutragen. Die unabhängige Meldestelle Swiss Sport Integrity (SSI), an die sich betroffene Athlet:innen in ihrer Notlagen wenden und Unterstützung finden können, wird mit Anfragen überschwemmt. Wie hoch muss der Preis eigentlich sein, bis Leistungssport, der solches Leid offensichtlich zulässt, nicht mehr gefördert wird? Das News-Team des Schweizer Fernsehens (SRF) bat mich um eine Stellungnahme. Wie die Story ausging und welche Learnings sich daraus für die Angewandte Sportpsychologie ergeben, möchte ich anschliessend darlegen.

    Zum Thema: Der sportpsychologischer Fokus auf drängende Veränderungen im Nachwuchs-Leistungssport

    Vor ziemlich genau drei Jahren erschütterten die „Magglingen Protokolle“ die Schweizer Sportwelt. Was viele gewusst, geahnt oder einfach verdrängt hatten, drang an jenem 30. Oktober 2020 schockartig ins Bewusstsein der Schweizer Gesellschaft. Es folgten umfangreiche wissenschaftliche Studien und vielbeachtete Berichte in den Medien. Das hieraus gewonnene Verständnis im „neuen“ Umgang mit Nachwuchs-Leistungssport gipfelte im Statement von Sportministerin Viola Amherd (siehe Quellen): «Wir wollen und fördern Leistungssport – aber nicht um jeden Preis!»

    Was ist seither geschehen? Ist der Nachwuchs-Leistungssport seither gesünder, ethisch vertretbarer oder kindgerechter? Die zahlreichen Berichte der letzten Wochen lassen mich daran zweifeln. Die News-Redaktion von SRF hat mich angefragt, dazu Stellung zu nehmen. Entstanden ist ein zweiteiliger Bericht, der einleitend einen aktuellen Fall darlegt und anschliessend die Thematik aus mehreren Perspektiven beleuchten soll. Dieser Blog ist quasi mein persönliches „Debriefing“ einer Medienanfrage, die mich bis heute drei Tage Arbeitszeit (inklusive Verfassen dieses Blogs!) kostete und letztlich zu drei Statements im Beitrag führte. 

    Zur inhaltlichen Verortung zum Interview schickte mir die News-Redaktion folgende vier Fragen, welche den Themenkatalog eingrenzen sollten. 

    Das Thema im SRF

    Scann den QR-Code und schau dir den Insta-Clip des SRF zum Thema an.

    Link: https://www.srf.ch/news/schweiz/missstaende-im-kunstturnen-turner-trainer-missachtete-aerztliche-anweisungen

    Ist Erfolg im Spitzensport nur mit Härte und Drill zu erreichen?

    Der aktuell weltbeste Skifahrer Marco Odermatt hat einmal gesagt, dass er als Bub nicht der Beste sein wollte. Er hatte offensichtlich grossen Spass am Skifahren und strebte danach, sich zu einem sehr guten Skifahrer zu entwickeln. Um einen jungen Menschen mit seinen Talenten optimal zu fördern, braucht er weder die erwachsene Sichtweise einer (zu frühen) Erfolgsoptimierung, noch die Vorstellung eines „zu schleifenden Rohdiamanten.“ Stattdessen haben die jungen Odermatts, Federers, Holdeners – eben alle sportbegeisterten Jugendlichen von heute das Anrecht einer kind- und jugendgerechten Unterstützung und Förderung. Statt Härte und Drill – ein Klima des Empowerments, das wahrhaftige Unterstützen junger Menschen in ihrer Entwicklung, welches seinen Anfang immer im Elternhaus nimmt.

    Wo muss der Hebel angesetzt werden, um im Sport sicherzustellen, dass ethische Verstösse nicht mehr vorkommen?

    Zunächst geht es um ein gemeinsames Verständnis dessen, was gutes – eben ethisch vertretbares – Handeln im Sport beinhaltet. Diesbezüglich bin ich froh um das klare Statement unserer Sportministerin Viola Amherd: „Wir fördern Leistungssport – aber nicht um jeden Preis!” 

    Ich interpretiere ihre Aussage dahingehend, dass die Förderung dort aufhört – aufhören muss! – wo die Integrität, die Sicherheit, die Gesundheit und/oder die kindgerechte Entwicklung der jungen Menschen gefährdet sind. Aus psychologischer Perspektive müsste dies zu einem eindeutigen und bindenden Statement aller Beteiligten im Nachwuchssport führen: Der junge Mensch mit seinen Anliegen und seine gesunde Entwicklung stehen im Mittelpunkt – die sportliche Leistung ist zweitrangig! Im Weiteren geht es um ein klares Verständnis dessen, was junge Menschen brauchen, um sich gut entwickeln zu können. Der entscheidende Treiber ist das Selbstvertrauen der jungen Sportlerin. Dieses entsteht aus einer wachsenden Autonomie, aus Kompetenzerleben und sozialem Miteinander. Dagegen bewirken übermässiger Druck, Härte und Drill genau das Gegenteil. Es entsteht Angst. Das Kind entwickelt Versagensängste, es zieht sich in eine innere Welt zurück und vielleicht das Schlimmste: es verliert den Mut, den Glauben an sich und in seine Fertigkeiten. Sport unter diesen Vorzeichen ist ethisch nicht vertretbar, darf also nicht gefördert werden.

    Man spricht von einem Kulturwandel im Sport: Wie konkret muss dieser bewerkstelligt werden

    Die Sensibilität hinsichtlich der Thematik „umsichtig fördern anstatt überfordern“ ist im Schweizer Sport angekommen. Dies belegen ganz viele Aktivitäten in zahlreichen Sportarten. Die Curricula der Trainer- und Leiter:innen-Ausbildungen werden angepasst, es entstehen auch inhaltliche Leitfäden, die Eltern, Trainer Funktionäre und Sportpsychologinnen in ihrem Tun unterstützen. Das jüngst publik gewordende Beispiel gravierender Missstände im Bereich Artistic Swimming des Schweizerischen Schwimmverbands (Swiss Swimming) zeigt aber auch, dass die Hauptverantwortung bei den Verbänden und Organisationen liegt. Da braucht es in Zukunft an einigen Stellen noch mehr Leadership, bessere Strukturen und eine lernfähige Organisation, die einen Kulturwandel überhaupt ermöglichen. Zuoberst sind es aber die Erwachsenen, die Präsidenten und Verantwortlichen. Da erwarte ich deutlich mehr Klarheit, Veränderungswillen und Zivilcourage, als ich aus den Statements unserer Schweizer Spitzenfunktionäre jüngst in den Interviews von 10vor10 gehört habe. Mich würde schon interessieren, wie unsere Sportchefin diese interpretiert!

    Reichen die vorhandenen Mittel aus, um diesen Kulturwandel sicherzustellen – oder muss der Druck erhöht werden?

    Druck erzeugt Gegendruck. Druck ist kein guter Partner, wenn es um Entwicklung und letztlich um Lernen geht. Im Zentrum steht die Frage, was wir daraus lernen, wenn zu oft ethisch nicht vertretbarer Missbrauch und Überforderung auf junge Menschen im Sport einwirken. 

    Fragwürdig: 4 Turnerinnen waren im Mehrkampffinal der weltbesten Kunsturnerinnen jünger als 17 Jahre – zwei Drittel aller Turnerinnen wären in der Leichtathletik für die U23-Weltmeisterschaften startberechtigt… (Quelle: Dr. Hanspeter Gubelmann)

    Wenn ich mir die „Charta der Rechte von Kinder und Jugendlichen im Sport“ als Orientierungsmassstab nehme, müsste ich die Verantwortlichen im Kunsturnen fragen: Warum müssen die Athletinnen schon dermassen früh in ihrem Leben diese ausserordentlich schwierigen Übungen turnen, ihren Leistungszenit meist schon im Alter von 20 erreichen, was oft zu einem frühen Karriereende führt? Ist dies aus ethischer Sicht statthaft – und zwar aus Sicht des jungen Menschen und seiner gesunden Entwicklung. 

    Die Antwort ist für mich eindeutig: die Leistungsmaximerung im Kunstturnen den Frauen erfolgt viel zu früh, das Risiko von Entwicklungsschäden ist viel zu hoch. Folgerichtig wäre u.a. ein Alterslimit für Teilnahmen an internationalen Elite-Meisterschaften von mindestens 18 Jahren. Angesprochen auf die Notwendigkeit eines Alterslimits im Kunstturnen antwortete Matthias Remunds (Direktor des Bundesamts für Sport) im Interview mit „10vor10“ kurzsilbig: „Das können wir nicht entscheiden, das kann nur der internationale Kunstturnverband festlegen“.   

    Die Rolle der Eltern/Trainer: wo muss hier der Hebel angesetzt werden?

    Die Rolle der Eltern gerade am Anfang einer Sportkarriere ist immer dreifaltig: Sie dienen als Vorbild, sie sind die grossen Unterstützer und meist auch Bewerter, indem sie die Leistungen ihrer Kinder interpretieren. Ich erlebe viele Sporteltern sehr interessiert und aktiv. Sie wollen informiert sein und haben auch Anrecht darauf. Auf der anderen Seite stehen die Trainer:innen, die mit ihrem Alltagsgeschäft häufig am Rand ihrer Belastbarkeit stehen und auf ein einvernehmliches Miteinander mit den Eltern hoffen. 

    Grundsätzlich möchte ich für eine stärkere Integration der Eltern in den Sport ihrer Kinder plädieren. Wie das gehen könnte, zeigt u.a. das Sportland Norwegen. Die Sportpsychologie sollte hier als vermittelnde Instanz mitwirken, indem sie beispielsweise psychoedukative Angebote im Austausch von Eltern und Trainer:innen organisiert und moderiert. Eine spannende Frage könnte lauten: wo braucht es die Eltern, wo braucht es sie eher nicht! Ein offener Austausch hinsichtlich eines partnerschaftlichen Rollenverständnisses dürfte auf beiden Seiten hilfreich sein, um gegenseitiges Vertrauen und Verständnis füreinander zu vertiefen.

    Learnings für Sportpsychologie

    Die Auseinandersetzung mit der Thematik „Safe Sport“ zeigt, dass die Sportpsychologie ein bedeutsamer Akteur in der aktuellen Diskussion um gesunden, ethisch vertretbaren Leistungssport ist. Andererseits müssen wir unsere Standpunkte insbesondere im Nachwuchsbereich zukünftig noch akzentuierter einbringen. Die Missstände sind vielerorts massiv, vor allem auch in kompositorischen Sportarten, wo Mädchen enorme psychische und physische Belastungen bewältigen müssen. Wie virulent die Thematik ist, zeigt sich an den  jüngst in der NZZ am Sonntag (siehe Quellen) dargestellten Missständen in der Rhythmischen Gymnastik. In der momentanen Situation erkenne ich folgende drei Entwicklungsbereiche, denen sich die Sportpsychologie weiterhin – und noch verstärkt! – widmen muss.

    1) Wir müssen den fundamentalen Anliegen, den Voraussetzungen und notwendigen Rahmenbedingungen für einen gesunden, ethisch vertretbaren Leistungssport im Nachwuchsbereich eine deutliche Stimme geben;

    2) Wir brauchen eine klare, breit abgestützte Haltung dazu, wie wir mit den besonderen Herausforderungen bezüglich „Safe Sport“ umgehen – ein entsprechender Katalog mit Handlungsanweisungen im Handlungsfeld der Angewandten Sportpsychologie ist in der Schweiz (SASP & BASPO) in Bearbeitung;

    3) Wir benötigen ein „Schärfen“ unserer Expertise und zwar in Verbindung von wissenschaftlichen Erkenntnissen mit einer Optimierung unserer Handlungskompetenzen. Genau dazu erhoffe ich mir von der Veranstaltung  „Sexualisierte und interpersonale Gewalt im Sport“ an der Spoho Köln (Veranstaltung: Sexualisierte und interpersonale Gewalt im Sport, 23.10.23, Köln – mehr Infos) einen schönen Mehrwert!

    Mehr zum Thema:

    Quellen:

    https://www.tagesanzeiger.ch/wie-turnerinnen-in-magglingen-gebrochen-werden-170525604713

    https://www.nau.ch/politik/bundeshaus/viola-amherd-prasentiert-massnahmen-nach-turn-skandal-66042485

    https://www.swiss-aquatics.ch/wp-content/uploads/2022/09/T9_AS_Bericht_formatiert_def_D.pdf

    https://www.nzz.ch/nzz-am-sonntag/krankenakte-wirkt-wie-anklageschrift-die-fortsetzung-des-magglingen-debakels-ld.1759830

    https://weiterbildung.dshs-koeln.de/details.jsp?id=2913&kurs=sexualisierte-und-interpersonale-gewalt-im-sport

    https://www.srf.ch/news/schweiz/missstaende-im-kunstturnen-turner-trainer-missachtete-aerztliche-anweisungen

    Veranstaltungshinweis:

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    Weitere Informationen

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    Thorsten Loch: Wie Trainer ihre Kommunikation verbessern können

    Die Kommunikation zwischen Trainern und Athleten ist mitentscheidend für den Erfolg im Leistungssport. Es ist für Trainer von großer Bedeutung, eine positive und unterstützende Umgebung zu schaffen, um die Motivation und das Selbstvertrauen der Athleten zu stärken. Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten und Ideen, wie sich eine gewinnbringende Kommunikation positiv gestalten lässt. Eine Methode, die dabei helfen kann, diese Kommunikation zu verbessern, ist die so genannte Losada-Rate. Eine hohe Losada-Rate kann dabei behilflich sein, ein solches Umfeld zu schaffen und die Leistung der Athleten zu verbessern. In diesem Blogbeitrag werden wir uns intensiv mit der Losada-Rate auseinandersetzen und bieten praktische Tipps für Trainer, um die Losada-Rate effektiv im Trainingsalltag anzuwenden und die Qualität der Kommunikation zu verbessern. 

    Zum Thema:  Losada-Rate und die Optimierung der Trainer-Athleten-Kommunikation im Leistungssport

    Die Losada-Rate ist ein Konzept aus der Positiven Psychologie, das die Balance zwischen positiven und negativen Interaktionen misst. Entwickelt wurde sie von der Psychologin Marcial Losada. Die Theorie besagt, dass ein positives Ratio von mindestens 2,9 zu 1 erforderlich ist, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Das bedeutet, dass für jede negative Interaktion mindestens drei positive Interaktionen stattfinden sollten. Eine Untersuchung von Fredrickson und Losada (2005) ergab, dass ein Ratio von 3:1 oder höher eine optimale psychologische Zuständigkeit unterstützt. Denn jenes Gleichgewicht fördert die Motivation, das Selbstvertrauen und die Leistung der Athleten. Weitere Studien zeigen, dass Trainer, die ein positives Verhältnis aufrechterhalten, eine höhere Athletenmotivation und eine verbesserte Teamdynamik erleben.

    Wie gelingt es nun Trainern, eine positive Ratio umzusetzen? Denn es ist sicherlich leichter gesagt als getan. Es folgen ein paar praktische Umsetzungstipps, wie es gelingen kann, die oben beschriebene Theorie auch in die Praxis zu übersetzen:

    1. Positive Verstärkung priorisieren: Setzen Sie eine positive Verstärkung als zentrales Element in Ihrer Kommunikation mit den Athleten ein. Loben Sie die Leistungen, ermutigen Sie sie und zeigen Sie Anerkennung für die Fortschritte der Athleten. Dies stärkt ihr Selbstvertrauen und ihre Motivation.

    2. Konstruktive Kritik üben: Wenn es notwendig ist, konstruktive Kritik zu äußern, stellen Sie sicher, dass diese fair, respektvoll und lösungsorientiert ist. Geben Sie den Athleten klare Hinweise, wie sie sich verbessern können, und bieten Sie Unterstützung bei der Umsetzung von Veränderungen an.

    3. Offene Kommunikation fördern: Schaffen Sie einen Raum für offene und ehrliche Kommunikation. Ermutigen Sie die Athleten, ihre Anliegen, Bedenken und Ideen zu teilen. Hören Sie aktiv zu und zeigen Sie Interesse an der jeweiligen Meinung. Dies schafft Vertrauen und stärkt die Beziehung zwischen Trainer und Athleten.

    4. Individuelle Bedürfnisse berücksichtigen: Jeder Athlet ist einzigartig, daher ist es wichtig, individuelle Bedürfnisse und Persönlichkeiten zu berücksichtigen. Finden Sie heraus, wie Ihre Athleten am besten auf positive Verstärkung und konstruktive Kritik reagieren, und passen Sie Ihre Kommunikation entsprechend an.

    5. Regelmäßiges Feedback geben: Geben Sie regelmäßig Feedback an Ihre Athleten, sowohl in Bezug auf ihre Leistungen als auch auf ihre Entwicklungspotenziale. Dies zeigt ihnen, dass Sie sich um ihre Fortschritte kümmern und ihnen helfen möchten, ihr volles Potenzial auszuschöpfen.

    6. Eigene Kommunikationsmuster reflektieren: Nehmen Sie sich Zeit, um Ihr eigenes Kommunikationsverhalten zu reflektieren. Achten Sie darauf, dass Sie ein positive Ratio einhalten und Ihre eigenen Interaktionen mit den Athleten bewusst gestalten. Hier kann beispielsweise ein Sportpsychologe helfen, Kommunikationsmuster zu erkennen und Optimierungsvorschläge aufzuzeigen.

    Herausforderung bei der Umsetzung

    Das liest sich natürlich alles sehr verführerisch und vielversprechend, dennoch möchte ich nicht die Augen davor verschließen, dass die Umsetzung nicht leicht von der Hand geht. Die Anwendung der Losada-Rate im Leistungssport kann einige Herausforderungen mit sich bringen. Dazu gehören beispielsweise Zeitdruck, emotionale Belastungen oder unterschiedliche Persönlichkeiten von Trainern und Athleten. Es ist wichtig, diese Herausforderungen anzuerkennen und entsprechende Strategien zu entwickeln, um eine positive Kommunikation aufrechtzuerhalten. 

    Sie sind jedoch damit nicht allein. Sportpsychologische Experten können helfen und unterstützend beiseite stehen, um bei der Gestaltung der bestmöglichen Rahmenbedingungen für die Athleten zu entwickeln. 

    Fazit

    Die Losada-Rate stellt ein wertvolles Instrument dar, um die Qualität der Kommunikation zwischen Trainern und Athleten im Leistungssport zu verbessern. Durch eine ausgewogene Mischung aus positiver Verstärkung und konstruktiver Kritik kann die Motivation gesteigert, das Selbstvertrauen gestärkt und letztendlich die Leistung der Athleten maximiert werden. Es ist entscheidend, dass Trainer sich bewusst mit der Losada-Rate auseinandersetzen und aktiv an einer positiven Kommunikationskultur arbeiten. Es ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, dass die Anwendung Zeit erfordert, Geduld und kontinuierliche Anstrengungen. 

    Bleiben Sie konsequent in Ihrer Umsetzung und überprüfen Sie regelmäßig, ob Sie das richtige Gleichgewicht zwischen positiver Verstärkung und konstruktiver Kritik erreichen. Letztendlich wird eine positive Kommunikationskultur zu einer verbesserten Leistung und einem positiven Trainingserlebnis für Ihre Athleten führen.

    Mehr zum Thema:

    Literatur:

    Fredrickson, B. (2009): Positivity: Groundbreaking Research Reveals How to Embrace the Hidden Strength of Positive Emotions, Overcome Negativity, and Thrive. Random House Audio.

    Fredrickson, B., Losada, M. F. (2005). Positive Affect and the Complex Dynamics of Human Flourishing. American Psychologist, 60(7), 678–686.

    Seligman, M. (2012): Flourish: A Visionary New Understanding of Happiness and Well-being. Adria.

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