Danijela Bradfisch: STEAM – Jeder hat Dampf im Kessel

Leistungssportler streben danach, ihre persönlichen Bestleistungen zu übertreffen und ihre sportlichen Ziele zu erreichen. Emotionen spielen dabei eine wichtige Rolle, da sie Motivation, Konzentration und Leistung beeinflussen können. Emotionen wie Freude, Begeisterung und Stolz können dazu beitragen, dass Sportlerinnen und Sportler ihr Bestes geben und ihre Leistung steigern. Auf der anderen Seite können negative Emotionen wie Ärger, Frustration oder Angst die Leistung beeinträchtigen und zu Fehlern führen. Diesen Dampf auf dem Kessel kennen wir alle. Aber kannst du mit diesem Dampf, also u.a. deinen Emotionen, im Training und Wettkampf richtig umgehen? 

Zum Thema: STEAM – Selbstgespräche, (Inneres) Team, Emotionen, Achtsamkeit und das Miteinander 

Als frühere Basketballspielerin kenne ich es sehr gut, Dampf auf dem Kessel zu haben. Um Sportlern und Trainern zu helfen, will ich mich in den nächsten Monaten insbesondere dem Umgang mit Emotionen widmen. Da das Kind aber noch einen Namen brauchte, habe ich aus den Anfangsbuchstaben ein Wort zusammengesetzt, was es für mich auf den Punkt bringt. Nämlich Dampf (STEAM) auf dem Kessel…

S – Selbstgespräche

T – Team (inneres Team gemeint)

E – Emotionen

A – Achtsamkeit

M – Miteinander (Kommunikation)

Klar, es gibt natürlich auch einige Sportarten, bei denen STEAM (im Sinne der Emotionen) möglicherweise weniger im Moment ausgelebt werden sollten. Denken wir nur beispielhaft an Sportarten wie Schach oder Bogenschießen. Hier geht es mehr um Konzentration (Achtsamkeit) und strategisches Denken (Selbstgespräche) als um emotionale Reaktionen. Insgesamt ist es jedoch ratsam, Emotionen im Leistungssport zu erkennen, zu akzeptieren und zu nutzen, um die bestmögliche Leistung zu erzielen. STEAM (z.B. Emotionen) kann dazu beitragen, dass Sportlerinnen und Sportler sich mit ihrem Sport identifizieren, sich mit ihren Teamkollegen verbinden und ein Gefühl der Erfüllung und Zufriedenheit aus ihrer Leistung ziehen.

Emotionen bewusst regulieren

Um die maximale Leistung im Wettkampf aufzubringen, ist es wichtig, den STEAM entsprechend „unter Kontrolle” zu halten. Aber kann man das überhaupt kontrollieren oder ist es zielführender, besser die Situationen zu regulieren, in den man sich als Athlet oder Trainer befindet? 

Sicher ist, dass jeder den Umgang mit Emotionen trainieren kann und sollte. Die Gespräche miteinander im (inneren) Team, ermöglichen es uns, unsere Bedürfnisse und Wünsche immer wieder abzurufen und auszudrücken. Sie dienen als wichtige Signale für unser Wohlbefinden und helfen uns, auf unsere eigenen Bedürfnisse und die Bedürfnisse anderer zu achten. Emotionen ermöglichen es uns, Beziehungen aufzubauen, zu pflegen, Entscheidungen zu treffen und dienen als wichtige Informationsquelle, die uns dabei unterstützt, die Vor- und Nachteile verschiedener Optionen abzuwägen und die für uns beste Entscheidung zu treffen.

Beispiele aus der Praxis

Ich gebe hier zwei Beispiele aus meiner aktuellen beruflichen Praxis, die direkt mit meinem STEAM-Thema zu tun haben. Und ich lade euch ein, mir eure Fragen und Anregungen zum Thema Emotionen zu schicken. Nutzt dazu gern das folgende Kontaktformular:

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Die Sportlerin

Seit einigen Wochen arbeite ich mit einer Fußballspielerin zusammen, die nach einer langen Verletzung ihr Comeback plant. Ihr „Dampfkochtopf“, um im Bild zu bleiben, brodelt schon ordentlich. Ihre Motivation und ihre Geduld hinsichtlich des allgemeinen Genesungsprozesses sind gut, jedoch aufgrund von verschiedenen Störfaktoren unbeständig. Sie brennt sehr für den Fussball und will unbedingt wieder auf den Platz, was den persönlichen Druck erhöht, ihrem Körper wieder vertrauen zu können. Sie hat mich aufgesucht, um sich über Möglichkeiten auszutauschen, um „Herdknöpfe“ (neue Lösungsmöglichkeiten/Strategien) zu finden und anzuwenden, damit sie ihren persönlichen STEAM regulierbarer, zielgeführter und selbständiger umsetzt kann. Aktuell befindet sich die Fussballspielerin auf der Zielgeraden ihrer Comeback-Phase. Sie steht seit ca. vier Wochen wieder glücklich und sicher mit Fußballschuhen auf dem Rasen und freut sich auf den offiziellen Ärztecheck, weil sie weiss, dass sie ihr finales Ziel immer näher rückt. Komme was wolle.

Die Trainer:innen

Kürzlich habe ich einen Workshop im Badminton-Trainer durchführen dürfen. Wenig überraschend: Jeder Trainer hat sein Thema mit Emotionen. Und alle haben folgerichtig auch mit ihrem eigenem STEAM zu tun. Als Feedback habe ich bekommen, dass viele Trainer neue, überraschende und eingehende Ideen für sich aus den Impulsvorträgen zu den Themen Selbstgespräche, Emotionsregulation, Achtsamkeit (Batterie usw.) und Miteinander kommunizieren mitgenommen haben. Mein Auftrag ist nun, das Kursangebot zu wiederholen, um dann noch detaillierter in Themen z.B. Umgang mit Druck und Wettkampfvorbereitung einzusteigen. 

Fazit

STEAM ist ein Teil des (Leistungs-)Sportler- und Trainerlebens. Auf dem Weg zu sportlicher Leistung hilft er, unsere psychische Gesundheit zu verbessern, unsere Beziehungen zu stärken und unsere persönliche Entwicklung zu fördern. Und da ist es manchmal gut zu wissen, wie es gelingt, dass der Druck aus dem Kessel entweichen kann.

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