Thorsten Loch: Cybermobbing – Stärke und Selbstfürsorge für betroffene Gamerinnen

Das Phänomen des Cybermobbings ist in der digitalen Welt leider weit verbreitet und betrifft insbesondere weibliche, nonbinäre und transgender Gamerinnen. Durch die Anonymität des Internets wird es Tätern leicht gemacht, negative Kommentare, Belästigungen und Hass auszudrücken. Die Auswirkungen auf die Betroffenen können verheerend sein und reichen von psychischen Belastungen bis hin zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität und Leistungsfähigkeit. In folgenden Zeilen werden wir uns mit den Auswirkungen von Cybermobbing befassen und zeigen, wie betroffene Gamerinnen das psychologische Modell der Resilienz nutzen können, um ihre Gesundheit zu bewahren und mit diesen Herausforderungen umzugehen.

Zum Thema: Auswirkungen von Cybermobbing 

Hate Speech und toxisches Verhalten können eine Vielzahl von negativen Auswirkungen haben. Betroffene können unter anderem mit Angstzuständen, Depressionen, einem geringen Selbstwertgefühl und sozialer Isolation konfrontiert werden. Darüber hinaus kann es “in game” zu einer Beeinträchtigung der Konzentration, Motivation und Leistungsfähigkeit führen. Die Auswirkungen können sich nicht nur auf das persönliche Wohlbefinden auswirken, sondern auch die Karrierechancen und den Erfolg im eSport beeinflussen. Eine herabgesetzte Überzeugung in die eigenen Fähigkeiten begünstigen eine schlechte Performance und somit den Beginn eines Kreislaufes: keine gute Performance, kombiniert mit Hate Speech, begünstigen eine weitere Herabsetzung des eigenen Ich`s. 

Cybermobbing kann schwerwiegende Auswirkungen haben:

Auswirkungen von Cybermobbing 

1. Emotionale Belastung: Ständige negative Kommentare und Belästigungen können zu Angst, Depressionen, geringem Selbstwertgefühl und sozialer Isolation führen.

2. Körperliche Symptome: Der Stress und die psychische Belastung durch Cybermobbing können zu körperlichen Symptomen wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Magen-Darm-Problemen führen.

3. Beeinträchtigte Leistung: Cybermobbing kann die Konzentration und die Leistungsfähigkeit beeinflussen, was sich negativ auf schulische oder berufliche Erfolge auswirken kann.

Stärkung der Resilienz

Das Modell der Resilienz von Michael Rutter ist eines der bekanntesten Modelle, welches sich mit der Fähigkeit befasst, schwierige Lebenssituationen zu meistern. Es bezeichnet die Fähigkeit, schwierige Situationen zu überstehen, sich anzupassen und daraus gestärkt hervorzugehen. Rutter identifizierte mehrere Faktoren, die zur Entwicklung von Resilienz beitragen können. Dazu gehören:  

  1. Individuelle Merkmale: Persönliche Eigenschaften wie Selbstwertgefühl, Selbstkontrolle und soziale Kompetenzen können die Resilienz beeinflussen. Menschen, die über diese Merkmale verfügen, sind oft besser in der Lage, mit Hate Speech und toxischem Verhalten umzugehen.
  2. Unterstützung im sozialen Umfeld: Eine starke soziale Unterstützung, sei es von Familie, Freunden oder Trainern/Lehrer, kann eine wichtige Rolle bei der Förderung der Resilienz spielen. Das Vorhandensein von unterstützenden Beziehungen kann Betroffenen helfen, mit den Auswirkungen umzugehen.
  3. Externe Ressourcen: Zugang zu Ressourcen wie Bildung, Gesundheitsversorgung und anderen Unterstützungsdiensten kann die Resilienz stärken. Diese Ressourcen können helfen, ihre Situationen zu verbessern und Unterstützung zu erhalten.

Selbstwertgefühl und Selbstkontrolle

Selbstwertgefühl und Selbstkontrolle sind wichtige Faktoren, um mit den Anfeindungen umzugehen und Resilienz aufzubauen. Hier sind einige praktische Umsetzungsbeispiele, wie man diese individuellen Fähigkeiten stärken kann:

Selbstwertgefühl:

  • Positive Selbstgespräche: Betroffene können lernen, sich selbst positive und ermutigende Botschaften zu geben, um ihr Selbstwertgefühl zu stärken. Das kann beispielsweise durch das Wiederholen von Affirmationen oder das Aufschreiben von persönlichen Stärken und Erfolgen geschehen.
  • Selbstakzeptanz: Es ist wichtig, sich selbst anzunehmen, wie man ist, mit all seinen Stärken und Schwächen. Betroffene können lernen, ihre eigenen Grenzen zu respektieren und sich nicht mit anderen zu vergleichen 

siehe dazu auch:  

Selbstkontrolle:

  • Emotionsregulation: Betroffene können lernen, ihre Emotionen besser zu erkennen und zu regulieren. Das kann durch Techniken wie tiefes Atmen, Meditation oder das Aufschreiben von Gedanken und Gefühlen geschehen. Indem sie ihre Emotionen besser kontrollieren, können sie rationaler auf Anfeindungen zu reagieren 
  • Impulskontrolle: Betroffene können lernen, impulsive Reaktionen zu vermeiden und stattdessen bewusste Entscheidungen zu treffen. Das kann durch das Abwägen von Vor- und Nachteilen, das Überlegen von Alternativen oder das Hinzuziehen von Unterstützungspersonen geschehen.

Fazit

Cybermobbing ist ein ernsthaftes Problem, das insbesondere weibliche, nonbinäre und transgender Gamerinnen betrifft. Die Auswirkungen können sowohl emotional als auch körperlich belastend sein. Dennoch gibt es Möglichkeiten, mit Cybermobbing umzugehen und gesund zu bleiben. Eine Möglichkeit wäre, dass die betroffenen Gamerinnen Stärke und Selbstfürsorge entwickeln und auf psychologische Modelle wie Resilienz zurückgreifen. Hierdurch sind sie dazu in der Lage, ihre Widerstandsfähigkeit zu stärken und die negativen Auswirkungen von Cybermobbing zu minimieren.

Diese Gedanken dienen als Ausgangspunkt, um das Selbstwertgefühl und die Selbstkontrolle aufzubauen. Es ist wichtig zu beachten, dass das Modell der Resilienz ein komplexes Konzept ist und dass jeder Mensch individuell ist und verschiedene Strategien unterschiedlich gut funktionieren können. Es kann hilfreich sein, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen, die diese Fähigkeiten weiterentwickeln.

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Mehr zum Thema:

Literatur:

Masten, A.S. (2001). Ordinarien magic: Resilience processes in Development. American Psychologist, 56(3), 227-238.

Rutter, M. (2006). Implikation of resilience concepts for scientific unverständig. Annalen of the New York Academy of Sciences. 

Suler, J. (2004). The online disinhibition effect. Cyberpsychology & behavior, 7(3), 321-326.

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Thorsten Loch
Thorsten Lochhttp://www.die-sportpsychologen.de/thorsten-loch/

Sportarten: Fußball, Badminton, Leichtathletik, Sportschießen, Karate, Skateboarding

Hennef, Deutschland

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