Thorsten Loch: Kant(e) zeigen – kategorisch ausgeschlossen?

Ich erlebe es immer wieder, dass am Rande von Trainerfortbildungen meist in kleinen Gruppen über die Bedeutung von Leistungssport und Philosophie für das menschliche Leben diskutiert wird. Beide Bereiche scheinen auf den ersten Blick kaum Gemeinsamkeiten zu haben – der eine dreht sich um körperliche Höchstleistungen, der andere um das Nachdenken über abstrakte Konzepte. Doch bei genauerem Hinsehen können wir feststellen, dass Leistungssport und Philosophie in ihrem Streben nach Sinnhaftigkeit eng miteinander verbunden sind. In diesem Blogbeitrag werden wir uns insbesondere mit dem kategorischen Imperativ von Immanuel Kant beschäftigen und beleuchten, wie seine ethischen Prinzipien auf den Leistungssport angewendet werden können. In diesem Zusammenhang soll aber nicht außer Acht gelassen werden, wo potentielle Stolpersteine verborgen liegen können und welche Schwierigkeiten auf dem Weg bei der Umsetzung liegen.

Zum Thema: Wie viel Philosophie steckt im Sport?

Die Philosophie hat die Aufgabe, grundlegende Fragen des menschlichen Daseins zu erforschen und zu beantworten. Sie beschäftigt sich mit Themen wie der Natur, der Realität, der Existenz, der Ethik und der Suche nach dem Sinn des Lebens. Dabei geht es nicht nur um intellektuelles Nachdenken, sondern auch um die praktische Anwendung von philosophischen Konzepten im täglichen Leben.

Wenn man dies liest, so mag es auf den ersten Blick schwierig erscheinen, eine Verbindung zwischen Philosophie und Leistungssport herzustellen. Schließlich dreht sich der Sport um körperliche Aktivität und Wettbewerb, während die Philosophie eher nach geistiger Erkenntnis strebt. Doch bei genauerem Betrachten finden wir Gemeinsamkeiten, die eine Verbindung zwischen beiden Bereichen ermöglichen. Sowohl der Leistungssport als auch die Philosophie streben nach persönlicher Weiterentwicklung und Selbstverwirklichung. Im Sport geht es nicht nur um das Erreichen von Rekorden und Siegen, sondern auch um das eigene Wachstum, die Überwindung von Hindernissen und die Entfaltung des eigenen Potenzials. Ähnlich verhält es sich in der Philosophie, wo es darum geht, sich selbst besser zu verstehen, seine eigenen Werte zu reflektieren und eine umfassendere Sicht auf die Welt zu gewinnen.

Wenn wir uns dies vor Augen führen, erscheinen die philosophischen Konzepte und Ideen durchaus als handlungsdienlich und bereichernd bei der Unterstützung der Entwicklung der Athleten auf ihrem Weg zum Erfolg. Als Spielmacher könnte gut Immanuel Kant auftreten, welcher seiner Zeit den kategorischen Imperativ als eine grundlegende moralische Handlungsmaxime definierte, die unabhängig von individuellen Wünschen und Bedürfnissen gelte. Er formulierte diesen in verschiedenen Varianten, die bekannteste Formulierung lautet: 

“Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.”

Immanuel Kant

Sport als praktische Philosophie

Was bedeutet dies für die Praxis? Der Sport kann als eine Art praktische Philosophie betrachtet werden. Beim Training und im Wettkampf stehen Sportler vor Herausforderungen, die sie dazu zwingen, ihre Grenzen zu erkunden und ihre Fähigkeiten zu verbessern. Dabei sind Eigenschaften wie Disziplin, Durchhaltevermögen, Fairness und Teamgeist von zentraler Bedeutung. 

Es ist durchaus möglich, nach den Maximen von Kant ein leistungsförderndes Umfeld im Leistungssport zu schaffen und dabei sowohl die moralische Entwicklung der Sportler als auch den Erfolg zu berücksichtigen. Hier sind einige Schritte, die alle Beteiligten unternehmen können, um nach dem Maximen des Philosophen ein leistungsförderliches Umfeld zu schaffen und dabei sowohl die moralische Entwicklung der Sportler als auch den Erfolg zu berücksichtigen:

  • Fair Play fördern: Der kategorische Imperativ drängt uns dazu, nach moralischen Prinzipien zu handeln, die für alle gelten sollen. Im Sport bedeutet dies, dass Trainer Fair Play und ethisches Verhalten fördern sollten. Sie können dazu beitragen, dass ihre Athleten die Regeln respektieren und Gegner mit Respekt behandeln.
  • Gleichbehandlung aller Athleten: Der kategorische Imperativ betont die Universalität moralischer Prinzipien. Trainer sollten daher alle Athleten gleich behandeln und ihnen gleiche Chancen und Unterstützung bieten, unabhängig von ihrer individuellen Leistungsfähigkeit oder ihrem Hintergrund. Dies kann dazu beitragen, ein gerechtes und inklusives Umfeld im Sport zu schaffen.
  • Integrität fördern: Der kategorische Imperativ fordert uns auf, moralisch integer zu handeln. Trainer können dies umsetzen, indem sie Integrität und Ehrlichkeit in ihrer Arbeit betonen. Sie sollten ihre Athleten dazu ermutigen, fair zu spielen, Doping zu vermeiden und sich an die Regeln zu halten. Durch die Förderung einer Kultur der Integrität können Trainer zu positiven Vorbildern für ihre Athleten werden.
  • Respektvolle Kommunikation: Der kategorische Imperativ fordert uns auf, andere Menschen als Zweck an sich selbst zu betrachten und sie mit Respekt zu behandeln. Trainer können dies in ihrer Kommunikation mit ihren Athleten umsetzen, indem sie respektvoll, konstruktiv und unterstützend sind. Sie sollten auf eine offene und ehrliche Kommunikation setzen und die Meinungen und Bedürfnisse der Athleten wertschätzen.
  • Langfristige Entwicklung fördern: Der kategorische Imperativ ermutigt uns, langfristige Ziele und das Wohl aller Beteiligten im Blick zu behalten. Trainer können dies tun, indem sie nicht nur auf kurzfristige Erfolge abzielen, sondern auch die langfristige Entwicklung und das Wohl ihrer Athleten im Auge behalten. Sie sollten dazu beitragen, dass die Athleten sich sowohl sportlich als auch persönlich weiterentwickeln und ihnen die Werkzeuge und Unterstützung bieten, die sie benötigen, um ihre Ziele zu erreichen.

Es ist wichtig zu betonen, dass der Erfolg im Leistungssport nicht ausschließlich durch die Einhaltung moralischer Prinzipien erreicht wird. Es erfordert auch harte Arbeit, Engagement, Talent und strategische Planung. Dennoch kann die Integration ethischer Grundsätze und die Förderung der moralischen Entwicklung der Sportler nicht nur zu einem positiven Umfeld beitragen, sondern auch langfristigen Erfolg unterstützen und die Sportler zu verantwortungsbewussten und integren Menschen machen. Dies ist leichter gesagt als getan, jedoch sollte dies kein Hindernis sein. Insbesondere in der heutigen Gesellschaft kann der Sport eine wunderbarer Multiplikator sein und die Trainerinnen und Trainer großartige Vorbilder für die jungen Erwachsen sein. 

Fazit 

Leistungssport und Philosophie mögen auf den ersten Blick unterschiedliche Bereiche sein, aber bei genauerem Hinsehen können wir erkennen, dass sie sich tatsächlich ergänzen. Beide streben nach persönlicher Weiterentwicklung, Selbstverwirklichung und der Suche nach Sinnhaftigkeit. Der Sport kann in diesem Kontext als eine praktische Anwendung philosophischer Konzepte betrachtet werden Damit bietet sie den Sportlern die Möglichkeit, ihre physischen und mentalen Fähigkeiten zu entfalten. Zusammenfassend können Trainer durch die Anwendung des kategorischen Imperativs im Sport eine ethische Grundlage schaffen, die Fairness, Gleichbehandlung, Integrität, Respekt und langfristige Entwicklung fördert. Indem sie diese Prinzipien in ihrer Arbeit umsetzen, können die Übungsleiterinnen nicht nur eine positive sportliche Umgebung schaffen, sondern auch zu einer moralisch verantwortlichen und integren Gesellschaft beitragen.

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Thorsten Loch
Thorsten Lochhttp://www.die-sportpsychologen.de/thorsten-loch/

Sportarten: Fußball, Badminton, Leichtathletik, Sportschießen, Karate, Skateboarding

Hennef, Deutschland

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