Frage und Antwort: Wenn bei Kindern nach einer Verletzung die Angst bleibt

Gerade Kinder sind Meister darin, auf sich und ihre körperlichen Ressourcen zu vertrauen. Aber dieses Vertrauen kann auch tief erschüttert werden. Zum Beispiel nach Verletzungen. Die Sportpsychologie kann helfen, wir zeigen entsprechende Wege auf.

Zum Thema: Die Rückkehr zum Sport nach Verletzungen im Kindesalter

Uns hat eine Frage einer Mutter erreicht, deren Kind sich in der Freizeit verletzt hat. Nach der überstandenen Verletzung fällt es dem Kind nun schwer, wieder mit der gleichen Freude und Leichtigkeit im Sport unterwegs zu sein. 

Die konkrete Frage lautet: Mein Sohn hat sich im Trampolin einen Bänderriss zugezogen. Zuvor war er mit Leib und Seele Stürmer in seiner Fußballmannschaft. Seit diesem Unfall traut er sich nicht mehr richtig an den Ball, aus Angst, jemand könnte ihn verletzen. Dadurch ist auch seine Freude nicht mehr dieselbe. Man merkt, dass ihm das zu schaffen macht, da er eigentlich wieder ungehemmt spielen möchte. Gibt es Hilfe und Tricks für Kinder aus dieser Spirale zu entkommen?

Janosch Daul

Antwort von: Janosch Daul (zum Profil)

Zunächst einmal darf diese Angst auch da sein – denn Ängste wollen gesehen und anerkannt werden, zumal sie eine wichtige Warn- und Schutzfunktion einnehmen. Es stellt sich nun die Frage, wie Sicherheit und Zutrauen in den eigenen Körper gestärkt und Freude am Fußballspielen wieder empfunden werden kann? 

Ein Vorgehen in der Praxis muss immer an die Persönlichkeit und die Bedürfnisse des Sportlers angepasst werden, weshalb ich “Ferntipps” grundsätzlich eher für schwierig erachte. Gegebenenfalls macht es gerade in diesem Altersbereich Sinn, den Sportler dabei zu unterstützen, sich auf eher spielerische Art und Weise mit konkreten Momenten des Erlebens von Freude zu beschäftigen, also mit emotional positiv besetzten Situationen, in denen der Sportler sein Fußballerdasein vollauf hat ausschöpfen können. Diese Momente können beispielsweise erzählt, niedergeschrieben oder aufgemalt werden – ein Fokuswechsel kann somit erzeugt werden. 

Zudem ist es von Bedeutung, um seinem Körper wieder vertrauen zu können, sich als wieder belastbar zu erleben. Hilfreich hierfür ist eine geschickte Trainingsplanung; nämlich – idealerweise unter Einbezug des Trainers – Trainingsformen durchzuführen, in denen der Spieler direkt am eigenen Körper erfahren oder spüren kann, dass er seine “alte” Leistungsfähigkeit schrittweise zurückerlangt. Der Grad der Herausforderung der einzelnen Übungen kann dabei schrittweise gesteigert werden. 

Prof. Dr. René Paasch

Antwort von Prof. Dr. René Paasch (zum Profil): 

Es ist bedauerlich, dass Ihr Sohn aufgrund dieser Verletzung Ängste entwickelt hat, die seine Leidenschaft für den Fußball beeinträchtigen. In diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen einige Schritte und Empfehlungen vorstellen, die Ihrem Sohn helfen können, aus dieser negativen Spirale auszubrechen.

Der erste Schritt besteht darin, professionelle Unterstützung in Form eines Sportpsychologen oder einer Sportpsychologin oder eines Kinderpsychologen zu suchen. Diese Experten können gezielt auf die psychologischen Herausforderungen von Sportlern, insbesondere von Kindern, eingehen und dabei helfen, die Ängste zu überwinden.

Es ist von großer Wichtigkeit, Ihrem Sohn eine umfassende Aufklärung über den Heilungsprozess und die Bedeutung der Rehabilitation zu geben. Er sollte verstehen, dass Verletzungen ein unvermeidlicher Teil des Sports sind und in der Regel erfolgreich behandelt werden können. Geduld und Zeit sind Schlüsselfaktoren in diesem Prozess. Es ist entscheidend, dass Ihr Sohn seine Verletzung nicht überstürzt und die Anweisungen der Ärzte und Therapeuten gewissenhaft befolgt.

Die schrittweise Rückkehr zum Sport ist ein weiterer wichtiger Aspekt. Beginnen Sie mit leichtem Training, ohne Wettkampfdruck, um sein Selbstvertrauen und seine Technik wieder aufzubauen. Fördern Sie eine positive Denkweise. Unterstützen Sie Ihren Sohn dabei, negative Gedanken zu erkennen und durch positive und konstruktive Gedanken zu ersetzen, da die mentale Einstellung eine entscheidende Rolle in der Genesung spielt.

Schaffen Sie eine unterstützende Umgebung in der Familie und im Sportverein, in der sich Ihr Sohn sicher und akzeptiert fühlt. Dies wird ihm helfen, Vertrauen in seine Fähigkeiten zurückzugewinnen. Ein Sportpsychologe oder eine Sportpsychologin kann spezielle Techniken wie Visualisierung, Entspannungstechniken und mentales Training vermitteln, um die Leistung und das Selbstvertrauen zu steigern.

Die soziale Unterstützung spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Unterstützen Sie ihn bei sozialen Aktivitäten mit seinem Team, auch wenn er nicht aktiv am Training teilnimmt. Die Bindung zu seinen Teamkollegen kann ihm helfen, sich wieder wohlzufühlen.

Gemeinsam mit Ihrem Sohn sollten Sie den Spaß am Sport wiederentdecken. Spielen Sie lockere Spiele oder Übungen, die die Freude und Leidenschaft für den Fußball zurückbringen, ohne den Druck des Wettbewerbs. Abschließend möchte ich betonen, dass die Genesung und die Überwindung von Ängsten Zeit und Unterstützung erfordern. Eine professionelle Hilfe kann hierbei eine entscheidende Rolle spielen, um Ihrem Kind auf dem Weg zur Genesung und Rückkehr zum Sport zu helfen.

Antwort von: Anke Precht (zum Profil)

Wie Sie Ihr Kind gut unterstützen und ihm Sicherheit geben, haben René und Janosch schon ausführlich beschrieben. Wenn Sie mit Ihrem Sohn professionelle Unterstützung suchen, ist es sinnvoll, den Psychologen auch nach methodischen Gesichtspunkten auszusuchen.

Klassische “Therapie” mit Kindern nutzt Spiel und Gespräch, ist bei verletzungsbedingten Ängsten meiner Erfahrung nach nicht optimal wirksam. Aber dies ist individuell und muss ausprobiert werden. Vielleicht finden Sie einen Kinderpsychologen (oder eine Psychologin), der mit Kinderhypnose oder einer körperorientierten Technik arbeitet. Sehr wirksam sind Audio-Fokus-Techniken (Axel Mecke in Heidelberg kann Auskunft geben, wer das in Deutschland schon praktiziert) und die bewährten Methoden EMDR und Somatic Experiencing. In der Regel kann das Problem dann in wenigen Terminen behoben werden, und die Freude am Sport kommt zurück.

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    Mathias Liebing
    Mathias Liebinghttps://www.torial.com/mathias.liebing
    Redaktionsleiter bei Die Sportpsychologen und freier Journalist Leipzig Deutschland +49 (0)170 9615287 E-Mail-Anfrage an m.liebing@die-sportpsychologen.de