Start Blog Seite 68

Dunja Lang: Einfach Abhaken – und nach vorne schauen?!

Sportliche Entwicklung läuft in den seltensten Fällen linear in die gewünschte Richtung. SportlerInnen haben regelmäßig mit Enttäuschungen, Niederlagen, Hoch’s und Tief’s, Stagnation und persönlichen Krisen zu tun.

Nicht selten werden SportlerInnen Ratschläge erteilt, nach dem Motto „hake es einfach ab“ oder „Mund abwischen und fertig, schau nach vorne“! 

Doch: das Gegenteil von gut ist oft „gut gemeint“, Ratschläge helfen oft nicht weiter, weil das Selbstwertgefühl angekratzt ist und das Gefühl von Hilflosigkeit herrscht. Es ist eben nicht so einfach „abzuhaken“ und „steckt auch im Körper“ und bedarf emotionaler Verarbeitung.

Der Workshop beleuchtet im Überblick anhand praktischer Beispiele den Nutzen und die speziellen Vorteile wissenschaftlich fundierter, moderner hypnotherapeutischer Ansätze in Bezug auf diese Themen. Vorgestellt werden auch sog. Embodimentfokussierte Techniken, z.B. „Klopftechniken“, bei denen der Körper direkt neuronal stimuliert und wirksam „entstresst“ wird. Zudem ist hier ein spezielles „Selbstwerttraining“ wichtig und erfolgsverspechend.

Interessiert?

Dunja Lang

Zielgruppe

Erfahrene Leistungs-SportlerInnen, TrainerInnen, Sportverbände und deren Führungskräfte

Veranstaltungsart:

Vortrag oder Workshop

Anfrage versenden:

    Zur Profilseite:

    Views: 43

    Falk Cierpinski: Die meisten landen erst beim Sportpsychologen, wenn es zu spät ist

    Es war spät, aber nicht zu spät. Falk Cierpinski wandte sich im August 2013 per Facebook an Prof. Dr. Oliver Stoll weil er wegen eines körperlichen Problems nicht mehr weiterkam. Etwa zwei Monate später musste er beim Berlin Marathon die Norm für die Europameisterschaft 2014 in Zürich laufen. Druck machte nicht nur die EM-Norm allein. Cierpinski musste nach einer „did not finish“-Serie zwingend wieder ein Rennen ins Ziel bringen, um seinen Kaderstatus und Sponsorenverträge nicht zu verlieren. Eigentlich so ein Feuerwehr-Auftrag, den seriöse Sportpsychologen lieber absagen. Aber Stoll entschied sich für die Zusammenarbeit – offen und ehrlich zum Athleten, dass es eigentlich mehr Zeit bräuchte, um das Problem anzugehen.

    Zum Thema: Selbstgespräche im Leistungssport

    Dass die beiden privat, auf Event-Bühnen und für Interviews Jahre später noch miteinander sprechen, lässt erahnen, dass die Zusammenarbeit positiv ausging. Zumindest wurde der Berlin Marathon zu einem Ereignis in Cierpinskis erfolgreicher Ausdauersportkarriere, welches einiges verändert hat. Darüber spricht der frühere deutsche Spitzensportler in unserer Reihe „Abliefern, wenn es darauf ankommt“ sehr offen.

    Dieses Beispiel haben wir nicht von ungefähr für die Dimension „Selbstgespräche“ gewählt. Zum einen war diese Technik ein Teil der Lösung von Cierpinskis Problem, zum anderen gehört das richtige und funktionale Gespräch mit sich selbst bei den wenigsten Athleten zum Standardrepertoire. Genau darum geht es aber im dritten Teil unseres Online-Coachingprogramms „Abliefern, wenn es darauf ankommt“ (mehr Infos). In den 70 Minuten schauen wir uns an, wie Selbstgespräche wirken, wie Sportler diese anwenden können und welcher Zusammenhang zu spannenden weiteren Methoden wie der Drehbuchtechnik besteht. Wir dürfen sogar in ein originales Drehbuch von Falk Cierpinski reinschauen.

    Interview als Schlüsselloch

    Das Interview gibt euch einen Einblick, wie Top-Sportler die Sportpsychologie kennen und zum Teil sogar in kurzer Zeit anwenden lernen. Es ist ein Stück des kostenlosen Zusatzmaterials, welches wir zur Verfügung stellen. Sichert euch, um das gesamte Online-Coachingprogramm mit Erklärungen, Anwendungshinweisen und Praxistipps zu nutzen, hier euren Zugang: https://www.die-sportpsychologen.de/2021/02/abliefern/

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen
    Falk Cierpinski hat spät in seiner Karriere die Sportpsychologie kennengelernt

    Abliefern, wenn es darauf ankommt

    Innovatives Online-Coachingprogramm für Sportler, Vereine und Verbände:

    Mehr zum Thema:

    Views: 430

    Dr. René Paasch: Mit Meditation zu mehr Gelassenheit und Gesundheit

    Der Ergebnis- und Leistungsdruck im Sport sowie der hektische Alltag des modernen Lebens kann uns schnell aus dem inneren Gleichgewicht bringen und löst bei einigen Menschen und Sportlern Unruhe und Stress aus. Wir alle reiben uns täglich auf, um das nahezu Unmögliche zu schaffen: Erfolgreich im Sport sein, Anerkennung im Job, die steigende Flut an Informationen bewältigen, das sich Präsentieren in den sozialen Medien, Freunde und soziale Ereignisse unterbringen und glückliche Beziehungen führen. Trägt dieses Vorgehen zu einem gesunden Leben bei? In diesem Blogbeitrag erfahren Sie, worin die Weisheit der Nicht-Dualität besteht, wie Atmung, Geduld und Beharrlichkeit Ihnen das Leben erleichtern und warum manchmal ein vermeintlich schlechterer Fußballer besser sein könnte als ein talentierter Spieler. 

    Zum Thema: Lernen Sie meditieren um Ihre Balance zu finden und Stress zu besiegen

    Viele moderne Trainer beschwören heutzutage den positiven Einfluss bestimmter Körperhaltungen auf unser Glück und Selbstbewusstsein. Dabei hat keiner von ihnen das Rad neu erfunden, denn die Wurzeln solcher Ideen lassen sich bereits vor Jahrhunderten in der antiken Lehre finden. Die wichtigste und im Grunde einzige Übung besteht im Einnehmen und Halten einer bestimmten Körperhaltung, die den Geist automatisch empfänglich für spirituelle Energie macht. Der sogenannte Lotussitz (Hawkins, 2005). Sie sollen mit überkreuzten Beinen idealerweise Platz nehmen, bei dem der rechte Fuß nahe der Leistenbeuge auf dem linken Oberschenkel ruht und der linke Fuß entsprechend auf dem rechten Oberschenkel aufgelegt wird. Ihr Oberkörper ist aufrecht und der Rücken gerade, das Kinn leicht nach unten geneigt. Ihr Körperschwerpunkt unterhalb des Bauchnabels zieht ebenfalls nach unten Richtung Boden, sodass Sie möglichst mühelos lange stabil sitzen können. Ihre Hände liegen wie zwei Schalen ineinander, die Linke in der Rechten, die Finger liegen parallel zueinander. Die Daumen berühren sich leicht und bilden zusammen mit den Zeigefingern ein Oval. Der Lotussitz ist ein Symbol für die Idee der Nicht-Dualität, die Vorstellung, dass alle Dinge und Lebewesen auf der Erde aus ein und derselben Essenz geschaffen sind.

    Näheres dazu finden Sie hier: 

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen

    Atmung   

    Durch die Atmung werden wir uns unserer wahren Natur bewusst und Raum und Zeit werden bedeutungslos. Sicher achten nur die wenigsten von uns im Alltag regelmäßig auf ihren Herzschlag und ihre Atmung. Dabei hat ein aufmerksames Bewusstsein für die vitalen Prozesse in uns viele Vorteile (Ott, Epe, 2018). Wesentliches Ziel der Atmung ist es, unsere Aufmerksamkeit auf das Ein- und Ausatmen zu lenken, um dem Luftstrom auf seinem Weg durch unseren Körper und zurück hinaus in die Welt zu folgen. Auf dem Weg in unsere Innenwelt muss unser Atem nur unsere Kehle als eine Art Tür passieren. Anschließend verbindet er den Raum in uns und um uns herum zu einer einzigen Sphäre. Durch das Wiederholen dieser Atemübung lernen wir die Vorstellung eines Ichs, das von allem anderen getrennt ist. Die Bewegung der Luft ist alles, was es in diesem Moment gibt. Das ist die Essenz Buddhas und unsere wahre Natur. Wenn auf diesem Wege auch die Welt unsere Sorgen und vor allem unser Ego – also all unsere Erinnerungen und Vorstellungen von uns selbst verschwimmen, verlieren Raum und Zeit an Bedeutung. Dann gibt es weder Uhrzeiten noch Termine um uns herum. Oft verankern wir Gedanken wie Fixpunkte im zeitlichen Gewebe eines Tages, z.B. wenn wir an Verpflichtungen des Alltags denken. Dabei ist die Vorstellung von Tageszeiten ein völlig willkürliches, beliebiges Konzept! Wir tun immer und jeden Tag eine Sache nach der anderen. Wie unser Atem fortwährend fließt, so vergehen auch die Minuten, ohne dass sich eine in ihrem Wesen von der anderen unterscheidet. Es gibt nur das Ein- und Ausströmen der Luft in unseren Lungen. Nichts sonst. 

    Mediation ist also nicht nur physische Praxis und evidenzbasiert, sondern Teil einer ganzen Lebenseinstellung. Eine interessante Studie des „General Massachusetts Hospital“ von 2011 zeigte, dass bereits acht Wochen tägliche Achtsamkeitsmeditation für ein besseres Erinnerungsvermögen, eine bessere Selbstwahrnehmung, geringere Stressanfälligkeit und eine höhere Empathie gegenüber Mitmenschen sorgt (Grossman et al.). 

    Beobachtung

    Wahre Meditation lehrt uns zu beobachten statt kontrollieren zu wollen. Unsere westlichen Gesellschaften sind voll von Kontrollsüchtigen, die teilweise nicht mal mehr in den intimsten Momenten ihres Privatlebens die Zügel aus der Hand geben können (Tolle, 2010): Dabei weiß tief in sich jeder, dass die besten Ideen dann entstehen, wenn wir loslassen und uns ganz entspannt dem stetigen Fluss der Dinge hingeben. Außerdem ist die Vorstellung von Kontrolle nicht nur völlig überbewertet, sondern letztlich eine Illusion. Das Leben, die Natur und die Welt an sich können nicht kontrolliert werden. Da die kosmische Unordnung und Willkürlichkeit aller Dinge aber die menschliche Vorstellungskraft übersteigen, reiben sich unzählige Menschen bei dem Versuch auf, alles kontrollieren zu wollen.

    Der Mensch und ganz besonders die Leistungsoptimierer versuchen z.B. oft, das Verhalten anderer zu beeinflussen, damit sie tun, was sie von ihnen verlangen. Solche Unterfangen sind jedoch meist zwecklos und reine Verschwendung kostbarer Energie. Wer will, dass sich Menschen halbwegs vernünftig verhalten, muss sie frei, verrückt und zügellos sein lassen. Es bringt nichts, ihr Verhalten diktieren zu wollen. Stattdessen sollten Menschen das Verhalten ihrer Mitmenschen beobachten und nur dann einschreiten, wenn sie etwas tun, was sie oder andere verletzen könnte. In dieser Hinsicht verhält es sich mit unserem Nachwuchs ähnlich wie mit unseren Kindern auf dem Sportplatz. Lässt man Ihnen genügend freien Raum können sie natürlich und zufrieden wachsen. Werden sie jedoch fremdgesteuert und regelmäßig sanktioniert, gehen sie buchstäblich auf die Barrikaden und bleiben in ihrer Entwicklung stehen. Auch bei der Meditation ist Kontrolle ein Hindernis. Viele Sportler versuchen beim Meditieren anfangs dem Kopf das Denken zu verbieten und die innere Ruhe damit regelrecht zu erzwingen. Doch das ist natürlich kontraproduktiv. Das Beste, was Sie machen können ist, die Gedanken einen nach dem anderen aufkommen und ziehen zu lassen und einfach nur zu beobachten. Statt Ihre Gedanken angestrengt bekämpfen zu wollen, sollten Sie Ihre Aufmerksamkeit zurück auf Ihre Atmung richten. „Einfach nur beobachten“ ist zwar leichter gesagt als getan, aber mit genug Übung können Sie es schaffen. 

    Hindernisse

    Herausforderungen beim Meditieren bringen uns weiter, wenn wir nur oft genug üben. Die typischen Schwierigkeiten sind Müdigkeit, aufwallende Gefühle und Ungeduld. All diese vermeintlichen Probleme sind im Grunde sogar gut für uns. Stellen Sie Ihren Geist wie einen Verein vor. In diesem Verein gibt es Gebäude, Sportplätze, ausreichend Grünflächen, herausragende und engagierte Menschen und es gibt Maulwurfshügel. Den meisten von Ihnen erscheinen diese störenden Löcher wie ein lästiges Problem oder gar eine Gefahr für die Sportanlage – doch das Gegenteil ist der Fall. Die Hügel mit ihrer lockeren Struktur dienen der lebenswichtigen Belüftung der unterirdischen Gänge. Da der Maulwurf viel atmet und nur von tierischer Kost lebt, produziert er viel Kohlenstoffdioxid, welches er durch die Maulwurfshügel entsorgen muss. Daher ist das Platttreten der Haufen durch den Menschen für den Maulwurf nur ein Signal, schnell neue Haufen aufzuwerfen. Viele Maulwurfshügel weisen auf einen gesunden Boden hin. Sie bekämpfen Schädlinge und sorgen mit ihren Gängen und Röhren maßgeblich zur Auflockerung und Drainierung des Bodens bei. Sie sind eine gute Basis für neue Pflanzen. Solche beeindruckenden Beispiele zeigen, dass wir uns viel inniger mit unserer Natur auseinandersetzen sollten. 

    Anfangs könnte es für Sie z.B. sehr anstrengend werden, morgens statt um sieben schon um sechs aufzustehen, um sich Zeit fürs Meditieren zu nehmen. Sie schaffen es erst nur mit Mühe aus dem Bett, geschweige denn in eine halbwegs aufrechte Sitzposition mit geradem Rücken. Aber all diese Widrigkeiten und Anstrengungen sind letztlich nur Gedanken. Mit jedem gemeisterten Gedanken wird Ihr Wille stärker und Ihre Meditationspraxis besser. 

    Näheres dazu finden Sie hier: 

    https://www.rickhanson.net/the-science-of-positive-brain-change/

    https://www.die-sportpsychologen.de/2020/02/dr-rene-paasch-in-krisen-positiv-denken-lernen/.

    Sie werden sehen wie Gedankenstille an Kraft gewinnt. Es geht also nicht darum, sich überhaupt nicht anzustrengen, sondern seine Kraft auf die richtigen Dinge zu lenken. Unser Geist ist ständig in Bewegung, sodass wir ihn nur beruhigen können, wenn wir uns mit vollem Bewusstsein auf unsere Atmung konzentrieren. Wir sollten uns darauf einstellen, diese Konzentration die gesamte Meditation hindurch aufrecht zu erhalten. Es gibt keinen Punkt an dem sich die Entspannung selbst trägt und wir nicht mehr auf unseren Atem achten müssen. 

    Geduld und Beharrlichkeit 

    Unsere westliche Gesellschaft verehrt erfolgreiche Menschen. Besonders dann, wenn ihnen dieser Erfolg scheinbar geradezu mühelos gelingt. Die gütige Meditation hat da einen anderen Ansatz. Es geht nicht um Erfolg, sondern um Geduld und Beharrlichkeit. In meinen Erfahrungen gibt es dazu ein Gleichnis von außergewöhnlich talentierten und willensstarken Spielern. Die talentierten Spieler verlassen sich oft auf ihr Talent, während die willensstarken Spieler wiederholt die Vereins- und Medienprügel über sich ergehen lassen, bevor sie zu Höchstleistungen auflaufen. Die meisten Spieler wollen automatisch einer dieser talentierten Spieler sein. Es geht allerdings gar nicht um eine solche Art der möglichst reibungslosen Pflichterfüllung. Ziel ist es, zu üben, ohne sich Gedanken darüber zu machen, wie mühevoll und anstrengend es tatsächlich wird. In meiner Tätigkeit als Sportpsychologe waren am Ende sogar oft diejenigen Spieler am besten, die anfangs die größten Schwierigkeiten hatten. 

    Der Grund dafür ist einfach: Sie müssen besonders zu Beginn sehr viele Hindernisse überwinden. Sie üben beispielsweise mehr und entwickeln somit mehr mentale Disziplin. Stellen Sie sich folgendes Beispiel vor: Von Gott gegebene talentierte Spieler sind von Anfang an erfolgreich in ihrem Sport. Sie müssen sich nicht einmal besonders anstrengen. Wenn ihr Leistungszuwachs irgendwann stagniert, müssten sie sich enorm anstrengen, um sich weiter zu verbessern. Da sie es aber nicht gewohnt sind, sich derart ins Zeug legen zu müssen, geben sie oft auf oder müssen vieles über sich ergehen lassen. Willensstarke Spieler lernen hingegen gleich von Beginn an, Hindernisse als Herausforderungen zu begreifen und geben später viel seltener auf. Dasselbe gilt für die Meditation. Doch diese ungewohnte Perspektive auf Erfolg und Misserfolg ist nicht die einzige Botschaft für Sie. 

    Näheres zum Thema Willensstärke finden Sie hier:

    https://www.sportschau.de/fussball/allgemein/talente-interview-psychologe-100.html

    Aufmerksamkeit 

    Eine weitere eigenwillige Eigenschaft unserer westlichen Kultur ist die Abhängigkeit von Informationen und Unterhaltung. Beides bereitet uns hierzulande auf die eine oder andere Art Freude und Vergnügen.

    In der Meditation geht es allerdings weder um Lifestyle noch um Vergnügen. Ganz im Gegenteil: Es geht darum, die Aufmerksamkeit auf die täglichen Handlungen zu lenken, die wir durch all die Routine wie im Autopilot erledigen. Essen, aufräumen, gehen, spielen, sprechen usw. laufen unbewusst ab. Statt Stimulation und Begeisterung zu suchen, sollten Sie Ihrem Geist in einem Zustand der Ausgeglichenheit und ruhigen Zufriedenheit halten. Unser modernes Berufs- und Privatleben ist oft schnell durchgetaktet, voller Verpflichtungen und intensiver Gefühle. Auch hier geht es darum, ruhig und entspannt zu bleiben, anstatt von einem Höhepunkt zum nächsten zu jagen. Dasselbe gilt für den Leistungssport. Gerade junge Spieler lassen sich am Anfang von ihrem Enthusiasmus mitreißen und wollen plötzlich ihr ganzes Leben umkrempeln oder auf einer Bergspitze verbringen. Dabei ist es viel besser – und sogar wesentlich anspruchsvoller –, am Boden zu bleiben und die tägliche Meditation in den ganz normalen Alltag zu integrieren. Ein weiteres Ziel vieler menschlicher Handlungen neben Unterhaltung und Information ist die Erwartung eines konkreten, messbaren Ergebnisses. Wir tun heutzutage die meisten Dinge im Leben, um etwas ganz anders zu erreichen, wie z.B. Anerkennung, Bestätigung, Ruhm, Geld oder Lust. Bei der Meditation geht es darum, die Dinge einzig um ihrer „Selbst“ willen zu tun, ohne damit ein anderes Ziel zu verfolgen. Egal ob Sie putzen, kochen, künstlerisch tätig sind, arbeiten oder meditieren: Machen Sie sich frei von allem, was nicht direkt mit der reinen Aktivität zu tun hat. Selbst wenn Sie nach der Meditation stolz auf sich sind oder im Gegenteil enttäuscht, sollten Sie diese letztlich mit Erwartungen verbundenen Gefühle abstreifen. Alles was zählt, ist die reine Handlung. 

    Näheres zum Thema Aufmerksamkeit und Achtsamkeit finden Sie hier:

    https://www.die-sportpsychologen.de/2016/09/dr-rene-paasch-der-trend-zur-achtsamkeit/.

    Tun 

    Sind Sie schon mal bei einem Spaziergang oder auf ihrem Weg durch die Stadt wie aus einem Koma aufgewacht, weil Sie zwei Stunden davor durchgehend mit Grübeleien und Sorgen verbracht haben? Solche Momente sind frustrierend, denn sie zeigen, dass wir unseren Gedanken nachhängen, statt bewusst im Hier und Jetzt zu leben. Die Meditation hilft Ihnen, voll und ganz im Moment zu sein. Ziel der Praxis ist reines Handeln ohne begleitende Gedanken, Hoffnungen oder Sorgen. Wer sein Handeln an die Erwartung eines bestimmten Ergebnisses knüpft, gibt ihm automatisch eine Wertung und empfindet am Ende z.B. Stolz, Enttäuschung oder Genugtuung. Sobald wir uns aber solche Gedanken um die Außenwirkung unseres Tuns und das Urteil anderer Menschen machen, handeln wir nicht mehr rein des Handelns wegen. 

    Ziel muss es sein, sich ausschließlich auf das zu konzentrieren, was Sie gerade machen. Sie werden sehen, wie Stress und Zerstreuung von Ihnen abfallen. In der Meditation ist reines Handeln im Grunde sogar ein selbstloser Akt des Gebens und Schenkens. Erinnern Sie sich daran, dass wir nicht von der Welt um uns herum getrennt sind. Wir sind eins mit allem, was uns umgibt, also auch der kreativen Energie, die uns durchströmt. Wer das versteht, wird nie wieder über den materiellen Wert seines Schaffens nachdenken oder über die Zustimmung und Anerkennung anderer Menschen. Sobald wir uns von diesen Gedanken frei machen, wird all unser Tun zu einem Geschenk an die Welt. Die Meditation bringt also zahlreiche Vorteile mit sich. Der Haken ist nur: Wenn Sie meditieren, nur wegen den Vorteilen, wird es nicht funktionieren. Genau hierin liegt das große Geheimnis der Meditation. Sie ist weder Lösung noch Heilmittel, weder richtig noch falsch. Sie ist nichts als reines Handeln. 

    Fazit

    In der Meditation geht es einzig und allein um volles Bewusstsein und reines Handeln, weder um Ziele noch Ergebnisse, weder um Probleme noch Lösungen. 

    Wenn Sie es schaffen einfach nur aufrecht zu sitzen und all Ihre Konzentration auf Ihre Atmung zu richten, dann sind Sie voll und ganz im Hier und Jetzt. Erst wenn Sie an nichts anderes denken und nichts erwarten, entfaltet die Kraft der Meditation ihre ganze Wirkung. Viel Freude bei der Umsetzung, bei der meine Kollegen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Dr. René Paasch) Ihnen gern helfen können. 

    Mehr zum Thema:

    Literatur

    Hawkins, D. R. (2005): Das All-sehende Auge. Sheema-Medien, Wasserburg

    Schucman, H. (1994): Ein Kurs in Wundern. Verlag Greuthof. 

    Tolle, E. (2010): Leben im Jetzt. Das Praxisbuch. Kamphausen Media GmbH

    Ulrich Ott, U., Epe, J. (2018): Gesund durch Atmen. Ein Neurowissenschaftler erklärt die Heilkraft der bewussten Yoga-Atmung. 

    Studie lesen: 

    Grossman, P.; Niemann, L. Schmidt, S. HaraldWalach, H. (2004): https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0022399903005737 

    Apps und Medien

    ‎Headspace: Achtsamkeit und Entspannung:

    https://apps.apple.com/de/app/headspace-meditation-schlaf/id493145008

    Mindance: Meditation und Achtsamkeit 

    https://www.mindance.de

    DVD: Alles geschieht im Kopf:

    https://www.die-sportpsychologen.de/2020/07/dvd-alles-geschieht-im-kopf/

    Views: 450

    Janosch Daul: Kopfsache Torwartspiel – Performen unter Druck, Teil 1

    Maximaler Druck: WM-Finale 2002. Deutschland gegen Brasilien. Es geht also um den wohl wichtigsten Titel des Weltfußballs. In der 67. Spielminute die wohl spielentscheidende Situation: Oliver Kahn, der bis zu diesem Moment im gesamten Turnier über herausragend gehalten hatte und nicht umsonst von der FIFA zum Spieler des Turniers gewählt wurde, lässt einen Schuss Rivaldos nach vorne klatschen, Ronaldo staubt ab und erzielt das 1:0 für Brasilien. Die Südamerikaner siegen am Ende mit 2:0. Die geschilderte Situation zeigt zum einen eine gewisse Tragik des Fußballs auf – nämlich wie schmal der Grat zwischen Erfolg und Misserfolg bisweilen ist und wie schnell ein Torwart wie Kahn, der Deutschland erst ins Finale geführt hatte, gerade auch in den Augen der oftmals sehr schnell und hart urteilenden Öffentlichkeit, vom Helden zum vermeintlichen Versager der Nation werden kann. Zum anderen zeigt die Situation auf, welch enormen mentalen Anforderungen ein Torwart ausgesetzt ist – insbesondere in Bezug auf den Umgang mit Druck. 

    Dieser Text ist der erste einer zweiteiligen Reihe (Teil 2: Link). Hier geht es konkret um das mentale Anforderungsprofil des Torwarts, welches wir uns in der Wettkampfsituation genauer anschauen. Im zweiten Teil möchte ich einige Ansatzstellen und konkrete Interventionsstrategien für einen adäquaten Umgang mit Druck beleuchten.

    Zum Thema: Mentales Anforderungsprofil eines Torwarts

    Welche mentalen Kompetenzen benötigt ein Torwart unbedingt? Schauen wir uns das einmal genauer an:

    1. Selbstvertrauen (Abdullaeva, 2015) 

    Der recht umgangssprachliche Begriff des Selbstvertrauens bezieht sich auf die Kompetenzüberzeugung. Also die Überzeugung und der feste Glaube, ein zur Zielerreichung nötiges Verhalten mithilfe der eigenen Fähigkeiten abrufen zu können. Der Torwart ist sich also z.B. dessen bewusst, dass er mithilfe seiner Antizipationsfähigkeit in der Lage ist, den Steilpass in einer bestimmten Situation abzulaufen. 

    1. Führungskompetenz

    Der Torwart muss in der Lage sein, seine Mannschaft in emotionaler und taktischer Hinsicht aktiv zu steuern und darüber auf eine seine Vorderleute gezielt einzuwirken können. Neben einer hohen verbalen Präsenz wird zudem eine ausgeprägte Ausstrahlung auf körperlicher Ebene von ihm erwartet (Abdullaeva, 2015). Als Defensivspieler ist er zudem maßgeblich dafür verantwortlich, dem System, sprich dem Team, Sicherheit zu geben. 

    1. Selbstreflexion (Abdullaeva, 2015) 

    Der Torwart muss seine eigene Leistung, insbesondere im Moment des Erfolgs und des Misserfolgs, gerade auch im Nachgang des Spiels, realistisch einschätzen und adäquat verarbeiten, insbesondere Ursachen für die Gesamtleistung und einzelne Aktionen realistisch herausfiltern sowie zukunfts- und lösungsorientiert Schlüsse daraus ziehen können. 

    1. Gesunder Perfektionismus

    Wie einem jeden Feldspieler kann auch dem Torwart das Streben nach hohen Leistungszielen dabei helfen, dass zur Zielerreichung nötige Durchsetzungsvermögen sowie die notwendige Selbstdisziplin kontinuierlich zu zeigen (Abdullaeva, 2015). 

    1. Konzentration

    Der Torwart muss in der Lage sein, aufgabenirrelevante Faktoren im Spiel, wie z.B. begangene eigene Fehler, auszublenden und sich auf das Spielgeschehen zu fokussieren (Abdullaeva, 2015). Bezogen auf die eingangs beschriebene Situation, die zum 0:1 führte, musste Kahn seinen Fehler schnellstmöglich abhaken, um der Anforderung im Hier und Jetzt gerecht werden zu können – eine enorme mentale Herausforderung.

    Mehr zu diesem Thema: https://www.die-sportpsychologen.de/2018/11/janosch-daul-trainingstipps-fuer-die-aergerbewaeltigung/

    1. Druckresistenz 

    Mit den verschiedensten Anforderungen und Stressfaktoren (z.B. Erwartungsdruck) sowie emotional belastenden Spielsituationen (z.B. Beleidigung seitens Zuschauer) muss der Torwart konstruktiv umgehen können (Abdullaeva, 2015). 

    Die Besonderheit der Anforderungssituation Wettkampf 

    Die Mitspieler, die Größe des Tores und des Spielfelds: Vieles scheint wie im Training zu sein. Auch die grundlegende Zielstellung an sich, mehr Tore als der Gegenüber zu erzielen, ist dieselbe. Relevante Aspekte ähneln oder entsprechen sich. Und dennoch scheint der Wettkampf im Vergleich zu Trainingssituationen eine andere Charakteristik zu besitzen. Doch was genau unterscheidet die Anforderungssituation des Wettkampfs von einer Trainingssituation?

    1. Ein Pflichtspiel an sich ist nicht wiederholbar (Schliermann & Hülß, 2016). Es besteht weder die Möglichkeit, eine Situation zu wiederholen noch ein Ergebnis nach dem Schlusspfiff zu revidieren. Mit dem Schlusspfiff wird nach dem Gesetz des Leistungssports knallhart nach Punkten abgerechnet. Dessen ist sich jeder Spieler und Trainer bewusst. 
    2. Ein Pflichtspiel geht bewusst oder unbewusst mit Vorhersagen bezüglich des erwarteten Spielverlaufs und des Ergebnisses einher (Schliermann & Hülß, 2016). Daraus erwächst eine gewisse Erwartungshaltung, die durch Externe zusätzlich verstärkt werden kann.
    3. Ein Pflichtspiel hat oftmals Konsequenzen zur Folge (Schliermann & Hülß, 2016), beispielsweise personeller Natur. Der Spieler weiß, dass er unter Umständen ersetzt wird, wenn er in der Anforderungssituation Wettkampf eben nicht performt.

    Daraus erwächst für viele Spieler ein besonderes Empfinden von Stress und Druck, welches durch Faktoren, die das jeweilige Spiel betreffen, zusätzlich beeinflusst wird. Beispielsweise durch

    • Die Bedeutsamkeit des anstehenden Spiels

    Zumeist ist der Spielbeginn durch ein Abtasten und eine gewisse Aufregung geprägt. Eine hohe Bedeutsamkeit des Spiels führt oftmals dazu, dass die Anfangsphasen noch zerfahrener verlaufen als ohnehin schon, da das Spiel einen enormen Wert besitzt. Ein WM-Finale wird vermutlich bei den Beteiligten ein höheres Stresslevel hervorrufen als ein „gewöhnliches“ Ligaspiel.

    • Die Einschätzung der Stärke des Gegners

    Auch in Abhängigkeit der gegebenen Tabellensituation kann beispielsweise ein Spiel gegen den Tabellenletzten als ein „Must-Win“ interpretiert werden, was zusätzlichen Stress auslösen kann. Aber auch ein Match gegen einen scheinbar übermächtigen Gegner kann dann zusätzlichen Stress verursachen, wenn die Spieler nicht davon überzeugt sind, der anstehenden Anforderungssituation gewachsen zu sein.

    • Instanzen

    Instanzen wie Medien, Mitspieler, Trainer sowie insbesondere im Nachwuchsbereich zusätzlich die Eltern können durch ihr Verhalten und ihre Kommunikation erheblichen Stress und Druck im Spieler auslösen – immer in Abhängigkeit davon, wie dieser das Verhalten und die Kommunikation dieser Instanzen wahrnimmt und subjektiv bewertet.

    • Im Spiel auftretende Situationen

    Nicht nur vor dem Spiel können Druck erzeugende Situationen entstehen, sondern auch solche im Spiel. Wenn ein Spieler beispielsweise in einer 1:1-Situation allein vor dem gegnerischen Torwart steht, zeigen Selbstgespräche wie „Ich muss das Tor machen!“ vorzüglich den in solchen Situationen vorherrschenden Druck. Wenn ein Team zudem beispielsweise kurz vor Schluss führt, herrscht oftmals das Gefühl vor, das Spiel auch tatsächlich gewinnen zu müssen. Damit einher geht oftmals eine gewisse Zukunftsantizipation: Was wohl passieren möge, wenn das Spiel wider Erwarten nicht gewonnen wird?

    Gerade in Stresssituation hat unser Verstand die unschöne Angewohnheit, zu einem Radio Schwarzmaler zu werden, dessen Sendungen Vergangenheit und Zukunft in düsteren Farben malen und ohne Unterlass die Gegenwart kritisieren. Unser Gehirn ist also oftmals nichts anderes als eine außer Kontrolle geratene Zeitmaschine, die uns gedanklich permanent in die Vergangenheit oder Zukunft befördert. Und genau diese Eigenart liefert einen möglichen Erklärungsansatz dafür, wie Leistungsversagen unter Druck (Chocking under Pressure), wie es gerade bei den sogenannten „Trainingsweltmeistern“ oftmals zu beobachten ist, entstehen kann. Wir sind von der eigentlichen Aufgabe im Hier und Jetzt abgelenkt, denken an Misserfolge in der Vergangenheit, uns plagen Selbstzweifel oder wir malen uns voreilig ein mögliches zukünftiges Scheitern aus. Die Folge? Wir können uns nicht auf die aktuell zu vollziehende Handlung konzentrieren und sind dementsprechend nicht leistungsfähig.

    Die Besonderheit der Torwartposition

    Die Position des Torwarts ist wohl die herausforderndste schlechthin. Das Hauptziel im Leistungssportsetting Fußball besteht im Besiegen des Gegners. Dies kann nur gelingen, wenn mindestens ein Tor fällt. Tore erzielen können alle Spieler, nicht nur die Angreifer. Tore verhindern kann in letzter Instanz allerdings nur der Torwart, denn nicht jeder Schuss kann schließlich verteidigt werden. Der Torwart ist das letzte Glied der Kette, sodass Fehler zumeist mit einer brutalen Konsequenz verbunden sind: Die unmittelbare Bestrafung folgt oftmals in Form eines Gegentores. Allen Beteiligten, insbesondere dem Torwart selbst, ist bewusst, dass jedes Tor spielentscheidend sein kann. Der Druck ist somit insbesondere auf den Torwart, der das Zünglein an der Waage ist, enorm.

    Zudem haben veränderte Spielideen sowie die 1992 eingeführte Rückpassregel, die die Ballarbeit des Torwarts mit den Händen einschränkte, enormen Einfluss auf die Position des Torwarts. Aus diesem musste im Prinzip ein Torspieler werden, denn die Erwartungen an die Spielposition des Torhüters sind heutzutage ganz andere: Seine Aufgabe besteht nicht mehr nur ausschließlich darin, mit starken Reflexen und dem Abfangen von Flanken das eigene Tor zu beschützen, sondern z.B. auch darin, das Spiel geschickt aufzubauen und aufgrund seines Überblicks über die Gesamtsituation aktiv mit seinen Mitspielern zu kommunizieren. Der Torhüter musste also seine Spielweise den erweiterten Anforderungen entsprechend angleichen und seine fußballerischen Fähigkeiten deutlich ausbauen. Durch die Tatsache, dass der Torwart nun deutlich mehr ins Spielgeschehen eingebunden ist, hat der Torwart folglich deutlich mehr Aktionen, die potenziell zu Fehlern führen können.

    Ausblick

    Wir haben nun also einen Überblick über das Anforderungsprofil. Aber wo liegen die Ansatzpunkte, um den Torhütern zu helfen? Dazu verweise ich auf den zweiten Text dieser Reihe:

    Mehr zum Thema:

    Views: 811

    Lisa König: Heim-WM ohne Heim-Vorteil? Was passiert, wenn die „Schulterklopfer“ wegfallen?

    Am Dienstag startet in Oberstdorf im Allgäu die Nordische Ski WM. Zwölf Tage lang kämpfen dann die Langläufer*innen, Skispringer*innen und Nordischen Kombinierer*innen darum, ihren Traum einer Weltmeisterschaftsmedaille zu erfüllen. Zum dritten Mal nach 1987 und 2005 wird das Großevent auf diesen Strecken ausgetragen, aber natürlich: 2021 ist alles ein bisschen anders. Insbesondere für die Sportler*innen, wie uns ein Trainer im Interview verrät.

    Zum Thema: Umgang mit Vor- und Nachteilen von “Geisterwettkämpfen”

    Ich möchte einen kleinen, sportpsychologischen Einblick geben, was es bedeutet, ohne Zuschauer auf den Heimstrecken zu laufen und wie die Pandemie den Alltag der Sportler und Trainer beeinflusst. Dazu habe ich Erik Schneider, Disziplintrainer der deutschen Langläuferinnen, ein paar Fragen gestellt. Seine Aussagen habe ich aus sportpsychologischer Perspektive eingeordnet. 

    Erik Schneider, gibt es Herausforderungen mit denen man klarkommen muss, die es bei einer „normalen“ WM nicht gibt?

    Erik Schneider: „Die Herausforderungen in diesem Jahr sind hauptsächlich Covid-19-geprägt. Tagesabläufe richten sich nicht nur nach Wettkampfterminen. Tägliche Covid-19-Testungen fordern das Setzen der Schwerpunkte immer wieder aufs Neue; man muss den Fokus zu halten.

    Durch die Pandemie bedingt ist das aber vielleicht der Ersatz für ansonsten gesteigertes Medien-, Sponsoren- oder Funktionärsinteresse und die täglichen Termine.“

    Den Fokus zu halten, ist gerade bei solchen Großevents mit mehreren Rennen in kurzer Zeit eine entscheidende Aufgabe. Durch die unerlässlichen, täglichen Tests erfahren vor allem die Sportler*innen zusätzlichen Stress. Was, wenn der Test positiv ausfällt? Was, wenn ich in Quarantäne muss und nicht mehr starten kann? Was, wenn ich meine Wettkampfvorbereitung ändern muss, weil ich später wieder zum Test muss? All das sind Dinge, die Stress verursachen und Energie rauben, die eigentlich für die Rennen gebraucht wird. Aber es sind auch Dinge, auf die sie letztendlich keinen Einfluss haben. Hier gilt es, das Gedankenkreisen und Sorgenmachen in den Griff zu bekommen, den Fokus neu auszurichten und sich auf das zu konzentrieren, was in der eigenen Macht liegt: die Einstellung gegenüber diesen Herausforderungen!

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen
    2018 hatten wir Erik Schneider zu einem Interview getroffen. In dem Ausschnitt äußert er sich zur Bedeutung der Sportpsychologie im Langlauf.

    Ihr habt mehr auf den Oberstdorfer Strecken trainiert als andere Nationen. Was hat das für Vor- und Nachteile?

    Erik Schneider: „Überwiegend Vorteile. Vor allem die sich andeutenden „Frühlings“-Bedingungen hatten wir bereits zu den DM-Rennen im vergangenen Jahr. Daher sollte es uns gelingen, diese besser zu beherrschen und die entscheidenden Schlüsselstellen, wie Zieleinlauf und Finale Burgstall, auch taktisch besser angehen zu können. Da wir regelmäßig, aber nicht übertrieben oft vor Ort waren, glauben wir, dass sich noch keine Routinen eingestellt haben, die ein Nachteil sein könnten. Hinzu kommt, dass sich durch den Umbau im vergangenen Jahr der Charakter zu früher ohnehin geändert hat. Wir bereiten uns jetzt seit drei Jahren gezielt auf das Event vor. Durch die Nähe checkt man das Umfeld genauer, trainiert auf Laufband-Profilen, welche die Strecken imitieren und versucht, das gesamte Umfeld mit in die Situation einzubeziehen.“

    Die Vorbereitung ist oftmals das A und O. Hier ist es wichtig, Vorteile wie die Nähe und das Wissen zu den Strecken und dem Umfeld aktiv zu nutzen. Durch Visualisierung des Streckenprofils kann zum Beispiel an der Renneinteilung und -taktik gefeilt werden. Durch das vertraute Umfeld können Wege und mögliche Umwege besser eingeschätzt werden, um in der WM-Woche den Ablauf zu optimieren. Routinen sind in mancher Hinsicht gar nicht schlecht. Wenn sich jedoch Änderungen ergeben, muss man darauf reagieren können und einen Plan B in der Hinterhand haben. Bei weniger eingespielten Routinen ist es oft leichter, sich an Veränderungen anzupassen.

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen
    Erik Schneider im Jahr 2018 über die Trainerrolle.

    Was spielt der Faktor „keine Zuschauer*innen“ für eine Rolle?

    Erik Schneider: „Motivational fehlen sie uns als wichtigster Teil des „Heimspiels“. Emotional gehen uns die „Family & Friends“-Momente, die bei der WM im eigenen Land den besonderen Reiz ausmachen, auch ab. Strukturell wird uns mittel- und langfristig der beabsichtigte Schub für das System (Euphorie, Begeisterung für den Skisport, Nachwuchsgewinnung) abgehen. Rational betrachtet nimmt das Fehlen hunderter „Schulterklopfer“ vor und nach den Rennen aber eine Menge Druck und spart über die WM-Tage viel Energie für die „Hauptaufgabe“, die Wettkampf-Performance.“

    Das klingt nach mehr Nach- als Vorteilen. Dass der besondere Aspekt einer Heim-WM wegfällt, kann für viele motivational und emotional herausfordernd sein, wie Erik Schneider sagt. Auch die Begeisterung, die das Event in der Region und im Sport entfachen sollte, fällt wahrscheinlich weniger groß aus.

    Die Situation allerdings als Chance zu sehen und einen Perspektivwechsel vorzunehmen, ist wichtig! Wenn die gutgemeinten „Schulterklopfer“ und Gespräche mit Helfern und Zuschauern wegfallen, fällt auch eine weitere Ablenkung weg. Man ist abgeschirmter vom direkten Druck, den solche Situationen aufbauen können. Die Sportler haben die letzten Monate „geübt“ und wissen wie es ist, ohne Zuschauer zu laufen, es ist also keine komplett ungewohnte Sache.

    Das Beste aus der Situation herausholen

    Fakt ist, keiner hat Einfluss auf die Situation, weder auf die täglichen Testungen, noch auf die fehlenden Zuschauer oder auf die Strecken. Auf was die Athleten Einfluss haben, ist ihre Einstellung zu der herausfordernden Situation! Es gilt also, diese zu akzeptieren, zu relativieren und das zu tun, was im Rahmen der eigenen Möglichkeiten liegt. Laut Erik Schneider ist die inhaltliche Vorbereitung für die deutschen Skilangläufer*innen abgeschlossen, jetzt heißt es, sie „in ihrem Tun zu bestärken und ihnen Sicherheit zu vermitteln“.

    Es wird sich zeigen, welche Teams am besten mit den Bedingungen umgehen können. Danke an Erik Schneider für die Zeit und Einblicke und viel Erfolg bei den Wettkämpfen.

    Mehr zum Thema:

    Views: 130

    Dr. Hanspeter Gubelmann: Der WM-Titel – ein Ziel, das schon die Kinder begeistert?

    Weltmeister*innen und Olympiasieger*innen sind die Ikonen des Sports. Sie verkörpern modellhaft den langen und herausfordernden Weg zum überragenden Erfolg, ernten sportlichen Ruhm und öffentliche Anerkennung und schreiben mit ihrem Handeln Sportgeschichte. Wo aber liegen die Gründe, sich auf diesen beschwerlichen Weg zu begeben mit dem Ziel, einmal der oder die Beste seines Fachs zu werden? Peter Gerber, Betreiber der angesehenen Skisport-Plattform skinews (Link) hat in seinem aktuellen Beitrag Spurensuche betrieben und vielfältige Rückmeldungen von Athlet*innen, Betreuern und Funktionär*innen erhalten.

    Zum Thema: Ursprung von grossen Erfolgen

    Monat Februar – im Wettkampfkalender der Wintersportarten ist das „Primetime“ für Weltmeisterschaften und Olympische Spiele. Aus Sicht der Wintersportler*innen bedeutet dies: Abliefern! Was über viele Jahre intensiv und zielgerichtet vorbereitet, entwickelt und minutiös optimiert wurde, erfährt den ultimativen Test, in dem nur Medaillen zählen und in welchem der/die weltbeste Athlet*in erkoren wird. Auf dieser Showbühne des internationalen Wintersports bewegen sich aktuell die weltbesten Skifahrer*innen in Cortina d’Ampezzo (I) sowie die Biathlet*innen in Pokljuka (SLO). 

    Chefredaktor Peter Gerber, ein profunder Kenner des alpinen Skirennsports und Betreiber von skinews (Link), wollte von mir – und acht weiteren Fachleuten in der Szene – wissen, wo wir die Ursprünge für das Erreichen von Titeln, Medaillen und Ehre vermuten. Entstanden ist eine bunte Collage mit Äusserungen und Einschätzungen, die auch für die Angewandte Sportpsychologie höchst informativ ist. Peter Gerber hat die-sportpsychologen.de verdankenswerterweise autorisiert, mit Hinweis auf skinews seine Fragestellungen sowie die Aussagen replizieren zu dürfen.

    Offene Fragen, vielschichtige Antworten

    Peter Gerber: Warum und weshalb will eine Spitzensportlerin/ein Spitzensportler Weltmeisterin/Weltmeister werden? Ist es die Aussicht auf Ruhm, Bekanntheit oder Anerkennung? Möchte sie oder er gern Teil der Geschichte ihrer/seiner Sportart sein? Er hofft sie/er sich grösseres Ansehen in der Hierarchie der Skirennfahrerinnen/-rennfahrer? Ist es der finanzielle Aspekt oder ganz einfach der Antrieb dahinter, für einen begrenzten Zeitraum als die/der Beste seines Fachs zu gelten? 

    Diese Frage hat skinews diversen Persönlichkeiten gestellt, die eng mit dem Skirennsport verbunden sind, vielleicht in der Vergangenheit schon selber Weltmeister gewesen sind oder es in Zukunft gerne wären. Auch ein Trainer/eine Trainerin, ein Sportpsychologe, der Manager von Marco Odermatt und Andrea Ellenberger, ein Rennsport-Chef einer Skifirma oder Annalisa Gerber, Leiterin Sponsoring von Swiss Ski, teilen ihre Ansichten mit.

    Urs Lehmann, Abfahrtsweltmeister 1993, Präsident Swiss Ski

    „Es der Traum eines jeden Kindes, Weltmeister oder Olympiasieger/Olympiasiegerin zu werden – wie aber vieles andere auch, beispielsweise Astronaut oder Lehrerin. Später, wenn du als Jugendliche/Jugendlicher Skirennen fährst, willst du der Beste am Berg sein. Und wenn du als Profi an einer WM am Start stehst, bleibt sich das genau gleich – das ist der innere Antrieb jedes Sportlers, der oder die Beste seines Fachs zu sein. Denn wie viele Leute auf der ganzen Welt können schon von sich behaupten, der/die Beste seines Fachs zu sein – nur ganz wenige, das spornt unglaublich an. Der finanzielle Aspekt spielt selten eine Rolle, und wenn, dann definitiv eine untergeordnete. Es geht darum, den Olymp zu erklimmen – that’s it! Und darum, einen Kindheitstraum zu erfüllen…“

    Michael Schiendorfer, Manager von Marco Odermatt/Andrea Ellenberger
    „Ein Spitzensportler muss mental belastbar sein, Fleiss, Disziplin und Willensstärke mitbringen. Diese Eigenschaften braucht er, um mit der notwendigen Konsequenz Ziele zu erreichen, ebenso wie die Bereitschaft, sein Leben voll und ganz auf seine sportliche Karriere auszurichten. Diese hohe Leistungsmotivation impliziert, dass er sich immer wieder die höchsten sportlichen Ziele setzt. Der Weltmeistertitel ist neben dem Titel des Olympiasiegers eine der höchsten Auszeichnungen im alpinen Skirennsport, wobei ein Sieg bei den Olympischen Spielen in den meisten Fällen wohl noch ein wenig höher gewichtet wird. Es gibt aber auch Athleten, welche den Gewinn des Gesamtweltcups oder einer Disziplinenwertung sportlich höher einstufen als einen Weltmeistertitel.“

    Annalisa Gerber, Leiterin Sponsoring bei Swiss Ski
    „Spitzensportlerinnen und Spitzensportler wie beispielsweise die neue Abfahrts-Weltmeisterin Corinne Suter träumen seit ihrer Kindheit davon, einmal die Besten der Welt in ihrer Sportart zu sein. Sie ordnen diesem Traum alles unter und verzichten auf sehr Vieles, um sich den grossen Wunsch von einem Weltmeistertitel zu erfüllen. Sie lassen sich auch von Rückschlägen nicht aufhalten und kämpfen weiter, bis sie ihr Ziel erreichen. An einem Grossanlass musst du am Tag X bereit sein – begehst du einen Fehler, ist die Medaille weg. Diesem Druck Stand zu halten und die verlangte Leistung zu erbringen, zeichnet einen richtigen Champion aus. Genau für solche Rennen und solche Momente arbeitet eine Athletin beziehungsweise ein Athlet Tag für Tag. Medaillengewinne an Grossanlässen sind der Lohn für das harte Training, den unbändigen Willen, die Ausdauer und den Fleiss in den vergangenen 15 oder 20 Jahre. Dies alles ist eine sehr emotionale Geschichte. Finanzielle Aspekte sind bei solchen Erfolgen zweitranging.“

    Dr. Hanspeter Gubelmann, Sportpsychologe
    „Aus sportpsychologischer Sicht verändert sich dieses „Warum“ im Verlaufe einer Karriere. Sehr häufig sind es die sportlichen Vorbilder, denen die talentierte Skifahrerin nacheifert. Einmal das zu erreichen, was mein Idol verkörpert und vorlebt, begleitet den jungen Skisportler. Je höher der Athlet schliesslich im nationalen und internationalen Wettbewerb aufsteigt, desto stärker wächst die Motivation und auch die Perspektive, sich dem Ziel „Weltmeistertitel“ tatsächlich nähern zu können. Merkt die Athletin, dass sie an der Weltspitze dran ist, entsteht oft diese Mischung aus perfektionistischer Vorgehensweise und unglaublichem inneren Drang und Vorwärtstrieb, dieses Ziel am Tag X erreichen zu können. Extrem spannend ist es aber auch, den Zielsetzungsprozess nach dem Erreichen eines Weltmeistertitels weiter zu begleiten. WeltmeisterInnen und OlympiasiegerInnen äusseren nebst Glücksgefühlen sehr häuftg eine deutlich spürbare emotionale Veränderung, die zudem mit einer sportlichen Neuausrichtung einhergeht. Neue Ziele, Veränderungen im Betreuungsumfeld, markant gestiegenes Ansehen, bessere Vermarktungsmöglichkeiten, schlagartig gestiegenes mediales Echo aber auch die Auswirkungen massiv höherer Erwartungshaltungen (von innen wie von aussen) sind dabei wichtige Begleiterscheinungen. Die Frage nach dem „warum will ich ich WeltmeisterIn werden“ stellt sind jetzt neu und aus ganz anderer Optik: eben in der Rolle eines sportlichen Vorbilds mit deutlich veränderten Voraussetzungen.“

    Mehr zum Medium skinews

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen

    Link: https://www.skinews.ch

    Delia Durrer (18), aktive Rennfahrerin, C-Kader Swiss Ski
    „Das Skifahren ist meine grosse Leidenschaft und spornt mich jeden Tag aufs Neue an, dass ich das Beste, was in mir steckt, gebe. So versuche ich Schritt für Schritt einer WM-Medaille und vielleicht dem Weltmeistertitel näher zu kommen. Der Weg ist kein einfacher, aber die Leidenschaft für den Skisport ist mein Antrieb. Ich bin ehrgeizig und möchte – wie viele andere auch – die Beste in diesem Sport sein. Es ist mein Ziel, dass ich das Gefühl Weltmeisterin zu sein, erleben darf. Zu spüren, dass sich die in den Jahren zuvor geleistete harte Arbeit auszahlt, muss unbeschreiblich schön sein.“

    Mirena Küng, ehemalige Weltcup-Fahrerin, Nachwuchstrainerin im liechtensteinischen Skiverband
    „Die Faszination Weltmeister/Weltmeisterin beginnt schon ganz früh. Fast jedes Kind träumt doch davon, Weltmeister/Weltmeisterin zu werden – oder vielleicht Olympiasieger/Olympiasiegerin. Schon wenn man mit ganz jungen Sportlerinnen und Sportlern über deren Karrieren und Vorstellungen spricht, formulieren sie klare Zielsetzungen. Meistens sagen sie, dass sie Weltcup-Rennen gewinnen wollen oder eben Weltmeister/Weltmeisterin werden möchten. An diesem einen Tag der/die Beste der Welt zu sein, das ist ein ganz grosses Ziel. Und es ist auch wichtig, dass sie sich Ziele setzen. Mit diesen Zielen vor Augen arbeiten sie dann schon im Sommer an der Kondition, der körperlichen Verfassung. Der Aufwand, die Energie, der Einsatz, der geleistet wird, werden zielgerichtet eingesetzt. Klar, auf dem Weg zum Weltmeistertitel werden noch Zwischenziele definiert. Aber der grosse Traum, der Anstoss für so viele, ist eben der Weltmeistertitel. Weltmeisterin oder Weltmeister sein ist der Lohn für die geleistete Arbeit über Jahre hinweg. Klar kommen danach Anerkennung, Ruhm, vielleicht Verträge mit Sponsoren und Ansehen. Aber der eigentliche Antrieb ist der Wille, der/die Beste der Welt zu sein.“

    Osi Inglin, Trainer der finnischen Skirennfahrer
    „Um Weltmeister werden zu können, muss sich der Sportler bei vorangehenden Wettkämpfen schon einmal durch herausragende Ergebnisse qualifizieren. Spitzensportler sind so sozialisiert, dass sie unter Wettkampfbedingungen stets ihre persönliche Bestleistung abrufen wollen. Im Zentrum dieses Handelns steht, sich mit anderen zu vergleichen und das eigene Ego zu manifestieren. Daher ist davon auszugehen, dass Spitzensportler generell immer gewinnen wollen. Da ist der Wettkampftyp nicht vorrangig. Das Gewinnen liegt in der DNA eines Spitzensportlers. Im kommerziellen Sport sind Status, Reputation und finnanzielle Errungenschaften bei den meisten Athleten willkommene Begleiterscheinungen, doch nie der Antrieb für das eigentliche Handeln – an dieser Stelle steht das Gewinnen. Daher glaube ich, ist es wahren Spitzenathleten egal, an welchen Arten von Wettkämpfen sie gewinnen – Hauptsache, sie können gewinnen.“

    Urs Kryenbühl, aktiver Skirennfahrer, Nationalmannschaft Swiss Ski
    „Es mag verrückt klingen, aber bei mir war als Kind nie der innige Wunsch da, Weltmeister zu werden. Mir gefiel einzig und alleine das Gefühl des Skifahrens und das Gefühl, frei zu sein. Natürlich genoss ich es aber auch, wenn ich zuoberst auf dem Treppchen stehen konnte. Mittlerweile sehe ich es so, dass es einfach etwas Besonderes ist, nicht „nur“ über die Saison hinweg vorne mitzufahren, sondern der Beste zu einem bestimmten Zeitpunkt und an einem bestimmten Ort zu sein. Der Anreiz wird dadurch noch grösser und die Challenge dies zu bewerkstelligen ebenso. Genau dieser Ansatz weckt in mir die Motivation alles zu investieren, um diesen Weltmeistertitel eines Tages zu holen.“

    Christian Höflehner, Rennchef bei Atomic
    „Nachdem ich (leider) kein Spitzensportler bin und auch nie einer war, fällt es mir schwer, diese Frage zu beantworten. Ich denke aber, dass bei den Athletinnen und Athleten, die dann letztlich diese Erfolge auch feiern, Ruhm, Bekanntheit, Ansehen oder Geld nie im Vordergrund stehen. Ich denke, dass es meistens wirklich darum geht, die oder der Beste zu sein. Alles andere ist dann eine (meist) angenehme Nebenerscheinung.“

    Kurzes Fazit aus Sicht der Sportpsychologie

    Die Frage, warum und weshalb eine Spitzensportlerin/ein Spitzensportler vorübergehend die/der Beste der Welt in seiner Sparte sein möchte, liefert – wenig überraschend – einen bunten Strauss an Erfahrungswissen, Überlegungen und Betrachtungen. Aus wissenschaftlicher Perspektive macht es wenig Sinn, darin allgemeingültige Erklärungsansätze zu suchen. Oder anders ausgedrückt: Jedem Weltmeistertitel liegt seine ganz eigene, individuelle und persönliche Geschichte zugrunde. 

    Aus den Schilderungen wird ersichtlich, dass bei vielen eine frühe individuelle Prägung (Vorbild, jugendlicher Traum, eigene Vorstellungen etc.) als Orientierungshilfe zumindest mitwirkt.

    Winning Mindset

    Der besondere Challenge, sein eigenes Leistungsniveau kontinuierlich zu steigern, vor allem aber die Freude im eigenen Tun und das persönliche Erleben von Kompetenzentwicklung scheinen fortan wichtige Treiber zu sein. In einer positiven und wertschätzenden Unterstützung junger Athlet*innen gerade in diesen Erlebensfeldern (Freude, Wertschätzung, Anerkennung) sehe ich einen wesentlichen Beitrag der Angewandten Sportpsychologie.

    Im Verlaufe einer Sportkarriere wächst und reift das hoffnungsvolle Nachwuchstalent zu einem/einer erfolgreichen Sportler*in heran. Neben vielen Erfolgsfaktoren treten insbesondere die psychische Gesundheit und die mentale Stärke in den Vordergrund. Sobald es um „Abliefern, dann wenn’s zählt“ geht – eben im Kampf auch Weltmeisterschaftsmedaillen – spielt letztlich das „winning mindset“ eine entscheidende Rolle. Insbesondere Weltmeisterinnen und Olympiasieger wissen, wie’s geht!

    Mehr zum Thema:

    Mehr Informationen: https://www.die-sportpsychologen.de/2021/02/abliefern/

    Views: 124

    Eishockey und Covid 19: In fünf bis sechs Jahren werden alle in ein Loch fallen, wenn die Vereine jetzt nicht kreativ werden

    Die Corona-Pandemie bremst seit einigen Monaten allerorts den Kinder- und Jugendeishockeysport aus. Ob in kleinen Vereinen, die meist sowieso nur sechs bis sieben Monate “Eiszeit” haben, als auch an „großen“ leistungsorientierten Standorten wie Berlin, Mannheim oder Köln. Demgegenüber gibt es auf U17/U20-Level für den einen oder anderen Spieler die Chance, jetzt schon Profi-Luft zu schnuppern. Teams wie Mannheim, Nürnberg, Kaufbeuren bieten jungen Nachwuchsspielern die Chance, sich zu beweisen – auch dadurch bedingt, dass die eine oder andere Mannschaft auf teure ausländische Spieler verzichten muss (keine Zuschauer, weniger Einnahmen). Vielleicht ein Hoffnungsschimmer. Weniger optimistisch sieht es aber aus, wenn wir die Kinder und Talente in den Fokus nehmen.

    Zum Thema: Eishockey und die Auswirkungen der Corona-Pandemie 

    Wie sieht es denn tatsächlich bei den restlichen Altersgruppen aus? Bei Kindern, die den Sport erst vergangenes Jahr kennengelernt haben oder sich gerade in der Entwicklung zu einem Leistungsspieler befinden? Was machen diese Kinder ohne Eiszeit, ohne Vereinstraining? 

    „Online“-Training im Eishockey? Wie soll das funktionieren? Oder hören die Spieler vielleicht sogar mit ihrem Lieblingssport auf? Wie motivieren sich Kinder und Jugendliche? Was können die Trainer machen bzw. welche Anreize kann man hier an die Hand geben? 

    Zu diesem Thema habe ich mich (zum Profil von Arthur Wachter) mit Trainern aus dem Nachwuchsbereich unterhalten: 

    Marius Riedel (31) – Hauptamtlicher A Lizenz Trainer und in der DEL 2 verantwortlich für die Standort- und Talententwicklung

    Tomas Brdicko (37) – Hauptamtlicher Trainer Skien IHK U15-U20 (Norwegen)

    Wie hat sich euer Tages-/Wochenablauf in dieser Zeit verändert? Aktuell gibt es keine Spiele am Wochenende. Habt ihr da mehr Zeit oder ist die Zeit anderweitig verplant? 

    Tomas Brdicko: 

    Da ich seit dieser Saison in Norwegen arbeite, musste ich jetzt nach der Weihnachtspause bei der Ankunft in Norwegen erst einmal zehn Tage in Quarantäne. Trainiert  wird mit kleinen Trainingsgruppen, es wird viel an individuellen Fähigkeiten und Details der Spieler per Video gearbeitet. Nachmittags trainieren die Spieler im Freien – wo sie sich im Rahmen ihrer Freizeit selbst verbessern können. Die Eishalle ist geschlossen, deswegen ist es für die Spieler ein Vorteil, dass sie im Freien auf`s Eis können. Ebenfalls sind die Spieler über Zoom in Kontakt zu Spielern, die an amerikanischen Programmen teilnehmen.

    Marius, du kannst die Vereine zur Zeit nur bedingt besuchen, wie kannst du jetzt den Kontakt mit den Spielern halten?

    Marius Riedel:

    Normalerweise bin ich pro Woche ein bis zwei Tage im Homeoffice und drei bis vier Tage auf Achse. Also bei den DEL 2-Vereinen unterwegs. Zurzeit ist alles anders, die meiste Zeit sitze ich im  Homeoffice, telefoniere mit den Trainern, schaue sehr viel Eishockey im Fernsehen oder im  Internet (NHL, DEL, DEL2 und Oberliga). Desweiteren versuche ich mich weiterzuentwickeln, in dem ich Vorträge beiwohne und so viel wie möglich recherchiere. 

    Wie motivieren sich die Kinder und Jugendliche zur Zeit selbst? Welche Skills benutzt ihr als Trainer, um die Spieler bei Laune zu halten? Gibt es auch Empfehlungen an die Eltern? 

    Marius Riedel:

    Da ich momentan eher nur telefonischen Kontakt mit den Trainern habe, versuche ich die Coaches aus der Ferne mit neuen Ideen und Ratschlägen zu unterstützen. Die meisten Vereine haben nun Online-Athletik-Training, hier kann man die Jugendlichen beispielsweise mal überraschen und Spiele einbauen, zum Beispiel ein Eishockey Quiz, Galgenraten oder sonstige Überraschungen. Dann kommen die Jugendlichen nicht in einen monotonen Trott und wissen nie, was auf sie zukommt. Oder man überträgt einem  Spieler die Verantwortung, so dass jeder Spieler vielleicht einmal das eine oder andere  Training planen und durchführen soll. Ebenfalls kann man in dieser Zeit gut Eishockeytheorie einbauen – wann hat man sonst so viel Zeit, die Regeln oder wichtige theoretische  Skills zu erklären? Im Normalfall kommen die Kinder zum Training, die Kabinen sind oft doppelt und dreifach besetzt und die Trainer müssen von dem einen zum anderen Eistraining hetzen. Da bleibt wenig Zeit für Theorie, jetzt können wir die Sachen aber einbauen. Bei den älteren Jugendlichen ist es auch wichtig, Einzelgespräche einzubauen und die Ziele des jeweiligen Spielers zu thematisieren. 

    Tomas Brdicko:

    Motivationsfragen, egal ob intrinsische oder extrinsische Motivation, sind ein sehr interessantes  Feld, dass mich in den letzten Jahren sehr interessiert hat. Ich denke, dass wir darauf achten müssen, dass Spieler versuchen, sich selbst kennenzulernen. Dass sie herausfinden, wie sie ticken und auf bestimmte Dinge reagieren. Oftmals wird es so hingestellt, dass es die alleinige Aufgabe von Trainern sei, Spieler von außen zu motivieren. Aber dies stimmt so nicht. Vielmehr müssen die Jugendlichen ihre Komfortzone verlassen und die Bereitschaft entwickeln, selbst zum Training kommen zu wollen. Solche Spieler, sogenannte „trainierbare Spieler“, können vom Trainer unterstützt werden. Aber dafür müssen die Spieler, wie ich bereits sagte, sich selbst kennenlernen, ihr inneres Potential freisetzen und die Stärken und Schwächen herausfinden. Darin sehe ich die Hauptaufgabe des Trainers, den Spielern zu helfen. 

    Hier in Norwegen arbeiten die Spieler auf einer mentalen Basis. Sie haben mehrmals pro Woche entweder Gruppen-Meetings oder 1:1-Treffen. In den letzten drei bis vier Jahren habe ich auch versucht, mit Spielern auf mentaler Ebene zu arbeiten. Ich finde es sehr wichtig – Meditation, Visualisierung, Selbsterkenntnis – sind Dinge, die Spieler lernen müssen, wenn sie weitere Schritte in ihrer Karriere unternehmen möchten.

    Wird sich die Kinder- und Jugendarbeit in Deutschland durch Covid 19 verändern? Verlieren wir Talente? Verlieren wir gerade bei den Kleinen den richtigen Einstieg und die richtige Entwicklung auf dem Eis, die in diesem Sport das A und O ist?

    Marius Riedel:

    In den Landesverbänden, in dem Bereich, in dem nicht Leistungsorientiert trainiert und gespielt wird, werden mit Sicherheit im Bereich U17 und U20 viele Spieler aufhören. Da werden die Vereine Schwierigkeiten bekommen. Normalerweise kommt jetzt ab März auch noch die Zeit, in der die Vereine neue Spieler rekrutieren. Dieses Jahr sind die Jahrgänge 2015/2016 dran… Die erste Rekrutierungsphase zur Weihnachtszeit ist auch schon ausgefallen. Da sind die Vereine und deren Gemeinden und Städte gefordert. Dort sollte man über Eiszeit im Sommer nachdenken. Und die Vereine müssen sich noch viel mehr an Ideen einfallen lassen, um Jugendliche an sich zu binden und Interessierte zu aktivieren. Ansonsten werden viele Vereine – auch die leistungsbezogenen Clubs – in fünf bis sechs Jahren in ein Loch fallen. Das wichtigste überhaupt – und das gilt nicht nur im Eishockey – ist den Jugendlichen, dass „Mindset Sport“ wieder bewusst zu machen. 

    Tomas Brdicko: 

    Ja, Covid ist im Allgemeinen ein großes Problem, nicht nur für den Sport,  sondern für die gesamte Gesellschaft. Die Funktionsweise der Vereine – nicht nur in Deutschland, auch in meinem Geburtsland, der Tschechischen Republik, ist aufgrund der ungünstigen Situation erheblich eingeschränkt und niemand weiß wirklich, wann genau alles wieder normal wird oder zumindest auf dem richtigen Weg zur Normalität sein wird. Alles ändert sich ständig. Diese Zeit ist sehr schwer und kompliziert. Ich habe mit mehreren Kollegen gesprochen, aus der Tschechischen Republik, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA – sie nehmen es überall gleich wahr. Sie sind hauptsächlich besorgt, dass kein Kind erkrankt. Ebenfalls sind sie in Sorge, dass starke Jahrgänge an Spielpraxis und Leistungsvermögen verlieren. Ich denke aber, dass Jugendliche, die Eishockey lieben und es spielen wollen – in jedem Fall einen Weg finden, beim Eishockey zu bleiben. Es müssen alle die richtige Einstellung dazu finden.

    Arthur Wachter

    Sportarten: Eishockey, Fußball, Wasserball, Schwimmen, sonstige Teamsportarten

    Mail: a.wachter@die-sportpsychologen.de

    Telefon: +49 (0)175 4438864

    Zum Profil: https://www.die-sportpsychologen.de/arthur-wachter/

    Wendet ihr mentale Aufgaben/Praktiken im jetzigen Training an? Ich arbeite selbst viel mit  Visualisierungen – ist das ein Aspekt, mit dem es bei den Jugendlichen vielleicht möglich wäre, die verloren Eiszeit zu „füllen“ oder sogar zu „ersetzen“? 

    Tomas Brdicko: 

    Ja, in jedem Fall. Ich würde sagen, dass man in den jungen Jahrgängen mit Atemtechnik, Meditation und später ab der U15 mit den restlichen Skills arbeiten sollte. Damit die Spieler konzentriert bleiben und lernen, im „hier und jetzt“ zu sein. Ich bin der Meinung, dass die Methode der Visualisierung, das komplette sportliche Training nicht ersetzen, aber ergänzen kann. In den älteren Jahrgängen sollten Meditations- und Visualisierungsmethoden, aber auch andere sportpsychologische Techniken zur täglichen Routine eines jeden Spielers werden.

    Marius Riedel:

    Zur Zeit weiß ich von keinem Verein, der Mentaltraining einsetzt. Sinnvoll wäre es in jedem Fall, gerade in dieser Zeit den mentalen Bereich zu stärken. Die Vereine versuchen aktuell jedoch den Vor-Corona-Zustand zu halten. Jetzt und auch nach der Corona-Zeit ist es zudem auch eine finanzielle Frage, ob man sich einen Sportpsychologen oder Mentaltrainer leisten kann und will. 

    Ihr seid ja alle noch durchaus junge Trainer – aber schon mit viel Erfahrung im Jugendbereich. Wie steht ihr zum Thema Mentaltraining im Eishockey? Nehmen wir das Beispiel Schwenningen: Der Verein beschäftigt einen Mentaltrainer im Jugendbereich. Wie sieht die Zukunft aus, werden  andere Vereine diesem Beispiel folgen? Ist es jetzt vielleicht – in der Corona Zeit –  gerade jetzt der richtige Moment, solche Personen einzubauen? 

    Marius Riedel:

    Wie schon erwähnt, sicher ist es eine zusätzliche Leistung, die die Vereine einsetzen sollten. Aber es wird teilweise an finanziellen Aspekten scheitern oder aber an dem Umstand, dass die Vereine  dafür keine Kapazitäten haben und sich auf das „Jetzt“ konzentrieren müssen. Aber mir fällt noch ein weiteres positives Beispiel ein: Der Auswahltrainer von Hessen, Alexander Baum, hat seit seiner Amtseinführung bei jeder Einheit eine Sportpsychologin dabei. 

    Tomas Brdicko: 

    Ich weiß, dass in Schwenningen ein Mentaltrainer (Matthias Fleig, die Redaktion) im Jugendbereich tätig ist. Ich würde sagen, es ist der richtige Weg. Ob Jugendspieler oder Profi, jeder von ihnen sollte nicht nur auf dem Eis trainieren, sondern auch im mentalen Bereich. Es kann beispielsweise verschiedene Gründe für einen Leistungsabfall bei einem Spieler geben. Nehmen wir nur die Trennung von der Freundin. Und dann sind wir bei dem Punkt, dass auch Sportler nur Menschen sind, die alltägliche Probleme lösen müssen. Darüber hinaus würde ich sagen, dass es die Pflicht aller sein sollte, sich für diese Trainingsbereiche zu interessieren, um die Arbeit mit Spielern nicht  nur auf dem Eis, sondern auch außerhalb des Eises zu optimieren. 

    Hier in Norwegen, innerhalb der Hockeyakademie, haben wir jede Woche ein mentales Training im Programm. Daher kann ich sagen, dass hier mehr Arbeit auf mentaler Ebene geleistet wird. Wie ich bereits erwähnt habe, interessiere ich mich seit mehreren Jahren selbst für mentales Training. Ich selbst versuche mich hier weiterzubilden, um es bei meinen Spieler dann anzuwenden.

    Mehr zum Thema:

    Views: 1102

    Janosch Daul: Life Kinetik – mit Spiel und Spaß das Gehirn trainieren

    Durch die Luft wirbelnde Bälle, virtuos durch die Luft schwingende Tücher, Malen von Emojis, Sprünge mit gleichzeitiger Nennung der eigenen Handynummer und Ausfallschritte der besonderen Art. Keine Frage: Life Kinetik hat so einiges zu bieten. Der Artikel erläutert, was dieses innovative Bewegungsprogramm so besonders macht. Zudem zeigt das Beispiel des SV Blau-Weiß Dölau, wie in der aktuellen pandemischen Lage Vereine dieses Angebot nutzen können, um ihren Mitgliedern etwas zu bieten.

    Zum Thema: Potenzialentfaltung mit Hilfe von Life Kinetik

    Das Bewegungsprogramm wurde auf Grundlage der modernen Gehirnforschung entwickelt und unterstützt den Menschen, ganz gleich ob Führungskraft, Elternteil, Lehrer, Rentner oder Sportler. Vorrangig geht es darum, seine Potentiale auszuschöpfen. Vielfältigste Bewegungsübungen und Wahrnehmungsaufgaben, die mit kognitiven Herausforderungen kombiniert werden, führen bei einer regelmäßigen Durchführung nachweislich zu einer Neubildung von Nervenzellen. Dadurch wird der Mensch leistungsfähiger. Die Formel des Programms lautet: 

    Wahrnehmung + Gehirnjogging + Bewegung = mehr Leistung. 

    Durch das gezielte Ansprechen dieser drei Komponenten wird eine bessere Vernetzung und – damit einhergehend – eine bessere Nutzung aller Areale des Gehirns erzielt. Die drei zentralen Trainingsbereiche des Bewegungsprogramms umfassen die flexible Körperbeherrschung, die Wahrnehmung und die kognitiven Fähigkeiten.

    Fehler und Nicht-Gelingen erwünscht

    Bei Life Kinetik werden Übungen – anders als punktuell beispielsweise im Leistungssport, in dem es Bewegungen zu perfektionieren gilt – nie so lange ausgeführt, bis sie vollkommen beherrscht werden. Sobald von zehn Versuchen ungefähr fünf gelingen, folgt die nächste Schwierigkeitsstufe. Der Teilnehmer hat also immer ein neues Ziel vor Augen. Fehler und Nicht-Gelingen sind bei Life Kinetik ausdrücklich erwünscht – denn in genau diesen Momenten sucht unser Gehirn fieberhaft nach Lösungswegen, was die gewünschten Veränderungsprozesse in unserer Schaltzentrale auslöst. 

    Und genau das ist es, was dieses Bewegungsprogramm ausmacht: Selbst während wir Fehler machen, lernen wir dazu! Somit kann ein jeder, egal ob jung oder alt, egal ob motorisch begabt oder eher weniger talentiert, Life Kinetik-Übungen problemlos durchführen. Bei einer entsprechenden Trainingsgestaltung, die hinsichtlich der Anforderungen an die motorischen und kognitiven Grundvoraussetzungen der Zielgruppe angepasst werden kann, profitiert jeder Teilnehmer nachhaltig und langfristig.

    Nachweisliche Wirkungen

    Ein Blick auf die bislang gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigt, dass gerade auch Mannschaftssportler von einer regelmäßigen Life Kinetik-Übungsdurchführung profitieren können. Die Studienlage offenbart beispielsweise Verbesserungen hinsichtlich Entscheidungsgeschwindigkeit/Handlungsschnelligkeit, Entscheidungsqualität, Koordination, räumliche Wahrnehmung und Gleichgewicht. Gerade angesichts der Tatsache, dass die Leistungsreserven hinsichtlich Technik und Taktik im modernen Mannschaftssport inzwischen fast ausgeschöpft zu sein scheinen, braucht es Ansätze wie beispielsweise jene von Life Kinetik, die aktiv zur Weiterentwicklung des Gehirns beitragen. Das Programm unterstützt also dabei, weitere Leistungspotenziale – nämlich jene auf mentaler Ebene – auszuschöpfen. 

    Integration in den Trainingsalltag

    Gerade während der Pandemie, die ein praktisches Mannschaftstraining derzeit unmöglich macht, bietet sich das gezielte Training kognitiver Leistungsfaktoren an. Schließlich haben im „normalen“ Alltag oftmals vernehmbare Aussagen von Trainern wie „Diese Woche haben wir für kognitive Themen keine Zeit, wir müssen Taktik trainieren!“ vor dem aktuellen Hintergrund derzeit kaum noch eine Berechtigung. Zudem sehnen sich Teams, Trainer und Spieler nach Abwechslung und sind auf der Suche nach Alltagscrashern. Darüber hinaus bieten die durchgeführten Übungen insbesondere den Coaches Anregungen für die eigene Trainingsarbeit. Norman Öder, Trainer der U13 des SV Blau-Weiß Dölau, erzählt, welchen Mehrwert er sich vor Beginn der Zusammenarbeit von der Durchführung der Life Kinetik-Maßnahmen versprach und wie nun sein Fazit ausfällt: 

    „Ich hatte mir erhofft, dass wir neue Möglichkeiten der Förderung der koordinativen Fähigkeiten kennenlernen. Ich habe viele Dinge entdeckt, die ich im zukünftigen Training einbauen kann und welche die Spieler auch mal zwischendurch alleine machen können.”

    Norman Öder, U13 Trainer des SV Blau-Weiß Dölau

    Bundesweite Kooperation

    Die finanzielle Grundlage für die Durchführung der Life Kinetik-Maßnahmen wurde dabei durch die BKK VBU gelegt. Entstanden ist inzwischen eine nahezu bundesweite Kooperation zwischen der BKK VBU und mir, sodass ich für die Krankenkasse inzwischen mit Vereinen und Unternehmen aus nahezu allen Bundesländern zusammenarbeite. Marcus Dornburg, als Präventionsberater für den Raum Mitteldeutschland verantwortlich, erläutert, welchen Mehrwert die Krankenkasse in der Kooperation und der konkreten Umsetzung der Life Kinetik-Maßnahmen in Unternehmen sowie in Vereinen wie z.B. dem SV Blau-Weiß Dölau sieht:

    „Der Vorteil liegt sprichwörtlich auf der Hand. Life Kinetik mit Janosch ermöglicht uns, trotz Ausnahmesituation und Social Distancing via Online-Meetings für die Vereine und Unternehmen weiterhin effektiv die Gesundheit zu fördern. Sein perfekt abgestimmter Mix aus Koordinationsübungen mit Alltags- und Haushaltsgegenständen und die Wissensimpulse rund um das Thema Gehirnentfaltung bringen die bewegte Pause in das Homeoffice und verlagert das Vereinstraining für Jung und Alt in die eigenen vier Wände. So bleibt die Stärkung von physischen und psychischen Ressourcen während der Pandemie nicht auf der Strecke, wir kommen in Bewegung und gönnen uns dabei eine geistige Abwechslung. Das sorgt nicht nur dafür, dass sich unser Bewegungsapparat aufrichtig bedankt, vielmehr können wir im Anschluss noch konzentrierter arbeiten. Und sobald es wieder in Präsenz möglich ist, macht es zusammen noch mehr Spaß, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen.“ 

    Marcus Dornburg, Präventionsberater BKK VBU

    Eine sinnvolle Umsetzung für alle Beteiligten

    Die Umsetzung einer Maßnahme für ein Team in Kooperation mit der BKK VBU besteht dabei in der Regel aus einer interaktiven Info-Präsentation und drei praktischen Life Kinetik Fun-Einheiten. Den Startschuss der Life Kinetik-Zusammenarbeit stellt zumeist die ca. 90-minütige Präsentation, die eine bunte Mischung aus Theorie und Praxis beinhaltet, dar. Neben zahlreichen praktischen Life Kinetik-Übungen wird interaktiv erarbeitet, inwiefern die Sportler von Life Kinetik-Übungen profitieren und mit praxisnahen Beispielen aufgezeigt, dass die Durchführung dieses Bewegungsprogramms im heutigen Spitzensport weit verbreitet ist. Videosequenzen aus Alltag und Sport, welche die Bedeutung der Trainingsbereiche flexible Körperbeherrschung, Wahrnehmung und kognitive Fähigkeiten aufzeigen, runden die Präsentation ab. Lenny, ein Dölauer Spieler der U13, begeisterte dabei v.a. folgendes:

     “Besonders hat mir das Videos mit den Profis gefallen, um festzustellen, dass auch diese Life Kinetik praktisch anwenden.”

    Lenny, Nachwuchsspieler SV Blau-Weiß Dölau

    Die zumeist 60-minütigen Life Kinetik Fun-Einheiten bestehen ausschließlich aus praktischen Übungen. Besonders begeistert war Tyler von der Übung Parallelball, bei der zwei Bälle gleichzeitig hochgeworfen werden, währenddessen die Arme überkreuzt und die Bälle anschließend wieder mit geöffneten Händen gefangen werden müssen: 

    „Anfangs war die Übung zwar total schwierig. Nach mehrmaligem Üben hat es dann aber auch bei mir geklappt.”

    Tyler, Nachwuchsspieler SV Blau-Weiß Dölau

    Angebot für Sportvereine

    Wer als Verein wie der SV Blau Weiß-Dölau beispielsweise gerade in diesen Corona-Zeiten Interesse an der Durchführung von Life Kinetik-Maßnahmen hat, kann gern Kontakt zu mir (https://www.die-sportpsychologen.de/janosch-daul/) aufnehmen.

    Hinweis: 

    Dieses Modell für die praktische Umsetzung habe ich zusammen mit der der gesetzlichen Krankenkasse BKK VBU entwickelt. Dies hat für viele Vereine den Vorteil, dass die Life Kinetik-Maßnahmen sehr günstig angeboten werden können. Für mich als sportpsychologischer Experte und zertifizierter Life Kinetik-Trainer ist dieses Projekt zur Herzenssache geworden. 

    Mehr zum Thema: 

    Views: 1869

    Pavlo Rozenberg: Alle Sportler haben Angst vor unbekannten Situationen

    Um Topleistung abzuliefern, sind Sportler gern vorbereitet. Wenn es irgend geht, bestens vorbereitet. Als aktiver Sportler zählte Pavlo Rozenberg zu genau dieser Kategorie. Und auf dieser Ebene haben sich Prof. Dr. Oliver Stoll und er in der Vorbereitung auf die olympischen Spiele 2008 in Peking kennengelernt. Im Zuge ihrer Zusammenarbeit haben sie immer wieder in die Werkzeugkiste mit dem Titel „Visualisierungen“ gegriffen.

    Zum Thema: Visualisierung im Leistungssport

    Im folgenden Video erklärt Pavlo Rozenberg, dass er durchaus aufmerksam zugehört hatte, als sich Stoll damals als der neue Sportpsychologe der deutschen Wasserspringer vorstellte. Noch heute kennt er die verwandten Fachbegriffe und kann sich an Details von Stolls verbaler Jungfernfahrt mit dem Team erinnern. Nur richtigen Bedarf sah er für sich persönlich nicht. Schließlich funktionierte ja alles…

    Über die Zusammenarbeit im Team, den Vertrauensaufbau und das sukzessive Einstreuen von mentalen und kognitiven Trainingsformen wurde der Kontakt langsam intensiver. Und spätestens als Rozenberg bei einem Trainingslager auf Mallorca aufgrund einer Verletzung um das Wasser einen großen Bogen machte musste, lernte er die Sportpsychologie schätzen. Weshalb dies bis heute Bestand hat, inwiefern er das Wissen als heutiger Trainer einsetzt und warum gerade eine ausgeprägte Vorstellungskraft für Leistungssportler wichtig ist, erklärt er im Video:

    Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

    Weitere Informationen
    Das Interview ist Teil des kostenlosen Zusatzmaterials unseres Online-Coachingprogramms „Abliefern, wenn es darauf ankommt“, welches ab sofort hier zur Verfügung steht: https://www.die-sportpsychologen.de/2021/02/abliefern/

    Abliefern, wenn es darauf ankommt

    Das Video ist Teil des kostenlosen Zusatzmaterials unseres Online-Coachingprogramms “Abliefern, wenn es darauf ankommt”. Im Programm selbst werden Sportler und Trainer sehr tiefgreifend zum Thema Visualisierungen informiert. Prof. Dr. Oliver Stoll gibt für die Praxis wichtigen Hintergrundinfos zum Einsatz von Visualisierungen in der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung und in Verletzungsphasen. Zudem erklärt er die Drehbuchtechnik und das sogenannte PETTLEP-Model. Mit Dr. Hanspeter Gubelmann hat er einen weiteren erfahrenen Schweizer Sportpsychologen us unserem Netzwerk ins Boot geholt, der wichtigen Input gibt.

    Entstanden sind über 75 Minuten Material zum Thema Visualisierungen. Daneben bietet das Online-Coachingprogramm “Abliefern, wenn es darauf ankommt” praxisnahes Wissen in sechs weiteren Themenbereichen, die für das Abrufen sportlicher Leistung relevant sind. Sportler, Vereine und Verbände können bis zum 15. März zum Sonderpreis (ab 199 EUR) auf das Angebot zugreifen.

    Abliefern, wenn es darauf ankommt

    Innovatives Online-Coachingprogramm für Sportler, Vereine und Verbände:

    Views: 248

    Dr. René Paasch: Reale Trainingsübung für ein Fußballteam im Lockdown

    Im Moment steht der Sport in vielen Bereichen Corona bedingt still. Auch der größte Teil des Fußballs. Viele Trainer stehen vor der Herausforderung, ihren Teams in Video-Sitzungen immer wieder spannenden Inhalt zu liefern. Dazu gibt es hier nun etwas Input. 

    Zum Thema: Zusammenhalt über Erlebnisse sichern

    Geben Sie den Spielern die Aufgabe, innerhalb von zwei Wochen, eine technische Ausführung wie die exakte Ballmitnahme des Stürmers nach einem Steilpass zu üben. Die Umsetzung dieser Übung soll bestmöglich dokumentiert werden. 

    Wenn Sie den Text brandaktuell, also Mitte Februar 2021 lesen, dann fragen Sie sich wahrscheinlich, ob ich noch alle Latten am Zaun habe? Denn von West nach Ost ist Deutschland eingeschneit wie lange nicht und es herrschen satte Minusgrade. Aber genau fängt hier die Übung an Spaß zu machen und ihren Sinn zu erfüllen. Was ich damit sagen will, mache ich mit der folgenden fiktiven Konstellation deutlich.

    Ein Beispiel zur Veranschaulichung

    Zwei junge und begabte Nachwuchstalente bekommen wie ihre Mannschaftskameraden auch zwei Wochen Zeit, die genannte Aufgabe – also die exakte Ballmitnahme des Stürmers nach einem Steilpass – zu absolvieren und zu dokumentieren. Jason, so nennen wir den einen, weiß genau, was zu tun ist. Als Erstes besorgt er sich das passende Material: Bälle, Hütchen, kleine Tore, Sportplatzsuche, Wetterprognose prüfen, eine hochwertige Kamera „coaching eye“ und beauftragt einen befreundeten Individualtrainer und einen Torwartspieler, der diesen Trainingsprozess begleiten soll. Als Nächstes kümmert er sich um die graphische Darstellung der Trainingseinheiten, wie bspw. der Übungsaufbau, Laufwege, Ballweg, Dribbelweg u.v.m., bevor er seine vorhandenen Erfahrungen an exakten Ballmitnahmen nach Steilpass auffrischt. Erst jetzt merkt er, dass ihm die Zeit davonläuft. Bevor er den ersten Trainingsreiz setzt, ist bereits einige Zeit verstrichen. 

    Dirk, so nennen wir den Zweiten aus unserem Beispiel, handelt vergleichsweise unüberlegt. Er sucht mit seinem Freund eine naheliegende Wiese, kramt gedanklich seine letzten Erfahrungen zu diesem Thema hervor und fängt sofort an zu üben. Nach und nach fügen sich die ersten Übungen wie von selbst zu einem stimmigen Bewegungsablauf. Läuft also bei ihm.

    Unser Fehler im System

    Was sollen Ihnen die beiden Beispiele aufzeigen? Jason arbeitet ressourcenorientiert. Er will sich optimal vorbereiten, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Bloß ermöglichen seine Ressourcen allein kein Übungsergebnis. Schlimmer noch, sie hemmen seine Kreativität. Wir ahnen bereits, dass Dirk in dem Wettbewerb deutlich vor Jason landen wird. Und hier kommt der springende Punkt: In unsere normalen Welt führen die meisten von uns ein sportliches Leben wie Jason. Wir streben dauerhaft danach, die Ausgangslage zu optimieren – danach, mit Wissen und Beziehungen unsere Chancen zu verbessern. Wir sammeln die Ressourcen für ein gutes sportliches Leben. Leider sind wir so beschäftigt damit, dass uns das Gefühl abhanden kommt, was genau das bedeutet. 

    Bei ambitionierten jungen Fußballern geht das dann meist so: Ein erfolgreiches Nachwuchsleistungszentrum, umfangreiche bestmögliche Materialien, Fahrdienst und die Trainer sollten im besten Fall alle Fußball-Lehrer sein. Einsatzzeiten, geschossene Tore und das beste Schuhwerk, darf dann auch nicht fehlen. Ich besitze, also bin ich. Aber macht das glücklich? Nein. Es schafft lediglich Voraussetzungen! Die Sinnsuche selbst ist damit nicht erledigt. Ob wir unser Leben als gelungen empfinden, hängt davon ab, wie sehr wir uns mit der Welt und dem dazugehörigen Verein oder dem Team verbunden fühlen. Denn ein erfülltes Leben steht und fällt mit der Qualität unserer Beziehungen. 

    Zusammenfassung

    Wenn Sie jetzt also als Trainer ihrem Team eine solche “einfache” Aufgabe geben, dann lösen sie ganz schön was aus. In der aktuelle Corona-Pandemie umso mehr: Sie schaffen für ihre Spieler ein Erlebnis, sie stellen die Kinder und Jugendlichen vor eine Herausforderung – und dies trotz der individuellen Trennung im Sinne des mannschaftlichen Zusammenhalts.

    Und wie großartig ist es, wenn Sie die Übung genau heute (also an einem kalten Februartag des Jahres 2021) in Auftrag geben? Die Spieler finden alles andere als ideale Bedingungen vor. Aber im Ergebnis müssen sie umso kreativer werden. Und genau da wollen wir im deutschen Fußball ja wieder hin, oder?

    Mehr zum Thema:

    Views: 85