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Stefanie Gramlich: Pferdesport – Den Sturz aus dem Vorjahr hinter dir lassen

Eine Freundin stürzte im vergangenen Jahr bei einem Ausritt relativ leicht. Die körperlichen Blessuren der Reiterin brauchten nicht lang, um zu verheilen. Mental tat sie sich deutlich schwerer. In ihrer Unsicherheit schrieb sie mir, dass sie allein beim Gedanken daran, wieder auf ein Pferd zu steigen, innerlich regelrecht verkrampft. Sier versuchte es, aber es war nicht mehr so wie früher. Ganz klar: Angst im Reitsport ist – nicht nur nach Stürzen – ein ständiger Begleiter. Im Text zeige ich am Beispiel meiner Zusammenarbeit mit meiner gestürzten Freundin, wie es schrittweise gelingen kann, die Angst zu besiegen.

Zum Thema: Die Angst nach Stürzen im Reitsport besiegen

Meine Freundin ritt mit ihrer 9-Jährigen Hannoveranerstute (Klasse M- Dressur ausgebildet mit Potential für S-Dressur) an einem kühlen, regnerischen Samstagnachmittag zum Ausgleich des Trainings unter der Woche aus. Sie trabten in lockerem Tempo auf einem Feldweg entlang, als ihnen ein Fußgänger mit großem Regenschirm entgegenkam. Da der Wind ging, flatterte der Regenschirm etwas und das Geräusch war deutlich hörbar, als der Fußgänger an ihnen vorbei ging. Vorausschauend und verantwortungsbewusst parierte meine Freundin zum Schritt durch und ihre Stute schien zwar etwas nervös und angespannt und schnaubte auch etwas, vermittelte ihr aber dennoch ein Gefühl, dass sie haltbar ist und vorbei gehen will. Bis zu diesem Punkt war sie gut mit ihrer Stute im non-verbalen Austausch und die Stute ging am Fußgänger vorbei. Meine Freundin lobte sie. Als sie jedoch ein paar Schritte weiter waren, kam ein etwas stärkerer Windstoß und der Schirm des Fußgängers knickte ein und spannte sich über und raschelte. Da die Stute dies nun nur hinter sich hörte und nicht mehr in ihrem Blickwinkel nach hinten sehen konnte, scheute sie und sprang zur Seite, so dass meine Freundin vorne rechts über das Schulterblatt der Stute rutschte und stürzte. Der Unfall setzte sich bei ihr leider mental fest, obwohl sie charakterlich kein ängstlicher Typ ist. Da sie immer wieder bei Ausritten begann, mit ihrer Stute nicht mehr vertrauensvoll zu agieren und in ähnlichen Situationen begann, von ihrer Stute aus Angst abzusteigen, obwohl diese sich brav und wohlerzogen verhielt, rief sie mich an und bat mich zu kommen.

Ihre größte Sorge war, ihrer Stute keine gute und vertrauensvolle Führungsperson mehr zu sein. Selbstzweifel, Versagensangst, Angst vor Leistungsabfall und die Einbuße der Vertrauensbasis zu ihrer Stute ließen sie nachts nicht mehr schlafen. Sie wollte dieses Problem lösen und an sich selbst arbeiten. So starteten wir das Training:

Umgang mit der Angst: Schrittweise zum Comeback

Teil 1

Da meine Freundin die Einstellung zum Training hat, dass wir den Pferden die Zeit geben, die sie individuell in ihrem Tempo und ihrem Wesen entsprechend benötigen, vereinbarten wir, dass wir uns dreimal in der Woche zum gemeinsamen Training treffen und an den anderen Tagen sie alleine mit ihrer Stute mit Bodenarbeit, leichter Gymnastikarbeit und Basisarbeit in der Dressur in der Halle arbeitet und übt.

Dabei sollte sie mir in einem Trainingstagebuch aufschreiben, welche Gefühle in welchen Situationen unter welchen äußeren Einflussfaktoren in ihr hochkommen.

Welche Gedanken tauchen parallel zu ihren Gefühlen im Training unter welchem Reaktionsverhalten ihrer Stute auf und wann? Wich sie diesen unangenehmen Situationen aus oder war es ihr bereits nach unseren tiefen Gesprächen möglich, mit ihrer Angst an sich selbstständig zu arbeiten? Vorerst nur im Training in der Halle. Wie gut konnte sie in der Bodenarbeit wieder die Vertrauensbasis zu ihrer Stute festigen? 

Teil 2

Training mit dem Schirm mit ihrer Stute in der Halle, wir übten vorerst vom Boden aus mit mehreren Menschen mit Schirmen in der Halle (unterschiedliche Größen, unterschiedliche Farben, mal weit weg, mal ganz nah am Körper der Stute, bis wir sogar nach circa acht Wochen die Stute mit offenem Schirm am Körper berühren konnten. Die Stute fasste wieder Vertrauen zur Kompetenz meiner Freundin. 

Was war hier unser Ziel mit ihrer Stute? Es ging um die Stärkung der Bindung und des Vertrauens.

Dieses Szenario übten wir dann ebenso vom Sattel aus. In der Halle. Meine Freundin ritt und ein paar freiwillige Helfer aus dem Stall gingen ihr in der Halle während des Reitens mit einem Schirm entgegen oder streiften quer durch die Halle. Sie übte an und mit ihrer Angst im Körper zu arbeiten. Wir setzten uns nach jedem Training zusammen und besprachen im Detail und in der Tiefe reflektierend ihre Emotionen und Gedanken in den einzelnen Trainingssequenzen und den einzelnen Reaktionsmustern ihrer Stute 

Teil 3

Nun ging es um die Übertragung ins Gelände. Wir trainieren draußen zu zweit mit zwei Pferden und nehmen uns dazu ein zweites Pferd für ihre Stute zur Unterstützung mit. Das Zweitpferd ist ihr Koppelpartner (ein Pferd, welches als „Fels in der Brandung“ im Stall bekannt ist, ein absoluter Verlasswallach, Allrounder, 17 – Jahre alt, erfahren, geduldig und hundertprozentig verlässlich im Gelände, der stets seinen Reiter wieder sicher nach Hause trägt).

Was zuvor geschah: Bevor ich mit meiner Freundin mit diesen zwei Pferden ausreiten ging, absolvierte sie kleine Extra-Einheiten mit dem Wallach. Es ging darum, entspannt eine halbe Stunde auszureiten. Das Ziel: Ihr Selbstvertrauen in ihre Fähigkeiten stärken, ihr Selbstbewusstsein wieder aufzubauen, die Freude zum Reiten wieder zurückzugewinnen, neue positive, entspannende Erlebnisse in der Natur mit dem Pferd wiederherzustellen. Dauer dieser Trainingssequenz nochmal acht Wochen mit Trainingstagebuch, Gesprächen mit mir im direkten Anschluss, Tools, Tipps und Reflektieren , woran wir weiterhin arbeiten wollen.

Fazit

Angst ist besiegbar. Aber der Weg zum identifizierten Ziel ist super individuell. Wenn ihr vor solchen Herausforderungen steht, freuen wir uns, euch zu begleiten. 

Meine Kollegen und Kolleginnen im Netzwerk (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Stefanie Gramlich) helfen gern, die Angst nach einem Sturz zu überwinden. Wenn in deinem Umfeld oder euren Reitställen dies ein Thema sein sollte, dann nehmt gern Kontakt auf. Ich freue mich insbesondere in Süddeutschland über eure Anfragen. Denkbar wäre auch, eine wöchentliche Themengruppe in eurem Reitstall zu starten.  

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Christian Bader: Sportpsychologie ist oft unterkomplex – und das ist ein Problem

Stell dir vor, du gehst mit Kopfschmerzen zum Arzt. Er öffnet seine Schublade, drückt dir eine Ibuprofen in die Hand und sagt: «Hier, das hilft.» Und tatsächlich – der Schmerz geht weg. Bis er wiederkommt. Und dann wieder. Und irgendwann fragst du dich, ob der Arzt vielleicht nie wissen wollte, warum der Schmerz da ist.

Zum Thema: Attention, Intensity und Intent als wichtige Fixpunkte sportpsychologischer Arbeit

Atemübungen gegen Nervosität. Visualisierung für bessere Leistung. Selbstgespräche gegen Zweifel. Die Werkzeugkiste ist prall gefüllt und manchmal funktioniert das Zeug sogar. Was mich stört: Wir fragen zu selten, warum das Problem überhaupt da ist. Es geht vom Anliegen aus, ohne das Thema dahinter zu berühren. Es optimiert Oberflächen. Es macht Athleten abhängiger von externer Regulierung – nicht freier von ihr. Und ein (mental) Coach, der sich wichtig macht, hat bereits verloren. Wir reparieren Symptome, statt Systeme zu verstehen (mehr dazu: siehe Link unten)

Der Stürmer, der im Training jede Chance trifft und im Wettkampf im letzten Moment den Fuss zurückzieht. Die klassische Reaktion: «Mehr schiessen üben. Vielleicht noch eine Visualisierungsübung.» Die systembezogene Frage wäre eine andere: Was passiert in diesem Menschen, wenn Publikum, Erwartung und Bewertung hinzukommen? Was reguliert er mit diesem Rückzug und wozu braucht er das?

Damit plädiere ich nicht bloss für wissenschaftliche Forschungen, sondern möchte Perspektive eröffnen, die ein grundlegend anderes Verständnis, wie Menschen funktionieren, ermöglichen kann. 

Attention – der Spielmacher mit dem Tunnelblick

«Konzentrier dich!» ist der aus meiner Sicht meist nutzlose Ratschlag im Sport. Nicht weil Konzentration unwichtig wäre, sondern weil der Satz voraussetzt, dass Aufmerksamkeit ein Schalter ist. Ein oder aus. Dabei ist sie eher ein Mischpult mit mehreren Reglern gleichzeitig.

Ein Beispiel: Ein Spielmacher im Unihockey verliert in Drucksituationen regelmässig den Überblick. Er fokussiert zu eng, sieht nur den direkten Gegenspieler, übersieht den freien Mann auf der anderen Seite. Die Trainerin sagt: «Schau mehr auf den Raum.» Er nickt. Im nächsten Spiel passiert dasselbe. Warum? Weil niemand mit ihm erkundet hat, was sein Fokus in diesen Momenten eigentlich tut und wozu. Der enge Fokus ist keine Unfähigkeit. Er ist eine Regulationsstrategie unter Druck: Wenn alles zu viel wird, wird das Feld kleiner. Das schützt.

Was hilft, ist nicht der Befehl zur Weitsicht. Es ist die Frage: «In welchen Situationen kannst du den Raum sehen und was ist dann anders als in jenen, wo du ihn nicht siehst?» Daraus entsteht eine persönliche Aufmerksamkeits-Landkarte. Und aus der Landkarte entsteht Training, das tatsächlich auf das Muster zielt (mehr dazu: siehe Link unten).

Intensity – die Bogenschützin, die entspannt daneben trifft

Eine Bogenschützin vor dem entscheidenden Pfeil. Sie hat gelernt: Nervosität ist schlecht, Entspannung ist gut. Also atmet sie tief. Senkt den Puls. Ist ruhig. Und trifft daneben.

Was niemand ihr gesagt hat: Für sie funktioniert das Bild vom ruhigen See nicht. Sie braucht ein gewisses Mass an Anspannung, damit ihr Körper scharf gestellt ist. Ohne diese Schärfe verliert sie die Präzision. Das beschreibt das IZOF-Modell – die individuelle Zone optimaler Aktivierung. Diese Zone ist nicht für alle gleich. Und sie ist nicht durch Willensanstrengung herstellbar, sondern durch Selbstkenntnis. (mehr dazu: siehe Link unten)

Die Konsequenz für die Trainerin: nicht fragen «Wie entspannst du dich vor dem Wettkampf?», sondern «Wann hast du zuletzt dein bestes Ergebnis gezeigt und wie hat sich das in deinem Körper angefühlt, kurz davor?» Der Unterschied ist gewaltig. Im ersten Fall suchen wir eine universelle Lösung. Im zweiten suchen wir das Muster dieser einen Person.

Intent – wer ans Gewinnen denkt, verliert öfter

«Ich will unbedingt das Tor treffen.» Das klingt nach Fokus. Es ist oft das Gegenteil. Denn wer auf das Ergebnis zielt, zielt auf etwas, das ausserhalb seiner direkten Kontrolle liegt. Der Ball muss rein, der Gegner darf ihn nicht halten, der Fuss muss die Kraft genau richtig dosieren, das System «Athlet» verkrampft sich bei dem Versuch, all das gleichzeitig zu steuern.

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein junger Eishockeyspieler zeigt im Training eine technisch saubere Rückhand. Im Spiel überzieht er den Schuss regelmässig. Der Grund: Sein Intent ist ergebnisorientiert. Er denkt ans Tor, nicht an die Bewegung. Als er beginnt, mit dem Fokus «Ich führe den Schuss bis zum Abschluss» – also einer Prozess-Intention – zu arbeiten, verändert sich etwas. Nicht weil er plötzlich entspannter ist, sondern weil er das System selbst machen lässt, was es das bereits kann (mehr dazu: siehe Link unten).

Noch einen Schritt weiter geht die Präsenz-Intention: «Ich bin voll da.» Kein Ziel, kein Plan, nur vollständige Aufmerksamkeit im Moment. Das klingt esoterisch, ist aber neurobiologisch gut beschreibbar und es ist das, was Athleten im Nachhinein als Flow beschreiben. Man kann Flow nicht erzwingen. Aber man kann Bedingungen gestalten, unter denen er sich einstellt. Wobei ich hier anmerken möchte, dass der Begriff «Flow» als Begriff mehr verspricht, als die Forschung aktuell belegen kann. 

Soziale Systeme – ein Mensch unter Druck ist ein solches System – organisieren sich selbst. Sie entwickeln eine innere Logik mit einer Eigenaktivität, die aus gutem Grund entstanden ist. Wenn ein Athlet immer wieder in denselben mentalen Mustern landet, dann ist das keine Fehlfunktion. Es ist eine Stabilisierung. Und Stabilität ist erklärungswürdig. Die Frage ist nicht «Wie bringe ich ihn dazu, das anders zu machen?», sondern «Wozu braucht er genau das und unter welchen Bedingungen braucht er es nicht mehr?»

Fazit

Wer noch mitdenkt, dem fällt jetzt auf: Attention, Intensity und Intent sind keine drei getrennten Baustellen. Sie bedingen sich. Ein Athlet mit falscher Intention verkrampft – und damit verändert sich seine Aktivierung. Eine zu hohe Aktivierung verengt die Aufmerksamkeit. Eine verengte Aufmerksamkeit macht Prozess-Intentionen unmöglich. Das System dreht sich in die eine oder in die andere Richtung. Funktional oder dysfunktional scheinen mir wesentlich relevantere Orientierungspunkte als die Einordnung von richtig oder falsch. Deshalb braucht es das Verständnis des Musters hinter dem Muster.

Was wäre, wenn du beim nächsten auffälligen Verhalten eines Athleten – statt zur Schublade zu greifen – zuerst fragst: Was stabilisiert dieses System hier gerade? Und was bräuchte es, damit es das nicht mehr nötig hat?

Links zu erwähnten Texten:

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Frage und Antwort: Geht es, als Sportpsychologe gleichzeitig für zwei Gegner zu arbeiten?

Ein Sportpsychologe, der zwei Teams aus einer Liga betreut. Eine Sportpsychologin, die mit mehreren Athletinnen arbeitet, die eigentlich Konkurrentinnen sind? Solche Konstellationen gab es schon in der ersten Fußball-Bundesliga. Aber auch in anderen Sportarten oder im Amateursport gibt es immer mal wieder Anfragen, die sich zumindest aus berufsethischen Überlegungen im Weg stehen. Uns hat die Zuschrift unseres Lesers Hans-Jürgen erreicht, der sich fragt: “Warum kann es in Ordnung sein, dass ein Sportpsychologe gleichzeitig zwei Teams betreut, die in der gleichen Liga aktiv sind? Oder ist das berufsethisch eigentlich untersagt? Was geht und was nicht?”   

Zum Thema: Doppelrolle in der sportpsychologischen Betreuung

Anke Precht, Die Sportpsychologen
Anke Precht, Die Sportpsychologen

Antwort von: Anke Precht (zur Profilseite)

Also, erst einmal ganz “offiziell” – nein, untersagt ist es nicht, dass ein Sportpsychologe gleichzeitig zwei Teams betreut, die in der gleichen Liga (gegeneinander) antreten. Natürlich lässt sich trefflich darüber streiten, ob es Sinn macht.

Grundsätzlich gibt es in der Sportpsychologie zwei verschiedene Herangehensweisen:

  1. Wir sorgen dafür, dass die Sportler mental stabil sind und lernen, wie sie mit Herausforderungen umgehen können. Mentale Gesundheit steht dabei im Vordergrund. Wenn der Sportpsychologe nach dieser Prämisse arbeitet, kann er zwei Teams aus der gleichen Liga betreuen. Ähnlich wie ein Physio, der das ebenfalls könnte.
  2. Wir sorgen dafür, dass die Mannschaft mental überlegen in die Spiele geht, wir tun miteinander alles, was nötig ist, um maximal gut zu spielen und vielleicht auch einen taktischen Vorteil über den Gegner zu gewinnen. Wenn der Sportpsychologe mit dieser Prämisse arbeitet, sollte er keine Teams betreuen, die in Konkurrenz miteinander stehen. Ich selbst arbeite so im Fußball und auch im Mountainbike-Sport. Keine zwei Teams oder Sportler, die in direkter Konkurrenz zueinander stehen. Dann kann man auch gemeinsam Gegner analysieren und Strategien entwickeln, wie sie zu schlagen sind. Dafür darf es natürlich keinen Interessenkonflikt geben.

Das ist also mit dem Sportpsychologen zu klären und sollte eigentlich Teil des Auftragsklärung sein. Wie gesagt: Beide Perspektiven sind möglich und ok. Man sollte sich lediglich einig sein. Möglich ist es für Teams im Sport, solche Dinge auch vertraglich mit dem Sportpsychologen zu klären.

Literaturtipp: asp, Berufsethische Leitlinien, Überzeugungen und Verhaltensweisen in der Angewandten Sportpsychologie (Link)

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Nathalie Klingebiel: Zwischen Hype und Herausforderung – was Padel mit mentaler Stärke zu tun hat

Mats Hummels, Christoph Kramer, Zinedine Zidane, Rafael Nadal und Serena Williams, Drake und Shakira – was haben diese Namen gemeinsam? Auf den ersten Blick sind es alles berühmte Persönlichkeiten, aber sie alle verbindet auch ihre Leidenschaft für Padel. 

Zum Thema: Padel und mentale Stärke

Was auf den ersten Blick wie ein Lifestyle-Trend wirkt, ist längst ein ernstzunehmendes Phänomen im Leistungs- und Profisport geworden. Besonders im Profifußball scheint Padel mehr zu sein als nur ein Zeitvertreib. Hier wird ein Match auf dem Padel-Court genutzt, um sich untereinander zu battlen oder auf andere Gedanken abseits vom Fußball zu kommen. 

Wer aktuell in Kabinen unterschiedlicher Mannschaften hineinhört, bekommt schnell ein Gefühl dafür:

  • Es geht um das nächste Match.
  • Um Revanche.
  • Um Ranglisten innerhalb der Mannschaft – und rund ums Team. 

Es wird analysiert und diskutiert. Der sportliche Ehrgeiz endet nicht mit dem Abpfiff am Wochenende.

Padel als Zusatztraining

In manchen Teams ist Padel längst kein reines Freizeitvergnügen mehr. Es wird teilweise – dosiert und bewusst – als zusätzliche Einheit in den wöchentlichen Trainingsplan integriert. Nicht als Ersatz für Fußballtraining, sondern als ergänzende koordinative und kognitive Belastung sowie als soziale Maßnahme im Sinne des Teambuildings. 

Warum aber übt gerade Padel eine solche Faszination auf Fußballer aus?

Padel ist:

  • schnell
  • taktisch
  • kommunikativ
  • fehleranfällig
  • emotional

Der Ball kommt zurück. Immer. Es ist ein Spiel ohne Pausen. Jeder Fehler ist unmittelbar spürbar.

Spieler erleben auf engem Raum das, was sie aus dem Profifußball kennen: Druck, Dynamik, Entscheidungsschnelligkeit, Reaktionsfähigkeit  – nur ohne die Atmosphäre voller Ränge im Stadion. Ohne 10 weitere Mitspieler, die einen eigenen Fehler im Zweifel noch ausbügeln können. Dafür aber mit vollem Ehrgeiz.

Padel und Sportpsychologie

Auch wenn Padel als Sportart noch vergleichsweise jung ist, lassen sich zentrale Wirkmechanismen gut sportpsychologisch einordnen.

1. Entscheidungsverhalten unter Zeitdruck
Rückschlagsportarten erfordern eine extrem schnelle Wahrnehmungs-Handlungs-Verknüpfung. Studien zeigen, dass erfahrene Spieler relevante visuelle Hinweise früher erkennen und effizienter verarbeiten. Diese Fähigkeit – frühes Lesen von Bewegungsmustern – ist auch im Fußball leistungsrelevant.

2. Geteilte Aufmerksamkeit & Kommunikation
Padel wird im Doppel gespielt. Forschung zur Teamkoordination zeigt, dass erfolgreiche Duos durch implizite Abstimmung, kurze verbale Signale und geteilte mentale Modelle gekennzeichnet sind. Genau diese Prozesse sind z.B. auch für eingespielte Defensivketten oder doppelte Sturmspitzen im Fußball entscheidend.

3. Intrinsische Motivation und Flow
Nach der Selbstbestimmungstheorie von Deci & Ryan fördern Kompetenzerleben, soziale Eingebundenheit und Autonomie die intrinsische Motivation. Padel erfüllt alle drei Faktoren: schnelle Erfolgserlebnisse, soziale Nähe im 2-gegen-2 und selbstorganisierte Matches.
Padel spielen begünstigt zudem Flow-Erleben – also einen Zustand vollständiger Aufgabenfokussierung. Für viele Profis bedeutet das: mentales Abschalten vom Leistungsdruck des Hauptsports.

4. Emotionale Regulation
Fehler sind unmittelbar sichtbar und wirken sich direkt auf den Punktestand aus. Studien zur Emotionsregulation im Sport zeigen, dass gerade in dynamischen Spielsituationen mit hoher Entscheidungsfrequenz mentale Reset-Strategien entscheidend sind, um die Leistung stabil zu halten. Padel bietet hierfür eine permanente Trainingsfläche auf kleinstem Raum.

Padel und Fußball

Besonders im Fußballkontext bietet Padel mehrere psychologische Reize:

Kontrollierbare Wettkampfsituation
Zwei gegen zwei. Kurze Matches. Überschaubare Dynamik. Das Belohnungssystem reagiert schnell auf Siege – und fordert bei Niederlagen unmittelbare Revanche.

Statusdynamik innerhalb der Mannschaft
Ein Ergänzungsspieler kann auf dem Court dominieren. Ein Co-Trainer wird plötzlich zur Nummer eins. Hierarchien werden spielerisch verschoben – ein hochinteressanter gruppendynamischer Prozess.

Mentales Training ohne Trainingscharakter
Reaktionsfähigkeit, Antizipation, Kommunikation, Emotionskontrolle – all das wird gefordert, ohne dass es sich nach „Arbeit“ anfühlt.

Padel ist ein Spiegel. Vielleicht ist genau das der Grund für den Hype.

  • Wie gehe ich mit Fehlern um?
  • Wie kommuniziere ich mit meinem Matchpartner?
  • Übernehme ich Verantwortung oder suche ich Ausreden?
  • Bleibe ich ruhig, wenn der Ball von der Glaswand unberechenbar zurückspringt?

Mentale Stärke zeigt sich nicht nur auf dem Fußballplatz. Sie wird auch zwischen Glaswand und Gitterzaun gefordert. Und kann dort genauso gut trainiert werden. 

Besser werden

Du bist eigentlich in einer anderen Sportart zu Hause und nun dem Padel-Hype erlegen? Du willst mehr wissen, wie du mit mentaler Stärke auf dem Court (und vielleicht dann auch in deiner anderen Sportart) besser werden kannst? Dann nimm Kontakt zu meinen Kollegen und Kolleginnen im Netzwerk (zur Übersicht) oder zu mir (zum Profil von Nathalie Klingebiel) auf.

Mehr Interesse an Padel? www.padel-wissen.de

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Sebastian Ayernschmalz: “Attacke!” Wie 1991 der Trompeter auf Schalke Dynamo Dresden Beine machte

Wer einmal in einem großen Stadion gespielt hat, weiß, dass diese Atmosphäre nicht nur Fans bewegt. Auch Spieler bleiben davon nicht unberührt. Wenn zehntausende Menschen jede Bewegung verfolgen, entsteht eine besondere Spannung. Jeder Pass, jeder Zweikampf, jeder Fehler steht unter Beobachtung. Für viele Gegner wird diese Kulisse zum zusätzlichen Druck. Doch manchmal gelingt es Mannschaften, genau diese Energie für sich zu nutzen.

Zum Thema: Kognitives Reframing

Das Parkstadion in Gelsenkirchen war in der Saison 1991/92 ein besonderes Pflaster. Laut. Roh. Einschüchternd. Und mittendrin ein Ritual, das jeder Schalke Fan kannte. Eine Trompete spielte ein kurzes Solo. Danach brüllte die Kurve geschlossen: „Attacke!“

Für Auswärtsmannschaften war dieser Moment beeindruckend. Die Tribüne explodierte förmlich vor Energie. Die Stimmung wirkte wie ein zusätzlicher Spieler auf dem Platz.

Der meisterhafte Gedanke

Als Dynamo Dresden in dieser Saison in Gelsenkirchen antreten musste, bereitete Trainer Helmut Schulte seine Mannschaft auf genau diesen Moment vor.

Nicht taktisch. Psychologisch. In den Trainingseinheiten vor dem Spiel ließ er immer wieder die Trompete erklingen. Jedes Mal folgte derselbe Auftrag an seine Spieler: Sobald dieses Signal ertönt, geht ihr ins Pressing.

Immer wieder wurde die Szene wiederholt. Trompete. Attacke. Pressing. Was im Stadion als Einschüchterung gedacht war, bekam eine neue Bedeutung.

Reframing: Die Kunst, den Kontext umzuschreiben

Was Helmut Schulte damals intuitiv tat, nennt die Psychologie kognitives Reframing. Ein Reiz, der bisher Bedrohung bedeutete, wird mit einer neuen Bedeutung versehen. Damit löst er eine völlig andere Reaktion aus. Die Trompete hörte auf, ein Warnsignal oder Bedrohung zu sein. Sie wurde zum Startschuss.

Das ist ein erstaunlich simples, aber mächtiges Prinzip. Nicht die Trompete hatte sich verändert. Nicht das Stadion. Nicht die Fans. Nur die innere Bedeutung, die die Dresdner Spieler dem Klang gaben und damit ihre gesamte körperliche und mentale Reaktion daraus.

Was wir daraus fürs Leben mitnehmen

Diese Geschichte ist weit mehr als eine Fußballanekdote. Sie ist ein Lehrstück über Wahrnehmung und Handlungsfähigkeit, zur Frage, ob wir von unserer Umgebung gesteuert werden oder ob wir lernen können, sie für uns zu nutzen. Das Prinzip des Reframings macht aus einem negativ wahrgenommen Signal, ein Startzeichen. 

Wie oft erleben wir im Alltag unsere eigenen „Trompetensoli“? Den Ton eines bestimmten Menschen, der uns sofort in Abwehrhaltung bringt. Die Atmosphäre in einem Meeting, die alle zum Schweigen zwingt. Den Druck einer Situation, der Kreativität und Klarheit schluckt. In all diesen Momenten steckt eine ungenutzte Möglichkeit: Was wäre, wenn wir uns diesen Signalen nicht entziehen, sondern sie für uns umprogrammieren würden?

Schultes Geniestreich war nicht die Taktik. Es war die Botschaft dahinter: Ihr seid nicht Opfer dieser Atmosphäre. Ihr seid ihre Nutznießer. Das gab den Spielern Kontrolle zurück – und Kontrolle ist einer der stärksten psychologischen Motivatoren, die wir kennen.

Atmosphäre ist Information

Atmosphären, ob im Stadion, im Konferenzraum oder in der Familie, sind selten neutral. Sie transportieren Hierarchien, Erwartungen, Geschichte. Die meisten Menschen absorbieren diese Atmosphäre unbewusst und passen sich an. Die wenigsten fragen: Was sagt mir dieser Raum – und was will ich ihm antworten?

Genau das ist die Kompetenz, die wir trainieren können: nicht Gleichgültigkeit gegenüber der Umgebung, sondern bewusste Responsivität. Spüren, was da ist. Entscheiden, wie wir es deuten. Und dann, wie die Dresdner im Parkstadion, in dem Moment aufdrehen, in dem alle anderen erstarren.

Die Trompete spielte. Und Dynamo Dresden spielte mit. Am 2. November 1991 holte Dynamo Dresden beim FC Schalke 04 ein 1:1-Unentschieden. Sieben der acht anderen Auswärtsspiele hatten sie bis dahin verloren. 

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Hinweis: Im zweiten Buch von Mathias Liebing, Redaktionsleiter von Die Sportpsychologie, geht es um den Fußball im Osten seit der Wende. Das Thema Sportpsychologie spielt nur am Rande eine Rolle, aber wie immer geht es nicht ohne. Dazu geht es um Dynamo Dresden und viele andere Klubs die es nach der Wende schwer hatten, sich nun aber zum Teil ganz neu erfunden haben. Das Buch “Plattgemacht. Wie der Westen den ostdeutschen Fußball zerstörte” gibt es ab sofort im Handel: 

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Mehr zum Thema:

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Danijela Bradfisch: Human Factor im Motorsport – Sportpsychologie auf der Rennstrecke und auf der Straße

Wie immer im Frühjahr: Mit den ersten warmen Tagen zog es viele Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer wieder auf die Straßen. Gleichzeitig startete auch die neue Saison der MotoGP in Thailand – für Profis wie Fans ein besonderes Ereignis. Doch egal ob im Freizeitbereich oder im professionellen Motorsport: Wo Geschwindigkeit, Technik und Adrenalin zusammentreffen, gehören leider auch Stürze immer wieder dazu. Das ist eine Realität, der man sich im Motorsport bewusst sein muss. Ich selbst fahre leidenschaftlich gerne Motorrad. Ich liebe das Gefühl des „Fliegens“, den Wind, den Klang des Motors und die besondere Freiheit auf zwei Rädern. Gleichzeitig ist mir jedoch auch bewusst, dass im Motorsport – egal ob auf der Rennstrecke oder auf der Straße – immer ein entscheidender Faktor mitfährt: der Human Factor.

Zum Thema: Mentale Anforderungen im Motorsport

Genau deshalb möchte ich in diesem Beitrag einen etwas genaueren Blick darauf werfen und zeigen, wie wichtig die menschlichen und psychologischen Aspekte im Motorsport sind, um Leistung, Sicherheit und Entscheidungsfähigkeit ganzheitlich zu betrachten.

Der sogenannte Human Factor beschreibt im Motorsport alle menschlichen Einflüsse, die Leistung, Sicherheit und Entscheidungsprozesse im Rennsport beeinflussen. Obwohl Motorsport stark durch Technik geprägt ist, bleibt der Mensch ein zentraler Bestandteil des Systems. Fahrer, Ingenieure und das gesamte Team müssen unter hohem Zeitdruck zusammenarbeiten, komplexe Informationen verarbeiten und in entscheidenden Momenten die richtigen Entscheidungen treffen.

Mentale Leistungsfähigkeit

Besonders für den Fahrer spielt neben der körperlichen Fitness vor allem die mentale Leistungsfähigkeit eine entscheidende Rolle. Rennen finden häufig unter extremen Bedingungen statt: hohe Geschwindigkeiten, starke physische Belastung, hohe Temperaturen im Cockpit und permanenter Leistungsdruck. In solchen Situationen ist es wichtig, einen klaren Kopf zu behalten, fokussiert zu bleiben und Fehler möglichst zu vermeiden.

Nicht nur Rennwagenfahrer, sondern auch Motorradfahrer und Kartfahrer stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Sie müssen permanent das Feedback ihres Fahrzeugs wahrnehmen – etwa Veränderungen in Grip, Balance oder Bremsverhalten – während sie gleichzeitig Informationen über Funk oder aus ihrer Umgebung verarbeiten. All diese Informationen müssen innerhalb von Millisekunden bewertet werden, um anschließend sofort darauf zu reagieren.

Diese Fähigkeit zur schnellen Informationsverarbeitung und Entscheidungsfindung gehört zu den zentralen mentalen Anforderungen im Motorsport. Mentale Trainingsmethoden helfen Fahrern dabei, Stress zu regulieren, ihre Konzentration zu verbessern und sich optimal auf Wettkämpfe vorzubereiten.

Atemtechniken zur Stressregulation

Eine wichtige Methode in der Wettkampfvorbereitung sind bewusste Atemtechniken. Durch kontrollierte Atmung kann das Nervensystem beeinflusst und das Stressniveau reduziert werden. Besonders vor dem Rennstart oder in intensiven Rennsituationen kann eine ruhige, gleichmäßige Atmung dabei helfen, den Puls zu stabilisieren und die Aufmerksamkeit zu bündeln.

Ein häufig genutztes Atemmuster ist beispielsweise vier Sekunden einatmen und sechs Sekunden ausatmen. Diese Technik aktiviert das parasympathische Nervensystem und unterstützt einen ruhigen, konzentrierten mentalen Zustand. Für Rennfahrer kann dies entscheidend sein, um auch in stressreichen Situationen klare Entscheidungen treffen zu können.

Visualisierung als mentales Training

Neben Atemtechniken spielt auch die Visualisierung eine wichtige Rolle in der sportpsychologischen Vorbereitung. Dabei stellt sich der Fahrer bestimmte Rennsituationen mental möglichst realistisch vor. Dazu gehören beispielsweise der Streckenverlauf, Bremspunkte, Überholmanöver oder der Rennstart.

Durch diese mentale Simulation können Bewegungsabläufe und Entscheidungsprozesse bereits im Vorfeld trainiert werden. Studien zeigen, dass beim Visualisieren ähnliche Gehirnareale aktiviert werden wie bei der tatsächlichen Durchführung einer Handlung. Dadurch kann der Fahrer Abläufe verinnerlichen und im Rennen schneller und sicherer darauf zurückgreifen.

Selbstbewusstsein und Embodiment im Motorsport

Ein weiterer wichtiger Aspekt der sportpsychologischen Vorbereitung ist das Selbstbewusstsein des Fahrers. Selbstvertrauen beeinflusst maßgeblich, wie entschlossen ein Fahrer Entscheidungen trifft, wie er mit Fehlern umgeht und wie stabil seine Leistung unter Druck bleibt.

Das Konzept des Embodiment beschreibt die Wechselwirkung zwischen Körper und Psyche. Körperhaltung, Atmung und Bewegung können Einfluss auf Emotionen, Wahrnehmung und mentale Stärke nehmen. Eine aufrechte und stabile Körperhaltung kann beispielsweise Gefühle von Sicherheit, Kontrolle und Selbstvertrauen fördern.

Embodiment Pre-Grid Routine (ca. 2–3 Minuten)

Diese kurze Routine kann ein Fahrer unmittelbar vor dem Start – beispielsweise auf der Startaufstellung – durchführen:

1. Haltung stabilisieren 
Aufrecht stehen oder sitzen, Schultern leicht nach hinten ziehen, Brust öffnen und den Kopf aufrecht halten.

2. Atmung regulieren 
Vier Sekunden ruhig durch die Nase einatmen, sechs Sekunden langsam ausatmen. Dies etwa fünf bis sechs Atemzyklen wiederholen.

3. Fokus setzen 
Den Blick bewusst nach vorne richten und den Körper bewusst wahrnehmen. Kurz spüren, wie stabil und ruhig der Körper ist.

4. Erfolgreiche Situation visualisieren 
Eine gelungene Rennszene vorstellen, zum Beispiel eine saubere erste Kurve, eine schnelle Runde oder ein erfolgreiches Überholmanöver.

5. Mentales Schlüsselwort 
Ein persönliches Stichwort denken, z.B. „Fokus“, „ruhig“ oder „kontrolliert“, um den mentalen Zustand zu verankern.

Diese kurze Routine kann helfen, Nervosität zu reduzieren, Selbstvertrauen aufzubauen und den mentalen Fokus direkt vor dem Rennen zu stärken.

Fazit

Der Human Factor zeigt deutlich, dass Erfolg im Motorsport nicht nur von Technik und Geschwindigkeit abhängt. Die mentale Stärke des Fahrers, seine Fähigkeit zur schnellen Informationsverarbeitung sowie die Zusammenarbeit im Team spielen eine ebenso wichtige Rolle.

Hinzu kommt: Gerade Motorradfahrer und Kartfahrer müssen Fahrzeugfeedback, Streckenbedingungen und Kommunikationsinformationen gleichzeitig verarbeiten und innerhalb kürzester Zeit reagieren. Sportpsychologische Methoden wie Atemtechniken, Visualisierung und Embodiment können dabei helfen, Stress zu regulieren, Selbstvertrauen zu stärken und die Entscheidungsfähigkeit unter Druck zu verbessern. Damit wird deutlich, dass moderne Rennperformance aus einer Kombination von Technologie, körperlicher Fitness und mentaler Vorbereitung entsteht.

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Mehr zum Thema:

Quellen

Weinberg, R. S., & Gould, D. (2019). Foundations of Sport and Exercise Psychology. Human Kinetics.

Schack, T., & Memmert, D. (2017). Sportpsychologie – Grundlagen und Anwendung. Springer.

Birrer, D., & Morgan, G. (2010). Psychological skills training as a way to enhance an athlete’s performance in high-intensity sports. Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports.

Storch, M., Cantieni, B., Hüther, G., & Tschacher, W. (2017). Embodiment – Die Wechselwirkung von Körper und Psyche verstehen und nutzen. Hogrefe.

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Norbert Lewinski: Neue mentale Wege im Strongman

Eines meiner zentralen Ziele als Sportpsychologe ist es, die Sportpsychologie genau dorthin zu bringen, wo sie bisher kaum Anwendung gefunden hat – in Sportarten, die traditionell stark physisch geprägt sind, aber deren mentale Dimension oft vernachlässigt wird. Als jemand, der selbst aus dem Bereich der extremen Kraftsportarten kommt, war meine Faszination für den Strongman-Sport schon in jungen Jahren außergewöhnlich groß. Die Kombination aus roher Kraft, technischer Präzision und mentaler Härte faszinierte mich von Anfang an und prägte meinen Ansatz, Sportpsychologie gezielt in diesen Bereich zu bringen.

Zum Thema: Das Experiment Mental Champion

Die nordischen Länder, insbesondere Finnland und Norwegen, verfügen über eine lange und stolze Strongman-Tradition. Namen wie Jouko Ahola und Janne Virtanen aus Finnland oder Svend Karlsen aus Norwegen sind Legenden, die nicht nur nationale, sondern auch internationale Wettbewerbe dominierten. Ahola, mehrfacher Gewinner des World’s Strongest Man, ist bekannt für seine Kombination aus Kraft und taktischem Geschick, während Virtanen vor allem für seine unglaubliche Ausdauer berühmt ist. Karlsen, Norweger und ebenfalls World’s Strongest Man-Champion, gilt als Inbegriff skandinavischer Robustheit und Disziplin. 

Gleichzeitig haben auch Länder Mitteleuropas sowie das Baltikum eine beeindruckende Geschichte in dieser Disziplin. Litauen hat mit Žydrūnas Savickas einen Athleten hervorgebracht, der als einer der stärksten Menschen der Welt gilt – mehrfacher Sieger des World’s Strongest Man und Rekordhalter in zahlreichen Kraftdisziplinen. Polen hat mit Mariusz Pudzianowski der Szene einen weiteren internationalen Superstar geschenkt, der durch seine fünf Titel als World’s Strongest Man weltweit berühmt wurde. Weitere bemerkenswerte Namen sind Hafþór Júlíus Björnsson aus Island, der nicht nur im Strongman-Sport, sondern auch in der Popkultur durch seine Rolle als „The Mountain“ in Game of Thrones bekannt wurde, sowie Eddie Hall aus Großbritannien, der als erster Mensch der Welt 500 kg im Kreuzheben bewältigte. Auch Athleten wie Brian Shaw (USA) oder Tom Stoltman (Schottland) prägen heute die internationale Szene und zeigen die globale Vielfalt und Professionalität dieser Sportart.

Mentale Höchstleistungen

Diese beeindruckende Bandbreite an Athleten und Traditionen unterstreicht, wie stark der Strongman-Sport nicht nur körperliche, sondern auch mentale Höchstleistungen fordert. Es ist genau diese Schnittstelle zwischen physischer Power und psychologischer Stärke, die mein Interesse weckte und die Grundlage für die Entwicklung neuer mentaler Trainingswege bildet.

Durch mein jahrelanges Engagement im Kraftsport habe ich mir ein breites Netzwerk aufgebaut, das von Athleten über Trainer bis hin zu ehemaligen Champions reicht. Dieses Netzwerk ermöglichte mir, tiefer in die Welt des Strongman-Sports einzutauchen und seine untrennbare Verbindung zwischen physischer Stärke und mentaler Widerstandskraft zu erfassen. Dabei konnte ich nicht nur die physischen Leistungen der Athleten beobachten, sondern auch hautnah miterleben, wie mentale Strategien, Konzentration und Durchhaltevermögen über Sieg oder Niederlage entscheiden. Viele der Kontakte in meinem Netzwerk stammen aus internationalen Wettkämpfen und langjährigen Meisterschaftszyklen – ein Erfahrungsschatz, der es mir erlaubt, mentale Aspekte im Kraftsport praxisnah und fundiert zu analysieren.

Foto: Norbert Lewinski

Die Idee des „Mental Champions“

Zu Beginn der 2000er Jahre erlebte der Strongman-Sport in Polen einen beispiellosen Boom. In kaum einem anderen Land weltweit war das öffentliche Interesse an dieser Sportart so groß, und in dieser Phase entwickelte sich in Polen eine besonders lebendige und aktive Szene. Medienberichterstattung, Faninteresse und die wachsende Zahl junger Athleten trugen dazu bei, dass der Sport für kurze Zeit aus der Nische herausgetreten ist. Mit der Zeit flachte das öffentliche Interesse zwar leicht ab, doch innerhalb der polnischen Strongman-Szene blieb die Leidenschaft ungebrochen. Mittlerweile gibt es zahlreiche Initiativen, die den Glanz des Sports wiederherzustellen versuchen – vor allem, um junge Menschen zu inspirieren und für die Faszination von Stärke und Ausdauer zu begeistern. Viele dieser Initiativen werden von ehemaligen Champions organisiert, die ihr Wissen, ihre Erfahrung und ihre Trainingsmethoden an die neue Generation weitergeben und damit einen wichtigen Beitrag zum Fortbestand und zur Professionalisierung der Disziplin leisten.

Vor diesem Hintergrund entstand bei mir die Idee eines ungewöhnlichen Projekts: Neben dem regulären Zyklus der Wettkämpfe – bestehend aus zehn anspruchsvollen Veranstaltungen – sollte ein spezieller Wettbewerb eingeführt werden: der „Mental Champion“. Ziel war es, den mental stärksten Strongman zu ermitteln und die mentale Komponente dieser extremen Sportart erstmals systematisch zu würdigen. Dieses innovative Projekt stieß sofort auf großes Interesse bei den Organisatoren, die als erfahrene Veteranen und ehemalige Meister die entscheidende Rolle mentaler Stärke im Strongman-Sport sehr gut kennen. Sie sahen darin nicht nur eine spannende Neuerung für die Szene, sondern auch eine Möglichkeit, den Athleten eine neue Dimension ihrer eigenen Leistungsfähigkeit bewusst zu machen.

Foto: Norbert Lewinski

Stressbewältigung, emotionale Kontrolle, Konzentration, Durchhaltevermögen und Resilienz 

Der Wettbewerb war bewusst experimentell konzipiert: Anders als bei klassischen Disziplinen, in denen Kraft und Technik messbar sind, ging es hier darum, mentale Fähigkeiten wie Stressbewältigung, emotionale Kontrolle, Konzentration, Durchhaltevermögen und Resilienz sichtbar zu machen und zu bewerten. Gleichzeitig bot das Projekt die Chance, junge Athleten für mentale Trainingsmethoden zu sensibilisieren, diese Kompetenzen in ihren Trainingsalltag zu integrieren und so die Sportpsychologie in einem Bereich zu etablieren, in dem sie bisher kaum Anwendung gefunden hatte. Auf diese Weise entstand ein völlig neuer Ansatz, der nicht nur die Leistungen der Athleten auf die nächste Stufe heben konnte, sondern auch das Bewusstsein für die Bedeutung mentaler Stärke in extremen Kraftsportarten schärfte.

Ich besuchte sämtliche Wettbewerbe des Zyklus, beobachtete die Athleten in den unterschiedlichsten Konkurrenzen und bewertete sie nach sorgfältig entwickelten mentalen Kriterien. Mentale Stärke lässt sich natürlich nicht so leicht messen wie eine zurückgelegte Distanz, ein geworfenes Gewicht oder ein gehobenes Maximalgewicht. Dennoch definierte ich einige zentrale Kategorien, die eine objektive Beurteilung ermöglichten und gleichzeitig die Vielschichtigkeit mentaler Fähigkeiten widerspiegeln:

  • Stressbewältigung und Umgang mit Druck – wie gut ein Athlet unter extremem Wettbewerbssituationsdruck performt und ob er trotz Erwartungsdruck ruhig bleibt.
  • Emotionale Regulation und Gelassenheit – die Fähigkeit, emotionale Impulse zu kontrollieren und fokussiert zu bleiben, selbst nach einem misslungenen Versuch.
  • Konzentration und Präsenz im Moment – die Fähigkeit, sich voll auf die aktuelle Aufgabe zu konzentrieren, ohne von äußeren Faktoren abgelenkt zu werden.
  • Durchhaltevermögen trotz Schmerz und Erschöpfung – wie stark ein Athlet auch unter körperlicher Belastung, Müdigkeit und Schmerz weitermacht.
  • Mentales Reset nach Fehlern – wie schnell ein Athlet sich von Fehlern oder Misserfolgen erholt und wieder in die Leistung zurückfindet.
  • Rückkehr nach Verletzungen oder schwächeren Leistungen – die Resilienz, nach Rückschlägen oder einer Verletzung wieder auf höchstem Niveau zu performen.
Foto: Norbert Lewinski

Preis: Trainingsprogramm in Dubai

Auf Basis dieser Kategorien entwickelte ich eine Matrix, die es mir ermöglichte, den mental stärksten Athleten systematisch zu identifizieren. Der Gewinner erhielt nicht nur den Pokal des „Mental Champion“, sondern auch eine besondere Belohnung in Form eines intensiven Trainingsprogramms in Dubai, das sowohl physische als auch mentale Aspekte seines Trainings weiter stärkte. 

Die Leitidee des Projekts war, Sportpsychologie dort zu fördern, wo sie bisher kaum Anwendung findet – in einem Bereich, der traditionell stark auf physische Leistungen fokussiert ist. Während des gesamten Zyklus führte ich zahlreiche Gespräche und Interviews mit Athleten. Alle bestätigten die immense Bedeutung mentaler Stärke im Strongman-Sport. Viele zeigten großes Interesse an professionellem mentalen Training, einige baten darauf aufbauend um individuelle Begleitung und Strategien zur Leistungssteigerung. Die Resonanz zeigte deutlich, dass Athleten nicht nur ihre physischen Grenzen kennen, sondern zunehmend auch die mentale Dimension ihrer Leistungsfähigkeit erkennen und schätzen.

Foto: Norbert Lewinski

Fortführung des Projekts

Aufgrund des Erfolges wird der Wettbewerb im nächsten Zyklus fortgeführt, und der zweite „Mental Champion“ wird ermittelt. Dieses kontinuierliche Projekt ist ein lebendiger Beweis dafür, dass mit Kreativität und Innovationsgeist neue Wege für Sportpsychologie erschlossen werden können – selbst in Sportarten, die traditionell als rein physisch gelten. Der Strongman-Sport zeigt eindrucksvoll, dass physische und mentale Stärke untrennbar zusammengehören. Projekte wie der „Mental Champion“ machen mentale Aspekte sichtbar, würdigen sie als eigenständige Leistungskomponente und inspirieren die nächste Generation von Athleten. Sie verdeutlichen, dass Erfolg nicht allein von Muskelkraft abhängt, sondern von der Fähigkeit, den Geist zu trainieren, Herausforderungen zu meistern und unter extremem Druck fokussiert zu bleiben.

Mit dem „Mental Champion“-Projekt wird ein neuer, innovativer Weg eingeschlagen: Neue mentale Wege im Strongman-Sport eröffnen nicht nur Perspektiven für die Weiterentwicklung der Athleten, sondern auch für die Sportpsychologie insgesamt – eine Einladung, Kreativität, Forschung und Praxis zu verbinden, um die nächste Generation starker Köpfe und starker Körper zu fördern.

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In vier Schritten zur sportpsychologischen Beratung

Sportpsychologische Unterstützung kann in vielen Situationen im Sport hilfreich sein – zum Beispiel bei Leistungsdruck, Wettkampfangst, Verletzungen, Motivationsproblemen, Teamkonflikten oder wichtigen Karriereentscheidungen. Auf unserer Plattform finden Sie qualifizierte Sportpsychologinnen und Sportpsychologen, die Sportler, Trainer, Teams und Vereine professionell begleiten.

Was bietet die Plattform Die Sportpsychologen?

Die Plattform vernetzt Sportler, Trainer, Vereine und Verbände mit erfahrenen Sportpsychologen aus verschiedenen Sportarten und Leistungsbereichen. Alle Experten und Expertinnen auf unserer Plattform verfügen über fundierte Ausbildungen und Praxiserfahrung im Sport.

Sie können sich auf der Plattform über die Arbeitsweisen, Schwerpunkte und Erfahrungen der einzelnen Sportpsychologen informieren und so den Experten finden, der am besten zu Ihrem Anliegen passt. Unsere Experten und Expertinnen sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu finden – auch in Ihrer Nähe.

So kommen Sie zur sportpsychologischen Beratung

Der Weg zur Beratung ist einfach:

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Für wen ist sportpsychologische Beratung sinnvoll?

Unsere Experten arbeiten unter anderem mit:

  • Nachwuchssportlern
  • Profi- und Leistungssportlern
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  • Vereinen und Verbänden
  • Eltern von Nachwuchssportlern
  • Schiedsrichtern und Funktionären

Unser Ziel

Wir möchten dazu beitragen, dass Sportler und Trainer schnell und unkompliziert qualifizierte sportpsychologische Unterstützung finden – passend zu ihrer Sportart, ihrem Leistungsniveau und ihrem persönlichen Anliegen.

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Prof. Dr. René Paasch: Wenn der Zufall plötzlich Sinn ergibt – Synchronizität im Sport und Leben

Vielleicht kennst du diesen Moment: Du denkst an jemanden und genau dann ruft er an. Oder du stößt zufällig auf einen alten Artikel, der genau das Thema aufgreift, mit dem du gerade innerlich ringst. Für viele ist das „nur Zufall“. Für den Tiefenpsychologen Carl Gustav Jung war es mehr: Er nannte es Synchronizität – bedeutungsvolle Koinzidenzen, die sich nicht durch Ursache und Wirkung erklären lassen, aber uns berühren, weil sie innerlich stimmig wirken. In der Welt des Sports erleben wir solche Momente häufiger, als wir vielleicht glauben. Und sie erinnern uns daran, dass Erfolg nicht nur von Technik, Trainingsplänen und Zahlen abhängt – sondern manchmal auch von etwas, das sich kaum greifen lässt, aber viel in Bewegung setzen kann.

Zum Thema: Was ist Synchronizität? Und was hat sie mit Sport zu tun?

Carl Gustav Jung beschrieb Synchronizität als das Auftreten zweier Ereignisse, die zwar nicht kausal miteinander verbunden sind, aber dennoch eine subjektive Bedeutung für die betroffene Person haben. Es ist, als würde das Leben „mit einem sprechen“. Im Sport äußert sich das manchmal auf faszinierende Weise:

  • Ein Spieler überlegt, seine Karriere zu beenden. Und genau dann trifft er zufällig einen ehemaligen Mitspieler, der ihm von seiner Rückkehr auf den Platz erzählt.
  • Ein Trainer zweifelt an einer Entscheidung und kurz darauf liest er ein Zitat, das ihn bestätigt.
  • Eine Sportlerin hadert mit ihrem Selbstwert und hört beim zufälligen Durchzappen ein Interview mit ihrer früheren Ikone, in dem es genau um dieses Thema geht.
  • Ein verletzter Athlet sieht in der Reha eine fremde Person mit dem gleichen Verband, die sich im Gespräch als jemand herausstellt, der genau denselben Weg gegangen ist und heute stärker denn je zurück ist.
  • Ein junger Nachwuchsspieler träumt in einer schlaflosen Nacht vom Nationaltrikot und bekommt am nächsten Morgen überraschend eine Einladung zu einem Sichtungscamp. 

Ist das Magie? Nein. Aber vielleicht ist es ein Moment, in dem das Unbewusste mit dem Außen in Resonanz tritt. Ein Impuls, der etwas anstößt, das innerlich längst vorbereitet war. Solche Erlebnisse lassen sich nicht messen, aber sie lassen sich spüren. Und genau darin liegt ihre Kraft: Sie verleihen inneren Prozessen eine symbolische Form im Außen. Nicht als Beweis für eine höhere Macht, sondern als Einladung zum Innehalten, Nachspüren und vielleicht auch: zum Vertrauen.

Warum Kausalität nicht alles erklärt

In der Trainingswissenschaft ist das Prinzip der Kausalität zentral: Reize → Anpassung. Input → Output. Periodisierung, Superkompensation, Regenerationszeit, all das basiert auf nachvollziehbaren Ursache-Wirkungsketten. Doch jeder, der im Coaching, Leistungssport oder in der mentalen Begleitung von Athlet:innen arbeitet, weiß: Der Mensch ist kein Uhrwerk. Ein Spieler kann physisch top vorbereitet sein und trotzdem scheitern. Oder plötzlich aufblühen, obwohl der Trainingsstand noch Luft nach oben lässt. Eine ganze Mannschaft kann über Wochen an Taktik und Technik feilen und trotzdem erst in einem einzigen Spiel „den Knoten platzen lassen“.

Warum?

Vielleicht, weil etwas innerlich „Klick“ gemacht hat, nicht aufgrund eines exakt geplanten Trainingsreizes, sondern durch ein unerwartetes Erlebnis, ein zufälliges Gespräch, eine emotionale Berührung oder eine symbolische Geste. Das ist keine Wissenschaft im klassischen Sinn. Aber es ist Leben, wie es sich oft anfühlt: komplex, überraschend und manchmal auf fast mystische Weise sinnvoll. In diesen Momenten kann Synchronizität eine Rolle spielen. Dann, wenn äußere Ereignisse mit inneren Entwicklungsprozessen in Resonanz treten. Nicht planbar, nicht messbar, aber spürbar. Das bedeutet nicht, dass Training, Disziplin und Strategie keine Rolle spielen. Aber es zeigt: Höchstleistung ist nicht nur das Ergebnis von Zahlen und Daten, sie ist auch ein Ausdruck von innerem Erleben, Resonanz und Bedeutung.

Die emotionale Bedeutung von „Zufällen“ im Sport

Jung selbst beschrieb ein Beispiel, das fast filmreif ist: Während einer Therapiesitzung erzählte eine Patientin von einem Traum mit einem Skarabäus. Genau in dem Moment klopfte ein seltenes Insekt, ein Rosenkäfer ans Fenster. Das Erlebnis löste einen Durchbruch bei ihr aus. Für Jung war das eine Synchronizität – das Innenleben der Frau fand eine Spiegelung im Außen. Im Sportcoaching sind solche Momente Gold wert. Wenn ein Athlet plötzlich sagt: „Das ergibt jetzt alles Sinn“, weil sich ein Erlebnis „fügt“, obwohl es objektiv betrachtet nichts verändert hat, dann beginnt oft eine tiefere Bewegung. Synchronizität ist dann wie ein Katalysator für innere Klarheit.

Wichtig ist: Synchronizität ersetzt nicht das rationale Denken. Jung warnte selbst davor, in jedem Ereignis eine „Botschaft“ zu sehen. Wenn ein Spieler glaubt, sein Match verloren zu haben, weil er den linken Schuh zuerst anzog, dann ist das Aberglaube, keine Synchronizität. Doch wer lernt, achtsam auf bedeutsame Zufälle zu achten, kann sie als Reflexionshilfe nutzen: „Warum ist mir das genau jetzt begegnet?“ Oft sind es Impulse, die unsere Aufmerksamkeit auf etwas richten, das ohnehin schon in uns reift.

Synchronizität als Trainingspartner der Intuition

Synchronizität wirkt wie ein Schwesterkonzept zur Intuition: Während die Intuition uns leise lenkt, schenkt uns Synchronizität manchmal ein lautes Echo von außen. Im Coaching, ob im Sport oder Business, lohnt es sich, diesen Momenten Raum zu geben. Vielleicht sind sie kein Beweis für eine höhere Macht. Aber sie sind Einladung genug, innezuhalten, hinzuhören und die eigenen Gedanken neu zu ordnen. Manchmal ist es genau dieser Moment, der einen neuen Weg öffnet – sei es im Karriereverlauf eines Spielers, in der Entwicklung eines Teams oder im Umgang mit einer persönlichen Krise. In der Begleitung von Menschen, gerade im leistungsorientierten Umfeld, zeigt sich immer wieder: Wer sich traut, diesen leisen Signalen zu folgen, entdeckt oft neue Ressourcen, neue Wege oder auch eine tieferliegende Wahrheit, die durch Worte allein nicht erreichbar gewesen wäre. Synchronizität ist kein Trainingsplan – aber manchmal ist sie der Anstoß, der Training erst sinnvoll macht.

Fazit

Synchronizität erinnert uns daran, dass nicht alles planbar ist und dass das auch gut so ist. Wer im Sport nur auf Daten und Kontrolle setzt, verliert leicht den Blick für das, was zwischen den Zeilen geschieht: die Dynamik des Zufalls, die Kraft des Unerwarteten, das stille Zusammenspiel von Innen- und Außenwelt. Vielleicht lohnt es sich, ab und zu weniger zu bewerten und mehr zu beobachten. Denn manchmal ist es nicht der große Plan, der wirkt, sondern ein kleiner Zufall, der zur richtigen Zeit das Herz berührt.

Und du? Hast du in deinem sportlichen (oder privaten) Leben schon einmal eine solche Synchronizität erlebt? Schreib es mir gern – ich freue mich auf deine Geschichte.

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Wolfgang Seidl: Wenn Hormone den Spielplan beeinflussen – was Sportlerinnen und Trainer:innen zum Zyklus wissen sollten

Der Menstruationszyklus beeinflusst nicht nur physiologische Parameter, sondern auch Selbstvertrauen, Risikobereitschaft, Ermüdung und Verletzungsanfälligkeit. Das Thema ist im weiblichen Breiten- und auch im Leistungssport allgegenwärtig. Aus einem Interview mit Dr. Lilian Kuster habe ich hier die wichtigsten Aussagen zusammengefasst.

Zum Thema: Wie der Zyklus Training und Verletzungsrisiken für Sportlerinnen im Leistungsbereich steuert.

In der ersten Zyklushälfte fühlen sich viele Frauen körperlich belastbar, mental klar und mutig. Intensive Reize werden besser toleriert, das Selbstvertrauen ist erhöht, die Bereitschaft, Grenzen zu verschieben, nimmt zu. Rund um die Ovulation bleibt die Leistungsbereitschaft häufig hoch, gleichzeitig kann die veränderte Gewebespannung die Verletzungsanfälligkeit erhöhen. 

In der zweiten Zyklushälfte berichten viele Athletinnen von schnellerer Ermüdung, geringerer Energie und einem sensibleren Selbstvertrauen. Training ist nicht „schlechter“, es fühlt sich jedoch oft fordernder an, körperlich wie mental. Für uns bei Die Sportpsychologen stellt sich damit eine professionelle Aufgabe: Wie integrieren wir dieses Wissen leistungsorientiert, ohne zu pauschalisieren oder zu problematisieren?

Empfehlungen für Trainer:innen

Erstens: Individualisieren statt schematisieren. Zyklusverläufe sind unterschiedlich. Es geht nicht um starre Phasenmodelle, sondern um einen offenen Rahmen, in dem Athletinnen ihr Belastungsempfinden reflektieren können.

Zweitens: Belastung differenziert steuern. In Phasen hoher Risikobereitschaft können mutige Spielprinzipien oder intensive Trainingsreize bewusst gesetzt werden. Rund um die Ovulation verdient die Qualität von Stabilität, Technik und Koordination besondere Aufmerksamkeit. In der zweiten Zyklusphase kann eine feinere Dosierung von Intensität und Regeneration Überlastung vorbeugen.

Drittens: Sprache bewusst wählen. Wenn Schwankungen ausschließlich hormonell erklärt werden, entsteht rasch eine Defizitperspektive. Zielführender ist die Botschaft: Unterschiedliche Phasen erfordern unterschiedliche Strategien, nicht weniger Anspruch.

Unsere Rolle als Sportpsycholog: innen und Mentalcoaches

Zunächst braucht es Aufklärung. Viele Athletinnen deuten zyklusbedingte Veränderungen als persönliches Versagen. Wer versteht, was hormonell im Körper passiert, bewertet Schwankungen sachlicher, und nicht als individuelles Defizit.

Darüber hinaus stärken wir Selbstregulation: In leistungsstarken Phasen können offensive Zielbilder, mutfördernde Selbstgespräche und Entwicklungsschwerpunkte gesetzt werden. In sensibleren Phasen gewinnen Emotionsregulation, Akzeptanzstrategien und prozessorientierte Ziele an Bedeutung. Entscheidend ist die Differenzierung zwischen Empfinden und Fähigkeit: „Es fühlt sich schwerer an“ ist nicht gleichbedeutend mit „Ich bin schlechter“.

Empfehlungen für Sportlerinnen

  • Kenne dein Muster, nicht nur deinen Trainingsplan. Beobachte über mehrere Zyklen hinweg Energie, Stimmung und Belastungsverträglichkeit. Ziel ist Verständnis, nicht Kontrolle.
  • Trenne Gefühl von Kompetenz. Ein schwankendes Körpergefühl bedeutet nicht automatisch Leistungsabfall.
  • Nutze starke Phasen bewusst für Entwicklungsschritte. Wenn dein Selbstvertrauen stabil ist, plane bewusst Situationen, in denen du dich forderst und weiterentwickelst.
  • Stabilisiere dich in fordernden Phasen durch Routinen, klare Selbstgespräche und realistische Prozessziele.
  • Und vor allem: Sprich professionell darüber. Zyklusorientierung ist kein Schonprogramm, sondern Leistungsmanagement.

Fazit

Der weibliche Zyklus ist kein Störfaktor im Spielplan. Er ist ein biologischer Rhythmus, der – richtig verstanden – zu präziserer Trainingssteuerung und größerer Selbstwirksamkeit führen kann. Genau darin liegt unsere Verantwortung als Sportpsycholog:innen und Mentalcoaches!

Interview zum Thema:

Auf der Plattform ligaportal.at findet ihr ein Interview mit Dr. Lilian Kuster:

https://www.ligaportal.at/bundesliga/frauen/bundesliga/20504-kolumne-wenn-hormone-den-spielplan-beeinflussen

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