Johanna Constantini: Tipps für das späte und angstfreie ReiterInnenglück

“Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr.” So altbacken das Sprichwort daher kommt, so viel Wahrheit steckt in und zwischen den Zeilen. Dies gilt nicht zuletzt für den Reitsport. Wobei es durchaus Wege gibt, auch im gesetzteren Alter das Glück auf dem Sattel zu finden. Johanna Constantini gibt im Interview einige Hinweise.

Zum Thema: Reitsport im Alter

Johanna Constantini, in einigen Outdoor-Sportarten gibt es eine Faustregel: Je älter die Sportler, desto gefährlicher. Gerade unter ambitionierten Bergsteigern schießt das Mortalitätsrisiko für ältere Kletterer ziemlich in die Höhe. Inwiefern wird denn der Reitsport im höheren Alter gefährlicher und was sollten Reitsportler aus sportpsychologischer Perspektive darüber wissen?

So wie SportlerInnen aller anderen Disziplinen unterliegen natürlich auch PferdesportlerInnen dem natürlichen Prozess des körperlichen wie geistigen Alterns. Gewisse Abbauprozesse sind dabei ganz normal und eben erwartbar. Natürlich können sich gewisse Herangehensweisen und auch Möglichkeiten, den Sport auszuüben, über die Lebensspanne ändern, allerdings ist es hier wie so oft wichtig, auch sportpsychologisch sehr individuell vorzugehen. 

Im Einzelfall können schlechte Erfahrungen oder Unfälle beispielsweise ängstlich machen. Die eigene Fitness wird wichtiger, weil der ganz natürliche, körperliche Abbau im Gange ist. Je nach Lebensentwurf ist das Pferd ein Sportpartner oder Ruhepol, ein Freizeitgestalter oder mittlerweile sogar zum Beruf geworden. Eine pauschale Richtung gibt es auch mit über 40 Lebensjahren nicht, zumal Pferdesport im Gegensatz zu anderen Sportarten bis ins hohe Alter ausgeübt werden kann. Das zeitliche und finanzielle Budget jedenfalls bestimmen das Hobby mehr denn je. Und es ist auch nach wie vor wichtig, dass das Pferd zu der körperlichen Konstitution und der reiterlichen Erfahrung passt. Ein langes Reiterleben lässt Erfahrungen und Wissen sammeln, dies kann sich mehr denn je zunutze machen.

In der Dressur ist ja sogar so, dass in der Altersgruppe 40+ einige Freizeitsportler so echten Karrieren durchstarten. Was bringen diese Sportler und Sportlerinnen mit, was der Reiterrinnennachwuchs noch nicht drauf hat?

Ich denke, es ist eine Mischung aus Erfahrung, das heißt auch Anzahl an Pferden, die man Zeit des Reiterlebens unter den Sattel bekommt sowie andere Lebensbereiche, die sich im Alter von 40+ von jenen im beispielsweise Jugendalter unterscheiden. Wo es mit der eigenen Zeit vielleicht mit dem Alter knapper wird, weil Kinder und/oder berufliche und private Verpflichtungen zunehmen, da kann die finanzielle Unabhängigkeit oder Möglichkeit Grund dafür sein, dass der Sport intensiver ausgeübt wird. 

Für welche Sportler und Sportlerinnen könnte das Reiten aus deiner Sicht eine gute “Alterssportart” sein? Und was entgegnest du jenen, die bislang keine Erfahrung auf den Rücken von Pferden gesammelt haben und nun aus Angst und Unsicherheit einen Bogen um den Reitstall machen? Warum sollten sie es zumindest ausprobieren?

Vor allem bei Ängsten ist es wichtig, ganz behutsam vorzugehen und nichts zu überstürzen. Zudem sollte man sich bei einem späten Start ins Reiterglück nach einem passenden Stall und damit auch passenden Pferden umsehen. Ansonsten können auch hier schnell Ängste und Unsicherheiten resultieren. Umso besser, wenn man im Bekanntenkreis PferdesportlerInnen kennt, die einen hier womöglich bei der Hand nehmen können. Schaut man zudem auf sich und ist sich der eigenen Grenzen gewahr, so steht auch dem Reiten im späteren Erwachsenenalter nichts im Wege.

Hinweis: Zum Thema erschien neulich ein interessanter Text auf pm-forum-digital (Link), in dessen Zusammenhang Johanna Constantini (zum Profil) ebenso zitiert wurde.

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Johanna Constantini
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