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Stefanie Gramlich: Trainingsrhythmus im Reitsport

Wie nutzt du deinen Trainingsrhythmus und den deines Pferdes effektiv, um euer gemeinsames Leistungspotential langfristig zu steigern? Aus meiner Erfahrung verbirgt sich hinter dieser Frage eine Menge Potential und im Detail warten eine Reihe von Fragen, die es lohnt, zu beantworten. 

Zum Thema: Zugänge zur Trainingsgestaltung im Reitsport

Stell dir bitte folgende Fragen: 

  • Zu welcher Tageszeit fühlst du, dass dein Körper leistungsbereit für das Training ist? 
  • Wie kompatibel ist dein Rhythmus mit dem deines Pferdes?

Wichtig, in diesem Zusammenhang – beobachte dein Pferd: Wann sind seine Schlafenszeiten (manchmal auch vormittags nach dem Füttern)? Wann sind die Koppelzeiten des Stalls (macht es mehr Sinn, das Training vor der Koppelzeit einzuplanen oder die Koppel nach dem Training als Belohnung und Freiraum für dein Pferd zu geben). Wann sind die Fütterungszeiten, wann die Zeit für Paddock, wann sind Ruhezeiten für alle Pferde im Stall und wie kannst du hieraus deinen Trainingsplan erstellen? Wann und wie oft erfolgt konstanter regelmäßiger und langfristiger Unterricht mit deinem Trainer? Wie viel Vorbereitungszeit brauche ich, um am Unterrichtstag mit meinem Trainer gut vorbereitet zu sein? Welches Wochenziel, welches Monatsziel wollt ihr zusammen mit deinem Pferd erreichen? Welche Tagesschwerpunkte, welchen Fokus setze ich ich mir, z.B Montag: Tagesschwerpunkt Trabarbeit, Durchlässigkeit, konstante Anlehnung, Dienstag: Fokus = Galopp-Trab- Übergänge, guter Durchsprung im Galopp,….)

Die Trainingsausgestaltung

Den optimalen Trainingsrhythmus zu finden, ist neben den gegebenen Grenzen (Schule, Beruf, Privatleben) vor allem also Handwerk und Planungsarbeit. Es gibt aber auch wichtige inhaltliche Aspekte der Trainingsausführung. 

Das Training sollte stets mit Präzision, Wille, Geduld, Ruhe und Einfühlungsvermögen zum Pferd in der täglichen Arbeit erfolgen. Ebenso gehören Flexibilität und Anpassungsvermögen des Reiters an die Tagesform des Pferdes (körperliche und psychische Verfassung des Pferdes) mit dazu.

Tipp: Baue bewusste Pausen zwischendurch im Training, zum Beispiel Schrittpausen mit einer Dauer von 5 bis 10 Minuten für dich und dein Pferd. Vor allem als Belohnung nach einer erfolgreich absolvierten Lektion deines Pferdes. Dies erhält Lernfreude und Motivation deines Pferdes.

Fokus Dressurreiten

„Die gymnastische Arbeit mit einem Pferd erfordert Erfahrung. Auch wenn der grundsätzliche Ausbildungsweg eines Dressurpferdes festliegt, so muss doch jedes Pferd individuell trainiert werden. Es gibt keinen problemlosen Idealweg der Dressurausbildung. Wer jedoch als Reiter selbst erlebt, wie fein das richtig ausgebildete Dressurpferd reagiert und mit welcher Mühelosigkeit es die schwersten Lektionen beherrscht, wird diesem Sport treu bleiben. So erklärt sich der lange Weg klassischer Reitkunst von den Meistern früherer Jahrhunderte bis zum Turniersport unserer Tage.“ (Boldt,H.,2011)

Der Trainingsaufbau in Abhängigkeit vom Grad der Wichtigkeit

Christian Pläge (1995) hat mit folgenden Punkten wichtige Hinweise gesetzt, die Einfluss auf den Trainingsaufbau haben sollten. Eine bestimmende Größe ist dabei der Grad der Wichtigkeit:

  • A) Herstellung der Grundvoraussetzungen: Losgelassenheit, Gehorsam, Aufnahme- und Lernfähigkeit des Pferdes 
  • B) Übungen von Lektionen, Training der Kondition in den einzelnen Lektionen, Kraft/Ausdauertraining
  • C) individuelle Ausführung auch unter veränderten äußeren Bedingungen

Entscheidend an diesen Punkten ist, dass A) immer wirken muss, B) sich der Tagesform von Reiter und Pferd anpasst und C) sich stets Punkt B) anpasst. 

Des weiteren sollte aus meiner Sicht beachtet werden:

– Prioritäten für den jeweiligen Trainingstag setzen

– vom Leichten zum Schweren vorzugehen

– nach einer 20-minütigen Lösungsphase für das Pferd sich von einer leichten zu einer stärkeren Biegung des Pferdes mit Gefühl voran zu tasten, als Reiter in den Pferdekörper „hineinspüren“ lernen 

– von leichter zu starker Beugung der Gelenke des Pferdes vorzugehen

– von leichter zu starker Belastung des Trainings zu steigern

– je nach Bedarf mal Schubkraft mal Tragkraft des Pferdes zu fordern

– eine ausgeglichene Erholungs- und Belastungsbalance für Pferd und Reiter im Training zu gewährleisten, die Freude am Training und gemeinsamen Lernen erhalten und bewahren

Fazit

Eine schonende, fundierte und einfühlsame Trainingsarbeit ist der Schlüssel für ein gelingendes Miteinander zwischen Mensch und Tier, Reiter und Pferd. Gern unterstütze ich (zum Profil), wenn du an der Ausgestaltung deines Trainings weiter arbeiten willst oder du Fragen zum Thema hast. Ich freue mich auch über Ideen und Gedanken zur Rolle der Sportpsychologie im Reitsport. 

Du willst mehr wissen?

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Robin Conen: Von Gold zum Trübsal – Die Post-Olympische-Depression und systemische Unterstützungsstrategien im Leistungssport

Olympia: Ricarda Funk hat jahrelang auf diesen sportlichen Höhepunkt hingearbeitet. Doch als er endlich erreicht ist, verändert sich alles, leider nicht nur zum Positiven. Diese Folge behandelt den Druck im Leistungssport, den Gewinn einer olympischen Goldmedaille und vor allem die Leere, die nach dem großen Moment folgen kann. Es ist die Geschichte von Ricarda Funk, der Olympiasiegerin im Kanuslalom. Und es ist die Geschichte von all dem, was nicht im Rampenlicht steht, vom „Danach“ – nach den Olympischen Spielen (BR, 2026).

Zum Thema: Post-Olympia-Depression

Die postolympische Depression, die oft Teil einer umfassenderen Kategorie von psychischen Problemen ist, mit denen Sportler nach großen Wettkämpfen konfrontiert sind, umfasst depressive Verstimmungen, die nach dem Ende der Olympischen Spiele oder ähnlichen hochkarätigen Veranstaltungen auftreten können. Dieser Zustand kann auf mehrere miteinander verbundene Ursachen zurückgeführt werden, äußert sich durch verschiedene Symptome und erfordert umfassende Unterstützungsstrategien.

Zu den Ursachen der postolympischen Depression gehört der abrupte Übergang von einer intensiven, zielorientierten Vorbereitung und Wettkämpfen zu einer weniger strukturierten Zeit, was zu einem Verlust der Identität und Sinnhaftigkeit führt. Sportler, insbesondere solche mit einer starken sportlichen Identität, können Schwierigkeiten haben, sich an das Fehlen von Trainings- und Wettkampfimpulsen anzupassen, die zuvor ihren Alltag strukturiert haben. Dieses Phänomen wird mit einer erhöhten Anfälligkeit für Stimmungsstörungen wie Depressionen und Angstzuständen während wichtiger Karriereübergänge oder nicht normativen Ereignissen wie Verletzungen oder dem Rücktritt in Verbindung gebracht.

Darüber hinaus kann die psychische Belastung während sportlicher Höchstleistungen auf  individuelle physische und soziale Stressfaktoren des Sportlers zurückgeführt werden. Das Auftreten (Prävalenz) von Depressionen bei Spitzensportlern wird oft als gleichwertig oder höher als in der Allgemeinbevölkerung eingeschätzt.

Woran erkenne ich eine Post-Olympia-Depression?

In den ersten vier Wochen nach den Olympischen Spielen lassen sich Erschöpfung, Post-Olympic Blues und die Post-Olympic Depression unterscheiden. Zu den Anzeichen einer postolympischen Depression zählen oft anhaltende Traurigkeit, ein Verlust des Interesses an Aktivitäten, verminderte Motivation, Müdigkeit sowie Veränderungen im Schlaf- und Essverhalten, Angstzustände und Gefühle der Isolation. Diese Symptome können sowohl während als auch nach dem Wettkampf auftreten und beeinträchtigen in der Regel das tägliche Leben erheblich. Weitere beschriebene psychologische und emotionale Symptome sind fehlende Motivation, Isolation und Einsamkeit, Energiemangel, Antriebslosigkeit oder fehlendes Interesse am Leben, erhöhte Ängstlichkeit, Reizbarkeit und interpersonelle Hypersensibilität sowie Konzentrationsschwierigkeiten und Schuldgefühle. Zusätzlich können Lustlosigkeit, Schlafstörungen und depressive Stimmungen auftreten.

Post-Olympic Blues und Post-Olympic Depression betreffen nicht nur Athleten, sondern auch Trainer und das Personal. Diese berichten nach den Olympischen Spielen ebenfalls von einem abrupten Ende des sportlichen Alltags, einem emotionalen Tiefpunkt und der Notwendigkeit, den Sinn und die Ziele neu zu definieren. Darüber hinaus können auch Personen, die nicht im Sport tätig sind, aber in leistungsorientierten Bereichen arbeiten, wie Nachwuchs- und erfahrene Führungskräfte, Medienarbeitende (Künstler, Musiker) und Verantwortungsträger, nach intensiven Leistungsphasen ähnliche Phänomene als „Erschöpfungsdepression“ erleben.

Wie kann die Sportpsychologie unterstützen?

Die Vorbereitung auf intensive Leistungsphasen wie die Olympischen Spiele beginnt schon vor dem eigentlichen Wettkampf durch die Bereitstellung von Ressourcen und die Gestaltung der Kontextfaktoren. Dabei spielt das Umfeld eine entscheidende Rolle, ebenso wie die psychosoziale und finanzielle Unterstützung durch Familie, Freunde, Trainern und andere Unterstützern. 

In komplexen Übergangsphasen kann eine sportpsychologische Begleitung mit psychotherapeutischer Zusatzqualifikation besonders hilfreich sein, da sowohl leistungsbezogene als auch klinisch relevante Aspekte integriert betrachtet werden können. Die systemische Therapie bei Post-Olympia-Depressionen im Leistungssportumfeld unterstützt, indem sie nicht nur die individuellen Symptome anspricht, sondern auch das soziale Umfeld und die Lebenszusammenhänge einbezieht. Diese Unterstützungsform aktiviert und stärkt persönliche Ressourcen und fördert positive Verhaltensweisen, um negative Gedankenmuster zu durchbrechen. Durch die Einbindung von sportlichen Elementen wird die Motivation gesteigert und das Gefühl der Selbstwirksamkeit gestärkt. Strukturierte Abläufe mit klaren Zielen schaffen Orientierung und ermöglichen das Erkennen von Fortschritten. Der ganzheitliche Ansatz bezieht emotionale, soziale und körperliche Aspekte ein, was zu einer nachhaltigen Verbesserung der psychischen Gesundheit führt. Langfristig unterstützt die systemische Therapie dabei, erlernte Strategien anzuwenden und Rückfällen vorzubeugen.

Der systemische Ansatz

Der systemische Ansatz fokussiert die Wechselwirkungen zwischen der betroffenen Person und ihrem sozialen Umfeld und verändert diese. Dieser sieht Depression nicht nur als individuelles Problem, sondern bezieht Familie, Freunde und andere wichtige Bezugspersonen mit ein, um die Ursachen und die Aufrechterhaltung der Symptome besser zu verstehen und gezielt anzugehen. Dabei werden Kommunikationsmuster, Beziehungskonflikte und Verhaltensweisen in sozialen Systemen bearbeitet, um Unterstützung zu fördern und belastende Dynamiken zu verändern.

Zudem kann die systemische Therapie besonders dann hilfreich sein, wenn Konflikte oder Spannungen innerhalb der Familie, Partnerschaft oder im Betreuungsteam, wie Trainer oder Teamkollegen eine Rolle spielen. Sie fördert das Verständnis und die Unterstützung innerhalb dieser sozialen Gruppen, was zur Stabilisierung der Stimmung und zu einer besseren Bewältigung beitragen kann. Insgesamt wirkt der systemische Ansatz bei Depressionen durch die gezielte Veränderung der sozialen und familiären Beziehungen, wodurch negative Interaktionen reduziert und positive Unterstützung gefördert werden. Dies trägt dazu bei, depressive Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Zentrale Reflexionsfrage

Eine zentrale Reflexionsfrage in dieser Phase lautet daher: „Was hat dir bisher geholfen, die Freude an deinem Sport aufrechtzuerhalten – und was braucht es, damit das auch in Zukunft gelingt?“

Gern stehen meine Kollegen und Kolleginnen aus dem Netzwerk (zur Übersicht) als Ansprechpersonen zur Verfügung. Wir verfügen über eine entsprechende Ausbildung oder können direkte Kontakte vermitteln, um zu helfen. Als psychologischer Psychotherapeut mit einer Praxis in Köln und einem Arbeitsort in Trier freue ich mich über eine direkte Kontaktaufnahme (zum Profil von Robin Conen). 

Podcast-Tipp

Wir von „Die Sportpsychologen“ werden häufig für spannende Interviews angefragt: Vor kurzem war ich beim Bayerischen Rundfunk zu Gast (Link: https://www.ardaudiothek.de/episode/urn:ard:episode:8d17094a3534a7b7/) im Podcast „Olympia: Nach Gold die große Leere – wie kämpfst du dich zurück, Ricard Funk?“.

Nimm Kontakt auf

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Quellen:

  • Bußmann, G., Behlau, C., & Markser, V. (2024). Informationen und Empfehlungen: Post-Olympic Blues (POB) und Post-Olympic Depression (POD). Olympiastützpunkt NRW / Westfalen.
  • Reardon, C. L., Hainline, B., Aron, C. M., Baron, D., Baum, A. L., Bindra, A., Budgett, R., Campriani, N., Castaldelli-Maia, J. M., Currie, A., Derevensky, J. L., Glick, I. D., Gorczynski, P., Gouttebarge, V., Grandner, M. A., Han, D. H., Mcduff, D., Mountjoy, M., Polat, A., … Engebretsen, L. (2019). Mental health in elite athletes: International Olympic Committee consensus statement (2019). British Journal of Sports Medicine53(11), 667–699. https://doi.org/10.1136/bjsports-2019-100715
  • Reardon, C. L. (2021). The Mental Health of Athletes: Recreational to Elite. Current Sports Medicine Reports20(12), 631–637. https://doi.org/10.1249/jsr.0000000000000916
  • Yang, J., Peek-Asa, C., Covassin, T., & Torner, J. C. (2015). Post-Concussion Symptoms of Depression and Anxiety in Division I Collegiate Athletes. Developmental Neuropsychology40(1), 18–23. https://doi.org/10.1080/87565641.2014.973499
  • Vossler, A., Pinquart, M., Forbat, L., & Stratton, P. (2024). Efficacy of systemic therapy on adults with depressive disorders: A meta-analysis. Psychotherapy Research35(6), 1–17. https://doi.org/10.1080/10503307.2024.2352741

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Björn Korfmacher: Eishockey-Nationalmannschaft – Mega-Stars, Mega-Enttäuschung

Für die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft war bei den Olympischen Winterspielen 2026 im Viertelfinale Ende. Im Grund genommen kein Drama. Viel höher sind die Ziele in der Regel nie. Doch diesmal war es anders. Diesmal erwartete die Öffentlichkeit eine Medaille. Der Grund allein: sieben NHL-Spieler.   

Zum Thema: Was wir vom Misserfolg der Eishockey-Nationalmannschaft lernen können

Auch wenn es vermessen klingt oder die Redewendung „Hinterher weiß man immer mehr“ klischeemäßig bedient, sage ich trotzdem: Ich habe es gewusst. Das enttäuschende Abschneiden unserer Eishockey-Nationalmannschaft hat mich nicht überrascht. Am liebsten hätte ich bereits im Vorfeld, als man die Mannschaft schon feierte, bevor es überhaupt losging, gebrüllt „Haltet mal den Ball flach!“ Jetzt, nach dem Turnier-Aus ist man demütiger. Der Trainer, die Spieler, die Fans, die Presse. Das vorab als Übermannschaft dargestellte Team bekommt jetzt von allen Seiten die Flügel gestutzt. Erst jetzt beginnt die realistische Einordnung. 

Ich war beim Turnier nicht dabei und hatte auch zu keiner Person aus dem Team oder dem Umfeld Kontakt. Ich will also keine Ferndiagnose vornehmen. Aber ich habe mir Gedanken gemacht, was wir im Sport, insbesondere im Mannschaftssport, vom sportlichen Auftreten des deutschen Eishockey-Nationalteams lernen können. Einfach, um unseren Teams ein solches unbefriedigendes Erlebnis bei einem wichtigen Turnier zu ersparen. Ich habe also mal fünf freche Regeln formuliert, die garantiert das Schiff in die falsche Richtung lenken:

Die fünf Regeln zum Misserfolg:

Baue Druck auf! 

  • Am besten, indem du der Mannschaft klar machst, wie hoch die Erwartungen sind. Etwa durch Aussagen wie: “Das ist die beste Mannschaft, die wir je hatten.” 

Unterschätze jeden Gegner!

  • Das funktioniert zum Beispiel, wenn man so tut, als sei man das einzige Team mit ein paar herausragenden Spielern. 

Sorge innerhalb der Mannschaft für Frust und Missgunst!

  • Tipp: Degradiere etablierte und verdiente Spieler zugunsten einer kleinen Gruppe aus „Stars“. 

Lass gar nicht erst Teamspirit aufkommen!

  • Dazu gibt man am besten ein paar wenigen Spielern enorm viel Spielzeit, während die anderen auf der Bank sitzen – so machst du klar, dass für den Erfolg nur ein paar Auserwählte wichtig sind.

Sorge dafür, dass niemand Verantwortung übernimmt!

  • Mach deinem Team klar: Große Namen können Großes leisten. Die Topstars werden es schon richten.

Fazit

Wenn man einigen Spielern das Vertrauen entzieht und anderen zugleich übermäßig viel Verantwortung und Last aufbürdet, leidet die Mannschaftsmoral – das Prinzip „Einer für alle, alle für einen“ geht dabei verloren. Ungleich verteiltes Vertrauen und Verantwortung untergraben die Mannschaftsmoral. Teamgeist entsteht so nicht. Zumindest gilt das allgemein als eine der Grundregeln für erfolgreichen Mannschaftssport.1,2,3

Zurück zur deutschen Eishockey-Nationalmannschaft: Ich wünsche ihr, dass sie aus den gemachten Erfahrungen die richtigen Schlüsse zieht und bei der kommenden Weltmeisterschaft geschlossen und erfolgreich auftritt.

Nimm Kontakt auf!

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Quellen

  • Carron, A. V., Bray, S. R., & Eys, M. A. (2002). Team cohesion and team success in sport. Journal of Sports Sciences, 20(2), 119–126. 
  • Mullen, B., & Copper, C. (1994). The relation between group cohesiveness and performance: An integration. Psychological Bulletin, 115(2), 210–227. 
  • Grossman, R., et al. (2021). The team cohesion–performance relationship: A meta-analysis exploring measurement approaches and the changing team landscape. Organizational Psychology Review, 12, 20413866211041157.

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    Philippe Müller: Eine nachhaltige Reha ist ein Zusammenspiel

    Eine nachhaltige Rehabilitation entsteht erst durch ein Zusammenspiel verschiedener Disziplinen, erklärt Philippe Müller am Samstag, den 21. Februar 2026, im Workshop-Teil unseres Events “Muscle & Mind – Sicher begleitet zum Comeback” (jetzt letzte Tickets buchen, direkt zur Anmeldung). Was wir darunter zu verstehen haben, erklärt er vorab im Interview. 

    Philippe, worum geht es im Workshop (Fundamente stärken, Mauern sanieren, das Dach neu decken: Reha ganzheitlich gedacht), den du zusammen mit Klaus-Dieter Lübke Naberhaus umsetzt?

    In unserem Workshop betrachten wir Rehabilitation im Sinne eines biopsychosozialen Ansatzes, bei dem der Mensch als ganzheitliches Wesen im Mittelpunkt steht. „Fundamente stärken, Mauern sanieren, das Dach neu decken“ steht dabei sinnbildlich für das Zusammenspiel von körperlichen, psychischen und sozialen Ebenen, die nicht getrennt, sondern gemeinsam gedacht und behandelt werden sollten. Wir zeigen auf, wie ganzheitliche Reha nur durch das Zusammenführen verschiedener Perspektiven gelingen kann. Ziel ist es, Interprofessionalität nicht nur zu verstehen, sondern aktiv zu lernen und im beruflichen Alltag zu leben.

    Programm

    Keynotes:

    • Kathrin Seufert: „Das wankende Haus: Verletzungen und Traumata als Erschütterung der Identität“
    • Prof. Dr. Andreas Schlumberger: „Was tun, wenn einzelne Steine aus der Mauer rausbrechen?“
    • PD. Dr. med. Christophe Lambert: „Wie wichtig ist die mentale Fitness für RTC (Return to competition)?“

    Workshops:

    • Klaus-Dieter Lübke Naberhaus: Was verbirgt sich im Keller? Traumata im Sport
    • Kathrin Seufert: Trotz Baustelle, gedanklich schön und effizient wohnen
    • Ben Mansour/Tim Insberg /Yannik Adams (Sportwissenschaft): Return to competition (RTC) und seine Hürden
    • Klaus-Dieter Lübke Naberhaus und Philippe Müller: Fundamente stärken, Mauern sanieren, das Dach neu decken: Reha ganzheitlich gedacht
    • Michael Bröckelmann: Grenzen der Heilungsbegleitung 
    • Prof Dr. Oliver Stoll: In der Küche, im Wohnzimmer, im Flur – Welches Maß an Nähe und Distanz ist dir wichtig, um über Verletzungen zu sprechen
    • Philippe Müller: Starke Mauern bauen: Verletzungen vorbeugen
    • Kathrin Seufert und Prof Dr. Oliver Stoll: Trotz Baustelle, gedanklich schön und effizient wohnen

    Podiumsdiskussion:

    • u.a. mit Miriam Butkereit (Silbermedaille Olympia 2024 in Judo), Bernd Berkhahn, Bundestrainer Schwimmen

    Von welchen Erfahrungen aus deiner praktischen Arbeit ist der Workshop beeinflusst?

    Der Workshop ist stark von meiner täglichen interdisziplinären Arbeit mit Physiotherapeut:innen und Ärzt:innen geprägt, in der ich erlebe, wie wertvoll unterschiedliche Perspektiven für eine ganzheitliche Rehabilitation sind. Als Dozent im Masterstudiengang Sportphysiotherapie an der ZHAW bringe ich gezielt die psychosozialen Aspekte ein und sehe, wie wichtig deren Integration in die klinische Praxis ist. Auch mein PhD als Psychologe in einer sportmedizinischen Forschungsgruppe, mit Fokus auf einen biopsychosozialen und interdisziplinären Ansatz, beeinflusst den Workshop maßgeblich. Diese Erfahrungen zeigen mir immer wieder, dass eine nachhaltige Reha nur im echten Zusammenspiel der Professionen gelingen kann.

    Warum ist es aus deiner Sicht wichtig, dass die Sportpsychologie auch im Rehabilitationsprozess nach Sportverletzungen mitgedacht wird?

    Aus meiner Sicht ist die Sportpsychologie ein wichtiger Baustein im Rehabilitationsprozess, weil Sportverletzungen nicht nur den Körper, sondern immer auch psychische und soziale Ebenen betreffen. Gedanken, Emotionen, Motivation und das Umfeld beeinflussen wesentlich den Umgang mit der Verletzung, die Therapieadhärenz und den Return-to-Sport. Sie ergänzt damit die medizinischen und physiotherapeutischen Maßnahmen sinnvoll. Erst im Zusammenspiel aller Disziplinen entsteht das Gesamtmosaik einer wirklich ganzheitlichen Rehabilitation.

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    Mehr zum Thema:

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    Dr. Julia Boie: Wie Trainer*innen und Eltern Kinder motivieren können

    Trainern, Trainerinnen und Eltern kommt eine wichtige Rolle zu, um Kinder dauerhaft für Sport zu motivieren. So unterschiedlich wie die Jungen und Mädchen in ihren Sportarten agieren, so individuell fallen auch die Anforderungen an die Bezugspersonen aus. Zum Abschluss meiner kleinen Serie versuche ich Tipps für Trainer*innen und Eltern zu formulieren, die ihre Kinder dauerhaft für Sport begeistern wollen. 

    Mehr zum Thema: Was braucht es, damit Kinder nicht die Lust am Sport verlieren? (Teil 3)

    Trainer*innen sind, wie alle Menschen, sehr unterschiedlich. Werte, Ziele und Persönlichkeit unterscheiden sich und haben Einfluss auf den Trainerstil. Auch eigene Erfahrungen spielen hier eine große Rolle, vor allem (aber nicht nur) Erfahrungen aus der eigenen Sportart, in der sie groß geworden sind. Viele Traditionen und Trainingsweisen werden übernommen und weitergegeben.

    Es gibt inzwischen immer mehr Trainer-Fortbildungen zu Pädagogik, Kommunikation und Psychologie, die Trainer*innen bei der Integration des mentalen Bereichs stärken. Es ist zu sehen, dass das Verständnis für den Einfluss des mentalen Bereichs rasant wächst und dass Zuwendung, Unterstützung, Motivation und konkrete Hilfestellung beim Lernen zunehmen.

    Lernerfolge durch Freude

    Die Kinder (aber auch die Erwachsenen), die zum Sport kommen, sind in den allermeisten Fällen motiviert. Gerade, wenn wir uns nicht den Bereich ansehen, wo das erste Schnuppern oder auch etwas nähere Kennenlernen des Sports im Vordergrund steht, sondern die Entscheidung für den Sport bereits getroffen wurde. Für mich als Trainer*in ist es daher zunächst die Aufgabe, die Motivation nicht zu zerstören; etwa durch zu viel Strenge und Disziplin und/oder durch zu wenig Spaß. Natürlich sind im Leistungsbereich Disziplin und ausdauerndes Training unabdingbar, das widerspricht aber nicht der Notwendigkeit zu Spaß im Training – im Gegenteil. In Studien konnte gezeigt werden, dass Informationen besonders gut verarbeitet, verstanden und abgerufen werden, wenn das Training freudvoll gestaltet ist. Zudem konnte ein gesteigerter Lernerfolg festgestellt werden (Simon, 2023). Dass positive Emotionen Energie spenden und die Bereitschaft zu hartem Training erhöhen, wurde im ersten Teil dieses Beitrags bereits erwähnt.

    Verzichte auf Worte wie “nicht” und “kein”

    Ich kann als Trainer*in den Lernprozess und gleichzeitig eine gute Stimmung fördern, indem ich positive Instruktionen gebe. Zum einen haben negative Worte wie „nicht“ oder „kein“ (wie bspw. in „Hab keine Angst!“) für unser Gehirn keine bildhafte Bedeutung. Das Bild, das zuallererst entsteht, ist das des unerwünschten Verhaltens bzw. des unerwünschten Gedankens oder der unerwünschten Emotion (in unserem Beispiel ein ängstliches Bild). Das Bild muss dann erst durch einen Gedankenprozess analysiert und umgewandelt werden (in unserem Beispiel in ein mutiges Bild). Die Zeitspanne und die Energie, die das kostet, kann ich umgehen, indem ich klare positive Instruktionen mit direkt umsetzbaren Hinweisen gebe. In unserem Beispiel also eher „Trau dich!“ (Baumann, 2016). Zum anderen kann ich durch negative Instruktionen ungewollt negative Gefühle in den Sportler*innen auslösen, wenn sie vorher gar nicht vorhanden waren. Schließlich wirken negative Anweisungen oft demotivierend. „Bleib doch nicht immer hinten stehen!“ kommt mit einem Vorwurf im Gepäck beim Sportler an. „Geh nach vorne!“ ist dagegen direkt umsetzbar und unterstützend.

    Positive Rückmeldungen

    Die Anerkennung von Leistung und Anstrengung ist ebenfalls von großer Bedeutung, wenn es darum geht, die Motivation der Sportler*innen zu erhalten. Sofortige positive Rückmeldung auf eine richtige Handlung ist wichtig für das Lernen, da sie dann am besten abgespeichert werden kann. Ich kann als Trainer*in das Lernen dadurch beschleunigen. Zudem spornt ein Lob die Sportler*innen an, erhöht also die Motivation. Zusätzlich zur positiven Rückmeldung durch die Trainer*innen ist es auch sinnvoll, wenn die Sportler*innen lernen, sich selbst zu bestärken, also zu loben. Durch das Setzen von individuellen Fähigkeitszielen (vgl. Teil 2 dieser Serie, der Link findet sich unten), lernen die Kinder und Jugendlichen, ihre Fortschritte selbst zu erarbeiten und zu erkennen. So übernehmen sie immer mehr Verantwortung für ihr Training und entwickeln immer mehr Selbstvertrauen.

    Motivation durch die Eltern

    Die Unterstützung und Begleitung der Kinder und Jugendlichen durch die Eltern ist von unschätzbarem Wert. Als Gegenpol zu den Anforderungen, Vergleichen, Bewertungen und ständigen Herausforderungen in Schule oder Ausbildung und im Sport brauchen die Sportler*innen einen sicheren Ort ohne Leistungsdruck. Das ist das Elternhaus. Die Sicherheit, dass die Kids dort so geliebt werden, wie sie sind, auch wenn sie gerade nicht stark und leistungsfähig sind, ist ein Anker, der enorm viel Halt gibt und sie von innen stärkt. Dazu gehört das Bewusstsein, dass Kinder sehr verschieden sind und dass es daher nicht sinnvoll ist, Vergleiche zu anderen anzustellen.

    Eltern unterschätzen oftmals, wie wichtig sie in dieser Beziehung für ihre Kinder sind und wie leicht sie ungewollt den Druck für diese erhöhen können. Die Unterstützung der Kinder in ihrem Sport ist äußerst wertvoll – ohne diese Unterstützung (durch Fahrten, durch Organisation etc. etc.) geht es kaum. Gleichzeitig kann zu großes Engagement und Mitfiebern, wie auch große Enttäuschung bei Niederlagen die Sportler*innen (oft unbewusst) unter Druck setzen. Die Eltern nicht enttäuschen wollen, sich wertvoll erweisen wollen, so dass das Engagement der Eltern einen Sinn hat, sind häufig Teil des Bildes, wenn es zu Überforderungssituationen und Blockaden kommt.

    Elterliche Unterstützung

    Gerade sehr engagierte Eltern wollen nur das Beste, beobachten das Training sehr genau und versuchen, positiven Einfluss auszuüben. Wenn das konstruktiv und wertschätzend geschieht und mit Vertrauen in die Trainer*innen einhergeht, kann es für alle Beteiligten von großem Vorteil sein. Sobald die Sportler*innen aber einen Trainer im Verein und einen Trainer zu Hause haben, wird es für sie schwierig und sie fühlen sich sehr leicht zwischen den Stühlen. Das kann sowohl ihre Leistungsentwicklung als auch ihre Motivation negativ beeinflussen.

    Ein wichtiger Teil der elterlichen Unterstützung ist es, sich Zeit zu nehmen, dem Kind gut zuzuhören und aufmerksam zu sein, ob es Probleme hat, mit denen es nicht alleine klarkommt. Herausforderungen dürfen sein, die Kinder wachsen daran und entwickeln sich. Sie müssen keinesfalls in Watte gepackt werden. Was im Leistungssport auch kaum möglich ist. Dennoch sind wir als Eltern ein wichtiger Rückhalt, ohne den es nicht geht.

    Hinweis

    In den ersten beiden Teilen des Beitrags wurde besprochen, welche Rolle Bedürfnisse und Wettbewerbe bei der Aufrechterhaltung der Motivation spielen. Diese Beiträge sind unter dem Text verlinkt.

    Meine Kolleg*innen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Dr. Julia Boie) stehen gern für Rückfragen bereit. Wir unterstützen Trainer*innen mit individuellen Coach-the-Coach-Programmen, arbeiten exklusiv mit Sportlern und Sportlerinnen, stehen für Vorträge und Workshops zur Verfügung und betreuen Eltern, deren Kinder im Sport aktiv sind.

    Mehr zum Thema:

    Literatur

    Baumann, S. (2016). Psychologie im Jugendsport. Meyer & Meyer.

    Simon, M. (2023). Zur Bedeutung einer freudbetonten Gestaltung des Sportunterrichts. Dissertation.

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    Wolfgang Seidl: Wenn öffentliche Kritik Vertrauen untergräbt – warum psychologische Sicherheit Leistung beeinflusst

    Eine Niederlage kann ein Team enger zusammenschweißen, oder es innerlich spalten. Oft entscheidet nicht das Ergebnis, sondern der Umgang damit. Nach dem österreichischen Cup-Viertelfinale zwischen dem SCR Altach und Sturm Graz und meinem dazugehörigen Ligaportal-Beitrag (Link siehe unten) wurde ich in den darauffolgenden Tagen von zahlreichen Fußballern angesprochen. Es handelte sich dabei ausdrücklich nicht um Spieler von Sturm Graz, sondern um Akteure aus unterschiedlichen Ligen und Vereinen, vom Nachwuchs bis zum Profi in höchsten Bewerben. Ihre Reaktionen auf die öffentlichen Aussagen von Sturm-Trainer Fabio Ingolitsch waren bemerkenswert eindeutig und zeigen, wie sensibel der Faktor Vertrauen im Leistungssport ist, besonders dann, wenn psychologische Sicherheit ins Wanken gerät. 

    Zum Thema: Psychologische Sicherheit: Die unsichtbare Basis für mutiges Spiel

    Was ist passiert? Nach dem Pokalspiel, welches Altach gegen den Vorjahresmeister Graz 3:1 gewann, sagte Ingolitsch wörtlich: „Wir müssen ganz viel hinterfragen, wenn nicht alles hinterfragen. Wir müssen ganz klar rausfinden, welche Spieler sind die richtigen. Wenn sie es qualitativ nicht hinkriegen hier besser zu spielen, dann brauchen wir die, die bereit sind zu kämpfen.“

    Aus Trainersicht mag diese Aussage als Leistungsanspruch oder als Versuch verstanden werden, Klarheit zu schaffen. Aus Spielersicht, und das bestätigten mir alle Gespräche, wirkt sie jedoch anders: Als öffentliche Infragestellung von Qualität, Zugehörigkeit und Vertrauen. Gerade nach der ersten Niederlage eines neuen Trainers entfalten solche Worte eine besondere Wirkung.

    Psychologische Sicherheit

    Psychologische Sicherheit beschreibt das Erleben, sich im Team zeigen zu dürfen, Verantwortung zu übernehmen und Fehler machen zu können, ohne Angst vor Bloßstellung oder Konsequenzen. Sie ist keine Wohlfühlzone, sondern eine Grundvoraussetzung für Leistung unter Druck.

    Wird diese Sicherheit beschädigt, verändert sich das Verhalten der Spieler. Der Fokus verschiebt sich vom Spiel hin zur Selbstabsicherung. Entscheidungen werden vorsichtiger, Risikobereitschaft sinkt, Spielfreude geht verloren. Mehrere Spieler formulierten es ähnlich: 

    „Dann spiele ich nicht mehr, um zu gewinnen, sondern um keinen Fehler zu machen.“

    Wenn öffentliche Kritik Vertrauen kippen lässt

    Besonders kritisch ist, dass solche Aussagen nicht nur das Vertrauen in den Trainer beeinträchtigen, sondern auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Manche Spieler beginnen, sich permanent zu hinterfragen, nicht im Sinne von Entwicklung, sondern aus Angst.

    Gedanken wie „Bin ich gemeint?“, „Reiche ich noch?“ oder „Darf ich mir Fehler erlauben?“, treten in den Vordergrund. Vor allem junge Spieler oder Neuzugänge reagieren darauf häufig mit Rückzug statt Verantwortung. Das Resultat ist ein verkrampftes Spiel, mental wie körperlich.

    Neue Trainer: Führung beginnt mit Schutz, nicht mit Selektion

    Gerade neue Trainer stehen nach der ersten Niederlage vor einer psychologischen Führungsprobe. Spieler beobachten sehr genau, ob ihr Trainer in schwierigen Momenten vor sie tritt, oder sie öffentlich infrage stellt.

    Psychologische Sicherheit entsteht nicht durch das Vermeiden von Kritik, sondern durch klare interne Analyse bei gleichzeitiger öffentlicher Geschlossenheit. Kritik vor der Kamera wirkt selten leistungsfördernd, vor allem dann, wenn sie pauschalisiert und mit Selektion verknüpft wird.

    Entscheidend ist, dass Spieler nach einer Niederlage ihre eigene Leistung ehrlich analysieren und auch die eigene Einstellung reflektieren. Jeder Spieler trägt die Verantwortung, sich zu fragen, ob er seinem Anspruch gerecht geworden ist, unabhängig von öffentlichen Aussagen. Kommt er dabei zur Erkenntnis, dass Veränderung notwendig ist, braucht es die Bereitschaft, diese Verantwortung aktiv zu übernehmen und im nächsten Spiel umzusetzen.

    Gelangt ein Spieler jedoch zur Überzeugung, dass seine Leistung in Ordnung war und er alles investiert hat, dann sind Selbstzweifel nicht zielführend. In diesem Fall geht es darum, stabil zu bleiben und den Dialog zu suchen, etwa in der Videoanalyse gezielt nachzufragen, welche konkreten Verbesserungsvorschläge der Trainer sieht. Mentale Stärke zeigt sich hier nicht im blinden Hinterfragen, sondern in reflektierter Selbstführung und konstruktiver Kommunikation.

    Fazit

    Das Cup-Viertelfinale zwischen Altach und Sturm Graz zeigt exemplarisch, wie schnell öffentliche Kritik psychologische Sicherheit beschädigen kann. Vertrauen ist kein Nebenprodukt von Erfolg, es ist dessen Voraussetzung. Wer nach Niederlagen schneller selektiert als schützt, formt Mannschaften, die funktionieren, aber ihre Freiheit verlieren.

    Gern bin ich (zum Profil von Wolfgang Seidl) sowie meine Kollegen und Kolleginnen im Netzwerk (zur Übersicht) bereit, eure konkreten Fragen zu beantworten und in eine Zusammenarbeit zu starten. 

    Link zum LigaPortal-Text: https://www.ligaportal.at/bundesliga/allgemein/20372-die-erste-niederlage-als-fuehrungsprobe-wie-trainer-oeffentlich-mit-ihrer-mannschaft-umgehen

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    Norbert Lewinski: Sisu – Die mentale Kraft der Finnen

    Jedes Mal, wenn ich meine Familie in Finnland besuche, ist ein Thema unvermeidlich: Sisu. Dieses finnische Wort lässt sich nur schwer direkt übersetzen, doch es beschreibt etwas, das tief in der finnischen Kultur verwurzelt ist – eine Kombination aus Ausdauer, innerer Stärke, Entschlossenheit und dem unerschütterlichen Willen, Herausforderungen zu meistern, selbst wenn die Situation aussichtslos erscheint. Für mich persönlich ist Sisu längst nicht nur ein kulturelles Phänomen, sondern ein Schlüsselkonzept, das ich in der Arbeit mit Athlet:innen und der psychologischen Betreuung von Sportler:innen immer wieder nutze.

    Zum Thema: Mentale Stärke für Sport, Beruf und Privatleben

    Was Sisu so besonders macht, zeigt sich nicht nur in Alltagsgeschichten, sondern auch in spektakulären sportlichen Leistungen, die nicht allein durch Talent, sondern vor allem durch mentale Härte geprägt sind. Denken wir an den Langstreckenläufer Lasse Virén, der bei den Olympischen Spielen 1972 in München trotz schwerer Stürze und Unterkühlung nicht nur weiterlief, sondern zwei Goldmedaillen über 5.000 m und 10.000 m gewann – ein Triumph über körperliche und mentale Grenzen. Oder an die Finnen im Eishockey: Bei der Eishockey-Weltmeisterschaft 2019 kämpfte sich das Team, die sogenannten „Löwen des Nordens“, nach einem 0:3‑Rückstand im Finale gegen Kanada zurück und holte sensationell den Titel. Diese Leistung war mehr als taktisch klug – sie war ein Ausdruck kollektiven Sisu. Im nordischen Skilanglauf hat Marja-Liisa Kirvesniemi in den 1980er Jahren mehrfach Medaillen gewonnen, auch in Rennen, in denen sie körperlich am Limit war, und im modernen Triathlon zählt Timo Bracht, der trotz widriger Bedingungen und Rückständen oft zu den ganz starken Finishern zählt, zu den Beispielen für fokussierte Ausdauer und unerschütterlichen Willen. Diese Beispiele zeigen, dass Sisu kein abstrakter Begriff bleibt, sondern sich in konkreten Handlungen, in Momenten größter Belastung und in der Fähigkeit widerspiegelt, weiterzumachen, wenn andere aufgeben würden.

    Als Sportpsychologe sehe ich in Sisu nicht nur eine Metapher, sondern ein praktisch anwendbares psychologisches Konstrukt. Es umfasst Resilienz, die Fähigkeit, nach Rückschlägen wieder aufzustehen, Selbstregulation, also die Kontrolle von Emotionen und Gedanken selbst unter Druck, langfristige Zielpersistenz, die Bereitschaft, sich langfristigen Prozessen zu verpflichten, auch wenn kurzfristige Erfolge ausbleiben, und Kontrollüberzeugung, das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, Einfluss auf Performance und Ergebnisse zu nehmen. In einem europäischen Kontext, in dem Athlet:innen aus unterschiedlichsten kulturellen Hintergründen zusammenkommen, eröffnet Sisu eine Perspektive jenseits technischer Trainingsaspekte. Es zeigt, wie mentale Stärke kultiviert, geübt und in Wettkampfsituationen abgerufen werden kann. Sisu ist dabei kein exklusiv finnisches Phänomen – seine Prinzipien lassen sich auf jede:n Einzelne:n anwenden, der:die lernen will, unter Druck ruhig zu bleiben, klare Entscheidungen zu treffen und auch scheinbar unüberwindbare Hindernisse zu überwinden.

    Die Besonderheit

    Was Sisu besonders macht, ist seine Verbindung von mentaler Robustheit und individueller Initiative. Es ist nicht einfach nur Durchhaltevermögen; es ist die Fähigkeit, in kritischen Momenten über sich hinauszuwachsen, Ängste zu überwinden und trotz Widerständen fokussiert zu bleiben. Diese Fähigkeit zeigt sich sowohl im Alltag als auch im Sport, wo physische Leistungsgrenzen regelmäßig getestet werden. In meinen Gesprächen in Finnland wird deutlich: Sisu ist tief in der Alltagskultur verwurzelt – im Sport, im Berufsleben und im persönlichen Umgang mit Rückschlägen. Es prägt die Denkweise der Menschen, die gelernt haben, Herausforderungen nicht als Hindernis, sondern als Chance zur Weiterentwicklung zu sehen.

    Für die Sportpsychologie bietet dieses Konzept wertvolle Einsichten, da mentale Stärke oft den entscheidenden Unterschied zwischen Erfolg und Mittelmaß ausmacht. Sisu lehrt uns, dass es nicht allein auf Talent oder Technik ankommt, sondern auf die Fähigkeit, sich selbst zu motivieren und in kritischen Momenten innerlich stabil zu bleiben, selbst wenn äußere Bedingungen schwierig oder unvorhersehbar sind. Die Kombination aus Selbstvertrauen, Resilienz und einem tief verankerten Willen, persönliche und sportliche Ziele zu erreichen, bildet das Kernprinzip von Sisu. Diese Eigenschaften lassen sich gezielt fördern, indem Athlet:innen lernen, sich auf ihre inneren Ressourcen zu besinnen, ihre Aufmerksamkeit zu fokussieren und konstruktiv mit Stress, Druck und Rückschlägen umzugehen. Im internationalen Kontext eröffnet Sisu zudem neue Perspektiven für die individuelle Förderung. Unterschiedliche Erfahrungen, Werte und Herangehensweisen können genutzt werden, um maßgeschneiderte mentale Trainingsstrategien zu entwickeln, die sowohl die Stärken des Einzelnen berücksichtigen als auch die kollektive Dynamik eines Teams fördern. So wird Sisu nicht nur zu einem kulturellen Ideal, sondern zu einem konkreten Leitprinzip, das Trainer:innen und Sportpsycholog:innen hilft, mentale Stärke planbar, systematisch und nachhaltig zu entwickeln.

    Die praktische Umsetzung

    Die praktische Umsetzung von Sisu zeigt sich in zahlreichen Bereichen des sportlichen Trainings und der mentalen Vorbereitung. Die Fähigkeit, in entscheidenden Wettkampfsituationen ruhig zu bleiben, Rückschläge konstruktiv zu verarbeiten, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und selbst unter großem Druck die Kontrolle zu behalten, lässt sich systematisch trainieren. Dabei geht es nicht nur um klassische Konzentrationsübungen oder mentale Visualisierung, sondern um eine ganzheitliche Förderung, die Selbstbewusstsein, Belastbarkeit und Eigenverantwortung gleichermaßen stärkt. Trainer:innen und Sportpsycholog:innen können von Sisu lernen, indem sie Strukturen schaffen, die individuelles Wachstum ermöglichen, mentale Herausforderungen gezielt einbauen und eine Kultur der Selbstwirksamkeit etablieren. In diesem Prozess werden Athlet:innen befähigt, ihre eigenen Ressourcen zu erkennen, Selbstvertrauen aufzubauen und einen inneren Anker zu entwickeln, auf den sie in kritischen Momenten zurückgreifen können. 

    Für mich persönlich ist Sisu ein stetiger Anker in der Arbeit mit Sportler:innen. Es erinnert daran, dass mentale Stärke nicht angeboren sein muss, sondern durch gezieltes Training, Erfahrungen und reflektierte Auseinandersetzung mit Herausforderungen kultiviert werden kann. Die finnische Perspektive inspiriert dazu, die individuellen Potenziale jedes Athleten und jeder Athletin präzise zu erkennen und zu fördern – gerade in einem vielfältigen, europäischen Umfeld, in dem unterschiedliche Hintergründe, Erfahrungen und Denkweisen aufeinandertreffen. Durch Sisu lernen Athlet:innen nicht nur, körperliche Grenzen zu verschieben, sondern auch mentale Hürden zu überwinden, Ängste zu transformieren und ihr Selbstvertrauen kontinuierlich auszubauen.

    Zentrale Erkenntnisse

    Sisu ist mehr als ein Wort; es ist ein Konzept, das mentale Widerstandskraft greifbar macht, die intrinsische Motivation stärkt und Wege aufzeigt, wie wir Sportler:innen befähigen können, ihre persönlichen Grenzen zu überschreiten – sowohl auf der Bühne des Sports als auch im Alltag. In der psychologischen Arbeit eröffnet Sisu die Möglichkeit, mentale Stärke als dynamische, entwickelbare Fähigkeit zu verstehen und Trainingsprogramme zu gestalten, die Athlet:innen nachhaltig auf Wettkampfniveau bringen. Gleichzeitig vermittelt es eine Haltung, die über den Sport hinauswirkt: Die Erkenntnis, dass Ausdauer, Entschlossenheit und innere Stärke zentrale Werkzeuge für Erfolg, Resilienz und persönliche Entwicklung in allen Lebensbereichen sind.

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    Dunja Lang: Das Olympia-Drama um Lindsey Vonn – Über den Umgang mit Risiko und Fokus im Spitzensport

    Cortina d’Ampezzo, 8. Februar 2026. Es ist die olympische Abfahrt der Frauen, die „Königsdisziplin“ auf der legendären Tofana-Piste. Die Stimmung ist elektrisierend, als Lindsey Vonn mit der Startnummer 13 aus dem Starthaus geht. Nur 13 Sekunden später weicht die Euphorie einem kollektiven Schock. Vonn verliert bei Höchstgeschwindigkeit die Kontrolle, stürzt brutal und bleibt regungslos liegen. Schmerzensschreie sind über die Mikrofone zu hören. Dann folgt eine quälend lange Stille, bis der Rettungshubschrauber über der Piste kreist. Es ist das abrupte Ende einer Mission, die schon im Vorfeld die Sportwelt gespalten hat.

    Dieser Sturz markiert den Endpunkt einer hochemotionalen Debatte über Ehrgeiz, Risiko und die Grenzen des menschlich Machbaren. Erst eine Woche zuvor, am 30. Januar, verunglückte Vonn in Crans-Montana schwer. Die Diagnose: ein frischer Kreuzbandriss und eine Meniskusverletzung im linken Knie. Dass sie heute dennoch am olympischen Startgatter stand, mit 41 Jahren und einer Teilprothese im anderen Knie, empfinden viele als reinen Wahnsinn, andere als den ultimativen Ausdruck eines Champion-Geistes.

    Zum Thema: Ein schmaler Grat – Ambition vs. Selbstgefährdung

    Einerseits ist dieser unbändige Wille bewundernswert. Lindsey Vonn ist zweifellos eine Ausnahmeathletin, die ihren Sport und ihre Vorbereitung bis ins kleinste Detail professionalisiert hat. Dass sie nach so vielen Rückschlägen immer wieder zurückkam, zeugt von einer mentalen Souveränität und Willensstärke, die ihresgleichen sucht. Im technischen Hochleistungssport ist das Risiko zudem systemimmanent. Ob beim Ski Alpin, beim Skispringen oder im Reitsport – wer bei Olympischen Spielen eine Medaille gewinnen will, darf nicht nur „mitfahren“. Gold verlangt oft den Gang an die physikalische Grenze.

    Andererseits stellt sich die Frage nach der inneren Stimmigkeit. Wurden der olympische Traum, das bewusste Wollen, in diesem Fall so in den Vordergrund gestellt, daß die Signale des Körpers zu wenig Gehör fanden? Es bleibt Spekulation, wie sehr der Unfall vom 30. Januar und die Vorschädigung in den Knien in den heutigen Sturz hineingespielt hat. 

    Fakt ist: Vonn blieb mit dem Arm an einem Tor hängen – ein Fahrfehler aufgrund einer zu eng gewählten Linie. Doch genau hier beginnt die psychologische Relevanz: Alles, was Kopf und Körper im Vorfeld beschäftigt – Schmerzen, Zweifel, der enorme mediale Druck –, kann unbewusst den Fokus trüben. Wenn der mentale „Arbeitsspeicher“, egal ob bewusst oder unbewusst, mit der Bewältigung einer Vorverletzung belegt ist, fehlt er für die Millisekunden-Entscheidung bei 130 km/h. Und der Körper kann mit dieser Vorgeschichte nicht das Gleiche leisten. 

    Risiko ist nicht gleich Risiko: Von der „Nähmaschine“ bis zum Kontrollverlust im Sattel

    Interessanterweise zeigt sich das Thema Risiko auch in Disziplinen, die weniger offensichtlich gefährlich wirken. Im Biathlon kann eine falsche Renneinteilung zu einer physiologischen Überlastung führen, die sich am Schießstand rächt. Wenn der Puls in den falschen Bereich gerät, setzt die sogenannte „Nähmaschine“ ein – ein unkontrolliertes Zittern der Beine, das präzises Schießen unmöglich macht. Das Risiko ist hier der Kontrollverlust über das eigene System unter Druck.

    Genauso zeigt sich dieses Phänomen im Reitsport. Wenn eine Reiterin überaktiviert ist, zu viel von sich und dem Pferd will und sich massiv unter Druck setzt, entstehen sofort Anspannung und ein belastendes Gedankenkarussell. Das rächt sich beim Reiten unmittelbar, da der Fokus nicht mehr zu 100 % beim Pferd ist. Die Reaktionen werden zu langsam oder unpräzise. Eine falsche Entscheidung vor einem Sprung oder eine zu klamme Muskulatur können dazu führen, dass die Hilfengebung das Pferd im letzten Moment irritiert. Im Springreiten kann das zu schweren Stürzen führen, in der Dressur bricht die Harmonie weg, was sich sofort in Fehlern und schlechten Wertnoten niederschlägt. Das Pferd als „Biofeedback-Verstärker“ spiegelt diesen inneren Zustand der Reiterin sofort wider.

    Sporthypnose: Ein Baustein für professionelles Risikomanagement

    Auch für Athleten, die bereits ein hochprofessionelles Setup haben, können spezialisierte Methoden wie die Sporthypnose einen wertvollen Beitrag leisten. Es geht nicht darum, Gefahren auszublenden, sondern das Risikomanagement weiter zu professionalisieren. In meiner Arbeit nutze ich dafür oft eine Technik, bei der der Wettkampf im Vorfeld konkret wie im Live-Erleben simuliert wird. Jeder Meter der Abfahrt, jede Linie im Parcours wird mental so tief verankert, dass sie unter Druck automatisch abgerufen werden kann. Der unmittelbare Nutzen, Kopf und Körper sind besser synchronisiert und der Kopf ist freier im Denken.

    Durch diese Simulation können zudem Risiken vorab erkannt und der flexible Umgang mit ihnen trainiert werden – man installiert quasi mentale „Wenn-Dann-Schleifen“. Ziel ist ein Fokus, der keine Lücke für unbewusste Ablenkungen lässt. Alles, was Kopf und Körper im Vorfeld beschäftigt, kann den Fokus trüben. Eine professionelle Begleitung hilft dabei, diese unbewussten Prozesse so zu ordnen, dass der „mentale Scheinwerfer“ auch unter höchster Belastung stabil auf der Ideallinie bleibt.

    5 Tipps für Sportler und Trainer im Umgang mit Risiko und Fokus

    1. Ehrliche Bestandsaufnahme: Klär regelmäßig für dich: Steht das bewusste „Ich will“ im Einklang mit dem, was dein Körper und dein Unbewusstes signalisieren? Gibt es ein klares Signal auf allen Ebenen “Ich bin bereit!”? Ein ungelöster innerer Konflikt ist oft der größte Fokus-Killer.
    2. Prozess- statt Ergebnisziele: Wenn du dich zu sehr auf die olympische Medaille oder die Platzierung fixierst, erzeugst du oft unnötigen zusätzlichen Druck. Der Fokus auf die Linie, deine Atmung oder den Rhythmus (Prozess) hält dich im Hier und Jetzt handlungsfähig – und den optimalen Fokus kann man mit Sporthypnose trainieren und erreichen.
    3. Mentale Simulation etablieren: Nutze Techniken, um den Ablauf eines Wettkampfes/ einer Prüfung multisensorisch vorzuplanen. Je vertrauter dein Gehirn mit der Situation ist, desto weniger Energie verbraucht es unter Druck für Stressreaktionen.
    4. Frühwarnsysteme für den Fokus: Lerne zu erkennen, wann dein Fokus „trübe“ wird. Alles, was im Vorfeld nicht optimal verarbeitet wurde (Verletzungen, Kritik), bindet Ressourcen. Hier hilft ein gezieltes Hinterfragen deiner eigenen mentalen Muster und ggf. Bearbeiten vorheriger negativer Erfahrungen, egal ob physisch oder psychisch.
    5. Regeneration als Leistungsteil: Ein erschöpftes Nervensystem kann keine Präzision liefern. Plane mentale Erholungsphasen genauso fest ein wie dein physisches Training. Nur ein regeneriertes System erlaubt den „Tunnelblick“, den du für Bestleistungen brauchst. Auch für die schnellere Regeneration gibt es viele gute mentale Tools.

    Fazit: Den Fokus meistern

    Der Fall Lindsey Vonn bei Olympia führt uns vor Augen, wie schmal der Grat zwischen Triumph und Tragödie im Spitzensport ist. Ich wünsche Lindsey und allen anderen Athletinnen und Athleten, die bei diesen Spielen oder anderswo Stürze und Verletzungen erlitten haben, eine schnelle und vollständige Genesung sowie viel Kraft für den Weg zurück!!

    Ein Comeback nach einem Sturz oder einer Verletzung fängt im Kopf an. Wie man nach Verletzungen mental und körperlich gestärkt zurückkehrt, habe ich in meinem Beitrag zum Thema „Comeback stronger“ beschrieben.

    Wenn du Fragen zu diesen Themen hast oder Unterstützung für dein eigenes Risikomanagement suchst, nimm gerne persönlich Kontakt mit mir auf. Gemeinsam schauen wir, wie du deinen Fokus stärken und dein Risiko optimal mental steuern kannst.

    Radio-Beitrag zum Thema vom SWR mit Dunja Lang:

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    Klaus-Dieter Lübke Naberhaus: Viele Sportler könnten nach Verletzungen früher in Training und Wettkampf zurückkehren

    Eine Verletzung wirft jeden Sportler und jede Sportlerin zurück. Oft geht es im Sport dann nur um die körperliche Ebene. Alles andere bleibt oft liegen oder im Hintergrund. Aber genau hier sieht Klaus-Dieter Lübke Naberhaus, der seit Jahren im Deutschen Handball-Bund die weiblichen Nationalteams als Sportmediziner betreut und den Leistungssport aus mehreren Perspektiven kennt, eine Menge Potential. Am Samstag, den 21. Februar 2026, rückt er in seinem Workshop-Teil unseres Events “Muscle & Mind – Sicher begleitet zum Comeback” Traumata im Sport in den Fokus (jetzt letzte Tickets buchen, direkt zur Anmeldung).

    Zum Thema: Traumata im Sport

    Klaus, worum geht es in deinem Workshop (Was verbirgt sich im Keller? Traumata im Sport)?

    Negative Erlebnisse, chronische Belastungen bis hin zu Traumata werden oft nicht bewusst wahrgenommen, psychologisch gesprochen, verdrängt oder mit anderen Mechanismen unbewusst abgewehrt. Vergleichbar mit den Dingen, die in einem Keller des Hauses gelagert und oft vergessen werden.

    Wir wollen die Mechanismen der Verletzung von Körper, Geist und Seele, also ganzheitlich betrachtet vom System Mensch, bewusst machen. Dann ein Verständnis dafür schaffen, was dort psychologisch passiert und wie wir damit umgehen können und wann auch professionelle Hilfe notwendig ist, die über die Begleitung eines Sportpsychologen, Arztes und Physiotherapeuten hinausgeht.

    Programm

    Keynotes:

    • Kathrin Seufert: „Das wankende Haus: Verletzungen und Traumata als Erschütterung der Identität“
    • Prof. Dr. Andreas Schlumberger: „Was tun, wenn einzelne Steine aus der Mauer rausbrechen?“
    • PD. Dr. med. Christophe Lambert: „Wie wichtig ist die mentale Fitness für RTC (Return to competition)?“

    Workshops:

    • Klaus-Dieter Lübke Naberhaus: Was verbirgt sich im Keller? Traumata im Sport
    • Kathrin Seufert: Trotz Baustelle, gedanklich schön und effizient wohnen
    • Ben Mansour/Tim Insberg /Yannik Adams (Sportwissenschaft): Return to competition (RTC) und seine Hürden
    • Klaus-Dieter Lübke Naberhaus und Philippe Müller: Fundamente stärken, Mauern sanieren, das Dach neu decken: Reha ganzheitlich gedacht
    • Michael Bröckelmann: Grenzen der Heilungsbegleitung 
    • Prof Dr. Oliver Stoll: In der Küche, im Wohnzimmer, im Flur – Welches Maß an Nähe und Distanz ist dir wichtig, um über Verletzungen zu sprechen
    • Philippe Müller: Starke Mauern bauen: Verletzungen vorbeugen
    • Kathrin Seufert und Prof Dr. Oliver Stoll: Trotz Baustelle, gedanklich schön und effizient wohnen

    Podiumsdiskussion:

    • u.a. mit Miriam Butkereit (Silbermedaille Olympia 2024 in Judo)

    Warum ist es aus deiner Sicht wichtig, dass die Sportpsychologie auch in der Prävention mitgedacht wird?

    Wie begründet sich die Notwendigkeit dieser zusätzlichen Perspektive?

    Aus den eher negativen Erfahrungen, dass gerade bei den “rein körperlichen Verletzungen” die Sportler mit der psychologischen Verarbeitung dieser Verletzung alleine gelassen werden, weil nur der körperliche Aspekt gesehen wird, die Sportler ihn oft auch selbst nur isoliert sehen und sich manchmal wundern, weshalb der Prozess zur Rückkehr in den Sport nicht vorangeht, obwohl die Ärzte sagen, dass physisch alles wieder in Ordnung ist.

    Warum ist es aus deiner Sicht grundsätzlich wichtig, dass die Sportpsychologie auch im Rehabilitationsprozess nach Sportverletzungen mitgedacht wird?

    Eben aus den oben genannten Phänomen, dass die Sportler nicht ganzheitlich betrachtet werden und vielen nicht bewusst ist, dass bei jeder physischen Verletzung auch die Psyche betroffen ist, dass diese beiden Begriffe nur Bezeichnungen für die Teile eines Systems sind.

    Und weil viele Sportler früher zurück in den Sport und Wettkampf kommen könnten, wenn sie von einem Team aus Physiotherapeuten, Arzt, Sportpsychologen, Athletiktrainer und Trainer in ihrem Prozess begleitet werden.

    Hol dir dein Ticket für Muscle & Mind:

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    Harold Kreis: “Unser Ziel ist das bestmögliche Ergebnis”

    Das Olympische Eishockeyturnier wird eines der Highlights der Spiele 2026 in Italien, so sind sich alle Experten und Expertinnen einig. Der Grund: Beim Turnier in Mailand laufen für alle NHL-Stars der teilnehmenden Nationalteams auf. Bundestrainer Harold Kreis kann also ein Team um Weltstar Leon Draisaitl bauen und sieht sich vor dem Turnier mit großen Erwartungen konfrontiert. Kurz vor der Abreise nach Italien hatte Prof. Dr. Oliver Stoll den Bundestrainer der DEB-Auswahl in seiner heimischen Küche zu Gast. Es ging um Leistungsdruck, Vorfreude, die Zimmerbelegung, olympische Ablenkungen und Floorball, den kleinen Bruder des Eishockeys. Und natürlich um Ziele.

    Zum Thema: Ziele, Rollen und Motivation im Eishockey

    In einer schwierigen Situation steckt Kreis schon vor dem Beginn des Olympischen Turniers. Denn sobald die acht Nordamerika-Akteure der DEB-Auswahl in Mailand ankommen, muss der Bundestrainer acht Spieler nach Hause schicken. Acht Spieler, die bis dahin die Vorbereitung absolviert haben und für die der Traum vom Olympischen Turnier platzt. Im Interview erklärt Kreis, wie im Team mit dieser Situation umgegangen wird. 

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    Weitere Informationen

    Prof. Dr. Oliver Stoll und Harold Kreis kennen und schätzen sich seit Jahren. So kam auch das Treffen in der Küche des Leipziger Sportpsychologen zustande. Im Kreis des Nationalteams war Stoll wiederum noch nicht aktiv – für den DEB ist Dr. Tom Kossak im Umfeld des Nationalteams und der Junioren im Einsatz. Insofern gelingt es Stoll, aus einer  Außenperspektive auf die bevorstehenden Herausforderungen zu blicken. Im Interview macht er den Umgang mit der Erwartungshaltung der Öffentlichkeit zum Thema und geht auf den “Zauber der Spiele” ein, der sich im Olympischen Dorf durch die Präsenz diverser Sportstars anderer Disziplinen schon einmal auswirken kann. Dazu stellt Stoll, der als Sportpsychologe die deutsche Floorball-Nationalmannschaft betreut, interessante Parallelen zwischen Eishockey und der artverwandten Sportart Floorball zur Diskussion (zum Interview).

    Im Hintergrundgespräch macht Kreis deutlich, dass auch er sich persönlich auf einen besonderen Wettbewerb freut. Kreis: “Es wird ein phantastisches Turnier”. Als DEB-Spieler nahm er selbst an den Olympischen Spielen 1984 in Sarajevo und 1988 in Calgary, also in seiner kanadischen Heimat, teil. Seine Rolle sieht er nun als Trainer vor allem darin, den Rahmen für das richtige Miteinander im Team zu setzen. Wichtig ist ihm der Anspruch, gemeinsam gutes Eishockey zu spielen, etwas miteinander zu erleben und nicht zuletzt auch Spaß zu haben. Die Gefahr, dass es zwischen den NHL- und DEL-Profis nicht passen könnte, sieht er nicht. Kreis: “Wir wissen von unseren NHL-Spielern, dass sie so viel wie möglich DEL-Matches schauen. Sie sind wirklich gut informiert und nicht selten verbindet die Spieler durch eine gemeinsame Vergangenheit, etwa in unseren Jugendnationalteams, auch gute Freundschaften.”    

    Kreis gilt als Freund der Sportpsychologie und stellt heraus, dass es ihm gerade das Modell der Selbstbestimmungstheorie angetan habe. Demnach – oder besser nach Edward L. Deci und Richard M. Ryan – werde menschliches Wachstum, Motivation und Wohlbefinden gefördert, wenn Bedürfnisse nach Autonomie, Kompetenz und sozialer Eingebundenheit berücksichtigt werden. Kreis gibt den Rahmen vor und setzt gleichzeitig auf die intrinsische Motivation der Spieler. 

    Interessant ist, dass Kreis bei den Olympischen Spielen seine eigene Rolle als Trainer in Teilen neu interpretieren wird. Seitdem er seit März 2023 das Amt innehat, war er an der Bande vor allem ein Beobachter. Die Auswechslungen haben für die Defensive Alexander Sulzer und Serge Aubin für die Offensive übernommen. Hinzu kommt mit Jamie Kompon von den Florida Panthers ein weiterer Assistenztrainer mit umfangreicher NHL-Erfahrung. Was sich für Kreis während Olympia ändert und welche Gründe das hat, verrät der Bundestrainer hier:

    Versiert formuliert Kreis das sportliche Ziel für das Olympische Turnier: “Unser Ziel ist das bestmögliche Ergebnis.” Und wir von Die Sportpsychologen hoffen, dass der Weg dahin für das Team, alle Beteiligten und die deutschen Eishockey-Fans ein besonders eindrucksvoller wird.

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    Neues Buch von Prof. Dr. Oliver Stoll: Mentaltraining im Eishockey, Ein Handbuch für Praktiker

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