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Yvonne Dathe: Aus Rückschlägen lernen

Unsere Expertin Yvonne Dathe (zur Profilseite) hat ein Buch veröffentlicht: Aufwind im Kopf, heißt es. Es vermittelt das Wissen, mentale Fähigkeiten zu trainieren, um diese im Training und im Wettkampf anzuwenden. Yvonne Dathe, selbst erfolgreiche Gleitschirmfliegerin, nutzt dafür den Flugsport als Grundlage – die Anwendung beschränkt sich aber bei weitem nicht nur auf Piloten und Pilotinnen. An eindrücklichen Beispielen vermittelt sie Anwendungswissen zu Themen wie Lernen, Umgang mit Fehlern und Achtsamkeit. Dazu überführt sie zu Methoden aus der Akzeptanz und Commitment Therapie in den Sport.

Das Buch ist in diesem Jahr in der dritten Auflage erschienen und enthält umfangreiches Zusatzmaterial. Mathias Liebing, Redaktionsleiter von Die Sportpsychologen, hat mit Yvonne Dathe über das Buch gesprochen.

Yvonne, in der Werbung zu deinem Buch „Aufwind im Kopf“ versprichst du, aus Rückschlägen Lernerfolge zu machen. Gib mal ein Beispiel, aus welchem Rückschlag du einen Lernerfolg machen kannst?

Beim Fliegen ist es ganz natürlich, dass wir auch immer mal wieder einen Rückschlag erleben. So könnte ich bei einem Streckenflug eine verfrühte Außenlandung haben. So mancher Pilot versucht sein Selbstwert zu schützen und sagt sich „da hatte ich Pech, die Thermik war einfach durch, so musste ich landen“. Wer aus solch einem Rückschlag einen Lernerfolg machen möchte, sollte anders vorgehen. So jemand sollte zunächst analysieren, was war gut, was war schlecht? Lag Stress oder Druck vor? Gab es andere Piloten, die am selben Tag weiter geflogen sind? – Im Wettbewerb zeigt sich sehr leicht, ob ich wirklich „Pech“ hatte, oder ob ich an einer Stelle eine Fehlentscheidung getroffen habe. Bei einem Flug ohne Wettbewerb ist die Analyse etwas schwieriger, doch wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, kann ich auch hier erkennen, woran es wirklich gelegen hat. 

Nach der Analyse geht es darum sich Pläne für die Zukunft zu machen. Vielleicht sollte ich mir die Talwindsysteme besser ansehen oder lernen mit Druck und Stress besser umzugehen. Es kann hilfreich sein Flugkollegen um ein konstruktives Feedback zu bitten, um die eigenen Einschätzung mit der Realität abzugleichen. 

Rückschläge oder sogenannte „Fehler“ passieren. Wenn wir ehrlich zu uns selbst sind werden aus „Fehlern“: Förderliche Erfahrungen, die Helfen zu Lernen Erfolg zu Realisieren. 

Warum sind mentale Fähigkeiten gerade im Flugsport essentiell?

Gerade im Flugsport gibt es viele Herausforderungen zu meistern. Im ummotorisierten Flugsport, wie dem Gleitschirm-, Drachen- oder Segelflug gilt es schnell Entscheidungen zu treffen. Piloten sollten in der Lage sein, schnell zu entscheiden, ansonsten stehen sie bald am Boden. Hier ist es wichtig, schnell zu denken und Probleme zu lösen. Das Element in dem wir uns bewegen ist unsichtbar, was zu manchen Unsicherheiten führen kann. Piloten sollten auch in stressigen Situationen ruhig und handlungsfähig bleiben, um mit klarem Verstand situationsadäquat zu handeln, bis sie sicher am Boden sind. 

Fliegen erfordert eine hohe Konzentration und Aufmerksamkeit. Sie müssen sich auf die Route konzentrieren, die nächste Thermik entdecken und den Luftraum im Auge behalten. Die Umgebung, einschließlich der Wetterbedingungen können sich schnell ändern. Es gilt mögliche Gefahren frühzeitig zu erkennen. 

Mentale Fähigkeiten helfen, mit Aufregung oder anderen Emotionen wie Angst umzugehen und dennoch fokussiert zu bleiben. Piloten sollten bereit sein, ständig zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Die Materialien der Fluggeräte ändern sich und so muss auch die eigenen Flugtechnik immer wieder angepasst werden. 

All diese Herausforderungen führen dazu, dass gute mentale Fähigkeiten wichtig im Flugsport sind. 

Dein Buch zielt auf das ACT-Prinzip ab. Was kannst du dazu erklären, ohne zu viel zu verraten?

ACT ist die Abkürzung für die „Akzeptanz und Commitment Therapie“. ACT beruht auf der Verhaltenstherapie und wurde ursprünglich für den Umgang mit Stress und Ängsten entwickelt. Inzwischen hat sich der Ansatz weiterentwickelt und wird auch im sportpsychologischen Kontexten eingesetzt um flexibel auf die Herausforderungen reagieren zu können. Im Prinzip geht es darum, konkrete Veränderungen im Umgang mit dem eigenen Erleben und mit bestimmten schwierigen Situationen zu fördern. Es geht also darum, besser mit den eigenen Emotionen und dem eigenen Fokus umzugehen. So z. B.:

  • Umgang mit Gefühlen: Anstatt sie loswerden zu wollen, was in der Regel nicht funktioniert, werden sie akzeptiert und es wird ihnen Raum gegeben.
  • Umgang mit Gedanken: Es geht darum hilfreiche Denkweisen zu entwickeln und nicht alles zu glauben, was wir denken, um Gedanken die Macht über unser Fühlen und Handeln zu nehmen.
  • Umgang mit der Aufmerksamkeit: Es gilt die Aufmerksamkeit flexibel auf das zu richten, was im Hier und Jetzt wichtig und hilfreich ist. Grübeln über die Vergangenheit oder mögliche zukünftige Ereignisse sind wenig hilfreich.
  • Umgang mit dem Ich: Sich selbst als Beobachter zu betrachten anstatt als Gefangener im eigenen Denken und Erleben. 
  • Klarheit über Prioritäten: Es geht auch darum, sich seiner Prioritäten und Werte klar zu werden. Also, as ist mir neben meinen Ergebniszielen noch wichtig in meinem Sport und meinem Leben?
  • Umgang mit Entscheidungen: Gute und kluge (Flug-)Entscheidungen zu treffen, im Einklang mit Bauch und Verstand.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es darum geht flexibel auf die jeweiligen Situationen zu reagieren. Die Flugumgebung ist flexibel und ändert sich ständig, somit sollten auch wir flexibel handeln und entscheiden können.

Profilseite von Yvonne Dathe

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Gastbeitrag: Post-Olympic Blues und Post-Olympic Depression

Die Olympischen Spiele sind für die teilnehmenden Sportler und Sportlerinnen nicht irgendein Wettkampf. Mit dieser herausgehobenen Bedeutung gehen aber auch besondere Herausforderungen einher, mit denen sich die Aktiven in erster Linie nach dem Erlebnis Olympia konfrontiert sehen. Aus diesem Grund unterstützen wir von Die Sportpsychologen die Arbeit von Dr. phil. Gaby Bussmann, Dr. phil. Charlotte Behlau und Dr. med. Valentin Z. Markser. Die drei ExpertInnen haben ein Informationsschreiben des Olympia-Stützpunkts NRW/Westfalen veröffentlicht, welches wir hier als Gastbeitrag teilen, um noch mehr Aufmerksamkeit auf dieses wichtige Thema zu lenken.

Zum Thema: Informationen und Empfehlungen: Post-Olympic Blues (POB) und Post-Olympic Depression (POD)

Die Zeit nach den Olympischen Spielen ist schwer, weil sie meistens weniger geplant ist und sich nach dem Höhepunkt der letzten Jahre Arbeit sinnfreier anfühlt. Sie kann deswegen mit einem geringeren Wohlbefinden und mit depressiven Stimmungen einhergehen. Viele Monate oder gar Jahre waren die Gedanken, Ziele, Maßnahmen und das Training auf ein klar definiertes Ziel fokussiert – die Olympischen Spiele. Mit deren Ende fällt dies weg und ein Teil der eigenen Identität kann wegbrechen. Es entsteht eine Richtungslosigkeit. Erfahrene Olympiateilnehmer:innen empfehlen deshalb auch immer, denke und plane über die Olympischen Spiele hinaus. Denn während für einige der olympische Traum in Erfüllung geht, entwickeln sich für Andere die Olympischen Spiele auch zum Albtraum. Der Post-Olympic Blues (POB) beschreibt generell die Periode nach dem olympischen Spielen, in der Athlet:innen negative Emotionen und depressive Symptome verspüren und sich verloren fühlen können. Meistens wird der POB ausgelöst dadurch, dass man von dem Hoch der Olympischen Spiele und dem organisationalen Stress wieder runterkommt und in den Alltag zurückkehrt.

Weitere psychologischen und emotionalen Symptome, die beschrieben werden, sind: fehlende Motivation, Isolation und Einsamkeit, fehlende Energie, fehlender Antrieb bzw. fehlendes Interesse am Leben, höhere Ängstlichkeit, Reizbarkeit und interpersönliche Hypersensibilität, außerdem Fokussierungsschwierigkeiten und Schuldgefühle. Zusätzlich können Lustlosigkeit, Schlafstörungen und depressive Stimmungen auftreten.

Achtung

Post-Olympic Blues und Post-Olympic Depression verspüren nicht nur Athlet:innen, sondern auch Trainer:innen und Staff. Diese beschreiben nach den Olympischen Spielen ebenfalls das Gefühl eines abrupten Endes des sportlichen Alltags, auf einen emotionalen Tiefpunkt zu fallen und dann erstmals den Sinn und die Ziele redefinieren zu müssen.

Vorkehrungen und Umgang damit

Fast alle Teilnehmenden sind in gewisser Weise betroffen, jedoch in unterschiedlicher Stärke. Insgesamt, ist die Prävalenz höher bei mit der Leistung unzufriedenen Athlet:innen und niedriger bei sportlichen „Rentner:innen“ (Retirement) als bei weiter Aktiven. Die ersten vier Wochen nach den Olympischen Spielen kann zwischen Erschöpfung, Post-Olympic Blues und der Post-Olympic Depression unterschieden werden. Die zentrale Frage lautet daher nicht, wie kann es umgangen werden, sondern wie kann angemessen damit umgegangen werden. Eine wichtige Bedeutung in der Gestaltung hat dabei das Umfeld und psychosoziale/finanzielle Unterstützung durch Familie, Freunde, Trainer:innen und weitere Supporter:innen (wie z.B. Sportpsycholog:innen oder bei depressiven Stimmungen Sportpsychiater:innen bzw. Sportpsychotherapeut:innen).

Folgende Empfehlungen können helfen:

  • Akzeptanz der Emotionen ist der erste wichtige Schritt. Die emotionalen Zustände können von unterschiedlichen Personen individuell unterschiedlich erlebt werden. Akzeptanz als grundlegende Voraussetzung heißt, die Gefühle nach dem Wettkampf nicht mehr zu verleugnen und ernst zu nehmen. Dann können notwendige helfende Maßnahmen in Anspruch genommen werden.
  • Das Bewusstmachen der Vergänglichkeit von Gefühlen ist auch wichtig und sorgt dafür, dass die Phase besser und schneller überwunden werden kann.
  • Die reale und empfundene Erschöpfung dient dem Auftanken und der Erholung nach einer langen Trainings- und Wettkampfphase. Sie bekommt damit einen hohen Stellenwert. Sich die Erholung zu erlauben und zuzulassen ist jetzt wichtig.
  • Verpflichtungen aufs Wesentliche zu reduzieren und im Alltag ankommen, das dient der weiteren Erholung.
  • Einen Plan für die Zeit nach Olympia erstellen: Wofür soll der Raum jetzt genutzt werden? Besonders erfahrenen Olmypiateilnehmer:innen („Wiederholungstäter:innen“) empfehlen diese Strategie.
  • Der Körper und Psyche brauchen langsame Übergänge. Trainingsprogramm mit Trainer:innen erarbeiten, wo Erholung und andere Sportarten ohne Wettkampfcharakter immer größeren Raum einnehmen.
  • Das eigene Verwöhnprogramm einleiten. Dinge machen, die der jeweiligen Person guttun wie Ruhe, gesundes Essen, Massagen und Yogaübungen. Jetzt ist auch die Zeit reif für Dinge, auf die vorher verzichtet werden musste. Neben dem Sport neue Freizeitaktivitäten und Interessensgebiete aufbauen und pflegen, beispielsweise im kreativen und/oder kulturellen Bereich. Diese Tätigkeiten können dann verstärkt nach einem aktiven Wettkampf ausgeübt werden und sorgen für ein Gleichgewicht neben der Fokussierung auf den Sport.
  • Die eigene Zeit und den Freiraum zunehmend selbst bestimmen, weg von festgesetzten Terminen.
  • Unterstützung durch Sportpsycholog:innen, Sportpsychiater:innen und Sportpsychotherapeut:innen bei der Rückkehr nutzen bzw. suchen. Eine Normalisierung und Wiederanpassung an den Alltag sollte erfolgen. Oft hilft es, drüber zu reden oder sich auszutauschen mit Anderen, die ähnliches empfinden oder erlebt haben.
  • Kontakt zu den wichtigsten Bezugspersonen suchen und aufrechterhalten, um die zu lange Isolation zu vermeiden.
  • Eine angemessene Leistungsbeurteilung im Verhältnis zur gesetzten Leistungserwartung sollte erfolgen. Ein sorgfältiges Debriefing mit einer detaillierten und umfassenden Auswertung der eigenen Olympia-Mission ist hilfreich. Debriefing (hier Nachbereitung der Olympischen Spiele) dient der mentalen und emotionalen Erholung und es wird eine Wissensbasis aufgebaut, was für zukünftige Erfolge getan werden kann.
  • Erfahrungen nutzbar machen und für die Zukunft umsetzen, z.B. durch Aufschreiben.
  • Die Chance zur Entwicklung neuer oder alternative Karriereoptionen analysieren und dazu auf Unterstützung setzen und auf das funktionale Netzwerk zurückgreifen.
  • Sinn, Ziele und Werte im Sport neu definieren. Hier den Wechsel von „knallharten“ Ergebniszielen zu Leistungs-/Handlungs- und Prozesszielen einleiten.
  • Selbstbestimmt Handeln: die Privatsphäre genießen und einen eigenen Umgang mit den Medien für sich festlegen.

Kontakte zu den AutorInnen:

  • Dr. phil. Gaby Bussmann – bussmann@sportpsychologie.com
  • Dr. phil. Charlotte Behlau – charlotteraue@gmail.com
  • Dr. med. Valentin Z. Markser – valentin.z.markser@dgspp.de

Link zur Originalveröffentlichung: https://www.osp-westfalen.nrw/wp-content/uploads/2024/08/Post-Olympic-Blues.pdf

Mehr zum Thema:

Literatur:

Bennie, A., Walton, C. C., O’Connor, D., Fitzsimons, L., & Hammond, T. (2021). Exploring the experiences and well-being of Australian Rio Olympians during the post-Olympic phase: a qualitative study. Frontiers in Psychology12, 685322.
Berking, M. (2017). Training emotionaler Kompetenzen.
Bradshaw, H., Howells, K., & Lucassen, M. (2022). Abandoned to manage the post-Olympic blues: Olympians reflect on their experiences and the need for a change. Qualitative Research in Sport, Exercise and Health14(5), 706-723.
DeWolfe, C. E., & Dithurbide, L. (2022). Beware of the blues: wellbeing of coaches and support staff throughout the Olympic games. International Journal of Sports Science & Coaching17(6), 1243-1257. Diment, G. M., Stagis, N. D., & Kuettel, A. (2023). What is this Thing called“ Post-Olympic Blues“? An Exploratory Study Among Danish Olympic Athletes. Scandinavian Journal of Sport and Exercise Psychology5, 21-30
Gubelmannn (2021). Wenn der Olymipa-Blues zuschlägt – Ein Phänomen, das alle Olympia- Teilnehmer*innen betrifft. https://www.die-sportpsychologen.de/2021/09/dr-hanspeter-gubelmann-wenn- der-olympia-blues-zuschlaegt-ein-phaenomen-das-alle-olympia-teilnehmerinnen-betrifft/
Hogg, J. & Kellmann, M. (2002). Debriefing im Leistungssport. Psychologie und Sport, 9, 90-96.
Howells, K., & Lucassen, M. (2018). ‘Post-Olympic blues’–The diminution of celebrity in Olympic athletes. Psychology of Sport and Exercise37, 67-78.
Taylor, J. & Schneider, T. (2007). Mentales Training für Triathleten und alle Ausdauersportler.

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Tag der Sportpsychologie in Düsseldorf

Am Freitag, den 27. September 2024, steht die aktuelle Auflage der Veranstaltungsserie „Tag der Sportpsychologie“ in Düsseldorf bevor. Wir von Die Sportpsychologen sind mit der Vortragsrednerin Kathrin Seufert (zur Profilseite) und den Workshopleitern Dr. Christian Reinhardt (zur Profilseite) und Björn Korfmacher (zur Profilseite) vor Ort. Die Veranstaltung wird von Jürgen Walters Verband für Sportpsychologie organisiert und unter das Motto „Wissen Schafft Erfolg: Sportpsychologische Interventionen in der Praxisgestellt.

Zum Thema: Tag der Sportpsychologie, 27. September 2024 in Düsseldorf

Ablaufplan

09:15 Uhr
Coming in & Begrüßung vom Vorstand „Verband der praktischen Sportpsychologie e. V.“

09:30 – 09:35 Uhr
Grußwort Prof. Dr. Gerhard Nowak (IST-Hochschule) & Vorstellung des Master-Studiengangs „Sportpsychologie“

09:35 – 10:10 Uhr
Vortrag Prof. Dr. Michael Gutmann: Psychologie in Sportverbänden: Wohin geht die Reise?

Kathrin Seufert, Die Sportpsychologen
Kathrin Seufert, Die Sportpsychologen

10:10 – 10:50 Uhr
Vortrag Kate Seufert: Visualisierung im Rahmen des mentalen Trainings

10:50 – 11:15 Uhr
Kaffeepause & Netzwerken

11:15 – 12:15 Uhr
Workshops: 
• Antonia Schubert: Teamkommunikation als Schlüssel zum Erfolg
• Alexandra Albert: Neurozentriertes Mentaltraining im Sport
• Björn Korfmacher: (Schau)spielerisch zu mehr Selbstvertrauen
• Dr. Christian Reinhardt: Erfolg zur Gewohnheit werden lassen

Dr. Christian Reinhardt, Die Sportpsychologen
Dr. Christian Reinhardt, Die Sportpsychologen

12:15 – 13:15 Uhr
Mittagspause & Netzwerken

13:15 – 13:55 Uhr
Interview Valentin Baus & Thomas Schmidberger (Goldmedaille Paralympics Tischtennis, 2021): Vorteile des negativen Denkens

14:00 – 15:00 Uhr
Workshops:
• Antonia Schubert: Teamkommunikation als Schlüssel zum Erfolg
• Alexandra Albert: Neurozentriertes Mentaltraining im Sport
• Björn Korfmacher: (Schau)spielerisch zu mehr Selbstvertrauen
• Dr. Christian Reinhardt: Erfolg zur Gewohnheit werden lassen

Björn Korfmacher, Die Sportpsychologen

15:15 – 15:20 Uhr
Mittagspause & Netzwerken

15:20 – 15:50 Uhr
Zusammenführung der Workshops im Plenum & Diskussion mit allen Referierenden

16:00 Uhr
Verabschiedung mit einem Tischtennis-Schaukampf mit Omar Assar (Nr. 22 der Welt, angefragt)

Ort: 
IST-Hochschule, Erkrather Str. 220, 40233 Düsseldorf

Kostenbeitrag:
Kostenbeitrag inkl. Verpflegung:
€ 99,00 für Mitglieder des Verbandes/BDP/Studierende
€ 119,00
Die Teilnehmeranzahl ist begrenzt.

Anmeldung:
Wir freuen uns auf Ihre Anmeldung bis zum 20. September 2024 an:

Verband der praktischen Sportpsychologie e. V.
Lindenstr. 212 · 40235 Düsseldorf
Organisation: Jürgen Walter
Mobil: 0157 – 353 931 32
E-Mail: kontakt@verband-sportpsychologie.de

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Robin Conen: Ich biete Sportpsychologie und klinische Psychologie aus einer Hand

Das Thema mentale Gesundheit bekommt im Sport immer mehr Aufmerksamkeit. Da Athleten und Athletinnen nicht selten mit ihren Anliegen im Graubereich zwischen sportpsychologischer Arbeit und klinischer Psychologie bewegen, ist das Angebot von Robin Conen ein besonderes. Unser neuer Profilinhaber aus Trier kommt aus dem Lager unserer ExpertInnen von Die Sportpsychologen, die sowohl mit sportlichem Fokus als auch mit klinischer Expertise arbeiten können.

Robin, du bietest sportpsychologische Dienstleistungen an, verfügst aber auch über Hintergrund in der klinischen Psychologie. Warum kann diese Kombination wertvoll sein?

Als Sportpsychologe mit klinischem Hintergrund bzw. Psychologischer Psychotherapeut i.A. bringe ich eine zentrale Kombination von Fähigkeiten mit, die besonders wertvoll für die Betreuung von Sportlern ist, insbesondere durch die Integration von klinischer Psychologie und Sportpsychologie. Das Thema Gesundheit gewinnt zunehmend an Bedeutung im Spitzensport, wie der kürzlich im März veranstaltete Thementag „Essstörungen im Leistungssport“ der Deutschen Sporthochschule Köln und „Mental Gestärkt – Psychische Gesundheit im Leistungssport“ zeigt.

Durch meine Qualifikation als Sportpsychologe und Psychologischer Psychotherapeut i.A. (Schwerpunkt: Systemische Psychotherapie) kann ich Sportler auch in Bezug auf ihre allgemeine psychische Gesundheit unterstützen. Dies ermöglicht eine ganzheitliche Betreuung, die alle Aspekte des Wohlbefindens berücksichtigt. Eine sportpsychologische Betreuung kann im Krankheitsfall (z.B. Essstörungen, Depressionen) durch weiterführende therapeutische Maßnahmen ergänzt werden und nach Therapieende auf sportpsychologischer Ebene fortgesetzt werden, z.B. durch Förderung von Motivation und Routinen, Stress- und Belastungsmanagement sowie Unterstützung bei der Karriere nach dem Sport.

Die Kombination aus Sportpsychologie und klinischer Psychologie ist wertvoll, da sie folgende Schnittstellen abdeckt:

(1) Sportpsychotherapie: Mit meinem klinischen Hintergrund kann ich psychische Gesundheitsprobleme wie Depressionen, Angststörungen oder Essstörungen bei Sportlern frühzeitig erkennen und behandeln. Diese Probleme beeinträchtigen oft die sportliche Leistung. Zudem können Konflikte auf sozialer Ebene, wie Streitigkeiten mit Trainern oder Mobbing im Team, stressend wirken und psychische Erkrankungen auslösen. Diese können durch Teamentwicklung adressiert werden.

(2) Gesundheitsorientierte Sportpsychologie: Mein Angebot umfasst die Förderung körperlicher Aktivität zur Überwindung des „inneren Schweinehunds“ und die Motivationsförderung. Dazu gehört auch die Schmerzbehandlung, z.B. bei chronischen Rückenschmerzen, und die Behandlung von Kinesophobie (Angst vor Bewegung). Ich integriere Bewegungselemente in meine psychotherapeutische Tätigkeit, z.B. indem Therapiestunden mit Depressionspatienten im Gehen stattfinden.

Welchen Zugang hast du selbst zum Sport? Was begeistert dich am Sport?

„Gesundheit ist nicht alles – aber ohne Gesundheit ist alles nichts“ (Schopenhauer). Ich glaube, dass dieses Zitat meine Sicht auf den Sport perfekt wiedergibt. Körper und Geist sind miteinander verbunden und beeinflussen sich gegenseitig, so wie es das bio-psycho-soziale Modell der Psychologie beschreibt. Bei Krankheiten, wie Sportverletzungen, dem Ignorieren von Warnsignalen des Körpers, um trotzdem Leistung zu bringen, oder bei Depressionen ist diese Verbindung gestört. Der Sport und die Sportpsychologie konzentrieren sich jedoch speziell auf diese beiden Komponenten und stellen den Körper in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Jede sportliche Betätigung, sei es in der Freizeit, im Wettkampf oder in der Therapie, stärkt das Körpergefühl. Somit kombiniert die Sportpsychologie für die zwei zentralen Elemente psychische und körperliche-sportliche Bewegung.

Als leidenschaftlicher Ausdauersportler, wie z.B. Laufen und Radfahren, ist sie zudem ein fester Bestandteil meiner täglichen Routine, um fit und gesund zu bleiben, und ich nutze sie als eine Form der Entspannung für meine klinische und wissenschaftliche Arbeit.

Robin Conen, Die Sportpsychologen
Robin Conen, Die Sportpsychologen

zur Profilseite von Robin Conen: https://www.die-sportpsychologen.de/robin-conen/

Einer deiner Schwerpunkte sind spezielle Angebote zur LGBTQIA+ sensiblen Sportpsychologie. Was umfasst das alles?

Tom Daley, Ralf Schumacher, Thomas Hitzlsperger oder Robbie Rogers sind Spitzensportler, die sich als homosexuell geoutet haben – jedoch eben nur wenige. LGBTIQIA+-Themen und Spitzensport gelten noch immer als „Entwicklungsfeld“. Besonders in Sportarten wie Rennsport, Fußball und Boxen, die mit konservativen Männerbildern assoziiert werden, stellt dies eine Herausforderung dar. Generell sind Sportarten, die mit spezifischen Geschlechterrollen verbunden sind, problematischer.

Diese Themen sind oft mit persönlichen Ängsten verbunden, wie Katastrophisierung und Angst vor dem Karriereende, sowie hohem medialen Aufsehen. Daher ist ein wissenschaftlich-sportpsychologisches Angebot auf verschiedenen Ebenen notwendig. Individuell ist das Coming-out ein Prozess der Identitätsbildung, der psychologisch begleitet werden kann. Privat kann durch das Coming-out innerhalb der Familie oder der Mannschaft Unterstützung geleistet werden, ohne Leistungseinbußen befürchten zu müssen. Auf struktureller Ebene kann durch die Implementierung in die Trainerausbildung und die zusätzliche Aufklärung in den Vereinen ein „sicherer Ort“ geschaffen werden, bevor es zu Medieneffekten kommt. Die Unterstützung vor dem Coming-out ist auch für die psychische Gesundheit wichtig, wobei ich auf das Minority Stress Model verweisen will.

Sportpsychologie kann den Coming-Out-Prozess unterstützen, vorausgesetzt, der Sportler ist bereit dazu (Mein Motto: Alles kann – nichts muss). Als sportpsychologischer Therapeut mit einem Schwerpunkt auf LGBTQIA+-sensible Sportpsychologie biete ich verschiedene Ansätze, um ein unterstützendes Umfeld für LGBTQIA+-Sportler zu schaffen.

Individuelle Beratung und Therapie

Identitäts- und Akzeptanzarbeit: Unterstützung bei der Erkundung und Akzeptanz der eigenen sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität. Bewältigungsstrategien: Entwicklung von Strategien zur Bewältigung von Diskriminierung, Mobbing und Stressoren. Mentale Gesundheit: Behandlung von psychischen Gesundheitsproblemen wie Depressionen, Angstzuständen, die bei LGBTQIA+-Sportlern häufiger auftreten aufgrund können aus Angst vor Diskriminierung und dem geheimen Leben eines Doppellebens können.

Team- und Gruppenarbeit

Sensibilisierung und Aufklärung: Workshops und Schulungen für Teams und Trainer, um das Bewusstsein für LGBTQIA+-Themen zu erhöhen und Vorurteile abzubauen. Teambuilding: Förderung eines inklusiven Teamgeistes und der Akzeptanz durch gezielte Teambuilding-Maßnahmen.

Diese Angebote zielen darauf ab, LGBTQIA+-Sportlern ein sicheres, unterstützendes und förderndes Umfeld zu bieten, in dem sie ihre sportlichen und persönlichen Ziele erreichen können.

Als Sportpsychologe und psychologischer Therapeut i.A. mit einem Schwerpunkt auf LGBTQIA+-sensible Sportpsychologie umfassen meine Angebote eine Vielzahl von Aspekten, die darauf abzielen, ein unterstützendes und integratives Umfeld für LGBTQIA+-Sportler zu schaffen. Hier sind einige der wesentlichen Bestandteile dieser Arbeit:

(1) Beratung und Unterstützung: Individuelle (sport)psychologische Beratung und Unterstützung beiindividuellen Herausforderungen von LGBTQIA+-Sportler*innen im Sportumfeld, (2) Sensibilisierung und Aufklärung: Durchführung von Workshops und Schulungen für Trainer*innen, Teams und Sportorganisationen, um das Bewusstsein für LGBTQIA+-Themen zu schärfen und Diskriminierung vorzubeugen, (3) Konfliktlösung und Mediation: Unterstützung bei der Lösung von Konflikten im Sportumfeld, die auf Vorurteile oder Diskriminierung zurückzuführen sind, und Förderung eines respektvollen und sicheren Miteinanders, (4) Forschung und Weiterentwicklung: Teilnahme an und Förderung von (sportpsychologische und gesundheitspsychologischen) Forschungsprojekten, um die Sportpsychologie im Bereich LGBTIQ+ sensiblen Sport in diesem Bereich weiterzuentwickeln, (5) Psychologische Begleitung bei Coming-Out-Prozessen: Psychologische Unterstützung und Beratung von Sportler*innen, die sich im Sportumfeld outen möchten, um diesen Prozess so sicher und unterstützend wie möglich zu gestalten und im individuellen Einzelsetting vorab thematisieren möchten, (6) Beratung von Sportverbänden und -organisationen: Unterstützung von Sportverbänden bei der Entwicklung und Implementierung von Richtlinien und Best Practices zur Förderung von LGBTQIA+-Inklusion im Sport.

Diese umfassenden Angebote zielen darauf ab, LGBTQIA+-Sportlern ein sicheres, unterstützendes und förderndes Umfeld zu bieten, in dem sie ihre sportlichen und persönlichen Ziele erreichen können.

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Medientipps

Hier stellen wir euch Links und Hinweise zu ausgewählten aktuellen medialen Veröffentlichungen rund um das Thema Sportpsychologie zur Verfügung. Die Texte, Beiträge, Interviews, Bücher oder Podcasts stammen von unserer Experten und Expertinnen aus dem Netzwerk oder sind aus unserer Sicht äußerst interessant.

Prof. Dr. Oliver Stoll (zum Profil)

Prof. Dr. Oliver Stoll, Die Sportpsychologen

Redaktionsnetzwerk Deutschland: Ausraster beim Hockey: „Da ist ein Mann, der seine Dominanz gegenüber einer Frau ausspielt“

Link: https://www.rnd.de/panorama/ausraster-von-olympia-hockeytrainer-altenburg-sieht-so-gute-fuehrung-aus-FW32366EHNAOBMFTOWNSYYMFI4.html

Johanna Constantini (zum Profil)

Johanna Constantini, Die Sportpsychologen
Johanna Constantini, Die Sportpsychologen

ORF: Emotionen bei Sportlern

Link: https://on.orf.at/video/14238131/15698857/gruende-fuer-gefuehlsausbrueche-bei-sportlern

Dr. Jan Rauch (zum Profil)

Dr. Jan Rauch, Die Sportpsychologen

SRF: Schimpfen Sie sich zum Sieg

Link: https://www.srf.ch/wissen/mensch/sportpsychologie-schimpfen-sie-sich-zum-sieg

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Robin Conen: Die Gefahr der Post-Olympia-Depression

Die deutsche Judoka Anna-Maria Wagner hat es bereits 2021 erlebt: Nach den Olympischen Spielen von Tokio fiel sie in ein tiefes Loch, war antriebslos, schlief schlecht und spürte eine länger anhaltende tiefe Traurigkeit. Post Olympic Depression lautet der internationale Name des Phänomens, welches immer wieder Athleten und Athletinnen schwer macht, nach einem sportlichen Top-Ereignis den Weg zurück in den Alltag zu finden. Auf welche Symptome sollten SportlerInnen achten und ab wann sich Hilfe suchen? Gibt es Wege, präventiv etwas gegen eine Post-Olympia-Depression zu tun?

Robin Conen, Die Sportpsychologen
Robin Conen, Die Sportpsychologen

Antwort von Robin Conen (zur Profilseite)

Der Begriff „Post Olympic Depression“ wird auch als „Entspannungsdepression“ bezeichnet und beschreibt das Auftreten depressiver Symptome nach einer Phase hoher Belastung und Anspannung, sobald diese nachlässt. Aber warum ist das so?

Forschungsergebnisse suggerieren, dass Hochspannungsphasen Vorläufer von Depressionen sein können. Unterschwellige Depressionssymptome, emotionale Instabilität, geringere Zufriedenheit und mangelnde soziale Unterstützung (z.B. durch Trainer, Teamkollegen oder Familie) können Depressionen vorhersagen. Aus gesundheitspsychologischer Sicht kann Stress, einschließlich emotionaler Belastung, zu Depressionen und anderen Gesundheitsproblemen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes führen und somit eine Leistungssportkarriere gefährden. Interventionen der Sportpsychologie und Psychotherapie deuten jedoch darauf hin, dass psychologische Flexibilität, also die Fähigkeit einer Person, Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen bewusst an die jeweiligen Gegebenheiten anzupassen, als Schutzfaktor gegen emotionale Belastung und Depression dient.

Dies deutet darauf hin, dass nicht alle Personen unter hoher Anspannung zwangsläufig Depressionen entwickeln, da individuelle psychologische Merkmale die Ergebnisse beeinflussen können. Zusammenfassend zeigt sich ein klarer Zusammenhang zwischen Phasen hoher Anspannung und der Entwicklung einer Depression, was durch die prädiktive Rolle von Stress und emotionaler Instabilität belegt wird. Psychologische Flexibilität kann jedoch die Auswirkungen von Stress auf Depressionen mindern, was nahelegt, dass Interventionen zur Stärkung der psychologischen Widerstandsfähigkeit vorteilhaft sein könnten.

Zurück in den Alltag

Durch (sport-)psychologische Interventionen unterstützen Sportpsychologen Athleten aktiv im Umgang mit Rückschlägen oder der Rückkehr zu einem „Alltagsniveau“, beispielsweise nach den Olympischen Spielen. Sie fördern dabei insbesondere die psychologische Flexibilität, die die Auswirkungen von Stress auf Depressionen mindern kann, was den Nutzen von (sport-)psychologischen Interventionen zur Stärkung der psychologischen Widerstandsfähigkeit verdeutlicht. Diese Erkenntnisse betonen die Wichtigkeit einer frühzeitigen Identifizierung und Intervention bei Sportlern mit hohem Stress und Depressionsrisiko – doch wann wird eine „depressive Phase“ tatsächlich krankhaft?

Typische Depressionssymptome umfassen gedrückte Stimmung, Interessenverlust, Freudlosigkeit, Antriebsmangel oder erhöhte Ermüdbarkeit, verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit, geringes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, Schuldgefühle und Wertlosigkeit, negative Zukunftsperspektiven, Suizidgedanken oder -handlungen, Schlafstörungen, verminderten Appetit und sozialen Rückzug. Das gleichzeitige Auftreten mehrerer dieser Symptome deutet auf ein Syndrom hin, das die Grundlage für eine Depressionsdiagnose bildet und psychotherapeutisch behandelt werden sollte. Daraufhin wird dann vom Facharzt für Psychotherapie bzw. vom Psychologischen Psychotherapeuten aus dem Kapitel  „Affektive Störung (F30-F39)“ des International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems (ICD), z.B. F32.1 – Diagnose Mittelgradige depressive Episode oder F33.2 – Diagnose: Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome, diagnostiziert.

In Deutschland sollten Betroffene zunächst den Hausarzt oder einen Psychologischen Psychotherapeuten konsultieren, woraufhin je nach Schweregrad eine stationäre oder ambulante Therapie eingeleitet wird, gegebenenfalls mit medikamentöser Behandlung (z.B. Antidepressivum). Die Patienten können die ambulante Therapie als Kassenleistung in den Richtlinienverfahren der Verhaltenstherapie, Tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie oder Systemischen Psychotherapie durchführen.

Systemischer Ansatz

Die Systemische Psychotherapie, mein Fachgebiet, ist besonders für Leistungssportler geeignet, da sie neben individuellen Anliegen auch soziale Beziehungen berücksichtigt, wie Eltern, Partner, Trainer und Teamkollegen sowie im Ergebnis die psychologische Flexibilität und Resilenz wieder aufgebaut werden.

Ein systemischer sportpsychologischer Begleitansatz ermöglicht auch präventive Maßnahmen bei der Betreuung von Sportlern, wie Entspannungstechniken und Routinebildungen.

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Quellenhinweise

Song, Y., Qian, L., Sui, J., Greiner, R., Li, X.-M., Greenshaw, A. J., Liu, Y. S., & Cao, B. (2023). 

Prediction of depression onset risk among middle-aged and elderly adults using machine learning and Canadian Longitudinal Study on Aging cohort. Journal of Affective Disorders, 339, 52–57.  

https://doi.org/10.1016/j.jad.2023.06.031

Elsayed, N. M., Fields, K. M., Olvera, R. L., & Williamson, D. E. (2019). The role of familial risk, parental psychopathology, and stress for first-onset depression during adolescence. Journal of Affective Disorders, 253, 232–239. https://doi.org/10.1016/j.jad.2019.04.084

Gagliani, M. L., Hojaij, E. M., & Da Luz, P. L. (2018). Chapter 20 – Emotional Stress and Influences on Endothelium. In Endothelium and Cardiovascular Diseases (pp. 265–282). elsevier. https://doi.org/10.1016/b978-0-12-812348-5.00020-9

Atasoy, S., Johar, H., Zöller, D., Schomerus, G., Fleischer, T., Beutel, M., Kruse, J., Ladwig, K.-H., Binder, H., & Braehler, E. (2022). Depression Mediates the Association Between Childhood Emotional Abuse and the Onset of Type 2 Diabetes: Findings From German Multi-Cohort Prospective Studies. Frontiers in Psychiatry, 13(Suppl 1). https://doi.org/10.3389/ fpsyt.2022.825678

Bryan, C. J., Ray-Sannerud, B., & Heron, E. A. (2015). Psychological flexibility as a dimension of resilience for posttraumatic stress, depression, and risk for suicidal ideation among Air Force personnel. Journal of Contextual Behavioral Science, 4(4), 263–268. https://doi.org/10.1016/j.jcbs.2015.10.002

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Dunja Lang: Voll da sein wie Noah Lyles, Jessica von Bredow-Werndl und Christian Kukuk

Noah Lyles. Der amerikanische Sprintstar ist nicht erst seit seinem Finish beim olympischen 100-Meter-Rennen in Paris eine der schillerndsten Sportpersönlichkeiten der Welt. Er besticht neben der Laufbahn auch durch seine Aussagen. Am Sonntag sagte er nach seinem ersten Olympia-Rennen: “Meine Güte, das ist ja unglaublich. Ich bin unglaublich.“ Vor dem Wettkampf äußerte er: “Je mehr Augen auf mich gerichtet sind, desto besser werde ich.” Schon vor Monaten machte Lyles, der sportpsychologisch und therapeutisch begleitet wird, mit Aussagen auf sich aufmerksam, die tiefer blicken lassen: „Ich habe Asthma, Allergien, Legasthenie, ADS, Angstzustände und Depressionen. Aber ich sage Euch, dass das, was Ihr habt, nicht definiert, was Ihr werden könnt. Ihr könnt es auch schaffen.“ 

Was also können Sportler und Sportlerinnen von Noah Lyles lernen? Und was hat das mit der deutschen Olympiasiegern Jessica von Bredow-Werndl und Christian Kukuk zu tun? Dunja Lang geht schafft Aufklärung:

Dunja Lang, Die Sportpsychologen

Antwort von: Dunja Lang (zur Profilseite)

Enormer Druck und Erwartungen, und das Bewusstsein „jetzt hast du eine einmalige Chance!“. Da tut es oft gut, sich noch einmal auf das Wesentliche zu besinnen und es in wenigen Worten auf den Punkt zu bringen. Häufig sind es gut vorbereitete und verankerte Kraftsätze oder Affirmationen, die genau das auf den Punkt bringen, was man JETZT braucht. Und dann geht es um das Verankern, das Vertrauen und Loslassen. Und die richtige Mentaltechnik, um genau das zu schaffen, um nur im Hier und Jetzt zu sein!

Der US-Amerikaner Noah Lyles holte sich unmittelbar vor dem packenden Gold-Thriller über 100 m bei Olympia 2024 in Paris noch einmal Hilfe. „Ich habe meine Therapeutin angerufen und sie sagte: ‚Du musst loslassen, du musst es fließen lassen'“, erklärte der neue Olympiasieger: „Und ich sagte: ‚In Ordnung, ich werde dir vertrauen.'“

Die Idee des Loslassens und Vertrauens können viele Athletinnen nachvollziehen. Sagen doch TrainerInnen oft: „Schalte doch einfach den Kopf aus und mach!“- Ja, wenn es so einfach wäre!

Und was häufig vergessen wird: Auch im „Tunnel“, im absoluten Fokus, braucht es oft einen gewissen, genau definierten Anteil an Bewusstsein. Damit kein unguter Gedanke oder Ablenkung dazwischen kommt! Und man gleichzeitig flexibel und taktisch reagieren kann!

Hier ein weiteres Beispiel aus dem Reitsport, meiner „Spezialdisziplin“ im Mentalcoaching und auch aus eigenen Erfahrungen als Profi im Reitsport:

Jessica von Bredow-Werndl, Olympiasiegerin der Dressur im Einzel und in der Mannschaft nach den Ritten: „Das „Leichte“ ist sooo viel mentale Arbeit! Das es möglich ist, alles zu geben und trotzdem im Hier und Jetzt zu sein. Es ging ums Loslassen, ums Machen, um im Hier und Jetzt zu sein!“

Wie hat sie es geschafft, loszulassen und zu vertrauen? Hier ihre Affirmation, ihr „Kraftsatz“:

„Ich bin genug, Dalera ist genug, wir sind genug. Wir haben alles, was wir brauchen, in uns, bei uns. Wir haben nichts trainiert (auf dem Abreiteplatz, in der direkten Vorbereitung kurz vor dem Start). Wir sind trocken reingeritten und trocken rausgekommen. Es ging wirklich um Vertrauen und das hat geklappt.“

Was hilft jetzt und wie komme ich in diesen speziellen Zustand?

Das lässt sich trainieren! Was ich zigfach mit SportlerInnen aller Leistungsklassen, bis hin zu Olympioniken trainiere, sind spezielle Techniken der Sporthypnose, mit denen man sich zielgerichtet in den genau richtigen mentalen Zustand versetzt. Um einerseits loszulassen und zu vertrauen, und gleichzeitig VOLL DA zu sein, wenn es darauf ankommt.

Oft gilt es, scheinbare Gegensätze zu vereinen, beispielsweise Kontrolle und Angriff. Der Olympiasieger im Springreiten Christian Kukuk hat seine Erfolgs-Strategie „kontrollierter Angriff“ genannt. Um das wirkungsvoll zu verankern, hilft eine spezielle Form der Sporthypnose, weil im Zustand von Trance einer „Aktiv-Wach-Hypnose“, genau das verankert und abgerufen werden kann. Für absolute Spitzenleistung mit Fokus im Hier und Jetzt!

Mehr zum Thema:

Links:

https://www.eurosport.de/leichtathletik/olympia-paris-2024/2024/noah-lyles-holte-sich-vor-gold-triumph-hilfe-bei-seiner-therapeutin-du-musst-loslassen_sto20025643/story.shtml

https://www.sportschau.de/olympia/jessica-von-bredow-werndl-im-emotionalen-siegerinterview,video-olympia-paris-interview-jessica-von-bredow-werndl-100.html

https://www.zdf.de/sport/olympia/2024-paris-jessica-von-bredow-werndl-dressur-gold-interview-100.html

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Goldene Vorstellungskraft – Wissen zum Thema Visualisierungen

Olympische Spiele 2024. Bogenschießen, Mixed-Wettbewerb. Die ARD-Kommentatorin Sabrina Bramowski spricht vor dem Wettkampf davon, dass sie Mentaltrainer kennt, die mit ihren Athleten daran arbeiten, sich die goldene Olympia-Medaille vorzustellen. Klingt spannend, oder ist das schon des Guten zu viel? Beziehungsweise ein bisschen zu einfach gedacht? Befassen wir uns also mit dem Thema Visualisierungen.

Arthur Wachter, Die Sportpsychologen
Arthur Wachter, Die Sportpsychologen

Arthur Wachter (zur Profilseite)

Die Kommentatorin Sabrina Bramowski spielt mit ihrer Aussage auf ein richtig spannendes Thema an: Visualisierung im Sport!

Visualisierung ist ein mächtiges Werkzeug im mentalen Training. Diese Technik, die in der Sportpsychologie und im Mentaltraining weit verbreitet ist, kann Athleten helfen, ihre Leistung zu optimieren und ihre Ziele zu erreichen.

Was ist Visualisierung?

Visualisierung, auch bekannt als mentales Training – beinhaltet das Erschaffen von mentalen Bildern von Bewegungen, Situationen oder Zielen. Athleten stellen sich vor, wie sie erfolgreich agieren, sei es bei einem Wettkampf, Training oder in anderen sportlichen Situationen. Diese mentalen Bilder können so real und detailliert sein, dass sie fast wie eine tatsächliche Erfahrung Wirkung hinterlassen.

Vorteile der Visualisierung:

1. Verbesserte Konzentration und Fokus 

2. Erhöhtes Selbstvertrauen

3. Technikverfeinerung

4. Stressbewältigung

Visualisierung kann in verschiedenen Formen praktiziert werden

  • Vor dem Wettkampf: Athleten können sich den bevorstehenden Wettkampf in allen Details vorstellen
  • Im Training: Während des Trainings können Athleten Visualisierung einsetzen, um sich auf spezifische Techniken oder Herausforderungen zu konzentrieren.
  • In der Erholungsphase/in der Verletzungsphase: In Phasen der Erholung oder Rehabilitation kann Visualisierung helfen, das Training mental fortzusetzen und den Heilungsprozess zu unterstützen.
Christian Bader, Die Sportpsychologen
Christian Bader, Die Sportpsychologen

Christian Bader (zur Profilseite)

Visualisierung ist eng verknüpft mit Mentaltraining. Ziel dabei ist, die mentale Stärke und die Leistung zu verbessern. Mein Kollege Arthur Wachter umschreibt die Visualisierung bereits wunderbar. Gerade in einer sehr technisch anspruchsvollen Sportart wie Bogenschiessen ist das Mentale von besonderer Bedeutung. Gerade im Wettkampf sind Bedrohungen und Belohnungen wichtig. Beispielsweise kann die Beobachtung der Konkurrenten, die die ersten Pfeile souverän im 10er-Ring platzieren, oder das Gefühl der eigenen Kraftlosigkeit („heute wiegt der Recurve-Bogen schwerer als üblich“) als Bedrohung wahrgenommen werden. Durch gezielte Visualisierung und Mentaltraining können Athleten lernen, diese Bedrohungen zu bewältigen und ihre Leistung zu optimieren.

Aus einer systemischen Perspektive glaube ich aber, verschenken wir enorm viel Potential, wenn Wahrnehmung, Erleben, Affekte, Verstehen, Wille, Handeln und Umwelt unberücksichtigt bleiben. Daher bin ich davon überzeugt, dass wir auch über die sportpsychologische Beratung als alternative Methode sprechen müssen. Visualisierung hat den Zweck, etwas zu verändern, nutzt dazu jedoch vermeintlich Klarheit und Eindeutigkeit als Ausgangspunkt. Im Sinne von Pipi Langstrumpf «ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt’ greifen solche Interventionen meiner Ansicht nach viel zu kurz, weil sie Komplexität häufig (nicht immer) reduziert. Denn, wer sich selbst wenig wahrnimmt, kann sich nicht wirklich kennen und übersieht Wichtiges im Aussen (Klaus Eidenschink).  

Es ist zentral zu erkennen, dass Menschen und ihr Verhalten von Kontext und Umwelt abhängig sind. Es ist daher spannend, Paradoxien oder Vieldeutigkeit (statt Eindeutigkeit und Klarheit) als Ausgangspunkt zu nutzen in einer Beratung und diese gemeinsam mit Athleten zu verstehen. Nehmen wir den Bogenschiesswettbewerb als Beispiel. Ein Widerspruch (Paradoxie) ist die individuelle Leistung und Teamgeist im Mixed-Wettkampf-Team. Auf der einen Seite wird eine herausragende individuelle Leistung erwartet, gleichzeitig wird Teamgeist und Zusammenarbeit gefordert. Konzentrieren sich Athleten zu stark auf die individuelle Leistung, kann dies den Teamgeist beeinträchtigen. Umgekehrt führt der Fokus auf Teamgeist dazu, dass individuelle Fähigkeiten nicht vollends ausgeschöpft werden.

Wie gehen Athletinnen und Athleten mit solchen Spannungsfeldern um, wenn sie sich zwischen diesen beiden gegensätzlichen Polen bewegen und die gewünschte Eindeutigkeit nicht mehr gegeben ist? Und wie verhält es sich, wenn es um einen Olympia Wettkampf geht, auf welchen sich Athleten mehrere Jahre vorbereiten? Wertvolle Erkenntnisse als Athlet erhält man, wenn der Blick mit einer beratenden Fachperson auf die eigenen inneren Prozesse gerichtet wird und damit Muster und deren Funktion zu identifizieren versucht. 

Zum Beispiel: Wenn von der Aussenwelt beängstigende oder einschränkende Botschaften (wie „Sei anders als du bist“ oder „Nur Gold zählt“) vermittelt werden, versuchen die Athleten dies oft durch zusätzliche Anstrengungen wettzumachen, möglicherweise zu Lasten des Teamgeistes. Wenn nun subjektiv nicht derselbe Effort beim Mixed-Partner wahrgenommen wird, was passiert dann? Geht es um die Wahrnehmung, dann ist es spannend zu verstehen, wie eine Athletin Erlebtes begrüsst oder ablehnt. Wenn beispielsweise das Scheitern konsequent als unangenehm abgelehnt wird, dann hat dies Einfluss auf die inneren Prozesse, wie zum Beispiel die Selbstwahrnehmung oder der Umgang mit eigenen Bedürfnissen und führt zu einem Mangel an Reflexion. Gerade in einem Teamwettbewerb scheint es mir sinnvoll, diese Muster aufzudecken und hinsichtlich ihrer Funktion (funktional, dysfunktional) zu prüfen. Sportpsychologische Beratung kann dabei unterstützend hinzugezogen werden. Am besten mit ausreichend Vorlauf.

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Mit Rückschlägen umgehen

Beim Triathlon-Wettbewerb der Frauen gab es auf regennasser Straße reichlich Stürze auf der Radstrecke. Beim Surfen in Tahiti machten einige Starterinnen unliebsame Bekanntschaft mit dem Korallenriff. Oder denken wir an die in der Vorrunde fulminanten deutscher Volleyballer: Hier passt vieles, aber immer mal wieder landeten Aufschläge, die mit vollem Risiko geschlagen wurden, im Netz oder weit im Aus landeten. In vielen Sportarten kommt es durch äußere Bedingungen, durch die Konkurrenz oder eigene Fehlleistungen zu Situationen, die es am besten sofort zu verdauen gilt. Was braucht es für Rüstzeug, um mit solchen Rückschlägen optimal umzugehen?

Johanna Constantini, Die Sportpsychologen
Johanna Constantini, Die Sportpsychologen

Antwort von: Johanna Constantini (zur Profilseite)

Nicht nur in Zeiten von sportlichen Rückschlägen, vor allem aber dann sollte ein sehr achtsamer Umgang mit Social Media Kanälen praktiziert werden. Das Leben der anderen, deren sportliche Erfolge und scheinbar perfekte Postings dazu verleiten erwiesenermaßen dazu, das eigene Leben abzuwerten und sich auch schlechter zu fühlen. Dies kann sich in Phasen sportlicher Rückschläge ungemein verstärken. Vorbeugend sollte man sich ohnehin mit den durch Algorithmen gelenkten Mechanismen sozialer Medien vertraut machen, sowie eigene Kanäle nach inspirierenden und motivierenden oder belastenden Inhalten ausmustern. Sicherlich gibt es virtuelle FreundInnen, deren Inhalte eher negativ beschäftigen und die damit keinen eigenen Mehrwert bilden. Achtsam verwendet können Social Media Inhalte auch im Sport für Inspiration, Motivation und Durchhaltevermögen sorgen, jedoch nur, wenn der Umgang überdacht wird. Zuallererst in Phasen sportlicher Rückschläge. Dann ist es vor allem wichtig, sich auf den analogen Kreis wichtiger Bezugspersonen sowie des sportlichen Teams zu beziehen.

Danijela Bradfisch, Die Sportpsychologen
Danijela Bradfisch, Die Sportpsychologen

Antwort von: Danijela Bradfisch (zur Profilseite)

Methoden und Techniken:

1. Mentale Stärke: Sportler sollten Techniken zur Stärkung ihrer mentalen Resilienz entwickeln, wie z.B. positive Selbstgespräche, Visualisierung von Erfolg und das Setzen von realistischen Zielen, aber auch von Stürzen!

Hier sollte beide Punkte vorbereitet werden:

a.            Was meine Handlungen, Reaktionen und Emotionen GLEICH nach meinem Sturz sind.

b.            wie ich damit am besten für mich umgehen möchte bzw. werden (als Ziel formuliert).

2. Atemtechniken: Atemübungen können helfen, Stress und Nervosität abzubauen, insbesondere in Drucksituationen.

3. Reflexion und Analyse: Nach einem Wettkampf sollten Sportler ihre Leistung analysieren, um aus Fehlern zu lernen und Strategien für zukünftige Wettkämpfe zu entwickeln.

4. Flexibilität im Wettkampf: Athleten sollten lernen, sich an unerwartete Situationen anzupassen und alternative Strategien zu entwickeln, um ihre Leistung zu optimieren.

Rüstzeug für den Umgang mit Rückschlägen:

1. Emotionale Intelligenz: Die Fähigkeit, eigene Emotionen zu erkennen und zu steuern, ist entscheidend, um in schwierigen Situationen ruhig zu bleiben.

2. Unterstützungssystem: Ein starkes Netzwerk aus Trainern, Teamkollegen und Familie kann helfen, Rückschläge besser zu verarbeiten.

3. Erfahrung: Je mehr Wettkämpfe ein Sportler bestreitet, desto besser kann er mit Rückschlägen umgehen, da er aus vergangenen Erfahrungen lernt.

4. Zielorientierung: Klare, erreichbare Ziele helfen, den Fokus zu behalten und sich nicht von Rückschlägen entmutigen zu lassen.

Insgesamt ist es aber sehr wichtig, Rückschläge als ein Teil des Sport zu akzeptieren und es (lernen) miteinzu(ver)arbeiten.

Wolfgang Seidl, Die Sportpsychologen
Wolfgang Seidl, Die Sportpsychologen

Antwort von: Wolfgang Seidl (zur Profilseite)

Gerade für Olympia Sportler, die sich gezielt vier Jahre auf dieses Event vorbereiten, sind Rückschläge im Wettkampf enorm bitter.

Damit die Athleten diese enormen Hürden im Wettkampf meistern, ist es wichtig, dass sie sich schon vorab mit den unterschiedlichsten Szenarien auseinandersetzen und mögliche Strategien im Kopf haben. Ich persönlich halte nichts davon, sich vorab nur den Erfolg vorzustellen und zu visualisieren. Nur im seltensten Fall hat ein Athlet das perfekte Rennen.

Zusätzlich sollten die Sportler auch mit dem entsprechenden mentalen Rüstzeug ausgestattet sein. Dazu zählt zum Beispiel die Selbstgesprächsregulation. Idealerweise earbeitet man mit dem Athleten schon im Vorfeld entsprechende Selbstanweisungen. Ein praktisches Beispiel dazu: Wenn im olympischen Triathlon, wie schon im Vorfeld bekannt war, die Radstrecke nass und rutschig ist und der Athlet stürzt, dann muss er in der Lage sein diesen Sturz schnell abzuhaken und seinen Fokus wieder auf seine Aufgabe richten, in diesem Fall den Anschluss an die Gruppe finden. In diesem Fall könnte seine inneren Selbstanweisung lauten: „weiter geht’s, du bist stark, du holst sie wieder ein!“ Das klingt jetzt natürlich sehr einfach, im Rennen selbst ist das für den Athleten mit einem Weltuntergang gleichzusetzen. Daher ist es umso wichtiger, dass er seine Handlungen im Vorfeld verinnerlicht und in Visualisierungen trainiert.

Eine weitere hilfreiche Methode für Sportler ist, wenn sie sich mehrere Ziele für ihren Wettkampf setzen. Ein Optimal Ziel (wenn alles perfekt läuft), ein Normal Ziel und ein Minimal Ziel. Vor allem minimale Ziele dienen dazu, bei Rückschlägen im Wettkampf (wie z.B. großer Rückstand bereits nach dem Schwimmen) die Motivation aufrecht zu halten, sein eigenes Rennen zu machen, das Bestmögliche zu geben und trotzdem zu finishen.

Wir sehen, die mentale Vorbereitung für ein wichtiges Rennen beginnt bereits Wochen vor dem eigentlichen Startschuss.

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Der Fepsac-Kongress und die Lust, einfache Fragen zu stellen

Der Fepsac-Kongress 2024 in Innsbruck war bisher die größte internationale Konferenz in der 45-jährigen Geschichte der European Federation of Sport Psychology (FEPSAC). Wir haben die Teilnehmenden Dr. Rita Regös und Rolf Jakob gefragt, was ihr Fepsac-Moment war?

Dr. Rita Regös, Die Sportpsychologen
Dr. Rita Regös, Die Sportpsychologen

Antwort von: Dr. Rita Regös (zur Profilseite)

Was habe ich mitgenommen? Die Leichtigkeit des Forschens. Ich hatte die Gelegenheit, als Reviewer im Vorfeld der fepsac, Abstracts zu evaluieren. Die sehr konkreten und expliziten Forschungsfragen und die damit verbundenen Untersuchungsdesigns waren nicht nur leicht nachzuvollziehen, sondern ergaben auch explizite Ergebnisse. Ich würde mir wünschen, dass wir uns hierzulande leichtfüßiger an Forschungsfragen heranwagen. Diese Leichtigkeit, verbunden mit einem puren Neugier, und den Mut, einfache Fragen zu stellen und am Congress ebenso leichtgängig und offen zu diskutieren, nehme ich gern mit. Selbstverständlich werden bei internationalen Veranstaltungen von der Größenordnung auch altbekannte Themen aufgegriffen, sie kommen aber nicht abgenutzt rüber, denn es kommen Menschen aus der ganzen Welt zusammen, deren Perspektiven nicht vielfältiger sein könnten. Mal live out of the box denken, empfand ich als sehr spannend und als eine große Bereicherung.

Rolf Jakob, Die Sportpsychologen
Rolf Jakob, Die Sportpsychologen

Antwort von: Rolf Jakob (zur Profilseite)

Der Name des FEPSAC Congresses 2024 in Innsbruck vor den Olympischen Spielen hätte mit dem Titel: «Performance under pressure in Sports, Military/Police, performing Arts, Medicine, Business and Daily live» nicht passender sein können.

Ich war begeistert von der Diversität und Menge der angebotenen ausgezeichneten Keynotes Speakern, Praxis Workshops, Symposien, wissenschaftlichen Präsentationen und Podiumsdiskussionen. Aktuelle Themen wie: «Coaching today’s Athletes», «Athletes Safeguard», «Ecological dynamics», «Sportpsychology in Esport», «Performance under Pressure». Dieser FEPSAC Congress war wieder ein idealer Ort für spannende Diskussionen und Erfahrungsaustausch zwischen den vielen TeilnehmerInnen aus der ganzen Welt, von der angewandten Sportpsychologie bis hin zur Forschung. Das offene Klima des Austausches gerade mit weniger bekannten Sportarten oder Spezialisten aus anderen Fachgebieten als dem Sport war ausserordentlich und bereichernd für meine Umsetzung in der praktischen Arbeit mit SportlerInnen. 

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