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Frank Embacher: Ohne Ziele kommen wir im Sport nicht klar

An über 40 internationalen Medaillen war Frank Embacher als Schwimmtrainer bislang beteiligt. Bekannt wurde er als der Coach von Weltmeister Paul Biedermann. Mittlerweile ist Embacher Wahl-Leipziger, bereitet als Landestrainer Sachsen eine neue Generation von Schwimmern auf internationale Großereignisse vor und hat einen klaren Standpunkt: Sportler brauchen Ziele. Ein Ausfall der Olympischen Spiele 2021 würde immensen Schaden anrichten, einen – zumindest in Teilen – irreparablen Schaden.

Zum Thema: Zielsetzung im Leistungssport

Für unser Online-Coachingprogramm „Abliefern, wenn es darauf ankommt“ (Link zum Programm) steht uns Embacher als erfahrener Trainer zur Seite. Denn er weiß, wie Top-Athleten ticken. Zuletzt gelangte aber auch der erfahrene Erfolgslehrmeister an seine Grenzen. Darüber redet Embacher im Talk mit Prof. Dr. Oliver Stoll unheimlich offen:

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Weitere Informationen
Das Interview ist Teil des kostenlosen Zusatzmaterials unseres Online-Coachingprogramms „Abliefern, wenn es darauf ankommt“, welches ab sofort hier zur Verfügung steht: https://www.die-sportpsychologen.de/2021/02/abliefern/

Embacher hat sich bei Prof. Dr. Oliver Stoll Unterstützung geholt, um Input zu bekommen, wie er konkret mit seinen Athleten während der Corona-Pandemie umgehen kann. Hoch talentierte Sportler, die entweder ganz konkret von Tokyo träumen oder mittelfristig bei Deutschen, Europa- oder Weltmeisterschaften groß herauskommen wollen.

Abliefern, wenn es darauf ankommt

Für alle Athleten und Athletinnen, die sich optimal auf ihr großes Ziel vorbereiten wollen, hat Prof. Dr. Oliver Stoll mit seinen Kollegen und Kolleginnen von Sportpsychologen ein Online-Coachingprogramm zusammengestellt. Eines was dabei helfen soll, wenn es heißt: „Abliefern, wenn es darauf ankommt“.

Übrigens: In den ca. 70. Minuten zum Thema Zielsetzung behandeln wir folgende Schwerpunkte: Motive und Anreize, Leistungsziele, Smarte Ziele, Kausalattribuierung und Flow. Den Zugang zum Programm gibt es ab 199 EUR.

Abliefern, wenn es darauf ankommt

Innovatives Online-Coachingprogramm für Sportler, Vereine und Verbände:

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Cristina Baldasarre: Anspornen, Loben und Motivieren im Kinderleistungssport

Positiv begleiten, statt stetig kritisieren. Eigentlich eine längst verbreitete Devise, liesse sich vermuten. Allerdings sieht die Realität im Kinderleistungssport häufig anders aus. Offenbar wurde dies in der Schweiz durch die Magglinger Protokolle und in Deutschland durch kritische Aussagen von Sportlerinnen am Olympiastützpunkt Chemnitz. Dabei bietet die oben genannte Devise reichlich Potential – auch für das System Leistungssport. Um Trainern, Betreuern, Eltern und Verbandsfunktionären aufzuzeigen, wie positivere Betreuungsansätze im Kinderleistungssport funktionieren, schauen wir uns ein Beispiel aus dem Eiskunstlaufen an, welches in dieser Form aber auch im Kunstturnen, Rhythmische Gymnastik, Tanzen oder Synchronschwimmen hätte stattfinden können.

Zum Thema: Fallbeispiel zur psychologisch geschickten Betreuung einer Nachwuchssportlerin 

Das Beispiel einer neunjährigen Eiskunstläuferin – nennen wir sie Emma – zeigt auf, wie ein gutes Zusammenspiel des Umfeldes sich positiv auf die junge Athletin auswirken kann. Emma konnte ihren ersten und persönlich sehr bedeutungsvollen Erfolg feiern und träumt nun von «Art on Ice» und Weltmeisterschaften. «Wer mehr Selbstvertrauen hat, wird öfters Erfolge erleben» und «Wer Erfolge kennt, hat mehr Selbstvertrauen»! Wir kennen alle diese bekannte Huhn-Ei-Diskussion. Eine Antwort darauf brauchen wir aber nicht. Aus der Literatur wissen wir, dass ein gesundes Selbstvertrauen vor allem auch ein positives Selbstbild und eine innere Stärke benötigt. Und eine Athletin lebt ja, systemisch betrachtet, eingebettet in ihrem Umfeld, welches essentiell an der Entwicklung beteiligt ist und ständig Einfluss nimmt. Darum ist ein professionelles Coaching eben dieses Umfeldes ein zentraler Faktor für langfristigen Erfolg.

Jeder kleinste Erfolg zählt

Emma ist seit fünf Jahren leidenschaftliche Eiskunstläuferin. Was zuerst als Hobbysport begann, entwickelte sich schnell zu intensivem Training auf und neben dem Eis. Sie trainiert im Kader ihres Clubs rund zehn Stunden pro Woche und zeigt ihr Können auch gerne an Wettkämpfen und Meisterschaften. Sie selbst hat in Trainingslagern erste Erfahrungen mit sportpsychologischen Themen machen dürfen und dabei verschiedene mentale Strategien erlernt, die ihr in schwierigen Situationen helfen, ruhig und fokussiert zu bleiben. Genauso wichtig wie die persönliche Arbeit von Emma an ihrer mentalen Stärke, ist ihr Umfeld, welches leistungsfördernd unterstützt und pädagogisch geschickt funktioniert.

Seit Anfang an galt für die Trainerinnen und Familie darum: Jeder kleinste Erfolg zählt, denn das gibt Emma Kraft, Mut und Energie zum Weitermachen. Also wurden ihr, ähnlich wie bei der Methode Marte Meo (Bünder et al., 2015), immer wieder positive Videosequenzen aller Art gezeigt und die fehlerhaften meist weggelassen. Videos von eigenen Trainings, Tests oder Wettkämpfen, aber auch von ihren Vorbildern Sarah Meier, You Young und Stéphane Lambiel. Durch das Wiederholen von gelungenen Sequenzen werden automatisch positive Gefühle der Selbstwirksamkeit, Motivation und Stolz hervorgerufen. Emma lernt mühelos und freudvoll von ihren Idolen.

Selbstwirksamkeit immer im Blick

Weiter hat Emma von ihren Trainerinnen und ihrem Umfeld über die Jahre hinweg konsequent immer wieder unterstützendes und wohlwollendes, aber auch kritisch-konstruktives Feedback erhalten. Vor allem ist die Kommunikation auf dem Eis jeweils auf die technischen Details fokussiert und Fehler werden auf die Bewegung («du musst das Knie mehr beugen») und nicht auf Emma als ganze Person bezogen («du läufst steif wie ein Stecken»). Bereits vorhandenes Selbstvertrauen kann dadurch aufrechterhalten und verstärkt werden. Ganz nach dem Selbstwirksamkeitsmodell von Bandura (1977) ist die verbale Ermutigung/Motivation und positive Kommunikation einer der vier zentralen Ansatzpunkte, um die Selbstwirksamkeit zu steigern. Menschen, mit denen unterstützend und positiv gesprochen und denen zugetraut wird, herausfordernde Situationen zu meistern, strengen sich eher an und sie glauben vermehrt an ihre Fähigkeiten.

Kinder und Jugendliche haben entwicklungspsychologisch betrachtet noch keinen stabilen Selbstwert. Sie sind darum sehr abhängig von den Voten der Aussenwelt, vor allem derjenigen der Bezugspersonen wie Eltern, Lehrer oder Trainer. Das macht sie angreifbar – oder einfacher formuliert: Mit Worten können Erwachsene viel Selbstvertrauen zerstören oder erst gar nicht aufkeimen lassen. Darum gilt bei allen Kindern und Jugendlichen das Gebot, dass Anspornen, Loben oder Motivieren stets sinnvoller ist, als das Gegenteil zu tun.

Goldwerte Erfahrungen

Der Erfolg verleiht Flügel. Das ist nicht nur ein bekannter Werbespruch, dahinter versteckt sich viel Wahres. Denn was beflügelt mehr als der erlebte eigene Lohn für seine Mühen? So durfte Emma im Herbst ihren ersten, persönlichen Erfolg feiern und wurde in ihrer Alterskategorie Meisterin. Objektiv gesehen sicherlich ein toller Moment, subjektiv betrachtet für die neunjährige aber das Grösste in ihrem Leben überhaupt. Sie trug ihre Medaille mit viel Stolz die ganze Woche unter dem T-Shirt und erzählte allen von ihrem Erfolg, erntete viele Komplimente und positives Feedback. Sich an vergangene Erfolge zu erinnern und zu erfreuen, stärkt das Selbstvertrauen ungemein. «Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft.» (Marie von Ebner-Eschenbach). Dieser Glaube an das eigene Können setzt voraus, in der Vergangenheit Heraus­forderungen angenommen und erfolgreich bewältigt zu haben. Dabei war für Emma zentral zu erfahren, dass sie durch ihr eigenes Handeln wirksam sein kann. Diese Erfahrung war im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert.

Wenn Trainer positiv verstärkend arbeiten, dann machen sie schon vieles richtig. So sollten Athletinnen ihre Fortschritte als persönliche Erfolgserlebnisse vermittelt bekommen. Oft werden aber eben solche Erfolgsschritte wenig thematisiert, Fehler hingegen immer wieder besprochen. Das ist wie eine Waage, die andauernd aus dem Gleichgewicht fällt, wenn diese negative Seite schwerer wiegt als die positive. Erhalten Athletinnen aber auch regelmässig Rückmeldungen auf Gelungenes, dann wächst in ihnen das Gefühl heran, Trainer und Umfeld würden ihnen etwas zutrauen. Das ist Voraussetzung dafür, um selber Vertrauen in die eigenen Fähig- und Fertigkeiten zu entwickeln. «Die Athletinnen erleben dadurch Selbstwirksamkeit, die sie in die Lage versetzt, selbstständig hart zu trainieren und Verantwortung zu übernehmen. Das macht sie stärker und steigert ihr Selbstwertgefühl (…).» (Haas, 2011, S.13).

Hinweis

Im Netzwerk Die Sportpsychologen helfen meine Kollegen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Cristina Baldasarre) gern, wenn Sie mehr Fragen zum Thema haben. Gern bieten wir auch gezielte Coachings oder individuelle Weiterbildungen an.

Der Text ist am 3. Februar 2021 bei sportlifeone.ch erschienen.

Mehr zum Thema:

Quellen:

– Bandura, A. (1977). Self-Efficacy: Toward a Unifying Theory of Behavioral Change. Psychological Review, 1977, 84 (2), S. 191-215.

– Bünder, P., Sirringhaus-Bünder, A. & Helfer, A. (2015). Lehrbuch der MarteMeo-Methode (4. Aufl.). Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

– Bund, A. (2003). Kinder stark machen – Selbstvertrauen fördern. In: Sportpraxis, Heft 4.

– Haas, P. (2011). Paradigmenwechsel im Sportunterricht. DSLV-Info Nr.1.

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Abliefern, wenn es darauf ankommt – Dein Online-Coaching

Kinderleicht kann es sein oder sich unmenschlich schwer anfühlen. Das Abliefern der bestmöglichen Leistung. Genau in dem Moment, in dem es darauf ankommt. Wenn du als SportlerIn, TrainerIn oder Coach lernen willst, abzuliefern, dann bist du hier richtig.

Wir von Die Sportpsychologen haben mit erfolgreichen SportlerInnen wie Paul Biedermann und erfahrenen TrainerInnen aus dem Spitzensport ein Online-Coaching Programm entwickelt. “Abliefern, wenn es darauf ankommt” heißt es und vermittelt das Grundwissen, über dass AthletInnen, TrainerInnen und Coaches eigentlich verfügen sollten.

Aus unserer beruflichen Praxis wissen wir aber, dass es sehr viele Sportler und Sportlerinnen gibt, die sich seit Jahren schwer tun, ihre Trainingsleistung im Wettkampf zu zeigen. Und wir wissen auch, dass das kindliche Leichtigkeit am Abliefern im Laufe einer Karriere durch Verletzungen, in Misserfolgsphasen oder in schwierigen Lebenslagen verlernt werden kann.

Eine sportliche Leistung geht zu 50% auf die psychologische Ebene zurück.

Paul Biedermann

Wie „Abliefern“ funktioniert

Unser Programm setzt an deinen individuellen Stärken und persönlichen Schwächen an. Mit Hilfe eines wissenschaftlich validierten Fragebogens stellen wir fest, in welchen Dimensionen – von Selbstgesprächen über die Emotionskontrolle bis hin zur Visualisierung – du deine Skills ausbauen kannst oder Defizite ausräumen solltest.

„Abliefern“ vermittelt dir die Werkzeuge, die dir auf deinem Weg zu deinem Ziel helfen können. Es geht nicht um Wunderdinge, sondern um handfestes und erprobtes Wissen aus der Sportpsychologie, welches dir Prof. Dr. Oliver Stoll und seine KollegInnen in deine Praxiswelt übersetzt. Verständlich, hintergründig und lebensnah erklären dir renommierte sportpsychologische Experten, was du wissen musst, um abliefern zu können, wenn es darauf ankommt.

Wie sieht „Abliefern“ aus?

Klingt interessant? Aber du willst mehr wissen? Dann schau dir die Inhalte zur Dimension Selbstgespräche an, die wir dir hier kostenlos zur Verfügung stehen. In der Dimension vermitteln dir Prof. Dr. Oliver Stoll, die Sportpsychologin und frühere Handball-Nationaltorhüterin Katja Kramarczyk und der erfolgreiche Ausdauersportler Falk Cierpinski ihre Erfahrungen zum Thema Selbstgespräche. Weitere kostenlose Videos aus unserem Zusatzmaterial findest du hier (Link).

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Weitere Informationen

Was sind die weiteren Inhalte des kostenpflichtigen Programms?

DimensionenSchwerpunkteSportler/Trainer/Experten
Zielsetzung– Motive und Anreize
– Leistungsziele
– Smarte Ziele
– Kausalattribuierung
– Flow
Frank Embacher, einer der erfolgreichsten deutschen Schwimmtrainer

Christian Hoverath, zum Profil bei Die Sportpsychologen: Link

Selbstgespräche– Selbstgespräche und deren Einfluss auf sportliche Leistung
– heiße und kalte Selbstgespräche
– Drehbuchtechnik
– Hypnose
Falk Cierpinski, erfolgreicher deutscher Ausdauersportler und Unternehmer

Katja Kramarczyk, zum Profil bei Die Sportpsychologen: Link

Visualisierung– Einsatz in der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung
– PETTLEP-Model
– Drehbuchtechnik
– Einsatz in Verletzungsphasen
Pavlo Rozenberg, WM-Medalliengewinner im Wassersrpinger und Schweizer Nationaltrainer Wasserspringen

Dr. Hanspeter Gubelmann, zum Profil bei Die Sportpsychologen: Link

Emotionsregulation– Stress
– den optimalen Aktivierungszustand herausfinden
– Coping
– Perfektionismus im Sport
Alexander Koke, Co-Trainer Frauen-Handballnationalteam

Dr. Christian Reinhardt, zum Profil bei Die Sportpsychologen: Link

Aufmerksamkeitskontrolle– technische Innovationen
– Wahrnehmung als Schlüssel
– Vier-Felder-Modell
– Aufmerksamkeitstraining
Romy Beer, frühere Weltcup-Teilnehmerin im Biathlon

Dr. René Paasch, zum Profil bei Die Sportpsychologen: Link

Aktivierung/Entspannung– Aktivierungstechniken
– Rituale
– naive und wissenschaftliche Entspannungsverfahren
– Sporthypnose
Paul Biedermann, Schwimm-Weltmeister und mehrfacher Weltrekordhalter

Klaus-Dieter Lübke Naberhaus, zum Profil bei Die Sportpsychologen: Link

Automatismen
– automatisiertes Leistungshandeln
– Motivation
– Flow
Lea Schairer, Bundestrainerin Skateboarding

Thorsten Loch, zum Profil bei Die Sportpsychologen: Link

„Abliefern“ hier kaufen

    Welche technischen Voraussetzungen brauche ich?

    Die kostenpflichtigen Inhalte haben wir über die Storytelling-Plattform Pageflow erstellt. Dich erwartet umfangreicher Video-Content, der mit Grafiken, Fotomaterial und Texten ergänzt ist. Abrufen kannst du das Material über deinen Rechner, den Laptop, dein Smartphone oder das Tablet. Über einen Link, dem wir jedem Lizenzinhaber zur Verfügung stellen, bekommst du Zugriff auf die Inhalte, die du innerhalb der Lizenzfrist jederzeit und so häufig wie gewünscht abrufen kannst.

    Weshalb kann ich mir sicher sein, dass mir das Programm etwas bringt?

    Unsere Experten von Die Sportpsychologen haben viele, viele Jahre Erfahrung in der Betreuung von internationalen Top-Athleten, erfahrenen Trainern, großen Talenten sowie ambitionierten Freizeit- und Hobbysportlern. Immer wieder, so betont Prof. Dr. Oliver Stoll, sind in den vergangenen Jahren in diesem Zusammenhang Sportler auf ihn zugekommen, weil sie Schwierigkeiten hatten, ihre Top-Performance am Tag X zu bringen. Der Leipziger hat bereits zahlreiche Olympia-Teilnehmer betreut, war mit den deutschen Wasserspringern bei den Olympischen Spielen und hat als Ausdauersportler erfolgreich am IronMan auf Hawaii teilgenommen. Ihm gelingt es, im Zusammenspiel mit seinen Kollegen aus dem Netzwerk das theoretisches Wissen aus der Sportpsychologie in deine Athletenwelt zu übersetzen.

    „Im Programm vermitteln wir das Wissen um die Werkzeuge, die Sportler effektiv einsetzen können, um am Ende abzuliefern“, sagt Stoll. Entstanden sei kein Wundermittel, sondern praxisrelevanter Input, den jeder Sportler in sein Training, seinen Alltag und die unmittelbare Wettkampfvorbereitung einbauen kann.

    Du hast Fragen, dann stell sie uns!

    Gern stehen wir euch zur Verfügung, wenn Fragen offen geblieben sind oder irgendwo der Schuh drückt. Nutzt gern das folgende Formular:

      Mathias Liebing
      mobil: +49 170 9615287
      mail: m.liebing@die-sportpsychologen.de

      Prof. Dr. Oliver Stoll
      phone: +49 0173 4649267
      mail: o.stoll@die-sportpsychologen.de

      Sportpsychologische Beratung Prof. Dr. Oliver & Frauke Stoll, Jahnallee 10, 04109 Leipzig

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      Christian Schwarz: Wieviel „mentale Stärke“ ist notwendig, um einen „stillen Sieg“ wirklich zu genießen?

      Normalerweise jubeln einem rund 40.000 Zuseher beim Night-Race in Schladming zu, allein wenn man dort fährt! Egal, ob man gewinnt oder nicht. Und wenn man es dann geschafft hat, nach zwei Durchgängen ganz oben zu stehen, mindestens die rot-weiß-roten Fans singen bei der Bundeshymne mit, jubeln einem zu und vergöttern einem beinahe schon – was muss das für ein Gefühl sein?! „Emotion und Gänsehaut pur“. Normalerweise…

      Zum Thema: Umgang mit Emotionen zu Corona-Zeiten

      Solche Momente belohnen Sportler, die den ganzen Sommer geschwitzt und trainiert haben. Kraft, Ausdauer, Stabilität und was sonst noch alles dazu gehört. Tag für Tag, Woche für Woche. Jeden Tag an seine Grenzen gehen, oft ganz allein, Überwindung pur, teilweise die Grenzen überschreiten, um noch besser zu werden – mit dem einen Ziel – ganz oben zu stehen und Weltcup-Rennen zu gewinnen. Wenn man es dann geschafft hat, jubeln einem die Menschmassen zu und geben einem – zumindest emotional – vieles wieder zurück und gleichzeitig neue Energie, um weiter am Limit zu trainieren.

      Doch in dieser Saison ist alles anders. Aufgrund der Corona-Pandemie sind Zuschauer tabu. Zweieinhalb Meter hohe Planen wurden kürzlich beim Night-Race in Schladming aufgestellt, damit niemand kam und zusehen konnte. Die Anwohner, die zu der Stimmung befragt wurden, lieferten Aussagen wie: „Trostlos, sehr gespenstisch, fad & leise“. …und dann das Rennen!

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      Ganz andere Podesterfahrung

      Marco Schwarz, derzeit Slalom-Weltcup Führender – triumphiert beim Nachtslalom in Schladming. Er zaubert nach überstandenem Kreuzbandriss von Februar 2019 zwei sensationelle Läufe über die Eis-Piste und feiert beim wohl bekanntesten Slalom im skialpinen Weltcupzirkus seinen vierten Weltcupsieg! Erst steht ganz oben. Der Stadionsprecher verkündet: „Platz 1 – representing Austria – Gewinner des Nachtslaloms von Schladming 2021 – MARCO SCHWARZ!”

      Genau jetzt hätte der Jubel von 40.000 fanatischen Fans kommen müssen. Jetzt wäre der ideale Zeitpunkt, den Fokus auf seine Umgebung zu richten, auf die Dinge, die man in diesem Moment nicht beeinflussen kann und auch gar nicht beeinflussen möchte. Einfach nur genießen und lockerlassen. Doch ich denke, das geht jetzt gerade nicht, denn es ist leise, zu leise um loszulassen – ja fast schon gespenstisch. Bis auf wenige Betreuer und Rennläufer – deren Jubel von den Masken auch noch gedämpft wird – ist niemand da. Eine Siegerehrung, die man so nicht kannte. 

      Konkrete Tipps für Sportler 

      Wie sollten damit Athleten umgehen? Wie sich verhalten? Sich wie darauf vorbereiten? Denn eines scheint sicher, in den kommenden Wochen und Monaten wird sich die Szenerie nicht maßgeblich ändern. Und wie die Olympische Spiele, falls sie überhaupt stattfinden können, ausgestaltet werden, weiß noch kein Mensch. Unsicher ist ja ehrlicherweise sogar, wie es im nächsten Herbst und Winter weitergeht. Insofern lohnt es für Sportler eine intensivere Auseinandersetzung mit der Thematik.  

      Mein Tipp lautet: Mehr denn je gilt in einer solchen Podestsituation, bei sich zu bleiben, die eigene Leistung ganz alleine würdigen, versuchen wirkliche Freude zuzulassen und stolz auf sich zu sein. Zudem braucht es eine enorme mentale Stärke, um nicht wehmütig – ja sogar traurig zu sein. Wehmut wird sich kaum vermeiden lassen – doch wieviel Platz bleibt dann für die wahre Freude? Ich meine damit auch nicht die Zufriedenheit über die eigene erbrachte Leistung, sondern das Gefühl, gemeinsam zu jubeln, in lachende und strahlende Gesichter zu schauen. Diese Wertschätzung und Anerkennung von außen zu erleben und zu spüren!  Das können die AthletInnen nur für sich beantworten und ich wünsche JEDEM, dass sie für sich diesen Platz für wahre Freude schaffen! Vielleicht geht es durch Imagination, denn vor den Fernsehgeräten waren doch 1,4 Millionen Zuschauer beim 2. Durchgang dabei. Wenn man es schafft, sich vorzustellen, wie es in dem einen oder anderen Wohnzimmer nach der Zieldurchfahrt abgeht – wenn es GRÜN leuchtet – dann kann da durchaus wahre Freude entstehen!

      Stille und laute Freude

      Ich wünsche Marco, dass er es geschafft hat, seinen ersten Schladming-Sieg für sich in ausreichender Form zu genießen und diese Freude zu erleben. Und ich wünsche ihm natürlich noch viele weitere Siege unter tosendem Applaus und Jubel der Fans!

      Ich hoffe für alle Athletinnen und Athleten in sämtlichen Sportarten, dass Zuseher vor Ort bald wieder erlaubt sind. Auch wenn dadurch womöglich der „Druck zu performen“ wieder etwas steigt, sind jubelnde Zuschauer einer der wichtigsten emotionalen Faktoren für Freude und die schönste Belohnung des Siegens!

      Aufruf

      An alle die, die mit der gegenwärtigen Lage Schwierigkeiten oder einfach nur Fragen haben: Wir von Die Sportpsychologen sind für euch da. Meine Kollegen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Christian Schwarz) stehen euch gern zur Verfügung.

      Mehr zum Thema:

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      Warum wir trotz unerlaubten Friseur- und Partybesuchen das natürlich Menschliche in jedem Profi-Sportler erkennen sollten

      Jugendliche und junge Erwachsene leiden besonders unter der Corona-Pandemie. Dabei fallen auch die Bewegungs- und Freizeiteinschränkungen ins Gewicht. Der Fußball sorgte diesbezüglich zuletzt für zahlreiche Schlagzeilen. Vermeintliche Friseurbesuche werden sowohl in der Medienberichterstattung als auch auf Social Media- und Stammtischlevel gegeißelt. Breel Embolo wurde von seinem Verein Borussia Mönchengladbach eine satte Geldstrafe aufgebrummt, weil er gegen die Corona-Bestimmungen verstoßen hat. Und dies ist in Deutschland nur der berühmteste Fall. Darf der ebenso zur gesellschaftlichen Defensive verordnete Fan jetzt draufhauen und sollten die Vereine Fehlverhalten noch viel stärker sanktionieren – wir machen uns die Mühe und versuchen, auf die Menschen im System Profi-Sport zu schauen. 

      Interview mit Markus Gretz, Dr. René Paasch, Prof. Dr. Oliver Stoll und Kathrin Seufert 

      Für Otto Normalverbraucher ist eine Frisur ja erst einmal eine Frisur. Was aber bedeutet eine Frisur für Fußball-Profis, nicht zuletzt für jüngere Elite-Kicker aus den Nachwuchsleistungszentren?

      Antwort von: Markus Gretz (zur Profilseite)

      Wenn man sich meinen Kopf anschaut, ist da nicht mehr viel Frisur übrig 😉 Für junge Männer und Frauen ist das Aussehen und damit auch die Frisur allerdings eine sehr wichtige Persönlichkeitseigenschaft. Gerade wenn man sich in der Öffentlichkeit präsentiert, wollen wir Menschen anderen gefallen, da jeder von uns mehr oder weniger das Anschluss-Motiv in sich trägt. Bei pubertierenden Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist außerdem verstärkt die Partnersuche ein zentrales Thema und Bedürfnis. Auch dazu ist ihnen das eigene Erscheinungsbild wichtig. Wir sollten also “Fußball-Profis” und “Junge Elite-Kicker” nicht als abnormale Gruppe sehen, sondern auch das natürlich Menschliche in jedem erkennen. Und da ist es doch ganz verständlich, dass man sich einem großen Publikum gut gestyled präsentieren will.

      Inwiefern gibt es Parallelen zu Tattoos oder auffällig teurer Kleidung? 

      Antwort von: Dr. René Paasch (zur Profilseite)

      Tätowierungen waren mal ein Alleinstellungsmerkmal von Matrosen, Häftlingen oder bestimmten Subkulturen. Mit dieser Sichtweise bin ich aufgewachsen :-)! In diesem Jahrtausend sind sie aber zu einem Massenphänomen geworden. In den vergangenen zehn Jahren hat die Zahl der Spieler mit permanenter Körperbemalung enorm zugenommen. Es geht von kleinen Zeichen bis zu großflächigen Gemälden. Auch die Superstars Neymar, Sergio Ramos und viele weitere Spieler übertreffen sich im Zuge ihrer individuellen Selbstinszenierung nicht mehr nur gegenseitig mit Tricks und Toren, ausgefallenen Frisuren und Kleidung, sondern auch mit großflächigen Tattoos. Aus meiner Sicht ist das eine bedenkliche Entwicklung. Der Körper ist kein Straßenplakat, den man bedrucken kann, das ist ein Organ, das Atmen möchte. Wir vergiften die Region und belasten Leber, Niere und Lymphknoten. Daraus resultieren Einschränkungen in der Thermoregulation und Regeneration und das wiederum schwächt das Immunsystem. Die einzigartige Darstellung sollte daher andere Kriterien aufweisen als das äußere Erscheinungsbild.

      Denken wir die Außenwirkung einmal weiter: Wie steht es mit Jubelgesten oder den sogenannten Signature-Moves – was steckt hier dahinter? Und ab welchem Alter oder Leistungslevel sollte dies erlaubt sein bzw. sogar gefördert werden? 

      Antwort von: Kathrin Seufert (zur Profilseite)

      Wenn es sich beispielsweise um eine Jubelgeste handelt, so kann das zu einem tollen Mannschaftsprojekt mit nachhaltiger Wirkung werden. Das gemeinsame erstellen eines „Moves“ als integrative Arbeit aller Positionen, auch derer die wahrscheinlich eher nicht in den Genuss kommen werden, das Tor selbst zu erzielen ist als Mannschaftsziel wunderbar geeignet. Es hat zudem dann auch eine motivierende Facette, diesen Jubel dann „anwenden“ zu können und stellt gleichzeitig ein Ritual für die Mannschaft dar, welches zum eigenen Sicherheitsgefühl beitragen kann.

      Antwort von: Dr. René Paasch (zur Profilseite)

      Das englische Wort signature move beschreibt die typische Bewegung eines Kickers, anhand deren man ihn unverkennbar identifizieren kann. Wie an seiner Signatur. Jeder Fußballfan kennt Signature Moves: Bei Cristiano Ronaldo ist es der Dreifach-Übersteiger, bei Zinedine Zidane war’s die legendäre. „Marseille-Roulette“. Das Feilen an wirkenden Zaubertricks gab es schon immer. Ich kann mich noch gut an meine aktive Zeit erinnern. Viele meiner Spielerkollegen hatten zahlreiche Tricks auf Lager. Einer versuchte bei jeder zweiten Ballberührung den „Regenbogen-Trick“, bei dem der Ball mit der Ferse über den eigenen Kopf gelupft hat. Ein anderer beherrschte einen anspruchsvollen Absatztrick, bei dem er den Ball im 90-Grad-Winkel mit der Hacke vorne am Standbein vorbeispielte. Das war zum Teil sehr ansehnlich und effektiv. Oder Franck Ribéry ging für die Bayern ins Eins-gegen-Eins, lässt seinen Gegenspieler mit einem Trick aussteigen, passt in die Mitte auf einen Stürmer. Tor für den FC Bayern! Oder auch Arjen Robben überzeugte mit seinem Nach-innen-Ziehen-und-mit-links-Abdrücken. Dennoch glaube ich, dass die allergrössten Spieler in jeder Situation etwas anderes, aber immer das Richtige tun.

      Gibt es derlei Codes und entsprechende Trends, sich als Marke zu präsentieren, auch in anderen Sportarten?

      Antwort von: Kathrin Seufert (zur Profilseite)

      Vielleicht ist es uns nicht unter dem Begriff geläufig gewesen, aber so individuelle Arten und den damit verbundenen Wiedererkennungswert konnte man auch schon in anderen Sportarten erkennen. Der US Schwimmer und Olympiasieger Ryan Lochte beispielsweise hatte immer sehr extravagante Sneaker an. Gerne mal mit Flügeln oder den ausgefallensten Farben und Accessoires an seinen Turnschuhen.

      Antwort von: Markus Gretz (zur Profilseite)

      In meiner Hauptsportart, dem Basketball, sind Rituale und Gesten allgegenwärtig. Von der Jugend bis zu den Profis werden Gesten und Bewegungen zur Vorbereitung oder zum Jubel gelernt, erfunden und auch abgeschaut. Dass beispielsweise LeBron James vor dem Spiel Pulver in die Luft wirft und James Harden nach einer spektakulären Aktion eine Rührbewegung mit den Fingern macht, haben schon viele gesehen. Allerdings sollten junge Spieler lernen, dass sowas nur Sinn macht, wenn die Spieluhr nicht läuft.

      Was so ein Ritual bringt könnt ihr hier nochmal genauer nachlesen: https://www.die-sportpsychologen.de/2017/04/markus-gretz-rituale-im-basketball/ 

      Dabei steht auch nicht immer nur der einzelne Sportler im Fokus. Auch als Team erarbeiten sich manche Spieler besondere Abklatsch oder Jubelgesten, die dann den Teamzusammenhalt und die gemeinsame Motivation stärken können und nach außen gerichtet mannschaftliche Stärke verdeutlichen können.

      Antwort von: Prof. Dr. Oliver Stoll (zur Profilseite)

      Also von Triathleten weiß ich, dass die zwar selten ihren Körper tätowieren, aber durchaus mal ihr Fahrrad. Da sprühen die schon mal die Zielzeit für den Rad-Abschnitt auf den Rahmen. Das ist dann ein klares Statement an die Konkurrenz (das werde ich fahren) und an sich selbst (das will ich erreichen) – somit psychologisch wertvoll. Mir fällt da auch die Aktion von Jan Frodeno bei seinem Wechsel auf die Langdistanz an. Da waren die Konkurrenten der Meinung, er könnte nicht gut Rad fahren. Nachdem er dann mal eben bei einem IRONMAN Rennen einen neuen Teil-Rekord für das Radfahren aufgestellt hatte, ließ er T-Shirts drucken mit der Aufschrift “Swim – Frodo – Run” – wieder eine klare Ansage an die Konkurrenz – und aus meiner Sicht auch hier: Psychologisch wertvoll.

      Zurück zum Fußball und zum Abschluss mal mit absoluter Dienstleistungsattitüde: Mit welchen Argumenten können es Trainer, Sportdirektoren, Berater oder Sportpsychologen den Athleten aktuell eigentlich erklären, dass die Einladung an den Top-Friseur eher daneben ist?

      Antwort von: Dr. René Paasch (zur Profilseite)

      Social Media dient auch als Ego-Booster. Hier würden viele wohl erstmal aus der Fußballbranche abwehrend die Hände heben, doch wissenschaftlich konnte tatsächlich bewiesen werden, dass für uns ein Blick auf unser Instagram oder Facebook-Profil oder regelmäßige Likes ein echter Ego-Booster ist. Die Selbstdarstellung auf der Social Media Plattformen löst Emotionen aus, die das Selbstbewusstsein stärken. Die Bedürfnispyramide von dem amerikanischen Psychologen Abraham Maslow zeigte bereits 1908, wo unser Bedürfnis herrührt, uns anderen mitteilen zu müssen. Das oberste Ziel heißt demnach: Selbstverwirklichung. Daran hat sich bis heute nichts geändert. 

      Profisportler wie auch Amateure erzählen und zeigen ihrem sozialen Umfeld, wer sie sind und was sie interessiert und dabei lässt sich dann noch Geld verdienen. Das Problem ist jedoch, dass sie sich abhängig machen und ihren eigenen Wert verlieren. Hinzu kommt dann noch eine tägliche auferlegte „Selbstzensur“, dass der entsprechende Post eventuell nicht zu ihren gewünschten Selbstbild/Marke passt. Was könnten die anderen denken? Wie könnte das Bild, das ich von mir geschaffen habe, verzerrt werden? Und vieles mehr! Ob bewusst oder unbewusst – die sozialen Medien haben Einzug in viele Bereiche des Sports genommen. Insbesondere in Bereiche der Kommunikation und der Werbung können diesen psychologisch großen Einfluss auf sie nehmen. Gleichzeitig bestimmen alle Fans dort Draußen mit ihren Verhaltensmustern und Kommentaren, die Welt des Sportlers. In diesem Zusammenhang fehlt es daher im deutschen Nachwuchsfußball vor allem an einer Schlüsselposition: Es fehlt unseren Talenten an Mentoren statt Trainern. Die Beziehungen zu Mentoren sind eine der wirkungsstärksten Erfahrungen im Aufwachsen junger Spieler. Mentoren laden ein, ermutigen und inspirieren ihre Spieler, Herausforderungen anzupacken. Sie begleiten und leiten sie durch diese Fußballwelt, stehen ihnen bei Schwierigkeiten zur Seite, begleiten und überprüfen Ihre Auftritte in den Medien, feiern ihre Erfolge und helfen ihnen, mit dem Misserfolg umzugehen. Und sicher würden sich die Spieler auch anhören, was die Mentoren bezüglich Corona-Regelverstößen, unerlaubten Friseurbesuchen und dem neuen Tattoo zu sagen haben.

      Mehr zum Thema:

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      Schluss mit der Stille der Experten – Warum die Sportpsychologie lauter werden muss

      Ex-Bundesligatrainer Mirko Slomka, der frühere Top-Stürmer Erik Meijer und Sky-Moderator Yannick Erkenbrecher hatten kürzlich unseren Dr. René Paasch zu Gast. Im Jahr 2021 ist ein solcher medialer Auftritt immer noch etwas besonderes. Schließlich zählt zu den wichtigsten Tugenden der Sportpsychologen die devote Zurückhaltung. Seit fast zwei Jahrzehnten ist diese Maxime ein ungeschriebenes Gesetz im Profi-Fußball. Aber ist das richtig so? Ist das Schweigen über die eigene Arbeit nicht auch dafür verantwortlich, dass im System Profi-Fußball nur die wenigsten Entscheider wissen, was Sportpsychologen überhaupt können, von sich aus wollen oder in bestimmten Situationen einfach auch gar nicht dürfen?

      Zum Thema: Die mediale Rolle der Sportpsychologie in der Kritik

      Im Sky-Talk erinnert sich Meijer an die Zusammenarbeit mit Christoph Daum. Zur Jahrtausendwende hat der frühere Trainer von Bayer Leverkusen Persönlichkeitsprofile erstellen lassen. Meijer erinnert sich äußert positiv an diese Art der Zusammenarbeit mit einem der damals experimentierfreudigsten deutschen Trainer zurück und wundert sich sogleich, dass der Fußball 20 Jahre später offenbar kein Stück weiter sei.

      Sky Sport Dein Verein – Die Bundesliga-Vorschau am 22.01.2021 (Quelle: Sky Sport)

      Mehr denn je findet Sportpsychologie im Fußball, sofern sie überhaupt stattfindet, hinter verschlossenen Türen statt. Im Prinzip kein Problem, wenn es um die tatsächliche Arbeit am Spieler, Trainer oder einer bestimmten Aufgabenstellung geht. Denn all das, was im geschützten Raum passiert, muss natürlich da bleiben. Verwerflich ist aber, dass aus und im System Profi-Fußball kaum fundiertes Wissen aus dem Bereich Sportpsychologie nach außen wie nach innen dringt. Mit schwerwiegenden Folgen.

      Zu wenig Wissen im System

      Bei Die Sportpsychologen stellen wir in Athleten- und Trainergesprächen oder auch im Austausch mit Managern und Beratern immer wieder fest, wie wenig Wissen über die Sportpsychologie im System bekannt ist. Dass Sportpsychologie auf dem Platz stattfinden kann, zum Beispiel. Dass der Sportpsychologe dem Manager, Trainer oder auch Journalisten natürlich keinerlei Auskunft darüber gibt, was die Spieler mit ihm besprechen. Oder aber, dass es vielleicht gut gemeint sei, im Nachwuchsleistungszentrum eine halbe oder eine Stelle für einen Sportpsychologen zu schaffen, dass es aber auf dieser Basis einfach nicht möglich sei, wirklich gute Arbeit zu leisten. Dr. René Paasch formulierte es aus seiner eigenen Erfahrung so (Auszug):

      Dr. René Paasch bei Sky (Quelle: Sky Sport)

      Tut Gutes und sprecht darüber!

      Halten wir fest, dass die Psychoedukation im Profi-Fußball in die Wicken gegangen ist. Schmerzlich ist dabei insbesondere, dass die Stille vieler Experten Tür und Tor für Inszenierungskünstler und Scheinkompetente geöffnet hat, die an so manchem Bundesliga-Standort verbrannte Erde hinterlassen haben. Mehr denn je geht es also darum, dass in der Praxis bestmögliche Arbeit geleistet und bis zur roten Linie, die ein jeder Sportpsychologe für sich braucht, darüber gesprochen wird. Nicht nur für die Fußballkonsumenten zu Hause vor den Bildschirmen, sondern auch für die eigenen Trainer, Manager, Akademieleiter, Spieler und deren Berater, Eltern und Partner. Damit Sätze wie der von Mirko Slomka zum Ende der Diskussion selbstverständlich werden: “Immer, wenn ich dürfte, würde ich einem Sportpsychologen den Platz im Trainerteam geben.” 

      Wir von Die Sportpsychologen haben seit der Gründung seit 2014 diesen Weg eingeschlagen. Mit Überzeugung. Und wir freuen uns über jeden, der uns direkt oder indirekt folgt (Link: Netzwerk beitreten). Und wir fühlen uns durch das zunehmende Interesse der Vereine, Verbände und Medien bestärkt, die mehr über die Sportpsychologie erfahren wollen als sie bisher kennen.

      Dienstleistungen für Vereine, Verbände und Sportler:

       

      Finden Sie unsere Experten!

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      Weitere Informationen

      Link: https://coaching.die-sportpsychologen.de

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      Johanna Constantini: “Abseits – Aus der Sicht einer Tochter” (Lesung am 28.01.2021, 19 Uhr)

      Am Donnerstag, den 28. Januar 2021, um 19 Uhr laden wir zu einer digitalen Premiere: Via Videostream wird Johanna Constantini 30 Minuten aus ihrem jüngst erschienenen Buch “Abseits – Aus der Sicht einer Tochter” (Seifert Verlag) lesen. Direkt im Anschluss kann dann mit der Autorin online diskutiert werden. Eine Anmeldung ist über das Formular (siehe unten) möglich. 

      Online-Lesung: “Abseits – Aus der Sicht einer Tochter” von Johanna Constantini

      Im Buch erzählt Johanna Constantini die Geschichte über die Demenzerkrankung ihres Vaters Didi Constantini, der als Fußballspieler zweimal die österreichische Meisterschaft feierte und später zu einem der bekanntesten Trainer der Alpenrepublik (u.a. österreichischer Teamchef, Bundesliga-Trainer bei Mainz 05, FC Tirol Innsbruck, Austria Wien, LASK, FC Superfund) wurde. 

      Der Schritt in die Öffentlichkeit kommt nicht von ungefähr: Denn Johanna Constantini kämpft an der Seite ihres Vaters für mehr Einsicht, Toleranz und Empathie gegenüber der grassierenden Krankheit Demenz, die unsere Effizienz-Gesellschaft nur zu gern tabuisiert. Da dieser blinde Fleck im besonderen Maße im Leistungssport und dabei allen voran im Fußball existiert, entsteht eine spannende Konstellation für die Lesung und die anschließende Diskussion.

      Online-Event

      • Donnerstag, 28. Januar 2021, 19 – ca. 19.45 Uhr
      • Zoom-Videokonferenz (jeder Teilnehmer bekommt nach erfolgreicher Anmeldung einen Link zur Konferenz zugeschickt)
      • Kosten pro Teilnehmer: 19 EUR (Überweisung oder Paypal)

      Anmeldung

        [checkbox* Ticket "19 EUR Zoom-Live Teilnahme am Do., 17.12.2020, 19.00 - 21.30 Uhr" "9 EUR Re-Live Teilnahme ab Mo., 21.12.2020 möglich]

        Mehr zum Thema:

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        Dr. René Paasch: Warum Geld nicht glücklich macht

        Wonach sollten wir im Leben und im Sport streben, um glücklich zu werden? Mehr Wissen? Unsterbliche Bekanntheit? Oder doch lieber nach Reichtum? Dicke Autos, große Häuser, teure Klamotten – ein Klischee, das viele Profifußballer auf der Welt erfüllen. Lange Zeit war das auch das Leben der Ex-Weltmeister Benedikt Höwedes und André Schürrle (MAGAZIN 44, S. 16-21, 2020). In diesem Jahr beendeten beide bereits in einem jungen Alter ihre Karriere und rechnen nun in einem Interview mit dem „DFB-Journal“ mit den Oberflächlichkeiten im Profi-Fußball ab. Dabei sind die beiden nicht die ersten, die die Eigenheiten dieser Verhaltensweisen im Profifußball kritisieren. 

        Seit Jahrhunderten befassen sich Denker mit dieser tiefgründigen und schwierigen Frage: „Was macht uns wirklich glücklich?“ Viele der klügsten Köpfe der Menschheitsgeschichte haben versucht zu verstehen, was uns wirklich Wohlsein verschafft – und fast alle sind daran gescheitert. Doch die moderne Wissenschaft bringt uns die Antwort endlich ein Stück näher. Denn es gibt mittlerweile einige Faktoren, die für unser Wohlbefinden unumgänglich sind. Mit dem vorliegenden Beitrag möchte ich Ihnen Martin Seligman und seine derzeitigen Überlegungen und Erkenntnisse zu den Bedingungen eines gelingenden Lebens näherbringen und dazu meine Erfahrungen im Kontext von Leistungssport in beziehung setzen. Außerdem erfahren Sie, weshalb materieller Wohlstand nicht zu seelischem Reichtum führen kann. 

        Zum Thema: Das Streben nach Glück und Wohlbefinden im Fußball 

        Glück und inneres Wohlbefinden hängt nicht davon ab, wer du bist oder was du hast, es hängt davon ab, was du fühlst und denkst. 

        Dr. René Paasch 

        Die „Positive Psychologie“ wurde 1998 von dem Psychologen Prof. Dr. Martin Seligman, University of Pennsylvania, ins Leben gerufen. Mit dem Ziel, zu erforschen, was den Menschen glücklich macht. Glück, Wohlbefinden und Selbstverwirklichung sind Schlagwörter unserer Zeit. Die Glücksforschung beschäftigt sich mit dem Zentralthema „Glück“. Gemessen wird die allgemeine Lebenszufriedenheit, insbesondere durch subjektive Aussagen. Ziel der Glücksforschung ist somit die Erhöhung der Lebenszufriedenheit (Layard, 2005).

        Zu “Flourishing” bzw. zum Wohlbefinden tragen fünf voneinander unabhängige Konstrukte bei. Positive Emotionen, Engagement, positive Beziehungen, Sinn, Bedeutung und die Zielerreichung. Glück und Lebenszufriedenheit sind hier nur einzelne Bausteine. Flourishing wird hierbei sowohl mit subjektiven aber auch mit objektiven Indikatoren erhoben. Ziel dieses Ansatzes ist, nicht nur die Erhöhung des Glückempfindens und der Lebenszufriedenheit, sondern insgesamt die Erhöhung von Flourishing. Also dem Gefühl des Wachsens der eigenen Persönlichkeit, in dem man sowohl glücklich und zufrieden mit seinem Leben ist, als auch Sinn und Bedeutung im Leben findet und seine Ziele erreicht.

        Interessante Untersuchungen

        Der Buchmarkt überschlägt sich förmlich von Ratgebern und erfolgversprechenden Glücksformeln. Selbst Zeitschriften und Zeitungen berichten regelmäßig in großen Aufmachungen davon und kostspielige Vortragsveranstaltungen und Workshops werden allgegenwärtig angeboten. Trotz des großen Interesses an Fragen nach dem gelingenden Leben, nach dem Sinn und Glück, hat sich die wissenschaftliche Psychologie über viele Jahrzehnte eher randständig mit diesen zentralen Fragen beschäftigt. Es ist der große Verdienst Martin Seligmans, mit der Begründung der „Positiven Psychologie“ insbesondere die anwendungsorientierte Forschung in diesem Bereich der Psychologie gestärkt zu haben. Viele Menschen sind heute auf der Suche nach einem glücklicheren Leben und dennoch endet diese Bestrebung nie. Verschreibungspflichtige Medikamente oder zahlreiche Ratgeber sind mittlerweile die schnelle Lösung für alle, die mit Glückseligkeit zu kämpfen haben. Aber was unser allgemeines Wohlbefinden betrifft, schaden solche kurzfristigen Denk- und Verhaltensweisen langfristig oft mehr als sie nützen. So haben unzählige Studien (Munkholm, K. et al., 2019) gezeigt, dass verschreibungspflichtige Medikamente oder fremde Lebenskonzepte meistens nur teilweise oder vorübergehend wirksam sind. Bspw. die Einnahme von Antidepressiva wurde von Prozac, Zoloft und Lexapro in einer Studie untersucht. Hier haben zwar 65 Prozent der Patienten eine signifikante Wirkung bei schwerer Depression zeigen können, jedoch nicht bei einer leichteren oder mittleren Diagnose. Dennoch ist die Zahl weniger beeindruckend, wenn man weiß, dass der Placebo-Effekt bei 55 Prozent der Patienten die gleiche Wirkung erzielte.  Wie hilft man also jenen unglücklichen und suchenden, denen Empfehlungen oder Medikamente nur bedingt helfen? Die Antwort lautet: „Durch gütige und positive Psychologie“. 

        So lernten Spieler mit meiner Begleitung aus dem Leistungsfussball, Handball oder im Profisegeln eine Woche lang positive psychologische Übungen kennen, die sich auf Dankbarkeit und Freundlichkeit gegenüber Fremden und Vereinsangehörigen konzentrierten. Und fast alle berichteten, dass sie sich nach der Zeit weitaus glücklicher fühlten. Für einige hielt dieser Effekt sogar bis zu neun Monate lang an. 

        Wohlstand

        Je reicher man ist, desto glücklicher muss man sein! Denn warum sollten sich ein luxuriöser Lebensstandard und ein Netzwerk aus erfolgreichen und wohlhabenden Freunden nicht positiv auf unser Wohlbefinden auswirken? Nun, aus vielerlei Gründen. Vergleicht man das Bruttoinlandsprodukt verschiedener Länder mit dem allgemeinen Wohlstandsniveau, erkennt man zum Teil schockierende Diskrepanzen (Boarini, Rohansson, Mira d’Ercole, 2006):  Im Allgemeinen stehen das BIP eines Landes und die Lebenszufriedenheit seiner Bewohner in einem positiven Verhältnis zueinander. Doch eine genauere Untersuchung offenbart einige seltsame Anomalien.  So erzielen lateinamerikanische Länder weitaus bessere Ergebnisse bei der Lebenszufriedenheit, trotz niedrigerer Bruttoinlandsprodukte. Postkommunistische Länder hingegen verzeichnen zwar höhere BIPs, schneiden bei der Lebenszufriedenheit aber unterdurchschnittlich ab. Und die Lebenszufriedenheit in den USA hat sich seit 50 Jahren nicht verbessert, obwohl sich das BIP in dieser Zeit verdreifacht hat. Warum ist das so? Diese Frage können wir beantworten, wenn wir uns einmal genauer anschauen, wie es berechnet wird. Das Bruttoinlandsprodukt ist lediglich ein Maß für die produzierten und konsumierten Güter und Dienstleistungen in einer Gesellschaft. Dabei ist es ganz egal, ob diese Produkte und Dienstleistungen das Wohlbefinden der Menschen steigern oder verringern. Ein sprunghafter Anstieg des Antidepressiva-Konsums führt beispielsweise dazu, dass mehr Menschen ihrer Arbeit produktiv nachgehen können. Und längere Arbeitswege erhöhen die Ausgaben für Reise und Transport. Beide Entwicklungen steigern das BIP, obwohl sie auf eine Verschlechterung der Lebensqualität hindeuten.  

        Der Reichtum, den das BIP misst, kann uns zwar mit materiellen Dingen und bequemen Dienstleistungen versorgen, aber er allein erfüllt kein menschliches Wohlbefinden. Positive Emotionen, Engagement, Sinn, Erfolg und soziale Beziehungen entstehen nicht ausschließlich durch Geld und Konsum. Im Gegenteil: Reichtum beeinflusst menschliche Beziehungen mitunter sogar negativ, da wir lernen, uns mehr aufs Geld zu verlassen als aufeinander. Daher sollten Sie materiellen Reichtum niemals über die eigentlich wichtigen Elemente ihres Wohlbefindens stellen. In der Hoffnung, dass sie dem Geld schon folgen werden. So funktioniert das Glück einfach nicht. 

        Intelligenztest  

        Wir haben bereits festgestellt, dass Erfolg eine wichtige Säule unseres Wohlbefindens ist. Aber wie lassen sich die Erfolgschancen einer Person sinnvoll messen? In der Vergangenheit haben Wissenschaftler oft IQ-Tests benutzt, um über die Intelligenz einer Person ihren Erfolg vorauszusagen. Aber dieses Messverfahren birgt einige Probleme. Zum einen ignorieren IQ-Tests eine ganze Reihe von Charaktereigenschaften, die für persönlichen Erfolg entscheidend sind, zum anderes gibt es vier Eigenschaften, die man typischerweise mit erfolgreichen Menschen in Verbindung bringt: schnelles Denken, schnelles Lernen, die Fähigkeit, Aufgaben vorausschauend zu planen und zu revidieren und ein angemessener Leistungseinsatz bei verschiedenen Tätigkeiten.  IQ-Tests legen großen Wert auf eine einzige dieser Eigenschaften: schnelles Denken. Deren Ergebnisse korrelieren deshalb meist gut mit jenen von Reaktionszeitübungen. Eine typische Reaktionszeitübung wäre diese: Ein Sportler sitzt vor einer Tafel mit einem Licht, eines links und eines rechts. Er soll den linken Knopf drücken, wenn das Licht grün leuchtet, und den rechten Knopf, wenn das Licht rot leuchtet – und zwar so schnell wie möglich. Je besser Sportler bei dieser Aufgabe abschneiden, desto besser schneiden sie in der Regel auch bei einem IQ-Test ab. Doch die übrigen drei Erfolgsmerkmale werden bei typischen IQ-Tests nirgends abgefragt. 

        Um die Erfolgschancen einer Person akkurat zu messen, musste man deshalb völlig neue Testansätze entwickeln, die alle vier erforderlichen Charaktereigenschaften berücksichtigen. Duckworth und Seligman (2005) haben einen solchen Testkomplex zur Selbstdisziplin entwickelt. Er umfasst die Impulsivitätsskala von Eysenck, einen Ja/Nein-Fragebogen zur Messung der Impulsivität. Bei der Selbstkontrollskala kann eine Punktzahl von eins für maximal disziplinierte Personen bis sieben für maximal Impulsivität vergeben werden. Ergänzend kommen Tests zum Belohnungsaufschub hinzu. Diese messen wie gut sie darin sind, eine unmittelbare Befriedigung zurückzustellen, um sich so größere Befriedigung in der Zukunft zu verschaffen. 

        Flourishing 

        Sein eigenes Glück und Wohlbefinden steigern – das ist doch ein eindeutiges Ziel, oder? Versucht man aber zu definieren was Glück und Wohlbefinden wirklich bedeuten, wird die Sache gleich viel komplexer.  Selbst Philosophen haben sich mit der Frage nach dem Glück seit jeher schwergetan. So meinte Aristoteles, dass alle unsere Handlungen darauf abzielen, unser Glück zu maximieren. Freud hingegen war überzeugt, dass wir weniger nach Glück streben, als vor unseren Ängsten davonlaufen.  

        Jede dieser Theorien hat also eine spezifische Vorstellung vom Glück. Trotzdem gelingt es keiner davon, dass unglaublich komplexe Phänomen in all seinen Nuancen zu erfassen. Unser Glück, Wohlbefinden und unsere Lebensfreude lassen sich nicht auf ein paar einzelne Variablen reduzieren. Unser Berufsfeld sucht in diesem Wirrwarr an Faktoren nach messbaren wissenschaftlichen Variablen, um menschliches Glück und Wohlbefinden zu verstehen. Das ist keine leichte Aufgabe. In der Vergangenheit erwiesen sich viele Ansätze um menschliches Wohlbefinden zu messen, als mangelhaft.  Gibt man bspw. Sportlern einen Fragebogen zu ihrer Lebenszufriedenheit, misst man nachweislich eher ihre aktuelle Stimmung als ihr grundlegendes Glücksniveau.  Hingegen nutzt die „Positive Psychologie“ verlässliche Methoden. Durch ihren empirischen und innovativen Ansatz ist die „Positive Psychologie“ heute fest im wissenschaftlichen Denken verankert. Die aussagekräftige Theorie des Wohlbefindens hat fünf Elemente und jedes davon hat drei Eigenschaften (Seligman, 2011, 2015). Die fünf Elemente sind: 

        Positives Gefühl, Engagement, Sinn, positive Beziehungen und die Zielerreichung. Jedes Element des Wohlbefindens muss wiederum drei Eigenschaften aufweisen, um als Element zu gelten: 

        1. Es trägt zum Wohlbefinden bei.

        2. Benötige ich die Erfüllung meiner Vorstellung, um wahrhaftiges Wohlbefinden zu erlangen oder um eines der Elemente zu erhalten?

        3. Es lässt sich unabhängig von den anderen Elementen definieren und messen.

        Die fünf Säulen des Wohlbefindens 

        Wie definieren wir Wohlbefinden, so dass es sich objektiv bewerten lässt? 

        Die „Positive Psychologie“ hat dazu fünf Schlüsselelemente aufgedeckt, die alle eine entscheidende Rolle für unser Glücklichsein spielen. 

        Positive Emotionen

        Positive Emotionen beziehen sich auf die großen Gefühle, die wir alle gern verspüren: Freude, Vergnügen, Ekstase und so weiter. Für eine positive Beeinflussung ist allerdings nicht die Intensität der Empfindung wichtig. Es geht darum, regelmäßig positive Emotionen zu erfahren. Hierbei kommt es auf das Verhältnis von negativen und positiven Empfindungen an. Soll heißen, wenn wir trotz negativen Gefühlen dennoch Freude oder ein anderes positives Gefühl haben können, wirkt sich das auf unser gesamtes Wohlbefinden aus. Der Schlüssel für positiven Emotionen ist, die Fähigkeit sowohl positive als auch negative Emotionen gleichzeitig empfinden zu können. Erleben Sie all diese Emotionen regelmäßig? Wenn ja, dann sind Sie dem guten Leben schon sehr nahe.  

        Leseempfehlung: 

        Engagement
        Sie hat etwas mit einer Erfahrung zu tun, die Psychologen heute „Flow“ nennen. Kennen Sie den tranceartigen Zustand, wenn Sie völlig in einer Aufgabe oder während des Wettkampfes vertieft sind? Dieser wird als „Flow“ bezeichnet. Ob Sie nun kreative Prozesse anwenden oder Sport betreiben: Wenn Sie etwas tun, das Sie lieben, vergeht die Zeit oft wie im Flug und Sie vergessen dabei sich selbst. 

        Leseempfehlung: 

        Sinn

        Er umfasst das Gefühl, dass die eigenen Tätigkeiten einem übergeordneten Ziel oder Prinzip folgen, an das man glaubt. Egal ob wir uns für soziale Gerechtigkeit im Sport, die Umwelt oder unsere Freunde einsetzen – wenn wir in unseren Aufgaben einen klaren Sinn erkennen, erfüllt uns das mit Stolz und Zufriedenheit. Außerdem hat die „Positive Psychologie“ zwei weitere Variablen identifiziert, die unser Glücksgefühl prägen: Erfolg und positive Beziehungen.  

        Leseempfehlung:

        Zielerreichung

        Persönliche Erfolgserlebnisse sind ein entscheidender Faktor für unser Glück – egal ob im Sport, bei unseren Hobbys oder in unserem Sozialleben. Wenn wir etwas erreichen, verstärkt das unser Wohlbefinden. 

        Leseempfehlung:

        Positive Beziehungen

        Sie beinhalten ein abwechslungsreiches Sozialleben voller Menschen, die man liebt und denen man vertraut. In der „Positiven Psychologie“ geht es um „andere Menschen“. Nur sehr wenig von dem, was positiv ist, ist einsam! Haben Sie enge Beziehungen zu anderen Teamkollegen oder wann haben Sie im Kreise Ihrer Liebsten schon einmal lautstark gelacht? Oder wann waren Sie das letzte Mal ungemein stolz auf die Teamleistung? Auch ohne die näheren Umstände dieser Höhepunkte Ihres Lebens zu kennen, weiß ich, wo sie stattfanden: Sie alle ereigneten sich in Zusammenhang mit anderen Personen. 

        Dann verfügen Sie über das beste natürliche Antidepressivum. Es ist eigentlich keine Überraschung, dass Menschen mit guten Beziehungen weitaus glücklichere Leben führen.  Die „Positive Psychologie“ lehrt uns, unser Wohlbefinden zu steigern, indem wir diese fünf Variablen optimieren. Nun kennen wir also die fünf Säulen des Wohlbefindens. Je früher man sie ins eigene Leben und im Sport integriert, desto größer sind die Chancen auf langfristiges Wohlbefinden. 

        Anregungen für Sie und Ihren Verein 

        Sportler und Vereine profitieren enorm von simplen Übungen der „Positiven Psychologie“. Selbst einfache Übungen können helfen, glückliche und erfüllte Personen aus Ihnen zu machen ohne sich über materielle Dinge zu definieren. 

        Leseempfehlung: 

        Nehmen wir die „Drei schöne Dinge-Übung“: Dabei sollen sich Spieler eine Woche lang vor dem Schlafengehen kurz Zeit nehmen, um drei Dinge zu notieren, die tagsüber schön waren oder gut liefen. Dann sollen sie folgende Frage beantworten: „Warum ist diese gute Sache passiert?“ 

        Egal ob sie im Training konzentrierter waren oder sich selbstwirksam wahrgenommen haben. Diese einfache Übung zeigt, wie sich gute Entscheidungen in positive Erfahrungen verwandeln. Das wiederum motiviert in der Zukunft mehr solcher Entscheidungen zu treffen.  

        Weiteres Übungsmaterial

        Eine weitere grundlegende Übung der „Positiven Psychologie“ ist die sogenannte Freundlichkeitsübung. Dabei überlegen sich Ihre Spieler, Trainer und Vereinsangehörige für den nächsten Tag eine nette Geste. Sie überraschen dann zum Beispiel den ehemaligen Trainer oder Mentor mit einem Besuch oder überreichen einem Freund ein kleines Geschenk. Wichtig ist, dass Sie beobachten, wie sich das Ganze auf ihre Stimmung auswirkt. Diese Übung macht Ihnen bewusst, wie kleine Nettigkeiten Sie selbst und andere glücklich machen können. „Positive Psychologie“ funktioniert in allen Altersklassen. In der Partnerschaft, Trainer-Spieler-Beziehung, aber auch in Momenten im Sport gibt es viele Gelegenheiten, um das positive Denken zu üben. Beispielsweise üben wir im Mannschaftstraining mithilfe von klassischen Texten und Verhaltensweisen auf dem Platz Resilienz und Charakterstärke. Abstiegskampf, Verletzungen, Vertragsauflösung, Karriereende zu erfahren und zu lesen, ist ziemlich deprimierend. Aber im Team analysierten die Spieler die positiven Eigenschaften aller Hauptfiguren, dass Stärken sowohl eine gute als auch eine Schattenseite haben.  Solche und ähnliche Lehrstrategien können auch im Fußball und in anderen Disziplinen genutzt werden. Eigene Erfahrungen mit Mannschaften waren bereits Gegenstand meiner Arbeit – mit großartigen Ergebnissen: Spieler einer Mannschaft, die an psychologischen Übungen teilnahmen, fühlten sich danach weniger destruktiv. Außerdem waren sie motivierter und hatten weniger Verhaltensprobleme als ihre Mitspieler. Ich konnte feststellen, dass Spieler und sogar Trainer oft das beste Feedback zu Ihren Übungen bekommen. Manche bezeichnen sie sogar als wichtigster Begleiter im Leistungssport. 

        Was Sie weiterhin umsetzen sollten: Seien Sie dankbar! Ein paar einfache Übungen genügen, um Ihr Wohlbefinden merklich zu steigern – Dankbarkeit trainieren ist eine davon. Sie können zum Beispiel einen kurzen Dankesbrief an jemanden verfassen, der Ihnen etwas geholfen hat, ohne eine Gegenleistung zu verlangen. 300 Worte sollten ausreichen, um in klaren Worten zu erklären, wie sich die Hilfe auf Ihr Leben ausgewirkt hat und warum Sie noch immer oft darüber nachdenken. Lassen Sie den Empfänger den Brief in Ihrem Beisein lesen – und beobachten Sie wie eine kleine Geste positive Gefühle bescheren kann. 

        Fazit

        Seit Jahrhunderten forschen Menschen in diesem Themengebiet, was ein glückliches und erfülltes Leben ausmacht. Heute ist sich die Wissenschaft sicher: Reichtum, fremde Lebenskonzepte und ein hoher IQ sind es nicht. Die wahren Säulen unseres Wohlbefindens sind positive Emotionen, Engagement, Sinn, Erfolg und soziale Beziehungen. Einfache Übungen und Ansätze aus der „Positiven Psychologie“ helfen diese Säulen zu stärken und uns ein besseres (Sportler)leben zu ermöglichen. Nicht jeder wird der kritischen Bewertung der Lebenszufriedenheitsforschung zustimmen, hat sie doch viele wichtige und einflussreiche Erkenntnisse hervorgebracht. Wie wir Glück und Wohlsein im Leben und Fußball erhalten, ist aus meiner Sicht ein inspirierendes, aktuelles, wissenschaftlich basiertes Thema und es fordert – auch kritische Stimmen – heraus. Man kann die Auseinandersetzung mit den Inhalten daher eine breite Leserschaft im Sport nur wünschen.

        Mehr zum Thema:

        Literatur 

        1. Duckworth, A. L. & Seligman, M. E. P. (2005): Self-discipline outdoes IQ predicting academic performance in adolescents. Psychological Science, 16, 939-944.
        2. Layard, R. (2005): „Die glückliche Gesellschaft — Was wir aus der Glücksforschung lernen können“, Campus Verlag, Frankfurt a.M./New York
        3. Munkholm, K. et al. (2019): Considering the methodological limitations in the evidence base of antidepressants for depression: a reanalysis of a network meta-analysis (BMJ, 2019). Studie lesen: https://bmjopen.bmj.com/content/9/6/e024886
        4. Seligman M. (2011): „Flourishing – A New Understanding of Happiness and Well-being – and How to Achieve Them”, Nicholas Brealey Publishing. London, Boston
        5. Seligman, M. (2015): Flourish – Wie Menschen aufblühen. Die Positive Psychologie des gelingenden Lebens. München: Kösel-Verlag.
        6. Romina Boarini, R. Asa Johansson, A. Mira d’Ercole, M.M. (2006): Alternative Measures of well-being. working paper: https://www.oecd.org/social/soc/36165332.pdf 

        Internet und Buchempfehlungen: 

        Magazin 44 (2020): CDN-Magazin „Egal, was kommt, ich weiß: Es wird gut“ Doppelinterview mit Benedikt Höwedes und André Schürrle, Seite 16 -21. Magazin lesen: https://nationalspieler.dfb.de/fileadmin/template/magazine/CdN_Magazin_44.pdf

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        Lisa König: Bringen Glücksbringer Glück oder ist das alles Zufall?

        Die Wintersportbegeisterten unter euch haben es bestimmt mitbekommen: Die deutsche Skilangläuferin Katharina Hennig läuft diesen Winter eine tolle Tour de Ski und machte unter anderem mit einem 2. Platz beim Massenstartrennen in Val di Fiemme (ITA) auf sich aufmerksam. Auf dem gleichen Kurs konnte sie vergangenen Winter schon auf den 3. Platz laufen. Aber es war nicht nur die gleiche Strecke, sondern auch die gleiche Startnummer wie im Vorjahr, die 11. Das ist nur ein Beispiel zum Thema. Wie sich Lieblingsorte oder Lieblingskleidungsstücke auf deine Leistung auswirken können, erfährst du jetzt.

        Zum Thema: Von Lieblingsrennstrecken beflügeln lassen

        Katharina Hennig konnte durch ihr gutes Ergebnis im vergangenen Jahr positiv auf den italienischen Wettkampfort zurückblicken. Es kann sich positiv auf deine Motivation und Einstellung zum Rennen auswirken, wenn du neutrale Orte mit positiven Eindrücken und Erinnerungen verbindest. Wenn du beispielsweise im letzten Jahr ein gutes Ergebnis auf einem bestimmten Kurs erzielt hast, dann gehst du vielleicht auch positiver und gelöster an das diesjährige Rennen heran. Wenn du schlechte Erinnerungen gesammelt hast, wie einen Sturz, dann kann es passieren, dass diese Dinge in deinem Hinterkopf herumschwirren. Das kann deine Konzentration und deinen Fokus auf das bevorstehende Rennen beeinflussen und lenkt ab.

        Wenn du oft an Rennen teilnimmst, ist es unvermeidbar auch einmal an einen Ort zurückzukehren, an dem du negative Erfahrungen gemacht hast. Das muss nicht heißen, dass es dieses Mal auch daneben geht! 

        Dazu ein Tipp: Beim Reframing, also beim Perspektivwechsel, legst du deinen Fokus auf das Gute im Schlechten. So ungewohnt das klingt, kann es helfen, deine Aufmerksamkeit auf die positiven Seiten zu legen und das Rennen gelöster anzugehen. Beispielsweise kannst du dich an die gesammelte Erfahrung, die Verbesserung deiner Renntaktik oder die gute Technikumsetzung vom letzten Mal zurückerinnern. 

        Zufälle können dir in die Karten spielen

        Die Startnummer 11 zu bekommen, konnte Langläuferin Katharina Hennig nicht planen. Aber sie könnte es zu ihrem Vorteil genutzt haben. Die Kombination aus dem Wettkampfort und einer Startnummer mit guten Erinnerungen hat sie vielleicht beflügelt. 

        Ganz realistisch betrachtet, können Gegenstände wie so ein Leibchen natürlich nicht die Leistung steigern. Der Glaube daran aber schon. Wenn du also eine Startnummer mit deiner Lieblingszahl, deinem Geburtsdatum oder einer anderen bedeutsamen Kombination bekommst, dann lass ruhig die damit verbundenen positiven Gefühle zu… vielleicht beflügeln sie dich ja auch!

        Was, wenn der Glücksbringer kein Glück bringt?

        Von den Lieblingssocken über den Schlüsselanhänger bis hin zum Glücksschlüppi… viele Sportler haben Maskottchen. Du vielleicht auch? Und viele Athleten haben Tage, da will es einfach nicht laufen. Du sicherlich auch!

        Um den Glauben in deine Glückssocken nicht zu verlieren, kann es helfen, dich an die vielen guten Tage zu erinnern, die ihr gemeinsam erlebt habt. Auf welche positiven Erinnerungen könnt ihr schauen? Warum seid ihr damals Freunde geworden? Genau wie eine gute Freundschaft, seid auch ihr wahrscheinlich durch dick und dünn gegangen.

        Wichtiger Hinweis

        Fakt ist, Maskottchen und Lieblingsstrecken vermitteln Sicherheit und können bei der Wettkampfvorbereitung helfen. Allerdings solltest du dich nicht ausschließlich darauf verlassen und den Grund für deinen Erfolg auch bei dir und deinen Fähigkeiten suchen, nicht nur bei deinen Socken. Wenn du mehr über das Thema erfahren möchtest, dann nimm Kontakt zu uns auf!

        Hier findest du eine Übersicht zu den Sportpsychologen in deiner Nähe (Übersicht), hier geht zu meiner Profilseite (zum Profil von Lisa König).

        Mehr zum Thema:

        Hinweis: Der Text ist in ähnlicher Form bereits in der Online-Ausgabe von https://www.xc-ski.de erschienen.

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        Thorsten Loch: Der Trainer werden, der man sein möchte

        In der Kabine kritisiert der Trainer einen Spieler. Es passiert also das normalste der Welt, könnten wir denken. Tatsächlich steckt in einer solchen scheinbar alltäglichen Situation unheimlich viel Brisanz. Im folgenden Beitrag entwerfe ich auf Basis dieses Beispiels eine Handreichung, die insbesondere Trainer dafür nutzen können, um effektiv an sich zu arbeiten. Die Sportpsychologie bietet dazu einige interessante Ansätze, die uns in der Praxis voranbringen können. Und warum sollten wir die aktuelle Corona-Pandemie und die für viele damit verbundene sportliche Ruhe nicht dazu nutzen?

        Zum Thema: Selbst vs. ICH – Entwicklungspotentiale für Trainer nutzbar machen 

        Der Begriff „Selbst“ wird in der Psychologie als eine Art Oberbegriff für die Vorstellungen verstanden, die eine Person von sich hat oder andere von ihr haben. Hieraus folgt, dass jeder Mensch über ein individuell geprägtes Selbstkonzept verfügt. Dies speist sich aus persönlichen Erinnerungen, Annahmen über Eigenschaften, Motive, Werte und Fähigkeiten. Es steht für ein Idealbild, wie er am liebsten sein würde, den persönlichen Selbstwert (positive oder negative Bewertungen, die er an sich selbst vornimmt) sowie die Überzeugung darüber, wie ihn andere sehen. Kuhl (2001) verwendet den Begriff „Selbst“ für die intuitive Wahrnehmung oder Repräsentation der eigenen Person mit ihren Merkmalen. Neben dem intuitiven „Selbst“ unterschied Kuhl noch ein bewusst wahrgenommenes „Ich“ oder „Selbstkonzept“. Das Selbst umfasst alle beiläufigen und intuitiv durch Erfahrung erworbenen Repräsentationen über die eigene Person, die keineswegs alle bewusst sind. Sie bilden sozusagen den gefühlsmäßigen Hintergrund für das bewusst wahrgenommene „Ich“ oder „Selbstkonzept“, dessen Merkmale bewusst sind und sprachlich ausgedrückt werden können. Doch wie setzt sich das Selbstkonzept zusammen?

        Die Informationen zur Erstellung unseres Selbstkonzeptes erhalten wir in erster Linie durch den Austausch mit anderen (soziale Interaktion). Diese soziale Interaktion konnten sehr wahrscheinlich viele Sportler mit ihren Mannschaftskameraden, Teampartnern, Trainern usw. aus den verschiedensten Gründen (bedingt durch die Pandemie) nicht in gewohnter Weise nachkommen. Nicht nur der sportliche Vergleich im Wettkampf, als auch das Messen innerhalb der Trainingsgruppen, die Gespräche/Austausch an den Trainingsstätten war und ist bis heute nur bedingt oder gar nicht möglich. Sicherlich bietet die heutige Technik eine Vielzahl an Möglichkeiten sich auszutauschen, jedoch kam diesbezüglich in meiner eigenen Wahrnehmung zunehmend eine Müdigkeit auf. War man noch zu Beginn hoch motiviert und engagiert bei allen Online-Trainings usw. dabei, so kippt die Stimmung mit der Zeit, weil ein Ende nicht in Sicht war bzw. immer weiter verschoben wurde. Nach der Meinung von Strober (2006) ist es im Coaching von besonderer Bedeutung, dass der Coach das Selbstbild seiner Klienten zu verstehen versucht, um sie bei der Entfaltung ihrer vollen Potentiale und Ressourcen unterstützen zu können. Hier findet sich eine Vielzahl von Parallelen zum Sport. Neben den gänzlichen Trainingsinhalten zählt der Austausch von Trainer zu seinen Sportlern mit zu den wichtigsten Aufgabengebieten. 

        Selbstbild, Selbstaufmerksamkeit, Selbstreflexion und Selbstexploration

        Zur bewussten Reflexion des eigenen Selbstbildes ist es für den Sportler notwendig, sich selbst zu beobachten und dabei den eigenen Empfindungen und Gefühlen in konkreten Situationen nachzuspüren. Dieser Prozess, der im Coaching bewusst gefördert werden kann, bezeichnet man als „Selbstexploration“. Das reale Selbstkonzept bezieht sich auf alle bewussten Vorstellungen zu „wichtigen eigenen Zielen, Bedürfnissen, Merkmalen und Entwicklungspotentialen sowie Regeln und Standards der Personen, wie sich gegenwärtig sehen“ (Greif, 2008b). Im Gegensatz dazu basiert das ideale Selbstkonzept auf „Idealbildern der Person von sich selbst zu den angesprochenen Merkmalen“. Die Selbstreflexion beschreibt in diesem Zusammenhang den Vergleich zwischen dem realen und dem idealen Selbstkonzept. 

        Das bewusste Nachdenken einer Person über sich selbst wird als „Selbstreflexion“ bezeichnet. Bewusste Selbstreflexion setzt zunächst einmal Selbstaufmerksamkeit voraus. Die Förderung der Selbstreflexion wird oft idealisiert und zu absolut propagiert (Greif, 2008b). Jedoch ist nicht jedes Nachdenken über eigene Handlungen und Gefühlen in jeder Situation und für jede Person gleichermaßen förderlich. Beispielsweise ist gut und wichtig, dass Menschen auch die Fähigkeit besitzen (insbesondere im Kontext Wettkampfsport), sehr schnell und intuitiv reagieren zu können. Auf der anderen Seite ist das stundenlange ziellose Grübeln, ohne das sich daraus irgendwelche praktische Handlungen ergeben würden, problematisch. Aus diesen Überlegungen unterscheidet Greif dieses „Grübeln“ von der sogenannten „ergebnisorientieren Selbstreflexion“. Eine Reflexion wird dann als ergebnisorientiert eingestuft, wenn der Prozess systematisch abläuft und zu einem praktisch verwertbaren Ergebnis führt, das dann als Orientierung für künftige Handlungen oder Reflexionen dienen kann (ebd.). Im Coaching dienen solche Reflexionen zur Erarbeitung von Zielen oder Problemlösungen. Siehe folgende Beispiele:

        • Das Nachdenken über Ziele, was zur Neuordnung erreichbarer Ziele hinsichtlich ihrer persönlichen Priorität oder zur Verbesserung der Selbstorganisation bei der Zielerreichung führt.
        • Die Reflexion über problematisches Verhalten dient dazu, Veränderungsoptionen zu entwickeln, welche dem angestrebten Ideale nahe kommen.

        Selbstreflexion können viele, Selbstexploration deutlich weniger

        Um eigene Selbstreflexionsprozesse ergebnisorientiert organisieren zu können, muss eine Person Schablonen zur Beobachtung des eigenen Verhaltens aktivieren und ihre Beobachtung mit dem idealen Selbstkonzept vergleichen. Zudem ist es notwendig, dass sie über Handlungsmuster verfügt, die Ablenkungen bei der Reflexion sowie spontane Abwehrreaktionen bei unangenehmen Vorstellungen über sich selbst abzublocken. Darüber hinaus muss die Person dazu fähig sein, einen längeren strukturierten Dialog mit sich selbst über die eigenen Vorstellungen zum realen und idealen Selbstkonzept zu führen und daraus praktisch umsetzbare Folgerungen für die künftige Handlungen abzuleiten. 

        Nach Auffassung von Greif verfügen die meisten Menschen über solche Schemata zur Selbstreflexion, aber nur wenige scheinen dazu in der Lage zu sein, umfassende, ganzheitliche Selbstexploration durchzuführen und sie so zu strukturieren, dass dies zu praktisch umsetzbaren Ergebnissen führt. Dieser Prozess ist jedoch erlernbar und kann/sollte mittels eines Trainers/Sportpsychologen/usw. gesteuert/forciert werden. Wichtig ist dabei, dass der Coach/Sportpsychologe seinen Klienten/Sportler zur selbstständigen Anwendung der entsprechenden Schemata anhält und ihm Feedback gibt.

        Praxisbeispiel:

        Der Trainer kritisiert in einer Mannschaftsbesprechung seinen Kapitän, da er eine wichtige Aufgabe nicht umgesetzt (taktische Marschroute) und somit den ganzen Matchplan über den Haufen geworfen und im Ergebnis den Sieg gefährdet hat. Der in dem Meeting anwesende Sportpsychologe gibt den Trainer im Anschluss unter vier Augen ein Feedback. Er teilt ihm mit, dass seine Kritik zwar berechtigt, aber in der Art und Weise unangemessen hart war. Somit wird, wie im ersten Kasten des Modells dargestellt (vgl. Abb. 1), durch das Feedback die Selbstaufmerksamkeit des Trainers stimuliert und aktiviert (zweiter Kasten). Durch die erhöhte Selbstaufmerksamkeit aktualisiert und intensiviert er die beachteten Aspekte seines Selbstkonzeptes und gleicht sein „problematisches“ Verhalten in einem Reflexionsprozess mit seinen eigenen Idealvorstellungen (z.B. dass er nie einen Spieler so kritisieren wollte, wie er es selbst als Spieler in der Vergangenheit erlebt hatte) ab (dritter Kasten). Er nimmt nun eine Diskrepanz wahr und ist motiviert, diese zu verringern. Wie die Reaktionen aussehen könnten, zeigt der vierte oder fünfte Kasten. 

        Fazit:

        Die aktuelle Lage fordert alle heraus und vermittelt dem Individuum (Trainer/Sportler) eine gefühlt erlebte Hilflosigkeit. Jedoch kann man auch aus einer solchen Krise immer ein Entwicklungspotential finden. Dies ist jedoch leichter gesagt als getan. Der vorliegende Beitrag gibt dem Interessierten eine Möglichkeit an die Hand, wie bspw. ein Trainer seine Sportler handlungsdienlich unterstützen kann, trotz der aktuellen Einschränken. Wir von dem Netzwerk der Sportpsychologen stehen gern für Unterstützung zur Seite. 

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