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Dr. Rita Regös: Boreout im Leistungssport

Zunächst einmal: Was genau ist Boreout? Boreout ist ein Zustand, der auf ständiger Unterforderung im Joballtag zurückzuführen ist und zu ähnlichen psychischen und physischen Symptomen wie Burnout führen kann. Im Sport wird der Zusammenhang von Anforderungen und Fähigkeiten, unter anderem in Verbindung mit Flow, stets diskutiert. Wenn die Anforderungen die Fähigkeiten der Athleten übersteigen, entsteht Überforderung. Sind sie hingegen ausgewogen, kommt es zu Flow, einem Zustand, in dem Sportler in ihren Aufgaben vollkommen versinken oder aufgehen können. Übersteigen die Fähigkeiten die Anforderungen, spricht man über Unterforderung und genau in diesem Bereich kann es zu Boreout kommen. Sowohl Boreout, wie auch sein Pendant Burnout, birgt die Gefahr des Dropouts, also ein frühzeitiges Ausscheiden.

Zum Thema: Unterforderung im Sport

Wenn wir die Gründe für Unterforderung in der Arbeitswelt betrachten, erscheint Boreout auf den ersten Blick für den Sportalltag irrelevant. Höher, schneller, weiter ist stets eine Anforderung, ja sogar Herausforderung – es kann also gar nicht zu Unterforderung kommen. Doch so einfach ist es nicht. Im Leistungssport ist immer besser werden, zwar die Aufgabe schlechthin, doch der Sportalltag kann durchaus unterfordern. Gemäß der AOK können Unterforderung durch zu wenige Aufgaben entstehen oder durch stumpfsinnige, die den Fähigkeiten der Betroffenen nicht entsprechen. Dies kann dazu führen, dass Betroffene sich nicht wertgeschätzt fühlen. 

Die empfundene Unterforderung und der gefühlte Mangel an Anerkennung führen zu Desinteresse und zur stetigen Minderung der Motivation, zur sogenannten inneren Kündigung. Infolge des Desinteresses und geminderter Motivation werden Betroffene bei zukünftigen Aufgaben ignoriert, was ihr Empfinden zusätzlich verstärkt, ihre Unlust sich einzubringen steigt weiter. Diese Negativspirale führt letztlich zu tatsächlicher Kündigung, Entlassung oder Dropout.

Im sportlichen Kontext

Betrachten wir also das Phänomen im sportlichen Setting: Von Sportlern wird erwartet, dass sie in ihren Aufgaben versinken und das tun sie in der Regel jedes Mal wenn es um den Fokus auf die Technik, die Konzentration im Training, und den stetigen Blick auf die eigenen Ziele geht. Betrachtet man diese Aufgaben für sich alleine, erscheint Boreout tatsächlich irrelevant. Aber der sportliche Alltag ist viel mehr als die Trainingsaufgabe, der Wettkampf oder die Zielstellung. Mit Sportlern arbeiten ganze Teams zusammen: An Sportler werden vielschichtige Optimierungspunkte herangetragen, sei es vom Athletiktrainer, Physio, Sportwissenschaftler, Sportpsycho oder Ernährungsberater. Es gibt verschiedene Optimierungsbereiche, die zu bewältigen sind, somit entstehen Aufgaben für den Sportler. Von zu wenig Aufgaben kann also keine Rede sein – aber sehr wohl von stumpfsinnigen.

Stumpfsinnig ist etwas, was keiner Aufmerksamkeit bedarf, lediglich erledigt werden muss. Also die Frage „warum“ ausklammert. Wenn Athleten die Frage „warum“ stets verwehrt bleibt, wird von ihnen erwartet, dass sie die Aufgabe erledigen – stumpfsinnig einfach machen. Genau da kommt Boreout im Sport ins Spiel. Denn lediglich Aufgaben erfüllen ohne ein „Warum“ mag für den Sport ein Zugewinn an reibungslosem Ablauf sein, für den Sportler hingegen eine Aberkennung seiner Fähigkeiten: Erstens das „Warum“ überhaupt zu begreifen, zweitens die Gründe nachvollziehen zu können und drittens sein Engagement daran knüpfen zu können.

Mögliche Folgen 

Die Folge – ähnlich wie in der Arbeitswelt: Sinkende Motivation, wachsende Unzufriedenheit, eventuell offen ausgetragene oder auch innere Konflikte und letztlich Dropout. Wenn zum Beispiel auf die Frage, welche Kriterien für die Teilnahme an dem oder dem Wettkampf zu erfüllen sind, die Antwort: „Jetzt wird erst einmal trainiert“ folgt – klammert das zum Beispiel die Fähigkeit des Athleten aus, sich mit konkreten Zielen auseinanderzusetzen, aber auch sein Commitment, also seine Bereitschaft, sich voll für die Aufgabe zu engagieren und sich anzustrengen, wird ihm aberkannt. Die so signalisierte Unfähigkeit lässt Anerkennung vermissen, dies führt zu Frust und reduziert die Motivation des Sportlers. 

Folgeversuche der Klärung sind aufgrund der verlangten Stumpfsinnigkeit unerwünscht, somit ist der Weg der Kommunikation versperrt. Die Folge ist nicht nur Unzufriedenheit und Vertrauensverlust – Null-Bock auf den Trainer, auf das Trainingslager, auf gemeinsame Unternehmungen usw. – sondern eben auch die Negativspirale, die zu einem Dropout führen kann. Wenn Athleten Fragen verwehrt bleiben, weil zum Beispiel „es immer dieselben sind, die Fragen stellen“, signalisiert man letztlich, dass Fragen unerwünscht sind. Die Fragen nerven sogar oder anders formuliert: Ein stupides Ausführen ist das, was erwünscht ist. Das mag den Trainerjob erleichtern, die erforderliche Wertschätzung für eine produktive Zusammenarbeit lässt es allerdings gänzlich vermissen. Kommt ein autoritärer Touch dazu, also „weil ich der Trainer bin, weil ich es sage, weil wir das so entschieden haben“ usw. ohne weitere Begründung, nähern wir uns dem Bereich psychischer Gewalt oder Machtmissbrauch.

Fazit

Summa summarum: Boreout ist durchaus ein Thema im Sport. Anerkennung und ausbalancierte Anforderungen sind nicht nur für sportliche Leistungen wichtig, sondern im gesamten Umfeld eines jeden Menschen – Sportler, Trainer und Sportalltag inklusive. Sie entscheiden nicht nur oft darüber, ob Athleten frühzeitig aus dem Sport ausscheiden oder nicht. Sie sind auch sehr oft relevant für die berufliche Entscheidung von ehemaligen Sportlern, den Trainerberuf zu wählen oder ihrem ehemaligen Verband und Sport für immer den Rücken zu kehren.

Letztlich ist jede Medaille eine Anerkennung der Leistung. Aber damit es zu einer Medaille kommt, bedarf es der Anerkennung auch abseits des Podiums. Es geht um die Anerkennung vielfältiger Fähigkeiten im gesamten Sportalltag und gleichzeitig um die Vermeidung von Stumpfsinnigkeit.

Mehr zum Thema:

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Dunja Lang: Dein Fokus ist kein Zufall: Warum Sporthypnose dein direkter Draht zur Bestleistung ist (Nicht nur im Reitsport)

In meinen bisherigen Beiträgen hier auf der Plattform „Die Sportpsychologen“ habe ich oft über die immense, aber häufig unterschätzte Kraft des Unbewussten geschrieben. Als Ex-Profi-Reiterin habe ich selbst erlebt, wie eine perfekte Vorbereitung in Sekundenschnelle durch einen einzigen, störenden Gedanken zunichte gemacht werden kann. Heute möchte ich ein Thema vertiefen, das im Zentrum meiner Arbeit steht – und der Schlüssel zu wahrer Souveränität ist: Dein Fokus.

Zum Thema: Die Bedeutung von Fokus im Sport 

Speziell im Reitsport ist Fokus die absolute Währung. Wir arbeiten mit einem Fluchttier, einem Lebewesen, das jede unserer unbewussten Anspannungen, jeden Zweifel und jede Fokuslücke spiegelt. Wenn mein Fokus nicht zu 100% bei der Lektion ist, ist es mein Pferd auch nicht. Das Problem: Die meisten ReiterInnen versuchen, Fokus mit dem Bewusstsein zu erzwingen („Jetzt konzentrier dich doch!“). Das funktioniert unter Druck bekanntlich selten.

Das „Denk positiv“-Missverständnis

Wir alle kennen die gut gemeinten Ratschläge. Doch das Unbewusste – der Sitz unserer Emotionen, unserer automatisierten Bewegungsabläufe und unseres schnellen Denkens – lässt sich nicht bewusst austricksen. Ein „Ich schaffe das“ überdeckt kein tief sitzendes „Hoffentlich verhaue ich das nicht“ oder Traumata nach einem Sturz.

Genau hier setzt die Sporthypnose an.

Sporthypnose: Dein Dialog mit der Schaltzentrale

Wie viele von euch aus meinen früheren Artikeln wissen, ist Sporthypnose kein esoterischer Hokuspokus, sondern eine hocheffiziente, neurowissenschaftlich fundierte Methode. Sie ist ein mentaler Zustand fokussierter Aufmerksamkeit, der es uns erlaubt, direkt mit dem Unbewussten zu kommunizieren.

Wir können damit:

  1. Blockaden & Ängste lösen: Mentale Blockaden, wie Versagensängste oder die spezifische Furcht vor einem erneuten Sturz (leider im Reitsport ein sehr relevantes Thema), können auf unbewusster Ebene nachhaltig aufgelöst werden.
  2. Comebacks mental steuern: Nach Verletzungen ist oft der Kopf die größte Hürde. Sporthypnose hilft, das Vertrauen in den eigenen Körper wiederherzustellen und mental stärker zurückzukommen als zuvor.
  3. Technik & Abläufe optimieren: Wir können automatisierte Abläufe (wie deine Reittechnik, den Golfschwung oder den Torschuss) positiv verankern und im Wettkampf präzise abrufbar machen.
  4. Selbstbewusstsein & Fokus verankern: Statt dir Selbstvertrauen nur einzureden, verankern wir es tief in deinem System und trainieren einen stabilen, unerschütterlichen Fokus – den „Flow-Zustand“.

Für den Reitsport habe ich daraus mein Reitsport Mentalist System® entwickelt. Es verbindet diese neuro-mentalen Strategien mit den spezifischen Anforderungen des Sports. Die Erfolge meiner KlientInnen waren so inspirierend und tiefgreifend, dass ich dieses System in meinem neuen Buch „Mental Grand Prix – Souverän im Sattel“ (erschienen im September 2025) zusammengefasst habe.

Vom Buch zur Praxis: Einmaliger LIVE-Workshop am Dienstag, 4.11.2026

Die Resonanz auf das Buch war überwältigend. Es wurde direkt zum Bestseller, und mich erreichten unzählige Fragen zur praktischen Umsetzung, insbesondere zur „Drehbuch-Technik“ und der Sporthypnose im Detail.

Deshalb habe ich mich entschieden, einen einmaligen LIVE-Praxisworkshop zu geben, zu dem ich dich herzlich einladen möchte:

Mental Grand Prix LIVE Praxisworkshop

Wann: Dienstag, 4. November 2025, 19:00 Uhr

Wo: Live auf Zoom

Dieser Workshop ist kein gängiges Seminar zu „mentaler Stärke“. Wir tauchen tief ein und arbeiten praktisch daran, wie du echten Zugriff auf dein Unbewusstes bekommst, um Fokus, Souveränität und damit deine technische Leistung im entscheidenden Moment abzurufen.

Hier geht es zur kostenfreien Anmeldung (Plätze sind begrenzt):

https://dunja-lang-mentalcoaching.de/mental-grand-prix-praxis

Wer profitiert von diesem Workshop?

  1. ReiterInnen und TrainerInnen: Dies ist die Kernzielgruppe. Wir bearbeiten die spezifischen Herausforderungen im Sattel, bei denen der Kopf die Technik blockiert.
  2. SportlerInnen anderer Disziplinen: Die Prinzipien sind universell. Ob es um den Aufschlag beim Tennis, den Abschlag beim Golf, die Präzision beim Schießen oder die Nervenstärke bei einer Präsentation geht – die Mechanismen von Fokus, Druck und unbewusster Steuerung sind identisch. Du wirst die Techniken 1:1 für dich adaptieren können.

Wichtiger Hinweis an meine geschätzten KollegInnen: Dieser spezifische Workshop am 4.11. richtet sich an die AnwenderInnen – also Sportler, Reiter und Trainer. Da viele von euch auf dieser Plattform selbst Sportpsychologen und Mentalcoaches sind: Für euch gibt es einen separaten Workshop.

Für alle, die nicht live dabei sein können oder die Grundlagen vertiefen möchten, empfehle ich mein Buch (das übrigens auch ein 1-stündiges Videotraining und das Hörbuch enthält):

Zum Buch „Mental Grand Prix“ hier noch weitere Infos:

Fokus muss kein Zufallsprodukt sein. Er ist trainierbar. Ich freue mich darauf, einigen von euch am 4.11. live zu zeigen, wie das geht.

Herzlichst,

Deine Dunja

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Cristina Baldasarre: ADHS im Nachwuchsleistungssport – was Jugendlichen im Verein hilft

Eine Athletin befindet sich seit knapp einem Jahr bei mir in sportpsychologischer und psychotherapeutischer Therapie. Bei ihr wurde im Frühling 2024 von einer Kinder- und Jugendpsychiaterin eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) diagnostiziert. Die Behandlung erfolgt aktuell klassisch dual, medikamentös sowie therapeutisch bei mir. Die therapeutische Arbeit bei mir läuft gut, mit Schwerpunkten in der Psychoedukation und verbesserten Umgang mit seinen Emotionen und kognitiven Funktionen, sowie auch einem jeweils passenden Verhalten in sozialen Situationen. Diese Arbeit erfordert Zeit und ist als Prozess zu sehen, welcher durch die Medikation einen fruchtbaren Boden erhält. Wir arbeiten auch an sportpsychologischen Themen wie beispielsweise einer Routine bei der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung und Selbstvertrauen sowie mentale Stärke bei Wettkämpfen. Auf medizinischer Seite erfolgt die Einstellung auf das Medikament schrittweise; es muss die Dosierung sorgfältig angepasst werden, um unangenehme Nebenwirkungen zu vermeiden bei maximaler Wirkkraft des Medikaments. 

Aber was bedeutet die Diagnose ADHS im Sport – für Jugendliche, Vorstände, Trainer sowie Trainerinnen? Insbesondere während der Pubertät?

Zum Thema: Umgang im Sport mit pubertären Kindern mit ADHS-Diagnose 

Es kursieren bei Menschen ohne genügend Fachwissen leider noch immer falsche Meinungen und Ansichten, dass es sich lediglich um eine schlechte Erziehung handelt, wenn Menschen (auch Erwachsene sind von ADHS betroffen) sich unpassend verhalten. Dem ist nicht so.
ADHS ist eine wissenschaftlich unumstrittene neurobiologische Entwicklungsstörung, die mit einer veränderten Aktivität im vorderen Teil des Gehirns, dem präfrontalen Cortex, zusammenhängt. Diese Region des Gehirns kontrolliert insbesondere die Bereiche der Aufmerksamkeit und Konzentration, der Selbstorganisation, der Motivation, der Impulskontrolle sowie der Selbstregulation (z.B. hört nicht alles, hat Schwierigkeiten zu warten, unterbricht andere, ist schneller frustriert, Stimmungen schwanken schnell und oft ohne äusseren Grund), um nur die zentralsten Punkte zu nennen.

Kinder und Jugendliche mit ADHS verarbeiten Reize allgemein intensiver und schneller und reagieren oft spontaner und emotionaler als Gleichaltrige. Dies kann sich im Sport durch rasche Ablenkbarkeit, schnell ändernde Emotionen, Motivationsschwankungen, impulsive Entscheidungen oder Schwierigkeiten beim Einhalten von Regeln und Abläufen zeigen – insbesondere dann, wenn sie sich überfordert oder missverstanden fühlen.

Der Entwicklungsschritt Pubertät

Meine Athletin, 13-jährig, befindet sich schon in der pubertären Phase, in der sich beispielsweise die Impulskontrolle sowieso bei allen Jugendlichen noch in der Entwicklung befindet, ob mit oder ohne ADHS. Die Neuropsychologie besagt, dass die Reifung des Gehirns stufenweise vorangeht und erst mit ca. 25 Jahren abgeschlossen ist. In der Pubertät gerät diese Reifung durcheinander, durch die Hormonumstellungen, wodurch alles schwieriger wird. 

Kommt bei einem Jugendlichen noch ein ADHS dazu, ist diese Reifung zusätzlich erschwert. Der präfrontale Cortex entwickelt sich im Allgemeinen langsamer als die Region des Gehirns, welche die Emotionen steuert (das Limbische System). Das bedeutet, dass alle Jugendlichen während der Pubertät häufiger emotional statt rational handeln. So kann es vorkommen, dass zum Beispiel meine Athletin in emotional/sozial angespannten oder dynamischen Situationen schneller auf der emotionalen Ebene reagiert, als sie nachdenken kann – etwa durch ein unbedachtes Wort, oder eine impulsive Reaktion. Diese Reaktionen sind aber nicht als Ausdruck von Unwillen, Respektlosigkeit oder schlechter Erziehung zu werten, sondern im Zusammenhang mit ihrer Diagnose als Folge der Neurodiversität, welche mit gezielter Unterstützung und Struktur gut begleitet werden kann.

Stärken und Potenziale von ADHS & Praktische Tipps für den Trainingsalltag

ADHS ist aber auch mit besonderen Stärken verbunden. Viele Kinder und Jugendliche mit ADHS verfügen über ein hohes Mass an Kreativität, Energie, Empathie und Spontanität. Sie können sehr engagiert, begeisterungsfähig, sozial integrierend und leistungsstark auftreten, insbesondere wenn sie sich verstanden fühlen und in einem Umfeld arbeiten, das klare Strukturen bietet, aber gleichzeitig Raum für Eigeninitiative und Bewegung zulässt.

Das Sportumfeld kann Jugendliche wie folgt am besten unterstützen:

– klare, kurze und positive Anweisungen
– Rituale und gleichbleibende Strukturen
– Grenzen konsequent, aber ruhig und respektvoll kommunizieren
– Bewegung sowie Ruhepausen ermöglichen
– Belohnungssystem nutzen

In vielen Studien wurde bereits nachgewiesen, dass Sport und Bewegung, neben der medikamentösen Behandlung inkl. Therapie, positiven Effekt auf ADHS Symptome haben. Es verbessern sich vorwiegend die kognitiven Funktionen des präfrontalen Cortex nachhaltig, aber auch die Impulskontrolle. 

Häufigkeit und Relevanz im Sport

Die sich verändernden neuropsychologischen Gehirnstrukturen während der Pubertät und die ADHS Symptome meiner Athletin bedingen die oben genannten Unterstützungen durch Trainer und Sportumfeld. ADHS tritt nachweislich bei ca. 5%  der männlichen Jugendlichen auf. Die Zahl für weibliche Jugendliche variiert je nach Studie mehr, liegt in der Tendenz aber mit ca. 2-4% etwas darunter. Gründe dafür können sein, dass Mädchen in der Regel weniger auffällige Symptome zeigen und dadurch nicht erfasst werden. 

Im Sportkontext wissen wir aber, dass die Vorkommenshäufigkeit insgesamt sogar erhöht ist, bis zu ca. 8%. Somit kann davon ausgegangen werden, dass sich Sport und Bewegung positiv auf ADHS Symptome auswirken, aber auch, dass ein erhöhtes Risiko an (Sport-)unfällen besteht, die auf Symptome wie Unaufmerksamkeit oder erhöhtes Risikoverhalten (eigene Grenzen sind in der Eigenwahrnehmung von Menschen mit ADHS gehäuft verschoben) zurückzuführen sind. 

Mehr zum Thema:

Literaturangaben und Studien zu ADHS

  • Berg, X., Colla, M., Seifritz, E., Claussen, M. C. (2020). ADHD in Athletes. Sport & Exercise Medicine Switzerland, 68(3), 20-46.
    (Diese Übersichtsarbeit gibt an, dass in jugendlichen Athleten Werte von ~4.2 – 8.1 % berichtet werden)
  • Ekman, E., Hiltunen, A., Gustafsson, H. (2021). Do Athletes Have More of a Cognitive Profile with ADHD Criteria than Non-Athletes? Sports (Basel), 9(5): 61.
    (Hier wurde bei Jugend-Hochleistungsathleten ein profilähnliches Auftreten von ADHS-Merkmalen diskutiert; die Studie nennt eine Prävalenz zwischen ~7-8 % in jugendlichen Athleten) 
  • Griesbach, G. S., Bauer, R. M., et al. (2017). Neurocognitive Deficits Associated With ADHD in Athletes: A Systematic Review. British Journal of Sports Medicine, 51(17), 1343-1350.
    (In dieser Übersichtsarbeit wird berichtet, dass die Prävalenz von ADHS bei jugendlichen Athleten zwischen 4.2 % und 8.1 % liegt) 
  • Polanczyk, G., de Lima, M. S., Horta, B. L., Biederman, J. & Rohde, L. A. (2007). Meta-analysis of the worldwide prevalence of ADHD. American Journal of Psychiatry, 164(6), 942-949.
    (Prävalenz bei Kindern und Jugendlichen für ADHS bei ~5.29%)
  • Salari, N., Ghasemi, H., Abdoli, N., Shiri, M.H., Hashemian, A.H., Akbari, H. & Mohammadi, M. (2023). The global prevalence of ADHD in children and adolescents: a systematic review and meta-analysis. Italian Journal of Pediatrics, 49, Artikel 13456-1. (Hier zeigt sich weltweit, dass Jugendliche weiterhin eine hohe Prävalenz für ADHS aufweisen)

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Prof. Dr. René Paasch: „Positive Coaching“ als Methode im Sport

Als der Fußballweltstar Lionel Messi nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft 2022 in einem Interview gefragt wurde, was ihn trotz seiner vielen Erfolge motiviert und antreibt, sprach er nicht nur von seinem unermüdlichen Willen, sondern auch von der Wichtigkeit, sich mental stark zu fühlen und kontinuierlich an seiner persönlichen Entwicklung zu arbeiten. Ebenso überraschte Tennis-Sensation Carlos Alcaraz die Sportwelt nicht nur durch seine körperliche Dominanz, sondern auch durch seine bemerkenswerte mentale Reife auf dem Platz. Diese Beispiele zeigen eindrucksvoll, dass im modernen Sport immer mehr Wert auf die ganzheitliche Entwicklung von Athleten*innen gelegt wird. Nicht nur körperliche Stärke und Technik stehen im Vordergrund, sondern auch die mentale Gesundheit und das persönliche Wohlbefinden. In diesem Kontext hat sich das Positive Coaching als eine effektive Methode etabliert, die Athlet*innen nicht nur in ihrer sportlichen Leistung, sondern auch in ihrer persönlichen Entwicklung unterstützt. Doch was genau verbirgt sich hinter dieser Methode, und wie kann sie im sportlichen Umfeld gewinnbringend eingesetzt werden?

Zum Thema: Positives Coaching im Sport – Ein Weg zur nachhaltigen Entwicklung von Athleten*innen und Sportmannschaften

Positives Coaching basiert auf den Prinzipien der Positiven Psychologie, einer wissenschaftlichen Disziplin, die sich mit den positiven Aspekten menschlicher Erfahrungen wie Wohlbefinden, Stärken und optimalem Funktionieren beschäftigt. Im Sport bedeutet dies, dass der Fokus nicht nur auf der Behebung von Defiziten liegt, sondern vor allem auf der Förderung von Stärken, der Entwicklung von Resilienz und der Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens der Athleten*innen.

Ein zentraler Aspekt des Positiven Coachings ist die Förderung von Selbstreflexion und Zielsetzung. Athlet*innen werden ermutigt, sich ihrer eigenen Stärken bewusst zu werden und diese gezielt einzusetzen. Techniken wie Stärkenassessments und „Strengths Spotting“ spielen hierbei eine entscheidende Rolle (Richter, Van Zyl, Lara & Stander, 2021). Diese Methoden helfen den Athleten*innen, ihre individuellen Stärken zu identifizieren und sie im sportlichen Kontext optimal zu nutzen.

Die Anwendung im Sport

Im sportlichen Umfeld kann Positives Coaching auf vielfältige Weise eingesetzt werden. So kann es beispielsweise helfen, schwierige emotionale Phasen zu bewältigen und das Selbstvertrauen der Athleten*innen zu stärken. Durch die Nutzung von Ressourcenaktivierung und kognitivem Reframing lernen sie, negative Gedankenmuster zu durchbrechen und ihre mentale Widerstandskraft zu erhöhen.

Ein weiterer wesentlicher Bestandteil des Positiven Coachings ist die Entwicklung persönlicher Entwicklungspläne. Diese Pläne helfen den Athleten*innen, klare Ziele zu setzen und ihre Fortschritte kontinuierlich zu überwachen. In diesem Zusammenhang sind auch die Erstellung von Kompetenzassessments und Fortschrittsermittlungen von großer Bedeutung. Diese Werkzeuge ermöglichen es den Athleten*innen, ihre Entwicklung messbar zu machen und sich gezielt weiterzuentwickeln.

Vertiefte Betrachtung der Coaching-Methoden: Praktische Übungen

Das Bild zeigt eine Vielzahl von Coaching- und Entwicklungsmethoden, die von der Zielsetzung über den positiven Beziehungsaufbau bis hin zur Kompetenzbewertung reichen. Diese Techniken bieten einen ganzheitlichen Ansatz, um persönliche Stärken zu identifizieren und zu nutzen, das Wohlbefinden zu messen und emotionale Herausforderungen zu meistern.

Abb.1.: Positives Coaching als Methode (Richter, S., Van Zyl, L. E., Lara, C., & Stander, M. W. , 2021).

1. Intentionale, eigenständige Aktivitäten:

Übung: Entwickle mit Deinem Team oder Deinen Athleten*innen eine Liste von eigenständigen Aktivitäten, die sie in den nächsten Wochen durchführen sollen. Diese könnten sportliche Herausforderungen, Lernaufgaben oder persönliche Projekte umfassen. Lass sie selbst entscheiden, welche Aktivitäten sie wählen, und unterstütze sie dabei, diese konsequent zu verfolgen.

2. Zielsetzung:

Übung: Setze Dich mit jeder*m Athleten*in oder Teammitglied einzeln zusammen und entwickle SMART-Ziele (Spezifisch, Messbar, Attraktiv, Realistisch, Terminiert) für die nächsten drei Monate. Überwache regelmäßig den Fortschritt und unterstütze bei der Anpassung der Ziele, falls nötig.

3. Erstellung eines persönlichen Entwicklungsplans:

Übung: Erstelle gemeinsam mit Deinem Team oder Deinen Athleten*innen individuelle Entwicklungspläne. Diese sollten die aktuellen Stärken und Schwächen, konkrete Ziele sowie einen Zeitrahmen und spezifische Maßnahmen zur Erreichung der Ziele umfassen. Überprüft den Plan regelmäßig und passt ihn bei Bedarf an.

4. Ressourcenaktivierung:

Übung: Führe eine Ressourcenanalyse mit Deinem Team durch. Lasst jedes Mitglied seine verfügbaren Ressourcen aufschreiben – dazu können Fähigkeiten, Netzwerke oder materielle Ressourcen gehören. Entwickelt gemeinsam Strategien, wie diese Ressourcen optimal eingesetzt werden können, um aktuelle Herausforderungen zu bewältigen.

5. Re-contracting:

Übung: Setze regelmäßig Reflexionsgespräche an, in denen Du mit Deinem Team oder Deinen Athlet*innen bestehende Vereinbarungen überprüfst. Diskutiert gemeinsam, ob die aktuellen Ziele und Maßnahmen noch passen oder ob Anpassungen nötig sind.

6. Umgang mit schwierigen Emotionen:

Übung: Führe eine „Emotionale Check-In“-Routine ein, bei der Athleten*innen oder Teammitglieder vor jeder Sitzung oder Trainingseinheit ihre aktuelle emotionale Verfassung mitteilen. Arbeite mit ihnen an Techniken wie Atmung, Achtsamkeit oder positiver Selbstgesprächsführung, um mit negativen Emotionen umzugehen.

7. Stärkenassessments:

Übung: Nutze ein standardisiertes Stärkeninventar wie den VIA-Strengths Survey, um die Stärken jedes Teammitglieds zu identifizieren. Besprecht gemeinsam die Ergebnisse und entwickelt individuelle Trainingspläne, die diese Stärken gezielt weiterentwickeln.

8. Strengths Spotting:

Übung: Führe eine „Stärken-Safari“ ein. Während des Trainings oder der Arbeit beobachtet jede*r Teilnehmer*in seine Umgebung und notiert sich Situationen, in denen er*sie oder ein*e Kolleg*in seine*ihre Stärken eingesetzt hat. Am Ende der Woche werden diese Situationen in der Gruppe besprochen, um das Bewusstsein für Stärken zu schärfen.

9. Positiver Beziehungsaufbau:

Übung: Initiere regelmäßige „One-on-One“-Gespräche mit jedem Teammitglied oder jeder*m Athlet*in. Nutze diese Zeit, um nicht nur über sportliche Ziele, sondern auch über persönliche Anliegen und Herausforderungen zu sprechen. Ziel ist es, eine tiefergehende Vertrauensbasis zu schaffen.

10. Fähigkeitennutzung (Aktives Zuhören):

Übung: Trainiere aktives Zuhören in der Gruppe. In Paaren sollen sich die Teilnehmer*innen gegenseitig eine persönliche Herausforderung schildern, während der*die andere aktiv zuhört und anschließend zusammenfasst, was er*sie gehört hat. Diese Übung fördert das Verständnis und stärkt die zwischenmenschliche Kommunikation.

11. Fortschrittsermittlung:

Übung: Implementiere ein wöchentliches Fortschrittsjournal, in dem jedes Teammitglied oder jede*r Athlet*in seine*ihre Fortschritte dokumentiert. Reflektiere gemeinsam in regelmäßigen Meetings die Einträge und passe die Maßnahmen entsprechend an.

12. Kompetenzassessment:

Übung: Erstelle ein Kompetenzprofil für jedes Teammitglied, basierend auf den Anforderungen der jeweiligen Rolle. Führe regelmäßige Assessments durch, um die Entwicklung der notwendigen Fähigkeiten zu überprüfen und gezielte Trainingsmaßnahmen abzuleiten.

13. Positive Selbstreflexion:

Übung: Führe eine „Erfolgsliste“ ein, in der jedes Teammitglied täglich drei positive Ereignisse oder persönliche Erfolge notiert. Diese Liste wird am Ende der Woche reflektiert und besprochen, um den Fokus auf das Positive zu lenken.

14. Stärkennutzung & -entwicklung:

Übung: Erstelle individuelle Entwicklungspläne, die sich speziell auf die Nutzung und Weiterentwicklung der identifizierten Stärken konzentrieren. Überwache den Fortschritt regelmäßig und passe den Plan an, um sicherzustellen, dass die Stärken optimal genutzt werden.

15. Kognitives Reframing:

Übung: Führe eine „Reframing-Runde“ ein, bei der Teammitglieder eine aktuelle Herausforderung schildern und gemeinsam nach einer positiven Perspektive suchen. Diese Übung hilft, negative Denkmuster zu durchbrechen und optimistischere Sichtweisen zu fördern.

16. Sozialer Fähigkeitsaufbau:

Übung: Organisiere Teamaktivitäten außerhalb des Trainings, die darauf abzielen, die sozialen Fähigkeiten zu stärken. Dies könnte ein gemeinsames Projekt oder eine Team-Challenge sein, bei der Zusammenarbeit und Kommunikation im Mittelpunkt stehen.

17. Persönlichkeits- und Wohlbefindensmessung:

Übung: Implementiere regelmäßige Umfragen oder Selbstbewertungsbögen, die das Wohlbefinden und die Persönlichkeitseigenschaften der Teammitglieder erfassen. Nutze die Ergebnisse, um individuelle Unterstützungsmaßnahmen zu entwickeln.

18. Sinnfindung:

Übung: Führe eine „Purpose-Session“ durch, in der jedes Teammitglied über seine persönlichen Werte und Ziele nachdenkt. Diskutiere, wie diese mit den aktuellen Aufgaben oder der sportlichen Karriere in Einklang gebracht werden können. Sinnfindung hilft Athleten*innen, eine tiefe innere Motivation zu entwickeln, die über kurzfristige Erfolge hinausgeht. Dies stärkt die Motivation und das Engagement, indem die sportlichen Aktivitäten in einen größeren Kontext eingebettet werden.

Fazit

Positives Coaching bietet im Sport einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl die Leistung als auch das persönliche Wohlbefinden der Athleten*innen fördert. Durch die gezielte Arbeit an Stärken, die Förderung von Selbstreflexion und die Entwicklung von Resilienz werden sie in die Lage versetzt, nicht nur ihre sportlichen Ziele zu erreichen, sondern auch in ihrer persönlichen Entwicklung zu wachsen.

Take Home Message

Die Wirksamkeit des Positiven Coachings wird durch zahlreiche Studien belegt. Richter et al. (2021) führen in ihrer systematischen Übersicht und Klassifikation von positiven psychologischen Coaching-Tools und -Techniken an, dass diese Methoden nicht nur das Wohlbefinden der Athlet*innen steigern, sondern auch ihre sportliche Leistung positiv beeinflussen können. Weitere Studien betonen die Bedeutung von positiven Emotionen und Resilienz als Schlüsselfaktoren für den Erfolg im Sport. Es ist nicht notwendig, alle diese Aspekte zu berücksichtigen, doch es kann sehr hilfreich sein, sie in die Coaching-Strategien einzubeziehen, um das volle Potenzial der Athleten*innen zu entfalten.

Mehr zum Thema:

Literaturverzeichnis

  • Richter, S., Van Zyl, L. E., Lara, C., & Stander, M. W. (2021). Positive psychological coaching tools and techniques: A systematic review and classification. Frontiers in Psychiatry, 12, 1114. https://doi.org/10.3389/fpsyt.2021.790853
  • Biswas-Diener, R., & Dean, B. (2007). Positive Psychology Coaching: Putting the Science of Happiness to Work for Your Clients. Hoboken, NJ: John Wiley & Sons.
  • Güss, C. D., Burger, M. L., & Dörfler, T. (2017). Positive Psychology in Coaching: Best Practices for Client Well-Being. New York: Routledge.
  • Seligman, M. E. P. (2011). Flourish: A Visionary New Understanding of Happiness and Well-being. New York: Atria Books.
  • Passmore, J., & Velez, M. J. (2012). The Coaching Relationship: Putting People First. London: Routledge.
  • van Nieuwerburgh, C. (2017). An Introduction to Coaching Skills: A Practical Guide. 2nd Edition. Los Angeles: SAGE Publications.

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Dr. Hanspeter Gubelmann: «enhanced Games» – Das absurde, unmoralische und vielleicht tödliche Spiel mit dem Doping

Spitzensport treibt zuweilen skurrile Blüten. Im Falle der jüngst propagierten «enhanced Games» sollen Sportler:innen mit unbeschränktem Zugang zu Dopingmitteln zu Weltrekorden gepusht werden. Wissenschaftlich unterstützt und vermeintlich «gesund und sicher» treten im Mai 2026 eine Handvoll Athlet:innen in Las Vegas zum Showdown an. Geködert mit einer Millionengage und im Windschatten einer Heerschar medizinischer Spezialisten und fragwürdiger Geldgeber sowie umstrittener World Leader soll die olympische Show neu inszeniert werden. Mit der geplanten Disruption des Sportsystems und dem visionären «Deal» muss sich auch die Sportpsychologie befassen: argumentativ und mit einer klaren Haltung!

Zum Thema: Umgang mit den enhanced Games 

Um sich einen Einblick in die Welt der «enhanced games» und ihre Denke zu verschaffen lohnt ein Blick auf ihre Homepage www.enhanced.com. Mit hypem Slogan «get enhanced» gehen die Macher auf Kund:innenfang und glorifizieren ihren Business Claim «we’re reinventing sports with science» mit dem Ziel «to push the boundaries of human performance». Übersetzt und mit (Rück-)Blick in die 1980er Jahre der Leichtathletik heisst das konkret: Wir suchen einen zweiten Ben Johnson, der sich bereit erklärt, sich auf bestmögliche Art und mit der Unterstützung von Medizinern, Pharmakologen, Neurowissenschaftlern, Performance Spezialisten, Endokrinologen, Immunologen u.a.m. derart zu «laden», dass Usain Bolts 100m-Weltrekord von 09.59sec im Mai 2026 fallen wird. Und tatsächlich – mit dem US-Sprinter Fred Kerley hat sich ein valabler Anwärter unter die enhanced-Flagge gestellt und gilt nun als einer von bisher zehn Athleten-Botschaftern, «who embody the spirit of enhanced: Pushing Limits, Breaking Records».Leichtathletik-Expert:innen dürften Kerley gute Chancen einräumen, da der talentierte Amerikaner 2022 mit seiner Zeit von 09.76sec noch etwas schneller lief als der anabol-steroid gepushte Kanadier an den Spielen 1988 in Seoul. Johnsons 9.79sec dürften folgerichtig als aktueller Rekord im «enhanced Sprint» über 100m angesehen werden. 

Frankenstein’s Lab, reloaded – aber wer betreut die «enhanced» Athlet:innen in Training und Wettkampf?

Fakt bleibt: Ben Johnson dürfte 1988 mit einer geringen Anzahl involvierter Personen einen maximalen Erfolg an Leistungsentwicklung erreicht haben. Unterstützt wurde er von Charlie Fancis, einem der damals renomiertesten aber auch umstrittensten Experten im Sprintbereich, der im grössten Dopingskandal der Leichtathletik-Geschichte unmittelbar beteiligt war. Relevant für Las Vegas-Starter:innen dürfte hingegen sein, wer sie in trainings- und wettkampftechnischer Sicht unterstützen wird. Oder anders gefragt: Welche Coaches, Trainer:innen, Physiotherapeut:innen, Sportpsycholog:innen, Vereine, Verbände, Sponsoren usw. werden sich bereit erklären, sich der Idee der «enhanced Games» zu verpflichten und damit gegen olympische Statuten, ethischen Richtlinien oder Berufsordnungen zu verstossen? Nach geltender Rechtslage werden Betreuer:innen, die gegen Dopingstatuten verstossen, juristisch belangt und entsprechend sanktioniert. Dazu kommen sportethische und moralische Aspekte, deren gesellschaftliche Wahrnehmung und Einordnung über Erfolg oder Misserfolg zukünftiger »enhanced Games» mitenscheiden dürften. Welche Anerkennung und welchen öffentlichen Zuspruch könnte einem Sprinter zufallen, der an den von Trump, der saudischen Königsfamilie und ausgewählten Unternehmen gesponserten Spielen Usain Bolts Weltrekord bricht?

Sprint-Weltrekorde und eine Vision, die auf Disruption basiert

Welche Ziele verfolgen die enhanced Games und ihr Gründer Aron d’Souza? Tagesanzeiger-Redaktor Simon Graf resümiert in seinem Interview mit dem Unternehmer: «Der 40-Jährige bricht mit allen Regeln des Sports. Er setzt auf gedopte Athleten, technische Aufrüstung – und eine radikale Vision vom Menschen der Zukunft.» D’Souza bezeichnet den aktuellen Sport und das IOC als heuchlerisch, antiwissenschaftlich, technologie- und fortschrittsfeindlich. Sie dagegen setzen auf Disruption, wollen Spiele für optimierte Athlet:innen, mit anderen Regeln und Rekorden. «Wir wollen Bedingungen schaffen, unter denen wir Weltrekorde brechen, mehr Medikamente verkaufen, mehr Forschung und Entwicklung betreiben, bessere Medikamente entwickeln – und wieder neue Rekorde brechen. Das ist ein positiver Rückkopplungseffekt, der zu optimierten Sportereignissen, mehr Medikamentenverkäufen und mehr Forschung führt». 

Die Betreuungsformel in ihrem entsprechend optimierten Sportsystem klingt in den Worten D’Souzas geradezu verführerisch einfach: «Alle Athleten, die bei den enhanced Games antreten, sind wie Premier-League-Spieler. Wir zahlen ihre Gesundheitsversorgung, wir übernehmen ihre Reisen, wir kümmern uns um alles. Sie gehören zum Team und bekommen ein vollständiges Betreuungsangebot. Da besteht also kein Risiko.»

(Selbst-)Kritische Haltung auch seitens der Sportpsychologie gefordert

So skurril es klingen mag: von den Machern von «enhanced Games» können und müssen wir lernen. Das zitierte Interview im Tagesanzeiger spricht eine Vielzahl von Herausforderungen im aktuellen Spitzensport an, die bei mir – ehrlich gesagt – auch mulmige Gefühle auslösen. Ein zentraler Kritikpunkt betrifft die Dopingproblematik, die wesentlich schwerwiegender ausfällt, als uns die verantwortliche Kommission WADA Glauben schenken will. Im Zentrum des Diskurses steht eine breit angelegte Studie (Ulrich et al. 2018), die bei 2167 anonym befragten Eliteathleten auf eine mögliche Prävalenz eines Dopingmissbrauchs von bis zu 44% kommt. Die kritische Analyse der renommierten Autoren wirft tonnenschwer Wasser auf die Mühlen d’Souzas’ & Kollegen: «Doping scheint unter Spitzensportlern bemerkenswert weit verbreitet zu sein und bleibt trotz der derzeitigen biologischen Tests weitgehend unkontrolliert. Die hier vorgestellte Erhebungsmethode wird es zukünftigen Forschern ermöglichen, kontinuierliche Referenzschätzungen zur Prävalenz von Doping zu erstellen.» Leider wurde es im Anschluss daran versäumt, diesen Forschungsansatz weiterzuführen, was durchaus kritikwürdig ist.

Je stärker ich mich mit dem Thema befasse, umso klarer die Einsicht: Die Sportpsychologie und ihre Vertreter:innen werden nicht umhin können, sich verständlich, kompetent und sichtbar in die Auseinandersetzung einzubringen. Meine konkreten Anliegen gehen in folgende drei Richtungen:

Unsere Position: Die Sportpsychologie und ihre Berufsverbände sind aufgerufen, ihre Haltung zum Thema «enhanced Games» zu entwickeln und diese auch aktiv und in der (Sport-)Öffentlichkeit zu vertreten. Dazu gehört ein Argumentarium/Position Statement, welches z.B. im Hinblick auf die geplanten Spiele im Mai 2026 in Las Vegas publiziert wird.

Meine eigene Haltung: Ich fühle mich persönlich verpflichtet, meine eigene Haltung als praktizierender Sportpsychologe hinsichtlich der Thematik zu klären. Für mich im Zentrum steht hier der moralisch-ethische Anspruch an meine Dienstleistung als Sportpsychologe – oder konkret: Soll und darf ich alles unterstützen, was ich inhaltlich/praktisch in der Zusammenarbeit mit Athlet:innen (z.B. im Jugendalter) auch tun/anwenden könnte?

Notwendige Konsequenzen: Eine eigene Haltung impliziert situativ-angemessenes Handeln, sobald ich mit dem Thema konfrontiert werde. Konkret werde ich mich Ende Oktober im Rahmen der ETH-Podiumsdiskussion «Leistung um jeden Preis? Doping und Supplemente im Hobby- und Spitzensport» in die kritische Diskussion einbringen. 

Mehr zum Thema:

Quellen:

www.enhanced.com

https://www.tagesanzeiger.ch/wettkampf-enhanced-games-aron-dsouza-setzt-auf-doping-232580414555

https://www.srf.ch/sport/mehr-sport/allgemein/enhanced-games-in-las-vegas-aus-der-gefaehrlichen-schnapsidee-wird-realitaet

https://www.theguardian.com/sport/2025/sep/18/enhanced-games-targets-british-stars-us-sprinter-fred-kerley

Ulrich, R., Pope, H.G., Cléret, L. et al. Doping in Two Elite Athletics Competitions Assessed by Randomized-Response Surveys. Sports Med 48, 211–219 (2018). https://doi.org/10.1007/s40279-017-0765-4

https://www.alumni.ethz.ch/en/welcome/mitgliederorganisationen/systemorientierte-naturwissenschaften/humanmedizin-alumni/events.html?targid=2558

X-Post Kerley


https://x.com/enhanced_games/status/1968358325525037500?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1968358325525037500%7Ctwgr%5E7b046a0b9ba3a94a2cc693cc4cdd9588d46ae2b8%7Ctwcon%5Es1_&ref_url=https%3A%2F%2Fsports.yahoo.com%2Folympics%2Fbreaking-news%2Farticle%2Fsuspended-us-sprinter-fred-kerley-becomes-first-american-male-track-and-field-athlete-to-join-enhanced-games-210912076.html

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Muscle & Mind – Sicher begleitet zum Comeback (21. Februar 2026 in Köln)

Das Zusammenspiel aus körperlicher Rehabilitation und mentaler Stärke. Darin liegt die Erfolgsformel, um mit nachhaltigem Erfolg aus einer Verletzung in den Sport zurückzukehren. Genau darum geht es am Samstag, den 21. Februar 2026, in der PhysioSport PACE Köln. Der Kartenverkauf ist nun gestartet – alle Infos zu den Inhalten, den Personen und den Tickets gibt es hier im Text.

Zum Thema: Muscle & Mind – Sicher begleitet zum Comeback, Sa. 21. Februar 2026 in der PhysioSport PACE Köln

PhysioSport Köln und Die Sportpsychologen vereinen für dieses einmalige Event ihr Praxiswissen für eine Rehabilitation, die rundum stark macht – körperlich und mental. Gemeinsam wollen wir das Wissen aus der Sportpsychologie für die Prävention, in der akuten Verletzungssituation, in der Rehabilitation und im “return to sport and competition”-Prozess für alle Beteiligten anwendbar machen. 

Prof. Dr. Andreas Schlumberger
Kathrin Seufert, Die Sportpsychologen
Kathrin Seufert, Die Sportpsychologen
Klaus-Dieter Lübke Naberhaus, Die Sportpsychologen
Prof. Dr. Oliver Stoll, Die Sportpsychologen
Philippe Müller, Die Sportpsychologen

Von Seiten Die Sportpsychologen gehen Kathrin Seufert (zum Profil), Prof. Dr. Oliver Stoll (zum Profil), Philippe Müller (zum Profil) und Klaus-Dieter Lübke Naberhaus (zum Profil) in der PhysioSport PACE an den Start. Hinzu kommen Experten wie Ben Mansour, Tim Insberg und Yannik Adams von PhysioSport Köln, Trainer und Sportlerinnen. Als Keynote-Speaker und Teilnehmer ist mit Prof. Dr. Andreas Schlumberger der frühere Reha-, Athletik- und Präventionstrainer u.a. von Borussia Dortmund und FC Bayern München mit dabei. Dazu freuen wir uns, mit PD. Dr. med. Christophe Lambert (mehr Infos) einen erfahrenen Facharzt für Orthopädie/Unfallchirurgie, Sportmedizin und Unfallmedizin, der bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris das Team Deutschland begleitete, für unser Format gewonnen zu haben. Nicht zuletzt ist mit Michael Bröckelmann, der Teamleiter Medizin & Physiotherapie FC-Akademie & Frauenfußball des 1.FC Köln mit dabei. Obendrauf freuen wir uns auf Bernd Berkhahn, den Schwimm-Bundestrainer, und die Olympionikin Miriam Butkereit.

Unser Anspruch ist es, das gemeinsame Wissen auf Augenhöhe zu transportieren. Es geht darum, auf entscheidende Fragen praxisrelevante Antworten zu liefern. Und es kommen Themen auf die Agenda, die dort bislang zu häufig noch fehlen.

Ort und Zeit:

  • PhysioSport PACE, Schanzenstraße 33, 51063 Köln (Link)
  • Samstag, 21. Februar 2026, 9 bis 18 Uhr

Keynotes:

  • Kathrin Seufert: „Das wankende Haus: Verletzungen und Traumata als Erschütterung der Identität“
  • Prof. Dr. Andreas Schlumberger: „Was tun, wenn einzelne Steine aus der Mauer rausbrechen?“
  • PD. Dr. med. Christophe Lambert: „Wie wichtig ist die mentale Fitness für RTC (Return to competition)?“

Workshops:

  • Klaus-Dieter Lübke Naberhaus: Was verbirgt sich im Keller? Traumata im Sport
  • Kathrin Seufert: Visualisierungen – Trotz Baustelle, gedanklich schön und effizient wohnen (mehr Infos)
  • Ben Mansour/Tim Insberg /Yannik Adams (Sportwissenschaft): Return to competition (RTC) und seine Hürden
  • Klaus-Dieter Lübke Naberhaus und Philippe Müller: Fundamente stärken, Mauern sanieren, das Dach neu decken: Reha ganzheitlich gedacht
  • Michael Bröckelmann: Grenzen der Heilungsbegleitung
  • Prof Dr. Oliver Stoll: In der Küche, im Wohnzimmer, im Flur – Welches Maß an Nähe und Distanz ist dir wichtig, um über Verletzungen zu sprechen
  • Philippe Müller: Verletzungsprävention – Starke Mauern bauen: Verletzungen vorbeugen (mehr Infos)
  • Kathrin Seufert und Prof Dr. Oliver Stoll: Trotz Baustelle, gedanklich schön und effizient wohnen

Podiumsdiskussion:

  • Miriam Butkereit (Silbermedaille Olympia 2024 in Judo)
  • Bernd Berkhahn (Bundestrainer Schwimmen)

Kosten:

  • 129 EUR (early bird-Ticket, bis Mittwoch, 31. Dezember 2025)
  • 149 EUR (ab 1. Januar 2026)

Fortbildungspunkte:

  • Ärztekammer Nordrhein: 8 Punkte
  • Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie in Deutschland (asp): 4 Punkte
  • PhysiotherapeutInnen: 8 Punkte (vgl. Ärztekammer Nordrhein)
  • Lizenverlängerung für DOSB-AthletiktrainerInnen

Anmeldung:

Sie sind Arzt*in, Teammanager*in, Physiotherapeut*in, Trainer*in, Funktionär*in, Sportpsychologe*in, Spielerberater*in, Stakeholder, Vertreter*in Berufsgenossenschaft oder natürlich Sportler*in, dann sichern Sie sich hier die Teilnahme:

Mit dem Absenden dieses Formulars erklären Sie sich damit einverstanden, E-Mail-Nachrichten von uns zu erhalten und verstehen, dass Ihre Kontaktinformationen bei uns gespeichert werden. Zudem gelten folgende AGB-Regelungen mit dem Kauf des Tickets als akzeptiert: 1. Das erworbene Ticket ist nicht auf andere Person übertragbar 2. Ein erworbenes Ticket kann bis zum 18. Februar 2026 storniert werden. 50% des gezahlten Preises werden durch den Veranstalter erstattet. 3. Eine Stornierung nach dem 18. Februar 2026 ist ausgeschlossen. 4. Das Ticketkontingent für die Veranstaltung ist begrenzt. Es besteht kein Anspruch auf den Kauf von Tickets, sobald das Kontingent ausgeschöpft ist. 5. Veranstalter und Ausrichter behalten sich vor, dass Event bei zu geringen Ticketverkäufen abzusagen. Bereits gezahlte Ticketkosten werden zu 100% erstattet.

Mehr zum Thema:

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Wolfgang Seidl: Snus – Der unterschätzte Gegner im Fußball

Wer in diesen Tagen Kabinen von Fußballteams betritt, findet fast überall die gleiche Szenerie vor: In einer Ecke wird Musik gehört, daneben wird gescherzt, und irgendwo liegt ganz selbstverständlich eine kleine runde Dose. Snus. Was vor wenigen Jahren noch ein Nischenthema war, hat sich leise, aber deutlich zum Trend entwickelt. Durch alle Ligen. Besonders junge Spieler greifen immer häufiger zu den Nikotinbeuteln.

Zum Thema: Warum Nikotinbeutel die mentale Stärke vieler Spieler untergraben und wie man sich davon befreien kann

In meiner Arbeit mit Fußballern aus unterschiedlichen Leistungsstufen höre ich immer wieder, wie verbreitet Snus mittlerweile ist. Während es in Hobbyteams oft kein großes Thema ist, berichten Spieler aus Profivereinen von einer Konsumrate über 50 Prozent innerhalb der Mannschaft. Das zeigt deutlich: Snus ist längst kein Randphänomen mehr, sondern Teil des Alltags vieler Spieler, quer durch die Leistungsniveaus.

Als Mentalcoach beobachte ich diese Entwicklung mit wachsender Sorge. Denn Snus ist nicht nur ein gesundheitliches Risiko, sondern vor allem ein mentaler Stolperstein, der die Selbstwirksamkeit vieler Sportler untergräbt, ohne dass sie es merken.


Warum Fußballer überhaupt zu Snus greifen

Die Motive für den Griff zum Snus sind auf den ersten Blick nachvollziehbar. Vor wichtigen Spielen ist Nervosität ganz normal. Viele Spieler suchen dann nach einem Mittel, das kurzfristig beruhigt, fokussiert oder einfach Sicherheit gibt. Nikotin kann diese Effekte liefern: Es stimuliert das sympathische Nervensystem, steigert kurzfristig die Wachheit und wirkt gleichzeitig beruhigend. Für manche fühlt es sich an wie der perfekte mentale „Reset-Knopf“.

Hinzu kommt die soziale Komponente. In einigen Teams gehört Snus mittlerweile einfach dazu. Wer nicht mitmacht, hat schnell das Gefühl, außen vor zu sein. Gerade junge Spieler passen sich an, ohne die Konsequenzen zu hinterfragen. Nicht selten wird Snus sogar zu einem festen Bestandteil des persönlichen Vorbereitungsrituals, quasi als Startsignal für den „Wettkampfmodus“.


Der mentale Preis: Abhängigkeit statt Selbstvertrauen

Der gefährlichste Effekt spielt sich nicht nur im Körper, sondern im Kopf ab. Wer vor jedem Spiel einen Snus einlegt, konditioniert sich darauf, dass Leistung und Fokus nur mit dieser Substanz möglich sind. Viele Spieler berichten, dass sie ohne Snus „nicht richtig im Spiel“ sind.

Das ist kein Zufall. Es entsteht eine klassische Verknüpfung zwischen äußerem Reiz (Nikotin) und innerem Zustand (Fokus). Diese mentale Abhängigkeit schwächt langfristig das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, sich selbst in einen leistungsfähigen Zustand zu versetzen. Ein zentrales Element mentaler Stärke.


Körperliche Nebenwirkungen – oft unterschätzt

Snus gilt fälschlicherweise als „gesunde“ Alternative zur Zigarette. Tatsächlich enthält er aber Nikotin in teils sehr hoher Dosierung. Studien zeigen, dass Nikotin:

  • Blutdruck und Puls deutlich erhöht,
  • die Gefäße verengt und die Sauerstoffversorgung belastet,
  • bei regelmäßigem Konsum zu Schlafstörungen, Magenproblemen sowie Zahnfleisch- und Mundschäden führen kann.

Hinzu kommt, der Aktivierungseffekt ist nur kurzfristig. Nach etwa 20 bis 30 Minuten sinkt der Spiegel rapide, oft genau dann, wenn Konzentration und emotionale Stabilität auf dem Platz am wichtigsten wären. Reizbarkeit, Unruhe und Leistungstiefs sind die Folge. Um gegenzusteuern, wird häufig unbewusst die Dosis erhöht, der Einstieg in einen Kreislauf.


Mentale Alternativen, die wirklich tragen

Snus liefert kurzfristig einen Effekt, mentale Strategien hingegen stärken langfristig die Selbststeuerung. Hier einige bewährte Alternativen, die ich auch in meiner Arbeit mit Spielern regelmäßig einsetze:

1. Atemtechniken gegen Nervosität
Bewusste, tiefe Atmung (z.B. vier Sekunden ein, sechs Sekunden aus) aktiviert den Parasympathikus und senkt den inneren Druck innerhalb weniger Minuten. Eine einfache, aber sehr effektive Methode, um vor Spielen Ruhe und Fokus herzustellen.

2. Mentale Routinen
Eine kurze innere Anweisung („Jetzt bin ich da“), eine aufrechte und selbstbewusste Körperhaltung oder Visualisierungen können den mentalen Startschuss setzen, ganz ohne Abhängigkeit. Solche individuellen Rituale schaffen Verlässlichkeit aus dem eigenen Inneren heraus.

3. Körperliche Aktivierung
Kaltes Wasser ins Gesicht, ein kurzer Sprint oder aktivierende Atemübungen bringen Energie, ganz natürlich. Gerade für Spieler, die vor Anpfiff einen „Kick“ suchen, kann das eine wertvolle Alternative sein.

4. „Ohne“-Training
Wer bewusst einige Einheiten oder Spiele ohne Snus bestreitet, macht oft eine überraschende Erfahrung: Die Leistung leidet nicht. Im Gegenteil, das Selbstvertrauen wächst, weil man wieder spürt, dass Fokus und Präsenz aus der eigenen mentalen Stärke kommen.


Fazit

Snus ist kein harmloser Trend, sondern ein leiser Gegner, der Körper und Geist gleichermaßen beeinflusst. Im Fußball, wo mentale Stabilität, Fokus und Selbstvertrauen oft über Sieg oder Niederlage entscheiden, ist Unabhängigkeit von solchen Hilfsmitteln ein zentraler Faktor.

Mentale Stärke entsteht nicht durch Substanzen. Sie wächst durch bewusste Routinen, innere Klarheit und das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, sich selbst in den optimalen Zustand zu bringen. Wer das erkennt und lebt, braucht keine Nikotinbeutel und spielt nicht nur freier, sondern auch selbstbestimmter.

Tipp

Wir von Die Sportpsychologen helfen Dir bei diesem Thema gern. Nimm gern Kontakt zu Wolfgang (zum Profil) oder einem Kollegen oder einer Kollegin von ihm in deiner Nähe auf (zur Übersicht).

Mehr zum Thema:

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Christian Bader: Warum „Ich will gewinnen!“ oft zur Niederlage führt

„Ich will unbedingt gewinnen!“ versus „Ich führe jeden Schlag mit perfekter Technik aus!“ – Welche Intention führt zu besserer Leistung? Die Antwort überrascht: Oft ist es die zweite. Warum? Weil Intention weit mehr ist als Wunschdenken. Sie ist der bewusste Dirigent unserer mentalen Prozesse – ein neurobiologisch messbares Phänomen, das unser Handeln orchestriert.

Zum Thema: Sportpsychologie – mehr als eine grosse Werkzeugkiste

Die drei Gesichter der Intention – oder: Wie unser „Wollen“ wirklich funktioniert:

1. Ergebnis-Intention: „Ich will das Tor treffen“ 

Fokus liegt auf dem Endergebnis. Problem: Erzeugt oft Druck und Verkrampfung, weil wir Dinge kontrollieren wollen, die ausserhalb unserer direkten Macht liegen.

2. Prozess-Intention: „Ich führe die Bewegung sauber aus“ 

Fokus liegt auf der Technik und Ausführung. Vorteil: Direkt kontrollierbar, reduziert Nervosität. Wie ein Uhrmacher, der sich auf jeden einzelnen Handgriff konzentriert, nicht auf die fertige Uhr.

3. Präsenz-Intention: „Ich bin voll da“ 

Fokus liegt auf der Aufmerksamkeit im Moment. Wirkung: Fördert Flow-Zustände und natürliche Reaktionen. Wie ein Jazz-Musiker, der völlig im Hier und Jetzt aufgeht.

Warum systemisches Denken die Sportpsychologie revolutioniert

Aus systemtheoretischer Sicht ist das faszinierend: Intention ist ein selbstorganisierender Prozess. Nicht wir steuern bewusst jeden Aspekt unserer Leistung, sondern wir schaffen Bedingungen, unter denen sich Spitzenleistung entwickeln kann.

Das klassische Mentaltraining denkt linear: „Richtiger Gedanke → richtige Leistung“. Die Systemtheorie weiss: Das System bestimmt, wie es auf unsere Intentionen reagiert. Wie ein Garten – wir können säen und giessen, aber das Wachstum passiert von selbst.

Das Ende der Illusion der Kontrolle

Hier wird’s spannend: Athleten, die sich auf Prozess- und Präsenz-Intentionen konzentrieren, erzielen oft bessere Ergebnisse als jene, die nur an das Gewinnen denken. Warum? Sie sind direkt kontrollierbar.

Eine Basketballspielerin kann ihre Wurftechnik kontrollieren, nicht aber ob der Ball ins Netz geht. Diese Kontrollierbarkeit reduziert Angst und ermöglicht paradoxerweise bessere Ergebnisse. Wie ein Bergsteiger, der nicht den Gipfel anstarrt, sondern jeden einzelnen Schritt bewusst setzt.

Praktische Integration ohne Zeitverlust

1. Intentions-Check vor jeder Übung (30 Sekunden) 

Frage: „Worauf konzentrierst du dich bei dieser Bewegung?“ Umformulieren:

  • „Ich will treffen“ → „Ich führe meinen Arm gerade durch“
  • „Ich will schnell sein“ → „Ich setze jeden Schritt kraftvoll auf“

2. Die 3-2-1 Regel (in bestehende Übungen integriert)

  • 3 Sekunden: Intention klar formulieren
  • 2 Sekunden: Einatmen und fokussieren
  • 1 Sekunde: Ausführung starten

Beispiel beim Freistoss:

  • 3: „Ich treffe den Ball mit der Innenseite in die rechte Ecke“
  • 2: Tief einatmen, Ball anschauen
  • 1: Anlauf beginnen

3. Schnelle Integration während der Aufwärmung

  • Vor jedem Lauf: „Ich laufe mit aufrechtem Oberkörper“
  • Vor Sprints: „Ich ziehe die Knie aktiv hoch“
  • Statt nur „nochmal“ → „nochmal mit Fokus auf…“

4. Partner-Intention (in Paarübungen) 

Ein Spieler sagt: „Ich will…“ (seine Intention) Der Partner bestätigt: „Du konzentrierst dich auf…“ (wiederholt die Intention) Effekt: Macht Intentionen bewusster, sozialer Druck hilft bei der Umsetzung.

Der systemische Durchbruch

Aus systemtheoretischer Sicht: Organisationen und Teams können nichts vermittelt bekommen – sie können es nur selbst entdecken. Die Kunst liegt darin, Bedingungen zu schaffen, unter denen Ihre Athleten ihre eigenen optimalen Intentionsmuster entwickeln.

Der Paradigmenwechsel

Statt „Du musst gewinnen wollen“ → „Du bist der bewusste Regisseur deiner Handlungen“ Statt „Fokus auf das Ergebnis“ → „Fokus auf das, was du direkt beeinflussen kannst“

Die systemische Kernfrage für Ihr Team: „Was von dem, was wir uns vornehmen, liegt wirklich in unserer Macht?“

Die Realität für gestresste Trainer

Gute Nachricht: Diese Techniken brauchen keine extra Trainingszeit. Sie verwandeln bestehende Übungen in Intentionslabore. Das Ergebnis: präzisere Bewegungen, weniger Nervosität und konstantere Leistung – auch unter Druck.

Intention ist wie ein innerer Trainer, der immer da ist. Mit wenig Aufwand können Sie Ihren Athleten beibringen, diesen inneren Trainer gezielt zu nutzen.

Lust auf mehr

Meine Kollegen und Kolleginnen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Christian Bader) sind gern bereit, mit Ihnen, Ihrem Verein, Ihrem Verband oder Ihrem Unternehmen zu arbeiten. Nehmen Sie Kontakt auf. 

Mehr zum Thema:

Literatur:

  • Burton, D. et al. (2001). Goal setting in sport. In R. N. Singer et al. (Eds.), Handbook of sport psychology (pp. 497-528). John Wiley & Sons.
  • Gollwitzer, P. M. (1999). Implementation intentions: Strong effects of simple plans. American Psychologist, 54, 493-503.
  • Locke, E. A. & Latham, G. P. (2002). Building a theory of goal setting and task motivation. American Psychologist, 57, 705-717.
  • Zimmerman, B. J. (2008). Investigating self-regulation and motivation. American Educational Research Journal, 45, 166-183.

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Anke Precht: Pinkeln auf Befehl – die besten Tipps und Hacks

Wenn die Mitarbeiter der WADA morgens um fünf vor der Tür stehen, oder Athleten nach dem Wettkampf zum Dopingtest gebeten werden, entstehen leicht unangenehme Situationen. Man möchte die Sache so schnell wie möglich hinter sich bringen. Gleichzeitig ist nach einem Rennen oder einem Wettkampf die Blase meistens komplett leer. Ähnliches kann auch morgens der Fall sein, wenn man gerade vorher auf der Toilette war und ja in der Nacht nichts getrunken hat. Dazu kommt, dass das Pinkeln unter strengster Beobachtung bei vielen zu einer Hemmung führt. Plötzlich geht nichts mehr.

Zum Thema: Legale Tipps und Tricks zum Wasserlassen bei Dopingproben

Woran liegt das, wenn nichts kommt? Viele kennen den Effekt vom Einschlafen oder von der Sexualität: Will man unbedingt, klappt es nicht mehr. Nun ist es ja bei einer Dopingkontrolle noch schlimmer: Man soll nicht nur wollen, sondern man muss. Vorher kommt man aus dem Zelt oder den Sanitärräumen der WADA nicht raus.

Neu bewerten

Im ersten Schritt kann die mentale Vorbereitung auf die Kontrollen in Angriff genommen werden. Wesentlich ist es dabei, dass in der realen Situation keine Fokussierung mehr auf das Müssen stattfindet. Ein Ansatz kann sein, der Kontrolle eine neue Bedeutung zu geben. Zum Beispiel:

–  Statt „Mist, auch das noch!“ zu: Die WADA gibt mir die Sicherheit, dass andere nicht tricksen. Ich kann beweisen, dass ich alles richtig gemacht habe und tue das gern.

– Eine innere Strichliste anlegen: Wenn im Schnitt fünf Kontrollen pro Jahr stattfinden, im Kopf fröhlich einen Haken machen. Nach dem Motto: Tschakka, wieder eine Kontrolle erledigt

Fokus lenken

Eine zweite Möglichkeit liegt darin, den Fokus von der zu erledigenden Aufgabe weg zu lenken.

– Mit der Kontrolleurin ein Thema suchen, dass beide wirklich interessiert und darüber dann gemeinsam ausgiebig sprechen. Das klappt auch, wenn die kontrollierende Person einem nicht sympathisch ist. Meine Erfahrung ist: Man teilt mit fast jedem Menschen irgendeine noch so kleine Leidenschaft. Sobald die gefunden ist, ist viel Druck raus, die Wartezeit kommt einem nicht mehr so lang und quälend vor, und wie durch ein Wunder verkürzt sie sich dann meistens. 

– Etwas tun, das lustig ist: zum Beispiel Videos des Lieblings-Comedians anschauen. Das lenkt einerseits ab, andererseits wird auch der Körper lockerer und das pinkeln geht leichter. Vor allem, wenn man richtig heftig lachen muss!

Ansteckungseffekt

Eine dritte Möglichkeit liegt darin, durch Wasser, die Blase anzuregen – sozusagen mit einer Art Ansteckungseffekt:

– Wasser plätschern lassen, ganz egal, was der Wasserhahn im Bad ist, oder ein plätscherndes Bächlein auf Spotify. Letzteres hat den Vorteil, dass es keine Ressourcen verschwendet, selbst wenn man es 20 Minuten laufen lässt.

– Wechselfußbäder. Wir kennen alle den Effekt, wenn wir in einen sehr kalten Pool steigen. Da reagiert sofort die Blase, selbst wenn man gerade auf der Toilette war.

Vorstellungskraft

Viertens lässt sich auch die Kraft der Imagination nutzen. In vielen Sportarten gehen Sportler und Sportlerinnen beim Training gemeinsam Pinkeln. Entweder in der Spielpause in den Gemeinschafts-Toiletten, wo man zwar nicht immer alles sehen, aber zumindest alles hören kann und das völlig natürlich findet. Oder beim Outdoor-Training zusammen hinter einem Gebüsch mit Blick über eine wunderschöne Landschaft. Hat man solche Erfahrungen gemacht, kann man sie sich während der Dopingkontrolle vorstellen, und der Körper reagiert dann auf die Vorstellung mehr als auf die reale Situation. Also Situationen suchen und erinnern, in denen man herzhaft pinkeln konnte und genau an diese Situationen denken. Inklusive des Gefühls, das man hatte, der Temperatur, dem Blick, der Gerüche, die in dieser Umgebung vorhanden waren. Auch so kann sich der Schließmuskel entkrampfen. 

Gerade Sportler, die schon Erfahrung gemacht haben mit Imagination in verschiedenen Situationen, können davon sehr profitieren.

Trainieren

Fünftens kann man das kontrollierte Abgeben von Urin auch als Training betrachten. Schließlich ist man Sportler. Also 110 ml abgeben, ruhig dann einmal tun, wenn man gerade nicht dringend muss. Und dann, wenn man dringend muss, mit dem Stopp nach 110 ml. Und dann mal, wenn man eigentlich gar nicht muss. 110 ml sind ja nicht die Welt. Danach, ganz wichtig, um im Körper einen Verstärker zu setzen: Sich selbst loben und feiern. Großartig gemacht! Stellt euch zusätzlich einen Regler oder ein Ventil vor, das man auf- und zumachen kann.

Feedback

Was davon am besten funktioniert? Das ist ganz unterschiedlich. Einfach ausprobieren. Meine Erfahrung: Es ist für jeden etwas dabei, zumindest als Anregung, die man dann ganz persönlich ausschmücken kann. Was du dabei gewinnst? Weniger Stress bei der Dopingkontrolle und eine ganz klare Zeitersparnis.

Mehr zum Thema:

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Stefanie Gramlich: “Bewusstsein schärfen, Sportpsychologie erleben”

Neuzugang aus Süddeutschland. Wir von Die Sportpsychologen begrüßen mit Stefanie Gramlich eine neue Kollegin in unseren Reihen. Im Interview stellen wir Stefanie vor, die mit zwei Sportarten große Leidenschaft verbindet und zudem ein besonderes Band knüpfen will. 

Mehr Infos zu Stefanie Gramlich: zur Profilseite

Stefanie, was liebst du an deiner Sportart, dem Pferdesport?

Ich versuche mal, meine Gedanken in Stichpunkten zu fassen, um die Frage zu beantworten. Was liebe ich also am Pferdesport?

– Die tiefe Verbindung und Verbundenheit mit dem Pferd auf allen Ebenen des Seins (die mentale Verbindung auf der Bewusstseinsebene während des Reitens, die seelische Verbundenheit, die physische Verbindung auf dem Pferderücken zu sitzen, die sinnliche Nähe, Liebe, Wärme und Geborgenheit der Pferde)

– die feinfühlige Kommunikation mit den Pferden sowohl durch Körpersprache und Präsenz als auch durch das Erfahren der energetischen Komponente in der Partnerschaft mit dem Pferd, die emotionale Intelligenz der Pferde, das Herdenverhalten der Pferde

– die Lehre, die uns die Pferde geben (Führungsqualitäten, soziale Kompetenzen, die Lehre der Natur)

– die Freude und Leidenschaft mit einem so starken kraftvollen Lebewesen gemeinsam eine sportliche Leistung aufzubauen ist das größte Geschenk, das uns die Pferde machen (zwei unterschiedliche physische Körper erzeugen zusammen ein Leistungspotential) 

– der natürliche Rhythmus der Pferde basierend auf den Zyklen der Natur (Erdmagnetfeld, Sonneneinflüsse, Mondzyklus, Wetterfühligkeit) 

– die Intelligenz der Pferde (Spiegelbild unserer unterbewussten Prozesse): Pferde zeigen uns auf natürlichem Wege unsere Schwächen in der Persönlichkeit, aber auch unsere Stärken, Pferde verzeihen Fehler, aber lassen sie niemals unerkannt: Pferde fördern unser inneres Wachstum und unsere Persönlichkeitsentwicklung

– die Vielseitigkeit des Sports, die Verbundenheit und den Genuss in der Natur, die Eleganz des Dressursports,

– das Leistungspotential qualitativ hochwertiger Sportpferde

– die Sinnlichkeit, die Schönheit, Erhabenheit des Dressurreitens, die kreative Entfaltungskraft, die Verbindung von Sport und Musik (Dressur: Grand Prix)

– die Verbindung des Reiters zu seinem Pferd erfolgt immer gegenseitig: Körperlich, emotional, mental und sinnlich. Im idealen Zustand korrespondieren hier zwei Lebewesen und zwei Seelen aus verschiedenen Welten auf einem Terrain, das nur ihnen beiden gehört.

– die Lehre der alten Reitmeister, die bereits damals schon um die tiefe Verbindung des Pferdes mit seinem Reiter auf der reinen Bewusstseinsebene wussten

– das feine Dressurreiten, bei dem für den Zuschauer die Hilfengebung des Reiters zum Pferd unsichtbar bleibt – die Verschmelzung mit dem Pferd

– die Lehre des Dressurreitens übertragen auf das Leben: Durchhaltevermögen, Charakterstärke, Fairness, Mut, Liebe zum Leben, nie aufzugeben, tägliches routiniertes Training

– Partnerschaft mit dem Pferd im Training und beim Turnier, TEAMWORK, Flow-Erleben beim Reiten,….. und noch so vieles mehr

Auf welche Art von Unterstützung freust du dich: Mit welchen Themen können sich Sportler, Trainer oder Eltern bei dir melden?

Ich werde alle Fragen beantworten, sofern ich mit meinem Wissen und meiner Erfahrung aufklären, helfen und unterstützen kann. Egal ob Freizeitsportler oder Leistungssportler, alle sind herzlich willkommen. Ich schätze Personen, die ein gewisses Bewusstheitslevel erreicht haben, Freude daran haben, an sich selbst zu arbeiten und sowohl sich selbst als auch ihr Körpersystem besser verstehen lernen wollen. Leute, die Fokus und Orientierung im Leben haben; Wertschätzung und Wohlwollen gegenüber anderen und sich selbst in sich tragen, Urvertrauen ins Leben haben, Liebe und Mitgefühl in sich tragen. 

Mir ist wichtig, dass Sportler ihren Körper und ihr seelisches Wesen fühlen. Wissen, was ihr Sinn im Leben ist, wofür sie brennen, welche Ziele sie erreichen wollen und warum? Wenn ich Menschen Fragen stelle, bleibe ich nie an der Oberfläche, sondern gehe stets in die Tiefe, da im Unterbewusstsein meist verborgene Schätze liegen, die das Potential eines Menschen zur Entfaltung bringen können. Auch Fragen zur Gesundheit, langfristigen Leistungsaufbau und Erhalt, Freude und Genuss am Sport und an Bewegung, konsequentes Training, Disziplin, Selbstverständnis für den eigenen Körper und Zusammenhänge von Körper und Geist beantworte ich gerne und versuche, Lösungen zu entwickeln. 

Fragen zur Gedankenkontrolle und Emotionsregulation beantworte ich gerne, genauso wie Fragestellungen zu einem gesunden Körperbewusstsein und emotionaler Intelligenz oder auch zur Herz-Hirn-Kohärenz, … Kommt gern auf mich zu.

Dein zweites Leidenschaftsthema ist der Radsport. Was liebst du konkret am Rennrad? 

Das Gefühl von Freiheit, den Kopf komplett abschalten zu können (genau wie beim Reiten im Flow-Erleben zu sein), weite Strecken als Ausdauersport zurücklegen zu können und zu beobachten, was das mental und körperlich im eigenen Körpersystem bewirkt. Ich mag die Faszination, den eigenen Körper bis in die kleinste Energieebene zu spüren, zu erfahren und zu erleben. Für mich ist es eine Freude, in der Natur zu sein – denn draußen bin ich am liebsten. Kurz gesagt: Die Leichtigkeit des Rennrads gibt mir ein echtes Glücksgefühl.

Dich verbindet zum Radsport eine besondere Geschichte. Wie lange hast du nach deinem Verkehrsunfall gebraucht, um wieder Rennrad fahren zu können? Wie lang war der Weg, wieder auch auf der Straße zu fahren und den Unfall mental zu verarbeiten?

Neun Jahre! Die ersten vier Jahre konnte ich nur Rollentraining zu Hause machen, weil mein Körper noch zu schwach war und meine Schmerzschübe mich oft völlig lahm legten. Auch meine beiden Operationen am Kiefer änderten einiges an meinem Körpersystem, ich musste mein gesamtes Trainingskonzept ändern, meinen Körper neu fühlen lernen und neu herausfinden, über welche Grenze ich gehen kann und wie ich Geist und Körper in Einklang bringe. Ich bin noch wetterfühliger geworden, passe mein Training an mein körperliches Befinden an und versuche mich zu fordern. Aber immer so, dass ich mir die Freude und den Genuss am Fahren erhalte, denn je mehr Lust ich habe, desto besser fahre ich auch.

Welchen Wert hat die Osteopathie für dich und warum ist es deine Vision, beide Fachdisziplinen Sportpsychologie und Osteopathie miteinander zu verbinden?

Der Osteopathie habe ich so vieles zu verdanken: Dass ich heute nach meinem Unfall wieder Radfahren und Reiten kann, gelernt habe, mit meinen Schmerzschüben umzugehen und meinen Körper neu zu fühlen sowie meine Feinfühligkeit für mich und andere zu nutzen.  Mein Körperbewusstsein hat sich verbessert und ich verstehe auch die energetischen Zusammenhänge von Körper, Geist und Seele noch klarer. 

Die Osteopathie ist ein natürliches Heilverfahren, das den ganzen Körper miteinbezieht und auch die Bewusstseinsebene öffnet. Osteopathie vereint Physiologie und Psychologie Hand in Hand, Osteopathie ist wertvoll für jeden Sportler.

Zudem ergänzt die Osteopathie die Sportpsychologie, weil sie den gesamten Körper berücksichtigt und für mich lassen sich mentale Prozesse nur in Zusammenhang mit körperlichen Prozessen bearbeiten, verbessern und entschlüsseln. Es hilft aus meiner Erfahrung nichts, nur die mentale Komponente zu bearbeiten, wenn die emotionalen Prozesse oder körperliche Herausforderungen nicht mitbedacht oder ins Training integriert werden. Körper, Geist und Seele sind eine Einheit, sowohl im Training als auch im Wettkampf und im Leben. Körperliches und mentales Training sowie Emotionsregulation und Gedankenkontrolle gehören also zusammen: Bewusstsein schärfen, Sportpsychologie erleben.

Tipp:

Mein Buch: Osteopathie und Sportpsychologie – die Weisheit der emotionalen Körperintelligenz (Link zum Buch) – gibt Aufschluss darüber, warum Osteopathie und Sportpsychologie einen Mehrwert für Sportler und Patienten in sich tragen und beide Fachdisziplinen enorm von ihrem Wissen gegenseitig profitieren können.

Profilseite

zur Profilseite von Stefanie Gramlich: https://www.die-sportpsychologen.de/stefanie-gramlich/

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