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Prof. Dr. René Paasch: Es ist Zeit für neue sportpsychologische Wege im deutschen Fußball

Wir müssen gründlich über die bestehenden Strukturen und Herangehensweisen im deutschen Fußball nachdenken. Dies sage nicht nur ich, sondern auch Joti Chatzialexiou, der Sportliche Leiter der deutschen Fußball-Nationalteams. In einer Pressekonferenz nach dem Ausscheiden der deutschen Frauen bei der WM in Australien und Neuseeland formulierte er Sätze wie: „Es ist nicht so, dass wir keine guten Fußballerinnen oder Fußballer haben, sondern wir haben in der Spitze einfach zu wenig Breite und daran müssen wir arbeiten.“ Einer der führenden Köpfe des DFB sieht vor allem drei Problemfelder: die Infrastruktur, die Professionalität und die Trainerausbildung. Das möchte ich so stehen lassen, aber ich möchte auch ergänzen, dass wir für echte Veränderungen ein Umdenken hinsichtlich der Führungskultur sowie eine verstärkte Einbindung von psychologischem Know-how dringend brauchen. Warum? Weil Fußball weit mehr als das bloße Kicken des Balls ist und sich nicht ausschließlich in irgendwelchen Daten, Zahlen und Messpunkten erfassen lässt, so wie es nahezu überall auf Biegen und Brechen versucht wird. Es gibt weiche Faktoren, die aktuell bei uns kaum eine Rolle spielen. Nehmen wir die WM der Frauen als Beispiel und blicken wir auf andere Nationen, die dieses Geheimnis der Spielmagie verinnerlicht haben: Sie präsentieren keine Mannschaften mit der technisch perfekten Präzision oder den erfahrensten Spielerinnen auf dem Feld. Stattdessen zeigen sie uns das Herz des Spiels – Akteurinnen, die nicht nur für sich spielen, sondern mit einer brennenden Leidenschaft für ihr Land und ihre Mitspielerinnen. Diese Hingabe, diese innige Bindung, wird zu einer unsichtbaren, aber kraftvollen Größe, die den Unterschied ausmacht. Leider scheint dieses strahlende Licht der Teamchemie, das sich wie ein glühender Mantel um die Mannschaften legt, derzeit in unseren Gefilden selten zu leuchten. Egal ob bei Auswahl- oder Club-Teams. 

Zum Thema: Lösungsvorschläge für den deutschen Profi- und Nachwuchsfußball

Erlauben Sie mir vorweg eine optimistische Perspektive zu zeichnen: Mein Herz erfüllt sich mit echter Hoffnung für den deutschen Fußball. Eine Hoffnung, die darauf beruht, dass heute deutlicher als jemals zuvor und in einem bemerkenswerten Ausmaß eine kritische Auseinandersetzung mit den Strukturen, Machtgefügen und Wirkungsmechanismen dieses Sports stattfindet. Dabei werden fundamentale Fragen aufgeworfen und ehrlich erörtert. Einige dieser Fragen sind es, die meine hochgeschätzten Kollegen und ich bei den Sportpsychologen schon seit geraumer Zeit aufwerfen. Bislang jedoch schienen sie wie ungehört verhallt. Vielleicht ändert sich das aktuell. Lassen Sie uns einen genaueren Blick auf die dringlichsten Herausforderungen aus der Sicht der Sportpsychologie werfen:

  • In Anbetracht der aktuellen Dynamik im deutschen Fußball spreche ich von einem Phänomen, das ich als „Nepotismus“ bezeichne. Hierbei können ehemalige Profifußballer ebenso wie Trainerpersönlichkeiten auf der Suche nach einer neuen Herausforderung rasch in exponierte Führungspositionen oder ambitionierte Mannschaften aufsteigen. Dieser schnelle Aufstieg, basierend auf vergangenen Erfolgen und Bekanntheit, birgt jedoch ein latentes Risiko: Das Leiten und Entwickeln von Spielern und Teams ist eine komplexe Kunst, bestehend aus dem Zusammenwirken verschiedener Professionen. Die Sportpsychologie ist ein Teilbereich. Diejenigen, die über solche Entscheidungen wachen, verfügen oft über begrenzte Erfahrungen im Bereich der Sportpsychologie. Und falls doch, sind diese Erfahrungen häufig von minderer Qualität – eine Tatsache, die wir Sportpsychologen uns zu Herzen nehmen sollten. Wir haben es versäumt, uns angemessen zu präsentieren und zu erklären.
  • Eine genauere Betrachtung der Ausbilder im Jugendbereich enthüllt weitere Defizite von signifikanter Tragweite. Trotz ihres klaren Eifers und ihrer hingebungsvollen Bemühungen offenbaren sich eklatante Lücken in Bezug auf Lebenserfahrung, pädagogisches Einfühlungsvermögen und fachliche Kenntnisse im Bereich der Psychologie. Die einseitige Fixierung auf kurzfristige Resultate, um die eigene berufliche Laufbahn voranzutreiben, führt zu einer Fremdsteuerung, die auf der Ebene der Spieler*innen das Potenzial aufstrebender Talente eher einschränkt als entfaltet.
  • Ein weitreichendes Thema, dem gebührende Aufmerksamkeit zukommen sollte, ist die Arbeitsmethodik im Fußball. Ein Großteil der Zeit wird auf dem Spielfeld verbracht, wodurch zwischenmenschliche Aspekte und individuelle Fragestellungen in den Hintergrund gedrängt werden. Für weiche Faktoren bleibt oft keine Zeit. 
  • Die Vorstellung, dass ein einzelner Sportpsychologe nachhaltig zehn verschiedene Mannschaften aus Nachwuchsleistungszentren betreuen und fördern kann, einschließlich Trainer, Coaches, Eltern und weiteren Beteiligten, wirkt schlichtweg utopisch – selbst dann nicht, wenn zwei Kollegen jeweils 20 Stunden pro Woche zur Verfügung stehen würden.
  • Ein kritischer Blick auf die Sportpsychologie ist unerlässlich: Viele leitende Positionen werden häufig aufgrund von vertrauten Beziehungen oder an frischgebackene Absolvent*innen vergeben. Offen und deutlich ausgedrückt: Wir haben ein „Vitamin B“-Problem. Wir vernachlässigen es, die vielfältigen Fachrichtungen unserer Disziplin angemessen zu repräsentieren und frische Impulse einzubringen. Eine erfolgreiche Organisation im wirtschaftlichen Kontext würde niemals in solcher Weise handeln – aus nachvollziehbaren Gründen. Dennoch behindern solche festgefahrenen Strukturen und unkritische Zustimmung den dringend benötigten Fortschritt.

Im Verlauf der vergangenen Jahre haben sich im deutschen Fußball bedauerlicherweise Mentalitätsprobleme manifestiert, die zwar in jüngster Zeit vermehrt offen zur Sprache gebracht werden, jedoch bedauerlicher Weise nur unzureichend angegangen werden. Ein erfrischender Wind der Veränderung, sei es durch kontinuierliche Integration von psychologischen Konzepten, die Hervorhebung sozialer Kompetenzen sowie Führungsfähigkeiten, die Etablierung einer progressiven und innovativen Führungskultur oder sogar eine humanistisch geprägte Begleitung, ist kaum wahrnehmbar!

Wir müssen besser werden und dürfen dabei zuerst bei uns selbst anfangen. Denn wenn selbst innerhalb der eigenen Reihen keine fruchtbare Zusammenarbeit mit etablierten und festgefahrenen Größen möglich ist, stellt sich die Frage, welchen Grad an Fortschritt wir dann von den Vereinen und Verbänden überhaupt erwarten dürfen? Die Musik im Fußball spielt längst woanders. Anstatt in die schier unbegrenzten Potenziale der menschlichen Psyche zu investieren, setzen wir mittlerweile auf eine überbordende Anzahl an Trainer*innen, Athletikspezialist*innen und Physiotherapeut*innen. Für das hochkomplexe Netzwerk aus 100 Milliarden Neuronen und den dazugehörigen synaptischen Verbindungen, die unsere gesamte Wahrnehmung und Verhaltensweise steuern, wird demgegenüber im Fußball kaum etwas getan – eine geradezu unbegreifliche Situation!

Das Verständnis gegenüber der Sportpsychologie

Es ist von höchster Dringlichkeit, dass die Verantwortlichen im deutschen Fußball nicht nur die physische Stärke ihrer Spieler*innen fördern, sondern gleichermaßen die geistige Widerstandskraft und die emotionale Balance stärken. Das Verständnis, dass die Mentalkomponente im Sport genauso bedeutend ist wie die physische Fitness, muss zur Grundlage jeglicher Entwicklung im modernen Fußball werden. Nur wenn wir den Mut aufbringen, auch in die inneren Ressourcen der Athlet*innen zu investieren, werden wir neue Erfolge feiern.

Meine Kollegen*innen von Die Sportpsychologen und ich kennen den Fußball. Wir haben Rückschläge erlitten und uns buchstäblich blutige Nasen geholt, jedoch wurden unsere Anstrengungen von Spielern und Spielerinnen, Trainer*innen, Berater*innen und auch Eltern, die wir begleitet haben, anerkannt und bestätigt. Mithilfe dieser gewonnenen Erkenntnisse haben wir gezielte Wege und Lösungen erarbeitet, die das Potenzial besitzen, weil sie gezielt an den oben erwähnten Herausforderungen ansetzen. Verfügbar ist ein einzigartiges Programm, welches in Deutschland, der Schweiz und Österreich durch uns kurzfristig umgesetzt werden kann, welches einen vertretbaren Kostenrahmen garantiert und ohne Festanstellungen und weitere Bindungen je nach individuellem Bedarf gesteuert werden kann. 

Wir sind entschlossen

Wir sind vorbereitet und entschlossen! Doch die entscheidende Frage lautet: Teilt der Fußball diese Bereitschaft? Ist der Sport selbst bereit, die Türen zu öffnen und unsere Erkenntnisse zu integrieren? Die Wahrheit liegt in der Antwort auf diese Frage, und nur wenn der Fußball selbst den Willen zur Veränderung zeigt, können unsere erarbeiteten Lösungen ihre volle Wirkung entfalten und dazu beitragen, die bestehenden Probleme anzugehen und zu überwinden.

Für Interessierte Vereine und Verbände ermöglichen wir in einem passwortgeschützten Bereich den Zugriff auf unseren Ansatz (Link). Nach einer kurzen Anmeldung erhalten Sie Ihr Passwort. 

    Oder kontaktieren Sie Prof. Dr. René Paasch direkt, um das Passwort für den geschützten Bereich (Link) zu erhalten:

    Prof. Dr. René Paasch
    phone: +49 177 4658419
    mail: r.paasch@die-sportpsychologen.de

    Zum passwortgeschützten Bereich:

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    Janosch Daul: Trainings- und Spielbeobachtung

    Ein Jahr lang dokumentierte Janosch Daul von Die Sportpsychologen seine Zusammenarbeit mit der U16 des Fußball-Drittligisten Halleschen FC. Entstanden ist ein besonderer Einblick in die Arbeitswelt der Sportpsychologie. In einer fünfteiligen Serie veröffentlichen wir, wie er seinen sportpsychologischen Input in den Trainings- und Wettkampfalltag eingebracht hat.

    Teil 4: Trainings- und Spielbeobachtung

    Meiner Erfahrung nach ist die Herangehensweise, in seinem Büro zu sitzen und zu warten, bis Spieler oder Trainer mit einem Anliegen auf dich als Sportpsychologen zukommen, wenig zielführend. Viele Leistungsressourcen, die ein Sportpsychologe ausschöpfen könnte, gehen flöten. Ich gehe sogar einen Schritt weiter: Als Sportpsychologe ist es unabdingbar, Präsenz zu zeigen, und zwar unmittelbar in der Lebenswelt der Spieler und Trainer. Und diese liegt primär auf dem grünen Rasen. Die Anwesenheit auf dem Feld hilft dabei, Beziehungen zu den Spielern und Trainern aufzubauen, Anteilnahme, Wertschätzung und Interesse für das, was auf dem Feld von diesen geleistet wird, auszudrücken bzw. durch das Geben gezielter Rückmeldungen und Hilfestellungen im Anschluss an das Training oder Spiel Reflexionsprozesse anzustoßen und Anknüpfungspunkte für eine potenzielle Zusammenarbeit zu liefern. Das Mandat, entsprechend Rückmeldungen im Hinblick auf beobachtbares Verhalten unter mentalen Gesichtspunkten geben zu dürfen, holte ich mir von den Trainern und Spielern zu Saisonbeginn im Rahmen der Auftragsklärung ab. Beim Geben entsprechender Rückmeldungen nahm ich die Rollen des Spiegels, Impulsgebers, Meinungsäußerers und Beraters ein. In Abhängigkeit von Person und Situation galt es, die jeweils passende Rolle(n) zu bedienen.

    Was waren beispielhaft typische Aspekte, den ich den Trainern spiegelte?

    • Gestaltung der Ansprache vorm Spiel im Hinblick auf z.B. Rhetorik
    • Funktionalität der Spieltagsabläufe
    • Körpersprache
    • Feedbackverhalten
    • Aufmerksamkeitsgenerierung im Rahmen von Ansprachen etc. 
    • gewählte Mittel der Beziehungsgestaltung zu Spielern
    • Kommunikation untereinander
    • Einbezug der Spieler
    • Umgang mit Konflikten 

    Was waren beispielhaft typische Aspekte, die ich den Spielern rückmeldete?

    • Einsatzbereitschaft 
    • Körpersprache
    • Emotional-unterstützendes Coaching
    • Team- und Sozialverhalten
    • Aufmerksamkeitslenkung bei Ansprachen, Feedbacks, Übungserklärungen
    • Aufmerksamkeitslenkung im laufenden Training bzw. Spiel
    • Umgang mit negativen Emotionen
    • sonstige prägnante Beobachtungen

    Die Rückmeldungen gab ich sowohl Spielern als auch Trainern gegenüber primär per Whatsapp-Sprachnachricht, da dies mit den Vorteilen einhergeht, dass ich meine Notizen zunächst strukturieren und auswerten kann, dass die Sprachnachricht vom Empfänger zu einem für ihn stimmigen Zeitpunkt abgehört werden kann und dass ich insbesondere eine Vielzahl an Spielern bedienen kann, denn: In zeitlicher und organisatorischer Hinsicht ist es unmöglich, mit z.B. zehn Spielern face-to-face ein Gespräch über die gerade erfolgte Einheit zu führen. 

    Alle fünf Teile auf einen Blick:

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    Dominik Klein über Leistungsentwicklung und die Talentförderung im Handball

    Im zweiten Teil unseres Interviews mit Dominik Klein (erster Teil, siehe unten) äußert sich der Handball-Weltmeister von 2007 zu der Frage, welchen Anteil die Sportpsychologie am sportlichen Erfolg hat? Er spricht über seine persönlichen Erfahrungen und gibt Talenten, Teams, Vereinen und Verbänden Hinweise, wie sie das Wissen aus der Sportpsychologie für sich nutzen können.

    Vielen Dank an Mila Hanke (zum Profil), die mit Dominik Klein bei einem Talentfördercamp des Bayerischen Handball-Verbands (BHV) zusammengearbeitet und den Kontakt für dieses Video-Interview hergestellt hat.

    Mentale Stärke trainieren – was ist das überhaupt?

    Beim Talentfördercamp des Bayerischen Handball-Verbands im Juni 2023 gab Sportpsychologin Mila Hanke (zum Profil) rund 35 jungen HandballerInnen (U16) zum Start erstmal ein paar Einblicke in die Arbeit von SportpsychologInnen. Denn viele hatten mit dem Thema noch nie etwas zu tun.

    Zwischen den Trainingseinheiten mit Dominik Klein, Benjamin Herth (Landestrainer Nordbayern), Bernhard Karg (Landestrainer Südbayern) und Miriam Hirsch (Trainerin beim HSG Würm-Mitte) wurde es dann auch mental ganz „praktisch und lebendig“. In Workshops nahm Mila Hanke gemeinsam mit den Nachwuchstalenten persönliche Nervosität- und Druck-auslösende Situationen unter die Lupe (vor, während und nach dem Spiel) – und erklärte dann jede Menge praktische Tipps und Mentaltraining-Methoden zum direkten Ausprobieren in den folgenden Camp-Tagen.

    „Für die meisten war das der erste Kontakt mit dem Thema Sportpsychologie und Mentaltraining“, erzählt Mila Hanke. „Es gab zu Beginn auch ein paar skeptische Blicke. Deshalb wollte ich den jungen SportlerInnen zeigen, dass Mentaltraining kein alberner Vodoo-Zauber ist, sondern eine wissenschaftliche Grundlage hat, viel Spaß macht, kreativ ist und ein ganz entscheidender Baustein sein kann, um ihr Talent weiterzuentwickeln und auch unter Druck richtige gute Leistung abzurufen. Und: dass SportlerInnen nicht früh genug damit anfangen können, den Kopf genauso regelmäßig zu trainieren wie Kondition, Kraft, Taktik, Spielzüge und Wurftechnik.“

    Zwei Beispiels aus Dominik Kleins Karriere:

    Teil 1 des Interviews:

    Links:

    • Bayerischen Handball-Verband (Link)
    • Deutscher Handball-Bund (Link)
    • Homepage Dominik Klein (Link)
    • Profil Die Sportpsychologen Mila Hanke (Link)
    • Mila Hanke in Aschau im Chiemgau: „sport & mind“ (Link)
    • Mila Hanke in München: „Sportpsychologie München“ (Link)

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    Janosch Daul: Coach-the-coach

    Ein Jahr lang dokumentierte Janosch Daul von Die Sportpsychologen seine Zusammenarbeit mit der U16 des Fußball-Drittligisten Halleschen FC. Entstanden ist ein besonderer Einblick in die Arbeitswelt der Sportpsychologie. In einer fünfteiligen Serie veröffentlichen wir, wie er seinen sportpsychologischen Input in den Trainings- und Wettkampfalltag eingebracht hat.

    Teil 3: Coach-the-coach

    Ganz besonders wichtig ist eine saubere Auftragsklärung mit Trainern zu Beginn einer Zusammenarbeit. Wie soll diese gestaltet werden? Wie soll Kommunikation aussehen? In welche Rollen soll der Sportpsychologe schlüpfen, um von Trainerseite als Unterstützer wahrgenommen zu werden? Es bedarf einer detaillierten Auseinandersetzung mit Fragen wie diesen, um bestmöglich zusammenarbeiten zu können – und nicht etwa aneinander vorbei. So war es den Trainern wichtig, dass ich situationsgerecht folgende Rollen einnehme:

    • ein Spiegel, der sie in ihrem gesamten für mich wahrnehmbaren Verhalten permanent reflektiert
    • ein Impulsgeber, der proaktiv Ideen und Anregungen rund um die Themen Teamentwicklung, Mannschaftsführung und Workshops einbringt 
    • ein Berater, der auf Fragen hin beratend zur Seite steht 
    • ein Meinungsäußerer, der auch immer wieder eine kritische Gegenperspektive einnimmt und Wachstumspotenziale in Sachen Trainerverhalten offenlegt
    • ein Erinnerungsanker, der fast schon penetrant nervig immer wieder zur Umsetzung von in gemeinsamen Meetings besprochenen Handlungsschritten anregt

    In der Regel führte ich alle zwei Wochen mit Yannick zu einer festen Zeit Trainermeetings durch, um z.B.

    • lösungsorientiert über Themen rund um das Team, einzelne Spieler und Elternteile ins Gespräch zu kommen,
    • anstehende Maßnahmen, wie z.B. Teambuildingevents, zu planen und Handlungsschritte, z.B. ein anstehendes Trainer-Spieler-Gespräch, exakt vorzubereiten und 
    • durchgeführte Maßnahmen konstruktiv-kritisch zu reflektieren 

    Wiederkehrende Themen in unseren Meetings waren die folgenden: 

    • pädagogisch wertvoller Umgang mit Spielern im Falle von Verfehlungen 
    • Entwicklung von Leitfäden für die Durchführung von Gesprächen mit Eltern und Spielern 
    • Vorbereitung von Spieltagsbesprechungen
    • Planung von Maßnahmen und Übungsformen zur Verbesserung des emotional-unterstützenden und taktischen Coachings  
    • Planung der Saison- und Rückrundenvorbereitung unter mentalen Gesichtspunkten 
    • Planung von Teambuildingevents 
    • Entwicklung von Möglichkeiten, verletzte Spieler einzubeziehen
    • Entwicklung stimmiger Herangehensweisen an Spiele als haushoher Favorit
    • Entwicklung einer Führungsspielerstruktur
    • Vorbereitung von Feedbackgesprächen mit Spielern
    • Planung und Durchführung einer systematischen Kommunikation mit Eltern via Mail 
    • Kabinengestaltung & Kabinenordnung

    Alle fünf Teile auf einen Blick:

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    Das Karriereende kann in schwere Depressionen führen

    Richtig Schluss machen muss gelernt sein. Zumal sich ein Karriereende schwer durch Wiederholungen wie im Techniktraining üben lässt. Umso wichtiger ist, über die passenden Methoden, Tipps und Hinweise Bescheid zu wissen. Und dies gilt sowohl für Profis als auch für Amateursportler und -sportlerinnen. Zumal der Wechsel in die Phase nach dem Sport auch von mentalen Problemen begleitet sein kann. Auch von schweren. 

    Gerade im Amateursport dient der Sommer dazu, Bilanz zu ziehen. Nicht selten bei älteren Sportlern und Sportlerinnen – verbunden mit der Frage, ob sie noch ein Jahr dranhängen wollen. Welche Techniken und Methoden empfiehlt ihr, um Bilanz zu ziehen? Welche Tipps habt ihr?

    Antwort von: Klaus-Dieter Lübke Naberhaus (zum Profil)

    Bilanz ziehen ist ein sehr rationales Wort. Natürlich kann ich eine Plus- und Minus-Liste des dafür oder dagegen aufstellen. Doch es ist schwierig, wenn ich mir dann erst Gedanken darüber mache, wenn ich spüre, dass es körperlich, seelisch und geistig nun so gar nicht mehr geht.

    Ich halte es für sinnvoll, sich früh mit diesem Thema zu beschäftigen, denn wenn Menschen sich vorrangig über Ihre “Sportlerpersönlichkeit” definieren, dann kann dies zu einem Identitätsverlust führen, der sie in eine Krise stürzt und sie ihre Identität verlieren läßt. Also besteht die Frage, wer ich außerhalb des Sports bin, was sind meine Interessen außerhalb des Sports? Wie sieht es mit meiner privaten Situation aus, was sind meine sozialen Kontakte oder beziehen sich diese nur auf den Sport? Habe ich bisher einen Teil meines Einkommens aus dem Sport bezogen oder vielleicht sogar meinen Lebensunterhalt bestritten, wie sieht es nach dem Karriereende mit der beruflichen Situation aus? Wie ist mein Plan mit dem Sport, soll er noch Bestandteil sein, zum Beispiel in Form einer Trainerkarriere? Oder ist der Plan, sogar weiterhin meinen Lebensunterhalt damit zu verdienen?

    Und vor allem, was sagt mir mein Körper, meine Seele? Bin ich noch bereit, dies alles auf mich zu nehmen, habe ich noch Spaß daran und was brauche ich, um noch Leistung bringen zu können?

    Diese Themen zu reflektieren, mit sich selbst oder in Begleitung, sollte ein kontinuierlicher Prozess sein und nicht erst kurz vor dem Toresschluss beginnen.

    Welche Gefahren lauern, wenn die Entscheidung zum Karriereende zu überstürzt gefällt wird? Und wie lange vorher sollte der Rückzug im Idealfall geplant sein?

    Antwort von: Janosch Daul (zum Profil)

    Es gibt keine Faustformel, wie lange ein Karriereende geplant werden muss. Wichtig ist allerdings, dass die Entscheidung gründlich durchdacht wurde und sie sich vor allem stimmig anfühlt. Also dass neben dem Verstand auch allen relevanten Gefühlen, die sich im Entscheidungsprozess bemerkbar gemacht haben, Beachtung geschenkt wurde und diese wirklich “durchgefühlt” wurden. Auch die so bekannte Intuition, unser Bauchgefühl, sollte auf Grundlage unseres Erfahrungswissens ein gewisses Mitspracherecht haben. Gespräche mit geschätzten Ansprechpartnern können zusätzlich die eigenen Gedanken um weitere Perspektiven ergänzen und somit den Entscheidungsprozess um weitere relevante Facetten ergänzen. Wird eine Entscheidung zum Karriereende überstürzt gefällt, so ist die Gefahr groß, dass eine Unzufriedenheit entsteht und das Gefühlsleben prägt.

    Antwort von: Klaus-Dieter Lübke Naberhaus (zum Profil)

    Anknüpfend an meine Ausführungen zur ersten Frage sehe ich die Gefahren deutlich größer als Janosch sie schon angedeutet hat. Je nach Resilienz des Sportlers sind temporäre Unzufriedenheit bis hin zu ausgeprägten Störungsbildern möglich. Der Verlust von Identität und Sinn kann in schweren Depressionen münden. Existentielle Ängste sind möglich und lassen alle Formen von Angststörungen denkbar werden.

    Alleine aus präventiven Gründen ist eine frühzeitige Beschäftigung mit dem Szenario notwendig, denn das Karriereende kann ungeplant schon in frühen Zeiten kommen.  

    Deshalb ist neben der “Sportlerpersönlichkeit oder Wettkampfpersönlichkeit” auch die Gesamtpersönlichkeit in ihrer Entwicklung zu begleiten. Denn für die meisten endet der Traum einer Profikarriere schon in einem recht frühen Stadium.

    Wie sollte das Karriereende kommuniziert werden? Sowohl in der Familie als auch im Job und im Verein? Tut es ein Post in der WhatsApp-Gruppe oder ist das sogar gefährlich, da die Betroffenen daraufhin gern mit emotionalen Statements der MitspielerInnen konfrontiert werden? Und macht es Sinn, sich in der Kommunikation die Tür zu einem Comeback offen zu lassen? 

    Antwort von: Klaus-Dieter Lübke Naberhaus (zum Profil)

    Dies ist eine hochgradig individuelle Entscheidung. Es ist sicherlich eine gute Idee, diese Kommunikation mit den nahe stehenden Menschen schon im Findungsprozess aufzunehmen und intensiv zu führen. Ansonsten bin ich ein sehr analoger Mensch, der viel von einer direkten und persönlichen Kommunikation hält. Was spricht dagegen, meine Entscheidung dem Verein gegenüber persönlich zu erklären und auch auf Nachfragen zu reagieren und wohlmeinende Umstimmungsversuche entgegen zu nehmen und sich für diese Wertschätzung zu bedanken? Leider verpassen wir häufig den Punkt, wenn es am schönsten ist, doch unser Bauchgefühl zeigt uns häufig den richtigen Weg.

    Und die Tür für ein Comeback steht ja meistens offen, wenn sich Bedingungen, Meinungen, Haltungen und Motivationen ändern. Warum damit zum Zeitpunkt eines beschlossenen Karriereendes kokettieren? Das macht mich eher unglaubwürdig und provoziert Nachfragen und Spekulationen.

    Ihr wollt euch intensiver mit dem Thema Karriereende beschäftigen? Dann nehmt gern Kontakt zu Klaus-Dieter Lübke Naberhaus (zum Profil) oder Janosch Daul (zum Profil) auf. Oder zu unseren anderen Experten und Expertinnen (zur Übersicht), die ihr auch nahe eurer Haustür findet. 

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    Dominik Klein über die U21-Weltmeister, mentale Stärke und eigene Erfahrungen

    2007 wurde Dominik Klein Handball-Weltmeister. Vor 19.000 Fans in der Kölnarena und in der Spitze über 20 Mio. Fernsehzuschauern holte sich der damals 23-Jährige mit der deutschen Handball-Nationalmannschaft den Titel. Heute arbeitet Klein als Handball-TV-Experte, Vortragsredner und u. a. für den Bayerischen Handball-Verband (Link). Im Interview mit Die Sportpsychologen äußert er sich zum überraschenden WM-Titel der deutschen U21-Nationalmannschaft und zu seinen persönlichen Erfahrungen mit Mentaltraining und Sportpsychologie.

    Vielen Dank an Mila Hanke (zum Profil), die mit Dominik Klein bei einem Talentfördercamp des BHV in Oberhaching bei München zusammengearbeitet und den Kontakt für dieses Video-Interview hergestellt hat.

    Hinweis: Der zweite Teil des Video-Interviews mit Dominik Klein erscheint am Montag, den 7. August 2023 (Link), auf Die Sportpsychologen. Darin berichtet Dominik Klein auch über die Zusammenarbeit mit der Sportpsychologin Mila Hanke (zum Profil), die als Pilotprojekt bei einem Talentfördercamp des Bayerischen Handball-Verbands jungen Talenten (U16) das Thema Mentaltraining ganz praktisch näherbrachte.

    Links:

    • Bayerischen Handball-Verband (Link)
    • Deutscher Handball-Bund (Link)
    • Homepage Dominik Klein (Link)
    • Profil Die Sportpsychologen Mila Hanke (Link)
    • Mila Hanke in Aschau im Chiemgau: „sport & mind“ (Link)
    • Mila Hanke in München: „Sportpsychologie München“ (Link)

    Mehr zum Thema:

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    Wolfgang Seidl: Die Bedeutung von Routinen und Ritualen im Fußball

    Bei der Fußball WM der Frauen in Australien und Neuseeland werden wir bei den einzelnen Mannschaften wieder die unterschiedlichsten Rituale und Routinen beobachten können. Vom Voodoo Zauber im afrikanischen Fußball bis zum Bilden eines Kreises, wie wir es vom deutschen Team kennen, ist alles dabei. Ich bin ernsthaft gespannt, was uns darüber hinaus erwartet! 

    Zum Thema: Was unterscheidet Routinen von Ritualen?

    Wenn wir von Ritualen sprechen, dann sind diese häufig an den Glauben übernatürlicher Kräfte geknüpft und weisen meist starre Verhaltensmuster auf. Typisch ist oft das Bekreuzigen vor Betreten des Spielfeldes oder das Anziehen der Schuhe in einer bestimmten Reihenfolge. Im afrikanischen Fußball sind auch das Beschwören magischer Kräfte verbreitet.

    Der symbolische Charakter von Ritualen kann unter gewissen Umständen entlastend auf die Spieler wirken, indem sie durch Ablenkung, die mentale Belastung mindern sowie Ungewissheit und Angst auf ein erträgliches Maß reduzieren. Wir müssen uns jedoch bewusst sein, dass bei veränderten Umständen das Ritual oft nicht ausgeführt werden kann und sich negativ auf die Leistung auswirken kann. Ein Beispiel dazu ist das Champions League Achtelfinale 2009 zwischen Arsenal und AS Rom. Das Ritual des damaligen Arsenal Spielers Kolo Touré war, als letzter Spieler seines Teams den Rasen zu betreten. Und daran hielt er auch konsequent fest. Problematisch wurde es für Touré allerdings bei diesem Match gegen die Römer: Einer von Tourés Mitspieler hatte sich kurz vor der Halbzeit verletzt und wurde noch in der Kabine behandelt. Da der Schiedsrichter wieder zur zweiten Hälfte anpfeifen wollte, jedoch Touré keinesfalls als Vorletzter auf das Feld wollte, mussten seine Teamkollegen kurzzeitig mit neun Spielern aufs Feld. Erst als der behandelte Spieler wieder fit war, betrat auch Touré, natürlich als letzter Spieler Arsenals, den Rasen. 

    Routinen haben direkten Einfluss auf die Leistung

    Im Vergleich dazu haben Routinen direkten Einfluss auf die Leistung und verleihen Sicherheit und Vertrauen. Wenn zum Beispiel ein Spieler vor dem Match mittels einer Pre-Match Routine bewusst seinen idealen Erregungszustand herstellt, dann wirkt sich das positiv auf seine Leistung aus. Der Spieler steuert durch diese Routine gezielt seine physischen, mentalen und emotionalen Prozesse, ohne sich wie bei Ritualen auf irgendwelche Götter oder übersinnliche Kräfte zu verlassen. 

    Ein zweites Unterscheidungsmerkmal ist, dass Routinen flexible Anteile beinhalten. Sie sollten so verinnerlicht werden, dass sie auch bei wechselnden Bedingungen vor dem Match angepasst werden können. Folgender Ausspruch beschreibt den Unterschied zwischen Ritualen und Routinen ganz gut:

    „Whereas rituals often control athletes, athletes always control their routines“

    Einsatzmöglichkeiten von Routinen

    Die positive Wirkung von Routinen auf die sportliche Leistung ist unbestritten. Das zeigt eine Reihe wissenschaftlicher Arbeiten in verschiedenen Sportarten. Routinen werden dabei zu unterschiedlichen Zwecken eingesetzt, zum Beispiel zur Vorbereitung auf ein Match, aber auch zur Bewältigung von Misserfolgen. 

    Im Allgemeinen unterstützen Routinen Spieler und Spielerinnen dabei, ihre Gedanken zu strukturieren, emotionale Stabilität zu erlangen, ihre Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt zu fokussieren und auf aufgabenrelevante Informationen zu achten. Diese trainierten Verhaltensmuster helfen dabei, die Trainingsleistungen auch unter Wettkampfbedingungen abrufen zu können. So sagt Bill Beswick, der ehemalige Sportpsychologe von Manchester United: “Eine Routine kann definiert werden als eine Reihe von Vor-Leistungs-Verhaltensweisen, die in einem umfangreichen Plan organisiert sind und darauf abzielen, die Leistung zu optimieren.” 

    Praktisches Beispiel für eine Halbzeitroutine im Fußball 

    Nach der Belastung der ersten Spielhälfte ist es zunächst notwendig, dass sich die Spieler gedanklich und körperlich von der ersten Halbzeit lösen. Je nach Spieler muss zuerst einmal der Ärger oder die Freude herausgelassen werden. Im nächsten Schritt sollte dann bewusst auf Ruhe und Entspannung geschaltet werden. Mit einem ruhigen Geist können die Sportler den Anweisungen des Trainers leichter folgen und diese danach umsetzen. Dafür gibt es effiziente mentale Methoden, wo sich die Spieler schnell in einen kohärenten Zustand versetzen können.

    Im letzten Abschnitt steht dann die körperliche und gedankliche Aktivierung im Vordergrund. Die Spieler müssen sich wieder auf die Anforderungen des Matches einstimmen und ihren Erregungsgrad, bis zum Anpfiff, kontinuierlich steigern. 

    Tipp der Weltmeisterin

    Fußball-Weltmeisterin Nia Künzer schreibt in ihrem Buch „Warum Frauen den besseren Fußball spielen“, dass der Sport von Ritualen und Routinen lebt. Dabei zitiert sie auch einen Absatz eines Artikels von mir in der Ausgabe des Sport Business Magazin über die Wichtigkeit von Routinen im Spitzensport. 

    Meine Empfehlung an Sportler ist, sich ihre eigenen individuellen Routinen zu erarbeiten, die ihnen Sicherheit und Vertrauen geben. Gern helfen meine Kolleginnen und Kollegen (zur Übersicht) und natürlich auch ich (zum Profil von Wolfgang Seidl) weiter, wenn konkretes Interesse entsteht.

    Mehr zum Thema:

    Literatur:

    Bill Beswick (2011). Mental gewinnen. Erfolgsfaktoren im Fußball, 69-70

    Nia Künzer, Bernd Schmelzer (2023). Warum Frauen den besseren Fußball spielen, 167

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    Janosch Daul: Coach-the-player

    Ein Jahr lang dokumentierte Janosch Daul von Die Sportpsychologen seine Zusammenarbeit mit der U16 des Fußball-Drittligisten Halleschen FC. Entstanden ist ein besonderer Einblick in die Arbeitswelt der Sportpsychologie. In einer fünfteiligen Serie veröffentlichen wir, wie er seinen sportpsychologischen Input in den Trainings- und Wettkampfalltag eingebracht hat.

    Teil 2: Coach-the-player

    Dieser Bereich bezieht sich auf Coaching- und Beratungsprozesse von Spielern auf der Individual- und Kleingruppenebene. In den ersten sechs Wochen der Zusammenarbeit führte ich zunächst Kennenlerngespräche mit den Spielern in Form eines freiwilligen Angebots meinerseits durch. Mit dem Ziel, sich gegenseitig kennenzulernen, eine Beziehung aufzubauen und inhaltliche Anknüpfungspunkte für eine Zusammenarbeit in dieser Saison zu definieren. Auf dieser Grundlage kamen im Saisonverlauf immer wieder Spieler mit Themen proaktiv auf mich zu. Beispielhaft seien folgende genannt:

    • Umgang mit Druck
    • Umgang mit Emotionen
    • Verbesserung der verbalen und nonverbalen Kommunikation auf dem Feld 
    • mentale Unterstützung in der Rehabilitation
    • Umgang mit Zwangspausen
    • Entwicklung von Führungskompetenzen 
    • Auflösung von Konflikten innerhalb des Teams
    • Videobasierte Reflexion einer Trainingseinheit unter mentalen Gesichtspunkten

    Zudem war es den Trainern wichtig, mich in die Aufarbeitung von Fehlverhaltensweisen mancher Spieler einzubeziehen. Im Rahmen einer Sitzung stellte ich den Trainern des HFC ein Konzept vor, das einen pädagogisch wertvollen Umgang mit einer Fehlverhaltensweise vorsieht. Einen Umgang, der vorsieht, den Spieler sein Verhalten reflektieren zu lassen, um Lernprozesse auszulösen, das eigene Verhalten auf Stimmigkeit zu überprüfen, die Folgen seines Verhaltens im Hinblick auf Trainer und Team reflektieren zu lassen sowie eine aktive Wiedergutmachungsleistung und eine transparente Kommunikation dem Team und Trainern gegenüber vorzubereiten. Angelehnt an dieses Konzept führte ich mit Spielern bei aufgetretenen Fehlverhaltensweisen wie z.B. im Falle wiederholter mangelnder Zuverlässigkeit entsprechende Gespräche. Das Trainerteam und meine Person setzten sich zudem gezielt mit verletzten Spielern auseinander, um über eine bestmögliche Unterstützung und Betreuung des Spielers in der Rehabilitationsphase zu diskutieren – in Form von gemeinsamen Gesprächen mit dem Spieler.

    Auf Auftrag der Trainer entwickelte ich ein Konzept zur Individualförderung der Toptalente des Teams und unterstützte Trainer und Spieler bei der entsprechenden Umsetzung. Im Wesentlichen bestand das Konzept aus den folgenden Schritten:

    • Vorstellung des Angebots gegenüber den als Toptalenten identifizierten Spielern gemeinsam mit den Trainern
    • Durchführung einer beobachtungsbasierten Diagnostik durch die Trainer (u.a. Bereiche Technik & Taktik) bzw. mich (Bereich Psyche)
    • Diagnostikgespräche mit den Spielern & Ableitung von Maßnahmen gemeinsam mit den Trainern
    • gemeinsame Erstellung individueller, auf die Bedürfnisse und Lebenswelt der Spieler angepasster Entwicklungspläne
    • Durchführung

    Für die Umsetzung spezieller, von uns aufgrund fehlender Expertise nicht abzudeckender Wünsche, wie z.B. der Entwicklung spezieller Kraftfähigkeiten, holten wir uns für die Diagnostik und Erstellung entsprechender Krafttrainingspläne in Person des Athletiktrainers unserer Profis, Ken Kaiser, zusätzliche Expertise mit ins Boot. Zudem bekam jedes der Toptalente einen Mentor in Form von meiner Person bzw. der des Cheftrainers an die Seite gestellt, um über den gesamten Prozess hinweg den Spieler eng zu begleiten und zielgerichtet mit ihm im Gespräch zu sein.

    Im Kleingruppenformat führte ich nach Absprache mit dem Trainerteam regelmäßig Leadershipcoachings mit von den Coaches als Leader identifizierten Spielern durch, im Sinne der Entwicklung mentaler Fertigkeiten und Führungskompetenzen. 

    Alle fünf Teile auf einen Blick:

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    EM 2024: Was deutsche Nationalspieler für ein Sommermärchen leisten müssen

    Die Fußball-WM 2006, das sogenannte Sommermärchen, war nicht nur ein sporthistorisches Ereignis. Es war vor allem gesamtgesellschaftlich ein großes, buntes und freudvolles Miteinander. Im Sommer 2024 steht nun das nächste fußballerische Großereignis zwischen Hamburg und München an. Aber wie kann es gelingen, dass diese Veranstaltung wieder ein so ein Fest wie 2006 werden kann? Schließlich steckt der DFB sportlich wie strukturell in einer Krise. Vielleicht der größten Krise seiner Geschichte. Hinzu kommen Kriege, Pandemien und gesellschaftliche Prozesse, die wenig Hoffnung machen, dass 2024 wie 2006 werden kann. Oder doch?  

    Was hat 2006 dazu geführt, dass sich große Teile der breiten Öffentlichkeit von einer sportlichen Veranstaltung so haben mitreißen lassen?

    Dr. Rita Regös

    Antwort von: Dr. Rita Regös (zur Profilseite)

    Die Austragung eines Großereignisses im eigenen Land vereint Mannschaft und Fans im Bestreben, ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Denn eine WM oder EM gewinnt nicht nur die Nationalelf, sondern auch das Land/die Nation und das vor der Haustür, also greifbar nah. 

    Die Vorbereitungen lassen viele ein Stück an diesem Ziel mitarbeiten, sei die Mitwirkung noch so klein, so werden viele Menschen Teil des Weges, was das Interesse und die Vorfreude steigert. Weniger Sport-Interessierte bekommen diese Vorbereitungen und Vorfreude aus der Nähe mit. Medial oder auch durch alltägliche Kleinigkeiten wie Fanartikel, Flaggen, Stammtischgespräche und vor allem durch vorfreudige Mitmenschen, die diese Begeisterung offen zeigen und somit automatisch teilen – all das zieht die Aufmerksamkeit auf das freudvolle Ereignis und lässt infolge viele andere Menschen sich dafür begeistern. Das Gemeinsame, die Nähe, die dadurch gesteigerte Vorfreude und die geteilte Freude spielen bei Sommermärchen eine große Rolle. 

    Antwort von: Klaus-Dieter Lübke Naberhaus (zur Profilseite)

    Bei allen Wünschen nach Diversität und kultureller Vielfalt, ist doch die Zugehörigkeit ein sehr starkes Grundbedürfnis. Wir erleben gerade zu dieser Zeit einen Rückfall der europäischen Idee hin zur Nationalstaaterei oder in noch kleinteiligere Gebilde. Und der Sport stiftet eine Zugehörigkeit, eine nationale Identität. Auf einmal sind wir nicht nur Pabst, nein, wir alle sind “Weltmeister”. Und nicht nur die traditionellen Fans, sondern eine ganze Nation. Nur wenige gibt es, die sich dieser Attraktion entziehen können.

    Zudem haben wir es in allen Bereichen, besonders natürlich medial, mit einer Aufmerksamkeitsfokussierung zu tun. Auch hier können sich nur wenige entziehen, es sei denn, wir meiden Medien. 

    Ob im wirklichen Sinne eine gemeinsame Zielsetzung zu konstatieren gilt, da bin ich mir unsicher. Doch Freude und Erfolge sind natürlich ansteckend, gerade in einem auch vom Wetter her schönen Sommer. Die Sonne trägt die Erfolgswelle, die vom Biergarten zum Public viewing bis ins Wohnzimmer schwappt.

    Und auch das Jahr 2006 war von Auseinandersetzungen geprägt, der Sport lenkt ab, bietet Unterhaltung, zeigt eine andere Form der nationalen Auseinandersetzung, ein wenig der spielerische Teil der römischen Erfindung “Brot und Spiele”.

    Inzwischen gibt es in Europa Krieg. Gefühlt jagt eine Krise die nächste. Kurzum: Die Welt ist eine andere. Dennoch sprechen Bundestrainer Hansi Flick, diverse Nationalspieler und verantwortliche Personen beim DFB immer wieder davon, dass die Europameisterschaft 2024 ein erneutes Sommermärchen werden solle. Wie können Sportler durch ihr Verhalten Euphorie erzeugen, wie funktioniert so etwas? 

    Antwort von: Dr. Rita Regös (zur Profilseite)

    Die (vor)gelebte Leidenschaft von Sportlern für ihren Sport, für den Weg zum Sieg, der oft beschwerlich ist und der leidenschaftliche Wille für den Sieg, erzeugt bei Fans neben Respekt, Mitfiebern, Begeisterung, auch etwas größeres, etwas ganzes, die Euphorie. Zuschauer und Fans sehen und spüren die Bereitschaft von Sportlern, die sich anstrengen, die im entscheidenden Moment alles geben und im Vorfeld, in der Vorbereitung, sich auf sich, auf ihr Ziel und den Sieg konzentrieren. Wenn Sportler also alles auf dieses Ereignis, auf ihr Ziel ausrichten, bedarf es wenig Worte, um andere für den Sport zu begeistern: Jungs tut einfach das, was ihr liebt – aber tut es voller Leidenschaft und voller Einsatz. 

    Antwort von: Anke Precht Precht (zur Profilseite)

    Gerade in Krisenzeiten wünschen sich Menschen, mal ganz von allen Problemen abschalten zu können. Nichts ist leichter, als in einer solchen Zeit Euphorie zu erzeugen – vorausgesetzt, die Leistung stimmt, die Spieler sind mit Leidenschaft dabei und gehen über sich hinaus. 

    Klaus-Dieter Lübke Naberhaus

    Antwort von: Klaus-Dieter Lübke Naberhaus (zur Profilseite)

    Da mag ich durchaus mal kritisch mit dem Philosophen Friedrich Nietzsche antworten: “Irrsinn ist beim Individuum etwas seltenes, in der Masse kommt er jedoch regelmäßig vor.” Euphorien lenken von alltäglichen Sorgen und Problemen ab. Dass heute alles anders ist, sehe ich nicht. Sport war schon immer dazu geeignet von den Krisen der Politik, zu denen auch Kriege zählen, ablenken zu wollen und nationale Identität zu stiften.

    Zugehörigkeit, Identität und Erfolg gehen mitten ins Herz. Emotionen und Bedürfnisse werden unmittelbar bedient und können zu Rauschzuständen führen. Und dann ist auch der Irrsinn nicht mehr weit, den der Sport doch oftmals in friedlichere Bahnen lenken kann.

    Von Rauschzuständen ist der deutsche Fußball weit entfernt. Die Fußball-Nationalmannschaft funktioniert seit mehreren Jahren nicht mehr, wie das frühe Turnierausscheiden bei den WM`s 2018 und 2022 sowie der EM 2021 belegen. Nun kommt der Erwartungsdruck eines Heim-Turnieres noch oben drauf. Wo ließe sich ansetzen, um die Wahrscheinlichkeit eines neuen Sommermärchens zu erhöhen? 

    Anke Precht

    Antwort von: Anke Precht Precht (zur Profilseite)

    Dass die Nationalmannschaft in den letzten Jahren nicht gut funktioniert hat, sagt wenig aus über das, was 2024 passieren wird. Auch wenn einige Spieler bleiben werden, so wird es doch eine neue Mannschaft sein, mit neuen Spielern, neuen Impulsen und einer neuen Struktur. Prognosen sind im Fußball weniger verlässlich als die Wettervorhersage, in kaum einem Sport sind schon so viele Favoriten gescheitert, und selten konnte man von einem Jahr auf das nächste schließen. Wir haben hervorragende Spieler, und ein einziger Funke kann dazu führen, dass die gesamte Mannschaft brennt. Gelingt es, aus den Spielern, die Teil der Mannschaft sein werden, ein echtes Team zu formen, in dem sich jeder Einzelne ohne Aber für das Gesamte einsetzt und ein gemeinsamer Flow entsteht, wird ein neues Sommermärchen möglich. Ich gehe davon aus, dass das Spielen im eigenen Land dazu beitragen wird, dass etwas Besonderes passieren kann

    Antwort von: Dr. Rita Regös (zur Profilseite)

    Fans freuen sich beim Fußball auf nichts anderes als auf gute Spiele: auf Tore, auf taktisch kluges Spielen und auf eine Mannschaft, die bis zum Abpfiff um den Sieg kämpft. Signalisiert die Nationalelf samt Umfeld im Vorfeld, dass genau das ihr Anliegen und ihr Ziel ist und dass sie sich entsprechend fokussiert auf ein gutes Spielen und auf Siegen vorbereitet, werden die Fans diesen Weg wohl gern bis zum Abpfiff mitgehen.

    Um es mit Tennis-Worten zu sagen: „Ich wusste natürlich, dass das Match historisch wird, aber ich habe versucht, meine Aufmerksamkeit und meine Gedanken auf die bestmögliche Vorbereitung und auf den bestmöglichen Weg zu gewinnen, zu fokussieren. In der Vorbereitung hat mein Umfeld eine Blase um mich herum gebaut und wir haben einen guten Job gemacht, um im Hier und Jetzt zu bleiben – just performing as good as we wanted to.“ (Novak Djokovic, Juni 23).

    Antwort von: Klaus-Dieter Lübke Naberhaus (zur Profilseite)

    Ich bin da etwas skeptischer als meine Vorrednerinnen. Es ist sicherlich schwer vorhersagbar, was passieren kann. Und natürlich stellt die EM im eigenen Land die Möglichkeit für ein neues Sommermärchen dar. Doch gerade ich selbst und viele in meiner Umgebung haben sich vom Fußball abgewandt. Dies hat viele Gründe, von der Distanzierung zu einem immer unmenschlicher werdenden Geschäft, vom “modernen Menschenhandel”, riesigen Erwartungshaltungen und pschischem Druck, über die wenig begeisternden Leistungen der Nationalmannschaft bis hin zu einer vielleicht alterbedingten Distanzierung vom Leistungssport überhaupt.

    Damit will ich sagen, dass diese Nationalmannschaft 2024, egal wie sie aussehen wird, es im Vergleich zu 2006 deutlich schwerer haben wird, den Funken zu entzünden. Und doch kann es über gute Leistungen und Erfolg die Möglichkeit geben. Denn der Wunsch nach Zugehörigkeit, Identität und Ablenkung ist nach der Pandemie und während des Ukraine-Konfliktes sicherlich mindestens genauso groß wie 2006.

    Doch dazu braucht es eine Mannschaft, die ein gemeinsames Ziel hat, nämlich das Feuer in sich zu entfachen, Leidenschaft zu leben und nach außen zu tragen, damit der Funke überspringen kann. Dieses Feuer, diese Leidenschaft konnte ich in den letzten Jahren selten im deutschen Nationalteam entdecken.

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    Frage und Antwort: Angst an den Geräten im Kunstturnen

    Uns erreichen in der Rubrik “Frage und Antwort” auffällig viele Fragen aus dem Kunstturnen. Erst kürzlich meldete sich eine junge Sportlerin, die immer wieder Bewegungsausführungen abbricht, die sie eigentlich beherrscht. “Irgendwann hat es einfach angefangen, dass ich mich nicht mehr über den Sprungtisch getraut habe und immer davor die Ausführung abbreche. Genau dasselbe Spiel ist es beim Rad am Balken. Es ist so weit gekommen, dass ich mich nicht mehr traue, es zu machen.” 

    Mehr zum Thema: Ängste überwinden

    Im Netzwerk Die Sportpsychologen haben wir zahlreiche Experten und Expertinnen, die einiges an Erfahrungen im Umgang mit vergleichbaren Themen haben. Thorsten Loch (zum Profil), Anke Precht (zum Profil) und Klaus-Dieter Lübke Naberhaus (zum Profil) haben sich der konkreten Frage angenommen: Wie kann ich es hinkriegen, ohne Angst neue Dinge auszuprobieren und alte Bewegungen wieder ohne Zweifel umzusetzen?

    Thorsten Loch

    Antwort von: Thorsten Loch (zum Profil)

    Hallo Lisa (Name von der Redaktion geändert),

    vielen lieben Dank für deine Anfrage. Aus der Ferne ist es natürlich schwer, eine für dich perfekte Antwort zu finden. Jedoch würde ich dir gern ein paar Dinge mit auf den Weg geben wollen, um mit deiner Situation besser umgehen zu können. 

    Zuerst möchte ich dich ein wenig beruhigen, denn solche “Blockaden” kommen immer wieder vor. Sicherlich kennst du auch jemanden aus deinem Bekanntenkreis, bei dem plötzlich eine Blockade aufgetreten ist und das zuvor sichere Element klappt nicht mehr bzw. es wird immer wieder abgebrochen. Wichtig ist jedoch herauszufinden, weshalb dieses Phänomen bei dir aufgetreten ist? Hierzu gibt es verschiedene Möglichkeiten, aber ein “typische” Ursache für deinen Altersbereich hat etwas mit der Pubertät zu tun. In dieser Altersspanne findet eine körperliche Veränderung statt. Während Mädchen und Jungen sich vor der Pubertät körperlich etwa gleich entwickeln, ändert dies sich in jener Phase gravierend. Hier ist vor allem ein deutlicher Wachstumsschub zu beobachten. Das Wachstum der einzelnen Körperteile verläuft dabei asynchron. Das bedeutet, dass viele Jugendliche, insbesondere Jungen, oft einen unproportionalen, schlaksigen Eindruck machen, da zuerst die Gliedmaßen, Hände, Füße und anschließend Arme, Beine und zuletzt der Rumpf wachsen. Das hat zur Folge, dass der Jugendliche in räumlicher und zeitlicher Hinsicht seine Bewegungen neu anpassen muss. Durch die neuen Hebelarme (u.a.) passen die gewohnten Abläufe nicht mehr zu deinen Elementen und klappen somit nicht mehr. Hierdurch ergibt sich möglicherweise eine Verhaltensunsicherheit, denn du konntest es ja sonst… 

    Jedoch ist diese Unsicherheit auf die motorischen Ungeschicklichkeiten zurückzuführen. Hier kann dir das sogenannte mentale Training helfen. Dadurch wird es dir möglich, dein bisheriges Bewegungsmuster neu zu lernen bzw. zu adaptieren. Hier kann dir auch dein Trainer/deine Trainerin helfen, indem sie technische Tipps geben. Auf unserer Seite findest du noch weitere Artikel, die sich im Detail mit dem mentalen Techniktraining beschäftigen. Ich hoffe ich konnte dir ein wenig weiterhelfen, andernfalls melde dich gerne bei meinen Kollegen oder direkt bei mir. 

    Anke Precht

    Antwort von: Anke Precht (zum Profil)

    Liebe Lisa (Name von der Redaktion geändert), Thorsten hat schon darauf hingewiesen, dass mentales Training helfen kann. Dafür stellst du dir die Bewegungsabläufe so vor, wie sie optimal laufen sollen. Das tust in leichter Entspannung, zum Beispiel abends direkt vor dem Einschlafen, wenn du eh schon ein bisschen müde bist. Aber: Tu es, als wärst du eine Zuschauerin, die Lisa dabei beobachtet, wie sie die Elemente perfekt turnt. 

    Beobachte ihre Bewegungen, aber auch Kleinigkeiten wie ihren Gesichtsausdruck, wenn sie sich fokussiert oder sich über das super geturnte Element freut, wirklich jede klitzekleine Kleinigkeit. Tu das jeden Abend, so lange, bis der “Film” ganz einfach und selbstverständlich abläuft. Nun kommt die zweite Phase des mentalen Trainings: Du stellst dir vor, wie du selbst diese Elemente turnst, und zwar genauso, wie du es dir vorher als Beobachterin vorgestellt hast. Jetzt bist du die Turnerin, die das perfekt macht und der es gut gelingt. Du stellst dir vor, wie dein Gesicht aussieht, wenn du dich fokussierst. Du achtest auf alle Kleinigkeiten, die vorher schon Teil deines “Films” waren. Und auch das machst du jeden Tag, so lange, bis du es fühlen kannst, und vor allem: bis es sich gut und natürlich und selbstverständlich anfühlt. Das hilft dabei, die Bewegungsabläufe im Körper gut vorzubereiten und gibt dir ein neues Gefühl der Sicherheit.

    Zweitens: Vermeide, solange das Problem noch nicht vollständig gelöst ist, mit vielen Leuten darüber zu reden. Denn das gibt ihm Raum und macht es wichtiger als es ist – nämlich eine Phase, die dir ermöglicht, mental stärker zu werden und auch schwierige Elemente gut zu turnen, selbst wenn die alte Unbefangenheit nicht mehr da ist. Das ist in Ordnung, und es ist jetzt wichtig, dass du dich auf die Lösung konzentrierst, anstatt dich mit dem Problem im Kreis zu drehen.

    Drittens: Atemübungen, die das vegetative Nervensystem beruhigen, können vor der praktischen Durchführung helfen – denn in einem gelassenen entspannten Körper gibt es keine Angst. Das ist wirklich so: Schaffst du es, den Stress aus dem Körper zu holen, ist auch die Angst weg – automatisch! Versprochen! Wie du das machen kannst? Zum Beispiel:

    1. komplett ausatmen, bis die Lunge ganz leer ist. Atme durch den Mund aus und mach dabei ein Geräusch
    2. durch die Nase zügig einatmen
    3. 4 Sekunden lang die Luft anhalten

    Diese Etappen wiederholst du drei Mal.

    Klaus-Dieter Lübke Naberhaus

    Antwort von: Klaus-Dieter Lübke Naberhaus (zum Profil)

    Nachdem dir Thorsten und Anke schon viele Seiten deiner Herausforderung aufgezeigt haben und wie du damit umgehen kannst, möchte ich dich noch in einem weiteren Punkt begleiten. 

    Du schreibst, dass es irgendwann einfach angefangen hat. Das passiert jedoch meist durch ein auslösendes Ereignis, dass oft auch gar nichts mit dem Sport zu tun haben muss und dir vielleicht auch gar nicht bewusst ist.

    Wenn du dich zurück zum Anfang begibst, zum ersten Mal, als diese “Angst” auftrat, kann in diesem Zeitpunkt der Ansatz für eine Lösung liegen. Doch dabei ist es hilfreich Begleitung zu haben, die dich auf diese Reise zurück in die Vergangenheit führt.

    Denn das Auftreten von Angst ist oftmals sinnvoll und hilfreich, sie will uns zeigen, dass da etwas Bedrohliches ist. Auf der anderen Seite beginnt sie in unserem Kopf, so dass wir manchmal Dinge, Situationen und Menschen mit Bedrohung verknüpfen, obwohl wir keinen Grund zur Furcht haben.

    Wenn du das für dich herausgefunden hast, dann kann es sein, dass dieses Thema schon erledigt ist. Ansonsten sind die Hinweise von Anke und Thorsten sehr hilfreich. Vor allem die Aktivierung des Teiles des Nervensystems, das der Angst entgegenwirkt, ist dabei besonders effektiv. Dies kannst du durch die Atmung aktivieren, wie dir Anke gezeigt hat, oder durch eine Phantasiereise zu einem ruhigen, sicheren Ort, an dem du dich wohl fühlst. Dabei schließt du die Augen und reist auf deine ganz eigene Art und Weise dorthin.

    Stellst dir vor, wie es dort aussieht, vielleicht ein Platz in der Natur, eine Insel oder auch ein ganz anderer Phantasieort. Du hörst, was es dort zu hören gibt, das Rauschen von Wasser, das Summen von Insekten oder etwas ganz anderes und fühlst vielleicht den Wind, die Sonne auf der Haut oder andere Einwirkungen. Und immer, wenn deine Gedanken woanders hinwollen, kannst du deine Aufmerksamkeit auf deinen Atem richten und zum sicheren Ort zurückkehren.

    Gerne helfen meine Kollegen und ich dir, wenn du Begleitung auf diesem Weg benötigst.

    Ich wünsche dir ein gutes Gelingen und viel Spaß in der Bewegung.

    Deine Frage?

    Wir von Die Sportpsychologen sind für dich da. Und weil wir wissen, dass manchmal eine kleine Schwelle im Weg steht, Kontakt zu einem “Psychologen”, einer “Psychologin” oder einer/einem “MentaltrainerIn” zu suchen, machen wir einen Schritt auf dich zu. Wenn du also auch eine Frage an uns loswerden möchtest, dann nutz dafür das folgende Formular.

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