Dr. Christian Reinhardt: Wir müssen zukünftig auch Funktionäre erreichen

Das asp-Präsidium, das Führungsgremium der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie in Deutschland, hat sich Mitte Mai personell neu aufgestellt. Von Die Sportpsychologen ist neben dem neuen Präsidenten Prof. Dr. Oliver Stoll nun auch Dr. Christian Reinhardt mit auf der Kommandobrücke des Berufsverbandes. Der Langenfelder (Rheinland) verfügt über umfangreiche sportpsychologische Erfahrungen im Fußball und Kampfsport, arbeitete mehrere Jahre als Geschäftsführer des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt und berät zahlreiche Wirtschaftsunternehmen und Agenturen. Im Kreis des asp-Präsidiums ist er für den Bereich Fußball zuständig.

Zum Thema: Sportpsychologie im Fußball 

Dr. Christian Reinhardt, fangen wir mit einer klassischen Abschlussfrage an: Wo soll die Sportpsychologie im Fußball in fünf Jahren stehen?

Da, wo sie andernorts schon vor fünf Jahren gestanden hat. So muss einerseits der wissenschaftliche Konsens, dass die Sportpsychologie eine wichtige Komponente sportlicher Höchstleistungen darstellt, auf allen Ebenen in Lizenzvereinen angekommen sein. Andererseits ist es wichtig, dass auch die Inanspruchnahme sportpsychologischer Betreuung so „normal“ und selbstverständlich ist, wie das in bspw. in Nordamerika in fast allen Sportarten der Fall ist. 

Welche Meilensteine hat die Sportpsychologie im Fußballbereich bislang bereits erreicht? Worauf lässt sich also in der Verbandsarbeit aufbauen? 

Das Bild im Fußball wird oft sehr negativ gezeichnet. Unwissenheit, Ressentiments, ein Arbeiten im Schatten. Das wird der bisherigen Entwicklung nicht gerecht. Man darf nicht vergessen, dass z.B. Hans-Dieter Hermann ein fester Bestandteil des Sommermärchens war und es seitdem völlig normal ist, dass er die Nationalmannschaft betreut. Es gibt sehr progressive Vereine, die hervorragende sportpsychologische Betreuungssysteme etabliert haben. In der Zertifizierung der Nachwuchsleistungszentren (NLZ) ist die Sportpsychologie verankert. Es gibt eine jährliche Fortbildung der an den NLZ arbeitenden Sportpsychologen. Beim DFB und der DFL hat Babette Lobinger, die auch zum Lehrpersonal innerhalb der Trainerausbildung des DFB gehört, die Sportpsychologie nachhaltig verankert. Nicht zuletzt wurde mit die-sportpsychologen.de ein Portal geschaffen, dass inzwischen in der Fußballlandschaft sehr bekannt und vor allem auch akzeptiert ist. 

Gibt es Zielgruppen im System Profi-Fußball, die in Zukunft verstärkt angesprochen werden sollen oder zu denen vielleicht erstmalig Kontakt gesucht wird? Wo siehst du, auch mit deiner praktischen Erfahrung, noch Aufklärungsbedarf im Fußballzirkus hinsichtlich der Sportpsychologie? 

Aufklärungsbedarf wird es grundsätzlich immer geben. Das liegt in der Natur der Sache und betrifft nicht nur die Sportpsychologie. In Ergänzung des bisherigen Ansatzes, wird es aus meiner Sicht wichtig, abseits des direkten sportlichen Wirkens auch Funktionäre anzusprechen. Sie sind die Entscheider und statistisch länger im Verein als Trainer und haben somit die Möglichkeit, langfristig und systematisch zu arbeiten. 

Wie viel Einfluss – und wo konkret – kann die asp eigentlich gegenüber dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) auch mit seinen Landesverbänden sowie der Deutschen Fußball Liga (DFL) mit den angeschlossenen Nachwuchsleistungszentren ausüben?

Die asp arbeitet schon seit längerem mit der DFL und dem DFB erfolgreich zusammen. Ich bin davon überzeugt, dass diese Zusammenarbeit auch in Zukunft fortgesetzt wird. Der DFB plant gemeinsam mit der DFL im Rahmen des Projekts Zukunft umfangreiche Reformen in der Nachwuchsförderung. Hier ist die asp sicherlich ein wichtiger Partner.

Bei einigen Fußball-Bundesligisten tummeln sich auch aktuell wieder einige Reflexionstrainer oder Persönlichkeitsentwickler, die sich nicht in der BiSp-Datenbank finden lassen, also mutmaßlich nicht den Qualitätskriterien der asp entsprechen. Was spricht eigentlich dagegen, ähnlich wie auf NLZ-Level die personelle Verankerung der Sportpsychologie in den Profi-Vereinen verbindlich zu gestalten? 

Aktuell wissen nicht alle Verantwortlichen, wie sich Qualität beurteilen lässt. Es ist unsere Aufgabe, diese Information zu liefern. Insofern sehe ich mehr die Aufklärung und insbesondere die Etablierung der Marke asp als entscheidenden Faktor für ein Qualitätsmanagement in diesem Bereich. Die Auflage einen Sportpsychologen zu beschäftigen, der in der BiSp-Datenbank zu finden ist, würde wahrscheinlich wenig Verständnis für die Sportpsychologie und das BiSp schaffen. Den exzellenten Ruf, den die asp im Bereich der Wissenschaft genießt, muss sie in Zukunft auch bei Vereinen und Verbänden erlangen. Dann werden Vereine automatisch auf die asp und die Experten aus der BiSp-Datenbank zurückgreifen.

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