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Dunja Lang: Das Olympia-Drama um Lindsey Vonn – Über den Umgang mit Risiko und Fokus im Spitzensport

Cortina d’Ampezzo, 8. Februar 2026. Es ist die olympische Abfahrt der Frauen, die „Königsdisziplin“ auf der legendären Tofana-Piste. Die Stimmung ist elektrisierend, als Lindsey Vonn mit der Startnummer 13 aus dem Starthaus geht. Nur 13 Sekunden später weicht die Euphorie einem kollektiven Schock. Vonn verliert bei Höchstgeschwindigkeit die Kontrolle, stürzt brutal und bleibt regungslos liegen. Schmerzensschreie sind über die Mikrofone zu hören. Dann folgt eine quälend lange Stille, bis der Rettungshubschrauber über der Piste kreist. Es ist das abrupte Ende einer Mission, die schon im Vorfeld die Sportwelt gespalten hat.

Dieser Sturz markiert den Endpunkt einer hochemotionalen Debatte über Ehrgeiz, Risiko und die Grenzen des menschlich Machbaren. Erst eine Woche zuvor, am 30. Januar, verunglückte Vonn in Crans-Montana schwer. Die Diagnose: ein frischer Kreuzbandriss und eine Meniskusverletzung im linken Knie. Dass sie heute dennoch am olympischen Startgatter stand, mit 41 Jahren und einer Teilprothese im anderen Knie, empfinden viele als reinen Wahnsinn, andere als den ultimativen Ausdruck eines Champion-Geistes.

Zum Thema: Ein schmaler Grat – Ambition vs. Selbstgefährdung

Einerseits ist dieser unbändige Wille bewundernswert. Lindsey Vonn ist zweifellos eine Ausnahmeathletin, die ihren Sport und ihre Vorbereitung bis ins kleinste Detail professionalisiert hat. Dass sie nach so vielen Rückschlägen immer wieder zurückkam, zeugt von einer mentalen Souveränität und Willensstärke, die ihresgleichen sucht. Im technischen Hochleistungssport ist das Risiko zudem systemimmanent. Ob beim Ski Alpin, beim Skispringen oder im Reitsport – wer bei Olympischen Spielen eine Medaille gewinnen will, darf nicht nur „mitfahren“. Gold verlangt oft den Gang an die physikalische Grenze.

Andererseits stellt sich die Frage nach der inneren Stimmigkeit. Wurden der olympische Traum, das bewusste Wollen, in diesem Fall so in den Vordergrund gestellt, daß die Signale des Körpers zu wenig Gehör fanden? Es bleibt Spekulation, wie sehr der Unfall vom 30. Januar und die Vorschädigung in den Knien in den heutigen Sturz hineingespielt hat. 

Fakt ist: Vonn blieb mit dem Arm an einem Tor hängen – ein Fahrfehler aufgrund einer zu eng gewählten Linie. Doch genau hier beginnt die psychologische Relevanz: Alles, was Kopf und Körper im Vorfeld beschäftigt – Schmerzen, Zweifel, der enorme mediale Druck –, kann unbewusst den Fokus trüben. Wenn der mentale „Arbeitsspeicher“, egal ob bewusst oder unbewusst, mit der Bewältigung einer Vorverletzung belegt ist, fehlt er für die Millisekunden-Entscheidung bei 130 km/h. Und der Körper kann mit dieser Vorgeschichte nicht das Gleiche leisten. 

Risiko ist nicht gleich Risiko: Von der „Nähmaschine“ bis zum Kontrollverlust im Sattel

Interessanterweise zeigt sich das Thema Risiko auch in Disziplinen, die weniger offensichtlich gefährlich wirken. Im Biathlon kann eine falsche Renneinteilung zu einer physiologischen Überlastung führen, die sich am Schießstand rächt. Wenn der Puls in den falschen Bereich gerät, setzt die sogenannte „Nähmaschine“ ein – ein unkontrolliertes Zittern der Beine, das präzises Schießen unmöglich macht. Das Risiko ist hier der Kontrollverlust über das eigene System unter Druck.

Genauso zeigt sich dieses Phänomen im Reitsport. Wenn eine Reiterin überaktiviert ist, zu viel von sich und dem Pferd will und sich massiv unter Druck setzt, entstehen sofort Anspannung und ein belastendes Gedankenkarussell. Das rächt sich beim Reiten unmittelbar, da der Fokus nicht mehr zu 100 % beim Pferd ist. Die Reaktionen werden zu langsam oder unpräzise. Eine falsche Entscheidung vor einem Sprung oder eine zu klamme Muskulatur können dazu führen, dass die Hilfengebung das Pferd im letzten Moment irritiert. Im Springreiten kann das zu schweren Stürzen führen, in der Dressur bricht die Harmonie weg, was sich sofort in Fehlern und schlechten Wertnoten niederschlägt. Das Pferd als „Biofeedback-Verstärker“ spiegelt diesen inneren Zustand der Reiterin sofort wider.

Sporthypnose: Ein Baustein für professionelles Risikomanagement

Auch für Athleten, die bereits ein hochprofessionelles Setup haben, können spezialisierte Methoden wie die Sporthypnose einen wertvollen Beitrag leisten. Es geht nicht darum, Gefahren auszublenden, sondern das Risikomanagement weiter zu professionalisieren. In meiner Arbeit nutze ich dafür oft eine Technik, bei der der Wettkampf im Vorfeld konkret wie im Live-Erleben simuliert wird. Jeder Meter der Abfahrt, jede Linie im Parcours wird mental so tief verankert, dass sie unter Druck automatisch abgerufen werden kann. Der unmittelbare Nutzen, Kopf und Körper sind besser synchronisiert und der Kopf ist freier im Denken.

Durch diese Simulation können zudem Risiken vorab erkannt und der flexible Umgang mit ihnen trainiert werden – man installiert quasi mentale „Wenn-Dann-Schleifen“. Ziel ist ein Fokus, der keine Lücke für unbewusste Ablenkungen lässt. Alles, was Kopf und Körper im Vorfeld beschäftigt, kann den Fokus trüben. Eine professionelle Begleitung hilft dabei, diese unbewussten Prozesse so zu ordnen, dass der „mentale Scheinwerfer“ auch unter höchster Belastung stabil auf der Ideallinie bleibt.

5 Tipps für Sportler und Trainer im Umgang mit Risiko und Fokus

  1. Ehrliche Bestandsaufnahme: Klär regelmäßig für dich: Steht das bewusste „Ich will“ im Einklang mit dem, was dein Körper und dein Unbewusstes signalisieren? Gibt es ein klares Signal auf allen Ebenen “Ich bin bereit!”? Ein ungelöster innerer Konflikt ist oft der größte Fokus-Killer.
  2. Prozess- statt Ergebnisziele: Wenn du dich zu sehr auf die olympische Medaille oder die Platzierung fixierst, erzeugst du oft unnötigen zusätzlichen Druck. Der Fokus auf die Linie, deine Atmung oder den Rhythmus (Prozess) hält dich im Hier und Jetzt handlungsfähig – und den optimalen Fokus kann man mit Sporthypnose trainieren und erreichen.
  3. Mentale Simulation etablieren: Nutze Techniken, um den Ablauf eines Wettkampfes/ einer Prüfung multisensorisch vorzuplanen. Je vertrauter dein Gehirn mit der Situation ist, desto weniger Energie verbraucht es unter Druck für Stressreaktionen.
  4. Frühwarnsysteme für den Fokus: Lerne zu erkennen, wann dein Fokus „trübe“ wird. Alles, was im Vorfeld nicht optimal verarbeitet wurde (Verletzungen, Kritik), bindet Ressourcen. Hier hilft ein gezieltes Hinterfragen deiner eigenen mentalen Muster und ggf. Bearbeiten vorheriger negativer Erfahrungen, egal ob physisch oder psychisch.
  5. Regeneration als Leistungsteil: Ein erschöpftes Nervensystem kann keine Präzision liefern. Plane mentale Erholungsphasen genauso fest ein wie dein physisches Training. Nur ein regeneriertes System erlaubt den „Tunnelblick“, den du für Bestleistungen brauchst. Auch für die schnellere Regeneration gibt es viele gute mentale Tools.

Fazit: Den Fokus meistern

Der Fall Lindsey Vonn bei Olympia führt uns vor Augen, wie schmal der Grat zwischen Triumph und Tragödie im Spitzensport ist. Ich wünsche Lindsey und allen anderen Athletinnen und Athleten, die bei diesen Spielen oder anderswo Stürze und Verletzungen erlitten haben, eine schnelle und vollständige Genesung sowie viel Kraft für den Weg zurück!!

Ein Comeback nach einem Sturz oder einer Verletzung fängt im Kopf an. Wie man nach Verletzungen mental und körperlich gestärkt zurückkehrt, habe ich in meinem Beitrag zum Thema „Comeback stronger“ beschrieben.

Wenn du Fragen zu diesen Themen hast oder Unterstützung für dein eigenes Risikomanagement suchst, nimm gerne persönlich Kontakt mit mir auf. Gemeinsam schauen wir, wie du deinen Fokus stärken und dein Risiko optimal mental steuern kannst.

Radio-Beitrag zum Thema vom SWR mit Dunja Lang:

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Klaus-Dieter Lübke Naberhaus: Viele Sportler könnten nach Verletzungen früher in Training und Wettkampf zurückkehren

Eine Verletzung wirft jeden Sportler und jede Sportlerin zurück. Oft geht es im Sport dann nur um die körperliche Ebene. Alles andere bleibt oft liegen oder im Hintergrund. Aber genau hier sieht Klaus-Dieter Lübke Naberhaus, der seit Jahren im Deutschen Handball-Bund die weiblichen Nationalteams als Sportmediziner betreut und den Leistungssport aus mehreren Perspektiven kennt, eine Menge Potential. Am Samstag, den 21. Februar 2026, rückt er in seinem Workshop-Teil unseres Events “Muscle & Mind – Sicher begleitet zum Comeback” Traumata im Sport in den Fokus (jetzt letzte Tickets buchen, direkt zur Anmeldung).

Zum Thema: Traumata im Sport

Klaus, worum geht es in deinem Workshop (Was verbirgt sich im Keller? Traumata im Sport)?

Negative Erlebnisse, chronische Belastungen bis hin zu Traumata werden oft nicht bewusst wahrgenommen, psychologisch gesprochen, verdrängt oder mit anderen Mechanismen unbewusst abgewehrt. Vergleichbar mit den Dingen, die in einem Keller des Hauses gelagert und oft vergessen werden.

Wir wollen die Mechanismen der Verletzung von Körper, Geist und Seele, also ganzheitlich betrachtet vom System Mensch, bewusst machen. Dann ein Verständnis dafür schaffen, was dort psychologisch passiert und wie wir damit umgehen können und wann auch professionelle Hilfe notwendig ist, die über die Begleitung eines Sportpsychologen, Arztes und Physiotherapeuten hinausgeht.

Programm

Keynotes:

  • Kathrin Seufert: „Das wankende Haus: Verletzungen und Traumata als Erschütterung der Identität“
  • Prof. Dr. Andreas Schlumberger: „Was tun, wenn einzelne Steine aus der Mauer rausbrechen?“
  • PD. Dr. med. Christophe Lambert: „Wie wichtig ist die mentale Fitness für RTC (Return to competition)?“

Workshops:

  • Klaus-Dieter Lübke Naberhaus: Was verbirgt sich im Keller? Traumata im Sport
  • Kathrin Seufert: Trotz Baustelle, gedanklich schön und effizient wohnen
  • Ben Mansour/Tim Insberg /Yannik Adams (Sportwissenschaft): Return to competition (RTC) und seine Hürden
  • Klaus-Dieter Lübke Naberhaus und Philippe Müller: Fundamente stärken, Mauern sanieren, das Dach neu decken: Reha ganzheitlich gedacht
  • Michael Bröckelmann: Grenzen der Heilungsbegleitung 
  • Prof Dr. Oliver Stoll: In der Küche, im Wohnzimmer, im Flur – Welches Maß an Nähe und Distanz ist dir wichtig, um über Verletzungen zu sprechen
  • Philippe Müller: Starke Mauern bauen: Verletzungen vorbeugen
  • Kathrin Seufert und Prof Dr. Oliver Stoll: Trotz Baustelle, gedanklich schön und effizient wohnen

Podiumsdiskussion:

  • u.a. mit Miriam Butkereit (Silbermedaille Olympia 2024 in Judo)

Warum ist es aus deiner Sicht wichtig, dass die Sportpsychologie auch in der Prävention mitgedacht wird?

Wie begründet sich die Notwendigkeit dieser zusätzlichen Perspektive?

Aus den eher negativen Erfahrungen, dass gerade bei den “rein körperlichen Verletzungen” die Sportler mit der psychologischen Verarbeitung dieser Verletzung alleine gelassen werden, weil nur der körperliche Aspekt gesehen wird, die Sportler ihn oft auch selbst nur isoliert sehen und sich manchmal wundern, weshalb der Prozess zur Rückkehr in den Sport nicht vorangeht, obwohl die Ärzte sagen, dass physisch alles wieder in Ordnung ist.

Warum ist es aus deiner Sicht grundsätzlich wichtig, dass die Sportpsychologie auch im Rehabilitationsprozess nach Sportverletzungen mitgedacht wird?

Eben aus den oben genannten Phänomen, dass die Sportler nicht ganzheitlich betrachtet werden und vielen nicht bewusst ist, dass bei jeder physischen Verletzung auch die Psyche betroffen ist, dass diese beiden Begriffe nur Bezeichnungen für die Teile eines Systems sind.

Und weil viele Sportler früher zurück in den Sport und Wettkampf kommen könnten, wenn sie von einem Team aus Physiotherapeuten, Arzt, Sportpsychologen, Athletiktrainer und Trainer in ihrem Prozess begleitet werden.

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Harold Kreis: “Unser Ziel ist das bestmögliche Ergebnis”

Das Olympische Eishockeyturnier wird eines der Highlights der Spiele 2026 in Italien, so sind sich alle Experten und Expertinnen einig. Der Grund: Beim Turnier in Mailand laufen für alle NHL-Stars der teilnehmenden Nationalteams auf. Bundestrainer Harold Kreis kann also ein Team um Weltstar Leon Draisaitl bauen und sieht sich vor dem Turnier mit großen Erwartungen konfrontiert. Kurz vor der Abreise nach Italien hatte Prof. Dr. Oliver Stoll den Bundestrainer der DEB-Auswahl in seiner heimischen Küche zu Gast. Es ging um Leistungsdruck, Vorfreude, die Zimmerbelegung, olympische Ablenkungen und Floorball, den kleinen Bruder des Eishockeys. Und natürlich um Ziele.

Zum Thema: Ziele, Rollen und Motivation im Eishockey

In einer schwierigen Situation steckt Kreis schon vor dem Beginn des Olympischen Turniers. Denn sobald die acht Nordamerika-Akteure der DEB-Auswahl in Mailand ankommen, muss der Bundestrainer acht Spieler nach Hause schicken. Acht Spieler, die bis dahin die Vorbereitung absolviert haben und für die der Traum vom Olympischen Turnier platzt. Im Interview erklärt Kreis, wie im Team mit dieser Situation umgegangen wird. 

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Weitere Informationen

Prof. Dr. Oliver Stoll und Harold Kreis kennen und schätzen sich seit Jahren. So kam auch das Treffen in der Küche des Leipziger Sportpsychologen zustande. Im Kreis des Nationalteams war Stoll wiederum noch nicht aktiv – für den DEB ist Dr. Tom Kossak im Umfeld des Nationalteams und der Junioren im Einsatz. Insofern gelingt es Stoll, aus einer  Außenperspektive auf die bevorstehenden Herausforderungen zu blicken. Im Interview macht er den Umgang mit der Erwartungshaltung der Öffentlichkeit zum Thema und geht auf den “Zauber der Spiele” ein, der sich im Olympischen Dorf durch die Präsenz diverser Sportstars anderer Disziplinen schon einmal auswirken kann. Dazu stellt Stoll, der als Sportpsychologe die deutsche Floorball-Nationalmannschaft betreut, interessante Parallelen zwischen Eishockey und der artverwandten Sportart Floorball zur Diskussion (zum Interview).

Im Hintergrundgespräch macht Kreis deutlich, dass auch er sich persönlich auf einen besonderen Wettbewerb freut. Kreis: “Es wird ein phantastisches Turnier”. Als DEB-Spieler nahm er selbst an den Olympischen Spielen 1984 in Sarajevo und 1988 in Calgary, also in seiner kanadischen Heimat, teil. Seine Rolle sieht er nun als Trainer vor allem darin, den Rahmen für das richtige Miteinander im Team zu setzen. Wichtig ist ihm der Anspruch, gemeinsam gutes Eishockey zu spielen, etwas miteinander zu erleben und nicht zuletzt auch Spaß zu haben. Die Gefahr, dass es zwischen den NHL- und DEL-Profis nicht passen könnte, sieht er nicht. Kreis: “Wir wissen von unseren NHL-Spielern, dass sie so viel wie möglich DEL-Matches schauen. Sie sind wirklich gut informiert und nicht selten verbindet die Spieler durch eine gemeinsame Vergangenheit, etwa in unseren Jugendnationalteams, auch gute Freundschaften.”    

Kreis gilt als Freund der Sportpsychologie und stellt heraus, dass es ihm gerade das Modell der Selbstbestimmungstheorie angetan habe. Demnach – oder besser nach Edward L. Deci und Richard M. Ryan – werde menschliches Wachstum, Motivation und Wohlbefinden gefördert, wenn Bedürfnisse nach Autonomie, Kompetenz und sozialer Eingebundenheit berücksichtigt werden. Kreis gibt den Rahmen vor und setzt gleichzeitig auf die intrinsische Motivation der Spieler. 

Interessant ist, dass Kreis bei den Olympischen Spielen seine eigene Rolle als Trainer in Teilen neu interpretieren wird. Seitdem er seit März 2023 das Amt innehat, war er an der Bande vor allem ein Beobachter. Die Auswechslungen haben für die Defensive Alexander Sulzer und Serge Aubin für die Offensive übernommen. Hinzu kommt mit Jamie Kompon von den Florida Panthers ein weiterer Assistenztrainer mit umfangreicher NHL-Erfahrung. Was sich für Kreis während Olympia ändert und welche Gründe das hat, verrät der Bundestrainer hier:

Versiert formuliert Kreis das sportliche Ziel für das Olympische Turnier: “Unser Ziel ist das bestmögliche Ergebnis.” Und wir von Die Sportpsychologen hoffen, dass der Weg dahin für das Team, alle Beteiligten und die deutschen Eishockey-Fans ein besonders eindrucksvoller wird.

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Neues Buch von Prof. Dr. Oliver Stoll: Mentaltraining im Eishockey, Ein Handbuch für Praktiker

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Philippe Müller: Wie lassen sich Verletzungen aktiv verhindern?

Verletzungen werfen Sportler und Sportlerinnen oft schmerzhaft zurück. Immer wieder zerstören sie auch ganze Karrieren. Wie wertvoll wäre es, Sportverletzungen zu vermeiden? Klingt utopisch? Nein, es klingt nach einem lohnenswerten Ziel. Philippe Müller macht am Samstag, den 21. Februar 2026, in seinem Workshop die Verletzungsprävention zum Thema. Sein Auftritt ist Teil unseres Events “Muscle & Mind – Sicher begleitet zum Comeback” (jetzt letzte Tickets buchen, direkt zur Anmeldung).

Zum Thema: Verletzungsprävention

Philippe, worum geht es deinem Workshop (Starke Mauern bauen: Verletzungen vorbeugen)?

In meinem Workshop geht es darum, wie Verletzungsprävention ganzheitlich gedacht und umgesetzt werden kann. „Starke Mauern bauen“ steht dabei sinnbildlich für das Entwickeln stabiler körperlicher, psychischer und sozialer Schutzfaktoren. Wir beleuchten, wie Belastungssteuerung, mentale Strategien und Umfeldfaktoren zusammenwirken, um Verletzungsrisiken nachhaltig zu reduzieren. Ziel ist es, Prävention nicht als Einzelmaßnahme, sondern als interdisziplinären und biopsychosozialen Prozess zu verstehen

Von welchen Erfahrungen aus deiner praktischen Arbeit ist dein Workshop beeinflusst?

Der Workshop ist stark von meiner interdisziplinären Arbeit mit Physiotherapeut:innen und Ärzt:innen geprägt, in der deutlich wird, dass wirksame Prävention ein langfristiger Entwicklungsprozess ist. In der Praxis erlebe ich, dass Verletzungen oft dort entstehen, wo physische, psychische oder soziale Fähigkeiten noch nicht ausreichend aufgebaut sind. Prävention bedeutet deshalb, diese Kompetenzen systematisch und frühzeitig zu fördern. Genau dieses prozessorientierte Verständnis von Prävention bildet die Grundlage des Workshops.

Programm

Keynotes:

  • Kathrin Seufert: „Das wankende Haus: Verletzungen und Traumata als Erschütterung der Identität“
  • Prof. Dr. Andreas Schlumberger: „Was tun, wenn einzelne Steine aus der Mauer rausbrechen?“
  • PD. Dr. med. Christophe Lambert: „Wie wichtig ist die mentale Fitness für RTC (Return to competition)?“

Workshops:

  • Klaus-Dieter Lübke Naberhaus: Was verbirgt sich im Keller? Traumata im Sport
  • Kathrin Seufert: Trotz Baustelle, gedanklich schön und effizient wohnen
  • Ben Mansour/Tim Insberg /Yannik Adams (Sportwissenschaft): Return to competition (RTC) und seine Hürden
  • Klaus-Dieter Lübke Naberhaus und Philippe Müller: Fundamente stärken, Mauern sanieren, das Dach neu decken: Reha ganzheitlich gedacht
  • Michael Bröckelmann: Grenzen der Heilungsbegleitung 
  • Prof Dr. Oliver Stoll: In der Küche, im Wohnzimmer, im Flur – Welches Maß an Nähe und Distanz ist dir wichtig, um über Verletzungen zu sprechen
  • Philippe Müller: Starke Mauern bauen: Verletzungen vorbeugen
  • Kathrin Seufert und Prof Dr. Oliver Stoll: Trotz Baustelle, gedanklich schön und effizient wohnen

Podiumsdiskussion:

  • u.a. mit Miriam Butkereit (Silbermedaille Olympia 2024 in Judo)

Warum ist es aus deiner Sicht wichtig, dass die Sportpsychologie auch in der Prävention mitgedacht wird?

Aus meiner Sicht ist Sportpsychologie in der Prävention wichtig, weil Verletzungsrisiken nicht nur durch körperliche Faktoren entstehen, sondern auch durch Aufmerksamkeit, Stress, Motivation, Selbstregulation und den Umgang mit Belastung. Psychische Fähigkeiten tragen dazu bei, Belastungen besser zu steuern, Warnsignale wahrzunehmen und angemessen zu reagieren. Sie ergänzen damit die physischen und sozialen Komponenten der Prävention. Erst durch dieses Zusammenspiel entsteht ein stabiles Fundament für nachhaltige Verletzungsprävention.

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Kathrin Seufert: Weshalb es sich lohnt, in der Reha zu visualisieren

Sportler und Sportlerinnen, die wegen einer Verletzung im normalen Training außen vor sind, sollten dennoch die gewohnten Übungen ausführen. Natürlich nicht körperlich, aber im Kopf. Was dahinter steckt und wie Visualisierungen funktionieren, erklärt Kathrin Seufert am Samstag, den 21. Februar 2026, im Workshop-Teil unseres Events “Muscle & Mind – Sicher begleitet zum Comeback” (jetzt letzte Tickets buchen, direkt zur Anmeldung).

Zum Thema: Visualisierungen

Kathrin, worum geht es in deinem Workshop (“Trotz Baustelle, gedanklich schön und effizient wohnen”)?

Ich möchte mit meinem Workshop einen Einblick in die Visualisierungstechniken geben, die eine große Unterstützung im Verlauf einer Reha sein können. Wir wollen damit unser Gehirn weiter trainieren, übliche sportliche Aktivitäten auszuführen – ohne tatsächlich die praktische Ausführung zu machen.

Von welchen Erfahrungen aus deiner praktischen Arbeit ist dein Workshop beeinflusst?

Visualisierungstechniken sind ein wichtiger Bestandteil der sportpsychologischen Arbeit. Ich stelle immer wieder in meiner Zusammenarbeit mit Eishockeyspielern, Fußballern und Schwimmern fest, dass diese Art der Arbeit vor allem dann Früchte trägt, wenn die praktische Ausführung der Sportart verletzungsbedingt wegfällt. Wenn das Eis oder der Rasen noch weit weg sind, ist es also sehr sinnvoll, andere Wege zu gehen. Überraschend für viele Sportler ist, dass es dem Gehirn egal ist, ob der Körper die Bewegung tatsächlich ausführt oder nicht.  

Programm

Keynotes:

  • Kathrin Seufert: „Das wankende Haus: Verletzungen und Traumata als Erschütterung der Identität“
  • Prof. Dr. Andreas Schlumberger: „Was tun, wenn einzelne Steine aus der Mauer rausbrechen?“
  • PD. Dr. med. Christophe Lambert: „Wie wichtig ist die mentale Fitness für RTC (Return to competition)?“

Workshops:

  • Klaus-Dieter Lübke Naberhaus: Was verbirgt sich im Keller? Traumata im Sport
  • Kathrin Seufert: Trotz Baustelle, gedanklich schön und effizient wohnen
  • Ben Mansour/Tim Insberg /Yannik Adams (Sportwissenschaft): Return to competition (RTC) und seine Hürden
  • Klaus-Dieter Lübke Naberhaus und Philippe Müller: Fundamente stärken, Mauern sanieren, das Dach neu decken: Reha ganzheitlich gedacht
  • Michael Bröckelmann: Grenzen der Heilungsbegleitung 
  • Prof Dr. Oliver Stoll: In der Küche, im Wohnzimmer, im Flur – Welches Maß an Nähe und Distanz ist dir wichtig, um über Verletzungen zu sprechen
  • Philippe Müller: Starke Mauern bauen: Verletzungen vorbeugen
  • Kathrin Seufert und Prof Dr. Oliver Stoll: Trotz Baustelle, gedanklich schön und effizient wohnen

Podiumsdiskussion:

  • u.a. mit Miriam Butkereit (Silbermedaille Olympia 2024 in Judo)

Warum ist es aus deiner Sicht wichtig, dass die Sportpsychologie auch im Rehabilitationsprozess nach Sportverletzungen mitgedacht wird?

Allein wenn man sich die Definition der Weltgesundheitsorganisation zum Thema Gesundheit  anschaut („Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens“) ergibt sich daraus finde ich schon die Notwendigkeit, alle Anteile zusammen anzusehen und gemeinschaftlich für diesen Zustand zu arbeiten. Unsere Veranstaltung in Köln ist auf diesem Weg ein wichtiger Schritt.

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Mehr Infos zur Veranstaltung:

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Johanna Constantini: Ängste werden im Reitsport oft nicht ausgesprochen

Angst im Reitsport ist ein zentrales Thema. Eine Schlüsselfunktion haben dabei Trainer und Trainerinnen. Am Freitag, den 6. Februar, bietet Johanna Constantini die Fortbildung „Mit Angst im Reitunterricht professionell umgehen, Fortbildung Kategorie C“ im Tiroler Pferdesportverband in Innsbruck (T) an. 

Zum Thema: Fortbildung zum Umgang mit Angst im Reitsport

Johanna Constantini, mit welchen Ängsten kommen Reiter und Reiterinnen zu dir, um sich Hilfe zu suchen?

Das ist tatsächlich sehr unterschiedlich. Manche körperbezogenen Ängste beziehen sich ganz klar auf den Sport. Wie beispielsweise die Angst vor Stürzen oder davor, in eine andere Gangart zu wechseln. Häufig zeigen sich aber auch soziale Ängste wie jene vor der Bewertung anderer oder davor, im Wettkampf zu versagen und es dem Trainer:innenteam zum Beispiel nicht „Recht zu machen“.

Warum sind es häufig nicht die Trainer und Trainerinnen, die zu diesen Themen angesprochen werden?

Weil es im Training häufig um die Optimierung der Leistung geht und psychologische Themen hier generell nicht immer Platz finden. Das ist natürlich von der Beziehung abhängig und auch davon, wie viele Schüler:innen von Ängsten und anderen Themen preisgeben und welchen Raum Trainer:innen diesen Themen geben. 

In deiner Fortbildung versuchst du, Trainer und Trainerinnen darin zu schulen, dass sie Ängste ihrer Aktiven erkennen. Kannst du mal eine Situation skizzieren, die die Teilnehmenden im Zweifel anders als bisher bewerten werden?

Gerne. Beispielsweise wenn Aktive zunehmend versuchen, Ausreden vorzuschieben, weshalb sie im Training Aufgaben nicht ausführen möchten, die Schwierigkeit nicht steigern wollen oder gar Trainings regelmäßig ausfallen. Häufig werden vielerlei Gründe vorgeschoben und potentielle Ängste nicht angesprochen. Durch die Schulung möchte ich den Blick auf jene Motive schulen, um auch diese zukünftig mitdenken zu können.


Mehr Informationen, inkl. der Anmeldung zur Fortbildung: https://eqwo.net/wenn-angst-mitreitet-wie-ausbilderinnen-richtig-reagieren/

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Dr. Julia Boie: Warum Wettbewerbe für Kinder im Sport wichtig sind

Wettbewerbe sind ein Schlüssel, um Kinder dauerhaft für den Sport zu begeistern. Dabei gibt es aber einige Details zu bedenken. Darauf will ich in diesem Text genauer eingehen. Hinweis: Im ersten Teil dieser kleinen Serie wurde bereits besprochen, welche Rolle Bedürfnisse bei der Aufrechterhaltung der Motivation spielen. Der Link findet sich unter dem Text.

Mehr zum Thema: Was braucht es, damit Kinder nicht die Lust am Sport verlieren? (Teil 2)

Vielen Kindern macht Wettbewerb Spaß. Sich mit anderen zu vergleichen, die Energie zu spüren, wenn man alles gibt, die Freude, wenn man gewinnt – das sind wunderbare Erfahrungen. Lässt der Erfolg aber auf sich warten und man gewinnt häufig nicht, dann sind die Erfahrungen eher negativ und es kommt leicht zu Frustration und Demotivation.

Es sind verschiedene Faktoren nötig, damit Wettbewerbe insgesamt eine motivierende Erfahrung sein können. Zunächst einmal müssen die Sportler*innen in Leistungsvergleichen optimal gefordert sein, also weder über- noch unterfordert werden (Kohake & Richartz, 2020). Ein angemessener Herausforderungsgrad wird im sportlich-motorischen Bereich in vielen Sportarten durch die Einteilung in Altersklassen, die sich in Leistungsklassen aufgliedern, unterstützt. Als Trainer*in kann ich durch die Wahl der Turniere, in denen sich die Sportler*innen vergleichen sollen, zusätzlich Einfluss auf den Herausforderungsgrad nehmen. Auch im Training sollte ich darauf achten, dass bei Leistungsvergleichen gleich starke Paarungen bzw. Gruppen gegeneinander antreten. Die Herausforderungen an die Sportler*innen in Leistungsvergleichen sollten auch im emotionalen, wie auch im sozialen Bereich dem Stand der Sportler*innen entsprechen. Das erfordert viel Einfühlungsvermögen der Trainer*innen. Stimmt das Verhältnis von Erfolgen und Fehlversuchen, können Wettbewerbe positive und motivierende Erfahrungen sein.

Zielsetzungsstrategie

Ein weiterer Faktor, der die Wirkung von Wettbewerben auf die Motivation beeinflusst, ist eine gute Zielsetzungsstrategie. Wenn es mir als Trainer*in um die Entwicklung der Sportler*innen geht, kann ich zufrieden sein, wenn sie ihre Leistung abgerufen haben, obwohl sie nicht gewonnen haben. Mit individuellen und messbaren Fähigkeitszielen, die strukturiert im Training aufgebaut und überprüft werden, kann die langfristige Leistungsentwicklung der Sportler*innen unterstützt werden. Zugleich erleben die Sportler*innen bei der Erreichung der verschiedenen Fähigkeitsziele Stolz und Zufriedenheit, was wiederum die Motivation erhöht. Konstruktives Feedback durch die Trainer*innen ist dabei eine weitere wertvolle Unterstützung.

Einsatzzeit

Schließlich spielt auch eine große Rolle für der Aufrechterhaltung der Motivation der Sportler*innen, wie viel Einsatzzeit sie bekommen. Wenn ich als Trainer*in die Entwicklung der Sportler*innen im Fokus habe, ist klar, dass sie bei Wettbewerben Erfahrung sammeln müssen, dass sie Möglichkeiten brauchen, sich und ihre Leistung in Situationen auszuprobieren, in denen es darauf ankommt. Das erfordert jedes Mal neu eine gute Abwägung durch die Trainer*innen. Wenn immer nur die besten Sportler*innen spielen dürfen, weil es um kurzfristige Gewinne geht, fällt ein Teil der Mannschaft hinten runter und hat keine Möglichkeit, ihre Fähigkeiten zu verbessern. Über kurz oder lang sinkt die Motivation und ein Ausscheiden aus der Mannschaft oder gar dem Sport kann die Folge sein.

Hinweis

Im dritten Teil des Beitrags, der am Dienstag, den 17. Februar 2026, erscheint, wird es darum gehen, was Trainer*innen und Eltern dafür tun können, dass die Motivation erhalten bleibt.

Meine Kolleg*innen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Dr. Julia Boie) stehen gern für Rückfragen bereit. Wir unterstützen Trainer*innen mit individuellen Coach-the-Coach-Programmen, arbeiten exklusiv mit Sportlern und Sportlerinnen, stehen für Vorträge und Workshops zur Verfügung und betreuen Eltern, deren Kinder im Sport aktiv sind.

Mehr zum Thema:

Literatur:

Kohake, K. & Richartz, A. (2020). Das Bedürfnis nach Kompetenzerleben im Kindersport. Forschungsbeitrag Forum Kind Jugend Sport.

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Kathrin Seufert: Warum Erwartungen Leistung machen – nicht nur Motivation

In der Folge des Podcasts Copa TS vom 12. Januar 2026 spricht Christoph Kramer mit Tommi Schmitt über den sogenannten Rosenthal-Effekt. Ein Begriff aus der Psychologie – und gleichzeitig etwas, das im Leistungssport täglich wirkt, oft ohne benannt zu werden. Als Sportpsychologin begegne ich diesem Effekt nicht in Studien allein, sondern vor allem in Gesprächen mit Athlet:innen. Und fast immer geht es dabei um dieselbe Frage: Was passiert, wenn jemand wirklich an mich glaubt – oder eben nicht?

Zum Thema: Der Rosenthal-Effekt

Der Rosenthal-Effekt beschreibt, dass Erwartungen das Verhalten von Menschen beeinflussen. Wer als leistungsstark eingeschätzt wird, bekommt oft mehr Aufmerksamkeit, mehr Rückmeldung, mehr Verantwortung. Diese Signale werden wahrgenommen – bewusst oder unbewusst – und beeinflussen Selbstvertrauen, Entscheidungsverhalten und letztlich auch die Leistung.

Kurz gesagt: Erwartungen verändern Rahmenbedingungen. Und Rahmenbedingungen verändern Leistung.

Leistung entsteht nicht im luftleeren Raum

Gerade im Leistungssport wird häufig so getan, als entstünde Leistung mehr oder weniger eindimensional: Talent, Training, Wille. Psychologisch betrachtet greift das zu kurz.

Athlet:innen reagieren sensibel auf ihr Umfeld. Auf Körpersprache, Tonfall, Einsatzentscheidungen. Auf das, was Trainer:innen, Betreuer:innen oder Verbandsfunktionär:innen ausstrahlen – auch dann, wenn nichts explizit gesagt wird.

Christoph Kramer beschreibt in dem Podcast sehr treffend, wie Vertrauen von außen sein eigenes Auftreten verändert hat: mehr Klarheit, mehr Mut, weniger Angst vor Fehlern. Damals ging es um seinen Wechsel im Nachwuchs von Leverkusen nach Düsseldorf. Was Kramer beschreibt, ist kein Zufall, sondern ein gut belegter psychologischer Mechanismus.

Ein aktueller Blick auf Großereignisse

Mit Blick auf die anstehenden Olympischen Spiele wird dieser Effekt besonders relevant. Für viele Athlet:innen ist es das erste Mal auf dieser Bühne – verbunden mit enormer öffentlicher Aufmerksamkeit und innerem Druck. In solchen Situationen machen Erwartungen einen Unterschied:

  • Wird jemand wahrgenommen als eine Person, die „dabei ist, um Erfahrung zu sammeln“?
  • Oder als Athlet:in, der oder die konkurrenzfähig ist und Verantwortung tragen darf?

Beides sendet Signale. Und beide Signale wirken – auf Selbstbild, Risikobereitschaft und Leistung.

Die unterschätzte Wirkung kleiner Signale

Erwartungen zeigen sich selten in großen Motivationsreden. Viel häufiger in Details:

  • Wer bekommt Spielzeit nach Fehlern?
  • Wem wird etwas zugetraut, auch wenn es eng wird?
  • Wer wird aktiv begleitet – und wer eher verwaltet?

Aus sportpsychologischer Sicht sind das keine Nebensächlichkeiten. Sie formen Wahrnehmung und Verhalten langfristig.

Was daraus folgt

Der Rosenthal-Effekt erinnert uns daran, dass Leistung immer in Beziehung entsteht. Trainer:innen, Betreuer:innen und auch Athlet:innen selbst tragen Verantwortung für die Erwartungen, die sie senden – und für die, die sie verinnerlichen.

Psychologie bedeutet in diesem Zusammenhang nicht „weicher“ Sport. Sondern ermöglicht einen genaueren Blick darauf, warum Menschen in bestimmten Umfeldern über sich hinauswachsen – und in anderen unter ihren Möglichkeiten bleiben.

Fazit

Der Rosenthal-Effekt ist kein theoretisches Konstrukt für Lehrbücher. Er ist ein praktischer Schlüssel zum Verständnis von Leistung – gerade im Spitzensport.

Wer neugierig wird, genauer hinschaut und Erwartungen bewusst gestaltet, verändert mehr als Motivation. Er verändert die Voraussetzungen für Leistung.

An alle Trainer:innen: Wer mit dem Rosenthal-Effekt gezielt arbeiten will, nehmt gern Kontakt zu uns (Übersicht) oder zu mir (Profil von Kathrin Seufert) auf.

Wir sind für dich da!

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Mehr zum Thema:

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Markus Gretz: Langeweile im Sport – unterschätzte Ressource für Entwicklung

Langeweile im Sport ist ein Gefühl, das viele kennen – ob beim Joggen, im Gym oder während monotoner Trainingseinheiten. Oft wird sie als störend empfunden, doch aus sportpsychologischer Sicht steckt darin ein wertvolles Potenzial.

Zum Thema: Warum die Langeweile zum guten Training gehört

Sport ist nicht immer spannend. Für manche ist ein Fußballspiel aufregend, für andere monoton. Die einen lieben die Cardio-Einheit, die anderen ganz und gar nicht. Entscheidend ist: Langeweile ist individuell und kein Zeichen von Schwäche. Sie gehört zum Training dazu und kann sogar sinnvoll sein.

Kobe Bryant, einer der bekanntesten Basketballer der Welt, hat die Bedeutung von monotonen Einheiten einmal eindrucksvoll beschrieben:

„I never got bored with the basics.“ („Ich habe mich nie mit den Grundlagen gelangweilt.“)

Für ihn lag Größe nicht im Spektakulären, sondern im geduldigen Wiederholen. Genau diese Haltung zeigt, wie wichtig es ist, langweilige Trainingseinheiten nicht zu vermeiden, sondern als Fundament der Entwicklung zu akzeptieren.

Was die Wissenschaft dazu sagt

Eine vielzitierte Studie von Nederkoorn et al. (2016) zeigt, wie schwer es Menschen fällt, Langeweile auszuhalten. In ihrem Experiment sollten Teilnehmende 15 Minuten allein in einem leeren Raum sitzen – ohne Ablenkung. Sie hatten die Möglichkeit, sich selbst leichte Elektroschocks zu geben.

Das Ergebnis war bemerkenswert:

  • 67 % der Männer und
  • 25 % der Frauen gaben sich mindestens einen Elektroschock – nur um der Langeweile zu entkommen.

Die Studie zeigt eindrucksvoll, wie stark der Impuls ist, unangenehme Leere zu vermeiden. Für den Sport bedeutet das: Wer lernt, Langeweile auszuhalten, trainiert nicht nur körperlich, sondern auch seine Fähigkeit zur Selbstregulation.

Kreativität und Achtsamkeit

Langeweile kann unser Gehirn anregen, neue Ideen zu entwickeln. Wer sie bewusst zulässt – etwa durch Meditation oder achtsames Training – entdeckt oft neue Perspektiven. Statt Ablenkung durch das Smartphone lohnt es sich, die Aufmerksamkeit auf Details zu richten: Welche Muskeln spannen sich an? Wie fühlt sich die Bewegung an? Welche Technikdetails fallen mir auf?

Ob Neujahrsvorsätze oder langfristige Trainingsziele – Sinn und Identität helfen, monotone Einheiten zu bewältigen. Wer sich mit seiner sportlichen Entwicklung identifiziert („Ich bin ein gesunder Mensch“), erlebt auch langweilige Gewohnheiten als wertvoll.

Fazit

Langeweile im Sport ist kein Feind, sondern ein Trainingspartner. Sie fordert uns heraus, Sinn zu finden, Ziele zu setzen und kreativ zu werden. Wer lernt, mit ihr umzugehen, gewinnt nicht nur im Training, sondern auch im Leben.

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Mehr zum Thema:

Der Radiosender 1Live vom WDR hat mit Markus Gretz zum Thema Langeweile im Sport gesprochen, entstanden ist folgender Beitrag, Hört mal rein:

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Nathalie Klingebiel: Weniger denken, mehr machen – Wie du selbstbewusst ins Gym gehst

Neues Jahr, neues Glück… im Fitnessstudio. Wer kennt ihn nicht, den Vorsatz, endlich fitter zu werden und dieses Jahr wirklich sportlich durchzuziehen? In Summe führt das meist zu überfüllten Gyms am Jahresanfang, in denen man sich entweder um Geräte fast schon prügeln muss oder länger dafür anstehen muss, als die Übung an sich dauern würde. Nicht nur das führt bei vielen dazu, dass die anfängliche Motivation dann doch schnell wieder schwindet. Gerade für Neulinge oder Wiedereinsteiger birgt der Besuch im Fitnessstudio einige Hürden, die einen daran hindern, so richtig selbstbewusst ins Gym zu gehen und anzufangen. Gleiches gilt natürlich auch für Sporttreibende, die vielleicht mit ihrem Gewicht strugglen oder aber auch solche, die schon jahrelang Gewichte stemmen. Also woher kommt eigentlich diese Angst oder Unsicherheit, erhobenen Hauptes durchs Gym zu gehen und seine Übungen durchzuziehen?

Zum Thema: Hürden auf dem Weg zum regelmäßigen Sporttreiben im Fitnessstudio

Aus psychologischer Sicht spielen da (wie immer) viele unterschiedliche Faktoren zusammen. Was viele nicht wissen: Hinter dieser Unsicherheit im Gym stecken gut erforschte psychologische Mechanismen.

Kennst du den sogenannten Spotlight-Effekt? Dazu folgende Situation als Beispiel: Du gehst durchs Gym und fühlst dich eigentlich gerade im Moment wohl. Dein Training war gut und du machst dich auf den Weg zur Umkleide. Plötzlich fällt dir deine Trinkflasche aus der Hand und springt natürlich so ungünstig auf, dass sich der gesamte Inhalt auf dem Boden ausbreitet. Sofort schießt dir in den Kopf „Wie peinlich, hoffentlich hat das niemand gesehen. Bestimmt gucken gerade alle und lachen mich aus.“ Und da ist sie auch schon wieder: die Angst vor Bewertung durch andere. Und das anfänglich gute Gefühl in Bezug auf das eigene Training auf einmal überschattet durch eine negative Gedankenspirale. Dieser besagte Spotlight-Effekt ist ein Wahrnehmungsfehler, durch den man denkt, dass die Aufmerksamkeit aller in sozialen Situationen ausschließlich auf einen selbst gerichtet ist, vor allem wenn einem ein Fehler passiert – man steht also bildlich gesprochen im Scheinwerferlicht. Tatsächlich sind die meisten Menschen im Gym aber in Gedanken bei ihrem eigenen Training – oder bei ihrer eigenen Unsicherheit.

Selbst- und Fremdwahrnehmung

Ein weiterer Faktor, der die Hemmschwelle häufig ansteigen lässt, ist der Unterschied zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung. Wir selbst nehmen uns eigentlich immer anders wahr als es Außenstehende tun. Und diese eigene Wahrnehmung ist meist deutlich (selbst)kritischer und negativer geprägt, wodurch man sich dann letztendlich nur selbst das Leben schwer macht. 

Zusätzlich verstärkt wird dieser kritische Blick auf sich selbst in vielen Fällen durch permanente Vergleiche, die man bewusst oder unbewusst von sich selbst mit anderen Personen anstellt. Dabei spielt auch Social Media eine große Rolle, besonders in der Fitness- und Gym-Bubble. Man wird täglich mit scheinbar perfekt gestählten Körpern konfrontiert, die gefühlt 24/7 im Fitnessstudio verbringen, sich ausschließlich ausgewogen ernähren und einen vermeintlich perfekten gesunden Lebensstil führen. Wenn man dann selbst ins Gym geht und vielleicht nicht direkt aussieht wie ein Fitness-Influencer oder Bodybuilder, fragt man sich schnell, wieso man überhaupt trainiert. Auch dann kann man sich schnell in negativen Gedankenkreisen verlieren. Der Gym Besuch wird dann vom eigentlichen Motivations- und Selbstbewusstseins-Boost zum Katalysator für Frust und Selbstzweifel. 

Tipps und Tricks

Die gute Nachricht: mit ein paar kleinen Tipps und Tricks kann das Fitnessstudio auch zu einem safe space werden und der Neujahrsvorsatz bleibt kein one hit wonder, sondern wird zur regelmäßigen Routine der Selbstfürsorge. 

Tipp Nr. 1: Schnapp dir einen Workout Buddy – so kann man sich gegenseitig pushen und fühlt sich automatisch sicherer in einer neuen Umgebung voller unbekannter Gesichter.

Tipp Nr. 2: Such dir etwas, was dir Spaß macht – egal, ob Kurse, Hanteltraining oder Cardio; wenn man etwas mit Freude tut, fällt es einem leichter dranzubleiben und man fühlt sich auch wohler dabei.

Tipp Nr. 3: Noch kein Meister ist vom Himmel gefallen – auch diejenigen, die vielleicht schon top in Form sind, haben mal klein angefangen.

Tipp Nr. 4: Miste auf Social Media aus – am besten jedem Account entfolgen, der einem nicht gut tut und nur noch die Inhalte konsumieren, die ein gutes Gefühl vermitteln und motivieren. 

Tipp Nr. 5: Raus aus dem (selbstkreierten) Spotlight – jeder ist so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass man von anderen viel weniger wahrnimmt als man denkt. 

Und zu guter letzt: Just Do It. Weniger denken, mehr machen. Denn Selbstvertrauen entsteht nicht durchs Nachdenken – sondern durchs Tun. 

Viel Spaß und gutes Gelingen dabei!

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