Frage und Antwort: Stressreaktionen im CrossFit

Die Sportart CrossFit hat in den vergangenen Jahren rasant an Beliebtheit und Verbreitung gewonnen. Und im Fitnessbereich wurden so manche Grenzen verschoben. Um das Verschieben der eigenen Grenzen geht es ja auch für die einzelnen Athleten und Athletinnen. Eine Leserin macht nun seit einigen Wochen eine spezielle Erfahrung und sucht die Unterstützung von Die Sportpsychologen.

Zum Thema: Probleme nach einer Verletzung

Die konkrete Anfrage lautet: Nach einer langwierigen Handverletzung (inkl. zweier Operationen) ist bei mir keine Vollbelastung mehr schmerzfrei möglich, jedoch ist diese grundsätzlich erlaubt. Nun komme ich bereits vor einer möglichen grösseren Belastung der Hand in grossen Stress (inkl. plötzlicher Weinattacken). Die Frage: Wie kann ich den Stress vor den Belastungen der Hand senken bzw. lösen?

Yvonne Dathe, Die Sportpsychologen
Yvonne Dathe, Die Sportpsychologen

Antwort von: Yvonne Dathe (zur Profilseite)

Es tut mir leid, dass du unter solchem Stress leidest. Um besser mit dem Stress vor Belastungen der Hand umzugehen, wäre es zunächst gut, wenn du mental einen Anker wirfst. (Vorausgesetzt, du hast das OK von deinem Arzt) 

Ein Anker kann uns helfen, in Stress belasteten Zeiten, nicht von Gedanken, Emotionen und körperlichen Wahrnehmungen mitgerissen zu werden. Ein einfacher Anker funktioniert so:

  • A = Achtsam wahrnehmen, was im Augenblick los ist: Welche  Gedanken/Emotionen/Körper kannst du wahrnehmen?
  • C = Come back to body: Verbinde dich mit deinem Körper, in dem du ein- bis zweimal tief ein- und ausatmest und dich mit dem Boden „verankerst“, was kannst du sonst noch wahrnehmen:
    • 3-4 Dinge wahrnehmen, die du sehen kannst
    • 3-4 Dinge wahrnehmen, die du hören kannst
    • 3-4 Dinge wahrnehmen, die du spüren kannst
  • E = Engagiert handeln (Was ist jetzt wichtig? – Was möchtest du als nächstes tun, was ist der nächste Schritt?)

Grundsätzlich gilt: Plane regelmäßige Pausen ein, damit du und deine Hand sich erholen können.

Ich hoffe, dass dieser kleine Tipp dir dabei hilft, besser mit dem Stress umzugehen.

Klaus-Dieter Lübke Naberhaus, Die Sportpsychologen
Klaus-Dieter Lübke Naberhaus, Die Sportpsychologen

Antwort von: Klaus-Dieter Lübke Naberhaus (zur Profilseite)

Dieses Problem ist ja vielschichtig. Zuerst spreche ich als Mediziner und es gilt zu klären, inwieweit die Hand nach den erfolgten Verletzungen und Operationen morphologisch und funktionell überhaupt soweit wieder belastbar ist, wie du es vorher gewohnt warst.

Sollte dies gegeben sein, dann sind da jedoch die Traumata, die die Verletzungen ausgelöst haben. Und diese scheinen psychisch weiterhin aktiv zu sein und dein Stresssystem zu aktivieren. Dabei will dich dieses System aktuell vor weiteren Verletzungen schützen. Dabei spielt in der Regel die Angst als Auslöser eine entscheidende Rolle. Hier lässt sich auf der einen Seite traumatherapeutisch gut arbeiten, z.B. mit der sogenannten EMDR Technik. 

Ansonsten kannst du sicherlich erst einmal die von Yvonne beschriebene Technik versuchen, insgesamt auch insgesamt mit Entspannungstechniken wie Autogenem Training, das Stressniveau senken. Doch letztendlich kommt es auf Dissoziation (Entkopplung) des Gefühls der Angst an, dass in der Vergangenheit begründet ist, jedoch aktuell noch wirkt, bis zu deinen jetzigen Tätigkeiten/Aktivitäten.

Gerne helfen meine Kolleginnen und Kollegen dir persönlich weiter, wenn du Unterstützung brauchst.

Anke Precht, Die Sportpsychologen
Anke Precht, Die Sportpsychologen

Antwort von: Anke Precht (zur Profilseite)

Um die Antwort von Klaus zu ergänzen: Manchmal “sitzt” einem das Erlebnis mit der Verletzung und den daraus entstandenen Folgen wortwörtlich noch in den Knochen. Nach einem Trauma möchte der Körper sich vor einer erneuten Verletzung schützen, indem er versucht, alles zu vermeiden, was in eine ähnliche Situation führt, in der die Verletzung passiert ist, oder die den damals verletzten Bereich wieder belastet. Da hilft die von Klaus angesprochene Entkopplung. 

Neben EMDR helfen auch weitere Verfahren, die alle über die Neurologie wirken, also direkt Veränderungen bei den Verknüpfungen im Gehirn auslösen. EMI kann ebenfalls genutzt werden, außerdem Brainspotting oder auch Audio Fokus. Dann reichen in der Regel einige wenige Termine. Ergänzt werden kann das Vorgehen mit Hypnose, in der bewusst neue Bahnen gelegt werden und die Vorstellung der Belastung mit positiven Bildern und Emotionen verknüpft wird.

Es gibt ein paar Sportpsychologen, die auch mit diesen Methoden arbeiten und weiterhelfen können. Alternativ lohnt sich die Suche nach einem Psychologen oder einer Psychologin, die traumatherapeutisch erfahren ist und ebenfalls weiterhelfen kann. Nimm also gern Kontakt auf, wir helfen gern weiter.

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Mathias Liebing
Mathias Liebinghttps://www.torial.com/mathias.liebing
Redaktionsleiter bei Die Sportpsychologen und freier Journalist Leipzig Deutschland +49 (0)170 9615287 E-Mail-Anfrage an m.liebing@die-sportpsychologen.de