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Dr. René Paasch: Werders Psycho-Rettung

Seit dem spektakulären 6:2 des SV Werder Bremen gegen den direkten Abstiegsmitkonkurrenten VfB Stuttgart am 32. Spieltag ist Sportpsychologe Prof. Andreas Marlovits in aller Munde. Nicht wenige Journalisten führten die Leistung der abstiegsbedrohten Bremer auf die Intervention des in der Szene gut bekannt und geschätzten Kollegen zurück. Ist das ein gutes Zeichen?

Zum Thema: Wird die Sportpsychologie salonfähig?

Noch vor wenigen Jahren wurde die Sportpsychologie gerade im Fußballgeschäft noch ganz anders bewertet. Ein Zitat von Rudi Völler, der von 2000 bis 2004 als Bundestrainer aktiv war, wirkt heute wie aus der Zeit gefallen. Auf die Frage, ob Nationalspieler wegen des hohen Leistungsdrucks psychologischen Rat in Anspruch nehmen sollten, antwortete er: „Glauben Sie es, das ist Kokolores“.

Und erinnern Sie sich vielleicht noch an Jürgen Höller? Der ließ 1999, im Auftrag von Chefcoach Christoph Daum die Profis von Bayer Leverkusen barfuß über Glasscherben laufen. Die Botschaft – das Unvorstellbare möglich machen – setzte die Mannschaft dann auf tragische Weise auch um. Im letzten Saisonmatch gelang dem Leverkusener Team schier Unvorstellbares: Bayer 04 verlor in Unterhaching und damit den sicher geglaubten Meistertitel im Jahr 2000.

Motivationsgurus, Starkredner und Psycho-Trickser

Motivationsgurus, Starkredner und Psycho-Trickser sind seither nicht vom Markt verschwunden. Immer wieder werden Fußball-Vereine mit wahnwitzigen Angeboten konfrontiert. Im Netz finden sich einige Perlen, verweisen möchte ich exemplarisch auf eine Initiativbewerbung von Mentaltrainer John Troost, dessen Expertise auch von Tageszeitungen schon ins Spiel gebracht worden ist:

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Weitere Informationen

Nun ist in der Fußball-Bundesliga wieder Abstiegskampf. Eine Saisonphase, in der mehr denn je Leistung über Ergebnisse nachgewiesen werden muss. Und so überraschte es mich nicht, in den vergangenen Tagen auch von der Sportpsychologie zu lesen und zu hören. Gern wurde in der Vergangenheit dann aber die „rote Couch“ ins Feld geführt, um damit Abstiegsgespenster zu verjagen. Nach dem fulminanten 6:2-Erfolg von Bremen gegen Stuttgart war nun vom „Psycho-Trainer“ (Bild) zu lesen, der Teil des Bremer Rettungsplans sein solle. Mehr noch: Im Fachmagazin Kicker wurde die Leistungsexplosion des SV Werder am drittletzten Bundesliga-Spieltag dann mit dem „Geist von Verden“ erklärt, wofür wiederum der Sportpsychologe verantwortlich war. Kurzum: Der mediale Widerhall der Intervention war riesig und blieb in seiner Fachlichkeit (leider wieder einmal) mehr als platt, aber endlich ging die Berichterstattung auf einen „echten“ Sportpsychologen zurück. Hier entsteht also gerade die Chance, dass die Bedeutung unserer Arbeit für eine breitere Masse verständlich wird.

Feuerwehrfunktion und Unkenntnis

Allerdings zeigt der Fall Marlovits auch, dass zum einen hochprofessionelle Bundesligisten wie der SV Werder Bremen mit vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) zertifizierten Nachwuchsleistungszentren, in denen Sportpsychologen mittlerweile elementar dazugehören, immer noch auf Feuerwehr-Effekte hoffen (siehe Prof. Dr. Oliver Stoll: Brasiliens Feuerwehr). Zum anderen zeigt sich, dass im Sportjournalismus weiterhin wenig Fachwissen gegenüber der Sportpsychologie vorhanden ist: In kaum einem der Texte und Berichte habe ich die Nachfrage gehört, weshalb der SV Werder Bremen denn nicht kontinuierlich mit seiner Profi-Mannschaft arbeitet? Stattdessen wird vom Verein stolz verbreitet, dass Marlovits nun auch die beiden finalen Saisonspiele bleiben darf.

Ich hoffe sehr, dass das Engagement von Marlovits unser Berufsumfeld ein weiteres Stück positiv verändert. Denn immer wenn bei Preußen Münster, einem Fußball-Drittligisten in meiner nächsten Nähe, der Trainer wechselt, gebe ich dort meine Bewerbungsunterlagen ab. Die Reaktionen darauf lassen aber erahnen, dass die Verantwortlichen immer noch befürchten, dass ich insgeheim mit den Spielern für Scherben laufen will. Liebe Kollegen, wir haben auch weiterhin noch viel zu tun!

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Elvina Abdullaeva: Provokation widerstehen

Provozieren im Sport – eine durchaus übliche manipulative Strategie. Der Gegner manipuliert dich so, dass du dich plötzlich verhältst, wie es ihm am besten passt. Das ist ein tolles Geschenk an den Gegner, aber kein Sportler macht es absichtlich. Doch es passiert immer und immer wieder. Man bekommt die eigenen Gefühle nicht in den Griff und lässt sich aus der Fassung bringen.

Zum Thema: Provokation im Sport wiederstehen

Ist dir eine solche Situation bekannt? Willst du endlich ruhig bleiben können, wenn du provoziert wirst? Dann: Ändere deine eigene Wahrnehmung. Es klingt banal, kann auch mal nerven, aber es ist so. Man muss verstehen: „Den Gegner wirst du nicht ändern, deine Reaktion auf seine Provokation aber schon.“ Deine Emotionen hängen davon ab, wie du diese Provokation interpretierst. Wie schaffst du das?

I. «Erkennen»

Zunächst musst du für dich erkennen, wie diese typische Situation aussieht, in der es der Gegner schafft, dich aus der Kontrolle zu bringen. Also, Schritt №1 «Erkennen»: Beschreibe diese glücklose Situation, welche dich immer wieder aus dem Ruder bringt?

Beispielhaft schildere ich eine typische Situation eines jungen Tischtennisspielers, der gegen jegliche Provokation einfach hilflos war: „Das Spiel. Ein schwieriger Gegner. Netzkante. Ich habe keine Zeit, um zu reagieren. Er gewinnt den Punkt und entschuldigt sich gar nicht. Er provoziert mich! Er will, dass ich ausraste! Und das Publikum unterstützt ihn. Es ist ja unfair! Ich beginne innerlich zu kochen. Schon wieder Netzkante. Und wieder entschuldigt er sich nicht. Das macht mich so wütend. Ich suche meine Mama mit den Augen, ich glaube, sie ist sauer auf mich. Ich möchte den Gegner eine Lektion erteilen, beginne schneller zu spielen. Ich mache einen kindischen Fehler! Ich schreie mich selbst an: ‚Wie kann man nur so dumm sein!‘ Ich werde noch wütender! Der Gegner freut sich. Er macht es mit Absicht! Er lacht mich aus! Ich habe das Gefühl, ich explodiere jetzt. Ich spiele hektischer, mache noch mehr Fehler und verliere das Spiel.“

II. «Verstehen»

Der Schritt №2 «Verstehen». Also, wenn du die Situation erkannt hast, dann ist der nächste Schritt, die Gründe deiner Reaktion zu erkennen. Dazu beantworte dir selbst zwei Fragen: Was genau regt mich in der Situation auf? Und wie charakterisiert diese Reaktion mich selbst?

Damit du es besser verstehst, schauen wir mal, wie es der Sportler aus unserem Beispiel gemacht hat:

  • Die Ungerechtigkeit. Ich habe bestimmte Vorstellungen, wie der Verhaltenskodex im Tischtennis ist. Wenn der Gegner einen Punkt mit Hilfe der Netzkante macht, dann entschuldigt er sich dafür – und die Zuschauer unterstützen ihn auf gar keinen Fall. Es ist reines Glück.
  • Ich reagiere dünnhäutig auf alles, was mir im Weg steht, weil ich Angst habe zu verlieren. Ich will immer nur gewinnen, ich habe sehr hohe Ansprüche an mich selbst.
  • Und wenn ich verliere, dann werde ich von Mama kritisiert. Aber ich habe Angst davor, weil ihre Kritik mich so kränkt. In diesen Momenten denke ich, sie liebt mich nicht genug.

III. «Umbewerten»

Wenn du, für dich, die Situation sowie die Gründe der Reaktion verstanden hast, ist es an dir, diese Selbsterkenntnis in die richtige Richtung zu lenken. Also Schritt №3: «Umbewerten». D.h. die Situation anders zu sehen bzw. günstig zu interpretieren, so dass du ruhig bleiben kannst. Hier sind die letzten Fragen in der Situationsanalyse, die du für dich beantworten sollst: Wenn die Situation wiederauftritt, wie kann ich das Geschehen so interpretieren, dass ich ruhig bleibe? Wie kann ich anders reagieren?

Folgendes hat der Spieler aus unserem Beispiel gemacht:

  • nach alternativen Erklärungen gesucht, die ihn in der Situation beruhigen konnten. So ist ein neuer Blick auf die Situation entstanden: „Der Gegner hat das aus Versehen gemacht, oder er hat doch selber nur Angst. Er weiß, dass ich stärker bin. Er versucht mich runter zu ziehen, damit ich schwächer werde. Deshalb ist der Provokationsversuch ein gutes Zeichen für mich! :-)“
  • seine dramatischen Gedanken in Frage gestellt: «Ist es wirklich so, dass wenn ich verliere, meine Mutter mich weniger liebt? Kritisiert sie mich, weil ihr nur meine Erfolge wichtig sind? Oder macht sie das, weil sie selber traurig ist? Vielleicht macht sie sich Sorgen um mich, weil ich nur wegen meiner emotionale Reaktion gegen den Gegner verliere, wobei ich aber technisch deutlich besser bin als er und gewinnen kann.“
  • den Humor mit einbezogen, damit er mit Gelassenheit an die Situation rangeht: „Ich lache über mein falsches Verhalten innerlich. Nimm dich nicht so ernst. Passiert. Dann sage ich mir aufmunternde Worte und spiele weiter“.

IV. «Praxis»

Schritt №4 „Praxis“. Und danach hat der junge Spieler seine neue Sicht auf die Situation unmittelbar auf dem Platz, in Pausen und auch durch die dritte Person beim Coaching immer wieder aufgefrischt und sich bewusst gemacht. Mit dieser neuen Betrachtungsweise spielte er ruhiger und konzentrierter am Tisch und reagierte nicht mehr auf die Provokationen. Er hat es geschafft, d.h. auch du kannst das schaffen. Nimm dir nur die Zeit, setze dich gedanklich mit deinen Stolpersteinen auseinander und beantworte dir die aufgeworfenen Fragen. Ich bin mir sicher, du wirst viel mehr über dich erfahren. Wenn du das Gefühl hast, dass du Unterstützung brauchst, um die Situation anders zu bewerten, ist es auch normal. Der Mensch erlebt die Situation sehr einseitig, hat einen starren Blick auf das Problem und kann sich kaum vorstellen, alternative Erklärungen zu finden. Manchmal liegen die innerlichen Überzeugungen sehr tief und es ist schwierig, damit allein klar zu kommen. Zieh dir dann einen Fachmann zu Rate, wenn du willst. Ansonsten hoffe ich, dass der Artikel dir helfen kann, die Gelassenheit dort zu finden, wo du sie brauchst!

P.S. Hier kannst du dich umfassender darüber informieren, wie du selbst deiner Provokationssituation auf die Spur kommst und wie du dich selbst auf die förderlichen Gedanken bringst:

Kaluza G. (2015).Stressbewältigung: Trainingsmanual zur psychologischen Gesundheitsförderung. 3.Aufl.Springer: Heidelberg

Meichenbaum D.W. (1995).Kognitive Verhaltensmodifikation.2 Aufl.Psychologie Verlagsunion: Weinheim

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Dr. Jan Rauch: Leicesters Geheimnis?

In der englischen Barclays Premier League hat Leicester City drei Spieltage vor Saisonschluss beste Chancen, Meister zu werden. Sportlich wäre dies eine absolute Sensation – im Vorjahr schaffte der damalige Aufsteiger erst mit einer Siegesserie zum Saisonende den Klassenerhalt, in der Sommerpause flogen drei Spieler nach einem Sex-Video-Skandal aus dem Club. Seit Ende Januar ist das Team um den den früheren deutschen Nationalspieler Robert Huth (34 Saisoneinsätze bis zum 35. Spieltag), den Österreicher Christian Fuchs (29) und den Schweizer Gökhan Inler (5) nun souveräner Tabellenführer. Liegt dem Erfolg vielleicht nicht zuletzt zu Grunde, dass das Team bestmöglich zusammengestellt worden ist – also eine optimale Mischung aus Homogenität und Heterogenität aufweist?

Zum Thema: Der Einfluss von Homogenität und Heterogenität auf die Teamleistung

Teamleistung resultiert grundsätzlich aus dem Zusammenspiel der individuellen Fähigkeiten der Teammitglieder. Wie diese optimal in Einklang zu bringen sind, beruht unter anderem auf dynamischen Koordinations- und Kommunikationsprozessen und wird neben den Fähigkeiten stark von weiteren individuellen Merkmalen der Teammitglieder wie Geschlecht, Persönlichkeit, Wissen usw. beeinflusst. Weshalb ein Team manchmal „über sich hinauswachsen“ und ein anderes „die Leistung nicht abrufen“ kann, hat meist vielfältige Gründe und kann nicht pauschal beantwortet werden. Aber egal ob bei der Nationalmannschaft, internationalen Konzernen oder im Kirchenchor: Immer wieder wird die Frage gestellt, ob Teams, die sich hinsichtlich solcher Merkmale unterscheiden, also heterogene Teams, bessere Leistungen erbringen als Teams mit ‘ähnlichen‘ Mitgliedern (homogene Teams).

Homogene Teams

Es ist bekannt, dass Teams mit homogenen demographischen Merkmalen eher eine gemeinsame Sprache und somit eine erweiterte Kommunikation entwickeln können, was die Integration einzelner Teammitglieder erleichtert. Unter anderem deshalb wird davon ausgegangen, dass sich Menschen mit hoher Ähnlichkeit in den oben genannten Parametern eher „verbunden“ fühlen [1,2].

Homogene Teams scheinen denn auch bei klar definierten Aufgaben, welche aus verhältnismässig unkomplizierten Teilaufgaben bestehen und einfache Antworten erfordern, im Vorteil zu sein. Auch erbringen homogene im Vergleich zu heterogenen Teams signifikant bessere Leistungen in stark leistungsbezogenen (im Gegensatz zu beispielsweise kreativen) Aufgaben [3]. Auf der anderen Seite herrscht bei homogenen Teams oft eine Mangel an Offenheit für neue Informationsquellen. Aus diesem Grund werden homogene Teams bei Aufgaben als weniger leistungsstark eingeschätzt, bei denen für eine optimale Lösung viele verschiedene Informationen benötigt und integriert werden müssen [4].

Heterogene Teams

Menschen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen in einem Team zu haben, kann viele Vorteile, aber auch Nachteile mit sich bringen. Forschungsarbeiten haben gezeigt, dass multikulturell zusammengesetzte Teams produktiver, effektiver und kreativer sind als Teams mit nur einem kulturellen Hintergrund [5,6]. Jedes Teammitglied kann seine ganz eigenen Sichtweisen, Erfahrungen und Fähigkeiten ins Team einbringen. Durch die kulturelle Verschiedenheit der Teammitglieder ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich in diesen Punkten unterscheiden, grösser. Daher haben multikulturelle Teams häufig eine grössere Vielfalt an Ressourcen zur Verfügung. Das führt häufig dazu, dass heterogene Teams flexibler mit ihrer Umwelt umgehen und interagieren können und dank kreativerer Lösungen bessere Leistungen in spezifisch komplexen, vielseitigen Aufgaben erbringen.

Heterogenität führt in Teams aber auch häufiger zu Missverständnissen, was die Wahrscheinlichkeit von Teamkonflikten erhöht. Im schlimmsten Fall wird der Erfolg des Teams sogar geschmälert, weil die vorhandenen Ressourcen nicht für die erforderte Leistung, sondern zum Lösen von Konflikten eingesetzt werden müssen [3] (Zur Bedeutung der Fähigkeit zu Konfliktmanagement siehe Blogbeitrag Von wegen elf Freunde?).

http://die-sportpsychologen.ch/2016/03/02/dr-jan-rauch-von-wegen-elf-freunde/

Durch die gehäuften Konflikte und die Unterschiedlichkeit kann es in heterogenen Teams zusätzlich schwieriger sein, ein starkes Gruppengefühl zu erzeugen (siehe wiederum Von wegen elf Freunde?). Eine speziell mit Fussballmannschaften durchgeführte Studie strich eine besonders hohe Gefahr dieser negativen Effekte heraus [7]. Daher scheint ein adäquater Umgang mit Phänomenen der Heterogenität in diesem Umfeld besonders essentiell. Gut integrierte Teammitglieder sind in der Regel zufriedener, was sich wiederum positiv auf die Teamkohäsion auswirkt.

Von Sport-Teams lernen

Gerade in der Welt des professionellen Sports sind heterogene, multikulturell zusammengesetzte Teams wohl eher die Regel als die Ausnahme. Integration ist auch hier ein wesentlicher Faktor für ein gutes Zusammenspiel. Für umfassende Integration ist zunächst einmal der sensible Umgang mit dem Thema Heterogenität bzw. Kulturdiversität grundlegend. In einem weiteren Schritt sollte der offene Umgang und die Akzeptanz mit voneinander abweichenden individuellen Ansichten und Einstellungen erlernt werden. Eine solche Offenheit kann zur Bildung einer neuen, gemeinsamen Basis beitragen, auf der die von den Mitgliedern eingebrachten Ressourcen optimal genutzt werden können. Um diese Fähigkeit zu üben, sollte man mit dem Team über das Thema sprechen, sich gemeinsam über Ansichten und Werte austauschen und beispielsweise interkulturelle Trainings durchführen. Neben der Herstellung eines offenen Teamklimas sollte das Team gemeinsame und für alle Mitglieder gültige Grundregeln schaffen, an deren Erstellung sich optimalerweise alle Teammitglieder beteiligen.

Für eine nachhaltige Wirkung ist es zudem wichtig, einem Team regelmässig Zeit für gemeinsame Diskussionen über die Zusammenarbeit einzuräumen und die gemeinsam gesetzten Regeln allenfalls anzupassen. Die Unterstützung durch einen entsprechend geschulten Sportpsychologen kann dabei sehr hilfreich sein.

Der Erfolg von Leicester City

Für die Kicker von Leicester City ist der Erfolg zum Greifen nah. Aber auch aus anderen Ligen machen Teams auf sich aufmerksam, bei denen das Zusammenspiel aus Homogenität und Heterogenität einen gewissen Einfluss auf die Teamleistung zu haben scheint. Welche Erfahrungen haben Sie persönlich gemacht? Welche Beispiele fallen Ihnen ein? Und möchten Sie diese diskutieren? Dann lesen wir uns bei Facebook oder direkt per Mail.

Entstanden unter Mitarbeit von Aline Werren

Hinweis: Weitere interessant Beiträge finden sich im Blog des IAP Instituts für Angewandte Psychologie, einem Angebot der ZAHW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften:

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[1] Williams, K. Y., & O’Reilly III, C. A. (1998). A REVIEW OF 40 YEARS OF RESEARCH. Research in organizational behavior20, 77-140.

[2] Wiersema,W. F.,&Bantel, K. A. (1992). Top management team demography and corporate strategic change. Academy of Management Journal, 35(1), 91-121.

[3] Bowers, C. A., Pharmer, J. A., & Salas, E. (2000). When member homogeneity is needed in work teams a meta-analysis. Small group research31(3), 305-327.

[4] Bantel, K. A. (1994). Strategic planning openness. Group and Organization Management, 19(4), 406-424.

[5] Podsiadlowski, A. (2002). Multikulturelle Arbeitsgruppen. Zeitschrift für Sozialpsychologie, 33(4), 241-259.

[6] Stumpf, S. (2006). Interkulturalität in der Personal-, Team- und Organisationsentwicklung. Gruppendynamik und Organisationsberatung, 37(1), 33-49.

[7] Maderer, D., Holtbrügge, D. & Schuster, T. (2013). Professional football squads as multicultural teams: Cultural diversity, intercultural experience, and team performance. International Journal of Cross Cultural Management, 1-24.

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Thorsten Loch: Wer zu früh jubelt…

Barcelona 1999 (ManU vs. FCB), EURO 2004 (Frankreich vs. GBR) und Dortmund 2013 (BVB vs. ManCity). Welchen gemeinsamen Nenner haben all diese Spiele? In jedem dieser Partien wägt sich ein Team bereits als Sieger und steht am Ende dennoch mit leeren Händen da. Sicherlich sind diese Begegnungen nur ein Auszug aus der Sportwelt, zeigen jedoch auf, dass ein zu früher Jubel fatale Folgen nach sich ziehen kann. Ganz gleich in welcher Sportart, die Folgen und die damit begleitende negative Lockerheit sind allgegenwärtig und schlagen erbarmungslos zu. Insbesondere in so genannten KO-Spielen bei internationalen Wettbewerben ist dieses Phänomen häufiger zu beobachten, obwohl die Beteiligten, egal ob Sportler und/oder Funktionäre, vor dem entscheidenden Spiel/Wettkampf fleißig die gängigen Floskeln in die Kameras der Medienvertreter predigen. Seit dem Rückspiel im UEFA Europa League-Viertelfinale wurde die Liste mit Partie FC Liverpool vs. Borussia Dortmund erweitert. Der BVB verspielte in England auf dramatischer Weise ein sicher geglaubtes Weiterkommen.

Zum Thema: Weshalb individuelle Bewältigungsstrategien Erfolg wahrscheinlicher machen und was wir von Borussia Dortmunds Ausscheiden in Liverpool lernen können?

Es lief bereits die dritte Minute der Nachspielzeit, als der Dortmunder Kapitän Mats Hummels den Ball, auf eine für ihn sehr untypische Manier ins Seitenaus schoss. Längst galt es nur noch das 3:3, welches gleichbedeutend mit dem Weiterkommen für den BVB war, über die Runden zu bekommen. Sicherlich hatte Liverpool Moral bewiesen und einen fantastischen Sturmlauf hingelegt, aber die Art und Weise wie Dortmund einen 0:2 und später einen 1:3 Vorsprung noch aus der Hand gab, ist aus sportpsychologischer Sicht äußerst interessant. Was ging in den Köpfen der Dortmunder möglicherweise vor? Einen Erklärungsversuch liefert Hummels: „Wir haben gedacht, das Ding ist durch. Nach dem 3:1 haben wir aufgehört, Fußball zu spielen und Schiss bekommen. Wir haben das Ding hergeschenkt.“

Kognitionen

Unter dem Begriff Kognitionen werden Prozesse verstanden, welche mit dem Wahrnehmen von Informationen, dem Planen und Entwerfen von Aktionen, dem „sich entscheiden“ und der Problemlösung zusammenhängen (Alfermann/Stoll, 2005). Aus dieser Definition wird deutlich, dass kognitive Prozesse in fast allen Teilbereichen des Sports eine zentrale Rolle einnehmen. Wahrnehmungsinhalte werden verarbeitet und zeitgleich subjektiv bewertet. Daran schließt sich entweder ein rationales Problemverarbeiten an oder es entstehen Emotionen, wie z.B. Angst. Ein Modell welches die Entstehung von Angst zu erklären versucht ist das „Psychologische Stressmodel von Lazarus“ (vgl. Abb. 1.). Dieses Modell beschreibt die Entstehung von Stress als Resultat von verschiedenen personeninternen Bewertungsprozessen (vgl. Schwarzer, 1981). Das heißt zunächst, dass ein und das gleiche Ereignis von verschiedenen Menschen ganz unterschiedlich wahrgenommen wird. Ob eine wahrgenommene Situation als Bedrohung oder Herausforderung interpretiert wird, hängt dabei mit der individuellen Einschätzung der zur Verfügung stehenden Ressourcen zusammen. Fühlt sich ein Mensch einer Situation gewappnet, wird er sich weit weniger gestresst oder beansprucht erleben, als ein Mensch, der völlig unvorbereitet in einer vergleichbaren Situation handeln muss. Eine Situation wird von einer Person wahrgenommen, und dann entscheiden zwei Beanspruchungsprozesse, die prinzipiell gleichzeitig ablaufen, ob diese Situation eine Stressreaktion auslöst. Zunächst wird in einer ersten Bewertung die Frage geklärt, ob die Situation eine Bedrohung darstellt. Dies hängt natürlich entscheidend von der zweiten Bewertung ab, bei der nach Ressourcen zur Bewältigung der wahrgenommen Situation gefragt wird. Erst wenn für eine Situation keine entsprechenden Ressourcen zur Bewältigung gesehen werden, wird sich als bedrohlich eingeschätzt. Für das Stresserleben sind daher nicht die objektiven Parameter der Umwelt entscheidend, sondern allein die Tatsache, dass die Person selbst die Situation als unkontrollierbar wahrnimmt.

„Wir haben auf verschiedenen Positionen gedacht, dass wir verschiedene Systeme spielen.“

Mats Hummels über seine Besprechung gut 20 Minuten vor Schluss

Übertragen auf das Viertelfinalrückspiel in Liverpool lässt sich mit dem neuen Wissen der Verlauf des Stressgeschehens folgendermaßen erklären. Nach der beruhigenden Führung von jeweils zwei Toren, wurde die Situation als nicht mehr bedrohlich eingeschätzt bzw. das Weiterkommen wurde nicht in Frage gestellt. Die Anspannung bei den Dortmunder Spieler fiel merklich ab und die negative Lockerheit machte sich breit, welche sich ebenfalls in der Körpersprache widerspiegelte. Mit dem plötzlichen Anschlusstreffer zum 2:3 kippte diese. Angetrieben von den fanatischen Fans an der Anfield Road und Jürgen Klopp bäumt sich das geschlagen geglaubte Liverpooler Team nochmals auf. Von diesem Zeitpunkt an änderte sich die Situation für den BVB vollends. Die zuvor als nicht bedrohlich bewertete Situation wurde eben zu einer solchen. Ein Gefühl von Angst machte sich unter den Spielern breit. Die Spieler haben nicht innerhalb weniger Minuten der Fußballspielen verlernt, nur die Überzeugung, die nötigen Ressourcen zu besitzen, um in dieser Situation bestehen zu können, ging verloren. Ohne geeigneter subjektiver Bewältigungsstrategie kam ein Gefühl der Hilflosigkeit hinzu, welches gepaart mit der Angst – wie gesehen – verheerende Auswirkungen auf das Spiel hat.

Fazit:

Angst ist ein Gefühlszustand, der als unangenehm erlebt wird. Die Angstemotion tritt normalerweise als Ergebnis von kognitiven Prozessen auf. Eine Situation wird als bedrohlich eingeschätzt, woraufhin sich Erregung ausbreitet die vom Individuum in Übereinstimmung mit dem Bedeutungsgehalt der Situation als ängstliche Erregung interpretiert wird. Der Sportler und Trainer steht dieser Situation jedoch nicht hilflos gegenüber. Die angewandte Sportpsychologie verfügt über entsprechende Interventionen in einer solchen Situation bestehen zu können. Ein Sportpsychologe kann dabei unterstützend helfen, geeignete individuelle Bewältigungsstrategien zu entwickeln, damit ein möglicherweise sicher geglaubter Sieg auch tatsächlich ins Ziel gebracht wird.

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Literatur:

Alfermann, D./Stoll, O. (2005). Sportpsychologie. Ein Lehrbuch in 12 Lektionen. Meyer&Meyer Verlag: Aachen.

Schwarzer, R. (1981). Streß, Angst und Hilflosigkeit. Kohlhammer Verlag: Stuttgart.

http://www.kicker.de/news/fussball/uefa/startseite/649663/artikel_hummels_wir-haben-schiss-bekommen.html; Zugriff 18.04. 18:46 Uhr.

 

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Cristina Baldasarre: Entspannung als Aufgabe

In den vergangenen Wochen war Curling medial durchaus präsent. Vorrangig natürlich aufgrund des WM-Erfolgs der Damen im kanadischen Swift Current. Vier der letzten fünf Weltmeistertitel konnten Schweizerinnen feiern. Eine wirkliche Auseinandersetzung mit der Sportart findet allerdings kaum statt, obwohl viele Athleten diverser Disziplinen von dem zugegeben speziellen Spiel Curling etwas lernen können.

Zum Thema: Erholung- und Belastung im Wettkampf

Im Curling besteht für die Aktiven eine der grössten Herausforderungen darin, dass in der Regel an einem Tag zwei Wettkämpfe stattfinden. Dies bedeutet, dass die Sportler sich zweimal stark fokussieren und motivieren müssen. Bei internationalen Top-Ereignissen wie Weltmeisterschaften kommt noch erschwerend hinzu, dass mehrere Turniertage jeweils mit Doppelbelastungen hinter den Startern liegen. Im Ergebnis kommt der Erholungs- und Belastungsthematik eine besondere Bedeutung zu.

Vielen Sportlern hilft es, dass in solchen intensiven Turnier- und Wettkampfphasen teamfreie Zeit in den Tagesablauf eingebaut wird. Luzia Ebnöther, eine der erfolgreichsten Schweizer Curlerinnen, die ich fünf Jahre ihre Karriere als Sportpsychologin begleitete (auf die-sportpsychologen.ch ist der Insiderbericht “Was Führungsspieler von Ex-Curlerin Luzia Ebnöther lernen können ” erschienen), achtete nachdrücklich darauf, dass jede Spielerin autark entscheiden konnte, wie die zur Verfügung stehende Zeit genutzt werden sollte.  “Jede konnte machen, was sie wollte, auch vollkommen alleine, ohne jegliche Anbindung an das Team”, lautete die Devise der Olympia-Silbermedaillengewinnerin von Salt Lake City im Jahr 2002.

Entspannung ja, aber nicht zu viel

Am Wettkampfort selbst, wo beim Curling meist zwei bis drei Stunden zwischen den Spielen liegen, besteht die Herausforderung darin, genügend, aber nicht zu stark zu entspannen, um danach wieder fit und bereit für den nächsten Gegner zu sein. Eine tolle Hilfe können dabei Atemtechniken und sogenanntes Tagträumen sein, die es möglich machen, für kurze Zeit in eine ganz andere Welt einzutauchen und das Curling vorübergehend zu vergessen.

Einem Massenpublikum wird die Erholungs- und Belastungsthematik spätestens im Sommer während der Olympischen Spiele bewusst werden. Auch hier verlangt der Wettkampfkalender unter anderem der Schwimmer oder Leichtathleten den einzelnen Sportlern viel Geschick in der direkten Wettkampfvorbereitung ab. Hierbei können Sportpsychologen sehr effektiv helfen.

 

Zum Thema:

http://die-sportpsychologen.ch/2016/04/11/was-fuehrungsspieler-von-ex-curlerin-luzia-ebnoether-lernen-koennen/

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Was Führungsspieler von Ex-Curlerin Luzia Ebnöther lernen können

Für die-sportpsychologen.ch berichtet:

Luzia Ebnöther

Zwei Zentimeter fehlten Luiza Ebnöther 2002, um in alle Ewigkeit den Titel Olympiasiegerin zu tragen. Ihre Silbermedaille von den Olympischen Spielen in Salt Lake City, über die sie nach dem Wettkampf noch brutal enttäuscht war, ist mittlerweile längst eine ihrer liebsten Erinnerungen an eine aussergewöhnliche Sportkarriere. Von sechs der sieben Grossanlässen, an denen sie teilnahm, kam sie mit einer Medaille zurück. Neben dem 2.Platz bei Olympia erkämpfte sich die gebürtige Züricherin jeweils eine Silber- und drei weitere Bronzemedallien bei Welt- und Europameisterschaften. Sie zählt bis heute zu den erfolgreichsten Curlerinnen der Schweiz und begleitete ihren Sport mehrere Jahre als Co-Kommentatorin beim Schweizer Fernsehen.

In die Führungsrolle reingewachsen

“Beeindruckt hat mich Luiza Ebnöther allen voran durch ihre Gabe, mit ihrem Team zu wachsen und sich stets verändernden Bedingungen anzupassen,” sagt Cristina Baldasarre. Die Fachpsychologin für Sportpsychologie (zum Profil bei die-sportpsychologen.ch) begleitete die Curlerin insgesamt fünf Jahre und setzte im Zuge der Zusammenarbeit auf Einzelberatungen, Teaminterventionen auf und neben dem Eis und Coach the Coach-Massnahmen. Ebnöther war für sie dabei immer eine herausragende Führungsperson.  

Reflektierend greift Cristina Baldasarre besondere Beispiele heraus, von denen andere Sportler mit Führungsverantwortung lernen können.  

Situatives Führen

Schon als junge Sportlerin, die mit 13 Jahren mit dem Curling begann, übernahm Luzia Ebnöther die Rolle des Skip. Sie entwickelte ihre Rolle fortlaufend, sie musste lernen sich durchzusetzen und situationsangepasst zu handeln. In der Literatur spricht man von Kontingenztheorien, auch Situatives Führen genannt (Rosenstiel). Das bedeutet, dass Führungserfolg durchaus von der Persönlichkeit der führenden Person abhängt, genauso aber auch von den situativen Bedingungen. So ergibt sich eine Mischrechnung: Für Erfolg sind neben dem Führungsstil auch die Beziehungsstärke, die Schwierigkeit der Aufgabe und die Positionsmacht der Vorgesetzten mit einzurechnen. Situativ wird das ganze dann, wenn je nach Ausprägung der genannten Faktoren ein anderes Führungsverhalten erforderlich wird.

Baldasarre: “Luiza Ebnöther nahm in bestimmten Situationen immer wieder die Vogelperspektive ein, um inhaltliche und Umfeld bedingte Knackpunkte zu identifizieren. Sie suchte die Unterstützung bei anderen Personen, wodurch ihre Ideen und Einschätzungen bestätigt oder durch zusätzliche Inputs wertvolle Hinweise und andere Sichtweisen geliefert wurden.” Die Einbeziehung ihrer Mitspielerinnen, auf die sie während der Partien immer wieder setzte, hatte dabei Kalkül: Nicht nur, weil sie verhindern wollte, in komplexen Situationen den Wald vor Bäumen nicht mehr zu sehen, sondern vielmehr wollte sie erreichen, dass die Spielerinnen eine gemeinsame Entscheidung treffen, da die anschliessende Umsetzung mit mehr Selbstvertrauen vollzogen wird.

Teamgeist entwickeln

Curling wird allen voran von den Medien als Mannschaftssport nicht ernst genommen. In der Regel wird in der öffentlichen Betrachtung nur der Skip erwähnt. Baldasarre weiß aber, dass ihre Sportlerin sehr viel Zeit und Akribie dafür verwendete, das Team um sie herum zu bauen: “Luzia Ebnöther legte viel Wert auf die Persönlichkeitseigenschaften, welche die Spielerinnen mit sich brachten: Eine ausgesprochene Kämpfernatur war dabei, ebenso eine mit Überblick, ein ruhender Pol und eine (etwas) Chaotische. Diese Mischung war auch der Schlüssel für den Erfolg ihres Teams. So konnte jede von ihnen ihre starken Eigenschaften einsetzen und im richtigen Moment ergänzten sie sich bestens.”

Die Entwicklung dieses Teamspirits unterstützte sie durch die Schaffung einer äusseren Grenze: Dies gelang durch einfache Mittel wie einer einheitliche Kleidung, dem gemeinsamen Ankommen und Garderobenbezug in der Curlinghalle oder durch ihre individualisierte Spielvorbereitung mit Ritualen, Teamsprüchen und ausgewählter Musik. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl wirkte natürlich auch nach aussen und für Gegner war klar, dass ihnen ein mental bereites Team entgegentreten würde.

Teaminterne Kommunikation

Auch die teaminterne Kommunikation auf und neben dem Eis war stets eine Herausforderung und wichtige Komponente. Schnell ist in der Emotion etwas gesagt, was man lieber nicht gesagt hätte (dies schliesst auch die  Körpersprache mit ein). Hier halfen immer wieder Teamgespräche, bei denen sehr offen darüber geredet wurde, was den einen am anderen stört oder was der eine am anderen schätzt.

Baldasarre: “Dadurch wusste jedes Teammitglied im Detail, was welche Teamkollegin in schwierigen Situationen braucht bzw. nicht braucht. Offen zu kommunizieren war das A und O, um ein gutes Teamverständnis zu entwickeln. Wie viel Zeit dies in Anspruch nahm, war sekundär.”

Visualisierungen und Zielsetzungen

Im Bereich der mentalen Techniken standen das Visualisieren und die Zielsetzung im Zentrum, erinnert sich Baldasarre. Bei der Visualisierung ging es um die Vorstellung gelungener, erfolgreicher Steine, was Luiza Ebnöther und ihr Team auch während des individuellen oder gemeinschaftlichen Trainings sowie in der direkten Wettkampfvorbereitung einsetzten. Ein spezieller Part war dabei das Visualisieren von technisch sowie koordinativ anspruchsvollen Steinen aber auch das sich Hineindenken in strategische Fragen mit der Erarbeitung eines Plan B. Die x-fachen Wiederholungen im Einzeltraining, zu Hause in Ruhe, während der Trainings und Wettkampfes haben ihr Selbstvertrauen weiter gefestigt.

Die Definition von kurz-, mittel- und langfristigen Zielen erwies sich für Luzia Ebnöther und ihr Team als eine sehr gewinnbringende Technik. Dabei lag der Fokus nicht alleinig auf den Ergebniszielen. Vielmehr wurde im Bereich der Prozessziele gearbeitet, die ja quasi den Weg zum Erfolg aufzeigen: Die Qualität der Ausführung wurde mehr und mehr zum Thema. Also beispielsweise die Frage danach, wie bestimmte Steine gespielt werden sollten oder Strategien in bestimmten Situation ganz konkret umgesetzt werden sollen. Beispiele für Prozessziele sind die richtige Körperhaltung bei der Steinabgabe oder das Zusammenspiel von Wischern mit dem Skip. Handlungsziele haben den großen Vorteil, nur von den Fertigkeiten des betreffenden Sportlers abzuhängen. Sie leiten den Fokus auf den jetzigen Moment und die hier und jetzt geforderte Aufgabe, was der Konzentration und Aufmerksamkeit auf das Wesentliche dient.

Fazit

Luzia Ebnöther hat im Schweizer Curling definitiv Spuren hinterlassen. Inwieweit aktuelle Erfolge wie der neuerliche Weltmeistertitel der Damen auch noch ein Stück mir ihr zu tun haben, können am besten die siegreichen Spielerinnen beantworten. In jedem Fall würde ich allen jungen Sportlern raten, sich an Vorbildern zu orientieren. Vorbilder wie Luzia Ebnöther.

Literatur

  1. v. Rosenstiel: Grundlagen der Führung. In: L. v. Rosenstiel u. a.: Führung von Mitarbeitern. 4. Auflage. Stuttgart 1999.

Zum Thema:

http://die-sportpsychologen.ch/2016/04/11/cristina-baldasarre-entspannung-als-aufgabe/

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Dr. René Paasch: Aussterbende Spezies Leitwolf?

Wer ist eigentlich der Führungsspieler beim VfL Wolfsburg? Mitte Februar erkor die Bild-Zeitung Julian Draxler zu einem solchen, gab ihm aber gleichzeitig den Beinamen der “leise Führungsspieler”. Und der Nationalspieler sagt selbst über sich, dass er nicht durch Worte sondern durch Taten überzeugen wolle. Draxler gegenüber Bild-Reporter Daniel Peters: „Es ist bei mir so, dass ich nicht besonders viel rede in der Kabine, oder die Jungs irgendwie pushen muss. Ich versuche, auf dem Platz Verantwortung zu übernehmen. Ein Führungsspieler zeichnet sich nicht dadurch aus, dass er besonders viel quatscht oder rumschreit.“ Andere echte Leader, die am Mittwochabend die Wölfe allein durch ihr Auftreten zu einer Sensation im Champions League-Viertelfinale gegen Real Madrid führen könnten – Fehlanzeige. Aber damit ist der VfL Wolfsburg nichts besonderes, denn durch die tiefgreifenden Änderungen, die das Fußballspiel an sich erfahren hat, stellt sich auch die Bedarfssituation gegenüber Führungsspielern neu auf.

Zum Thema: Welche Persönlichkeitseigenschaften und Aufgaben zeichnen einen Führungsspieler aus und sind flache Hierarchien und mehrerer Führungsspieler in einer Mannschaft zeitgemäßer?

Erfahrungsgemäß sind junge Kicker der Meinung, dass sie nicht auf dem Platz herumschreien, sondern genug Feingefühl besitzen, wenn jemand Unterstützung braucht! Weiterhin wird sehr häufig angeführt, dass modernes Fußballspiel durch Schnelligkeit und kollektives und kreatives Zusammenspiel gekennzeichnet ist und deshalb ein dominierender Leader, nicht mehr zeitgemäß sei, eher flache Hierarchien und Mehrfachleader. Aus meiner Sicht reift aktuell eine Generation heran, in der das Kollektiv an Bedeutung gewinnt. Sie pushen sich gegenseitig, und sie sind bereit, Verantwortung zu übernehmen. In diesem Zusammenhang möchte ich erwähnen, das Führen kein einseitiger Prozess ist und das Führungsspieler nicht geboren werden (Baumann, 2008, S. 119). Die Führungsrolle fällt denjenigen Spielern zu, die sich am deutlichsten mit den Mannschaftsnormen und den Mannschaftszielen identifizieren und damit den höchsten Beitrag zur Einheit der Mannschaft leisten. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie in der Rangordnung der Mannschaft ganz oben stehen (Baumann, 2007; Tippenhauer, 2010).

Die verschiedenen Persönlichkeiten und die Fähigkeiten der Spieler sind der Grund dafür, dass in einer Mannschaft mehrere Führungsspieler vorhanden sein können. Beispielsweise gibt es den selbstbewussten, offensiven Macher, der seine Mitspieler mitreißt. Ein anderer ist derweil für die Zuwendung und Einbindung neuer oder unsicherer Spieler da. Und dann gibt es noch denjenigen Spieler, der als Motivator fungiert, der die Mannschaft in entsprechenden Situationen wieder aufrichtet. Schauen wir also mal genauer auf die Funktionen, die gleichzeitig von mehreren Führungsspielern in einer Sportmannschaft wahrgenommen werden:

Flache Hierarchien statt Starkult von einst

Aus taktischer Sicht ist schnell klar, warum früher Spieler wie Franz Beckenbauer, Günther Netzer, Wolfgang Overath, Lothar Matthäus und Stefan Effenberg eine derart herausragende Rolle in ihren Mannschaften hatten. Dies lag maßgeblich an ihrer Funktion auf dem Spielfeld: Als Libero bzw. Spielmacher hatten sie auf dem Platz eine Freiheit, die andere Spieler nicht hatten. Aus dieser spielerisch herausragenden Position ergab sich auch eine besondere Verantwortung im Mannschaftsgefüge. Die Vorzüge, die diese Spieler auf dem Platz hatten, mussten sie auch rechtfertigen. Das gelang nicht immer spielerisch. Sie taten sich daher auch verbal hervor, indem sie in den entscheidenden Momenten laut wurden und ihre Kollegen antrieben. Aufgrund ihrer besonderen spielerischen Freiheiten konnten sie in diese Rolle schlüpfen (Tippenhauer, 2010).

Heute sieht der Fußball solche herausragenden Rollen nicht mehr vor. Die kollektive Raumdeckung und die zunehmende Verengung der Räume sorgten dafür, dass freie Rollen immer seltener werden. Top-Mannschaften zeichnen sich nicht mehr durch einen überragenden Akteur aus, sondern verteilen die spielerische Last auf mehreren Schultern. Das passende Beispiel dafür ist der FC Barcelona, bei dem jeder einzelne Spieler den Unterschied ausmachen kann. Leader der alten Schule findet man nur noch selten. Der Begriff der „flachen Hierarchie“ ist hierbei in den Vordergrund gerückt. Dieser Begriff stammt ursprünglich aus der Unternehmenspsychologie (Schwarz, 2007). Eine flache Hierarchie kennzeichnet im Gegensatz zur steilen Hierarchie die höhere Selbstverantwortung und Eigeninitiative der Rangniedrigeren. Die Ranghöheren sind nicht mehr Befehlsgeber, sondern Schnittstelle zwischen den einzelnen Gruppenmitgliedern. Durch die höhere Verantwortung, die auf den Schultern des eigenverantwortlich arbeitenden Einzelnen lastet, fällt es ihm schwerer, sich hinter der Gruppe zu verstecken (Ohlert, 2009).

Der „Star ist die Mannschaft“

Die Verantwortung eines jeden Spielers ist in einem System mit Raumdeckung wesentlich höher als bei simpler Manndeckung, da die gesamte Defensivorganisation mit dem einzelnen Spieler steht und fällt. Während sich früher Spieler hinter dem großen Star der Mannschaft als Arbeiter fügten, ist heute der „Star ist die Mannschaft“. Es wird versucht, nicht nur die Last des Spielaufbaus, sondern auch die Führung der Mannschaft auf mehrere Schultern zu verteilen. Grüppchenbildung ist dabei nicht ausgeschlossen, wichtiger ist nur, dass die Gruppen auch untereinander vernetzt sind. Daher ist es sinnvoll, Entscheidungen durch einen Mannschaftsrat treffen zu lassen, der alle Mannschaftsgruppen repräsentiert und zusammenführt.

Führungsspieler bestechen in erster Linie durch ihr persönliches Vorbild. Sie gehören zu den spielstärksten Mitgliedern der Mannschaft. Wesentliche Aspekte bezüglich der Vorbildwirkung bestehen in der Ausstrahlung von Selbstbewusstsein, Zielstrebigkeit und Optimismus. Sollten schwierige Situationen auftreten und jüngere Spieler z.B. ihre spielerische Linie aus Angst verlieren oder aufgeben, dann müssen die Führungsspieler zur Stelle sein und sie aufrichten und neuen Mut schenken.

Kommunikation und emotionale Intelligenz (Goleman, 2002)

Die Führungsspieler müssen in Situationen nachlassender Motivation der Mitspieler, die Mannschaft voranbringen. Dies erreichen sie in erster Linie durch den Einsatz ihrer Stimme, ihrer Gestik, Mimik und ihrem Vorbild für Einsatz und Zielstrebigkeit. Als großer Bestandteil der Mannschaft sind die Führungsspieler besser als der Trainer in der Lage, die emotionale Verfassung sowohl auf einer bewussten, als auch auf einer unbewussten Ebene der jeweiligen Spieler zu erkennen und auf sie einzugehen. Ersatzspieler, die sich falsch verstanden fühlen, deren Ängste unbeachtet bleiben oder die durch falsch verstandene Kritik demotiviert werden, können durch die Kommunikation mit den Führungsspielern von ihren Befürchtungen und Missverständnissen befreit werden. Voraussetzung für emotional intelligentes Verhalten der Führungsspieler ist die Fähigkeit, eigene Emotionen zu kontrollieren. Sie müssen in der Lage sein, Frustration und Enttäuschung situationsgemäß zu erkennen und zu kontrollieren. Nur dann werden Sie in ihrer Funktion, die Mannschaft zu leiten und positiv zu beeinflussen, gerecht werden können. Führungsspieler sind somit gut beraten, ihre Emotionen so zu kontrollieren, dass sie für die Ausübung ihrer sportlichen Tätigkeit (in Wettkampf und Training) zuträglich sind.

Als wichtiges Bindeglied zur Mannschaft sollten die Führungsspieler eine kontinuierliche Kommunikation mit dem Trainer pflegen. Sie können dem Trainer wichtige Hinweise über Einstellungen von Spielern, über teamdynamische Vorgänge oder über Sorgen und Ängste der Spieler geben und diesem bei seiner Entscheidungsfindung hilfreich sein. Als Vermittler zwischen Trainer und Spielern und umgekehrt, bedarf es eines feinen Gespürs der Führungsspieler, das Vertrauen der Spieler nicht zu enttäuschen. Ihre Argumente sollen stets am Wohl der Mannschaft orientiert und für alle nachvollziehbar sein. Ein gelungener Kommunikationsprozess zwischen Trainer, Mehrfachführungsspieler und Spielern trägt wesentlich zur Vertiefung des Mannschaftszusammenhalts und damit zur Optimierung der Mannschaftsleistung bei. Die dazugehörigen empirischen Nachweise fehlen zwar noch, dennoch erscheint dieser Zusammenhang mehr als nur plausibel. Missverständnisse und Reiberein können frühzeitig erkannt und gelöst werden. Die Spieler müssen überzeugt sein, dass die Führungsspieler zum Wohl der Mannschaft handeln und die Lösung der gemeinsamen Aufgaben sein vorrangiges Ziel darstellt. Das Vertrauen zu den Führungsspielern ist die Voraussetzung dafür, dass alle Spieler die relevanten Informationen aufnehmen, und die Vermittlerrolle des Führungsspielers zum Trainer akzeptieren. Die Kommunikation mit den Spielern wird erleichtert und vertieft, wenn die Führungsspieler möglichst umfangreiche Kenntnisse über aktuelle Geschehnisse im Leben der Spieler erhält. Sie sollten sich ihrer Bedeutung für die Mannschaft als Einheit bewusst sein. Die Rolle des Führungsspielers als Mittler zwischen Trainer und Spielern verlangt viel Einfühlungsvermögen und Menschenkenntnis.

Fazit:

Die flachen Hierarchien und Mehrfachleader innerhalb einer Mannschaft, haben großen Einfluss auf das Team, den Zusammenhalt, die Akzeptanz des Trainers und auf dem saisonalen Verlauf. Diese recht offensichtliche Tatsache konnte von Tippenhauer (2010) durch einen Fragebogen mit hochkarätigen Experten bestätigt werden. Für den Trainer bedeutet dieses wissenschaftlich fundierte Wissen ein wichtiges Signal.

Literatur

Baumann, S. (1998/2009/2015): Psychologie im Sport. Aachen: Meyer & Meyer.n

Baumann, S. (2002/2008): Mannschaftspsychologie. Methoden und Techniken. Aachen: Meyer & Meyer.

Goleman, D. (2002). Emotionale Intelligenz. (15. Aufl.). München – Wien – New York: dtv.

Helsen, W. F., Starkes, J. L. & Hodges, N. J. (1998). Team sports and the theory of  deliberate practice. Journal of Sport & Exercise Psychology, 20 (1), 12-34.

Gerhard Schwarz (2007): Die „Heilige Ordnung“ der Männer. Hierarchie, Gruppendynamik und die neue Rolle der Frauen. 5. überarbeitete Auflage. Wiesbaden: VS, Verlag für Sozialwissenschaften.

Jeannine Ohlert (2009): Teamleistung. Social Loafing in der Vorbereitung auf eine Gruppenaufgabe. Hamburg: Dr. Kovac.

Tippenhauer, H-D. (2010). Der wahrgenommene Einfluss von Führungsspielern in der Fußball-Bundesliga. Eine Betrachtung aus der Sicht von Spielern, Trainern, Experten und Medienvertretern. Digitale Dissertation, Universität Münster. Internet: http://repositorium.uni-muenster.de/document/miami/90410776-6548-4f82-9d61-acbdc7a203e4/diss_tippenhauer.pdf

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Prof. Dr. Oliver Stoll: Frühlingszeit, Fehlerzeit

Die Saisonplanung machen die meisten Hobby-Läufer in der Weihnachtszeit. Zwischen diesem Zeitpunkt der Zielsetzung und der nun beginnenden Wettkampfsaison liegen harte Wochen und Monate – kurze Tage, wenig Helligkeit und oftmals Kälte. Ist diese schwierige Phase mehr oder weniger gut überstanden, sind Freizeitsportler stark gefährdet, einen großen Fehler zu machen: Wenn sie nämlich sklavisch an den Zielen aus der Weihnachtszeit festhalten. Noch im Winter haben die gut gemachten Motivationsvideos oftmals zu ambitionierten Zielen geführt – allerdings steht das seither absolvierte Trainingspensum dazu nicht immer in einem gesunden Verhältnis. Es ist also gerade jetzt gefragt, eine realistische Selbsteinschätzung an den Tag zu legen, um ein massives Mißerfolgserlebnis zu vermeiden.

Zum Thema: Weshalb Freizeitsportler ihre Saisonplanung stetig überdenken sollten

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Weitere Informationen

Jetzt ist genau der Moment, in dem Sie ganz klar und objektiv über Ihr zentrales Ziel für die Saison 2016 nachdenken sollten, welches Sie sich vor einigen Monaten vorgenommen hatten. Allen voran, wenn die Anforderungen, die dieses Ziel an Sie stellt, Sie plötzlich zu erschlagen scheinen. Dies passiert, wenn die Liste der aufzubringenden Opfer und der vielen Hindernisse, die sich in den Weg stellen, immer länger werden und sich wie ein riesiger Berg auftürmen. Der Weg zu Ihrem Ziel erscheint wie eine sich endlos windende Straße, übersät mit vielen Schlaglöchern und Hindernissen. In einem solchen Moment hilft eine alte Weisheit, die wohl ursprünglich von Konfuzius stammte, jedoch von einigen pfiffigen Langstreckenläufern umformuliert wurde: „Auch 42,195 km beginnen mit einem ersten Schritt“. Machen Sie sich bewusst, dass es fast unmöglich ist, das Ziel und seine komplexen Wirkungsmechanismen bis zu seiner Erreichung überschauen zu können. Es ist verlorene Zeit, sich seinen Kopf über all die vielen Dinge, die bis dahin erledigt werden müssen, zu zerbrechen. Sie können immer nur eine Sache zu einer bestimmten Zeit erreichen. Lernen Sie also Ihre Bemühungen und Ihre Konzentration auf Zwischenziele und auf die Überwindung einzelner Hindernisse zu richten. Versuchen Sie folgende Ratschläge zu berücksichtigen:

Entscheiden Sie nun noch einmal genau, was Sie erreichen wollen! Geht es darum, ein neue Bestzeit über 10 km laufen zu wollen? Oder steht etwa ein Marathon am Ende Ihrer Straße?

Erkennen Sie die Hindernisse, die Sie an Ihrer Weiterentwicklung hindern. Das können organisatorische Hindernisse (z.B. Der nächste Lauftreff ist 10 km entfernt und Sie schaffen es nicht rechtzeitig, von der Arbeit wegzukommen) und/oder Klippen im sozialen Umfeld sein (Hält Sie Ihr Lebenspartner vielleicht für verrückt, weil Sie bei jedem Wetter eine Stunde im Wald verschwinden?). Sehr oft sind es kleinere oder größere Verletzungen, die einen am Training und somit an der Zielerreichung hindern können.

Entscheiden Sie ganz bewusst, was nötig ist, diese Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Das können klärende Gespräche mit Freunden oder Bekannten sein oder etwa eine Trainingspause, die oftmals mehr schmerzt als die Hinderung daran, dass man sich nicht frei entfalten kann.

Errichten Sie spezifische Ziele, die Ihnen dabei helfen, ein Hindernis nach dem anderen anzugehen. Das bedeutet, dass für Sie jedes Zwischenziel und sein Erreichen eine genauso hohe Bedeutung hat wie das eigentliche Endziel.

Ein Wegplaner zum Ziel

Hilfreich für die Umsetzung dieser Ratschläge ist das Erstellen eines Wegplaners, wie er in Abbildung 8 dargestellt ist.

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Abbildung 8: Wegplaner zum ersten Marathon (aus Stoll & Ziemainz, 2016)

Sie streben beispielsweise an, Ihren ersten Marathon in ca. sechs Monaten zu absolvieren. Schreiben Sie dieses Ziel ganz oben an das Ende der gewundenen Straße. Überlegen Sie sich jetzt gut, was Ihnen beispielsweise auf dem Weg zu Ihrem Ziel dazwischenkommen kann. Formulieren Sie nun mit Ihren eigenen Worten diese Hindernisse und notieren Sie dies in die Kästchen „Hindernis 1, Hindernis 2 etc.“. Versuchen Sie dabei so präzise wie möglich zu sein – überlegen Sie aber nicht zu lange! Damit trainieren Sie gleichzeitig die Fähigkeit, schnell und konsequent Entscheidungen zu treffen und sind so in der Lage, Ihren Wegplan ständig zu aktualisieren und zu verbessern.

Prinzipien der Zielsetzung

Lassen Sie uns noch einmal die Prinzipien der Zielsetzung zusammenfassen:

Seien Sie bei der Formulierung Ihrer Saisonziele so prägnant wie möglich. Vage Angaben über Ziele reichen zumeist nicht aus, um eine Motivation stark genug zu machen, damit sie Hindernissen und Störgrößen entgegenwirken kann. Überlegen Sie sich sehr genau, wie Sie das anvisierte Ziel erreichen wollen, wieviel Zeit Sie benötigen werden und wie Sie eine mögliche Leistungssteigerung messen können.  

Ihr anvisiertes Ziel sollte immer im Bereich des Möglichen sein. Bleiben Sie mit Ihren Wünschen auf dem Boden der Realität. Aus der Sportpsychologie wissen wir, dass präzise, herausfordernde Ziele eine bessere Leistung hervorbringen als leichte oder überhaupt keine Ziele. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Kontrollierbarkeit der Zwischenziele bzw. des Endziels. Versuchen Sie Ihre Leistungen und Ihre Zielerreichung ständig unter persönlicher Kontrolle zu halten.

Bleiben Sie bei allem, was auch immer Sie beeinflusst, auf dem Boden der Tatsachen. Bürden Sie sich keine undurchführbaren Ziele auf. Alle Ziele sollten Ihrem momentanen Leistungsstand entsprechen. Sie sollten jedoch danach streben, sich Schritt für Schritt zu verbessern. Haben Sie keine Angst davor, Ziele, wenn sie z.B. durch eine Verletzung nicht mehr durchführbar sind, umzubewerten.

Alle Ihre Ziele sind persönliche Ziele. Sie bestehen einzig und allein in Beziehung zu Ihnen und Ihrer Leistungsfähigkeit. Entscheiden Sie ganz alleine, was Sie erreichen wollen. Orientieren Sie sich nicht an den Zielen anderer Läufer.

Motivation lässt sich am besten durch Erfolg steigern und stabilisieren. Trainieren Sie so, dass Ihr Erfolg von Zeit zu Zeit sichtbar ist, oder anders ausgedrückt, machen Sie Ihren Erfolg durch irgendein objektives Kriterium mess- und sichtbar. Denken Sie ebenfalls daran, dass die Vielfältigkeit von Zielen die Wahrscheinlichkeit von Erfolg erhöht.

 

Literatur:

Stoll, O. & Ziemainz H. (2016). Mentales Training im Langstreckenlauf (5. überarbeitete Auflage). Hamburg: Czwalina.

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Dr. René Paasch: Trash Talk richtig kontern

Ende Februar diskutierte die Bundesliga, ob es akzeptabel sei, dass die Spieler des Aufsteigers FC Ingolstadt auch mit Mitteln abseits des guten Geschmacks kämpften. Mit Worten wie „ekelhaft“, „Horror“ und „Schweinespiel“ wurden die Spieler des HSV nach dem 1:1 der Schanzer in Hamburg hinsichtlich der Spielweise der Bayern zitiert. Dabei waren es gerade die Nordlichter, die Anfang der Saison für Aufsehen sorgten: Im Pokalspiel des HSV beim Regionalligisten FC Carl Zeiss Jena soll der Hamburger Sven Schipplock den FCC-Torhüter Raphael Koczor wiederholt damit konfrontiert haben, welche Summen in der Bundesliga so verdient werden können. Keine Frage, die Sitten im Fußballgeschäft sind rauh und es gibt Techniken, deren Wirkungskraft unter der Gürtellinie angesiedelt sind. Nehmen wir zum Beispiel den Trash Talk.

Zum Thema: Die Techniken des Trash Talks und wirksame Gegenmittel

Der so genannte „Trash Talk“ (Chris, 2015), zu Deutsch „verbale Provokation“, ist so alt wie die Bundesliga selbst. Und genauso ein Mittel wie die Abseitsfalle oder der Freistoßtrick. Wer hat eigentlich den Trash Talk erfunden? Vermutlich ist der Erfinder der verbalen Unterhaltung Herbert Finken. Der empfing in den 1960er Jahren als Bundesligaverteidiger von Tasmania Berlin seine Gegenspieler mit dem Gruß: „Mein Name ist Finken und Du wirst gleich hinken.“ Wenig später war Reinhard („Stan“) Libuda, der sagenhafte Dribbelkönig vom FC Schalke 04, durch nichts zu stoppen, nur durch die unterirdische Frage: „Sag mal, Stan, schläft Deine Frau immer noch mit dem Neger?“.

Als Klassiker gilt, wenn der Verteidiger den Stürmer mit Hinweisen auf vergebene Torchancen oder auf die Schlagzeilen der letzten Woche reizt. Ein Standardsatz nach dem Foul: „Beim nächsten Mal knallt es, Weichei!“. Gern genutzt sind auch Hinweise auf die Einkommenssituation, wie im Falle von Raphael Koczor. Aber Trash Talk ist durchaus auch was für die “Kleinen”. In Pokalspielen bekommt manch “Großer” nach einem Fehlpass vom Amateur zu hören: „Und du willst Bundesligaspieler sein?“.

Beispiele für Trash Talk aus der Praxis

Eine einfache Variante des Trash Talks ist die vorgespielte Sorge, etwa so: „Ist Dein Meniskusschaden geheilt, Kollege?“ Der Gegenspieler denkt, er und seine Sorgen würden ernst genommen, dabei besteht die Absicht aber darin, an seine Verletzung zu erinnern. Das nennt sich Flashback (Bessel A. van der Kolk, Alexander C. McFarlane, Lars Weisaeth (2000). Sinngemäß übersetzt etwa „Wiedererleben“, „Erinnerungsblitz“ oder „Rückerinnerungs-Blitz“ – dahinter verbirgt sich ein psychologisches Phänomen, welches durch einen Schlüsselreiz hervorgerufen wird. Der „gespenstische“/“unwirkliche“ Charakter solcher Erinnerungen ist rein subjektiv – in Wirklichkeit ist er ein Echtheitsmerkmal! Denn er belegt die Herkunft der Erinnerung. Der betroffene Sportler hat dann ein plötzliches, für gewöhnlich kraftvolles Wiedererleben eines vergangenen Erlebnisses oder früherer Gefühlszustände. Diese Erinnerungen können von jeder vorstellbaren Gefühlsart sein und somit die Leistungsfähigkeit verringern.

Sehr verbreitet ist auch die nicht ernst gemeinte Entschuldigung. Nach einem Foul geht der Abwehrspieler zu dem am Boden liegenden Stürmer, gibt ihm einen Klaps und flüstert ihm etwas ins Ohr. Für die Zuschauer wirkt das wie eine faire Geste. Was der vermeintlich Verursacher wirklich sagt, hört ja keiner. Außer dem gefoulten Spieler, der im Zweifel auf die Provokation hereinfällt, zornig aufspringt und wie jemand da steht, der eine Entschuldigung verweigert. 

Sprachliche Angriffe wirksam ins Leere laufen lassen

Es lässt sich allerdings gegen Verbalattacken ein genauso einfaches wie wirkungsvolles System zur Selbstverteidigung entwickeln. Die hier beschriebene Grundannahme stellt aber unser wettbewerbsorientiertes Denken erst einmal auf den Kopf. Denn das Ziel einer guten Abwehr ist nicht auf das Gewinnen eines Kampfes ausgerichtet, sondern auf das Vermeiden einer Niederlage. Es geht also nicht darum, den Druck weiter aufbauen, sondern Druck herausnehmen – den Angreifer quasi ins Leere laufen lassen.

Halten wir fest: Versuchen sie nicht zu gewinnen! Angreifer haben immer die besseren Karten. Sie wählen die Waffen und die Taktik. Beispielsweise wehrt man eine Messerattacke nicht mit einem Messer ab, sondern besser mit etwas, dass Distanz schafft – etwa mit einem Stuhl. Genauso gilt: Verbalattacken wehrt man nicht ab, indem man mit scheinbarer „Schlagfertigkeit“ kontert. Dadurch würde die Auseinandersetzung nur eskalieren. Stattdessen geht es auch bei Verbalattacken darum, Distanz zu schaffen. Verzichten Sie auf das Mitkämpfen. Das spart Kraft und lenkt Ihre Aufmerksamkeit auf das Wesentliche – „das Spiel“.

Schlüssel Selbstwirksamkeit

Der Schlüssel zur Abwehr von Attacken jeglicher Art ist die Selbstwirksamkeit. Diese ist im Sport die zentrale Größe, die dazu beiträgt, dass Trainer und Athleten ihre Leistung konzentriert zum geforderten Zeitpunkt abrufen können. Das Konzept der „Selbstwirksamkeit“ stammt aus der sozial-kognitiven Lerntheorie von Albert Bandura (1977, 1982, 1986). Selbstwirksamkeit bedeutet, dass jemand die Überzeugung besitzt, dass seine eigenen Fähigkeiten ausreichen, um eine Handlung zielgerichtet und erfolgreich durchführen zu können, ohne sich dabei aus der Ruhe bringen zulassen. Erst eine über Jahre hinweg aufgebaute Selbstwirksamkeit, lassen den Trainer und Sportler Souveränität ausstrahlen. Die kann sich jedoch auch in bestimmten Situationen (Trash Talk) oder Umständen (Zuschaueraggressionen) zeigen. Dies bezeichnet man als situative Selbstwirksamkeit. Wie kann ich nun die Selbstwirksamkeit trainieren? In den nun folgenden Link erfahren Sie mehr darüber:

http://www.die-sportpsychologen.de/2015/08/25/dr-rene-paasch-selbstwirksamkeit-im-fussball/

Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass man gegenüber verbalen Angriffen nicht hilflos gegenüberstehen muss. Im Alltag lässt sich gezielt an der Team- und Sportler-Sicherheit arbeiten – kurzum: In der Entwicklung und Festigung individueller und kollektiver Kompetenzen gegen verbale Attacken können Sportpsychologen in Verbindung mit dem Trainer, dem Funktionsteam und den Verantwortlichen effektiv unterstützen.

Literatur

Strauß, B: Sportzuschauer. Hogrefe Verlag; Auflage: 1. ISBN-10: 3801722627

Bandura, A. (1977). Self-efficacy: Toward a Unifying Theory of Behavioral Change. Psychological Review, 84 (7), 191-215.

Bandura, A. (1980). Gauging the Relationship Between Self-Efficacy and Action. Cognitive

Therapie and Research, 4(2), 263-268.

Bandura, A. (1982). Self-efficacy mechanism in human agency. American Psychologist, 37(2), 122-147.

Bandura, A. (1983). Self-efficacy determinants of anticipated fears and calamities. Journal of Personality and Social Psychology, 45, 464-469.

Bandura, A. (1986). Social foundations of thought and action: A social cognitive theory. Englewood Cliffs, NJ: Prentice–Hall.

Bandura, A. (1997). Self-efficacy: The Exercise of Control. New York: Freeman.

Bessel A. van der Kolk, Alexander C. McFarlane, Lars Weisaeth (2000): Traumatic Stress – Grundlagen und Behandlungsansätze. Theorie, Praxis und Forschung zu posttraumatischem Streß sowie Traumatherapie. Junfermann Verlag.

Bierhoff, H. & Wagner, U. (Hrsg.).(1998). Aggression und Gewalt. Stuttgart: Kohlhammer.

Brad Gilbert, B., Jamison, St.: Winning Ugly. Wie man bessere Gegner schlägt. Mentale Kriegsführung im Tennis. zu Klampen Verlag, Springe 1997, ISBN 3924245592.

Brewin, J. Gregory, M. Lipton, N. Burgess (2010): Intrusive Images in Psychological Disorders: Characteristics Neural Mechanisms, and Treatment Implications. In: Psychological Review. (2010); 117(1), S. 210–232.

Bründel, H.,  Hurrelmann, K. (1994): Gewalt macht Schule.  Droemer Knaur; Auflage: 1. (1994)

Chris, H.: Win every trash talk (2015): How to manipulate noobs and make them shut up. Bullishflag Publications.

Köhnken. G. & Bliesener, T. (2002). Psychologische Theorien zur Erklärung von Gewalt und Aggression. In H. Ostendorf (Hrsg.), Aggression und Gewalt (S. 71-94). Frankfurt: Lang

Schlicht, W. & Strauss, B. (2003). Sozialpsychologie. Schorndorf: Hofmann.

Gabler, H. (1987). Aggressive Handlungen im Sport (2. Aufl.). Schorndorf: Hofmann

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Philippe Müller: 5-Punkte-Plan für Hobbyläufer

Der Winter neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu. Die Freizeitsportler wachen wieder aus ihrem Winterschlaf auf. Es geht in die Vorbereitung für neue Herausforderungen. Und davon bietet das Jahr 2016 reichlich. Unzählige Läufe, Radrennen, Triathlons und viele weitere Wettkämpfe stehen zur Auswahl. Und so manch eine Hobbyläuferin und manch ein Freizeitwettkämpfer hat sich bereits für eine oder mehrere Events entschieden. Der Trainingsplan steht und das Training kann beginnen. Der richtige Zeitpunkt, um sich auch mental fit zu machen.

Zum Thema: Wie mache ich mich mental fit?

Bei einem Marathon geht es nicht nur darum, die physischen Kräfte optimal einzusetzen, sondern auch mit den mentalen Ressourcen zu haushalten. Denn diese verbrauchen einiges an Energie. Um die Kontrolle darüber zu erlangen, lohnt es sich, die Aufmerksamkeit gewollt lenken zu können. Die Aufmerksamkeitsregulation stellt nicht nur bei den Eliteläufern ein wichtiges Instrument dar, sondern kann auch manch einem Breitensportler zum Erfolg verhelfen.

Sportler sind es gewohnt, nach einem Plan zu trainieren. Ein solcher dient zum einen zum systematischen Aufbau der Ausdauer, Kraft und weiteren Fertigkeiten und zum anderen zur Kontrolle des Formverlaufs. Auch die Aufmerksamkeitsregulation ist eine Fertigkeit, die einen systematischen Aufbau bedarf. Ein mentaler Trainingsplan ist demnach angebracht. Doch wie erstelle ich diesen?

Fünf Schritte zur mentalen Flexibilität

Wie bereits eingangs erwähnt, handelt es sich bei der Aufmerksamkeitsregulation um eine Fertigkeit. Diese muss erlernt und trainiert werden. Das Training zur Regulation der Aufmerksamkeit sollte deshalb möglichst früh in der Vorbereitung gestartet werden und das physische Training ergänzen.

Schritt 1: Entspannung

Entspannungsverfahren bieten einige Vorteile. Mit ihnen lässt sich zum Beispiel die Anspannung regulieren, was für eine effizientere Regeneration genutzt werden kann. Zudem helfen Entspannungstechniken zur besseren Stressverarbeitung, was auch im Berufsalltag von grossem Nutzen ist. In Bezug auf unser Trainingsprogramm hat die Entspannung den Vorteil, dass kognitive Leistungen (Lernprozesse) im entspannten Zustand schneller und leichter vollbracht werden. Zur Entspannung eignen sich zum Beispiel Atemtechniken oder auch Autogenes Training.

Schritt 2: Wettkampfort

Die Auseinandersetzung mit dem Wettkampfort ist ein zentraler Punkt, denn ein Trainingsplan sollte individuell und auf die bevorstehende Herausforderung abgestimmt sein. Aus der (Auseinandersetzung) mit dem Wettkampfort können die wesentlichen und entscheidenden Informationen gewonnen werden. Es ist zum Beispiel ein Unterschied, ob ich einen Marathon in den Bergen, im Flachland, im Sommer oder im Winter laufen werde. Um einen Rennplan entwickeln zu können, ist es ausserdem wichtig, die Begebenheiten der Wettkampfstrecke zu erkunden.

Schritt 3: Wettkampfplan entwickeln

Nun, da alle wichtigen Informationen zusammengetragen wurden, steht die Entwicklung eines Wettkampfplans an. Dieser kann, je nach den Bedürfnissen, unterschiedlich gestaltet werden. Zentrale Bedeutung hat das angestrebte Ziel. Unabhängig davon wie hoch gesteckt dieses ist, sollten die Vorgabe eines sein: realistisch!

Aus dem angestrebten Ziel ergeben sich schlussendlich die Zwischenziele. Beispielsweise: “Will ich nach 10km in der Spitzengruppe mitlaufen oder eine bestimmte Zwischenzeit erreichen?”

Schritt 4: Aufmerksamkeitsregulations-Drehbuch entwerfen

Bei der Aufmerksamkeitsregulation gibt es zum einen die Möglichkeit, auf Körperfunktionen (Atmung, Herzfrequenz und Muskulatur) und zum anderen auf äussere Begebenheiten (Gegnerverhalten, Topographie und Zuschauer) zu achten. Ein Drehbuch soll nun festlegen, zu welchen Zeitpunkten der Fokus auf was gelenkt werden soll.  

Schritt 5: Trainieren

Und zum Schluss heisst es trainieren, trainieren, trainieren. Denn es geht nicht nur darum, das Drehbuch auswendig zu lernen, sondern den Prozess der Aufmerksamkeitslenkung zu verinnerlichen. Ein flexibles hin und her Schalten ist von Vorteil. Es befähigt auf unerwartete Situationen (z.B. Krampf in der Wade, Wetterumschlag – eine spannende Erfahrung liefert der Sportpsychologe Prof. Dr. Oliver Stoll in seinem E-Book „Einmal war ich in Biel“) zu reagieren.

Sie brauchen Unterstützung bei der Vorbereitung zu Ihrem Saisonhöhepunkt?

Wir Sportpsychologen helfen Ihnen gerne beim Aufbau Ihrer mentalen Stärke sowie beim Erstellen Ihres persönlichen Trainingsplans. Zu den die-sportpsychologen.ch-Profilseiten.

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