„Neuer“ oder „Koan Neuer“? Das war eine der Fragen, mit der sich Bundestrainer Julian Nagelsmann ganz offensichtlich in den vergangenen Wochen schwer tat. In jedem Fall lässt sich die Kommunikation- und Pressearbeit aus der Kommandozentrale des DFB-Nationalteams durchaus kritisieren. Entsprechend elektrisiert reagieren die deutschen Medien auf die Kaderzusammenstellung vor der Fußball-WM im Sommer 2026 in den USA, Kanada und Mexiko. Auch wir bei Die Sportpsychologen wurden mehrfach gebeten, mögliche Zusammenhänge zu erklären.
Zum Thema: Teambuilding
Klaus-Dieter Lübke Naberhaus nutzte ein Interview mit dem Radiosender WDR 5, um die Phasen des Teambuildings zu skizzieren. Die nominelle Kaderzusammenstellung ordnet er dabei eher dem Design zu und betont, dass die wesentliche Arbeit jetzt beginnt. Bis zum Start der Weltmeisterschaft Mitte Juni gehe es darum, aus den Einzelspielern eine funktionale Einheit zu Bilder. Mehr dazu im Radio-Interview:
Du bist selbst Trainer oder Trainerin einer Auswahlmannschaft oder eines Club-Teams und stehst ebenso vor der Herausforderung, aus Individuen eine optimale Gruppe zu formen? Wir von Die Sportpsychologen helfen dabei gern – im Hintergrund oder Seite an Seite. Nimm gern zu Klaus (zum Profil von Klaus-Dieter Lübke Naberhaus) oder unseren Experten und Expertinnen in deiner Nähe (zur Übersicht) Kontakt auf.
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Ein Jugendfußballturnier am Wochenende: Viele Spiele, viele Teams – und doch wirkt es, als sähe man immer wieder das Gleiche. Strukturiertes Aufbauspiel, abgesicherte Formationen, kaum Dribblings oder riskante Aktionen. Was zählt, ist das Funktionieren des Systems. Wer auffällt, stört. Schnell wird dann der Ruf nach den sogenannten „Persönlichkeiten“ laut. SpielerInnen, die mutig sind, die anders denken, die mit Kreativität und Instinkt Spiele entscheiden können. Doch wo sind sie geblieben – die Ansgar Brinkmanns, die Straßenfußballer, die unverwechselbaren Typen, die sich nicht in ein Schema pressen lassen?
Zum Thema: Wie können junge AthletInnen so gefördert werden, dass ihre individuelle Stärke Raum bekommt – statt sie früh in taktische Systeme einzupassen?
„Wir müssen im Nachwuchs weg vom taktisch orientierten Denken und hin zur Entwicklung von Spezialisten.“ Mit diesem klaren Statement im kicker hat Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche vor Monaten genau diesen Eindruck auf den Punkt gebracht – und damit eine Diskussion angestoßen, die weit über den Fußball hinausreicht.
Denn eines ist klar: Die jungen FußballerInnen von heute sind technisch nicht schlechter ausgebildet – im Gegenteil, die Trainingsmöglichkeiten sind moderner und vielfältiger denn je. Aber warum zeigen sie es nicht? Was hindert sie daran, ihre Kreativität, ihre Instinkte, ihre Stärken wirklich auszuspielen?
Makro-Ebene: Strukturen und Systeme
Ein Blick auf die Nachwuchsausbildung in Deutschland zeigt: Vieles dreht sich um Ordnung, Taktik und mannschaftliche Geschlossenheit. Schon in jungen Jahrgängen zählt, ob eine U15 „funktioniert“. Spielsysteme werden einstudiert, kollektive Abläufe perfektioniert. Der individuelle Ausdruck einzelner SpielerInnen – ein riskantes Dribbling, ein mutiger Abschluss, ein kreativer Pass – gerät dabei oft in den Hintergrund.
Die sportwissenschaftliche Forschung unterstreicht, warum das problematisch ist. Das Modell des Long-Term Athlete Development (Balyi & Hamilton, 2004) betont, dass Talente alters- und entwicklungsgerecht gefördert werden müssen. Gerade die Balance zwischen allgemeinen Grundlagen und individueller Spezialisierung entscheidet darüber, ob sich langfristig Spitzenleistungen entwickeln.
Côté et al. haben im Developmental Model of Sport Participation (Côté, 1999; Côté, Baker & Abernethy, 2007) gezeigt, dass vor allem die Phase des freien Spiels („deliberate play“) entscheidend für Kreativität und Spielintelligenz ist. Wer zu früh in starre Systeme gezwungen wird, verliert jene Freiräume, die für die Ausbildung unverwechselbarer Spielertypen nötig sind.
Auch das Konzept des bewussten, zielgerichteten Übens („deliberate practice“) von Ericsson et al. (1993) ist hier zentral. Die Grundidee – dass intensives, fokussiertes Üben Voraussetzung für Expertise ist – gilt weiterhin als anerkannt. Neuere Arbeiten (Macnamara et al., 2014; Hambrick et al., 2016) machen jedoch deutlich: deliberate practice allein reicht nicht. Entscheidend sind zusätzlich Faktoren wie Talent, Motivation und die Qualität des Umfelds. Für die Talententwicklung bedeutet das: Strukturiertes Training ist wichtig – aber ohne Spielräume für Kreativität bleibt es unvollständig.
Gerade im Fußball gibt es dazu empirische Evidenz. Hornig, Aust & Güllich (2016) konnten nachweisen, dass deutsche Top-SpielerInnen im Jugendalter vor allem durch variable Spiel- und Praxiserfahrungen geprägt waren. Wer vielfältiger gefordert und ausprobierend spielen durfte, hatte langfristig bessere Chancen, im Profibereich Fuß zu fassen.
Eine aktuelle Studie im deutschen Talentpfad bestätigt diese Sicht: Hauser et al. (2024) zeigen, dass die Qualität des sozialen Klimas im Nachwuchsleistungszentrum entscheidend mit der Entwicklung von Talenten zusammenhängt. Systeme, die zu stark auf kurzfristige Ergebnisse ausgerichtet sind, hemmen dagegen das langfristige Entwicklungspotenzial.
„To play with freedom was the motto at the time.“
Ein Beispiel liefert Jamal Musiala, der über seine Jugendzeit in England berichtet:„To play with freedom was the motto at the time.“ In England lernte er, individuelle Technik zu nutzen, Eins-gegen-Eins-Situationen zu suchen, kreativ zu sein – auch mit dem Risiko, Fehler zu machen. Diese Erfahrungen sagen viel darüber aus, wie wichtig Freiräume sind, gerade in frühen Jahren. (Musiala taking inspiration from England’s youth teams for Germany | World Cup 2022 | The Guardian– Musiala selbst betont auch, dass dies sein persönlicher Weg war; nicht alle Jugendakademien funktionieren so.)
Foto: Canva IA
Mikro-Ebene: Psychologische Perspektive
Während die strukturelle Ebene zeigt, wie stark Systeme die Entwicklung prägen, rückt die psychologische Ebene das Individuum in den Mittelpunkt. Besonders die Selbstbestimmungstheorie (Deci & Ryan, 1985; Ryan & Deci, 2000; Ryan & Deci, 2017) bietet hier ein klares Erklärungsmodell: Menschen sind dann motiviert und entwickeln ihr Potenzial, wenn drei Grundbedürfnisse erfüllt sind – Autonomie, Kompetenz und soziale Eingebundenheit.
Autonomie: Wer eigene Entscheidungen treffen und Stärken einbringen darf, erlebt Selbstbestimmung. Werden SpielerInnen nur taktisch eingeengt, sinkt ihre intrinsische Motivation (Ryan & Deci, 2017).
Kompetenz: Wer in seiner Rolle Fortschritte erlebt – etwa als Stürmer, Spielmacher oder Verteidiger – steigert das Gefühl, etwas Besonderes beizutragen (Deci & Ryan, 2000).
Soziale Eingebundenheit: Wenn TrainerInnen und MitspielerInnen diese Stärken wertschätzen, steigt die Bindung an Team und Sport (Ryan & Deci, 2017).
Wissenschaftliche Befunde bestätigen die Praxisrelevanz: Vallerand (2007) zeigt, dass erfüllte psychologische Grundbedürfnisse die intrinsische Motivation und die Bereitschaft zu Verantwortung im Sport verstärken. Aktuelle Studien belegen zudem, dass Motivation nicht stabil bleibt, sondern dynamisch mit der erlebten Trainingsumgebung zusammenhängt. So konnten Rodrigues et al. (2024) in einer Längsschnittstudie im Jugendfußball nachweisen, dass die anfängliche Freude am Spiel und ein unterstützendes Klima maßgeblich bestimmen, ob SpielerInnen über eine Saison hinweg motiviert bleiben.
Auch soziale Unterstützung ist ein Schlüsselfaktor: Wachsmuth et al. (2025) zeigen, dass Jugendliche Motivation und Bindung besonders dann entwickeln, wenn sie Rückhalt von TrainerInnen, Eltern und Team spüren. Diese Ergebnisse unterstreichen: Individuelle Förderung bedeutet nicht nur technische Ausbildung, sondern vor allem psychologische Rahmung.
Fazit
Markus Krösches Kritik verweist auf mehr als nur eine taktische Frage: Es geht um die Grundhaltung in der Talentförderung. Wer individuelle Stärken erkennt und gezielt entwickelt, schafft nicht nur Spezialisten für bestimmte Positionen – sondern auch motivierte, selbstwirksame Persönlichkeiten.
Individuelle Förderung ist kein Widerspruch zum Teamgedanken – sie ist sein Fundament. Denn nur wenn SpielerInnen erleben, dass ihre besonderen Fähigkeiten gesehen und geschätzt werden, sind sie bereit, in entscheidenden Momenten Verantwortung zu übernehmen.
Praktischer Hinweis:
Für TrainerInnen im Alltag bedeutet das: Neben den taktischen Vorgaben lohnt es sich, Trainingseinheiten bewusst mit Freiräumen zu gestalten. Kleine 1-gegen-1-Formate, kreative oder offene Spielformen fördern nicht nur Technik, sondern auch Autonomie und Mut. Oft reicht schon ein kurzer Teil der Einheit, um SpielerInnen das Gefühl zu geben: Hier darf ich mich oder eine Idee ausprobieren.
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Balyi, I., & Hamilton, A. (2004). Long-Term Athlete Development: Trainability in childhood and adolescence.
Côté, J., Baker, J., & Abernethy, B. (2007). Practice and play in the development of sport expertise. In S. J. Singer, H. A. Hausenblas & C. M. Janelle (Eds.), Handbook of Sport Psychology (3. Aufl.), 184-202.
Deci, E. L., & Ryan, R. M. (1985). Intrinsic Motivation and Self-Determination in Human Behavior.
Ericsson, K. A., Krampe, R. T., & Tesch-Römer, C. (1993). The role of deliberate practice in the acquisition of expert performance. Psychological Review, 100(3), 363-406.
Hauser, L.-L., Höner, O., & Wachsmuth, S. (2024). Links between environmental features and developmental outcomes of elite youth athletes: A cross-sectional study within the German talent pathway. Psychology of Sport & Exercise, 71, 102569.
Hornig, M., Aust, F., & Güllich, A. (2016). Practice and play in the development of German top-level professional football players. European Journal of Sport Science, 16(1), 96-105.
Rodrigues, F., Monteiro, D., Matos, R., Jacinto, M., Antunes, R., & Amaro, N. (2023). Motivation among teenage football players: A longitudinal investigation throughout a competitive season. European Journal of Investigation in Health, Psychology and Education, 13(9), 1717-1727.
Rodrigues, F., Monteiro, D., Matos, R., Jacinto, M., Antunes, R., & Amaro, N. (2024). Exploring the dynamics of athletes’ enjoyment and self-determined motivation, and of the motivational climate in youth football: A longitudinal perspective. Perceptual & Motor Skills, 131(2), 551-567.
Ryan, R. M., & Deci, E. L. (2000). Self-determination theory and the facilitation of intrinsic motivation, social development, and well-being. American Psychologist, 55(1), 68-78.
Vallerand, R. J. (2007). Intrinsic and extrinsic motivation in sport and physical activity. In G. Tenenbaum & R. C. Eklund (Eds.), Handbook of Sport Psychology (3. Aufl.), 59-83.
Das enttäuschende Abschneiden der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft bei Olympia 2026 ist noch gar nicht lang her, da droht jetzt bei der Eishockey-WM in der Schweiz schon das nächste Fiasko. Mit null Punkten nach den ersten drei Spielen ist der Einzug in die K.o.-Runde mindestens gefährdet. Es ist bereits die Rede von unserer größten WM-Pleite seit 89 Jahren. Und das – Vorsicht, Ironie! – nachdem wir auf dem besten Weg zur Eishockey-Übermacht waren. Wie konnte es nur so weit kommen?
Zum Thema: Der Zusammenhang von Teamidentität und Leistungspotential
Mit Olympia-Silber 2018, WM-Silber 2023 und Namen wie Draisaitl, Stützle oder Seider, die der NHL, der besten Eishockeyliga der Welt, ihren Stempel aufdrücken, schien das deutsche Eishockey im internationalen Vergleich endgültig ganz oben angekommen zu sein. Für die WM-Endrunde, auch wenn die allergrößten Stars diesmal fehlen, hieß das Minimalziel Viertelfinale. Weltmeister? Durchaus möglich! Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft kann jeden schlagen. So hörte man in der letzten Zeit immer wieder. Und prompt blieben die großen Erfolge aus. Ein Zufall?
Ich denke nicht. Am stärksten spielte die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft immer dann, wenn man ihr nicht so viel zugetraut hatte. In der Rolle des Underdogs. Mit bescheidenen, aber realistischen Zielen. Da ist ein Muster zu erkennen: Die Mannschaft entfaltet ihr Potenzial vor allem aus der Außenseiterrolle heraus, während hoher Erwartungsdruck ihre Leistungsfähigkeit sichtbar hemmt. Ist es im Sinne der Leistungsbereitschaft und des Kampfgeistes also besser, eine Haltung aus Bodenständigkeit, Arbeitsmoral und Wachsamkeit einzunehmen als aus einem Gefühl vermeintlicher Überlegenheit zu agieren?
Gut möglich, aber da ist in meinen Augen noch etwas …
Aufgesetzte Identität
Vielleicht ist es eine Unterstellung – aber dennoch stelle ich hier mal eine kühne Behauptung zur Diskussion: Die deutsche Nationalmannschaft bekommt neuerdings etwas eingeredet, was sie nicht ist. Was ich damit meine: Die meisten deutschen Nationalspieler sind im internationalen Vergleich mit den Top-Nationen weder brillante Techniker noch herausragende Skater. Die deutsche Nationalmannschaft steht nicht für spielerische Eleganz, Finesse und ausgeprägte Skill-Sets. Und dennoch haben wir, angefangen bei den Fans, den Fachleuten bis mindestens zu den Medien, nach den jüngeren Erfolgen womöglich versucht, genau das der Mannschaft und ihren Spielern zu verkaufen – vollends am eigentlichen und wahrhaftigen Potenzial vorbei. Aber einer aufgesetzten Identität gerecht zu werden, ist immer schwer bis unmöglich. Echte Potenzialentfaltung kann nur da passieren, wo Authentizität herrscht und man sich seiner ureigenen Stärken bewusst ist. Für die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft heißt das aus meiner Sicht: Disziplin, Kampfgeist, mannschaftliche Geschlossenheit, Effizienz statt Spektakel.
Vielleicht schafft die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft es ja in diesem Turnier noch, sich auf ihre guten alten Tugenden zu besinnen und allen zu zeigen, wozu sie fähig ist. In der Sportpsychologie raten wir diesbezüglich gern zur Ehrlichkeit, ungeschminkten Wahrheiten und dem Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
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Redaktionsleiter:
Mathias Liebing ist Gründer und Redaktionsleiter der Plattform Die Sportpsychologen. Als freier Journalist mit dem Themenschwerpunkt Sportpsychologie arbeitet er für die ARD, DAZN, ZDF, SRF, MDR, Deutsche Welle und diversen Print- und Online-Medien. Sein Magister-Studium der Sportwissenschaften, der Medien- und Kommunikationswissenschaften und der Zeitgeschichte absolvierte er an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.
Prof. Dr. Oliver Stoll (* 5. Februar 1963) studierte an der Justus-Liebig-Universität Gießen Sportwissenschaft, Psychologie und Pädagogik sowie am College of Charlestin (S.C., USA). Er promovierte 1993 zum Dr. phil. im Fach Sportwissenschaft an der Universität Gießen und wechselte 1995 an die Universität Leipzig. Hier absolvierte er eine wissenschaftliche Assistentenzeit und habilitierte hier im Jahr 2000. Im Jahr 2002 folgte er einen Ruf auf eine Professur für Sportwissenschaft mit dem Schwerpunkt Sportpsychologie und Sportpädagogik an die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.
Es sind oft nicht die lauten Momente, die über den weiteren Verlauf entscheiden, sondern die stillen Sekunden dazwischen. Ein Herzschlag trennt Handeln von Zögern, Klarheit von Überforderung, Präsenz von Kontrollverlust. Im Operationssaal, wenn das Team auf die Entscheidung der Chirurgin wartet. Am Elfmeterpunkt, wenn tausende Blicke auf den Spieler gerichtet sind. Im Cockpit, wenn eine plötzliche Störung höchste Konzentration verlangt. In der Notaufnahme, wenn wenige Sekunden über Leben und Tod entscheiden. Doch nicht nur dort stehen Menschen unter Druck. Auch Führungskräfte in Krisensituationen, Manager*innen in schwierigen Verhandlungen oder Einsatzkräfte in Extremsituationen erleben Momente, in denen Fachwissen allein nicht mehr ausreicht. Was dann zählt, ist die Fähigkeit, trotz innerer Anspannung klar, ruhig und handlungsfähig zu bleiben. Genau diese Fähigkeit lässt sich trainieren. Und genau hier kann die Sportpsychologie heute weit über den Leistungssport hinaus einen wichtigen Beitrag leisten.
Zum Thema: Verhalten in Drucksituationen
Viele Menschen berichten, dass ihnen in entscheidenden Situationen der Zugriff auf ihr Wissen entgleitet. Obwohl Erfahrung, Kompetenz und Vorbereitung vorhanden sind, entsteht plötzlich ein Gefühl innerer Leere – der bekannte „Blackout“. Daniel Kahnemans Modell der zwei Denksysteme hilft zu verstehen, was dabei geschieht.
System 1 arbeitet schnell, intuitiv und automatisch. Es ermöglicht rasche Reaktionen, ist jedoch anfällig für impulsive Entscheidungen und Verzerrungen.
System 2 hingegen analysiert, reflektiert und wägt ab. Doch genau dieses bewusste Denken benötigt Zeit und mentale Energie, die unter starkem Stress oft nur eingeschränkt verfügbar sind.
In Hochdrucksituationen übernimmt deshalb häufig der Autopilot. Das kann hilfreich sein, wenn Abläufe routiniert sind. Es kann aber auch problematisch werden, wenn Menschen nur noch reagieren, statt bewusst zu handeln. Mentale Stärke bedeutet deshalb nicht, keinen Stress zu empfinden. Sie bedeutet, auch unter Druck Zugang zur eigenen Handlungsfähigkeit zu behalten.
Sportpsychologie als Werkzeug für Hochleistung
Was ursprünglich im Spitzensport entwickelt wurde, findet heute längst Anwendung in anderen Hochleistungsbereichen. Eine junge Oberärztin erzählte mir einmal, dass sie sich mental auf schwierige Operationen vorbereitet wie ein Profifußballer auf ein Finale. Eine Führungskraft beschrieb, wie sie vor wichtigen Gesprächen bewusst Körperhaltung und innere Haltung synchronisiert, um ruhig und präsent zu bleiben. Die Prinzipien dahinter ähneln sich erstaunlich stark. Es geht um Selbstregulation, Aufmerksamkeitssteuerung, Emotionsmanagement und das Vertrauen, auch in schwierigen Situationen wirksam bleiben zu können. Sportpsychologie liefert dafür keine starren Rezepte. Sie bietet praktische Werkzeuge, die Menschen helfen, in belastenden Situationen wieder Zugang zu Klarheit und Stabilität zu finden.
Kleine Techniken mit großer Wirkung
In akuten Stressmomenten bleibt oft keine Zeit für lange Analysen. Umso wichtiger sind kompakte Methoden, die schnell wirken. Eine bewährte Technik ist der bewusste Atemfokus. Durch langsames und kontrolliertes Atmen, beispielsweise im 4-4-4-Rhythmus, beruhigt sich das Nervensystem. Ein Notfallsanitäter berichtete mir, dass er diese Technik regelmäßig nutzt, bevor er aus dem Einsatzfahrzeug steigt. Sie hilft ihm, innerlich präsent zu werden, unabhängig davon, was ihn erwartet. Ebenso hilfreich ist das sogenannte Mini-Reframing. Statt sich innerlich zu sagen: „Ich darf keinen Fehler machen“, wird der Fokus bewusst verändert: „Ich bin vorbereitet. Ich kann das.“ Auch die Körperhaltung beeinflusst das innere Erleben stärker, als viele vermuten. Wer sich aufrichtet, bewusst geerdet steht und ruhig atmet, sendet nicht nur nach außen, sondern auch an sich selbst ein wichtiges Signal: „Ich bin bereit.“
Mentale Stärke braucht Vorbereitung
Akute Techniken helfen im Moment. Langfristige Stabilität entsteht jedoch durch gezieltes Training. Besonders wirkungsvoll ist dabei das sogenannte Prognosetraining. Menschen schätzen zunächst ein, wie gut sie eine bevorstehende Aufgabe bewältigen werden. Anschließend folgt der Vergleich zwischen Erwartung und tatsächlicher Erfahrung sowie eine bewusste Reflexion. Eine Führungskraft schilderte mir, dass sie sich auf schwierige Mitarbeitergespräche genau auf diese Weise vorbereitet. Die bewusste Selbstprognose half ihr, Unsicherheit nicht als Bedrohung zu erleben, sondern als etwas, das aktiv gestaltet werden kann. Solche Prozesse stärken die Kompetenzerwartung, also das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, auch unter Druck wirksam zu bleiben.
Die innere Haltung entscheidet
Mentale Stärke zeigt sich nicht nur im souveränen Auftreten nach außen. Sie beginnt im Inneren. Menschen bleiben besonders dann stabil, wenn drei Dinge zusammenkommen:
das Gefühl von Sinnhaftigkeit,
ein Verständnis für die Situation,
und das Vertrauen, Einfluss nehmen zu können.
Diese Haltung entsteht nicht zufällig. Sie entwickelt sich durch Erfahrung, Reflexion und ehrliches Feedback.
In meiner Arbeit mit Leistungssportler*innen, Führungskräften und Menschen in Hochleistungsberufen zeigt sich immer wieder: Nicht Perfektion macht langfristig resilient, sondern die Fähigkeit, auch unter Druck in Verbindung mit sich selbst zu bleiben.
Gedanken steuern statt Gedankenkarussell
Oft entsteht Stress weniger durch die Situation selbst als durch die innere Bewertung.
Wenn Zweifel, Selbstkritik und Katastrophengedanken dominieren, helfen Techniken der Selbstregulation. Dazu gehören bewusste Selbstgespräche und sogenannte Gedankenstopps.
Kurze innere Sätze wie:
„Jetzt Fokus.“
„Ruhig bleiben.“
„Ein Schritt nach dem anderen.“
können helfen, Aufmerksamkeit neu auszurichten und automatische Stressreaktionen zu unterbrechen.
Eine Notärztin erzählte mir, dass sie sich vor kritischen Einsätzen bewusst ein mentales Skript zurechtlegt. Sie geht innerlich durch, was sie denken, sagen und tun möchte, wenn es hektisch wird. Dieses Ritual verschafft ihr Orientierung und Stabilität, selbst in chaotischen Situationen.
Mentale Vorbereitung schafft Sicherheit
Ein besonders spannender Ansatz aus der Sportpsychologie ist das PETTLEP-Modell. Dahinter steckt die Idee, mentale Vorbereitung möglichst realitätsnah zu gestalten. Menschen stellen sich dabei Situationen nicht nur gedanklich vor, sondern beziehen Bewegungen, Emotionen, Umgebung, zeitliche Abläufe und Perspektiven bewusst mit ein. Ein erfahrener Anästhesist beschrieb mir einmal, wie er sich auf kritische Notfalleingriffe vorbereitet: Er geht den Ablauf innerlich durch, stellt sich den Raum plastisch vor, erinnert sich an frühere Erfahrungen und versetzt sich bewusst in die Dynamik des Teams. Solche mentalen Simulationen schaffen Vertrautheit mit dem Ausnahmezustand. Das Gehirn erkennt die Situation wieder. Handlungssicherheit entsteht.
Take Home Message
Mentale Stärke zeigt sich nicht darin, keinen Druck zu spüren. Sie zeigt sich darin, auch in unsicheren und belastenden Momenten Zugang zu Klarheit, Selbststeuerung und Handlungssicherheit zu behalten. Genau das lässt sich trainieren. Die Sportpsychologie bietet dafür keine Patentrezepte, aber wirksame Werkzeuge, um unter Druck präsent zu bleiben, Verantwortung bewusst zu tragen und sich selbst in entscheidenden Augenblicken nicht zu verlieren. Denn wer für andere Orientierung geben will, muss zuerst lernen, innerlich bei sich selbst anzukommen.
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Medialer Coup oder sportliches Top-Ereignis? Wahrscheinlich liegt die Wahrheit zum Rekordlauf des Berliners Arda Saatçi durch das Death Valley in den USA irgendwo in der Mitte. Prof. Dr. Oliver Stoll von Die Sportpsychologen wurde von diversen Medien, darunter dem RND und der ARD, zu Saatçi befragt. Bei uns ordnet der Ausdauersportler und sportpsychologische Experte für die langen Strecken die Leistung ein.
Zum Thema: Ausdauersport
Oliver, Arda Saatçi stellt die Laufwelt auf den Kopf. Zumindest medial. Vor allem junge Menschen scheinen sich von der Story, die der Berliner rund um seine langen Läufe erzählt, zu interessieren. Siehst du den Hype eher positiv oder eher negativ? Und warum?
Na ja, also dass die Laufwelt gerade Kopf steht, habe ich zunächst gar nicht mitbekommen. Erst als mich das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) anfragte, ein Interview zu dem Läufer zu geben, der gerade durch das Tal des Todes läuft und weiter bis San Francisco, hörte ich von ihm. Da war er aber schon drei Tage lang unterwegs. Das ist völlig an mir vorbei gegangen. Ich halte mich da eben wohl nicht „in der richtigen Bubble“ auf. Wie ich das finde? Eigentlich super, denn der Ultralangstreckenlauf fristet, wie so viele andere Sportarten in Deutschland, ein Schattendasein. Da ist es dann schon mal toll, wenn auf dem langen Laufen, was ja auch mal meine Leidenschaft war und auch immer noch ist, auch wenn ich das gerade aktiv nicht mehr mache, etwas Aufmerksamkeit gelenkt wird.
Sein selbst gestecktes Ziel hat Saatçi verfehlt. Ein Erlebnis, das du auch als Langstreckenläufer kennst, etwa beim Rennsteiglauf im Jahr 2014. Aus sportpsychologischer Perspektive: Er zeigt, dass Scheitern bei ambitionierten Zielen dazu gehört. Hat Saatçi das Zeug zu einem wichtigen Role-Model für die neue Generation, der ja oft unterstellt wird, sich nicht mehr so anstrengen zu wollen.
Er empfindet das vielleicht als Scheitern, aber aus meiner Sicht ist das schon eine tolle Leistung, die er da gezeigt hat. Darauf kann er auf alle Fälle stolz sein. Aus Sicht der internationalen Ultralangläufer*innen Szene hat er wahrscheinlich nicht das Zeug für ein Role-Model (vielleicht für die deutsche Szene, aber auch hier würde er wahrscheinlich nicht Deutscher Meister über die 100 Kilometer Distanz werden), denn wenn man seine Leistung mal in das Ultralauf-Wettkampf System einordnet, hat er eine gute bis mittelmäßige Leistung gezeigt. Der Weltrekord über 24 Stunden liegt aktuell bei 316 Kilometern. Der Halter dieses Weltrekords aus dem Jahr 2022, Aleksandr Sorokin aus Litauen, hätte hochgerechnet die gesamte Distanz, die Arda gelaufen ist, drei Tage schneller laufen können. Die Zeiten, die bei den 2-, 3- und 6-Tage Läufen gelaufen werden, sind auch schneller. Megan Eckert ist in 6 Tagen 970 Kilometer gelaufen, also 370 Kilometer mehr als Arda und selbst wenn man ja berechtigt kritisch anmerken kann, dass dies ja alles nicht im Tal des Todes gelaufen wurde, dann schaut man sich mal die Ergebnisse des Badwater Ultramarathon an, eben von Badwater, von wo Arda gestartet ist durch das Tal des Todes 234 Kilometer raus auf den Mount Whitney. Die werden von Siegern so zwischen 25 und 27 Stunden absolviert.
Also – eine tolle Leistung von Arda, Respekt! Aber eben nicht außergewöhnlich. Die junge Generation – und die will sich nicht anstrengen? Wer sagt das? Aber ich habe gehört, die haben wie gebannt vor dem Stream gesessen…
Prof. Dr. Oliver Stoll bei ARD Brisant (Quelle: Foto, Screenshot)
An dich als Ausdauersportler und als einer der Laufexperten von Die Sportpsychologen: Welche Frage würdest du Arda Saatçi am liebsten selbst stellen?
Mich würde interessieren, warum er immer wieder solche Projekte umsetzt? Das war ja nicht sein erstes, solches Projekt. Als Sportpsychologe kann ich mir natürlich die eine oder andere Antwort vorstellen. Ein Gespräch wäre sicher spannend. Und noch einmal betont: Ich finde diese Leistung wirklich sehr beeindruckend. Darauf kann er wirklich stolz sein, auch wenn er sein ursprüngliches Ziel nicht erreicht hat.
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Mariel Geppert ist meistens nahezu unsichtbar. Erst auf den zweiten Blick fällt die Frau im Trainingsanzugsoberteil, Polo und Jeans auf, die bei der U19 WM der Frauen in Italien zum Staff der deutschen U19 Floorball-Nationalmannschaft zählt. “Sportpsychologin” steht auf ihrer Akkreditierung und genau das ist sie: Eine, die sich um die mentale Ebene von sportlicher Leistung und Wohlbefinden kümmert. Bei der WM im italienischen Badeort Lignano Sabbiadoro ist sie sofort gefragt.
Dabei ist es ein eher großer Zufall oder sogar das Ergebnis eines sportlichen Dramas, dass Mariel Geppert in Italien dabei ist. Denn eigentlich betreut sie vor allem das Männerteam von Alba Berlin. Die Basketball-Profis sind trotz eines “Monster-Comebacks”, wie der Streaming-Dienst Dyn meinte, Anfang April im Achtelfinale der Champions League ausgeschieden. “Dadurch bekam ich für die WM freie Bahn. Und durch den Umstand, dass sich Floorball Deutschland und mein Netzwerk Die Sportpsychologen beim Final4 in Zwickau über die Details unserer Kooperation verständigt haben, konnte ich gleich loslegen”, sagt Geppert, die im Floorball kein unbeschriebenes Blatt ist. Seit mehreren Monaten betreut sie das Damen-Bundesligateam BB United. Für deren Trainer Niklas Wagnet “die beste Entscheidung, die ich meiner Laufbahn getroffen habe. Sie hat als Mannschaft und als Gruppe so viel besser gemacht.”
Bei der WM hat Mariel Geppert von Minute eins mehr als gut zu tun. Denn im Auftaktmatch gegen Japan bleibt die deutsche Mannschaft hinter ihren Erwartungen zurück. Gegen die Asiatinnen reicht es nur zu einem 4:4-Unentschieden. Ein unglücklicher Start, der auch davon beeinflusst wurde, dass sowohl Trainer Kevin Buckermann als auch Leistungsträgerinnen wie Michele Siedenberg aus Wernigerode, Linnea Könnecke von den Frankfurt Falcons oder Felina Weber vom SC Potsdam wegen der bundesweiten Mathematik-Abiturprüfung im Aufgebot fehlten. Mariel Geppert über ihre Eindrücke nach dem Remis zum Auftakt: “Im ersten Moment waren sie natürlich etwas geknickt, doch schon beim gemeinsamen Mittagessen war die Stimmung wieder deutlich gelöster – es wurde gelacht und wir konnten auch über andere Themen sprechen. Am Abend haben wir uns dann nochmal als Gruppe zusammengesetzt und uns gemeinsam ausgetauscht. Dabei lag der Fokus vor allem auf den Dingen, die beeinflussbar sind und die für die Spielerinnen persönlich wichtig bleiben.”
Sportliche Ziele und Druck
Das sportliche Ziel der deutschen Mannschaft ist der Sprung unter die Top Acht-Nationen. Allerdings führt der Weg dorthin ausschließlich über den ersten Platz in Vorrundengruppe C. Der Druck nach dem verpassten Sieg im ersten Spiel gegen Japan ist also immens. Spannend: U19 Bundestrainer Kevin Buckermann formulierte einen besonderen Arbeitsauftrag an Sportpsychologin Mariel Geppert. Sie solle ihn insbesondere in der Vorbereitung und im Umgang mit Spielen unterstützen, in dem die deutsche Mannschaft als Favorit aufläuft.
Im zweiten WM-Spiel gegen Kanada muss die deutsche Mannschaft also liefern. Und die Spielerinnen liefern am Donnerstagabend: Kanada wird mit 14:0 besiegt. Der Showdown in der Gruppe, so wollen es die kreativen Spielplan-Architekten, findet am Freitagabend gegen die Gastgeberinnen aus Italien statt. Wieder eine besondere Konstellation. Mariel Geppert zu dem Spiel, welches die deutsche Mannschaft nun gewinnen muss, um Gruppenerster zu werden: „Italien erweist sich als stärkerer Gegner, auch weil sie die Mannschaft vor der WM nochmal verstärkt haben. Das Ziel ist klar formuliert, deshalb sind alle Spiele von Bedeutung – und ein Sieg gegen Italien notwendig, um dieses Ziel zu erreichen. Das wirkt natürlich auf die Spielerinnen, weil jede um ihre Verantwortung weiß, sie sich gleichzeitig aber auch als Team stützen und stärken können, besonders in schwierigen Phasen.”
Sollte Deutschland mit einem Sieg gegen Italien tatsächlich Gruppenerster werden, steht am Samstag ein Playoff-Match gegen ein Team aus den beiden Top-Gruppen an. Die nächste Herausforderung für die junge deutsche Mannschaft. Sportpsychologin Mariel Geppert relativiert: “Natürlich werden solche großen Momente oft an Ergebnissen festgemacht. Gleichzeitig geht es bei einer WM aber auch um die Freude und die Liebe zum Sport – um gemeinsame Erfahrungen, Erinnerungen und das, was über das Spielfeld hinaus verbindet. Die Teilnahme prägt Spielerinnen darin, mit Drucksituationen und den Erwartungen von außen, aber auch den eigenen Ansprüchen umzugehen. Besonders wichtig ist dabei das Erleben von Selbstwirksamkeit – also die Erfahrung, schwierige Situationen aus eigener Kraft bewältigen zu können. Gleichzeitig wachsen viele persönlich daran, Verantwortung im Team zu übernehmen und sich auch in stressigen Momenten selbst zu vertrauen.”
Alle WM-Spiele werden über die App des Weltverbandes per Livestream übertragen: www.floorball.sport – alle Links und Spielpläne finden sich auf der Eventseite des Ausrichters: https://www.italiafloorball.it/
Weitere Zusammenarbeit mit Die Sportpsychologen
Nach der Weltmeisterschaft wird Mariel Geppert weiter für Floorball Deutschland tätig bleiben. Die Berlinerin ist Teil des Teams von Die Sportpsychologen, welches Floorball Deutschland in den kommenden Jahren begleiten wird. Sebastian Blink, Sportdirektor von Floorball Deutschland: ”Wir haben ein umfangreiches Konzept beim DOSB eingereicht, welches bewilligt wurde. Entsprechend haben wir für die sportpsychologische Betreuung der Nationalteams eine bislang nie vorhandene finanzielle Mittel zugesagt bekommen.”
Das sportpsychologische Konzept für Floorball Deutschland hat Prof. Dr. Oliver Stoll, einer der bekanntesten deutschen Sportpsychologen und früherer Präsident von Floorball Deutschland, entwickelt. Die Umsetzung, so einer der Köpfe des Netzwerkes Die Sportpsychologen, wird Neuland: “Wir haben durch die Offenheit und das Vertrauen von Floorball Deutschland ein hoch innovatives Programm entworfen, welches es in dieser Form bei keinem anderen deutschen Spitzensportverband gibt. Mit dem Netzwerk freuen wir uns sehr, die Idee Stück für Stück umzusetzen.”
In den kommenden Monaten werden wir, auch mit der Unterstützung von Floorball Deutschland Nationalteam-Sponsor Nordic Minds, regelmäßig von der sportpsychologischen Arbeit bei Floorball Deutschland berichten. Wir setzen den Fokus dabei auf die Nationalteams, die WM-Endrunden und das Pokalfinalwochenende Final4. Prof. Dr. Oliver Stoll: “Beim Final4 werden wir Angebote an Trainer und Trainerinnen, Eltern sowie Spieler und Spielerinnen machen. Die Floorballszene kann gespannt sein.”
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Die Sportpsychologen ist die größte Plattform für die Sportpsychologie im deutschsprachigen Raum. Lies in unseren über 1.500 Beiträgen oder nimm direkt Kontakt zu uns auf. Wir coachen, beraten, trainieren, bilden fort und helfen – denn über Erfolg im Sport wird nicht zuletzt im Kopf entschieden.
In vielen Spielsportarten geht es in die heiße Phase. Oft erreichen uns in diesen Wochen sehr konkrete Anfragen von Sportlerinnen und Sportlern, die sich kurz vor einem bestimmten Event hilfesuchend an unser Expertenteam wenden. Meist verbunden mit der Unsicherheit, ob in der Kurzfristigkeit noch etwas machbar sei? Pauschale Antworten gibt es darauf natürlich nicht. Aber wir haben einen Vorschlag: Trag hier deine Frage ein und unsere Experten und Expertinnen liefern dir einige Anstösse. Wenn du damit etwas anfangen kannst, nimm gern gezielt zu der Person auf, die dir den Tipp geschenkt hat. Ihr seid sofort im Thema und ein ganz wichtiger Schritt, um voranzukommen, ist getan.
Zum Thema: Fragen an Die Sportpsychologen
Egal, wo der mentale Schuh drückt. Wir von Die Sportpsychologen sind für dich da, wollen dir ganz konkret helfen. Da wir immer häufiger Anfragen von SportlerInnen, TrainerInnen oder Eltern bekommen, die gezielt unseren Rat suchen, bauen wir unseren Service aus. Wir bieten dir über ein einfaches Formular an, deine Anfrage loszuwerden. Einer oder vielleicht gleich mehrere ExpertInnen aus unserem Netzwerk antworten darauf. Das Wissen soll dir weiterhelfen. Und wenn du bei der Umsetzung unsere Hilfe brauchst oder du mehr wissen willst, nimm Kontakt zu unseren ProfilinhaberInnen aus deiner Sportart und/oder in deiner Nähe auf.
Wichtig: Die Antworten zu deiner Anfrage veröffentlichen wir anonymisiert, lediglich mit der Angabe der Sportart, der Alters- und Leistungsklasse. Die Idee dahinter ist, dass du dir für andere Themen Anregungen holen und die Arbeitsweise unsere ExpertInnen aus dem Netzwerk kennenlernen kannst. Bitte hab auch Verständnis, dass sich sehr spezielle Fragen ggf. gar nicht öffentlich beantworten, sondern wir uns nur persönlich bei dir melden. Gut zu wissen ist auch, dass sich manche komplexe oder individuellen Fragen nur sehr schwer pauschal beantworten lassen. Wenn wir das Gefühl haben, dass dein Anliegen besser in einem 1:1-Gespräch bearbeitet werden sollte, geben wir dir bescheid.
Zeit für eure Fragen
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Hinweis: Dieser Service von Die Sportpsychologen ist kostenlos. Kosten entstehen erst, wenn du dich mit einem Experten oder einer Expertin aus unserem Netzwerk auf eine Zusammenarbeit verständigst.
Wenn du dich verletzt, fühlst du gleichzeitig alles, alles auf einmal und gleichzeitig aber auch nichts. Wenn dann jemand zu dir kommt und sagt, sieh deine Verletzung doch positiv oder als Chance an, dann weiß ich, was du denkst. Neutral formuliert: So etwas will man dann eigentlich nicht hören. So war es bei mir, ich habe mich am Sprunggelenk verletzt und den ersten Tag habe ich alle Gefühle zugelassen. Das ist mein erster Tipp für dich. Lass diese Emotionen zu! Es ist zwar nicht einfach, aber du darfst in dieser Situation alles fühlen. Zumindest für 24 bis 48 Stunden (das ist meine Regel für mich). Das heißt nicht, dass du später nicht auch alle Emotionen zulassen sollst, aber gerade in der Anfangsphase ist das wichtig. Entscheide dich danach bewusst dazu, deine Perspektive zu wechseln. Denn am Ende gilt doch: Deine Verletzung ist eine Chance, wenn du diese sehen willst und kannst. Dann greif zu.
Zum Thema: Umgang mit Verletzungen
Nach dieser Zeit machst du dir einen Plan. Unterhalte dich mit deinem Arzt, deinem Physiotherapeuten, Athletiktrainer und Sportpsychologen, denn zu dem Plan gehört, dass du genau verstehst, was diese Verletzung für dich bedeutet. Vor allem solltest du dich auch bemühen, den Behandlungsplan zu verstehen. Wie wichtig das ist, habe ich bei mir gemerkt. Denn mir wurde nicht sofort gesagt, wie meine Reha ablaufen wird und das hatte eine mentale Auswirkung. Ich wusste nicht, was ich zu tun habe. Ich habe keine kleinen Ziele gesehen. Mir fehlte ein Behandlungsplan. Ein Plan, der aufzeigt, was du aktiv in der körperlichen Reha machen sollst. Und was du mental unternehmen kannst.
Es geht darum, dass du dein Selbstvertrauen wieder aufbaust, damit du stärker in deinen Sport zurückkehrst. Durch den Plan fällt es dir leichter, kleine Fortschritte zu sehen. Denn dann konzentrierst du dich genau darauf. Du kommst ins Handeln und schaust nicht nur zu, wie deine Verletzung wieder heilt.
Verletzungen brauchen Routinen
Dein Plan für deine Verletzung:
Lass alle Emotionen für 24 – 48 Stunden zu.
Versteh, was die Verletzung für dich bedeutet.
Entwickle zusammen mit deinem Umfeld einen Reha-Plan.
Achte auf deine mentale Reha – werde mental stärker.
Mach dir die kleinen Fortschritte bewusst.
Wenn du verletzt bist, dann tendierst du wahrscheinlich auch als erstes dazu, alle Routinen über Bord zu werfen. Was sollst du denn jetzt mit diesen Routinen machen, wenn es dir vielleicht durch deine Verletzung nicht mehr möglich ist? Dabei sind doch genau diese Routinen so wichtig, denn sie geben dir ein Gefühl von Sicherheit und Normalität. Denn so hast du es schon immer gemacht.
Eine Frage der Routinen
Warum hörst du dann aber genau mit diesen Routinen auf? Im ersten Moment bist du vielleicht überfordert – so ist es zumindest bei mir gewesen. In dieser Phase siehst du nur noch, was du nicht mehr machen kannst, dass du vielleicht deinen Sport nicht mehr ausüben kannst. Was du nicht siehst, ist, was du noch alles machen kannst, also was du kontrollieren kannst.
Während meiner Verletzung habe ich gelernt: Ich kann meine Verletzung nicht kontrollieren, aber ich kann meine Routinen kontrollieren. Darauf solltest du also deinen Fokus lenken. Deine Routine verfolgt ein Ziel und gerade in diesen Momenten richtest du deine Routine darauf aus, dass sie dich bestmöglich in deiner Rehabilitation unterstützt. Frage also aktiv: Welche Übungen aus der Physiotherapie oder aus dem Athletiktrainer darfst du einbauen?
Vielleicht ist das auch nicht deine erste Verletzung, dann mach dir bewusst, was dir schon mal geholfen hat. Es geht darum, dass du ins Tun kommst. Eine Verletzung ändert einiges, deine Routinen bleiben die gleichen.
Hier meine drei Tipps für deine Routinen:
Routinen, die dir gut tun, behältst du bei.
Deine Routinen sollen die Reha deiner Verletzung unterstützen.
Pass Routinen an, wenn du sie so nicht mehr ausführen kannst, höre aber nicht mit ihnen auf.
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Was haben Karrieren, Lebenswege und sportliche Laufbahnen mit Emotionen zu tun? Dieser Frage geht Danijela Bradfisch von Die Sportpsychologen mit der Basketballerin Lea Ouedraogo und Prof. Dr. Oliver Stoll aus dem Netzwerk Die Sportpsychologen nach.
Zum Thema: Laufbahncoaching
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Die komplette Serie „Let’s talk – Emotionale Werdegänge“ hat Danijela Bradfisch aufgebaut und nutzt die Interviews als Teil ihres Coachings rund um mentale Stärke im Sport. In den einzelnen Folgen werden emotionalen Entwicklungen von Athlet:innen oder Coaches und beleuchtet: Themen wie Selbstreflexion, Kommunikation und den Umgang mit Druck.
Ziel ist es, innere Prozesse sichtbar zu machen und zu zeigen, wie Emotionen, Mindset und Erfahrungen die persönliche und sportliche Entwicklung beeinflussen.
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