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Gastbeitrag: Von Widerstandskraft bis Depression – Wie sich Rassismus auf die Psyche von Fussballspielern auswirkt

Immer wieder erreichen uns von Die Sportpsychologen Medienanfragen. Gern vermitteln wir unsere Experten für TV-Produktionen, Hintergrundrecherchen und Interviews. Einfach deshalb, weil noch so viel Aufklärungsarbeit rund um sportpsychologische Themen getan werden muss. An dieser Stelle verweisen wir auf einen Beitrag des Fußballblogs Miasanrot und den tollen Beitrag, den die Autorin Katrin Figge auf Basis eines Interviews mit Uwe Knepel (zum Profil auf Die Sportpsychologen) veröffentlicht hat.

Gastbeitrag von Miasanrot: VON WIDERSTANDSKRAFT BIS DEPRESSION – WIE SICH RASSISMUS AUF DIE PSYCHE VON FUSSBALLSPIELERN AUSWIRKT

Auch in der Bundesliga setzen Spieler und Vereine Zeichen gegen Rassismus und unterstützen die Black-Lives-Matter-Bewegung, die ihren Ursprung in der afroamerikanischen Gemeinschaft in den USA hat und Gewalt gegen Schwarze und People of Color bekämpft.

Diese Solidarität ist extrem wichtig – und lange überfällig. Auch Rassismus im Fußball ist leider kein neues Phänomen: Schmähgesänge und Beleidigungen auf dem Platz und im Stadion gibt es immer wieder. Es hat durchaus Fortschritte gegeben in den vergangenen Jahren, wie beispielsweise die zahlreichen „Fanprojekte“, für die Fußballfans mit professionellen Sozialarbeitern zusammenarbeiten.

Dennoch war es in der Vergangenheit oft so, dass die die Fußballer, die sich öffentlich gegen Rassismus ausgesprochen haben, oft diejenigen waren, die selbst Rassendiskriminierung zum Opfer gefallen sind, ob in ihrem Alltag oder im Stadion.

Der Berliner Sportpsychologe Uwe Knepel, der unter anderem im Nachwuchsleistungszentrum des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC aktiv ist, sagt, dass die Auswirkungen auf die Psyche eines Spielers, der rassistischen Beleidigungen oder Anfeindungen ausgesetzt ist, von unterschiedlichen Faktoren abhängen.

„Zum einen geht es um die Häufigkeit, also die Anzahl der erlebten Wiederholungen, die man in so einem Fall betrachten muss, und zum anderen um die eigene psychische Widerstandskraft, die sogenannte Resilienz,“ erklärt Knepel. „Die eigene individuelle Vorgeschichte spielt immer eine Rolle.“

Was passiert also mit einem Fußballer, wenn er auf dem Platz rassistisch beleidigt wird, sei es von Fans, anderen Spielern oder Offiziellen?

„Kurzfristig, in der Situation, ist es zunächst einmal eine riesige Ablenkung für den Spieler, der das gedanklich mit sich trägt und sich vielleicht nicht mehr hundertprozentig auf das Spiel konzentrieren kann,“ sagt Knepel.

„Einige werden vielleicht gereizt oder empfinden einen emotionalen Schmerz und suchen nach Möglichkeiten, um sich zu entladen. Zum Beispiel kann es dazu führen, dass der Betroffene ruppig spielt oder viele Fouls begeht, oder Getränkekisten in die Gegend wirft. Oder man ist nicht mehr im Spiel, und auf einmal funktioniert nichts mehr. Im schlimmsten Fall ist es so, dass wirklich gar nichts mehr geht, oder dass aufgrund eines groben Fouls eine rote Karte kommt – einiges davon ist ja auch in der jüngsten Vergangenheit schon passiert.“

Im Extremfall kann natürlich auch eine Depression die Folge sein

Langfristig jedoch kann es zu weitaus gravierenderen Folgen kommen. Laut Knepel haben Studien gezeigt, dass sich bei Jugendlichen nach länger anhaltenden und sich immer wiederholenden Feindseligkeiten häufig Verhaltensauffälligkeiten gezeigt haben.

„Da gibt es Veränderungen im Verhalten allgemein, aber es können auch depressive Symptome wie anhaltende Müdigkeit, erhöhte Reizbarkeit oder Schlafstörungen auftauchen,“ erklärt der Sportpsychologe. „Im Extremfall kann natürlich auch eine Depression die Folge sein – und für einen Fußballer oder Sportler kann das im schlimmsten Fall bedeuten, dass er aufhören muss.“

Wenn ein Fußballer während eines Spiels rassistischen Beleidigungen ausgesetzt ist, so muss er diesen Reiz von außen zunächst realisieren und für sich bewerten – dies ist etwas, was in der Regel sehr schnell und automatisch geschieht.

„Es ist ja nicht so, dass ein Spieler sich dazu entscheidet, jetzt wütend, traurig oder ängstlich zu werden, sondern das passiert ganz automatisch,“ sagt Knepel. „Hier gibt es mithilfe sportpsychologischer Maßnahmen und Techniken Möglichkeiten, Prozesse zu wiederholen und auch Verhaltensziele mit den Sportlern zu erarbeiten, damit sie sich selber darüber im Klaren sind, wie sie in so einer Situation eigentlich reagieren wollen. Das kann trainiert werden.“

Es geht um mehr als nur den Preis für Fair Play

Die Betroffenen haben auch die Möglichkeit, sich direkt oder über den Mannschaftskapitän an die Offiziellen oder die Bank zu richten und damit den Drei-Punkte-Plan der Fußballverbände in Gang zu bringen. Das dreistufige Verfahren reicht von einer Unterbrechung bis zum vollständigen Abbruch einer Partie.

„Das ist schon einmal ein Schritt in die richtige Richtung, aber natürlich muss man auch erst einmal sehen, ob dieser Drei-Punkte-Plan langfristig etwas bringt,“ sagt Knepel. „Dazu müsste man zunächst Ergebnisse und Informationen sammeln und auswerten, um ein Urteil darüber fällen zu können. Als Mannschaft geschlossen vom Feld zu gehen, ist in der Jugend schon passiert, aber das wurde am Ende am grünen Tisch gegen sie entschieden. Das muss man leider auch berücksichtigen, dass es eben um mehr geht als nur den Preis für Fair Play.“

Das Wichtigste für einen Spieler, so Knepel, ist es, ein gutes und funktionierendes Netzwerk zu haben, das sie auffängt – von Vertrauenspersonen im Team und Verein über Sportpsychologen bis hin zu Familie und Freunden. Dabei ist es aber nicht unbedingt so, dass jeder Fußballverein sportpsychologische Betreuung anbietet.

„Es gibt Spieler, die haben ihre eigenen Sportpsychologen und machen das privat, aber es gibt auch Vereine, die stellen Sportpsychologen,“ erklärt Knepel. „Es soll auch welche geben, die haben gar keine. Natürlich wäre es eigentlich vorteilhaft, aber leider ist die ‚Laiensicht‘ auf den Sportpsychologen häufig noch vorbelastet, vor allem im Fußball. Das ist noch Aufklärungsarbeit, die geleistet werden muss.“

Uwe Knepel

Sportpsychologe aus Berlin

Sportarten: Fußball, Futsal, Basketball, Tennis, Hockey, Triathlon, Handball, Schwimmen, Wasserball, Boxen, Volleyball, Faustball, Radsport, Motorsport, Leichtathletik, Klettern

Kontakt

+49 (0)152 086 714 05

u.knepel@die-sportpsychologen.de

Mehr Infos: Profilseite

Der Sport allein wird nicht reichen

Es sind aber nicht nur Situationen im Alltag oder auf dem Platz, in denen der Fußball mit Rassismus zu kämpfen hat. Seit dem Aufstieg der sozialen Netzwerke gehört es beinahe wie selbstverständlich für einen Fußballer dazu, auf Plattformen wie Instagram, Facebook, Twitter oder TikTok aktiv zu sein. Das hat aber nicht nur Vorteile – es öffnet den Raum zu Online-Bashing.

„Rassistische Anfeindungen im Netz können ähnliche Auswirkungen haben wie auf dem Platz, obwohl hier der Unterschied ist, dass man sich besser mit der Situation arrangieren kann, da der Fußballer sich in dem Moment nicht auf dem Spielfeld befindet,“ sagt Knepel. „Man kann sich ja zum Beispiel bewusst dazu entscheiden, ein oder zwei Tage vor einem Spiel nicht mehr online zu gehen, um keine Kommentare lesen zu müssen.“

Um langfristig und effektiv gegen Rassismus im Fußball – und natürlich in der kompletten Gesellschaft – vorgehen zu können, muss noch mehr Aufklärung in der Bildungsarbeit passieren, so Knepel.

„Wir sind uns alle einig, dass es wichtig ist, dass in dem Bereich etwas passiert, und dass es auch durchdacht sein muss, um langfristige Wirkung zu haben. Das geht natürlich über den Sportbereich hinaus, da es nicht nur ein sportliches, sondern ein gesellschaftliches Phänomen ist, und da muss sich auch die Politik drum kümmern,“ sagt er.

„Wichtig ist, dass das Thema an- und ausgesprochen und nicht totgeschwiegen wird. Solange diese Ungerechtigkeit herrscht, müssen wir das Thema aktuell halten, und durch Bildungsarbeit eine andere Richtung einschlagen – in voller Breite, nicht nur im Sport, denn das wird nicht reichen.“

Hinweis: Erschienen ist der Text im Original am 25. Juni 2020, genau hier: https://miasanrot.de/wie-sich-rassismus-auf-die-psyche-von-fussballspielern-auswirkt/

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DVD: Alles geschieht im Kopf (Jürgen Walter)

Der 65-min. Film zur Praxis der Sportpsychologie „Alles geschieht im Kopf“ zeigt anhand vieler Praxisbeispiele sportpsychologische Interventionsmögichkeiten und soll das Image der Sportpsychologie verbessern.

Mitwirkende u.a. Mats und Jonas Hummels, Frank Busemann, Christian Keller, Patrik Kühnen, Peter Neururer, Claus-Dieter Wollitz u.a.

„…kann ich dir zu deinem Film ruhigen Gewissens gratulieren. Finde diese Art der Vermittlung von sportpsychologischer Arbeit sehr passend für unsere Zeit und auch die Themenwahl gefällt mir. Toll ist natürlich, dass dir so bekannte und glaubwürdige Sportler und Trainer zur Verfügung gestanden sind.

Besonders wichtig erscheinen mir die guten und sehr interessanten Beispiele, wie zum Teambuilding, die den Zuseher erleben lassen, wie so etwas ablaufen kann und auch die ruhige Arbeitsweise des Psychologen gut abbilden“.

TONI INNAUER, SKISPRINGEN, GOLDMEDAILLENGEWINNER

Der Film wurde erstmalig am 26. März 2016 im BR ausgestrahlt und mehrfach in den ARD-Programm wiederholt.

Preis

DVD „Alles geschieht im Kopf“, 65. Min.

29,95 EUR (zzgl. Versand)

(mit Vorführrechten 99,00 EUR)

Bestellung

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    Lehren aus der “Geistersaison”: Matthias Ginters Studie, Vereinsbosse als Gatekeeper für Sportpsychologen und über das Finden des passenden Experten

    Menschenleere Stadien. Dieses Bild wird bleiben, wenn auf die Bundesliga-Saison 2019/2020 zurückgeblickt wird. Aber wie sehr hat die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen für Fans und Vereine den Sport verändert? Erleben wir aktuell den Start eines Booms der Sportpsychologie? Und wie können die vielen Profis und Vereine, die dem möglichen Trend nach besserer psychologischer Betreuung folgen wollen, fündig werden? Nicht zuletzt: Darf bei der Bewertung der Leistungsentwicklung des FC Schalke 04 die Rolle des Sportpsychologen außen vor gelassen werden?

    Interview mit Dr. Jan Rauch, Prof. Dr. Oliver Stoll, Ilias Moschos, Janosch Daul, Anne Lenz, Kate Seufert und Anke Precht 

    Im Frühjahr wurde das Thema „Einfluss der Fans“ sehr kontrovers diskutiert. Was haben die Geisterspiele – quasi als Experiment unter Laborbedingungen – nun für eine Erkenntnis hervorgebracht: Haben Fans im Profi-Fußball nun Einfluss auf das Geschehen auf dem Platz? 

    Dr. Jan Rauch (zur Profilseite): Aus meiner Sicht haben die Fans grundsätzlich natürlich schon einen Einfluss. Die Richtung des Einflusses (also eher positiv richtung Leistungssteigerung vs. eher negativ) ist aber sehr individuell ausgeprägt. Es wird Spieler geben, die sich gefreut haben, ohne den “Druck” der Fans agieren zu können und andere, denen ein Teil der Motivation wegfiel. Da man davon ausgehen darf, dass sich solche Ausprägungen über die Mannschaften etwa ausgleichen, sehe ich keine Wettbewerbsverzerrung. 

    Prof. Dr. Oliver Stoll (zur Profilseite): Kürzlich habe ich im Deutschlandradio im Sportgespräch mit Matthias Ginter von Borussia Mönchengladbach gehört, dass es in der Corona-Zeit Forschung gegeben hätte, die den Einfluß der Fans belegen würde. Mir ist keine Studie über den Weg gelaufen gekommen – ist ja vielleicht auch erst ein Pre-Print 😉 Aber auch das hätte ich eigentlich finden müssen. Anyway – mein Bauchgefühl sagt mir… sportlich betrachtet – alles wie vor Corona!    

    Ilias Moschos (zur Profilseite): Natürlich hat das Fanverhalten in einem bestimmten Maß Einfluss auf das Geschehen auf dem Platz. Fanverhalten kann aktivierend aber auch hemmend wirken. Was das Fanverhalten allerdings nicht schafft ist, fehlende Qualität auszugleichen. 

    In den vergangenen Wochen konnten wir das Gefühl bekommen, dass auch in den Topligen, u.a. durch die Verpflichtung von Philipp Laux bei Borussia Dortmund, die Bedeutung der Sportpsychologie wächst. Täuscht das oder ist Bewegung im Markt?

    Prof. Dr. Oliver Stoll (zur Profilseite): Unstrittig ist, dass Sportpsychologie – auch im professionellen Fußball etwas beizutragen hat – ich vermute aber eher, dass diese Wahrnehmung eine Einzelwahrnehmung ist – und nicht für “Dynamik” im Markt spricht.

    Dr. Jan Rauch (zur Profilseite): Ich mache gerade die Erfahrung, dass der Einbezug von Sportpsychologen/-innen im Profifussball (noch stärker als in anderen Sportarten) von einzelnen Entscheidungsträgern (Sportchef, Trainer, Präsident) geprägt ist – und leider nicht von einem dynamischer werdenden Markt.

    Ilias Moschos (zur Profilseite): Zum Einen hängt vieles von den Verantwortlichen in den Vereinen ab, zum anderen spielt auch die Kompetenz und Professionalität der Sportpsychologen eine große Rolle. Da klafft oft zwischen Theorie und Praxis ein großes Gap. Wir sollten da auch so offen sein und bestehende Seilschaften benennen. Manche Beauftragung findet genau aus dem Grund statt. Ich persönlich halte die Aktion für ein Strohfeuer, da nach wie vor die Sportpsychologie nicht das erforderliche Standing hat. 

    Mit Sascha Lense ist im vergangenen Sommer ein Sportpsychologe zum FC Schalke gewechselt. Ein Verein, der gerade im Jahr 2020 wie ein taumelnder Boxer unterwegs ist. Böse gesagt, wenn die sportliche Entwicklung für einen Sportpsychologen zeugnisrelevant wäre, dürfte die Versetzung als gefährdet gelten. Aber so einfach ist es nicht, oder?

    Prof. Dr. Oliver Stoll (zur Profilseite): Eines der größten Missverständnisse zu unserer Arbeit. Unsere Arbeit rein am sportlichen Erfolg zu messen, ist kurzfristig, unrealistisch und verkennt ein humanistisches Menschenbild.

    Janosch Daul (zur Profilseite): Den Ergebniserfolg eines Teams, beispielsweise greifbar am Tabellenstand, insbesondere in einer hochkomplexen Spielsportart wie dem Fußball als Bewertungsgrundlage für die Arbeit eines Sportpsychologen heranzuziehen, ist mehr als fragwürdig. Selbst dem Trainer als Hauptverantwortlichen wird aus meiner Sicht ein zu großer Einfluss auf das Endergebnis eines Teams unterstellt, welches im Fußball ja aus über zwei Dutzend autonomen Individuen besteht. Insbesondere im Vergleich zu CEOs mächtiger Wirtschaftsunternehmen – das belegen die Zahlen – werden Trainer viel öfter für fehlende Ergebnisse verantwortlich gemacht und rigoros ausgetauscht. Ein langfristiger Effekt ist oftmals nicht gegeben. Vielmehr ist ein Ergebnis im Fußball von zahlreichen Faktoren abhängig und nicht wenige von ihnen sind sowohl für einen Trainer als auch einen Sportpsychologen kaum kontrollierbar – beispielhaft seien strittige Elfmeterentscheidungen genannt.

    Will insbesondere die Vereinsführung die Leistung eines Sportpsychologen bewerten, muss sie sich ganzheitlich mit dem Wirken des Sportpsychologen auseinandersetzen und versuchen, ein möglichst ganzheitliches Bild zu kreieren. Dabei müsste sie systematisch Einblicke in die Arbeit des Sportpsychologen über die gesamte Saison hinweg erhalten. Eine unabdingbare Voraussetzung, um diese Eindrücke dann auch interpretieren und letztlich eine Bewertung vornehmen zu können, besteht darin, dass die Vereinsführung selbst über (sport)psychologisches Know-How verfügen muss. Aber: Die Leistung eines Sportpsychologen wird – wie die eines Trainers – (in naher Zukunft) nie objektiv messbar sein.

    Für Medien und Fans ist die Leistung eines Sportpsychologen aus meiner Sicht keinesfalls beurteilbar; schließlich nehmen sie ausschließlich eine Außenperspektive ein, haben keine Einblicke in das tatsächliche Wirken des Sportpsychologen und gelangen höchstens vereinzelt an gewisse Infos aus dem inneren Zirkels des Systems “Team”, was aber keinesfalls eine Bewertungsgrundlage darstellen kann.

    Anne Lenz (zur Profilseite): Die Leistung eines Sportpsychologen kann (wenn überhaupt) von direkt betreuten Sportlern und Trainern durch den Mehrwert der Betreuungs- & Beratungstätigkeit bemessen werden. Dieser Mehrwert ist für jeden Sportler/Trainer genauso hoch individuell, wie das eigene Anliegen der Zusammenarbeit. Die Wirksamkeit eines Sportpsychologen sollte nicht an Tabellenpositionen abgelesen werden, sondern an der Ausschöpfung und Weiterentwicklung des individuellen Potenzials des Sportlers/Trainers/Teams. Zudem sei darauf hinzuweisen, dass in einer professionellen sportpsychologischen Betreuung die Verantwortung für die eigenen Fortschritte auch bei Sportlern und Trainern liegen & ein ausgeprägtes Commitment für eine leistungsstarke Zusammenarbeit unabdingbar ist. 

    Wann wäre der richtige Zeitpunkt, sich einen Sportpsychologen mit ins Boot zu holen? Und wie sollten Vereine scouten oder wen sollten die Manager fragen?

    Anke Precht (zur Profilseite): Der Sportpsychologe kann von Beginn an in die Prozesse eingebunden werden: Scouting, Kommunikation, Teambuilding. Am besten frühzeitig. Sonst: Lieber spät als gar nicht. 

    Kathrin Seufert (zur Profilseite): Die Einbettung eines Sportpsychologen/in erfolgt bestenfalls zu Beginn einer neuen Saison. So haben Spieler und Trainer gleich die Gelegenheit, diese Facette der Entwicklungsmöglichkeit von Anfang an mit in die Abläufe zu integrieren. Neben dem Kennenlernen des großes Spektrums an Möglichkeiten, die die Sportpsychologie bietet, sind es zu Saisonwechsel ja auch andere personelle Veränderungen, so dass es eine Gruppe “Neuer” gibt. Auch zur Winterpause ist ein Einstieg sicherlich möglich. Das Einsetzen eines Sportpsychologen/in als “Feuerwehrmann/frau” halte ich hingegen für nicht zielführend.

    Janosch Daul (zur Profilseite): Der Sportpsychologe als Teil des Trainerteams hat zumeist zwei Aufgaben. Auf der einen Seite geht es darum, durch ein systematisches und strukturiertes Vorgehen die Beteiligten des Systems Team auf individueller Ebene dabei zu unterstützen, mentale Leistungsressourcen auszuschöpfen. Und auf der anderen Seite das Trainerteam fachkundig dabei zu beraten, wie dieses – insbesondere durch das Schaffen passender Rahmenbedingungen – aus individuellen Höchstleistern ein funktionierendes Team entwickeln kann. 

    Um diesen Aufgaben gerecht werden zu können, braucht es die Einbindung des Sportpsychologen in alle wesentlichen Teamprozesse ab Beginn des Vorbereitung. Nur so kann er sich den so wichtigen Überblick über das System Team – z.B. die Persönlichkeiten, wesentliche Abläufe, Strukturen etc. – verschaffen, um dann wirkungsvoll intervenieren zu können. Wenn möglich, wird er sogar in den vor der Saison so bedeutsamen Scoutingprozess eingebunden, der die Teamzusammenstellung maßgeblich beeinflusst.

    Ilias Moschos (zur Profilseite): Wann der richtige Zeitpunkt ist? Immer!

    Viele Profis stehen in den kommenden Wochen bis zum Ende der ausgeweiteten Transferperiode vor einer großen Unsicherheit. Nicht wenige sind ohne Verein. In welcher Form kann die sportpsychologische Betreuung in einer solchen Phase helfen? Wie sollten sich die Kicker oder auch Trainer ihren persönlichen Sportpsychologen aussuchen, wenn ihnen gerade keiner empfohlen wird oder sie Hemmungen haben, sich mit den ggf. im Verein oder dem Ex-Verein beschäftigten Kollegen anzuvertrauen?

    Anke Precht (zur Profilseite): Die meisten Profis suchen sich ihren Sportpsychologen auf Empfehlung. Dass heißt, sie fragen Kollegen aus dem Verein. Die meisten sind gut vernetzt. Wenn nicht, kann auch die Recherche im Internet, zum Beispiel bei “Die Sportpsychologen” (zur Übersicht) helfen. Einfach mit ein paar Kollegen telefonieren. Fußballer merken, wo es eine Passung gibt. Sich den Sportpsychologen selbst aussuchen zu können, ist oft auch eine Chance, nicht wenige Profis machen das ja sowieso schon zusätzlich. Der freie Sportpsychologe ist dem Verein nicht verpflichtet und kann den Spieler weiter über den Tellerrand schauen lassen, was zum Beispiel die Wahl des nächsten Arbeitgebers angeht. 

    Kathrin Seufert (zur Profilseite): Die Sportpsychologie kann dazu beitragen, diese Unsicherheit besser aushalten zu können, bzw. sich dem Thema mit einem Perspektivwechsel anders anzunehmen. Die Möglichkeiten sind vielfältig und individuell sehr gut anpassbar. Auf der Suche nach einem geeigneten Sportpsychologen/in ist die Experten-Datenbank des bisp oder unsere Seite von die-sportpsychologen.de (zur Übesicht der Profilinhaber) eine gute Anlaufstelle. Ein erstes Kennenlernen zeigt dann vielleicht schon, ob die “Chemie stimmt” und die Grundlagen zur Vertrauensbildung vorhanden sind. Sorgen und Ängste bezüglich der Konsultation eines solchen Experten dürfen sehr gerne angesprochen werden und können bestenfalls gleich beim ersten Treffen aus dem Weg geräumt werden.

    Ilias Moschos (zur Profilseite): Die Empfehlung ist das, wonach sich Profis ihren Kooperationspartner aussuchen. Sie tauschen sich untereinander aus und erfahren so “aus erster Hand”, wer vertrauenswürdig, loyal, seriös und kompetent ist.

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    Dr. Hanspeter Gubelmann: Athlete A – A blind eye to sex abuse

    Der Streamingdienst Netflix schaltete am 24. Juni 2020 die erschütternde Dokumentation «Athlete A» auf. Im Mittelpunkt dieses aufwühlenden Berichts steht der Missbrauchsskandal rund um Larry Nassar, der im Januar 2018 zu 175 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Zu Wort kommen aber insbesondere die «survivors» – so bezeichnen sich die Kunstturnerinnen, die sich dank ihres mutigen Auftritts in der Öffentlichkeit allmählich von den bleiernen Fesseln abscheulicher Misshandlungen befreien.

    Zum Thema: Aufgaben für die Sportpsychologie zur Prävention von Sexualisierter Gewalt im Nachwuchssport 

    Spitzensport definiert sich über humanistische Werte. Viele Athletinnen erleben und bezeichnen diesen als positive Lebensschule. Sie sprechen von einem interessanten Karriereweg mit Höhepunkten und überwundenen Hindernissen, die letztlich eine Persönlichkeit reifen lassen. Sport transportiert vielfältige Emotionen – darum lieben wir ihn alle. «Athlete A» – personifiziert in der US-Kunstturnerin Maggie Nichols – öffnet dagegen unser „blind eye“, trifft vielleicht unseren blinden Fleck. Was die investigativen Journalistinnen und Journalisten vom «The Indianapolis Star» in ihrer rund zweistündigen Dokumentation an Fakten und Hintergrund ans Tageslicht fördern, beelendet zutiefst und macht mich schwer betroffen – als Vater, ehemaliger Trainer und Sportpsychologe.

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    Weitere Informationen

    Hauptakteurin in der Recherche ist Maggie Nichols, die in den Akten als «Athlete A» geführt wird. Ihr Beispiel steht stellvertretend für eine unfassbar grosse Gruppe von 500 psychisch misshandelten und sexuell missbrauchten jungen Athletinnen. Sie alle wurden Opfer eines pädophilen Sportmediziners – ebenso missbraucht aber auch von menschenverachtenden TrainerInnen, einem verantwortungslosen Verbandspräsidenten, korrupten Olympia-Funktionären und meist ahnungslosen Eltern.

    Verstörend, unerbittlich – aber auch dramaturgisch brillant

    Der «IndyStar» fesselt uns mit seinem schonungslosen Blick auf diese dunkelsten Seiten des Spitzensports. Die dargestellten Straftaten machen mich gleichermassen betroffen wie wütend. Perfekt inszeniert, bildgewaltig sowie sezierend in Ton und Kommentar, schwindet mein „blinder Fleck“, spüre ich eine subtile Metamorphose zum „Mitwisser“ und „Betroffenen“. Entstanden ist ein verstörendes Zeitbild des amerikanischen Kunstturnens, dessen Strahlkraft bis in unsere nationalen Sportsysteme reicht. 

    In der Schweiz wissen wir nicht erst seit den Darstellungen der ehemaligen Spitzenturnerin Ariella Käslin in ihrem Buch „Leiden im Licht“, dass die besondere Problematik in der sehr spezifischen Hochleistungsförderung im frühen Kindes- und Jugendalter mitbegründet ist. Die Rede ist von 30 bis 35 Trainingsstunden die Woche für 14-Jährige!

    Augen öffnen, hinschauen und handeln

    Die Hauptbotschaft, die auch in den Plädoyers vieler betroffener Turnerinnen vor Gericht zum Ausdruck kam, richtet sich an die Verbände und ihre TrainerInnen. Diese werden in die unabdingbare Pflicht genommen, endlich echte Verantwortung zu übernehmen und Massnahmen zu ergreifen, um künftige Fälle zu verhindern. Es dürfe nicht weiter geduldet werden, bei Übergriffen wegzuschauen und Opfer zu verunglimpfen. US-Superstar Simone Biles, selbst auch Opfer von Nassers Übergriffen, offenbarte in ihrem emotionalen Statement anlässlich der US-Turnmeisterschaften 2019, dass diese Wunde noch bei weitem nicht verheilt ist: „Wir Athletinnen geben alles für euch, ihr hattet nur einen verdammten Job – und habt uns nicht vor IHM geschützt“. 

    Was Simone Biles aber auch zwischen den Zeilen erkennen lässt: Was fehlt ist die Verlässlichkeit derjenigen, die es besser wussten. Der Erwachsenen. Und dieses Vertrauen fehlt auch heute noch.

    Kernaussagen des Films und Bedeutung für die Sportpsychologie

    Biles schockierende Äusserungen implizieren die Notwendigkeit bedeutsamer Massnahmen und Veränderungen – auch aus Sicht der Sportpsychologie. Im Folgenden beziehe ich mich auf vier Kernaussagen der Dokumentation und verbinde diese mit aus meiner Sicht bedeutsamen sportpsychologischen Überlegungen.

    1. Maggie Nichols: „In anderen Sportarten sind die Athletinnen erwachsen – sie können entscheiden, was sie möchten. Ich glaube nicht, dass das im Turnsport so ist. Sie gehen mit zehn in diese Trainingslager und werden jahrelang missbraucht. Und wenn sie älter werden, ist diese Grenze zwischen hartem Training und Missbrauch verschwommen. Wenn dann ein sexueller Missbrauch stattgefunden hat, misstrauen sie ihrer Wahrnehmung.“

    Aus ethischer Sicht müsste hier die Sportpsychologie aktiv werden und eine klare Position gegen Jugendhochleistungssport einnehmen. Was würde gegen die Einführung eines Alterslimit von 18 Jahren für internationale Titelkämpfe wie EM, WM und Olympische Spiele sprechen? Als weitere wichtige Orientierung böte sich die „Charta der Rechte der Kinder im Leistungssport“ an. (La Charte des droits de l’enfant dans le sport, Bizzini et. al. 2009). Regel Nr. 10 besagt z.B.: Das Kind hat das Recht auch kein Champion zu sein!

    1. Maggie Nicols kam mit 14 Jahren in die Nationalmannschaft. Nichols Vater dazu: „Es war eine Ehre (…), so werden Olympiateilnehmerinnen gemacht. Im Trainingscamp waren keine Eltern erlaubt. Man sollte meinen, sie würden auf die Mädchen achten, wir waren als Eltern nicht zugelassen.“ Die TrainerInnen vertraten die Meinung, dass bei jüngeren Turnerinnen mehr Kontrolle nötig wäre. Nationaltrainer Bela Karolyi meinte gar: „Wir müssen absolute Kontrolle über die Mädchen haben.“ Die Trainings-Atmosphäre basierte auf Furcht, Einschüchterung und Schweigen – der einzige Lichtblick war Larry Nassar – „er gab uns heimlich Essen und Süsses. Er war ein beliebter Mann.“

    Die Beschreibungen deuten auf ein insgesamt perfide gesponnenes Beziehungsnetzwerk hin, welches auf Macht, Kontrolle, Abhängigkeit und Isolation der Turnerinnen baute. Die Eltern waren nur dort geduldet, wo sie nicht stören konnten. Aus anderen Quellen gibt es zudem Hinweise, dass Eltern – auch aus Furcht vor Repressalien – dieses missbräuchliche System wissentlich duldeten.

    Im krassen Kontrast zu diesem menschenunwürdigen Regime steht der ganzheitliche Entwurf einer umfeldbasierten Athletenbegleitung, wie ihn die Sportpsychologen Kristoffer Henriksen und Natalia Stambulova (2017) vorschlagen. Gemäss ihrem holistischen Ansatz soll beispielsweise die Umgebung einer jungen Athletin insgesamt auf den Sport ausgerichtet sein, basierend auf einer altersdurchmischten Gruppenstruktur, die insbesondere auch der Entwicklung psychosozialer Kompetenzen zuträglich wirkt. Der Vergleich mit ihren sportlichen Vorbildern fördert die Motivation der zukünftigen Leistungsträger. 

    Dr. Hanspeter Gubelmann

    Dr. Hanspeter Gubelmann

    Sportarten: Ski nordisch, Ski alpin, Leichtathletik, Bob, Skeleton, Judo, Eiskunstlauf, Tennis, Short Track, Kanu, Eishockey, Mountainbike, Schwimmen, Triathlon, Rhythmische Sportgymnastik u.a.

    Kontakt:

    +41 (0)79 789 45 13

    h.gubelmann@die-sportpsychologen.ch

    Mehr Infos: Zur Profilseite, zum Kompetenzzentrum mind2win.ch

    1. „Es geht darum, diese Marke (USA-Gymnastics) zu verkaufen. Diese Kinder werden alle von Erwachsenen angeleitet, ihren olympischen Traum wahrzumachen. Im Grunde benutzen sie den Traum eines Kindes, um eine Marke zu entwickeln. Und sie waren so damit beschäftigt, die Marke zu verkaufen, dass sie keine Zeit für diese Mädchen hatten.“ Dazu Anwalt John Manly: „Und da wusste ich es, mit wem ich es zu tun hatte: ich hatte es mit einer Organisation zu tun, die einen Dreck auf Kinder gab, die sich nur um sich selbst kümmerte und Vergewaltigungen deckte.“

    Ich in meiner Funktion als Sportpsychologe bin mir meiner ethisch-moralischen Verpflichtung bewusst. Die Berufsordnung des Berufsverbandes schützt die Rechte und die Integrität aller Personen, die in eine psychologische Tätigkeit einbezogen oder direkt davon betroffen sind. Andererseits bin ich als Psychologe auch gebunden an die Schweigepflicht. Gemäss Artikel 364 StGB dürfen die nach Artikel 321 StGB zur Wahrung des Berufsgeheimnisses verpflichteten FachpsychologInnen der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde ohne Befreiung von der Schweigepflicht Mitteilung erstatten, wenn an einer minderjährigen Person eine strafbare Handlung begangen wurde.

    1. Kunstturnerin Rachael Denhollander sagt: „Ich wusste nicht viel mit 15 aber eins wusste ich: Missbrauchsopfer werden nicht gut behandelt. Sie werden belächelt, ausgefragt, für mitschuldig gehalten. Und das fügt dem Heilungsprozess unglaublichen Schaden zu. Ich wünschte, ich hätte damit vor 16 Jahren umgehen können. Damals konnte ich es nicht – aber ich kann es jetzt.“

    Einen wichtigen Hinweis zum Verstehen und Begleiten sexuell missbrauchter Jugendlicher liefert ihr Anwalt John Manly: „Was viele Leute nicht sehen ist, dass das die erste sexuelle Erfahrung für fast alle dieser Mädchen war.“ 

    Intimität und körperliche Nähe sind in diesem Alter oft verbunden mit fragilen Erfahrungen. Ein Übergriff erleben sie, als ob man ihnen etwas wegnimmt oder etwas beschädigt wird. Letzten Endes war es das, was Nasser wirklich tat, er hat ihnen eine liebvolle und intime Erfahrung gestohlen. Und sie kämpfen alle darum, diese wieder zurückzubekommen.

    Gutes Ende?

    Und wie geht es «Athlete A» Maggie Nichols heute? „Der Elite-Bereich von damals hat mich irgendwie klein gehalten. Inzwischen bin ich als Person und Frau gewachsen. Ich fand meine Liebe für den Sport wieder.“ 2018 wurde Maggie Nichols US-Mehrkampfmeisterin im Kunstturnen. Sie verteidigte 2019 ihren Titel erfolgreich.

    Mehr zum Thema:

    Quellen

    AthleteAFilm.com

    Gertsch, C. & Steffen, B. (2015). Ariella Käslin – Leiden im Licht. Die wahre Geschichte einer Turnerin. Zürich: NZZ Libro.

    Henriksen, K. und Stambulova, N. (2017). Creating optimal environments for talent development. In: J. Baker, S. Cobley, J. Schorer und N. Wattie (Eds.), Routledge handbook of talent identification and development in sport (S. 271-284). London: Routledge.

    La Charte des droits de l’enfant dans le sport: un outil pour promouvoir la santé et protéger l’enfant dans le sport. P. Mahler, L. Bizzini. Paediatrica 2009;20(1):36-37. http://www.swiss-paediatrics.org/paediatrica/vol20/n1/pdf/36-37.pdf 

    https://www.olympicchannel.com/de/video/detail/biles-breaks-down-you-had-one-job-and-you-couldn-t-protect-us

    https://www.gef.be.ch/gef/de/index/gesundheit/gesundheit/gesundheitsberufe.assetref/dam/documents/GEF/RA/de/DownloadsPublikationen/Leitfaden_Schweigepflicht_März%202016_de.pdf

    https://www.tagesanzeiger.ch/turnverband-feuert-nationaltrainerinnen-nach-quaelvorwuerfen-219006529637

    https://www.tagesanzeiger.ch/sie-jagten-ihn-und-dann-kam-die-welle-ins-rollen-254408324115

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    Klaus-Dieter Lübke Naberhaus: Schmerzbeeinflussung durch Hypnose

    Verletzungen und Schädigungen sind im Sport keine Seltenheit. Viele Aktive – sei es in den bekannten Spielsportarten sowie in den Extrem- oder Individualsportarten – haben aber nie gelernt, den Schmerz und seine Funktion zu verstehen und adäquat darauf zu reagieren. Der Gebrauch von Schmerzmitteln spricht Bände. Extrem viel Potential bietet in diesem Bereich die Hypnose. Doch bei der Anwendung sind Grenzen gesetzt. 

    Zum Thema: Hypnose im Sport

    Als früherer Leistungssportler (bis 3. Liga Handball und Leichtathlet) sowie langjähriger Trainer, Sportmediziner und sportpsychologischer Coach für verschiedene Handball-Bundesligisten und den Deutschen Handballbund (DHB) weiß Klaus-Dieter Lübke Naberhaus wovon er spricht, wenn es um das Thema Schmerzen im Sport geht. In den vergangenen Jahren hat er sich in diesem Themenfeld eine besondere Expertise erarbeitet, die er regelmäßig in seiner Tätigkeit beim HC Leipzig und dem DHB anwenden kann. Im Video erklärt er, was Spieler, Trainer und Interessierte über den Einsatz der Sporthypnose zur Schmerzlinderung wissen sollten…

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    Weitere Informationen

    Interesse am Thema Hypnose im Sport?

    Am Samstag, den 11. Juli, veranstaltet Klaus-Dieter Lübke Naberhaus zusammen mit Anke Precht von Die Sportpsychologen in Leipzig den Workshop „Hypnoseanwendungen im Sport“. Hier alle Infos zum Event:  

    Mehr zum Thema:

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    Dr. René Paasch: Mentales Training per App

    Prof. Dr. Jan Mayer und sein Team haben eine App entwickelt, die sportpsychologische Trainingstechniken kostenfrei zugänglich macht. Entwickelt wurde die App von der gemeinnützigen Forschungseinrichtung TSG ResearchLab, die sich auf dem Gelände des Fußball-Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim befindet und sich zum Ziel gesetzt hat, wissenschaftliche Projekte aus dem Profi-Fußball in andere Sportarten zu transferieren. Entstanden ist die Idee zu Beginn der Corona-Krise, als viele Sportler mit geschlossenen Trainingsstätten konfrontiert waren. In dieser Phase erschien aus Sicht der Entwickler psychologisches Training als besonders sinnvoll und daher haben sie ihr Wissen über mentales Training in dieser App eingebunden (leichtathletik.de, 12.06.2020).

    Zum Thema: Mentales Training im Sport  

    Das mentale Training wird als planmäßig wiederholtes, bewusstes Sich-Vorstellen einer Handlung ohne deren gleichzeitige praktische Ausführung erklärt (Eberspächer 1995, 2007). Beim mentalen Training laufen somit äquivalente Prozesse wie bei der tatsächlichen Durchführung ab (funktionale Äquivalenz). Zunächst entwickelt ein Sportler ein umfangreiches Drehbuch beispielsweise zum Thema „Verbesserung seiner Treffsicherheit beim Elfmeter“. Anschließend schreibt er diese Bewegung im Detail auf und hebt dabei die Knotenpunkte hervor. Die damit verbundenen mentalen Trainingsformen sind dann unter anderem das subvokale Training, das internal observative Training und das ideomotorische Training. 

    Mentales Training ist für viele Profisportler und Amateure fester Bestandteil des Trainings. Im Training funktioniert alles perfekt. Die Konzentration ist da, die Bewegungsabläufe gelingen automatisiert. Doch im Wettkampf sind dieser Fokus und die damit einhergehende Sicherheit auf einmal verschwunden (Paasch, 2014). Zu viele Gedanken kreisen im Kopf, zu viele neue Eindrücke lenken von der eigentlichen Aufgabe ab. Viele Sportler, die an Wettkämpfen teilnehmen, kennen diese Situation und wenden daher gezielt mentales Training an, um auch in Drucksituationen die Kontrolle zu behalten. Und auch im Breitensport erfreut sich das kognitive Training einer immer größer werdenden Beliebtheit. 

    Dr. René Paasch

    Sportarten: Fußball, Segeln, Schwimmen, Handball, Hockey, Eishockey, Tennis

    Kontakt

    +49 (0)177 465 84 19

    r.paasch@die-sportpsychologen.de

    Zum Profil: https://www.die-sportpsychologen.de/rene-paasch/

    Die App im Detail

    Die Nutzer der App können sich neben theoretischen Erklärungen auch auf praktische Lektionen freuen. So sollen sich die Athleten beispielsweise mithilfe von Schritt-für-Schritt-Anleitungen in ihre Wettkampfsituationen hineindenken und die Bewegungsabläufe in der eigenen Vorstellung so detailliert wie möglich durchspielen, damit sie später auch in der Praxis möglichst optimal umgesetzt werden können. Auch Entspannungsmethoden mit passenden Übungsbeispielen zum Ausprobieren, Aufgaben der Sportpsychologie, Tipps für gezieltes Motivationstraining und Stressmanagement, das Entwickeln von Routinen und Kognitions-Gaming sind in dieser App enthalten.

    Hier ein Einblick: 

    Screenshots der App
    
    

    Weitere Lesetipps zum Thema Mentales Training: 

    Fazit

    Zu einem bestimmten Zeitpunkt die Leistung abzurufen, also wirklich bestmöglich zu performen, wenn es darauf ankommt, bereitet vielen Sportlern Schwierigkeiten. Neben dem Talent, der technisch-taktischen Ausbildung und der Kondition kommt es aber in Drucksituationen häufig auf genau diese Skills an. Die App kann dabei helfen, sich eigenmotiviert dem Trainieren mentaler Prozesse zuzuwenden. 

    Das ist aus meiner Sicht ein sehr gutes Konzept und ein guter Auftakt für das Arbeiten auf diesem Gebiet. Wir Sportpsychologen können gerade zu Beginn der Zusammenarbeit mit Athleten auf dieses technische Hilfsmittel zurückgreifen. Eine App ersetzt dennoch nicht den Experten, der bei individuellen und komplexen Fragestellungen helfen kann.

    Mehr zum Thema:

    Hinweis:

    Sie haben in ihrem Verein oder Verband Fragen, mit denen Sie nicht weiterkommen? Dann haben wir die Lösung: 

    Literatur 

    Eberspächer, H. (2007). Mentales Training. Das Handbuch für Trainer und Sportler. München: Copress.

    Paasch, René (2014): Verbesserung der Handlungsorientierung vs. Lageorientierung und Ausdauerleistungsfähigkeit. Training der Selbstgesprächsregulation im Amateurfußball.  ISBN (Buch): 978-3-95850-740-1., DIPLOMICA Verlag GmbH und DIPLOMICA Verlag, 100 Seiten.

    Internet:

    https://www.leichtathletik.de/news/news/detail/73453-mentaltraining-per-app-leichtathleten-profitieren-von-kooperation

    Link zur App: Apple Store 

    https://apps.apple.com/de/app/sportpsychologisches-training/id1506172768

    Link zur App: Google Play Store 

    https://play.google.com/store/apps/details?id=app.onairbuilder.sid1037163

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    Philippe Müller: Die Eigenverantwortung als Faktor einer erfolgreichen Rehabilitation nach Verletzung

    Schmerzen, Fortschritte, Rückschritte, Ratlosigkeit, Zuversicht! Der Rehabilitationsprozess ist geprägt von Hochs und Tiefs. Der Weg zurück ist oft steinig und schwer. Während dem gesamten Prozess, welcher je nach Verletzung relativ lange andauern kann, den Fokus zu halten und mit der nötigen Eigenverantwortung zu handeln, ist nicht einfach. Dies bekommen Sportphysiotherapeutinnen und -therapeuten oft zu spüren. 

    Zum Thema: Wie bringe ich meine Patientinnen und Patienten dazu, ihre Übungen zu Hause zu machen?  

    Kürzlich dozierte ich an der ZHAW im Masterstudiengang Physiotherapie Sport. Nebst der Vermittlung von Grundlagen war genügend Raum, um Fallbeispiele zu diskutieren. Ein Beispiel, welches jede praktizierende Sportphysiotherapeutin und jeder Sportphysiotherapeut kennt, wurde mehrmals ins Feld geführt: Wie bringe ich meine Patienten dazu, dass sie ihre Übungen zu Hause machen? 

    Wenn man die Vielseitigkeit und die Individualität dieses Problems sieht, wird schnell klar, dass es keine allgemeine Lösung gibt. Auch wir haben in unserer Diskussion kein Allheilmittel finden, jedoch praktikable Lösungsversuche erarbeiten können. Ein Punkt erscheint mir dabei sehr wichtig, den ich hier nochmals aufgreifen möchte.

    Philippe Müller

    Sportarten: Mountainbike, Fussball, Ski Alpin, Leichtathletik, Triathlon, Springreiten, Langlauf, Biathlon, Snowboard, Bob, Rodeln, Golf, Tennis, Handball, Volleyball, Beachvolleyball, Eishockey, Unihockey (Floorball), Klettern, Bouldern, Motorsport, Radsport, Orientierungslauf, Schiesssport, Ringen, Judo, Boxen, Schwingen

    Kontakt:

    p.mueller@die-sportpsychologen.ch 

    +41 (0)79 910 39 40

    Zur Profilseite: https://www.die-sportpsychologen.de/philippe-mueller/

    Die Ausgangslage

    Zeit heilt alle Wunden! Während dies für die körperlichen Strukturen wohl weitgehend zutreffen mag, ist der Aufbau von Kraft und Ausdauer, sowie die psychologische Verarbeitung der Verletzung, mit viel Eigeninitiative verbunden. Passivität verlängert und erschwert den Rehabilitationsprozess. Doch nicht alle Patientinnen und Patienten bringen immer die nötige Selbstdisziplin mit. Es scheitert dabei weniger am Wissen der Notwendigkeit, sondern viel mehr an den zahlreichen Alternativen oder der Eigenmotivation. Unsere Problemlage hat also zwei Ebenen: Zum einen verlangsamt die nicht vorhandene Zuverlässigkeit den Rehabilitationsprozess. Zum anderen wird die Arbeit mit dem Patienten für den Physiotherapeuten erschwert, da die Betreuungsstunden beschränkt sind, und eine Mitwirkung der Patienten daher unumgänglich ist.  

    Wie kann nun die Sportphysiotherapeutin oder Sportphysiotherapeut auf die Patienten einwirken, um die Umsetzung der Übungen zu Hause zu fördern? Die Schwierigkeit liegt darin, dass die Handlungen der Patienten nicht direkt beeinflusst werden können. Es gibt also keine Intervention, mit der die Umsetzung garantiert wird. Jedoch kann mit bestimmten Mitteln die Wahrscheinlichkeit des eigenverantwortlichen Handelns gesteigert werden. 

    Schwächen im Rehabilitationsprozess und das Potential der Eigenverantwortung

    Physiotherapeutische Massnahmen richten sich oft nach zeitlichen Vorgaben. Körperliche Strukturen wie Bänder, Sehnen, Knochen und Muskeln haben ihre spezifische Heilungsphase. Diese müssen berücksichtigt werden. Viele Heilungsprozesse verlaufen auch ohne Zutun der Patientinnen und Patienten reibungslos und in der vorgesehenen Zeit. Dies führt jedoch auch dazu, dass eine Einstellung der Passivität entstehen kann: „Nur genügend Zeit lassen, dann wird schon wieder alles gut!“

    Jedoch sind diese fixen Zeitangaben sehr allgemein. Interindividuelle Unterschiede werden dabei kaum beachtet. Eine detaillierte Auffassung der Rehabilitationsphasen, mit sowohl zeitlichen als auch physiologischen und psychologischen Faktoren ist angebracht. In der Sportphysiotherapie finden immer mehr Behandlungsschemata mit Meilensteinen Einzug. Erst nach Erreichen bestimmter Vorgaben, wird im Aufbauprozess weitergefahren. Dies ermöglicht, besser auf interindividuelle Schwankungen (schnellerer oder langsamerer Fortschritt) zu reagieren. Zudem wird den Patientinnen und Patienten aufgezeigt, dass ihr eigenes Verhalten über den Erfolg der Rehabilitation entscheidet. Somit wird die Selbstwirksamkeit gefördert.

    Hilfreicher Blick in die Theorie

    Das Modell des geplanten Verhaltens (Ajzen, 1985) liefert Anhaltspunkte zum Zusammenhang von Einflussfaktoren auf Handlungen. Damit es zur Handlung kommt, muss vorab eine Intention, also eine Absicht, gebildet werden. In dieser Absichtsbildung fliessen zahlreiche Faktoren mit ein. Diese sind zum Beispiel die subjektiven Normen, die Einstellung gegenüber dem Verhalten, die wahrgenommene Verhaltenskontrolle, die Selbstwirksamkeit sowie Erfahrungen aus vorherigem Verhalten (Hagger, Chatzisarantis, Biddle, 2002). Obwohl die Theorie auf den ersten Blick sehr abstrakt erscheint, werden wichtige sozialpsychologische Konstrukte berücksichtigt (Godin & Kok, 1996), welche sich gut auf Rehabilitationsprozesse ableiten lassen. Dabei spielen die wahrgenommene Verhaltenskontrolle und die Selbstwirksamkeit eine wichtige Rolle. Diese beiden Faktoren stehen in enger Verbindung zueinander.

    Durch das aktive Miteinbeziehen in Entscheidungsprozesse (z.B. Zielsetzungen) und das Ausrichten der Therapiegeschwindigkeit nach dem individuellen Leistungsfortschritt, wird die wahrgenommene Verhaltenskontrolle gefördert. Werden zudem Leistungsfortschritte stetig rückgemeldet, zum Beispiel Lernkontrollen der Übungen, die zu Hause trainiert wurden, wird die Selbstwirksamkeit gefördert. Dies kann dazu führen, dass ein Umdenken von „es würde mir gut tun!“ zu „ich sehe meine Fortschritte eins zu eins, wenn ich die Übungen mache“ stattfindet.

    Praxisrelevanz

    Zusammenfassend bedeutet dies für den sportphysiotherapeutischen Alltag: Aktiver Einbezug in Entscheidungsprozesse. Gemeinsames Planen, Definieren und Durchführen von Lernkontrollen (gerade in Bezug auf die Heimübungen), Aufzeigen des Mehrwerts des eigenverantwortlichen Handelns. Positive Bekräftigung der Leistungsfortschritte (vor allem wenn diese auf eigene Bemühungen zurückzuführen sind). 

    Wenn Sie Fragen zum Thema haben, kontaktieren Sie gern meine Kollegen (zur Übersicht) und mich (zum Profil von Philippe Müller). Wir von Die Sportpsychologen spielen gern Doppelpass!

    Mehr zum Thema: 

    Literatur:

    Ajzen, I. (1985). From intentions to actions: A theory of planned behavior. In J. Kuhl & J. Beckmann (Eds.), Action control: From cognition to behaviour (pp. 11–39). Heidelberg: Springer. 

    Hagger, M.S., Chatzisarantis, M.L.D., Biddle, S.J.H. (2002). A meta-analytic review of the theories of reasoned action and planned behavior in physical activity: Predictive validity and the contribution of additional variables. J. Sport Exerc. Psychol., 24, 3 – 32. 
    Godin, G., Kok, G. (1996). The theory of planned behavior: A review of its applications to health-related behaviors. American Journal of Health Promotion, 11 (2), 87-97. 

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    Workshop: „Hypnoseanwendungen im Sport“ am 26. September 2020 in Leipzig – Jetzt Tickets sichern

    Was erwartet Sie als als TrainerIn, SportlerIn, SportpsychologIn oder MentaltrainerIn? Wir reisen vom Beginn der Hypnose bis zur Anwendung im heutigen Spitzensport. Sie erleben die Macht der inneren Bilder, die Welt der Trancen und ihre Wirkungen auf Erregung, Emotion und Schmerz. Sie erleben und lernen mit kurzen Impulsvorträgen, in Selbsterfahrung, praktischer Arbeit in Triaden und Feedbackrunden.

    Katja Kramarczyk

    Klaus-Dieter Lübke Naberhaus

    Als Workshopleiter, Trainer und Experten für Sporthypnose führen Sie Klaus-Dieter Lübke Naberhaus (zum Profil) und Katja Kramarczyk (zum Profil) von Die Sportpsychologen durch diesen spannenden Tag.

    Programm:

    Sa., 26.9.2020Inhalt
    10:00 – 10:15Begrüßung
    10:15 – 10:30Impuls: „Von den Wurzeln der Hypnose bis heute“ 
    10:30 – 11.00Impuls: „Die Trance und ihre Phänomene und Charakteristika – zur Nutzung im Sport“
    11:15 – 12:15Demonstrationen/Selbsterfahrung:
    – Die Macht der Vorstellung – Der magische Ring 
    – Hypnotische Entspannung – eine Selbsterfahrung 
    – Die Selbsthypnose – eine Anleitung zum Ort der Regeneration
    12:15Mittag, Austausch und Netzwerken
    13:00 – 14:30Workshop 1: 
    – Verschiedene Induktionen
    – Imagination und Halluzination  
    – Die Arbeit mit der Zeitlinie
    14:45 – 15:45Workshop 2:
    – Emotionskontrolle – Optimierung des Erregungsgrades
    – Schmerzbeeinflussung und Aktivierung der Selbstheilungskräfte durch Hypnose
    15:45-16:00Feedback und Verabschiedung

    Location:

    Sportpsychologische Beratung – Prof. Dr. Oliver Stoll

    Jahnallee 10, 04109 Leipzig

    Kosten:

    • 65 EUR Profilinhaber Die Sportpsychologen
    • 79 EUR Studenten
    • 95 EUR Sportler, Trainer und Sportpsychologen sowie Mentaltrainer

    Anmeldung:

    Sichern Sie sich schnell Ihr Ticket. Aufgrund der Einschränkungen der Corona-Pandemie wird die Teilnehmerzahl begrenzt – Wir informieren hier sowie auf Facebook, wenn die Tickets vergriffen sind.

      69 EUR Profilinhaber Die Sportpsychologen79 EUR Studenten95 EUR Sportler, Trainer und Sportpsychologen sowie Mentaltrainer

      Weitere Angebote von Die Sportpsychologen:

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      Buch: Der Erfolgsmuskel (Dr. Christian Reinhardt)

      Spitzensportler wissen: Die Einstellung entscheidet über Sieg und Niederlage. Sportpsychologe Dr. Christian Reinhardt und Sportjournalist Mark Bergmann zeigen in ihrem Buch bewährte Mental-Coaching-Konzepte auf, mit denen man sich effizient auf Erfolg programmiert. Und das sowohl im Sport als auch vor dem nächsten Bewerbungsgespräch, der stressigen Konferenz mit den Chefs oder beim nächsten Date.

      Geballtes psychologisches Fachwissen, anschaulich erklärt und in praxisnahen Übungen für jedermann verständlich auf den Punkt gebracht.

      Preis

      Buch “Der Erfolgsmuskel”

      18,00 EUR (zzgl. Versand)

      Bestellung

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      Thorsten Loch: Werder Bremen im Titelrennen – Hält MegaBit dem Druck stand?

      Zwischen dem 24. und 28. Juni 2020 findet das Virtual Bundesliga (VBL) Grand Final als Online Turnier statt. Im Fokus steht der Vorjahressieger und Titelfavorit Michael „MegaBit“ Bittner von der E-Sport Abteilung von Werder Bremen. Doch die Konkurrenz ist groß. Mit dem Leverkusener Fabian „B04_DUBZJE“ De Cae, dem Fürther Christian „xImpact10“ Judt, dem Wolfsburger Benedikt „BeneCR7x“ Bauer und dem Gladbacher Richard „Der_Gaucho10“ Hormes wird nicht zu spaßen sein. Allesamt haben für ihre Teams eine starke Club Championship mit vielen Einzelsiegen gespielt und ordentlich Selbstbewusstsein getankt. Das Finale um die deutschen Meisterschaft auf dem virtuellen Rasen sollte eigentlich Ende März stattfinden, wurde jedoch aufgrund der Corona-Pandemie zunächst ausgesetzt und verschoben. Zwölf Teilnehmer treten (im Einzelwettbewerb) nun in jeweils zwei Sechsergruppen auf der Playstation gegeneinander an, zwölf weitere auf der Konsole Xbox. Die vier besten können sich über die KO-Phase den Einzeltitel auf der jeweiligen Konsole sichern. Die Gewinner dieser Partien stehen sich dann letztendlich im großen konsolenübergreifenden Finale gegenüber und ermitteln den „Deutschen Meister 2019/2020“ unter sich aus. Hält MegaBit als großer Favorit dem Druck stand?

      Zum Thema: Erwartungsängste – Umgang mit der Favoritenrolle

      Nach den Statistiken sieht es wohl ganz danach aus, das kein Weg an dem 21-jährigen Bremer Michael „MegaBit“ Bittner vorbei führt. Nicht nur, dass er der amtierende Meister im Einzel ist, sondern auch Titelträger aus der vergangenen Club Championship. Diese Titel konnte er ebenfalls mit Werder Bremen in der zurückliegenden Saison gewinnen. MegaBit ist gewarnt und weiß, dass ihm Ende Juni diese Fakten letztendlich nichts nützen, wie er in einem Interview verrät:

       „Grundsätzlich kann ich mir von der Favoritenrolle nichts kaufen und sehe auch noch einige andere Spieler, die sich berechtigte Hoffnungen auf den Titel machen“. 

      Michael „MegaBit“ Bittner

      Ganz gleich ob es sich hierbei um traditionellen Sport geht oder es sich um E-Sport handelt. Die meisten Ängste im Sport entstehen aus der gedanklichen Vorwegnahme angstbesetzter/besonderer Situationen wie beispielsweise einem Finale oder KO-Spielen. Die Problematik daran ist, dass Gedanken keinen Unterschied hinsichtlich Realität oder Vorstellung machen. “Falsche” Gedanken können also eine sehr negative Wirkung entfalten.

      Die Phantasie schürt die Angst

      Die erlebte Bedrohung kann sozialer Natur sein, z.B. die Aussicht, sich zu blamieren, Kaderstatus zu verlieren oder Sponsorenverträge einzubüßen. Sie kann aber auch durch die eigene Person bedingt sein, wenn z.B. die Gefahr besteht, selbst gesetzte Ziele nicht zu erreichen. Dies ist in dem vorliegenden Fall besonders prekär, denn das Wissen, dass es noch keinem E-Sportler bisher gelang, den Titel zu verteidigen, kann zusätzlich zu einer erlebten Last werden. Letztendlich geht die Erwartungsangst in der Antizipation subjektiv auf erlebte hilflose, handlungsunfähige und diffamierende Situationen zurück. Der Sportler erlebt bereits in seiner Vorstellung eine Situation (z.B. Scheitern im Grand Final) mit dem Bestreben, sie abzuwenden. Aus diesem Grund beschäftigt sich die „innere Stimme“ häufig mit den Fragestellungen: „Was ist, wenn ich jetzt verliere?“, „Was soll ich tun, wenn ich in Rückstand gerate und nervös werde?“ oder „Wenn ich nur daran denke, was passieren kann, bekomme ich schon jetzt Stress!“. Diesem Gedankenkarussell gilt es zu entkommen. 

      Mehr dazu: https://www.die-sportpsychologen.de/2015/06/thorsten-loch-wenn-die-uhr-druck-macht/

      Die Erwartungsangst ist an früher erlebte angstauslösende Ereignisse gekoppelt. Sie stellt sich ein, wenn zukünftige Situationen Ähnlichkeiten mit den vergangenen Erlebnissen aufweisen. Kurioserweise bleiben häufiger die Situationen, in denen wir einen Misserfolg erlebten,  im Kopf hängen, als die positiven Erfahrungen. Doch genau die Negativerlebnisse helfen dem E-Sportler in diesen stressreichen Situationen, welche nun mal häufig unter Wettkampfbedingungen auftreten, nicht weiter. Diese „Angst vor der Angst“ kann durch die unbeschränkte Möglichkeiten der Phantasie geschürt und gesteigert werden. Dadurch gelangt der Sportler in einen Zustand, der durch die Anforderungen der künftigen Realsituation nicht begründet ist. Der Phantasieanteil der Bedrohungsantizipation ist es, der zur emotionalen Reaktion führt und den koordinierten und geplanten Handlungsablauf in Frage stellen kann.

      Mehr dazu: https://www.die-sportpsychologen.de/2017/09/thorsten-loch-leistungsabfall-unter-druck/

      Thorsten Loch

      Sportarten: Fußball, Badminton, Leichtathletik, Sportschießen, Karate, Skateboarding, eSport

      Kontakt

      +49 (0)177 716 676 7

      t.loch@die-sportpsychologen.de

      Zur Profilseite: https://www.die-sportpsychologen.de/thorsten-loch/

      Fazit

      Es ist vollkommen egal, ob es sich um traditionellen Sport oder E-Sport handelt. Letztendlich steht immer der (E-)Sportler im Zentrum der Leistungserbringung und somit auch die damit einhergehenden Anforderungen aus dem Wettkampfgeschehen.

      Mehr dazu: https://www.die-sportpsychologen.de/2020/04/thorsten-loch-sportpsychologie-im-esport-nur-etwas-fuer-die-elite/

      Die angewandte Sportpsychologie bietet eine Reihe von verschiedenen Interventionsmöglichkeiten, um die (E-)Sportler wieder handlungsfähig zu machen. Baumann (1998) nennt in diesem Zusammenhang zur Vermeidung oder Verminderung der Erwartungsangst Tools aus der Aktivationsregulierung (Entspannungsübungen), mentales Training, Visualisierungsprogramme und –aufgaben, Selbstsuggestion und Selbstüberzeugung. Wir können gespannt sein, ob es MegaBit gelingt, dass bis dato Unerreichbare zu erreichen und damit eine neue Bestmarke zu setzen.

      Mehr zum Thema:

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