Verschiedene Trainingsformen kognitiver Fertigkeiten werden bereits seit langem als sportpsychologische Interventionen erfolgreich im Individualsport angewandt. Wie sich jedoch solche Interventionen auf die Mannschaftssportart Fussball übertragen lassen können, dazu haben sich Eberspächer und Immenroth (1998) im Rahmen eines Seminars des Schweizerischen Fussballverbandes Gedanken gemacht. In jenem Seminar waren das Mentale Mannschaftstraining (kurz MMT) und das Trainings der Kompetenzerwartung hauptsächlich der zu bearbeitenden Gegenstand.
Entscheidend ist für Thorsten Loch, dass eingewechselte Spieler, allen voran Stürmer, in der Lage sein müssen, direkt im „Hier und Jetzt“ zu sein. Auf Cavani bezogen heisst dies, dass zahlreiche berichtigte Gedanken keinen Platz haben sollten: Die Behinderung durch seine Verletzung, eine durch seinen Einsatz potentielle Verschlechterung seines gesundheitlichen Zustands oder der Ärger, dass er mit den versäumten Spielminuten viel weniger Zeit für weitere Torerfolge zur Verfügung hat. Für Cavani ginge es als Einwechsler einzig darum, mit der ersten Aktion voll da zu sein.
Im Achtelfinale gegen die Schweiz war Marcus Berg der Frust nach den wieder einmal ungenutzten Chancen anzusehen. Aber schon ein einziger Treffer am Samstag gegen England kann ihn zum Volkshelden machen. Dieser Status winkt den schwedischen Kickern, wenn sie tatsächlich ins Halbfinale einziehen. Nicht auszuschließen, dass Marcus Berg aus dieser Situation Kraft schöpft.
Was Japan mit der Schweiz teilt: das Out ihrer Fussballteams an der WM in Russland! Bezüglich WIE dieses jeweilige Ausscheiden zustande gekommen ist und vor allem - wie sich die Teams und ihre Fans darin verhalten haben - scheint einen gewichtigen Teil der Limiten der Schweiz aufzuzeigen. Mir gefällt aber auch Valon Behramis ehrliches Statement: «Wir waren nicht gut genug. Und darum hätten wir das Weiterkommen nicht verdient.»
Gerade Pickford bekam im Elfmeterschießen eine gesonderte Rolle zu. Nicht nur, weil er von den fünf Schüssen der Kolumbianer einen gehalten und einer an die Latte fliegen sah, sondern weil er seine Schützen vor zusätzlichen Störfaktoren bewahrte. Der Keeper vom FC Everton holte sich nämlich nach jedem Schuss der Kolumbianer den Ball und übergab diesen dem nächsten Schützen aus seinem Team.
Nach mehreren Paraden im Elfmeterschießen und mit großem Druck stand Luka Modric kurze Zeit später wieder am Elfmeterpunkt vor Kasper Schmeichel. Warum sollte der Spieler, der eben schon verschossen hatte, sich nochmal in diese Situation bringen?
Wichtig ist aus meiner Sicht, dass nun das Mannschaftsziel im Vordergrund steht. Dass heißt auch: Die individuellen Ziele der Teammitglieder müssten im Einzelfall dahingehend angepasst werden.
Wollen wir Schwarzmalen? Nein, wir von Die Sportpsychologen kommen lieber von der konstruktiven Flanke und gehen davon aus, dass Mesut Özil und Ilkay Gündogan gut auf alles Erdenkliche vorbereitet sind beziehungsweise sich haben vorbereitet lassen. Denn es gibt Strategien, die auch in Extremsituationen greifen.
Achte beim WM Gucken mal bewusst auf folgende Aspekte und versuche dann, deine Erkenntnisse auf dein eigenes Spiel zu übertragen: zum Beispiel Führung: Wer übernimmt wann Führung? Woran erkennst du das? Was können Mitspieler und Gegner an der Körpersprache ablesen? Wie wird kommuniziert? Woran erkennst du ein gutes Team? Wie zeigt sich “Selbstbewusstsein”? Wie zeigt sich “Präsenz”? Wie zeigt sich “Mentalität”?
Worin liegen die Gründe, dass die WM bislang ein Turnier der Überraschungen ist? Was hat es eigentlich mit dem Mythos Turniermannschaft auf sich? Oder wird es vielleicht sogar die WM, bei der die Mentalität die Individualität schlägt?

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