Christian Hoverath: Präventive Arbeit gegen sexualisierte Gewalt im Sport – Welche einfachen Tipps Trainer*innen kennen sollten

In der ARD lief im Juli 2019 – leider etwas versteckt im Sommerprogramm – die Doku „Das große Tabu – Sexueller Missbrauch im Sport“ (zum Film). Diese Öffentlichkeit für das schwierige Thema ist wichtig. Um die präventive Arbeit gegen sexualisierter Gewalt greifbarer zu machen und leichter umsetzbar werden zu lassen, möchte ich ein paar Ideen geben, was konkret im Training getan werden kann. Wenn Sie die ein oder andere Methode schon anwenden, dann fühlen Sie sich gestärkt und auf dem richtigen Weg! Probieren Sie alles einfach aus und geben Sie sich Zeit! Veränderungen passieren nicht von heute auf morgen.

Zum Thema: Tipps und Hinweise zur präventiven Arbeit gegen sexualisierter Gewalt im Sportverein

Ein sehr zentraler Aspekt ist die körperliche Selbstbestimmung.Kinder und Jugendliche sollen ihre Körper als liebenswert und wertvoll verstehen, um signalisieren zu können: „Mein Körper gehört mir!“. Aus diesem Grund sollten abwertende Bemerkungen über den Körper unterbunden werden und auch von Trainer*innen unterlassen werden. Viel wichtiger ist ein respektvoller Umgang miteinander. Unsere Schützlinge müssen von Beginn an lernen, dass Respekt und ein respektvoller Umgang miteinander normal ist. Sie müssen auch lernen, dass sie selbst über ihren Körper bestimmen können und entscheiden dürfen, wer sie wann anfasst. 

Erklären Sie deswegen Hilfestellungen genau und auch, wieso Sie wo anfassen. Fragen Sie um Erlaubnis. Das geht ganz kurz in einem Satz und hat dabei so viel mehr Inhalt!

Bei Fragen zum Thema – Nehmen Sie Kontakt auf: https://www.die-sportpsychologen.de/christian-hoverath/

Offen über Gefühle sprechen

Kinder und Jugendliche sollen ihre Gefühle wahrnehmen und mitteilen können. Um dies zu lernen, müssen auch Erwachsene über ihre Gefühle sprechen. Gerade in der Arbeit mit jüngeren Sportler*innen ist dies wichtig und sollte von den Betreuern, Übungsleitern, Trainern und Helfern nicht mit Hemmungen behaftet sein. In sehr jungen Jahren nehmen Kinder diese Gefühle im Körper wahr, haben aber noch kein Wort dafür. Um sich ausdrücken zu lernen, sind sie auf uns angewiesen. Denn nur wenn man Worte für etwas hat (und das lässt sich dann auch auf Berührungen und sexualisierte Gewalt übertragen), kann man dies auch ausdrücken. 

Mit Blick auf die Gefühlsstereotypen sollen Kinder ermutigt werden, auch „unpassende“ Gefühle zeigen zu dürfen. Mädchen dürfen wild sein, Jungs dürfen Angst haben. Die Wahrnehmung von Gefühlen darf in ein und derselben Situation unterschiedlich zwischen Personen sein.

„Nein“ sagen

Kinder müssen bestärkt werden, nein zu Dingen zu sagen, bei denen sie sich schlecht fühlen. Sie müssen wissen, dass Erwachsene nicht immer Recht haben. Ihr Nein! darf nicht übergangen werden, ihre Mitsprache ist äußerst wichtig. Denn jemand, der sich in seiner Meinung ernst genommen fühlt, kann einem anderem Menschen viel besser etwas untersagen. Und dieses Kind lernt nicht, dass sein Nein sowieso nicht zählt, weswegen es dann auch gar nicht erst Nein sagen muss. Unterstützen Sie die Kinder im Äußern ihrer Meinung und darin, dass genannte Grenzen auch eingehalten werden.

Noch ein Detail: Denken Sie in unserer digitalen Zeit daran, dass ein jeder selbst entscheiden darf, ob er fotografiert werden möchte. Machen Sie dies deutlich und kommunizieren Sie es wiederholt.

Die Bedeutung der Aufmerksamkeit 

Und zu guter Letzt: Seien Sie aufmerksam! Damit Kinder und Jugendliche sich anvertrauen können, benötigen Sie das Wissen, dass Erwachsen sich für ihre Sorgen interessieren. Zeigen Sie also bei sämtlichen Belangen aus dem Leben ihrer Sportler*innen Interesse und hören Sie zu, damit sich die Vertrauensbasis festigen kann. Dies verbessert die Chance, dass sich Kinder und Jugendliche im Ernstfall öffnen.

Mehr zum Thema:

Link zur ARD-Doku: https://www.sportschau.de/weitere/allgemein/sexueller-missbrauch-kindesmissbrauch-sport-doku-100.html

Sportpsychologie im Nachwuchssport – unser Thema für unsere nächste große Veranstaltung: 


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