Es ist das perfekte Geschenk für all jene, die ab sofort Abliefern wollen! Anlässlich des Mental Power Days in Neubrandenburg bieten wir von Die Sportpsychologen den Zugang zu unserem Online-Coachingprogramm „Abliefern, wenn es darauf ankommt“ zum Sonderpreis an. Bis einschließlich zum Sonntag, den 28. September 2025, kostet zum Beispiel die Einzellizenz statt 239 EUR nur 99 EUR inkl. MwSt.Auch Teams, Vereine und Verbände sparen kräftig.
(Der Zugang wird spätestens 24 Stunden nach Bestellung zur Verfügung gestellt)
Bestellformular:
Wir von Die Sportpsychologen haben mit erfolgreichen SportlerInnen wie Paul Biedermann und erfahrenen TrainerInnen aus dem Spitzensport ein Online-Coaching Programm entwickelt. “Abliefern, wenn es darauf ankommt” heißt es und vermittelt das Grundwissen, über dass AthletInnen, TrainerInnen und Coaches eigentlich verfügen sollten.
Aus unserer beruflichen Praxis wissen wir aber, dass es sehr viele Sportler und Sportlerinnen gibt, die sich seit Jahren schwer tun, ihre Trainingsleistung im Wettkampf zu zeigen. Und wir wissen auch, dass das kindliche Leichtigkeit am Abliefern im Laufe einer Karriere durch Verletzungen, in Misserfolgsphasen oder in schwierigen Lebenslagen verlernt werden kann.
Eine sportliche Leistung geht zu 50% auf die psychologische Ebene zurück.
Paul Biedermann
Wie „Abliefern“ funktioniert
Unser Programm setzt an deinen individuellen Stärken und persönlichen Schwächen an. Mit Hilfe eines wissenschaftlich validierten Fragebogens stellen wir fest, in welchen Dimensionen – von Selbstgesprächen über die Emotionskontrolle bis hin zur Visualisierung – du deine Skills ausbauen kannst oder Defizite ausräumen solltest.
„Abliefern“ vermittelt dir die Werkzeuge, die dir auf deinem Weg zu deinem Ziel helfen können. Es geht nicht um Wunderdinge, sondern um handfestes und erprobtes Wissen aus der Sportpsychologie, welches dir Prof. Dr. Oliver Stoll und seine KollegInnen in deine Praxiswelt übersetzt. Verständlich, hintergründig und lebensnah erklären dir renommierte sportpsychologische Experten, was du wissen musst, um abliefern zu können, wenn es darauf ankommt.
Wie sieht „Abliefern“ aus?
Klingt interessant? Aber du willst mehr wissen? Dann schau dir die Inhalte zur Dimension Selbstgespräche an, die wir dir hier kostenlos zur Verfügung stehen. In der Dimension vermitteln dir Prof. Dr. Oliver Stoll, die Sportpsychologin und frühere Handball-Nationaltorhüterin Katja Kramarczyk und der erfolgreiche Ausdauersportler Falk Cierpinski ihre Erfahrungen zum Thema Selbstgespräche. Weitere kostenlose Videos aus unserem Zusatzmaterial findest du hier (Link).
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Thorsten Loch, zum Profil bei Die Sportpsychologen: Link
Welche technischen Voraussetzungen brauche ich?
Die kostenpflichtigen Inhalte haben wir über die Storytelling-Plattform Pageflow erstellt. Dich erwartet umfangreicher Video-Content, der mit Grafiken, Fotomaterial und Texten ergänzt ist. Abrufen kannst du das Material über deinen Rechner, den Laptop, dein Smartphone oder das Tablet. Über einen Link, dem wir jedem Lizenzinhaber zur Verfügung stellen, bekommst du Zugriff auf die Inhalte, die du innerhalb der Lizenzfrist jederzeit und so häufig wie gewünscht abrufen kannst.
Weshalb kann ich mir sicher sein, dass mir das Programm etwas bringt?
Unsere Experten von Die Sportpsychologen haben viele, viele Jahre Erfahrung in der Betreuung von internationalen Top-Athleten, erfahrenen Trainern, großen Talenten sowie ambitionierten Freizeit- und Hobbysportlern. Immer wieder, so betont Prof. Dr. Oliver Stoll, sind in den vergangenen Jahren in diesem Zusammenhang Sportler auf ihn zugekommen, weil sie Schwierigkeiten hatten, ihre Top-Performance am Tag X zu bringen. Der Leipziger hat bereits zahlreiche Olympia-Teilnehmer betreut, war mit den deutschen Wasserspringern bei den Olympischen Spielen und hat als Ausdauersportler erfolgreich am IronMan auf Hawaii teilgenommen. Ihm gelingt es, im Zusammenspiel mit seinen Kollegen aus dem Netzwerk das theoretisches Wissen aus der Sportpsychologie in deine Athletenwelt zu übersetzen.
„Im Programm vermitteln wir das Wissen um die Werkzeuge, die Sportler effektiv einsetzen können, um am Ende abzuliefern“, sagt Stoll. Entstanden sei kein Wundermittel, sondern praxisrelevanter Input, den jeder Sportler in sein Training, seinen Alltag und die unmittelbare Wettkampfvorbereitung einbauen kann.
Du hast Fragen, dann stell sie uns!
Gern stehen wir euch zur Verfügung, wenn Fragen offen geblieben sind oder irgendwo der Schuh drückt. Nutzt gern das folgende Formular:
Montag, 8:00 Uhr: Der Vorstand trifft sich zur Krisensitzung. Dienstag, 14:00 Uhr: Trainer entlassen. Mittwoch: Medien jubeln über den „überfälligen Schritt“. Sechs Monate später: Gleiche Probleme, neuer Trainer. Eine Studie von Strauss und Tippenhauser über 35 Bundesliga-Saisons zeigt: 70% aller Trainerwechsel führen langfristig zu keiner Verbesserung. Der Grund liegt in einem fundamentalen Denkfehler – Organisationen behandeln ihre Probleme mit personellen Lösungen. Aus einem Defizit-Mythos heraus beziehen sich Sportvorstände auf die Illusion von Durchgriff und eine Kontroll-Fantasie. Wenn ein Sportvorstand also einen Trainer entlässt, bricht eine wichtige Leadership-Position weg, deren Dynamik im Grundsatz nicht vorhersehbar ist. Man hofft auf einen positiven psychologischen Effekt – doch kehren neue Besen tatsächlich besser als die alten, oder ist es doch purer Aktionismus? Aber was wäre dann eine Alternative?
Zum Thema: Systemische Intervention als Alternative zum Trainerwechsel
Ein Muster, das aus dem Fußball längst bekannt ist, schwappt zunehmend auf andere Sportarten über. Auch im Handball oder Unihockey gibt es bereits einige Beispiele, wo der Headcoach auf dem Teamfoto bereits wieder von seinen Aufgaben entbunden wurde.
Der französische Anthropologe René Girard beschreibt einen universellen Mechanismus, der dieses Phänomen erklärt: Unter Druck suchen Gruppen einen Sündenbock, um interne Spannungen zu reduzieren. Die Logik dahinter ist bestechend einfach – ein einzelner Schuldiger wird identifiziert und eliminiert, die Organisation fühlt sich kurzfristig entlastet. Das Problem dabei: Die strukturellen Ursachen bleiben völlig unberührt.
Bekanntes Muster: Kurzer Aufschwung, keine nachhaltige Besserung
Diese Sündenbock-Beobachtung wird durch wissenschaftliche Evidenz gestützt. Strauss und Tippenhauser analysierten in ihrer umfassenden Studie 35 Bundesliga-Saisons mit über 10.000 Spielen. Ihr Befund war eindeutig: Während kurzfristig tatsächlich ein Aufschwung messbar war, führten Trainerwechsel langfristig zu keiner nachhaltigen Verbesserung. Was zunächst wie eine Lösung aussieht, entpuppt sich als reiner Placebo-Effekt.
Die typische Hypothese „Unser Erfolg bleibt aus, weil der Trainer die Mannschaft nicht mehr erreicht“, ist zu kurz gedacht. Denn die Spieler und der Vorstand bleiben unverändert. Organisationen funktionieren wie ein Körper: Wechseln Sie nur den Kopf, bleibt der Rest unverändert. Das System reproduziert die gleichen Probleme mit neuem Personal. Ein Trainerwechsel verändert nur einen Baustein, während die Mannschaft dieselbe bleibt, der Vorstand dieselbe Haltung hat, die Strukturen unverändert sind und die Vereinskultur fortbesteht.
Systemische Intervention
Die Alternative beginnt mit einem anderen Blick auf die Situation. Statt zu fragen „Wer ist schuld?“, müssen wir fragen „Warum stehen wir an diesem Punkt, an dem wir jetzt stehen?“. Diese Perspektive öffnet den Raum für Lösungen. Hier empfiehlt es sich aus meiner Sicht, in der Analyse mit einer externen Beratung zusammenzuarbeiten. Idealerweise aus einer Kombination von Sport- und Organisationspsychologie, die kontextualisierungsfähig ist und sowohl auf der Ebene von Organisation, Team als auch Individuum wirksam intervenieren kann. Das Ziel dieser Intervention ist nicht die Abhängigkeit von externer Beratung, sondern die Befähigung zur Selbstwirksamkeit. Systemische Intervention funktioniert nur mit klaren Erfolgsparametern. Es geht nicht darum, schnelle Lösungen zu versprechen, sondern darum, Lösungen zu entwickeln, die für die Organisationsrealität passend sind. Die Vereinsführung wird darin unterstützt und begleitet, von der Symptombekämpfung hin zum Verständnis dessen, was eigentlich in der eigenen Organisation passiert. Weg von der Werkzeugkiste schneller Lösungen, hin zur adaptiven Navigation komplexer Organisationsdynamiken.
Ein wesentlicher Schluss besteht in der Ent-Emotionalisierung. Die Sportpsychologie zeigt, dass externe Ursachenzuschreibungen wie „Pech“, „Schiedsrichter“ oder „ausbleibende Resultate“ die Lösungsfindung blockieren. Stattdessen soll der Fokus stets auf beeinflussbare Faktoren gelenkt werden. Was läuft gut und dürfen wir nicht verändern? Was können wir tatsächlich selbst beeinflussen? Welcher kleine, konkrete Schritt ist als nächstes möglich? Dieser Ansatz basiert auf der Attributionstheorie der Sozialpsychologie und hilft dabei, destruktive Emotionalisierung zu vermeiden.
Das System korrigieren
Für Sportvorstände bedeutet das zunächst die Entwicklung eines Stopp-Reflexes: Was sind die drei häufigsten Beschwerden der zurückliegenden sechs Monate? Welche Strukturen bleiben gleich, egal wer trainiert? Bei Krisensymptomen sollte zunächst die Situation erfasst und nach Mustern statt nach Schuldigen gesucht werden. Erst das System korrigieren, dann Personal bewerten. Vereine als Ganzes profitieren davon, ihre Strukturen zu überdenken und Krisenresilienz in den Organisationsstrukturen zu verankern. Weg von der Illusion der Kontrolle, hin zur Entwicklung adaptiver Führungsfähigkeit.
Der entscheidende Unterschied zwischen Aktionismus und wirksamer Führung liegt in der Bereitschaft, genauer hinzuschauen – auch wenn es unbequem wird. Echte Veränderung entsteht nicht durch Bestätigung, sondern durch ehrliche Konfrontation mit dem, was nicht funktioniert. Diese Haltung macht den Unterschied zwischen oberflächlichen Lösungen und nachhaltiger Organisationsentwicklung.
Girard, R. (1972): La Violence et le Sacré. Grasset | Strauss, B./Tippenhauser, A. (2003): Trainerentlassungen in der Fußballbundesliga. In: Sport goes media. Czwalina Verlag |
Edmondson, A. (2019): The Fearless Organization.
Wiley | Hersey, P./Blanchard, K. (2012): Management of Organizational Behavior. Pearson |
Meyer, T. (2011): Sportpsychologie – Die 100 Prinzipien. Copress Sport |
Csikszentmihalyi, M. (2008): Flow: The Psychology of Optimal Experience. Harper |
Luhmann, N. (2000): Organisation und Entscheidung. Westdeutscher Verlag
Dunja Lang ist eine feste Größe in unserem Expertennetzwerk und bekannt für ihre wissenschaftlich fundierten und gleichzeitig extrem praxisnahe Ansätze. Als ehemalige Profi-Reiterin, Sportpsychologische Expertin und Mentalcoach ist sie mit innovativen Konzepten unterwegs. Nun erscheint ihr Buch „Mental Grand Prix – Souverän im Sattel: Wie du mit dem Reitsport Mentalist System® Bestleistung erreichst“ (Link zu Amazon). Ein Anlass, der uns die perfekte Gelegenheit bietet, tiefer in ihre faszinierende Arbeit mit realen Praxisbeispielen einzutauchen. Denn auch wenn der Titel den Reitsport in den Fokus rückt, sind die Prinzipien universell – ein Leitfaden für jeden Sportler, Trainer und Performer, der im entscheidenden Moment nicht nur funktionieren, sondern souverän brillieren will. Wir freuen uns sehr, Dunja heute bei uns im Interview zu haben.
Interview
Dunja, in deinem Buch beantwortest du die Frage, wie es gelingt, Bestleistungen abzurufen, wenn es darauf ankommt. Dazu ist ja schon viel gesagt worden. Welche Aspekte kommen deiner Erfahrung nach in der Betrachtung oft zu kurz?
Bestleistung gelingt dann, wenn wir aufhören zu kämpfen – gegen die Anspannung, gegen die Fehler und oft genug gegen uns selbst. Stattdessen geht es darum, unser gesamtes System, also unser bewusstes Denken und unser Unbewusstes, auf ein gemeinsames Ziel auszurichten. Es ist der entscheidende Schritt vom reinen „Wollen“, das oft zu Verkrampfung führt, hin zum intuitiven „Können“ und „Lassen“, also in den Flow-Zustand. Das ist der Kern meines Konzepts, das ich auch im Buch beschreibe: „Siegen, ohne zu kämpfen“.
Dieser Wandel ist mehr als nur eine Einstellungsänderung; er ist neurobiologisch fundiert. Viele ambitionierte Menschen, gerade auch im Sport, sind es gewohnt, mit viel Anstrengung, Disziplin und Willenskraft Ziele zu erreichen. Im Sport, besonders in technischen oder feinfühligen Disziplinen, führt diese Strategie jedoch oft dazu, dass unser rationales Gehirn, der Präfrontalkortex, überaktiv wird. Das Ergebnis sind Anspannung, blockierte Intuition und langsamere Reaktionen. Die Lösung liegt darin, vom passiven „Gehirnbesitzer“, der seinen Reaktionen oft ausgeliefert ist, zum aktiven „Gehirnbenutzer“ zu werden. Das bedeutet, das Unbewusste durch gezieltes Training so vorzubereiten, dass die optimalen Abläufe im entscheidenden Moment möglichst automatisch und intuitiv abgerufen werden können, ohne dass der bewusste Verstand den Prozess stört.
An wen richtet sich dein Buch?
In erster Linie richtet sich das Buch an ambitionierte Reiterinnen und Reiter aller Leistungsklassen. Es ist für diejenigen, die entweder an einem spezifischen mentalen Thema wie Turnierstress oder einer Blockade nach einem Sturz arbeiten möchten, aber auch für jene, die bereits gut unterwegs sind und spüren, dass da noch mehr geht – die die letzten fünf bis zehn Prozent ihres Potenzials freisetzen wollen. Viele beschreiben das Gefühl, an eine „gläserne Decke“ zu stoßen, wo mehr technisches Training allein einfach nicht mehr zu besseren Ergebnissen führt. Genau hier setzt das Buch an.
Gleichzeitig habe ich es bewusst so konzipiert, dass auch Sportler und Trainer aus anderen Disziplinen enorm davon profitieren können, insbesondere aus technischen Sportarten wie Skifahren, Biathlon, Golf oder auch aus dem Business-Kontext, wo es ebenfalls um Performance unter Druck geht. Die Beispiele aus dem Reitsport dienen dabei als eine sehr anschauliche Metapher für universelle mentale Herausforderungen. Der Kern des Buches ist eine Einladung an alle, die bereit sind, die Funktionsweise ihres eigenen Gehirns besser zu verstehen und die wirksamen Werkzeuge zu erlernen, um ihre mentalen Prozesse aktiv zu gestalten – also vom „Gehirnbesitzer“ zum „Gehirnbenutzer“ zu werden.
Du sagst im Buch, Reiten ist die Königsdisziplin des Mentalen, warum?
Das liegt an der einzigartigen Rolle des Partners Pferd. Ein Tennisschläger oder ein Paar Ski sind Werkzeuge, die präzise auf die Aktionen des Sportlers reagieren. Ein Pferd hingegen ist ein Lebewesen mit eigener Wahrnehmung, eigenen Emotionen und einer extrem feinen Intuition. Und einer gewissen Unberechenbarkeit. Es gibt ein unmittelbares, ehrliches und ungefiltertes Feedback auf den inneren Zustand des Reiters – und das in Millisekunden. Man kann versuchen, sich selbst etwas vorzumachen, aber ein Pferd spürt sofort, ob man wirklich fokussiert, selbstsicher und im Gleichgewicht ist, oder ob man innerlich zweifelt, angespannt oder abgelenkt ist.
Das Pferd agiert dabei wie ein lebendiger Biofeedback-Verstärker. Jede noch so kleine innere Veränderung – ein Gedanke, ein Gefühl – führt zu minimalen körperlichen Veränderungen in Muskeltonus, Atmung oder Balance. Dieser enge Zusammenhang von Psyche und Körper, das Embodiment, wird vom Pferd sofort wahrgenommen und gespiegelt. Ein kurzer Moment des Zögerns im Kopf des Reiters kann zu einem Zögern des Pferdes vor dem Sprung führen. Eine Welle der Anspannung im Reiterkörper überträgt sich und verhindert die Losgelassenheit des Pferdes in der Dressurlektion. Diese unmittelbare und ungeschönte Rückmeldung macht den Reitsport zu einem unglaublich intensiven Trainingsfeld für mentale Selbstregulation und Achtsamkeit. Man lernt auf eine sehr direkte Weise, wie eng der eigene innere Zustand mit der äußeren Leistung verknüpft ist.
Du hast ja auch dein ganz spezielles „Reitsport Mentalist System®“ als Marke schützen lassen, was hat es damit auf sich? Warum ein spezielles System bzw. Konzept? Was ist der Vorteil?
Die Idee für ein geschütztes System entstand aus einer zentralen Beobachtung in meiner Praxis: Viele Sportler kommen zu mir und haben schon alles Mögliche ausprobiert – Visualisierung, Atemtechniken, positive Selbstgespräche – aber ohne nachhaltigen Erfolg. Das liegt oft daran, dass sie eine Fülle von Techniken anwenden, in einer Weise, die aber nicht zur eigentlichen Ursache ihres Problems passt. Sie suchen, wie ich es im Buch beschreibe, unter der sprichwörtlichen Laterne, weil dort das Licht besser ist, obwohl der Schlüssel ganz woanders im Dunkeln liegt.
Der entscheidende Vorteil des Reitsport Mentalist Systems® ist, dass es kein Sammelsurium von Tipps ist, sondern ein strukturierter, logischer Vier-Schritte-Prozess, der sicherstellt, dass wir zuerst das mentale Muster auf bewusster und unbewusster Ebene analysieren und dann das entscheidende Puzzlestück finden, bevor wir eine Lösung anwenden. Und entscheidend ist für mich dabei eben, das Unbewusste systematisch und fundiert mit einzubeziehen, in die Analyse wie auch die Lösung, mit einem speziellen Konzept aus der Sporthypnose.
Standortbestimmung, Herausforderungen und Ziele: Wir richten das innere Navigationssystem präzise aus. Wo stehe ich, wo will ich hin? Dabei ist es entscheidend, Ziele zu definieren, die auch das Unbewusste, das Bauchgefühl, mit ins Boot holen, zum Beispiel durch den Fokus auf Prozess- statt reiner Ergebnisziele.
Mental Deep Dive: Das ist das Herzstück. Mit der Metapher des Eisbergs tauchen wir unter die Oberfläche des Symptoms. Wir schauen, was wirklich hinter der Nervosität oder der Blockade steckt. Ist es ein unverarbeiteter Sturz, ein limitierender Glaubenssatz oder fehlt vielleicht einfach nur das richtige mentale Werkzeug?.
Action Plan und Coaching Zone: Erst wenn wir aus Schritt 2 Klarheit haben, entwickeln wir einen maßgeschneiderten Plan. Hier kommen dann die passenden Werkzeuge wie Sporthypnose, die Drehbuch-Technik oder auch körperorientierte Verfahren wie PEP® zum Einsatz – aber eben gezielt und passgenau.
Zielerreichung und Performance-Flow: Im letzten Schritt geht es um die nachhaltige Integration der neuen Fähigkeiten in den Alltag, damit die Veränderung dauerhaft ist und ein Zustand von Performance-Flow immer leichter erreicht werden kann.
Der Vorteil dieses systematischen Vorgehens ist enorme Effizienz und Nachhaltigkeit. Wir vermeiden das frustrierende Herumprobieren und schaffen eine klare, verlässliche Struktur für den Weg zur mentalen Souveränität. Und der Erfolg wird in gewisser Weise planbar durch einen logischen Aufbau, der durch eine Online Plattform mit diversen Modulen, Videos, Audios, Trainingsimpulsen, Arbeitsblättern etc. unterstützt wird.
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Wie können SportlerInnen und TrainerInnen, die jetzt nicht Reiter sind, von deinem Buch profitieren?
Die mentalen Prinzipien und Herausforderungen sind absolut universell. Der Druck im Wettkampf, die Angst vor Fehlern, der Umgang mit Rückschlägen, die Notwendigkeit eines messerscharfen Fokus – das kennt jeder Leistungssportler, egal ob auf dem Fußballplatz, auf der Skipiste oder am Schießstand. Das Buch nutzt den Reitsport als eine sehr greifbare Metapher, um diese oft abstrakten mentalen Konzepte lebendig und verständlich zu machen.
Der Transfer ist direkt möglich: Die Fähigkeit, den Fokus auf die ideale Distanz zu einem Sprung zu bündeln, ist dieselbe mentale Fertigkeit, die ein Golfer für einen entscheidenden Putt oder ein Biathlet für den letzten Schuss benötigt. Der innere Dialog, der einen Reiter vor dem Einritt ins Viereck verunsichert, ist identisch mit der Nervosität eines Managers vor einer wichtigen Präsentation.
Ein besonders spannender Transferpunkt ist der Umgang mit Traumata. Ich erkläre im Buch, dass sozialer Schmerz, also die Angst vor Blamage oder öffentlicher Kritik, in denselben Gehirnarealen verarbeitet wird wie körperlicher Schmerz. Damit wird das Kapitel über die mentale Bewältigung von Stürzen plötzlich auch hochrelevant für einen Manager, der ein Projekt an die Wand gefahren hat, oder für einen Athleten, der in den Medien kritisiert wurde. Letztendlich ist das Reitsport Mentalist System® selbst ein universelles Diagnose- und Lösungs-Framework, das auf jede Performance-Herausforderung angewendet werden kann.
In deinem Buch wird ganz speziell auf „Sporthypnose“ eingegangen, du hast ja dazu schon einige Beiträge auch hier veröffentlicht und warst damit auch schon auf Kongressen unterwegs. Für welche Themen, auch jenseits des Reitsports, ist speziell Sporthypnose hilfreich?
Es ist mir wichtig, zuerst mit dem Mythos aufzuräumen, dass Hypnose etwas mit Kontrollverlust zu tun hat. Das Gegenteil ist der Fall: Professionelle Sporthypnose ist ein Werkzeug, um mehr Kontrolle über innere, unwillkürliche Prozesse wie Nervosität, Fokus oder Schmerzempfinden zu gewinnen. Es ist ein natürlicher Zustand tief fokussierter Aufmerksamkeit, den jeder Sportler im „Tunnel“ oder im „Flow“ erlebt.
Die Anwendungsfelder sind enorm breit und gehen weit über den Sport hinaus:
Automatisierung von Bestleistung: Ein Kernstück meiner Arbeit ist die von mir entwickelte Drehbuch-Technik. Dabei erstellen wir ein detailliertes, multisensorisches mentales „Drehbuch“ für eine optimale Leistung. Dieses wird dann in Hypnose tief im Unbewussten verankert, sodass der Ablauf unter Druck automatisch und intuitiv abgerufen werden kann. Das funktioniert für eine Dressuraufgabe genauso wie für einen Tennisaufschlag, eine musikalische Darbietung oder eine wichtige Verhandlung.
Comeback und Rehabilitation: Sporthypnose ist ein unglaublich wirksames Werkzeug bei der Genesung nach Verletzungen. Sie kann zur Schmerzregulation eingesetzt werden, was wissenschaftlich gut belegt ist. Zudem können wir durch mentales Training von Bewegungsabläufen in der Vorstellung den Muskelabbau während einer Ruhigstellung reduzieren und die neuronalen Bahnen aktiv halten. Das beschleunigt den Wiedereinstieg enorm, egal in welcher Sportart.
Bewältigung von Ängsten und Blockaden: Hypnose ist eine der effektivsten Methoden, um spezifische Ängste, Phobien oder Panikattacken aufzulösen – sei es die Angst vor einem bestimmten Sprung, die Angst vor öffentlichem Reden oder Flugangst.
Energiemanagement und Regeneration: Gerade für Athleten oder Führungskräfte mit einem hohen Reise- und Stresspensum ist die Fähigkeit, durch Selbsthypnose schnell in einen tiefen Erholungszustand zu kommen, ein unschätzbarer Vorteil, um die eigenen Akkus wieder aufzuladen und den Schlaf zu verbessern.
Auflösung limitierender Glaubenssätze: Oft sind es unbewusste Überzeugungen wie „Ich bin nicht gut genug“ oder „Ich mache immer im entscheidenden Moment Fehler“, die uns sabotieren. Hypnose ermöglicht einen direkten Zugang zu diesen tiefen Mustern, um sie zu bearbeiten und aufzulösen.
Veränderung unerwünschter Gewohnheiten: Auch außerhalb des Sports wird Hypnose erfolgreich eingesetzt, zum Beispiel zur Raucherentwöhnung oder beim Gewichtsmanagement, indem neue, gesündere Verhaltensmuster im Unbewussten verankert werden.
Stärkung von Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl: Durch die Arbeit mit inneren Ressourcen und positiven Suggestionen kann das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten nachhaltig gestärkt werden.
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Uns erreichen ja immer wieder Fragen auch zum Thema „Trauma“ und Blockaden nach Stürzen und Verletzungen. Reiten ist ja auch eine Sportart, bei der das Thema hochgradig relevant ist. Welche Erfahrungen hast du dazu, eigene Erfahrungen, du kommst ja aus dem Reitsport und natürlich auch aus dem Coaching?
Dieses Thema liegt mir persönlich sehr am Herzen, denn mein eigener Weg in die Psychologie und ins Mentalcoaching begann mit einem schweren Sturz vom Pferd. Die körperlichen Verletzungen heilten, aber die mentale Blockade, die Angst und Unsicherheit, blieben. Die üblichen Ratschläge und Tools haben nicht geholfen. Diese eigene Erfahrung hat mir ein tiefes Verständnis und eine große Empathie für Athleten in ähnlichen Situationen gegeben.
Aus neurobiologischer Sicht ist heute klar, warum solche Blockaden so hartnäckig sind. Ein traumatisches Ereignis überfordert die Verarbeitungskapazitäten unseres Gehirns. Die Erinnerung wird nicht als geordnete Geschichte abgespeichert, sondern in Fragmenten – Bilder, Körpergefühle, Emotionen – die im Angstzentrum und im Körpergedächtnis „stecken bleiben“. Wenn später ein Trigger auftaucht, der an das Ereignis erinnert, wird das gesamte alte Alarmprogramm reaktiviert, und es fühlt sich an, als würde die Gefahr im Hier und Jetzt erneut geschehen. Deshalb kann man sich nicht einfach mit Willenskraft darüber hinwegsetzen.
Der Schlüssel zur Lösung ist nicht Verdrängung, sondern eine gezielte Verarbeitung. In meinem Coaching nutze ich dafür spezielle, wissenschaftlich fundierte Methoden wie PEP® – eine Form der „Klopftechnik“, die das Nervensystem reguliert – oder auch spezifische hypnotherapeutische Verfahren und EMDR. Diese Techniken helfen dem Gehirn, die blockierte Information zu prozessieren und die emotionale Ladung zu neutralisieren. Die Erinnerung wird nicht gelöscht, aber sie verliert ihre bedrohliche Macht. Und diese Prinzipien sind universell. Ich coache beispielsweise auch alpine Skifahrer nach schweren Stürzen – die mentalen Mechanismen und die Lösungswege sind exakt die gleichen.
Wie können aus deiner Sicht Menschen mit Performance Herausforderungen, zum Beispiel auch im Beruf oder außerhalb des Sports, von der Sportpsychologie profitieren?
Enorm, denn die Prinzipien sind 1:1 übertragbar. Eine entscheidende Präsentation vor dem Vorstand, eine anspruchsvolle Operation im OP-Saal oder ein wichtiges Verkaufsgespräch – all das sind Performance-Situationen, die den gleichen mentalen Anforderungen unterliegen wie ein sportlicher Wettkampf.
Die Sportpsychologie bietet einen riesigen Werkzeugkasten an erprobten Strategien, von denen jeder profitieren kann:
Umgang mit Druck: Zu lernen, wie man die körperliche Stressreaktion reguliert, wie man Druck als positive Energie umdeutet und auch unter Anspannung einen klaren Kopf bewahrt, ist im Berufsleben Gold wert.
Fokussierung: Die Fähigkeit, in einer reizüberfluteten Umgebung alle Ablenkungen auszublenden und sich voll auf die anstehende Aufgabe zu konzentrieren, ist eine Kernkompetenz für Erfolg in jedem Bereich.
Resilienz: Sportler lernen, mit Niederlagen umzugehen. Diese Fähigkeit, Rückschläge nicht als persönliches Versagen, sondern als Lernchance zu sehen und gestärkt daraus hervorzugehen, ist für die berufliche Karriereentwicklung entscheidend.
Mentale Vorbereitung: Techniken wie die Drehbuch-Technik sind perfekt, um sich mental auf wichtige Meetings, Verhandlungen oder öffentliche Auftritte vorzubereiten. Man kann den gewünschten Zustand von Souveränität und Klarheit im Vorfeld verankern und dann im entscheidenden Moment abrufen.
Letztendlich lehrt uns die Sportpsychologie, dass Erfolg in jedem Bereich ein „inneres Spiel“ ist. Wer lernt, die eigene innere Welt – Gedanken, Emotionen, Fokus – zu meistern, hat die besten Voraussetzungen, um auch jede äußere Herausforderung zu bewältigen.
Gibt es Beispiele aus deiner Coaching-Praxis, bei denen du gemerkt hast: Hier hat mentale Arbeit wirklich alles verändert?
Ja, diese Momente erlebe ich zum Glück sehr häufig, und sie sind der Grund, warum ich meine Arbeit so liebe. Ich hatte schon Reiterinnen, die kurz davor waren, den Sport aufzugeben oder ihr Pferd zu verkaufen, weil Ängste und Blockaden überhand genommen hatten. Wenn man dann gemeinsam den Schlüssel findet und sie nach kurzer Zeit wieder mit Freude und Erfolg im Sattel sitzen, ist das unglaublich erfüllend.
Ein besonders eindrückliches Beispiel ist die Geschichte einer talentierten Springreiterin, nennen wir sie „Tatjana“, die auf einem bestimmten Leistungsniveau feststeckte. Im Training lief alles super, aber auf dem Turnier war sie extrem angespannt, machte Fehler und ärgerte sich maßlos. Der „Mental Deep Dive“ offenbarte, dass die Ursache nicht nur ihr Perfektionismus war, sondern ein tief sitzender, unbewusster Konflikt mit ihrem Vater, gekoppelt an ein spezifisches, unverarbeitetes „soziales Trauma“ – eine Situation, in der sie von ihm auf dem Abreiteplatz vor anderen bloßgestellt wurde. Ihre Angst vor Fehlern war in Wahrheit die panische Angst, dieses Gefühl der Scham erneut zu erleben.
Nachdem wir diese Wurzel erkannt hatten, konnten wir gezielt daran arbeiten. Wir haben das alte Erlebnis mit traumaspezifischen Methoden bearbeitet und mit der Drehbuch-Technik eine neue, kraftvolle mentale Routine für das Turnier etabliert. Der Erfolg war durchschlagend: Sie überwand nicht nur ihre Blockade, sondern gewann kurz darauf ihre erste Prüfung auf dem nächsthöheren Niveau. Das zeigt so deutlich: Wenn man die wahre Ursache findet und bearbeitet, kann sich das gesamte System neu ausrichten und das volle Potenzial entfalten. Ähnliche Durchbrüche erlebe ich auch bei Sportlern mit chronischen Schmerzen, die nach der Bearbeitung eines Traumas plötzlich verschwinden, oder bei Kadersportlern, die nach jahrelanger Stagnation plötzlich den Sprung an die internationale Spitze schaffen.
Wenn jetzt jemand neugierig ist auf dein Buch, wo findet man es?
Das Buch „Mental Grand Prix“ ist ab sofort auf Amazon erhältlich. Zum Start gibt es das E-Book für einen sehr limitierten Zeitraum zum Einführungspreis von nur 1,99 Euro. Eine Print-Version wird in Kürze folgen und dann ebenfalls über Amazon und den regulären Buchhandel verfügbar sein. Man braucht übrigens kein Kindle-Gerät, die kostenfreie E-Book-App von Amazon funktioniert auf jedem Smartphone oder Tablet.
Das Besondere ist, dass der Kauf weit mehr als nur das Buch beinhaltet. Über einen Link bzw. QR-Code im Buch erhält man Zugang zu wertvollen, kostenfreien Bonus-Ressourcen, die den Transfer in die Praxis enorm erleichtern:
Das komplette Hörbuch: So kann man die Inhalte auch unterwegs hören.
Ein einstündiges Video-Training mit Workbook: Dieses begleitet die Leser intensiv bei ihrem persönlichen „Mental Deep Dive“, um die eigenen Muster zu analysieren und die wahren Hebel für Veränderung zu finden.
Ein kostenfreies Strategiegespräch: Wer ein eigenes konkretes Anliegen hat und tiefer einsteigen möchte, hat die Möglichkeit, ein persönliches Gespräch mit mir zu führen, um die eigenen Herausforderungen zu besprechen und einen individuellen Plan zu entwickeln.
Der einfachste Weg, alles zu finden, führt über meine Website unter der Adresse:
Stellen Sie sich vor: Ein Gewichtheber geht entspannt an die Langhantel – und scheitert. Eine Bogenschützin ist maximal angespannt – und trifft daneben. Was läuft hier schief? Wir behandeln Aktivierung wie eine Krankheit, die geheilt werden muss. Doch das Nervensystem funktioniert eher wie ein Radiogerät – es braucht die richtige Frequenz für den richtigen Sender.
Zum Thema: Sportpsychologie – mehr als eine grosse Werkzeugkiste
Die individuelle Zone – oder: Warum es keine Einheitslösung gibt
Die Yerkes-Dodson-Kurve zeigt uns: Jeder Mensch hat seine Individual Zone of Optimal Functioning (IZOF). Während die eine Tennisspielerin bei hoher Nervosität ihre beste Leistung abruft, braucht der andere tiefe Gelassenheit.
Aus systemischer Sicht ist das faszinierend: Intensität ist nicht gut oder schlecht, sondern funktional oder dysfunktional für die jeweilige Situation. Wie ein Schweizer Taschenmesser – das richtige Werkzeug zur richtigen Zeit.
Das Ende der Durchgriffskausalität im Sport
Hier kollidiert klassisches Mentaltraining mit der Realität: Die Annahme „entspannter Athlet = bessere Leistung“ ist systemisch gesehen naiv. Als würde man zu Orchester-Musikern sagen: „Spielt alle leise!“ – dabei braucht jedes Instrument seine eigene Lautstärke, um die Symphonie zu vollenden.
Statt Nervosität zu „bekämpfen“, geht es um flexible Navigation zwischen Aktivierung und Entspannung. Wie ein erfahrener Bergführer, der weiss: Mal braucht es den steilen Aufstieg, mal den gemütlichen Abstieg.
Wie Systeme ihre Intensität selbst regulieren
Aus systemtheoretischer Sicht: Stabilität ist erklärungswürdig. Wenn ein Athlet immer wieder zu nervös oder zu entspannt ist, dann stabilisiert das System diesen Zustand aus gutem Grund. Die Frage ist nicht „Wie ändere ich das?“, sondern „Welche Funktion hat diese Art der Aktivierung?“
Praktische Handlungsempfehlungen für Trainer
1. Intensitäts-Profil erstellen (2 Minuten nach Training) Ihre Athleten zeigen mit Fingern: Nervosität (1-10) und Leistung (1-10).
Achtung: Bei Jugendlichen ist die Selbstwahrnehmung oft noch unreif – kombinieren Sie mit Ihren Beobachtungen.
2. Individuelle Aktivierungs-Landkarte (5 Minuten) Lassen Sie Ihre Athleten das Spielfeld zeichnen und markieren: Wo braucht es Power (rot)? Wo Ruhe (blau)?
Teamdynamik-Realität: Was, wenn ein Spieler Power-Musik braucht, der andere Ruhe-Musik? Lösung: Mehrheitsbedürfnisse mit individuellen Notfall-Techniken.
Vor wichtigen Aktionen: „Welche Intensität brauchst du jetzt?“
4. Das Emotions-Navigationssystem (für C-Junioren geeignet) „Nervosität ist nicht schlecht! Manche spielen besser nervös, andere brauchen Ruhe. Wir finden heraus, was bei jedem funktioniert.“
Der Paradigmenwechsel in der Sportpsychologie
Statt „Du musst entspannt sein“ → „Du navigierst bewusst zwischen verschiedenen Intensitätszuständen“ Statt „Nervosität eliminieren“ → „Alle Emotionen als dynamische Ressourcen nutzen“
Die Realitätsprüfung für Trainer
Kontinuierliche Diagnostik und individuelle Betreuung brauchen mehr Zeit, als oft verfügbar ist. Pragmatische Lösung: Starten Sie mit ein, zwei Techniken und verstehen Sie das Grundprinzip: Emotionen sind dynamische Systeme, die Regulation brauchen, nicht Elimination.
Die systemische Kernfrage für Ihr Team: „Welche Intensität braucht diese Situation – und wie finden wir gemeinsam dahin?“
Wenn wir Intensität als adaptive Navigation zwischen emotionalen Zuständen verstehen, werden unsere Athleten zu Kapitänen ihres eigenen emotionalen Schiffs.
Im Netz ist aktuell kein Vorbeikommen an der Initiative „Die Psycholog:innen – an deiner Seite“. Dahinter steckt eine nationale Kampagne der Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen (FSP), die darauf abzielt, die Enttabuisierung psychischer Gesundheit zu fördern, die psychische Gesundheit in den Fokus der Gesellschaft zu rücken und den Zugang zu psychologischer Unterstützung zu erleichtern. Die im September 2025 gestarteteKampagne möchte Betroffenen Mut machen, sich Hilfe zu suchen. Kerninhalt ist, dass psychische Gesundheit alle angeht und Unterstützung keine Schwäche, sondern Stärke zeigt. Wir haben uns von Cristina Baldasarre, Co-Präsidentin der SASP (Swiss Association of Sport Psychology) und Profilinhaberin bei Die Sportpsychologen, Informationen zur Kampagne eingeholt.
Cristina, die FSP hat die Kampagne “Die Psycholog:innen – an deiner Seite” auf den Weg gebracht. Was ist das Ziel dieser Initiative? Und welchen Umfang hat die Kampagne in Bezug auf Verbreitungswege und Budgets?
Ziel ist es, die Psychologie in der Schweiz bekannter zu machen. Die einzelnen Psychologieberufe der Allgemeinheit näher zu bringen und das Bewusstsein zu stärken, dass Psychologie für jeden Einzelnen und jede Einzelne gewinnbringend ist. Und dass es neben der Psychotherapie auch viele weitere Berufe für PsychologInnen gibt. Es geht darum, deutlich zu machen, dass nicht “nur” psychische Symptome berechtigen, sich Hilfe zu holen. „Es lohnt sich für alle, probiert es aus“, lässt sich die Botschaft zusammenfassen.
Das Budget kenne ich nicht genau, aber allein die Werbung auf allen Kanälen inkl. der erstellten Materialien bedeutete ein recht hohes Investment im sechsstelligen Bereich, was sicher seines gleichen sucht. Die Kampagne läuft auf den Sozialen Medien, auf Plakaten (alle Psychologen haben welche zugeschickt bekommen, inkl. Stickers) und auf digitalen Werbeplakaten.
Catia Gubelmann ist eines der Gesichter der Kampagne (Quelle: FSP)
Aus deutscher sportpsychologischer Sicht wirkt die Schweiz ohnehin wie ein kleines Schlaraffenland. Unsere Disziplin scheint viel verbreiteter im Breiten- und Leistungssport zu sein. Welche Entwicklungsschritte erhoffst du dir von der Kampagne für die Sportpsychologie?
Die Sportpsychologie ist einer der drei Eckpfeiler der Kampagne, was für die SASP eine super Werbung ist. Ich erhoffe mir, dass die Menschen die Botschaft verstehen und die Hürde, zum Sportpsychologen zu gehen, noch tiefer wird. Darüber hinaus wäre es hilfreich, wenn mehr Medienpräsenz entsteht und daraus mehr Anfragen resultieren.
Welche persönlichen Erfahrungen hast du nach den ersten Tagen, in denen die Kampagne rollt, gemacht? Steht dein Telefon jetzt nicht mehr still?
Es hat sich im Alltag (noch) nichts geändert durch die Kampagne. Die Initiative ist ja eigentlich für alle Psychologieberufe gedacht, die Sportpsychologie ist einfach ein Beispiel dafür. Ob die Sensibilisierung wirklich so einen Impact hat, da bin ich noch nicht so wirklich sicher. Die Statements aber sind gut, ich hätte mir aber noch mehr Klarheit gewünscht, ein Explizites „wenn….., dann….“.
Psychologische Sicherheit zeigt sich oft in kleinen, alltäglichen Momenten: Eine Trainerin beobachtet, wie ein Spieler nach einem Fehlpass den Blick senkt, kaum noch kommuniziert und sich zurückzieht. Für sie ist das ein Alarmsignal – nicht für mangelnde Technik, sondern für ein Klima, in dem Fehler offenbar als gefährlich gelten. Ihr wird klar: Es geht nicht nur um Trainingsinhalte oder taktische Vorgaben. Es geht darum, ein Umfeld zu gestalten, in dem sich Spieler:innen sicher fühlen, sich zu zeigen – mit Stärken, aber auch mit Zweifeln und Fehlern. Und genau hier beginnt die Verantwortung der Trainer:innen.
Zum Thema: In diesem Beitrag erfährst du, wie Trainer:innen gezielt ein vertrauensvolles und offenes Teamklima gestalten können – mit praxisnahen Ideen, fundierten Konzepten und Beispielen aus dem Leistungssport.
1. Führungsverhalten als Basis
Psychologische Sicherheit beginnt an der Spitze. Studien (z.B. Edmondson, 2004; Fransen et al., 2020) zeigen: Teams orientieren sich stark am Verhalten ihrer Führungspersonen. Wer als Trainer:in Offenheit vorlebt, schafft Raum für Vertrauen.
Fehlerfreundlichkeit zeigen: Wer selbst auch mal zugibt, eine taktische Entscheidung hinterfragen zu müssen, signalisiert: „Hier darf man lernen.“
Unsicherheiten zulassen: Auch als Coach nicht alles wissen zu müssen, kann Teamprozesse stärken.
Nicht nur das „Wie“ im Verhalten, sondern auch das „Was“ im System ist entscheidend. Psychologische Sicherheit entsteht dort, wo Strukturen Klarheit und Orientierung bieten:
Rollen und Erwartungen transparent machen: Spieler:innen wissen, woran sie sind.
Regelmäßige Reflexionsformate etablieren: z.B. kurzes Teamfeedback nach jeder Einheit.
Verantwortung teilen: Kleine Aufgaben an Spieler delegieren, um Beteiligung zu fördern.
Solche Elemente stärken nicht nur das Vertrauen, sondern auch das Selbstwirksamkeitserleben – eine wichtige Ressource im Leistungssport.
3. Kommunikation gestalten
Ein sicherer Raum ist auch ein sprachlich gestalteter Raum. Wer psychologische Sicherheit fördern will, sollte gezielt eine lernorientierte Kommunikationskultur etablieren:
Offene Fragen stellen: Anstelle von „Warum hast du das gemacht?“, lieber „Was war deine Idee dabei?“.
Perspektiven einholen: „Wie habt ihr die Szene erlebt?“
Beiträge bestärken: „Danke für deinen Impuls.“ – auch (und gerade) bei kritischen Einwänden.
Sprache wirkt – und wer Anerkennung sprachlich sichtbar macht, senkt implizite soziale Risiken.
4. Teamprozesse bewusst fördern
Ein Team ist mehr als die Summe seiner Mitglieder. Psychologische Sicherheit entwickelt sich in der Beziehung zwischen diesen Mitgliedern – und die kann gezielt gestaltet werden:
Peer-Coaching ermöglichen: Spieler:innen reflektieren in Zweierteams Trainingsinhalte.
Gemeinsame Ziele formulieren: „Was wollen wir in dieser Saison erreichen?“
Verantwortung rotieren lassen: z. B. wechselnde Kapitänsrollen im Training.
So entsteht eine geteilte Verantwortungskultur, in der jede Stimme zählt.
Praxisbeispiele aus dem Spitzensport
Dass psychologische Sicherheit kein theoretisches Konstrukt bleibt, sondern in ganz unterschiedlichen Sportarten gelebt wird, zeigen viele erfolgreiche Teams und Trainer:innen:
Jürgen Klopp (Fußball): Der langjährige Trainer des FC Liverpool, der seine Tätigkeit zum Ende der Saison 2023/24 beendet hat, war bekannt für seine empathische Kommunikation und die Förderung eines starken Zusammenhalts. In zahlreichen Interviews und Dokumentationen (z. B. „The End of the Storm“, 2021) wurde deutlich, dass Spieler wie Trent Alexander-Arnold oder Mohamed Salah ein Umfeld erlebten, in dem Fehler nicht gefürchtet, sondern als Teil des gemeinsamen Lernprozesses verstanden wurden. Klopp betonte immer wieder: „Meine Spieler sollen wissen: Ich stehe hinter ihnen.“
Diese Beispiele zeigen: Ob Teamsport oder Einzelsport, ob international erfahrene Profis oder Nachwuchsathlet:innen – psychologische Sicherheit ist trainierbar und wirksam, wenn sie durch bewusste Trainer:innenhaltung und klare Strukturen geformt wird.
Fazit: Vertrauen ist trainierbar
Psychologische Sicherheit ist kein Luxus, sondern Voraussetzung für nachhaltige Entwicklung im Leistungssport. Wer als Trainer:in bereit ist, gezielt Strukturen, Kommunikation und Führung zu gestalten, kann ein Klima schaffen, in dem Spieler:innen mutiger, ehrlicher und letztlich erfolgreicher agieren.
In einem meiner vorigen Beiträge habe ich die deutsche Basketball-Nationalmannschaft als Beispiel herangezogen, wie psychologische Sicherheit im Leistungssport wirkt. Wie der öffentlich ausgetragene Konflikt zwischen Dennis Schröder und Daniel Theis vor der Endrunde nicht zum Problem, sondern zum Katalysator für Entwicklung wurde. Wer da noch einmal reinlesen will, unten links ist der Text verlinkt.
Ausblick
Im nächsten Beitrag werfe ich einen Blick auf typische Barrieren, die psychologische Sicherheit im Sport behindern: Hierarchien, Leistungsdruck, Unsicherheiten – und wie man ihnen sportpsychologischer Sicht begegnen kann.
Edmondson, A. C. (2004). Learning from mistakes is easier said than done: Group and organizational influences on the detection and correction of human error. Journal of Applied Behavioral Science, 40(1), 66–90. Learning from Mistakes is Easier Said Than Done.Journal of Applied Behavioral Science, 40(1), 66–90.Fransen, K., Vanbeselaere, N., De Cuyper, B., Vande Broek, G., & Boen, F. (2020). How leaders shape team effectiveness: The role of empowering team climates. Journal of Sport and Exercise Psychology, 42(3), 144–156. How leaders shape team effectiveness: The role of empowering team climates.Journal of Sport and Exercise Psychology, 42(3), 144–156.
Bei Sportpsychologen versuchen wir, bestmöglich über die Arbeitsweise der angewandten Sportpsychologie zu berichten. Es geht darum, zu zeigen, was, wie und warum wir etwas machen. Hier geht es auch darum, aufzuzeigen, was wir nicht machen oder was uns, nicht erst durch künstliche Intelligenz, fälschlicherweise zugeschrieben wird. Wir widmen uns Mythen. Wie der Annahme, dass Sportpsychologie nur individuell funktioniere, sich aber nicht gut auf Teams anwenden lasse. Warum liegt Chat GPT mit dieser Annahme einfach falsch?
Gerade in Teamsportarten ist so viel Psychologie im Spiel. In Teamsportarten geht es nicht nur darum, das Individuum (primär Trainer und Spieler) in seiner mentalen Leistungsentwicklung zu unterstützen, sondern auch komplexe psychologische Phänomene, die das Resultat des Zusammenwirkens der zahlreichen verschiedenenen Charaktere sind, achtsam wahrzunehmen, zu analysieren und das Trainerteam zu unterstützen, Prozesse zielgerichtet zu steuern. Sodass dann idealerweise aus einzelnen High-Performern ein wahres Team wird – und gerade auch in Phasen der Herausforderung bleibt. Gerade Teams brauchen fähige Sportpsychologen unbedingt.
Sportpsychologie ist überall dort von Bedeutung, wo sie gebraucht wird. Sie kann sowohl auf Individualebene als auch auf Teamebene Anwendung finden und kann dabei ganz unterschiedlich aussehen. Bei einem Einzelsportler findet sich die Sportpsychologie vielleicht eher in 1:1 Coaching-Gesprächen wieder, innerhalb einer Mannschaft kann sie in Form von Workshops zu Themen wie Zielsetzung oder Werten auftreten, aber genauso auch in Fällen von Konflikten bspw., die zwischen Athleten innerhalb des Teams oder zwischen Athleten und Trainerstab stattfinden können – nämlich immer da, wo Kommunikation herrscht… oder eben auch nicht herrscht. Denn dies ist ebenfalls ein großer Faktor in Teams, bei dem die Sportpsychologie unterstützend wirken kann. Dass Sportpsychologie nur für einzelne Athleten ist, ist demnach nichts mehr als ein Mythos.
Ich halte den von Chat-Gpt wiedergegebenen Mythos für Unsinn, denn jeder einzelne Sportler ist immer irgendwie ein Teil eines Teams. Sei es als Profi oder als Nachwuchsleistungsathlet:in innerhalb des Verbandes (auch der Familie). Und gerade in Teams, wie bereits meine Kolleg:innen geschrieben haben, ist es umso wichtiger, da es komplexer wird. Jede Form der Unterstützung ist ein kleiner Teil des Puzzels und nur dann ist es auch am Ende erfolgreich zusammengebaut. Es geht darum, als Mensch, als Person, als Sportler oder als Sportler/Coach in einem Team erfolgreich zu sein und sich aufgehoben zu fühlen.
Wir lesen immer wieder von Stürzen im Radsport – besonders bei Regen auf rutschigem Untergrund. Radfahrer wissen, dass sie bei diesem Wetter besonders gut achtgeben müssen, sind aber hin- und hergerissen zwischen der Vorsicht und dem Wunsch nach einer guten Platzierung. Wie viel Risiko eingehen? Und wie kann die Sportpsychologie im Vorfeld helfen? Und was kann Hypnose beitragen, um das Risiko für Stürze zu vermindern?
Zum Thema: Vorbereitung auf widrige Wetterverhältnisse im Radsport
Erst einmal: Alle Radfahrer haben extrem viel Trainingserfahrung bei Regen. Sie fahren jedes Jahr Tausende von Kilometern egal bei welchem Wetter, sind regennasse Straßen und Tracks also gewohnt. Allerdings sind die Regeln im Rennen anders: Denn da fährt der Radfahrer nicht allein, sondern häufig in der Gruppe, es gibt viel Gedränge, und es wird um jeden Platz gekämpft. Rutscht einer aus, kann es leicht zu einem Massensturz kommen.
In solchen Rennen ist ein klarer Fokus besonders wichtig. Den trainieren wir Sportpsychologen mit unseren Athleten im Vorfeld. Den Tunnel, in dem nicht nur die Leistung gut abrufbar, Schmerzen gedämpft und der Fokus klar nach vorne gerichtet ist, sondern gleichzeitig alles Wichtige, was seitlich und hinten passiert, ebenfalls wahrgenommen und instinktiv berücksichtigt wird. Die minimale Bewegung mit dem Lenker, um einem stürzenden Fahrer aus dem Weg zu gehen. Der sofortige Tipp auf die Bremse, um dann seitlich vorbei zu fahren. Die sofortige Beschleunigung, um aus einer gefährlichen Situation heraus zu fahren.
Besondere Techniken
Zusätzlich kann Selbsthypnose den Athleten dabei helfen, in riskanten Situationen noch besser zu reagieren. Ein klassisches Hypnose-Phänomen ist die so genannte Zeitverzerrung: hat man sie trainiert und verinnerlicht, kann man in einer so genannten Wach-Aktiv-Trance ähnlich einem Flow-Zustand die innere Zeit schneller oder langsamer laufen lassen, als sie das auf der Uhr tut. Wenn Athleten also gelernt haben, eine innere Zeitlupe starten, haben Sie mehr Zeit, um zu reagieren. Sie sind minimal schneller, aber in einer Situation, in der jede Hundertstelsekunde zählt, kann das entscheidend sein. Besonders auf unberechenbarem Untergrund und in einem Rennen, in dem schwer vorhersehbar ist, wie sich andere Fahrer verhalten, bringt das einen zusätzlichen Vorteil.
Stellen Sie sich vor, Sie sagen einem Fussballspieler vor dem entscheidenden Elfmeter: „Konzentrier dich!“ Was passiert? Meistens das Gegenteil. Warum? Weil wir Aufmerksamkeit wie einen Lichtschalter behandeln – entweder an oder aus. Doch das Gehirn funktioniert eher wie ein Mischpult mit verschiedenen Reglern.
Zum Thema: Sportpsychologie – mehr als eine grosse Werkzeugkiste
Wie bedienen Sie nun aber dieses Mischpult? Die Wissenschaft hilft uns dabei auf die Sprünge: Die moderne Aufmerksamkeitsforschung zeigt uns vier verschiedene „Aufmerksamkeitsmodi“:
Breit-extern: Der Spielmacher überblickt das ganze Spielfeld
Eng-extern: Der Torschütze fixiert die Torecke
Breit-intern: Der Marathonläufer spürt Atmung und Herzschlag
Eng-intern: Der Golfer konzentriert sich nur auf den Schwungrhythmus
Das Geheimnis liegt nicht in der Perfektion eines Modus, sondern in der flexiblen Navigation zwischen ihnen. Wie ein erfahrener DJ, der intuitiv weiss, welcher Regler wann gedreht werden muss.
Warum klassisches Mentaltraining zu kurz greift
Hier kommt die systemische Perspektive ins Spiel: Anstatt Aufmerksamkeitsprobleme zu „lösen“, geht es darum, Aufmerksamkeitsmuster zu verstehen und zu nutzen. Jeder scheinbar „störende“ Zustand – Tunnelblick, Übererregung oder Ablenkbarkeit – enthält eine verschüttete Ressource.
Aus systemischer Sicht: Stabilität ist erklärungswürdig. Wenn ein Athlet immer wieder in denselben Aufmerksamkeitsfallen landet, dann hat das eine Funktion. Die Frage ist nicht „Wie eliminiere ich das?“, sondern „Wozu ist das nützlich?“
Fragen Sie Ihre Athleten: „Wann ist deine Aufmerksamkeit optimal? Wann wird sie hinderlich?“ Lassen Sie sie ihre ideale Aufmerksamkeitssequenz für ihre Sportart skizzieren.
2. Modi-Wechsel trainieren (in bestehende Übungen integriert)
Vor Technikübungen: „Welcher Aufmerksamkeitsmodus jetzt?“
Bei Spielformen: Timeouts für „Aufmerksamkeits-Reset“
Nach Fehlern: „Welcher Aufmerksamkeitsmodus hätte gepasst?“
3. Störungen als Trainingspartner (nicht als Feind)
Schaffen Sie bewusst komplexe, wettkampfnahe Situationen. Lassen Sie Ihre Athleten lernen, mit Ablenkungen zu arbeiten, nicht gegen sie.
Der Paradigmenwechsel
Statt „Du musst dich konzentrieren“ → „Du bist der Regisseur deiner Aufmerksamkeit“ Statt „Eliminiere Störungen“ → „Nutze alle mentalen Zustände als Information“
Die systemische Kernfrage für Ihr Team:
„Was macht dieser Kontext mit unserer Aufmerksamkeit – und wie können wir das nutzen?“ Wenn wir Aufmerksamkeit als dynamisches System verstehen statt als Werkzeug, öffnen sich neue Möglichkeiten. Ihre Athleten werden zu Dirigenten ihres eigenen mentalen Orchesters.
Bei uns hat sich eine junge Turnerin gemeldet. Im Dezember erlitt seine eine schwere Knieverletzung. Inzwischen ist sie wieder im Training. Körperlich ist sie voll genesen, sagen die Ärzte. Sie aber traut sich einige Bewegungen nicht mehr zu. Das Schlimmste sind aber Flashbacks, in denen sie die Situation der Verletzung wieder vor dem eigenen Auge hat. Dann zittern ihre Muskeln und häufig bricht sie in Tränen aus. Was lässt sich dagegen tun?
Flashbacks deuten darauf hin, dass die Verletzung aus neurologischer Sicht noch nicht vollständig verarbeitet wurde. Bildhaft gesagt: Sie liegt im inneren Archiv noch nicht in dem Ordner “erledigt / gut überstanden / ist wieder in Ordnung”, sondern in der Wiedervorlage, aus der sie bei Konfrontation mit einer ähnlichen Situation wie der, in der die Verletzung entstanden ist (oder sogar unabhängig davon) ausgekippt wird. Dann fühlt es sich für den Körper an, als würde es gerade wieder passieren oder wäre gerade erst passiert.
Gegen solche Flashbacks mit Argumenten oder Vernunft anzugehen, ist nicht zielführend, weil es kein klassisch psychologisches, sondern ein körperliches Problem ist. Es gilt, die Erfahrung in das Archiv zu überführen. Wenn Ereignisse schockhaft sind, klappt das von alleine nicht immer. Das Problem gibt es übrigens auch häufig im Profibereich.
Was tun wir dann?
Während der Flashbacks gilt es, das Nervensystem zu beruhigen. Das kann durch ein Streicheln der Schultern passieren, mindestens fünf Minuten, vom Hals über die Schultern abwärts bis auf die Oberarme. Das kann Ihre Tochter selbst tun. Alternativ kann sie auch das Gesicht streicheln, von der Nase über die Wangen sanft nach außen, oder auf der Stirn von der Mitte nach außen – ähnlich wie man ein Baby streicheln würde, damit es sich beruhigt.
Dieses Streicheln löst im Gehirn Delta-Wellen aus, die der Verarbeitung der traumatischen Erfahrung zugutekommen und dabei helfen, die ungesunde Information zu überschreiben. In der Regel braucht es ein paar Wiederholungen, während derer man aber schon beobachten kann, dass die Flashbacks weniger lang andauern oder weniger intensiv sind.
Reicht das nicht aus, ist die Hilfe eines traumatherapeutisch bewanderten Psychologen sinnvoll, oder eines Sportpsychologen, der sich mit Trauma auskennt und körperorientierte Verfahren oder klassische Traumaverfahren wie EMDR, EMI oder Somatic Experiencing anwendet. Dann ist es in der Regel eine Sache von wenigen Sitzungen, bis das Problem gelöst ist.
Deine Frage?
Wir von Die Sportpsychologen sind für dich da. Und weil wir wissen, dass manchmal eine kleine Schwelle im Weg steht, Kontakt zu einem “Psychologen”, einer “Psychologin” oder einer/einem “MentaltrainerIn” zu suchen, machen wir einen Schritt auf dich zu. Wenn du also auch eine Frage an uns loswerden möchtest, dann nutz dafür das folgende Formular.
Wichtig zu wissen: Manche Fragen und deren Antworten veröffentlichen wir nicht. Wir treten dann mit den jeweiligen FragestellerInnen persönlich in Kontakt. Dies behalten wir uns für Fälle vor, in denen die Anonymität nicht gewährleistet werden kann oder das angestoßene Thema besser im geschützten Raum besprochen wird. Zudem gilt: Unsere Antworten können nicht mehr als Anstösse liefern. Anstösse, von denen du als Leser oder Leserin ableiten kannst, wie wir von Die Sportpsychologen ticken und was wir so machen.