Anke Precht: Coaching am Streckenrand – Do‘s and Dont‘s

Manchmal lohnt es sich, mehrere Sprachen zu sprechen. Dann versteht man nämlich fast alles, was vom Streckenrand aus den Fahrerinnen und Fahrern zugerufen wird. Kürzlich so geschehen beim UCI Mountainbike Cross Country Rennen in Nové Mesto, Tschechien. An einer Kurve in einem harten Aufstieg konnte ich die Coaches verschiedener Teams und Nationalmannschaften bei der Arbeit belauschen..

Zum Thema: Kommunikationstipps für Trainer*innen im Wettkampf

Teilweise beeindruckend, teilweise amüsant, teilweise erschreckend. Hier ein kleiner schon übersetzter und kommentierter Ausschnitt aus der Sammlung:

  • „Los, fahr vor, lass dich nicht hängen!“ Dem Fahrer hängt die Zunge aus dem Mund, er ist ersichtlich am Ende seiner Kapazitäten.“Los!“ hat sicher nicht geschadet. „Lass dich nicht hängen!“ wirkt in so einem Fall eher kontraproduktiv. Erstens, weil der Aufruf sagt, was nicht passieren soll, da gleichzeitig das Hängenlassen aber im Kopf bleibt. Die Verneinung wird in einer Stresssituation vom Unbewussten nicht zurückbehalten. Zweitens, weil die Formulierung wie ein Vorwurf verstanden werden kann: du lässt dich hängen! Wenn der Fahrer den Eindruck hat, der Coach sei enttäuscht, und er habe müde Beine und noch viele Kilometer vor sich, lässt die Kraft nach. Diese Coaching-Intervention hat nicht positiv gewirkt, der Fahrer wurde ein paar Meter weiter erneut überholt.
  • „Super, Fritz (Name geändert), super“ Das konnte ich oft hören. Fährt ein Fahrer gerade wirklich super, ist dieses Ansporn top. Es bestärkt, ist einfach und geht direkt ins Ohr. Mehr braucht es in einem solchen Fall nicht. Fährt ein Fahrer aber gerade nicht super und weiß das auch, dann ist diese Ermutigung Gift. Besser nichts sagen, wenn einem nichts Besseres einfällt!
  • „54! Du hast 18 Sekunden auf 53.“ Ganz schlecht. Der Fahrer ist mit einer weitaus besseren Startnummer unterwegs, hat also gerade eine für seine Verhältnisse schlechte Platzierung. 18 Sekunden sind in Runde vier eines Cross Country Rennens lang. Schwer vorstellbar, dass diese Intervention Flügel verleiht.
  • „Xaver (Name geändert) vor dir hat einen Platten!“ Top Information. Der Fahrer selbst kann den Kollegen mit dem Platten vor sich noch nicht sehen, weiß jetzt aber, dass er ihn gut einholen und überholen kann. Das spornt an. Super gemacht!
  • „Genau so weiter! Sehr gut! Einfach dranbleiben! Du hast Zeit.“ In einem solchen Fall top. Der Fahrer fühlt sich bestärkt, er hat eine taktische Anweisung, die leicht verständlich ist. Außerdem suggeriert diese Intervention, dass der Trainer ihm zutraut, später zu überholen.

Liebe Trainer: Bitte lasst euch in Sachen Wettkampfbetreuung beraten. Die Sportpsychologen (zur Übersicht) wissen, was am besten ankommt und wie ihr in einem Rennen das Beste aus den Sportler*innen herausholen könnt. Nehmt dazu gern zu meinen Kolleg*innen oder mir Kontakt (zur Profilseite) auf.

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Anke Precht
Anke Prechthttp://www.ankeprecht.de

Sportarten: Fußball, Marathon, Tennis, Volleyball, Golf, Kickboxen, Bogenschiessen, Reitsport, Taekwondo, MTB, Rasenkraftsport

Offenburg, Deutschland

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