Dr. Hanspeter Gubelmann: Schreiben auf Die Sportpsychologen – lohnt die Müh’?

Im Sommer 2014 startete Prof. Oliver Stoll in Deutschland mit seinem Projekt „Die Sportpsychologen“. Im November 2014 beauftragte der damalige SASP-Vorstand (Swiss Association of Sport Psychology) Philippe Müller mit der Lancierung eines vergleichbaren Projekts mit dem Ziel, das Arbeitsfeld der angewandten Sportpsychologie einem breiteren Publikum vorzustellen. Zudem sollte sich die Plattform zu einem wichtigen Kommunikationsorgan des Fachverbands entwickeln. Die Erwartungen waren hoch, die Möglichkeit eines Scheiterns durchaus vorhanden. Hat sich der Aufwand im Rückblick gelohnt? 

Zum Thema: Was das Experten-Netzwerk Die Sportpsychologen einem einzelnen Profilinhaber bringen kann?

Ich kann mich noch gut an die kontrovers geführten Diskussionen erinnern, die wir 2014 im Vorstand der Swiss Association of Sport Psychology (SASP) geführt haben, als es um die Projektierung einer „Schweizer Plattform“ ging. Nach mehr als 15 Jahren Vorstandsarbeit schien mir der Moment gekommen, im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit neue Wege einzuschlagen. Denn trotz PR-Konzept mit Newsletter, neuer Homepage, beachtlichen finanziellen Ressourcen und einigen punktuellen Informationskampagnen blieb die Medienarbeit im Verband stets eine der grössten Herausforderungen. Inspiriert durch die Initiative in Halle/Saale (Deutschland) entstand eine Projektidee mit klarer Zielstellung:

„Die Funktion von die-sportpsychologen.ch ist ein Brückenbau. Als fachliche, moderne und offene Plattform für die Disziplin Sportpsychologie stellt die Internetseite eine direkte Verbindung zwischen von der SASP ausgewählten Fachspezialisten und potentiellen Klienten, Auftraggebern sowie Multiplikatoren her. Unter Ausnutzung moderner Kommunikationsmittel, der engen Vernetzung der Zielgruppe sowie ergänzt durch eine effektive Medienarbeit erfolgt im Arbeitsfeld Sport eine qualitativ gesteigerte Auseinandersetzung mit der Thematik Sportpsychologie.“

Productive failure…

Der Start mit finanzieller Unterstützung seitens der SASP verlief hoffnungsvoll, die Rekrutierung potentieller Profilinhaber gestaltete sich als sehr schwieriges Unterfangen. Schon nach zwei Jahren zog sich der Verband als Mitträger zurück. Von allen Seiten vernahm ich zwar Lob und Zustimmung für Idee und Umsetzung – nur schreiben und dafür auch noch bezahlen wollte niemand. Es bewahrheitete sich (leider!) einmal mehr, was ich der angewandt arbeitenden Schweizer Sportpsychologen und Sportpsychologinnen schon lange ankreide: jeder schaut zuerst und vor allem für sich! 

Kurzum: Aus Sicht der SASP erlitt die Plattform ein Grounding. Geblieben sind fünf Enthusiasten, die fortan vor allem ihre persönlichen Interessen mit ihrem Engagement auf der Plattform in Verbindung brachten. Das expandierende, trinationale Netzwerk (D/AUT/CH) ist mittlerweile massiv gewachsen. Insgesamt 703 Texte sind auf der Plattform zu finden, die wohl allein 2019 gegen eine Million „Klicks“ generieren werden!

Ohne Müh, kein Lohn!

Auch wenn sich der ursprünglich intendierte (Verbands-)Nutzen nicht erfüllen liess – aus Sicht eines Profilinhabers bieten sich eine Vielzahl interessanter Optionen. Doch diese eröffnen sich meiner Meinung nach erst mit der aktiven Mitarbeit! Das heisst in erster Linie: Schreiben! Und sogleich: in der aktiven Mitwirkung im Netzwerk, in dem ich die Texte der  KollegInnen lese, sie über die sozialen Netzwerke weiterverbreite, den Kontakt zu anderen aktiv suche und an den regelmässig stattfindenden Treffen (Barcamps!, Netzwerkabende) teilnehme. 

Dr. Hanspeter Gubelmann

Sportarten: Ski nordisch, Ski alpin, Leichtathletik, Bob, Skeleton, Judo, Eiskunstlauf, Tennis, Short Track, Kanu, Eishockey, Mountainbike, Schwimmen, Triathlon, Rhythmische Sportgymnastik u.a.

Kontakt:

+41 (0)79 789 45 13

h.gubelmann@die-sportpsychologen.ch

Keine Frage, es bedeutet zunächst Aufwand, kostet zusätzlich Geld und Zeit sowie einige Müh’ im Umgang mit Mensch und Technik. Ein interessantes Detail am Rande: als ü50-Zeitgenosse wäre ich ohne die Plattform wohl nicht (mehr) in unmittelbaren Kontakt mit sozialen Medien gekommen. Die Auseinandersetzung mit diesen Notwendigkeiten zeitgemässer Kommunikationsmittel fordert mich ganz erheblich!

Die Sportpsychologen im täglichen Einsatz

In meinen vier Jahren als Profilinhaber habe ich 45 Beiträge verfasst. Meinem Ziel, durchschnittlich einen Text pro Monat zu veröffentlichen, komme ich damit ziemlich nahe. Das Texten liegt mir, einst habe ich im Nebenfach Publizistik studiert und meine Brötchen während meiner Studienzeit auch als freier Mitarbeiter regionaler Zeitungen verdient. Trotzdem budgetiere ich für einen Text einen zeitlich hohen Aufwand von mindestens acht bis zehn Stunden. Inhaltliche Recherche, Textrohling entwickeln, Überarbeitung und finale Redaktion – inhaltliche Qualität lässt sich nur mit ausreichend Zeit realisieren.

Mein durchschnittlicher Arbeitsaufwand im Zusammenhang mit der Plattform würde ich auf fünf Stunden pro Woche veranschlagen. Was aber ist mein „return on investment“? Dieser lässt sich in vier „Kategorien“ fassen:

  1. Persönliche Fortbildung: sich Einlassen auf ein Thema heisst, sich geleitet von wissenschaftlichen Kriterien zu informieren. Ich „zwinge“ mich also, mich aktiv nach „facts und figures“ zu erkundigen. Für jemanden wie mich, der sehr viel im sportpsychologischen Bereich unterrichtet, ein absolutes „must do“!
  2. Traffic: Meine Sichtbarkeit auf „die sportpsychologen“ generiert mir eine Vielzahl an Anfragen. Mittlerweile erlebe ich den „freedom of choice“, welche Projekte ich annehmen will. Was ich selber nicht kann oder nicht machen will, versuche ich weiter zu vermitteln!
  3. „Up-to-date“ sein: Austausch mit Gleichgesinnten: Ich schätze mich glücklich, mit Sportexperten wie Mathias Liebing, Oliver Stoll, Cristina Baldasarre und vielen weiteren Profilinhabern in regelmässigen Kontakt zu stehen. Ihre Meinungen, Wertungen und Berichte interessieren mich!
  4. Quo vadis – persönliche Weiterentwicklung: In meiner Tätigkeit stelle ich den AthletInnen gerne die Frage: wo möchtest du in fünf Jahren in deinem Leben stehen? Diese Idee übertrage ich gerne auch auf mein Mitwirken bei die-sportpsychologen. Aktuell bin ich mit Kollegen daran, einen regionalen Arbeitsverbund zu entwickeln, welcher die Plattform als primäres Kommunikationsmittel positionieren wird.

Sich engagieren, exponieren, weiter entwickeln…

Die Sportpsychologen haben in den vergangenen fünf Jahren eine enorme Entwicklung und Verbreitung erfahren. Diese quantitative Zunahme darf in Zukunft nicht auf Kosten der Qualität ausfallen. Mehr und weiter heisst auch hier nicht unbedingt „besser“. Qualitätssicherung und –ausbau sind unerlässlich, um das Standing der Plattform fortan zu stärken.

Entwicklungspotential sehe ich zudem in der Themenauswahl und -gewichtung, wo der Mainstream (z.B. Fussball) nicht die Vielfalt und Originalität anderer wichtiger Wortmeldungen einschränken darf. Aber auch kontroverse Sichtweisen und Stellungnahmen sollen ihren Platz finden dürfen.

Schliesslich bin ich überzeugt, dass sich die Müh’ (des Schreibens) tatsächlich lohnt! Die Weisheit – wer ernten will, muss zuerst säen – trifft auch hinsichtlich eines profitablen Mitwirkens auf dieser Plattform sehr gut zu!

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