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Prof. Dr. Oliver Stoll: Der Ausraster beim Hockeyspiel – ist das gute Führung?

Es war einer der Aufreger der Olympischen Spiele in Paris. Der Ausraster von Hockey Bundestrainer Valentin Altenburg im Vorrundenspiel gegen Frankreich. Wenn wir uns, mit dem Wissen über gute und funktionale Führung, das Video im Nachgang so anschauen, können wir nur zu diesem einen Schluss kommen: Im Prinzip widerspricht dieses Verhalten all dem, was wir über gute Führung wissen. 

Zum Thema: Führungsstile im Leistungssport

Die Sportpsychologie orientiert sich heutzutage mehr am Bereich Arbeits- und Organisationspsychologie. Historisch betrachtet unterscheidet die Sozialpsychologie Führungsstile häufig nach zwei Forschern: dem Sozialpsychologen Kurt Lewin und dem Soziologen Max Weber. Kurt Lewin entwickelte durch seine Forschung drei sogenannte klassische Führungsstile: Den autoritären Führungsstil, den kooperativen Führungsstil und den Laissez-faire-Führungsstil. Dieses Konzept hat sich schnell auch in der Pädagogik und auch in der Sportpsychologie etabliert und wurde lange so umgesetzt. 

Was ich in dem Video gesehen habe, und was auch meine Erfahrung mit Trainerinnen und Trainern ist: im Leistungssport ist die „transaktionale Führung“ weiterhin fest verankert. Das beinhaltet Leistung und Gegenleistung und bedeutet,  dass die Führungsperson gute Leistungen belohnt und anerkennt, bestraft allerdings auch unerwünschtes Verhalten und achtet darauf, dass Normen und Disziplinen eingehalten werden (ganz ähnlich wie in der autoritären Führung).

Alternative Führungsstile

Ein alternativer Führungsstil, der mittlerweile gesamtgesellschaftlich weit verbreitet ist, nennt sich „transformationale Führung“. Transformationale Führung ist ein Ansatz, bei dem Führungskräfte als inspirierende Vorbilder agieren, Vertrauen aufbauen und Respekt und Wertschätzung ernten. Diese Art der Führung hat eine starke Ähnlichkeit mit der agilen Führung und kann das Verhalten von Mitarbeitern wirksam verändern, also „transformieren“. Transformationale Führung, die ihre Wurzeln in den Arbeiten von James MacGregor Burns und Bernard M. Bass hat, steht oft im Vergleich mit anderen Modellen, insbesondere der transaktionalen und agilen Führung. Burns führte seine Studien in den 1970er Jahren durch und veröffentlichte seine Erkenntnisse in seinem Buch „Leadership“ von 1978. Somit ist dieses Modell auch schon länger bekannt. Im Zentrum steht der Gedanke,  dass die Führungsperson Vorbild ist und dadurch Vertrauen aufbaut, Herausforderungen und Sinn vermittelt, Kreativität und Teamgeist fördert. Das ist es, was heutzutage auch im Businessbereich Führungskräften vermittelt wird.

Nun geht es im Businessbereich häufig ähnlich wie in einem sportlichen Wettkampf. Aber z.B. bei Auszeiten transformational zu führen (und die gibt es im Businessbereich eher nicht), ist schwierig. Die meisten Trainer machen dann lieber „Ansagen“ – was auch nicht immer schlecht ist. Vor allen Dingen dann, wenn die Athletinnen und Athleten am Limit unterwegs sind. Dann erwarten die Athletinnen und Athleten, dass der Trainer ihnen sagt, was sie tun sollen – also kurz gesagt „Autorität“. Insofern ist ein solches Führungsverhalten nicht grundsätzlich abzulehnen. Es kommt eben darauf an, wie sich die aktuelle Situation darstellt und wie hoch die Fähigkeiten und Kompetenzen des Teams sind, dieser Herausforderung standzuhalten.

Spezielle Kommunikation im Sport   

Aber zurück zu unserem Beispiel von Hockey-Bundestrainer Valentin Altenburg. Schaut und hört man noch einmal konkret in die Kommunikation zwischen Trainer und Athletin hinein, dann ist das m.E. allerdings schon grenzwertig. Man kann die Aussage: „Halt jetzt mal die Fresse, Anne“ durchaus als Beleidigung oder als übergriffig bewerten. Aus einer Beobachterperspektive ist aber wenigstens ein Aspekt stimmig: Das, was er verbal sagt, und das, was er in der Körpersprache zeigt, passt zusammen. Schlimmer wäre es, wenn er verbal etwas sagen würde, was seine Körpersprache nicht zeigt. Das bringt Athletinnen und Athleten eher durcheinander. Wenn man in das Gesicht der Spielerin schaut, sieht man einen kleinen Schmollmund. Aber es ist nicht so, dass sie komplett in sich zusammenbricht. Man muss nicht gut finden, was er da gemacht hat – aber es war zumindest authentisch und das, was verbal und nonverbal kommuniziert wird, passt zueinander. 

Im Interview nach dem (im übrigen gewonnenen Spiel) geben sich die beiden ja auch sehr versöhnlich und verwundert über die Kritik seitens der Medien. Wie das wiederum einzuordnen ist, darüber lässt sich bestenfalls spekulieren. So oder so – diese Szene hat die Leistungssportwelt aufgerüttelt und zum Nachdenken über „gute Führung“ aufgefordert. Hier gibt es sicherlich noch weiteren Aufklärung- und auch Forschungsbedarf.

Zeitungsinterview mit Oliver Stoll

https://www.rnd.de/panorama/ausraster-von-olympia-hockeytrainer-altenburg-sieht-so-gute-fuehrung-aus-FW32366EHNAOBMFTOWNSYYMFI4.html

Mehr zum Thema:

Literatur:

Finckler, P. (2017).  Transformationale Führung. Wegweiser für nachhaltigen Führungs- und Unternehmenserfolg. Springer: Berlin

Schulz-Hardt, S., Brodbeck, F.C. (2014). Gruppenleistung und Führung. In: Jonas, K., Stroebe, W., Hewstone, M. (eds) Sozialpsychologie. Springer-Lehrbuch. Springer, Berlin, Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-642-41091-8_13

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Frage und Antwort: Kühler Kopf, trotz hitziger Atmosphäre im Amateurfußball

Im Amateurfußball geht es gern mal hoch her. Auf und neben dem Feld. In solch hitzigen Situationen, in denen laut lamentiert, emotional diskutiert oder sogar grenzüberschreitender agiert wird, ist es alles andere als einfach, einen kühlen Kopf zu behalten. In der Rubrik Frage und Antwort hat uns ein Leser geschrieben, der wissen will, wie seine Spieler damit umgehen lernen können. 

Zum Thema: Fokus und Konzentration im Spiel halten

Die konkrete Anfrage lautet: Wie können wir dem Team dabei helfen, sich auf das eigene Spiel zu konzentrieren, wenn das Spiel hitzig wird?

Danijela Bradfisch, Die Sportpsychologen
Danijela Bradfisch, Die Sportpsychologen

Hallo Arndt (Name von der Redaktion geändert), 

da ich nicht sicher bin, ob du Trainer oder Mitspieler bist, antworte ich allgemein. Solltest du Fragen hierzu haben, melde dich einfach nochmals direkt. 😉

Um deinem Team aber zu helfen, sich auf das eigene Spiel zu konzentrieren, wenn die Situation hitzig wird, können folgende Maßnahmen oder Strategien hilfreich sein:

  • Kreiere und fördere eine offene, klare und positive Kommunikation innerhalb des Teams, auch bereits im Training. Ermutige die Spieler, sich gegenseitig zu unterstützen und auf positive Aspekte des Spiels hinzuweisen.
  • Einfache Atemtechniken können die Spieler in stressigen Momenten anwenden, um sich zu beruhigen und den Fokus zurückzugewinnen. Bewusstes Einatmen durch die Nase und das hörbare Ausatmen durch den Mund mit einer kleinen bewussten Haltepause dazwischen, bewirkt, dass der Fokus wieder zurück zu einem selbst findet. Gerne kann man es auch mit einem Bild verankern, sodass man z.B. auf die Schuhe schaut, einen Baum in der Nähe oder sogar das Tor fokussiert, denn diese Gegenstände sind “am Boden verankert”, weshalb die Gedanken nicht weiter rennen können. 
  • Erinner das Team an die Spielstrategie und die individuellen Rollen. Dabei helfen können ggf. Signalwörter, die vorher im Training regelmäßig geübt wurden. Das hilft, ebenso den Fokus auf das Wesentliche zu lenken. Wenn möglich, kreiere dabei Auszeiten, um das Team zu sammeln und an die ursprünglichen Ziele zu erinnern. Beim Fussball, gibt es Standards, hier kann man sich bewusst die Zeit kurz nehmen… aber beachte, dass jeder Spielertyp individuelle Lösungen benötigt. Gib ihnen die Möglichkeit, diese selber herauszufinden und diese ausprobieren zu lassen.  

Grundsätzlich empfehle ich euch, mentale Übungen ins Training einzubauen, um in stressigen Situationen ruhig zu bleiben und sich auf das eigene Spiel zu konzentrieren. Dieses kann man bereits zum Warm Up-Spielen machen – ja, richtig gelesen, hier könnt ihr auch mal richtig verrückte Spiele spielen 😄. 

Betone regelmäßig im Training die positiven Leistungen und Fortschritte des Teams. Gerne auch kurz gehalten, zum Beispiel nach jeder etwas längeren Einheit, um das Selbstvertrauen zu stärken und die Konzentration zu fördern. Abschließend das ganze nochmals machen, gerne mit einem taktilen Huddel, um weitere Sensoren im Körper anzusprechen und somit die positiven Emotionen damit zu verstärken. 

Ich hoffe, dass meine Antwort und die aufgeführten Ansätze helfen dir und deinem Team, auch in hitzigen Momenten fokussiert und effektiv zu bleiben und wünsche Euch eine tolle Saison.

VG

Danijela Bradfisch

Deine Frage?

Wir von Die Sportpsychologen sind für dich da. Und weil wir wissen, dass manchmal eine kleine Schwelle im Weg steht, Kontakt zu einem “Psychologen”, einer “Psychologin” oder einer/einem “MentaltrainerIn” zu suchen, machen wir einen Schritt auf dich zu. Wenn du also auch eine Frage an uns loswerden möchtest, dann nutz dafür das folgende Formular.

    Wichtig zu wissen: Manche Fragen und deren Antworten veröffentlichen wir nicht. Wir treten dann mit den jeweiligen FragestellerInnen persönlich in Kontakt. Dies behalten wir uns für Fälle vor, in denen die Anonymität nicht gewährleistet werden kann oder das angestoßene Thema besser im geschützten Raum besprochen wird. Zudem gilt: Unsere Antworten können nicht mehr als Anstösse liefern. Anstösse, von denen du als Leser oder Leserin ableiten kannst, wie wir von Die Sportpsychologen ticken und was wir so machen.

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    Nathalie Klingebiel: Alles Kopfsache?! – Mentale Stärke für Fußballtalente an NLZs

    Welcher Spieler oder welche Spielerin, die den schwierigen Weg an ein Nachwuchsleistungszentrum gemeistert hat, träumt nicht davon, im (jungen) Erwachsenenalter im Profi-Fußball anzukommen? Wir wissen aber, wie wenige Absolventen der 58 NLZs in Deutschland tatsächlich den Durchbruch in die beiden Bundesligen oder die Dritte Liga schaffen. Trotz aller etablierten Förderstrukturen. Was genau unterscheidet also die Spieler, die es schaffen, von denen, die ihren Traum, Profi zu werden, aufgeben müssen?

    Zum Thema: Die sportpsychologische Säule an Nachwuchsleistungszentren

    Einige würden sagen: Talent. Andere nennen harte Arbeit und Disziplin als ausschlaggebendene Gründe und manch einer würde vielleicht sogar behaupten, dass auch ein wenig Glück dabei eine Rolle spielt. Das alles sind zweifelsohne wichtige Punkte, um den Schritt ins Profigeschäft zu schaffen. Ein immer noch häufig unterschätzter Faktor auf dem Weg dorthin kann die Sportpsychologie sein, die hier zum persönlichen MVP (= most valuable player) werden kann. Sowohl im Training als auch im Spiel kann sie den kleinen, aber feinen Unterschied machen. Denn sowohl im Nachwuchs- als auch Profifußball entscheidet jedes einzelne Prozent darüber, ob ich selbst in der Startelf stehe oder aber doch mein Konkurrent. Und wenn alle Spieler dasselbe Athletiktraining durchlaufen und sich an den gleichen Ernährungsplan halten, bleibt als dritte Säule zur Leistungsoptimierung noch die Sportpsychologie, mithilfe derer ich mich von allen anderen abheben kann. 

    Nicht umsonst berichten viele sehr erfolgreiche Spieler wie Cristiano Ronaldo, Joshua Kimmich oder Robin Gosens davon, wie ihnen das Training von mentaler Stärke dazu verholfen hat, auf dem Niveau zu spielen, auf dem sie es heute tun. Auch ich merke in meiner täglichen Arbeit am NLZ, dass einige der jungen Spieler aus Eigeninitiative mit dem Anliegen auf mich zukommen, mental stärker zu werden und ihr „Game auf das nächste Level“ zu heben. 

    Sportpsychologie als Investition

    Es wird also zunehmend deutlich, welchen Stellenwert sportpsychologisches Coaching im Profifußball und auf dem Weg dorthin haben kann und sollte. Jeder oder jede, der oder die Zeit und Motivation in die Arbeit mit einem Sportpsychologen bzw. einer Sportpsychologin steckt, geht eine wertvolle Investition in sich selbst ein. 

    Um einen kleinen Einblick zu bekommen, wie ein sportpsychologisches Coaching aussehen könnte, möchte ich zwei beispielhafte Techniken vorstellen, die dabei helfen können, in hitzigen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren – sei es auf oder neben dem Platz. Nur als Beispiel, um aufzuzeigen, dass Sportpsychologie nichts „Schlimmes“ ist und sich der Einsatz durchaus auch schnell auszahlen kann. 

    Atemtechniken und Visualisierung

    Eine sehr sinnvolle und vor allem leicht umzusetzende Methode sind Atemtechniken, das heißt, die Atmung wird gezielt eingesetzt, um Stress und Druck zu regulieren sowie Fokus und Konzentration zu fördern. Durch eine tiefe, kontrollierte Atmung kann die eigene Herzfrequenz bewusst gesteuert werden. Dies ist beispielsweise hilfreich, um leichter mit seinen Emotionen umzugehen und in stressigen Situationen ruhig zu bleiben. 

    Eine weitere Möglichkeit, an seiner mentalen Stärke zu arbeiten, ist die Visualisierung. Mithilfe von gedanklichen Bildern, die man sich so detailliert wie möglich vorstellt, kann man trainieren, sich in bestimmte Spielsituationen oder gewünschte Verhaltensweisen hineinzuversetzen. Das Ziel dabei ist es, einen hilfreichen Umgang mit Fehlern zu finden oder negative Gedanken zu überwinden. Indem man sich regelmäßig erfolgreiche Aktionen (z.B. einen verwandelten Elfmeter) vor Augen führt, kann man sein Selbstvertrauen stärken und sich mental auf zukünftige Herausforderungen vorbereiten.

    Nicht umsonst heißt es: Mindset is what separates the best from the rest.

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    Pia Festl-Wietek: Wir können von Sportler*innen mit chronischen Schmerzen lernen

    Der Umgang mit chronischen Schmerzen ist für die Betroffenen nicht einfach. Aber auch für das direkte Umfeld wie Trainer*innen, Betreuer oder auch Eltern kann es schwierig sein, immer die richtige Einordnung zu treffen. Hinzu kommt, dass chronische Krankheiten gerade im Leistungssport zumindest in der Kommunikation nach außen oder zur direkten Konkurrenz ein Tabu sind. Mit all diesen Facetten kennt sich unsere neue Profilinhaberin Pia Festl-Wietek (zum Profil) bestens aus – aus allen Perspektiven. Mehr verrät eines der neuen Gesichter von Die Sportpsychologen im Interview mit Redaktionsleiter Mathias Liebing. 

    Pia, du hast selbst zwölf Jahre lang leistungsorientiert Tennis gespielt. Wie beeinflusst diese Erfahrung deine heutige sportpsychologische Arbeit?

    Tennis ist meine Leidenschaft und ich verstehe, was man alles für diese tut. Und damit meine ich nicht nur das körperliche Training, denn Tennis hat mein Mindset geprägt. Dieser Sport hat mir gezeigt, dass ich ein Match drehen kann, wenn ich mir meiner eigenen Stärken bewusst bin und diese einsetze. Ich weiß aber auch, wie es ist, wenn du die Leidenschaft für deinen Sport verlierst und auf einmal nicht mehr diese Struktur und Routine hast. Wir können vieles aus dem Sport im Alltag anwenden. 

    Eine weitere Leidenschaft als Sportpsychologin ist der Teamsport. Insbesondere American Football. Warum liebst du die Arbeit mit Mannschaften, was macht es aus?

    Im Teamsport spielen viele verschiedene Faktoren eine Rolle und das macht es so spannend. Jedes Team hat seine eigene Dynamik, Regeln und Stärken. Und genau das macht es so herausfordernd, denn am Ende müssen alle Faktoren stimmen. Ein Team gewinnt oder verliert gemeinsam. Im Team brauchst du also die individuellen Stärken deiner Spieler*innen, aber wesentlich geht es darum, wie du diese einsetzt, um das gesamte Team zu stärken. Im Teamsport wird dir nochmal mehr bewusst wie wichtig Kommunikation ist – sowohl unter den Spieler*innen als auch den Trainer*innen und natürlich untereinander. Ein Team muss sich vertrauen, denn dann arbeiten sie gemeinsam und erreichen ihre Ziele. Ich liebe die Abwechslung zwischen Einzelsport und Teamsport, denn beide haben ihre Besonderheiten. 

    Spezialisiert bist du zudem auf den Umgang mit chronischen Schmerzen. Warum ist es so wichtig, dass Sportler und Sportlerinnen mehr zu diesem Thema wissen und verstehen? Und wie kannst du ganz konkret helfen?

    Oft denkt man, dass man aufgrund von chronischen Schmerzen nicht mehr die bestmögliche sportliche Leistung abrufen kann. Aber das stimmt nicht. Ich selbst habe eine chronische Erkrankung und habe gemerkt, dass darin auch meine Stärke liegt und ich definitiv meine Leistung abrufen kann. 

    Nicht jeder chronische Schmerz ist gleich, denn jede*r empfindet diese anders. Es braucht ein unterstützendes System um den Sportler*in, sei es Physiotherapeuten, Ärzte, Athletiktrainer*innen, Trainer*innen und auch Sportpsycholog*innen. Wir müssen die Perspektive des Sportlers/Sportlerin verstehen und ohne Vorurteile gegenüber dem Thema agieren. Dann können wir gemeinsam daran arbeiten, die Ziele zu erreichen. 

    Ich möchte eine Offenheit für das Thema ermöglichen und die verschiedenen Perspektiven aufzeigen, die hier eine Rolle spielen. Du wärst überrascht, welche Techniken und Tricks Sportler*innen mit chronischen Schmerzen haben, um mit diesen besser umgehen zu können. Wir können davon lernen, denn diese Sportler*innen sind stark.

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    Danijela Bradfisch: Ändere, was dich im Verein oder im Verband stört

    Seit Jahren arbeite ich leidenschaftlich gern und mit viel Herz im Nachwuchs(leistungs)sport. Mit allem, was dazu gehört. Als Trainerin und Coach. Ich liebe das Training, aber auch das Spiel sowie das gesamte Drumherum. Mit Spieler:innen, Eltern und mit Kolleg:innen Gespräche zu führen, auch auf Landesverbandsebenen zu diskutieren und zu streiten. Eben alles, was dazu gehört. Aber es gibt auch Schattenseiten. Zwei Sachen will ich dazu nennen, die sich im Laufe der letzten 20 Jahre faktisch nicht verändert haben: Viele schimpfen auf das “System”. Dazu steigt aus meiner Erfahrung die Zahl der Jugendlichen, die mit dem (Leistung)sprt aufhören) stetig an, was mir echte Sorgen macht. Letzteres hat, wie ich immer wieder höre, häufig mit Ersterem zu tun. Wo setzen wir also an, wenn wir etwas ändern wollen: Beim System oder beim Verhalten?

    Zum Thema: Verhaltensänderungen im Nachwuchs(leistungs)sport

    Versuchen wir es mit unserem Verhalten. Mir ist ein Modell der Verhaltensänderung in den Sinn gekommen. Eines, was auf den ersten Blick nichts mit Sport zu tun hat. Im Zentrum des Modells steht die Bereitschaft zur Veränderung von (Risiko-)verhalten, welches durch fünf aufeinander aufbauender Stufen beschrieben wird. Ursprünglich wurde das TTM zur Therapie von Nikotinabhängigkeit entwickelt (DiClemente und Prochaska, 1982; 1983). Jahre später erfolgte eine Erweiterung auf die körperliche Bewegung.

    In dem Modell geht es um sechs Stufen, die jeder im Sport kennt. Dabei muss erst eine Stufe bewältigt werden, um auf die nächste Stufe zu kommen – überspringen ist nicht möglich.

    1. Absichtslosigkeit (pre-contemplation)
    2. Absichtsbildung (contemplation)
    3. Vorbereitung (preparation)
    4. Handlung (action) und
    5. Aufrechterhaltung (maintenance)
    6. Stabilisierung (termination)

    Unser Verhalten als Schlüssel

    Die einzelnen Stufen erreicht man nur durch die eigenen Selbstwirksamkeitserwartungen. Langfristig ist ein Erfolg nur durch mentale und verhaltensbezogene Veränderungsstrategien erreichbar. In einer Studie aus dem Jahr 2001 von Keller, Kaluza und Basler kamen die Kollegen zu dem Schluss, dass verschiedene und unterschiedliche Strategien hilfreich wären und sie somit verändert werden müssen, um das gesteckte Ziel zu erreichen. Logisch, wenn wir bedenken, dass sich auch die technischen und taktischen Trainingselemente für die Sportler verändern! Wir kennen das alle aus unserem Sportalltag.

    Was hat das aber nun mit den eingangs erwähnten Problemen zu tun: Der Systemkritik und der hohen Drop-out-Quote? Ganz einfach: Ich denke, liebe Trainer:innen, Sportler:innen und Eltern, lasst uns an unserem Verhalten arbeiten. Lasst uns mit unserem Verhalten etwas ändern!

    Konstruktive Wege

    Wie soll das gehen? Schauen wir uns dazu das eingangs erwähnte Modell noch einmal an: Punkt eins ist die Absichtsbildung. Formuliert also mit Blick auf eure individuelle Situation (für Sportler:innen: Trainingsumstände, Kosten, persönliche Dinge, für Trainer:innen: Kommunikation, Führung oder Methoden – holt euch gern Inspirationen aus anderen Sportarten, „Thinking outside the box“) eine klare Absicht, und euch daraufhin Unterstützung zu holen (2.+3 Punkt). Damit bereitet ihr euch vor und begebt euch in die Handlung (4.). Wenn es funktioniert, dann bleibt unbedingt dran. Realisiert die angestrebte Veränderung am besten gemeinsam, haltet die Anpassungen aufrecht, um diese somit langfristig zu stabilisieren (5.+6.).

    Das beschriebene Modell, welches die Verhaltensänderungen erklärt und voraussagt, kann wirksam sein. Es zeigt, welche Schritte unternommen werden müssen, damit wir unser Verhalten erfolgreich ändern. Meine Erfahrungen aus über 20 Jahren Zusammenarbeit mit dem Nachwuchs zeigen mir, dass es sich lohnt. Ich habe es bereits angewandt und unterstütze Sportler:innen und Eltern gern, wenn sie sich ihrem Verein/Verband konstruktiv öffnen wollen, um etwas zu verändern. 

    Systemänderungen

    Das Beste: Wenn diese Veränderungen greifen, dann hat das auch einen direkten Einfluss auf das zuvor kritisierte System. Es passiert etwas in Bezug auf:

    • Problembewusstsein 
    • Selbstneubewertung
    • Neubewertung der persönlichen Umwelt
    • emotionales Erleben 
    • Wahrnehmung förderlicher Umweltbedingungen

    Lasst uns also anfangen. Meine Kolleg:Innen im Netzwerk (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Danijela Bradfisch) unterstützen euch gern. Nehmt Kontakt auf. Ich bin überzeugt, dass wir über diesen Weg einige Sportler:innen vom Verbleib im Sport oder im Leistungssport überzeugen können. 

    Mehr zum Thema:

    Quellen

    • Keller, S., Kaluza, G. & Basler, H.-D. (2001). Motivierung zur Verhaltensänderung. Psychomed, 13, 101-111.
    • Prochaska, J. O., & DiClemente, C. C. (1982). Transtheoretical therapy: Toward a more integrative model of change. Psychotherapy: Theory, Research & Practice, 19(3), 276–288. https://doi.org/10.1037/h0088437
    • Prochaska, J. O., & DiClemente, C. C. (1983). Stages and processes of self-change of smoking: Toward an integrative model of change. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 51(3), 390–395. https://doi.org/10.1037/0022-006X.51.3.390

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    Anke Precht: Mit den Regeln des Pokals spielen

    In der ersten Runde des DFB-Pokals gab es bislang nur wenige größere Überraschungen: Der Bundesligist VfL Bochum stolperte beim Zweitligisten Jahn Regensburg. Magdeburg, Zweite Liga, flog in Offenbach, vierte Liga, aus dem Wettbewerb. Und die Drittligisten Dresden und Bielefeld schlugen die Zweitliga-Clubs Düsseldorf und Hannover. Zwei große Underdogs sind bei den verlegten Spielen noch im Einsatz: Zweitliga-Aufsteiger Preußen Münster gegen Vize-Meister VfB Stuttgart sowie der FC Carl Zeiss Jena gegen Meister Bayer Leverkusen. Was braucht es, dass es am Ende zu einer Überraschung oder gar einer Sensation reicht? Wie kann es sein, das Profis gegen Amateure alt aussehen, und mittelmäßige Spieler plötzlich zu einer Form auflaufen, die einem Topfverein würdig wäre?

    Zum Thema: Pokalüberraschungen

    Im Pokal geht es um alles oder nichts. Entweder ist man weiter, oder man ist raus. Keine zweite Chance.

    Das erhöht den Druck auf die Spieler, auf die Trainer, auf den ganzen Verein. Dieser Druck kann sich auf Spieler und Teams ganz unterschiedlich auswirken. Entweder erhöht er den Fokus, oder er wirkt als Bremse, weil die Nervosität zu groß ist. Im Pokal zeigt sich, welche Teams nicht nur physisch, sondern auch mental mit Druck und Erwartungen umgehen können. Dazu kommt: die Underdogs riskieren nichts. Verlieren Sie, ist niemand enttäuscht. Es war zu erwarten. Gewinnen sie aber, gehen Sie in die Analen des Fußballs ein. Sie können also mutig und frei aufspielen und hohe Risiken eingehen, die sich etablierte Mannschaften so nicht unbedingt leisten können.

    Reaktion auf die Konstellation

    Wie lässt sich diese Situation für Teams nutzen? Sind die Unterschiede zwischen den Mannschaften groß, lohnt es, frech zu spielen, etwas zu riskieren, den Gegner frühzeitig zu ärgern und zu provozieren. Denn eine Niederlage kann sich der Favorit nun einmal nicht leisten, und so kann es vielleicht gelingen, den Favoriten aus dem Fokus zu holen.

    Begegnen sich ähnlich starke Gegner, lohnt es sich als Verein, im übertragenen Sinne, den Ball flach zu halten. Vor allem im Vorfeld. Das Spiel zu behandeln wie ein normales Spiel. Im Team trainieren, Spannung optimal zu regulieren. Am besten mithilfe eines Sportpsychologen. Außerdem zahlt es sich aus, wenn Trainer und Spieler gelernt haben, den Fokus klar auf die anstehende Aufgabe zu lenken. Damit meine ich nicht das Spiel oder ein bestimmtes Ergebnis, sondern die nächste Aktion auf dem Platz. Den nächsten Pass, den nächsten Konter, den nächsten Angriff, den nächsten Positionswechsel, die nächste kommunikative Aufgabe – alles, was nötig ist, um in der nächsten Minute das bestmögliche Spiel zu zeigen. Gelingt das, passt in der Regel am Schluss auch mit dem Ergebnis.

    Mehr zum Thema:

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    Yvonne Dathe: Aus Rückschlägen lernen

    Unsere Expertin Yvonne Dathe (zur Profilseite) hat ein Buch veröffentlicht: Aufwind im Kopf, heißt es. Es vermittelt das Wissen, mentale Fähigkeiten zu trainieren, um diese im Training und im Wettkampf anzuwenden. Yvonne Dathe, selbst erfolgreiche Gleitschirmfliegerin, nutzt dafür den Flugsport als Grundlage – die Anwendung beschränkt sich aber bei weitem nicht nur auf Piloten und Pilotinnen. An eindrücklichen Beispielen vermittelt sie Anwendungswissen zu Themen wie Lernen, Umgang mit Fehlern und Achtsamkeit. Dazu überführt sie zu Methoden aus der Akzeptanz und Commitment Therapie in den Sport.

    Das Buch ist in diesem Jahr in der dritten Auflage erschienen und enthält umfangreiches Zusatzmaterial. Mathias Liebing, Redaktionsleiter von Die Sportpsychologen, hat mit Yvonne Dathe über das Buch gesprochen.

    Yvonne, in der Werbung zu deinem Buch „Aufwind im Kopf“ versprichst du, aus Rückschlägen Lernerfolge zu machen. Gib mal ein Beispiel, aus welchem Rückschlag du einen Lernerfolg machen kannst?

    Beim Fliegen ist es ganz natürlich, dass wir auch immer mal wieder einen Rückschlag erleben. So könnte ich bei einem Streckenflug eine verfrühte Außenlandung haben. So mancher Pilot versucht sein Selbstwert zu schützen und sagt sich „da hatte ich Pech, die Thermik war einfach durch, so musste ich landen“. Wer aus solch einem Rückschlag einen Lernerfolg machen möchte, sollte anders vorgehen. So jemand sollte zunächst analysieren, was war gut, was war schlecht? Lag Stress oder Druck vor? Gab es andere Piloten, die am selben Tag weiter geflogen sind? – Im Wettbewerb zeigt sich sehr leicht, ob ich wirklich „Pech“ hatte, oder ob ich an einer Stelle eine Fehlentscheidung getroffen habe. Bei einem Flug ohne Wettbewerb ist die Analyse etwas schwieriger, doch wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, kann ich auch hier erkennen, woran es wirklich gelegen hat. 

    Nach der Analyse geht es darum sich Pläne für die Zukunft zu machen. Vielleicht sollte ich mir die Talwindsysteme besser ansehen oder lernen mit Druck und Stress besser umzugehen. Es kann hilfreich sein Flugkollegen um ein konstruktives Feedback zu bitten, um die eigenen Einschätzung mit der Realität abzugleichen. 

    Rückschläge oder sogenannte „Fehler“ passieren. Wenn wir ehrlich zu uns selbst sind werden aus „Fehlern“: Förderliche Erfahrungen, die Helfen zu Lernen Erfolg zu Realisieren. 

    Warum sind mentale Fähigkeiten gerade im Flugsport essentiell?

    Gerade im Flugsport gibt es viele Herausforderungen zu meistern. Im ummotorisierten Flugsport, wie dem Gleitschirm-, Drachen- oder Segelflug gilt es schnell Entscheidungen zu treffen. Piloten sollten in der Lage sein, schnell zu entscheiden, ansonsten stehen sie bald am Boden. Hier ist es wichtig, schnell zu denken und Probleme zu lösen. Das Element in dem wir uns bewegen ist unsichtbar, was zu manchen Unsicherheiten führen kann. Piloten sollten auch in stressigen Situationen ruhig und handlungsfähig bleiben, um mit klarem Verstand situationsadäquat zu handeln, bis sie sicher am Boden sind. 

    Fliegen erfordert eine hohe Konzentration und Aufmerksamkeit. Sie müssen sich auf die Route konzentrieren, die nächste Thermik entdecken und den Luftraum im Auge behalten. Die Umgebung, einschließlich der Wetterbedingungen können sich schnell ändern. Es gilt mögliche Gefahren frühzeitig zu erkennen. 

    Mentale Fähigkeiten helfen, mit Aufregung oder anderen Emotionen wie Angst umzugehen und dennoch fokussiert zu bleiben. Piloten sollten bereit sein, ständig zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Die Materialien der Fluggeräte ändern sich und so muss auch die eigenen Flugtechnik immer wieder angepasst werden. 

    All diese Herausforderungen führen dazu, dass gute mentale Fähigkeiten wichtig im Flugsport sind. 

    Dein Buch zielt auf das ACT-Prinzip ab. Was kannst du dazu erklären, ohne zu viel zu verraten?

    ACT ist die Abkürzung für die „Akzeptanz und Commitment Therapie“. ACT beruht auf der Verhaltenstherapie und wurde ursprünglich für den Umgang mit Stress und Ängsten entwickelt. Inzwischen hat sich der Ansatz weiterentwickelt und wird auch im sportpsychologischen Kontexten eingesetzt um flexibel auf die Herausforderungen reagieren zu können. Im Prinzip geht es darum, konkrete Veränderungen im Umgang mit dem eigenen Erleben und mit bestimmten schwierigen Situationen zu fördern. Es geht also darum, besser mit den eigenen Emotionen und dem eigenen Fokus umzugehen. So z. B.:

    • Umgang mit Gefühlen: Anstatt sie loswerden zu wollen, was in der Regel nicht funktioniert, werden sie akzeptiert und es wird ihnen Raum gegeben.
    • Umgang mit Gedanken: Es geht darum hilfreiche Denkweisen zu entwickeln und nicht alles zu glauben, was wir denken, um Gedanken die Macht über unser Fühlen und Handeln zu nehmen.
    • Umgang mit der Aufmerksamkeit: Es gilt die Aufmerksamkeit flexibel auf das zu richten, was im Hier und Jetzt wichtig und hilfreich ist. Grübeln über die Vergangenheit oder mögliche zukünftige Ereignisse sind wenig hilfreich.
    • Umgang mit dem Ich: Sich selbst als Beobachter zu betrachten anstatt als Gefangener im eigenen Denken und Erleben. 
    • Klarheit über Prioritäten: Es geht auch darum, sich seiner Prioritäten und Werte klar zu werden. Also, as ist mir neben meinen Ergebniszielen noch wichtig in meinem Sport und meinem Leben?
    • Umgang mit Entscheidungen: Gute und kluge (Flug-)Entscheidungen zu treffen, im Einklang mit Bauch und Verstand.

    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es darum geht flexibel auf die jeweiligen Situationen zu reagieren. Die Flugumgebung ist flexibel und ändert sich ständig, somit sollten auch wir flexibel handeln und entscheiden können.

    Profilseite von Yvonne Dathe

    Mehr zum Thema:

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    Gastbeitrag: Post-Olympic Blues und Post-Olympic Depression

    Die Olympischen Spiele sind für die teilnehmenden Sportler und Sportlerinnen nicht irgendein Wettkampf. Mit dieser herausgehobenen Bedeutung gehen aber auch besondere Herausforderungen einher, mit denen sich die Aktiven in erster Linie nach dem Erlebnis Olympia konfrontiert sehen. Aus diesem Grund unterstützen wir von Die Sportpsychologen die Arbeit von Dr. phil. Gaby Bussmann, Dr. phil. Charlotte Behlau und Dr. med. Valentin Z. Markser. Die drei ExpertInnen haben ein Informationsschreiben des Olympia-Stützpunkts NRW/Westfalen veröffentlicht, welches wir hier als Gastbeitrag teilen, um noch mehr Aufmerksamkeit auf dieses wichtige Thema zu lenken.

    Zum Thema: Informationen und Empfehlungen: Post-Olympic Blues (POB) und Post-Olympic Depression (POD)

    Die Zeit nach den Olympischen Spielen ist schwer, weil sie meistens weniger geplant ist und sich nach dem Höhepunkt der letzten Jahre Arbeit sinnfreier anfühlt. Sie kann deswegen mit einem geringeren Wohlbefinden und mit depressiven Stimmungen einhergehen. Viele Monate oder gar Jahre waren die Gedanken, Ziele, Maßnahmen und das Training auf ein klar definiertes Ziel fokussiert – die Olympischen Spiele. Mit deren Ende fällt dies weg und ein Teil der eigenen Identität kann wegbrechen. Es entsteht eine Richtungslosigkeit. Erfahrene Olympiateilnehmer:innen empfehlen deshalb auch immer, denke und plane über die Olympischen Spiele hinaus. Denn während für einige der olympische Traum in Erfüllung geht, entwickeln sich für Andere die Olympischen Spiele auch zum Albtraum. Der Post-Olympic Blues (POB) beschreibt generell die Periode nach dem olympischen Spielen, in der Athlet:innen negative Emotionen und depressive Symptome verspüren und sich verloren fühlen können. Meistens wird der POB ausgelöst dadurch, dass man von dem Hoch der Olympischen Spiele und dem organisationalen Stress wieder runterkommt und in den Alltag zurückkehrt.

    Weitere psychologischen und emotionalen Symptome, die beschrieben werden, sind: fehlende Motivation, Isolation und Einsamkeit, fehlende Energie, fehlender Antrieb bzw. fehlendes Interesse am Leben, höhere Ängstlichkeit, Reizbarkeit und interpersönliche Hypersensibilität, außerdem Fokussierungsschwierigkeiten und Schuldgefühle. Zusätzlich können Lustlosigkeit, Schlafstörungen und depressive Stimmungen auftreten.

    Achtung

    Post-Olympic Blues und Post-Olympic Depression verspüren nicht nur Athlet:innen, sondern auch Trainer:innen und Staff. Diese beschreiben nach den Olympischen Spielen ebenfalls das Gefühl eines abrupten Endes des sportlichen Alltags, auf einen emotionalen Tiefpunkt zu fallen und dann erstmals den Sinn und die Ziele redefinieren zu müssen.

    Vorkehrungen und Umgang damit

    Fast alle Teilnehmenden sind in gewisser Weise betroffen, jedoch in unterschiedlicher Stärke. Insgesamt, ist die Prävalenz höher bei mit der Leistung unzufriedenen Athlet:innen und niedriger bei sportlichen „Rentner:innen“ (Retirement) als bei weiter Aktiven. Die ersten vier Wochen nach den Olympischen Spielen kann zwischen Erschöpfung, Post-Olympic Blues und der Post-Olympic Depression unterschieden werden. Die zentrale Frage lautet daher nicht, wie kann es umgangen werden, sondern wie kann angemessen damit umgegangen werden. Eine wichtige Bedeutung in der Gestaltung hat dabei das Umfeld und psychosoziale/finanzielle Unterstützung durch Familie, Freunde, Trainer:innen und weitere Supporter:innen (wie z.B. Sportpsycholog:innen oder bei depressiven Stimmungen Sportpsychiater:innen bzw. Sportpsychotherapeut:innen).

    Folgende Empfehlungen können helfen:

    • Akzeptanz der Emotionen ist der erste wichtige Schritt. Die emotionalen Zustände können von unterschiedlichen Personen individuell unterschiedlich erlebt werden. Akzeptanz als grundlegende Voraussetzung heißt, die Gefühle nach dem Wettkampf nicht mehr zu verleugnen und ernst zu nehmen. Dann können notwendige helfende Maßnahmen in Anspruch genommen werden.
    • Das Bewusstmachen der Vergänglichkeit von Gefühlen ist auch wichtig und sorgt dafür, dass die Phase besser und schneller überwunden werden kann.
    • Die reale und empfundene Erschöpfung dient dem Auftanken und der Erholung nach einer langen Trainings- und Wettkampfphase. Sie bekommt damit einen hohen Stellenwert. Sich die Erholung zu erlauben und zuzulassen ist jetzt wichtig.
    • Verpflichtungen aufs Wesentliche zu reduzieren und im Alltag ankommen, das dient der weiteren Erholung.
    • Einen Plan für die Zeit nach Olympia erstellen: Wofür soll der Raum jetzt genutzt werden? Besonders erfahrenen Olmypiateilnehmer:innen („Wiederholungstäter:innen“) empfehlen diese Strategie.
    • Der Körper und Psyche brauchen langsame Übergänge. Trainingsprogramm mit Trainer:innen erarbeiten, wo Erholung und andere Sportarten ohne Wettkampfcharakter immer größeren Raum einnehmen.
    • Das eigene Verwöhnprogramm einleiten. Dinge machen, die der jeweiligen Person guttun wie Ruhe, gesundes Essen, Massagen und Yogaübungen. Jetzt ist auch die Zeit reif für Dinge, auf die vorher verzichtet werden musste. Neben dem Sport neue Freizeitaktivitäten und Interessensgebiete aufbauen und pflegen, beispielsweise im kreativen und/oder kulturellen Bereich. Diese Tätigkeiten können dann verstärkt nach einem aktiven Wettkampf ausgeübt werden und sorgen für ein Gleichgewicht neben der Fokussierung auf den Sport.
    • Die eigene Zeit und den Freiraum zunehmend selbst bestimmen, weg von festgesetzten Terminen.
    • Unterstützung durch Sportpsycholog:innen, Sportpsychiater:innen und Sportpsychotherapeut:innen bei der Rückkehr nutzen bzw. suchen. Eine Normalisierung und Wiederanpassung an den Alltag sollte erfolgen. Oft hilft es, drüber zu reden oder sich auszutauschen mit Anderen, die ähnliches empfinden oder erlebt haben.
    • Kontakt zu den wichtigsten Bezugspersonen suchen und aufrechterhalten, um die zu lange Isolation zu vermeiden.
    • Eine angemessene Leistungsbeurteilung im Verhältnis zur gesetzten Leistungserwartung sollte erfolgen. Ein sorgfältiges Debriefing mit einer detaillierten und umfassenden Auswertung der eigenen Olympia-Mission ist hilfreich. Debriefing (hier Nachbereitung der Olympischen Spiele) dient der mentalen und emotionalen Erholung und es wird eine Wissensbasis aufgebaut, was für zukünftige Erfolge getan werden kann.
    • Erfahrungen nutzbar machen und für die Zukunft umsetzen, z.B. durch Aufschreiben.
    • Die Chance zur Entwicklung neuer oder alternative Karriereoptionen analysieren und dazu auf Unterstützung setzen und auf das funktionale Netzwerk zurückgreifen.
    • Sinn, Ziele und Werte im Sport neu definieren. Hier den Wechsel von „knallharten“ Ergebniszielen zu Leistungs-/Handlungs- und Prozesszielen einleiten.
    • Selbstbestimmt Handeln: die Privatsphäre genießen und einen eigenen Umgang mit den Medien für sich festlegen.

    Kontakte zu den AutorInnen:

    • Dr. phil. Gaby Bussmann – bussmann@sportpsychologie.com
    • Dr. phil. Charlotte Behlau – charlotteraue@gmail.com
    • Dr. med. Valentin Z. Markser – valentin.z.markser@dgspp.de

    Link zur Originalveröffentlichung: https://www.osp-westfalen.nrw/wp-content/uploads/2024/08/Post-Olympic-Blues.pdf

    Mehr zum Thema:

    Literatur:

    Bennie, A., Walton, C. C., O’Connor, D., Fitzsimons, L., & Hammond, T. (2021). Exploring the experiences and well-being of Australian Rio Olympians during the post-Olympic phase: a qualitative study. Frontiers in Psychology12, 685322.
    Berking, M. (2017). Training emotionaler Kompetenzen.
    Bradshaw, H., Howells, K., & Lucassen, M. (2022). Abandoned to manage the post-Olympic blues: Olympians reflect on their experiences and the need for a change. Qualitative Research in Sport, Exercise and Health14(5), 706-723.
    DeWolfe, C. E., & Dithurbide, L. (2022). Beware of the blues: wellbeing of coaches and support staff throughout the Olympic games. International Journal of Sports Science & Coaching17(6), 1243-1257. Diment, G. M., Stagis, N. D., & Kuettel, A. (2023). What is this Thing called“ Post-Olympic Blues“? An Exploratory Study Among Danish Olympic Athletes. Scandinavian Journal of Sport and Exercise Psychology5, 21-30
    Gubelmannn (2021). Wenn der Olymipa-Blues zuschlägt – Ein Phänomen, das alle Olympia- Teilnehmer*innen betrifft. https://www.die-sportpsychologen.de/2021/09/dr-hanspeter-gubelmann-wenn- der-olympia-blues-zuschlaegt-ein-phaenomen-das-alle-olympia-teilnehmerinnen-betrifft/
    Hogg, J. & Kellmann, M. (2002). Debriefing im Leistungssport. Psychologie und Sport, 9, 90-96.
    Howells, K., & Lucassen, M. (2018). ‘Post-Olympic blues’–The diminution of celebrity in Olympic athletes. Psychology of Sport and Exercise37, 67-78.
    Taylor, J. & Schneider, T. (2007). Mentales Training für Triathleten und alle Ausdauersportler.

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    Tag der Sportpsychologie in Düsseldorf

    Am Freitag, den 27. September 2024, steht die aktuelle Auflage der Veranstaltungsserie „Tag der Sportpsychologie“ in Düsseldorf bevor. Wir von Die Sportpsychologen sind mit der Vortragsrednerin Kathrin Seufert (zur Profilseite) und den Workshopleitern Dr. Christian Reinhardt (zur Profilseite) und Björn Korfmacher (zur Profilseite) vor Ort. Die Veranstaltung wird von Jürgen Walters Verband für Sportpsychologie organisiert und unter das Motto „Wissen Schafft Erfolg: Sportpsychologische Interventionen in der Praxisgestellt.

    Zum Thema: Tag der Sportpsychologie, 27. September 2024 in Düsseldorf

    Ablaufplan

    09:15 Uhr
    Coming in & Begrüßung vom Vorstand „Verband der praktischen Sportpsychologie e. V.“

    09:30 – 09:35 Uhr
    Grußwort Prof. Dr. Gerhard Nowak (IST-Hochschule) & Vorstellung des Master-Studiengangs „Sportpsychologie“

    09:35 – 10:10 Uhr
    Vortrag Prof. Dr. Michael Gutmann: Psychologie in Sportverbänden: Wohin geht die Reise?

    Kathrin Seufert, Die Sportpsychologen
    Kathrin Seufert, Die Sportpsychologen

    10:10 – 10:50 Uhr
    Vortrag Kate Seufert: Visualisierung im Rahmen des mentalen Trainings

    10:50 – 11:15 Uhr
    Kaffeepause & Netzwerken

    11:15 – 12:15 Uhr
    Workshops: 
    • Antonia Schubert: Teamkommunikation als Schlüssel zum Erfolg
    • Alexandra Albert: Neurozentriertes Mentaltraining im Sport
    • Björn Korfmacher: (Schau)spielerisch zu mehr Selbstvertrauen
    • Dr. Christian Reinhardt: Erfolg zur Gewohnheit werden lassen

    Dr. Christian Reinhardt, Die Sportpsychologen
    Dr. Christian Reinhardt, Die Sportpsychologen

    12:15 – 13:15 Uhr
    Mittagspause & Netzwerken

    13:15 – 13:55 Uhr
    Interview Valentin Baus & Thomas Schmidberger (Goldmedaille Paralympics Tischtennis, 2021): Vorteile des negativen Denkens

    14:00 – 15:00 Uhr
    Workshops:
    • Antonia Schubert: Teamkommunikation als Schlüssel zum Erfolg
    • Alexandra Albert: Neurozentriertes Mentaltraining im Sport
    • Björn Korfmacher: (Schau)spielerisch zu mehr Selbstvertrauen
    • Dr. Christian Reinhardt: Erfolg zur Gewohnheit werden lassen

    Björn Korfmacher, Die Sportpsychologen

    15:15 – 15:20 Uhr
    Mittagspause & Netzwerken

    15:20 – 15:50 Uhr
    Zusammenführung der Workshops im Plenum & Diskussion mit allen Referierenden

    16:00 Uhr
    Verabschiedung mit einem Tischtennis-Schaukampf mit Omar Assar (Nr. 22 der Welt, angefragt)

    Ort: 
    IST-Hochschule, Erkrather Str. 220, 40233 Düsseldorf

    Kostenbeitrag:
    Kostenbeitrag inkl. Verpflegung:
    € 99,00 für Mitglieder des Verbandes/BDP/Studierende
    € 119,00
    Die Teilnehmeranzahl ist begrenzt.

    Anmeldung:
    Wir freuen uns auf Ihre Anmeldung bis zum 20. September 2024 an:

    Verband der praktischen Sportpsychologie e. V.
    Lindenstr. 212 · 40235 Düsseldorf
    Organisation: Jürgen Walter
    Mobil: 0157 – 353 931 32
    E-Mail: kontakt@verband-sportpsychologie.de

    Mehr zum Thema:

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    Robin Conen: Ich biete Sportpsychologie und klinische Psychologie aus einer Hand

    Das Thema mentale Gesundheit bekommt im Sport immer mehr Aufmerksamkeit. Da Athleten und Athletinnen nicht selten mit ihren Anliegen im Graubereich zwischen sportpsychologischer Arbeit und klinischer Psychologie bewegen, ist das Angebot von Robin Conen ein besonderes. Unser neuer Profilinhaber aus Trier kommt aus dem Lager unserer ExpertInnen von Die Sportpsychologen, die sowohl mit sportlichem Fokus als auch mit klinischer Expertise arbeiten können.

    Robin, du bietest sportpsychologische Dienstleistungen an, verfügst aber auch über Hintergrund in der klinischen Psychologie. Warum kann diese Kombination wertvoll sein?

    Als Sportpsychologe mit klinischem Hintergrund bzw. Psychologischer Psychotherapeut i.A. bringe ich eine zentrale Kombination von Fähigkeiten mit, die besonders wertvoll für die Betreuung von Sportlern ist, insbesondere durch die Integration von klinischer Psychologie und Sportpsychologie. Das Thema Gesundheit gewinnt zunehmend an Bedeutung im Spitzensport, wie der kürzlich im März veranstaltete Thementag „Essstörungen im Leistungssport“ der Deutschen Sporthochschule Köln und „Mental Gestärkt – Psychische Gesundheit im Leistungssport“ zeigt.

    Durch meine Qualifikation als Sportpsychologe und Psychologischer Psychotherapeut i.A. (Schwerpunkt: Systemische Psychotherapie) kann ich Sportler auch in Bezug auf ihre allgemeine psychische Gesundheit unterstützen. Dies ermöglicht eine ganzheitliche Betreuung, die alle Aspekte des Wohlbefindens berücksichtigt. Eine sportpsychologische Betreuung kann im Krankheitsfall (z.B. Essstörungen, Depressionen) durch weiterführende therapeutische Maßnahmen ergänzt werden und nach Therapieende auf sportpsychologischer Ebene fortgesetzt werden, z.B. durch Förderung von Motivation und Routinen, Stress- und Belastungsmanagement sowie Unterstützung bei der Karriere nach dem Sport.

    Die Kombination aus Sportpsychologie und klinischer Psychologie ist wertvoll, da sie folgende Schnittstellen abdeckt:

    (1) Sportpsychotherapie: Mit meinem klinischen Hintergrund kann ich psychische Gesundheitsprobleme wie Depressionen, Angststörungen oder Essstörungen bei Sportlern frühzeitig erkennen und behandeln. Diese Probleme beeinträchtigen oft die sportliche Leistung. Zudem können Konflikte auf sozialer Ebene, wie Streitigkeiten mit Trainern oder Mobbing im Team, stressend wirken und psychische Erkrankungen auslösen. Diese können durch Teamentwicklung adressiert werden.

    (2) Gesundheitsorientierte Sportpsychologie: Mein Angebot umfasst die Förderung körperlicher Aktivität zur Überwindung des „inneren Schweinehunds“ und die Motivationsförderung. Dazu gehört auch die Schmerzbehandlung, z.B. bei chronischen Rückenschmerzen, und die Behandlung von Kinesophobie (Angst vor Bewegung). Ich integriere Bewegungselemente in meine psychotherapeutische Tätigkeit, z.B. indem Therapiestunden mit Depressionspatienten im Gehen stattfinden.

    Welchen Zugang hast du selbst zum Sport? Was begeistert dich am Sport?

    „Gesundheit ist nicht alles – aber ohne Gesundheit ist alles nichts“ (Schopenhauer). Ich glaube, dass dieses Zitat meine Sicht auf den Sport perfekt wiedergibt. Körper und Geist sind miteinander verbunden und beeinflussen sich gegenseitig, so wie es das bio-psycho-soziale Modell der Psychologie beschreibt. Bei Krankheiten, wie Sportverletzungen, dem Ignorieren von Warnsignalen des Körpers, um trotzdem Leistung zu bringen, oder bei Depressionen ist diese Verbindung gestört. Der Sport und die Sportpsychologie konzentrieren sich jedoch speziell auf diese beiden Komponenten und stellen den Körper in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Jede sportliche Betätigung, sei es in der Freizeit, im Wettkampf oder in der Therapie, stärkt das Körpergefühl. Somit kombiniert die Sportpsychologie für die zwei zentralen Elemente psychische und körperliche-sportliche Bewegung.

    Als leidenschaftlicher Ausdauersportler, wie z.B. Laufen und Radfahren, ist sie zudem ein fester Bestandteil meiner täglichen Routine, um fit und gesund zu bleiben, und ich nutze sie als eine Form der Entspannung für meine klinische und wissenschaftliche Arbeit.

    Robin Conen, Die Sportpsychologen
    Robin Conen, Die Sportpsychologen

    zur Profilseite von Robin Conen: https://www.die-sportpsychologen.de/robin-conen/

    Einer deiner Schwerpunkte sind spezielle Angebote zur LGBTQIA+ sensiblen Sportpsychologie. Was umfasst das alles?

    Tom Daley, Ralf Schumacher, Thomas Hitzlsperger oder Robbie Rogers sind Spitzensportler, die sich als homosexuell geoutet haben – jedoch eben nur wenige. LGBTIQIA+-Themen und Spitzensport gelten noch immer als „Entwicklungsfeld“. Besonders in Sportarten wie Rennsport, Fußball und Boxen, die mit konservativen Männerbildern assoziiert werden, stellt dies eine Herausforderung dar. Generell sind Sportarten, die mit spezifischen Geschlechterrollen verbunden sind, problematischer.

    Diese Themen sind oft mit persönlichen Ängsten verbunden, wie Katastrophisierung und Angst vor dem Karriereende, sowie hohem medialen Aufsehen. Daher ist ein wissenschaftlich-sportpsychologisches Angebot auf verschiedenen Ebenen notwendig. Individuell ist das Coming-out ein Prozess der Identitätsbildung, der psychologisch begleitet werden kann. Privat kann durch das Coming-out innerhalb der Familie oder der Mannschaft Unterstützung geleistet werden, ohne Leistungseinbußen befürchten zu müssen. Auf struktureller Ebene kann durch die Implementierung in die Trainerausbildung und die zusätzliche Aufklärung in den Vereinen ein „sicherer Ort“ geschaffen werden, bevor es zu Medieneffekten kommt. Die Unterstützung vor dem Coming-out ist auch für die psychische Gesundheit wichtig, wobei ich auf das Minority Stress Model verweisen will.

    Sportpsychologie kann den Coming-Out-Prozess unterstützen, vorausgesetzt, der Sportler ist bereit dazu (Mein Motto: Alles kann – nichts muss). Als sportpsychologischer Therapeut mit einem Schwerpunkt auf LGBTQIA+-sensible Sportpsychologie biete ich verschiedene Ansätze, um ein unterstützendes Umfeld für LGBTQIA+-Sportler zu schaffen.

    Individuelle Beratung und Therapie

    Identitäts- und Akzeptanzarbeit: Unterstützung bei der Erkundung und Akzeptanz der eigenen sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität. Bewältigungsstrategien: Entwicklung von Strategien zur Bewältigung von Diskriminierung, Mobbing und Stressoren. Mentale Gesundheit: Behandlung von psychischen Gesundheitsproblemen wie Depressionen, Angstzuständen, die bei LGBTQIA+-Sportlern häufiger auftreten aufgrund können aus Angst vor Diskriminierung und dem geheimen Leben eines Doppellebens können.

    Team- und Gruppenarbeit

    Sensibilisierung und Aufklärung: Workshops und Schulungen für Teams und Trainer, um das Bewusstsein für LGBTQIA+-Themen zu erhöhen und Vorurteile abzubauen. Teambuilding: Förderung eines inklusiven Teamgeistes und der Akzeptanz durch gezielte Teambuilding-Maßnahmen.

    Diese Angebote zielen darauf ab, LGBTQIA+-Sportlern ein sicheres, unterstützendes und förderndes Umfeld zu bieten, in dem sie ihre sportlichen und persönlichen Ziele erreichen können.

    Als Sportpsychologe und psychologischer Therapeut i.A. mit einem Schwerpunkt auf LGBTQIA+-sensible Sportpsychologie umfassen meine Angebote eine Vielzahl von Aspekten, die darauf abzielen, ein unterstützendes und integratives Umfeld für LGBTQIA+-Sportler zu schaffen. Hier sind einige der wesentlichen Bestandteile dieser Arbeit:

    (1) Beratung und Unterstützung: Individuelle (sport)psychologische Beratung und Unterstützung beiindividuellen Herausforderungen von LGBTQIA+-Sportler*innen im Sportumfeld, (2) Sensibilisierung und Aufklärung: Durchführung von Workshops und Schulungen für Trainer*innen, Teams und Sportorganisationen, um das Bewusstsein für LGBTQIA+-Themen zu schärfen und Diskriminierung vorzubeugen, (3) Konfliktlösung und Mediation: Unterstützung bei der Lösung von Konflikten im Sportumfeld, die auf Vorurteile oder Diskriminierung zurückzuführen sind, und Förderung eines respektvollen und sicheren Miteinanders, (4) Forschung und Weiterentwicklung: Teilnahme an und Förderung von (sportpsychologische und gesundheitspsychologischen) Forschungsprojekten, um die Sportpsychologie im Bereich LGBTIQ+ sensiblen Sport in diesem Bereich weiterzuentwickeln, (5) Psychologische Begleitung bei Coming-Out-Prozessen: Psychologische Unterstützung und Beratung von Sportler*innen, die sich im Sportumfeld outen möchten, um diesen Prozess so sicher und unterstützend wie möglich zu gestalten und im individuellen Einzelsetting vorab thematisieren möchten, (6) Beratung von Sportverbänden und -organisationen: Unterstützung von Sportverbänden bei der Entwicklung und Implementierung von Richtlinien und Best Practices zur Förderung von LGBTQIA+-Inklusion im Sport.

    Diese umfassenden Angebote zielen darauf ab, LGBTQIA+-Sportlern ein sicheres, unterstützendes und förderndes Umfeld zu bieten, in dem sie ihre sportlichen und persönlichen Ziele erreichen können.

    Mehr zum Thema:

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