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Danijela Bradfisch: Aktives Nachfragen als Superkraft

Während meiner Tätigkeit als Trainerin und Coachine gerate auch ich immer wieder in Konflikte mit Klienten, Kollegen und/oder mir selbst. Wiederholtes Nachfragen stellte mich früher immer wieder vor „die harte Probe”, meinen Emotionen Einhalt zu gebieten, da es für mich unangenehm war, klar Stellung für mich selbst zu beziehen. Aber warum war das so? Wieso fällt es vielen von uns schwer, aktiv nachzufragen?

Zum Thema: Kommunikation im Coachingprozess

Für mich habe ich drei folgende Gründe ausgemacht, weshalb ein Konflikt/ negatives Bild vom aktiven Nachfragen entsteht:

  • eigene Interpretation 
  • Zeichen von Schwäche
  • Angst vor Ablehnung

# Oft werden Nachfragen als Zeichen von Unsicherheit oder Unwissenheit interpretiert, was dazu führen kann, dass Menschen sich unwohl fühlen, wenn sie um Klärung bitten.

# Zudem gibt es in vielen Kulturen eine Tendenz, Selbstständigkeit und Unabhängigkeit zu betonen, was dazu führen kann, dass Nachfragen als Schwäche angesehen werden.

# Ein weiterer Faktor ist die Angst vor Ablehnung oder negativer Reaktion des Gesprächspartners. Manche Menschen befürchten, dass ihre Fragen als unangemessen oder störend empfunden werden könnten. 

Fragen fragen

In unserer heutigen Gesellschaft spielt die Zeit- und Effizienzdiskussion eine enorm große Rolle. Es wird oft erwartet, dass wir Informationen schnell verarbeiten, ohne nachzufragen, was aber die Zwischenmenschlichkeit teilweise auf der Strecke lässt.

Während den Gesprächen mit meinen Klienten oder bei Workshops stelle ich immer wieder Nachfragen, denn in der Zwischenzeit bin ich älter und reifer geworden 😉 und weiß auch, dass sich auch positive Effekte bei einem selbst und dem Befragten einstellen.

Welche positiven Effekte sich einstellen, wenn man in Gesprächen nachfragt?

Interesse und Wertschätzung für die Meinung des Gesprächspartners, was die Beziehung stärken kann. Es fördert auch ein tieferes Verständnis der besprochenen Themen, da man klärende Informationen erhält und Missverständnisse vermeiden kann. Zudem kann es dazu beitragen, dass sich der Gesprächspartner gehört und respektiert fühlt, was das Vertrauen und die Offenheit in zukünftigen Gesprächen erhöht. 

Ohne Frustration wirst du nie entdecken, dass du vielleicht dazu imstande bist, etwas selbst zu tun. Wir wachsen durch Konflikte.“ Bruce Lee (1940-1973)

Insgesamt kann das Nachfragen nach Gesprächen zu einer besseren Kommunikation und einem stärkeren Zusammenhalt führen.

Nachfragen erlauben

Welche Maßnahmen müsste man also ergreifen, um das Nachfragen positiver zu etablieren? Folgende Maßnahmen setze ich in meiner Coaching-Praxis bereits um. Und was machst Du?


1. Aufklärung und Sensibilisierung:

Aktiv gestaltete Workshops und Informationsbroschüren, um meine Arbeitsweise und mich als Person authentisch und mutig darzustellen. Somit kann ich allen, die mit mir arbeiten, zu verstehen geben, dass Nachfragen ein Zeichen von Interesse und Engagement sind.


2. Vorbildfunktion: 

Ich als Mutter, Coachine und Mensch möchte ein Vorbild sein und meinen Teil in der Kommunikationskultur beitragen. Mein Ziel ist es, wenn ich das mache, andere dabei zu unterstützen, sich dabei ebenso wohler und sicherer zu fühlen. 


3.  offenen Umfeld schaffen und trainieren:

Herstellen einer Umgebung, in der Fragen sehr willkommen sind und regelmäßiges Feedback umgesetzt werden, z.B. eine Einstiegsübung wäre das „aktive Zuhören“ und dann tauschen. Jeder bekommt fünf Minuten Zeit, um sich „alles von der Seele zu quasseln, dann ist der andere dran“. Dazwischen Fragen stellen oder positiv bestätigen ist leider nicht gestattet. ☺


4. Positive Verstärkung:

Wann wurde eine Frage wegen der Frage schon einmal gelobt? Um die Kommunikationskultur nachhaltiger zu gestalten und Unsicherheit vorzubeugen, sollte dies anerkannt und positiv verstärkt werden. Lob für das Stellen von Fragen kann gerade auch bei Kindern und Jugendlichen (Sportart unabhängig) dazu beitragen, dass andere ermutigt werden, es ebenfalls zu tun.

Durch das Integrieren dieser Maßnahmen in den (Trainings-) Alltag kann das Nachfragen als wertvolles Kommunikationswerkzeug gefördert werden, was letztendlich zu einem offenen und kooperativen Trainingsumfeld führen kann.

Mehr zum Thema:

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Kyle Varley und Iwo Walter: Metakognitionen – oder wie du deinen Autopiloten bremst

Metakognition ist im Leistungssport eine entscheidende Fähigkeit. Sie ermöglicht es Athlet:innen, mentale Prozesse zu reflektieren, bewusst zu steuern und so die Grundlage für Höchstleistungen zu schaffen (Flavell, 1979). Gerade in einem Umfeld, das von Druck, hohen Erwartungen und ständiger Leistungsüberprüfung geprägt ist, kann die gezielte Nutzung metakognitiver Strategien über Erfolg und Misserfolg entscheiden (Martinent & Ferrand, 2015).

Zum Thema: Metakognition – das Denken über das Denken

Viele Athlet:innen kennen den sogenannten „Autopiloten-Modus“ – einen Zustand, in dem Handlungen automatisiert und scheinbar mühelos ablaufen. Dieser Zustand basiert auf jahrelangem Training und der Verankerung von Bewegungsabläufen im prozeduralen Gedächtnis (Schmidt & Lee, 2019). Häufig wird auch vom sogenannten «Flow-Zustand» gesprochen (Csikszentmihalyi, 1990). Die Turnerin Simone Biles nutzt Routinen, die sie so häufig trainiert hat, dass sie unter hohem Druck „im Autopiloten“ funktionieren (Foster et al., 2019).

Dieser Zustand kann insbesondere in Routine-Situationen von großem Nutzen sein, da er es ermöglicht, mentale Ressourcen für andere Aufgaben freizuhalten (Kahneman, 2011). Doch die Automatisierung hat auch Schattenseiten: Ein dauerhaftes Leben im Autopiloten birgt die Gefahr, wichtige physische und psychische Warnsignale wie Überlastung, mentale Erschöpfung oder stagnierende Leistung zu übersehen (Foster et al., 2019). Es erfordert sportpsychologische Interventionen, um die Balance zwischen automatisiertem Handeln und bewusster Steuerung zu fördern. 

Iwo Walter ist Co-Autor des Beitrags

Metakognitive Kontrolle: Der Schlüssel zu mehr Bewusstsein

Bewusstsein bedeutet in diesem Kontext, die eigenen Emotionen, Gedanken und Verhaltensweisen wahrzunehmen und zu reflektieren, ohne automatisch auf sie zu reagieren (Gardner & Moore, 2007). Athlet:innen, die metakognitive Fähigkeiten trainieren, lernen sich bewusst aus dem Autopiloten zu lösen, um ihre mentalen Prozesse aktiv zu steuern.

Diese Fähigkeit hilft, destruktive Denkmuster wie negative Selbstgespräche zu erkennen (Beck, 1976). Der Marathonläufer Eliud Kipchoge berichtete regelmäßig, wie er negative Selbstgespräche während eines Rennens stoppt und durch positive Affirmationen ersetzt (Hutchinson, 2019). Dies zeigt, dass durch die bewusste Kontrolle der Gedanken die mentale Energie für etwas Positives benutzt werden kann und so die Leistungsfähigkeit gesteigert wird.

Praktische Ansätze in der Sportpsychologie

Die Sportpsychologie bietet eine Vielzahl von Interventionen, die auf die Förderung von Metakognition und Bewusstsein abzielen. Einige der effektivsten Ansätze sind:

  1. Achtsamkeitstraining
    Achtsamkeitsübungen helfen Athlet:innen, im Moment zu sein und emotionale Reaktionen besser zu regulieren. Dadurch wird die Fähigkeit verbessert, auch unter Druck bewusste Entscheidungen zu treffen (Gardner & Moore, 2007). Tennis-Profi Novak Djokovic betont regelmäßig die Bedeutung von Meditation und Atemübungen für seine mentale Stärke (Djokovic, 2013). Ebenso entwickelten die Golden State Warriors unter Coach Steve Kerr ein Achtsamkeitskonzept, das geführte Meditationen und Atemübungen umfasst (Sevinc et al., 2021).
  1. Tagebuch bzw. Protokollieren und Selbstreflektion
    Das regelmäßige Protokollieren von persönlichen Gedanken und Gefühlen hilft, wiederkehrende Muster zu erkennen und gezielte Strategien zu entwickeln (Pennebaker, 1997). Serena Williams dokumentierte ihre Gefühlslage vor großen Tennis-Matches, um mentale Hindernisse zu reflektieren und Lösungen zu finden (Williams, 2020).
  1. Visualisierungen
    Visualisierungstechniken erlauben es Athlet:innen, mögliche Herausforderungen mental durchzuspielen und sich auf bestimmte Situationen vorzubereiten (Morris et al., 2005). Michael Phelps visualisierte beispielsweise, wie er mit einer undichten Schwimmbrille umgehen könnte. Dies half ihm bei den Olympischen Spielen 2008, wo er mehrere Rekorde aufstellte und acht Goldmedaillen gewann – eine Leistung, die bis heute einmalig ist (Coyle, 2009).

Fazit: Die Balance zwischen dem «Autopiloten» und Bewusstsein

Die Balance zwischen dem Autopiloten und unserem Bewusstsein ist die Fähigkeit, die Mitte zwischen automatisierten Prozessen und bewussten Entscheidungen zu finden und für sich nutzen zu können (Csikszentmihalyi, 1990; Evans, 2008). Der Autopilot bietet Effizienz und Verlässlichkeit, während Metakognition und aktives Bewusstsein Anpassungsfähigkeit und Flexibilität ermöglichen (Flavell, 1979; Schmidt & Lee, 2019). Das gezielte Training dieser mentalen Fähigkeiten, führt nicht nur zu verbesserten sportlichen Leistungen, sondern stärkt auch langfristig und nachhaltig die mentale Gesundheit sowie Resilienz (Gardner & Moore, 2007; Pennebaker, 1997).

Die Methoden der Sportpsychologie bieten Möglichkeiten, «den Autopiloten» bewusst zu steuern – und das Beste aus beiden Welten zu vereinen (Fitts & Posner, 1967).

Praxis-Tipp für den Sportler-Alltag: 

Nimm dir nach jedem Training oder Wettkampf ein paar Minuten Zeit, um deine mentalen Prozesse zu reflektieren. Was lief automatisiert ab, und wann war bewusste Steuerung nötig? Halte diese Beobachtungen fest, um gezielt daran arbeiten zu können.

Mehr zum Thema:

Literaturverzeichnis

  • Beck, A. T. (1976). Cognitive therapy and the emotional disorders. International Universities Press.
  • Csikszentmihalyi, M. (1990). Flow: The psychology of optimal experience. Harper & Row.
  • Coyle, D. (2009). The talent code: Greatness isn’t born. It’s grown. Bantam Books.
  • Djokovic, N. (2013). Serve to win: The 14-day gluten-free plan for physical and mental excellence. Zinc Ink.
  • Evans, J. S. B. T. (2008). Dual-processing accounts of reasoning, judgment, and social cognition. Annual Review of Psychology, 59, 255–278.
  • Fitts, P. M., & Posner, M. I. (1967). Human performance. Brooks/Cole.
  • Flavell, J. H. (1979). Metacognition and cognitive monitoring: A new area of cognitive-developmental inquiry. American Psychologist, 34(10), 906–911.
  • Foster, R. J., Weigand, D. A., & Baines, D. (2019). Flow and performance in sports: The role of automation. Journal of Sport Behavior, 42(1), 38–54.
  • Gardner, F., & Moore, Z. (2007). The psychology of enhancing human performance: The mindful athlete. Springer Publishing.
  • Hutchinson, A. (2019). Endure: Mind, body, and the curiously elastic limits of human performance. HarperCollins.
  • Kahneman, D. (2011). Thinking, fast and slow. Farrar, Straus and Giroux.
  • Martinent, G., & Ferrand, C. (2015). A comprehensive metacognitive approach in sport: Its impact on performance. International Journal of Sport Psychology, 46(2), 123–142.
  • Morris, T., Spittle, M., & Watt, A. P. (2005). Imagery in sport. Human Kinetics.
  • Pennebaker, J. W. (1997). Writing about emotional experiences as a therapeutic process. Psychological Science, 8(3), 162–166.
  • Schmidt, R. A., & Lee, T. D. (2019). Motor learning and performance: From principles to application (6th ed.). Human Kinetics.
  • Sevinc, G., Gurung, J., & Sahin, N. H. (2021). Mindfulness in sports: A systematic review. Mindfulness, 12(1), 1–20.
  • Williams, S. (2020). Serena Williams: My life in tennis. Penguin Random House.

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    Redaktionsleiter:

    Mathias Liebing ist Gründer und Redaktionsleiter der Plattform Die Sportpsychologen. Als freier Journalist mit dem Themenschwerpunkt Sportpsychologie arbeitet er für die ARD, DAZN, ZDF, SRF, MDR, Deutsche Welle und diversen Print- und Online-Medien. Sein Magister-Studium der Sportwissenschaften, der Medien- und Kommunikationswissenschaften und der Zeitgeschichte absolvierte er an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

    Mathias Liebing
    mobil: +49 170 9615287
    mail: m.liebing@die-sportpsychologen.de

    Fachredakteur:

    Prof. Dr. Oliver Stoll (* 5. Februar 1963) studierte an der Justus-Liebig-Universität Gießen Sportwissenschaft, Psychologie und Pädagogik sowie am College of Charlestin (S.C., USA). Er promovierte 1993 zum Dr. phil. im Fach Sportwissenschaft an der Universität Gießen und wechselte 1995 an die Universität Leipzig. Hier absolvierte er eine wissenschaftliche Assistentenzeit und habilitierte hier im Jahr 2000. Im Jahr 2002 folgte er einen Ruf auf eine Professur für Sportwissenschaft mit dem Schwerpunkt Sportpsychologie und Sportpädagogik an die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

    Prof. Dr. Oliver Stoll
    phone: +49 345 5524440
    mail: oliver.stoll@sport.uni-halle.de

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    Einschlaftipps für NachwuchssportlerInnen

    Viele Kinder sind schon an Abenden vor wichtigen Wettkämpfen, Auftritten und Spielen sehr aufgeregt und kommen schlecht in den Schlaf. Welche Tipps haben unsere Profilinhaber für Kinder und nicht zuletzt deren Eltern oder auch TrainerInnen:

    Markus Gretz, Die Sportpsychologen
    Markus Gretz, Die Sportpsychologen

    Tipp von: Markus Gretz (zum Profil)

    Einschlafprobleme kennt sicher jeder und wahrscheinlich hat auch jede Sportlerin schon mal Probleme mit dem Schlaf vor einem Wettkampf gehabt. Wichtig ist es dann vor allem, das Nicht-Schlafen-Können nicht zu dramatisieren. Sich selbst zu sagen: “Es wäre auch kein Weltuntergang, wenn ich die ganze Nacht nicht schlafen sollte.” Das bringt manchmal schon die nötige Gelassenheit zurück und man schläft bald ein. 

    Wenn noch viele Gedanken im Kopf sind, kann es hilfreich sein, nochmal aufzustehen und diese Gedanken und Ideen aufzuschreiben. Auch wenn es Sorgen vor dem Wettkampf sind, lohnt es sich, Stift und Papier zu nehmen und sich alle Sorgen von der Seele zu schreiben. Lösungen kann man dann ja am nächsten Tag im Wettkampf finden. Wenn man sich dann wieder hinlegt, helfen Atemübungen oder Entspannungstechniken wie Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung ganz gut, um zur Ruhe zu kommen. Auch Podcasts oder Hörspiele helfen vielen beim Einschlafen, um sich abzulenken. Da muss jede Sportlerin und jeder Sportler die eigenen Vorlieben für sich kennenlernen. Ich empfehle jedoch allen, die Entspannungsübungen nicht erst bei Einschlafproblemen zu nutzen, sondern auch an Abenden zu üben, an denen man ganz entspannt einschlafen könnte.

    Janosch Daul, Die Sportpsychologen
    Janosch Daul, Die Sportpsychologen

    Tipp von: Janosch Daul (zum Profil)

    Sowohl die Ursachen für Einschlafschwierigkeiten als auch die Entwicklung entsprechender Lösungsansätze sind individuell zu betrachten. Zunächst macht es für jeden Sportler Sinn, auf seine Schlafhygiene zu achten und adäquate Rahmenbedingungen für eine gute Schlafqualität zu schaffen. Wenn dennoch weiterhin Schlafschwierigkeiten gegeben sind, muss individuell geschaut werden, was es braucht, um wieder besser einschlafen zu können. Markus hat dahingehend schon viele mögliche Lösungsansätze aufgezeigt.

    Ergänzend möchte ich eine achtsamkeitsbasierte Routine aufzeigen, die aus vier Schritten besteht und sich in der Praxis als hilfreich erwiesen hat. Sie hilft, parasympathische Anteile zu aktivieren, also den Teil unseres Nervensystems, das uns in einen ruhigen, entspannten Zustand versetzt: 

    1. Aktive Wahrnehmung der Themen, die den Sportler beschäftigen – Die Themen können sich in der Regel dann wieder “zur Ruhe legen”, wenn sie aktiv wahrgenommen wurden. 
    2. Sich in Dankbarkeit üben – Dinge, Personen, Erlebnisse benennen, für die man Dankbarkeit empfindet. 
    3. Mentale Zuwendung anderer Menschen – Liebgemeinte Wünsche an andere Menschen zu adressieren, hilft, die eigene Bubble zu verlassen und den Parasympathikus zu aktivieren.
    4. Im Körper ruhen – Hier kann man sich z.B. auf den Atem fokussieren, der eine unaufgeregte Qualität des Seins hat. Bei auftretenden Gedanken gilt es, immer wieder achtsam zu Körperempfindungen zurückzukehren.
    Yvonne Dathe, Die Sportpsychologen
    Yvonne Dathe, Die Sportpsychologen

    Tipp von: Yvonne Dathe (zum Profil)

    Ich kann mich dem bereits erwähnten nur anschließen. Wichtig sind etablierte und entspannende Abendroutinen, die das Kind auf das Schlafen vorbereiten. Dazu können Aktivitäten wie Lesen, sanfte Musik oder Geschichten hören oder auch eine Entspannungsübung (z.B. Meditation, Achtsamkeit, Autogenes Training). Zur Abendroutine gehört auch ein regelmäßiger Schlafrhythmus, sprich nach Möglichkeit immer zur selben Zeit ins Bett gehen und aufstehen.

    Die Schlafumgebung sollte ebenfalls optimiert werden: abgedunkeltes, ruhiges und kühles Schlafzimmer und eine “Wohlfühlumgebung”, die sicher bei jedem Kind etwas anders aussieht.

    Vor dem Zubettgehen sollte die Bildschirmzeit reduziert werden. Blaues Licht kann den natürlichen Melatoninspiegel und somit den Schlafrhythmus stören. 

    Eine positive Visualisierungsübung, bei der nochmals der erfolgreiche Ablauf des Wettbewerbstages bzw. des Auftrittes gedanklich durchgespielt wird, kann helfen mit guten Gedanken einzuschlafen. 

    Falls sorgenvolle Gedanken oder sogar Ängste vorhanden sein sollten, sollte der Raum, um darüber zu sprechen, gegeben werden. Die Erwartungshaltung, dass es vor allem um Spaß und persönliche Verbesserung geht, sollte nochmals betont werden. 

    Johanna Constantini, Die Sportpsychologen
    Johanna Constantini, Die Sportpsychologen

    Tipp von: Johanna Constantini (zum Profil)

    Vor allem das Durchforsten von Social Media Kanälen findet häufig abends statt. Hier gilt es, gemeinsame Regeln festzulegen, um für eine analoge Schlafroutine wie sie die KollegInnen bereits beschrieben haben, sorgen zu können. Wichtig ist es, diese Regeln in Zusammenarbeit aufzustellen. Dabei ist es empfehlenswert, dass Eltern sich mit den Nutzungsgewohnheiten ihrer Kinder beschäftigen, Interesse an den Social Media Kanälen und ihren Inhalten zeigen. Über Interesse und Zusammenarbeit gelingt es leichter, Regeln zu implementieren, als über die reinen Verbote und Restriktionen von Bildschirmzeit. Fakt ist, dass sich der zirkadiane Rhythmus von Kindern und Jugendlichen durch die Nutzung von Social Media durchschnittlich um zwei Stunden verschiebt. Das bedeutet, dass Kinder und Jugendliche durchschnittlich zwei Stunden später schlafen gehen, als es für ihren Organismus notwendig wäre.

    Social Media Inhalte spielen damit eine große Ursache, wenn es um Schlafschwierigkeiten von NachwuchssportlerInnen geht. Im Einzelfall lohnt es sich also, hier gezielt zu arbeiten.

    Danijela Bradfisch, Die Sportpsychologen
    Danijela Bradfisch, Die Sportpsychologen

    Tipp von: Danijela Bradfisch (zum Profil)

    Meine Kollegen haben schon recht viel dazu geschrieben, dennoch möchte ich noch eine Ideen am Ende hinzufügen, die Visualisierung und die positive Entwicklung zu verfolgen  🙂 

    1. Regelmäßiger Schlafrhythmus: Jeden Tag zur gleichen Zeit ins Bett zu gehen und aufzustehen, auch am Wochenende. Das hilft, den natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus zu stabilisieren.

    2. Entspannungsrituale: Führe vor dem Schlafengehen entspannende Aktivitäten ein, Meditation oder sanfte Dehnübungen. Das kann helfen, den Körper und Geist auf den Schlaf vorzubereiten.

    3. Schlafumgebung optimieren: Sorge für eine ruhige, dunkle und kühle Schlafumgebung. Verdunkelungsvorhänge und eine angenehme Matratze können den Schlafkomfort erhöhen.

    4. Bildschirmzeit reduzieren und stattdessen lieber doch ein Buch lesen.

    5. Leichte Snacks: Wenn du hungrig bist, greife zu einem leichten Snack, der reich an Kohlenhydraten und Proteinen ist, wie Joghurt oder eine Banane. 

    6. Getränkewahl beachten: Reduziere den Konsum von koffeinhaltigen Getränken und zuckerhaltigen Snacks, besonders am Nachmittag und Abend.

    7. Aktiv bleiben: Regelmäßige körperliche Aktivität kann helfen, besser zu schlafen. Achte jedoch darauf, intensive Trainingseinheiten nicht zu kurz vor dem Schlafengehen zu planen.

    8. Atemübungen: Praktiziere Atemtechniken oder Meditation, um den Geist zu beruhigen und Stress abzubauen, was dem 2. Punkt ähnlich ist.

    Mach Dir ggf. einen Wochenplan, wann Du wann aufstehen und ins Bett gehen möchtest.

    Schreibe in Dir sichtbar auf ein Blatt und hänge es an die Wand/ Tür und hake es ab, wenn Du aufstehst bzw. wenn Du ins Bett gehst (eine frühe Zielzeit hilft bei jüngeren Kindern, um die Routine einzuüben).

    Ich hoffe, die Tipps meiner Kollegen und mir helfen Dir dabei, besser einzuschlafen und erholsame Nächte zu genießen! Wenn du noch weitere Fragen hast, stehen Markus (zum Profil), Janosch (zum Profil), Yvonne (zum Profil), Johanna (zum Profil) und ich (zum Profil) sowie alle anderen im Netzwerk (zur Übersicht) gern zur Verfügung.

    Mehr zum Thema:

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    Norbert Lewinski: Sportpsychologie für Diskuswurf und Kugelstoß

    Wurfdisziplinen wie Diskuswurf und Kugelstoß stellen Athletinnen und Athleten vor besondere Herausforderungen, bei denen nicht nur körperliche, sondern auch mentale Faktoren eine zentrale Rolle spielen. Die Beherrschung der komplexen Technik und die kontinuierliche Leistungsverbesserung erfordern ein hohes Maß an Konzentration, Visualisierungsfähigkeit und psychischer Stabilität. In diesem Artikel widmen wir uns den mentalen Aspekten, die für die effektive Technikschulung in diesen Disziplinen entscheidend sind.

    Zum Thema: Mentale Aspekte der Technikschulung in den Wurfdisziplinen

    Eine der größten mentalen Herausforderungen beim Diskuswurf und Kugelstoß ist die Konzentration auf die komplexe Abfolge von Bewegungen. Der Wurf oder Stoß ist eine hochdynamische Aktion, die nur wenige Sekunden dauert, aber zahlreiche technische Details umfasst. Die Athletin oder der Athlet muss während der Ausführung des Bewegungsablaufs präsent sein, ohne sich von äußeren Faktoren wie dem Publikum oder innerem Leistungsdruck ablenken zu lassen.

    Aus meiner Erfahrung als Sportpsychologe beginnt das mentale Training mit Athletinnen und Athleten genau hier – bei der Schulung der Konzentration. Ich leite sie an, wie sie ihre Aufmerksamkeit bewusst steuern können, um den Fokus konsequent auf den Bewegungsablauf zu richten. Ein erster Schritt besteht oft darin, sich der eigenen Ablenkungen bewusst zu werden: Welche Gedanken treten auf, wenn der Druck steigt? Wie beeinflussen diese die Bewegungsausführung? Durch gezielte Reflexion und Gespräche helfen wir den Sportlerinnen und Sportlern, individuelle Strategien zu entwickeln, um solche Störfaktoren auszublenden. Mentale Trainingsmethoden wie Atemübungen oder die sogenannte Fokussierungsroutinen können helfen, die Konzentrationsfähigkeit zu stärken. Diese Methoden integriere ich in die Trainingspläne, um sicherzustellen, dass sie zu einem natürlichen Bestandteil der Vorbereitung werden. Eine klare innere Vorstellung dessen, was im jeweiligen Moment zu tun ist, reduziert das Risiko von technischen Fehlern erheblich. Athletinnen und Athleten lernen, eine „mentale Checkliste“ zu erstellen, die sie Schritt für Schritt durch die Bewegung führt – von der Startposition bis zum Abschluss.

    Visualisierung: Der perfekte Wurf vor Augen 

    Visualisierung ist ein zentrales Instrument im mentalen Training der Wurfdisziplinen. Hierbei stellt sich der Athlet den perfekten Bewegungsablauf in Gedanken vor – von der Ausgangsposition über den Rotations- oder Schwungprozess bis hin zum Abwurf oder Stoß. Studien zeigen, dass die Vorstellung von Bewegungen ähnliche neuronale Prozesse aktiviert wie die tatsächliche Bewegung.

    Diese Technik ist meine persönliche Lieblingsaufgabe im mentalen Training, da sie sowohl von den Athletinnen und Athleten als auch von mir als Sportpsychologe ein hohes Maß an Präzision und psychodynamischem Kontakt erfordert. Die erste Arbeit beginnt stets mit der Schaffung einer inneren Raumvorstellung, die den Prozess der Mentalisierung überhaupt erst möglich macht. Athletinnen und Athleten müssen lernen, eine stabile innere Plattform zu entwickeln, auf der sie ihre Bewegungsbilder projizieren können. Nach diesem Schritt geht es an die sogenannte „Fummelarbeit“ mit der Technik des „Chunking“. Dabei wird der Bewegungsablauf in kleine, isolierte Elemente zerlegt, die einzeln analysiert und mental durchgearbeitet werden. Anschließend erfolgt das Zusammensetzen dieser Elemente innerhalb der neu geschaffenen mentalen Plattform, wodurch eine ganzheitliche Vorstellung der Bewegung entsteht.

    Athletinnen und Athleten, die mit mir an dieser Technik arbeiten, sind in diesem Bereich besonders gut ausgestattet. Durch die Kombination aus detaillierter Visualisierung und intensiver Reflexion entwickeln sie nicht nur ein schärferes Verständnis ihrer Technik, sondern können auch im Wettkampf deutlich souveräner agieren.

    Emotionsregulation: Drucksituationen meistern

    Gerade in Wettkampfsituationen steigt der mentale Druck enorm. Negative Gedanken oder Ängste können die Technik und Leistung erheblich beeinträchtigen. Hier kommt die Emotionsregulation ins Spiel: Techniken wie die kognitive Umstrukturierung, bei der belastende Gedanken in positive oder neutrale Aussagen umgewandelt werden, können helfen, Selbstzweifel zu minimieren.

    Diese Arbeit beginnt oft mit einer detaillierten psychodynamischen Analyse. Es ist entscheidend, die individuellen inneren Konflikte, Erwartungen und potenziellen Blockaden des Athleten zu erkennen. Eine offene und vertrauensvolle Beziehung zwischen dem Athleten und mir ist dabei der Schlüssel. Diese Beziehung, die auf Respekt und gegenseitigem Vertrauen basiert, schafft eine sichere Basis, auf der der Athlet sein volles Potenzial entfalten kann.

    Der nächste Schritt besteht darin, gemeinsam mit dem Athleten Strategien zu entwickeln, die ihm helfen, in kritischen Momenten ruhig und konzentriert zu bleiben. Dabei nutzen wir gezielt Techniken wie Atemkontrolle, progressive Muskelentspannung und individuelle Selbstgespräche. Parallel dazu bauen wir durch die psychologische Beziehung eine stabile Grundlage, die dem Athleten das Gefühl gibt, in schwierigen Situationen nicht allein zu sein. Diese Sicherheit erlaubt es ihm, sich freier zu bewegen und zu handeln. Ein weiterer hilfreicher Ansatz ist die Entwicklung von Wettkampfroutinen. Durch das Einüben einer festen Abfolge vor jedem Wurf oder Stoß – etwa durch bestimmte Bewegungen, Atemtechniken oder Selbstgespräche – wird ein Gefühl der Kontrolle und Sicherheit erzeugt.

    Selbstbewusstsein: Die Grundlage für Fortschritte

    Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist ein entscheidender Faktor, um technisches Lernen effektiv zu gestalten. Wenn eine Athletin oder ein Athlet an der eigenen Leistung zweifelt, kann dies die Bewegungsqualität beeinträchtigen. Ein starkes Selbstbewusstsein fördert hingegen den Mut, neue technische Elemente auszuprobieren und Fehler als Chance für Wachstum zu sehen. Selbstbewusstsein entsteht jedoch nicht von selbst – es muss gezielt gefördert werden. Ein zentraler Bestandteil dieser Förderung ist die Reflexion vergangener Erfolge und die Wertschätzung kleiner Fortschritte im Trainingsprozess. Sowohl die Sportpsychologen als auch die Trainer können durch gezieltes, positives Feedback den Blick der Athletinnen und Athleten auf ihre Stärken lenken. Dies schafft eine Grundlage für das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

    Darüber hinaus ist es wichtig, eine Kultur des konstruktiven Umgangs mit Fehlern zu schaffen. Fehler sind ein unvermeidbarer Teil des Lernprozesses und bieten die Möglichkeit, Schwachstellen zu identifizieren und zu verbessern. Athletinnen und Athleten, die Fehler als wertvolle Lernerfahrungen begreifen, entwickeln ein robusteres Selbstbewusstsein und bleiben langfristig motiviert. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Entwicklung realistischer, aber dennoch herausfordernder Ziele. Gemeinsam mit dem Sportpsychologen kann der Athlet Etappenziele definieren, die schrittweise zu größeren Erfolgen führen. Diese Zielsetzung hilft nicht nur, den Fortschritt messbar zu machen, sondern steigert auch die intrinsische Motivation.

    Durch diesen ganzheitlichen Ansatz wird das Selbstbewusstsein zu einer stabilen Grundlage, die den Athletinnen und Athleten ermöglicht, mit Freude und Zuversicht an ihrer Technik zu arbeiten und sich kontinuierlich zu verbessern.

    Fazit

    Das Erlernen neuer Techniken oder die Korrektur bestehender Fehler erfordert Geduld und mentale Anpassungsfähigkeit. Athletinnen und Athleten müssen bereit sein, alte Gewohnheiten aufzugeben und sich auf neue Bewegungsmuster einzulassen. Hierbei hilft ein schrittweises Vorgehen: Der Fokus auf einzelne technische Elemente, die nach und nach zusammengeführt werden, reduziert Überforderung und Frustration.

    Mentale Strategien wie Zielvisualisierung oder positive Selbstgespräche unterstützen den Prozess. Sätze wie „Ich kann diese Technik lernen“ oder „Jeder Fortschritt bringt mich näher an mein Ziel“ stärken das Durchhaltevermögen.

    In den Wurfdisziplinen Diskuswurf und Kugelstoß spielen mentale Aspekte eine ebenso große Rolle wie physische und technische Faktoren. Konzentration, Visualisierung, Emotionsregulation und Selbstbewusstsein sind Schlüsselkomponenten für die Technikschulung und den Erfolg. Durch gezieltes mentales Training können Athletinnen und Athleten nicht nur ihre Leistung verbessern, sondern auch mehr Freude und Selbstvertrauen im Training und Wettkampf entwickeln. Die Trainer sollten auf diesem Feld sehr eng mit den Sportpsychologen zusammenarbeiten und diesen mentalen Aspekten besondere Aufmerksamkeit schenken, um ihre Schützlinge ganzheitlich zu unterstützen.

    Mehr zum Thema:

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    Dr. Hanspeter Gubelmann: Comeback im Spitzensport – Wenn sich der innere Zwang nicht mehr bremsen lässt

    Lindsey Vonn, Therese Johaug, Marcel Hirscher, Iouri Podladtchikov – vier Olympiassieger*Innen und Aushängeschilder ihrer Sportarten, die neben ausserordentlichen sportlichen Meriten aktuell vor allem eine Gemeinsamkeit in den Schlagzeilen der Sport-News teilen: Sie kehren praktisch zeitgleich zurück ins Scheinwerferlicht des Spitzensports. 10vor10, die News-Sendung des Schweizer Fernsehens, wollte von mir wissen, ob dies einem neuen Trend entspräche? – „Eher zufällig,“ meine Antwort. Viel Raum für eine psychologische Einordnung blieb nicht. Weshalb das Phänomen Comeback eine besondere Herausforderung für mich darstellt, möchte ich am Beispiel dieser Medienanfrage darlegen.

    Zum Thema: Von einer Medienanfrage zur mentalen Checkliste für Comebacker*Innen

    Auch das gehört zu meinem Arbeitsalltag als Sportpsychologe! Freitagmorgen um 09.45 Uhr bekomme ich vom Schweizer Fernsehen einen Anruf mit der Anfrage, ob ich mich für eine Expertenmeinung in der Sendung 10vor10 zur Verfügung stellen würde. Thema: die sportpsychologischen Hintergründe zahlreicher Comeback-Versuche sehr bekannter Sportgrössen, die aktuell die Sportszene entzücken. Es entwickelt sich ein kurzes Gespräch zu Erklärungsansätzen, die mir spontan einfallen. Dann bitte ich die Produzentin um eine halbstündige Pause, damit ich meinen Tag so organisieren kann, dass der Dreh möglich wird. 

    Wir verabreden uns auf einen Treff um 14.00 Uhr im Fernsehzentrum Leutschenbach. Ich nutze die Zeit (drei Stunden!), um mich auf den Take vorzubereiten. Ich ordne die „Fälle“: Zuvorderst, weil Aufhänger der Story: Iouri Podladtchikov (36), CH-Olympiasieger 2014, Marcel Hirscher, Austria-Ski-Überflieger der alles gewonnen hat (36), Lindsey Vonn, US-Ski-Ikone wie Hirscher (40), Therese Johaug, lebende Ski Nordisch-Legende (36), Lucas Pinheiro Brathen, Neo-Brasil-Stangenakrobat mit Starpotential (25). Eine höchst illustre Gruppe denke ich und überlege mir verschiedene Perspektiven, wie ich das Phänomen Comeback beschreiben kann, ohne den Athlet*Innen etwas „anzudichten“. Keine Ferndiagnose also, sondern der ernsthafte Versuch zu erklären und zu erläutern, was die Sportpsychologie an Erkenntnissen bereithält. Am Ende habe ich viel nachgelesen, zusammengefasst und einige Statements vorbereitet. Ich mache mich auf den Weg nach Zürich, gutes Material im Gepäck und ready für eine spannende Diskussion. Mir ist aber auch klar: Es werden maximal zwei Sätze sein, die am Ende in den Bericht einfliessen werden. 

    Comeback ist nicht gleich Comeback

    Und genauso geschieht es. Der Dreh ist kurz und animiert, ich sage viel und erkläre leichtfüssig, zuweilen fühle ich mich in einem schönen Redefluss. Zuhause angekommen beginne ich mit dem Vertexten meiner Gedanken. Die Beispiele passen sehr gut zum Themenschwerpunkt „Karriere im Leistungssport – und danach“ meiner Vorlesung Sportpsychologie an der ETH Zürich. Dazu will ich eben diesen Blog schreiben. Abends um 10vor10 wird der Beitrag (siehe Link unten) gesendet, bildgewaltig mit vielen Sportszenen der Protagonist*Innen und wenig Kommentar. So viel Arbeit für gerade mal 30 Sekunden TV-Zeit – grandioser Aufwand und sonst?

    Zunächst eine Anmerkung zur Frage nach einem Trend in der Comeback-Thematik. Mein „zufällig“, welches ich spontan der SRF-Journalistin entgegnete, bezieht sich auf den Umstand, dass es auch schon früher namhafte Comeback-Versuche gab. Zu den im deutschsprachigen Raum vielbeachteten zählten sicher jene von Michael Schumacher, Katharina Witt und Martina Hingis. Auch sie Weltstars in ihren Sportarten kehrten auf die internationale Bühne zurück, der grosse sportliche Erfolg blieb indes aus. Einen möglichen Grund zur aktuellen Häufung sehe ich im Fakt, dass in einem Jahr die Olympischen Spiele 2026 in Mailand anstehen. Im Alter von 35 Jahren oder mehr dürften die zeitlichen Ressourcen für eine 2. Sportkarriere auf wenige Jahre beschränkt bleiben. Andererseits braucht es ein trainingstechnisch und zeitlich optimal gestaltetes Vorbereitungsprogramm, um sich nach jahrelanger Wettkampfabstinenz wieder in Richtung Weltspitze zu orientieren. Wichtig: Hinsichtlich der Erfolgsaussichten der individuellen Comeback-Versuche will ich mich nicht äussern, wohl aber zu Einflussgrössen, die die Erfolgswahrscheinlichkeit mitbestimmen. Dazu zähle ich den zeitlichen Abstand zum damaligen Karriereende, die besonderen Umstände, die damals zum zwischenzeitlichen Laufbahnende geführt hatten, die technische Weiterentwicklung der Sportart seither, aber auch das spezifische Anforderungsprofil der Disziplin. So scheinen Spitzenleistungen in Ausdauersportarten in höherem Alter einfacher zu erreichen als in technisch-schnellkräftigen, kompositorischen Sportarten. Oder anders ausgedrückt: Der 36-jährigen Therese Johaug dürfte es eher gelingen, den anvisierten WM-Titel über 50km in Trondheim zu gewinnen als dem gleichaltrigen Snowboarder Iouri Podladtchikov ein Medaillengewinn an den kommenden Olympischen Spielen. 

    Mentale Checkliste für Comebacker*Innen

    Die Zusammenarbeit mit Spitzensportler*Innen setzt voraus, dass ich mich mit dem Thema „Karriere im Spitzensport – und danach“ auseinandersetze. Das Thema „Comeback“ – also das Wiederaufnehmen einer ursprünglich beendeten Karriere im Spitzensport zählt für mich zu den möglichen Ausprägungsformen einer sportlichen Laufbahn. Interessanterweise habe ich in den 35 Jahren meiner Berufstätigkeit im Spitzensport noch nie ein Comeback der oben beschriebenen Art begleitet. Ich verweise hier ausdrücklich auf andere Comeback-Situationen – wie z.B. nach überstandener Kreuzbandverletzung – mit denen ich häufiger konfrontiert war, die sich aber in ihrer mentalen Bedingtheiten deutlich von jenen der Johaugs & Co. unterscheiden. Im Übrigen fristet das Thema „Comeback im Spitzensport“ im wissenschaftlichen Kontext ein Mauerblümchendasein. Anhand einer Medienanalyse fassen Cosh et al. (2012) die Gründe für ein Comeback im Spitzensport folgendermassen zusammen: „Returning to compete in elite sport was routinely depicted in media accounts as something that is not chosen, but as driven by emotion, compulsion and a need to play.“ 

    Comeback nur aus Zwang, getrieben von Emotionen und dem Bedürfnis zu spielen und performen? Alternativ und um im Bedarfsfall als Sportpsychologe gewappnet zu sein, schlage ich eine „mentale Checkliste für Comebacker*Innen“ mit sieben Fragestellungen vor. Hinzu kommen selbstverständlich (da zwingend notwendig) weitere medizinische, sportspezifische, trainingstechnische, finanzielle u.a. Überlegungen, auf die ich hier nicht eingehen kann.

    Mentale Checkliste für Comebacker*Innen

    • Sinnhaftigkeit: Was bedeutet mir die Rückkehr ins Scheinwerferlicht des Spitzensports?
    • Athlet*Innen Identität: Wie sehe, erlebe, spüre ich mich als Comebacker*in. Wie hat mich die Zeit ohne den Spitzensport verändert?
    • Erwartungshaltung, Motive und Zielsetzungen: Wo stehe ich heute und welche Erwartungen habe ich an mich? Was möchte ich erreichen?
    • Rückschau auf meine erste Karriere und das damalige Karriereende: Wie erlebe/beschreibe ich den damaligen Rücktritt aus heutiger Sicht? Was hat sich heute verändert, was möchte ich mit meinem Comeback für mich verändern?
    • Aktualisierung Wettkampf-Ich: Mein Mindset: Wie bekomme ich meine mentale Stärke wieder auf Weltklasse-Niveau? Wie stärke ich meine mentale Gesundheit?
    • Soziales Umfeld: Unterstützt mein privates Umfeld meine Comeback-Absichten? 
    • Öffentlichkeitsarbeit: Wie gestalte ich meinen Umgang mit den (sozialen) Medien und der öffentlichen Erwartungshaltung? Was sind meine Kernbotschaften?

    Comeback als Wagnis

    Je mehr ich mich in die Thematik vertiefe, desto stärker wird mir bewusst: Ob und allenfalls wie Comebacks im Spitzensport erfolgreich verlaufen, dürfte von zahlreichen Faktoren und Zusammenhängen beeinflusst sein. Die beiden Comeback-Versuche von Marcel Hirscher und Lucas Pinheiro Braten – obwohl auf exakt gleicher Sportbühne im Ski alpin ausgetragen – könnten unterschiedlicher nicht sein. Ihnen gemeinsam ist, dass beide Skifahrer mit grossem Einsatz erneut nach sportlichem Erfolg streben. Gemeinsamer Begleiter ist aber auch das Wagnis, welches beide eingehen. Ein Restrisiko hinsichtlich eines Scheiterns bleibt. Aus sportpsychologischer Sicht möchte ich diesem Restrisiko die Idee verstärkter Selbstreflexion entgegenhalten und die beiden Sportler fragen: Was denkst du, wenn du in den Spiegel schaust?

    Ein Blick in die aktuellen Resultatlisten zeigt: Therese Johaug gewinnt souverän die Tour de Ski. Lindsey Vonn nähert sich in den Speeddisziplinen den Podestplätzen, die Lucas Pinheiro Braten schon erreicht hat. Marcel Hirscher hingegen reisst sich im Training das Kreuzband und muss seine Ambitionen zumindest für dieses Jahr begraben. Bleibt Iouri Podladtchikov, der in wenigen Tagen in Laax sein Comeback geben will. In einem Interview im Schweizer Fernsehen (12.1.2025) sagt der Zürcher zu Gründen seines Comebacks: „Die Idee wieder Wettkämpfe zu fahren ist ziemlich frisch. Ich stehe an der Pipe und muss mich bremsen, dass ich es nicht mache!“ Sein innerer Drang sagt ihm heute, sich nicht mehr bremsen zu können. „Mein Comeback – es muss sein“. Das sagt einer, der in seiner aktiven Karriere neben einem schweren Schädel-Hirntrauma zahlreiche gravierende Verletzungen erlitten hatte. Insgeheim hoffe ich für Iouri, dass er im Anschluss an die Olympischen Spiele 2026 in den Spiegel schauen und sagen kann: Es hat sich gelohnt.

    Mehr zum Thema:

    Quellen:

    Cosh, S., LeCouteur, A., Crabb, S., & Kettler, L. (2012). Career transitions and identity: a discursive psychological approach to exploring athlete identity in retirement and the transition back into elite sport. Qualitative Research in Sport, Exercise and Health5(1), 21–42. https://doi.org/10.1080/2159676X.2012.712987

    Sendung 10v10, Comeback Iouri Podlatchikov

    https://www.srf.ch/play/tv/10-vor-10/video/10-vor-10-vom-10-01-2025?urn=urn:srf:video:ba875bd7-85c8-4d21-ae14-1528d5f35571

    https://www.facebook.com/ORFSport/videos/929376945810102

    https://www.srf.ch/play/tv/sportpanorama/video/studiogast-iouri-podladtchikov?urn=urn:srf:video:2e099aee-2709-46a7-b505-f7c4987478b0

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    Janosch Daul: Puzzle-Teil Saisonvorbereitung

    Ich, Janosch Daul, bin als sportpsychologischer Coach beim Halleschen FC tätig. In der laufenden Saison arbeitete ich besonders eng mit der U16 zusammen, also mit dem Trainerstab und den Spielern. Von dieser Zusammenarbeit berichte ich in dieser Artikelserie, die viele Puzzle-Teile unserer Arbeit aufgreift. Es beginnt mit den Vorbereitungswochen, später lege ich den Fokus auf die Teamentwicklung sowie auf meine Coaching-Schwerpunkte Trainer, Team und Eltern. Ich will aufzeigen, welche Rolle die Sportpsychologie im Arbeitsumfeld Nachwuchsleistungsfußball einnehmen kann.

    Ich starte aber mit einer konkreten Erinnerung. Mitten in der Saison. Auswärtsspiel in Sandersdorf. 1. November 2024. 17:45 Uhr. Unsere U16-Spieler betreten nach der üblichen Platzbesichtigung die Kabine. In den Augen der Jungs ist ein Impuls von Überraschung wahrnehmbar. Denn neben dem wie immer fein auf einem Bügel aufgehängten Trikot findet jeder Spieler eine individuelle Stärkenkarte vor, auf der die persönlichen „Zauberwaffen“ hervorblitzen. Ein verschmitztes Lächeln hier, ein Grinsen dort. Eine zielgerichtete Maßnahme unseres Chefcoaches Marwin Wolf, um unsere Jungs vor der Anforderungssituation Spiel kognitiv wie emotional stimmig mit ihren Stärken in Kontakt treten zu lassen. Eine Maßnahme, die sinnbildlich für unsere Arbeitsphilosophie als U16-Trainerteam des Halleschen FC steht. Aber nun zurück, zum Anfang unserer Arbeit, Saisonvorbereitung 2024/2025…

    Puzzle-Teil Saisonvorbereitung

    Vor dem Beginn einer Zusammenarbeit stellen sich zunächst die Ausgangsfragen: Was sind unsere Aufgaben als Trainerteam? Warum sind wir angestellt? Die beiden übergeordneten Zielstellungen, die mit unserem Wirken verbunden sind, sind die folgenden:

    • individuell maximale fußballerische Weiterentwicklung und
    • individuell maximale soziale Weiterentwicklung unserer Spieler ermöglichen, um „Profis fürs Leben“ auszubilden

    Unsere Aufgabe besteht also darin, alle Prozesse, Handlungen und Maßnahmen so zu steuern, also Rahmenbedingungen so zu setzen, dass sie der Erreichung dieser Zielstellungen dienen. „Wir“, das sind Marwin Wolf, Andreas Eichfeld (Co-Trainer) und meine Person. Zu dritt fungieren wir als Trainerteam – zusammen mit einem Athletik- und einem Torwarttrainer sowie einem Physiotherapeuten und einem Mannschaftsleiter bilden wir schließlich das Funktionsteam, das in dieser Kombination erstmals zusammenarbeitet.

    Gemeinsam arbeiten wir konsequent und leidenschaftlich daran, dass unsere Spieler permanent am Puzzeln sind, um ihr persönliches Puzzle Leistungsfaktor um Leistungsfaktor zu komplettieren. Die Grundlage für unsere Arbeit mit den Jungs basiert auf unserer Arbeitsphilosophie, deren Kern sich aus folgenden vier Stützpfeilern ergibt:

    1. Unsere Grundhaltungen

    Unsere Spieler sind zuallererst Menschen – wie jeder Mensch reich gesegnet an wundervollen Fähigkeiten, auszuschöpfenden Wachstumspotenzialen und spezifischen Persönlichkeitsmerkmalen, geprägt durch individuelle Umwelten, Sozialisation und herausfordernde Lebenserfahrungen, ausgestattet mit zu befriedigenden Bedürfnissen und wahrzunehmenden Motiven, individuellen Verhaltensmustern und Umfeldern sowie persönlichen Herausforderungen in ihrer gegenwärtigen Lebenswelt. Vor diesem Hintergrund muss jeder Spieler höchst individuell auf sich zugeschnitten wahrgenommen und geführt werden. Dabei gilt es, individuell anregend zu wirken, individuell zu kommunizieren, individuell zu motivieren – mit entsprechender Vorbildwirkung als Grundprämisse.

    Kurzum: Es braucht eine individuelle maßgeschneiderte Zuwendung. Wir sehen uns dabei nicht ausschließlich in der Rolle der Leistungsoptimierer, sondern in der Rolle von Förderern, die dem Menschen zugewandt sind und die den Spieler als autonomen Entscheider über seine Lebensgestaltung dabei unterstützen, einen für sich stimmigen Weg auf und außerhalb des Feldes zu gehen. Wir betrachten – und behandeln – unsere Spieler also als Subjekte und nicht als die Erfüllungsgehilfen eigener Vorgaben. In unserem Führungsverhalten werden unsere Grundhaltungen spürbar.

    1. Eine stimmige Wertevermittlung

    Durch das Identifizieren und permanente Vorleben und Einfordern von zentralen Werten im zwischenmenschlichen Miteinander wollen wir zielgerichtet Kultur in unserem Team prägen und unsere Spieler dabei unterstützen, einen eigenen, für sich stimmigen Wertekanon schrittweise zu entwickeln. Sie lernen, ihr eigenes Verhalten konstruktiv-kritisch zu reflektieren – auch vor dem Hintergrund der identifizierten Werte. Wir als Trainerteam stehen dabei in der Verpflichtung, diese in größtmöglicher Konsequenz vorzuleben.

    1. Pädagogische Konsequenz

    In unserem Handeln und Auftreten verhalten wir uns den Jungs gegenüber konsequent. Aufgabenstellungen sind konsequent und zuverlässig zu erledigen. Fehlverhaltensweisen, die gegen den Wertekanon unseres Teams verstoßen, werden wahrgenommen, vor dem Team zum Thema gemacht und aufgearbeitet – durch Reflexion und Tat. Lernprozesse werden ausgelöst.

    1. Das Zusammenspiel von Kopf und Fuß

    Um Rahmenbedingungen so zu setzen, dass sich unsere Spieler als Fußballer bestmöglich weiterentwickeln und Profis fürs Leben werden können, braucht es die permanente Auseinandersetzung mit mentalen und sozialen Aspekten des Fußballsports und des Lebens. Dafür müssen auf individueller und kollektiver Ebene zielgerichtet Prozesse angestoßen und Ressourcen ausgeschöpft werden – durch ein kooperatives Zusammenspiel von Fußballtrainer und sportpsychologischem Coach. Dabei müssen proaktiv Zeitfenster im Trainingsalltag geschaffen werden, die das Umsetzen entsprechender Prozesse ermöglichen. Eine zielgerichtete, proaktive Integration der Sportpsychologie ermöglicht die Ausschöpfung individueller und kollektiver Ressourcen in hohem Maße – aber auch nur dann. Was würde passieren, wenn unsere Spieler keine Möglichkeit hätten, sportpsychologisch konsequent betreut zu werden? Innenverteidiger und Vize-Kapitän Diego Perl sowie Außenverteidiger und Führungsspieler Anthony Schneider haben dazu eine klare Meinung:

    Aus den übergeordneten Zielstellungen und unserer Arbeitsphilosophie ergeben sich für mich als sportpsychologischen Coach entsprechende Aufgabenbereiche, innerhalb derer ich wirksam werden kann. Die vier Grundpfeiler finden dabei ihre Berücksichtigung. Ich blicke, mit Unterstützung unserer Spieler und Trainer, auf das bislang Erarbeitete und begründe unsere Maßnahmen – anhand meiner fünf zentralen Aufgabenbereiche.

    Teamentwicklung im Trainerstab

    Bevor wir unsere Spieler dabei unterstützen konnten, zu einem Team zu werden, mussten wir zunächst dafür sorgen, ein wahres TrainerTEAM zu werden. Wir klärten u.a. Rollen und Aufgabenbereiche, gaben unseren Wochen eine Struktur, besprachen die inhaltliche Einbindung der Teildisziplin Sportpsychologie in den Trainingsalltag und entwickelten einen „Erfolgskodex“, der festlegt, wie wir täglich miteinander umgehen und wofür wir stehen wollen – die Grundlagen für eine stimmige Zusammenarbeit mussten dabei vor dem Erstkontakt mit dem Team gelegt werden. Denn wir als Führungskräfte müssen individuell und als Trio funktionieren, um unsere Spieler und das daraus zu entwickelnde Team, beginnend mit dem ersten Tag der Zusammenarbeit, schrittweise ins Funktionieren bringen zu können.

    Dabei ist Marwin Wolf als Cheftrainer unser Oberhaupt, unser Kapitän, der das Boot steuert, aber auch seine Co-Kapitäne im Sinne des großen Ganzen auf die Kommandobrücke lässt, in den Lead schickt, wenn er die Überzeugung vertritt, dass dies dem großen Ganzen dient. Nicht zuletzt die Art und Weise, wie er uns mit in die Verantwortung nimmt und das Team mit-führen lässt, schafft einen Raum, innerhalb dessen jedes Trainerteammitglied seine Kompetenzen im Sinne der Weiterentwicklung unserer Spieler gewinnbringend einsetzen kann. Unserem Kapitän gelingt es dabei gekonnt, persönliche Bedürfnisse in den Hintergrund treten zu lassen und alle Maßnahmen darauf abzielen zu lassen, dem Spieler zu dienen. Im Erstkontakt mit unseren Spielern konfrontierten wir diese mit der von Marwin Wolf entwickelten Vision „TEAM 2028“. Er selbst sagt dazu folgendes:

    Das Trainingslager

    Zugleich kommunizierte er neben Trainingsrichtlinien unverhandelbare Grundsätze, die unseren unumstößlichen U16-Rahmen bilden. Einen Rahmen, der in einem Trainingslager, das uns bereits eine Woche nach dem Erstkontakt mit unseren Spielern nach Ganderkesee nahe Bremen führte, durch unsere dort identifizierten Teamwerte vervollständigt wurde. Wir entschieden uns bewusst für eine höchst einfache Unterkunft. Ein Ferienhaus mitten im Wald, mit kleinen Zimmern, über fünf Kilometer entfernt vom nächsten Supermarkt und mit schlechtem Mobilfunkempfang.

    Durch diese Entscheidung und durch das vor Ort durchgeführte Programm wollten wir Kompetenzen wie Verantwortungsübernahme, Fleiß, Demut, Teamfähigkeit und Widerstandsfähigkeit schulen – back to the roots. Maßnahmen wie das Planen von Mahlzeiten, das anschließende Zubereiten und Abspülen, ein Fotoshooting, eine Team-Diskussion, wie wir mit unserem Handykonsum in diesen Tagen verfahren wollten, eine „Nationalitäten-Runde“, in der jeder Spieler einen persönlich ausgewählten, das eigene Heimatland repräsentierenden Gegenstand vorstellte, einen in Kleingruppen zu bewältigenden Hindernisparcours, für den wir unsere Spieler nachts um zwei Uhr aus dem Bett klingelten, eine Gesangsrunde oder das Schreiben eines Trainingslager-Tagebuchs schufen neben „klassischen“ Trainingseinheiten und Testspielen sowie Zeit zur Eigengestaltung einen Raum, um sich besser kennenzulernen, bewusst miteinander in Kontakt zu treten, sich mit sich selbst und dem Mitspieler auseinanderzusetzen und entsprechende Kompetenzen zu fördern. Kompetenzen, die es für das persönliche Puzzle braucht.

    Passend zu manchen dieser Teamprozesse mussten unsere Spieler im Nachgang bestimmte Aufgaben mit dem Ziel einer Ergebnissicherung erfüllen. Als diese nicht rechtzeitig erledigt wurden, wurde auch schonmal das gekochte Essen kalt, ehe unsere Spieler ihre Aufgabe zufriedenstellend erledigt hatten. Ein Beispiel für die von Marwin Wolf vorgelebte pädagogische Konsequenz. Vor dem Hintergrund, dass wir acht Neuzugänge zu integrieren hatten und unser Kader über Spieler aus den verschiedensten Nationalitäten verfügt, war es umso wichtiger, entsprechende Rahmenbedingungen zu setzen, die darauf einzahlten, zu einem wahren Team zu werden.

    Abwehrkante Erik Wiedensee sagt zum Trainingslager:

    Artikelserie Puzzle-Teil Sportpsychologie

    Janosch Daul (zur Profilseite)

    In dieser Artikelserie möchte ich dir, lieber Leser, Einblicke in unsere Philosophie geben und den Übertrag in die Alltagspraxis darstellen. Alles aus meiner Perspektive, der eines sportpsychologischen Coaches. Dabei möchte ich, durch das Aufzeigen meiner Wirkungsbereiche und die Verknüpfung dieser mit unserer Trainingspraxis, die systematische Integration der Sportpsychologie als unverzichtbaren Ausbildungsbestandteil und Leistungsressource hervorheben. Meine eigene Perspektive ergänze ich durch die Ansichten unserer Spieler und die der beiden Trainer. Und wenn du fleißig weiterliest, erfährst du auch, wie das Ganze mit „TEAM 2028“ und „puzzeln“ zusammenhängt. Puzzleteil für Puzzleteil.

    Puzzle-Teil Saisonvorbereitung erscheint am: Do., 9. Januar 2025 (Link)
    Puzzle-Teil Teamentwicklung erscheint am: Do., 23. Januar 2025 (Link)
    Puzzle-Teil Spielercoaching erscheint am: Do., 6. Februar 2025 (Link)
    Puzzle-Teil Trainercoaching erscheint am: Do., 20. Februar 2025 (Link)
    Puzzle-Teil Teamcoaching erscheint am: Do., 6. März 2025 (Link)
    Puzzle-Teil Elterncoaching erscheint am: Do., 20. März 2025 (Link)

    Mehr zum Thema:

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    Anke Precht: Drehbuch für die Rede für den Wiedereinstieg nach der Winterpause im Mannschaftssport

    Weihnachten, Silvester und Neujahr. Insbesondere im Fußball bieten diese Tage eine kurze Verschnaufpause. Wenn es nach der Winterpause weitergeht, haben TrainerInnen eine ganz besondere Chance, die Mannschaft für die Rückrunden auf einen guten Kurs einzuschwören. Im ersten Training nach dem Break ist ihnen eine besonders hohe Aufmerksamkeit gewiss. Das ist der perfekte Moment für eine kleine Rede, um die SpielerInnen für die Rückrunde zu motivieren, Ziele in Erinnerung zu rufen oder neu zu setzen und sie perfekt zu motivieren, in der zweiten Saisonhälfte alles zu geben, um einen Titel zu kämpfen oder sich in der Tabelle nach oben zu arbeiten oder einen drohenden Abstieg zu verhindern. 

    Zum Thema: Kommunikation für TrainerInnen 

    Egal, wohin die Reise gehen soll. Der erste Kontakt nach der Pause, die viele in ihrem privaten Umfeld verbracht haben, ist wichtig. Hier steckt eine Menge Potential.

    Planerisch sollte darauf geachtet werden, dass möglichst das gesamte Team zusammenkommt, also: SpielerInnen, Trainerstab, weitere Betreuer und gegebenenfalls auch jemand aus der Vorstandsetage oder der sportlichen Führungsebene.

    Stichpunkte zur Vorbereitung

    Um ein wirklich gutes Drehbuch für eine möglichst perfekte Rede nach der Winterpause in die Tat umzusetzen, bedarf es etwas Vorbereitung. Nutzt gern diese Stichpunkte als Anregung, die ihr auf eure individuelle Situation im Verein anpassen müsst:

    • TrainerInnen begrüßen das gesamte Team. Falls der Vorstand anwesend ist, begrüßt auch er oder sie das Team mit viel Wertschätzung.
    • Kleine Runde durch das Team einschließlich Staff: Die schönsten Erlebnisse aus der Pause werden geteilt. Alle werden gehört und gesehen, ernst oder lustig.
    • Headcoach erinnert an die Ziele des Teams und des Vereins und ordnet ein. Waren die ursprünglichen Ziele zu hoch, wird das offen ausgesprochen und sondiert, was möglich ist. Das wird das neue Ziel. Liegen die Ziele in Reichweite, werden sie bestätigt.
    • Schwierigkeiten im bisherigen Saisonverlauf werden kurz (!) aufgezeigt. Wurden einige davon inzwischen ausgeräumt (ein verletzter Spieler ist zurück, die fehlenden Gelder konnten aufgetrieben werden, und die Prämien werden bald ausgezahlt, o.ä. …) wird das mitgeteilt. Bestehen die Schwierigkeiten noch, wird berichtet, was geplant ist, um die Voraussetzungen zu verbessern.
    • Bisherige Erfolge werden wiederholt, besondere Spiel- oder Wettkampfsituationen, Aufholjagden, Einzelaktionen, gegenseitige Unterstützung, aber auch die lustigsten Situationen im Team. Falls vorhanden, können Fotos oder Videos verwendet werden.
    • Die neuen Ziele für die zweite Saisonhälfte werden noch einmal ganz klar ausgerufen. Das können Ergebnisziele sein (oberes Tabellendrittel / 20 Punkte / …), aber auch Umsetzungsziele (Prozentsatz Ballbesitz, gewonnene Zweikämpfe, Trainingsteilnahme, Fitnessziele, Zusammenhalt im Team)
    • Die SpielerInnen bekommen die Gelegenheit, Fragen zu stellen, Feedback zu geben, dem Team etwas mitzuteilen, was ihnen wichtig ist.
    • Die SpielerInnen und alle Betreuer einschließlich Trainerstab werden gebeten, eine Sache zu nennen, die sie für den gemeinsamen Erfolg in den kommenden Monaten tun möchten, und zwar über das hinaus, was sie bereits bisher getan haben. Das können sportliche Aktivitäten sein, aber auch soziale, die den Teamzusammenhalt stärken. Das kann auf einem Plakat dokumentiert und später in die Umkleide gehängt werden. Alternativ: filmen und bei Gelegenheit wieder anschauen.

    Darüber hinaus stehen meine KollegInnen (zur Übersicht) und ich (zur Profilseite von Anke Precht) gern bereit, euch bei solchen Drehbüchern oder bei der Arbeit an euren Zielen zu unterstützen. Nehmt gern gezielt Kontakt auf.

    Mehr zum Thema:

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    Nathalie Klingebiel: Wie eine App die mentale Stärke von (Nachwuchs)fußballern fördern kann

    Social Media ist heutzutage aus unserem Alltag kaum noch wegzudenken. Um die 60-mal öffnen wir eine App am Tag. Der Griff zum Handy erfolgt meist schon automatisch und unbewusst. Kann man sich dieses Verhalten vielleicht auch in der Sportpsychologie zu Nutze machen?

    Zum Thema: Verankerung der Sportpsychologie im Alltag 

    Mit der App „Mindbuddy“ wird dies ein Stück weit möglich. Hier wird das Prinzip der Gamification angewendet, um (Nachwuchs-)Fußballern den Umgang mit Sportpsychologie zu erleichtern und vor allem erlebbarer zu machen. Die Idee dazu hatte Jonatan Tollas Nation, ein ehemaliger norwegischer Profispieler. Während seiner aktiven Fußballkarriere hat er hautnah miterlebt, wie hoch der Bedarf an sportpsychologischer Unterstützung tatsächlich ist. Er hat erfahren, wie viele junge Spieler von Symptomen wie Ängstlichkeit oder Krankheiten wie Depressionen leiden. Aus diesem Grund entschied er sich, aktiv etwas dagegen zu tun und holte sich mit Marius Danielsen einen Experten in Sachen App-Entwicklung sowie den Sportpsychologen Peder Lysholm Daviknes dazu, um aus einer Idee nun Wirklichkeit werden zu lassen. 

    Die App beinhaltet vier große Themenbereiche (SMART-Zielsetzung, Visualisierung, Journaling und Spieltagsroutinen), aus denen sich mithilfe von interaktiven Lerntools ein individueller „Statusbericht“ der eigenen mentalen Leistungsfähigkeit ergibt. Die Spieler können SMART-Ziele definieren und regelmäßig ihre Fortschritte überprüfen, um diese nach Bedarf anzupassen. Ihnen werden Tipps und angeleitete Visualisierungen zur Verfügung gestellt und durch Journaling und Routinen rund um einen Spieltag können sie fokussierter und insgesamt mental stärker werden.

    Gezielte Programme 

    Zudem bietet „Mindbuddy“ verschiedene Mini-Programme, auf die die Spieler in folgenden Situationen jederzeit zugreifen können: In Reha-Phasen nach Verletzungen, beim Übergang vom Nachwuchs- in den Erwachsenen- bzw. Profibereich und bei der Integration neuer Spieler in die Mannschaft. 

    „Mindbuddy“ soll nicht nur als „Buddy“ für die Spieler und Spielerinnen dienen, sondern auch für Sportpsychologen und Sportpsychologinnen, die mit ihren Kapazitäten im Arbeitsalltag oftmals an ihre Grenzen stoßen und somit eine wertvolle Unterstützung gewinnen. Die App soll keinesfalls einen Sportpsychologen ersetzen, kann aber durchaus als wichtige Ergänzung zu dessen Arbeit genutzt werden, indem insgesamt mehr Spieler erreicht und somit unterstützt werden können. 

    Eigene Erfahrung

    Ich merke selbst, wie schwierig es manchmal ist, als einzige Person, Spielern aus acht Mannschaften gleichzeitig gerecht zu werden. Deshalb sehe ich die App als nützliches Hilfsmittel, welches für die Spieler Fortschritte oder Verbesserungspotenzial visualisiert, woran wir dann z.B. in einem Einzelcoaching ansetzen und weiterarbeiten können.

    Ich hatte das Privileg, die App während der Entwicklungsphase selbst zu testen und aus sportpsychologischer Sicht dahingehend Feedback zu geben. Meiner Meinung nach können digitale Tools wie „Mindbuddy“ in der Zukunft eine entscheidende Rolle dabei spielen, Sportpsychologie für eine breitere Spielerschaft zugänglich zu machen und ihre mentale Stärke zu fördern bzw. mentale Stärke zu einem festen Bestandteil der Entwicklung junger Spieler zu machen. Aus diesem Grund haben wir uns am NLZ auch dazu entschieden, „Mindbuddy“ in unsere bzw. meine Arbeit zu integrieren, den Spielern dadurch noch mehr sportpsychologischen Support bieten zu können und gleichzeitig der App mehr Reichweite zu verschaffen.

    Gewusst wie

    Teil der Entwicklungsphase waren auch einige Mannschaften norwegischer Fußballakademien, die die App in ihrer anfänglichen Form nutzen und bewerten konnten. Der Erfahrungsbericht eines 17-jährigen Nachwuchsspielers gibt einen ersten Eindruck, wie sinnvoll es sein kann, mentale Arbeit auf diesem Wege in den Fußball zu integrieren: „Ich wusste, was Mentaltraining ist, aber ich wusste nicht, wie man es macht. Ich habe versucht, mir einige YouTube-Videos anzusehen, aber ich wusste nicht, wie ich anfangen sollte. Mit Mindbuddy war es einfach, mit Spieltags-Zielen und Visualisierung anzufangen.“

    Mehr zum Thema:

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    Sportpsychologie, was 2025 kommt

    Das Jahr 2025 hat für die Sportpsychologie einige Highlights in petto. Wir weisen hier auf ausgewählte Veranstaltungen und Termine hin. Aber auch Verbände, Vereine, Clubs sowie AthletInnen und Talente können im neuen Jahr von der Sportpsychologie profitieren. Wir von Die Sportpsychologen bieten individuelle Wege zur besseren mentalen Stärke, zu mehr Leistungsfähigkeit und zu mentaler Gesundheit im Sport.

    Zum Thema: Termine, Events und Angebote für das Jahr 2025

    Bereits Ende Januar starten wir mit dem Netzwerk Die Sportpsychologen richtig durch. In Zusammenarbeit mit Alba Berlin veranstalten wir in Berlin unser internes Netzwerktreffen, in welches wir eine außergewöhnliche Fortbildung von Klaus-Dieter Lübke Naberhaus integrieren. An der Fortbildung, die am Samstag, den 25. Januar bevorsteht, können auch interessierte SportpsychologInnen, MentaltrainerInnen bzw. Studierende teilnehmen. Hier alle Infos:

    https://www.die-sportpsychologen.de/2024/12/fortbildung-psychotraumatologie-im-sport-am-25-januar-2025-in-berlin/

    Vom 29. bis 31. Mai 2025 veranstaltet die Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie in Deutschland ihre Jahrestagung. Das Event steht unter dem Motto „Advances in Recovery and Stress Research“ und findet in Bochum statt. Mit Kathrin Seufert, Robin Conen, Markus Gretz, Klaus-Dieter Lübke Naberhaus, Christian Hoverath und Norbert Lewinski u.a. sind zahlreiche ProfilinhaberInnen von Die Sportpsychologen zum Beispiel im Rahmen der Praxis Workshops im Einsatz. Mehr Infos: https://asp-tagung.de

    Bereits am 25. Februar 2025 bietet die asp den Thementag „Hate Speech“ an, der in Köln veranstaltet wird: https://www.die-sportpsychologen.de/2024/11/asp-thementag-hate-speech-im-februar-2025-in-koeln/

    Am 19. September 2025 steht in Innsbruck der Tiroler Tag der Sportpsychologie an. Mehr Infos zu den Inhalten des Events kommen in den nächsten Wochen: https://www.praxistage.com

    Angebote Verbände, Vereine, Clubs sowie AthletInnen und Talente

    Wir von Die Sportpsychologen bieten auch maßgeschneiderte Angebote für Verbände, Vereine, Clubs sowie AthletInnen und Talente. Seien es Veranstaltungsformate wie Workshops, Keynotes oder Vorträge – durch unsere Vernetzung können wir in Deutschland, Österreich und der Schweiz flächendeckend Events anbieten.

    Natürlich bieten unsere etwa 50 Experten und Expertinnen auch Coachings, punktuelle Kooperationen oder eine langfristige Zusammenarbeit an. Gern entwickeln wir für Verbände, Vereine, Clubs oder Ausbildungseinrichtungen auch Konzepte und Strategien, um die Sportpsychologie professionell, zielgruppenspezifisch und innovativ in die sportliche Arbeit zu integrieren.

    Ausblick

    Im Netzwerk Die Sportpsychologen wollen wir im Jahr 2025 gezielt Dienstleistungen für und mit Verbänden, Vereinen, Clubs sowie AthletInnen und Talenten entwickeln. Nehmt also gern Kontakt auf, wenn es darum geht, Ideen in die Tat umzusetzen. Darüber hinaus werden wir mit Veröffentlichungen weiter dazu beitragen, die Sportpsychologie noch fester im Sport zu verankern. Nicht zuletzt werden wir über aktive Netzwerkarbeit (Supervisionen, Fortbildungen, Kooperationen und Austausch) Seite an Seite für die Sportpsychologie aktiv.

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