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Dr. Hanspeter Gubelmann: Karriereberatung im Spitzensport in Zeiten von Corona

Kürzlich wurde ich in einem Interview gefragt: „Wie verändert Corona deine Tätigkeit als Karriereberater im Spitzensport?“ Hmm… Ich bat um etwas Bedenkfrist und tat, was ich in solchen Situationen bevorzugt tue: Ich begann nachzudenken. Von den persönlichen Erkenntnissen dieser Selbstreflexion handelt dieser Blog.

Zum Thema: Drei Szenarien für Sportler in der Corona-Krise

Wer mich kennt weiss, dass ich mir in meiner Tätigkeit als angewandter Sportpsychologe eher zu viele Gedanken mache, vielschichtig denke und mich auch auf systemische Bezüge einlasse. Ich benötige dabei viel Zeit, um das menschliche Gegenüber und sein Anliegen besser zu verstehen. Als Anhänger eines radikalen Konstruktivismus’ tritt mir die Athletin als Sportexpertin gegenüber, deren Expertise ich als Ergebnis einer kompetenten (subjektiven) Anpassung verstehe. 

Demgegenüber bezeichne ich mich als Experte im Erkennen psychischer Prozesse und Zusammenhänge, welche ich aus der Selbstreflexion der Athletin wahrnehmen und einordnen kann. Als „Ordnungsgrundlage“ dienen mir Modelle und Orientierungshilfen, die mir die sportwissenschaftlich-orientierte Sportpsychologie zur Verfügung stellt.

Orientierungshilfe: Position statement der FEPSAC

Hinsichtlich der gestellten Interviewfrage ergeben sich inhaltlich zwei Orientierungslinien, die sich an zwei Schlüsselfragen darlegen lassen: 

1. An welchem Punkt sieht sich die Athletin in ihrer sportlichen Laufbahn und wie verändert Corona ihre Wahrnehmung über den weiteren Karriereverlauf? 

2. Was sagen Theorie Forschung und Praxis (best practise) in Bezug auf Handlungsmöglichkeiten und Hilfestellung seitens der Sportpsychologie?

Gerade zu diesen Handlungsmöglichkeiten in Zeiten von Corona publizierte die europäische Vereinigung der SportpsychologInnen (FEPSAC) erst kürzlich ein Positionspapier. Ausgewiesene Fachkräfte äussern sich darin zu den aktuellen Karrieresituationen und -entwicklungen olympischer/paralympischer AthletInnen.

Angepasstes Mobilisierungsmodell

In Anlehnung an das Mobilisierungsmodell von Stambulova (2011) zur Beratung von Athleten bei Krisenübergängen wird eine Krise metaphorisch definiert als „an einem Scheideweg stehen“ mit mindestens drei Alternativen: „Ablehnung“, „Akzeptanz“ und „Kampf“. Ablehnung impliziert Versuche, aus der traumatischen Situation herauszukommen, vielleicht indem man aus der Aktivität aussteigt; Akzeptanz bedeutet, in der Situation zu bleiben, aber die persönliche Reaktion darauf zu modifizieren und sich neu auszurichten; und Kämpfen impliziert den Versuch, die Situation radikal zum Besseren zu verändern.

Stambulova et al. (2020) gehen dementsprechend von drei unterschiedlichen Szenarien aus, die in der Betreuung von SpitzensportlerInnen unterschiedliche Diskussions- und Beratungsschwerpunkte zur Folge haben. 

Dr. Hanspeter Gubelmann

Dr. Hanspeter Gubelmann

Sportarten: Ski nordisch, Ski alpin, Leichtathletik, Bob, Skeleton, Judo, Eiskunstlauf, Tennis, Short Track, Kanu, Eishockey, Mountainbike, Schwimmen, Triathlon, Rhythmische Sportgymnastik u.a.

+41 (0)79 789 45 13

h.gubelmann@die-sportpsychologen.ch

Mehr Infos: Zur Profilseite, zum Kompetenzzentrum mind2win.ch

Szenario 1: „Es ist ein guter Zeitpunkt für mich, mich jetzt zurückzuziehen“

Dieses ablehnungsähnliche Szenario scheint vor allem für jene vordringlich zu sein, die sich im Herbst ihrer Sportkarriere wähnen, und die sich schon vor Corona mit einem absehbaren Karriereende befasst hatten. Hinzu kommen Gründe wie: gesundheitliche Probleme, nachlassende Motivation, nicht-sportlicher Lebensdruck und alternative Möglichkeiten im aussersportlichen Bereich. Athleten äussern explizit den Wunsch, sich nicht mehr mit den sich weiterhin abzeichnenden Unsicherheiten auseinandersetzen zu wollen. BeraterInnen könnten voraussehen, dass die erste Reaktion der Athleten auf dieses Szenario einem Vorwand folgt – entsprechend (zeit-)intensiv und selbstreflexiv kann die Aufarbeitung der motivationalen Aspekte ausfallen.

Szenario 2: „Ich kann eine Pause einlegen und mich strategisch auf die nächsten Olympischen/Paralympischen Spiele vorbereiten“.

Szenario zwei – „Akzeptanz“ – passt vornehmlich zu AthletInnen in einem früheren Stadium ihrer sportlichen Karriere. Ausgangspunkt sind vertiefte Überlegungen zum weiteren Karriereverlauf, etwa den olympischen Traum zu verschieben, was zu Friktionen im Umfeld führen könnte, insbesondere wenn verschiedene weitere Interessengruppen (z.B. Betreuungsumfeld, Management) auf eine mögliche Teilnahme angewiesen sind. Zu den Herausforderungen in diesem Szenario zählen: Änderung der sportlichen Vorbereitungspläne, Gestaltung der „olympischen Pause“, Entwicklung von Ressourcen (z.B. aussersportliche Kompetenzen, soziale und berufliche Verbindungen). Diese Investitionen sollen mithelfen, um besser auf die nächsten Olympischen Spiele und andere Herausforderungen im Leben vorbereitet zu sein. 

Szenario 3: „C-19 wird mich nicht daran hindern, mich auf Tokio 2020 vorzubereiten“

Szenario drei ist ein „Kampf-Szenario“, möglicherweise geeignet für erfahrene und sehr einfallsreiche Sportler in der „Blüte“ ihrer Karriere. Diese Entscheidung birgt ihre – auch gesundheitlichen – Risiken. Daher könnten SportpsychologInnen mit den Athleten die Bewertung der antizipierten Risiken diskutieren und die Klienten dabei unterstützen, eine verantwortungsbewusste Entscheidung zu treffen. Zu den Herausforderungen in diesem Szenario gehören u.a: Beobachtung der Situation im Zusammenhang mit Tokio 2020 und entsprechende Anpassungen der Pläne und Trainings-/Erholungsroutinen; Anpassung an ungewöhnliche Trainingsbedingungen, Wettkampfatmosphäre und kurzfristige Zeitpläne; kreative Entwicklung von Lösungen für den Umgang mit sozialer Isolation und Zugang zu professioneller und sozialer Unterstützung. Diese Ausgangslage bringt die Athleten, unabhängig davon, ob sie an den Spielen von Tokio 2020 teilnehmen oder nicht, eine potenzielle Gelegenheit, Möglichkeiten zur Selbstüberprüfung, zur Stärkung ihre Vorbildfunktion für Athleten und Fans und zu mehr Einfallsreichtum in ihrem Streben nach beruflicher Exzellenz.

Sechs Take-home messages

Stambulova et al. (2020) formulieren in ihrem informativen Ausblick sechs Leitideen, an denen sich unser sportpsychologische Support in der proaktiven Karrierebegleitung orientieren kann.

1.) Ein grundsätzlicher Support der AthletInnen, trotz Covid-19 einen positiven und erfolgreichen Karriereverlauf zu erreichen, ist anzustreben;

2.) Eingehende Überprüfung potenzieller Karrierewege („Szenarien“) und Bewältigungsstrategien unter Berücksichtigung eines ganzheitlichen Ansatzes (Person – Karriereverlauf – Umfeld);

3.) Thematisierung der mehrdimensionalen Identitätsentwicklung – auch im Zusammenhang mit den vorgestellten Handlungsszenarien; 

4.) Der Umgang mit Covid-19 ist von Land zu Land, manchmal sogar von Kanton zu Kanton unterschiedlich. Empfohlen wird, sich an die Prinzipien der kontextabhängigen Praxis durch kulturelle Reflexivität zu halten und nicht kultur- und kontextblinde Ansätze zu verfolgen;

5.) Die sportpsychologische Expertise orientiert sich an tragfähigen Konzepten und Modellen. Dazu zählen u.a. das ganzheitliche sportliche Karrieremodell (Wylleman, 2019), das Umgebungsmodell für die sportliche Talentförderung (Henriksen & Stambulova, 2017) sowie das Veränderungsschema für die sportpsychologische Praxis (Samuel & Tenenbaum, 2011);

6.) Eine vermehrte intra- und interdisziplinäre Zusammenarbeit aller ExpertInnen (z.B. Sportpsychologen, Mentaltrainer, Ernährungswissenschaftler, medizinisches Personal) ist eine Schlüsselbedingung für koordinierte Anstrengungen zur Unterstützung der Athleten im Umgang mit Covid-19.

Fazit

Die Covid-19 Pandemie und die damit verbundenen, aktuellen Zäsuren im Berufsalltag des Spitzensports akzentuieren den anspruchsvollen Umgang mit dem Thema „Karrierebegleitung“ zusätzlich. In einem auch von anderen Exponenten (Mentaltrainer, Life-Coaches, Laufbahnberater u.a.m.) umworbenen Arbeitsbereich der Angewandten Sportpsychologie sind hohe Fachexpertise und breite Praxiserfahrung gleichermassen bedeutsam. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Positionspapier der FEPSAC erachte ich als zwingend notwendig, um als Karrierebegleiter im Spitzensport kompetent intervenieren zu können.

Auf die eingangs beschriebene Frage des Journalisten entgegne ich: „Ja, Corona beeinflusst mich in meiner Rolle als Karrierebegleiter in mancherlei Hinsicht. In der aktuellen Literatur finden sich dazu auch 6 Leitgedanken für SportpsychologInnen…!“

Mehr zum Thema:

Literatur

Henriksen, K. , & Stambulova, N. (2017). Creating optimal environments for talent development: A holistic ecological approach. In Baker, J., Cobley, S., Schorer, J., & Wattie, N. (Eds.), Routledge handbook of talent identification and development in sport (pp. 271–284). Routledge. [Crossref][Google Scholar]

Stambulova, N.B., Schinke, R.J., Lavallee, D. & Wylleman, P. (2020). The COVID-19 pandemic and Olympic/Paralympic athletes’ developmental challenges and possibilities in times of a global crisis-transition, International Journal of Sport and Exercise Psychology, DOI: 10.1080/1612197X.2020.1810865

Open access: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/1612197X.2020.1810865

Schinke, R.J., Papaioannou, A., Henriksen, K., Si, G., Zhang, L. & Haberl, P. (2020) Sport psychology services to high performance athletes during COVID-19, International Journal of Sport and Exercise Psychology,18:3, 269-272, DOI: 10.1080/1612197X.2020.1754616

Samuel, R. D. , & Tenenbaum, G. (2011). The role of change in athletes’ careers: A scheme of change for sport psychology practice. The Sport Psychologist , 25 (2), 233–252. https://doi.org/10.1123/tsp.25.2.233  [Crossref][Web of Science ®][Google Scholar]
Open access: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/1612197X.2020.1754616

Stambulova, N. (2011). The Mobilization Model of Counseling Athletes in Crisis-Transitions: An Educational Intervention Tool, Journal of Sport Psychology in Action, 2:3, 156-170, DOI: 10.1080/21520704.2011.598223

Open access: https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/21520704.2011.598223

Wylleman, P. (2019). A developmental and holistic perspective on transitioning out of elite sport. In M. H.Anshel (Ed.), APA handbook of sport and exercise psychology: Vol. 1. Sport psychology (pp. 201–216). American Psychological Association. [Crossref][Google Scholar]

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Johanna Constantini: Vorbilder sollten sich ihrer Rolle bewusst sein

In der Mode, der Musik oder in Sachen Lifestyle sind Influencer allgegenwärtig. Aber wie ist es damit im Sport bestellt? Mit dieser Fragestellung haben wir Johanna Constantini konfrontiert, die zum Thema kürzlich im Podcast Bergwelten des Red Bull Media House zu Gast war. Die Podcast-Folge „Ein Influencer kommt selten allein“ hört ihr hier: Link zum Bergwelten-Podcast – Mit Höhen und Tiefen.

Zum Thema: Influencer im Sport

Johanna Constantini, viele Ausdauer- und Extremsportler vermarkten sich im Netz sehr intensiv und sind absolute Vorbilder. Inwiefern lassen sich Sportsternchen eigentlich mit normalen Influencern vergleichen?

Ich würde sagen, dass hier nicht viel Unterschied besteht. Ob in der Modebranche, dem Sport oder bei anderen Themen – Influencer nehmen heute auf viele Lebensbereiche Einfluss. 

Worin liegt der Unterschied zwischen diesen digitalen Vorbildern und den Stars, wie wir sie noch vor wenigen Jahren fast ausschließlich aus dem TV, der Tageszeitung oder der Musik- und Sportzeitschrift kannten?

Der Unterschied liegt meines Erachtens nach nicht so sehr an den Vorbildern selbst, sondern vielmehr an den Medien, über die sie ihre Fans erreichen. Mithilfe von digitalen Medien, im Speziellen durch Social Media können sich Vorbilder heute nicht nur in Echtzeit präsentieren, sondern vor allem auch interagieren. Darin unterscheidet sich das Verhalten zwischen den Influencern und ihren Fans zu früheren Zeiten.  

Greifen wir das auch im Podcast angesprochene Thema Imitationslernen heraus: Was müssen allen voran Extremsportler darüber wissen, um Nachahmer nicht zu gefährden?

Ich denke das alle, die eine Vorbildfunktion erfüllen, um ihre potentiellen Nachahmer wissen sollten. Sich vor allem stets vor Augen führen, dass auf potentielle Gefahren oder unvernünftiges Verhalten durch zu wenig Expertise hingewiesen werden sollte. Das gilt für den Extremsportler ebenso wie für Influencer einer anderen Branche, wobei natürlich auch an die Eigenverantwortung appelliert werden muss.

Johanna Constantini

Sportarten: Pferdesport, Laufsport, Wintersport, u.a.

Kontakt: j.constantini@die-sportpsychologen.at

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zur Profilseite: https://www.die-sportpsychologen.de/johannaconstantini/

Sportliches Lernen geht ja oft auf das Nachahmen von Bewegungsmustern von anderen Personen zurück. Bis zu welcher Grenze ist das für Jugendliche in Ordnung, in einer Zeit, in der die krassesten Moves der größten Spezialisten des Planeten zu jeder Zeit abrufbar sind und nicht allein der beste Downhill-Fahrer von meinem Hausberg die Referenz ist?

Dass wir unter anderem durch Nachahmen von Bewegungsmustern lernen, ist schon richtig. Nur stellt sich die Frage, inwiefern jene krassen Videos, die du ansprichst, zu diesen Lernschritten beitragen können? Sie zeigen vielleicht eher die Routen und Streckenführungen auf und im besten Fall wird online über eine empfohlene Fahrtechnik dazu diskutiert. Andererseits gibt es durch die Möglichkeiten des Internets natürlich auch die Verfügbarkeit von spezifischen Trainingsvideos, von denen Athleten lernen können.

In welcher Weise können sportliche Influencer die kommenden Generationen von Outdoor-Sportlern positiv beeinflussen?

Wie bereits bei der vorletzten Frage angesprochen sind die Möglichkeiten im Netz vielfältig. Trainingsinhalte, Strecken und andere Informationen weiterzugeben ist leichter denn je geworden. Die Verantwortung sollte andererseits immer eine Rolle spielen und auch die Influencer sich derer bewusst sein. 

Mehr zum Thema:

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Dr. Christian Reinhardt: „MMA-Trainer müssen Flow zulassen“

Dass Kampfsportler, allen voran MMA-Athleten, inzwischen einiges zum Thema Sportpsychologie wissen, hat nicht zuletzt mit Dr. Christian Reinhardt zu tun. Im deutschsprachigen Raum ist er einer der Experten für die Kampfsportart Mixed Martial Arts. Als Kampfsportlerversteher wird er immer wieder als Gast in Podcasts eingeladen. Zuletzt war er in der 49. Auflage von „Hackmans MMA Show“ auf Sendung und hat sich mit Sebastian Hackl, UFC-Kommentator und Ex-Wrestler, intensiv zu den Themen Körpersprache, Kommunikation, Flow und Visualisierungen ausgetauscht. Diese spannenden 82 Minuten Inhalt empfehlen wir euch hier: Link zu Meinsportpodcast. Dazu haben wir den Faden in Sachen Flow aufgenommen und bei Dr. Christian Reinhardt nachgefragt.

Zum Thema: Flow im Kampfsport

Dr. Christian Reinhardt, woran kann man von außen, also vor allem Trainer und Betreuer aber auch Fans und Kommentatoren erkennen, dass sich ein Kämpfer im Flow befindet?

Grundsätzlich kann man von außen immer nur vermuten, dass ein Kämpfer im Flow ist. Trainer erkennen es oft daran, wie glatt und schnell Bewegungen sind und das Übersprungshandlungen, die wahrscheinlich nur Trainer erkennen, die schon intensiv mit dem Sportler gearbeitet haben, gar nicht mehr oder kaum vorkommen. Die Kämpfer performen stark und nehmen wenig Kontakt mit der Ecke auf. Dustin Poirier hat in Interviews schon mehrfach über den Flow-Zustand gesprochen, den er im Kampf zu erreichen versucht. Bei seinem letzten Kampf gegen Dan Hooker hat ihn sein Coach Dyah Davis in der Pause zwischen den Runden gefragt, ob er Spaß hat? Poirier antwortete: „I’m having a blast„, und lächelte seinen Coach an. Davis hat meiner Meinung nach auch gemerkt, dass sein Schützling im Flow ist und richtigerweise seine Anweisungen auf ein Minimum reduziert. 

Für Fans und Kommentatoren ist es schwieriger, einen Flow-Zustand zu erkennen. Kämpfer im Flow nehmen sich deutlich weniger Auszeiten, reagieren weniger auf den Referee, die Ecke oder das Publikum und scheinen auf jegliche Aktion ihres Gegners eine Antwort zu haben.

Dr. Christian Reinhardt

Dr. Christian Reinhardt

Sportarten: Fußball, Mixed Martial Arts, Boxen, Ringen, Kickboxen, Eishockey

+49 (0)152 531 687 42

c.reinhardt@die-sportpsychologen.de

Zur Profilseite: https://www.die-sportpsychologen.de/christian-reinhardt/

Gibt es konkrete Übungen, in den MMA-Kämpfer im Gym den Flow-Zustand trainieren oder zumindest vorbereiten können?

Wichtig ist vor allem, dass Flow-Zustände im Training zugelassen werden. Das geht nur, wenn die Aufgabenschwierigkeit einer Übung so gewählt wird, dass sie gerade noch zu bewältigen ist, der Handlungsablauf nicht dauernd unterbrochen oder Anweisungen an den Kämpfer gegeben werden. Flow-Zustände werden oft nicht erreicht, weil Sportler zu emotional sind bzw. sich zu viele Gedanken (meist Sorgen und Ängste) machen. Die Normalität dieser Gedanken, aber auch ihre Unproduktivität sollte thematisiert werden. Jeder Sportler braucht eine kleine Routine, um diese Gedanken abzuschütteln und sich wieder auf den Kampf konzentrieren zu können. Viele Kampfsportler machen kurz zwei, drei Schritte aus der Reichweite des Gegners und lockern sich. Bei dieser Gelegenheit geben sich eine kurze Instruktion wie bspw. „Reset!“ und gehen dann wieder in den Kampf. In diesem Zusammenhang wird häufig auf T. J. Dillashaw verwiesen, der häufiger eine solche Routine mit leicht tänzelnden Bewegungen macht. Eine entsprechende Routine sollte im Training geübt werden, damit sie im Wettbewerb funktioniert.


Inwiefern kann ein Flow-Zustand im Kampf gefährlich sein?

Im Flow denkt man an nichts anderes als das hier und jetzt und erlebt sich losgelöst von äußeren Einflüssen. Das ist erst einmal sehr angenehm und zudem aufgrund der hohen Konzentration auch leistungsförderlich. Dieser Fokus auf die aktuelle Handlung und die Abschottung nach außen können aber auch problematisch sein. Ein Kampf erfordert nicht nur sehr gute Aktionen im Moment, sondern auch eine Gesamtstrategie (Gameplan), die u.a. auch die eigenen Ressourcen berücksichtigt. Athleten im Flow verlassen oft ihren Gameplan und laufen so Gefahr, zu viel Energie zu einem frühen Zeitpunkt zu lassen oder Anpassungen ihres Gegners nicht zu realisieren. Da sie aber auch ihre Ecke kaum mehr wahrnehmen, bekommen sie entsprechende Informationen von dort auch nicht mehr mit.

Der Podcast „Hackmans MMA Show“ mit Dr. Christian Reinhardt zum Anhören:

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Mehr zum Thema:

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Klaus-Dieter Lübke Naberhaus: Hypnose zwischen Scharlatanerie und Psychotherapie – und die Einsatzmöglichkeiten im Sport

Hypnose, mit diesem Phänomen verbindet jeder etwas unterschiedliches. Es reicht von der Showhypnose, bei der Menschen Dinge unter Tranceeinfluss vollführen, die sie im bewussten Zustand nicht mal denken würden, bis hin zur eigenständigen psychotherapeutischen Richtung. Doch ich will Ihren Blick darauf richten, in welchen Bereichen Hypnosetechniken schon längst Einzug in die Arbeit von Sportlern und Trainern genommen haben oder wo diese anwendbar sind. Zunächst beschreibe ich das Phänomen der Hypnose und der dazugehörigen Trance, bevor ich mich dann den Techniken aus der Hypno- und Gestalttherapie und ihrem Zusammenhang mit der sportlichen Leistungsfähigkeiten zuwende. Ziel ist es, ein wenig mit Vorurteilen aufzuräumen und noch viel mehr Interesse zu schaffen. Schließlich bergen die Einsatzmöglichkeiten ein großes Potential für Sportler und Trainer. 

Zum Thema: Hypnose im Sport

Die Hypnose an sich, als Verfahren des Konzentrierens, des Fokussieren des Geistes, der Aufmerksamkeit, des Bewusstseins auf das Innere, auf das Unterbewußte, geht in der Geschichte mindestens 4.000 Jahre zurück. Der dabei erreichte Zustand wird Trance genannt. Auch in der Medizin wurde diese Technik frühzeitig eingesetzt, z.B. um Operationen im Trancezustand durchzuführen. Im psychotherapeutischen Bereich näherte sich Freud der Hypnose, um sie später wieder zu verlassen. Erst Milton Erickson entwickelte hieraus eine eigenständige, humanistische Psychotherapieform, die auch als Mutter der Systemik kolportiert wird. Spätestens Gunter Schmidt gestaltete daraus in Deutschland die systemische Hypnotherapie.

Das Verfahren geht davon aus, dass Lebensprozesse und damit auch Lernprozesse, als Ausdruck von regelhaften Mustern beschrieben werden können. Dabei ist das Muster zu verstehen, als eine Vernetzung von Elementen des Erlebens, des Denkens wie auch des Verhaltens. Es entsteht durch die dazugehörige Kommunikation, das emotionale Erleben wie auch körperliche Reaktionen und örtliche und zeitliche Faktoren des Entstehungsprozesses. Somit ist Lernen immer ganzheitlich zu sehen und nie ein Lernen von Körpertechniken oder Mentaltechniken.

Klaus-Dieter Lübke Naberhaus

Klaus-Dieter Lübke Naberhaus

Sportarten:Handball, Eishockey, Fußball, Volleyball, Leichtathletik, Kampfsportarten, Motorsport

Kontakt:

+49 (0)341 23477343

+49 (0)151 42623048

k.luebke-naberhaus@die-sportpsychologen.de

Mehr Infos: Profilseite

Der Einfluss auf unwillkürliche Prozesse

Veränderungen lassen sich erzielen, in dem Änderungen der oben genannten Muster, z.B. als Veränderung von Glaubenssätzen, eingeführt werden. Das heißt, dass nicht ein ganzes Muster verändert werden muss, sondern es ausreicht, Änderungen in einigen Elementen oder Schnittstellen vorzunehmen.

Und die Hypnose – genauer formuliert: ihr Endzustand, die Trance – eröffnet und ermöglicht uns, unsere unbewußten und unwillkürlichen Prozesse gezielt zu beeinflussen, in dem wir Inkongruenzen, Unstimmigkeiten, Herausforderungen mit einer zu dem einzelnen Menschen passenden Antwort auflösen.

Zur Anwendbarkeit in der Praxis

Die Anwendung der Hypnose im Sport ist unheimlich vielschichtig. Interessant dabei ist, dass entsprechend geschulte Trainer und Coaches dies in Folge einer entsprechenden Ausbildung auch selbst durchführen können. Gerade bei Trainern von Individualsportlern kann dieses mehr an Wissen inhaltlich, strukturell und wirtschaftlich eine lohnenswerte Investition sein. Meine Kollegen von Die Sportpsychologen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Klaus-Dieter Lübke Naberhaus), die sich mit dem Thema Hypnose im Sport auskennen, stehen gern für entsprechende Fragen zur Verfügung.  

Um darzustellen, wie facettenreich die Anwendung der Sporthypnose sein kann, habe ich eine Übersicht erstellt. Daraus wird deutlich, dass Team- wie Einzelsportler, Trainer und Übungsleiter aus diversen Sportarten auf diese Methoden zurückgreifen können sollten, sofern sie sich nicht von den Vorurteilen und den leider auch in der Sportpraxis vorhandenen spirituellen Überbau des Themas abschrecken lassen. In den kommenden Monaten werde ich mit zusätzlichen kleinen Beiträgen diese Übersicht mit Leben und damit hintergründigen Informationen füllen – Kommen Sie gern auf mich zu, wenn Sie an einer konkreten Stelle ansetzen oder schon jetzt mehr erfahren wollen.  

Emotional wirksame TechnikenWahrnehmungsübungenRegenerationsmanagement
Die Rolle von Metaphern, Geschichten, MärchenAchtsamkeits-/WahrnehmungsübungenEntspannungstechniken
RitualeImaginationMeditationstechniken
GlaubensgrundsätzeResilienztechniken und Ressourcenaktivierung
Moments of excellence
Link zum Video
Regressionen
Reframing
Link zum Video
Werte und Motive
Gedanken und Emotionen kontrollieren
Link zum Video

Emotional wirksame Techniken

Viele Techniken aus dem therapeutischen Bereich arbeiten mit den Emotionen. Und Emotionen sind es, die sehr unmittelbar dazu führen können, Leistungen optimal erbringen zu können oder eben auch diese Leistungen nicht abrufen zu können. So beflügeln uns Emotionen, wenn wir frisch verliebt sind zu Höchstleistungen, auch wenn sie in Einzelfällen schädlich sein können, wenn wir ein zu hohes Risiko eingehen. Oder denken wir an die Emotion Angst. Diese kann sowohl überlebensnotwendiger Schutzmechanismus, als auch ein denkbar schlechter Lehrmeister sein, wenn sie im Ergebnis unsere Leistungsfähigkeit hemmt.

Arbeit mit Metaphern, Geschichten, Märchen

Schon in der Kindheit begleiten uns die Märchen, die in uns die verschiedensten Emotionen hervorrufen und uns gleichzeitig Lernerfahrungen liefern. Und auch als Erwachsene können wir über den Einsatz von bildlicher Sprache, über das neudeutsche Storytelling, Emotionen in die ein oder andere Richtung lenken. Dies gilt für den Einzelsportler, wie auch für das Team. 

Zudem lassen sich psychoedukative Botschaften, also das Wissen über Zusammenhänge und wissenschaftliche Grundlagen sehr viel besser über Geschichten, Metaphern oder Bilder vermitteln als in einer wissenschaftlichen Sprache. Dies gilt vor allem für Kinder und Jugendliche.

Arbeit mit Ritualen

Rituale dienen dazu, dem Sportler oder einer Mannschaft Sicherheit und Selbstvertrauen zu vermitteln, oder wie bei den All Blacks, der neuseeländischen Rugby-Nationalmannschaft, den Gegner zu beeindrucken und Angst als Emotion hervorzurufen. Auf der anderen Seite auch, sich gemeinsam einzuschwören, ein „Wir-Gefühl“ zu erzeugen und eigene Ängste zu überwinden.

Und Rituale können auch leistungshemmend wirken, wenn Sie z.B. nicht durchgeführt werden können, ihr Ablauf gestört wird oder einfach nicht mehr zum Menschen passen. Somit kann mit Ritualen positiv im Sinne einer Implementierung gearbeitet werden oder es gilt, die Rituale aufzulösen. Dies geschieht z.B. mit Tranceinduktionen und der Arbeit in der Trance.

Arbeit mit Glaubensgrundsätzen

Jeder Mensch von uns hat Grundsätze, an die er glaubt. Manche sind beweisbar: „Die Erde ist eine Kugel, keine Scheibe“, andere jedoch entstehen und sind nur in unserem Kopf. Und dort entfalten Sie ein unheimliche Macht, da sie unser Erleben, unsere Emotionen und unser Handeln maßgeblich bestimmen können. Und dies oft unbewusst.

Deshalb ist es wichtig, im ersten Schritt diese Glaubenssätze zu identifizieren, also bewußt zu machen und dann ggf. durch andere zu ersetzen oder Sie aufzulösen.

Moments of excellence 

Gemeinsame erfolgreiche wie auch weniger erfolgreiche Erlebnisse schweißen zusammen, sind oftmals emotional stark belegt und erzeugen somit ein unendliches Energiefeld.

Dieses Phänomen kann aktiv genutzt werden, um einen Sportler oder ein Team in diese Emotionen, in diese Energie zu bringen. Angewandt in der Halbzeitpause oder in der Spielvorbereitung kann es dazu führen, dass wir zwei völlig unterschiedliche Halbzeiten oder wie ausgewechselt auftretende Teams sehen. Auch hier wird mit hypnotherapeutischen Techniken gearbeitet.

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Regressionen

Bei der Regression versetzen wir uns in Zustände, die in der Vergangenheit liegen, ähnlich wie beim Moment of Excellence. Hier werden dann in anderer Anwendung z.B. Entstehungsmomente von Ängsten und ähnlichen Blockierungen, die zu einer Leistungsminderung führen, bearbeitet.

Reframing

Beim Reframing setzen wir ein bestehendes Bild in einem anderen Rahmen. Obelix ist z.B. auf der einen Seite ein dicker Mann – ein Bild, welches eher eine negative Aussagekraft hat. Obelix ist auf der anderen Seite aber auch ein großer, kräftiger Krieger. Dass macht den Gallier nicht dünner, setzt das Bild jedoch in einen gänzlich anderen Rahmen. Diese Technik ist bei vielen negativen Selbstbildern oder auch Glaubenssätzen anwendbar.

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Wertarbeit – Motivation

Das Wissen über unsere eigene Werte und Motive ist eine unheimlich gute Antriebsquelle. Oft sind uns dies Werte/Motive nicht bewusst und somit ist uns unsere Zielsetzung auch nicht klar. Die Bewusstmachung unserer Motive bewirkt eine deutlich klarere Orientierung, was zusätzliche Energien freisetzt.

Techniken zur Kontrolle von Gedanken und Emotionen

Emotionen sind zentraler Bestandteil unserer Leistungsfähigkeit. Technisch und taktisch gut aufgestellte Einzelsportler und Mannschaften unterliegen oft den in diesen Bereichen schwächeren Sportlern oder Teams, wenn diese ihre Unterlegenheit durch Kampf, Leidenschaft und positive Emotionen ausgleichen. Diese Emotionen können ganz unterschiedlicher Art sein: 

  • Angst vor der Strecke, vor der Verletzung
  • Neid und Eifersucht auf die/den Konkurrentin/Konkurrenten
  • die Ungeduld beim Überholvorgang

All diese Emotionen können dazu führen, dass wir unsere Leistungen nicht abrufen, dass wir stürzen oder wir blind in die Falle des Gegners laufen.

Techniken zur Kontrolle unserer Gedanken und Emotionen, wie sie z.B. auch die Shaolinmönche anwenden, führen dazu, uns zuerst dieser Emotionen und Prozesse gewahr zu werden, um sie dann bewusst regulieren zu können.

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Wahrnehmungsübungen

Unser Handeln fängt bei der Wahrnehmung an und wir nehmen unsere Umwelt nicht so wahr, wie sie ist, sondern wir nehmen sie durch Filter wahr. Dies ist darin begründet, dass wir nur eine bestimmte Menge an Informationen aufnehmen können und damit lernen, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden. Wir fokussieren uns im bestem Falle auf die für den Erfolg wichtigen Dinge. Weiterhin beruhen diese Filter auf unserer Vorerfahrung, also dessen, was wir erlebt und gelernt haben. Auch engen unsere Emotionen unsere Wahrnehmungsfähigkeit oftmals sehr ein.

In manchen Sportarten ist eine gute Fokussierung extrem wichtig, indem wir alle störenden Umweltfaktoren auszublenden versuchen, um in einen „Flowzustand“ zu kommen. Bei anderen Sportarten braucht es jedoch ein viel weiter geöffnetes Visier, um so viel Informationen wie möglich aus der Umgebung aufzunehmen und einen Zustand des „Open Minds“ zu erreichen. Und in manchen Sportarten wechseln diese beiden Zustände ab oder benötigen eine gute Balance.

Hypnotherapeutische Techniken helfen beim Erreichen dieser Zustände.

Achtsamkeits-/Wahrnehmungsübungen

Oft haben wir verlernt, unsere Umgebung wahr zu nehmen. Somit gibt es Techniken aus verschiedenen Kulturen, wie z.B. auch aus dem fernöstlichen Bereich (Tai Chi, Qi Gong, Meditation), die uns ermöglichen, unsere Umwelt, unsere Bewusstseinszustände bewusster wahr zu nehmen und uns selbst zu regulieren.

Durch das Erlernen dieser Techniken kann der Sportler die Erreichung des Zustandes trainieren, der in seiner Sportart notwendig und sinnvoll ist.

Imagination

Von Anfang an stellen sich Abfahrtsläufer vor dem Rennen die Strecke vor, gehen Sie im Geiste noch einmal durch und der Körper arbeitet mit. Diese Imaginationstechnik ist Hypnotherapie pur. Und mit diesen Techniken können wir sehr, sehr viel trainieren. Sogar Kraftaufbau ist zu einem geringen Umfang möglich, ohne schwere Gewichte zu stemmen. Allein durch die Vorstellung, sie im Gedanken zu stemmen.

Angewandt werden kann sie jedoch vor allem dazu, technische Abläufe durchzugehen und zu verfeinern, sich Gefahrenstellen ins Bewusstsein zu rufen oder bestimmte Ablaufpunkte zu erinnern. Somit ist das die Fähigkeit von Imagination eine zentrale Methode zur Leistungssteigerung.

Regenerationsmanagement

Auch in der Nichtleistungsphase eines Sportlers, also in der Phase des „Auftankens“, der Regeneration, haben die Techniken rund um die Hypnose ihren Platz und Stellenwert:

Entspannungstechniken

Das autogene Training ist aus der Hypnose abgeleitet und stellt eine Technik zur Entspannung und Stressreduzierung dar. Sie wird oft auch dazu genutzt, um in den Schlaf zu kommen, einer der wesentlichen Bestandteile der Regeneration. 

Die progressive Muskelrelaxation (PMR) nach Jacobsen ist eine andere, verwandte Technik. Zu Grunde liegen diesen Techniken als Mutter die Fähigkeit zur Selbsthypnose, dass heißt sich selber auf das Innere zu fokussieren. Und da gibt es verschiedene Induktionstechniken, um diesen Zustand zu erreichen.

Meditationstechniken

Auch der fernöstliche Zugang der Meditation ist der Hypnose durchaus ähnlich, jedoch versuchen wir uns hier in einen Zustand der Gedankenfreiheit zu versetzen, ohne auf tiefe körperliche Entspannung hinzuarbeiten, die jedoch auch eintreten kann. 

Vielmehr geht es um die Entspannung des Geistes. Verschiedene Formen, von der atemzentrierten Technik bis zum Mantrasingen stehen zu Verfügung um sozusagen ein wenig „den Kopf aufzuräumen“.

Resilienztechniken – Ressourcenaktivierung

Weiterhin können die oben genannten Techniken und weitere mehr angewandt werden, um bestimmten Drucksituationen stand zu halten, um resistent und resilient zu sein und zu werden. Und wir können uns nicht bewußte oder nicht im Zugriff befindliche Ressourcen, Energien und Kräfte zugänglich machen, um sie entsprechend zu Verfügung zu haben und einsetzen zu können.

Hinweis an Trainer, Sportler, Funktionäre und Eltern

Wie Sie sehen, die Hypnotherapie bietet ein breites Repertoire für den Sportler und den Trainer um an der Verbesserung der Leistungsfähigkeit zu arbeiten.

Wollen Sie näheres erfahren, sprechen Sie gern meine Kollegen (zur Übersicht) oder mich (zum Profil von Klaus-Dieter Lübke Naberhaus) persönlich an.

Interesse, von Klaus-Dieter Lübke Naberhaus zu lernen?

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Prof. Dr. Oliver Stoll: Von Leistungszielen und anderen solchen Sachen

In seinem ersten Jahr als Streakrunner hat Prof. Dr. Oliver Stoll mit uns jeweils monatlich seine Selbsterfahrung des Täglichlaufens geteilt. Die Serie war ein echter Erfolg. Mit etwas Abstand ist unser laufverrückter Professor auf die Idee gekommen, seine Erfahrungen aus dem Jahr 2018 mit etwas Abstand noch einmal angewandt sportpsychologisch zu analysieren. Daraus entsteht ein Buch, welches Ende des Jahres 2020 veröffentlicht werden wird, und aus dem wir hier exklusiv einen Auszug veröffentlichen dürfen.

Zum Thema: Streakrunning aus sportpsychologischer Perspektive

Hinweis: Der folgende Auszug bezieht sich auf den folgenden Blogbeitrag vom 7. Februar 2018. Zum besseren Verständnis empfiehlt es sich, genau diesen noch einmal zu überfliegen:

Warum macht man so etwas? Und welches Menschenbild könnte hinter so einer Entscheidung stecken, jeden Tag mindestens eine Meile zu laufen? Schnell führen diese Gedanken zum Thema Motivation und der gar nicht so einfach zu beantwortenden Frage, „Wie Motivation eigentlich entsteht?“ 

Immer ausgehend vom „kognitivistischen Ansatz“ entsteht Motivation immer dann, wenn ein Motiv auf den richtigen Anreiz trifft. Motive sind sogenannte „überdauernde Wertungsdispositionen“. Dahinter versteckt sich eigentlich nichts anderes als „Sachen in unserem Leben, die uns wichtig sind und die unser Handeln veranlassen”. Das ist eine Grundvoraussetzung, aber da fehlt immer noch der richtige Anreiz. Wenn ich nun so in meine sportliche und berufliche Vergangenheit zurückschaue, dann stelle ich fest, dass „Leistung“ für mich immer eine wichtige Komponente in meinem Leben war. Ich wäre ansonsten nie im Leben 1988 auf Hawaii beim Ironman oder 2014 in Biel beim 100 Kilometer Laufen gelandet. Ganz sicher wäre ich ansonsten auch nicht Professor geworden, denn auch dieser Weg ist lang, steinig und hart. 

Smarte Ziele in praktischer Anwendung

Trifft also der richtige Anreiz auf ein dominierendes Motiv, dann hätten wir eine gute Ausgangslage für leistungsmotivierendes Handeln. Jeden Tag laufen! Ist das eine „Leistung“? Darüber lässt sich trefflich streiten. Das hängt immer vom Standpunkt des Betrachters ab. Für jemanden wie mich, der in seinem Leben schon die eine oder andere wirklich anspruchsvolle, sportliche Leistung gezeigt hat, könnte das eventuell eine spannende Erfahrung werden, aber handelt es sich dabei (für mich) wirklich um eine Leistung? Für einen Couch-Potato, der in meinem Alter, außer in der Schule nie wieder Sport getrieben hat, für den wäre diese eine Meile pro Tag sicher eine Leistung (zumindest in den ersten beiden Monaten). Aber ist Streak-Running für mich, der tief im Herzen leistungsmotiviert handelt, tatsächlich das Richtige? 

Wenn dem so wäre, dann habe ich im Februar 2018, also im zweiten Streak-Monat genau das richtige gemacht. Ich habe versucht, mir realistische und objektivierbare Ziele gesetzt. Ich habe versucht, einen zeitlichen Verlauf zur Erreichung von Zwischenzielen einzubauen. Und ich habe interindividuelle und intraindividuelle Vergleiche durchgeführt, dass heißt ich habe meine aktuelle Laufleistung mit der Leistung anderer verglichen und ich habe meine aktuelle Laufleistung mit Leistungen aus meiner Vergangenheit verglichen, um eben dieses “Streak-Running“ objektiv einzuordnen. Das nennt man eine SMARTe Zielsetzung, die vor allen Dingen dazu dient, leistungsmotiviertes Handeln aufrecht zu erhalten. Dazu gehört im Übrigen auch das, was wir in der Psychologie „Selbstmanagement-Fähigkeiten“ nennen. Dahinter verbirgt sich die Fähigkeit, Situationen, die einem im Alltag besonders wichtig sind, schon am Abend vorher zu antizipieren, bewusst zu planen und diese Handlungsplanung auch ständig wieder zu aktualisieren. Auch das habe ich im Februar in meinen „Tagesablauf“ eingebaut.

Auf dem Weg zu einer neuen Motivstruktur

So wie es also im Februar 2018 ausgesehen hat, war ich in dieser Zeit, bezogen auf das Täglichlaufen noch immer eher leistungsmotiviert unterwegs, jedoch scheint sich schon im zweiten Monat eine Veränderung in meiner Motivstruktur anzudeuten. Man findet in der Beschreibung solche Begriffe wie „entspanntes Laufen“ und “intensive Sinneswahrnehmung“. Man liest es sogar schon in der Überschrift zum Monat: „Grenzenlose Gelassenheit“. Es ist zwar nicht so, dass eine entspannte Laufeinheit oder eine besondere Sinneswahrnehmung gleich mit leistungsmotiviertem Handeln komplett kollidiert, aber sollte sich solche Wahrnehmungen im weiteren Verlauf manifestieren, könnte man das als einen „Sinneswandel“ interpretieren, was – außer in unserer Pubertät – nicht wirklich oft vorkommt. Seien wir also gespannt, wie es weiter geht. 

Auf seiner Facebookseite freut sich Prof. Dr. Oliver Stoll über Feedback und Anregungen. Kontakt könnt ihr auch über seine Profilseite aufnehmen: https://www.die-sportpsychologen.de/oliver-stoll/

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Väter des Erfolgs, Edition 2024

Kinderleicht kann es sein oder sich unmenschlich schwer anfühlen. Das Abliefern der bestmöglichen Leistung. Genau in dem Moment, in dem es darauf ankommt. Wenn du als SportlerIn, TrainerIn oder Coach lernen willst, abzuliefern, dann bist du hier richtig.

Wir von Die Sportpsychologen haben mit erfolgreichen SportlerInnen wie Paul Biedermann und erfahrenen TrainerInnen aus dem Spitzensport ein Online-Coaching Programm entwickelt. “Abliefern, wenn es darauf ankommt” heißt es und vermittelt das Grundwissen, über dass AthletInnen, TrainerInnen und Coaches eigentlich verfügen sollten.

Aus unserer beruflichen Praxis wissen wir aber, dass es sehr viele Sportler und Sportlerinnen gibt, die sich seit Jahren schwer tun, ihre Trainingsleistung im Wettkampf zu zeigen. Und wir wissen auch, dass das kindliche Leichtigkeit am Abliefern im Laufe einer Karriere durch Verletzungen, in Misserfolgsphasen oder in schwierigen Lebenslagen verlernt werden kann.

Eine sportliche Leistung geht zu 50% auf die psychologische Ebene zurück.

Paul Biedermann

Wie „Abliefern“ funktioniert

Unser Programm setzt an deinen individuellen Stärken und persönlichen Schwächen an. Mit Hilfe eines wissenschaftlich validierten Fragebogens stellen wir fest, in welchen Dimensionen – von Selbstgesprächen über die Emotionskontrolle bis hin zur Visualisierung – du deine Skills ausbauen kannst oder Defizite ausräumen solltest.

„Abliefern“ vermittelt dir die Werkzeuge, die dir auf deinem Weg zu deinem Ziel helfen können. Es geht nicht um Wunderdinge, sondern um handfestes und erprobtes Wissen aus der Sportpsychologie, welches dir Prof. Dr. Oliver Stoll und seine KollegInnen in deine Praxiswelt übersetzt. Verständlich, hintergründig und lebensnah erklären dir renommierte sportpsychologische Experten, was du wissen musst, um abliefern zu können, wenn es darauf ankommt.

Wie sieht „Abliefern“ aus?

Klingt interessant? Aber du willst mehr wissen? Dann schau dir die Inhalte zur Dimension Selbstgespräche an, die wir dir hier kostenlos zur Verfügung stehen. In der Dimension vermitteln dir Prof. Dr. Oliver Stoll, die Sportpsychologin und frühere Handball-Nationaltorhüterin Katja Kramarczyk und der erfolgreiche Ausdauersportler Falk Cierpinski ihre Erfahrungen zum Thema Selbstgespräche. Weitere kostenlose Videos aus unserem Zusatzmaterial findest du hier (Link).

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Weitere Informationen

Was sind die weiteren Inhalte des kostenpflichtigen Programms?

DimensionenSchwerpunkteSportler/Trainer/Experten
Zielsetzung– Motive und Anreize
– Leistungsziele
– Smarte Ziele
– Kausalattribuierung
– Flow
Frank Embacher, einer der erfolgreichsten deutschen Schwimmtrainer

Christian Hoverath, zum Profil bei Die Sportpsychologen: Link

Selbstgespräche– Selbstgespräche und deren Einfluss auf sportliche Leistung
– heiße und kalte Selbstgespräche
– Drehbuchtechnik
– Hypnose
Falk Cierpinski, erfolgreicher deutscher Ausdauersportler und Unternehmer

Katja Kramarczyk, zum Profil bei Die Sportpsychologen: Link

Visualisierung– Einsatz in der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung
– PETTLEP-Model
– Drehbuchtechnik
– Einsatz in Verletzungsphasen
Pavlo Rozenberg, WM-Medalliengewinner im Wassersrpinger und Schweizer Nationaltrainer Wasserspringen

Dr. Hanspeter Gubelmann, zum Profil bei Die Sportpsychologen: Link

Emotionsregulation– Stress
– den optimalen Aktivierungszustand herausfinden
– Coping
– Perfektionismus im Sport
Alexander Koke, Co-Trainer Frauen-Handballnationalteam

Dr. Christian Reinhardt, zum Profil bei Die Sportpsychologen: Link

Aufmerksamkeitskontrolle– technische Innovationen
– Wahrnehmung als Schlüssel
– Vier-Felder-Modell
– Aufmerksamkeitstraining
Romy Beer, frühere Weltcup-Teilnehmerin im Biathlon

Dr. René Paasch, zum Profil bei Die Sportpsychologen: Link

Aktivierung/Entspannung– Aktivierungstechniken
– Rituale
– naive und wissenschaftliche Entspannungsverfahren
– Sporthypnose
Paul Biedermann, Schwimm-Weltmeister und mehrfacher Weltrekordhalter

Klaus-Dieter Lübke Naberhaus, zum Profil bei Die Sportpsychologen: Link

Automatismen
– automatisiertes Leistungshandeln
– Motivation
– Flow
Lea Schairer, Bundestrainerin Skateboarding

Thorsten Loch, zum Profil bei Die Sportpsychologen: Link

„Abliefern“ hier kaufen

    Welche technischen Voraussetzungen brauche ich?

    Die kostenpflichtigen Inhalte haben wir über die Storytelling-Plattform Pageflow erstellt. Dich erwartet umfangreicher Video-Content, der mit Grafiken, Fotomaterial und Texten ergänzt ist. Abrufen kannst du das Material über deinen Rechner, den Laptop, dein Smartphone oder das Tablet. Über einen Link, dem wir jedem Lizenzinhaber zur Verfügung stellen, bekommst du Zugriff auf die Inhalte, die du innerhalb der Lizenzfrist jederzeit und so häufig wie gewünscht abrufen kannst.

    Weshalb kann ich mir sicher sein, dass mir das Programm etwas bringt?

    Unsere Experten von Die Sportpsychologen haben viele, viele Jahre Erfahrung in der Betreuung von internationalen Top-Athleten, erfahrenen Trainern, großen Talenten sowie ambitionierten Freizeit- und Hobbysportlern. Immer wieder, so betont Prof. Dr. Oliver Stoll, sind in den vergangenen Jahren in diesem Zusammenhang Sportler auf ihn zugekommen, weil sie Schwierigkeiten hatten, ihre Top-Performance am Tag X zu bringen. Der Leipziger hat bereits zahlreiche Olympia-Teilnehmer betreut, war mit den deutschen Wasserspringern bei den Olympischen Spielen und hat als Ausdauersportler erfolgreich am IronMan auf Hawaii teilgenommen. Ihm gelingt es, im Zusammenspiel mit seinen Kollegen aus dem Netzwerk das theoretisches Wissen aus der Sportpsychologie in deine Athletenwelt zu übersetzen.

    „Im Programm vermitteln wir das Wissen um die Werkzeuge, die Sportler effektiv einsetzen können, um am Ende abzuliefern“, sagt Stoll. Entstanden sei kein Wundermittel, sondern praxisrelevanter Input, den jeder Sportler in sein Training, seinen Alltag und die unmittelbare Wettkampfvorbereitung einbauen kann.

    Du hast Fragen, dann stell sie uns!

    Gern stehen wir euch zur Verfügung, wenn Fragen offen geblieben sind oder irgendwo der Schuh drückt. Nutzt gern das folgende Formular:

      Mathias Liebing
      mobil: +49 170 9615287
      mail: m.liebing@die-sportpsychologen.de

      Prof. Dr. Oliver Stoll
      phone: +49 0173 4649267
      mail: o.stoll@die-sportpsychologen.de

      Sportpsychologische Beratung Prof. Dr. Oliver & Frauke Stoll, Jahnallee 10, 04109 Leipzig

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      Mit Anlauf den Absprung schaffen: Wie Sportpsychologen beim Karriereübergang helfen

      Sportpsychologen sind prädestiniert, Athleten beim Übergang in die nachsportliche Karriere zu unterstützen. Sie kennen das Sportsystem gut und können dennoch als neutrale Ansprechpersonen wirken. Bei der Planung und Vorbereitung von Laufbahnabschlüssen können sie in vielerlei Hinsicht helfen, denn die Veränderungen, die am Tag nachdem der letzte Applaus verhallt ist, sind immens. Wir haben einige unserer Profilinhaber (zur Übersicht) mit Fragen von Athleten konfrontiert.

      Interview mit Dr. Hanspeter Gubelmann, Lisa König, Anke Precht, Kathrin Seufert und Stephan Brauner

      Welches sind die notwendigen Voraussetzungen und Kompetenzen, die ein Sportpsychologe bei der Beratung eines möglichen Karriereendes mitbringen muss?

      Dr. Hanspeter Gubelmann (zur Profilseite): Eine Athletin oder einen Athleten im Übergang in eine nachsportliche Karriere zu begleiten, erfordert vor allem eines: Vertrauen. Vielfältige Erfahrungen und Fachkompetenz im Umgang mit Sorgen, Ängsten und Nöten sind besonders gefragt, ein systemischer Betreuungsansatz oft sehr hilfreich. 

      Kürzlich kontaktierte mich eine ehemalige Spitzensportlerin, die ich vor einigen Jahren bis zum Karriererücktritt betreut und darüber hinaus begleitet hatte. Ihr aktueller Arbeitsplatz ist durch die Corona-Pandemie gefährdet, sie suchte erneut Unterstützung bei mir. Auf die Frage, wieso ihre Wahl wieder auf mich falle, meinte sie. „Du verstehst mit am besten, wie ich denke, fühle und handle. Ich weiss, wie ich im Austausch mit dir zu guten Entscheidungen finde. Das gibt mir Sicherheit und Zuversicht.“

      Was spricht dafür, sich jeweils sportpsychologische Experten aus der eigenen Sportart zu suchen? Was spricht dagegen?

      Lisa König (zur Profilseite): Dafür spricht vor allem das vorhandene Wissen zum Karriereverlauf und die Stärken eines Sportlers aus den eigenen Reihen. Es wird kaum notwendig sein, erst die Modalitäten und Abläufe zu klären, bevor man mit der wesentlichen Arbeit beginnen kann. Wenn man auf der gleichen Wellenlänge ist und die Vorzüge und Nachteile der jeweiligen Sportart kennt, kann man sehr gut darauf eingehen und in die Beratung einbauen.

      Dagegen sprechen würde in manchen Fällen, dass ein Außenstehender frei von Bewertung gegenüber dem System dieser Sportart ist und mit neuen Ideen und einer neutralen Perspektive aufwarten kann. Ebenso kann er Erfahrungen und Beispiele aus anderen Sportarten einbringen, die dem Sportler vielleicht eine neue Sichtweise auf seine Lage geben können.

      Sollte ich darauf achten, einen Ex-Sportler oder eine Ex-Sportlerin zu konsultieren? Schließlich ist es doch wertvoll, wenn jemand das selbst schon erlebt hat, oder?

      Anke Precht (zur Profilseite): In Ausnahmefällen kann das sinnvoll sein, zum Beispiel, wenn es einen konkreten Sportler gibt, den man als besonders gutes Beispiel betrachtet. Wo man sagt: Den Weg, den der genommen hat, möchte ich auch gehen.

      Es kann aber auch ungünstig sein, mit jemandem zu sprechen, der oder die selbst Sportler war. Ein Arzt muss nicht alle Krankheiten selbst gehabt haben, um sie behandeln zu können, und gerade Ex-Sportler neigen manchmal dazu, den eigenen erfolgreichen Übergang als Maßstab zu nehmen, den der Ratsuchende möglichst übernehmen sollte. Ein Sportpsychologe, der neutral auf die Situation schaut, kann manchmal besser die individuellen Stärken und Potentiale des Menschen herausarbeiten, der vor ihm sitzt, um völlig vorurteilsfrei die nächsten Schritte zu finden. 

      Stephan Brauner (zur Profilseite): Ganz im Gegenteil. Erfahrung ist gut, allerdings ist eine unabhängige und neutrale Sicht hier wichtiger. Besonders wertvoll wird es sein, das eigene Netzwerk und auch dessen weitere Kontakte aktiv zu nutzen.

      In den Medien ist oft die Rede von einstigen Stars, die sich mit dem Übergang ins normale Leben schwer tun. Was, wenn ich ein eher normaler Sportler bin und trotzdem Schwierigkeiten mit dem Loslassen habe, mir meine Probleme im Vergleich lapidar vorkommen? Was sind die Schwerpunktthemen, die auf den Tisch kommen dürften?

      Kathrin Seufert (zur Profilseite): Jeder Mensch und jeder Sportler unabhängig vom Erfolg darf sich schwer tun, mit dem Loslassen. Das Loslassen hat ja weniger mit dem Erfolg als mehr mit der Leidenschaft und den Strapazen und dem investierten zeitlichen Aufwand zu tun. Die Schwerpunkte des Coachings bzw. der Beratung liegen höchst individuell beim jeweiligen Athleten. Beispielsweise muss nun ein “Lückenfüller” gefunden werden, der die vielen Trainings- und Wettkampfzeiten mit einer tollen neuen Tätigkeit füllt. Hier muss kein neues Hobby her, Zeit mit der Familie, dem Hund, auf der Couch sind durchaus wohltuende Füller. Ebenso kann zum Thema werden, sich bewusst zu machen, was ich alles kann, wer ich bin und was mich eben abseits vom Sport ausmacht. Dies nun losgelöst von Erfolgen und Energien aus dem Sport sind die wichtigen Grundsteine für die  Zeit nach der Karriere. 

      Wo liegen die Grenzen eines Sportpsychologen? Was, wenn es um Drogen, Stress mit Trainern oder Partnern oder gar um ganz dunkle Gedanken geht?

      Kathrin Seufert (zur Profilseite): Wie die Berufsbezeichnung SPORTpsychologe schon sagt, geht es in der Arbeit mit eben diesem/dieser darum, sich um die sportlichen Belange zu kümmern. Also all das, was Einfluss auf die Leistung und das Wohlbefinden hat. Wenn es zu sogenannten klinischen Punkten kommt, wie zum Beispiel Drogenabhängigkeit, dunkle Gedanken wie Depressionen oder suizidalen Gedanken sind die Sportpsychologen hier nicht mehr die richtigen Ansprechpartner. In der Regel wird ein solcher Athlet an einen entsprechenden Fachmann (Psychotherapeut, Psychiater) weitergeleitet. Wenn der Stress mit Partner oder Trainer sich negativ auf die Leistung auswirkt, kann das durchaus ein Thema in der sportpsychologischen Beratung sein. Aber eben nur mit dem Athleten oder mit dem Trainer in Kombination. Es wird keine Paarberatung durchgeführt, im Sinne der besseren Beziehungsgestaltung. 

      Lisa König (zur Profilseite): Da stimme ich Kathrin voll und ganz zu! Manchmal liegen die Gedanken und Themen, mit denen sich Sportler beschäftigen (müssen) kaum und nur knapp außerhalb unseres Fachbereiches. Aber wir müssen diese Grenzen ziehen. Sportler mit ernstzunehmenden klinischen Problemen brauchen psychologische Hilfe. Petter Northug beispielsweise hätte die Hilfe eines Sportpsychologen während seiner Karriere in Anspruch nehmen können, um sich Schritt für Schritt auf seinen ganz persönlichen Karriereübergang vorzubereiten. Nun, da er offensichtlich ernste gesundheitliche Baustellen wie Abhängigkeit und Ängste entwickelt hat, ist ein Sportpsychologe nicht mehr die richtige Wahl; hier muss er die Hilfe eines Psychologen einholen.

      In welchem Umfang kann ich mit den Erfahrungen und dem Wissen aus einer Karriereübergangs auch im meinem nicht-sportlichen Leben etwas anfangen?

      Stephan Brauner (zur Profilseite): Die Vorstellung von linearen Karriereverläufen ist überholt. Im zunehmend volatilen Umfeld des Arbeitsmarktes muss jeder Berufstätige mit mehreren bis vielen Brüchen rechnen. Die Erfahrung, sich auch bewusst neu aufstellen zu können, wird also noch öfter hilfreich sein können. Dazu gehört eine klare Bestimmung des aktuellen Standortes und differenziert Antworten auf die Fragen „Was kann ich?“, „Was will ich?“ und „Was bietet der Markt?“

      Lisa König (zur Profilseite): Gerade in einer unsicheren Zeit wie jetzt, weiß man nie, wie das nächste Jahr aussehen wird. Genau wie Sportler, können auch Berufstätige ihre Sicherheit stärken, wenn sie frühzeitig an Alternativplänen arbeiten. Hierbei kann der Fokus zum Beispiel auf die eigenen Stärken und Qualifikationen gelegt werden: Was macht mich aus? Welche Stärken machen mich schwer ersetzbar für meine Arbeitgeber?

      Neben diesem Aspekt kann auch das Aufzeigen der eigenen Ressourcen und Unterstützer viel Sicherheit geben. Wenn Familie, Freunde und Kollegen hinter einem stehen, fällt es wahrscheinlich leichter, die eigene Karriere zu managen.

      Wie umfangreich ist in der Regel eine solche Karriereberatung, was kostet so etwas, geht das auch nur online, muss ich meinem Trainer darüber bescheid geben und wie merke ich, dass ich den richtigen oder die richtige Expertin gefunden habe? 

      Stephan Brauner (zur Profilseite): Karriere- oder Laufbahnberatung sind ganz normale Coachingthemen. „Wo stehe ich?“, „Was kann ich?“, „Wohin will ich?“ und „Was bietet der Markt?“ sind wichtige Fragen, die erarbeitet werden müssen. Bei einer langfristigen Begleitung kann und sollte das Thema immer mal wieder angesprochen und bearbeitet werden. (Wenn es „akut“ wird, kommt es darauf an, wieviel Reflektion zu den Fragestellungen schon erfolgt ist.) Da hier oft Weichen gestellt werden, lohnt sich eine Investition in mehrere Coachingsitzungen zu dem Thema bei einem spezialisierten Sportpsychologen oder auch einem Kollegen ohne Sportbezug.

      Dr. Hanspeter Gubelmann (zur Profilseite): Man kann es – eben aus Sicht der Laufbahnberatung – als „normales“ Coachingthema bezeichnen, aus Sicht der betroffenen Athletin oder des Athleten dürfte die Einschätzung eine andere sein, zumal es nicht nur um kognitive Orientrierungsprozesse geht. Die zu bewältigende Zäsur ist von grundsätzlicher und unmittelbarer Natur, d.h. sie betrifft Anpassungs- und Entwicklungsprozesse in beinahe sämtlichen (Er-)Lebensbereichen. Die augenscheinlichen Veränderungen im physischen, psychischen, sozialen, ökonomischen und medialen Bereich sind für den Athleten am Tag, nachdem der letzte Applaus verhallt ist, schon in aller Deutlichkeit spürbar! 

      Ich kann mir zudem nicht vorstellen, dass eine Beratung online stattfinden könnte, selbst wenn ich die Athletin gut kenne. Sinnvoll wäre, wenn der Athlet im Rahmen seiner langfristigen Finanzplanung auch einen Budgetposten “Karriereberatung” vorgesehen hat. Schliesslich kenne ich Sponsoren, die AthletInnen auch im Übergang in die nachsportliche Karriere finanziell unterstützen.

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      Dr. Hanspeter Gubelmann: Von der Siegeslust in die Pillensucht

      Als Weltklasse-Langläufer vereinte Petter Northug alle Attribute eines Superstars. Seine legendären Endspurts führten ihn in einen Siegesrausch, dem kaum ein Gegner gewachsen schien. Northug erhitzte aber auch wegen seiner Art die Gemüter. In Norwegen als selbstbewusster und leidenschaftlicher Nationalheld verehrt, galt er insbesondere in Schweden als kaltschnäuziger, überheblicher und zuweilen auch respektloser Rüppel. Wo Northug auftrat – immer gingen die Emotionen hoch, am meisten wohl beim Sportler selbst. Vergangene Woche outete sich der im Dezember 2018 zurückgetretene Langlaufstar und bekannte sich zu seinem gravierenden Drogenproblem. Die Sportpsychologie kann erklären, wie aus der Siegeslust eine Pillensucht wird.

      Zum Thema: Der Karriereübergang mit sportpsychologischer Unterstützung

      Eines vorneweg: es liegt mir fern, eine Diagnose zur Person von Petter Northug und seinem Verhalten zu stellen. Seine Eskapaden kommentierte er jüngst öffentlich (SRF, 21.8.2020), als er über sein massives Drogenproblem sagte: „Ich habe ein ernsthaftes Rauschproblem, das aus Alkohol, Narkotika und Pillen im Zusammenhang mit zeitweise hartem Feiern besteht.“ Er habe den Tiefpunkt seines Lebens erreicht und um professionelle Hilfe gebeten. 

      Schlagartig fühle ich mich an ähnliche Beispiele erinnert, etwa an Radfahrer Jan Ulrich, Fussballer Diego Maradona, oder Skispringer Matti Nykänen u.a.m. Oder ich denke an jenen „namenlosen“ US-Schwimmer, der mir anlässlich der Olympischen Spiele 2000 in Sydney stolz seine 1984 errungene Olympia-Silbermedaille zeigte, notabene in einer Bar und im Vollrausch. „Those days were the best ever – but long gone!“, stammelte er und leerte daraufhin sein Glas.

      Karriererücktritt – eine vielseitige Herausforderung!

      In meiner mittlerweile jahrzehntelangen Beratungstätigkeit im Umgang mit dem sportlichen Karriererücktritt und dem anschliessenden Übergang in eine nachsportliche Karriere war ich glücklicherweise noch nie betroffen von derart schicksalshaften Entwicklungen. Meine vielfältigen Praxiserfahrungen lassen sich grob in drei Orientierungslinien bündeln:

      1) Das sportliche Karrierende ist kein triviales Ereignis. Es ist verbunden mit einem klaren Entscheid, der – wenn möglich – vom Athleten-/der Athletin selbst gefällt wird! Die „Passung“ dieses Entscheids ist u.a. abhängig von der Qualität und der Art der Auseinandersetzung mit der eigenen Karrierebeendigung schon während der sportlichen Karriere.

      2) Alle SportlerInnen erleben das sportliche Karriereende als Zäsur in ihrem Leben. Viele beschreiben es auch als Loch, in welches sie fallen. Die Tiefe des Lochs ist individuell sehr verschieden und abhängig von der Persönlichkeit der AthletInnen sowie einer Vielzahl von (externalen) Aspekten und Rahmenbedingungen.

      3) Grosse Unterschiede erkenne ich in der Länge und Intensität der Transitionsphase, die mitunter auch in Comebackversuchen münden kann. Mir sind auch Fälle von AthletInnen bekannt, denen es erst Jahre nach dem letzten sportlichen Applaus gelang, sich auf ein sinnhaftes, „neues“ Leben einzulassen. Dabei spielte mitunter eine im Sport erlittene psychische Versehrtheit (z.B. psychische Gewalt, sexueller Übergriff etc.) eine gravierende Rolle. Letztlich setzt die positive Gestaltung dieser Entwicklungsphase beim betroffenen Ex-Sportler ein hohes Mass an Eigeninitiative, Engagement und Durchhaltewillen voraus.

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      „Ich bin verzweifelt!“

      In einem kürzlich erschienen Interview zur Thematik eines maladaptiven Karriereübertritts (siehe Tagesanzeiger vom 29.8.2020) äusserte ich die These, wonach das Risiko eines möglichen Scheiterns mit der Höhe des sportlichen Karriereerfolgs einhergehen kann. Die spezifische Problematik sehe ich in einer (auch medialen) Überhöhung des sportlichen Erfolgs (Heroisierung, „Nationalheld“) in Verbindung mit einer primär sportbezogenen Identitätsbildung („Sportikone“). Getrieben von der Lust am Siegen und getragen vom gesellschaftlichen Hype begibt sich die sportliche „Lichtgestalt“ immer mehr in jene «Bubble», die ihn von jeglicher Normalität entfernt. Oft leiden darunter nicht nur die psychische Gesundheit des Betroffenen, sondern insbesondere erdende, haltgebende soziale Kontakte im aussersportlichen Umfeld. 

      Wie heftig müssen die Entzugserscheinungen wirken, wie hart muss sich die Landung in der neuen Normalität für einen Weltsportler anfühlen, der seine Karriere schliesslich aufgrund sportlicher Erfolglosigkeit beenden musste und früh einen Ausweg im Alkohol- und Drogenrausch suchte? Petter Northug sagte dazu im Interview: „Ich bin verzweifelt“. Es dürfte insbesondere dieser „emotionale Entzug“ sein, den viele erfolgreiche SportlerInnen meinen, wenn sie von jener (sportbezogenen) Gefühlswelt sprechen, die in dieser einzigartigen Art nie mehr zurückkehren wird. 

      Dr. Hanspeter Gubelmann

      Dr. Hanspeter Gubelmann

      Sportarten: Ski nordisch, Ski alpin, Leichtathletik, Bob, Skeleton, Judo, Eiskunstlauf, Tennis, Short Track, Kanu, Eishockey, Mountainbike, Schwimmen, Triathlon, Rhythmische Sportgymnastik u.a.

      +41 (0)79 789 45 13

      h.gubelmann@die-sportpsychologen.ch

      Mehr Infos: Zur Profilseite, zum Kompetenzzentrum mind2win.ch

      Angewandte Sportpsychologie: Kompetenz und Hilfestellung für die Praxis gefragt!

      Im Wissen um die gestellten Anforderungen im Übergang in eine nachsportliche Karriere und im Bewusstein auch einer Mitverantwortung der Angewandten Sportpsychologie für das Gelingen dieses Entwicklungsschrittes, lassen sich situativ-individuelle Handlungsmöglichkeiten und passende Massnahmen ableiten. Diese stützen sich auf Erkenntnisse wissenschaftlicher Studien, wie jene vom ehemaligen Weltklasse-Skispringer Andreas Küttel, der mittlerweile in Dänemark zum Thema forscht und unterrichtet. Nachfolgend sind drei thematische Orientierungspunkte kurz umrissen, die mich in meiner Tätigkeit als angewandter Sportpsychologe immer wieder leiten:

      1. Persönlichkeitsentwicklung und Identität

      Professionell betriebener Spitzensport übt einen erheblichen Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung und Identitätsbildung ihrer Protagonisten aus. Im Zentrum steht dabei die Entwicklung der so genannten „sportlichen Identität“ (athletic identity), die als Selbstidentität von Individuen im Sportbereich definiert ist. Die Ausprägung dieser Identität steht in engem Zusammenhang mit der Rolle, den wahrgenommenen Werten und den sozialen Netzwerken der Athleten während ihrer sportlichen Laufbahn. Empirische Ergebnisse zeigten (vgl. Park et al. 2013), dass Athleten, die eine starke sportliche Identität hatten, im Übergang in eine nachsportliche Karriere aufgrund ihres eng fokussierten Lebensstils und ihrer eindimensionalen Identitätsentwicklung einen höheren Grad an Übergangsschwierigkeiten und Identitätskrisen erlebten. Eine duale Karriere im Spitzensport und/oder eine bewusste Orientierung auf aussersportliche Interessensfelder können der Ausbildung einer mehrdimensionalen Identität (balanced identity) zuträglich sein. Entscheidend ist, dass sich der Athlet hinsichtlich seiner individuellen Prägung bewusst wird und sich auf die notwendige Identitäts-Veränderung (identity shift) einlassen kann. 

      In Anlehnung an Schinke et al. (2012) wähle ich Selbstreflexivität als Interventionsstrategie, um beim Athleten die eigene Situiertheit in hohem Masse bewusst werden zu lassen. Die selbstreflexive Konfrontation mit der eigenen Entwicklung soll die Offenheit für etwas Neues erhöhen. Die Bewusstheit der eigenen Prägung und der eigenen Interessen bietet die Möglichkeit, auf Dilemmata, Ressourcen und Entwicklungschancen einzugehen, welche im Hinblick auf einen gelingenden Einstieg in die nachsportliche Karriere bedeutsam werden.

      2. Elementar wichtig: Menschliche Wertschätzung von ausserhalb!

      Je höher der Spitzensportler im sportlichen Olymp steigt, desto höher wird die Fallhöhe. Gleichzeitig entsteht ein spezifischer Sportkosmos, der sich vom herkömmlichen Alltag immer weiter entfernt. Im Sportjargon heisst das: der Athlet läuft Gefahr, die Bodenhaftung, den Bezug zum „normalen Leben“, zu verlieren. Auch aus dieser Perspektive betrachtet, postuliere ich eine abschliessende, für das psychische Wohlergehen des Sportstars essentiel bedeutsame Forderung an das soziale Umfeld: mindestens eine primäre Bezugsperson muss im engsten Betreuungsumfeld vorhanden sein, deren menschliche Wertschätzung komplett unabhängig vom sportlichen Erfolg ist! Das kann die Grossmutter, der langjährige Schulfreund oder der Sportpsychologe sein. 

      3. Fokus und Ressource zugleich: psychische Gesundheit

      Spitzensportler fühlen sich nach einer langen Sportkarriere oft ausgelaugt, medial unter Druck, psychisch und physisch angeschlagen. Für einen „letzten grossen Wurf“ sind sie mitunter bereit, nochmals viel zu investieren – vielleicht auch mit Hilfe von Rauschmitteln, Medikamenten oder gar Doping. Beispiele wie jenes von Petter Northug zeigen, dass daraus immenser, zuweilen existenzbedrohender Schaden entstehen kann.

      Hier liegt DER Ansatzpunkt für eine langfristige, karrierebegleitende Stärkung der Schutzfaktoren (u.a. psychisches Wohlbefinden, emotionale Robustheit, soziale Unterstützung etc.), die unter der Anleitung der Angewandten Sportpsychologie im Rahmen individualisierter psychologischer Betreuungsmassnahmen und in Koordination mit dem Umfeld des Athleten (Trainer, Betreuer, Eltern, Funktionäre) kontinuierlich entwickelt werden müssen.



      Mehr zum Thema:

      Quellen:

      Küttel. A., Boyle, E. & Schmid, J. (2017). Factors contributing to the quality of the transition out of elite sports in Swiss, Danish, and Polish Athletes. Psychology of Sport and Exercise 29(3), 27-39.

      Park, S., Lavallee, D. & Tod, D. (2013). Athletes‘ career transition out of sport: a systematic review, International Review of Sport and Exercise Psychology, 6:1, 22-53, DOI: 10.1080/1750984X.2012.687053

      Schinke, R.J., McGannon, K.R., Parham W.D. & Lane, A.M. (2012) Toward Cultural Praxis and Cultural Sensitivity: Strategies for Self-Reflexive Sport Psychology Practice, Quest, 64:1, 34-46, DOI: 10.1080/00336297.2012.653264

      https://www.srf.ch/sport/mehr-sport/langlauf/drogenprobleme-eingeraeumt-northug-bin-am-tiefpunkt-des-lebens

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      Klaus-Dieter Lübke Naberhaus: Schmerzmittel können Sportlerkarrieren verkürzen

      Die TV-Dokumentation „Pillenkick“ (Link zur Doku) – ein Projekt der ARD-Dopingredaktion und des gemeinnützigen Recherchezentrums CORRECTIV – hat Anfang des Sommers den Finger in eine offene Wunde gelegt: Denn spätestens seit den Recherchen ist klar, dass der Schmerzmittelmissbrauch im Amateursport zur Tagesordnung gehört. Klaus-Dieter Lübke Naberhaus weiß um die Gefahren und die Verbreitung von „Ibu und Co.“. Wir veröffentlichen hier Auszüge aus einem Interview der ARD-Dopingredaktion, welches im Rahmen der gemeinsamen Arbeit mit dem Recherchezentrum CORRECTIV entstanden ist.

      Klaus-Dieter Lübke-Naberhaus, sind Schmerzmittel eine Generationsfrage?

      Ich glaube, es geht immer auch um die Weitergabe von Ritualen. Und um Vorbilder. Da kann ich als Trainer oder im Leistungssport als Mannschaftsarzt so viel sensibilisieren wie ich will, wenn das Vorbild, dem ich ja nacheifere, etwas sagt und tut, und ich dann erfahre, der nutzt so etwas, dann hat das natürlich eine wesentlich größere Wirkung. Wenn du als Trainer dann dazu etwas sagst, musst du vorsichtig mit sein. Also ich glaube, die Vorbildfunktion und das Ritual spielen eine große Rolle. Deshalb ist es wichtig, dass wir an dieser Stelle alle sensibilisieren und alle an einem Strang ziehen, und nicht nur eben der Mannschaftsarzt oder der Sportpsychologe oder die Physiotherapeuten beziehungsweise bei den Amateuren der Trainer und der Mannschaftsbetreuer so ein bisschen wie gegen Windmühlen kämpfen, sondern alle in die gleiche Richtung, für die Gesundheit des Sportlers. Dann können wir an dieser Stelle etwas bewirken. 

      Gibt es einen großen Unterschied zwischen Profi-Sportlern und Amateursportlern?

      Ein Profi ist es gewohnt, dass er sich zwischen den Trainingseinheiten pflegen lassen kann, sich regeneriert oder aktiv erholen kann. Der greift auf ein Rundumprogramm zurück, was der Amateursportler in der Regel nicht kann. Dabei ist die Belastung aber schon enorm, körperlich und psychisch. Hinzu kommt die Verquickung und das Addieren von bestimmten Konflikten, die Sportler aus dem Berufsleben oder dem Privaten mitbringen. Dies führt dazu, dass der Sportler ähnlich beansprucht wird wie auf dem Profi-Level. Mit den logischen Folgen: In den Gelenken entstehen Abbauprodukte, es entsteht Verschleiß, kleine Verletzungen (Mikrotraumata) – im Ergebnis ist der Schmerz da. Aus meiner Erfahrung ist dann im Amateursport fataler Weise der Glaube sehr verbreitet, dass Schmerzmittel ein Wunderheilmittel für alles darstellen.

      Ein Wundermittel, dass ein Gefühl der Sicherheit vermittelt?

      Die Einnahme von Schmerzmitteln hat mehrere Faktoren. Vorrangig geht es darum, dass ich mir eine gewisse Sicherheit vorgaukele, die letztendlich nicht da ist. Und letztendlich wird es auch irgendwann zum Ritual, welches wiederum doch eine Form von Sicherheit darstellt. Dass ist dann das Gleiche, als würde ich mir immer den linken vor dem rechten Socken anziehen. Oder ich hab mein Schweißband immer dabei. Oder ich stell meine Trinkflaschen so in der Reihenfolge wie immer auf. So wird das Ibuprofen – als Beispiel für viele Schmerzmittel und Entzündungshemmer – in gewisser Weise zum Ritual. Wenn ich es nicht mache, dann begebe ich mich in eine Unsicherheit. Dann fehlt mir etwas in der Vorbereitung auf das Spiel. Und das kann von einem Einzelritual zu einem Mannschaftsritual werden, wo dann eine gesamte Mannschaft aus diesem Grunde ein Schmerzmittel vorher einwirft. Oft steht dann „eine Schüssel“ in der Kabine, an der jeder vorbei geht und zugreift. 

      Das Thema Schmerzmittelmissbrauch im Sport in den Medien:

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      Weitere Informationen

      www.pillenkick.de – Landingpage von Correctiv und der ARD-Dopingredaktion zu den gemeinsamen Recherchen mit vielen Beiträgen, Videos und Texten

      Geheimsache Doping – Beiträge der ARD-Dopingredaktion 

      Rituale haben oft etwas mit Angst zu tun?

      Ja, denn Rituale sind ja dazu da, um Ängste, Unsicherheiten und diese gewisse (Über-)Nervosität zu nehmen. Das Ritual hilft, um ein gewisses Selbstbewusstsein zu erlangen. Wir kennen das auf anderer Ebene von den All Blacks, den neuseeländischen Rugby-Spielern, wenn die ihren Maori-Tanz, den Haka, aufführen. Dann ist das beeindruckend für den Gegner und schafft ja für die Mannschaft selber ein riesiges Selbstbewusstsein.

      Lässt sich das Ritual denn irgendwie ersetzen? Platt: Das Stück Schokolade statt der Zigarette…

      Also wenn es nur um die rituelle Einnahme von Schmerzmitteln geht, ließe sich so ansetzen. Allerdings sind wir dann schnell bei der Voraussetzung einer sportpsychologischen Betreuung und einer entsprechenden sportpsychologischen Schulung von Spielern und Spielerinnen. Dass der Bedarf da ist, haben wir in der TV-Doku Pillenkick gesehen.

      Gibt es sportpsychologische Techniken gegen Schmerz?

      Ich komme ja aus dem Bereich der hypnotherapeutischen Schule und damit auch aus der medizinischen Hypnose. Und die Hypnose wird ja bei Zahnärzten, bei den Anästhesisten eingesetzt, zum Beispiel um Narkosemittel zu sparen, dass heißt also ganz klar, um Schmerzen zu reduzieren. Natürlich gibt es die Möglichkeit, den Spielern über die Selbsthypnosefähigkeit Mittel an die Hand zu geben, mit Schmerzen anders umzugehen. Ein Beispiel: Wenn ich zu einem entsprechend geübten Spieler sage, dass seine verletzte Hand kälter und kälter wird, ergibt sich daraus, dass die Rezeptoren ähnlich wie beim Eiseinsatz abgekühlt und der Schmerz nicht mehr so wahrgenommen wird. Das kann ich bis hin zu einer Anästhesie, also einer völligen Unempfindlichkeit gegenüber dem Schmerz ausbauen. Und damit habe ich eine gute Alternative.

      Klaus-Dieter Lübke Naberhaus

      Klaus-Dieter Lübke Naberhaus

      Sportarten:Handball, Eishockey, Fußball, Volleyball, Leichtathletik, Kampfsportarten, Motorsport

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      k.luebke-naberhaus@die-sportpsychologen.de

      Mehr Infos: Profilseite

      In den Recherchen sind wir auf Aussagen gestoßen, dass Sportler mit Hilfe von Schmerzmitteln ihre Karrieren verlängern wollen? Was sagen Sie dazu?

      Ich würde eher sagen, dass die Einnahme von Schmerzmitteln durchaus geeignet ist, den Karriereverlauf zu verkürzen. Wenn ich unter Schmerzmitteln zum Beispiel zu früh in den Wettbewerb einsteige, kann das dazu führen, dass ich bestimmte Schutzreflexe ausschalte, die zu einer chronischen Schädigung führen können. Ich sage ganz klar, dass Schmerzmittel und auch Entzündungshemmer denkbar ungeeignet für chronische Verläufe sind. Es gibt sogar Untersuchungen, die zeigen, dass der Schmerzmitteleinnahme bei chronischen Entzündungen der Achillessehne eher dazu führt, dass es einen Achillessehnenriss gibt. Die Medikamente sind in einer akuten Phase gut geeignet, da gehören sie auch hin, da setzen wir sie auch als Mannschaftsärzte ein. Aber für eine chronische Geschichte sind sie denkbar ungeeignet, da stehen andere Ansätze wie physikalische Therapie, Medizinische Trainingstherapie und Krafttraining sowie andere naturheilkundliche Maßnahmen im Vordergrund. Zusammengefasst muss ich sagen, dass eher die Gefahr größer ist, dass es zu einer Verkürzung oder dem Ende einer Karriere kommen kann, denn von einer Verlängerung ausgegangen werden kann. Und wenn es eine Verlängerung gibt, zu welchem Preis wird sie dann erkauft?

      Sind Schmerzmittel leistungssteigernd?

      Wir könnten jetzt eine akademische Diskussion über Doping führen. Aber nein: Aus meiner Sicht sind sie leistungssteigernd, ganz klar. Denn manche Leistung ist gar nicht möglich, weil eben der Schmerz mich daran hindern würde.

      Interesse, von Klaus-Dieter Lübke Naberhaus zu lernen?

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      Kathrin Seufert: Wenn der Zeitplan keine Ruhe vorsieht… Die Fußballsaison 2020/2021 und die Auswirkungen der Corona-Unterbrechung

      Die neue Fußball Bundesliga-Saison steht in den Startlöchern. Nach rund sechs Wochen Vorbereitung startet Mitte September die Saison 2020/21. Doch schon jetzt ist einiges anders, als in den Jahren zuvor. Einige deutsche Teams müssten in ihrer Vorbereitung noch die europäischen Wettbewerbe aus der vergangenen Saison durchlaufen. Während Wolfsburg, Frankfurt und Leverkusen Anfang August in der Europa League scheiterten, feierten RB Leipzig und den FC Bayern München beim Champions League-Turnier große Erfolge. Für diese und alle anderen Vereine wird es vor allem eins: hektisch und herausfordernd. In den kommenden Monaten geht es hinter den Kulissen nicht zuletzt um das richtige Entspannen. 

      Zum Thema: Entspannung als Schlüssel für hochintensive Wettkampf- und Trainingsphasen

      Der Terminplan der DFL mit einer deutlich verkürzten Winterpause, dem Einbau des DFB Pokalfinals zwischen den beiden vorletzten Spieltage und eine direkt nach der Saison anstehende Europameisterschaft geben wenig Zeit für ein wirkliches Durchatmen. Zwischen dem letzten Spieltag der Saison 20/21 und dem EM-Turnierbeginn liegen gerade einmal knapp drei Wochen, die sicherlich vom Bundestrainer mit Vorbereitungen auf das Turnier genutzt werden wollen. Bestenfalls spielen sich unsere deutschen Nationalspieler ins Finale und dürfen dann bis zum 11. Juli beim Turniergeschehen mitmischen. Was allerdings auch zur Folge hätte, dass die darauffolgende Sommerpause wieder keine lange sein kann, da kurz danach wahrscheinlich auch der Saisonauftakt für die Spielzeit 2021/2022 auf dem Kalender auftaucht. Eine Belastung, die sich also unter Umständen nun noch über ein ganzes Jahr hinziehen kann. 

      Hier ist also eines nun extrem wichtig: Eine entsprechende Trainings- und Belastungssteuerung gepaart mit dem Erwerb der Fähigkeit, sich richtig und auch in kurzen Phasen entspannen zu können.

      Das Nachrüsten der Bundesligavereine hat begonnen

      Die Trainingssteuerung wird bei den Vereinen von Sportwissenschaftlern und höchst ausgebildeten Fußballtrainern durchgeführt. Doch die psychologischen Komponente ist noch nicht in allen Vereinen im Profibereich etabliert.

      Dass, was durch den DFB für die Nachwuchsspieler in den Nachwuchsleistungszentren vorgeschrieben ist, mindestens in Teilzeit sportpsychologische Unterstützung anzubieten, ist im Profibereich rein fakultativ. Mehr und mehr rüsten sicher die Vereine auf und bieten vereinsintern die Unterstützung durch Sportpsychologen an. 

      Warum ist es denn gerade in einer solchen Situation wichtig, auch den Kopf mit zu trainieren?

      Es gibt viele Komponenten, die in einer solchen dauerhaften Belastungsphase Einfluss auf unsere Denkweise, unsere Psyche und damit auf unser Wohlbefinden haben. 

      Was wir wissen, ist das auf Spieler, Trainer und Verantwortliche eine intensive Arbeit wartet. Jeder muss es in seinem Bereich schaffen, bestmöglich den Kader auf die Belastungen vorzubereiten. Doch ist es enorm wichtig, dem Körper auch entsprechende Ruhezeiten zu geben. Die Muskulatur braucht Zeit zu wachsen und eben auch Zeit, um sich von den Strapazen zu erholen. Nicht umsonst nutzen viele Fußballer die erweiterten technischen Möglichkeiten der Eiskabine oder der Kompression, um diesen Vorgang zu beschleunigen. Ihr Körper ist nun mal ihr Kapital und mit diesem muss sorgsam umgegangen werden. Wenn also die Athletiktrainer in der Steuerung der Trainingsintensitäten nun entsprechende Be- und Entlastungsphasen vorsehen, ist der Körper in der Lage, auch über einen dermaßen langen Zeitraum leistungsfähig zu sein. Es wird enorm wichtig, auf die kleinen Signale des Körpers zu hören, damit es durch fehlende Entlastung nicht zu schwerwiegenden Verletzungen kommt. Und unter Umständen wird es für manche Vereine die Saison der vielen Wechsel in der Start-Elf. Die Breite des Kaders könnte also womöglich ein entscheidender Faktor sein, um erfolgreich durch die Saison zu kommen. Hier könnten Möglichkeiten entstehen, dass Spieler aus der „zweiten Reihe“ es schaffen, sich in den Fokus zu spielen und sich zu zeigen. Mehr denn je, so ist anzunehmen, wird die Mannschaft als Ganzes gefordert sein.

      Aber wie schaffe ich es denn nun, mich auf diese Belastung auch mental vorzubereiten?

      Das Zauberwort heißt natürlich Entspannung. Wer viel Stress hat, einen vollen Terminkalender oder seinen Körper jeden Tag an die Grenzen führen muss, hat oftmals (spätestens auf Dauer gesehen) in irgendeiner Form Stress und Belastung. Doch das große Problem hierbei ist, dass viele Spieler gar nicht wissen, wie sie „richtig“ entspannen. Es gilt also erst einmal herauszufinden, was Dinge sind, die mich wirklich runterbringen. 

      Hier gibt es – wie fast immer in der Sportpsychologie – keine Musterlösung. So individuell wie jeder einzelne Mensch ist, so individuell sind die Möglichkeiten. Eine Antwort, die man häufig hört ist, dass ein Spieler zur Entspannung auf der Couch sitzen und bisschen am Handy “spielt”. Spannend hierbei ist, dass sich oftmals herausstellt, dass dieses Handyspielen überhaupt keinen entspannenden Faktor hat. Ganz im Gegenteil! Das Surfen im Internet, das Checken von Instagram und Facebook das Lesen und Versenden von WhatsApp Nachrichten und und und… Bei allem werden unsere Reize gefordert und Stimuli ausgelöst. Sei es das Ärgern über irgendwelche Kommentare, Erwartungshaltungen zu Posts oder einfach das Gefühl etwas „liken zu müssen“, versetzt die Kicker nicht in einen wirklichen Entspannungszustand. Gerade für unsere Fußballer, die in ihrem Alltag viele körperliche Arbeiten verrichten, ist es oft wirksam, sich gedanklich zu entspannen und über kognitive Verfahren etwas Ruhe zu bekommen.

      Kathrin Seufert

      Kathrin Seufert

      Sportarten: Fußball, Schwimmen, Eishockey, Basketball, Schießsport, E-Sports aber auch offen für alle anderen Sportarten

      Kontakt:

      +49 (0)152 092 602 88

      k.seufert@die-sportpsychologen.de

      Zum Profil: https://www.die-sportpsychologen.de/kathrin-seufert/

      Kogni-was? Wie kann so etwas aussehen?

      Kognitive Entspannung kann beispielsweise eine „Gedankenreise“ sein. Das klingt sehr psychologisch und vielleicht auch etwas esoterisch – ist es aber gar nicht. Es geht darum, sich gedanklich an einen Ort zu bringen, der einem das Gefühl von vollständiger Entspannung liefert und diesem dann mit allen Sinnen zu begegnen. Es geht vor allem darum, sich so intensiv wie möglich in die Situation hineinzuversetzen, sich beispielsweise zu überlegen, wie sich die Sonne auf der Haut anfühlt, nach was es duftet, welchen Geschmack ich auf der Zunge spüre und welche Geräusche an diesem Ort sind. Das bedarf ein wenig Training, um sich intensiv da hinein zu versetzen, aber es lohnt sich! Diese Entspannungstechnik wird dann zunächst in Situationen eingeübt, in denen überhaupt kein Stress vorhanden ist und steigert sich dann, sofern es bei niederschwelligen Situationen funktioniert, bis hin zum Topspiel, in dem die Anspannung und Belastung am höchsten erscheint. Diese Methode ist nichts, was mal eben kurz eintrainiert wird, sondern braucht ein wenig Zeit, um sich zu verankern. Daher wäre die Sommer- oder Winterpause, eine Verletzungspause oder eine Länderspielpause, an der ich nicht gebunden bin, ein passender Moment, um ganz in Ruhe die Erarbeitung der persönlichen Reise zu entwerfen.

      Alternativ dazu wären klassische Entspannungsverfahren, wie die Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen, in der durch An- und Entspannung verschiedener Muskelgruppen, ein körperlich entspannendes Gefühl einsetzt. Wichtig: Entspannungsverfahren sind nach dem Try and Error-Prinzip auszuprobieren und entsprechend der eigenen Persönlichkeit zu modifizieren. 

      Mehr zur Entspannung

      Es müssen aber auch nicht immer gleich sportpsychologische Trainings sein. Entspannung und das Erleben des sogenannten Flow-Zustandes, in dem einem einfach alles von der Hand gleitet, man gedankliche frei ist und völlig in der Aufgabe aufgeht, kann auch gut passen. Das kann beim Kochen sein, beim Abwaschen der Teller oder beim Spaziergang durch den Wald. In jedem Fall können diese Dinge durchaus einen sehr hohen Wert in der Entspannung von Sportlern haben.

      Entspannung erkennt man eben auch oftmals daran, dass die eigenen Gedanken ganz frei sind und fließen. Nicht das nächste Spiel, der nächste Gegner schwirrt schon im Kopf, sondern die Gedanken bleiben bei der Tätigkeit, die uns in einen entspannten Zustand bringt. Das bedarf, wie schon erwähnt, ebenso Training, wie das körperliche Üben. Aber es lohnt sich allemal.

      Probier es aus!

      Wenn du auch herausfinden möchtest, was dir ganz persönlich helfen kann, um dich zu entspannen und den Stress in positive Energie umzuwandeln, dann kontaktiere gerne einen meiner Kollegen (zur Übersicht) oder mich (zum Profil von Kathrin Seufert). Wir helfen dir gern dabei, das für dich Passende zu finden!

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