In den Nachwuchsleistungszentren zählen SportpsychologInnen mittlerweile zur personellen Grundausstattung. Aber was machen die Experten und Expertinnen dort? Schließlich stehen sie in aller Regel vor der riesigen Herausforderung, gleich mehrere Teams und Trainerstäbe zu betreuen. Welche Aufgaben konkret ausgefüllt werden, beantwortet Janosch Daul (Link zum Profil) von Die Sportpsychologen, der im Nachwuchszentrum des Fußball-Drittligisten Hallescher FC arbeitet.
Zum Thema: Aufgabenfelder und Rollenbeschreibungen in der Sportpsychologie
Was sind die Kernaufgaben?
Vermittlung mentaler Fertigkeiten gegenüber Spielern und Trainern
Ansprechpartner für psychosoziale Fragestellungen
Coach-the-Coach
Durchführung von Workshops und aktiven Teamentwicklungsmaßnahmen mit den Teams
Trainings- und Spielbeobachtung
Mitwirkung im Scoutingprozess
Mit wem arbeitet der/die SportpsychologIn direkt?
den Trainer,
den Spielern,
der Mannschaft,
den Mannschaftstrainern,
teilweise den Spezialtrainern (z.B. Athletik- und Torwarttrainern),
teilweise den Eltern,
teilweise den Leitern
Wem ist der/die SportpsychologIn in der Regel unterstellt?
die direkten Vorgesetzten sind die Leiter (z.B. Organisatorischer und Sportlicher Leiter bzw. Organisatorische und Sportliche Leiterin)
Beispielsituationen aus der Praxis:
Vermittlung mentaler Fertigkeiten an Spieler und Trainer
Strategievermittlung z.B.
-> für einen adäquaten Umgang mit Druck, Aufregung und Emotionen
–> für eine zielführende Kommunikation auf und neben dem Platz
–> zum gezielten Aufbau von Selbstvertrauen
-> zur Entwicklung einer adäquaten Körpersprache
-> zur Gestaltung individuell passender Routinen
Ansprechpartner für psychosoziale Fragestellungen
Umgang mit Konflikten und krisenhaften Situation
Zeitmanagement
Zusammenspiel Schule – Fußball
Coach-the-Coach
Durchführung von Workshops mit den Trainern zur Vermittlung von psychologischem Know-How
Analyse des Coachingverhaltens
Initiierung von Selbstreflexionsprozessen
Durchführung von Workshops und aktiven Teamentwicklungsmaßnahmen mit den Teams
Workshops zu Themen wie z.B. Selbstbewusstsein, Körpersprache, Umgang mit Emotionen, Erholungs- und Regenerationsstrategien, Schlaf, Professionalität
Durchführung von Teamübungen als erfahrungsorientierter Prozess mit anschließender Reflexion und dem Transfer in die Fußballpraxis
gemeinsames Erarbeiten von z.B. Teamregeln, Werten, Grundsätzen, Zielen
Trainings- und Spielbeobachtung
videobasierte Analyse des Coachingverhaltens mit anschließendem Reflexionsgespräch mit den Trainern
videobasierte Analyse von Teaminteraktionen mit anschließendem Reflexionsgespräch mit den Trainern
videobasierte Analyse von Verhaltensweisen einzelner Spieler mit anschließendem Reflexionsgespräch mit dem Spieler
Erst passiert es einmal. Und so etwas kann ja mal vorkommen, oder? Dann ein zweites Mal. Und dann wird es irgendwie schon komisch, oder? Wenn es dann das nächste Mal auftritt, steht das Problem unverrückbar im Weg. Aber wie lässt es sich bei Seite räumen?
Zum Thema: Umgang mit Blockaden
Im Rahmen unserer neuen Rubrik: “Du fragst, wir antworten” hat uns nun eine Frage genau zu diesem Thema erreicht. Gefragt hat ein Nachwuchsturnerin, die zuletzt häufiger mit Angst- und Blockade-Situationen zu kämpfen hat. Anke Precht aus Offenburg (zum Profil), Markus Gretz aus Ulm (zum Profil) sowie die beiden Leipziger Klaus-Dieter Lübke Naberhaus (zum Profil) und Prof. Dr. Oliver Stoll (zum Profil) haben auf die folgende Anfrage geantwortet:
“Wie kann man am besten gegen mentale Blocks vorgehen, bei Dingen die man eigentlich kann und sie schon geschafft hat, aber jedes mal aufs neue Angst bekommt?”
klasse, dass du dich diesem Thema stellst und es überwinden möchtest. Das lohnt sich wirklich!
Generell hilft alles gegen diese Angst, was auch gegen andere Ängste hilft. Atemtechniken können Spannung reduzieren helfen. Ganz einfach geht diese hier: Du atmest durch die gespitzten Lippen vollständig aus, bis wirklich nichts mehr aus der Lunge herauskommst. Dann atmest du zügig durch die Nase ein und hältst die Luft vier Sekunden lang an. Das wiederholst du dreimal. Diese Übung wirkt entspannend. Du kannst sie sogar in dein Ritual einbauen, bevor du deine Übung zeigst.
In der Sporthypnose nutzen wir außerdem eine Technik, die wir Visualisierung nennen. Du kannst sie auch ohne Hypnose anwenden, indem du dir vorstellst, wie du deine Übung richtig richtig gut absolvierst und hinterher glücklich und stolz bist. Der Trick dabei: Solange du den mentalen Block noch nicht ganz sicher los bist, lässt du den Film rückwärts laufen. Du fängst also am Ende der erfolgreichen Übung an, stellst dir vor, wie du dich von außen beobachtest, wie du sie sauber abschließt. Dann gehst du Szene für Szene rückwärts, stellst dir jedes Element genauso vor, wie du es turnen möchtest, bis zum Anfang. Dann lässt du den Film noch einmal vorwärts laufen, und dann noch einmal rückwärts, und schließt die Übung damit ab. Das solltest du täglich machen, außerhalb vom Training, am besten abends vor dem Schlafengehen, damit es nachts auf dein Unterbewusstsein wirken kann. Die Technik kann man erweitern, aber häufig hilft sie in Kombination mit der Atemtechnik schon richtig gut weiter.
Ergänzend zu Ankes Vorgehen läßt sich noch sagen, dass es durchaus zunächst sinnvoll sein kann, die Ursache der Blockade herauszufinden. Hier kann eine mentale Reise in die Vergangenheit hilfreich sein, die z.B. in leichter Trance erfolgen kann, um die Erinnerungen aus dem Unterbewußtsein wieder bewußt zu machen. Also die Frage beantworten zu können, wann war noch alles abrufbar und durchführbar und was ist passiert, dass die Blockade entstand? Dies können Themen sein, die mit dem Sport gar nichts zu tun haben, wie z.B. schulische Themen, oder aber auch leichte Verletzungen, Kommentare des Trainers und vieles mehr.
Danach richtet sich dann auch das weitere Vorgehen. Es können sich dadurch “Glaubenssätze” gebildet haben, wie z.B. ich kann das nicht, ich habe Angst davor. Diese gilt es herauszufinden und dann im besten Falle aufzulösen und durch andere Glaubenssätze zu ersetzen.
Die von Anke angegeben Techniken sind unabhängig von der Ursache hilfreich.
Das Herausfinden, wo die Angst herkommt – wie von Klaus schon gesagt – ist zunächst wichtig. Hängt deine Angst vielleicht damit zusammen, dass du in jüngerer Vergangenheit sehr schlechte Erfahrungen gemacht hast – vielleicht bist du gestürzt? So eine Erfahrung brennt sich schnell im Gedächtnis fest. So etwas lässt sich aber ganz gut in den Griff bekommen, wenn man eine “Gegenkonditionierung” durchführt. Soll heißen: Dass man diesen “fest gebrannten” Zusammenhang aus der Übung und der Angst auflöst und mit einer positiven Erfahrung neu “verbindet”. Das dauert zwar etwas, ist aber sehr effektiv.
Im Trainingsalltag empfiehlt es sich die Übung, die wegen Angst blockiert ist, nicht gleich zu Beginn nach dem Aufwärmen zu versuchen. Zwar hat man da noch am meisten Kraft und auch die Konzentration ist meist am höchsten, jedoch ist das nötige Vertrauen und Gefühl für den eigenen Körper oft noch nicht ganz da. Vorher sollte man sich durch Übungen, die man sicher beherrscht, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten holen. Wenn man dann kurz vor der Übung einen erfolgreichen Ablauf visualisiert, wird das Selbstvertrauen nochmal gestärkt. Dabei ist es besonders sinnvoll, sich kurz vor der Übung einen optimalen Ablauf in Echtzeit vorzustellen und sich keine Gedanken über mögliche Fehler zu machen oder den Ablauf in Zeitlupe zu visualisieren. Dann ist man top vorbereitet für die Übung und kann sich mit genügend Sicherheitsmaßnahmen auch wieder den eigenen Herausforderungen stellen.
Deine Frage?
Wir von Die Sportpsychologen sind für dich da. Und weil wir wissen, dass manchmal eine kleine Schwelle im Weg steht, Kontakt zu einem “Psychologen”, einer “Psychologin” oder einer/einem “MentaltrainerIn” zu suchen, machen wir einen Schritt auf dich zu. Wenn du also auch eine Frage an uns loswerden möchtest, dann nutz dafür das folgende Formular.
Wichtig zu wissen: Manche Fragen und deren Antworten veröffentlichen wir nicht. Wir treten dann mit den jeweiligen FragestellerInnen persönlich in Kontakt. Dies behalten wir uns für Fälle vor, in denen die Anonymität nicht gewährleistet werden kann oder das angestoßene Thema besser im geschützten Raum besprochen wird. Zudem gilt: Unsere Antworten können nicht mehr als Anstösse liefern. Anstösse, von denen du als Leser oder Leserin ableiten kannst, wie wir von Die Sportpsychologen ticken und was wir so machen.
Im Sport sind wir umgeben von Erwartungen. Dies betrifft sowohl Erwartungen von anderen – also zum Beispiel TrainerInnen, MitspielerInnen, FunktionärInnen, JournalistInnen oder auch Fans – als auch unsere eigenen. Und diese ziehen und zerren an uns, ohne dass die meisten von uns gelernt haben, mit unseren Erwartungen richtig und zielführend umzugehen. Wer will, kann hier versuchen, damit anzufangen.
Zum Thema: Umgang mit Erwartungen im Sport
Wie kannst du deinen Standpunkt zu Erwartungshaltungen herausfinden? Einfache Antwort: Durch Fehler! Durch Fehler kann ein kritischer Geist seine eigene Handlungsweise erforschen, erkannte bereits Benjamin Franklin (1706-1790). Du möchtest die Quelle deiner Annahmen entdecken und ebenso die künftig realistischen herausfinden? Und dabei am liebsten aus einem Ozean an Möglichkeiten mit Vielfalt und Tiefgang schöpfen? Dazu bedarf es Fehler und Selbstreflexion durch Hinterfragen.
Was passiert also, wenn ich eine erwartende Haltung einnehme?
Ich treffe Annahmen…
Ich habe ein Bild vor Augen…
Ich fokussiere mich…
Ich enge meinen Blick ein auf das…
…, wie jemand zu sein hat oder wie etwas sein soll.
Kurzum: Ich versteife mich auf etwas in der Zukunft, basierend auf meiner Erziehung, meiner Erfahrung, der gesellschaftlichen Norm, Informationen usw. aus der Vergangenheit. Und was ist die Folge davon? Nicht selten Enttäuschung, Trauer, Frust, … Denn: Erwartungen schränken meine Möglichkeiten ein. Erwartungen schmälern meinen Blick. Erwartungen lähmen mich. Erwartungen machen mich handlungsunfähig.
Die externe und interne Erwartungshaltung
Suchen wir aber nach den Ursachen: Was ist die Quelle? Was führt mich zu diesen Annahmen, zu diesem Bild, zu diesem Blick?
Eine realistische Auseinandersetzung mit deinen Erwartungen und Möglichkeiten kann damit beginnen, dass du dir folgende Fragen stellst. Dabei ist in externe und interne Erwartungshaltung zu unterteilen:
Die externe Erwartungshaltung meint die von dir wahrgenommene Erwartung aus deinem Umfeld:
Wer nimmt dir gegenüber eine erwartende Haltung ein?
In welchen Situationen nimmst du das wahr?
Welche Erwartungen sind das?
Woher weißt du das?
Woran merkst du das an dir?
Was macht das mit dir?
Demgegenüber zielt die interne Erwartungshaltung auf die von dir ausgestrahlten Erwartung ab:
Welche Situationen beschreiben deinen Tag?
Wer ist dabei involviert?
In welchen dieser Situationen erwartest du etwas?
Von wem?
Was erwartest du?
Wie kommunizierst du das?
Wovon hängt es ab, dass du etwas erwartest?
Welche Erwartungen hast du an dich?
Eine kleine praktische und bunte Übung
Daraus ergeben sich unterschiedliche Erwartungshaltungen – abhängig von deinen erlebten Situationen. Jetzt wird’s bunt! Skizziere deine unterschiedlichen Erwartungen in Form von farbigen Messlatten in eine Hochsprunganlage. Unterscheide dabei auch hier:
(1) Wie hoch sind deine wahrgenommenen Erwartungshaltungen aus deinem Umfeld?
je Situation eine Messlatte
(2) Wie hoch ist deine ausgestrahlte Erwartungshaltung an:
dein Umfeld in den verschiedenen Situationen?
je Situation eine Messlatte
dich persönlich?
Stell dir abschließend folgende Fragen:
Wie wirkt das Bild auf dich?
Was ist dein erster Impuls?
Was sind deine nächsten Handlungsschritte?
Mit welchem startest du?
Wann startest du?
Je klarer und größer dein Sichtfeld, desto vielfältiger der Ozean. Gern helfen meine KollegInnen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Maria Senz) dir auf deinem Weg, mit Erwartungen gut umzugehen.
Hand aufs Herz: Wie oft Sind Sie mit Ihren Gedanken in der Vergangenheit oder in der Zukunft? Wie oft geht Ihnen durch den Kopf, was Sie als Nächstes tun müssen oder wie dieses oder jenes wohl ausgehen wird? Vermutlich ziemlich oft, richtig? Dies ist nur menschlich und natürlich ist Vorsicht besser als Nachsicht. Aber was ist mit dem Moment dazwischen? Dem Hier und Jetzt? Wer ständig in der Zukunft lebt, verpasst die Gegenwart. In diesem Blogbeitrag führe ich Sie sanft und gütig an das Thema Achtsamkeit heran. Ich erkläre anhand meiner Erfahrungen als ehemaliger Marinesoldat und mit praktischen Beispielen, wie Sie Ihren aufgewühlten Geist zur Ruhe bringen können.
Zum Thema: Zurück in die Gegenwart – Achtsames Verhalten für mehr innere Balance
„Wo immer du bist, sei ganz dort.“
Eckhart Tolle
In den 1990er-Jahren verpflichtete ich mich als Marinesoldat für zwölf Jahre für die Überwasseroperationsdienstlaufbahn „Verwendungsreihe 23“ im 2. Schnellbootgeschwader, um die Gewässer in Europa zu verteidigen. Damals wurde mir oft die unliebsame Pflicht der Nachtwache zugeteilt. Selbst im klirrenden Winter stand ich an Deck, um meine schlafenden Kameraden*innen vor ungewöhnlichen Situationen auf hoher See zu bewahren. Noch schlimmer war, dass ich mich zum Teil bei starken Wellen übergeben musste. Glücklicherweise hat sich seitdem viel getan. Zwanzig Jahre später gibt es mittlerweile technische Hilfsmittel dafür. Doch ich empfand damals schon, dass diese Modernisierung Nachteile haben wird. Ich sehe sie sogar als Problem für die neue Generation von Seefahrern an. Warum? Weil das Erleichtern der Arbeit nur bedingt der richtige Ansatz ist. Beim Überwachen des Seegebiets, das Überprüfen der Kontrollleuchten, der zwischenmenschliche Austausch auf meinen Rundgängen, das Überprüfen des Bootes u.v.m., ging es nicht einfach nur um das Ergebnis „Überwachung“, sondern um das Gesehene und die damit verbundenen realen Erlebnisse. Wenn Sie lieblos nur auf das Taktikboard, die Kontrollleuchten oder die Überwachungskameras schauen, begreifen Sie dies als lästige Pflicht, die schnell zur Langeweile führen kann. Ihre Gedanken sind schon während der Beobachtung bei der anschließenden Tagesruhe. Sie vergeuden den Augenblick, weil Sie nur an das Ergebnis denken. „Hoffentlich endet bald die Nachtschicht und ich kann schlafen gehen.“ Sie verpassen, was in Ihrem Körper und Ihrem Geist passiert, während Sie auf den Bildschirm schauen. Das ist fast so, als würden Sie nicht wirklich beobachten. Als fänden diese Momente Ihres Lebens gar nicht statt. Und es geht munter so weiter. Denn später, wenn Sie nach der Nachtwache an die Back, den „Essenstisch“ kommen, wandert Ihr Geist schon wieder weiter, anstatt das Frühstück mit den Kameraden*innen zu genießen. Sie hetzen erneut aus der Gegenwart nach vorn in die Zukunft. Dies erschwert, einfach mal im Hier und Jetzt zu verweilen. Doch es geht auch anders.
Die gütige Achtsamkeit ist ein praktikabler Weg, der uns lehrt, im Hier und Jetzt zu sein. Was immer Sie gerade tun – Sie können lernen, den Moment mit vollem Bewusstsein wahrzunehmen. Wie das gehen könnte, möchte ich Ihnen anhand der lebensnotwendigen Atmung erklären.
Ein- und Ausatmen
Achtsamkeit meint also, dass Sie den Fokus Ihre Gedanken auf den gegenwärtigen Moment richten, statt sich in Erinnerungen oder Zukunftssorgen zu flüchten. Viele von uns bemühen sich intuitiv um Achtsamkeit, werden aber immer wieder aus dem Hier und Jetzt gerissen. Wir sind heute auf vielen unterschiedlichen Ebenen gefragt. Unser Geist wird alle naselang mit persönlichen Zielen, familiären Aufgaben und beruflichen Pflichten bombardiert. Unsere Gedanken springen und rasen so viel, dass wir schlichtweg nicht die Ruhe finden, uns mit vollem Bewusstsein auf die einfachen Dinge des Lebens zu konzentrieren. Wie leben Sie trotz all der Hektik in der Gegenwart? Wie bleiben Sie geistig beweglich? Dabei hilft ausgerechnet eine Tätigkeit, der wir meistens kaum Beachtung schenken: das Ein- und Ausatmen (Ott, Epe, 2018):
Achtsames Atmen ist ein simples, aber äußerst effektives Mittel gegen gedankliche Zerstreuung. Stellen Sie sich Ihren Atem als Bindeglied vor – als Verbindung zwischen Ihrem Bewusstsein und der Gegenwart, zwischen Ihrem Verstand und Ihrem Körper. Angenommen, Ihre Gedanken sind zerstreut und unruhig. Dann zügeln Sie Ihren Geist, indem Sie lang und tief einatmen. Achten Sie dabei ganz bewusst darauf, was Sie beim Einatmen wahrnehmen. Lassen Sie sich einen kurzen Moment Zeit und halten Sie den Atem an, bevor Sie die Luft langsam wieder aus Ihren Lungen strömen lassen. Machen Sie sich bewusst, dass Ihre Lungenflügel erst langsam an diese neue Art der Atmung gewöhnen müssen. Wenn Sie sich geduldig im achtsamen Atmen üben, werden Ihr Atemzüge nach und nach länger und gleichmäßiger.
Aber ist das alles wirklich mit unserem modernen Leben vereinbar? Wie oft und wann sollten wir uns denn im Alltag in achtsam verhalten? Genau darum geht’s im nächsten Abschnitt.
Tag der Achtsamkeit
Im Idealfall würden Sie Achtsamkeit als festen Bestandteil Ihres Lebens sehen. Aber wir wissen alle, dass dies nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich ist. Dafür ist unser Leben zu dicht getaktet und vielschichtig. Darum empfehle ich Ihnen einen Tag in der Woche der Achtsamkeit zu widmen.
Ein ganzer Tag in der Woche „Nur“ für Ihr seelisches Wohlbefinden? Machen Sie sich bewusst, wie wichtig Achtsamkeit ist, um im Stress des modernen Lebens ein klares und gesundes Mindset zu bewahren. Ihre geistige Gesundheit ist die Voraussetzung dafür, dass Sie belastbar und leistungsfähig bleiben. Wie könnte also Ihr persönlicher Tag ablaufen:
Reservieren Sie immer denselben Wochentag für Ihre Achtsamkeitspraxis. Durch die regelmäßige Wiederholung schaltet Ihr Unterbewusstsein irgendwann von allein an diesem Tag in den Achtsamkeitsmodus. Sobald Sie sich für einen Tag entschieden haben, brauchen Sie ein Aufhänger oder Signal für diesen Tag. Das kann ein bestimmtes Musikstück sein oder ein kleiner Zettel mit der Aufschrift „Sich selbst ein Geschenk machen – Mein Tag für innere Ruhe“. Atmen Sie direkt nach dem Aufwachen mehrmals langsam und tief ein und aus, bevor Sie vorsichtig aufstehen. Konzentrieren Sie sich auf jeden einzelnen Ihrer Abläufe. Erledigen Sie Ihre Aufgaben ganz bewusst und ohne zu hadern. An Ihren ersten Achtsamkeitstagen kann es Ihnen helfen, so lange wie möglich zu schweigen. Somit bekommen Sie einen inneren Zugang zu sich und Ihren Gedanken. Wenn Sie können, verbringen Sie den Nachmittag in der Natur. Sie bietet uns Nahrung, sauberes Wasser, reine Luft und gehört somit zu den wertvollsten und bekanntesten Leistungen für den Menschen. Später bleibt dann vielleicht noch Zeit für ein gutes Buch oder ein weiterer Artikel auf unserer Seite. Nehmen Sie sich auch einen Zeitpunkt, für die Familie oder um Freunden etwas zu schreiben. Was auch immer Sie tun: Bleiben Sie im Hier und Jetzt!
Fazit
Wie wir alle wissen, kommt es darauf an, mehr im Augenblick zu leben – viel zu oft sind wir gedanklich mit der Vergangenheit und der Zukunft beschäftigt, ohne die Gegenwart wahrzunehmen. Wenn Sie immer nur gedankenlos durch Aufgaben hasten, vergeuden Sie kostbare Lebenszeit und fühlen sich oft gestresst. Schon ein achtsamer Tag pro Woche kann Ihnen Kraft geben und Ihren Blick wieder für die kleinen Freuden des Lebens öffnen. Manchmal reicht aber auch schon ein Lächeln oder gelebte Dankbarkeit. Wann immer Sie einen Moment Zeit finden, setzen Sie ein sanftes Lächeln auf oder zeigen Sie Ihren Mitmenschen, wie dankbar und glücklich Sie sind, ein Teil Ihres Lebens sein zu dürfen. Denn Dankbarkeit und achtsames Verhalten, schaffen in unserer Gesellschaft Wiederholungstäter.
Hier finden Sie auch aktuelle Einzel- und Metastudien. Allein im Jahr 2018 erschienen 842 Beiträge in wissenschaftlichen Journalen, die sich auf Achtsamkeit bezogen. MBSR: https://goamra.org/
Comeback Stronger! Hypnotherapeutische Ansätze für den besseren Umgang mit und schnellere Genesung bei Stürzen, Verletzungen und Schmerzen
In vielen Sportarten ist der professionelle Umgang mit Verletzungen und Stürzen enorm wichtig. Oft resultieren daraus auch Schmerzen, körperliche und mentale Beschwerden sowie Einschränkungen, die enorme Belastungen mit sich bringen und ein erfolgreiches Comeback be- oder sogar verhindern.
Häufig haben selbst SpitzensportlerInnen nicht die Unterstützung, die sie gerne hätten oder brauchen.
Der Workshop beleuchtet im Überblick anhand praktischer Beispiele den Nutzen und die speziellen Vorteile wissenschaftlich fundierter, moderner hypnotherapeutischer Ansätze.
Vorgestellt werden auch sog. Embodimentfokussierten Techniken, z.B. „Klopftechniken“, bei denen der Körper direkt neuronal stimuliert und wirksam „entstresst“ wird.
Statt bei Blockaden über den „Kopf“ zu gehen, in dem Wissen, dass man damit bei vielen Themen nicht wirksam weiterkommt, bezieht man den Körper aktiv mit ein und löst oft in wenigen Stunden das, was „im Körper stecken geblieben ist“ wirksam auf und kommt wieder in neue Energie, Selbstwirksamkeit und Performance.
Es wird verdeutlicht, welche Herangehensweisen in welcher Phase des Verletzungs-/ Schmerzmanagements sinnvoll, nützlich und hilfreich sind.
Je nach vorhandenem Zeitbudget ist dazu auch ein Austausch in der Gruppe, eine Fragerunde und ggf. eine praktische Übung/ Demo mit den TeilnehmerInnen möglich.
Interessiert?
Dunja Lang
Zielgruppe
Erfahrene Leistungs-SportlerInnen, TrainerInnen, Sportverbände und deren Führungskräfte
Während in der Sportwelt noch diskutiert wird, wie mit den kriegerischen Angriffen von Russland auf die Ukraine umgegangen werden soll, trifft die Situation viele Sportler und Sportlerinnen aus der Ukraine und Russland viel direkter. Viele Aktive und auch TrainerInnen, die zum Beispiel in Deutschland, der Schweiz oder Österreich aktiv sind, müssen sich zu der radikal veränderten Weltlage positionieren. Keine leichte Aufgabe, stellt Elvina Lange von Die Sportpsychologen, in einem Interview mit dem Sportradio Deutschland fest.
Zum Thema: Aufmerksamkeitslenkung in Extremsituationen
Lange, die in Moskau Psychologie studiert und später an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ihren Master in Angewandter Sportpsychologie gemacht hat, sieht SpitzensportlerInnen durchaus in der Lage, sich auch von schwierigsten Themen abzugrenzen. Ein ganz konkreter Tipp lautet dabei, sich pro Tag bewusst nur fünf Minuten Zeit einzuräumen, um sich über die aktuellen Geschehnisse zu informieren. Am besten abseits von Trainingseinheiten und in keinem Fall vor Wettkampfsituationen.
Persönlich schätzt Lange ein, dass es demnach auch nicht hilfreich wäre, wenn sportliche Wettkämpfe mit Vereinsteams und Nationalmannschaften aus der Ukraine und Russland vorerst abgesetzt werden. Aus ihrer Sicht wollen Sportler und Sportlerinnen vorrangig ihre Leistungen erbringen, auch unter schwierigen Umständen. Auch für alle anderen gilt es, wie übrigens auch für Otto-Normal-Bürger, die in den Konflikt auf persönlicher Ebene involviert sind oder sich sehr betroffen fühlen, die eigene Aufmerksamkeit auf ganz konkrete Handlungen im sportlichen oder beruflichen Alltag zu lenken. Die Werkzeuge dafür sollten zumindest Profi-AthletInnen im mentalen Trainingskoffer haben.
Wettkämpfe können ein Geschenk sein
Für Sportler und Sportlerinnen können sportliche Wettkämpfe sogar eine willkommene Ablenkung sein, da es hier einigen sogar einfacher fällt, sich voll und ganz auf die sportliche Aufgabe zu fokussieren und alles andere herum auszublenden.
Wer aktiv an seiner Aufmerksamkeitslenkung arbeiten will, kann gern zu meinen Kolleginnen in Deutschland, Österreich und der Schweiz (zur Übersicht) oder zu mir (zum Profil von Elvina Lange) Kontakt aufnehmen.
Das Interview mit dem Sportradio Deutschland in voller Länge hören:
Mal ehrlich, es gab Olympische Spiele, auf die ich mich im Vorfeld des Ereignisses deutlich mehr gefreut hatte! Im Nachgang zu den Spielen in Peking bleibt – nebst den nachwievor bestehenden Vorbehalten – vor allem die Freude über tolle Wettkämpfe. Ich freue mich für all die glücklichen und verdienten Medaillengewinner*innen. Ich fühle mit den 109 Viertplatzierten – viele von ihnen werden hadernd die Rückreise in die Heimat angetreten haben. Mein grosser Respekt gilt vor allem jenen, die Peking sportlich gesehen als „grosse Verlierer*innen“ verlassen müssen. Insbesondere diese Gruppe dürfte in der jetzt angebrochen «Nach-olympischen Phase» mit dem „Olympia-Blues“ zu tun bekommen. In der Aufarbeitung des individuellen Olympia-Erlebnisses liegt auch eine zentrale Aufgabe für die Angewandte Sportpsychologie im Hochleistungssport. Und das geht bei mir mit zwei Schlüsselfragen und dem Einsatz von Futur II !
Zum Thema: Nachbereitung sportlicher Grossanlässe
Olympische Spiele kennzeichnen Meilensteine im Karriereverlauf der Sportler*innen und Trainer*innen. Viel wird investiert, um zum Zeitpunkt X, nämlich im Olympiafinal, den Jugendtraum zu verwirklichen. Wohl nirgends sonst als an Olympia wird offensichtlich, was Spitzensport letztlich bedeutet. Nur ganz Wenigen gelingt der sportliche Coup, umso grösser ist die Gruppe der Geschlagenen. Die Faszination, die Olympische Spiele ausstrahlen, scheint ungebrochen – selbst in Zeiten von Corona und an einem umstrittenen Austragungsort wie Beijing.
Allen gemeinsam – die post-olympische Phase
Das Erklimmen des Olymps entspricht einem Steigerungslauf „to the top“. Kaum einer interessiert sich indes dafür, was am Tag „Olympia + 1“ geschehen wird. Für die meisten trudelt die Wintersaison noch ein paar Wochen aus. Andere brennen auf sportliche Revanche. Die Erfolgreichen trachten danach, ihr olympisches Edelmetall gewinnbringend zu vermarkten. So unterschiedlich das individuelle Vorankommen nach Olympischen Spielen sein mag, eine Gemeinsamkeit verbindet alle Olympateilnehmer*innen: die persönliche Auseinandersetzung in der post-olympischen Phase. Schwimm-Ikone Michael Phelps, einer der erfolgreichsten Olympia-Stars aller Zeiten, spricht von einer diffizilen Karrierephase, die mancher nur sehr mühevoll durchschreitet (2020). In einem früheren Beitrag zum „Olympia-Blues“ im Nachgang zu den Spielen in Tokyo habe ich versucht, verschiedene Aspekte einer sinnvollen Unterstützung zu beschreiben (Link). Im Anschluss daran versuche ich, Ideen einer sinnstiftenden Kommunikation im Nachgang von Olympia zu skizzieren.
Exkurs: Was befeuert eine langfristige Karriere im Spitzensport?
Ein Blick in die sportwissenschaftliche Forschung zu langfristigen Karrieren im Spitzensport (vgl. Engel 2014) und deren erfolgreichen Begleitung (z.B. Leadership, vgl. Chelladurai 1994) offenbart die herausragende Bedeutung zweier Aspekte:
a) Zufriedenheit mit der Laufbahn (Leistung/Erfolg) und
b) Zufriedenheit mit dem Engagement (Persönliche Entwicklung, „Lebensschule“).
Die Olympiade – eben die vier Jahre bis hin zum Olympischen Höhepunkt – bieten sich demnach geradezu an, um die zwei zentralen Sinnfragen des/der Athlet*in den Diskussionsmittelpunkt zu stellen. Hat sich der betriebene Aufwand gelohnt und zwar in zweierlei Hinsicht: Entspricht der Erfolg dem dafür betriebenen Aufwand? Und: Bin ich mit dem beschrittenen Weg und dem erlebten sportlichen Höhepunkt zufrieden?
Wichtig: Die Fragen lieben und leben!
In einem schönen Text über die Geduld meint Rainer Maria Rilke (1908): „Man muss Geduld haben mit dem Ungelösten im Herzen, und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben, wie verschlossene Stuben, und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind. (…) Wenn man die Fragen lebt, lebt man allmählich, ohne es zu merken, eines fremden Tages in die Antworten hinein.“
Als Sportpsycholog*in muss man kein Rilke sein, um das Wertvolle und Notwendige in passenden Fragen zu erkennen – um diese letztlich auch zu stellen. Im Ausblick auf die kommende Olympiade lohnt z.B. die Wunschfrage: „Wenn du einen Wunsch frei hättest, wo möchtest du in vier Jahren stehen?“ Später, quasi als Kontrast dazu (nicht aber im direkten Anschluss an Olympische Spiele!) schiebe ich gerne die Frage ein: „Wenn heute Abend dein Karriereende käme – was würdest du machen, wo würde sich für dich ein neuer Weg auftun?“
Futur II: Das fantastische Denkspiel zwischen Wunschvorstellung und Neuausrichtung
In meiner Schulzeit machte ich mir wenig aus Futur II. Ich werde gelebt haben! Jawohl, aus Sicht eines pubertierenden 15-Jährigen mag das wie eine Androhung geklungen haben. Futur II ist eine Zeitform für die vollendete Zukunft. Sie drückt eine Vermutung aus, dass eine Handlung in Zukunft abgeschlossen sein wird.
Einen deutlich spannenderen und hilfreichen Zugang zu Futur II findet indes der Soziologe Harald Welzer. Er nennt es eine gute Übung, einen Nachruf über sich selbst zu schreiben. Die Zukunft gestalte sich nämlich besser, wenn wir sie vom Ende her denken. Im Kern seines Ansatzes steht das „noch zu lebende Leben“. Welzer meint, dass dies die Gestaltung des Zukünftigen in die Gegenwart hineinbringt. Futur II nutze demnach die fantastische menschliche Imagination, die Raum für Kreativität und Entwicklung öffne.
Kürzlich habe ich eine Athletin (Sommersportart) mit folgender Hausaufgabe aus einer Sitzung entlassen: „Schau dir mal die Aussagen von Harald Welzer an. Versetze dich nun an das Ende deiner Sportkarriere und schreibe mal – zunächst stichwortartig – deinen Nachruf auf deine noch zu erlebende Sportkarriere!“.
Anspruchsvoll – aber spannend!
Eine Woche später trafen wir uns wieder in einer Sitzung. Die Athletin berichtete von einer sehr anspruchsvollen aber ebenso spannenden Aufgabe. Für die Vertiefung bot ich ihr noch folgende zusätzliche Anhaltspunkte an:
Was erscheint dir wichtig, wenn du beginnst, deine Sportkarriere vom imaginativen Karriereende her zu beleuchten?
Welche Gefühle, welche Vorstellungen entstehen, wenn du dich in diese Situation versetzt?
Erkennst du Bezüge, die dir in deiner momentanen Situation auch wichtig sind?
Dieses unglaubliches Vermögen, so Welzer, gebe uns Raum für (Neu-)Gestaltung. Aus Sicht der Wahrnehmungs- und Verhaltenspsychologie bietet die Imagination die Möglichkeit, unsere Handlungs-Choreographien zu verändern, was wiederum Einfluss auf den weiteren Karriereverlauf haben kann. Für mich eine spannende Form, mein Coaching in der post-olympischen Phase sinnstiftend zu bereichern!
Chelladurai, P. (2007). Leadership in sports. In G. Tenenbaum and R.C. Eklund (Eds.) Handbook of Sport Psychology (3rd ed., pp. 113-135). Hoboken, NJ: Wiley.
Engel, R. (2014). Laufbahnen von ehemaligen Schweizer Nachwuchs-Elite-Athleten unter dem Aspekt des Erfolgs. Dissertation, Universität Bern, Philosophisch-humanwissenschaftliche Fakultät, Insitut für Sportwissenschaft. https://boris.unibe.ch/54880/
Rilke, R.M. (1908). Die Gedichte. Nach der von Ernst Zinn besorgten Edition der sämtlichen Werke, Insel Verlag 1957. Aus: Requiem (1908). Für Wolf Graf von Kalckreuth. Geschrieben am 4. und 5. November 1908 in Paris.
Das vorzeitige Ausscheiden der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen bleibt sicher eine der größten sportlichen Enttäuschungen in diesem Sportjahr. Aber was haben Teams wie Finnland, die nach 94 Jahren mal wieder den olympischen Titel gewinnen konnten oder die Überraschungsmannschaft aus der Slowakei mit ihrem möglichen neuen Weltstar Jura Slafkovskybesser gemacht? Was waren deren Schlüssel zum Erfolg?
Zum Thema: Die Lehren aus dem olympischen Eishockeyturnier
Auffällig ist, dass mit Finnland und Schweden zwei Mannschaften unter den letzten 4 kamen, die eine außerordentliche Stabilität und Geschlossenheit aufwiesen. Hier wurde zudem viel Erfahrung aufgeboten, was sie nicht nur am Alter des Kaders fest macht. Dies zeichnet sicher auch die Sborjana aus, die jedoch auch einige junge Talente im Team hatte, doch durch den Trainerwechsel nach den olympischen Spielen und die damit bedingte Philosophieänderung verlor diese Mannschaft an Souveränität und Stabilität, vielleicht auch ein wenig an Klasse. Auch die Slowaken bildeten eine geschlossene Einheit, obwohl das jüngste und unerfahrenste Team unter den vier Halbfinalisten. Sie spielten vielleicht die Rolle, die 2018 noch das deutsche Team übernahm. Und somit ist der finnische Olympiasieg nach zwei Silbermedaillen bei den letzten beiden Weltmeisterschaft eine konsequente Folge eines guten Teambuildings und einer geschlossenen Mannschaftsleistung, wie sich aus vielen Statistiken wie Torschützenstatistik, Plus-Minus-Leaders, u.a. zeigt. Hierbei spielen viele psychologische Elemente eine Rolle, wenn es um das Formen einer Mannschaft geht, nicht nur das Training von Taktik.
Von „besonderen“ Menschen
Immer wieder faszinieren mich im Eishockey die Torhüter, die sog. „Goalies“. Und ihre besondere Stellung im Spiel kennzeichnet nicht nur ihre andere Ausrüstung, ihr besonderes Tor und der kleine Torraum davor, sondern auch die Stellung in der Mannschaft. Wagen die gegnerischen Spieler die Goalies anzugehen, wenn auch nur unabsichtlich, droht ihnen die geballte Präsenz und Aufmerksamkeit der auf dem Eis befindlichen Spieler, manchmal kommen noch einige von außen dazu. Und wer dann noch nicht Ruhe gibt, der erlebt urmenschliche Aggression in ungeschminkter Form.
Doch was sind das für Menschen, dieser russische Goalie Ivan Fedotov, der alle sechs Spiele des Teams ROC bestritt und dabei 174 Schüsse auf das Tor bekam und davon 164 abwehren konnte, was einer Quote von 94,25% entspricht. Interessant: Doch damit liegt er nur auf Platz acht der Torhüterrangliste. Auch sein Gegenüber im finnischen Tor, Harri Sateri, belegt nicht einen der ersten drei Ränge, und das mit wahnsinnig guten 96,21 Prozent. 127 von 132 Schüsse hat er abgewehrt. Bester Goalie war der Slowake Patrik Rybar, ebenso in jedem Spiel seiner Mannschaft eingesetzt. 96,58% aller Schüsse wurde gehalten, das sind 141 von 146 Schüssen. Also alle TOP Goalies eng beieinander.
Von besonderen Fähigkeiten
Was zeichnet diese „Teufelskerle“ aus, was unterscheidet sie? Ein hohes Maß an Mut, was vielleicht den Torhütern in den meisten Sportart gemeinsam ist, wird benötigt. Ein Kommentator bei diesen olympischen Spielen bezeichnete es so oder so ähnlich: „Du mußt schon von einer besonderen Art und ein wenig verrückt sein, wenn du dich mehrfach hintereinander dieser kleinen Hartgummischeibe in den Weg stellst, die teilweise mit mehr als hundert km/h und aus kurzer Entfernung auf dich zufliegt und in dich einschlägt.“
Es ist nicht abzustreiten, dass Torhüter eine gewisse „ver-rückte“ Persönlichkeit haben. Zudem gehören eine extrem hohe Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungsfähigkeit dazu und diese muss über über einen langen Zeitraum aufrecht erhalten werden. Denn während die Feldspieler regelmäßig ihre Erholungsphasen bekommen und abschalten können, gilt das für den Goalie nicht. Und diese fast unmenschliche Fähigkeit über diese lange Dauer läßt sich ebenso trainieren, wie Abwehrtechniken. Auch hierbei ist die sportpsychologische Betreuung hilfreich. Und zudem sind die Torhüter oft auf sich allein gestellt, nicht nur aufgrund der exponierten Stellung eine Art Einzelkämpfer im Team. Auch das stellt für alle Seiten eine Herausforderung dar.
Von jungen Ausnahmespielern
Der 17-jährige Jura Slafkovsky, der spannenderweise der RB Hockey Akademie in Salzburg entstammt und seit drei Jahren in Finnland bei TPS Turku spielt, ist wohl die größte Entdeckung dieser Spiele. Mit sieben Toren ist er der TOP-Scorer und die Erwartungshaltungen sind enorm gestiegen. Eh schon auf Platz neun der 2022 Drafts bei den New York Islanders gesetzt, kann die Vorfreude in der NHL nicht größer sein. Und damit der Druck auf diesen jungen Spieler. Er wird zeigen müssen, wie er mit diesem Druck umzugehen weiß. Dabei ist ein stabiles Umfeld hilfreich. Die sportpsychologische Begleitung ist in der NHL seit Jahren ein selbstverständlicher Teil des Teams um das Team, lange Jahre bevor dies z.B. in den deutschen Fußball einzog. Und gerade ein junger Spieler, wie Jura Slafkovsky braucht diese Begleitung, gerade weil er schon seit Jahren gewohnt ist, nicht mehr im familiären Umfeld begleitet zu werden. Wir dürfen gespannt sein, ob aus diesem großen jungen Talent ein großer NHL Star wird.
Wenn Sie Begleitung von jungen Spielern benötigen, Schulungen des Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungsvermögen bei ihren Athleten verbessern wollen oder wenn es um die Formung einer Mannschaft geht, dann stehen meine Kollegen und Kolleginnen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Klaus-Dieter Lübke Naberhaus) ihnen gern zur Verfügung.
Die Plattform “Die Sportpsychologen” hat ein Problem. Ein Problem mit Beiträgen zum Wintersport. Denn obwohl zahlreiche Experten und Expertinnen unseres Netzwerks im Wintersport zu Hause sind, WintersportlerInnen betreuen oder die eigenen sportlichen Meriten vor allem in der kühlen Jahreshälfte verdient haben, hatten wir schlicht zu wenige Texte auf der Seite. Daher haben wir Anfang des Jahres eine kleine Redaktionsgruppe formiert, die sich im Februar erstklassige olympischen Augenringe antrainiert hat. Denn recht häufig klingelte der Wecker kurz vor fünf. Manchmal sogar zwei Uhr morgens. Die eine oder Nacht wurde sogar gänzlich zum Tag. Aber am Ende haben wir so viele Momente miterlebt, die eine genaueren sportpsychologischen Betrachtung wirklich verdient haben. Welche genau das waren, verraten euch drei der sechs ExpertInnen (zur Übersicht), die in den vergangenen Tagen viel Zeit investiert haben, um die Bedeutung der Sportpsychologie im Wintersport gerecht zu werden und dabei auch unser Problem gelöst haben. Schließlich sind in gut zwei Wochen rund 20 Texte in unserer Rubrik Wintersport (Link zur Rubrik) hinzugekommen.
Zum Thema: Sportpsychologisch-olympische Highlights
Den Anfang macht Lisa König (zum Profil), die lange ziemlich erfolgreich auf zwei Kontinenten Wintersport betrieben hat, und ihr Fazit zwei teilt: In Gewinner und Verlierer.
Lisa König
Meine Gewinnerin der Olympischen Spiele ist Rennrodlerin Natalie Geisenberger – in vielerlei Hinsicht. In erster Linie gewinnt sie ihre sechste Goldmedaille und ist damit die erfolgreichste deutsche Olympiateilnehmerin. In zweiter Linie ist ihr dieser Rekord im Moment nicht der wichtigste, da sie in den vergangenen Jahren erlebt hat, wie wichtig neben dem Sport auch die Familie ist. Zu lernen, dass Leistungssport nur einen Teil des Lebens ausmacht und ein Karriereende gut vorbereitet werden muss, bedarf Erfahrung und eines guten Unterstützer-Netzwerks.
Die Rennrodlerin hat aus meiner Sicht aber nicht nur sportlich überzeugt. In einem Instagram-Post würdigt sie Teamkollege Felix Loch, der trotz seines (nur) vierten Platzes einer der beständigsten Unterstützer am Eiskanal war und sich immer über die Erfolge der anderen freuen konnte. Solche „Nebensächlichkeiten“ zu würdigen und den Erfolg mit dem Team hinter dem Team zu teilen, macht für mich eine erfolgreiche Sportlerin aus!
Der unbeliebte Verlierer Award geht an jene unbelehrbaren Social Media Nutzer, die (Miss-) Erfolge und Mannschaftsentscheidungen kommentieren, ohne über die Konsequenzen nachzudenken. Mir sind in den vergangenen zwei Wochen viele unnötige, teils unfaire Kommentare aufgefallen, die, teils direkt, teils indirekt, die Leistungen und Persönlichkeiten von Sportlern angriffen. Im Internet darf man frei seine Meinung äußern, jedoch würde es mich freuen, wenn man immer die Psyche der jungen Menschen im Hinterkopf behält. Unsensible Kommentare lösen manchmal mehr störendes Grübeln aus, als man es sich vorstellen kann.
Besondere Bedingungen
Klaus-Dieter Lübke Naberhaus (zum Profil) kennt ihr auf der Plattform vor allem aus der Sportart Handball. Dazu hat er schon einiges zu Themen wie Achtsamkeit, Hypnose und den Umgang mit Verletzungen geschrieben. Sein Interesse und seine Expertise reicht aber auch bis zum Wintersport: Auch wenn er die Spiele von Peking durchaus kritisch gesehen hat.
Klaus-Dieter Lübke Naberhaus
Dass die olympischen Spiele 2022 in China unter besonderen Bedingungen stattfanden, lässt sich wohl nicht nicht ganz außer Acht lassen. Und damit meine ich nicht nur unter die Bedingungen, die sich aus den Maßnahmen rings um das SARS-CoV-2 Virus ergaben. Manchmal erinnerten mich die vielen chinesischen Helfer in ihrer Vollvermummung eher an die Einsätze von Spezialeinheiten des Militärs bei biologischen Terroranschlägen, z.B. mit dem Milzbranderreger. Und nicht nur diese in China noch einmal speziellen Maßnahmen, sondern auch die vor oder während der Spiele vorherrschende Unsicherheit über den eigenen, positiven Test oder sogar die Erkrankung. All dies vergrößerte die Unsicherheit, die Komplexität und die Mehrdeutigkeit.
Mit Absagen oder Verschiebungen wissen die Athleten umzugehen, doch die Wetterbedingungen in China stellten noch einmal eine besondere Herausforderung für alle Athletinnen und Athleten dar, die davon abhängig waren. Nur die in den Hallen stattfindenden Entscheidungen blieben davon verschont. Draußen war es dann aber doch am Schönsten, oder? Wie besonders anzusehen, als die US-amerikanische Athletinnen ihre norwegische Konkurrenz nach der Zieleinfahrt beim Parallel Mixed Wettbewerb unter die wärmende Decke nahm.
Und dann natürlich noch die ganz besonderen gesellschaftlichen und politischen Bedingungen in China. Dies alles und noch vieles Unerwähntes machten diese Spiele zu einer ganz besonderen Herausforderung. Wie wirkte sich das aus?
Olympische Spiele der Arrivierten?
Manchmal hatte ich den Eindruck, dass die Athletinnen und Athleten enger zusammen rückten, mehr Rücksicht nahmen und einander mehr halfen. Vielleicht jedoch mein blinder Fleck, da ich dies so sehen wollte?
Doch wenn ich mal auf die Ergebnisse schaue und dabei die Medaillenränge der unterschiedlichen Disziplinen und Sportarten betrachte, kann ich mich doch nicht ganz des Eindruckes erwehren, dass es die „Spiele der Arrivierten“ waren. Ob ich es an dem Alter und der damit verbundenen Erfahrung fest mache oder an den Favoritenrollen durch die Vorergebnisse, der Eindruck bleibt, Ja, es gab zwar Überraschungen, doch das Aufglühen vieler junger Shootingstars konnte ich nicht verzeichnen.
Ausnahmen sind der 17-jährige Eishockeyspieler Juraj Slafkovsky und die Goldmedaille der 21-jährigen Deutschen Hanna Neise im Skeleton. Vom Alter könnten wir noch die 22-jährige Elvira Öberg mit Silber im Biathlon Sprint und Massenstart der Frauen dazurechnen, die ein oder andere Silber- und Bronzemedaille im Eisschnelllauf und Shorttrack oder das Silber des 21-jährigen Jens Oftebro von der Großschanze in der Nordischen Kombination. Und, was das Alter betrifft, gelten im Eiskunstlauf eh andere Bedingungen, dies auch im Ski Freestyle, vor allem bei den Frauen, wo natürlich die 18-jährige Eileen Gu heraus ragte,Tochter einer in die USA eingewanderten Chinesin und eines Amerikaners.
Aber halten wir fest: Bei diesen Spielen scheint die Erfahrung im Umgang mit besonderen Situationen ein noch größerer Faktor für den Erfolg gewesen zu sein als bisher.
Zwei bemerkenswerte Frauen
Sicherlich sind zum Abschluss noch zwei Frauen zu nennen: Die eine irgendwie erfolgreich, die andere auf besondere Weise nicht.
Auf der einen Seite Claudia Pechstein. Sie hat kurz vor ihrem 50. Geburtstag ihre achte Olympiade absolviert und auch wenn es Respekt abverlangt, was sie in diesem Alter noch zu leisten imstande ist, frage ich mich doch, was sie hierzu motiviert und wem sie etwas beweisen möchte? Erreicht hat sie alles und wie ein schöner Glaubenssatz sagt, „sollten wir aufhören, wenn es am schönsten ist“. Doch Loslassen ist manchmal nicht so leicht. Die Sportpsychologie unterstützt übrigens auch bei dem Weg nach der sportlichen Karriere.
Und auf der anderen Seite haben wir eine tragische Gestalt. Mikaela Shiffrin, eine der ganz Großen des alpinen Skisports. Ihr blieb es sogar im Parallel Team Mixed nicht erspart, am Ende knapp an der so sehnsüchtig erhofften Medaille vorbei zu fahren. Wie wird sie diese olympischen Spiele verarbeiten? Sich zurückziehen oder sofort weiter machen, gestärkt daraus hervorgehen oder in eine Sinnkrise versinken. Auch hier ist eine begleitende Unterstützung extrem hilfreich.
Dr. Hanspeter Gubelmann (zum Profil) kennt den Anblick und den Geruch des olympischen Feuers aus nächster Nähe. Was haben mit ihm die Spiele von Peking gemacht, die er aus der Ferne beobachtet hat. Was bleibt von diesen zwei Wochen Wintersport in China?
Dr. Hanspeter Gubelmann
Am Ende der Olympischen Spiele von Beijing 2022 frage ich mich, was mir von diesen Spielen an (TV-)Eindrücken in Erinnerung bleibt? Es sind zunächst die grossen Emotionen der Sieger*innen und Medaillengewinner*innen. Den einen oder die anderen CH-Athlet*in kenne ich sogar etwas näher, deshalb kann ich abschätzen, was der Olympische Erfolg für eine Sportkarriere – und auch danach – bedeuten dürfte. Sportlicher Erfolg ist DER Treibstoff, der die Sportler*innen befeuert, motiviert und auch Durststrecken durchstehen lässt.
Mich persönlich interessieren aber insbesondere jene Geschichten, die den Spitzensport auch zu dem machen können, wofür Olympische Spiele letztlich stehen. Denn: Coubertins „Olympischen Idee“ erschliesst sich neben dem Streben nach Höchstleistungen aus mindestens drei weiteren Werten: das Ideal des friedlichen Leistungsvergleichs, das Ideal der Freundschaft und der Völkerverständigung sowie dem Fairplay-Gedanken.
In meiner Olympia-Rückschau gibt es vor allem zwei Episoden, die mir nachhaltig in Erinnerung bleiben werden. Zum einen Iivo Niskanen, das Langlaufidol aus Finnland, der sich als grosser Sieger des 15km-Langlaufs die Zeit nahm, um auch dem Letztplatzierten beim Zieleinlauf zu gratulieren. Um die Welt ging zudem jene Szene im Olympischen Final der Aerials, als sich der Russe Ilia Burov und der Ukrainer Oleksandr Abramenko herzlich umarmten und sich gegenseitig zum Medaillengewinn gratulierten. Medaillen verstauben, Erlebnisse wie diese prägen die Menschen! Darauf soll sich auch die Angewandte Sportpsychologie in ihrem Selbstverständnis beziehen!
Selbst mit etwas Abstand ist die Goldmedaille im Skilanglauf Teamsprint von Katha Hennig und Vici Carl immer noch völlig irre! Es war einer der spannendsten Zieleinläufe, die ich je gesehen habe. Und ich habe schon einige gesehen. Als Ex-Langläuferin stand ich mit einigen der Topläuferinnen zusammen an der Startlinie, war mit Vici sogar zusammen in einer Trainingsgruppe. Insofern kenne ich die immens harte Arbeit, für die die SportlerInnen und alle Personen im Trainerstab und Umfeld jetzt belohnt werden. Ich weiß aber auch um die Tatsache, dass höchstens im Einzelfall und sehr untergeordnet meine neue Disziplin, die Sportpsychologie, eine Rolle spielt.
Zum Thema: Sportpsychologie im Langlauf
Wer regelmäßig auf unserer Plattform unterwegs ist, kennt die Chancen und Vorzüge, die die mentale Arbeit bieten kann. Aber im Langlauf ist die seriöse Sportpsychologie noch nicht wirklich fest etabliert. Als Nachwuchsathletin hätte ich gern Hilfe angenommen, um zum Beispiel an meinem inneren Dialog oder meiner Renntaktik zu arbeiten. Ich kannte außerdem viele Sportlerinnen, die mit Motivation oder schweren Karriereentscheidungen zu kämpfen hatten und wahrscheinlich von einem Sportpsychologen profitiert hätten. Aber wirklich gegeben war der Zugang nicht. Dabei ist mein Sport auf besondere Art und Weise wirklich herausfordernd: Im Skilanglauf ist man ein gutes Stück der Trainingszeit allein im Wald oder auf der Straße unterwegs und hat (zu) viel Zeit, sich mit seinen Gedanken zu beschäftigen (schaut euch dazu unbedingt unseren Beitrag mit Erik Schneider an). Kurzum: Techniken für förderliche Selbstgespräche sind doch da angebracht. Warum ist es also nicht Standard, dass alle Topläuferinnen einen Experten oder eine Expertin zur Seite haben?
Viele der Läuferinnen in der Weltspitze arbeiten bis heute nicht regelmäßig mit einem Sportpsychologen zusammen. Für Mannschaften gibt es manchmal einen Workshop. Vielmehr passiert nicht. Auch im Glanz der aktuellen Erfolge will ich betonen, dass hier eventuell zusätzliches Potential verschenkt wird. Im Sinne des Erfolges und der mentalen Gesundheit.
Mentales Kunststück Renneinteilung
Oft wird sportpsychologisches Arbeiten noch mit Hokuspokus oder spirituellem Firlefanz verwechsel. Dabei ist unser Wissen mega sport- und wettkampfnah. Ein Thema kann zum Beispiel die Renneinteilung sein, über die ich kürzlich schon einmal geschrieben habe und um die auch beim olympischen Teamsprint ging. Als Taktik wurde ausgegeben, dass Katha die große Arbeit machen müsse, während Vici Körner für die Zielgerade sparen solle. „Die meisten haben sich gedacht, dass sie (Vici) den ersten Berg hoch rennt und dann blitzeblau ist. Und dann zieht sie in einer Weltklasse-Manier dieses Rennen durch,“ sagte der sichtlich gerührte Bundestrainer Peter Schlickenrieder nach dem Zieleinlauf in der ARD. Grundstein dafür war sicherlich eine ausgiebige Vorbereitung und Auseinandersetzung mit dem Streckenprofil, die Erfahrung der Athletinnen sowie Geduld, um sich nicht vom Rennverlauf verrückt machen zulassen. Alles in allem war es also auch eine mentale Meisterleistung, die auch einen Tag später noch Gänsehaut bei mir verursacht!
Ohne die mentale Vorbereitung wäre ein solches Kunststück wahrscheinlich schwer möglich gewesen. Ein Beweis, dass psychologische Unterstützung eigentlich nur von Vorteil sein kann. Auch deshalb ist es ein wenig schwer nachzuvollziehen, warum ein Sportpsychologe nicht fester Bestandteil einer jeden Nationalmannschaft ist und während der gesamten Vorbereitung und Saison unterstützt. Wenn sich Experten in den Teams etablieren würden, würde sicherlich auch in Zukunft regelmäßig die Pfanne heiß sein, wie es Kommentator Jens-Jörg Rieck es beschrie.