Lisa König: “Ja, hast denn du die Pfanne heiß?”

Selbst mit etwas Abstand ist die Goldmedaille im Skilanglauf Teamsprint von Katha Hennig und Vici Carl immer noch völlig irre! Es war einer der spannendsten Zieleinläufe, die ich je gesehen habe. Und ich habe schon einige gesehen. Als Ex-Langläuferin stand ich mit einigen der Topläuferinnen zusammen an der Startlinie, war mit Vici sogar zusammen in einer Trainingsgruppe. Insofern kenne ich die immens harte Arbeit, für die die SportlerInnen und alle Personen im Trainerstab und Umfeld jetzt belohnt werden. Ich weiß aber auch um die Tatsache, dass höchstens im Einzelfall und sehr untergeordnet meine neue Disziplin, die Sportpsychologie, eine Rolle spielt.

Zum Thema: Sportpsychologie im Langlauf

Wer regelmäßig auf unserer Plattform unterwegs ist, kennt die Chancen und Vorzüge, die die mentale Arbeit bieten kann. Aber im Langlauf ist die seriöse Sportpsychologie noch nicht wirklich fest etabliert. Als Nachwuchsathletin hätte ich gern Hilfe angenommen, um zum Beispiel an meinem inneren Dialog oder meiner Renntaktik zu arbeiten. Ich kannte außerdem viele Sportlerinnen, die mit Motivation oder schweren Karriereentscheidungen zu kämpfen hatten und wahrscheinlich von einem Sportpsychologen profitiert hätten. Aber wirklich gegeben war der Zugang nicht. Dabei ist mein Sport auf besondere Art und Weise wirklich herausfordernd: Im Skilanglauf ist man ein gutes Stück der Trainingszeit allein im Wald oder auf der Straße unterwegs und hat (zu) viel Zeit, sich mit seinen Gedanken zu beschäftigen (schaut euch dazu unbedingt unseren Beitrag mit Erik Schneider an). Kurzum: Techniken für förderliche Selbstgespräche sind doch da angebracht. Warum ist es also nicht Standard, dass alle Topläuferinnen einen Experten oder eine Expertin zur Seite haben?

Viele der Läuferinnen in der Weltspitze arbeiten bis heute nicht regelmäßig mit einem Sportpsychologen zusammen. Für Mannschaften gibt es manchmal einen Workshop. Vielmehr passiert nicht. Auch im Glanz der aktuellen Erfolge will ich betonen, dass hier eventuell zusätzliches Potential verschenkt wird. Im Sinne des Erfolges und der mentalen Gesundheit. 

Mentales Kunststück Renneinteilung

Oft wird sportpsychologisches Arbeiten noch mit Hokuspokus oder spirituellem Firlefanz verwechsel. Dabei ist unser Wissen mega sport- und wettkampfnah. Ein Thema kann zum Beispiel die Renneinteilung sein, über die ich kürzlich schon einmal geschrieben habe und um die auch beim olympischen Teamsprint ging. Als Taktik wurde ausgegeben, dass Katha die große Arbeit machen müsse, während Vici Körner für die Zielgerade sparen solle. “Die meisten haben sich gedacht, dass sie (Vici) den ersten Berg hoch rennt und dann blitzeblau ist. Und dann zieht sie in einer Weltklasse-Manier dieses Rennen durch,” sagte der sichtlich gerührte Bundestrainer Peter Schlickenrieder nach dem Zieleinlauf in der ARD. Grundstein dafür war sicherlich eine ausgiebige Vorbereitung und Auseinandersetzung mit dem Streckenprofil, die Erfahrung der Athletinnen sowie Geduld, um sich nicht vom Rennverlauf verrückt machen zulassen. Alles in allem war es also auch eine mentale Meisterleistung, die auch einen Tag später noch Gänsehaut bei mir verursacht!

Ohne die mentale Vorbereitung wäre ein solches Kunststück wahrscheinlich schwer möglich gewesen. Ein Beweis, dass psychologische Unterstützung eigentlich nur von Vorteil sein kann. Auch deshalb ist es ein wenig schwer nachzuvollziehen, warum ein Sportpsychologe nicht fester Bestandteil einer jeden Nationalmannschaft ist und während der gesamten Vorbereitung und Saison unterstützt. Wenn sich Experten in den Teams etablieren würden, würde sicherlich auch in Zukunft regelmäßig die Pfanne heiß sein, wie es Kommentator Jens-Jörg Rieck es beschrie. 

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Lisa König
Lisa König

Sportarten: Wintersport, Basketball, Volleyball, American Football, Golf, Fußball, etc.

Halle/Saale, Deutschland

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