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Klaus-Dieter Lübke Naberhaus: Wenn Druck zu Stress wird

Das olympische Eishockeyturnier ist für das deutsche Team vorzeitig zu Ende gegangen. Die Ursachenanalyse begann direkt nach dem Pre-Viertelfinalaus gegen die Slowaken, die ähnlich wie die US-amerikanischen Boys aggressiv und mutig spielten. Da tröstet es auch wenig, dass eben diese Slowaken dann im Viertelfinale dieser beiden erfrischend aufspielenden Teams, letztendlich zwar mit etwas Glück, doch immer an sich glaubend das weiterhin starke US-Team bezwangen. Was aus deutscher Sicht vor allem bleibt, ist das Gefühl einer derben Enttäuschung. Was lief schief?

Zum Thema: Von Erwartungen, Teamgeist und Führungsspielern

Das deutsche Team wirkte im gesamten Turnierverlauf gehemmt, ungewöhnlich passiv und reaktiv. Ein eigener Rhythmus, eine eigene Kreativität, die notwendig ist, um dem Gegner sein Spiel aufzudrängen, ihn unter Druck zu setzen, diese Elemente waren selten zu erkennen.

Aus sportpsychologischer Sicht ergab das ZDF-Interview mit Moritz Müller, dem deutschen Kapitän von den Kölner Haien, das direkt nach dem Spiel geführt wurde, wieder viele Aufhänger, um wesentliche Punkte des Mannschaftssports zu betrachten. Der Reihe nach.

Von hohen Erwartungen und tiefen Enttäuschungen

Im therapeutischen Setting wird die Frage nach hohen Erwartungshaltungen an sich selbst und von extern und den damit oft verbundenen Perfektionismus damit beantwortet, keine Erwartungen zu haben, es auf sich zukommen zu lassen. Doch wie realistisch ist das? Auf jeden Fall würde es vor Enttäuschungen schützen.

Doch zurück zum deutschen Team, dessen Enttäuschung natürlich groß war, denn die eigenen Erwartungshaltungen waren ebenso hoch, was sich an einer mannschaftsinternen  WhatsApp Gruppe mit dem Titel „MissionGold“ zusätzlich festmachen lässt. So wurde es mindestens durch die Medien kolportiert.

Wenn Druck zu Stress wird 

Und die externen Erwartungen waren nach Olympia Silber 2018 und der Halbfinalteilnahme bei den Weltmeisterschaft 2021 auch entsprechend hoch. Deutschland war in der Weltspitze des Eishockeys angekommen. Das macht natürlich Druck. Und Druck kann zu Stress führen. Und mit diesem Druck, diesem Stress umzugehen, das bedarf ebenso einer Vorbereitung wie Technik und Taktik eines angemessenen Trainings bedürfen. Und wie ernst die deutsche Mannschaft in der Weltspitze inzwischen genommen wird, das zeigte das Auftreten des kanadischen Teams.

An diesem Druck ist das deutsche Team am Ende gescheitert, wie Moritz Müller es im Interview treffend formulierte, sein Team habe sich auf dieser Eisfläche nie wohl gefühlt, was er unter anderem mit der ungewohnten Abmessung zu erklären versuchte. Sicherlich ein Faktor, auf dem jedoch auch eine Vorbereitung möglich ist. Wie diese ausgesehen hat, das wissen wir nicht. Und Moritz Müller gab weitere Einblicke in die Seele der deutschen Mannschaft, formulierte weiter, dass dieser Druck, dieses sich nicht wohlfühlen dazu führte, „nicht frisch im Kopf zu sein“. Und wir alle wissen, dass eine tief verwurzelte Antwort unseres Nervensystems auf Stress eine „Schockstarre“ ist. So erklärt sich Hemmung, Passivität, fehlende Kreativität.

Von „smarten“ Zielsetzungen

Was lernen wir daraus? Natürlich ist es wichtig, sich Ziele zu setzen. Doch in jedem Seminar lernen Studierende, Führungskräfte und viele andere, dass diese „SMART“ sein sollen. Spezifisch war das Ziel, messbar ganz sicher auch und attraktiv ist olympisches Gold sicherlich. Und auch terminiert war dieses Ziel, denn der Zeitpunkt des olympischen Finales steht seit langem fest.

Bleibt also unser “R” aus dem „SMART“. Wie realistisch war die Zielsetzung unter Berücksichtigung aller Faktoren? Vielleicht ist hieran die Zielsetzung gescheitert, dass die Goldmedaille zu hoch angesetzt war, zu viel Druck erzeugt hat. Vielleicht hätte es gereicht, das Ziel als „Mission Medaille“ fest zu setzen, um die notwendige Spannung zu erzeugen und gleichzeitig den Druck nicht zu hoch zu schrauben. Vielleicht fehlte eine entsprechende Vorbereitung auf diese spezielle Eisfläche. All diese Punkte werden Inhalt einer Analyse sein und manchmal sind es Kleinigkeiten, die am Ende die Leistung und damit das Ergebnis beeinflussen. Somit konstatieren wir, es gibt so viele Einflussfaktoren, die die sportliche Leistung bestimmen, die nicht plan- und kontrollierbar sind und doch können wir gute Rahmenbedingungen schaffen.

Und lassen wir Moritz Müller noch einmal zu Wort kommen. Dies alles darf in der Analyse nicht dazu führen, alles bisher erreichte in Frage zu stellen, stellte er fest. Und genauso ist es, das bisher erreichte sollte nicht in Frage stehen. Doch alle Faktoren gilt es anzuschauen, die einen Einfluss auf diese „enttäuschende“ Leistung hatten, reflexiv und hochgradig selbstkritisch. Das wird weh tun, doch ist das Scheitern der Treiber für neue Lernerfahrungen, um es demnächst gelingender zu machen. Vielleicht ist die mentale Vorbereitung zu optimieren.

Von fehlenden Führungs- und Ausnahmespielern

Betrachten möchte ich noch einen weiteren Aspekt, der im Live-Kommentar zum deutschen Spiel gegen die Slowakei der Eishockey-Experte und ehemalige deutsche Nationalspieler Rick Goldmann als mögliche Ursache in die Diskussion warf. Es brauche, um den ganzen großen Wurf zu erzielen, ein bis zwei Ausnahmespieler, Führungsspieler, die den Unterschied ausmachen.

Und wenn die Analyse ehrlich und selbstkritisch ausfällt, dann fehlten diese Spieler der deutschen Mannschaft in diesem Turnier oder die dafür vorgesehenen Spieler konnten diese Rolle nicht ausfüllen. Auch dieser Aspekt läßt sich durch Interventionen und Maßnahmen vorbereiten, trainieren.

Teams voranbringen 

Gerne begleiten meine Kollegen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Klaus-Dieter Lübke Naberhaus) Sie und ihr Team in der Formulierung und Verfolgung einer „smarten“ Zielsetzung und und die Formung eines Teams, dass mit Druck umzugehen lernt oder bei der Aufbereitung der mentalen Ursachen eines „enttäuschenden“ Scheiterns.

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Thorsten Loch: Vergleich dich nicht mit anderen sondern mit dir selbst

Kennst du die Redensart von dem „Einäugigen“, der „unter den Blinden König“ ist? In diesem Beispiel sticht der Protagonist aus einer kleinen Gruppe unterlegener Konkurrenten heraus. Lange galt das auch in manchen olympischen Disziplinen, da sich im Vergleich zu vielen Weltmeisterschaften nicht immer die komplette Weltelite am Start tummeln konnte. Seit der Entstehung dieses Bildes hat sich jedoch viel verändert: Die moderne Welt hat sich verändert und ist mehr und mehr zu einer globale Gemeinschaft gewachsen. Und blickt man nun unter sportlichen Gesichtspunkten nach China zu den olympischen Spielen, wird deutlich, dass die Leistungsdichte an der Spitze der “Weltjugend” sehr eng geworden ist. Zu Beginn der finalen Olympia-Wettkampfwoche fand in Peking die Big-Air-Qualifikation der Snowboarderinnen statt. Beim Big-Air handelt es sich um eine Wertungssportart. Ich liebe diese Art von Contest. Die SportlerInnen müssen zwei gültige Sprünge stehen, einen jeweils frontside bzw. backside gedreht, haben jedoch dafür nur drei Versuche. Mit dabei war Annika Morgan, die einzige deutsche Starterin. Dass psychologisch Knifflige an dieser Sportart: Die SportlerInnen werden direkt mit den Leistungen der anderen AthletInnen konfrontiert und so findet man schnell jemanden, der besser ist als man selbst. Dieser Vergleich kann unter Umständen Auswirkungen auf die eigene Leistungsfähigkeit Einfluss haben.

Zum Thema: Was wir von der Big Air-Snowboarderin Annika Morgan

Im ersten Sprung, der eigentlich der Sicherheit und einem ersten guten Ergebnis dienen sollte, war Morgan bei der Landung gestürzt. Für die verbleibenden beiden Durchgänge setzte sie sich damit selbst gehörig unter Druck. Oder etwa nicht? Nun ja: Selbstkritik ist wichtig, denn ohne sie hätten wir keine Motivation und würden uns auch nicht weiterentwickeln (siehe: Blog Gesundes Scheitern). Wir hätten keinen Antrieb, in irgendeiner Form an uns zu arbeiten. Und das führt früher oder später dazu, dass uns alles irgendwie egal ist und wir unsere Ziele/Wünsche aus den Augen verlieren. An dieser Stelle kommt uns eine andere menschliche Neigung zu gute: Wir tendieren dazu, die Gegenwart als unvollkommen zu sehen und unsere Hoffnungen auf die Zukunft zu projizieren. Das spornt uns an, weiterzumachen und voranzukommen (vgl. Peterson, 2018). Bei manchen Menschen führt diese Bereitschaft u.a. dazu, dass sie ihre wunderbaren Fähigkeiten ausbauen und perfektionieren, welche sie zu den Spielen gebracht haben, um sich mit anderen zu messen und ihr Können einem großen Publikum zeigen. Wie bereits angemerkt, sind alle vorab Meister ihres Fachs und dennoch sehen wir zum Beispiel in in Peking nicht nur Freuden- sondern auch Trauertränen. 

Der Vergleich mit anderen

Aber wenn es nur noch um den Vergleich mit den anderen geht, wird Selbstkritik hässlich – und zerstörerisch (vgl. Koch, 2019). Dann verlieren wir auch den Blick für den eigenen Fortschritt. Warum? Erstens denken wir dann nur noch schwarz-weiß: Entweder man gewinnt oder man scheitert. Das lässt vergessen, dass wichtige Fortschritte oft klein und schwer messbar sind. 

Zweitens versperrt der enge Fokus den Blick auf das große Ganze: Wer sich nur noch vergleicht, versteift sich zu stark auf einzelne Aspekt des Lebens. Und das verleiht diesen Dingen zu viel Gewicht. 

„Ich hatte gar keinen Druck. Es wäre kein Weltuntergang gewesen, es heute nicht in Finale zu schaffen.“

Annika Morgan

Was lernen wir aus solch einem Satz: Vergleiche dich mit dem, der du gestern warst, statt mit anderen.

Höchstleistungen passieren

Stell dir vor, du blickst auf deinen letzten Sprung zurück und stellst fest, dass du weniger Punkte von der Jury erhalten hast, als deine Mitstreiter. Wenn du nur in Vergleichen denkst, wirst du dich wie ein Versager fühlen. Dabei könntest du auch herauszoomen und andere Teilbereiche deines Sports betrachten. So könntest du erkennen, dass du anderswo Wichtiges bereits erreicht hast. Das nimmt dir den Druck, lässt dich aufhorchen und locker werden. Denn Höchstleistung kann man nicht erzwingen, sie passieren.

Darum ist es so wichtig, dass du dich nicht mit anderen, sondern mit dir selbst vergleichst. Wirklicher Fortschritt entsteht dann, wenn du ihn an deinen Ergebnissen aus der Vergangenheit fest machst. Und dies ist Morgan scheinbar gut gelungen. Trotz ihres Patzers im ersten Sprung konnte sie sich davon frei machen und landete mit 132,25 Punkten auf dem achten Platz, welcher gleichbedeutend mit der Qualifikation für das Finale am Dienstag steht. Im Finale konnte Morgan dann nur zwei ihrer drei Versuche stehen. Am Ende bedeutete dies Platz zehn. Aber ganz egal: Dabei sein ist alles. Und wie schön, dass uns dies SportlerInnen der jungen olympischen Disziplinen in Erinnerung rufen.

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Klaus-Dieter Lübke Naberhaus: Raus oder mittendrin im Turnier, Teamleistungen in Abhängigkeit vom Selbstvertrauen

Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft konnte den kühnen Hoffnungen vieler Fans hierzulande noch nicht gerecht werden. Woran fehlt es? Natürlich, an den deutschen Stars aus der NHL. Aber Topspieler fehlen anderen Mannschaften auch und dies vielleicht noch viel eklatanter. Es fehlt temporär vor allem an der Überzeugung, wirklich diesen hohen Ansprüchen zu genügen. Ein Sieg im Match am Dienstag gegen Slowakei könnte das Blatt aber wenden.

Zum Thema: Selbstvertrauen im Eishockey

Auch in diesem olympischen Turnier fehlen den Nationen die Stars aus der NHL (National Hockey League), der amerikanischen Eliteliga. Es trifft natürlich vor allem die nordamerikanischen Nationen USA und Kanada, die mit dieser Situation ganz verschieden umgehen. Während die USA ihre Spieler überwiegend aus den College Teams der Universitäten rekrutieren und mit erfahrenen Spielern der AHL (American Hockey League), die wir als die 2. Bundesliga des nordamerikanischen Eishockeys bezeichnen könnten und einigen wenigen Spielern aus Europa rekrutieren, haben die Kanadier nur einige wenige Spieler aus der AHL berufen. Der größere Teil rekrutiert sich aus ehemaligen NHL-Spielern, die jetzt für Vereine der KHL, der russischen Eliteliga spielen oder ihr Geld in Schweden, der Schweiz oder Deutschland verdienen.  

Auch den anderen Nationen fehlen die Stars aus der NHL, dies trifft die Nationen zwar unterschiedlich stark, und doch irgendwie alle. Für das deutsche Team bedeutet das den  Verzicht auf Spieler wie Leon Draisaitl und Philipp Grubauer. Die Russen müssen auf ihren Superstar Alexander Owetschkin verzichten, auch den Skandinaviern fehlen einige Stars. Zumindest, was die Spannung betrifft, schadet das Fernbleiben der besten Spieler der Welt nicht.

Erwartungshaltung

Aus deutscher Sicht bleibt allerdings festzuhalten: Vor dem Qualifikationsmatch für das Viertelfinale gegen die Slowakei am Dienstag (voraussichtlich 5:10 Uhr deutscher Zeit) läuft es noch nicht wirklich rund. Woran hakt es, weshalb bleibt die Mannschaft noch hinter den Erwartungen zurück? Schauen wir auf die Details: Im zweiten Vorrundenspiel gegen China konnten wir mit Händen greifen, mit welchem Druck eine hohe Erwartungshaltung verbunden ist. Nach den zuletzt starken Turnierauftritten bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen und eben wegen des Fehlens der NHL-Stars bei den Konkurrenten haben nicht wenige Beobachter von einer Medaille oder sogar dem Olympiasieg gesprochen.

Beim Auftaktmatch gegen Kanada, einer 1:5-Niederlage, war von einem solchen Potential aber wenig zu sehen. Keine Frage, dieser miese Start hat das Selbstbewusstsein und das Selbstverständnis sicherlich beeinträchtigt. Diese Erfahrung wirkte auch im Spiel gegen China nach. Von Anfang an fehlte die entsprechende Lockerheit im deutschen Team und sie stellte sich auch nach einer 3:0 Führung gegen die Asiaten, die mit einer Vielzahl an eingebürgerten Nordamerikanern auflaufen, nicht ein. Von Anfang an wurde Eishockey gearbeitet. Keine Spur von Lockerheit und Leichtigkeit. Als dann die Chinesen kurz vor Ende des zweiten Drittels den 1:3-Anschlusstreffer erzielten und in Überzahl elf Minuten vor Ende des  letzten Drittels zum 2:3 verkürzten, war der Druck enorm. Mit viel Kampf und auch ein wenig Glück gelang es, dass Ergebnis über die Zeit zu retten.  

Selbstvertrauen und Selbstverständnis

An diesen Beispielen können wir sehen, wie ein hoher Erwartungsdruck, der sowohl von außen als auch aus dem Team selbst heraus entsteht, dazu führen kann, dass gewohnte Leistungen nicht abzurufen sind. Schlüsselwirkung hat aus meiner Sicht das erste Spiel gegen Kanada, in dem der deutschen Mannschaft deutlich die Grenzen aufgezeigt wurden und nun offenbar am Selbstvertrauen und Selbstverständnis gezweifelt wird.  

Zumindest zwischenzeitlich. Denn im abschließenden Gruppenspiel am Sonntag gegen die USA konnten wir sehen, dass sich die Mannschaft in allen Bereichen verbessert hat. Trotz der am Ende unglücklichen 2:3-Niederlage stelle ich die These auf, dass das deutsche Team nun im Turnier angekommen zu sein scheint. Spät aber noch pünktlich genug vor dem Qualifikationsmatch um das Viertelfinale gegen die Slowakei am Dienstag.

Gefährliche Drei-Tore-Führung im Eishockey  

Ziehen wir nach Abschluss der Vorrunde aber noch einmal Detail heran, welches im Spiel gegen China zu beobachten war und von Rick Goldmann, dem ehemaligen deutschen Nationalspieler und jetzigen Eishockey-TV-Experte, prominent ausgesprochen wurde. Am Rande: Ihn kenne ich noch aus meiner Zeit als Mannschaftsarzt in der DEL bei den Moskitos Essen – damals durfte ich ihn als jungen Spieler begleiten. Im TV sprach er nun von der Gefährlichkeit einer Drei-Tore-Führung. Was meint er damit?  

Bei einer Drei-Tore-Führung fühlt sich die führende Mannschaft recht sicher, ist im Gefühl,  dass Spiel im Griff zu haben. Und dann stellt sich ein gewisses Nachlassen der Konzentration, der Spannung ein. Es fehlen vielleicht drei bis fünf Prozent, um noch einmal nachzulegen, den „Sack“ mit einem folgenden Treffer zu zu machen, dem gegnerischen Team die letzte Hoffnung zu nehmen. Verkürzt dann jedoch das zurückliegende Team auf zwei Treffer, ist die Partie in einer so schnellen Sportart wie dem Eishockey wieder offen, sie droht zu kippen, spätestens dann, wenn der Anschlusstreffer erfolgt und das „Momentum“ dann bei der sich nun im Aufwind befindlichen Mannschaft befindet. 

Erfolgserlebnisse 

Rick Goldmann sagte das mit dem Umgang von klaren Führungen beim Stand von 3:0 für Deutschland. Und er sollte recht behalten, dass solche Resultate trügerisch sind, wenn Teams in einem Turnier mehr Zweifeln als auf ihre eigenen Stärken vertrauen.

Denn es war so, als ob ihn die Schweden und Finnen seine Aussage vernommen hätten und sie in ihrem abschließenden Spiel der Gruppe A bestätigen wollten. Nach einer langen Dominanzphase der Schweden und Undiszipliniertheit der Finnen, die in vielen Strafminuten und einer Spieldauerdisziplinarstrafe ihren Ausdruck fand, führten die „Tre Kronor“ mit 3:0 zum Ende des 2. Drittels. Die Schweden verpassten es jedoch den „Sack“ zu zu machen, und nach einer Zeitstrafe der Schweden nahm das neue „psychologische Gesetz“ nach Goldmann seinen Lauf. Es kam Mitte des letzten Drittels zum Anschlusstreffer zum 1:3 und, um es kurz zu machen, die Finnen erzielten in der 58. Minute den Ausgleich zum 3:3. Und um den ganzen dann die Krone aufzusetzen, gewann das Team Suomi die Partie nach zwei Minuten in der Overtime mit 4:3. Doch sagen wir als Erkenntnis dieser beobachteten Spiele und mit Blick auf das deutsche Team mal so: Selbstvertrauen im Sport lässt sich über Erfolgserlebnisse im Training und Spiel recht schnell wieder herstellen. Ein souveräner Sieg auf Basis der Leistung gegen die USA und die deutsche Mannschaft ist wirklich mittendrin im Turnier. 

Gerne begleiten ich (zum Profil von Klaus-Dieter Lübke Naberhaus) und meine Kollegen (zur Übersicht) Sie und ihr Team im Umgang mit Druck und Erwartungshaltung, in der Formulierung und Verfolgung einer realistischen Zielsetzung und im Umgang mit Rückschritten und Niederlagen.

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Dr. Hanspeter Gubelmann: 1910 Skitage bis zum Olympiasieg

Der öffentliche Erwartungsdruck war gigantisch: Als Skiweltcup-Gesamtführender und mit vier Siegen in den bisherigen fünf Weltcup-Riesenslaloms hatte sich der Nidwaldner Marco Odermatt in die Poleposition für Olympiagold gefahren. Nun hat er abgeliefert – und hat sich im Stil eines Routiniers durchgesetzt. Ein Lehrstück, dass auch einer gewissen sportliche Logik zu folgen scheint. Von der akribischen Ski-Statistik seines umtriebigen Vaters Walter Odermatt wissen wir, dass Marco in seinem bisherigen Leben als Skifahrer 1910 Tage auf den Skis zubrachte, um nun auf der ganz grossen Bühne des Weltsports angekommen zu sein.

Zum Thema: Umgang mit Erwartungen 

Wie lang der Weg zum olympischen Erfolg sein kann, zeigen die Karriereverläufe der CH-Teamleader in den schnellen Alpin-Disziplinen. Lara Gut-Behrami verpasste 2010 aufgrund einer schweren Verletzung die Spiele in Vancouver, holte in Sotchi 2014 Bronze in der Abfahrt und musste bis 2022 auf den Gewinn ihrer Goldmedaille warten. Vor Wochenfrist gewann sie Gold im Super-G. Gar 31 Jahre alt werden musste Beat Feuz, ehe er 2018 seine ersten Olympiamedaillen in Pyeongchang gewann (Silber im Super-G, Bronze in der Abfahrt). Mit seinem Sieg in der Olympiaabfahrt in Beijing setzte er seiner imposanten Skikarriere die Krone auf. Wie schon an anderer Stelle beschrieben (siehe: https://www.die-sportpsychologen.de/2022/02/dr-hanspeter-gubelmann-fuenf-sportpsychologische-learnings/) scheint sich auch Erfahrung, nebst vielen anderen entscheidenden Aspekten, auszuzahlen.

Riesenslalom – eine andere Welt

Der Riesenslalom gilt als die zentrale Disziplin des alpinen Skirennsports. Dort erhalten die jungen Ahtlet*innen den technischen Feinschliff, ehe die schnellen Sparten Super-G und Abfahrt in Angriff genommen werden. Dem Trainingstagebuch von Marco Odermatt ist zu entnehmen, dass er bisher an 1910 Tagen auf seinen Ski stand, ehe er zu seiner aktuellen Olympia-Gold-Premiere kam. Viele dieser Trainingstage dürfte der Nidwaldner Ski-Crack auf Slalom- und Riesenslalombrettern zugebracht haben. Entsprechend gross sind Erfahrungsschatz und technisches Vermögen. 

Auch hier zeigt der Blick in die Schweizer Ski-Historie Interessantes: Der vor Olympia Beijing zurückgetretene Carlo Janka gewann an den Olympischen Winterspielen in Vancouver 2010 die Goldmedaille im Riesenslalom. Spannend dabei: der Bünder verwies in einem Interview auf eine Duplizität der Ereignisse: «Odi passiert derzeit nahezu dasselbe, wie ich es bei den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver erlebt habe.» Tatsächlich ist Janka vor zwölf Jahren genau wie Odermatt jetzt als umjubelter Shootingstar und Gesamtweltcup-Leader zu Olympia gereist. Mit vier Saisonsiegen im Gepäck. Bernhard Russi prognostizierte damals drei Janka-Medaillen.“

So geht das: Leckt-mich-am-Arsch

Und dann das: Janka, der drei Wochen zuvor in überragender Manier am Lauberhorn triumphiert hatte, vermasselte an Olympia den Super-G und die Abfahrt. Was folgte, war – zumindest resultatmässig – die Vorlage für Marco Odermatt heute. Janka gab damals folgenden spannenden Einblick: «Irgendwann habe ich dann die Leckt-mich-am-Arsch-Haltung angenommen. Ich habe mir gesagt: Wenn es im Riesen mit der Medaille klappt, ist es super, wenn nicht, hole ich mir das Edelmetall halt vier Jahre später. Damit habe ich mir jeglichen Druck genommen».

Wir wissen nicht, was im Kopf von Marco Odermatt vor seinem grossen Triumph tatsächlich abgelaufen ist. Offensichtlich ist es ihm gelungen – ähnlich wie Carlo Janka zwölf Jahre zuvor – dem Druck standzuhalten und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren – nämlich, mit stupender Skitechnik, viel Überzeugung und grossem Selbstvertrauen die beiden Läufe zu bestreiten.

Ein entspanntes Umfeld hilft!

Woher Marco Odermatt diese Zuversicht und Gelassenheit nahm, entzieht sich meiner Kenntnis. Einen Hinweis gibt mir die kurze sms-Korrespondenz, welche ich mit seinem Vater Walti zwischen den beiden Läufen hatte. „Nun gilt es Daumen zu drücken – mehr können wir nicht mehr machen – ansonsten: es geht weiter im Winter – Peking ist nur eine Momentaufnahme – eine wichtige zwar.“ Diese entspannte Grundhaltung im Umfeld junger Spitzensportler*innen wünschte ich mir öfters.

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Quellen:

https://www.blick.ch/sport/ski/janka-war-vor-12-jahren-in-derselben-situation-wie-jetzt-odermatt-ich-siegte-mit-der-leckt-mich-am-arsch-haltung-id17228416.html

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Klaus-Dieter Lübke Naberhaus: Von Selbstzweifeln, Mut und Lockerheit

Der Wettkampf des olympischen Skispringens von der Großschanze, die von der Schanzencharakteristik eher dem Profil einer Normalschanze ähnelt, gehört sicherlich zu den spannendsten und hochklassigen Entscheidungen dieser Olympischen Spiele. Und das liegt unter anderem an einer Fähigkeit, die wir mit Mut bezeichnen. Mut, den die Athleten hatten, die sich letztendlich die Medaillen sicherten und auch der Mut, sowie das Fingerspitzengefühl einer Jury, die bei der Berücksichtigung der Verhältnisse und der daraus resultierenden Startlukenwahl eine gelingendes Händchen bewies.

Ich werde über die unglaubliche Konstanz eines Athleten berichten, der sich nach Gold von der Normalschanze nun Silber auf der Großschanze sicherte. Und von den Gold- und Bronzemedaillengewinnern, die in gewisser Weise wieder auferstanden sind.

Zum Thema: Sportpsychologie im Skispringen

Lassen Sie uns doch kurz die reinen Daten des Wettkampfes betrachten: Im ersten Durchgang sprang Ryoyu Kobayashi mit einem überragenden Sprung an die Spitze des Feldes, knapp vor dem Norweger Marius Lindvik. Als Überraschungsdritter glänzte der Slowene Timo Zajc. Karl Geiger konnte mit einer sehr ordentlichen Leistung Platz sechs erzielen. Doch die beiden führenden Kobayashi und Lindvik waren schon ein ordentliches Stück vor dem übrigen Feld platziert. Die Jury ließ zu, dass die Schanze von beiden Top-Athleten bis an ihre Grenzen ausgenutzt werden konnte und insbesondere Kobayashi sicher, mit Telemark, landen konnte. Dazu gehörte Mut und wechselseitig auch Vertrauen in die Fähigkeit der Top-Athleten seitens der Jury.

Im zweiten Durchgang reduzierte die Jury den Anlauf dann doch, bevor die Medallienanwärter die Schanze hinunter segeln sollten. Karl Geiger konnte dennoch endlich das auf die Schanze bringen, was ihn auch an die Spitze des Weltcup gebrachte hatte. Er konnte seine gute Anlaufgeschwindigkeit in einen guten Absprung umsetzen und sprang mit der notwendigen Aggressivität und dem Mut auf 138.0 m hinunter, der Sprung auf dem Bronzerang. Und das nach der Durstrecke, die mit dem Wettbewerb auf der Normalschanze begann, bei dem es für den Deutschen nur zu Platz 15 reichte. Er profitierte am Samstag auf der Großschanze von dem schwächeren zweiten Sprung des Slowenen Timi Zajc, der seine Leistung aus dem ersten Durchgang nicht ganz bestätigen konnte. Er fiel damit von Rang drei und damit raus aus den Medaillen.

Die Konstanz in Person

Nach der Bronze-Entscheidung sollte die Stunde von Marius Lindvik kommen. Auch er konnte unter der Woche im Wettbewerb von der Normalschanze seine Leistung des bisherigen Winters nicht bestätigen, landete hier nur auf Platz sieben. Doch wie er dann den zweiten Durchgang absolvierte, erinnerte daran, was die Surfer sich unter der optimalen Welle vorstellen. Es war für ihn wohl der optimale Flug auf 140.0 m und das bei reduzierter Anlaufluke im Vergleich zum ersten Durchgang. Ein Sprung, der bei dem sonst eher unterkühlten Norweger, zu einem Emotionsausbruch gleich einem Vulkan führte, von dem vorher schon Karl Geiger heimgesucht wurde und anscheinend sogar Kobayashi nicht unbeeindruckt lies. Trotz eines guten Sprunges mit gewohnter Stabilität auf 138.0 m reichte der Vorsprung des Japaners aus dem ersten Durchgang nicht, um ganz vorne zu landen, es blieb der Silberrang, über den er sich dann auch angemessen freute, doch es schien für ihn ein verlorenes Gold zu sein.

Gewonnenes Silber hin, verlorenes Gold her: Ryoyu Kobayashi stellt in dem bisherigen Wettbewerb des olympischen Skispringens die Stabilität, die Konstanz in Person dar. Mit wenigen Ausnahmen sind seine Sprünge nicht nur weit, sondern dabei sicher gestanden und auch in der Haltung sehr ästhetisch. Diese Konstanz zeigt der Japaner nicht nur in dieser Saison.

Athletik, Technik und was noch?

Was braucht es neben einer guten Athletik und einer guten Technik, um diese Leistung auf konstant hohem Niveau abrufen zu können? Neben einer optimalen Lebensweise und Vorbereitung auf den Wettkampf braucht es die akribische Selbstreflexion der eigenen Leistungen, um immer noch besser zu werden. Also einen Hang zum Perfektionismus, ohne sich von diesem blockieren und hemmen zu lassen. Es geht darum, sich die eigene Lockerheit, dem Spaß am Springen und an der Luftfahrt zu bewahren.

Das Vertrauen in sich selbst, welches sich aus der Erfahrung und den Erfolgen speist, dazu die notwendige Aggressivität sowie der notwendige Mut. Alles Faktoren, die Leistung zur Entfaltung kommen und keinen Platz für Verkrampfungen lassen.

Phönix aus der Asche

Und was vereinte Marius Lindvik und Karl Geiger in diesem Wettkampf und was verbindet die beiden mit dem Japaner? Vor Olympia standen auch diesen beiden für konstante Leistungen auf hohem Niveau. Doch insbesondere Karl Geiger schien durch die bisherigen Sprünge und Ergebnisse verunsichert gewesen zu sein. Der Norweger und der Deutsche haben in China nicht das Niveau zeigen können, was sie selbst von sich gewohnt waren.

Doch Lindvik und Geiger nahmen diese Herausforderung an und steigerten sich von Sprung zu Sprung auf der Großschanze und stiegen wie Phönix aus der Asche auf, um letztendlich ihre gewohnte Leistung zu erbringen und Medaillen zu gewinnen.

Vertrauen als Ergebnis akribischer Arbeit

Auch hier ist es das Vertrauen in sich selbst, die akribische Arbeit an den bisherigen Fehlern und die Fähigkeit, nicht daran zu verzweifeln und zu verkrampfen. Sondern die richtigen Lehren zu ziehen, den passenden Aktivierungszustand zu erreichen und die notwendige Lockerheit zurückzuerlangen. Bei Marius Lindvik kam an diesem Tag noch die optimale Welle hinzu, das Feingefühl für genau diesen einen Flug, der ihm zur Goldmedaille führte.

All diese Fähigkeiten können mental trainiert und optimiert werden, und lassen sich durch sportpsychologische Begleitung hervorbringen. Ich (zum Profil von Klaus-Dieter Lübke Naberhaus) und meine Kollegen (zur Übersicht) begleiten Sie gerne dabei.

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Lisa König: Mentales Training im Langlauf

Die beiden Einzelstart-Rennen der Skilangläufer sind olympische Geschichte. Zwei Rennen, die sowohl bei den Frauen, als auch bei den Männern, einige Fingernägel gekostet haben. Man läuft allein gegen die Uhr; erst wenn alle im Ziel sind, steht der Sieger fest. Besonders intensiv wurden die beiden Rennen in Peking durch zwei Dinge: die kalten Temperaturen und die Schneebedingungen. Hinzu kommt das Streckenprofil! Der Kurs in Zhangjiakou ist gekennzeichnet durch lange, geradlinige Anstiege, bei denen man die Konkurrenten noch weit vor sich laufen sehen kann. Nicht zu vergessen ist die Lage auf ca. 1700m Höhe über dem Meeresspiegel. Den Läufern wird alles abverlangt und die Renneinteilung ist enorm wichtig, um weder zu überpacen, noch zu langsam anzugehen. Eine große Rolle spielen die Ausdauer, die Taktik und, wie soll es anderes sein… der Kopf.

Zum Thema: Sportpsychologie im Langlauf

Im Vorfeld kann das mentale Training der Renntaktik helfen, sich einen Plan zurecht zu bauen: Wo sind die tückischen Stellen der Strecke? Wo will ich einen langen Schritt ziehen, wo muss ich mich zurücknehmen, um meine Körner nicht zu verschießen? Wer startet vor mir und hinter mir – kann ich vielleicht irgendwo mitlaufen? Was ist zu tun, wenn der Mann mit der Axt kommt und wie kann ich das Rennen stark zu Ende laufen? Das Szenario vorher im Kopf durchzuspielen, ist eine hilfreiche Methode, um sich mental vorzubereiten.

Nur leider ist es einfacher gesagt als getan, sich an seinen Plan zu halten. „Ich habe meine Lehren aus dem Skiathlon gezogen und versucht, mit angezogener Handbremse anzulaufen“; erklärte Katharina Hennig im ZDF nach ihrem starken 5. Platz über die 10km und ergänzte: „Das habe ich geschafft. Ich habe mich an den Plan gehalten und der ist aufgegangen.“ Geholfen habe ihr dabei, dass sie als eine der ersten Top-Läuferinnen gestartet sei. So kamen ihrem Plan keine Zwischenzeiten der Konkurrentinnen in die Quere und sie konnte es kontrolliert angehen.

Einfacher Plan, schwere Umsetzung?

Selbstinstruktionen sind Gedanken und Anweisungen, die man sich selbst gibt und die können bei der Umsetzung des Vorhabens auf ganz unterschiedliche Art und Weise helfen. Sie steuern den Krafteinsatz, können motivieren, erinnern an die Technik und Taktik, die man sich vorher zurechtgelegt hat oder beruhigen störende Gedanken, wenn man überholt wurde. In das angesprochene mentale Training im Vorfeld können markante Punkte auf der Strecke (z.B. große Bäume oder Zwischenzeitmessungen) eingebaut werden, an denen man sich im Rennen später orientiert. Zusätzlich kann es helfen, sich Handlungsziele zu setzen, anstatt nur eine Platzierung zu verfolgen: Den Diagonalschritt an den langen Anstiegen langziehen. Die schwere Abfahrt technisch gut runterkommen. Den Rhythmus des Läufers vor mir aufnehmen. Meine Atmung kontrollieren, wenn es schwer wird.

Einen Plan machen, ist vergleichsweise „einfach“… ihn dann auch umzusetzen, gelingt nicht allen und erfordert mentale Fertigkeiten. Meine KollegInnen (zur Übersicht) und ich (zum Profil von Lisa König) sind erfahren und helfen gern.

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Cristina Baldasarre: Die Eiskunstlauf-Roboterinnen

Der Teamwettkampf im Eiskunstlaufen bietet mit dem jüngsten Dopingverdachtsfall leider viel Gesprächsstoff. Wenn wir so wollen, läuft dieser Wettbewerb seit Montag. Zumindest wurde die Siegerehrung verschoben und mit Verweis auf einen Rechtsfall bislang ausgesetzt. Der Grund: Der Jungstar aus Russland, die erst 15-jährige Eiskunstläuferin Kamila Walijewa, soll offenbar einen positiven Dopingtest abgegeben haben. Zur Stunde gibt es viele Spekulationen. Das Eiskunstlaufen steht im Fokus. Grund genug, genauer auf diese schöne Sportart zu blicken.

Zum Thema: Sportpsychologische Aspekte im Eiskunstlauf 

Leider versuchen Nationen immer wieder im Kinderleistungssport über die Grenzen hinweg alles auszureizen, was geht – und eben auch, was aus ethischen, moralischen und rechtlichen Gründen nicht mehr geht. Wenden wir uns mal vom konkreten und noch ungeklärten Fall der jungen russischen Eiskunstläuferin Kamila Walijewa, die als Wundertalent in ihrer Sportart gilt und im Januar 2022 überlegen die Europameisterschaft gewann, ab. Und schauen auf das grössere Bild einer problembeladenen Sportart: Es ist ein offenes Geheimnis, dass im Eiskunstlauf die jungen Mädchen keinerlei Einfluss darauf haben, was mit ihnen geschieht. Sie erhalten Medikamente oder Spritzen, ohne über die Inhaltsstoffe Bescheid zu wissen, und stehen unter enormem Druck durch Trainer und Verbandsfunktionäre. Auch wird mit Hormonen der Eintritt der Pubertät verhindert (verschoben).

Und warum all das? Der Schwierigkeitsgrad der Sprünge hat in den vergangenen zehn Jahren massiv zugenommen und talentierte Mädchen können Höchstschwierigkeiten wie Vierfach-Sprünge meistern, weil sie klein und leicht sind. Tritt die Pubertät ein, sind Frauen, aufgrund ihrer körperlichen Entwicklung in Kombination mit den physischen Voraussetzungen eines 4-fachen Sprunges, nicht mehr in der Lage, solche Sprünge abzuliefern!

Unmenschliche Vorgehensweisen

Solche Tatsachen erklären die Häufung von noch (zu) jungen Mädchen, die Weltmeisterinnen und Olympiasiegerinnen werden. Es erklärt aber auch, warum nach einer solchen Medaille die allermeisten entweder vom internationalen Eiskunstlaufen zurücktreten oder nicht mehr an ihre früheren (unmenschlichen) Leistungen anknüpfen können. Immerhin: Bei den meisten Medaillengewinnerinnen darf nach den großen Erfolgen endlich die Pubertät einsetzen…

Wer sich gegen solch unmenschlichen Vorgehensweisen wehren will, bekommt einen Maulkorb oder muss sich vom Leistungssport verabschieden. Wenn man mit dem Finger auf jemanden zeigen wollte, dann ganz bestimmt zuerst auf alle Trainer, Funktionäre und Verbandsmitglieder, die ihre Machtposition missbrauchen, um im Erfolg ihrer Schützlinge glänzen zu können!

Roboter ohne eigene Meinung

Psychologisch gesehen produziert dies Roboter, die ohne eigene Meinung aufwachsen. Dabei wissen wir: Die Jahre der Pubertät wären dafür da, seine eigenen Erfahrungen zu machen, mit Gleichaltrigen Sachen zu erleben und das alles dem Ziel untergeordnet, ein gesundes Selbst aufzubauen. 

Es tut mir in der Seele weh, wenn ich an all die jungen Athletinnen denke, denen das verwehrt wird und die dann ihr Leben lang damit kämpfen werden. 

Geschützte Person

Aber zurück zum Dopingverdachtsfall: Kein Wunder, dass bislang nichts über die verdächtigte Person ans Licht kam. Schließlich gilt die talentierte Russin nach den Regularien der Anti-Doping-Agentur WADA aufgrund ihres Alters als „geschützte Person“. Ihr Name dürfe deshalb eigentlich gar nicht genannt werden. Auch eine Bestrafung würde wegen ihrer fehlenden Lebenserfahrung wohl verhältnismäßig milde ausfallen. Für den russischen Sport sehe das anders aus.

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Quellen: 

https://www.stern.de/sport/olympia/olympia-2022–doping–eiskunstlauf-siegerehrung-verschoben-31615038.html

https://www.express.de/sport/sportmix/olympia/doping-skandal-beim-olympiasieger-eislauf-talent-unter-verdacht-87497

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Thorsten Loch: Die Brücke zwischen Hummern und Selbstvertrauen

Ein breites Grinsen, cool tänzelnd, ein kleiner Kampfschrei. Dann schliesst Chloe Kim für ein paar Sekunden die Augen und startet ihren ersten Run im olympischen Finale der Snowboarderinnen. Der Rest: episch. ZDF-Kommentator Jan Wiecken meint zu ihrem Lauf: “Haut die einen raus!” 94 Punkte bekommt die 21 Jahre junge Amerikanerin für ihren ersten Run, was nichts anderes als die Goldmedaille bedeutet. Kein Wunder, schließlich hat Kim seit ihrem Olympiasieg 2018 jeden einzelnen ihrer Wettkämpfe in der Halfpipe gewonnen. Jeden! Und so tritt sie auch auf. Sie spielt mit der Konkurrenz, während jeder Wimpernschlag von den anderen Sportlerinnen beobachtet wird. Und wie sie das macht, nicht brachial dominant, sondern ungemein lässig, entspannt und doch irgendwie erhaben. Ein Rolemodel für die Körpersprache – mit unerwarteten Vorbildern aus dem Tierreich? 

Zum Thema: Körpersprache im Wintersport

Du kennst sicherlich den Begriff der „Hackordnung“. Dieses Wort wird gerne in dem Zusammenhang verwendet, wenn es um Hierarchien und Machtverhältnisse geht. Ist dir aber auch dessen Ursprung bekannt? Das Konzept geht zurück auf den norwegischen Zoologen Thorleif Schielderup-Ebbe (1935), der in den 1920er-Jahren das Verhalten gewöhnlicher Hühner erforschte. Und tatsächlich: Unter diesen Vögeln herrschte eine klare Rangordnung. An der Spitze standen die körperlich stärksten und gesündesten Tieren. Sie waren bei der Fütterung stets die Ersten, die sich die größten und besten Körner wegpickten. Am unteren Ende standen die schwachen Hühner, welche sich mit den Resten von Krümeln begnügen mussten. Solche Hierarchien finden sich nicht nur unter Hühner, sondern vielerorts im Tierreich. Eines der besten Beispiele dafür sind Hummer. Egal, ob sie im Meer oder in Gefangenschaft aufwachsen – Hummer kämpfen stets mit Scheren und Krusten um den sichersten Unterschlupf. Forscher fanden sogar heraus, dass sich diese Auseinandersetzungen je nach Ausgang auf die Neurochemie der Tiere auswirken. Die  Gewinner produzieren deutlich mehr Serotonin als Octopamin. Bei den Verlieren war dieses Verhältnis umgekehrt. 

Und jetzt kommt das spannenden an dieser Geschichte. Die Pegel dieser Botenstoffe können sich auf die Körperhaltung der Tiere auswirken. Mehr Serotonin führt zu agilen und aufrechten Gewinner-Hummern, während sich die Octopamin-reichen Verlierer zurückziehen und klein machen. Dieser Unterschied beeinflusst dann zukünftige Konflikte, weil die aufrechten Hummer größer und gefährlicher wirken, sodann die ohnehin steifen Angsthummer noch früher kapitulieren (vgl. Peterson, 2018). 

„Sei wie die Hummer. Steh aufrecht und mach die Schultern breit!“

Solche Dynamiken gibt es natürlich auch bei uns Menschen und lässt sich sehr deutlich in Stressstituationen wie beispielsweise Wettkämpfen beobachten. Menschen mit Sieges- oder Glückssträhnen treten oft buchstäblich mit breiter Brust auf. Und diese stolze, selbstsichere Körpersprache verbessert ihre Erfolgschancen zusätzlich. Denn genau wie die Hummer messen auch wir Menschen uns ständig, in welchem Verhältnis wir zu unseren Artgenossen stehen. Und wir neigen dazu, von der Körpersprache anderer Menschen auf vorteilhafte Eigenschaften wie Intelligenz zu schließen. 

„Sei wie die Hummer. Steh aufrecht und mach die Schultern breit!“ So lautet das Motto, was ich euch mit auf den Weg zu euren nächsten Wettkämpfen geben will. Insbesondere dann, wenn du einen Schub für dein Selbstvertrauen brauchst. Denk an die Hummer! Tritt wie ein Gewinner auf! Die selbstsichere Körperhaltung verschafft dir wichtige  Vorteile. Statt die Schultern hängen zu lassen, können wir eine stolzgeschwellte Brust zeigen; statt Mundwinkel hängen zu lassen, können wir ein Lachen ins Gesicht bringen. Damit wird es möglich, effektiv unsere eigene Motivations- und Emotionslage zu beeinflussen (Beckmann/Elbe 2008). Unsere Körperzustände können wir teilweise bewusst kontrollieren. Man sollte sich daher stets bewusst sein, welche Körpersignale in den entsprechenden Leistungssituationen (bei Erfolg als auch bei Misserfolg) ausgesendet werden. Außerdem wird im Gehirn der Weg zum Abruf unserer Stärken gebahnt und damit das Selbstbewusstsein gestärkt. Und es gibt noch einen weiteren Vorteil: Wir zeigen unserem Gegner nicht Unsicherheit, sondern Selbstbewusstsein und Stärke, was den Kontrahenten möglicherweise aus dem Konzept bringt.

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Literatur:

Beckmann, J./Elbe, A.: 

Peterson, J.B.: 12 Rules For Life: Ordnung und Struktur in einer chaotischen Welt. Goldmann Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition (29. Oktober 2018)

Schjelderup-Ebbe, T. (1935). Social behavior of birds. In A Handbook of Social Psychology (pp. 947–972). Clark University Press.

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Klaus-Dieter Lübke Naberhaus: Lena Dürr, das Slalom-Rennen und die ganze Bandbreite der Psychologie

Es ist mitten in der Nacht um 04:15 MEZ; 11:15 Ortszeit in Peking. Der Wecker schellte bei mir um kurz nach 3:00, um das Slalom Rennen der Frauen zu schauen. In der eigenen Reflexion muss ich ganz schön sport-verrückt sein in diesen Tagen. Eigentlich wollte ich nur schauen, weil ich ein Fan von Lena Dürr bin und sehen wollte, wie sie sich schlägt. Doch was dann auch mit mir passierte, darauf war ich nicht gefasst. Geschärfte sportpsychologische Sinne vielleicht, durch die sehr bewusste Beschäftigung in den vergangenen Tagen mit diesen olympischen Wettkämpfen aus psychologischer Sicht, mag ein Grund sein.

Zum Thema: Mentale Trainingsansätze im alpinen Skisport

Ein Feuerwerk an sportpsychologischen Inhalten brachte alleine der erste Durchgang dieses olympischen Slaloms, dieser technisch und auch mental so anspruchsvollen Teildisziplin des alpinen Skisports, mit sich. Ice River, so der Name der Piste, hielt, was der Name versprach.

Ich betrachte ein verrücktes Rennen im ersten Durchgang, dass zwischenzeitlich zu Eis erstarrte und einen dramatischen zweiten Durchgang, der dann doch noch die unerwartete erwartete Siegerin mit sich brachte und für Lena Dürr und Sara Hector zu einem kleinen Drama wurde. Wir erleben die ganze Bandbreite der Psychologie von Freude zu Trauer, von Schockstarre zum kontrollierten Angriff.

Doch lassen Sie uns ein wenig Struktur dieses Rennen analysieren.

Von Maskottchen und Aktivierungsritualen

Nachdem Lena Dürr ihren ersten Durchgang absolviert hatte und schon einige Zeit als führende im Zielbereich wartete, bat sie einen Betreuer, ihr, wenn ich das richtig verstanden habe, das „Quitischi“ aus ihrem Rucksack zu bringen. Ich spekuliere mal, es wird ein Maskottchen sein und da sind wir im schönen Feld des Aberglaubens und der Rituale, die so wichtig für die ein oder andere Sportlerin beziehungsweise Sportler sind, um Sicherheit zu geben.

In der Pause zwischen den ersten beiden Startgruppen fing die Kamera dann schöne Aktivierungsübungen und Vorbereitungsrituale auf. Auf dem Rücken liegend wurde vor einer Slalomfahrerin ein roter Ball fallen gelassen, den sie vor Erreichen des Bodens auffangen musste, bei einer anderen Starterin war es der Skistock, der vor ihr stehend von einem der Trainer quer zum Boden fallen gelassen wurde und den sie vor dem Boden auffangen musste. Und dann fing die Kamera die Hände eine anderen Starterin ein, die man beim imaginären Tanz durch die Stangen beobachten konnte. All dies sind Übungen, die dazu dienen, um Konzentration, Aufmerksamkeit und Aktivierungsgrad zu trainieren, eine optimale mentale Vorbereitung zu erzielen. Elemente, die eines regelmäßigen Trainings bedürfen, damit sie verinnerlicht werden.

Verrücktes Rennen und Schockstarre

Doch nun lassen Sie uns den ersten Durchgang anschauen. Was passierte?

Lena Dürr mit der Startnummer 1 ging ins Rennen und der Kommentator sprach von einer „Schleichfahrt“. Für mich sah es nach einem kontrollierten, gefühlvollem Lauf aus. Wach, aufmerksam, ein Gefühl zur Strecke aufnehmend und den Ski laufen zu lassen, und das noch mit scheinbar gutem Ski- und Schuhmaterial. Die weißen Skischuhe werden ja als deutlich besser eingestuft als die schwarzen, und Lena trug weiße Skischuhe. Wenn hier nicht wieder auch der Aberglaube mit eine Rolle spielt?

Direkt als Nummer 2 startete die große Mitfavoritin, die Tschechin Petra Vlhova, die wie auch alle nachfolgenden Fahrerinnen viel aggressiver in das Rennen gingen und allesamt mit doch recht deutlichen Rückstand ins Ziel kamen. Ausgenommen die Schweizerin Michelle Gisin, die auch eine sanfte Fahrt bevorzugte.

Schnelles Ende für Mikaela Shiffrin

Doch dann wurde es noch verrückter. Mikaela Shiffrin, die US-Amerikanerin, eine Ausgeburt an Konstanz und Coolness, also die Eisfrau auf dem Eisfluss, hatte jedoch schon im Riesenslalom gepatzt. Und sie ging mit einer hohen Aggressivität, im Angriffsmodus in dieses Rennen, das schon nach 10 bis 12 Sekunden für sie vorbei sein sollte. Schockstarre legte sich über das Stadion, keine Kommentatorenansage war zu hören, keine Musik in der Zielankunft und Mikaela Shiffrin saß zusammengekauert apathisch neben der Piste.

Doch das Rennen ging weiter, doch diese Schockstarre breitete sich offenbar auf die nächsten Starterinnen aus. Bis Sara Hector aus Schweden, die Olympiasiegerin im Riesenslalom, mit ihrem unendlich zu sein scheinenden Selbstvertrauen das Eis brach und mit 0,12 Sekunden Rückstand auf Lena Dürr auf Rang drei fuhr.

Drama und Spannung im zweiten Durchgang

Für Lena Dürr und Petra Vlohava konnten dann die Ausgangsbedingungen nicht unterschiedlicher sein. Petra Vlohava hatte als Dominatorin des Winters den ersten Durchgang für ihre Verhältnisse eher vergeigt, war nun in ihrem Jagdmodus und brachte diesen Spannungszustand aggressiv in den zweiten Durchgang, was ihr letztendlich olympisches Gold einbrachte. Sie war in ihrem Element. Den ersten Vieren des ersten Durchganges war dann gemeinsam, dass sie ihren ersten Lauf nicht vollends bestätigen konnten. Sara Hector schied mit einer kleinen Unachtsamkeit auf gutem Weg aus und Lena Dürr konnte als Gejagte den gut beginnenden Lauf ab der Mitte des zweiten Durchgangs nicht so zu Ende bringen. Hier brach der Flow, der Rhythmus ab, der ein oder andere kleine Fehler war zu viel und führte letztendlich mit 0,19 Sekunden Rückstand zum bitteren vierten Platz. Ihr Schmerz war im nachfolgenden Interview hautnah zu sehen, zu spüren und rührte zu Tränen. Doch auch diese Niederlage, so Hilde Gerg in der Nachbetrachtung, ist Lernerfahrung und Teil der Persönlichkeitsentwicklung. Gestärkt wieder kommen heißt die Devise. Und spannend war ihre Äußerung zum Leistungssport. Leistungssport ist eine Lebenshaltung. 

Welch eine Fundgrube für die Sportpsychologie liegt in diesem Rennen?! Es geht also darum, den optimalen Aktivierungszustand herzustellen, mit den vorhergehenden Enttäuschungen und Freuden umzugehen. Diese Erfahrungen entweder für den nächsten Start auszublenden, positiv zu nutzen, ohne jedoch zu überladen und zu überpacen, wie es offensichtlich Sara Hector mindestens im ersten Durchgang und Petra Vlhova im zweiten Durchgang gelungen, Mikaela Shiffrin jedoch mißlungen ist. Und dann der Umgang mit der erneuten Enttäuschung, mit der Schockstarre und der nachfolgenden Trauer. Tief menschliche, tief psychologische Themen, so spannend mitten im Sportleben anzuschauen und mitzufühlen. Und dazwischen die „Schleicherin“ Lena Dürr, die es im ersten Durchgang optimal verstand, dies alles gut reguliert und kontrolliert auf die Piste zu bringen und dann im zweiten Durchgang jedoch dem Druck der Jägerinnen, allen voran Petra Vlohava nicht stand halten konnte. Dass es am Ende nicht reichte, hat jedoch auch etwas mit einem Quäntchen Glück zu tun.

Techniken und Methoden für die Praxis

Und zum Abschluss noch die bittere Erkenntnis, dass Niederlagen trotz guter Leistung als Lernerfahrung und Entwicklungstreiber für die eigene Persönlichkeit dienen können.

Uns so schauen wir auf Vorbereitungsrituale, auf Maskottchen, die Sicherheit bringen, auf Aktivierungs-, Achtsamkeits-, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsübungen, auf Imagination der Strecke mit Körper und Geist und dem Erreichen der optimalen individuellen Aktivierung. Dies alles läßt sich wie Technik, Taktik und Athletik trainieren. Gerne begleite ich (zum Profil von Klaus-Dieter Lübke Naberhaus) und meine Kollegen (zur Übersicht) Sie in diesem Training.

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Lisa König: Kindheitstraum Biathletin? Denkste!

Das olympische Biathlon-Einzelrennen über 15km bei den Frauen war nichts für schwache Nerven – in vielerlei Hinsicht. Bei diesem Wettkampfformat gibt es keine Strafrunden. Stattdessen bekommt jede Athletin bei einem Schießfehler eine ganze Minute Zeitstrafe aufgebrummt. Das Schießen spielt also eine besonders große Rolle, aber in der starken Weltspitze muss auch die Laufform passen. Drei Biathletinnen haben sich, neben ihren guten Leistungen, am Montag besonders in den Vordergrund manövriert: Denise Herrmann, Vanessa Voigt und Deedra Irwin. Was haben alle drei gemeinsam? Keine von ihnen startete ihre Leistungssportkarriere als Biathletin.

Zum Thema: Umwege auf dem Karriereweg meistern

Sowohl Olympiasiegerin Denise Herrmann als auch die Viertplatzierte Vanessa Voigt (Shoutout in die Heimat) haben ihre Anfänge im Skilanglauf gehabt. Denise, die 2014 auch schon eine olympische Bronzemedaille mit der Langlauf-Staffel gewann, ist seit 2016 bei den Biathletinnen. Vanessa hat das Gewehr seit 2013 auf dem Rücken. Die US-Amerikanerin Deedra Irwin, heute als Siebente. im Ziel, war in ihrer Schulzeit als Leichtathletin erfolgreich und träumte von einer Teilnahme an den Sommerspielen. Sie fuhr mit 15 Jahren das erste Mal Ski, stellte sich ziemlich gut an und war eine erfolgreiche Langläuferin während ihrer Zeit an der Uni (Shoutout an Michigan Tech). Nach ein paar Jahren in der Sportart probierte sie 2017 Biathlon aus und startet seitdem für das US-Nationalteam.

Als Leistungssportler steht man oft vor Entscheidungen, die großen Einfluss auf die Karriere haben. Nicht nur die Frage, wann der richtige Zeitpunkt kommt, den aktiven Sport an den Nagel zu hängen, ist dabei für viele allgegenwärtig. Welche Unterstützung brauche ich für die neue Saison? Was kommt nach meinem Schulabschluss? Ist ein Stützpunktwechsel die richtige Entscheidung? Und eben auch: Soll ich die Chance nutzen, eine neue Sportart auszuprobieren und die Herausforderung annehmen?

Außerordentlicher Findungsprozess

Die drei Frauen haben ihre Chance genutzt, haben in kurzer Zeit eine völlig neue Sportart gelernt und sind bei den Olympischen Winterspielen in Peking als Olympiasiegerin, als Vierte und als Siebte ins Ziel gekommen. Chapeau!

Um solche krassen Entscheidungen zu treffen, ist ein Netzwerk an Unterstützern unerlässlich. Auch ein Sportpsychologe kann im Findungsprozess hilfreich sein und dir helfen, die verschiedenen Wege und Lösungen zu entdecken. Nimm also auch im Zuge eines solchen Überlegungsprozesses Kontakt auf – gern zu meinen KollegInnen (zur Übersicht) oder zu mir (zum Profil von Lisa König).

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