Maria Senz: Sich Ziele setzen – Fluch & Segen zugleich?

Ich persönlich habe sehr spät damit angefangen, mir Gedanken über Ziele zu machen. Auslöser war meine Ausbildung zum Systemischen Coach. In unserem allerersten Modul ging es um das Thema Zielearbeit. Auch für mich das allererste Mal, mich mit meinen persönlichen Zielen auseinanderzusetzen. Ich war Klientin und mein Coach hat mir viele gedankenaktivierende Fragen gestellt. Und plötzlich war es klar und deutlich, inklusive dem Windhauch: Ich möchte in einem Haus am Meer leben – idyllisch, einfach und urig. Diese wunderschöne Vorstellung hat sich offensichtlich derart in mein Gedankengut verankert, dass ich bewusste und unbewusste Schritte getan habe, um dieses Ziel zu erreichen. Denn im letzten Modul der Ausbildung – ein gutes Jahr später – saß ich genau in diesem Haus und habe mich doppelt gefreut, als ich mein Zertifikat im Rahmen der Online-Abschiedszeremonie erhalten habe.

Zum Thema: Was passiert mit dir, wenn du dir ein Ziel setzt?

Starten wir auf der grünen Wiese: Du liegst im sanften Gras, knabberst an einem Grashalm und schaust gen blauen Himmel. Die weißen Schleierwolken ziehen vorüber, formen lustige Figuren und deine Phantasie ist getriggert. Wo stehst du aktuell mit deinem Sport und wo möchtest du hin? Wer möchtest du bis wann sein? Verkörpere die Antworten mittels deiner Umgebung – die Wiese, der Boden, der Himmel, die Wolken, die Vögel usw. Nutze deine aktuelle Umgebung, um dir dein Bild der Zukunft zu malen – ein Bild, dass dich ins Handeln bringt. Dr. med. Gunther Schmidt, ein Pionier der Hypnosystemischen Therapie, hat mal gesagt: „Ziele sind dazu da, um in Bewegung zu kommen.“ Allein, dass du schon auf der grünen Wiese liegst und deine Gedanken kreisen lässt, bringt dich in geistige Bewegung – geistreiches Hula-Hoop, sozusagen. Im aktuellen Moment ist es deine Vorstellungskraft. Je detaillierter du diese ausschmückst, mit einem Gefühl belegst, Geräusche mit einbringst und vielleicht sogar ein Duft präsent werden lässt, desto greifbarer und realistischer wird die Imagination. Du verspürst Freude, du hast Bock darauf, Tatendrang breitet sich in deinem Körper aus und du willst am liebsten sofort loslegen. Genau das ist es, was dich in physische Bewegung bringt: Imagination, Vorfreude & Wille sind deine Antreiber. Mach sie dir zu nutze.

Es ist ein interessantes Phänomen: bei meiner Arbeit als Coach stelle ich gelegentlich fest, dass Sportler extrem ehrgeizig sind und dennoch scheitern. Oder vielleicht gerade deshalb? Wenn ich also etwas zu sehr will, dann klappt es nicht (mehr)? Der Wille um jeden Preis. Koste es, was es wolle? Vielleicht ist es genau das, dass ich nur noch auf das eigentliche Ziel fokussiert bin. Es fehlt mir die Orientierung, der Weg, die einzelnen Schritte, die ich gehen kann, um das Ziel zu erreichen. Ich bin hilflos. Das Hilflose macht mir Angst, setzt mich unter Druck, ich verkrampfe geistig und körperlich. Völlige Handlungsunfähigkeit ist die Folge. Ich falle, weil der Weg unter meinen Füßen fehlt. Kann der Wille also eine Hürde bei der Zielerreichung darstellen?

Mögliches Entgegenwirken: Navigation – der Weg ist das Ziel

„We were just on court to think about the next point. And I totally forgot what we are playing right here. So it was just about us making the next point. And always about making next point, next point…”, berichtet Karla Borger im Interview nach dem Sieg bei den Beachvolleyball World-Tour-Finals in Cagliari 2021. Das klingt für mich nach, sich Schritt für Schritt dem Ziel zu nähern.

Aber zurück zu dir: Nachdem du deine Antreiber aktiviert hast, ist das Erreichen deines Ziels ein Prozess – ein Weg, den du bestimmst und gehst. Welchen Preis bist du bereit zu zahlen, um diesen Weg zu gehen? Was ist dein ROI (return on investment) des Willens?

Um das herauszufinden, stell dir folgende Fragen:

  1. Skizziere intuitiv den Verlauf von a (=Startpunkt heute) nach b (=Zielpunkt mit Datum)!
  2. Was gewinnst du auf diesem Weg?
  3. Was verlierst du auf diesem Weg?
  4. Welche Hürden können auftreten?
  5. Wie gehst du damit um?
  6. Was/wer kann dich unterstützen?
  7. Was ist dein erster Schritt auf diesem Weg? Skizziere diesen auf deinem Weg!

Gestalte deinen individuellen Weg

Teile das Erreichen deines Ziels in weitere Schritte. Wähle eine Schrittgröße, die für dich greifbar, machbar und realistisch scheint. Die Wahl der passenden Größe bestimmt die Anzahl der einzelnen Etappen. Es liegt in deinem Ermessen. Es ist ein Ausprobieren, Anpassen und Lernen. Es ist dein individueller Weg.

Du brauchst Unterstützung bei deiner Zielearbeit – Etappen, Eigenschaften, Hürden? Dann nutze die Kompetenzen im Team Die Sportpsychologen (zur Übersicht) und kontaktiere uns, oder mich (zum Profil von Maria Senz).

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Maria Senz
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Sportarten: Beachvolleyball, Volleyball, Kitesurfen, Leichtathletik