Ein Jahr lang dokumentierte Janosch Daul von Die Sportpsychologen seine Zusammenarbeit mit der U16 des Fußball-Drittligisten Halleschen FC. Entstanden ist ein besonderer Einblick in die Arbeitswelt der Sportpsychologie. In einer fünfteiligen Serie veröffentlichen wir, wie er seinen sportpsychologischen Input in den Trainings- und Wettkampfalltag eingebracht hat.
Teil 1: Coach-the-team
Dieser Bereich lässt sich unterteilen in die Durchführung von Workshops zur Förderung der mentalen Stärke, Durchführung von Workshops auf Trainerauftrag sowie die Umsetzung von Life Kinetik-Einheiten. Zu dieser Saison habe ich ein Workshop-Konzept entwickelt, das vorsieht, systematisch und zielgerichtet die mentale Stärke der Spieler zu entwickeln. So werden ab der U14 aufwärts in jeder Altersstufe jeweils vier bzw. zwei (U19) Workshops zu in mentaler Hinsicht bedeutenden Themen durchgeführt, sodass sich ein HFC-Spieler, der idealerweise alle Jahrgänge bis zur U19 durchläuft, Input zu insgesamt zwanzig Themen erhält. So gelingt es, die Kinder bzw. Jugendlichen frühzeitig für die Sportpsychologie zu sensibilisieren, sie noch proaktiver mit mentalem Handwerkszeug „auszustatten“, um Situationen auf und neben dem Feld gewachsen zu sein sowie die Sportpsychologie (schrittweise) als normalen Ausbildungsbestandteil in die alltägliche Trainingsarbeit zu integrieren. Zur Erhöhung der Nachhaltigkeit erhalten alle Spieler, so auch die der U16, zu Saisonbeginn ein Workbook, das als Arbeitsgrundlage dient, als Nachschlagewerk fungiert und weitere Impulse wie z.B. Übungen zur tiefergehenden Beschäftigung mit dem Thema über den Workshop hinaus beinhaltet. Des Weiteren führe ich mit jedem Trainerteam vor der Durchführung des Workshops ein kurzes Gespräch durch, um Wege aufzuzeigen, wie das jeweilige Thema durch den Einfluss der Trainer auch über den Workshop hinaus möglichst nachhaltig mit Leben gefüllt werden kann. Mit der U16 haben wir uns mit folgenden Themen auseinandergesetzt (Workshops zur Förderung der mentalen Stärke):
Der Nicht-Starter: ein wichtiges Puzzleteil für den Erfolg
Trainieren? Ich mach´s bewusst!
Mein Wettkampfcocktail
Dein innerer Geschichtenerzähler – mach ihn zu deinem Freund!
Darüber hinaus habe ich auf Auftrag der Trainer zu einem aus ihrer Sicht stimmigen Zeitpunkt weitere Workshops zu folgenden Themen mit dem Team durchgeführt:
Mit unterstützend-emotionalem Coaching zum Erfolg
Planung, Zeitmanagement und Zuverlässigkeit – die Entwicklung von Selbstmanagement-Kompetenzen
Sowie drei Reflexionsworkshops:
Reflexion der Umsetzung des erarbeiteten Wertekanons
Reflexion der bisherigen Zusammenarbeit im Team
Fremdfeedback durch Mitspieler und Trainer im Duo-Format
Als ausgebildeter Life Kinetik-Trainer führte ich zudem ab und zu entsprechende Einheiten auf dem Feld mit den Jungs durch, um in erster Linie einen alternativen Trainingsreiz zu setzen. Life Kinetik ist ein Bewegungsprogramm, das motorische Aufgaben mit kognitiven Herausforderungen und Wahrnehmungsaufgaben kombiniert, um z.B. die Koordination sowie die kognitiven Fähigkeiten zu schulen.
Feedback Valentin Liebegott zu den Life Kinetik-Einheiten:
Ein Tag hat 24 Stunden. Das gilt auch für SportlerInnen, genauer gesagt für PferdesportlerInnen. Im Gegensatz zu anderen Sportarten gilt es in Disziplinen wie Spring-, oder Dressurreiten, Voltigieren oder Reining stets den Sportpartner Pferd in diesen 24 Stunden einzuplanen. Oft sind es gar mehrere Vierbeiner, die es zu versorgen gilt! Es kann nicht wie in anderen Sportarten womöglich einfach pausiert werden, die Pferde brauchen schließlich ihren täglichen Auslauf. Auch, wenn es an manchen Tagen lediglich darum geht, sie auf eine Koppel zu führen. Was in jenen oft so knapp bemessenen Stunden allerdings ebenso Platz haben sollte sind oftmals anderweitige berufliche oder private Verpflichtungen. Das richtige Zeitmanagement zu finden, kann zur Herausforderung werden. Vor allem dann, wenn der Kopf für sportliche Erfolge frei bleiben sollte…
Zum Thema: Zeitmanagement im Pferdesport
In der aktuellen Ausgabe 70 (02/23) von Dressurstudien durfte ich mich dem Thema Zeitmanagement widmen. Gemeinsam mit der Olympiasiegerin, sowie Welt- und Europameisterin Jessica von Bredow-Werndl und Coach Antje Liebe durfte ich im Interview Rede und Antwort stehen. So viel sei verraten: Soziale Medien spielen im Umgang mit der Zeit eine entscheidende Rolle, da sie wahre Zeitfresser sein können.
Entstanden sind einige praxisnahe Tipps für weniger Surf- und mehr Reitzeit, die ich hier zusammenfasse:
Online-Zeiten wie Reitzeiten…
.. einplanen und einhalten. Zeit, um sich mit den eigenen Postings oder auch lehrreichen Inhalten in Social Media zu befassen, sollte in den Trainingsalltag eingeplant werden.
Selbstbeobachtung wie im Sattel…
.. auch in Hinblick auf das eigene Surfverhalten praktizieren. Bei welchen Apps schweift man womöglich schnell ab? Welche Kanäle fressen am meisten Zeit und wann ist die Online-Zeit noch sinnvoll?
Fokus auf das Pferd…
.. und weg vom Smartphone. Wenn das Smartphone tendenziell im Sattelschrank oder der Kabine bleiben kann, läuft man weniger Gefahr, ständig die eigenen Kanäle zu durchforsten. Aus den Augen, aus dem Sinn, sozusagen.
Wissen ist Macht…
…auch was Social Media angeht. Daher gilt es, sich über die Funktionsweise der Kanäle zu informieren, die kostbare Pferdezeit rauben. Fakt ist nämlich, dass Smartphone und Social Media-Kanäle halten viele Inspirationen bereit, können aber auch sinnloses Surfverhalten zu Lasten der Pferdezeit verstärken!
Mediale Empfehlungen und Hinweis
Zwei Dokumentationen, die für mehr Verständnis von Social Media sorgen, kann ich empfehlen. Darüber hinaus freue ich mich (zum Profil) sowie meine Kollegen und Kolleginnen im Netzwerk (zur Übersicht), wenn du das Thema Zeitmanagement mit professioneller Unterstützung angehen willst. Nimm gern Kontakt auf.
Inmitten der Hauptstadt eine Oase: der Beach61. Eine riesige Sandkiste mit unzähligen Beachvolleyballfeldern, groovigen Beats in chilliger Atmosphäre. Wie in jedem Jahr findet hier am Wochenende 08./09. Juli das EDEKA Hauptstadtmasters Beachvolleyball-Turnier statt. Ein A+ Turnier, organisiert vom Brandenburgischen Volleyball Verband e.V. Wir von Die Sportpsychologen sind in Berlin vor Ort und bieten ein bislang einmaliges Coaching-Angebot.
Zum Thema: Die Sportpsychologen beim EDEKA Hauptstadtmasters 2023 in Berlin
Julia und Maria vertreten das Netzwerk DIE SPORTPSYCHOLOGEN und begleiten dich an diesem Wochenende auf deinem mentalen Level: Egal, wo du gerade im Prozess mit dem Kopftraining stehst, wir sammeln dich an deinem Strandort ein und nehmen dich mit auf die mentale Exkursion. Du brauchst zum Beispiel Re-Fokussierung, Unterstützung beim Sortieren deiner Emotionen oder einen Anschubser nach einer Niederlage? Dann hol dir erste Impulse und Tipps an unserem Pavillon. Es gibt Konzentrations-Tests, Hörproben zu unterschiedlichen Themen, Mental Shots und vieles mehr. Wir stehen dir für Fragen zur Verfügung und geben dir Anregungen für dein aktuelles Kopftraining.
Du hast jetzt schon Fragen oder ein Anliegen auf dem Herzen und möchtest dir ein Gespräch am Pavillon sichern? Dann ergänze einfach folgendes Formular und schick uns dein Anliegen direkt zu:
Kürzlich habe ich ein Jubiläum gefeiert. 2000 Tage Streakrunning. Zweitausend Tage, an denen ich jeweils mindestens eine Meile (so wenig war es natürlich nie) gelaufen bin – ohne einen einzigen Tag Pause. In Summe kommen vom 01.01.2018 bis Mitte Juni 2023 insgesamt 14.860 Kilometer zusammen. Und wie geht es mir damit? Hervorragend! Hervorragend betone ich deshalb, weil ich rund um das Jubiläum mehrfach privat oder von Seiten der Presse auf das Thema „Sportsucht“ angesprochen worden bin. Und um es kurz zu machen: JA – ich war das sicher mal. Und NEIN – ich bin es nicht mehr. Trotz der Tatsache, dass ich jeden Tag laufe. Das sagt mir zumindest meine Selbstdiagnose in Sachen Sportsucht. Aber was ist das eigentlich, eine „Sportsucht“?
Zum Thema: Woran sich Sportsucht erkennen lässt
Wir unterschieden zwischen primärer und sekundärer Sportsucht. Bei der primären Sportsucht steht die sportliche Aktivität im Vordergrund, die sich in einem Suchtverhalten äußert. Diese Form der Sportsucht kommt eher selten vor (Stoll & Roushdy Saad, 2018). Es handelt sich dabei um eine Verhaltenssucht, bei der keine weiteren psychopathologischen Störungen vorliegen. Häufiger wird bei Betroffenen von einer sekundären Sportsucht gesprochen. Diese tritt dann häufig in Kombination mit einer Essstörung auf (Stoll, 2017). Neben der Kalorienrestriktion durch die Ernährung wird auch durch exzessives Sporttreiben versucht, so viele Kalorien wie möglich einzusparen. Im Allgemeinen geht es also bei der sekundären Sportsucht um das eigene Gewicht beziehungsweise das Erreichen eines Idealgewichts.
Das Wort Sportsucht kennen wir alle aus diversen medialen Darstellungen. Leider wird es immer wieder falsch verwendet. In den „Boulevardmedien“ muss häufig der „von der Midlife-Crisis“ getroffene Ehemann herhalten, der sich akribisch für einen Marathonlauf vorbereitet und deswegen eben viel vernachlässigt, weil er so auf diesen Lauf fokussiert ist. Dieses Beispiel taugt aber keinesfalls, um das Phänomen zu erklären.
Sportsucht als Verhaltenssucht
Vielmehr verstehe ich unter Sportsucht allgemein eine Verhaltenssucht, deren „Medikament“ die sportliche Aktivität ist, nämlich das Medikament, was dann hilft, wenn eine ansteigende Anspannung bis hin zu einer Schmerzwahrnehmung verschwindet, wenn man sportlich aktiv ist. Sportsucht kann somit als eine substanzunabhängige Form von psychischer und körperlicher Abhängigkeit verstanden werden. Sportsüchtiges Verhalten geht einher mit einem starken Drang, Sport treiben zu müssen, mit einer gewissen Maßlosigkeit im Umfang oder hinsichtlich der Intensität der Sportausübung und mit einem Leidensdruck, der entsteht, wenn es nicht möglich ist, Sport zu treiben.
Kürzlich war ich zu einem Interview beim Radio-Sender Bayern 2 (siehe unten) eingeladen. Da diskutierten wir auch über die Gefahren die Läufer*innen ausgesetzt sind, wenn draußen extreme Bedingungen herrschen (Große Hitze, Unwetter, etc.), denn Sportsüchtige können sich in einer akuten „Attacke“ nicht mehr wirklich kontrollieren. Sie folgen dann einfach einem inneren Impuls.
Bin ich sportsüchtig?
Treffen diese Definitionen nun alle für mein aktuelles Verhalten zu? Nein, denn ich laufe, weil es mich zufriedener, gelassener und entspannter macht, meistens früh morgens für einen guten Start in den Tag. Am Wochenende darf es dann, was die Kilometer angeht, auch gern mal etwas länger sein. Oder eben auch nicht. Ganz abhängig davon, was ansteht. Und das ist aus meiner Sicht unbedingt empfehlenswert!
Stoll, O. (2017). Sportsucht – Theorie, Forschungsstand und Gedanken zu Interventionsmöglichkeiten. Psychotherapie im Dialog, 18 (1), 66-69. https://doi.org/10.1055/s-0042-121706.
Stoll, O. & Roushdy Saad, A. (2018). Primäre Sportsucht – Forschungsstand und aktuelle Diskussionen. Suchtmagazin, 44 (2), 35-37.
Ein mir bekannter Trainer hat vor kurzem sehr treffend formuliert: „Erlebnis statt Ergebnis!“. Eine wunderbare Aussage, wie ich finde. Aber finden wir diese Haltung in der gelebten Praxis wirklich wieder? Kürzlich war ich mit meinem Jüngsten auf einem Turnier (U7-Spielfest), welches vordergründig den Spaß an der Bewegung vermitteln sollte. Versteh mich nicht falsch! Die Kinder hatten ungemein Spaß, im Gegensatz zu den „stolzen“ Eltern. So wurde von einigen Müttern und Vätern der zuvor angekündigte Besuch einer Fastfood-Kette für den Fall einer Finalniederlage in Frage gestellt. Muss ich noch mehr dazu sagen?
Zum Thema: Ist Darth Vader ein guter Lehrmeister?
Es steht außer Frage, dass unser Gehirn dazu im Stande ist, Außergewöhnliches zu leisten. Wusstest du auch, dass es sich am besten in einer sozialen Gemeinschaft lernen lässt? Der Schutz der Gruppe ist nicht nur in der freien Wildbahn überlebenswichtig, sondern auch von zentraler Bedeutung für den zivilisierten Menschen. Beinahe unser gesamtes Können beruht auf den Anregungen von Artgenossen. Nur wenn andere ihr Wissen mit einem teilen, können wir dazu lernen. Die Fähigkeit, mit anderen in Beziehung treten zu können, ist somit folglich die Voraussetzung für erfolgreiches Lernen. Und weil das Lernen überlebenswichtig ist, kommen Kinder mit einer schier unersättlichen Neugier und Offenheit auf die Welt. Kinder sind auf der Suche nach Vorbildern, die sich ihrer annehmen und ihnen zeigen, wie man sich in dieser Welt zurechtfindet. Wird jedoch das kindliche Urvertrauen nach stabiler emotionaler Bindung enttäuscht, wird jener Austausch gestört mit entsprechenden Folgen.
Alsbald ein Kind unterbewusst spürt, dass es nicht wirklich gemocht oder nicht ernst genommen wird, zerbricht in ihm das angeborene Urvertrauen gegenüber seinen Mitmenschen. Die Folge hiervon ist, dass das kindliche Gehirn in einen Stresszustand verfällt und damit zunehmend die Fähigkeit verliert, komplexe Verschaltungen zwischen Nervenzellen herzustellen. Sprich neue Lernerfahrungen können nicht richtig verankert werden.
Zwischenfazit:Positive und vertrauensvolle Beziehungen sind Grundvoraussetzung für die Entwicklung der menschlichen Lernfähigkeit
Die menschliche Lernfähigkeit
Doch finden wir in unserer leistungsorientierten Gesellschaft solche Idealbedingungen leider eher selten vor. Allen Lebewesen ist gemein, dass sie sich ständig an die wechselnden Umweltbedingungen anpassen können. Lange vertrauten wir auf die Annahme, dass die Lernfähigkeit ein menschliches Alleinstellungsmerkmal sei. Dem ist jedoch nicht so. Einzig und allein ist der Mensch dazu in der Lage, sich die Lernfähigkeit von anderen für seine eigenen Zwecke nutzbar zu machen.
Aber wie sieht unser Lernverhalten aus, wie viel haben wir in der jüngeren Vergangenheit in der Praxis verändert? Noch bevor Pawlow und sein Hund den Nachweis erbrachten, dass man jedes Lebewesen mit Aussicht auf Belohnung auf ein bestimmtes Verhalten konditionieren kann, richteten Menschen Tiere ab und dressierten sie. In diesem Zusammenhang spielte aber nicht nur das Leckerli eine wichtige Rolle, sondern eben auch die Peitsche. Denn auch die Angst vor Bestrafung kann eine mächtige Triebfeder sein.
Fehlender Spaß, aber nicht nur
Die Kehrseite dieses Prinzips von Belohnung und Bestrafung ist aber, dass es nur durch Unterwerfung funktioniert. Unglücklicherweise übertrug man diese Logik im Laufe der Geschichte auch auf die klassischen Bildungseinrichtungen: Die ersten allgemeinbildenden Volksschulen gingen nämlich aus Kadettenschulen hervor. Diese hatten das Ziel, aus den Schülern gefügige Untertanen zu machen. Nur so konnte man in einer hierarchischen Gesellschaft gehorsame Soldaten rekrutieren. Nur weil die Prügelstrafe heutzutage in den meisten Ländern abgeschafft wurde, bedeutet dies im Umkehrschluss nicht automatisch, dass die „Tradition“ Unterwerfung verschwunden ist. In vielen Klassenzimmern und auf Sportplätzen herrscht immer noch ein steiles Autoritätsgefälle, innerhalb der Lehrer oder Trainer die Rolle des herrschenden Subjektes einnimmt und die Schüler bzw. Sportler zum Objekt degradiert werden. Folglich steht nicht Lernfreude in der ersten Reihe, sondern der Selbstschutz. Das Gehirn ist so sehr damit beschäftigt, Bestrafung zu vermeiden und Belohnung zu ergattern, dass die kognitive Verarbeitung des Unterrichtsstoffes bestenfalls ein Nebenprodukt ist. Jene Vorgehensweise hat mit eigenständigem und nachhaltigem Lernen überhaupt nichts mehr zu tun. Die meisten Schüler regieren auf die systematische Objektivierung ihrer Persönlichkeit entweder mit feindseligem Trotz oder mit quälenden Selbstzweifeln. In beiden Causae geht die Lernfreude verloren. Die Freude am spielerischen Entdecken der Welt geht verloren und die Kinder und Jugendlichen trauen sich nicht mehr, ihre Gedanken laut auszusprechen. Im Alltag dreht sich die Welt nur noch um Bewertung und Benotung bzw. um Gewinner und Verlierer.
Und genau aus diesem Grund ist es so unabdingbar wichtig, dass wir gute Lernbedingungen schaffen. Wenn wir die natürliche Lernfreude von Kindern erhalten, wird es möglich, sie auch von den Lerninhalten zu überzeugen, die ihnen bisher noch fremd waren. Der Funke der Begeisterung und die Lust auf Entdeckung wird nur dann bei den Schützlingen entfacht, wenn sie von einem Vorbild (Lehrer/Trainer) eingeladen werden, der das, was er vermittelt, aufrichtig liebt. Ein Trainer, der eine inspirierende Atmosphäre schafft, ermutigt seine Sportler/Schüler dazu, über die eigenen Grenzen hinauszugehen.
Fazit
Wollen wir andere zum Lernen inspirieren, müssen wir sie mit unserer Begeisterung anstecken. Und weil wir am besten im Team lernen, sollten wir unsere Beziehungen pflegen und ein vertrauensvolles und kooperatives Umfeld schaffen. Wir brauchen eine Kultur der Offenheit und Augenhöhe, der Rücksichtnahme sowie des Respekts. Wenn wir uns gegenseitig beschützen und ermutigen, können wir jeden Tag gemeinsam lernen und zusammenwachsen. Gelingt uns das, bleibt unsere Freude am Lernen ungetrübt und wird zum Ausdruck purer Lebensfreude.
Hinweis: Schön, dass du bis zum Ende gelesen hast. Entsprechend kann ich doch noch auf den ersten Text dieser kleinen Serie hinweisen, in dem sich alles um das Thema Lernen drehte. Wie geht dieser Prozess vonstatten und welche idealen Voraussetzungen müssen geschaffen werden, damit wir optimal Lernen können? Es konnte aufgezeigt werden, dass Lernen durchaus Spaß machen kann bzw. sollte. Schau einfach noch einmal rein, wenn ich dich bis hierhin mitreißen konnte:
Hüther, G. (2016): Mit Freude lernen – ein Leben lang: Weshalb wir ein neues Verständnis vom Lernen brauchen. Sieben Thesen zu einem erweiterten Lernbegriff und eine Auswahl von Beträgen zur Untermauerung. Vandenhoeck&Ruprecht Verlag.
„Was für eine geile Truppe!“, „Was für eine geile Truppe!“, „Was für eine geile Truppe!“ Bereits meine ersten Berührungspunkte im Sommer 2022 mit der neu zusammengestellten U16 des Halleschen FC ließen mich eine große Begeisterung empfinden sowie eine enorme Vorfreude auf die Saison 2022/2023 entwickeln. Ich war früh Feuer und Flamme und spürte: In dieser Mannschaft steckt eine Menge Leidenschaft, eine enorme Wissbegierde und eine hohe Bereitschaft, sich auf Neues wie z.B. die Sportpsychologie einzulassen. Ich nahm auch wahr, dass in dieser Truppe ein besonders stark ausgeprägtes Bedürfnis nach zwischenmenschlicher Nähe und zugleich einer klaren pädagogischen Führung herrschte. Diese Saison, die sich nun Ende Juni dem Ende zuneigt, war für mich als verantwortlicher Sportpsychologe für den Nachwuchs des Halleschen FC meine fünfte. Dementsprechend habe ich schon mit einer Vielzahl an Teams zusammenarbeiten dürfen. Und in dieser U16, die ich eng begleiten durfte, fühlte ich mich so wertgeschätzt und eingebunden wie niemals in einer anderen Mannschaft zuvor. Dieser Artikel hat zum Ziel, die Unverzichtbarkeit der Sportpsychologie im Nachwuchsleistungsfußball aufzuzeigen und die enorme Bandbreite sportpsychologischer Wirkungsmöglichkeiten anhand meines Wirkens in dieser Saison in der U16 zu verdeutlichen. Hierfür möchte ich meine eigenen Meinungen und Ansichten bewusst um die Perspektiven des Cheftrainers und der Spieler ergänzen.
Zum Thema: Zur Bedeutung der Sportpsychologie im Nachwuchsleistungsfußball
In den vergangenen Jahren wurde mir immer bewusster, welchen Mehrwert mein Fachbereich dem Fußball bieten kann. Und wie wichtig es dafür ist, auf Verantwortliche und insbesondere Trainer zu stoßen, die ebenfalls von diesem überzeugt sind oder sich überzeugen lassen. Vor allem dann, wenn diese infolgedessen den Wunsch einer Zusammenarbeit deutlich zum Ausdruck bringen und selbst eigene Vorstellungen entwickeln, wie diese gemeinsam gestaltet werden kann, erhöht sich die Chance auf ein erfolgreiches Wirken als Sportpsychologe. Schwierig wird es hingegen, wenn die Zusammenarbeit gegen den Willen des Trainers durch den Verein angeordnet wird.
Auch bedingt durch meine langjährige Zusammenarbeit mit dem Cheftrainer der U16, Yannick Burmeister, nahm ich bereits zu Beginn der Saison ein maximales Interesse des Trainerteams daran wahr, mich so intensiv wie möglich einzubeziehen, mir möglichst viel Gestaltungsspielraum zu schenken und mich und meine Fähigkeiten möglichst frei und so oft wie möglich zur Entfaltung kommen zu lassen. Ich kann mir kein Verhältnis, das von größerem Respekt, Vertrauen und Wertschätzung geprägt ist, als jenes zu diesem Trainerteam ausmalen. Ihre Haltung zur Sportpsychologie ist modern: Längst haben sie die Notwendigkeit eines systematischen Einbeziehens des Sportpsychologen in die alltägliche Trainingsarbeit erkannt, statt diesem das Etikett des Feuerwehrmanns, den man nur dann ruft, wenn es fünf vor zwölf ist, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen, zu verleihen. Sie verstehen die tägliche Arbeit an sozialen und mentalen Kompetenzen als unverzichtbaren Ausbildungsbaustein und wollen mit mir zusammenarbeiten, wenn es nicht läuft, aber genauso dann, wenn das Team gerade überperformt.
Genau wie andere Wissenschaften, z.B. die Trainingswissenschaft, trägt die Sportpsychologie entscheidend zur Optimierung der Leistung bei, die sich aus unzähligen Faktoren zusammensetzt. Zudem hilft sie dabei, die Persönlichkeit des Menschen weiterzuentwickeln und unterstützt alle Beteiligten dabei, die individuelle psychische Gesundheit zu erhalten, die wiederum erst die Grundlage zur Leistungserbringung darstellt. Zudem müssen sich Trainer wohl eingestehen, dass sie zwar in jedem Bereich über Wissen verfügen, aber nicht in jedem Bereich die absoluten Experten sind – aufgrund der Komplexität der Trainerrolle auch gar nicht sein können. Und deshalb benötigen sie Fachleute, die sie dann mitnehmen, führen und sich gleichzeitig entfalten lassen müssen, so auch den Sportpsychologen, der idealerweise ein verschwiegener Geheimnisbewahrer, Vermittler und Unterstützer ist.
Zusammenfassend möchte ich kurz und knapp aufzeigen, warum die Sportpsychologie im Nachwuchsleistungsfußball schlichtweg alternativlos ist: Gerade in jungen Jahren sollte die Weiterentwicklung des Spielers und des Menschen dahinter im Vordergrund stehen. Dafür benötigt es eine Ganzheitlichkeit, sprich ein gezieltes Entwickeln technischer, taktischer, vor allem aber auch sozialer und mentaler Kompetenzen. Zudem braucht es eine systemische Herangehensweise, die auch z.B. eine proaktive Elternarbeit vorsieht. Diese lässt sich, ebenso wie die gerade angesprochene Ganzheitlichkeit, nur durch das Zusammenspiel von Fußballtraining und Sportpsychologie erzielen. Denn Trainer allein können der Summe der zu vollziehenden Handlungsschritte, die es für eine solche ganzheitliche Ausbildung braucht, gar nicht gerecht werden. Es braucht in einem Funktionsteam also zusätzlich zu Experten für das Physische auch Experten für das Psychische. Zudem ist der Trainer aufgrund seiner Rolle als Entscheider oftmals dazu gezwungen, zuerst den Spieler und erst dann den Menschen zu betrachten, denn er stellt primär nach sportlicher Leistung auf. Der Sportpsychologe dagegen fokussiert sich vielmehr auf den Menschen hinter dem Spieler, unterstützt den Trainer dabei, die zwischenmenschlichen Beziehungen zu den Spielern im Auge zu behalten und zu fördern und kann dadurch positiven Einfluss auf ihre Leistungsfähigkeit und ihr Wohlbefinden nehmen. Des Weiteren geht es im Nachwuchsleistungsfußball um das Erbringen von sportlicher Leistung. Dies führt zu hohen Anforderungen und Erwartungshaltungen, was wiederum die Entstehung von übermäßigem Leistungsdruck begünstigen kann. Der Sportpsychologe kann die Systembeteiligten wie Spieler und Trainer dabei unterstützen, einen stimmigen Umgang mit diesem Druck zu erlernen und einen positiven intrinsischen Leistungswillen zu fördern. Außerdem: Der Körper führt die Handlung aus, aber der Kopf steuert diesen, entscheidet über die Einsatzbereitschaft und Motivation, die Herangehensweise, Widerstände zu überwinden, den Umgang mit Misserfolgen und auch – auf das Team bezogen – die Art der Zusammenarbeit sowie die Entstehung und Weiterentwicklung einer Gemeinschaft. Umso wichtiger erscheint es vor diesem Hintergrund, den Kopf gezielt zu trainieren, oder?
Die fünf großen Wirkbereiche der Sportpsychologie im Jugendleistungsfußball
Im Folgenden möchte ich konkret darstellen, wie ich mit tatkräftiger Unterstützung der Trainer den Kopf der Spieler trainiert habe, wie wir Fußballtraining und Sportpsychologie miteinander verbunden haben und wie ich – immer unter Berücksichtigung einer ganzheitlichen Ausbildungsphilosophie und systemischen Herangehensweise – versucht habe, die Trainer in ihrer Funktion zu unterstützen. Dies möchte ich anhand der fünf großen Wirkbereiche coach-the-team, coach-the-player, coach-the-coach, Trainings- und Spielbeobachtung sowie coach-the-parents tun. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass es zu Saisonbeginn einer detaillierten Auftragsklärung mit den Trainern und Spielern bedurfte, um aus einer Unterstützerrolle wirkungsvoll Akzente in der alltäglichen Arbeit setzen zu können.
Coach-the-team
Dieser Bereich lässt sich unterteilen in die Durchführung von Workshops zur Förderung der mentalen Stärke, Durchführung von Workshops auf Trainerauftrag sowie die Umsetzung von Life Kinetik-Einheiten. Zu dieser Saison habe ich ein Workshop-Konzept entwickelt, das vorsieht, systematisch und zielgerichtet die mentale Stärke der Spieler zu entwickeln. So werden ab der U14 aufwärts in jeder Altersstufe jeweils vier bzw. zwei (U19) Workshops zu in mentaler Hinsicht bedeutenden Themen durchgeführt, sodass sich ein HFC-Spieler, der idealerweise alle Jahrgänge bis zur U19 durchläuft, Input zu insgesamt zwanzig Themen erhält. So gelingt es, die Kinder bzw. Jugendlichen frühzeitig für die Sportpsychologie zu sensibilisieren, sie noch proaktiver mit mentalem Handwerkszeug „auszustatten“, um Situationen auf und neben dem Feld gewachsen zu sein sowie die Sportpsychologie (schrittweise) als normalen Ausbildungsbestandteil in die alltägliche Trainingsarbeit zu integrieren. Zur Erhöhung der Nachhaltigkeit erhalten alle Spieler, so auch die der U16, zu Saisonbeginn ein Workbook, das als Arbeitsgrundlage dient, als Nachschlagewerk fungiert und weitere Impulse wie z.B. Übungen zur tiefergehenden Beschäftigung mit dem Thema über den Workshop hinaus beinhaltet. Des Weiteren führe ich mit jedem Trainerteam vor der Durchführung des Workshops ein kurzes Gespräch durch, um Wege aufzuzeigen, wie das jeweilige Thema durch den Einfluss der Trainer auch über den Workshop hinaus möglichst nachhaltig mit Leben gefüllt werden kann. Mit der U16 haben wir uns mit folgenden Themen auseinandergesetzt (Workshops zur Förderung der mentalen Stärke):
Der Nicht-Starter: ein wichtiges Puzzleteil für den Erfolg
Trainieren? Ich mach´s bewusst!
Mein Wettkampfcocktail
Dein innerer Geschichtenerzähler – mach ihn zu deinem Freund!
Darüber hinaus habe ich auf Auftrag der Trainer zu einem aus ihrer Sicht stimmigen Zeitpunkt weitere Workshops zu folgenden Themen mit dem Team durchgeführt:
Mit unterstützend-emotionalem Coaching zum Erfolg
Planung, Zeitmanagement und Zuverlässigkeit – die Entwicklung von Selbstmanagement-Kompetenzen
Sowie drei Reflexionsworkshops:
Reflexion der Umsetzung des erarbeiteten Wertekanons
Reflexion der bisherigen Zusammenarbeit im Team
Fremdfeedback durch Mitspieler und Trainer im Duo-Format
Als ausgebildeter Life Kinetik-Trainer führte ich zudem ab und zu entsprechende Einheiten auf dem Feld mit den Jungs durch, um in erster Linie einen alternativen Trainingsreiz zu setzen. Life Kinetik ist ein Bewegungsprogramm, das motorische Aufgaben mit kognitiven Herausforderungen und Wahrnehmungsaufgaben kombiniert, um z.B. die Koordination sowie die kognitiven Fähigkeiten zu schulen.
Feedback Valentin Liebegott zu den Life Kinetik-Einheiten:
Coach-the-player
Dieser Bereich bezieht sich auf Coaching- und Beratungsprozesse von Spielern auf der Individual- und Kleingruppenebene. In den ersten sechs Wochen der Zusammenarbeit führte ich zunächst Kennenlerngespräche mit den Spielern in Form eines freiwilligen Angebots meinerseits durch. Mit dem Ziel, sich gegenseitig kennenzulernen, eine Beziehung aufzubauen und inhaltliche Anknüpfungspunkte für eine Zusammenarbeit in dieser Saison zu definieren. Auf dieser Grundlage kamen im Saisonverlauf immer wieder Spieler mit Themen proaktiv auf mich zu. Beispielhaft seien folgende genannt:
Umgang mit Druck
Umgang mit Emotionen
Verbesserung der verbalen und nonverbalen Kommunikation auf dem Feld
mentale Unterstützung in der Rehabilitation
Umgang mit Zwangspausen
Entwicklung von Führungskompetenzen
Auflösung von Konflikten innerhalb des Teams
Videobasierte Reflexion einer Trainingseinheit unter mentalen Gesichtspunkten
Zudem war es den Trainern wichtig, mich in die Aufarbeitung von Fehlverhaltensweisen mancher Spieler einzubeziehen. Im Rahmen einer Sitzung stellte ich den Trainern des HFC ein Konzept vor, das einen pädagogisch wertvollen Umgang mit einer Fehlverhaltensweise vorsieht. Einen Umgang, der vorsieht, den Spieler sein Verhalten reflektieren zu lassen, um Lernprozesse auszulösen, das eigene Verhalten auf Stimmigkeit zu überprüfen, die Folgen seines Verhaltens im Hinblick auf Trainer und Team reflektieren zu lassen sowie eine aktive Wiedergutmachungsleistung und eine transparente Kommunikation dem Team und Trainern gegenüber vorzubereiten. Angelehnt an dieses Konzept führte ich mit Spielern bei aufgetretenen Fehlverhaltensweisen wie z.B. im Falle wiederholter mangelnder Zuverlässigkeit entsprechende Gespräche. Das Trainerteam und meine Person setzten sich zudem gezielt mit verletzten Spielern auseinander, um über eine bestmögliche Unterstützung und Betreuung des Spielers in der Rehabilitationsphase zu diskutieren – in Form von gemeinsamen Gesprächen mit dem Spieler.
Auf Auftrag der Trainer entwickelte ich ein Konzept zur Individualförderung der Toptalente des Teams und unterstützte Trainer und Spieler bei der entsprechenden Umsetzung. Im Wesentlichen bestand das Konzept aus den folgenden Schritten:
Vorstellung des Angebots gegenüber den als Toptalenten identifizierten Spielern gemeinsam mit den Trainern
Durchführung einer beobachtungsbasierten Diagnostik durch die Trainer (u.a. Bereiche Technik & Taktik) bzw. mich (Bereich Psyche)
Diagnostikgespräche mit den Spielern & Ableitung von Maßnahmen gemeinsam mit den Trainern
gemeinsame Erstellung individueller, auf die Bedürfnisse und Lebenswelt der Spieler angepasster Entwicklungspläne
Durchführung
Für die Umsetzung spezieller, von uns aufgrund fehlender Expertise nicht abzudeckender Wünsche, wie z.B. der Entwicklung spezieller Kraftfähigkeiten, holten wir uns für die Diagnostik und Erstellung entsprechender Krafttrainingspläne in Person des Athletiktrainers unserer Profis, Ken Kaiser, zusätzliche Expertise mit ins Boot. Zudem bekam jedes der Toptalente einen Mentor in Form von meiner Person bzw. der des Cheftrainers an die Seite gestellt, um über den gesamten Prozess hinweg den Spieler eng zu begleiten und zielgerichtet mit ihm im Gespräch zu sein.
Im Kleingruppenformat führte ich nach Absprache mit dem Trainerteam regelmäßig Leadershipcoachings mit von den Coaches als Leader identifizierten Spielern durch, im Sinne der Entwicklung mentaler Fertigkeiten und Führungskompetenzen.
Coach-the-coach
Ganz besonders wichtig ist eine saubere Auftragsklärung mit Trainern zu Beginn einer Zusammenarbeit. Wie soll diese gestaltet werden? Wie soll Kommunikation aussehen? In welche Rollen soll der Sportpsychologe schlüpfen, um von Trainerseite als Unterstützer wahrgenommen zu werden? Es bedarf einer detaillierten Auseinandersetzung mit Fragen wie diesen, um bestmöglich zusammenarbeiten zu können – und nicht etwa aneinander vorbei. So war es den Trainern wichtig, dass ich situationsgerecht folgende Rollen einnehme:
ein Spiegel, der sie in ihrem gesamten für mich wahrnehmbaren Verhalten permanent reflektiert
ein Impulsgeber, der proaktiv Ideen und Anregungen rund um die Themen Teamentwicklung, Mannschaftsführung und Workshops einbringt
ein Berater, der auf Fragen hin beratend zur Seite steht
ein Meinungsäußerer, der auch immer wieder eine kritische Gegenperspektive einnimmt und Wachstumspotenziale in Sachen Trainerverhalten offenlegt
ein Erinnerungsanker, der fast schon penetrant nervig immer wieder zur Umsetzung von in gemeinsamen Meetings besprochenen Handlungsschritten anregt
In der Regel führte ich alle zwei Wochen mit Yannick zu einer festen Zeit Trainermeetings durch, um z.B.
lösungsorientiert über Themen rund um das Team, einzelne Spieler und Elternteile ins Gespräch zu kommen,
anstehende Maßnahmen, wie z.B. Teambuildingevents, zu planen und Handlungsschritte, z.B. ein anstehendes Trainer-Spieler-Gespräch, exakt vorzubereiten und
durchgeführte Maßnahmen konstruktiv-kritisch zu reflektieren
Wiederkehrende Themen in unseren Meetings waren die folgenden:
pädagogisch wertvoller Umgang mit Spielern im Falle von Verfehlungen
Entwicklung von Leitfäden für die Durchführung von Gesprächen mit Eltern und Spielern
Vorbereitung von Spieltagsbesprechungen
Planung von Maßnahmen und Übungsformen zur Verbesserung des emotional-unterstützenden und taktischen Coachings
Planung der Saison- und Rückrundenvorbereitung unter mentalen Gesichtspunkten
Planung von Teambuildingevents
Entwicklung von Möglichkeiten, verletzte Spieler einzubeziehen
Entwicklung stimmiger Herangehensweisen an Spiele als haushoher Favorit
Entwicklung einer Führungsspielerstruktur
Vorbereitung von Feedbackgesprächen mit Spielern
Planung und Durchführung einer systematischen Kommunikation mit Eltern via Mail
Kabinengestaltung & Kabinenordnung
Trainings- und Spielbeobachtung
Meiner Erfahrung nach ist die Herangehensweise, in seinem Büro zu sitzen und zu warten, bis Spieler oder Trainer mit einem Anliegen auf dich als Sportpsychologen zukommen, wenig zielführend. Viele Leistungsressourcen, die ein Sportpsychologe ausschöpfen könnte, gehen flöten. Ich gehe sogar einen Schritt weiter: Als Sportpsychologe ist es unabdingbar, Präsenz zu zeigen, und zwar unmittelbar in der Lebenswelt der Spieler und Trainer. Und diese liegt primär auf dem grünen Rasen. Die Anwesenheit auf dem Feld hilft dabei, Beziehungen zu den Spielern und Trainern aufzubauen, Anteilnahme, Wertschätzung und Interesse für das, was auf dem Feld von diesen geleistet wird, auszudrücken bzw. durch das Geben gezielter Rückmeldungen und Hilfestellungen im Anschluss an das Training oder Spiel Reflexionsprozesse anzustoßen und Anknüpfungspunkte für eine potenzielle Zusammenarbeit zu liefern. Das Mandat, entsprechend Rückmeldungen im Hinblick auf beobachtbares Verhalten unter mentalen Gesichtspunkten geben zu dürfen, holte ich mir von den Trainern und Spielern zu Saisonbeginn im Rahmen der Auftragsklärung ab. Beim Geben entsprechender Rückmeldungen nahm ich die Rollen des Spiegels, Impulsgebers, Meinungsäußerers und Beraters ein. In Abhängigkeit von Person und Situation galt es, die jeweils passende Rolle(n) zu bedienen.
Was waren beispielhaft typische Aspekte, den ich den Trainern spiegelte?
Gestaltung der Ansprache vorm Spiel im Hinblick auf z.B. Rhetorik
Funktionalität der Spieltagsabläufe
Körpersprache
Feedbackverhalten
Aufmerksamkeitsgenerierung im Rahmen von Ansprachen etc.
gewählte Mittel der Beziehungsgestaltung zu Spielern
Kommunikation untereinander
Einbezug der Spieler
Umgang mit Konflikten
Was waren beispielhaft typische Aspekte, die ich den Spielern rückmeldete?
Einsatzbereitschaft
Körpersprache
Emotional-unterstützendes Coaching
Team- und Sozialverhalten
Aufmerksamkeitslenkung bei Ansprachen, Feedbacks, Übungserklärungen
Aufmerksamkeitslenkung im laufenden Training bzw. Spiel
Umgang mit negativen Emotionen
sonstige prägnante Beobachtungen
Die Rückmeldungen gab ich sowohl Spielern als auch Trainern gegenüber primär per Whatsapp-Sprachnachricht, da dies mit den Vorteilen einhergeht, dass ich meine Notizen zunächst strukturieren und auswerten kann, dass die Sprachnachricht vom Empfänger zu einem für ihn stimmigen Zeitpunkt abgehört werden kann und dass ich insbesondere eine Vielzahl an Spielern bedienen kann, denn: In zeitlicher und organisatorischer Hinsicht ist es unmöglich, mit z.B. zehn Spielern face-to-face ein Gespräch über die gerade erfolgte Einheit zu führen.
Coach-the-parents
Für denjenigen Trainer, der modern und systemisch stimmig führen möchte, gilt es, ein möglichst funktionierendes Unterstützungssystem für jeden einzelnen Spieler mitzuentwickeln bzw. zumindest positiv zu beeinflussen. Das System besteht aus dem Spieler selbst, der im Mittelpunkt steht, seinen Trainern, seiner Familie, seinem Freundeskreis und weiteren für ihn systemrelevanten Personen. Doch es braucht Arbeit, damit es sich wirklich zu einem Unterstützungssystem entwickelt. Dies ist dann der Fall, wenn alle Systembeteiligten in einem Boot sitzen, in eine Richtung rudern und der Spieler dabei maßgeblich Selbstverantwortung für seine Weiterentwicklung übernimmt. Besonders wichtige Helfer für die Spieler sind zweifelsfrei die Eltern, denn sie sind es, zu denen die Spieler oftmals die größte emotionale Bindung besitzen und einen enormen Einfluss ausüben. Zugleich sind sie für ein Funktionsteam der wichtigste Partner für die ganzheitliche Entwicklung der Spieler. Es ist von zentraler Bedeutung, sie von der eigenen Arbeit zu überzeugen, sie auf dem gemeinsamen Weg mitzunehmen und mit einzubinden, aber auch stimmige Grenzen zu setzen, gemeinsam in Austausch darüber zu treten, welches Elternverhalten für die Entwicklung des jeweiligen Spielers funktional ist und wie die Kooperation zwischen Trainern und Eltern aussehen sollte, um dem Spieler zu dienen. Trainer sollten darauf hinarbeiten, dass sich die Eltern ihrer Spieler gebraucht und gewertschätzt sowie als Teil des Ganzen fühlen. Gelingt es einem Trainer, diese Aspekte umzusetzen, so stellt – dann in hohem Maße funktionales – Elternverhalten eine enorme (und noch vielerorts enorm unterschätzte und stiefmütterlich behandelte) Leistungsressource dar.
Wie versuchte ich nun in meiner Funktion, die Eltern der Spieler – in enger Abstimmung mit den Trainern – zu unterstützen und darauf einzuwirken, dass sich funktionale Unterstützungssysteme für die Spieler entwickeln?
Planung und Durchführung der Elternversammlung zu Saisonbeginn gemeinsam mit den Trainern
Planung und Durchführung eines Elternabends gemeinsam mit den Trainern, inkl. der Möglichkeit für die Eltern, dem Funktionsteam gezielt Feedback zu geben
Mitgestaltung von Elternmails zur Aufrechterhaltung einer systematischen Kommunikation
Mitgestaltung eines Come Together, einem gemeinsamen Saisonabschluss von Spielern, Eltern und Trainern
Gespräche mit Trainern, Eltern und dem jeweiligen Spieler zu anfallenden Themen
Einzelberatungen von Eltern auf Anfrage zu Themen wie:
Umgang mit Anfragen anderer Vereine
Umgang mit pubertierenden Verhaltensweisen des Sohnes
Fazit
Wahrscheinlich hat diese atemberaubende Vielfalt an Möglichkeiten, mich einbringen zu dürfen, in Kombination mit den Menschen, die dies erst ermöglicht haben, dazu geführt, dass diese Saison die bislang schönste meines Lebens war. Ich möchte mich daher herzlich bei den Trainern Yannick Burmeister und Jonathan Ranft bedanken, die mir ein maximales Vertrauen entgegengebracht haben und auf dem besten Weg sind, bald in der ersten Bundesliga zu coachen. Bedanken möchte ich mich zudem bei unseren wissbegierigen, leidenschaftlichen und charakterlich einwandfreien Spielern und auch bei den Eltern dieser jungen Fußballer. Ich bin extrem dankbar für diese Saison und wünsche mir, vergleichbare Erfahrungen in Zukunft noch einmal machen zu dürfen.
In vielen Sportarten ist der professionelle Umgang mit Verletzungen und Stürzen enorm wichtig. Oft resultieren daraus auch Schmerzen, körperliche und mentale Beschwerden sowie Einschränkungen, die enorme Belastungen mit sich bringen und ein erfolgreiches Comeback be- oder sogar verhindern.
Zum Thema: Hypnotherapeutische und Embodimentfokussierte Ansätze für den besseren Umgang mit und schnellere Genesung bei Stürzen, Verletzungen und Schmerzen
Häufig haben selbst SpitzensportlerInnen nicht die Unterstützung, die sie gerne hätten oder brauchen. Das kann ich aus meiner Praxis als ehemaliger Profi im Reitsport nur bestätigen!
Es gibt einige Fragen, die für mich relevant waren, auf die ich aber von meinen Trainern keine echte Antwort bekam, bei denen ich aber jetzt aufgrund meiner psychologischen Ausbildung und anderen Erfahrungen fundiert weiterhelfen kann. Ein „Augen zu und durch!“ oder „Setz dich einfach wieder drauf, das wird schon wieder!“, hilft nicht wirklich und verstärkt eher den Frust.
Wie kann ich Stürze, Fehler, Verletzungen gut und schnell verarbeiten und abhaken?
Wie kann ich mental trainieren, wenn ich verletzt bin?
Wie gestalte ich das Comeback nach längerer Auszeit?
Wie entwickle ich den gleichen Fokus, Mut und Performance wie vor der Verletzung?
Wie schaffe ich es, wieder optimal in den Flow zu kommen und Bewusstes und Unbewusstes zu synchronisieren und wieder auf mich und meinen Körper zu vertrauen?
Wie halte ich den Fokus und vermeide unnötige Vorsicht und „Kopfkino“ mit Angst vor Wiederverletzung?
Mittlerweile ist vielerorts bewusst, wie wichtig sportpsychologische Begleitung bei diesem Thema ist, doch wird diese immer noch zu wenig systematisch genutzt und Chancen verschenkt.
Wenn überhaupt, dann wird die Begleitung eher auf die psycho-soziale Ebene bezogen, der Körper wird Ärzten oder Physiotherapeuten überlassen. Noch heute herrscht bei diesem Thema eine Trennung von Körper und Geist in der Unterstützung von AthletInnen vor. Echte interdisziplinäre Zusammenarbeit ist eher Ausnahme denn Regel. Wenn überhaupt, dann erfolgt sportpsychologische Betreuung hier oft zu spät und „symptomorientiert“.
Was „können“ moderne Hypnotherapie bzw. „Sporthypnose“ und Embodimentfokussierte Ansätze, was andere, oft sehr kognitiv ausgerichtete Verfahren nicht können?
Bei all den oben genannten Fragen geht es nicht nur um bewusste Strategien, sondern auch um Zugang zum Unbewussten und zum Körper. Der Körper hat die Erfahrungen gespeichert: „Das steckt noch in mir drin!“ wird auch so von den Athletinnen geäußert.
Ängste und innere Verarbeitungsmuster, im Extremfall eine sogenannte „Posttraumatische Belastungsstörung“, sind auch im Hirnscan nachweisbar. Hypnotherapeutische und sogenannte Prozess- und Embodimentfokussierte Techniken, die den Körper einbeziehen, können diese Ängste und Erregungsmuster regulieren und die gemachte negative Erfahrung verarbeiten, so dass diese nicht mehr die „emotionale Alarmsituation“ auslöst.
Bahnbrechende Studien
Das ist mittlerweile auch wissenschaftlich nachgewiesen. Beispielsweise gibt es eine bahnbrechende Studie zu sogenannten Klopftechniken und zur Prozess- und Embodimentfokussierten Psychologie zum Thema Flugangst: von 90% auf nur noch 25% Flugangstpatienten – bereits nach einer Sitzung von 60 Minuten! Bei dieser Herangehensweise wird der Körper durch „Beklopfen“ von bestimmten Punkten einbezogen, das parasympathische Nervensystem und damit Entspannung aktiviert und der „Stress“ heruntergefahren. Parallel dazu wird durch mit Affirmationen und Techniken aus der Trauma-Bearbeitung das Erlebte verarbeitet.
Meine praktische Erfahrung damit: schon mit einer einzigen Session kann oft ein signifikanter Fortschritt erzielt werden! Beispielsweise hat eine Ski Alpin Athletin nach einem Sturz, der massive Ängste und Körperreaktionen zur Folge hatte und zur Überlegung führt, ihre Sportkarriere aufzugeben, unter Anwendung der genannten Techniken nach einer einzigen Session wieder erfolgreich auf die Piste zurückgefunden. Wenn dann noch hypnotherapeutische Strategien für die optimale Fokussierung und Performance sorgen, wird damit das erfolgreiche Comeback ermöglicht und weiter gefördert.
Hypnotherapeutische Ansätze bieten beim Thema Schmerz und Comeback nach Verletzungen viele Optionen.
Jede/r von uns hat schon einmal bei Schwellungen aufgrund akuter Verletzungen Kälte, z.B. in Form eines Eisbeutels angewendet. Das geht auch mental! Die Vorstellung aktiviert innere Vorgänge im Körper. Wenn wir intensiv an eine Zitrone denken und in der lebhaften Vorstellung eine Zitrone im Mund haben, läuft uns das Wasser zusammen. Und wer eine Katze oder einen Hund hat und nur mit der Leckerli-Tüte knistert, kann den Speichel des Tieres schon sehen.
Hypnotherapie kann über Bilder, Vorstellungen und Suggestionen Schmerzen regulieren und Körperreaktionen, wie z.B. Blutungen, Wundschmerz, Schwellungen steuern. Es gibt mittlerweile einige Mediziner mit Ausbildung in Hypnose, z.B. Zahnärzte, die OP‘s ohne Betäubung und ausschließlich mit Hypnose machen. In der Rehaphase können Bilder und innere Filme von einem „heilenden Körper“ die Regeneration enorm beschleunigen. Auch die Wiederaktivierung von einem positiven Körpergefühl, z.B. Balance, Vertrauen und Stabilität nach Knie-OP, geht damit schneller.
Die Bandbreite ist enorm, auch für die Analyse und Optimierung der Performance lässt sich Hypnose nutzen!
Bei manchen Stürzen und Schmerzen stehen häufig folgende Fragen im Raum:
„Wie ist das passiert?“
„Wo kommt das her?“
„Wie kann ich das künftig vermeiden?“
Oft geht es im Sport so schnell, dass gar nicht klar ist, was die Ursache eines Sturzes war. Auch Videomaterial hilft da oft nicht weiter, weil man nur das „Äußere“ sieht. Was ist innerlich passiert, dass der Fokus verloren ging und der Sturz passiert ist?
Das lässt sich oft mit der sogenannten „Zeitlupentechnik“ rekonstruieren. Dem Umknicken oder einem Sturz geht oft eine Ambivalenz, Überlastung oder Grenzsituation voraus. Es wird vielleicht eine leichte Übermüdung wahrgenommen, man schiebt diese aber weg und aktiviert noch einmal alle Kräfte, und das rächt sich eben manchmal. Oder man hat Zweifel, im Sinne von: „Schaffe ich das wirklich, bin ich schon so weit?“ Alle schauen zu und der Trainer schreit „Jetzt mach doch!“ und dann macht man eben… Häufig ist uns das nicht bewusst – und wenn die Verletzung da ist, kümmert man sich eben um das „Akute“, der Rest bleibt auf der Strecke. In der Reha steigt die Erwartung, und der nächste Wettkampf kommt, oft mit Zweifeln und Ängsten, weil das Unbewusste sagt „pass auf, dass das nicht wieder passiert“!
Die Erfahrung zeigt, dass mit einem „Weiter so“ ohne mentale Verarbeitung der Verletzung und ohne Optimierung der Regenerationsstrategie die erneute Verletzungswahrscheinlichkeit enorm steigt!
Schmerz ist oft ein Signal unseres Unbewussten – die „Alarmanlage“ geht an!
Und man kann sich darauf verlassen: Das Unbewusste ist immer stärker als das Bewusste, es ist quasi unsere innere „Alarmanlage“. Oft entstehen auch andere Signale und Symptome, z.B. wiederholte Infekte oder Rückenschmerzen ohne erkennbare Ursache, wie z.B. Hexenschuss, scheinbar aus dem Nichts, wie ein „Überfall“, wie es einmal ein Athlet sagte, der immer wieder Rückenschmerzen hatte.
Mit hypnotherapeutischen Verfahren kann man herausfinden, was hinter der „Message“ steckt, also hinter der Nachricht, die uns das Unbewusste mitteilen will. Ich habe beispielsweise viel Erfahrung mit „ungeklärten Rückenschmerzen“ bei ReiterInnen und Ski Alpin Athletinnen, und immer war eine Message zu finden!
Insgesamt kann ich sagen: wenn man bereit ist, diese Message der Symptome und Schmerzen zu entziffern, dann lassen sich zeitnahe und gute Lösungen finden! Körper und Geist sind unheimlich dankbar und bereit zu schneller Regeneration und guter Performance, wenn man den richtigen Ansatz findet!
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Wie gern würde ich hier den Klassiker zum Einstieg nutzen und die Leser*innen darum bitten, jetzt nicht an einen rosafarbenen Elefanten zu denken. Aber das wäre mir zu plump. Es würde mich aber doch interessieren zu hören, woran Sie gerade gedacht haben. Vielleicht hat es ja jemanden erwischt… Und so funktioniert es eben mit der Aufmerksamkeitskontrolle. Es geht nicht darum zu lernen, was man nicht in den Fokus rücken möchte. Es geht darum zu überlegen, was man stattdessen will.
Zum Thema: Tipps zur Anwendung und Warnung vor häufigen Fehlermustern
Die Fähigkeit, sich zu konzentrieren, bedeutet, die Gedanken mit der vorliegenden Aufgabe zu beschäftigen. Einen Großteil der Zeit legen wir den Fokus jedoch auf Dinge, die für uns nicht nützlich sind und lassen uns von unseren Ängsten und Sorgen einnehmen, von Gedanken, die an unserem Selbstvertrauen kratzen. Viel nützlicher wäre es dabei doch, den Blick auf das Kontrollierbare zu richten; auf etwas, das uns stark macht und das Selbstvertrauen stärkt; auf etwas, das uns unserem Ziel näher bringt, wie z.B. unsere Technik oder Bewegungsausführung.
Ein früher Faktor, der unsere Aufmerksamkeit und die Aufmerksamkeitsausrichtung beeinflusst, ist unsere Informationsverarbeitung. Wir nehmen ständig Informationen mit unseren Sinnen auf und treffen aufgrund dieser unsere Entscheidungen.
Aufmerksamkeitssteuerung
Im Sport wissen wir häufig sehr genau, worauf wir unsere Entscheidungen richten müssen. Dies kann der Startschuss sein, der Ball, der Schläger des Gegenspielers, die Bewegungsrichtung des Mitspielers oder die Flasche an der Verpflegungsstation, die wir greifen wollen. Zu anderen Zeiten müssen wir sehr gut wählen, worauf wir unsere Aufmerksamkeit in einer schnell wechselnden Umgebung ausrichten. Dann geht es darum zu wählen, worauf wir uns fokussieren, um dann die gesammelten Informationen zu verarbeiten und zu reagieren (diese drei Schritte – Input, Prozess, Output – sind sozusagen die Reaktionsgeschwindigkeit).
Es gibt verschiedene Einflussfaktoren auf unsere Aufmerksamkeitssteuerung. Habe ich zu viele Wahlmöglichkeiten, dann muss ich frühzeitig wissen, welche Reize relevant für meine Leistungserbringung sind. Werden Störfaktoren ausgeschaltet, sinkt fast automatisch die Reaktionsgeschwindigkeit. Nehmen wir zum Beispiel eine Speisekarte mit 100 Gerichten zur Hand. Wenn ich weiß, dass ich nur nach vegetarischen Gerichten suche, kann ich meine Aufmerksamkeit auf die relevanten Gerichte richten und damit automatisch schneller entscheiden. Im Sport muss ich mich in einer ständig wechselnden Umgebung damit befassen, also die relevanten von irrelevanten Reizen zu trennen. Setze ich den Fokus falsch, verlangsamt das meine Reaktionszeit und ich verpasse möglicherweise eine Chance. Ich sollte den Fokus also im Hier und Jetzt halten und auf relevante Informationen setzen.
Flaschenhals Informationsverarbeitung
Einen weiteren begrenzenden Faktor stellt unsere zugegebenermaßen eingeschränkte Aufnahmekapazität dar: wie durch einen Flaschenhals passt immer nur ein Informationsstück in unser Aufmerksamkeitsfenster. Wenn ich zwei Informationen zeitgleich zu verarbeiten versuche, habe ich für beide weniger Aufmerksamkeit bereit, so dass ich die Aufgabe schlechter löse, als wenn ich sie nacheinander bearbeite. Einfluss nimmt hierauf mein eigener Expertisegrad. Aufgaben, in denen ich eine hohe Expertise besitze, benötigen weniger Aufmerksamkeit aufgrund einer gewissen Automatisierung.
So ein Informationsüberfluss kann sich auch über die emotionale Situation auf die Aufmerksamkeitsleistung auswirken: Versuche ich, zu viele Informationen gleichzeitig zu verarbeiten, kann der entstehende Informationsüberfluss Gefühle von Angst auslösen. Diese Angst wiederum führt dann zu einem Fokusverlust. Nun kann es helfen, tief durchzuatmen und eine konkrete Sache auszuwählen, auf die ich mich fokussieren möchte. Also: Aufgrund der eingeschränkten Kapazität unserer Aufmerksamkeit und der Informationsverarbeitung ist es wichtig, gut zu wählen, worauf ich mich im Sinne meiner Leistung fokussieren möchte.
Stress kann hilfreich sein
Wo wir gerade bei Angst und damit verbunden bei Stress sind: Ein gewisses Maß an Stress hilft mir, leistungsfähig, konzentriert und fokussiert zu sein (Das Modell dazu erklärt Kollege Thorsten Loch an dieser Stelle sehr schön:
Zu viel Stress zieht meine Aufmerksamkeit in Richtung Angst und Besorgnis erregende Gedanken. Ein zu hohes Maß an Leistungsangst führt also dazu, dass ich mich schnell und leicht ablenken lasse und den Fokus auf irrelevante Reize lenke, da mir die Wahl so schwer fällt (denken wir noch mal an die Speisekarte). Hier sollte ich Entspannungs- und Emotionsregulationsstrategien bereit halten, um mein Anspannungsniveau in meine individuelle Zone des optimalen Funktionierens bringen zu können.
Angst als Stolperstein
Neben der Ablenkung auf irrelevante Reize zeigt die psychologische Forschung auch, dass Angst und ein hohes Erregungsniveau zu einem eingeschränkten Aufmerksamkeitsfokus führen (Weapon focus als Stichwort). Natürlich kann dies in Situationen hilfreich sein, um den Fokus genau auf das zu legen, was in der jeweiligen Situation am wichtigsten ist (auf einer gefährlichen Abfahrt ist der Fokus auf der Straße definitiv hilfreicher als auf der Vegetation am Straßenrand, aber er ist auf dem Asphaltband eben auch nützlicher als auf dem Abgrund). Gerät der Fokus jedoch zu eng, dann kann es Einfluss auf die Leistungsfähigkeit geben. Nehmen wir das Klettern als Beispiel. Denke ich hier nur an die Luft unter mir, sehe ich den größten Henkel nicht mehr.
Nach 70 Jahren hat die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft bei einer Weltmeisterschaft wieder eine Medaille gewonnen. Bei der WM 2023 in Finnland und Lettland ist das deutsche Team sensationell ins Finale vorgestoßen. Das Team lieferte eine mitreißende Turnierleistung, die nur wenige Experten vorab erwartet hatten. Wir haben Bundestrainer Harold Kreis, der erst im Frühjahr den Job übernommen hat, zu den Hintergründen des großen Erfolges mit Blick auf die Sportpsychologie befragt.
Harold Kreis, erst einmal herzlichen Glückwunsch zu diesem riesigen Erfolg! Was war deiner Meinung nach der entscheidende Faktor dafür, dass die Jungs so mit und füreinander gekämpft haben?
In Zusammenarbeit mit dem Coaching Staff, Alex Sulzer und Pekka Kangasalusta haben wir eine Mannschaft aufgestellt, die sehr gut Ihre Rollen aufgenommen und ausgeführt haben. Die Spieler haben viel miteinander gesprochen, sie haben ihre Freizeit miteinander verbracht und hatten Spaß am Eishockey. Sie hatten Vertrauen ineinander und in das Spielsystem, sie glaubten an sich und dass sie etwas Großartiges erreichen können. Es hat sich ein sehr ausgeprägtes „Wir“-Gefühl im Laufe der Vorbereitung und des Turniers entwickelt. Das Team war der Star-Player.
Hat euer Sportpsychologe Dr. Tom Kossak in Bezug auf den Teamzusammenhalt etwas spezielles mit den Jungs gemacht?
Sein Einfluss ist sehr vielseitig. Ich gebe mal einige Beispiele. So beginnt die Steuerung des Teamzusammenhalts ja schon weit vor dem Turnier. Wir überlegen gemeinsam, wie wir Räume und Aktionen schaffen, in denen sich die Spieler abseits des Eises begegnen können. Es ist uns wichtig, eine Mischung aus Fokus im Team und Lockerheit und Individualität aufzubauen.
In den Gruppensessions mit Tom sprechen die Spieler dann meist über die Themen Fokus und Handeln unter Druck. Dabei ist die Teamresilienz für uns ein besonders wichtiger Faktor. Es geht darum, dass es die Mannschaft in Drucksituationen oder bei Rückschlägen schafft, weiter fokussiert zu spielen. Das geht schon bei der Zielsetzung los. Natürlich wird Zielsetzung oftmals mit Motivation in Verbindung gebracht. Sie kann den Fokus aber auch zu sehr aufs Ergebnis lenken. Deswegen ist die Diskussion über eine motivierende Zielsetzung sehr wichtig, bei der es die Spieler schaffen, fokussiert ihr Spiel zu spielen, ohne zu sehr im Ergebnis zu sein, sondern im Moment.
Die Mannschaft entwickelt in den Gesprächen mit Tom Ideen, was dafür notwendig ist, um im Moment zu spielen. Eine besondere Herausforderung in diesem Jahr waren die ersten drei Spiele in der Gruppenphase. Wir wussten, dass es schwer wird, wollten uns davon aber nicht beeindrucken lassen und unser Spiel spielen. Dies ist dem Team auch sehr gut gelungen, obwohl die Spiele knapp verloren wurden. Aus diesen Spielen zog die Mannschaft trotzdem viel Stärke. Wichtig war dann, mit Selbstvertrauen in die weiteren Spiele zu gehen und sich von dem schweren Start nicht beeindrucken zu lassen. Auf diese Situation hat Tom das Team vorbereitet. Der Glaube an die Stärke des Teams und das Vertrauen ins Spielsystem, in dem jeder seine Stärke einbringen darf, war dafür besonders wichtig.
Inwiefern konnte Tom dir bei deinem Job als Bundestrainer helfen?
Da die Arbeit mit Tom sehr früh begonnen hat, konnten wir einige Sachen rechtzeitig besprechen und Tom hatte genügend Zeit, seine Gespräche mit der Mannschaft vorzubereiten. Tom war auch bei allen Team-Meetings dabei und konnte mich entweder schon im Vorfeld auf bestimmte Themen, die die Mannschaftsmitglieder beschäftigen, sensibilisieren oder mir Feedback über meine Ansprache geben. Ich finde es enorm wichtig und sehr hilfreich, wenn der Sportpsychologe, in diesem Fall Tom, mir eine andere Perspektive eröffnet. „Coach the coach“ in real time finde ich sehr hilfreich in Bezug auf meine eigene Entwicklung im Umgang mit den Sportlern.
Warum rätst du jedem Eishockeytrainer, auf die Erfahrung aus der Sportpsychologie zu setzen?
Aus eigener Erfahrung habe ich festgestellt, dass ich häufig ein Muster im Umgang mit einem bestimmten Spielertyp anwende. Wenn ich ihn nach mehreren Versuchen nicht erreiche, bin ich der Meinung, dass es am Spieler liegt und nicht an mir. Ein Sportpsychologe kann einem Coach dies erklären, dir eine neue Perspektive und Zugang zum Spieler eröffnen und somit bleibt ein konstruktiver Austausch mit dem Spieler aufrecht erhalten.
Der Sportpsychologe kann dem Trainer auch Feedback bezüglich der „Temperatur“ der Mannschaft geben und aufzeigen, welche Themen gerade sehr wichtig oder bedrohlich sind. Somit kann der Trainer rechtzeitig und gezielt bestimmte Themen ansprechen und handeln.
Im Eishockey, nicht nur in den unteren Ligen, ist viel Wildwuchs dabei. Seien wir ehrlich: Es tummeln sich einige windige und schlecht ausgebildete Möchtegern-Experten im Umfeld der Vereine. Du setzt auf seriöse Sportpsychologie. Hast du Tipps für Manager, Trainer und Spieler, wie sie seriöse von unseriösen Angeboten unterscheiden können?
Es ist wichtig zu sehen, was für eine Ausbildung und welche Erfahrungen schon gemacht worden sind. Wie bei der Auswahl eines Spielers holen wir uns Informationen aus Referenzen, die uns von Spielern mitgeteilt worden sind, oder wir stellen eigene Recherchen an.
Darüber hinaus ist mindestens ein persönliches Gespräch, face to face, unabdingbar. Da die Arbeit mit dem Sportpsychologen so intim und intensiv ist, muss auch hier Vertrauen und Sympathie vorhanden sein.
Kürzlich war ich zu den 100-Jahr-Jubiläumsfestivitäten des Instituts für Angewandte Psychologie (IAP) in Zürich eingeladen. Getreu dem Motto „Psychologie hilft.“ erhielten die rund 1’000 Besucher:innen (!) vielfältige Einblicke in aktuelle und zukünftige Entwicklungen in angewandten Praxisfeldern der Psychologie. Mein Fazit für die Arbeitswelt Sportpsychologie 4.0 lautet: Künstliche Intelligenz (KI) wird kommen, doch die Selbstreflexion bleibt unser wichtigstes Tool! Weil wir in der Lage sind, unsere Prozesse, Methoden und Techniken zu verbessern. In welchen Themen meiner Arbeit mich die Selbstreflexion begleitet, versuche ich in diesem Blog an drei aktuellen Beispielen zu erläutern.
Zum Thema: Arbeitswelt Sportpsychologie 4.0 – Selbstreflexion hilft.
Psychologie hilft. Damit wir Sportpsycholog:innen in Zukunft noch besser helfen können und unsere Anwendungstools noch effizienter einzusetzen wissen, müssen wir uns unserer lernförderlichen Kompetenzen bewusst(er) sein. So habe ich Referent Urs Blum verstanden, der in seinem inspirierenden Referat „Future Skills – die Superkraft für Menschen von morgen“ Erkenntnisse aus der IAP-Studienreihe „Der Mensch in der Arbeitswelt 4.0“ vorstellte.
Seine Sichtweise kontrastiert mit Ansichten, die im Rahmen einer Podiumsdiskussion zu Auswirkungen von KI auf uns Menschen an der gleichen IAP-Veranstaltung geäussert wurden. KI – Freund oder Feind? – auch in der Sportpsychologie? Oder anders gefragt: Wird uns KI in der Beratung konkurrenzieren?
ChatGPT kennt unsere Zukunft!
Ich habe ChatGPT zu unserer Zukunft befragt, genauer zu einer unserer Kernkompetenzen, nämlich der Selbstreflexion.
Wie wichtig ist Selbstreflexion im Beratungsprozess?
Antwort ChatGPT (3.5): Selbstreflexion ist ein wichtiger Bestandteil des Beratungsprozesses, da sie es dem Berater ermöglicht, seine eigenen Vorurteile, Annahmen und Erfahrungen zu erkennen und zu überprüfen. Durch die Selbstreflexion kann der Berater auch seine eigenen Stärken und Schwächen erkennen und gezielt an ihnen arbeiten, um eine bessere Beratungsleistung zu erbringen. Darüber hinaus kann die Selbstreflexion dazu beitragen, eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Berater und Klient aufzubauen, da der Berater authentisch und transparent sein kann.
Wird KI die Selbstreflexion im Beratungsprozess ablösen?
Antwort ChatGPT (3.5): Obwohl KI-Technologien in der Beratungsbranche immer häufiger eingesetzt werden, ist es unwahrscheinlich, dass sie die Selbstreflexion im Beratungsprozess vollständig ersetzen werden. Selbstreflexion erfordert ein hohes Maß an emotionaler Intelligenz und menschlicher Empathie, die derzeit nicht von KI-Systemen erreicht werden können. KI-Systeme können jedoch als unterstützende Werkzeuge eingesetzt werden, um den Berater bei der Analyse von Daten und der Identifizierung von Mustern zu unterstützen, die bei der Selbstreflexion helfen können. Letztendlich wird die menschliche Komponente im Beratungsprozess jedoch weiterhin von entscheidender Bedeutung sein.
Die menschliche Komponente in der Beratung
Die Antworten klingen gleichermassen intelligent wie nachvollziehbar. Wo ich die menschliche Komponente im Beratungsprozess gegenüber der Expertise von KI auch weiterhin höher gewichte, möchte ich anhand von drei Beispielen erläutern, welche ich kürzlich in meinem Arbeitsumfeld erleben durfte. Die besondere „Stärke“ dieser Erfahrungen leite ich aus dem selbstreflexiven Prozess ab, der immer mit Lernen und Entwicklung zu tun hat – für mich elementarer Bestandteil der Arbeitswelt 4.0 der Sportpsychologie!
Als Vater einer ambitionierten Tochter besuchte ich den Workshop „Elterncoaching“ von Valeria Eckardt. Einmal mehr wurde ich mir bewusst, dass wir Sporteltern mit drei elementaren Funktionen ausgestattet sind: wir unterstützen, wir wirken als Vorbild und wir bewerten. Was aber bedeutet es, wenn der Vater zudem noch Sportpsychologe ist? Meine Tochter Catia antwortete im Rahmen unseres asp-Workshops „Wettkampfvorbereitung –Countdown“ folgendermassen:
„Ich finde es toll, dass mein Vater Sportpsychologe ist. Aus meiner Sicht hat er sich ideal verhalten. Genau das richtige Mass „an Vater“, der mir Sicherheit gibt und als Psychologe, der seriös und kompetent ist. Früher hat sich mein Vater sehr im Hintergrund gehalten. Wenn ich ihn heute mit einer Frage angehe, weiss ich, dass ich jederzeit eine sehr gute Antwort bekomme.“
Ich bezweifle, dass KI in der Lage wäre, mir eine Rückmeldung in dieser unmittelbar fassbaren, menschlichen Qualität geben zu können.
2) Anfrage Sporthochschule Köln
Kürzlich erhielt ich folgende Anfrage von einem Studenten der SpoHo Köln: „(…): Es geht darum, dass wir einen Workshop zum Thema „Practice what you preach“ unter sportpsychologischen Experten/sportpsychologisch Auszubildenden planen und durchführen. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns ein kurzes Statement aufzeichnen und zuschicken. Und zwar geht es um die Frage:
„Finden die an die Student*innen vermittelten theoretischen Benefits aus Psychology und Sportscience auch in Ihrem eigenen Alltag Anwendung? Und warum?“
Selbstverständlich könnte KI auch dazu eine Antwort geben. Nur eben – diese wäre künstlich und nicht individuell-authentisch!
3) Besuch DAS Sportpsychologie Studierenden
Vergangene Woche besuchten mich zwei Studierende des DAS Sportpsychologie, welches an der Uni Bern angeboten wird. Diese 3-jährige, berufsbegleitende postgraduale Weiterbildung führt in der Schweiz zur Erlangung des Fachtitels „Sportpsycholog:in FSP“. Damit ich mich inhaltlich etwas vorbereiten konnte, bat ich um eine thematische Eingrenzung anhand einiger Hauptfragestellungen. Dazu erhielt ich folgende Rückmeldung:
„Vielen Dank für deine Bereitschaft mit uns das Interview zu führen. Wir werden dabei Fragen stellen, welche sich um dein Verhalten als Fachperson z. B. …
o … gegenüber Medienschaffenden drehen?
o … um Vertrauen zum Kunden aufzubauen?
o … bei Konflikten oder ethischen Dilemmata?
o … um wirtschaftlich überleben zu können?
o … um die eigene Qualität zu sichern?
Wir freuen uns auf den Austausch mit dir.“
Der Austausch dauerte rund 90 Minuten. Die besprochenen Inhalte sollen in einem Bericht zusammengefasst werden. Natürlich hätte auch KI Antworten auf die oben gestellten Fragen geben können, nur hätten diese kaum 30 Jahre individuell gelebte Praxis in der Sportpsychologie wiedergeben können. Zudem verwies ich im Gespräch immer wieder auf Texte, die ich in den vergangenen 7 Jahren auf die-sportpsychologen.de publiziert habe.
Und wie trainiere ich Selbstreflexion?
Die oben beschriebenen Situationen zeigen beispielhaft, wie selbstreflexives Lernen im eigenen beruflichen Alltag stattfindet. Aus Sicht der Qualitätssicherung unserer Dienstleistung im Feld der Angewandten Sportpsychologie erachte ich es als selbstverständliche Notwendigkeit, die eigene Tätigkeit selbstreflexiv zu betrachten. KI kann viel und wird in Zukunft noch mehr können – eine Überprüfung und allenfalls Verbesserung der Prozessqualität unserer Interventionen bleibt dem Mensch vorbehalten. Davon bin ich überzeugt.
Selbst für die Entwicklung der Selbstreflexion braucht es keine KI. Ich lehne mich hier gerne an den eingangs erwähnten Referenten Urs Blum an, der mit einem einfach gehaltenen Tool das Publikum zu aktivem Training einlud. Hier seine Anleitung in Kurzform:
1.) Blockiere in deiner Agenda in den nächsten drei Tagen einen Timeslot von 30’;
2.) Beantworte folgende zwei Fragen: a) Was ist mir gelungen? b) Was habe ich nicht herausgefunden? Halte deine Gedanken fest.
3.) Plane und blockiere in zwei Wochen einen neuen Termin.
Mein Fazit
KI wird in Zukunft unseren beruflichen Alltag beeinflussen – so oder so! Die Selbstreflexion müssen wir weiterhin als wichtiges Tool weiterentwickeln – so einfach, selbstverständlich und regelmässig wie möglich!
Majkovic, A.-L., Gundrum E., Kornfeind, J., Müller, A. & Wirth, R. (2022). IAP Studie 2022: Der Mensch in der Arbeitswelt 4.0. Lernen in der Arbeitswelt 4.0. Zürich: IAP Institut für Angewandte Psychologie der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.